Geschichte von Rügen und Pommern [3]

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Rügen

und

Pommern .

Verfaßt durch

F. W. Barthold , Doctor der Philoſophie und ordentlichen Profeſſor der Geſchichte an der Univerſität zu Greifswald.

Dritter

Theil.

Vom Tode Barnims I. ( 1278 ) bis zum Auftreten der Hohenzollern in der Mark Brandenburg ( 1411 ).

Hamburg . Bei Friedrich 1842.

Perthe 6.

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. Der britte Theil der Geſchichte von Pommern , wel der gegenwärtig erſcheint, iſt für die Ausarbeitung bei weitem der Schwierigſte geweſen. Während der Geſchichte früherer Jahrhunderte zuſammenhängende Zeitbücher fichs boten , wie Saro Grammatikus, Helmold und andere, hat der Verf. für die eben beendigte Periode nur eine große Zahl von Urkunden , ohne einen vermittelnden Faden der Erzählung, benußen können , und war deshalb ge nöthigt , das Verſtändniß urkundlicher Thatſachen ent weder der allgemeinen Geſchichte des Mittelalters, be ſonders der deutſden , zu entnehmen, ober burch vor Fichtige Combinationen den Zuſammenhang zu ergänzen . Obenein zerſpaltet ſich der Stoff in

Folge der viel

fachen Landestheilungen , und verhindert die Gleichheit ber pommerſchen Fürſten in Namen und Titeln die Auf faffung.

Daß Thomas Kangows Erzählung burdh

aus unbrauchbar ſei, ſo lange er von früheren Zeiten redet, bebarf für den Kundigen keines Beweiſes ; wie des geiſtreichen , aber ungewiſſenhaften Mannes

Phan

tafie die Gedichten gemacht habe , wird auch beitt Laien durch

ſchlagende Thatſachen bargethan werben .

1

Vorwort.

IV Faſt bereut

der

Hiſtoriendid -

Verfaſſer , dieſem

ter früher noch zuviel Schonung erwieſen zu haben ; er glaubte, ein volksthümliches Bewußtſein der Ver gangenheit, ſelbſt wenn es irrig wäre, achten zu müſſen , bis er ſich überzeugte , daß er es im Kantow nicht mit ehrwürdiger Ueberlieferung, dergleichen etwa wie in Livius' erſten Büchern

der römiſchen Geſchichte, ſondern

mit der keden Erfindung des

Einzelnen zu thun

habe, welchem eine verzeihliche Eitelkeit der Zeitgenoſſen und

Nachkommen unbedingten Glauben ſchenkte.

So

ſtellen , ſich benn der Kritik berühmte Thatfachen , wie 2. B. die. Schlacht am Kremmerbamme, ganz anders heraus ; ſo aufrichtig der Verf. die Pommern

liebt,

galt die Wahrheit ihm doch höher. 1: Die Benußung eines. Schaßes von Urkunden , theils im Originale, theils in guten Abſchriften und Drucken, theils in Ertracten , mußte die pommerſche Geſchichte des XIV . und eines Theils des XV. Jahrhunderts weſentlich imgeſtalten ; man vergleiche die bisher gegen benen Darſtellungen der Verhältniſſe mit den Mark grafen anhaltiſchen Stammes ; mit Ludwig dem

Baiern ;

der Periode des falſchen Waldemars der Streithändel mit dem

deutſchen Orden ; der Geſchichte des Banneg

Stralſunds in Folge des Anfalls Nurd Bonows u . f. w . Viele der wichtigſten Urkunden wurden

dem Verfaſſer

durch die ſchätzbare Bereitwilligkeit von Geſchichtsfreun den und von

Behörden zugänglich.

Vor andern hat

der Verf dem Hocheidlen Ratbe der Stadt Stralſund zu danken, welcher, ein Muſter liberaler Würdigung der Vergangenheit, dem Forſcher die ginalurkunden vergönnte.

Benußung von Ori

Bon neueren handſchriftlichen

Vorwort Hülfsmitteln ſtanden demſelben ſeiner verehrten Freunde, des Herrn von Bilow auf Griſcow ,, Entwicelung der pommerſchen Steuerverhältniſſe

im Mittelalter, “ und

des Herrn Kammerrath Brummer zu Treptow , a. d. R. ,,Geſchichte des Kloſters Belbuck" zu Gebote.

Die in :

neren Verhältniſſe Pommerns im XIII. und XIV . Jahr hundert

bätten

noch

ausführlicher beleuchtet werden

können , wenn nicht der Raum von vier Bänden das Maaß beengte:

Nächſt gewiſſenhafter Verwendung des

ſchriftlichen Materials

hat der Verf. innerhalb zweier

Fabre fich bemüht, ben geſchichtlichen Schauplats

noch

genauer kennen zu lernen ; er wanderte von Doberan , die Küſte entlang, über Arenshop, Herteburg, Kenz, Barb, über die Inſeln , über

Ramin, Hoff, Belbuck bis nach

Budow , Rügenwalde, Lanzig und zum Ausfluß der Lu pow, und von der Brabe, Pommerellens Oſtgrenze, über Nakel, Friebland in Pommerellen, Schlocháu, Rummels burg ,

Neu - Stettin ,

Bärwalde , Polzin , Falkenburg,

Sazig , Marienfließ , Stargard , die Scheide des Bar nims und der Uckermark, bis zu den Quellen der Tol lenſe,

einſt Pommerns

urkundliches Gebiet .

Er ver

ſichert, daß kein hiſtoriſch, antiquariſch oder landſchaft lich wichtiger Ort Pommerns von ihm

unbeſucht ge

blieben ſei, und daß er bisher Unbeachtetes , wie über die Kirche und das älteſte Bild eines pommerſchen Für ſten zu Kenz , ſeinen Leſern

mitzutheilen

habe.

Aber

ungeachtet er ſtrebte, die Anſchauung des Landes auf ſeine Arbeit zu übertragen,

hat er doch nicht die

ſicht gehabt, ein Geſchichtsleſebud zu liefern.

Ab Der

vielgeſtaltige Stoff iſt der Kritik erſt abzugewinnen ; die Arbeit der Kritik konnte und durfte nicht verſtedt werden ;

Vorwort

VI

viele Thatſachen, welche zumal dem Leſer außerhalb der Provinz gleichgültig erſcheinen mögen, wurden erörtert, weil es dem heimiſchen Forſcher Freude machte, ihrer gewiß zu werden ;

kurz das Buch , wie es einmal iſt,

erforbert Spannung des Leſers und Liebe zum Gegen ſtande.

Möge nach der Beendigung dann ein Anderer 1,

fich finden , um in kurzer, gefälligerer Weiſe das Er forſchte dem Genuß einer zahlreicheren Leſewelt zu bieten ! Ueber den vierten Theil, welcher, ungleich ſtärker an Umfang, mit dem weſtfäliſchen Frieden ſchließen wird, foll das Werk nicht hinausgehen. ber

Unerläßlich iſt, vor

bie Schäße des Archivs von Königsberg auszu

beuten

und im

jagelloniſchen

Die Mittel zit. ſolchem

Zwecke

Krakau

nachzuførſden .

hat die Auld

ſeiner

Majeſtät des Königs verbeißen , durch welche allein der Verfaſſer, tief

empfundenen Danke $ voll ,

vorliegende Arbeit zu beginnen und bis hieher zu för dern, im Stande war.

Greifswald, am 31. October 1842.

F. W. Barthold.

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1

t.

Seite. Fünftes Buch . Pommern in der Lehnsabhängigkeit von den Markgrafen von Brandenburg. Sheilung des Oftlichen Pommerns. Aus, bildung der Stånde. Macht der Stadte. Hanſe. Auss gang des anhaltiſchen Markgrafenſtammes . Rúgen und Pommern vereinigt. Die Herzoge gerinnen Reichsfreiheit. Bom Jahre 1278 bis 1338 . Erfte

3

Rapitel

Ausbildung derfändiſchen Freibeit in Pommern unter den Ariegen Bogislaus IV. mit den Markgrafen von Brandenburg 1278– 1284. Die wendiſchen Hanſeſtädte. Lod Biſchofs Hermanns von Ramin . Meſtwin von Pommern. Danzig: Streit um die Nadfolge. Przemyslav ſeit 26. Juni 1295 König von Polen , als Erbe Meſtwins

3

Zweites Kapitel. Verwirrung unter den Fürſten Slaviens. Tod Barnims. Erſte Theilung Pommerns durch die Stände 1295.Przemyslav , Kö . nig von Dolen , ermordet Februar 1296. Wladislav Lofietek in Pommern anerkannt. Raſcher Wedſelder Wenzel. Fortſchritte der Märter. Gewinn Bogislaus durch Vertrag (1308) und deſſen Tod 1309. Eroberung Danzigo und der Kaſtellaneien an der Weidfel durch die Markgrafen . Einleitung des Verkaufs von 49 Pommerellen an den Orden ..... ...

Drittes Kapitel.. Das Fürſtenthum Rügen in Wißlaug 11. feßten Regierungdjahren . Das Kloſter Hiddenſee. VerhältnißRügens und der wendiſden Seeſtädte zum Norden. Wißlavo Teſtament und Tod. 1302. 1303. Biglav der Junge und Zambor. König Eric Menved. Drohende Verwidelung im Norben. Wißlav der Junge leiſtet Verzicht auf ſein Recht an Pommern 1310. Abſchluß des Ver kaufs Pommerng jenſeits der Leba an den Drden . Neue deutſche 93 Stadt Stolp 1310. Anlegung von Neu - Stettin .., :: !! Biertes Kapitel. Arieg Erich Menveds und der deutſchen Fürften gegen die wendiſchen Štädte Wismar, Roſtod und Stralſund 1310-1317. Walbe. mar und die Bürger als Vertheidiger der Unabhängigkeit des deutſchenNorbens.Wartiolaw gewinnt Erbfolgerecht aufRügen. Großer Sieg ber Stralſunber am Hainbolz. Sühne von Salz und Brudersdorf 1317. Lohn der Herzoge von Pommern und des Biſchofs durd Waldemar. Wartiolavs Erweiterung in Hina

1 VIII

Inhalt .

Seite terpommern. Aufhebung der Templer. Streit zwiſchen den Herzogen von Pommern 1319. Tod Markgraf Waldemars 1319. 117 Fünftes sapitel. Wartislav IV . Vormund für Markgraf Heinrid); Kampf um die Marken nach dem Tode des leßten Markgrafen 1320. Inniges Zuſammenhalten beider Linien und des Biſdofs von Kamin. Erbvereinigung mit Rügen . Theilbeſis der udermark. Ent ſcheidung burdy Ludwig ben Baier, den Sieger von Mühldorf 13. 1322. Streit mit dem neuen Markgrafen Ludwig gegen die Obetlehnsherrlichkeit. . Chriſtoph von Dänemark ......... 164 seulementation is adminnie Sedistes Kapitel König Ludwig belehnt ſeinen Sohn mit der Mark und mit Pom mern 1323. Abfall der Udermark von Wartislav und Otto: Die Pommern treten auf die guelfiſde Seite. Wartislavs Bündniß mit Wladislav 1325. Ausſterben des Fürſtengeld ledits von Rügen 1325. Rügens Einkünfte unter Wißlav III . War Tod Wartisla 298 su , vs IV. 1303 um Rügen. Treue der Städte, beſonders Greifswalds. Gleicha zeitiger Kampf mit Markgraf Ludwig. Unruhen im faminer Stift. Siege der Greifswalder 1327. Frieden zu Brudersdorf 189 27. Juni 1328. Einſpruch des Bisthums Sdwerin Siebentes Kapitel Krieg Ottos und Barnims gegen den Markgrafen Ludwig 1326. Streitpunkte erörtert 1. §. 1327. Tagefahrten . Aufhebung des Pabſtes. Noth der Pommern . Verpfändung Stolpes an den Orden 1329. Wedſelnde Erfolge 1330. Die Herzoge von Pommern nehmen ihre Länder vom Papſte zu Lehn 1331. Die Saladt am Kremmerbamm . Wedjelnde Ereigniſſe. Eliſabeth v. Pommern und Friedrich Biſdof von Kamin treten auf die märtijdhe Seite 1337. Einfluß der allgemeinen deutſchen Ber hältniſſe auf die Wendung des Streits. Reichstag zu Frankfurt 1338. " Barnim erlangt Reichsunmittelbarkeit vom Kaiſer Ludwig gegen Heimfallsverſicherung, Uuguſt 1338Borsetansesentes 224 addic ,191jalit ang Waiblionsert 190 du kantes Napitel Ueberſicht der inneren Entwidelung des pommerſden Staates. Die Stellung des Fürſten, Regalien. Rechtsverwaltung. Beſteuerung. Lehnsweſen . Sprödigkeit des Adels . Roßdienſte. Späterer Glanz des pommerſchen Adels als Krieger. Koſtbarkeit der se Robdienſte. Innere Geſtaltung des Bürgerthums. Verſchiedene Arten ſtädtiſcher Berechtigung . Der Bauernſtand. Die Geiſte 267 lichkeit. Zuſtand der allgemeinen Bildung ... orschrotset sidomos unhind und diedrenascenti psi:?? adicale 118 ) - OLE N - t hitast maaias stdöt and tinigntöldns: Sechſteś Buch . ise 38 dets 19 m Bouteil wud Von der Erwerbung der Reichsfreiheit für das Herzogthum Pommern -Stettin i. I. 1338 bis auf das erfte Auftreten is der Hohenzollern in der Mark Brandenburg i. I. 1411.is

Inhalt.

IX

Seite Pommern im Genuß der Reichsunabhängigkeit; Bars nims III. Walten. Zerriſſenheit und Ohnınacht des Lans des in Folge der Erbtheilungen . ... 351 Erſtes Kapitel. Unruhe der Stände und Kampf der Herzoge wolgaſtiſden Zweiges mit den Stettinern wegen der brandenburgiſchen Lehnsanwart ſchaft. Treue der Städte im ſtettiner Herzogthum . Freilöſung von Stolp 1341. Ausſöhnung der Vettern und ihrer Stände 1344. Tod Ottos III. 1345. Barnim III. Verehrer S. Ottos. Streit der Wolgafter mit den mellenburgiſchen und werleſden Fürſten wegen der verpfändeten Voigteien. Verhältniß Walde mars, Atterbag zu Pommern vom Jahre 1338 1347 ........ 351 Zweites Tapitel. Der falſche Waldemar. Barnim wieder reidsunmittelbar ohne die Anwartſchaft Brandenburgs 1348. Barnim III. gegen denMark grafen . Die Wolgaſter treu. Umſchlag der Pommern für Lud wig 1349. Abtretung eines Theiles der udermark an Pom mern. Vertrag zu Spremberg und Auslöhnung zu Baußen 1350. Anſehn König Waldemars im ſlaviſchen Deutſchland. Bar nims III. Sieg am Schopendamm 1351. Frieden mit Mellen burg: Sicherung des gewonnenen Landes dur den Kaiſer Karl IV . 1355. Noth und Peſt von 1348-1356. Die Geißler. 370 Drittes tapitel. Kleine Händel der Fürſten unter einander und mit dem Biſchof von Kamin. Karl IV . 'und Barnim III . 1357. Neue Begnadigun gen . Erbämter in Pommern. Kaiſerliches Caſſatorium für Barnim III . Kloſter Marienthron geſtiftet 1356. Drobende Parteiung. Ausſterben der Grafen von Güßkow 1359. Mär fiſche Händel um Paſewalk 1359. Barnimslí. Ingerechtigkeiten. Erfolgloſer Landfrieden zu Beggerow 1361. Erſter Krieg der deutſchen Hanſe - Städte gegen Waldemar Atterdag bis zum 412 Anſtande von Stralſund 1364 .

Viertes Kapitel. Uneinigkeit unter den Fürſten des Zweiges Wolgaſt von 1368. Tos Barnims IIT. 6: I. 1368. Niederlage bei Damgarten 1368 . Märkiſcher Krieg . Zweite fiegreiche Fehde der Hanſen gegen Dänemark und Norwegen 1367 – 1370. Märkiſder Krieg um Königsberg und Fall Kaſimirs III. 1372. Veränderungen als Karl IV. die Mark gewinnt. Tod Kaſimirs IV. von Dobrin 1373 , 447

Fünftes Kapitel. Waldemar Atterdag theilt die Kronen des Nordens, und ſtirbt 1375. Thronſtreit. Neue Theilung in ein Herzogthum Barb und Wol gaſt 1377. Tod Raiſer Karl IV. 1378 . Auflöſung im Reiche, beſonders im Nordoſten . Die Städte gegen die Seeräuber 1385. Vorbereitungen zur Union von Kalmar. Erich von Pommern Erbe Norwegens 1388. Verlegung der Kompturei Rórife nady Wildenbruch 1382. Tod König Ludwigs . ' Jagello und der polniſche Thron. Shievelbein an den Örden abgetreten 1384.

1 1 Inhalt

1

Seite Bund der Herzoge von Stolp und von Stettin und Wolgaſt mit dem Orben 1386. 1388. Falſchheit Wartislavs VII. Der Herzog, von Geldern . Streitige Biſchofswahl. Bogislav VIII. Berweſer von Ramin 1387. König Albrecht von Schweden gefangen 1389. Margaretha und die Pommern im Bunde. Åbfall Wartislavs VII. vom Orden 1390. Wartislav VII. zieht 486 ins heilige Land 1392 . Seoſtes Kapitel. Belagerung von Stodholm . Die Bitalienbrüber und Stampf mit denſelben. Befreiung König Albrechts von Schweden im Jahre 1395. Erich von Pommern und ſein Geſchlecht Erbe von Nor wegen . Die Union von Kalmar 1397. Rämpfe der Raths ariſtokratie und der Zünfte. Aufruhr in Anklam 1386 ; in Stral ſund bis 1395. Wartiolav VII. in Ungarn 1392. Arenshop zer-, ſtört 1393. Tod der Brüder von Wolgaſt 1393. 1394. Bar 520 nim VI. und Wartislav VIII.... Siebentes itapitel. Swantibor von Stettin und die Lüßelburger. Swantibors Antheil an der Befreiung König Wenzels i. I. 1394. DieHerrſchaft Beego Yow . Wirren im Bisthum Ramin ; Tod Wartislavs VII. Bo giglav VIII. weltlicy 1393. Die Herzoge von Stolp and der Orden 1394. Händel Swantibors mit dem Drben wegen des Bisthums Riga 1395. Nicolaus Bud Biſchof zu Ramin im Sahre 1398. Barnim VI. als Vitalienbruder 1398. Stodholm an Margaretha abgetreten 1398. Zunehmende friedloſigkeit der Mark. Krieg der Stettiner und Wolgaſter gegen die Mark. Prenzlau pommeriſch 1399. Die Brüder von Duißow . Bare nims VI. Unglüd vor Lübec 1401. Krieg um Strausberg 1402— 1404. Tod Bogislavs VII. Verluſt des Barnim durds die Quißow 1404. Neue Händel zwiſchen dem Drden, den Wol gaſtern und Margaretha 1403. Peſt und Tod Barnims vi, 1405. 515

Adte Rapitel. Bogislabs VIII. Erbftreit mit ſeinem Bruder , geſdhlidytet i. 3 . 1402 durd die Stände. Gefährliche Lage deſſelben. Der Orden fauft die Neumart i. F. 1402. Wechſelnde Stellung Bogis lavs VIH . zum Orden 1405. Streit mit Biſchof Nicolaus. Frühe Keßerwerfolgung in Pommern. Ausbruch des Prieſter haſies in Stralſund 1407 - 1410. Zuſtand des Herzogthums Wolgaſt um 1411. Swantibor durch Jobſt Hauptmann der Mit telmart' t. J. 1409. Swantibor treuer Bundesgenoſſe des Dro dens. Die Schlacht von Tannenberg 15. Juli 1410." Kaſimir V. von Stettin gefangen. Abfall Bogislavs VIII. zu den Polen. Angriff deſſelben auf Biſchof Nicolaus. Biſdof Magnus 1410. Friebe zu Thorn . Swantibors unglüdlide Statthalterſchaft in der Mart bis zum Auftreten des Burggrafen Friedrich. Stand 575 der Dinge 1411 - 1412

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von

Nügen

und

Pommern .

Durdy

F. W. Barthold .

Dritter

Barthold Geid , v, Pomm, III,

T h e il .

1



Fünftes

Buch .

Pommern in der Lehnsabhängigkeit von den Marks grafen lichen

von

Brandenburg .

Pommerns.

Theilung

Ausbildung

der

des

öſt

Stånde.

Macht der Stadte. Hanſe. Uusgang des an : Rügen und haltif den Marfgrafenſtammes. Pommern

vereinigt.

Reichsfreiheit.

Die

Herzoge

gewinnen

Vom Jahre 1278 bis 1338 .

Erſtes

Kapitel .

Ausbildung der ſtändiſchen Freiheit in Pommern unter den Kriegen Bos gislavs IV. mit den Markgrafen von Brandenburg 1278 -- 1284. Die wendiſchen Hanſeſtädte. Tod Biſchof Hermanns von Kamin. Meſtwin von Pommern . Streit um die Nachfolge. Przemyslav feit 26. Juni 1295 König von Polen, als Erbe Meſtwins. Bogislar, der vierte des Namens nach der herkömmlichen Rechnung , übernahm als Geſchlechtsålteſter nach dem Tode Barnims des Guten ( 13. November 1278) auch für ſeine minderjährigen Halbbråder , Barnim und Otto , die Regies rung, deren ſchwere laſt er ſchon in den letzten Jahren ſeines Vaters kennen gelernt hatte .

Obgleich ſeine Zeit får die Ges

ſtaltung der offentlichen Verhältniſſe im nordöſtlichen Deutſch lande hochwichtig iſt und die Perſönlich feit des Herzogs , den wohl ſchon die Mitlebenden wegen ſeiner Entſchloſſenheit ,, liev unde Seele " ( leib und Seele) nannten ' ) , vor ans

? ) Bugenhagii Pomeran . 1. III. c. XIII. p . 134. hunc tanta suos 1*

4

Bogislaus IV. Lehnsverhältniſ

deren anzieht ; vermiſſen wir doch in ſeiner Periode ſchmerz lider die fortlaufende Erzählung eines gleichzeitigen Geſchicht: ſchreibers , als während ſeiner Regierung .

Wir beſigen nur

eine unvollſtändige Reihe von Urkunden mit dürftigen , oft widerſpruchsvollen Andeutungen über den Gang wirrer Er: eigniſſe, die wir in ihrem inneren Verſtändniſſe und in ihrer Zeitfolge zur Ueberſicht aufſtellen werden.

Nicht ohne Bes

ſorgniß , daß ein neuer Urkundenfund die Geſichtspunkte ver: åndern könne, haben wir jedoch die Befriedigung, den Haupt: ſchlüſſel zur Löſung früherer Råthrel in den ſchon oben " ) erwähnten , thatſächlichen Verhåltniffen zu finden , ſo wie es klar iſt, daß ein großartiges Bewußtſein des Bürgerthums und ein tief gefühltes Bedürfniß der Richtergewalt und friedlicher Ordnung im Reiche bedingend in die rohe Will kühr und Zerciſſenheit der Zeit eingreift. Bogislav IV. erbte die leidige Verpflichtung ſeines Ges ſchlechtes an Brandenburg unter doppelt mißlichen Umſtån: den.

Einmal ſtand , wachſam auf das Recht ihrer unmůn

digen Kinder , ihm ſeine Stiefmutter, Mechthildis , geſchůßt von ihren Brüdern , zumal von Albrecht, des ottoniſchen Zweiges , zur Seite , und dann war er kraft des Dienſtver: trages feines Vaters und für empfangenen landbeſit dem Hauſe johanns ,

den

ju beſonderer Hülfe kamen die

Markgrafen Konrad

und Otto IV. ,

gegen Magdeburg verbunden.

verwickelten Verhältniſſe

zu Meſtwin

Dazu und die

ſchwierige Stellung zum ungetreuen Biſchofe von Kamin , der beim Bruche mit Brandenburg mit den Markgrafen ges gen den Landesfürſten Partei zu nehmen bereit war.

Schien

doch durch ein neues Band der Verwandtſchaft mit den As:

defendendi cura studiosum fuisse ajunt , ut cognomen acceperit Lief unde Sele i. e . corpus et anima: quasi omnia ad defendendum in ipsius essent potestate .

S. Th. II. S. 561 .

zu Brandenburg

5

faniern dem Herzoge von Pommern jeder Aufſchwung zu würdiger Selbſtſtåndigkeit verhindert , da fich rohon damals die Spur findet , daß Bogislav ſich mit Mechthildis , der Schweſter Konrads und Ottos IV. vermåhlt habe ? ).

Von einer Störung des Friedens zwiſchen dem Herzoge und den Lehnsherrn , den Markgrafen , zeigt in dem erſten Jahre der Regierung Bogislavs ſich noch keine Spur ; Mark: graf Konrad war bald nach dem Tode Barnims in Stettin anweſend, als Bogislav am 14. December 1278 die Freiheiten Anklams beſtätigte, wie er ſchon am 8. December den Greifs waldeen gethan hatte ? ).

Wir bezweifeln nicht, daß, durch per:

fönliche Anweſenheit des Lehnsherrn gedrångt, Bogislav Theil nahm an der unglücklichen Schlacht bei Froſe 3 ) (10. Juni 1279) , da Pommern unter den Streitern genannt werden ; aber bald darauf , als die Markgrafen Johann und Konrad in Verbindung mit dem Herzog Albrecht von Braunſchweig die Fehde gegen den ſieghaften Erzbiſchof fortfeßten ) , ſehen wir Pommern in offener Feindſchaft, ſei es , daß Bogislav die Gelegenheit benußen wollte, dem lehnsjoche ſich zu ent ziehen , zumal Markgraf Otto der lange in Böhmen beſchäfs tigt blieb , oder daß der Dheim ſeiner jüngeren Brüder, der Markgraf Albrecht, gebieteriſch auf die Theilung zu Gunſten der Neffen drang , oder endlich , was das Wahrſcheinlichſte iſt, daß Bogislav ſich weigerte , zu Gunſten der Markgrafen

* ) In einer der erſten Urkunden Bogislavs Dreger nr. DLXXX. Stettin XIX. Cal. Januar. 1278 heißt es : Princeps Dominus Conradus Marchio Brandenburgensis dilectissimus gener noster. Wir kennen als Gemahlin Konrads nur die Piaſtin Conſtantia. In der Angabe ver wandtſchaftlicher Verhältniſſe war bie damalige Diplomatik höchſt will kührlichy ; ſo mag benn auch hier die Bezeichnung gener nur die Vera ſchwägerung beider Häuſer bedeuten . 2 ) Dähnert Pomm. Biblioth. Th. III. S. 415. 3 ) S. oben Th. II. S. 561 . 4 ) Pulkavae Chronicon ap . Dobner t. III. p. 239,

1

Fehde mit

6

feine Kraft im magdeburger Kriege zu verſchwenden , gleich : wohl aber das Dienſtgeld nicht zurückerſtattete.

Von jeßt

ab fehen wir untec Peinen Feinden erſtlich neben Otto und Konrad den Vetter diefer, Markgraf Albrecht, welchem nach der Theilung mit ſeinen Brüdern , Otto dem langen und Ottifo (dem Kleinen), das land Stargard, der Barnim und das Land Soldin zugefallen war ' ).

Er bleibt in der Nähe,

als Beiſtand ſeiner Schweſter und ſtreitbarer Vormund ihrer Kinder ? ), die aus Stettin, wie es ſcheint, nach Ueckermünde fich flüchteten .

Am gefährlichſten für Bogislav

geſtalteten

fich die Dinge , als es den Markgrafen gelang , jene vier Stådte , Stargard , Greifenhagen , Garz und Piriß , welche für die Erfüllung des Dienſtvertrages fich verbürgt hatten, für ihre Sache zu gewinnen , und mit Ausnahme Greifen: hagens bis zum Ende des Krieges zu behaupten , worin wir dieſe Gemeinweſen allerdings nicht tadeln dürfen , da es fich um ihren Eid handelte ) .

i

Ungeachtet dem ålteſten Herzoge

die übrigen Städte des Landes , zumal Stettin und Anklam , mannhaft halfen , und nur das Geſchlecht der Borcken, Ras mel , und der ungetreue Biſchof und deſſen Vafallen es mit

1 ) Id. I. c. Alberto Marchione fratre ab eis ( Ottone Longo et Ottikone) diviso pro porcione sua Stargard (in Meklenburg ) Strus perg, Bernaw , Ebirswalde ncc non Boldin (Soldin) ultra Oderam cum pluribus aliis civitatibus et castris et possessionibus relinquitur. Dreger III. nr. DXCII. Medithildis beſtätigtdie Privilegien von Garz im Beiſein Albredte int 3. 1279. 3 ) S. die Urkunde Th. II. Anhang S.571 : Ut autem predicta servitia , pro quibus ejus pheoda suscepimus et pecunie sponsionem non immutemus, civitates nostras quatuor, videlicet Gardiz, Griphen hagen , Piriz et Staregart predicto Domino Marchioni Conrado sub juramento consulum et promissione communitatis dictarum civitatum posuimus obligando , ut si aliquando predicta servitia non imple remus quod extunc dicte civitates dicto Domino Marchioni se sub jiciant , a nobis penitus recedendo , quousque prescripta sérvitia et promissa adimpleverimus secundum justitiam et favorem .

Brandenburg.

7

Brandenburg hielten ; ſtand doch ſchon im erſten Jahre des Krieges ? ) Pommern , von Weſten , Süden und Oſten ange: griffen ,

im Nachtheil, Stargard

galt ſchon im Sommer

1280 als Eigenthum der Markgrafen ? ) ; das Land Bern : ſtein war ſchon erobert , dagegen auch die Grenze Hinters pommerns ſo unſicher , daß Kloſter Buckow am 14. April 1281 in den Schuß der Markgrafen Otto und Konrad , der Gebieter der Landſchaft Solawe , fich begab , weil es durch die Pommern ſo hart bedrångt und verwüſtet fei ' ). gegen hatte Greifenhagen

fich der Anhånglichkeit

an

Das die

Fremden entſchlagen , die Gunſt des Herzogs geſucht, und dafür am 13. Februar 1280 freie Schifffahrt und Freiheit von Zoll und Ungeld , ſo wie zu Ueckermünde am 15. April d . F. den ungehinderten Seeverkehr über Wolgaſt erhalten “ ). Zeitweiſe ſchien die Wittwe Mechthildis ſich mit Bogislav ver : föhnt zu haben, da auch ſie die Bewilligungen genehmigte ' ) ;

' ) Ueber den Krieg finden ſich einige Notizen bei Pulkava l. c. p. 240: Otto Longus solus partem re obtinens, multis quoque super vivens temporibus, acquisivit terras alias multa gerens bella pariter et gwerras cum Slavis subjiciendo cosdem cum Pomoranis cum suis patruis Ottone cum telo pariter et Conrado Marchionibus insuper et Boemis in omnibus se habens strenue et prudenter. 2 ) Nad einer alten Nachricht bei Bugenhagen 1. III. c. XIV . p. 147. Toll Stargard am Tage St. Simonis und Judä ( 28. October 1280 ) von den Brandenburgern eingenommen ſein ; inbeſſen ſtellte ſdon am 13. Juli 1280 der Markgraf eine Urkunde über das Land Cinneborg in castro nostro Stargard aus. Die Burg Stargord unweit Regenwalde gehörte ben geiſtlichen Rittern ; Stargard in Meklenburg iſt zu entlegen. 3 ) Baltiſche Studien II , S. 124 : Actum in castro Turglowe XVIII. Kal. Maji 1281. Quoniam cenobium Bucoviense, ordinis Ci sterciensis oppressum nimis invenimus, gravatum pariter ac deva statum ab hostibus Pomeranis, idcirco cet. 4 ) Baltiſche Studien V , 2. S. 171 aus einer ungedrudten Urkunde im Archive zu Greifenhagen. Wer kann die Mechthildis ſein , die Bo gislat als ſeine S d t efter bezeichnet, und deren Einwilligung nö thig iſt ? “) Schoettgen et Kreyssig diplomat. III , p. 9. vigilia decollationis b. Johannis Baptistae.

Dat. Stetin in

8

Lehnsabhängigkeit von

auch Pribislav , der Herr von Belgard , war mit Bogislav befreundet, ſo wie ſelbſt Herinann von Kamin als Zeuge einer Urkunde får feine Stadt Maſlow erſcheint, welche der Hers zogam 25. Auguſt 1280 ausſtellte. Wie ſich dieſes Vers håltniß dagegen mit einer faſt gleichzeitigen urkundlichen Nach richt vereinigen låßt, fónnen wir nicht deuten .

Nåmlich am

13. Juli 1280 ' ) beendeten die Markgrafen Albrecht, Otto der Lange und Otto der Kleine zu Stargard vermittelft des Bis ſchofs Gebhard von Brandenburg ,

den wir als tüchtigen

Gehülfen Ottos in den böhmiſchen Håndeln finden , einen Streit über die Grenzen des Landes Cinneborg und Kolberg dahin , daß die Markgrafen die Grenze von Einneborg , des ſpåteren Schievelbein , nach den Beſtimmungen der Schen kung Barnims an die Mönche eines ungenannten Kloſters aufrecht erhielten , indem ſie nach ihrer Weiſe dem Kloſter eine Entſchådigung dafür gegeben .

Dagegen beſtåtigte der

Markgraf den Beſig des Schloſſes Tharnus , heut zu Tage Urnhauſen , in freundlicher Gegend an der Mågniß nords weſtlich von Polzin belegen , in den Grenzen, welche Barnim für den Erbauer deſſelben ,

den Biſchof, feſtgeſtellt

hatte ;

verbirgte ihm als Oberlehnsherr das Land Kolberg , Alles unter der Bedingung , daß das Gebiet von Tharnus unter brandenburgiſcher Hoheit verharren , über ſtreitige Marken Borck , Ramel und Lüdefe von laſſan , die fchon früher als brandenburgiſche Vaſallen

erſchienen , entſcheiden ſollten ? ),

) Raumer Cod. Diplom. Brandenb. I. S. 23 hat Albertum , 0 . et Conradum ) fratres nostros Marchionis Brandenborch. Entweder muß für Albertum Johannem geleſen werden, oder für Conradum : Ot tonem , da Albrecht keinen Bruder Konrad hatte. Der Dominus E. Episcopus Brandenburgensis kann kein anderer, als Gebhard ſein, wel dher nadi Gerden Stiftshiſtorie S. 127 ſeit 1278 Bildhof von Bran denburg war. 2 ) Daſ. 1. c. Quicquid autem adhuc dubii est super terminis inter Tharnus et Schivelben illud Borco, Romelo et Ludeko de Las

9

Brandenburg.

und der biſchöfliche Burgvoigt zu Tharnus durch ſeinen Eid den Markgrafen verpflichtet wurde . So war die Vorſicht, durch welche Barnim i . I. 1277 ſein fand gegen das Ein: dringen der Markgrafen geſchirmt zu haben wähnte ' ) , vers ſpottet; denn der Bifchof erklårte ſich kraft dieſer Urkunde als Soußling der Markgrafen und erließ für den Beſig von Tharnus und eines Theiles des Landes Kolberg denſelben das Kecht feines Stiftes an Bernſtein , falls daſſelbe den Bran: denburgern bliebe ; behielt aber ſeine Entſchädigung auch in dem Falle , daß Bogislav fich des Eroberten wieder bemach tigte ?).

So unzweifelhaft betrachteten ſich die Brüder von

Brandenburg als Gebieter von Pommern, daß ſie auch, wenn in der Theilung mit ihren Vettern die Oberherrlichkeit über Kolberg ihnen nicht zufiele, Beſtimmungen anordneten. Am Ende der Urkunde ward Hermann und ſein Rapitel noch verpflichtet,

den Markgrafen gegen

alle ihre Feinde , mit

Ausnahme der Vettern , mit Rath und That , zumal durch Eröffnung der Stiftsburgen zu helfen * ).

san milites secundum quod antea cum domino Episcopo per ipsos in Lökenitz diffinitum fuerat terminabunt. Ueber Laſſans Verhältniß f. Schwarz diplomat. Geſch. S. 449. In einer Urkunde bei Rango Pomer. diplom. p. 167. v. I. 1276 kommt Rudolf von Laſſan vor. ' ) S. oben Th. II. S.555. 2 ) Daſ. 1. c. Item si contigerit aliquem vel aliquos in dicto ca stro Tharnhusz poni vel constitui castellanos, Ille vel illi ad prefata servanda nobis se sacramento prestito obligabunt. Item in restaurum proprietatis illius partis terre Colberg quam emit dictus Episcopus a domino Barnym dabit nobis quicquid ipse vel ecclesia juris habet in terra Berrenstein si apud nos manserit dominium dicte terre Ve rum si nobili viro Bugslao Duci Slavorum eandem terram Berren stein reddiderimus ' apud episcopum et ecclesiam suam dictum re staurum libere permanebit. 3 ) Daſ. 1. c. S. 24 : Item sepedictus Quoque Episcopus et Ca pitulum vicissem nobis contra cos. Qui nos et tcrram nostram in vaserint preter patrueles nostros consiliis et suis municionibus fide liter adherebunt .

Ausbildung

10

Unter der Treuloſigkeit des Biſchofs , der Abtrünnigkeit måchtiger Vafallen und ſtarker Gemeinweſen , mußte denn bei Erneuerung des Krieges Bogislav , obgleich die jungen Brüder ihm wieder gewonnen waren oder zur Zeit ein Waf: fenſtilſtand eintrat ' ) , ſich nach Hülfe umſehen , die ihm zu nåchſt ſeine Verwandten in Meklenburg , doch nicht ohne Eis gennut, boten. Auch dieſe Fürſten hatten, wie es heißt , in der Vormundſchaft für die Söhne Heinrichs des Pilgers, die Anmaßung der Askanier empfunden , und růſteten ſich zur Abwehr, ſo daß alsbald der ganze Nordoſten von Deutſch land der Schauplaß einer vielgegliederten Fehde wurde. Bo gislav verpfändete i . I. 1282 für die Hülfe, welche ihm Nicolaus von Werle, „ fein theurer Dheim ," mit ganzer Macht gegen die Markgrafen verſprochen , anſtatt des Dienſtgeldes von 4000 Mark Silbers ſeine landſchaft Stavenhagen ? ), wieder einlösbar , doch

durch

jenen ohne Steigerung

der

Summe wieder verpfåndbar , und wies ſeine Vafallen zur Huldigung an. Dennoch ſchlug dieſer fürſtliche Beiſtand nur zu neuer Schmålerung des Pommerlandes aus, indem Bern : ſtein nicht gewonnen wurde , Stavenhagen für immer verloren ging . Aber auch die Markgrafen fühlten die laſt des Krieges um ſo mehr , als Otto der lange ſeine Kraft auf die Händel

' ) S. Baltiſde Studien V., 2 S. 172. Urkunde von Greifenhagen octava S. Petri et Pauli 1281, welche neue Vergünſtungen für die Stadt enthält. Audy Hermann muß im hohen Sommer einmal dem Landes fürſten ſich wieder genähert haben, indem ihm dieſer XVIII Kal. Sept. 1281 das Halbe Dorf Köſeliß bei Piriß ſchenkte. Dreger III. nr. DCXXVII. 2 ) Baltiſche Studien II , 1. S. 125 : Notum esse volumus quod Domino Ny(colao) de Werle , awnculo nostro karissimo et suis heredibus terram nostram Stovenhagen, ut nobis totis viribus per totam nostram guerram contra marchiones succurrant pro quatuor millibus argenti tamquam pro salario obligamus , ita scilicet quod quando predictam persolverimus pecuniam , nos et nostri heredes eandem terram nostram possideamus sicut prius.

ſtädtiſcher Rechte.

11

· Böhmens , deſſen unmündiger Erbe bis zum Jahre 1282 in ſeiner Gewalt war ' ) , verwenden mußte ; ſo wie der Fürſten: ſtreit in Pommern und Meklenburg zur Geltung der Stånde, namentlich der Stadte , führte , ſtellte ſich daſſelbe Ziel auch unter der ſelbſtſtändigeren Herrſchaft der Markgrafen heraus. Zwar hatte der Adel auch der Neumarf auf dem Landtage zu Berlin i . I. 1280 fich zu einer Steuer verpflichtet ? ), dagegen wußten die Bürger von Prenzlau die Geldnoth :) ihrer Landesherren , Ottos IV. und Konrads , welche ſeit Jo: hanns Code ( Mai 1282 ? ), und nachdem Markgraf Erich endlich den erzbiſchoflichen Stuhl in Magdeburg errungen ) , allein ſtanden, trefflich zu benußen .

Am 30. November 1282

befreiten beide Brüder jene Bürger auf fünf Jahre von jeder Steuer , auch von der Brautſteuer und der Abgabe bei der Erhebung eines Markgrafen zur Ritterwürde ; ſprachen ſie frei , im Falle einer Gefangenſchaft des Landesherrn mehr als zweihundert Mark zu zahlen ; geſtatteten ihnen einen erb: lichen Lehnſchulzen , nebſt anderen wichtigen Vortheilen und empfingen dafür 1461 Mart Silbers.

In dem Grade aber

waren die ſtreitluſtigen Markgrafen ins Gedrånge gerathen, daß im Falle ſie den Vertrag verlegten , ſie die Bürger von Prenzlau , ſo tie die Voigte von Liebenwalde , Paſewalk, Stolp ( unweit Schwedt ) und den Voigt jenſeit der Oder berechtigten , mit ihren Stådten , Flecken, mit allen Vaſallen und Unterthanen nach Belieben ſo lange einen anderen Herrn zu ſuchen , bis die Unbilden abgeſtellt feien 5 ). Eine ſo bea

1 ) Chronic. Aulae Regiae ap. Dobner V. p. 46. 2) Raumer die Neumark Brandenburg S. 8. 3 ) Sedt Geſd . von Prenzlau Tb. I. S. 156. 4 ) Buchholz Geſch. der Mark Brandenburg II. S. 224 . 5 ) Urkunde bei Sedt a. a. ☺. S. 158 : Preterea servandum duxi mus firmiter et tenendum , quod si quicquam de premissis omnibus infringeremus quod absit: ex tunc dicti burgenses liberum habent arbitrium , ut una cum quatuor advocatis nostris in Leuenwolde,

Landfrieden

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denkliche Freiſtellung für eine ganze Provinz , welde kaum ein Menſchenalter brandenburgiſch war , deutet beſtimmt da: rauf hin , daß die Markgrafen ihren Mann an Bogislav ges funden hatten. Als die ſtreitenden Fürſten , gewiß zu unſäglicher Ver. wüſtung des offenen Landes , zumal der ſtargarder und pi rißer Gegend , beſonders des Kloſters Kolbat , fic die Wage hielten ; ſchritten unerwartet zwei Mächte ichiedsrichterlich ein, welche, die eine von oben herab , die andere von unten herauf , in der kurzen vorhergegangenen Zeit Geltung errun gen hatten ; der deutſche König und die Seeſtådte. Rus dolf von Habsburg , in verſtändiger Selbſtbeſchränkung den Lockungen Welſchlands abgewandt und auf die Heimath ge richtet, hatte bereits mit neuem Geiſte geſellſchaftlicher Ord nung die oberen Reichslande durchdrungen ; ſchon vor der Beſiegung Ottofars von Böhmen war für Deſterreich, Steiers mark , Kårnthen , Krain im December 1276 ein landfrieden befohlen worden

) ; 1. J. 1277 hatte er den Blick in den

Norden Deutſchlands gerichtet, den Herzogen Albrecht von Sachſen und Albrecht von Braunſchweig die Vertretung des Reiches in Sachſen , Thüringen und Slavien åbertragen, und nach der Ueberwindung des Bdhmen am 9. September 1279 dem Herzoge von Sachſen und den Markgrafen von Bran :

Posewalk , Stolp et trans Oderam cum civitatibus, oppidis in ipsis sitis et vasallis nostris ipsas inhabitantibus universis libere se divertere poterint ad alium dominum ad quem duxerint divertendum , donec injuria et violentia per nos, fratres nostros et successores facta fuerit integraliter retractata. " ) Buchholß a. a . D. IV. Anhang 131. hat eine Urkunde Ottos IV. und Konrads, in welcher ſie zur Vergeltung des Schadens, den die Kirche zu Rolbaß durch ihre Vaſallen und Befehlshaber erlitten, 500 Hufen zur Erbauung eines neuen Kloſters (denken. Dat. Fredeburg 17. Auguſt 1286 . Nad der Angabe der Indictio 14 kann das Jahr nicht 1296 ſein , wie in einer Abſchrift der Urkunde ſteht. 2) Leibnitii Cod. Jur. Gent. Mant. II. p. 98.

.

13

durch König Rudolf.

denburg die Verwaltung der Reichsgüter in jenen Låndern bis nach lůbeck hinauf anvertraut ' ).

So erfreuten ſich die

oberen Lande ) , Alemannien , Franken ſeit 1281 , der Mit telrhein und Baiern ſeit 1282 eines ſchůßenden landfriedens ), der Erneuerung des großen Werkes Friedrichs II. vom Jahre 1235 * ), und war die freche Wilfahr einer geſeglichen Schranke unterworfen ; als Kudolf durch die wilden Zerwürfniſſe in Norddeutſchland vermocht wurde , auch über die Gegend, welche feit Kaiſer Friedrich II . der Gewalt des Reichsobers hauptes fich entzogen , ſolchen Segen zu verbreiten .

Leider

fehlen die näheren urkundlichen Zeugniſfe über ſo löbliche Thåtigkeit des deutſchen Königes, aber ſo viel ſteht feſt, daß im Frühſommer des Jahres 1283 eine durchgreifende ober: richterliche Gewalt heilbringend in unſeren Låndern ſich vers fündigte.

Denn nicht ohne das Vorbild der oberen Reich: lande und nicht ohne die unmittelbare Einwirkung des Königs, wie wir bald durch die Erwähnung eines judex delegatus erweiſen werden , verſammelte ſich am Sonntage vor St. Veit (15. Juni 1283 5 )] Johann Herzog von Sachſen , der Sohn jenes Albrecht und der Stifter des

lauenburgiſchen

Zweiges , welchem Rudolf ſchon 1277 eine Art Reichsvers weſerſchaft in Slavien übertragen , zu Roſtock, mit Bogislav, Herzog von Slavien , Wiglav , Fürſten von Rügen , den wir als Gegner der Markgrafen in der magdeburgiſchen Stifts: Fehde fanden ; mit Heinrich und Johann, Herren von Werle, Helmold und Nicolaus , Grafen von Schwerin , Bernhard, Grafen von Dannenberg, Heinrich und Johann, Herren von

? ) Origines Guelficac IV. praef. p. 8. 2 ) Ludewig Reliquiae II. p . 250. Böhmer Regeften Nr. 4420. * ) Böhmer Regeſten Nr. 4483. 4 ) Weber Friedrichs II. Landfrieden vom Auguſt 1235 zu Würzburg bejdloffent, f. Erhardø Abhandlung in Höfers Zeitſchrift Bb. II. Hft. 2. S. 217. 5) S. die Urkunde Nr. XLIX . bei Sartorius-lappenberg. II. S. 127.

Landfriebens

14

Meklenburg, den Söhnen Heinrichs des Pilgers und der poms merſchen Anaſtaſia ; Johann Nicolaus und Borvin , Domis cilli von Roſtock und alle Vafallen und Getreuen ihres Ges bieters , nebſt den Stådten Lübeck, Wismar, Roſtock, Stral: ſund, Greifswald , Stettin , Demmin und Anklam und allen anderen ſtådtiſchen Gemeinden ; alſo alle Fürſten , Herren und Städte der

ſlaviſchen Lånder ,

Markgrafen von Brandenburg .

mit Ausnahme der

Sie beurkundeten ihre Liebe

zum Gedeihen des Friedens , und beſchworen eine Verbins dung zu gegenſeitigem Beiſtande, falls die Fürſten oder ihre Paſallen , Stådte und Bauern oder die Bauern ihrer Va: fallen

gegen Recht

überwältigt

würden .

Wenn gåtliche

Mittel nicht ausreichten , ſo ſollten nach Verlauf eines Mo: nates die vereinten Städte, wie auch ſchon im gegenwårtigen Kriege ,

auf

eigene Koſten mit 200 Streitroffen zu Hülfe

kommen ; widerführe das Unrecht den Städten, ſo ſollten die Fürſten , Herren und Vafallen , mit Ausnahme des Herzogs Johann und der weſtlich und der Elbe zu angeſeſſenen Für: ſten , denen der Schuß ihrer Landesorte anheim fiel, mit 400 Roffen zum Beiſtande ziehen.

Im Falle eines Seefries

ges ward eine verhältniſmäßige Zahl Bewaffneter zur Bes mannung der Schiffe beſtimmt. Im Kriege ſollte auch die Bauerſchaft der Verbündeten von je rechs Hufen ein Roß und einen Mann mit den ihr geziemenden Waffen ſtellen ? ) . Jede Beute , auch auferlegte Kriegsſteuer in Feindesland ( Vordhingen ) ſollte verhåltnißmäßig getheilt werden , und billige Grundfäße für die Loskaufung der Gefangenen gelten. Das Wichtigſte war , daß ein landfrieden ) in der Weiſe

' ) Daf. S. 128 : Preterea si dicti principes et Domini cum civi tatibus equites bellum sive guerram agressi fuerint, tunc Rurenses et villani, terras dictorum principum et dominorum inhabitantes, de quibuslibet sex mansis cum uno equo servient et uno viro , armis sibi decentibus expedito. 2) Daſ. S. 129 ; Item omnes trate dictarum terrarum pacifice

Verbündung.

15

in allen gedachten Gebieten errichtet wurde, daß alle Straßen zu Lande und zu Waſſer frei ſein ſollten ; auf den Nothſchrei des Ueberwåltigten mußte jeder , der daſſelbe vernahm , zu Hülfe kommen ; ſonſt verfiel er in die Buße der Beſchädi: gung. Ordentlicher Rechtsgang ohne Beſtechung ward gegen Råuber, Brandſtifter und Mörder eingeleitet, und der Heger eines Landfriedensbrechers für Offentlichen Feind erfannt. Wer von den Verbündeten der Pflicht der Einigung nach vorgán: giger Mahnung nicht nachkam , wurde durch ſeine eigenen Vafallen und Städte als Feind angegriffen und mußte die Koſten des Krieges bezahlen. Får Håndel der Vafallen uns ter einander routen Richter und Geſchworene - gewiß unter des Königs Namen - beſtellt ſein ; und die Landſtånde der Fürſten ohne Verhinderung von Seiten derſelben den Nach barſtådten in allen Händeln helfen . Erneuerung aller Vors rechte und Freiheiten, welche die Bundesſtådte urkundlich nach : weiſen konnten, beſonders aber der Rechte, welche die lübecker in Pommern ſeit den Tagen Barnims und Wartislavs be: faßen, wurden crheiſcht und dieſe Vergünſtigungen allen verbandeten Städten mitgetheilt , ſo wie auch den Vafallen ihre altherfómmlichen Freiheiten geſichert blieben. Daß das Bündniß außer feinen allgemeinen landfriedens: beſtimmungen beſonders gegen die Markgrafen gerichtet ſei, deren Gewaltſinn Deutſchland von Böhmens Grenzen bis zur Oſtſee in Bewegung erhielt, lehrt die Klauſel , daß die Fürften und Herren mit den Markgrafen oder deren Freunden in feinen Austrag willigen wollten , ohne Beiſtimmung der Stådte ' ).

Auf zehn Jahre ſollten ſich die Schlüſſe erſtrecken,

debent esse transeuntibus tali modo, ut, si cuiquam rebus aut cor pore fuerit illatum quicquam gravaminis et injurie, omnes ad quod clamor sive schruchte taliter pregrauati peruenerit , insequi debent eum vel eos , qui injuriam intulerint ualide, toto posse. 1 ) Daſ. S. 130 : Ceterum sepedicti principes et domini cum Marchionibus uel hostibus suis alijs composicionem prorsus nullam inibunt, nisi sit cum voluntate Ciuitatum communium et consensu .

Landfriebert.

16

und dann beliebig, allein nach dem Willen der Vafallen und Stådte , verlängert werden können.

Starb ein verbündeter

Fürſt innerhalb der Bundeszeit , ſo ging die Verbindlichkeit auf den Nachfolger über , und ward diefem nicht eher ge : huldigt , als bis er zu den Schlüſſen ſich bekannt, ſo wenig die Söhne oder Erben von lehnsleuten ihr lehn vor der Verſicherung empfangen ſollten. Endlich ſollten zur Schlich : tung von Håndeln allerlei Art ſowohl aus den Vaſallen, als aus der Zahl der discretiores unter den Bürgern , (Schof fenbaren ) Richter und Geſchworene gewählt werden , welche ſich viermal des Jahres zum Rechtfinden verſammelten ( in der Oſterwoche, um Johannis, uin Michaelis und Neujahr). Die Entſcheidung ſtreitiger Fålle ſtand bei Herzog Johann von Sachſen , den alle jene Vafallen und Stådte zum Richter und Oberhaupt in folchen Dingen erkohren ' ) ; in ſeiner Ab: weſenheit dürfe der Herzog von Sachſen mit Genehmigung der Verbündeten einen Stellvertreter verordnen . Wer von den Vaſallen und Stådten folcher Uebereinkunft ſich entziehen wolle, ſollte der erwähnten Rechte, Freiheiten und Gunſten nicht zu genießen haben .

„ So vernünftige und heilſame

Sagungen “ aufrecht zu erhalten, leiſteten Fürſten , Vafallen und Stådte ſich herkömmlich die Gemåhr des Eides . Dic Edlen in großer Zahl als Mitſchwörer für die Fürſten , find auch für Rügen ſorgfältig genannt ; dagegen fehlen auf: fallender Weiſe die Namen der pommer den Edelleute, woraus

abzunehmen

Wedel und laſſane, weder

zu

iſt,

daß wie

die

Borcke,

die Ritterſchaft Pommerns

Ramel , ſich

ents

den Markgrafen oder den Stiefbrüdern Bogiss

' ) Daſ. S. 131 : Quicquid ab ipsis extricari et enodari nequi uerit ad euocandum et iudicandum ad dominum Johannem ducem saxonie deferetur qui ab vniuersis dominis et vasallis et Ciuitatibus super hijs omnibus judex et Capitaneus est electus. Daß nicht des Kaifers , als Beſtellers der oberrichterlichen Gewalt , gebacht wird , lehrt die Spröbigkeit, mit welcher fich die Fürſten dem Reichsoberhaupte fügten .

Der roſtoder Landfrieben.

17

lavs geſchlagen hatte , und dieſer nur der Aushülfe ſeiner wenigen Städte in der ſchweren Fehde fich erfreuen fonnte ; oder daß den Edelleuten Pommerns ſolche Beſcrånkung des Fauſtrechtes nicht behagte. Demnach ſollte alſo in einzelnen Låndertheilen corpos

rationsweiſe und für beſtimmte Zeit , wie in Franken , Baiern, Schwaben, Deſterreid ), am Rhein , ſo auch in Sla vien dasjenige erreicht werden , greifendes Reichsgeſek in

was

durch ein

durch

allen deutſchen landen herzu

ſtellen , bei der Vielſpåltigkeit und abweichenden Gliederung der Stånde, Rudolf außer Stande war. So überraſchend Vernünftigkeit

unter

uns der Ausdruck einer allgemeinen gånglicher Aufldſung

des

öffentlichen

Rechts und der herrſchenden Selbſtſucht erſcheint, und wir die wichtigſten Fortſchritte verfaſſungsmåßiger Ent : wickelung der Stånde , ſo wie die Geltung völker : rechtlicher Beſtimmungen in den roſtocker Beſchlüſſen be grüßen ; ſo

würde doch die Verbirgung des Landfriedens

durch eine große Zahl eigenwilliger Fürſten , troßiger Va: fallen und einzelner machtloſer Stådte nicht die erwünſchten Folgen erreicht haben , wåren nicht inzwiſchen die Gemein : wefen an den Küſten der Oſtſee unter ſich in eine ſcheuge: bietende liga

getreten ,

welche die Fürſten und

Edelleute

i wang , die Umgeſtaltung des öffentlichen Lebens anzuers fennen und einer neuen Ordnung ſich zu fügen, die man von unten hinauf und von oben herab gleichzeitig ihnen zumuthete. Wir haben früher angedeutet, wie in den altwendiſden , deutſch neu bewidmeten Stådten Pommerns , oder in den neuen deutſchen , die günſtige lage an der See und an großen Stromen, die Fülle begehrter Erzeugniſſe des Meeres oder des Rúſtenſtriches , ſchnell den uralten Verfchr w å rts nach Norden ,

fee

Dften und Weſten hervorrief , und

wie die Neigung der ſlaviſchen Mitbewohner zu Schiffahrt, Handel und Seeabenteuer fich auf die deutſch gewordenen 2 Barthold Geid. v. Pomm . III.

Aufblühen der Städte.

18

Gemeinweſen vererbte.

L'úbeck , die Pflegetochter Heinrichs

des löwen, unter kaufmänniſcher Betriebſamkeit und geord netem Bürgerthum zu ſchönem Gedeihen gelangt , hatte die Abſchaffung des barbariſchen Brauches des Strandrechts faſt an allen Küſten durchgeſegt und die Heiligung der Kirche für die Sicherheit der Schiffahrt beider Meere durch den Kardinal-Presbyter Guido im Jahre 1267 vom Papſte Kles mens IV. erlangt. ' )

So war auch in Pommern fühn die

Verbindung des Handelsverkehres mit den nordiſchen låns dern wieder angebahnt , welche ſeit den Niederlagen Bogis: lavs gegen die Dånen geruht hatte. Durch die Verpflanzung des lůbiſchen Rechtes faſt auf alle in unſerem Lande erbau ten Stådte war eine Gleichheit der geſellſchaftlichen Verhålt: niſſe gebildet und eine Empfänglichkeit für die Fortentwicke lung der Humanitåt verbreitet , welche nur noch eines An ſtoßes bedurfte , um , auch abgeſehen von den verſchiedenen Beziehungen der Gemeinweſen zu ihren Fürſten, als ein eng verbundenes

politiſoes

Ganze hervorzugehen.

Die

Landesherrn eine mächtige Stüşe ihrer Gewalt in dem er: blühenden Bürgerthume erkennend, hatten, wie die Wißlave, Barnime, Wartislave, durch eine Reihe von Gnadenerweiſun : gen und Vorrechten die neue Schöpfung eifrig gefördert, und zumal waren Greifswald , Stralſund und Stettin zu überraſchendem Flor

entfaltet.

Mit dem

Wohlſtande er:

wachte das bürgerliche Selbſtgefühl mit jedem Tage ſtårfer, und trug mit Unmuth die Beſchránkungen und Hinderniſſe, welche dem Verkehre und dem Behagen durch den troßigen und råuberiſchen Geiſt des Adels und die ruheloſen Streitig keiten

der Fürſten

ertouchſen .

So wie

das Beiſpiel des

fiegreichen lombardiſchen Städtebundes in der heilloſen Ber: wirrung Deutſchlands nach Kaiſer Friedrichs II. Code zuerſt in den rheiniſchen Stådten das Bedürfniß hervorgerufen ,

2 ) Dreyer p. XXIX , XXXI.

Die deutſche Hanſa.

19

im Jahre 1254 durch Anſchließung an einander gegen die Unbilden der Zeit fich zu ſchůßen , und wie auf dem Tage zu Oppenheim König Wilhelm

von Holland í . J. 1255 ſich

bewogen gefunden, ' ) dem rheiniſchen Bunde, wozu mehr als hundert Stådte von Bremen und Mänſter ab bis nach Thú ringen und an die Alpen gehörten , gefeßliche Bedeutung zu verleihen, ſo mußte in unſern Oſtſeeſtadten derſelbe Drang der Umſtånde,

die Gleichheit der bürgerlichen Thåtigkeit,

überwiegend auf den Seehandel gerichtet, und die Ueberein : ſtimmung

des Rechtes

einen ähnlichen Schritt erleichtern.

Indem die Innungen der Kaufleute mit den ihnen anhan genden Gewerfen ſich bemüheten, die Rechte, welche ihnen die Fürſten des Nordens einzeln zum Behuf des Handels er: theilten, gemeinſchaftlich mit den Standesgenoſſen der Nach bargemeinweſen zu handhaben , zu behaupten , zu erweitern und gefeßlich zu ordnen , und zunächſt die ålteſte unter ihnen , Lübeck mit Hamburg , 2) dann mit Roſtock und Wismar, endlich auch mit Stralſund und Greifswald ſich zu gleichem Zwecke vereinbarte ; 8) erſtand ſo almålig die Verbrüderung der deutſchen Hanſa (um 1270 ), zunåchſt in ihrer Be: ziehung zu einander und zu den nordiſchen Ländern, von wo ihnen die Quellen ihres Reichthums zufloſſen. Erich Glipping, König der Dånen, betrachtete ſchon im Jahre 1270 die Bürger von Lübeck, Wismar, Roſtock, Stral ſund, Greifswald , Stettin und den anderen Städten im Wendenlande als eine

ſolche Gemeinſchaft, daß er ihnen

geſammt “ ) die Anſeßung eines neuen Jahrmarktes auf Sees land anzeigte und den Beſuchern Zollfreiheit und Sicherheit verſprach .

Magnus ,

König

von Norwegen ,

verlieh den

- ) Meermann Geidy. des Grafen Wilhelm von Holland Th . II. ff. Anonymi Chron. Slavor. ' ap. Lindenbrog p. 260 . Kosegarten de Gryphisvaldia hansae teut. socia P. 13 ff. Sartorius -Lappenberg Th . I, S. 20-23. Daj. Ib. II, S. 101 . 2*

S. 252 2) *) 4)

Privilegien ber Hanſa.

20

deutſchen Seeſtådten i . I. 1280 viele förderliche Freiheiten, ' ) auch von bürgerlichen laſten in der Stadt , wo ihre Kauf leute ſich aufhielten, und in demſelben Jahre ſchenkte Erich Glipping den Greifswaldern zu Falſterbode in Schonen, 2 ) wohin zum reichen Håringsfange die Kaufleute jährlich ſchiff: ten ,

neben der

ſtralſunder Anſiedelung ein Stück Sandes,

„ eine Vitte" , mit dem Rechte ſich zur Handhabung der Ord nung und der Polizei unter ihren Mitbürgern während der Zeit des Fiſchfanges einen Richtvoigt zu wählen , der auch den Blutbann ausüben dürfe. Dieſe hohe Vergünſtigung von Seiten des Landesherrn , welche deſſen oberſte Richter : gewalt ſchmålerte, bezeugt das Anſehn, welches im Auslande eine Stadt ſich errungen , welche kaum ein Menſchenalter früher als ein Flecken aus den Händen des Abtes in fürſt liche Gewalt gefommen war.

Die gemeinſchaftliche Behaup:

tung errungener Vorrechte im Auslande, ohne Genehmigung des Landesherrn, beurfundet den Grad ihrer Selbſtåndigkeit ebenſo deutlich , als die Befugniß Streitigkeiten , welche unter ihnen ausgebrochen waren, durch Schiedsrichter zu ſchlichten. So war i . F. 1281 zur Zeit der Pommerych -brandenburgis ſchen Kriege zwiſchen Stralſund und Greifswald

ein bdſer

Handel entſtanden , wie Mißgunſt und Neid zwiſchen nahen Stådten unter verſchiedenen Landesherren ihn leicht erzeugen konnte.

Als die gemeinſchaftliche Sicherheit des gemeinen

Kaufmannes" dadurch gefährdet ſchien , legten ſich die Raths mannen von Lübeck und Wismar ins Mittel, ) beriefen eine

? ) Dreyer p. 91. Sartorius - Lappenberg I. S. 28. 2 ) Suhm Hiſtorie af Danmark X. p. 789. 799. 1011. Geſterding Erſte Fortſeß. S. 40 d. d. Wortingheborgh a. 1280 prid. Id. Jul. (14. Juli). 3 ) Sartorius-lappenberg II, S. 119 : Actum Rozstok, datum Lu beke in consistorio Consulum , mit den Zeugenunterſchriften der ſechd zehn Rathmänner von Roſtock und den Siegeln der drei unbetheiligten Städte.

Eiferſucht ziviſden Stralſund unb Greifswald.

21

Tagefahrt nach Roſtock; entſchieden , daß die Gewalthårigs keiten aufhören ſollten, ſchlugen jede Anforderung auf Soa: denerſaß nieder, „ weil in unberathener Hiße von beiden Sei ten verfahren ſei,“ und regten eine Buße von hundert Mark Gold , den Städten Lübeck , Wismar und Roſtock zu ent: richten , für die Uebertreter des Urtheils feft; alles um der gemeinſchaftlichen Wohlfahrt

der . Raufleute wila

len. Bedeutſam war der Zuſat : ') daß wenn einer der fans desherrn beider Stådte , Wiglav oder Bogislav , in die ab gethane Sache fich miſchen und ohne Mitwiſſen des betrefs fenden Gemeinweſens Nachtheiliges gegen den Kaufmanns. ſtand begonne, folche unberufene Vertretung dem daran Un rohuldigen nicht zur laſt fallen ſollte.

Darin war die Dro

hung ausgeſprochen , daß die Schiedsrichter in ſolchem Falle ihre Rechtshülfe gegen die Fürſten ſich vorbehielten. So hatten unſere Städte , welchen um dieſe Zeit aud Demmin, Anklam und Stettin enge ſich angeſchloſſen , bereits im Verhältniß zum Auslande und zu einander ſich verfaſ fungsmåßig geeinigt , und bildeten gemeinſchaftlich mit Lübeck, Wismar, Roſtock, unter dem Namen der wendiſchen Seeſtadte, weil ſie im Wendenlande lagen, die Hauptkraft der geſammten Hanſa , zumal an der baltiſchen Küſte , als ihre machtvolle Stellung, gleichzeitig mit dem Friedensgebote, welches von König Rudolf ausging , jenes landfriedenbůnd niß von Roſtock i . I. 1283 hervorrief.

Denn was fruchtete

ihnen Sicherheit des Meeres und die erlangte Freiheit in *) Ebendaſ.: Verum si quispiam dominorum sepe dictarum Civi tatum , sc in hanc causam ingerere et hinc salubri statuto nostro contra ire voluerit , sineque sciencia, consilio simul et consensu civi tatis illius , cujus est dominus Consulum pariter et Communis con tra libertatem mercatorum quicquam attemptaverit, ita quod inno cenciam suam probare et expurgare se suo jure voluerint, nos illam partem objectu arbitrii facti, nolumus inpediri. Si qua vero pars renitens innocenciam suam demonstrare et se suo jure noluerit ex purgare , hec convicta pene iam dicti arbitrii subiacebit.

22

Bedeutung ber Städte als Stände.

fernen Königreichen , wenn ſie vor ihren Thoren Gewaltthat fürchten mußten ? Der roſtocker landfrieden ließ Städte und Vaſallen nicht mehr als allein vom Fürſten begnadigte Unterthanen erſcheinen ; ſondern verſchaffte ihnen in den wichs tigſten Angelegenheiten der öffentlichen Wohlfahrt entſcheis denden Einfluß als berechtete Stånde.

In dieſer Weiſe

gewann das enge ſelbſtiſche Streben kaufmänniſchen Eigen: nußes eine großartige

politiſche Bedeutung und trug das

deutſche Bürgerthum in Pommern ſeinen wohlmeinenden lan desfürſten den erſten Dank ab für die Pflege , welche ihm ſeit ſeiner Entſtehung zu Theil geworden .

Es iſt kein Zwei:

fel , daß , dem Bündniſſe zu Roſtock zu Folge , welchem am 6. Juli 1283 auch Herzog Otto von Braunſchweig zu Boißens burg beitrat, ' ) die geeigneten Søritte gegen die Markgra fen gethan wurden , und der Kampf bald eine günſtigere Wendung für den verbündeten Herzog gewann .

Schon am

8. Juni 1283 erwirkte ſich Kolbaß , das , mårkiſch geſinnt, ſo nahe im Gedrånge faß, die Beſtätigung ſeiner Privilegien von Bogislav, da noch am 25. April 1282 das Kloſter gegen die Markgrafen Otto IV. und Konrad in ſchüchterner Nach giebigkeit erſcheint. :)

Mehr als Waffengewalt fruchtete jes

doch die Verheißung der Vorrechte und Freiheiten , welche der landfrieden bot. Bereits war Greifenhagen ? ) jeder Ges ' ) Ledebur Archiv XVIII. S. 262. In der Beitrittsurkunde war der doppelte Zwed des Vereins hervorgehoben ; erſtens, gemeinſchaftlicher Krieg mit den Fürften gegen die Markgrafen : in guerra nunc existente und S. 263 : Insuper cum dominis sepe dictis prestito juramento compromisimus communem pacem terre, que vulgariter lantfrede di citur per decem annorum spatium duraturam secundum continentiam privilegiorum , que supra dicta pace a dominis sclavie et civitatibus in rozstok sunt conscripta. Eine dahin gehörige Urkunde bei Sartos rius - Lappenberg II, S. 132 d. d. Boyceneborch in octava Apostolo rum Petri et Pauli. 2 ) Dreger nr. DCXLII, DCLII, das Kloſter verzichtete auf das Gebiet um Arnswalde. 3 ) Baltijdse Studien V, 2 , S. 176.

1

Der Bunb für Bogislau gegen die Markgrafen .

23

meinſchaft mit den anderen abtrünnigen Stådten entfremdet, indem Bogislav, noch vor der Tagefahrt in Roſtock, zu Stet tin am 4. und 5. Juni 1283 den früheren Beſiß beſtåtigte, und die Marktgerechtigkeit, welche er den Flecken Woltin, ' ) Neumarkt , ja ſelbſt dem uralten Viddichow , wahrſcheinlich nach ihrer Verbindung mit Piriß und Stargard, genommen hatte, verlieh ; als am 1. September 1283, unter beſonderer Mitwirkung Johanns von Werle, das ſtórrige Stargard ſich zum Ziele legte. :)

Am gedachten Tage beſtåtigte Bogislav,

umgeben von einem anſehnlichen Gefolge, den Bürgern jener Stadt alle ihre früheren Rechte, und verbürgte ihnen auch alle Vergünſtigungen und Freiheiten, welche Fürſten , Hers ren , Vafallen ,

und verbündete Stådte fürzlidy

erlangt hatten , d . h. den Genuß des roſtocker landfries dens. Er und ſeine Vafallen erklårten , daß fie allen Haß und Unwillen gegen irgend einen der Bürger fahren ließen ; verſicherte

ihnen

vollkommene Vergeſſenheit , 3 ) ſprach fie,

? ) Woltin , jeßt nur ein Dorf auf dem Wege. von Greifenhagen nad Kolbas. 2) Einzelne Kriegsereigniſſe zur Ehre der Pommern erzählen nads ihrer Weiſe : Bugenh. Pomeran. 1. III. c. XIV. p. 137 : Nec passus est fortissimus heros suam haereditatem manibus contrectari alienorum , Civitas igitur Stargardensis potenti principi caput submisit ; ausges fdmüdter Aankow Pommerania I. S. 268. Baltiſche Studien II, 1, S. 104 wird von der Beihülfe von Treptow in einem Treffen Bogis lavo bei Stargard 28. Oktober 1283 geſprochen . Bedenklidy iſt, daß auf den 28. Oktober 1280 auch die Einnahme Stargards von den Mär kern berichtet iſt. Der Ton der folgenden Urkunbe lehrt , baß Stargard nicht durdy eine blutige Waffenthat zeitweiſe in Bogislavs Gewalt gerieth. 3 ) Schöttgen et Kreyssig 1. c. III. p. 9 : Insuper Civitas ante dicta et inhabitatores ejus manebunt apud gracias et libertates, quas Prin cipes Nobiles Vasalli et civitates confoederatae noviter sunt adeptae et haec mutuis privilegiis, tanquam Civitates aliae confirmabunt. Praeterea nos et nostri Vasalli cessamus ab omni odio et rancore, quem habuimus adversus aliquem Burgensium praehabitae civitatis, ita quod apud nos et Vasallos nostros de factis praeteritis nunquam habebitur mentio aliqualis.

24

Günſtige Wendung für Bogislav.

zum Zeichen , daß Stargard es nicht allein mit den Marks grafen , ſondern auch mit den jüngeren Brüdern Bogis laps hielt , von dem Verſprechen los , welches ſie dem Bar: nim und Otto geleiſtet håtten. Endlich gelobte er , wenn die Burger vor dem römiſchen Ronige oder deffen verordnetem Richter und vor den Fürſten, Herren und Vafallen und verbündeten Stådten einen Eid leiſteten , nach Recht und Willen derſelben in allen Stücken , in Zukunft ihr gnådiger Herr ſein zu wollen . ' )

Auch Garz ?) ließ von

der Partei der Markgrafen und ihrer Schüßlinge ab ; ward jedoch , ohne ausdrücklich jener landfriedensvortheile ver: ſichert zu werden , mit dem Landesherrn ausgeföhnt. Es mußten ſich pidžlich die Dinge ſo günſtig gewandt haben, daß ſelbſt Hermann von Kamin dem beleidigten landesfür : ſten ſich nåherte , da wir ihn am 19. December 1283 zu Stettin als Zeugen einer Urkunde finden , in welcher Bogis lav die Bürger wegen ihrer feſten, mit beſonderen Beweiſen und in harter Bedrångniß reichlid bewåhrten Treue , mit dem Stapelrechte und anderen Vortheilen begnadigte. ) Aber die Markgrafen, reich an Landbeſig und gefügigen Vaſallen , geſtůßt durch das Anfehen ihres Bruders und Vetters , des Erzbiſchofs von Magdeburg , waren eben ro

' ) Daſ. Juramento praestito coram Romanorum rege vel ipsius judice delegato et coram principibus, Nobilibus Vasallis et civitatibus confoederatis ad Iustitiam et ipsorum per omnia voluntatem. Et nos praememoratae Civitati et inhabitatoribus ejus esse volumus Do minus gratiosus. Den Iudex delegatus kennen wir ; es war der Capi taneus des roſtođer Landfriedens , der Herzog von Sachſen , welcher ſeit alter Zeit die Reichsverweſerſchaft über Slavien mit Brandenburg theilte, und ſie jeßt ganz ausübte, da der Markgraf in den böhmiſchen Händeln die Gunſt Rudolfs verloren. 2 ) Dreger n . 666. 3 ) Balt. Stud . II, 1 S. 127, propter fidelitatem strenuam quam singularibus nobis indiciis Consules et burgenses Civitatis nostre stetin vberrime nostris in validis necessitatibus ostenderunt.

Waffenvortheile und Diplomatik der Markgrafen .

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ſtarf durch ihre diplomatiſchen Künſte, als durch ihre Wafs fen . ')

Durch die leßteren behaupteten ſie ſich in dem Ges

biete nördlich der Neumarf, gewannen ſogar Stargard wie: der , erhielten Pirit in ſeiner Abtrennung von der Heimath , beſeßten die Schlöſſer zwiſchen der Ihna und der Oder, wie Woltin, Brode ( heut zu Tage der Paß zwiſchen Pirit und Stargard ) Straſne, wahrſcheinlich Streſen an der faulen Fhna.

Durch

ihre politiſche Gewandtheit wußten ſie die

überwältigende Macht des Bundes zu mindern , indem ſie, wohl zunächſt durch den Erzbiſchof Erid ), ihre Sache als Vertheidigung der jungen Herzoge Barnim und Otto und als Oberlehnsherrn Pommerns , in günſtiges licht ſtellten. Ebenſo gelang es ihnen an Przemyslav, Herzog von Kaliſch, welcher von der Drage her den Pommern zu ſchaffen machte, und an König Erich von Dänemark Bundesgenoſſen zu ge winnen .

Daß Dånemark gegen das Reich und deſſen land

frieden die Waffen mit dem Markgrafen ergriff, erklärt ſich wahrſcheinlich dadurch, weil Wißlav von Rügen, der uralte Vafall jener Krone, gegen das Ende des Jahres 1283 durch Rudolfs von Habsburg wachſende Haltung vermocht wurde, wenn nicht ſein ganzes land , doch den landfeſten Theil der ſelben , welcher ſách fiſches Lehn war, vom Kidnige der Römer zu lehn zu empfangen , ? ) und Erich , darin eine Beeinträch

1 ) Trübe Nachrichten bei den Chronikanten verlegen die Sdylacht von Grevesmühlen und Gadebuſs , welche Heinrich der Löwe , der Sohn Heinrichs des Pilgers, gegen die Markgrafen Otto und Konrad gewann, in dieſe Zeit. Crantz. Vandalia 1. VII. c. 39 unter d. J. 1283 , Dets mars Chronik 1, 60 unter d. I. 1285. Ernſt von Kirchberg c. 135 kennt nur einen vergeblichen Sturm Johanns von Gadebuſcs, des böſen Dheims jener jungen Fürſten, auf Grevesmühlen, k. J. 1292. 2) Dreg. n. 673 heißt es : dat. Lubecke die Innocentum ( 28. Des zember 1283 ) quod infeodatione, qua invictissimus Rudolfus R. R. nos prerogayitare extulit. Stankow I. 220 ſpricht von perſönlicher Lehns empfängniß zu Lübeck. Dody iſt der Kaiſer nie nady Norddeutſchland ges kommen. Wißlav beharrte ſpäter in ſeinem Verhältniſſe zu Dänemark ;

26

Friede zwiſden Bogislav und den Markgrafert.

tigung findend, den Bundesgenoſſen Bogislavs befehdete. So mußten denn Bogislav und Wißlav im hohen Sommer 1284 ihre Dhnmacht bekennen , und erſterer in demüthigen der Weiſe den Frieden aus der Hand der Markgrafen empfans gen , um nur wieder Herr reines landes zu werden. Den dunklen Zuſammenhang entnehmen wir aus der Urkunde, ' ) welche die ſtreitenden Parteien bei Vierraden (apud rotas ?) am 13. Auguſt vollzogen.

Zur Schlichtung ihrer Streit

håndel kamen , unter der Vermittelung ihrer Getreuen, die erlauchten Fürſten, Otto und Konrad, und die edlen Herren Bogislav, Herzog der Slaven, und Wißlav, Fürſt von Rügen, überein , daß Bogislav am Abend vor Johannis Enthauptung ( 29. Auguft ) am Fluſſe Dobra ? ) bei Wittſtock fich einſtellen ſolle, um den Markgrafen, Otto (dem langen ), Albrecht und Otto (dem Kleinen ) zu Rechte zu ſtehen , wels ches vier erwählte Schiedsrichter , der Erzbiſchof von Mag deburg , der Herzog Albrecht von Sachſen , der Herzog von Braunſchweig und der Herzog von Lüneburg, alſo Mitglieder des Bundes, finden würden .

Wollten jene Herren ſich nicht einmiſchen, ſo würden ſie dennoch die Schiedsrichter beſtim

men. Auch drei bis zwei unter ihnen reichten aus, den Streit zu entſcheiden , oder innerhalb Jahr und Tag nach Fürſten:

erwirkte i . 3. 1286 zu Nyborg am 31. März bem Herzog Waldemar Schleswig (Subm. X. S. 925) und läßt fich (Dreyer p . 142) Wislaus , nobilis princeps Rujanorum perillustris regis Daniae dapifer nennen. Dagegen erkannte Wißlav 1. I. 1293, in octava epiphaniae , daß er ſein Dominium citra mare salsum vom Biſchofe von Schwerin zum Lehn trage, indem die Herzöge Johann und Albrecht von Sachſen totam terram Tribbesees , tunc indubitanter de ditione eorundem Ducum Saxoniae existentem , prout protenditur in stralessunt inclusive, jener Kirche geſchenkt hatte. Gerdes Samml. VIII, 696 . ' ) Originalurkunde im königl. geb. Staatsarchive zu Berlin , abs gebrudt Baltiſdie Studien II. 1. S. 128. 2 ) Bei Wittſtod liegt ein Dorf Alt - Daber dicht an der Grenze von Meklenburg.

Friedendbedingungen . recht das Urtheil zu fållen .

27

Würden nun die Markgrafen

von dem ottoniſchen Zweige für ſich, ihre Schweſter Mecha thildis und deren Söhne, Barnim und Otto, das Recht annehmen , ſo ſollten Bogislav und Wißlav mit ſechszig Rit: tern und den vier Städten : Stettin, Penfun, Greifenhagen und Sarz fich verbürgen, daß innerhalb beſtimmter Friſt der Pommernherzog, jedoch vier Wochen vorher geladen, an einen ſicheren Ort mit ſeinen Freunden ſich zu Recht ſtelle ," - das heißt hier wohl zur Lehnsempfängniß - und billiger Weiſe fein Recht von jenen

empfinge. Sollten indeß die

Markgrafen Otto, Albrecht und Otto das erbotene Recht verwerfen, ſo ſeien die Gewåhrsleute ihrer Verpflichtung er: ledigt . Håtte der Vergleich am 28. Auguſt feinen guten Fortgang, ſo ſollten dem Bogislav Stadt und Burg Star gard ohne Verzug eingeräumt ; Woltin und Straſne dagegen gebrochen werden , auch Piriß von Otto und Konrad heraus: gegeben , ſobald ſie

der Stadt måchtig

ſeien ;

wo nicht,

ſo wollten ſie mit Bogislav und Wiſlav auf eigene Koſten die Stadt ſo lange umlagern , bis ſie ſich unter die Bot: måßigkeit ihres Herrn gebeugt habe.

Auch Brode ſollte auf

Betrieb der Markgrafen Otto und Konrad, jedoch gleichfalls geſchleift, dem Herzoge Bogislav wieder anheimfallen .

Wei:

gerten ſich dagegen die Markgrafen des ottoniſchen Zwei

' ) A. a. D. S. 129 : Si vero domini marchiones Otto, Albert et Otto in jure recipiendo contenti esse voluerint pro se suaque sorore et eius filiis; vgl. mit der Stelle in der ſtargarder Urkunde vom 1. Sep tember 1283 : excipiemus a promisso quod fecerunt fratribus nostris Barmin vel Ottoni, ergiebt ſidy das Verhältniß der jüngeren Brüder und ihrer Oheime gegen den pommerſchen Herzog . S. 130 : Si vero dicti domini Marchiones Otto , Albertus et Otto ius recipere recusaverint ab ipso domino Buguzlao ; aut ius exhibere et facere eidem debebit, Idem dominus Boguzlaus et dominus Wizlaus de Ruya ac eorum fideiussores simul et civitates a fideiussoria cautione prestita debent esse penitus absoluti. Der Saß aut ius exhibere aut facere eidem debebit iſt nicht klar.

28

Friedensbedingungen.

ges der Annahme des Rechts, ſo würden Otto und Konrad von ihrer Waffengemeinſchaft abtreten und ihnen nicht gegen Bogislav und deſſen Bundesfreunde helfen .

Die Streitigs

keiten zwiſchen Otto und Konrad und dem Herrn von Sla : vien , dem Grafen von Schwerin ſollten dem Erzbiſchof von Magdeburg und dem Fürſten von Rügen übertragen wer: den , um dieſelbe rechtlich und freundlich bis zu den nåchſten Weihnachten zu entſcheiden ; und im Falle der Rechtsver: weigerung Otto und Konrad ihren Vettern gegen den für ften von Meklenburg ( Slavien ) nicht helfen , ſo wie Bogis: lav und Wiglav rich des Streites gegen jene enthalten roll ten , im Falle die Rechtsverweigerung von den Meklenbur: gern ausginge. Otto und Konrad entfagten ferner jeder Ans forderung und jeder Heimſuchung durch Krieg gegen Bogis: lav får 4000 Mark Silbers , welche derſelbe innerhalb zweier Jahre von Michaelis an zu entrichten habe ; erinnern wir uns der Summe von 1500 Mark Silbers , für welche Barnim i . J. 1278 das Dienſtgeldbniß an Konrad geleiſtet ! Als Pfand für dieſe Summe åbergab Bogislav den Marks grafen Stadt und Schloß Ueckermünde in den genau ange : gebenen Grenzen, vom Fluſſe Zarow bis zur Jaſeniş ſüdlich, und vom Haf bis zur Random (lóceniß) weſtlich , unter der Bedingung , daß , wenn innerhalb der Friſt die Summe nicht gezahlt wäre , die Markgrafen das land Ueckermünde als Eigenthum behielten. Wolle Bogislav , ') um Ueckermande

' ) Das Folgende iſt ganz unverſtändlich S. 132 : Quemcunque vero infra dictum biennium dominus Buguzlaus dictis dominis mar chionibus Ottoni et Conrado obligabit ratione pignorum Welsen borch terram cum suis terminis cum terra Zwirin , que in dicta terra consistit in una distinctione , et lobeze terram cum suis terminis Belegarden terram cum suis terminis. ' Quam autem harum terrarum duarum sive Belegardem sive lobese dominus Buguzlaus obligare voluerit, super hoc obtinebit liberam optionem. Obligatis autem hiis tribus terris sive positis, Ukermunde civitas et castrum domino Bu guzlao a dominis marchionibus Brandenburg. Ottone et Conrado

Einſchluß der Verbündeten in den Frieden.

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wieder zu bekommen, innerhalb der Friſt das Land Welſchen burg , ferner Daber mit dem Gebiete um Sowerin , und entweder labes oder Belgard gegen Ueckermünde verpfänden, ſo follte leşteres freigegeben werden ; dann aber, wenn nach Verfallzeit die 4000 Marf nicht gezahlt ſeien, die Markgra: fen alle jene drei lånder als Eigenthum erhalten . Weldh' ein ungeheurer Gewinn für die Brandenburger får 4000 Mark zu Schievelbein und Bernſtein , von deren Her ausgabe nicht die Rede war , einen bedeutenden Theil der Kreiſe labes, Dramburg und vom Naugardrchen zu gewinnen ! Alle Glieder des roſtocker landfriedens , als welche jeßt auch der Biſchof von Schwerin , der Herzog von Schleswig und die Städte Penkun , Greifenhagen , Garz , Greifenberg, Kolberg , Kamin namentlich auftreten , nur nicht Stargard und Pirit , waren in dieſe Sühne eingeſchloſſen , ſo wie von Seiten Brandenburgs der König von Dänemark, ,,wenn er dabei verharren wolle ," Przemyslav von Kaliſch und der Graf von Lindow ; den Städten ward der Genuß ihrer erlangteri Freiheit verheißen.

Der Pommer

mußte ſeinen untreuen Vafallen die abgeſprochenen oder ab: gewonnenen Güter wiedergeben , und ihnen „ ein gnädiger Herr bleiben ," ſo wie die Markgrafen ein Gleiches wegen ihrer Ritterſchaft verſprachen ;

außerdem

mußte Bogislav

den Tempelherren in Rórife, den Johannitern in Kopan und den Mönchen von Kolbaß , ſo wie den Städten Stargard und Piriş Vergeſſenheit des Geſchehenen zuſichern. Die Brüder von Wedel erhielten ihre Gåter Treptow und Plate oder Erſaß des Kaufgeldes zurück ; das Schloß Plate auf Kompromiß des Markgrafen Konrad und Wižlavs ; andere Wedel bekamen Greifenberg zurück ; über Wollin, ungewiß, redimitti debet libera et soluta.

Si vero dicte terre infra dictum

biennium redempte a domino Buguzlao non fuerint aut solute , ex tunc dicti marchiones easdem terras sibi jure proprietario obtine bunt. Welfdenburg liegt füdweſtlich von Dramburg.

30

Stargarð erhält lübiſches Recht.

ob der alte Heidenſitz oder eine unbekannte Feſte, behielten fich die Markgrafen und der Fürſt von Rügen die Entſchei dung gleichfalls vor.

Für die Markgrafen leiſteten dreißig

Ritter nebſt den Städten Prenzlau , Angermünde , Schwedt und Königsberg Gewähr ;

für den Bogislav und

Wiglav

vierzig Ritter, aus deren Zahl mehr aus dem Fürſtenthum Kügen als aus Pommern , und die genannten vier Stådte : Stettin, Penkun, Greifenhagen, Garz.

So viel wiſſen wir über den muthmaßlichen Ausgang einer vier Jahre hindurch geführten Fehde , welche das An fehen der Stånde befeſtigte, den Beſitz unſerer Fürſten um

die landſchaften Bernſtein und Stavenhagen

fch må:

Terte , und , obgleich deſſen nicht ausdrücklich erwähnt iſt, da dies ſich von ſelbſt verſtand , die Oberlehnsherrlichkeit Brandenburgs über Pommern ſicher ſtellte. Für dieſe Opfer erhielt wahrſcheinlich Bogislav die vormundſchaftliche Ver waltung für ſeine jüngeren Brüder , denn in der wichtigen Theilungsurkunde v . I. 1295 wird er Provisor fratrum suo rum genannt.

Dieſe Eintracht bei ſchwankendem Frieden

nach außen mag aber nicht eben ſehr erfreulich geweſen ſein ; denn es finden ſich Spuren , daß Bogislav und Otto con vor dem Tode Barnims II . und vor der Theilung im Jahre 1295 einander ſich befehdeten . Bogislav verſchwendete ſeine Huld zumal an Stargard , um die Gunſt der Unterthanen zu erwerben ; ſo durch Zollfreiheit i. I. 1285 am 5. April " ), durch andere Verleihungen i. I. 1289 mit Zuziehung ſeiner Brüder und 1292 am 21. Dctober 2 ) durch die Gewährung

1 ) Schöttgen et kreysig 1. c. p . 15. 2 ) Für innere Rechtoverhältniſſe und ſtädtiſche Red tøverwaltung widy tig. Die Veränderung betraf nicht allein Handel und Gewerbe, ſondern auch das Kriminalrecht, deſſen furchtbare Beſtimmungen beſonders der Adel ſdheute. Nostrae civitati dilectae Stargard ac ejus incolis propter diversa bene ficia et servitia, nostris progenitoribus et nobis hactenus impensa cum effectu , plenum jus Lubecense largiri decrevimus et donare, ita quod

Dänemark tritt ben roſtoder Sdlüffen bei .

31

des vollſtåndigen läbiſchen Rechtes ſtatt des magdeburgiſchen, womit die Stadt urſprünglich bewidmet war. Die Stief mutter Mechthildis hielt die Furcht vor der Einmiſchung der Markgrafen immer wach ; die haderte zumal mit den Stets tinern, wie ein Brief vom 18. Juni 1292 kund giebt, ' ) in welchem fie fich auf die Vertheidigung ihrer Rechte durch jene, kraft des offenen Vergleiches, beruft, und eine Verein barung treu zu halten verſpricht, welche ſie und die Stetti : ner mit ihrem Bruder Albrecht und ihren Vettern Otto und Konrad, geſchloſſen . Unter ſo unerquicklichen Verhältniſſen mit den nåchſten Verwandten ſcheint, wenigſtens, ſo lange König Rudolf lebte, der landfrieden Pommerns Grenze vor neuer Verwüſtung geſchirmt zu haben . Denn

am 29. November 1284 trat

auch Erich von Dänemark den roſtocker Schlüffen mit naments licher Anführung

der Herzoge von

Pommern

und

ihrer

Stådte bei ; ? ) und als König Rudolf am 24. März 1287 auf dem Reichstage zu Würzburg den mainzer landfrieden vom Jahre 1235 mit Zuſagen erneuert hatte , finden wir, daß ain 15. Mai deſſelben Jahres

ſåmmtliche wendiſchen

Fürſten ſich zur Haltung deſſelben verpflichteten. 3 ) Dagegen ſtand es den verſchwiſterten Seeſtådten frei , gegen auswår: tige Mächte, ohne Anfrage bei ihren Landesherrn die Waf fen zu ergreifen .

Denn als Erich Magnusſon ,

der neue

junge Konig von Norwegen , im Kriege mit Erich Glipping die Seefahrer

unſerer Stådte mißhandelte ,

als Bundes:

ipso jure perpetuis temporibus gaudeant , secundum omnem consue tudinem , quae coram civitatis Lobeo Lubecensis observatur, jus Mag deburgense , quo ex primo fundationis tempore usi sunt , penitus et integraliter deponendo. » ) Ledebur XVIII. 265. Datum Stetin a. 1292 quarta feria post Viti et Modesti. 2 ) Sartorius-Lappenberg II. S. 138. 139. 3 ) Lüßow Geſchichte von Meklenburg II. S. 34 aus dem fweriner Archive.

32

Die wendiſchen Städte gegen Erid Magnusſon.

genoffen der Dånen ' ), verboten die wendiſden Städte die Getreideausfuhr nach Norwegen, ( chifften, in Verbindung mit den Bürgern von Wisby und Riga , unter der Anführung der Lübecker init ihrer Kriegsflotte aus , ſchloſſen die Häfen jenes Königreiches ein , landeten verwüſtend , und nöthigten den unberathenen jungen Herrſcher , die Vermittelung des Königs Magnus von Schweden zu ſuchen . Zu Kalmar famen demnach um Michaelis 1285 die Gewaltboten beider Theile zuſammen , wohin aud Wißlav von Rügen , der als Lehns: mann der Dånen Partei gegen Norwegen genommen , feine Boten geſendet zu haben ſcheint. ? ) Erich Magnusſon mußte am 31. October ſich nicht allein zur Hérausgabe aller Schiffe, welche er im Hafen zu Bergen in Beſchlag genommen, ver : pflichten , 6000 Mark Schadenerſag zahlen , die alten Vora rechte

der deutſchen

Kaufleute beſtätigen und vermehren ;

ſondern im Falle eines Krieges mit Dånemark den Schieds richtern

der

Stådte

überlaffen , ob

denfelben zuſtehe

den Dånen zu helfen oder nicht. Dieſe erſte Probe gemeinſchaftlicher Waffen, welche die Hanſen als gebieteriſche Richter

des Nordens

anfündigte , machte ſie gewiß nicht

gefügiger , die Ausübung des Reſtes fúrſtlicher Gewalt da heim zu tragen ; deſſenungeachtet fuhren Bogislav und Wiſlav fort, die Zahl der deutſchen Gemeinweſen zu vermehren und ihre Selbſtåndigkeit zu ſteigern.

Die Stadt Wolgaſt, im

Jahre 1282 mit lůbiſchem Rechte bewidmet, ſah i . J. 1285 Triebfees in gleichem Genuſſe durch Wiglav , obgleich der Landesfürſt den Berg der Burg ſich vorbehielt , wo i. I. 1248 ſein Burgvoigt noch geſeffen hatte ; ) Anklam wuchs mit jedem Jahre an Bedeutung ; Treptow an der Rega ges langte aus ſehr dunklen Verhältniſſen zur Geltung, als deutſche

' ) Detmarø Chronik I, S. 159. 2 ) Sartorius-Lappenberg II. S. 144. 145. * ) Sdwars Pomm. Städtegeld . S. 373.

Bewidmungen Stralſunds und Greifswalds.

33

Stadt ( 1287) Demmin , ſo uralt , aber als Hoflager pom merſcher Fürſten im Anſehen zurückgeblieben , entwickelte ſich raſcher . ' ) Am meiſten aber verdankten Stralſund, Greifs: wald

und Stettin

der Erkenntlichkeit ihrer Landesfürſten,

welche, dem Geiſte der Zeit gemåß , Kloſter dachten.

nur ſpårlich an die

Stralſunds Bürger , ſelbſt die Lehnträger,

erhielten im Jahre 1290 von Wiglav die Freiheit von der Heeresfolge außerhalb der Mauern, 2 ) ſelbſt wenn das Für: ſtenthum Rügen feindlich angegriffen würde ,

blieb es der

eigenen Vertheidigung überlaſſen ; das jus de non evocando, das Recht, alle Güter im Umkreiſe einer Meile erwerben zu fónnen , waren nicht zu theuer mit einer jährlichen Orbar von 200 Mark erkauft.

Greifswald, dem Wißlav i . I. 1288

um Himmelfahrt das Salzmoor käuflich überlaſſen und Bo gislav nach

im Jahre 1289 Belieben

aus

das Recht ertheilt , 3 )

ihren

Mauern

die Juden

auszuſchließen ,

bekam

i. J. 1291 mit Bewilligung Barnims und Ottos die Inſel Schwante:Wuſterhuſen “ ) (Die), welche noch in ihrem Beſit iſt, und hatte ſich damals ſchon ſo erweitert , daß ſie ihren gegenwärtigen Umfang

beſaß.

Wie bürgerliche

Ordnung

mit dem wachſenden Anſehen der Stadt und ihrer Einwoh nerzahl gleichen Schritt hielt, lehrt die Aufzeichnung 6 ) in dem Stadterbebuche, welches mit dem Jahre 1291 beginnt. Erſt nach der Theilung zwiſchen den Brüdern i . I. 1296 gewann Greifswald die Freiheit von der Heeresfolge, die Stralſund. ſchon ſeit 1290 beſaß, und die Verſicherung Bogislavs, daß er nicht allein innerhalb der Stadt keinen Hof bauen werde, ſondern auch innerhalb der Pene und des Meeres nirgend

) Stolle Gefds. von Demmin S. 839. Dähnert Pommer. Bi blioth. V. S. 88. 2 ) Urkunde bei Schöttgen altes und neues Pommern S. 383. 387. 3 ) Dähnert Pomm. Bibliothek IV. S. 3. 4. 6. “) Daſ. S.5. “) Roſegarten Pomm. u. Rügenſd . Geſchichtsdenkmäler 1. S. 38 . 3 Barthold Geidh. v. Pomni, III,

34

Bewidmungen Stettins.

ein Schloß oder eine Befeſtigung anlegen wolle. ')

Stettin

endlich, deſſen Geneigtheit für den Fürſten wegen der Nähe der Brandenburger und der Hofhaltung Mechthildis und ihrer Söhne am wichtigſten war , erfreute ſich außer den gewöhnlichen Verleihungen an Beſitz und Gerechtſamen, wie der Fåhre nach Damm , i. I. 1294 , - denn der jeßige Damm wurde erſt 1299 angelegt der Zuſicherung , daß idie fürſtlichen Gebrüder und deren Helfer die Oder auf und abwärts , am friſchen Haf und an der Swine bis zur See keine Burg oder Schange anlegen wollen , und daß den Bürgern der Hafen und das Fahrwaſſer , mit Ausnahme des Ungeldes und der Zölle, frei ſein ſollen . ) Solche Selbſtentåußerung fürſtlicher Rechte ſtåckte das Kraftbewußt: fein der Städte und rief auch bald bürgerlichen Uebermuth hervor ; diente aber ſchon im nådhſten Geſchlechtsalter dem Staate zur Rettung und zur Erkämpfung einer würdigen Selbſtåndigkeit. Kämpfe mit den uneinigen Königen des Nordens hatten

inzwiſchen die Wehrhaftigkeit der Städte

in . Uebung erhalten. Das widerwårtige Verhåltniß mit dem Biſchofe Her: mann von Kamin , auf Bogislav von ſeinem Vater ererbt, tritt feit den leßten Jahren

der

brandenburgiſchen Fehde

' ) Dähnert Pommerſde Biblioth. IV. S. 10, Urkunde d. d. Greifs walb 6. December 1296 : quod quandocunquc et quotiescunque Nos nostrosque haeredes et Successores guerras habere continget extunc dilecti nostri consules et Burgenses nostrae Civitatis Gripswold, licet per nos fuerint instanter requisiti , non debeant nos usquam extra ipsam civitatem remotius sequi cum aliquibus armatis nec non cum aliquo alio juvaminc quocunque nisi solum ubi murus terminatur, pro defensione nostrae Civitatis et super hoc ipsi per nos et nostros haeredes et successores nullatenus amplius debebunt aggravari. 2) Ledebur Archiv XVIII. S. 267. Bogislav, der Ausſteller ſagt: nos et fratres ,nostri Barnim et Otto , nostri et ipsorum adjutores . Unter den adjutores der leşteren müſſen wohl die Markgrafen verſtanden werden.

Bildhof Hermann Yeßte® Wirkert und Ende 1288.

35

weniger ſtorend hervor , ſei es, daß der alte unruhige Herr, nachdem er feinem Bisthum eine ſo bedeutende Ausdehnung verſchafft, das Bedürfniß der Ruhe fühlte , oder der Coad jutor, welchen ihm Bogislav geſeßt, ihn in Schranken hielt. Jarimar, der Bruder des Fürſten Wiſlav, erſcheint mit dies fem

in

Urkunden

als

gemeinſchaftlicher

Regent bis zum

Jahre 1283, ' ) war aber wohl cben ſo wenig zu geiſtlichen Aemtern geeignet , ? )

als der Graf von Gleichen , welcher

wegen ſeiner ungroßmüthigen Vorneigung zu Brandenburg bei den ålteren Chronifanten ein fchlechtes Lob genießt.

So

foll er dem Abte zu Stolp mehre Einkünfte willführlich ent: zogen haben , und darüber in die Strafe der påpſtlichen Privilegien , welcher fallen ) fein.

das

alte

Kloſter fich

erfreute ,

bers

Uebrigens war Hermanns Vorſorge für ſein

Stift der Ausbreitung der deutſchen Kultur in Hinterpom mern ſehr förderlich .

Koslin

und Maſſow , wie Kolberg,

das auch durch Bogislav í . F. 1286 neue Quellen des Wohl ftandes empfing , erblüheten in deutſcher Weiſe , eine ſtaats wvirthlichere Benußung bezeugt.

des

Landes wird

durch Urkunden

Im hohen Alter, nach acht und dreißigjähriger Ver:

waltung ſtarb Bifchof Hermann i . I. 1288 und fand zu Kamin fein Grab.

Jarimar, 4 ) welcher ſich noch i . S. 1290

Ecclesiae Caminensis confirmatus nennt, überließ dem Do minikaner Petrus die kirchlichen Geſchäfte als Chorbifchof 5 ) und bewegte ſich růſtig in den vielfachen weltlichen Ange legenheiten ſeiner Dioceſe. Auf einer Zuſammenkunft in Greifswald

am 25. October

1290 erfannte auch

er die

Oberherrlichkeit der Markgrafen Otto und Konrad ůbec ſein

1) 2) *) 4) c) scopus

Dreger nr. DXC . Wuja ap . Ludewig II. p . 590. Kangow Pommerania I, S. 269 . Schoettgen et Kreyssig l. c. p . 11 . In der Urkunde bei Dreger v . J. 1292 kommit Inzelerius Epi Buduensis als Weihbiſchof Jarimars vor. 3*

36

Bildhof Sarimar.

Ronnenkloſter Bernſtein .

Bisthum an , ' ) indem er für

die Beſtåtigung

des Kolberg , des Gebietes von Naugard Farmen den

Markgrafen

des

lan

und der Stadt

das Schloß Kerfow im

Lande

Schildberg in der Neumarf abtrat , unter der Bedingung, „ daß wenn jene innerhalb Jahr und Tag durch den Herzog Bogislav von Stettin - fo nennt ihn die Urkunde vermocht würden , ihrem Anrechte auf das Land Kolberg zu entſagen , das Schloß dem faminer Stift bliebe.“ Dem Bis: thum ward die ungeſtörte Ausübung der geiſtlichen Gerichts barkeit und der Genuß der biſchöflichen Einkünfte in der Neumark und in den mårfiſchen Beſitungen , welche zu Ka min gehörten , zugeſichert und die Hälfte des Urchidiaconats in dem neuen lande jenſeits der Oder dem Propſt Bernhard, welcher in Arnswalde oder Soldin oder in Königsberg ſeinen Siß hatte , zu lebenslänglichem Genuſſe beſtåtigt. So run dete ſich die Neumark auch in firchlicher Beziehung ab, in: dem Markgraf Albrecht í. I. 1290 in Bernſtein ein Siſtercienſer : Nonnenkloſter ſtiftete, ) deſſen Kirche noch in dem Felben

Jahre

als Wallfahrtsort

und

Ablaßſtåtte in Ruf

kam, indem der Erzbiſchof von Magdeburg und die Biſchöfe von Brandenburg , Havelberg und Lebus , ſo wie der Kami: ner , die wunderbare Verwandlung Chriſti in Fleiſch und Blut, welche dort fich ereignet, erbaulich beglaubigten. 3 ) So ſchien ein gedeihlicher Frieden einige Jahre über dem

deutſchen Pommern zu liegen, als mit dem Tode Kaiſer

Rudolfs 15. Juni 1291

unter der beſtrittenen Herrſchaft

" ) Raumer Cod. diplom. Brandenb . I, p . 31 . 2 ) Raumer a . a. D. I, p. 24. 3 ) Dreger zo g . 1290. Die anhaltiniſchen Markgrafen wandten fich, wie ſo häufig geſchieht, nach ſehr weltlichem , oft beſcoltenem Leben im Alter mönchiſcher Frömmigkeit zu. Markgraf Albrecht ( Pulkava I. c. p. 240) gründete das Kloſter Himmelpforte, ein Nonnenkloſter in Wanczke bei Stargard , die Domkirche in Soldin (Boldin) und lebte nach dem Tode ſeiner Gattin asketiſdı. Ottiko wurde Templer. Id. 1. c. und ſtarb als Monachus und acoluthus zu Lehnin im Ciſtercienſerbabit.

Familienztrift des werleſdhen Hauſes.

37

des königlichen Söldners , Adolfs von Naſſau , erwählt am 5. Mai 1292, das regensreiche Werk wieder zuſammenbrach . Die Handel Dånemarfs, Norwegens und der Hanſe, welche nach der Ermordung Erich Glippings (i. I. 1286 22. Nos vember ) unter dem hochſtrebenden Nachfolger deſſelben, Erich Menved, fich ereigneten , ' ) ſtórten die Ruhe des Reiches weniger ; in ſolchen Streitigkeiten gab das junge Leben der Stådte ſich fund , das ſonſt erſtorben wåre . Bedrohlicher für den faum

befeſtigten Sandfrieden griff der frevelhafte

Familienzwiſt des werleſchen Hauſes um ſich , an welchem Bogislav nur geringen Antheil nahm.

Heinrich und Nico

laus von Werle hatten aus Mißvergnügen über ihres Va: ters Heinrich zweite Heirath denſelben aus ſeinem Lande vertrieben , und ihn , als er bei Wißlav von Rügen Schuß geſucht, am 8. October 1291 auf der Jagd , unweit Saal bei Bard , wiewohl unvorſåglich, erſchlagen , da er ſich nicht fangen laſſen wollte. 2 ) Darauf hatte Nicolaus IV. ſeine Vettern als Vatermorder aus ihrem Beſit verdrångt , und die Vertriebenen , von denen Heinrich der Eidam Bogislavs geweſen ſein ſoll, den Schuß Heinrichs des fdmen von Mes klenburg für ſich aufgerufen. Der erwerbluftige Herr bea redete auf einer Zuſammenkunft zu freienſtein am 19. Auguſt 1292 die Markgrafen von Brandenburg beider Zweige, Wißlav von Rügen und andere flaviſche Herren , den lans desflüchtigen Klaus wieder einzuſeßen . ) Für ihn eroberte Wißlav das Land Gnojen ; als aber der Schüßling ſchon zu Anfang des Jahres 1293 ſtarb, verſuchten Bogislav und Wißlav auf einer Tagefahrt zu Roſtock dem anderen Bruder,

' ) Weber dieſe Händel fiebe Sartorius - lappenberg Th . II S. 155 , 171 ff. und Kosegarten de Gryphiswaldia hansae teut. soc. p. 21. Im Jahre 1292 wurde der erſte allgemeine Hanſetag zu Lübeck gehalten. 2 ) Kirchberg a. a. D. A. 172. Nankow I, S. 277. Rudloff II, 6. 83 f. 3 ) Gerden V, p . 285.

Meſtwins Sängel mit dem Drben .

38

Heinrich, ſein våterliches Erbe, wiewohl vergeblich , zu ſichern. Nicolaus IV. ſtråubte ſich hartnåckig, nahm ſogar den Frie densſtifter von Rügen , als er mit ihm nach Güſtrow gekoms men war , unter der Meſſe in der Kirche gefangen , führte ihn nach Parchim und ſchlug, verſtårkt durch ſeinen Anhang unter dem Adel, den meklenburger Löwen zwiſchen Parchim und Grabow.

Wiglav mußte das eroberte Gnojen, um ſich

und den Gefangenen zur Freiheit zu verhelfen , an den Sies ger abtreten ; Nicolaus , der Råcher des Vatermordes , era oberte die Feſten des ſtreitigen Landes wieder, und in Folge einer Tagefahrt zu Stargard, welche Herzog Bogislav i. J. 1294 vermittelte, ' ) blieb dem „ Junker Heinrich

nur der

Beſig von Penzlin, in welchen er gleich nach der böſen That fich geſeßt. Aber unter ro friedlicher Geſchäftigkeit Bogislaus nach der deutſchen Seite hin hatten die Angelegenheiten des Hers zogthums Danzig oder Pomecellens die Aufmerkſamkeit aller betheiligten Fürſten , der Pommern , Polens , Brandenburgs und Rügens , ſo wie des deutſchen Ordens långft lebhafter in Anſpruch genommen.

Der hochgealterte erbloſe Herzog

Meſtwin , fonſt ſo forglos um den Beſtand ſeines landes, hatte , um Verwirrung herbeizubeſchwören , nicht lange nach dem Tode feines Dheims Sambor ( Ende 1278 und 1279 ) ſich bemühet, dem deutſchen Orden das Land Meme zu ents ziehen, a ) welches Sambor, ungeachtet der früheren Verleihung

? ) Kirchberg a. a. O. S.173 : nennt den ſtettiniſchen Herzog als den Vermittler zu Stargard, und Rudloff meint daher, es ſei Barnim II. geweſen. Aber Bogislav ward ſchon vor der Theilung Herzog von Stettin genannt, und es iſt daher wahrſcheinlich, daß er die Tageleiſtung zu Stargard anordnete, weil er mit den Verhältniſſen des Junkers Seins rich näher betheiligt war. 2 ) S. Voigt Geſch. Preußeng III. S. 384. Urkunde d. d. castro nostro Danze Cal . Nov. 1281 im Mönigsb. geh . Archive. Die Urkun den über dieſen Streit finden ſich auch bei Voigt God. Diplom, und bei Ledebur Ardhiv, Neue Folge II. S. 225 ff.

Abtretungen in Pommerellen an den Drben. an Oliva , dem Orden geſchenkt.

„Vermoge ſeiner

39 rechts

måßigen Erbfolge“ beſtåtigte Meſtwin am 1. November 1281 dem Kloſter die frühere Scenfung, und beide Theile , der Orden und der Herzog, wandten ſich an Papſt Martin IV., welcher dem Biſchof Philipp von Firmano, dem Legaten , die Unterſuchung der Sache auftrug.

Zu Militſch , unweit Bress

lau, kam es nach Unterhandlungen , welchen Meſtwin und der Landmeiſter von Sternberg, wie der Abt von Oliva per: fönlich beiwohnten, am 18. Mai 1282 zu einer Ausgleichung, kraft welcher Meſtwin zwar dem Orden das ſtreitige land abtrat , aber die Rechte des Kloſters innerhalb jenes Begir: fes vorbehielt und ſchon vor der Beſtätigung des Papſtes gegen die beſchworene Beſtimmung deſſelben handelte. ' ) End lich vermochte ihn die drohende Einrede des Biſchofs von Ermeland , som römiſchen Stuhle wieder mit dem Handel betraut, am 5. März 1283 den Vertrag gelten zu laſſen und das Kloſter durch Abtretung von rechszehn Dórfern auf ſeis nem Gebiete zu entſchådigen . a )

Der låndergierige Orden

trat unmittelbar in Befit und faßte auf ſolche Art ficheren Fuß auf dem pomerelliſchen Ufer. - Nur widerſtrebend geſtattete Meſtwin die Verminderung des pommerfchen fans des an die Ritterſchaft; fand aber keine Hülfe an den für ſten, welchen er im früheren Gedrånge mit der Nachfolge geſchmeichelt hatte , da eben damals die Markgrafen , die Herzoge von Pommern und der Fürſt ron Rügen im hefs tigſten Kampfe lagen .

Deshalb náherte der Schußloſe fich

wiederum ſeinem Neffen , dem Herzoge Przemyslav vonka liſch ,

welchen er in einer Urkunde vom Jahre 1284 )

' ) Dähnert Pommeridye Bibliothek IV. S. 360. 2 ) Dreger nr. DCLXVII. Urkunde des fönigsberg . geh . Ardives. Gdanzk II. Non. Mart. 1283, Dreger nr. DCLXXV. 3 ) Dreger nr. DCLXXXV. Die Schenkung betraf den Peter Gla bune. Der Vater deſſelben iſt wohl Glabune, Pincerna Gdanensis in einer Urkunde v. I. 1283 . 4) Narusczewicz t. VIII. p . 40.

40

Herzog Przemyslay von Kalifd .

unter den Erbnehmern als den erſten aufführt , anderen auszuſchließen .

ohne die

Zum Zeichen der ungewiffen Zus

kunft ließ jedoch ſchon das Kloſter Dliva bereits ein

Jahr

vorher ſeine Privilegien von König Wenzel von Böhmen beſtátigen , welcher nach dem Erbrechte ſeiner Mutterſchwe: fter, der Wittwe lefſeks des Schwarzen, an ganz Polen An : ſprůche erhob, und dieſelben auch auf Pomerellen ausdehnen konnte.

So bereitete ſich ein merkwürdiger Streit fürſtlicher

Erbfolge vor , in welchem Przemyslav vor den deutſchen Mits bewerbern den großen Vorzug hatte , daß die ſpróde ſlavi: ſche Volksthümlichkeit in Pomerellen ihn als Gleichen

in

Sprache, Sitte und Recht anerkannte; daß der dortige Adel das deutſche Weſen haßte, und die låſtigen Feifeln des Land friedens verabſcheute. Przemyslavs Gebiet erſtreckte ſich von der neumárkiſchen Seite tief in Pommern hinein , bis åber das land von Tempelburg in die Dede hinaus , wie denn i . I. 1291 Bernhard von Kunſten „Preceptor der Templer durch Polen , Slavien und der Neumark," bekannte, ' ) das fand

dieſſeits

und

jenſeits des draziger

See's ,

wo er

Tempelburg als eine deutſche Stadt gründete , von Herzog Przemyslav

erhalten zu haben.

Weibliche Verwandten ? )

hatte Meſtwin bereits abgefunden ; ſo eine Tochter Sam: bors , Gertrud , welche mehrmals in Schenkungen erwähnt

' ) Raczynski Codex diplom. Majoris Poloniae nr. LXXIV : Quod nos omnia bona nostra in terra quae habemus circa ct ultra stagnum sive lacum quod Draviczka vocatur sita , quae terra nunc a nobis Tempelborch nuncupata quam illustris princeps dominus Przemislaus dux Calissiensis domui nostrae contulit in subsidium terrae sanctae Jerosolomitanae. 2) Die ältern Geſchichtsforſer legen ihm mehre ächte Töchter bei; die Gemahlin des Fürſten von Rügen und des Grafen von Holſteint, Adolf, der accepta conjuge sibi titulum Ducis Pomeraniae adscripserat : : Quod testantur litterae , quae exstant sigillis roboratae. Valent, ab Eickstet Epitom . Annal Pomcr. p. 50. Urkundlich iſt uns nur Ratha rina als Jodyter Meſtwins bekannt.

Meſtwins Sdwiegerſohn Pribislav.

41

wird. ' ) Meſtwins Schwiegerſohn, der meklenburgiſche Aben : teurer, jener Pribislav , welcher mit dem Titel Dominus de Belgarden und terrae Doberan prunfte, ? ) ſchien ſeine Hoff: nung allein auf die Markgrafen zu gründen und mit dem Erbſtreite nicht betheiligt zu ſein ; unterwarf er ſich

denn

ſchon í . I. 1285

als Vafall den Markgrafen Otto

und

Konrad , was für das ſchwankende Verhåltniß des Beſites ein Zeugniß giebt, und nur gewiſſe Theile des Landes Bels ' ) Urkunde 4. 9. 1284 im fönigsb. geh . Archive. Sie verkaufte ihre Güter an den Orden. 2) Ueber den Grund dieſer Titel und über die barunter verſtandenen Länder iſt es uns nicht gelungen Gewiſſes zu ermitteln ; weil Meſtwin an der Ausſtattung Primislavs als Dynaſten Antheil hat (Ernst von Kirchberg 1. c. C. CXXVII. ſagt: Von Pomeren Herzoge Mestuwyn, Der gab ihm die Tochter syn , Vor -synen Brutschatz ihm da wart, Eyn Veste dy hiez Belegard), ſchloſſen wir, unter Belgarð ſei die Ka ſtellanei zu verſtehen , zu welcher das Gebiet zwiſden der Leba und Lu pow gehört. Aber in dieſem Belgard erſcheint urkundlich die ganze alt ſlaviſche Maſtellaneiverfaſſung, wir kennen den Palatinus Dobignev und den Subcamerarius Jeronymus. Obenein da Pribislav Herr des Lan des Daberen und Belgard in Saſſubien " (Dreger nr. DCCLVII.) bem Kloſter Bukom in der Gegend von Perſanßig im Lande Belgarb zwei hundert Huben ſchenkt, kann unmöglichy jene Raſtellanei von der Leba bis hieher gereicht haben . Wieberum iſt Herzog Bogislav in der oben erörterten Vergleichsurkunde v . I. 1284 im Beſiße Belgards und Da bers von dem Markgrafen anerkannt und beſtätigte jene Schenkung Pri bislave, ſeines Suffragans, als Oberherr bes Landes. Es deinen alſo die angrenzenden Fürſten über dieſen ausgedehnten, ſehr ſparſam bewohn ten , unfruchtbaren Landſtrich, der ſich bis zu den Quellen der Perſante erſtredte , ben Beſigtitel fich zugeſprochen zu haben . Von Pribislav iſt noch eine Urkunde vom F. 1287 dat. Anger munde de festo B. Johannis Baptistae vorhanden , in welcher ſich drei Edelleute, Richard , von Friſady, Wedelſtedt und ein Geiſtlicher wie für einen Blödſinnigen verbürgten , „ quod nunquam a dictis principibus (Marchionibus) debebit recidere .” Sie bezeugen , daß ſie manu con juncta terram Belgarden , terram Dobren et terram Welsenborch justo titulo feodali empfangen hätten. Gercken I, p. 244. Zuleßt er ſcheint Domicellus in Belgard unter den Zeugen als gener noster in einer Urkunde Meſtwing, ausgeſtellt zu Schweß i. J. 1292. Königl . ges. Archiv in Königsberg .

A

42

Bogislaus IV. Anſprüde.

gard , etwa die ihm durch Heirath von Meſtwin zugefallen waren , betreffen kann.

Pribislav verſchwindet bald aus der

Geſchichte ; Ernſt von Kirchberg ſagt von ihm : Synen Vatir hoch her übirwant, An Traegheit Torheit und Unwitzin, Waz Erbes mochte der besitzin ; er und ſeine Gattin, ſagt er ferner, sturbin alse toren da , Keynen Erben lieszin sy na , Alsüs verstarb ir beyder stam , Daz von in nymant vordir quam . Wie das Erbfolgeverhältniß in Pommerellen nach Willen des Herzog Meſtrins noch bei deffen Lebzeiten fich geſtaltet habe und wie Bogislav IV., Erbe in Kraft der Zuficherung v. I. 1264 , mit Przemyslav ſich einigte , wagen wir nicht mit Beſtimmtheit zu verſichern . Wir möchten annehmen, daß Przemyslavs Rechte auf Pommern von Bogislav aner fannt wurden , daß dieſer, jedes Anſpruchs auf die Gebiete an der Weichſel fich begebend, nur an die Rückgabe des fans des zwiſchen Gollen und Wipper , die ihm Swantopolk ents riſſen , dachte, und ſichere Vortheile ſich verſprach , wenn er dem Piaſten das Haupterbe ließe. Inniger wurde inzwiſchen die Verbindung Meſtwins mit dem Polen ; er war i. J. 1285 in Gneſen und ſchenkte der Wittwe Boleslavs , der Mutter Przemyslavs, Beſig in ſeinem lande ; ' ) polniſche Ma gnaten treten häufiger in ſeinen Urkunden auf. Eine andere Schenkung an den Palatin Nicolaus von Kaliſch wird con sensu et voluntate filioli dilecti nostri , des Herzogs Przes myslav, vollzogen, zu Schweg i. J. 1288. ? ) – Aber Unge: wißheit der Zukunft beruhigte den flaviſch pommecelliſchen Adel nicht; Bewegung deſſelben iſt thatſächlich , ſelbſt wenn wie einer nicht urkundlichen Angabe Glauben verſagen, daß i. J. 1287 die Palatine und Raftellane von Danzig, Schweg,

° ) Urkunde des geb. lönigeb. Archives, actum in Gnezna dom Jahre 1285. 2 ) Daſelbit.

Der pommerelliſche Adel für Przemyslas .

43

Belgard, Tuchel , Dirſchau in Belgard an der Leba ' ) zus ſammenfamen, und den Beſchluß faßten, nach Meſtwins Tode keinen Landesherrn zu erwählen , wenn er nicht ihre Privi legien und das Bündniß mit dem Bisthume Kamin und den Herzogen von Slavien beſtåtigt håtte.

Urkundlich iſt, 2 ) daß

am 15. Auguſt 1287 Universitas Pomeranorum , „ die Stånde Oſtpommerns,"

zu

Stolp ſich verpflichteten , die zwiſchen

Meſtwin und dem Biſchof getroffene Vereinbarung zu hal ten , und ſich nach dem Tode ihres Gebieters keinem Fürſten zu unterwerfen , bis er verſprochen hätte, alle ihre Privilegien und jenen Vertrag in Kraft zu laſſen.

Ein freundliches Vers

håltniß des alten Herzogs Bogislav mit Przemyslav regt auch voraus , daß fie am 23. November dieſes Jahres zu: ſammenkamen ,:) die Privilegien des Kloſters Buckow beſtå : tigten und eine Einigung auf ewige Zeit trafen , von deren näherer Beſtimmung jedoch nichts fund gethan wurde. Doch ſcheint die billige Berückſichtigung der Herzoge von Vor: pommern bald geſchwunden zu ſein ; denn i. 7. 1288 ers wähnte Meſtwin ausdrücklich nur der Bewilligung des „er: lauchten Herrn und Fürſten , Herzog Przemyslavs , Herzogs von ganz Polen, welcher eben zugegen war ." ) Nad alter Erzåhlung verſtand Przemyslav den Adel von Pommerellen, welcher dem flaviſchen Wefen treu anhing , durch Geſchenke und Verheißungen für ſich zu gewinnen , und zumal durch

' ) Schwarz Lehnshiſtorie S. 233 Werted felt die Burg Belgarb ant der Leba mit der Stadt an der Perſante , was um ſo leichter geſdebent kann, da auch das Land Belgarb an der Perfante zu Kaſſubien gered net wurde. 2 ) Ibid. DCCXXXVI. dat. et actum in Stolp , scriptum vero Cal. Decembr. 3 ) Dreger nr. DCCXXXV. datum et actum Stolp in die assump tionis S. Marie. 4) Dreger nr. DCCLII. De consensu et voluntate domini ducis illustrissimi principis Primislii tocius Poloniae, qui tunc aderat. Przeniydlav ſelbſt nennt ſich nur dux Poloniae.

44

Abfindung Bogislavs .

den Swenza , ' ) Palatin von Danzig , und deſſen Bruder, Laurentius , Kaſtellan von Stolp , dahin zu wirken , daß die Universitas Pomeranorum einen Fürſten ihrer Sprache und Sitte forderte , und die Verwendung Meſtwins ? ) für den Flaviſchen Nachbar zurückwies, um nicht unter der Herrſchaft derſelben in deutſche Botmåßigkeit zu gerathen.

Von pol

niſchen Schriftſtellern wird ſchon unter dem Jahre 1290 die Uebertragung der Herrſchaft auf den Nachfolger berichtet. 3 ) Wie ſich Bogislav bei dieſer Wendung der Dinge benahm, iſt nicht einleuchtend ; doch ſcheint ihm die Hoffnung auf einen Theil ſeines Unrechtes, ſei es auf jenes land , welches Swantopolt ſeinem Vater Barnim entriffen , oder auf eine Entſchädigung für die Erbberufung durch Meſtwin II. , oder endlich auf das Recht, welches ſeine Großmutter Miroslava , Swantopolks Schweſter, feinem Hauſe zugewandt, noch nicht benommen geweſen zu ſein , indem wir ihn und Przemyslav

' ) Zwenzo, Castellanus Stolpensis (don 1279 Dreger nr. DXCIV. und 1283 bei Voigt Geſch. IV, S. 177. Swenza , Palatinus in Gdanz 1293 F. Ledebur Archiv N. F. II, S. 24. 2 ) Nankow I, S. 275 erzählt ſolche Dinge umſtändlich, die wir das bin geſtellt ſein laſſen. Bugenhagen , der eher etwas verſchweigt, als erdichtet, ſagt nur , III . p. 147 : Primates ergo , quia nolebant (quod ibidem, nämlich in den bukower Kloſternachrichten, annotatum erat) Teu tones regnare super se et ne Wislaum quidem principem Rivanorum sive Rugianorum , quamvis erat Domini Mistwini avunculus , eadem causa admittebant : Mistwino suaserunt , ut de successore provideret, p. 148 : Mistwinus communi suorum consilio vocavit Ducem Polo niae Primislaum . Quem constituit successorem. Cui et permisit se vivente ab terrae optimatibus fidelitatis sacramentum jurari et quod dicunt homagium praestari. 3 ) Dlugoſs I, p. 857 : Videns Mscugius Swantopelci filius Pome raniae Dux se filiis et filiabus orbum esse Premislaum secundum, majoris Poloniae Ducem propter identitatem et propinquitatem san guinis sibi designat haeredem et successorem , et ei de Principatu Pomeraniae cedit. Cui milites universi Principatus praedicti Pome raniae , iubente Duce eorum Msczugio , fidelitates et omagii praesti amenta. terunt juram

Wißlavs II. Anſprüche.

45

i. F. 1291 faft mit gleichen Worten die Güter des Kloſters Dliva beſtåtigen und mit Meſtwin , welchen der Pole patruum suum und dilectum cognatum , nicht consanguineum nennt, gemeinſchaftlich beſiegeln ſehen . " )

Wie würde unſer Herzog

ſo ohne allen Widerſtand die Erbſchaft den Polen überlaſſen

1 haben, war die Blutsverwandtſchaft und Abſtammung beider Håuſer eine anerkannte Sache.

Würde Boleslav II . , håtte

er einen Anſpruch von dem Uråltervater gehabt , nicht irgend fein Recht bewahrt haben, oder mit dem befreundeten Wißlav von Rügen , ſeinem Schwiegervater, in Verbindung getreten ſein ? Wiſlav II. muß dies Recht des Heimfalles an ſein Haus durch ſeine Mutter , die Tochter des vorlegten Herzogs von Pominern, Swantopolks, für gültiger erachtet haben , als das Recht ſeines Schwiegerſohnes Bogislav, wel: ches von der Schweſter deſſelben Swantopolk, alſo aus einer entfernteren Generation, hergeleitet wurde.

Im Jahre 1294

hatte Przemyslav ſchon eine ſo feſte Stellung zu Meſtwins lån : dern, daß er zu Schweß alle Schenkungen des illustris princeps Mestvinus, von Gottes Gnaden Herzog von Pommern , an

' ) Die Urkunde Bogislavs , Gercken t. VII. p. 110 erwähnt der Unweſenheit Meſtwins und deſſen Siegels . Die Zeugen ſind der Abt von Bukow und einige Vaſallen Bogislavs, ſo wie Swenza, Palatinus Danensis und Stolpensis , Mattheus Subcammerarius in Slawen und Albertus Signifer de Danzic. In der Originalurkunde des fönigsb . geh. Archives , bei Ledebur Ardiv , N. F. II . S. 239 ſagt Primiſl am Schluſſe presentem paginam sepedictis fratribus de Oliva contulimus sigilli nostri munimine roboratam , doch iſt gleichfalls das Siegel Meſt wins aufgedruckt. Wir berufen uns im allgemeinen auf das Ib. II. B. IV. M. 1 Geſagte. Freilich nennen die Herzoge von Danzig und die von Slavien fidy consanguini dilectissimi; aber dieſe Bezeichnung hat keine Beweiskraft. Es war Sitte der Fürſten ſich ſo zu begrüßen. So nennt Otto von Braunſchweig i. J. 1283 (Ledebur Ardiv XVIII. S. 262) alle Fürſten , mit denen er ſich verbindet und den Bogislaç son Slavien zuerſt: consanguineos nostros dilectissimos. Das gemeinſchaftliche Wap pen des Greifen entſcheidet eben ſo wenig, um dieſe Zeit. Den Greifen gebrauchen die Fürſten von Rügen und die wendiſden Herren.

46

Anſprüde der Markgrafen und der Fürſten von Rügert.

die Johanniter zu Swormagetz

(Swornigaß nördlich von

Koniß), ſo wie am 14. October der Stadt Elbing ihre Zoll freiheit durch Pommerellen beſtåtigte . ")

Meſtwin war in

dieſem Jahre wieder in Gneſen , und ſchenkte auf Bitten der Wittwe Boleslavs die ihr verliehenen Güter an den Biſchof von Gneſen.

Eine dunkle Kunde von geſandtſchaftlicher Be

ſchickung zwiſchen Stettin und Poſen , dem Hoffiße Przemys: lavs, deutet darauf hin , daß eine befreundete Stellung zwi: ſchen Pommern und den Piaſten fortdauerte; aber zugleich war Meſtwin im ungeſtörten Beſige feines ganzen Landes. Nicht ſo ruhig blickten die Markgrafen von

Branden

burg und die Fürſten von Rügen auf dieſe Entſcheidung ; die erſteren gewöhnt , fich als Oberlehnsherrn der ganzen Oſtſeeküſte bis Danzig zu betrachten , verloren nicht allein das feit 1273 aufgeſtellte Pehnsrecht über Schlame und Stolp, fondern fühen den gehaßten Polen , der ihnen fchon an der Erwerbung der Neumark mehrmals Abbruch

gethan ,

im

Beſig ; die legteren , Meſtwins Schweſterfinder , waren ge nothigt, die Summe, für welche ſie das land Schlawe und dic Stadt Rügenwalde i. I. 1277 an die Markgrafen getreten , bei

der Entfremdung

ab

des Landes in eine dritte

Hand zurückzuzahlen, und Jarimar, der Biſchof von Kamin, büßte durch die Erbnahme des Polen , neben dem Rechte des Hauſes, audy alte Güter und Gefälle des Bisthums ein. Am 24. März 1289 zu Prenzlau zuſammengekommen ,

ver

einigte ſich daher Wiglav II. mit den Markgrafen Otto und Konrad ? ) über die Anſprache auf Pommern dahin, daß fie nach Meſtwins Tode deffen lande theilen wollten ; ſollte Meftwin

) Dogiel Cod. diplom . Polon . IV. p . 35. 2 ) Gercken I, 225. Der Abbrud hat Otto und Otto . Es muß aber Otto und Konrad heißent. Nos Witzlaus una cum illustribus principibus Marchionibus Brandenb. super impetitione qualibet, quae Ansprake dicitur, quam nunc habemus et hactenus habuimus super terram Pomeranie placitando convenimus.

Theilungsverträge'zwiſden den Markgrafen u. den Fürſten von Rügen . 47 ihnen bei Lebzeiten das Land Schlawe abtreten , ſo wolle Wiglav den Markgrafen 3050 Mark zahlen.

Für den An

theil der Markgrafen an der Hälfte von Schlawe, wollten die Fürſten ihnen in dieſem

Falle eine angemeſſene Entſchå:

digung an Land in Pommern geben , und ſollten jene ihnen die Hälfte des Geldes zurückzahlen. Ueber die Entſchådigung får jene Hålfte ſollten ſechs Schiedsrichter von beiden Seis ten entſcheiden , unter denen auch ſeitens der Markgrafen ſchon die Wedel genannt werden. Fiel dem Wiſlav das land Schlame nicht bei Lebzeiten ſeines Dheims Meſtwin zu, ſo wollten ſie nach deſſen Tode daſſelbe wie ganz Pom mern fich theilen , und , im Falle zu den Waffen gegriffen werde, mit einander gemeinſchaftlich die Kriegskoſten tragen . In der Gewårtigung ſtürmiſcher Zeiten befeſtigten die Marf grafen Otto und Konrad die Stadt Schievelbein , welche ſie als Pfand ihres Vetters Albrecht beſaßen . ')

In demſelben

Jahre (1292) vereinigten ſich zu Angermünde am 5. No: vember Otto und Konrad, Johann und Otto der fange mit dem jungen Wiſlav von Rügen (der ſchon ſeit 1281 mit ſeinem Vater gemeinſchaftlich Urkunden ausſtellte), und mit deſſen Dheim , dem Biſchof Sarimar von Kamin : erſtlich (chiedsrichterlich über

die Grenzbeſtimmung des Bisthums

und des dſtlichen Pommerns ; dann über die Zehnten , ſo wohl aus dem Antheile der Markgrafen als aus dem An theile Wiglavs II.,

feines

Neffen.

Der Biſchof und ſein

Neffe verſprachen , den Markgrafen und dem alten Wiglav nach dem Tode Meſtwins treulich mit ganzer Kraft in allen Stůcken zu helfen , 2 ) ihnen ihre Burgen zu öffnen und den Ankauf der Lebensmittet in ihrem Lande zu geſtatten.

Zu

' ) Gercken I. c. p. 245. 2 ) Ibid. I. c. p. 246: post obitum Dni. Mastwini Ducis Pome. ranie toto posse et juuamine fideliter in omnibus juuabimus Dnos Marchiones et patrem nostrum antedictos principes et clausuras no stras eisdem principibus aperiemus .

48

Przemyslav König von Polen.

den Koſten des Krieges

ſollten der alte Wißlav

und die

Markgrafen dem jungen Prinzen , dem alſo das Feldherrn: amt übertragen ward, 400 Mark Silber zahlen , und keiner ohne des anderen Willen einen Frieden ſchließen . Endlich wurde der Vertrag u . F. 1290 über die Ausgleichung der Anſprüche der Markgrafen an das land Kolberg, für welche fie das land Kerkow ( Schildberg) erhalten , beſtåtigt. Darauf aber ward Przemyslav ,

zum ſteigenden Verdruſſe

Ottos des langen, welcher das Recht feines Mundels, Wen zels von Böhmen , auf Krafau ſogar mit dem Schwerdte vertheidigt hatte, als König von Polen von den polniſchen Magnaten anerkannt, am 26. Juni 1295 zu Gneſen gefront und von Papſt Bonifacius VIII . beſtåtigt. ') Gegen ſo that: fåchliche Vortheile des Piaſten hatten die Askanier nur eine Urkunde aufzuweiſen , kraft welcher König Adolf, ihr Schuld : ner für hohe Summen;? ) am

8. Januar 1295 zu Mühl.

hauſen , den Söhnen des Markgrafen Johann , alſo Otto mit dem Pfeile (IV . ) und Konrad ,

die

Privilegien

erneuerte,

welche Kaiſer Friedrich II. 1. I. 1231 dem Vater ertheilt hatte. ) Dieſe Erneuerung des uralten markgråflichen Rech : tes umfaßte zwar weder Pommern an der Oder allein , noch Pommern an der Weichſel ausſchließlich , ſondern das ganze alſo benannte land ;

war aber eine

ſchwache

Hülfe gegen die Beſißergreifung des polniſchen Herzogs.

' ) Pulkava 1. c. 252. 253. Anonymus Archidiaconus Gneznensis p.90. Dlugoſs I, p. 878, Narusczewicz VIII. p 55. 2 ) Gercken Cod. dipl. VII. p. 27. IV. p. 564 ein Bekenntniß Adolfs, daß er dem Markgrafen Otto von Brandenburg 6000 Mark ſduldig fei. 3 ) S. oben II, S. 383.

49

Zweites

Kapitel.

Verwirrung unter den Fürſten Slaviens. Tod Barnims. Erſte Thei lung Pommerns durch die Stände 1295. Przemyslav , König von Polen , ermordet Februar 1296. Wladislav Lokietek in Pommern anerkannt. Raſcher Wechſel der Wenzel. Fortſchritte der Märker. Gewinn Bogislavs durch Vertrag (1308 ) und deſſen Tod 1309. Eroberung Danzig und der Kaſtellaneien an der Weid ſel burdy die Markgrafen. Einleitung des Verkaufs von Pommerellen an den Orben. Als Pommern an der Weichſel der Entfremdung von Deutſchland entgegenging, ſtarb Herzog Barnim , långſt zu mannbaren Fahren gefommen , plóßlich dunklen Todes und wir ſehen ſeine Brüder , Bogislav und Otto , in landesver: Nach einer uralten Sage ' ) ward

derblichen Zwiſtigkeiten .

Barnim das Opfer feiner Wolluſt und des ſtrengen Rechts bewußtſeins eines ſchwer gefrånften Vafallen . Die Herzoge

) Bugenhagen, ſo deu irgend ( dhimpfliches von den Fürſten Pom merns zu berichten, daß er nicht einmal wagt, die Wirthſchaft Meſtwins mit der Kloſterjungfrau , ſeinem Kebsweibe , zu geſtehen, (p. 147 : Mest vinus quamqam in aliis satis digne agebat , ob quoddam tamen im pium scelus indignus a Deo habitus est, qui haeredem post se relin queret. Quod scelus, tametsi expressum fuerat, consulto tacuimus, ne quod à majoribus factum dignoscitur a subditis trahatur in exem plum ) und deshalb nicht der göttlichen Strafe, ſondern einem Gebrechent Meſtwing deſſen Erbloſigkeit zuſchreibt, ſagt nur , eine Verwechſelung Wartislavs mit Barnim berichtigend, p . 130 : non ille est , quem tur piter ob adulterium in venatione interfectum a quodam Vidante Mo kernitze, phama est. Nankow I, 279 kennt die Erzählung ausführ licher, begnügt ſich aber auch mit „ Soll.“ In der Urſchrift Bugen bagens ſteht Mokernitze; Kanßow und Eidſtett haben Muderviß. In früheren Urkunden kommen die Muderwiß nicht vor, doch im XV. Jahr hundert Thymo und Bertram ( Raumer Cod. diplom. Brandenb. I. S. 300) unweit der kundbaren Mordſtätte. An Ort und Stelle hat der Verf. die Sache vielfad ausgeſchmückt gehört. Man zeigt eine Stelle, angeblicy am ſpurlos verſchwundenen Schloſſe, wo die unglückliche Frau in einem metallenem Sarge begraben ſei, deſſen Klang fid zuweilen noch unter den Tritten vernehmen laſſe. 4 Barthold Geich. v. Pomi , III,

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Tod Herzog Barnims 1295.

von Pommern ſollen ſich in dem Erbhandel wegen Pommes rellens eines vornehmen Ritters , (zu deutſch Naſſendorf),

Vidante von Muckerwit

welcher in einer luſtigen Gegend

unweit Ueckermünde, zu Vogelſang am Haf, angefeſien war, als Geſandten am polniſchen Hofe bedient haben .

Während

der Abweſenheit deſſelben ließ Barnim, noch unvermåhlt, ſich beikommen , Buhlſchaft mit der ſchönen Frau des Ritters, aus dem Geſchlechte der Warborg , zu ſuchen , die er auf ſeinen Jagden im Forſte von Ueckermünde

kennen gelernt

hatte ; „ ſein boſes Stück fei ihm gelungen . "

Der Gatte,

folche Schmach erfahrend nach ſeiner Heimkunft , habe ents feßliche Rache genommen , indem er dem Ehebrecher auf dem Weidwerk auflauerte , und ihn dicht am Wege von Ueckers múnde nach Stettin , to aud jeßt im Walddickicht kaum ein Theerofen erblickt wird , ecſtach und mit Weib und Kind Die Brüder begruben den Erſchlagenen ehrlich zu

floh.

St. Marien in Stettin ; aber nach Jahren bewirkten die Schwäger von Warborg , daß Vidante wieder in ſeine Gů: ter eingelegt wurde, indem Bogislav, beider Sachen gleich bore erachtend, daß der eine in gutem Glauben des andern Weib geſchåndet, der Bruder dafür erſchlagen ſei, an der Ståtte ein gemauertes Kreuz ,errichtete. " ) Dieſe Angabe wird dadurch beſtätigt, daß der Wande: rer in der ückermůnder Heide , rechts vom Wege, unweit dem Theerofen von Müßelburg, ein hölzernes Kreuz mit der Jahreszahl 1295 in arabiſchen Ziffern erblickt, und daß die Stelle im Forſte noch jeßt mit dem Namen Barnimskreuz ) Bugenhagen p. 138 giebt den Todestag 1295 in die Joannis et S. Pauli Martyrum , am 26. Juni. Aber die urkundlichen Verhandlun gen, welche unmittelbar darauf folgen, ſtellen die Angabe als falſch ber aus. Das Ereigniß muß früher fallen , doch nicht vor dem 30. März, indem Barnim und Otto nod; an dieſem Tage die Gerechtſame der Stadt Greifenhagen beſtätigten. Baltiſche Studien V, II. S. 177 cum matris nostre amatissime Mechthildis , inclite sclauorum ducisse , ma turo consilio.

Zwift der Fürſten Slabiens.

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bezeichnet wird, daß ferner noch jeßt das Gut Bogelſang in getheiltem Beſitz iſt, eine Hofſtelle Muckerwißhof heißt, und nebſt dem dazu gehörigen Ackertheile dem Fiskus gehört. ' ) Alſo iſt denn doch die Strafe für die That nicht ganz auss geblieben. Aber ſchon vor dieſem Ereigniffe ſtanden die Brüder, wahrſcheinlich wegen

des Erbtheiles , in geſpanntem Ver:

håltniß ; Barnim und Otto , unter Leitung ihrer Mutter, fertigten Urkunden ohne Bogislavs Erwähnung , als Duces Slaviae et Cassubiae, aus und ſtörten das gemeinſchaftliche Einwirken unter ſo dringenden Umſtånden , als die Nähe des Todes Meſtwins herbeiführte.



Nach Barnims Ende

geriethen die Halbbrüder in ſo offenkundigen Zwiſt, daß die landſtånde, der Adel und die Stådte, um die allgemeine Wohlfahrt zu retten, ernftlich mit dem Rechte, das ſie furg vorher erworben, eintraten, und die feindlichen Brüder zur Sintracht und zu einer Erbtheilung zwangen , Ganze vor der Gefahr des

welche

Zerfalles ſchůtte.

das

Da fein

gleichzeitiger Geſchichtſchreiber über dieſe wichtige Theilung, welche Pommern auf Fahrhunderte in ein Herzogthum Wol gaſt und ein Herzogthum Stettin rchied , etwas berichtet, fónnen wir den Hergang nur aus vorliegenden Urfunden beleuchten . Schon am 27. Juni 1295 , alſo am Tage nach dem Morde, wäre Bugenhagens Angabe richtig , finden wir den Färſten Bogislav und den Domicellus ( Funfer ) Otto, Her zoge von Slavien und Caſſubien , mit ihren Vafallen und den Abgeordneten der Stadte auf einer Tagefahrt in Stet: tin , wo , durch die Råthe beider Fürſten und zugleich die Vafallen

und

Städte"

beider ? )

folgende

Vereinbarung

' ) Später haben die Bröder, de Palude, ein räuberiſdhes Geſchlecht, pon benen in der Gegend viel erzählt wird, Vogelſang erhalten. 2 ) Fried . Dreger Specimen introductionis in hist. finium Pome

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Erſte Theilung Pommerns 1295.

getroffen wird .

Die Brüder müſſen ſich unter einander ver

1

föhnen und der Frau Mechthildiz den vollen Genuß ihres dotalitii laſſen. Jeder Verdacht und jeder Unwille der Fúr ſten gegen einen Lehnsmann oder gegen eine Stadt iſt für immer

abgethan .

Vafallen und Stådte bleiben

bei ihren

- brieflichen oder durch mündliche Zeugen beglaubigten Rechten. Jeder Vafall wird in ſeinem Beſit , welchen er vor der Feindſchaft der Fürſten inne hatte, ' ) zurückverſetzt, und wenn einer der Brüder in den Tagen der Zwietracht einem Va fallen rechtlich ein Gut übertragen hat , ſo muß der andere Bruder ſolches gut heißen , ſo wie beide den Verkauf oder Tauſch eines lehngutes an einen anderen Vafallen beſtåtigen , indem ſie den neuen Beſiter unter denſelben Bedingungen belehnen . Die einzelnen Lehnsleute dienen den Fürſten, unter welchem ſie gereffen ſind, wenn ſie gleich auch unter dem anderen Fürſten Lehne haben . Wenn ein Vaſall oder Burg mann eine Miſſethat im Gebiete des anderen Fürſten began gen habe , und nicht zur Rechenſchaft ergriffen iſt, ſo ſoll er doch nur von demjenigen fürſtlichen Gerichte belangt wer: Bogislav theilt fein und rei

den , unter welches er gehört.

nes Bruders Gebiet nach genaueſter Billigkeit der långe von Weſten nach Oſten ,? ) nicht der Tiefe nach von der

See

Demmin

aufwärts , durch

eine Linie von

auf Unflam , ſo daß das

zum Lande nördlich der Pene gehört.

Gebiet

der Burg von

bei

Anklam

Die Mündungen der

Flüſſe und Stróme und alle Häfen blieben frei von jedem

ranicorum p . 17 : nec non consilio dictorum principum Vasallorum pariter et omnium civitatum eorundem. ? ) Ibid. p. 18 : que possedit antequam inimici fuerint, 2 ) Ibid. cod . Dux Bugezlaus ponet dominium suum totum et sui fratris Domicelli Ottonis quout equius poterit in duas positiones in longum et non in latum ita quod castrum Dymin extendatur in longum versi Ukermunde et civitas Dymin similiter extendatur in longum versus Tanclim .

Theilungsvertrag.

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ungerechten Zoll und angelegten Bollwerken ; Fiſchfang und Jagd in allen Heiden ſind gemeinſchaftlich , ſo daß jeder der Fürſten den rechtlichen Gebrauch nach Nothdurft von ſeinen Heiden machen kann .

Die Baſallen empfangen ihr fehn zu

geſammter Hand , ſo wie die Städte zu geſammter Hand huldigen und die Lehnsverleihung auf beiden Gebieten wech felſeitige Verbindlichkeit

habe.

Keiner

der beiden Fürſten

darf Burgen, Stådte oder landſchaften verkaufen , verpfån den oder vertauſchen, ohne des anderen Bewilligung.

Wenn

beide Fürſten einem Bundesgenoſſen mit ihrer Lehnsritters ſchaft dienen wollen , oder einer von ihnen , ſo ſollen ſie es nicht aus ihren eigenen Burgen thun, ſondern die Hülfe aus den Burgen ihrer Freunde reichen , mit ihrem Lehnsgefolge, unter fich aber

einig

bleiben . )

Wenn irgend

ein Fürſt

oder die Oberlehnsherrn der Fürſten , alſo die Markgrafen, einen von den Brüdern mit Krieg überziehen oder eine Burg in deffen Gebiete anlegen , welche einem von beiden nachthei: lig iſt, ſo geht die Sache beide gemeinſchaftlich an und ſie mäffen auf gleiche Koſten fich dagegen wehren. Die Burgen, welche während der Zwietracht beider gebaut ſind , múffen

* ) Ibid. p. 19, unklar ausgedrückt. Item si dicti duo fratres Du ces amicis suis succurrere decreverint servitio aliquo vel saltem unus ex his, ex propriis suis munitionibus nihil facient sed ex munitionibus amicorum suorum ipsis auxiliuin ministrabunt quilibet cum vasallis suis et in dominio ipsorum manebunt amici sibi invicem et concor des. Es ward durch die Klugheit der Stände verhindert daß nicht ein fremder Krieg in das Land gezogen wurde. 2) Eben ſo undeutlich iſt a. a. D.: Item si aliquis Princeps vel Principum Dominus vel Dominorum unum ex his duobus fratribus invaserit aliquibus Gverris. 3 ) Ibid. Munitiones etiam constructe infra predictorum Duorum fratrum discordiam destrui debent et deleri nisi ambo fratres ex maturo consilio vasallorum et civitatum decreverint aliquam ipsarum munitionum conservare , que ipsis videbitur expedire. Da vom Bau von Befeſtigungen die Rede iſt, kann der Zwiſt nicht erſt ſeit Barnims Jode entſtanden ſein.

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Theilungsvertrag.

gebrochen werden , wenn nicht nach reifem Rathe der Bas falien und Städte die Erhaltung einer får zuträglich erach Die Schulden Barnims, feligen Angedenkens, zaha

tet wird.

len fie gemeinſchaftlich ; ſo wie die älteren aus der Zeit, da Bogislav beider Fürſten Vorſorger (provisor) war. Erweiſe einer der Brüder einem Vafallen oder einer Stadt Gewalt oder Unrecht, ro muß der andere mit ſeinen Vafallen und Stadten zur Abwendung einſchreiten . ')

Bogislav legt die

Theilung der ganzen Herrſchaft bis zum nächſten Sonntage nach der Woche des Peter- und Paulstages vol, und Here Faczko , Graf von Gütkow (der zweite des Namens , wels chec nebſt feinem Bruder Konrad vielfach im Gefolge Bo gislavs erſcheint ? ) weiſt mit namentlich aufgeführten Rit tern , und mit Arnold von Sanne, Petrus von Brakel, Hein: rich Barfuß ( Barvot ), Voigt, und Johann Wuffov, Bürger von Stettin , einem jeden ſeine Herrſchaft zu , mit der er unweigerlich zufrieden fein muß.

Dieſe Theilung bleibt zur

geſammten Hand, * ) ſo lange als beide Brüder rechtmäßige

" ) Ibid. p . 20 : Si aliquis ex duobus fratribus alicui Vasallorum vel civitatum violenciam aut injuriam inferre voluerit alter fratrum cum Vasallis et civitatibus ad hoc deveniet cooperaturus ne injuria ulli fiat. 2) Sdwars Pomm . Städtegeſch ., Hiſtorie der Grafſdjaft Güklow S. 736 . 3 ) Dreger I. c. p . 20 : Et hec positio dominii manebit sub manu copulata quousque jam sepedicti fratres duo Principes heredes legi timos consecuti fuerint ex divina gratia totidem ut amborum domi nia defectum non habeant ex insufficientia coheredum . Bogislav, beſſen märkiſde Gattin Mechthilbis damals fdon geſtorben ſein ſoll, erſcheint urkundlich als vermählt mit der Tochter des Fürſten Wißlav von Rügen ( Teſtament Wißlav II. v. J. 1302 bei Gerdes Samml. IX . S. 11 : Margarethe, dilecte filie mee, uxori domini Bugislai); er war ídon beerbt. Aber Dtto , deſſen Frau Eliſabeth, Gräfin von Schwerin , ſpäter genannt wird, ſcheint nod ledig geweſen zu ſein . Mit dem Gea ſchlechte der Grafen von Schwerin verſchwägerte ficy Otto doppelt, in dem feine Schweſter Miroslava gleid falls in jenes Haus heirathete. Shre Enfelin ließ Mechthildis 1. S. 1304 in Jungfrauenklofter zu Stet

Einfluß ber Stände auf bie Theilung.

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Erben haben , damit wegen - Mangels der Erben die Herr: ldhaft nicht in Verfall gerathe," d. h. nicht in fremde Hånde komme. Beide gelobten mit Handſchlag die gegenſeitige Hals tung des Vertrages unter der Mitverbúrgung der Vaſalen und Städte , dem anderen Bruder ſo lange beizuſtehen , bis der Fehlende und Widerwårtige von ſeinem Fehler zurück : gebracht iſt. ' )

Ebenſo ſollten die Fürſten und Vaſallen mit

den Städten einſchreiten , wenn die Stådtė oder Vafallen den Vertrag verlegten.

Beide Fürſten beſiegelten und unter:

ſchrieben denſelben, welchen die einzelnen Vafallen und Städte beider

als Zeugen

befråftigten .

Nach dieſer vorläufigen ,

höchſt wichtigen Einigung, welche uns die Macht der Stånde in jedem Punfte erkennen läßt , wurde am 12. Juli 1295 , nicht am Sonntage, ſondern zwei Tage ſpåter als der Ters min war, die Theilung, welche Bogislav nach jener Beſtims mung vom 27. Juni unterdeß vermeſſen hatte, den Schieds richtern vorgelegt , um jedem der Brüder das Seine unter Geſammthand

und untrennbar zuzuweiſen . 2 )

Dieſe

Månner aber , gewiß die angeſehenſten und verſtändigſten des Landes, wiewohl wir die Borfen und andere altſlaviſche Familien vermiffen , waren : erſtens vier Ritter für Bogis : lav ,

Wilhelm Trampe , Johann von Kurow , Otto

von

Drafe, fein Marſhall, Volíme von Elsholt ; vier Ritter für Otto : Graf Faczko , Reimar von Wacholt, Henning ( fo: hann) von Heidebrak, Johann von Bertekow. Für beide Brüder, als die Unparteiiſchen , die gedachten Bürger

von

tin aufnehmen. Die mütterliche Abkunft des ganzen ſtettiner Hauſes lernen wir am ficherſten aus einer Urkunde Barnims des Großen von 1343 hinter Jaſd's Ausgabe der Vitae S. Ottonis p. 453 , in weldjer er Seelenmeſſen zum Gedächtniß ſeiner Großmutter, Mutter und Schwe fter in Rolbaß feftfeßt. ? ) Dreger l. c. p 20 : donec errans et rebellis cessaverit ab errore. a ) Urkunde aus dem Original im rathhäuslichen Archive zu Stet tin in Höfers Zeitſchrift für Archivkunde II. 114 : Actum et datum Stetyn IV . Id . Jul . 1295.

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Erſtes Loos .

Herzogthum Stettin.

Stettin . Nach der Abtheilung ſollte die Burg Demmin , in der wir noch 1303 Milites castrenses , die Voffe , mit angewieſenen Gütern reßhaft finden , mit ihrer Feldmark und deren Nießbrauch jedoch der Stadt Demmin

der Mühle ,

vorbehalten war , mit dem Dorfe Drónnevig und der bebau: ten Strecke

nach Gnojen hin , mit der Vogtei und dem

Lande Demmin, mit Ausnahme des Stadtgebietes, dem erſten looſe zufallen ; ' ferner der lauf der Tollenſe und das Land ſüdlich des Peneſtromes, ſo weit es pommeriſch war . Denn Loiß ? ) mit dem vorbeifließenden Strome gehörte zu Rügen, und Jarmen am rechten Ufer dem faminer Biſchofe. So zog ſich die Grenze an Anklam , welches zum zweiten Looſe gehörte, vorüber an das Haf, daſelbſt aufwårts in die Långe bis zum Einfluß der Stepeniz . Das erſte Loos umfaßte Alt - Treptow an der Tollenſe, mit Voigtei und land , mit dem Schußanſpruche auf Dargun und Mönchehauſen , 3 ) deſſen Pommern ſich nicht begeben ; die Güter des Kloſters Verchen , das Kloſter Stolp diefſeits der Pene; Burg und Land Ueckermünde; land Stettin mit den Städten Stettin, Garz, Penkun und den Schldſſern Rothen-Klempenow, Stols zenburg , Warp und Pdlig ; jenſeits der Oder die Stådte

' ) Heut zu Tage gehören auf dieſer Seite nur nod Devent und Groß- und Klein -Beſtland zu Pommern. 2 ) S. oben Th . II. S. 547 und die Urkunde der Brüder für Demo min v. I. 1292 in Schwartz hist. finium p. 131. Es heißt bei der Grenzbeſtimmung: inde descendendo per Penam usque ad distinctiones et terminos Domini Witzlai. 3 ) Ibid. p . 115 : Proprietatem Dargun . Monekehusen war ein Vorwerk in der Provinz Goteband , welches Wartislav i. J. 1249 dem Kloſter Reinfeld bei Lübed ſchenkte. Dreger nr. CXC. Die Umgegend gehört jeßt Meklenburg. * ) Genau laſſen fidy bie Grenzen nicht nad heutigen Dertlichkeiten

beſtimmen. Der Fluß Ghonena iſt unbekannt , ſo wie die Zocha, vielo leicht Zucharecha, „ der ſeichte Fluß “ früherer Urkunden, die Grenze zwiſchen dem Gebiete von Gollnow und Stargard , Priemus ( Priem hausen), gehörte mit zum erſten Looſe.

1

Zweites Loos.

Serzogthum Wolgaft.

57

Damm, Greifenhagen und Pirit und das Land bis zur Ihna, deren oberer Lauf bis vor Pußerlin die Grenze bildete; doch fo , daß Stargard mit ſeinem Gebiet zum zweiten Looſe ges hörte.

Auf dem rechten Ufer der Thna , Gollnow einſchlies

ßend, zog ſich die Scheidelinie bis Hohenbrück, jeßt ein Forſt: amt, an die Stepeniß und ſodann den lauf des Fluſſes ents lang bis zum Haf. Der Umfang des zweiten loſes war bedeutender ,

um

faßte aber im Allgemeinen wenig fruchtbare und nur dünn bevölkerte Gegenden.

Demmin , Anklam , Greifswald , die

Seloſtergåter von Eldena , die Grafſchaft Gůžkow mit ihren Lehndienſten und Gefällen ; Wolgaſt, Laſſan ; das land Wuſter huſen und Bukow ; ' ) die Halbinſel Gnit ; die landſchaft uſe: dom ; die Güter des Kloſters Uſedom ; die Swine mit der Stadt und Inſel Wollin ; das Land Kamin ; die Güter des Domſtiftes ; Greifenberg, das Gebiet von Neu-Treptow, das alsbald Schiffahrt treibend erſcheint, indem es einen Hafen Regamůnde gewann ; die Güter des Kloſters Belbuck.

Im

Often machte das Gebiet des Bisthums ( land Rolberg ), im Süden vom Haf die Stepeniş bis Hohenbrück die Grenze. Ferner gehdrte zum zweiten Looſe das land Stargard , und alles öſtlich der Ihna, mit Ausnahme der dem erſten looſe zugetheilten Strecken ; die Güter der Herren von Ravenſtein unweit Reet , das wie Norenberg ſchon mårkiſch war , und Herrmanns von Bruſewig ; 2 ) die Johannitercompturei Za.. chan , das Kloſter Marienfließ und das Land „ bis zum Se: biete des Biſchofs und der Markgrafen .“

Ferner das Land

Daber mit dem Gebiete von Schwerin ; Schloß, Stadt und Land Plate ; Welſchenburg im dramberger Kreiſe; das land

' ) S. was wir oben Ch. II. S. 311 über Budots geſagt habent. 2 ) Die bona militis dicti de Brusewitz können wir nicht angeben. Daniel und Johann von Bruſemiş hatten i. J. 1256 Lehngüter auf Uſedom . Dreger pr. CCLXIV.

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Otto Herzog von Stettin, Bogislas Herzog von Wolgaft.

kabes;

Stadt , Schloß und Land Regenwalde;

das Land

Belgard „ bis zu der Grenze der Pommern und Polen , den dden Landſtrichen, welche ſich weit über jene Markungen ausdehnen . "

Unter ſo allgemeine

Beſtiinınungen faßt

die

Landestheilungsurkunde den ganzen neuſtettiner Kreis , in welchem Perſanzig von Bogislav als eigen betrachtet wurde, zuſammen, und erflårt, daß von jenem lande , ehe die Kul: tur die Dede überwåltigt hatte , mehr als ein Beſiger fich benennen konnte.

Ausgeſchloſſen von

dieſem zweiten Looſe

waren die getrennten Erwerbungen des Biſchofs, Naugard, Maffow und das Enklave der Marfgrafen, Schievelbein, wel: ches nördlich vom folberger lande, weſtlich von dem Gebiete von Labes und Regenwalde und öſtlich von Belgard begrenzt würde, und über Dramburg, Falkenburg, Reeg, Kalies und die anderen neuen Ortſchaften mit der Neumark verbunden war .

Des Bisthumes Ramin ward gar nicht erwähnt;

des Schutes deſſelben , ſo wie der Befegung des Stuhles nicht gedacht; feine Silbe geſagt über das Lehnsverhältniß, fei es zum Kaiſer oder zu den Markgrafen ; der Erbſtreit in Pommerellen nicht berührt , was um ſo auffallender iſt, da die Kunde von dem nahen Lebensende Meſtrins und von Przemyslavs anmaßungsvoller Erhebung doch Stettin gekommen ſein mußte.

ſchon nach

Entweder fehlen uns die

Urfunden , welche den Act der Theilung begleiten, oder es iſt anzunehmen , daß in jener einfachen Zeit viele Dinge ſich von

ſelbſt verſtanden ,

und daß Staatswirthſchaft und

Verwaltung , in ihrer Kindheit ; bedurften .

weiter

keiner Erdrterung

Ebenſowenig tiffen wir urkundlich , wie der Act der

' ) Höfer Archiv II, S. 118 : terram Belgard totam usque ad ter minos pomeranorum et polonorum et omnia deserta que infra dictos terminos plenius sunt contenta, cum omnibus suis terminis et metis . Pribislav war damals ſchon todt , und die Uebertragung ſeiner Güter unmittelbar auf die Markgrafen ohne Folge.

Anflant garantirt für Otto .

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Zutheilung durch die Schiedsrichter vollzogen wurde; Bogis: lav erſcheint von der Zeit ab im Berit des zweiten looſes und Otto hat das erſte inne. Aber den jungen Landesfür: ſten trauten die friedemachenden Stånde ſo wenig, daß ſchon am folgenden Tage, 13. Juli 1295, Otto durch eine Urkunde der Stadt Anklam , welche ihm kurz, vorher fich hålfreich erwieſen ,

beſonders die Verpflichtung auferlegen mußte, ' )

daß, „wenn er ſeine Vereinbarung mit Bogislav in Betreff ihrer Zwietracht in einem beweisbaren Punfte verleße, ſie in feinem Namen dem Herzog Bogislav dafür Gewähr leiſtete : daß er, Otto , bei ſeinem Bruder beharren wollte, bis die einzelnen Punkte von den Vafallen und Stådten beigelegt ſeien ." So ſchied denn eine innere Verwaltung beide Herzogthümer: Wolgaſt und Stettin auf hundert und neunundſechszig Jahre auseinander . - Da aber dem ausdrücklichen Willen der Theis ler und der getheilten Unterthanen zu Folge, 2 ) bei aller Uns vollkommenheit des Princips , ausmachen ſollten ,

beide

noch einen Staat

und das Bewußtſein gemeinſamer Abs

kunft nicht in den Getheilten erloſch, fo feindlich und wider : ſpruchsvoll die Fürſten oft fich einander gegenüber ſtellten; fo können wir auch nicht anders als ungetrennt ihre Geſchichte erzählen . im

Berlauf

Freilich

müſſen wir berichten ,

daß

Unbekümmerniß

der

des xv . Jahrhunderts

?) Stavenhagen Geſch. von Anklam S. 335, Urk. XIX . Dat. Ste tyn a. 1295 p . d . b. Margarete Virginis. Quod si placita inter pre dictum fratrem nostrum dilectum et nos a nostris Vasallis et Civita tibus super discordia , que inter ipsum et nos vertebatur, placitata que scripto probari poterint, servare renueremus. Jam dicto fratri postro Bugslao adherere debeamus quousque omnia et singula a nostris Vasallis et Civitatibus inter ipsum et nos placitata perfecte et inte gre teneamus. Zeugen ſind Universitas omnium Vasallorum nostro rum et omnes nostre generaliter civitates. 2) Um das Bewußtſein zu erhalten , daß nur die Berwaltung eine verſchiedene, der Staat derſelbe fei, ſoll audi angeordnet ſein , daß von einer wichtigen Stadt die Orbar gemeinſaftlich an beide Fürſten gezahlt wurde. S. Friedeborn a. A. D. II. S. 81 .

Meftting Tob, Juli 1295 .

60

Pommern um ihre Geſchichte die gemeinſchaftliche Abkunft, die Genealogie der Fürſten und den herrſchenden Gedanken der getheilten Verwaltung in dem Grade vergeſſen ließ, daß, als i. H. 1464 der ottoniſche Zweig in Stettin ausſtarb, ſelbſt dem gelehrten Rathe Erichs II. und Wartislavs IX., nicht einfiel , den Anſprüchen der Brandenburger , welche das Haus Stettin - Pommern får erloſchen erklärten , den Vertrag v. I. 1295 vorzuhalten , ſtatt ſich mit allgemeinen Angaben der wunderlichſten Art, „ von der zweitauſend Jahre alten Herrſchaft der Herzoge von Pommern und ihrer frühe: ren königlichen Würde“ zu behelfen . ') Während die erſten Handlungen der neuen Regenten darauf gerichtet waren, ſich in der Gunſt ihrer neuen Unters thanen, zumal der Stådte , durch Schenkungen zu befeſtigen und måhrend die Fürſten von Rügen wie die Markgrafen, in viele andere , beſonders meklenburgiſche, Håndel verfloch: ten, nicht Muße hatten , ihre früheren Beſchlüſſe auszuführen , war das långſt

erwartete Ereigniß an der Weichſel

ein:

getreten . Meſtwin , mit Willen feines Adels, zumal der Swenza, welche überall für Polen thàtig erſcheinen , dem Przemyslav die Nachfolge übertragend, berief, ſchon ſchwach , ,,den lieben Sohn nach Nafel ,“ der polniſchen Grenzfeſte, „ empfahl ihm mit vielen Thránen noch beſonders den Schuß der Grabs ſtåtte ſeiner Ahnen in Oliva " ? ) und ſtarb als Leştling ſeines

) S. Raumer Cod. dipl. Brandenb. I. p . 253 die Rede des Dr. Matthias von Wedel. Audy Bugenhagen beklagt bieſe Unwiſſenheit, ohne indeß Kunde von der Theilung i. J. 1295 zu haben. 2 ) Przemyslav ſagt in der Beſtätigungsurkunde für: Oliva som 19. October 1295 , im königsb. geh. Archive: Preterca ut prefata do mus Olyva locus sepulture principum pomoranie, quam nobis dilectus amicus noster dominus Mysciwgius non longe ante mortem suam in Nakil toto cordis sui affectu profusis lacrimis fideliter et diligenter commisit protegendam et defensandam speciali gracia et prerogativa gaudeat libertatis, volumus cet. Ueber den Todestag herrſden wer

61

Slaventhum begünſtigt burdy Meſtwin .

Stammes in hohem Alter im Juli 1295 , wahrſcheinlich in Anweſenheit des neuen Kidnigs von Polen .

Meſtwin fand,

wie er es im Leben gewünſcht, ſein Grab zu Dliva , und ſein Bild in ritterlicher Tracht ziert noch jeßt die Wand des hohen Chores in der Reihe der Wohlthåter des Kloſters, wiewohl das Heiligthum vielfache Beſchådigung erfahren hat . Meſtwin , der Feind des deutſchen Weſens und , ungeachtet ſeiner nahen Verbindung

mit dem Orden ,

der deutſchen

Sprache ſo wenig machtig , daß er ſich eines Dolmetſchers bediente , hinterließ ſein land mit dem vollſtändigen Gepräge der ſlaviſchen Eigenthůmlichkeit. aufblühenden

Schweſtern

Danzig blieb hinter den

an der Oſtſee

zurück; deutſche

Anſiedelung war zwar den Kldſtern geſtattet, aber von Bez günſtigung deutſcher Stådte erfahren wir nur, daß Dirs ſchau fich des Rechtes und Friedens , wie Danzig , erfreuen fonnte (9. 1294 ). ' ) Stolp nahm ſeinen Anfang als deutſche Stadt erſt unter den Markgrafen í . F. 1310.

Die Ka

ſtellaneieintheilung dauerte unbeſørånft unter ihm fort ;? )

ſchiedene Angaben . Duglofs p . 874 nennt den 25. December 1294. Nad Bugenhagen III. p. 148 und dem Chronic. Olivense VIII. Kal. Januar. Allein Sell I. S. 354 hat aus Urkunden erwieſen ( Dreger nr. DCCCLXIX, DCCCLXX) , daß Meſtwin nod am 29. Juni 1295 lebte , und am 9. Juli nennt ihn Przemyślav piae memoriae. S. Voigt Geſch. von Preußen IV. S. 131. Lebebur Archiv Neue Fortſ. II. S. 241 . ' ) Urt. im königsb. geh . Ardis d . d. Slupzk ( Stolp) in vigilia martyrum Viti et Modesti. *) Die erwähnten Kaſtellaneien an der See ſind: Danzig , Pußig, Belgard , Stolp , Solawe unb Dirlow ; die Grenze im Weſten an der Gee machte das Land Neſt: obwohl Schloß Neſt dem Biſchof von Ma min ídon überlaſſen war. Auch in der Gegend von Polnow erſcheint ſhon dichtere Bevölkerung. An der Weichſel lagen , oberhalb Danzig, Dirſchaut, die Befißungen des deutſchen Ordens und der Johanniter, Stargard nods als Dorf; das Schloß Wiſſegrod und das wichtige Schwes. Suchel iſt noch nicht urkundlich , ſo wenig als Ronis. Die ſübweſtlid namhafteſten Punkte find Styten , eine Saſtellanei, Zieten , jeßt ein Dorf an dem See, aus dem die Brabe fließt, unweit Schlochau, und die Güter der Johanniter bei dem heutigen Swornigas , nördlich

Zuſtanb Pomerellene.

62

Die Swenza .

aus der Anführung der Palatinate und Kaftellaneien geht hervor, daß dieſelben nur die Oſtſeeküſte bis Sclate und Dirlow , und das Ufer der Weichſel bis Schweg begriffen , nur in dieſem landſtriche giebt ſich eine Verwaltung kund. Das ganze innere land von der Leba und dem Schwarz: waſſer bis zur Grenze des weſtlichen Pommerns und der Neumark war bis auf wenige namhafte Punkte noch nicht bevólfert.

Ein gewaltthåriger Adel, reid an wüftem fand:

beſig , nicht immer den Geiſtlichen gefügig , machte in dem weſtlichen Diſtrikte beſonders fich geltend.

Aus ihm, der in

polniſcher Weiſe ſich nach Adelscurien mit einem gemeinſchaft: lichen Wappen

unterſchied, treten ſpåter die Geſchlechter

zumal der Puttkammer und der Kamede hervor ; als Ahnen der Puttkammer, der subcamerarii, können jedoch die Swenza nicht allein gelten , da neben

ihnen i. F. 1285 Pomorz

Putkomer in Stolpe und Matthaeus Putkomer in Schlawe vorfommen, und die Swenza den höheren Rang als Pala tini und Castellani hatten . ' ) Weshalb ſollten die Enkel der Swenza fich nad, der niederen Würde genannt haben ? Als Meſtwin ſtarb, rehen wir unmittelbar ohne Störung den

König

Przemyslav in

der Ausübung

ſeines Rechtes ,

umgeben zumal von den Swenzas, aber nicht ohne polniſches Gefolge.

Am 9. Auguſt 1295 , nachdem er am 30. Juli ju

Schlawe einen Streit zwiſchen dem Kloſter Buckow und einigen Edelleuten geſchlichtet , und ſchon zu Stolp geweſen , nimmt er in ſeiner Burg Danzig als „ König von Polen

von Koniß. Von da ab in der Breite von zehn Meilen , bis gegen die Quellen der Perſante, erſtredte ſids die oft genannte deserta Poloniae et Pomeraniae , bis die ſpäteren Bemühungen der Markgrafen und des Biſchofs von Namin jenes nicht unfruchtbare Gebiet bevölkerten. ' ) Dreger nr. DCXCV, die große Zahl der Glieder der Familie Puttkammer erklärt ſich daraus , daß in ſpäterer Zeit viele Edelleute ſich nach dem Titel subcammerarii benannten , welcher in jeder größeren Staftellanet fich wiederholte.

Przemyslav Herzog. und Herzog von

Sein Tod.

63

Pommern" das Kloſter Oliva in Schuß,

drückt ſein Majeſtätsſiegel darunter und verweilt bis in den Spåtherbſt in Danzig , feiner Stadt , indem er nochmals die Rechte und Beſitzungen von Oliva und Zarnowit bes ſtåtigte. ' ) In Sorge zunächſt vor den Eingriffen des Ordens umgiebt er Danzig mit hölzernen Bollwerken ; ? ) kaum iſt er aber aus dem geſicherten Pommern nach Großpolen zus růdgekehrt ,

als er einen gewaltſamen Tod findet. 3 )

ging die Sage in jener Zeit , die Markgrafen ,

Es

Otto der

lange, Otto mit dem Pfeile und Johann , der Sohn Kon rads und Neffe des Przemyslav durch deſſen Schweſter Con ſtanze, håtten dem neuen Könige, als er zu Rogaſen unweit der mårfiſchen Grenze Faſtnacht feierte, 4 ) ungewarnt über: fallen und

ermorden

laſſen.

Ein

feindſeliges

Verhältniß

zwiſchen dem Polenkönige und den Markgrafen iſt unbezwei felt , und vielleicht mochte Przemyslav um Rogaſen einen Heereszug gegen die Maré råſten ; aber ebenſo ſtatthaft iſt die alte faſt gleichzeitige Angabe , der König ſei durch eine

' ) Urkunde in Orginal im Yönigsb. geh . Archiv in vigilia S. Lau . rentii et in crastino beati Luce evang. 1295. 2) Duglofs I, p. 874. 3 ) Anonym. Archidiac. Gneznens. 1. c. p . 90. A. 1296 : cum Rex festum Carnisprivii in Rogosno Civitate celebraret, Theutunici zelo invidie inducti, quod regale sceptrum idem Rex adeptus fuerat, vide licet Marchio Longus Otto cum alio Ottone cum Marchione Johanne Nepote dicti Regis miserunt non paucos homines ipsum ad capien dum furtive; qui introeuntes eandem civitatem summo mane in die cinerum gravissimis vulneribus illatis ipsum ceperunt, quibus non sufficiens eius tam gravius (?) captivitas, ipsum cum deducere in Terram suam comode non valuerunt , seu non valerent , gravioribus plagis illatis crudeli morte extinxerunt. Chronic. Olivense bei Voigt Geſch. IV, 133 nennt satellites Woldemars als Mörder und als Nächer des Todes der Lucardig. Ebenſo Bugenhagen p. 148. Dugloſs I. p. 880 iſt ſehr umſtändlich. Naruszcwicz VIII. I. c. 4 ) Der Dies cinerum , Aſchermittwody, ſtimmt mit dem Tage Do rothea bei Nankow I. S. 283, 6. Februar , da Dſtern 1296 auf den 25. März fällt.

Wladislav Lokietik.

64

innere feindſelige Partei getódtet worden, aus der die Ge: noſſen vom Wappen Zaręba und Nałęz genannt werden. ' ) Der gefrónte König von Polen hinterließ weder von rei ner erſten Gattin, der unglücklichen Enkelin Barnims, Luit: gardis, 2 ) die i . f. 1285 auf ſeinen Befehl erwürgt wurde, noch von ſeiner zweiten , der fchwediſchen Prinzeſſin Richra, månnliche Nachkommen ; deshalb fam die Krone Polens von feinem Stamme ab, und die raſche Anerkennung Wladislavs Lokietek (Ellenhoch ) , Herzogs von Cujavien , dem auch der Adel

von Pommerellen ſich

loſe Verwirrung ,

zuneigte, vermehrte die heil:

indem König Wenzel von Böhmen die

durch den Mord König Przemyslavs erledigte Krone anſprach, auch Heinrich III., Herzog von Glogau, ſich als Dux regni Poloniae , Pomeranorum et Silesiae Rechte an Pommern anmaßtes ) und Leſtko von Wladislav in Pommern zugriff. So verſchlang ſich der Erbſtreit, zumal der Kampf um das

1

deutſche Königthum, die Abfeßung Adolfs und der Tod die fes tapferen Fürſten am 2. Juli 1298 in der Schlacht bei Gellnhauſen , verwirrend auf das Reich einwirkten , in einen unauflöslichen Knoten , den nur die Markgrafen durch das Schwerdt zu löſen verſtanden , um auf der Höhe ihres ges fåhrlichen Glückes dem lauernden deutſchen Orden das land zwiſchen leba, Brahe und Weichſel zuzuwenden.

' ) Duglofs I, 882. Naruszewitz t. VIII. p. 60 Anm. IV . Id. Febr. rex majoris Polonie occiditur a suis militibus de clenodio dicto uulgari ter Zareba prope opidum Rogoszno ; Zuſaß hinter der danziger Auss gabe des Kadlubeck. Dazu ſtimmt Pulkava I. c. p. 253 brevi vivens tempore occiditur a suis. Chron. Aul. Reg. 1. c. p. 101 . 2 ) Ueber Lucardis . das angeführte Chronicon Olivense und Ernſt von Kirchberg C. 136. Sie war Schweſter Heinricho des Löwen und verſchwägert mit dem brandenburgiſchen Hauſe, da jener Fürſt die Bea trir, Markgraf Albrechts Tochter, heimgeführt. Ueber Przemyslavs zweite Gattin , die er dyon i. 3. 1286 gebeirathet, 1. Naruszewicz VIII. p . 61 . Anm. 2. * ) Raczynski Cod. dipl. nr. LXXX .

Wladidlab unterſtüßt burdy bie Swenza.

65

Wladislav , welcher ſich noch des Königstitels enthielt, und nur Herzog des Königreiches Polen

und Pommerns,

ſo wie von ſeinen cujaviſchen Landen frieb , wurde durch die heimiſchen Angelegenheiten gehindert, ſogleich nach Dan zig zu eilen ; indeß war er des vornehmſten Palatines , des danzigers , ſicher , indem dieſer bei ihm in Sieradz weilte, ' ) als er 21. November 1296 eine oberherrliche Handlung aus: übte.

Von geringen Folgen ſcheint die Geltung des Leſtfo,

des Sohnes Ziemomysls von Inowraslav, ? ) geweſen zu ſein , welcher am 25. Mai 1296 „im erſten Jahre feines Fürſten thums Pommerns, ſeines „ Dheims Verleihungen an Oliva in ſeinem

Schloſſe Danzig beſtåtigt, 3 ) und als Zeugen

andere Kaſtellane und Beamte aufführt, indem die Unhån: ger Wladislavs wahrſcheinlich auf kurze Zeit verdrängt waren . In der Entfernung von Danzig , welche ſeine Händel mit dem foleſiſchen Herzoge nöthig machten , vertraute Wladiss lav dem Geſchlechte der Swenza die Behauptung ſeiner Rechte, welche daſſelbe zu verfechten verſtand, und fam erſt im Anfang des Jahres 1298 an die Niederweichſel, wo er, zu Dirſchau am 5. Januar, die Schenkung eines Vaters" Meſtwin an das Kloſter Eldena guthieß 4 ) und gleich darauf zu Danzig oberrichterlich waltete ; 5 ) aber, was auffallend iſt, erſt im folgenden Jahre, am 1. Mai 1299, zu Oliva, im Beiſtande vieler polniſcher Herren , jenes Kloſter in Schuß * ) Die erſte Urkunde Wladislavs iſt von Kaliſd am 28. October 1296 ausgeſtellt. Dreger nr. DCCCLXXXIX.; dann Urkunde im Ori ginal im königsb . geh. Archiv d. d . Syradz in vigilia beate Cecilie 1296 . 2 ) Narusczewicz VIII. p. 64, über die Verwandtſchaft mit Swanto polks Hauſe ſ. oben II. S. 568 . 3 ) Urkunde a. a. D. Datum et actum in castro nostro Gdanzk in die b. Urbani 1296 . 4 ) Urkunde im Original im Königsb. geb. Archive. Dat. in Trssevia ante Epyphaniam 1296. Unter den Zeugen Comes Swenza Palatinus in Slubsco und Comes Laurentius Castellanus in Stolck , wohl für Stolp ; Slupzk iſt der polniſche Name für Stolp. 5 ) Ebendaſelbſt: actum in Danzk. 5 Barthold Geich. v. Pomi , III,

Kampf im Weſtent.

66 nahm. ' )

immer iſt Swenza der wichtigſte Mann, welcher

vor Ankunft des polniſchen Herzogs , beide Palatinate , in Danzig und Stolp , bekleidete , und faſt unumſchränkte Ges walt ausübte. 2 ) – Aber unter ſo geſicherter Herrſchaft nach der Seite Preußens zu tobte der Krieg verheerend auf der weſtlichen Grenze.

Herzog Bogislav in ſeinen Erwartuns

gen getäuſcht, wollte nicht leer ausgehen und wenigſtens das Land jenſeits des Golm , ' ) das rein Vater als das ſeine erfannt hatte .

Obgleich ſein Bruder Otto der Sache des

Hauſes fremd blieb , finden wir Bogislav bald nach Meſts wins Tode , wahrſcheinlich ehe Wladislav ſich feſtlegte, mit dem Schwerdte in der Hand.

Weil Eroberuug im inneren

Lande, dem unbevölkerten, unfruchtbaren Gebiete, nicht lockte ; ſehen wir den Kampfplaß an der See , deſſen Küſte ſchon perheißlich angebaut

war ;

am Strande bei Funkenhagen,

weſtlich vom jamundrchen See ward blutig geſtritten und das Kriegsvolt der Pommern (d. i. der ſlaviſchen Pommern ), wahrſcheinlich unter Swenza, zurückgejagt .“)

Die Unterthanen

des Bisthums Kamin ſcheinen gemeinſchaftliche Sache gemacht zu haben ; denn dieſelben Nachrichten gedenk en in dieſem Jahre

einer Verwůſtung des Kloſters

Bucow durch die

Kösliner , welche über den damals noch , wie Jahrhunderte ſpåter,

entreßlich

rauhen Bergwald

Golm ( deſſen

Spige

. roon die Wallfahrtskapelle trug ), zogen und das Gebiet der Schüßlinge 5 ) des Kaſtellans von Schlawe bis unter das

" ) Ebendaſelbſt: Actum in Olyva in d. b. apostolorum Philippi et Jacobi 1299. In dieſem Jahre erhielt Nakel durch Wladislav mag deburgiſches Redit. Raczynski Cod. dipl. p. 96. 2) Dreger nr. CMI. 3 ) Golm, Kulm , iſt die richtigere Schreibart für Gollenberg . ) Bei Bugenhagen III. S. 148, nady budowlden Kloſternachrichtent; Stankow I. S. 283 unzuverläſſig. 5 ) Beim Jahre 1296 ſind mehre Urkunden , welche das gute Ver hältniß des Kloſters Budow und der Kaſtellaneibeamten von Schlaws bezeugen .

Biſdof Peter von Namin.

Raſtell Dirlow verwüſteten. von Kamin , der

Herzog Otto in Solbin .

Eben war Biſchof Jarimar

deſſen erbliches Recht

Wipper wir

kennen ,

67

geſtorben

auf die Landſchaft an ( 1296 );

ſeine

Vers

wandten und die Fürſten von Rügen ſahen ſich in wirre Håndel verflochten , und Peter , der Nachfolger Jarimars, ein Geiſtlicher von innerem Beruf , machte gewiß dem Her zoge Bogislav feine Schwierigkeit ein Recht wieder zu ges winnen , das auch dem Bisthume förderlich war. ' ) Doch konnten dieſe Waffenthaten nicht dauernden Befiß ſichern, da die Markgrafen von Brandenburg gerade auf dieſe Gebiete mächtig ihren Anſpruch erhoben, und Herzog Otto von Stet: tin , deſſen Gebiet von Hinterpommern

ganz

abgeſchnitten

war, nicht allein dem Streite müßig zuſah , ſondern zu Brans denburg fich hinneigte. So finden wir um Pfingſten 1298 den Herzog Otto von Stettin , mit vielen anderen Fürſten am Hofe Markgraf Albrechts zu Soldin , wo eben das neue Domſtift erſtanden war , und wo der fromme Marfgraf die Johanniter-Compturei zu Klein : Nemerow gründete, a ) von der am tiefen Ufer der Tollenſe, unter uralten Båumen, jeßt nur noch das granitene Gemåuer der Kirche und der Grab: ſtein eines der leßten Compture, von Gróben, vorhanden iſt. demſelben Jahre finden wir beide Brüder von

Noch in

Pommern auf verſchiedenen Parteien , obgleich ſie ſich nicht unmittelbar bekriegten. Das Kind von Roſtock , Nicolaus, in voigtbaren Jahren kaum ſeines Willens recht machtig, hatte zwei Eheberedungen

nach

einander verſchmåht;

die

erfte mit der Tochter des Grafen von Lindow , die zweite zweite mit Margaretha , Tochter des Markgrafen Albrecht,

) Urkunde Peters v. I. 1296 bei Dreger . Petrus wird nicht unter bie Biſchöfe von Ramin gerechnet. Allein bei Schöttgen et Kreyssig III. p. 17. findet ſich eine Urkunde ». J. 1298, worin er Dei gratia Caminensis eccle siae episcopus, Hermann ſein Antecessor , und Farimar fein predeces sor genannt werden. 2 ) Urkunde bei Buchholz IV . S. 134. Anh . IV . 5*

68

Die Markgrafen gegen Nicolaus bas Kind.

und auf Anrathen Johanns von Moltke und auf Vermitte: lung des Fürſten Wißlav ſich mit der Tochter Bogislavs IV. vermählt. :)

So ldſte fich vollends das Bündniß , welches

die Markgrafen i. I. 1287 und 1292 zur gemeinſchaftlichen Behauptung ihrer Rechte an die Erbſchaft Meſtwins mit den Fürſten Rügens geſchloſſen hatten, und deſſen Vermittler Jarimar, als Fürſt von Rügen und als Biſchof von Kamin , ſo nah betheiligt geweſen war.

Denn Markgraf Albrecht,

beleidigt durch die Verſchmåhung ſeiner Tochter, brach am Ende November 1298, vereinigt mit Markgraf Otto init dem Pfeile und Markgraf Hermann , ſo wie mit Herzog Otto von Stettin, mit Heeresgewalt in das Land Roſtock ein ; zog nicht eher ab, als bis die Roſtocker im Namen ihres jungen Gebieters ihnen eine ſtarke Brandſchaßung bewilligt hatten, und nahm darauf Rache an dem Fürſten von Rügen , in : dem er über das Bruch zwiſchen Sůlz und Tribſees in das landfeſte Rügen einfiel.

Vergebens

ſtellte

ſich Süßlaw ? )

von Diwiß zur Abwehr entgegen ; in das Haupt geſchoſſen, ſtarb er kurz darauf , und ward das Gebiet Rügens bis zum Meere gezwungen , von jeder Hufe den Brandenburgern fünf roſtocker Mark zu zahlen. Die Sieger zogen heim, ohne Bogislav zu beſchådigen , welcher doch als Schwieger vater des Junkers von Roſtock mit der Sache betheiligt war. ' ) Ernſt von Kirchberg C. 182. 183. Dominus Nicolaus de Ro stock gener noster erſcheint noch als als Zeuge in der Urkunde Albrechts für Kloſter Nemeron zu Soldin am Himmelfahrtstage 1298 . 2) S. Kanßow I. S. 286. Er nennt den tapferen Diwiß Bugslav, Kirchberg Guslav, und läßt, da ſeine Vaterlandsliebe dem Märker keinen Waffengewinn gönnen kann , den Fürſten Wißlav mit ſeinem Bruder Jarimar in der Mark großen Schaden anrichten. Die Erdichtung iſt bewieſen , indem i. J. 1298 am 5. Februar Petrus den Jarimar ſchon ſeinen Vorgänger nennt. An Ernſts von Kirchberg richtiger Angabe des Fahres 1298 für den vorliegenden Krieg zu zweifeln , hindert und die oben angeführte Urkunde , in welcher im Sommer des Jahres 1298 Ni colaus noch ale gener Albredits erſcheint. Die Diwiße beſaßen früh große Leingüter um Barb , zumal das Schloß Diwis.

Die Borken für die Markgrafen .

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Inzwiſchen nåherte ſich Herzog Bogislav dem Beſitzer von Oſtpommern , dem Wladislav, auf gåtliche Weiſe ; machte mit demſelben gegen Brandenburg gemeinſchaftliche Sache, áberzog die Neumark mit verheerenden Waffen , ') und ſicherte ſich dadurch wenigſtens den Beſitz des ganzen Landes Bel gard , das jeſt beſtimmter in den Bereich der Staatswirth: ſchaft gezogen wurde. Freilich mußte Bogislav auch inner halb dieſer Grenzen gefährliche Feinde befämpfen ; denn die Borfen , die ſchon früher immer auf Seiten des Biſchofs und der Markgrafen ſtanden, hatten wieder ums Jahr 1297 ihre Pflicht ſo weit vergeſſen , daß fie, Nicolaus , genannt Borko, und Borko mit ſeinen Brüdern von den fåmmtlichen Markgrafen ihre Güter, „welche ihre Våter und Vorfahren ihnen vererbt , und die ſie rechtmåßig beſaßen ,"

zum Lehn

nahmen, und zu treuen Dienſten ſich verpflichteten. a ) Daß deffenungeachtet Bogislav feſten Fuß faßte, erfennen wir aus den Verleihungen an die Stadt Belgard , welche am 2. Auguſt 1299 das lůbiſche Recht und eine genauer umgrenzte , aus: gedehnte Feldinark erhielt, ' ) ſo wie aus der Beſtåtigung der Güter des Kloſters Buckow (vom 4. September 1299) innerhalb ſeiner Grenzen bis zum Fluffe Grabow. 4) Anderer:

) Bugenhagen III. p . 149. A. 1298 Dux Poloniae et Dux Bugs laus IV. terram Arnswoldensem et terram Bernstensem totaliter igne vastaverunt. 2 ) Gercken Cod. dipl. III. p . 84 : Nos Nicolaus dictus Borko et Borko cum fratribus presentium litterarum pagina protestamur, quod a venerabilibus principibus dominis, Ottone, Conrado, Johanne, Ottone, Marchionibus Brandenburgensibus et de Landsberg bona nostra re cepimus que patres nostri et progenitores nobis hereditaverunt et rite et legitime possiderunt in omnibus finibus terminorum quod modum antiquis temporibus habuerunt. Jener Nicolaus Borke ſaß zu Labes und verpfändete das Gut Zimoitzel bei Kolberg dem Kloſter zu Köslin. Dreger Urk. z. I. 1298. 3 ) Dähnert Pomm. Biblioth. III. S. 193: Datum et actum Bel gard a. 1299, IV. Non . August. Unter den Zeugen ein Mandüvel. “) Dreger nr. CMXXXVII.

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Germaniſirung Hinterpommerne.

feits möchte die Urkunde Wladislavs für das Kloſter Bela buck und deſſen Tochterkloſter zu Stolp i. S. 1298 das gute Verhältniß zwiſchen dem Polen und Bogislav bezeugen . Gegenſeitige Verheerungen der Grenze zwiſchen Branden: burg , Pommern und Polen

dauerten fort ; der böſe Krieg

hatte aber wenigſtens die guten Folgen , daß bisher odes Grenzland zwiſchen Polen , der Neumarf und beiden Pom mern , zwiſchen der Drave , Kudde und Neşe , ſeine Herrn erhielt , welche durch Anlegung von Städten und Dörfern das Errungene zu ſichern

ſuchten.

grunde des arnswalder Kreiſes

So ward im

Hinter

vom Markgrafen Albrecht

i . J. 1300 beim Dorfe Krewsdorp , dem Kloſter Kolbag zu Gunſten , das ſpåtere Kloſter Himmelſtådt geſtiftet, ' ) und tritt i . 7. 1303 Kalis (Neu- Kalifob ) , lo zum Hohne gegen die Piaſten genannt , in der unwirthlichſten Gegend belegen , als eine deutſche Stadt , in einem Gebiete , das fürſtliche Gåter der Herren von Wedel umfaßte, auf. 2 )

In demſelben

Jahre ward die Stadt Arnsfron, jeßt Deutſchfron, als mår: fiſches Eigenthum

) beſtåtigt; Dramburg geroann i. I. 1306

durch die Markgrafen ein erweitertes Gebiet ; und i . F. 1314 iſt Neu-Friedland (Mårfiſch: Friedland) als eine Stadt der erwerbthåtigen Dynaſtie

der Wedel

hervorgerufen . “)

Es

bewåhrte ſich auch in dieſen dunklen Verhältniſſen , daß die Theilung eines wüſten , weitgedehnten fandes der Urbar machung und Bevölkerung höchſt erſprießlich iſt ; denn auch unſere Herzoge und der Biſchof von Kamin blieben feines: weges zurück, ro daß wir ſchon vor dem Jahre 1309 von

' ) Gercken Cod. dipl. I. P. 316. 2) Raumer Cod. dipl. I. $. 24. Gercken V. P 286 . 3) Raumer die Neumark Brandenburg S. 9. “) Raczynski p. 98. Unter dem Namen Henning Napsealae idyeint eitt Glasenapp berſtedt zu ſein , da der polniſche Sdpreiber, welder die Urkunde i. J. 1565 transſumirt, mehre deutſche Namen merkwürdig verbrebt.

Zuſtand im Anfange des XIV. Jahrhunderts.

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genauerer Grenzſcheide des jeßigen neuſtettiner Kreiſes hören, und daß es auch über das dde , aber romantiſche, Gebiet von Bubliß aufwärts bis

gegen Baldenburg

und Schlos

chau , welche Burgen freilich erſt ſpåter entſtanden , zu tagen beginnt. Als ro mit den Waffen der ſtreitenden Erbnehmer die Wüſte ausgebeutet wurde , finden wir nur , daß die Fürſten von Rügen ſich noch unthätig verhielten , obgleich ihr An: ſpruch ein ſo rechtmåßiger war . Erſt nach Wladislavs heimiſchem Mißgeſchick rollen Wižlavs II. , des gealterten, vielbeſchäftigten Fürſten , Sohne ihr Anrecht zu erkämpfen Anſtalt gemacht haben. Mit dem Beginne des XIV. Jahrhunderts trafen aber drei Ereigniſſe zuſammen, welche dem Herzoge Bogislav die Behauptung und Ausdehnung ſeiner Rechte erſchwerten und theilweiſe

unmöglich

machten.

Erſtens ſtarb Biſchof

Petrus , der uneigennůßige Mithelfer im Erbſtreite und der Nachfolger, Biſchof Heinrich , aus dem Geſchlechte der Was cholte, um Kamin und Treptow angeſeſſen , und als Vaſale len und Domherren

des

Stiftes befannt , ' ) verließ ,

um

eigennügige Plåne zu verfolgen, die Partei des Landesherrn ; z wo eitens welkte das åltere Geſchlecht der Markgrafen, ſchon durch die raſtloſe Thätigkeit gebrochen , der Erwerbung des Himmels mehr ſich zuwendend , hin , und machte einem jüngeren Raum , in welchem die Waffenfreudigkeit und Eroberungsluſt des anhaltiſchen Stammes noch einmal hell aufleuchtete; drittens verlor Herzog Wladislav, Bogislavs Bundesfreund, das polniſche Scepter und trat der König von Böhmen , Brandenburg alt befreundet , als Gebieter in Pommern auf.

Heinrichs , Biſchofs von Kamin , wird

zuerſt i . F. 1300 erwähnt ; am Ende deſſelben Jahres ſtarb

" ) Ueber Heinrichs Herkunft aus dem Original einer Urkunde Ottos * . 3. 1303 1. Wuja I. c . p. 592.

Markgraf Waldemar .

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Markgraf Albrecht, ') ohne månnliche Nachkommen , und vereinigte Markgraf Hermann, Ottos des langen Sohn, der in der zweiten Hälfte des Jahres 1298 ſtarb, das påmmt: liche Beſişthum

des

ottoniſchen Zweiges ;

Hermann lebte

in innigem Einverſtåndniſſe mit ſeinem Dheim Otto IV. mit dem Pfeile, der jeßt in hohem Alter ſtand ; und in Wal: demar , dem Sohne Konrads, welchen påpſtlicher Bannſtrahl faft bis in den Tod verfolgte, erwuchs dem zahlreichen Ge: ſchlechte, das ro bald hinſchwinden ſollte ,

der gefeierteſte

Held des deutſchen Nordens . Was durch die Anſprüche Heins richs des fomen von Meklenburg , dem vom Beſige feines Schwiegervaters Albrecht erſt durch Vertrag das Land Stars gard ,? ) einſt Barnims I. wohlerworbenes Erbtheil , zufiel, die Markgrafen verloren , erregte ihnen reichlich der Erwerb im außerſten Hinterpommern .

In demſelben

Jahre 1300 ward Wladislav

Lokietek

von den unruhigen polniſchen Magnaten, welche eine ſtreng geregelte Verwaltung haßten, entſegt und verjagt ; König

' ) Pulkavae Chron. 1. c. p . 257. Albertus frater Ottonis longi Marchio Brandenburgensis, de quo supra fit mencio, mortuus et se pultus in Levinensi (Leninensi) monasterio , postea , ut supra dicitur, in Celiportam (Himmelpfort) translatus, P.260 : Hic Hermannus multa pollebat sapiencia, militabat audacia et in multis strenuus est reper tus, adeo quod ejus fama diffundebatur ubique. Regebatur quoque pacifice sua terra, cunctis suis adversariis gravis et ferox extitit, prae cipue in rebelles, qui ejus potenciam et austeritatem vehementissime timuerunt. Id. I. c. p . 257 : Hic Otto cum telo post mortem Ottonis longi prefati perductus ad senium semper cum Marchione Hermanno vixit concorditer. Postremo autem prefatus Otto cum Marchione Woldemaro totam gerens Marchiam et gubernans, senex et plenus dierum moritur et in Chornitensi monasterio sepelitur. 2) Pulkava 1. c. p. 240 ſagt zwar : Genuit insuper duas filias, quarum unam tradidit Domino Henrico Magnopolensi, cum qua ter ram Stargardensem donavit. Aber erſt einige Jahre nad Albredits Tode kam das Land Neu-Brandenburg , Friedland und Kloſter Broda, Wanzke, ſo wie die Complurei Niemerow an Heinrich den Löwen , und ward ihm im Templiner Frieden i. I. 1317 für immer beſtätigt.

König Wenzel von Böhmen in Pommern.

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Wenzel von Böhmen gerufen, mit einem Heere herbeigekoms men und als König von Polen zu Gneſen gekrónt, ') ver: ſtårkte rein Unrecht,

indem er die Tochter Przemyslavs,

Richra, von den Böhmen Eliſabeth genannt, heirathete, und indem König Albrecht I. ihm aus Mainz ſchon im Juni 1300 alle Eroberungen in Polen als Lehn des deutſchen Reiches geſtattete. )

Dem neuen Könige Pommern zuzuwenden zeig

ten ſich beſonders die Swenga thåtig , weshalb Wenzel dem . Sohn des Palatins von Danzig, der ſich auch Woiwode vpn Pommern nennt , Peter , i. J. 1301 die Stadt Neuenburg an der Weichſel mit einem bedeutenden Gebiete (denfte, :) zu den großen Gütern , welche derſelbe fchon in anderen Ges genden Pommerns

beſaß.

Wohl ehe der Böhme ſich in

Pommern feſtlegen fonnte , ahmten auch die Fürſten von Rügen dem Beiſpiele Bogislavs nach , und hatte Sambor, der zweite Sohn Wiglavs , mit einer Flotte der Umgegend von Rågenwalde und Schlawe ſich bemachtigt. “ ) Doc mußte er der Gewalt der Hauptleute des Böhmen bald weichen, ſo daß von deſſen Anrechte nur eine Urkunde geblieben, kraft welcher Sambor als Statthalter feines Vaters, i. I. 1305 zu Sclave anweſend, 5 ) . den Palatinus Matthaeus von Schlawe, wahrſcheinlich jenen Matthaeus Potkomer, welchen wir fen: nen, „ mit den Sätern feines Hauſes , die ihm feit Meſtwin dem Ohm in der

Gegend

von Rügenwalde , Stolp und

' ) Pulkava l. c. p . 256. Anonym . Archidiac. Gneznens. I. c. p. 90. Chron. Aul. Regiae I. c. p . 131. Wenzel war ſchon im Frühſommer in Böhmen . Regalis potencia terram Calissensem, Gnysnensem , Po meraniam ac omnia alia illa loca (continuit). 2) Narusczewicz VIII. p. 72. 3 ) Dreger nr. CMLXXXVII. d. Brün 28. Juni. 4) Wir haben dafür keine Quelle als Kanßow I. S. 288. Eickstet p. 53. Dody geſteht audy das Chronicon Olivense zu, daß die Pommern unum de Rugia , qui brevi tempore tenuit principatum beriefen. Bugenhag. p. 149. 5 ) Dreger nr. CMXC . Rankow I. a. a. D. , weiß , daß Wenzel den rüganiſchen Erben mit den Kleinodien Meſtwins zufrieden ſtellte.

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Die ſlaviſchen Pommern gegen die Deutſcent.

Schlave zuſtünden" belehnte.

Die thatluſtigen Fürſten von

Rügen hatten ſich ſo weit über die Kraft ihres låndchens in Unternehmungen vieler Art eingelaffen , daß ſie , obenein den Beſit mit den Dynaſten von Putbus, von Griſtow und Brandshagen, einem reichen udel, mit der machtigen Stadt Stralſund und mit geiſtlichen Stiftern theilend , damals in tiefen Schulden ſteckten. Unter ſo ungünſtigen Fügungen büßte Bogislav raſch alles ein , was er durch die Nachſicht Wladislavs jenſeits der Perſante und des Golm gewonnen ; mit dem Böhmen verbunden , vergalten die flavifchen Pommern den Deut: ſchen in Pommern die Unbilden früherer Jahre , und ſchons ten , im Herbſte 1300 einfallend, ſo wenig die Güter des abtrünnigen Kloſters Buckow , daß kaum die fußfälligen Bit: ten der Mönche ſie zum Abzuge vermochten . ')

Grimmiger

Haß gegen die Deutſchen , zumal der Polen , bezeichnet die Zeit ſo ſcharf, daß ſelbſt dem Erzbiſchof 2 ) von Gneſen die vortreffliche lateiniſche Predigt eines deutſchen Biſchofs in Gneſen deshalb mißfiel, weil ,,ein Hundskopf ſie gehalten habe."

König Wenzels Regierung behagte den Polen ; er

kehrte bald

heim und überließ das

Regiment böhmiſchen

Statthaltern , dem Heinrich von Duba , Ulrich von Bosfo: wit und anderen ,

welche die Magnaten gewähren ließen. .

Deshalb ſagt Dante in ſeiner ſtrengen Heerſchau der Fürſten ſeiner Zeit von ihm, daß ſein Vater Ottofar beſſer war : ..In Windeln ſchon , als bårt'gen Kinns iſt Wenzel, Sein Sohn , an Trägheit fich und Wolluſt weidend. :) Auch die Geiſtlichkeit freuete fich ſolches Heren und lobte ihn über die Gebühr.4 )

1 ) Bugenhagen III. p . 149 nach dem Chronicon des Kloſters Bidow . ) Chronic. Aul. Reg. p. 133. caninum caput. 3 ) Dante Fegefeuter VII., 101. nach der Ueberſeßung des Herzoge Johann von Sadſen. “) Anonym . Archidiac. Gneznens. p. 90. Sub quo rege maxima

Wenzel im Bunde mit ben Markgrafert.

75

Vor anderen behielten in Pommern die Swenza das Heft der Dinge in Hånden . Der alte Swenza, als Woywod Pomeraniae, mit ſeinem Sohne , dem Kanzler Peter , und mit Jasco und Laurentius , verliehen im Juni 1302 einem treuen Anhänger das Erbrichteramt in ihrer Stadt Neuen: burg. ' )

Zwar erſcheint Frisco de Scassow , såmmerer

des Königsreichs Polen und Statthalter von Cu : javien , in einer Beſtå tigung der Urkunde', Schlawe vom 8. December 1303, für Buckom , ? ) und ſchlichtete Ulrich von Boskowit, Capitaneus Poloniae, am Michaelstage 1303 einen Grenzſtreit zwiſchen den Kldſtern Oliva und Polplin ; 3 ) je: doch da Wenzel nicht ſelbſt nach Pommern kam , hatten die Swenza Zeit, eine fürſtliche Gewalt fich anzumaßen. - Für unſere Herzoge von Pommern geſtalteten ſich die Umſtände um fo ungünſtiger , als ſie neben der Abneigung ihrer ſlas viſchen Landsleute an der Weichſel die gemeinſchaftlice Partei der Brandenburger und des böhmiſchen und polnis Ichen Königs zu bekämpfen hatten.

Denn Wenzel

durfte

fich der planmåßigen Machterweiterung der Markgrafen um ſo weniger

entgegenſeßen ,

cigenen Reiche

bedürftig

als er der Hülfe derſelben im war. Als König Albrecht eifer:

fůchtig auf die gefährliche Herrſchaft des Böhmen, i . I. 1303,

pax et justitia viguit in Polonia. Beſtätigung des Kloſters Oliva d. in Grecz XIV. Kal. Febr. 1303. - ) Urkunde im königsb. geh. Archiv : Data et scripta in civitate nostra Nuwenburc a. 1302 in octava ascensionis. Die Legende des Siegels : S'. Svenzonis Palatini Gdanensis. Das Bild ein Rcuter auf der Jagd, vor dem Pferde läuft ein Haſe, hinter dieſem ein Jagdhund . Um aucy heraldifas Hinterpommerns Provinzen in Verbindung mit Deutſch- Pommern zu bringen , behauptet Ransow I. S. 302 : die Swenza bätten in ihrem Inſiegel den halben Greif mit dem Störſdhwanz ge braucit; ung find im königsberger Archive mehrmals die Siegel der Swenza aufbewahrt. 2 ) Dreger nr. MXV. * ) Urkunde bes königsb. geh . Ardive. Daſ, datum in Grecz XIV . Kal. Febr. 1303 .

76 dem

König Wenzel vor ben Markgrafen unterſtüßt. Sohne

deſſelben

die ungariſche Strone zu

entziehen

gedachte, rehen wir während eines Zuges Wenzels nach Un: garn den Markgrafen Hermann als Statthalter in Bohinen ; und als im

folgenden Jahre ) der

deutſche Herrſcher an

den Lehnsmann gebieteriſche Aufforderungen richtete, und in Böhmen einfiel, halfen die Markgrafen Hermann und Otto mit dem Pfeile an der Spiße von 5000 Mann , bei

Nim

burg, dem Verwandten zum Beiſtande gekommen, die Gefahr erfolgreich abwenden , und

erhielten

dafür den Theil des

Meißner-landes verpfåndet, welcher unter den heillofen Strei tigkeiten zwiſchen Vater und Sohn an jene Krone gefallen war. Durch dieſe Verbindung mit Böhmen erlangten die Mårfer in Pommern eine ſo gebieteriſche Stellung , daß ſchon am 17. September 1303 der neue Biſchof von Ramin, Heinrich, zu Belbuck ein Vertheidignngsbündniß mit Otto (IV .), Konrad , Johann und Waldemar „ nach Rath ſeiner Pråla ten und Vafallen " fchloß und ihm gegen jeden Feind Beis ſtand gelobte, Otto . )

mit Ausnahme der Herzoge Bogislav

und

Aber der Biſchof ſcheint dieſe Verwahrung ſeiner

? ) Pulkavae Chron . 1. c. p. 257. Ambo (Hermannus et Otto) exercitu congregato Regi Boemie Wenzeslao contra Regem Roma norum in auxilium processerunt, pro quo Misnensem terrarn recepe runt ab eo. Chronic. Aul. Reg. p . 41. Auch Heinrich von Meklenburg folgte, als Lehnsmann der Markgrafen für Stargard , dem Aufgebote nach Böhmen. Ernſt von Kirchberg c. 137. 2) Gercken Cod. dipl. III. p. 85. datum Belbug a. 1303 feria quarta ante festum B. Mathei , Henricus D. g. Caminesis Ecclesie Episc. protestamur, quod inter illustres principes Dominos Otto nem , Conradum Johannem et Waldemarum de Brandenborch et Landesberch Marchiones ex una et nos parte ex altera est de maturo consilio nostrorum prelatorum nec non fidelium nostrorum placita tum , quod apud ipsos debebimus perpetuo manere et ipsorum ter ram defendere prout nostram eisque assistere efficaciter auxilio con silio et favorc cum omni posse, ubicunquecisdem fuerit opportunum contra quoslibet adversarios eorundem , exceptis dumtaxat illustri principe Dno Hermanno Marchione Brandenburgensi et nobilibus

Top Wenzels II., 23. Juni 1305.

77

Pflicht gegen den Landesherrn nicht ſtrenge beachtet zu haben ; denn als der Krieg zwiſchen Pommern und dem Markgrafen, ' ) welcher nach einer ſpåteren Nachricht auch den Herzog Otto von Stettin von ſeinem mütterlichen Verwandten abgezogen haben ſoll,? ) mit erneuerter Wuth ausbrach , nöthigte Bos gislav den Biſchof und das Kapitel am 15. Juli 1304 zu Belgard ſich gegen ihn und ſeinen Nachfolger zum Beiſtande zu verpflichten ; ihm im Kriege die Burgen des Stiftes zu öffnen ; einen ordentlichen Rechtsgang in Betreff der Strei tigkeiten ihrer Vafallen zu geſtatten, und erlaubte ihm unter der Bedingung die Mitbereßung des Schloſſes Gågot bei Ramin als Eigenthum zu erwerben . 3 ) So hatte Bogis lav noch keine ſicheren Erweiterungen auf der Seite Hinters "pommerns gewonnen , alş König Wenzel II . am 23. Juni 1305 ſtarb und der jüngere Sohn Wenzel III ., am 6. Auguſt mit König Albrecht zu Prag verſöhnt , ſchon am 8. Auguſt 1305 den Markgrafen Otto , Hermann und Waldemar ver: ſprach , das Land Pommern mit dem Rechte , mit welchem ſein Vater und er daſſelbe beſaßen, abzutreten, “ ) ſobald jene

Ducibus Dominis Bugslau et Ottone Slavorum et Cassubie contra quos nihil attemptabimus quod noscitur inimicum . ^ ) Auffallend iſt, daß im Vertrage zu Wittmannsdorf über die Ab tretung des Landes Stargard (13. Januar 1304) brandenburgiſdyer Seits Bogislav und Otto mit eingeſchloſſen wurden , als beſtände keine Fehde zwiſden ihnen und den Markgrafen . 2 ) Die ſpäteren einheimiſchen Geſchichtſchreiber Kanßow I. S. 289, Eickstet p. 52. wiſſen von Eroberungen der Markgrafen an der uder märkiſchen und neumärkiſchen Seite und von einem Siege Ottos í. J. 1303 bei Stendal unweit Vierraden. Die Gefangenen zu löſen hätten die Markgrafen die angelegten Schlöſſer brechen müſſen . In Urkunden erſcheiut Otto von Stettin ein gehorſamer Anhänger der Brandenburger. 3 ) Kankow a. a . D. Dreger nr. MXLI. MXLII. 4 ) Gercken 1. c. VII. p. 118. Nos Wenczeslaus D. G. Bohemic, Ungarie et Polonic Rex fatemur ac promittimus bona fide quam pri mum illustres Domini Otto, Hermannus et Waldemarus Marchiones de Brandenburg nobis vel nuntiis nostris, quos ad hoc duxerimus

78

Gdyenkung Wenzels III. an die Markgrafen.

feinen Sendboten die Schlöſſer Meißens , Freiburg und an : dere , welche fein Vater ihnen

verpfändet , zurückerſtattet;

aber unter der Bedingung, ') daß die Eingeborenen und die ſonſt in Pommern reßhaften ihre Güter behielten, und die Schenkungen ſeines Vaters und ſeine eigenen Verleihuns gen vor dem 6. Auguſt ihre Gültigkeit behielten , und die Begabten ſie entweder als fehn oder als Eigenthum , je nachdem ſie ihnen geſchenkt wåren, unter der Herrſchaft der Markgrafen beſåßen.

Wer könnte zweifeln , daß die Marks

grafen von dieſer Uebertragung den fråftigſten Gebrauch machten, um wenigſtens die Gegend zwiſchen dem Golmberg und der Stolpe, an welcher ihre Anſprüche zunächſt hafteten , zu behaupten , ſelbſt wenn ſie Meißen nicht abtraten ? Ein furchtbarer Krieg lag über dem Lande und ſchonte am wenig, ften das Bisthum Kamin , da Heinrich ſich nicht der Pflicht für Bogislav entziehen durfte.

Die Swenza erreichten den

Hdheſtand ihres Reichthums, indem faſt nur zu ihren Gun :

deputandos terram Misnensem et castra et civitates infrascriptas vide licet castrum Misna cum civitate, castrum Vriborch cum civitate, ca strum Ossiez cum civitate et castrum Grym cum civitate que et quas in terra ipsa eis felicis memorine Dns. Wenczeslaus quondam Boemie et Polonie rex pater noster karissimus obligaverat, presentabunt, sta tim eis ad manus eorum vel illis quos ipsi ad hoc deputaverint ter ram Pomeranie presentabimus eodem jure quo predictus pater noster et nos post eum tenuimus terram ipsam. Dazu hat Pulkava p. 257 : quam (Misnensem terram ) postea pro Moravia (i. e . Pomerania ) per mutarunt. * ) L. c. Sic tamen quod terrigene et in alii terre ipsius incole possessiones bona et jura sua jure quo debeant retineant, et illi qui bus per predictum patrem nostrum vel per nos possessiones vel bona aliqua in terra ipsa usque ad diem compositionis inter nos et dictum Albertum Romanorum Regem avunculum nostrum a. domini 1305 quinta feria post vincula Petri in Praga celebrate, sunt data, sic te neant et possideant sicut per ipsum patrem nostrum et nos ipsis data sunt, ut videlicet , si jure feudi, jure feudi, si jure proprietatis, jure proprietatis habeant et possideant bona ipsa et ea ab ipsis Mar chionibus sicut a veris terre ipsius dominis recognoscant.

Ermordung Wenzels III., 4. Auguſt 1306. Wladislav Lokietek. 79 ften der Termin , innerhalb welches die böhmiſchen Schen : kungen gelten ſollten, erſtreckt war. Denn am 19. Juli 1305 hatte Wenzel dem Peter von Neuenburg als Erſaß der ver ſprochenen Mitgift feiner Gattin eine Anzahl Dörfer ges ſchenkt, ' ) und ihn zum Capitaneus Terrae Pomeraniae er: nannt , mit welcher Würde auch Peters Vater bekleidet erſcheint. 2 ) Aber ronell ſchlugen

die ungewiſſen Dinge um ;

der

junge Wenzel , im Begriff mit einem Heere nach Polen zu gehen , wo Wladislav Lokietik fich wiederum als Herrſcher aufwarf 3 ) und Krakau wie Sandomir erobert hatte, ward zu Olmůg am 4. Auguſt 1306 ermordet, und mit ihm ers loſd ), unter wehmüthiger Klage der Böhmen, das einheimis ſche Geſchlecht

der Przemyslaiden.

Wladislav , begünſtigt

durch die Vorneigung der ſlaviſchen Pommern , welche ihn anerkannten , 4 ) veränderte ſogleich das Verhältniß zu den Brandenburgern , ſo wie zum deutſchen Orden , welcher von Alters her die Könige von Böhmen als Gonner verehrte. Wladislav überfam , als Haupttråger der offentlichen Ges walt in Pommern, das Geſchlecht der Swenza, die als Herren des Landes von Pollnow , Schlawe und Rügenwalde bezeich: net werden, und beſtrafte die Ehrgeizigen für frühere Abs trúnnigkeit , indem er ihnen die Verwaltung nahm , feinen

* ) Urkunde des königsb. geb. Archives dat. Prage XIV. Cal. Aug. 1305. und bei Dreger v. J. 1306 nr. MCVII. 2 ) Urkunde im fönigsb. geh. Archiv vom 10. Auguſt 1305 dat. in Dersovia. Das Siegel Petri Capitanei Terre Pomeranie ſtellt einen Löwen in einem Schilde vor. 3) Naruszewicz VIII. p. 99 ff. 4) Bugenhagen III. p. 150. aus dem Chronic. Olivense. Tunc Pomerani expulsis Bohemis unanimi consensu vocaverunt ducem Cra coviac Wladislaum praedictum . Qui recepto fidei servandae sacra mento sive juramento : ab equitibus auratis Petró de Polnov, Jascone de Slave et Laurentio de Rugenwalde atque aliis totius superioris Pomeraniae dux proclamatur.

80

Bebrängniß der Swenza.

Neffen Przemyslav und Kaſimierz ? ) übertrug, und die Kaſtel lanei Danzig mit einem eingeborenen Polen 'befekte. Ob gleich Smenja noch im Beſit ſeiner hohen Titel blieb, mußte Peter mit den Edlen ſeines Anhanges die Schloffer, welche fie inne hatten , jenen Neffen Wladislavs einräumen , ? ) und ſcheint ſchon i. I. 1303 der alte Swenza entweder ſo ges demüthigt, oder ſo geheim mit dem deutſchen Orden im Eins verſtändniſſe , daß er und ſein Sohn Peter , weil ſie, „ vera armt in ihrer Stelle als Capitanei Pomeraniae unter König Wenzel , wegen ihrer ſchweren Koſten , um das Land mit Ehren zu erhalten, zum Verkauf ihres Erbes genóthigt, und bedrångt unter der Noth wachſender Kriege," ein Sut an den deutſchen Orden verkauften (Niradowe). :) Der Orden, mit Kämpfen gegen die heidniſchen Litthauer beſchäftigt, ſchritt allmålig und langſam vor, durch erlaubte Mittel fich ein Gebiet in Pommern abzurunden ; unterdeß auch die Brans denburger auf Koſten des Polen und der Unſprüche unſerer Herzoge måchtig um fich griffen. Wir finden die Mark: grafen Otto und Waldemar

ſchon im Frühjahr 1306 in

dem Winkel zwiſchen Grabow und der See , 4 ) wo ſie im

" ) Naruszewicz VIII. 104. 2 ) Voigt Geſch. von Preußen IV. S. 202. Anm. ; aus einem ſpäte ren Zeugenverhöre v . J. 1320 über die Ereigniſſe in Pommern : Vidi eciam quod ipse dominus Wladislaus iudicavit Pomeranos et audivi et presens fui, quod Petrus Suenze et alii Nobiles resignaverunt sibi castra , que sic recepta assignavit ducibus Cuyavie Primislio et Kasi miro suo nomine tenenda. 3 ) Urkunde des fönigsb. geb. Archive, ohne Tag und Ort 1306 : quod nos cum essemus constituți capitanei terre Pomeranie ab in clito rege Bohemie pie memorie propter magnos sumptus in dicta terra habitos, incumbente magna necessitate, ad remouendam nostram egestatem et terram cum honore servandam , quandam partem nostra rum vendidimus hereditatum . Insuper aucmentatis sumptibus prop ter multas causas et guerras dicte terre incumbentibus sumptus ulte rius habere non valentibus , compulsi magna necessitate , vendidimus bona dicta Niradowe cum omnibus limitibus ad dicta bona pertinentibus. - ) Daß Swenza bie Fortſchritte der Markgrafen zur Zeit des Wla

Die Verrätherei des Peter Swenza.

81

Herbſte des Jahres ( 11. November) zu Bábbelin zwiſchen Buckow und Rügenwalde das nahe Kloſter in ihren Schug nahmen , ' ) ihren Lehnsleuten daſſelbe zu ſchonen

befahlen.

Am 18. Juli 1307, zum ſicheren Zeichen, daß Peter Swenza die Partei der Brandenburger umfaßt hatte, ? ) gelobten die Markgrafen Otto und Waldemar dem Peter von Neuen burg, daß ſein Vater und Bruder, ſo wie ihre Freunde die Burggrafſchaft Stolpe behalten ſollten , oder daß , fals ſie die Herrſchaft ſelbſt an ſich nåhmen , ſie jenen eine Summe Geldes zum Erſat reichen würden . 3 ) Sie bezeugten ihm den Lehnsbeſiß der Schlöſſer Rügenwalde, Schlawe, Polnow , Tuchel und Neuenburg, und erklårten , daß wenn Peter vor dieſer Zeit Güter verliehen hätte , „ um Dienſte

der Markgrafen "

der Belehnte

behalten

dieſelben

ſollte.

Wenige

Tage darauf machte Comes Peter von Neuenburg von dies ſer Befugniß Gebrauch , indem er für einen Roßdienſt ein Dorf des

im neuenburger Gebiet jüngeren

Swenza

fonnte

verlieh. “ ) dem

Die Verråtherei

Herzoge

Wladislav

nicht verborgen bleiben ; doch mußten ihm Beweiſe fehlen,

bislav förderte, iſt unzweifelhaft. Dodh ſdon vor Wenzelo III. Tobe ſeben wir jene zu Böbbelin am 21. März 1306 dem Kloſter Budow Güter jenſeits des Golm beſtätigen (Dreger MXCVI.), zum Zeugniß, daß die Brandenburger von der böhmiſchen Uebertragung Gebrauch machten. ' ) Dreger nr. MXCV. 2 ) Bugenhagen p. 150. Chronic. Olivense 1. c. p. 211 ſagt, daß Swenza und ſein Sohn cum aliis plurimis militibus Marchionem de Brandenburg Dominum Woldemirum vocaverunt ad suscipiendum Ducatum, 3 ) Schwarz Lehnshiſtorie S. 268. Die Urkunde der Markgrafen ( freilid können wir auf ein Original nidyt zurüdweiſen ), iſt eine ber erſten deutſch geſchriebenen in Norddeutſchland. Riedel ( Bericht über ſeine Reiſe 1839) fand ſchon eine deutſche Urkunde Gebhards von Al pensleben u. 3. 1300. Deutſche Urkunden er deinen gleich nach dieſer Zeit ſelbſt im Fürſtenthum Rügen . 4) Dreger nr. MCXXVIII. 6 Barthold Geich, v. Pomm , III.

82

Die Märker in den Stiftslanden.

weshalb er nur , als der Palatin und deſſen Sohn ihn vor ſeiner Rückkehr nach Krafau an die Summen erinnerten, welche ſie für ſeinen Dienſt verausgabt, die Zahlung verwei gerte, und den Ingrimm Peters durch ſolche Vorenthaltung gefährlich ſteigerte . ' ) Aber ehe er noch den Markgrafen andere landfeſten in die Hände ſpielen konnte , ward feine Verråtherei klar, weshalb Wladislav, eilig im Frühjahre 1308 nac Pommern umgekehrt, Vater und Sohn gefangen nahm und ſie auf die Burg nach Krakau fandte. 2 ) Inzwiſchen konnten die Markgrafen auf der öſtlichen Seite ihrer Siegesbahn fortrücken , da ſie die Widerſtands kraft in Bogislav und ſeinen Mannen, welche wahrſcheinlich wie früher die Partei der Polen als der Billigeren ers griffen hatten, bereits gebrochen.

In demſelben Jahre 1308 ,

als von pommerſcher Herrſchaft jenſeits des Golm nicht mehr die Rede war , fahen die Stiftslande das Schwerdt und die Brandfackel der Mårker in ihren Grenzen ; die Stadt Lamin , welche feit den Tagen Waldemars und der alten Dånenkönige

in heiligem

Schuße

geſtanden ,

ward

erobert ; der Hof des Biſchofs, die Kurien der Prälaten vers brannt ; und ſelbſt ein Theil der Domkirche zerſtört; 8 ) wahrs ſcheinlich das langhaus , deffen äußere und innere Bauart, mit reicher gothiſcher Zierde , eine ſpåtere Zeit verråth als der hohe Chor und die Kreuzarme , im byzantiniſchen Styl.

* ) Chronicon Olivense bei Voigt Geſch. IV. S. 210. 2) Ueber die Zeit dieſer Gefangenſchaft ſ. Sell II. S. 366. Anm. X. Sie muß ums Fahr 1308 fallen , weil der alte Swenza (Dreger nr. MCXLIV.) am 22. Juni 1308 beim Verkaufe des Gutes Gorband, dicht unter dem Golm bei Köslin , fagt, daß audy Peter, die Ur kunde beſiegeln würde: si deus nobis de gracia sua tantum annuerit, quod Petrus miles dictus de Nuenburg eorum frater ( Laurentii et Johannis ), a captivitate liberatur. Die Folge der Begebenheiten hat Voigt aus den Mitteln ſeines Arđivs mit gewöhnlidher Gründlichkeit bewieſen : Preuß. Geſc . IV . Anhang IV. S. 607. *) Kanpow I. S. 269 aus Bogislavs und feines Sohnes Wartis lav Urkunde bei Dreger p. 1132.

Vergleich zwiſchen Bogislau und Biſchof Heinrich.

83

Unſáglich litten die treuen Unterthanen des Stiftes von der mårfiſchen Raubgier ; Biſchof Heinrich , ſo ſorgfåltig er in geiſtlichen Dingen waltete, dachte ſchon daran, wie ſein Vors gånger Konrad II. hundert und zwei und dreißig Jahre früher in der Noth vor Waldemar und Abfalon, den ſo anmuthig belegenen, würdig ausgeſtatteten Biſchofsſig zu verlaſſen , aus der furchtbaren Begegnung fåmpfender Fårſten ſich zu ziehen , und den immer erneuerten Zwiſtigkeiten mit dem Landesherrn auszuweichen , als die Dinge in unſerem Pommern ruhiger fid zu geſtalten begannen .

Wahrſcheinlich beugte ſich der

alte Herzog, můde des ungleichen Streites , dem fiegenden Waldemar und Otto IV. , welche ſich um dieſelbe Zeit, nach König Albrechts Tode, des faiſerlichen Diadems får würdig erachteten . " ) Bogislav erkannte ihre oberherrliche Gewalt gegen die Sicherſtellung ſeiner Grenze in der Ausdehnung des belgarder Landes und verſöhnte auch den Biſchof, ſeinem Gebiete nicht den Vorzug der Kathedrale zu rauben .

Im

Juni 1308 famen in Kamin Herzog Bogislav mit ſeinem bereits mannbaren Sohne Wartislav und ſtattlichem Gefolge zum Biſchof und deſſen Prälaten ; man unterſuchte alte Urs kunden aus der Zeit Raſimars I. und Barnims I .; am 29. Juni verglich fich Bogislav über die Bede , die er ſich wegen der ſchweren Kriegsjahre auf des Bisthums Gütern angemaßt und entfagte allen Hebungen und Dienſten , welche er feither von

den Stiftsunterthanen

welche das

erzwungen , gegen 400 Mark,

Kapitel zahlte !? )

Am 7. Juli beſtåtigte der

Fürſt feierlich und umſtåndlich alle Rechte des Bisthums, welche in Kaſimars I. Stiftungsurkunde,

die

„ wegen des

Alters brüchig am Siegel und Pergament , und unleſerlich geworden " enthalten waren

) und erneuerte den Tauſchvers

) S. Dlenſdlagers Staatsgeſchichte des XIV. Jahrh. Art. VIII. S. 15 am 22. Dctober 1308. 2) Dreger nr. 1112. * ) Rango p. 157 ff. p. 159 eique (privilegio ) eadem fides in ju 6*

84

Bogislaus Sørgfalt für das wolliner Nonnenklofter.

trag Barnims I. mit Hermann wegen des Landes Kolberg und Stargard . ' )

So ging Bogislav nach einem Kampfe,

welcher faſt dreißig Jahre gedauert, zwar ohne Eroberung durchs Schwerdt, aber gewiß mit dem Bewußtſein her: vor, als Fürſt kein Opfer für die Würde ſeines Landes ges ſcheut zu haben, zugleich mit dem Gewinne des unkultivirten Landes Belgard in ſeiner ganzen Ausdehnung bis zu den Quellen der Perſante.

Im Gefühle des nahen Todes weis

hete er frommen Werken feine leßten Tage ; Wollin , einſt ſo namhaft unter den Städten des Nordens , dann nach viel fachen Verwüſtungen eine unbedeutende landſtadt geworden, entbehrte noch eines geiſtlichen Stiftes an Stelle des gewi: chenen Bisthums. Schon i. I. 1288 hatte Bogislav mit Bewilligung ſeiner Brüder dort ein Nonnenkloſter als Toch . teranſtalt des ſtettiner gegründet , das im folgenden Jahre an der Stelle des alten Burgwalles fich erhob und von Bis ſchof Petrus i. I. 1297 beſtåtigt wurde. ) Größere Sorg falt wandte Bogislav dem Stifte nach der Landestheilung zu , zumal daſſelbe i. I. 1299 ſeine Tochter Jutta aufgea nommen, welche Petrus als Uebtiffin weihete. 3 ) Im Jahre 1302 ſchenkte der Herzog dem erblühenden Kloſter Beſikun gen auf Uſedom und das Patronat über die Kirche von Krum min , deſſen freundliche Lage am fifchreichen Binnenwaſſer, fern von jedem Geråuſch der Welt und dennoch mit einem weiten Blick auf die See und ferne Küſten , ſchon vor dem Jahre 1305 Veranlaſſung gab, daß ein Theil jener wolliner Schweſterſchaft dort ihren Sitz

aufſchlug. Denn in dieſem Jahre verordnete Bogislav eine Theilung der Güter, ſo daß Krummin die auf der Weſtſeite der Swine belegenen erhielt.

dicio et extra adhibeatur, ac si dicti Kazemari Ducis originale novum recens et integrum appareret , quod jam propter vetustatem suam in cera carta et scriptura perire, vilescere incipit et aboliri. ' ) Schöttgen et Kreyssig dipl. III. p . 21 . 2) Dreger Urk. zu den Jahren 1288, 1289 und 1291 . 3) Wuja 4. 4. D. S. 592.

Tod Bogislaus IV. 24. Februar 1309.

Wartislav IV.

85

Kurz vor dem Tode Bogislavs i. I. 1309 erfreute ſich die heilige Ståtte noch anderer Vergünſtigungen ,

ſo daß des

Fürſten Tochter, der Hofburg Wolgaſt nahe, dort ihre Tage in fürſtlichem Behagen beendete . )

Sonſt hat Bogislav nuc

mit ſparſamer Hand die beſtehenden Kloſter gepflegt; bei Verleihungen die Regeln

der Staatswirthſchaft zu Rathe

gezogen ; dagegen den Städten, auch dem alten Uſedom i. F. 1298 , das läbiſche Recht verliehen .

Mit Otto ſcheint die

Zeit gemeinſchaftlicher Noth die Eintracht geſtårkt zu haben ; wie denn dieſer noch í. I. 1308 den Bürgern von Greifs wald am 1. Mai reine Hülfe nur nach Maßgabe der Eini gung verhieß , welche die Landestheilung feſtgeſetzt habe. ) Nach einer unruhvollen, dreißigjährigen Herrſchaft ftarb Bos gislav IV. am Matthiastage ( 24. Febr. 1309) 3 ) und fand ſein Grab in der wiederhergeſtellten Domkirche zu Kamin. Ihm folgte ſein einziger Sohn Wartislav , der Dritte in der Zahl der regierenden Herzoge , der Vierte des Namens in ſeinem Stamme überhaupt, und feßte das gute Einvers ſtåndniß mit ſeinem Dheim von Stettin fort, wie gemeins ſchaftliche Privilegien der Stådte beweiſen. Im Rücken geſichert durch den Frieden mit den Hers

1 ) Von dem ehemaligen Nonnenkloſter zu Krummin zeugt nod die verhältniſmäßig große und ſtattliche Kirde, ſo wie bie Benennung Nons nenkirchhof, welche ein Theil des Friedhofs nod trägt. Aud reicherer Sdhmud und kunſtvollere Verzierung des Altars und heilige Bilder im älteſten Stile ſind noch aufbewahrt, dergleichen gewöhnliche Dorfkirchent entbehren. Jutta lebte nod i. J. 1336. Im Jahre 1306 hatte das Kloſter zu Wolin fich des Andrangs junger Mädchen , welche nicht als Novizent, ſondern der Erziehung wegen bei ihnen weilten , zu erwehren . Der Biſchof verbot die koſtenfreie Aufnahme ſolcher Zöglinge. 2 ) Dähnerts pomm. Bibl. 1V. S. 17. 3 ) Rankow I. S. 289. Eickstet p . 93 hat den alten Denkvers : Anno milleno trecentenoque noveno Sacra festa die populo cele brante Matthiae Slavorum Şlarus (?) obïit Dux Bugislavus. Die leßte Urkunde Bogislaus iſt vom 14. Februar 1309 ; die erſte feines Sohnes mit Andeutung des Todes feines Baters vom 27. Februar. Dreger nr. 1146. 1147.

1

86

Die Markgrafen in Pommerellen .

zogen und unter måchtigem Vorſchub der Swenza fahen ins zwiſchen Markgraf Otto mit dem Pfeile und Waldemar das flavifoe Pommern bis auf die Burg Danzig in ihrer Ges walt.

Das Geſchick hatte in ihre Hand

alle Macht des

vielgetheilten Stammes gelegt ; denn Markgraf Hermann der „ Reiche ;" 1 ) ein fröhlicher Turnierheld , leutſelig , freis gebig mit dem Erwerbe feines Armes ; fo ftreitbar für ſein Anrecht auf die wendiſchen Lande zwiſchen Elbe und Oder, als in Slavien ,

Pommern

und Polen ;

war i. I. 1308

bei der Erbauung der Feſte Eldenburg unterhalb lenzen ges ſtorben , und im Kloſter Lehnin begraben worden. Seines einzigen Sohnes Johann Vormundſchaft riß Waldemar, mit Hermans Tochter vermåhlt, an ſich und neue Siege in der Gemeinſchaft mit dem bejahrten Dheim Otto nahe der Weichſel erfochten verherrlichten den Glanz ihres Hauſes , doch nicht Denn Wlas

doch nicht ohne die Mitwirkung der Swenza.

dislav hatte auf die Fürſprache vornehmer polniſcher Herren ſeinen Gefangenen , den alten Swenza und nach ihm den Grafen Peter gegen die Stellung der beiden Brüder Peters, Johann und laurenz, ihrer Şaft entlaſſen ; auch dieſe fans den durch Beſtechung der Wachter Mittel zu entrinnen , und

waren

im Sommer des Jahres 1308 rachgierig zu

den Markgrafen geeilt , welche mit einem Heere ſchon jen ſeits der Stolpe ſtanden .

Im Auguſt lagerten ſie ſchon an

dem See , aus welchem die Radaune fließt, und beſtåtig ten am 20. Auguſt Otto und Waldemar am Ufer des Sees Cholopa ) dem Kloſter Buckow die Güter mit

der

Zeu

' ) Pulkava p 260. Pomeraniam acquisivit, qobiles Barones mul tos de Harcone (?) Lusacia et propria terra in Consiliarios habuit, et frequentacionem nobilium quam civium gratanter admisit, largas fovens expensas tenuit hastiludia et alia huiusmodi ad miliciam per tinentia frequenter confovebat animo. 2 ) Dreger nr. MCXXXVI. Sell I. 366 kennt einent ſtolpiſchert Gee in Weſtpreußen , den wir auf unſeren Karten nicht finden . Sollte R$ nicht ber See bei Gollubin unweit Sdsönberg ſein ? Die Endung ino ift im Polniſchen abjectiviſch.

Belagerung der Burg Danzige.

Boguſza.

87

genunterſchrift des alten Swenza , des Palatins von Stolp, und ſeines Sohnes

Jaſco.

Am 24. Auguſt entſchådigten

beide die Johanniter zu fübiſchow durch eine Schenkung. ') Ungehindert ging ihr Weg auf Danzig, deſſen Bürger, großs tentheils Deutſche, långſt der polniſchen

Herrſchaft übers

drüßig , welche den Aufſchwung gleich den Schweſterſtådten hemmte, den deutſchen Fürſten ihre Thore dffneten. 2 ) Nur die feſte Burg, unterhalb der Stadt an der Mottlau, unweit der Einmündung des Fluffes in die Weidſel belegen, widers ſtand noch , vertheidigt durch den landrichter Boguſza , den Wladislav eingeſeßt, und den Hauptmann Woycec (Albrecht) mit der polniſchen und pommerſchen 'Burgmannſchaft. Der Fandrichter, in Sorge, den ſtůrmenden Brandenburgern oder dem Mangel auf die Dauer unterliegen zu müſſen , verließ heimlich in Geſellſchaft eines Ritters die Feſte und reifte eilig zu Wladislav nach Sandomir, um ihm die Bedrångniß der Beratung vorzuſtellen.

Wladislav verhieß Hülfe ; aber ſeine

perſónliche Thätigkeit beſchäftigte jener Heinrich von Glogau , daher er dem Rathe von Boguſza folgte, den landmeiſter des deutſchen Drdens in Preußen, Heinrich von Plokke, um Beiſtand anzuſprechen . Was konnte dem Orden erwünſter fein , als eine ſo günſtige Gelegenheit, zugleich die Fortſchritte der Brandenburger zu hemmen und folgenreid den Fuß in jene Feſte zu regen ? Vertragsmåßig ) åbernahm der Orden auf ein Jahr den Unterhalt der einen Hålfte der Beſaßung auf ſeine Koſten ; die andere Hålfte Boguſza; erſterer unter der Bedingung die Burg nicht eher zu råumen, bis der Auf wand ihm entrichtet ſei.

Sogleich 30g unter dem somptuc

' ) Daf. nr. MCXXXV . 3) Annal. Olivens. und Chronic. Olivens. bei Voigt Gelds. You Preußen IV. S. 212 ff. Naruszewicz VIII. 108 ff. 3 ) Annales Olivens. a. a. D. S. 214: Statuuntur conditiones, ut dimidiam arcem ipsi tenerent et annum unum suis sumptibus defen derent; deinceps vero post exactum annum quaecunque inpendia fa cerent, eis refunderentur , nec prius arce decederent, quam exoluta illa sibi essent.

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Külfe.' Eroberung der Stadt burd ben Orbert.

von Kulm, Günther von Schwarzburg, erforderliche Mann ſchaft " ) nach Danzig hinüber , und übernahm nicht allein die Vertheidigung der halben Burg , ſondern tummelte ſich in häufigen Ausfållen ſo mannhaft mit den Brandenburgern herum , daß die Markgrafen ) die Belagerung bei heran : nahendem Winter aufhoben und nur eine Beſaßung in Dans zig ließen. Erinnern wir uns, daß es ſich eben damals um die Wahl eines deutſchen Königs handelte und daß Otto und Waldemar , nach der oben angeführten Acte weſentlich dabei betheiligt , in dem Winkel des ſlaviſchen Landes ihre Zeit nicht perſönlich verſchwenden durften. Der Fürſten Entfernung hatte zwar die Folge, daß die geſainmten Burgs mannen die Stadt in ihre Gewalt brachten , die Branden: burger zum Theil erſchlugen und die abtrünnigen Bürger mit dem Tode beſtraften ; aber zugleich unter ſich in Zwiſt geriethen , indem nach Abwendung der Gefahr Boguſza den Abzug der fremden Helfer forderte, jene ſich aber deſſen vor Ablauf ihrer Dienſtzeit und vor Erſtattung der Roften weis gerten. Gewaltſam machte die kecke Ritterſchaft dem Spiele ein Ende , indem ſie ſich der pommerſchen und polniſchen Edlen bemachtigte, die Beratung aus der Burg vertrieb und, verſtärkt durch einen eiligen Zuzug Heinrichs von Plopke, in der Nacht am 14. November 1308 unter blutigem Kampfe, in welchem nach der Anklage der Polen 10,000 Menſchen , zum Theil Bürger , ihr Leben einbüßten , auch die Stadt eroberte. ) 1 ) Bugenhagen 1. III. p . 151. Dlugoſs I, 922. bemüht , die Thatent der verhaßten Ritter überall zu verkleinern , ſagt: Cruciferorum praesi dium , in primordiis ingressus in Gdansk tenue, pannosum (zerlumpt) et humile. 2) Am 30. September 1308 befanden ſids Otto und Waldemar nody zu Böbbelin bei Budow und war Konrad von Redern nods bei ihnen, der am 22. October als procurator ſeiner Fürſten zu Boppard in dem Wahlgeſchäfte erſcheint. Ohne Zweifel iſt in dem Abdruck der Ur kunde bei Buchholz IV. Anh. 168 datum Werbellin a 1308 in cra stina S. Michaelis, Böbbelin zu leſen. 3 ) In der Bulle , in welcher ſpäter Clemens V. die Unterſuchung

Diridau und Scytte burde bett Orbett erobert.

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Nicht begnügt mit ſolchem Gewinne machte der lands meiſter ſich ungeſäumt an die Bezwingung der Burg Dir: Tchau , welche, ſorglos vertheidigt von Herzog Kaſimir , als: bald, jedoch, wie es ſcheint, nur als Schutthaufen , in ſeine Gewalt gerieth . ') Vergeblich bemühete ſich der betrogene Wladislav auf einer Zuſammenkunft mit dem Landmeiſter zu Krajowicz in Cujavien durch Unterhandlungen in Beſit zu kommen ; als der Herzog ſich weigerte dem Orden die Kriegskoſten mit 100000 Mark böhmiſcher Groſchen zu be: zahlen, fchied man mit geſteigertem Unwillen . Wladislav war außer Stande Gewalt zu brauchen , da Feinde von allen Seiten ihn bedrängten ; die Markgrafen beſchäftigte dieKonigs wahl und die deutſchen Håndel ; daher die Ritter ihre Beute verfolgten , und nach zehnwochentlicher heftiger Belagerung, als muthlofe polniſche Haufen den Entſaß nicht wagten, die Herzoge Przemyslav und Caſimir, von Dirſchau in den fåd: lichſten Haltpunkt der polniſchen Waffen geflüchtet, ſo wie den Hauptmann Bogumil zwangen , auch aus der ſtarfen Feſte Schweß abzuziehen . )

So waren die Ritter in kurzer Zeit

jener Vorgänge einer Anzahl Geiſtlicher unb polniſcher Magnaten auf trug, heißt es : (Naruszewicz VIII, 110) quod dilecti filii nobilis viri Vladislai Cracoviae et Sandomiriae ducis terras hostiliter intrantes ( i. e. Cruciferi ), in civitate Gdansko ultra decem millia hominum , gladio peremerunt, infantibus vagientibus in cunis mortis exitium inferentes. Nad Dlugoſs I, 925, foll Bogusza mit dem Landmeiſter einen Vertrag geſchloſſen haben , daß dem Orden die Burg ſo lange bliebe, bis Wladislas die Koſten erſtattet habe. ' ) Voigt Geld von Preußen IV . S. 218. Die Erzählungen find abweichend, und die polniſdhen Nachrichten offenbar übertrieben . 2 ) Die Bezwingung von Sdwes iſt ausgemahlt Dlugoſs I. p . 931 ff. In jenem Zeugenverhör heißt es , Voigt a. a. D. IV. S. 222 Anm.: Vallaverunt Suecze et cum quatuor machinis proiiciebant ad Castrum bene quatuor septimanis, comminantes interfectionem seu suspensio nem in patibulo Bogumilo Castellano ibidem et aliis Militibus nostris, qui per nos (Primislaum ) in dicto castro Swecze nomine dicti regis fuerant locati, qui tandem compulsi ordinationem fecerunt cum cis Cruciferi quod salvis personis tantum , eos recedere permiserunt. ibidem fecerunt turres ligneas circa castrum ad facilius expugnandum ,

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Strenge der Ritter gegen Dirfdhau.

Herren der Erbſchaft Meſtwins, und wußten durch die hårs teſten Maßregeln

ſich in derſelben zu befeſtigen.

Danzigs

Bolwerk wurde geſchleift und nur die Burg in Vertheidungs ſtand erhalten ; ' ) die Anhånger des Herzogs von Poten vers trieben , die Stadt mit ſchweren Abgaben belegt ; Dirſchau , kümmerlich als deutſche Stadt erſtanden , ſah die Unmög lichkeit ein, mit ſeinem Eigenthum die vom Orden geforderte Genugthuung zu' bezahlen , weshalb Rath und Bürgerſchaft ſchon am 6. Februar 1309 fich verpflichteten, nach Pfingſten ihre Stadt zu räumen , nie zurückzukehren, ohne des Ordens Erlaubniß fich in keinem Orte Pommerns niederzulaffen , wo gegen es ihnen freiſtehen ſolle, ſich an einen anderen Ort des Ordensgebietes zu begeben , )

Solche Strenge fidßte den

pommerſden Städten eine unüberwindliche Scheu vor der Herrſchaft der Ritter ein , wie wir noch oft zu bemerken Gelegenheit haben werden. Die Ritter , bei aller Streitbarkeit dem Ausfalle der

fecerunt XII. patibula lignea ad terrendum eos in Castro, in quibus patibulis omni die duos vel tres pauperes , quos capere poterant suspenderunt. 2 ) Chronic . Olivens a. a. D. IV. S. 224 ; A. D. 1309 superbiam civium humiliare volentes munitionem civitatis penitus destruxerunt et servato pro tempore castro Gedanensi etc. 2 ) Urt. des fönigsb. geh. Archive Dat. a. 1309 proxima V. feria post festum purificationis M. V. Nos Magister Consulum Consules ac Vniversitas Opidanorum In Dirsovia Constare cupimus vniversis et presentibus publice protestamur Cum propter dampna grauia et incurias plurimas que religiosis et honorabilibus dominis Magistro et fratribus ordinis sacre domus theutonice in pruscya in illa dampnosa et miserabili discordia que inter eos et nos hoc longo tempore per duravit Dinoscimur intulisse omnes facultates rerum et possessionum nostrarum ad satisfactionem debitam non sufficiunt quoquo modo. Auctoritate igitur presentium et fide data nos universaliter constrin gimus quod immediate post festum penthecostes hoc anno futurum de opido Dirsovie communiter recedemus nullo umquam tempore intencione morandi in eis ad dictum opidum vel terram pomeranie redituri, Nisi de dictorum Magistri et fratrum gratia et licencia spe ciali, Ita tamen quod ad prouincias alias et dictorum fratrum termi nos civitates villas et opida nobis sit liberum nos transferre.

Walbemar in Unterhandlung mit dem Orbett.

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Maffen nicht unbedingt vertrauend , hatten bereits einzelne Stúde des eroberten Landes durch Rauf von den Tochtern Sambors und ihren Erbnehmern innerhalb des Jahres 1309 an ſich gebracht, ' ) als ihrem Wunſche, unter dem Scheine eines

rechtlichen Vertrages in

den Beſitz des dftlichen

Pommerns zu gelangen , die augenblickliche Verlegenheit der Markgrafen begegnete. Waldemar durch den Tod Ottos IV . ? ) (Ende 1308 ) und als Vormund Johanns vereinzelt in der Verwaltung eines ſo viel beſtrittenen Beſiges, von der Weich fel und der baltiſchen Küſte bis nach Großpolen , Schleſien, Bdhmen, Franken und Weſtfalen hin , erkannte um ſo mehr die Nothwendigkeit, fich ins Enge zu ziehen und zu beſchrán : ken, da am 27. November 1308 in der Perſon Heinrichs von Lußelburg ein Oberhaupt des deutſchen Reiches erwählt war, welcher alsbald zu erkennen gab , daß er die Königsgetalt in ihrem ganzen Umfange zu handhaben entſchloffen ſei. Die Klagen überwältigter Nachbaren konnten leicht den römiſchen König vermogen , einen ſo übermächtigen Vafallen zu befehs den ;

deffen Vormundſchaft für ſeinen Neffen Johann im

fande felbſt Widerſpruch fand.

Waldemars Staatshaushalt

ermangelte zumal unter fortwährenden Fehden , welche ihn von einem Ende des nördlichen Deutſchlands zum andern führten , der Ordnung ; er liebte Pracht und Aufwand, ) und ſchlug daher leicht Anrecht eines Beſiges gegen baares Geld los , das er ſo leicht erworben hatte , das aber ſchwer den Rittern wieder abzunehmen war.

So nåherte man ſich

denn unter unbedeutenden Waffenereigniſſen einander , und

' ) Siehe darüber die Belege bei Boigt Gefah. von Preußen IV. 6. 225 f. 2) Legte Urkunde Ottos aus Böbbelin vom 30. September 1308. * ) Pulkava p.261. Sane idem Woldemarus pusillus, sed fortis viribus, aliorum potentum regimine plus utens quam proprio. Nam multos fovebat Barones, nobiles et potentes de diversis mundi parti bus ad ejus curiam confluentes. Fuit insuper vaniglorius plurimum et pomposus.

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Waldemar Werkauft ſeine pommerfchen Befißungert.

es kamen am 13. September 1309 zu Soldin zwiſchen den Markgrafen und dem Landmeiſter die erſten Unterhandlungen zu Stande , ' ) kraft welcher Waldemar , ,,tegen der Ans ſprüche, welche die Brüder ron Preußen auf Pommern hats ten ," ihnen die Raſtellaneien Danzig , Dirſchau und Schwes får 10000 Mark Silber überließ, ſich anheiſchig machte, die Entſagung des Fürſten von Rügen und des Herzogs von Glogau über ihr Recht an Pommern, ſo wie die Beſtåtigung des Kaufs von dem Reiche zu erwirken, und den Erwerbern anheimgab, die Erlaubniß des Papſtes beizubringen.

Sollte

bis zu lichtmeß des folgenden Jahres (2. Februar 1310 ), bis wohin ein Waffenſtillſtand den gegenwärtigen Beſig ſichere, die nöthigen Urkunden nicht eingeholt ſein , ſo wurde der Kauf für aufgehoben betrachtet, um auf neue Vergleichs maßregeln zu ſinnen. Die Verlegung des Meiſterſiges von Venedig durch Sieg fried von Feuchtwangen nach Marienburg , welches eben er: ſtanden war , und andere unbekannte Gründe, wahrſcheinlich auch die Weigerung der betheiligten Fürſten , ihrem Rechte zu entſagen , ließen den Termin verſtreichen , ohne daß der Kauf zum Abſchluß fam.

Inzwiſchen aber hatte Waldemar

ein anderes ſtreitiges Verhältniß ausgeglichen, und die Grenze des Theiles von Pommern , den genauer beſtimmt.

er an ſich nehmen wollte,

Noch klagte Biſchof Heinrich von Ramin

über Entziehung ſeines Gebietes und verlangte Schadloshal tung für die erlittene Verwüſtung , als ebenfalls in Soldin um dieſelbe Zeit Waldemar den Prålaten zufrieden ſtellte.

' ) Gercken VII. p. 121. Also dat wie scholen en dat antwerren von dem von Ruyen und von dem Herthogen von Glogoue der Ansprake des Landes. Achten wir darauf, daß vom Anrechte der Herzoge von Stettin und Wolgaſt ſo wenig die Rede , als von Wladislav Lokieteks. Unſere Herzoge waren mit dem Beſit des Landes Belgard in ſeiner gan zen Ausdehnung bis zur Czarne und Kidbe abgefunden. Áudy das Bio thum Ramin fehen wir gleidyzeitig entſchädigt.

Das Bisthum erhält das Land Neft.

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Er ſchenkte ') ihm als Eigenthum , mit dem Rechte, mit welchem er es beſaß , das fand Neſt, mit Ausnahme des halben jamundrchen Sees , über

welchen die Entſcheidung

noch vorbehalten wurde, und beſtimmte als Grenze des Ger bietes mit befremdender Freigebigkeit den lauf der Grabow von ihrer Quelle bis zum Einfluß in den See. 2 ) So erhielt das Bisthum ein ſchönes , obgleich noch größtentheils unan: gebautes land bis weit über Polnow hinaus , bis zu den hohen Thålern, in welchen die Grabow aus Seen entſpringt, und wußte in kurzem ſeine Grenze zwiſchen dem Lande Bela gard, dem ſpåteren rummelsburger Kreiſe, dem Gebiete des deutſchen Ordens und Brandenburg, beſtimmt abzuſtecken. :)

Drittes

Kapitel.

Das Fürſtenthum Rügen in Wißlavs II. leßten Regierungsjahren. Das Kloſter Hiddenſee. Verhältniß Rügens und der wendiſchen Sees ſtädte zum Norden. Wißlavs Teſtament und Tod. 1302. 1303. Wißlas ber Junge und Zambor. König Erid Mengeb . Drohende Verwidelung im Norden. Wißlav der Junge leiſtet Verzicht auf ſein Recht an Pommern 1310. Abidluß des Berkaufs Pommerns jenſeits der Leba an den Orden. Neue deutſche Stadt Stolp 1310. Anlegung von Neu-Stettin. The wir uns zur ferneren Entwickelung der Verhåltniſſe an der Weichſel wenden , iſt es nöthig auf Rügen und auf ' ) Raumer Cod . dipl. I. 28 plattdeutſc : ghegeuen yn der Stat Soldin na der Bort Gades Dussent Drehundert jar yn deme negheden Jahre des Mondages vor Sünte Dyonisius Daghe. Obgleidy Dionyſius mehre Kalendertage genannt werden , iſt dod ( wohl bei ſo allgemeiner Bezeichnung der 9. October , der Tag St. Dionyſius, des Apoſtels der Gallier, zu verſtehen. Es heißt in der Urkunde: vor dem Scaden, den Wy unde unse Mann em unde synen Domheren yn dem Orlage ghedan hebben. Dar hebbe wy em dat Lant tom neste vor gelaten to eme rechten Egendum ewichliken to besittende myt alle deme rechte also Wy dat hadden vnde beseten hebben wente yn dissen Dach , 2) Daf. Dar ys de Scheyde des Landes dar die Grabow vnsprin get also nederwert de Grabow wente da sy yo den solten See valt. * ) Daß idon damals Grenzbeſtimmungen mit dem Berzoge von

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Rügen unter Wißlav II.

die Geſchichte der Seeſtådte zurückzublicken. Fürſt Wiglav ,

faſt ausſchließlich in

Der gealterte

Unſpruch genommen

durch die Händel der meklenburgiſchen Nachbaren und durch feine Lehnsverpflichtung an Dänemark , deffen junger König Erich Menved in König Erich II. von Norwegen den Bes fchußer der Mörder ſeines Vaters zu befehden fortfuhr, konnte die Hausmacht, geſchwächt durch Theilungen und Abtretun gen , ' ) nicht auf ſeinen pommerſchen Erbſtreit richten, obgleich ihm zwei tůchtige Söhne , Wiglav der Junge und Zambor, zur Seite ſtanden.

Wiſlavs ſchmiegſame Unhånglichkeit an

Dånemark und ſeine Verwandtſchaft mit dem norwegiſchen Hauſe, indem feine Tochter Euphemia mit Hafon , dem Brus der Erichs, vermåhlt war, erhielten den Vermittler in dauern: dem Gedrånge , und machten ihn der Sache der Freiheit der ſlaviſchen Küſtenfånder zwiſchen Trave und Oder

ab

wendig , welche mit dem Anfange des XIV. Jahrhunderts an den Dånen neue furchtbare Feinde fanden , unterdeß in wehrhafter Stellung

gegen Dånemarf ſowohl, als gegen

Norwegen, die Städte die Zahl ihrer Freibriefe vermehr: ten. feines

Unter König Hauſes

Albrecht, der

ſann ,

hatte

der

nur auf

Vergrößerung

Einfluß des

Reichs

auf

den ſlaviſchen Norden aufgehört , und begann Erich Mens ved die Erinnerungen an die Waldemare zu erwecken, in dem er oberherrliche Rechte im Lande Roſtock ausdehnte , ?) welche

Niclas das

Kind

ihm

angeboten ,

und ,

ungeach

tet die bedroheten Fürſten , im Jahre 1301 ſelbſt

Bogis

lav und Otto von Pommern, ſich gegen ſolche Unmaßungen Pommern über dieſe Ausdehnung des Bisthums getroffen worden , lehrt die ſpätere intereſſante Urkunde v . I. 1342 bei Schöttgen et Kreyssig III. p. 40. ' ) Im Jahre 1298 hatte er mit ſeinen Söhnen den Grafen Jaßko von Güßkow und deſſen Erben das Land Strepe auf Rügen , zwiſchen Mönchgut und 3asmund abgetreten. Das fürſtlide Dominium auf Rügen war ſehr zerriſſen. Schwars Gefch. der Grafid . Güßkow 6.796 . 2) Rudloff Geſch. von Mellenb. I. S. 106 ff.

Bund gegen Roſtod.

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verbündeten, im Frieden zu Roſtock , 1. Auguſt 1301 , ' ) ſein Anſehen im Gebiet der Warne befeſtigte. Dieſe Parteinahme des Fürſten von Rügen für den Herrſder des Nordens, und die Verblendung der nahe geſeſſenen Herren über Dåne: marks ehrſüchtige Plåne mußten Wißlavs Haus früher oder ſpåter in bedenkliche Zerwürfniß mit den Seeſtådten vers regen , und eine Fehde herbeiführen, in welcher die wendiſche Hanſen in den Wirren des Nordens enger aneinander ges treten , ruhmvoll die Vertheidigung der Reidsrechte gegen den nordiſchen Eroberer übernahmen , welche ihre lans desherren ſelbſt verriethen .

Für mehrfache Gebiets:

abtretungen an die alten Zweige des fürſtlichen Geſchlechtes, die Putbus und Griſtow , war Wißlavs Eigenthum nur durch den Heimfall des Låndchens loiß verſtårkt worden, ? ) das um dieſe Zeit als fein unmittelbarer Beſig erſcheint. den Stådten

ſchwere Zukunft

bevorſtånde von

Daß

denſelben

Fürſten , welche bis jeßt den Wohlſtand und die Unabhåns gigkeit der Gemeinweſen mit Veräußerung faſt aller Rechte befördert , gab die Verbindung fund , welche am 26. Auguſt 1302, mit Ausſchluß der Stådte , Herzog Waldemar von Südjútland und deſſen Bruder Erich von langeland, Wißlav von Rügen und ſeine Söhne, die Grafen von Holſtein, Hein rich von Meklenburg und Nicolaus von Werle mit Eridy von Dånemark, den Markgrafen Otto und Konrad von Bran denburg und den Brüdern Erich Menveds , Chriſtoph und Waldemar , zu gegenſeitiger Hälfsleiſtung gegen alle ihre Feinde geſchloſſen, und ſich anheiſchig machten, dem Dånen: fónige zur Unterwerfung Roſtocks beizuſtehen . ) Dieſe Stadt mußte fich beugen ; denn noch zögerten die Schweſtern zu helfen ; bis fie acht Jahre darauf zum Schuße ihrer Vers ? ) Hvitfeld I. S. 131 ff. 2) Schwartz de finibus P. 131. 3 ) Hvitfeld p. 317. Soendag efter den 8 Dag Assumptionis Ma riae (15. Auguſt) Actum fer Rostock.

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Wißlav bei König Hakon in Opslo.

bindung und zur Unabhångigkeit des deutſchen Nordens gegen den eigenen Landesherrn die Waffen ergriffen , welche ſie bisher nur gegen ausmårtige Storer ihres Verkehres ge braucht hatten . Um die Feindſchaft zwiſchen Erich Menved und Hakon, König von Norwegen, auszugleichen, welche noch immer forts dauerte, vielleicht auch um ſeine Tochter zu beſuchen, ſchiffte der alte Wiglav 1. I. 1302 nach Opslo , dem Königsſite Hakons , nahe der Stelle, wo jeßt Chriſtiania liegt , ' ) und weilte, erkranft, im beſten Vernehmen mit dem Eidam, dort bis an ſeinen Sod .

Hafon verwandte ſich in einer Streit:

fache ſeines Schwiegervaters mit dem deutſchen Orden in Preußen bei den fünf wendiſchen Städten und forderte ſie auf , wollte der Orden ſich nicht fügen , die Güter deſſelben in ihren Schiffen nicht zu verfahren. ) Noch deutlicher tritt das warme verwandtſchaftliche Intereſſe der růganiſchen Für: ſtenfamilie und ihrer verſchwagerten Nachbarn aus dem an ziehenden Vermächtniſſe hervor , ' ) welches Wiglav II . am 27. December 1302, quidem languens corpore, mente tamen

? ) Asloga wurde um 1059 von Harald Gillichriſt erbaut, um Nor wegen gegen die Dänen zu ſchüßen. Es brannte 1624 ganz ab , wor auf Chriſtiania unweit der Stadt angelegt wurde. Messenii Scondia illustrata I. p. 86. 2 ) Sartorius-Lappenberg II. p . 225 d . apud Konghelliam a. d. 1302 pridie non . octobris. p . 226 : Preterea rogamus vos, ut fratres domus theutonicorum in prucia per litteras vestras velitis habere commoni tos, ut molestaçione domini Wizelaui, principis Ruyanorum illustris, cessare velint et eidem libera dimittere jura sua, quod ad requisionem vestram facere neglexerint, petimus a vobis ut coram vestris publi cetis incolis , ne bona dictorum fratrum vel eis attinencium in naui bus suis ferant, nam dictos fratres et eorum fautores, donec dicto domino Wizolauo fecerint, quod de jure tenentur, volumus in qui buscunque possumus inpedire, quia plures eis litteras misimus de. precatorias ut memoratum principem in suis juribus non inpedirent, sed dedignati sunt aliquam nobis mittere responsiuam . 3 ) Gerbes Samml. IX. S. 10. Opelo heißt bort afloin.

Vermädytniffe Wiklavs.

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sanus , niederſchreiben ließ. Als Haupterbe reßte er Herrn Wiglav „ den Jungen " und den Junfer Zambor, ſeine Söhne, ein , und vermachte ſeiner geliebten Gattin Agnes auch die andere Hälfte des Dorfes Prohn , die ſie noch nicht beſaß, jene ländliche Hofburg , eine Meile nördlich von Stralſund , deren ſtattliche große Kirche mit halbtauſendjährigen Grabs denkmålern fürſtlicher Hofbeamten und Ritter , und deren anmuthig belegene Hofſtåtte noch jeßt ein Zeugniß ehemaliger Bedeutung ablegt.

Seine Forſt am Fuße des Kloſters Ber:

gen auf Rügen , jegt längſt verſchwunden, ſo wie die Kapelle auf der Höhe des Rugard , erhielten die Nonnen von Ber: gen , ſo wie den Kloſtern und frommen Stiften der befreun: deten Stadt Dpslo , zumal der Marienkirche, wo der tod bereite ſein Grab beſtimmt hatte , bedeutende baare Vers måchtniſſe, und dem Siechenhauſe zu St. Lorenz 5 Mark Silber und das Bette" des Fürſten zugeſichert waren . Seiner geliebten Tochter Euphemia , welche, hochgebildet nach Maßgabe der Zeit , die romaniſche Muſe nach dem Norden verpflanzte, empfing zwei große filberne Rannen , ein Ehren: geſchenk des Königs von Schweden ; Frau Margaretha, ſeine Tochter und Gattin Herrn Bogislaus , ſeine zwei filbernen Mundbecher ; eine dritte Tochter, die Gräfin von Bernburg, rechs kleinere Kannen, eine Gabe der Königin von Norwegen. Seinem Blutsverwandten Herrn Heinrich von Meklenburg ( dem lowen) ziemte wohl das filberne, dergoldete Wehr: gehenf , welches dem Schwiegervater der nordiſche Eidam einſt verehrte.

Ritter Deglav von Putbus, rein Blutsfreund,

bekam als Antheil zwei måßig große Kannen von Silber und ein Roß ; Lambert Flenburg , des es übernommen , für das Seelenheil des Geſtorbenen nach Rom zu wallfahrten , waren 25 Marf fein follniſch zugeſagt, und 200 Marf fla piſch ſeiner Tochter Sophia, welche ſich bei der Königin von Norwegen aufhielt. Botildis, die Umme jener, wahrſcheinlich die Hofmeiſterin, trug des Fürſten ſcharlachene Kleider davon. 7 Barthold Geid , v. Pomm . III.

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28ißlave Sorge für die ſlaviſche Bevölkerung.

Von dem Hofgeſinde

empfing Johannes der Falkenmeiſter

zwei Hufen , der Kåmmerer vier , beide nebſt Geldvermacht: niſſen ; minder waren andere Männer deutſchen , nordiſchen und flaviſchen Namens bedacht; die Reihe der Vermåcht: niſſe an ſeine Diener beſchloſſen die Gaben an die beiden deutſchen Knappen Lambert von Neudorf und lambert von Biſchofsdorf, welche den Fürſten nach Norwegen begleiteten. Aber auch ſeiner Glåubiger, wo viel er ihrer ſich erinnerte," vergaß Herr Wiślad nicht; feinein Eidam Bernhard, Grafen von Bernburg, zwei Bürgern in Roſtock und Lübeck, ſeinem Wirthe in Roſtock, war er får nicht unbedeutende Summen verpflichtet, für deren Tilgung er ſein Kammergut, die Inſel Dars , und ſeine Hebungen aus Stralſund ausſeßte , und feinen Erben , „ wenn ſie ſeine Seele und die ihrige liebten und die göttliche Strafe meiden wollten , Zahlung ans Herz legte.

die gewiſſenhafte

Als Volſtrecker feines legten Wil

lens feßte Wiglav den Abt zu Neuen - Kamp , ſeine Vettern , die Herren von Putbus und Griſtow , ſeinen Marſchall Heins rich von Oſten , Herrn Arnold von Diwit , feinen Varallen und die Bürgermeiſter von Stralſund, und zu höchſten Voll ziehern den König von Norwegen , den Herzog Erich von Schweden , ſo wie zu Gehülfen derſelben den Herzog Wal demar von Schweden und den Herrn Erich von langeland . Solche legte Verfügung ward in Gegenwart dieſer Fürften , ſeines Eidams und ſeiner Tochter Euphemia , vieler vorneh men Hofbeamten und Geiſtlichen, zumal ſeines Kapellans und Schreibers, lambert Jlenburg, vollzogen. Unter dieſen Beſtimmungen Wißlavs iſt noch beſonders hervorzuheben die Sorgfalt , mit welcher er für den Reft ſlaviſcher Bevölkerung, der noch hier und da in fpróder Ab: geſondertheit fich erhalten, bedacht war. Als er i . I. 1290 die Stadt Bart aus feinem Eigenthum auf Zingſt bewidmete, hatte er angeordnet, daß ſeinen Slaven," auf der Wiek bei der deutſchen Stadt feßhaft , welche, die Nachkommen der

Tob Wißlaus zu Dpslo.

Ende 1303.

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ehemaligen Bewohner des Stadtgebietes , jegt verdrångt in der Vorſtadt von Fiſcherei und Viehzucht lebten , die fried liche Benußung des Weidelandes auf dem Zingſt bliebe. ' ) In feinem Teſtament åber fein Allodium ( Stammergut) ſchårfte er den Erben ein , daß die Slaven in Michelsdorf, in Bret: wiſch , zwiſchen Loiß und Grimmen , und in der Wief bei Bart die ihnen verſtatteten Freiheiten genoſſen . ? )

So weit

war alles deutſch geworden , daß nur noch vereinzelte Wen: dendörfer beſtanden , welche ſich zum Theil bis auf dieſen Dag durch den Beinamen wendiſch von den gleichbenann: ten deutſchen Dörfern unterſcheiden . Wißlav II . in Norwegen weilend, ſtarb gegen das Ende des folgenden Jahres zu Opslo 3 ) und ward zu St. Marien beſtattet, welche Kirche mit der Stadt i. F. 1624 abbrannte. Erwieſen wird die frühere Andeutung, die růgenſchen Fürſten ſeien durch ihre viel verſchlungenen Håndel in ſchwere Schulden gerathen, durch einen Verkaufact v. I. 1301 wuns derlicher Art.

Wiſlav und ſeine Söhne erließen in der Fas

ſtenzeit des Jahres 1301 “ ) zu Steinhagen , auf Bitten ihrer

) Sdwarß Lehnshiſtorie S. 239 f. S. 240 Anm .: hoc adjecto quod Slavi nostri in Vico juxta civitatem Bart sepedictam personali ter residentes predicti prati pascuis ad usus suos pacifice et quiete ac jugiter perfruantur. 2 ) Gerdes a. a. D. Item volo et mando heredibus meis quod Slavi mei in Michelstorf et Bretenevis ac in vico apud Bard eandem libertatem habeant. 3 ) Hvitfeld I. S. 321 giebt den Thomastag 1303 als Sterbetag an. In einer Urkunde bei Rudloff II. 194 vom 15. Januar 1304 ( Vera gleich zu Wittmannsdorf über Stargard ) wird der ältere Fürſt von Nü gen nod als Bürge aufgeführt, weshalb zu wermutben ſteht, daß die Tobesnachricht nod nicht nad Meklenburg gelangt war. 4) Schwarß Einleitung zur Juſtizhiſtorie S. 21 Urkunde im Original im ſtralſunder Archiv : nostri fideles Vasalli constituti coram nobis in villa Steinhagen proxima sexta feria Jejunii A. D. 1301 a nobis pre- . cibus humillimis postularunt, ut omnes cxcessus provenientes ab eventu infortunii utpote ab animalibus quadrupedibus laedentibus homines seu a lignis aedificalibus et a casibus arborum opprimentium

100

Steinhäger Verkauføvertrag.

Getreuen Vafallen unvorhergeſehenen

und Ackerleute, die Bußen , welche aus Beſchädigungen

von

Thieren , gefälltem

Bauholz, den Flügeln von Windmühlen, dem plóglichen To: desfalle oder der Beſchädigung Reifender wahrſcheinlich den nåchſten Bewohnern gerichtlich erwuchſen , theils des Ver dachtes wegen, theils weil ſie nicht gewarnt hatten, oder auf das

Hůlfsgeſchrei

nicht herbeigeeilt waren .

Die

Fürſten

ſprachen die Unterthanen überhaupt von der Zurechnung des „ Unrathes “ frei und bedingten ſich für dieſe Gunſt die Bes zahlung ihrer Schulden im Betrage von 19723 Mark. Die richterliche Ungereimtheit, welche zufällige Beſchädigung dem der Unglücksſtåtte zunåchſt Gereffenen zur Laſt legte, iſt kaum anders erklärbar , als daß die Unſicherheit des öffentlichen Verkehres und ein mörderiſches Verhältniß zwiſchen den vers fchiedenartigen Bewohnern des Landes ſolche Maßregeln her: vorrief.

Nach altdeutſchem Rechtsprincip ward bei der Bez

ſdådigung eines Menſchen

durch Thiere

von

den Herren

derſelben ganzes oder halbes Wehrgeld erlegt und das ver: haßte Shier den Verwandten des Getódteten oder dem Ver: wundeten überlaſſen . ') Obgleich die Kloſter Neuen - Kamp , Bergen und die benachbarten Abteien Eldena und Stolp , ſo wie die Francis caner in den

Städten hinlånglich das geiſtliche Bedürfniß

des Låndchens befriedigten, entſtand dennoch unter Wiglav II.

homines, aut a molendinis ct si aliquis hominum eques aut pedes in itinere inopinate moreretur aut aliquod membrum aliqua laesione minueret aut qualicunque modo perveniret laesio a successibus indi gnis et generaliter ab omni malo eventu , qui Unrath generaliter , et vulgariter appellatur, nostris fidelibus vasallis et villanis, qui agricolae dicuntur, donare et remittere curaremus. Nos vero eorum precibus inclinati exaudivimus cos relaxantes eisdem omnes eventus nominatos et generaliter omnes alios excessus , qui ex dicto infortunio pote runt suboriri. Eine Beſtimmung betraf den Rechtsgang, wie ein des Tods flages oder der Berleßung Angeklagter fich reinigen könnte. ' ) Grimm Rechtsalterthümer S. 664.

Hiddenſee bem Kloſter Neuen -Kamp verliehen.

101

eine neue fromme Stiftung, deren Gründung auf einem oden Eilande der ſturmvollſten Küſte, eigenthämlich durch die bürgerliche Thätigkeit und den frommen Glauben der Zeit bedingt wurde.

Die rege Schiffahrt der Stralſunder und

Greifswalder hatte bei der Gebrechlichkeit ihrer Fahrzeuge und dem unwirthlichen Zuſtande der Küſte immer neue Verord nungen der Fürſten wegen des Bergens geſtrandeter Güter nothig gemacht; aber zeitig trug man auch dafür Sorge, dergleichen Unfällen durch fünſtliche Vorkehrungen an gefähr lichen Stellen möglichſt vorzubeugen .

Weil vor Eröffnung

des neuen Tiefs zwiſchen der Halbinſel Mönchgut und dem Ruden , welches nach uralter Tradition ein Orfan in den erſten Jahren des XIV. Jahrhunderts ſchiffbar gemacht haben roll ( obgleich eine Waſſerſtraße zwiſchen dem Ruden und der Stadt, Greifswald ſchon vor

den Tagen Wartislavs III.

unleugbar iſt), ſo ging doch der Seeverkehr der Stralſunder nicht durch das Binnenwaſſer, ſondern zwiſchen dem Gellen , der Südſpiße der Inſel Hiddenſee, und Barhövt durch , und hatte ſchon früh auf „ Yelland" eine Kirche geſtanden , dem heiligen Nicolaus, dem Beſchůßer der Seefahrer, gewidmet . ' ) St. Nicolaus Heiligthum ſollte ſowohl den Schiffenden als Landmarke dienen , als den Nothleidenden den Schuß des himmliſchen Patrons ſchon aus der Ferne verfünden. Wahr: ſcheinlich brannte ſchon früher an dieſer Stelle ein Leucht: feuer , eine Feuerbafe , eine Erfindung, welche unſerem See fahrervolk von alten Tagen bekannt war.

Um nun jenes

ode, doch ſchon bewohnte Eiland in den Bereich befferer Kultur zu ziehen , zugleich , um den Schiffern Hülfe und Troſt zu bieten , verlieh Wißlav II . I. § . 1296 die Inſel Hiddenſee

' ) Aus dem Rataſter der Pfarren Rügens, welches der Matritel des Bisthums Roeskilde einverleibt iſt. (Schwarß Geographie von N. Deutſch land S. 137.) In Huddentze est capella prope monasterium. Item ibidem in Yelland ecclesia b. Nicolai.

Gründung bell Kloſters auf Hibbenſee .

102

dem Kloſter Ncuen:Kamp , ' ) damit daſſelbe dort ein neues Kloſter ſeines Ordens zur Ehre des heiligen Nicolaus anlege. Im Jahre

1297 entäußerte ſich

eine Dånin ,

Erlandſons

Wittwe, und ihr Sohn, Verwandte jenes herriſchen Jacobs, Erzbiſchofs von Lund , der Hälfte der Inſel zu Gunſten des neuen Kloſters; betriebſame Mönche ſcheuten um ſo weniger die Anſiedelung auf der ſturmumtoften einſamen Inſel, da die Milde der Nachbaren alsbald den frommen Brüdern fernen Güterbeſig zuwandte. Gewiß war ſie damals großer und theilweiſe mit Buchen und Laubholz bedeckt, da Erlands ſon fich

die Beholzung und die Maſt får feine Schweine

vorbehielt.

Uber auch nach Beſtätigung durch den Biſchof von Roeskild fand die neue Anlage Widerſpruch , beſonders am Pfarrer zu Schaprode, welcher beſorgt, ſeine Kirch Finder auf Hiddenſee und die Gefälle zu verlieren , den Bau des Kloſters ſymboliſch durch den geſucht, ? )

aber endlich den

auf der Inſel gegen

,, Steinwurf"

zu hindern

Brüdern die cura animarum

einige jährliche Hebungen

geſtattete.

So erblühete hier , abgeſchieden von allem Weltverkehr , wo jeßt Unfruchtbarkeit und Kahlheit herrſcht, aber dennoch ein dürftiges Fiſchervólfchen unter ſeinem entſagungsvollen Seel: ſorger ein zufriedenes Daſein nicht gegen aller Welt Herr: lichkeit vertauſchen würde , das Gotteshaus , deſſen Inhaber es ſich auch wohl ' bald behaglich

machen konnten , indem

Wohlſtand ihnen von nahe und ferne zuſtromte. 3 ) Aber Wohnlichkeit und lohnender Ackerbau find jeßt faſt vers ſchwunden , nur noch bråckliches Mauerwerk am Dorffloſter

' ) Dreger 3. I. 1296 nr. DCCCXCIII. 2 ) Ueber den jactum lapilli f. Medems Abhandl. in Höfers u.ſ. . Zeitſchrift I. S. 317 ff. 3 ) Ueber Hiddenſees Einkommen ſ. Steinbrüd Geſch. Der Klöſter S. 84. Im Jahre 1302 konnte das Kloſter (don den däniſchen Prins zen Waldemar und Erich ein Gut mit 1000 Mark bezahlen , und von bem Fürſten ben Zingſt, mit Vorbehalt der Jagd , erkaufen.

103

Wißlaw III, unb Zambor.

bezeugt das Daſein der Stiftung, ſelten weilt der Wanderer, welcher an fremder Natur ſich freut , auf den Höhen des Dornbuſches, wo das Auge Moens ferne Küſten erſpåht. – Die Beſtimmung des Kloſters, der Seefahrt zu dienen, trat i. I. 1306 hervor , indem der Abt Petrus und der Rath von Stralſund fich verglichen ,

daß das

Kloſter den Bau

eines Bollmerkes zum Behufe der Seeleuchte auf dem Gellen beſtreite, die Stadt dagegen den Unterhalt des Wächters und der Leuchte vom 8. September bis zum 1. Mai úber: náhme.

Ein ſolcher Bau auf der niederen Ebene, in welche

Hiddenſee ſüdlich ausläuft , war aber ſo beſchwerlich , daß die Mönche am 5. October 1306 von dem Biſchof Dlav von Roesfilde einen Ablaß auf 40 Tage für denjenigen er: wirkten, welcher zu ſolchem Zwecke beitrage.

Die Verånde:

rung des Fahrwaſſers ließ jene Bedeutung der Kapelle St. Ni: colaus bald verſchwinden ; doch hieß noch zu Schwarß Zeit die Spiße des Gellen die „ lüchte. “ Unter

den

Vorzeichen

drohender politiſcher

Stürme

übernahm nach alter Weiſe Wiſlav „ der Junge" oder der Dritte init ſeinem Bruder Zambor die Herrſchaft gemein fchaftlich , welche ſie ſchon früher einträchtig mit dem Vater verwaltet hatten ; beide ſo deutſch durch und durch , daß der åltere

durch den Vorgånger der eben erſtandenen Meiſter:

ſångerzunft verherrlicht wurde , beide ſchon i . I. 1303 ihre Urkunden in altfächfiſcher, d. i. plattdeutſcher Sprache aus : fertigten ,? )

und

beide für die

Bildung ihres Volkes ro

1 ) Schwar Geographic S. 138 Urkunbe : Olai Episcopi roskil densis, d. Sundis 1306 nonarum tertia Octobris. Cum igitur discreti Cives Sundenses Zwerinensis diocesis in communi transitu navium juxta seland in Rugia nostre diocesis Bollwercke construere et lucer nam ibidem ponere intendant ad transeuntium opus , Universitatem vestram requirimus etc. 2 ) Die erſte deutſche Urkunde führt Schwarz hist, finium p. 193 vom 9. Juni 1304 an.

104

Tod Zambors. Belehnung Wißlavs durch Erics.

bedacht, daß ſie dem Rathe die Beſtellung der Schule zu St. Jacobi in Stralſund in der Form eines Lehns über: ließen .

Erſt am 6. Mai 1304 vereinigten ſich Wißlav und

Zambor über die geſammte Hand auf ewige Zeiten , „ ſich einander keinen Mann, Stadt oder Schloß zu entfernen ." ' ) Ihre Mannen und Städte wurden befugt , bei entſtandener Zwietracht zwiſchen ihnen , den Anfänger des Unrechts zu mahnen und auf Seiten desjenigen zu bleiben , welcher im Rechte ſtehe.

Im Falle der Uneinigkeit zwiſchen ihnen und

ihren Mannen und Städten , ſollten die Unbetheiligten bei ihnen verharren, bis ihnen ihr Recht gewährt würde . Schließ lich ward den Unterthanen auch noch die gefåhrliche Be: fugniß zuerkannt , im Falle der Ueberwåltigung durch die Fürſten ſo lange zuſammenzutreten ,

bis

das Unrecht

ab :

gethan rei. ? ) Dieſe Vergleichung, welche in einen bedenklichen Hinters grund blicken låßt , ward eines Theils erledigt , indem Zam bor unbeerbt bald darauf ſtarb , 3 ) und König Erich

am

14. October 1304 nach beſchworenem Huldigungseide Wik: lav allein mit der Inſel Rügen, mit dem Gebiete von Stral: ſund, Grimmen, Tribſees und Bart, mit auffallender Ueber: gehung des Landes loig , belehnte , * ) alſo das oberherrliche Recht des Bisthums Schwerin nicht anerkannte. Erich, die ' ) Dähnert pommerſche Biblioth . IV. S. 21 , von einer Theilung, wie bei den Pommern, iſt nicht die Rede. 3 ) Dähnert Landesurkunden I. p . 243, plattdeuſd, dat. Stralſund in St. Johannisdage ante portam latinam. Für die nächſte Folgezeit iſt die Beſtimmung wichtig, welche, wir ſagen verfaſſungsmäßig, den Stän den die Abwehr gegen den ungerechten Landesherrn zur Pflicht machte. Vortmehr wäre dat also , dat unser cen , edder wy beyden unsen Mannen und unsen Staeden einig Unrecht däden , so schoelen unse Mannen und unse Staede thosamende bliven , tegen uns , also lange, wente wy sie by Rechte laten, und dat Unrecht wedder dohn . 3 ) Schon am 27. September 1304 beſtätigte Wißlav allein den Greifswaldern ihre Privilegien zu Loiß. Dähnert P. Biblioth . t. IV. p . 16. 4) Schwark Lehnshiſtorie S. 259. Dreger nr. MXLV.

105

Wißlavs Händel mit den Einſaſſen und Städten ,

Erweiterung ſeiner Oberherrſchaft als König der Slaven im Sinne, hatte ſogar an die Hälfte des Fürſtenthums, welche Zambor beſeffen , als an ein ihm heimgefallenes Lehn An: ſpruch echoben , ' ) aber deſſelben ſich noch begeben. Mit gleich ruheloſer Thatfråftigkeit , wie ſeine Vorfahren ausge: růſtet, ſehen wir den jungen Fürſten alsbald in böſen Hån : deln mit feinen Nachbaren

und mit ſeinen Einſafſen , ehe

die långſt drohende Fehde mit den Stådten ausbrach.

Er

hatte den Greifswaldern unter anderen Freiheiten auch den Hafen, die däniſche Wiek, beſtåtigt, welchen, im Widerſpruch mit den Rechten des Kloſters, die Bürger von ſeinem Vater überkommen. Der Abt, in uralt verbürgtem Eigenthum be: ichådigt, erhob thåtlichen Einſpruch , 2 ) bis zu Greifswald am 25. Mai 1306 Biſchof Heinrich von Kamin

und der

Abt von Rolbat fchiedsrichterlich entſchieden , daß der Hafen mit ſeinen Anlagen dem Kloſter gehöre, und die Stadt dem Eigenthumsrecht entſagte. 3 ) Wißlav, von den Bürgern an gefeindet , daß er ſie nicht in der Schenkung des Vaters ichůße, fam durch die Beſtåtigung jenes ſchiedsrichterlichen Spruches in demſelben Jahre in ein geſpanntes Berhåltniß mit der måchtigen Nachbarſchaft, und ſah ſich gleich darauf in einer anderen Streitſache zu ſchmåhlicher Nachgiebigkeit genöthigt.

Nach neufúrſtlicher Staatsflugheit bedacht, den

Hochmuth und Gewaltſinn der Stådte zu dåmpfen, hinderte er , ungeachtet des Verſprechens , welches fein Vater i . F. 1300 den Demminern gegeben , in der Nähe von loiß die

a ) Schwarß a. a. D. S. 260. concedimus omnem impetitionem quam habuimus vel habere potuimus in dictis terris, super eo, quod per mortem domini Zamburi ipsarum terrarum medietas ad nos de voluta legittime dici possit omnimodo dimittendo. 2) Urkunde bei Dähnert pommerſche Biblioth. V. S. 307 : cum ta lis magna atque damnabilis controversia inter utrasque partes peri culose aliquando durasset cet. *) Dähnert pommerſde Biblioth. V. S. 308.

106

Sieg über Wißlau bei Rammelsdorf 21. October 1307.

freie Fahrt auf der Pene, indem er, wahrſcheinlich um einen Zoll anzulegen , den Fluß durch ein Bollwerf einengte.

Die

Demminer , ſo vom Seeverkehr abgeſperrt, trugen das Un recht nicht geduldig ;

es kam zur Fehde und gegenſeitiger

Beſchädigung, zumal Bogislav die Bärger der Stadt unters ſtůßte. Gleichzeitig 'ſtand Wiglav im Kampfe mit dem Nach : bar von Werle , Nicolaus , welcher fich des Geſchlechts der von Often, ' ) das der Fürſt von Rügen aus ſeinem Lande vertrieben , angenommen ;

nach

vergeblicher Vertheidigung

unterlag Wißlavs Waffenmacht bei Rammelsdorf am 21. Octo: ber 1307 ,? ) und mußte er ſich ſo geſchwächt fühlen , daß er am 27. October deſſelben Jahres zu Demmin ſich vers pflichtete , den lauf der Pene frei zu laſſen , den Schaden , welchen er der Stadt zugefügt, mit 625 Mark zu vergelten. Obenein entband er auf den Fall des Bruces feiner Zuſage hundert von ſeinen Rittern und Knechten ihres Treueides, wies ſie an ſeine Gegner , den Herrn von Werle und den Herzog Bogislav , und gelobte denſelben die Huldigung von

' ) Heinrich von der Oſten war Marſchall Wißlavs II. geweſen ; der Name kommt in rügiſchen Urkunden häufig vor. 2 ) Ernſt von Kirchberg K. 174 : Dy Czid ez vügite sich daz sich ja, Von Rugyen vürste Wyszla, Daz der vertreib mit męchte , Von der Osten daz geslechte , Uz synen landen recht alsus , Von Werle her Nycolaus , Zu dinste sy da zu Im nam , Zu tagen her dicke vür sy quam, Und inkunde daran nicht gehermen , Uf daz er sy mochte beschermen, Her inkunde sy mit teydingen, Nicht wider zu genaden bringen , Des kamen sy zu wryge , Und och zu hertem Kryge , Der von Rugyen Wyszla , Und der von Werle Her Nycola , Nu vügete es sich zu eyner Czid, Daz sy stritten eynen Strid , By Ramelesdorffe daz zu quam, Den sieg da der von Werle nam , Daz, mochte hern Wyszla wol irtangen , Der virloz da vil gefangen , Daz Lant virdin get und virbrant, Wart von der Wentlendir hant. Die Zeitbeſtim mung giebt Rankow nach einem alten Gebächtnißreime, I. S. 296 : M`tria CCC septem dum colitur ursula sacra Ramelsdorf bellum committitur atque duellum. fen Niklas Rudloff II. S. 199 erwähnt eines Eidams Wißlavs, des von Boißenburg (Wittenburg).

Erneutes Bündniß zwiſchen den Städten.

Pläne Erichs.

107

allen ſeinen Schlöſſern auf dem feſten lande, ſogar von den Stádten Grimmen , Tribſees, Bart und Stralſund für ewige Zeiten , falls er den Vertrag nicht hielte. " ) Soº bedrångt und gedemüthigt war Wiſlav außer Stande , etwas für die Behauptung ſeines Rechtes

auf Pommern zu thun ,

und

wurde mit jedem Tage erbitterter gegen die Städte, die ihm ſolchen Krieg auf den Leib gehegt. Aber die Bürger machten ſich gefaßt , die Freiheit des ſlaviſchen Nordens zu bewahren, welche die Fürſten aus Haß gegen ſie geringſchågten ; ſie reichten ſich die ſtarke Hand, ſelbſt da lübeck im augenblicklichen Drange der Umſtände fich i . I.

1307 um 750 Marf läbiſch die Schirmvogtei des

Dånenkönigs auf 10 Jahre erkaufte. ? )

Roſtock befand ſich

zwar ſchon in gebundenen Verhåltniſſen , trat aber nichts deſto weniger in dem Bündniſſe auf, welches Wismars und Greifswalds Bevollmachtigte und Stralſund am 7. Decem: ber 1308 , um einander in Verfolgung ihres Rechtes treu beizuſtehen, auf fünf Jahre erneuerten. )

Klugheit mit Ges

walt paarend ging . Erich Menved reine Bahn , um das fla: viſche Norddeutſchland unter ſeine Botmåßigkeit zu bringen, eben als der hochſinnige König Heinrich VII. begann Richter

heilloſer Wirren

in Welſchland

als

aufzutreten , und

daran dachte, die lombardiſche Krone, wie das faiſerliche Diadem mit dem Reiche der Deutſchen wieder zu vereinigen. Wiglav, den Seeſtådten abgeneigt , derflocht ſein land tiefer

? ) Stavenhagen Geſch. von Anklam S. 602 Urkunde (Deutſch) von 1307, 27. October nach dem Original. 2 ) S. Dahlmann I, 433 und Suhm XI. S. 542. Sartorius- Lap penberg II. S. 237-240. 3 ) Kosegarten de Gryphia hans . teut. socia p. 24 : quod unaqua que civitatum predictarum alii fideliter debet assistere in persecutione juris sui nec aliquo casu deserere , sive hoc in terris , sive in mari opportunụm fuerit, pro modo unamquamque respiciente. Et super his confederationem firmam fecimus a festo nativitatis domini ad quinquennium duraturam .

108

Vergleich zwiſchen König Erich und Wißlav .

in die Abhängigkeit von Dänemark , indem er , noch

unbes

erbt , geſtattete , daß ſeine nåchſten Vettern , Pritbor und Teße (Teşlav), Herren von Putbus, und Johann von Gri: ſtow zu Nyköping im November 1309 für ihre Erbfolgerechte auf Rügen durch Erich rich abfinden ließen , daß ihnen , im Falle Wiglavs unbeerbten Todes, Wittow und Jasmund mit allen Hoheitsrechten abgetreten werden ſollten , wogegen ſie fich der Krone Dänemark zur Dienſtleiſtung mit 10 Pferden verpflichteten . ')

Um

die Oſterzeit

des folgenden

Jahres

finden wir Wiślav vor König Erich und mit vielen Fürſten , auch mit Waldemar dem Markgrafen und mit Wartislav dem Pommern , an der Grenze Rügens und Meklenburgs zuſammen . ? ) Es gilt eine geheime Verabredung zur Demů : thigung der Stådte , zunächſt aber

Ausgleichung obſchwe

bender Håndel der Fürſten unter einander.

Zuerſt verpfån:

dete König Erich , deſſen Bemühungen , im neuen lehnbaren, åberſeeiſoen lande einen baaren Nießbrauch zu ſichern , überall planmäßig hervortreten, ' ) an Wiglav die Hälfte des lans des Gnojen , gegen 2000 Mark Silber wieder löslich , und erhielt dagegen die zu ſeiner unmittelbaren Herrſchaft beque mer gelegene Inſel Moen , welche die Mitgift Margarethens, der Gattin Wißlavs war. “ )

Der König bewilligte ihm die

Befugniß , die andere Hälfte des Landes Gnojen von Herrn Niclas von Werle einldſen zu dürfen , wogegen Wiglav ihm

Sdwars Lehnshiſtorie S. 273-275 pro quibus insulis et per tinentibus earundem predicti milites et eorum heredes perpetuis tem poribus nobis et regno Daniae cum decem dextrariis expeditis servire tenebuntur : nec aliquid proprietatis in ipsis insulis preter servitium predictum obtinebimus quoquo modo. 2 ) Huitfeld p . 348. 3 ) S. Dahlmann I. S. 433. Sartorius-Lappenberg II. G. 243 . “ ) Margarethe erhielt einige Tage darauf als Leibgebinge durdy den Oberlehnsherren die Städte Grimmen und Tribſees , Dreger in Vol . VI. b . I. 1300. Margarethe muß zeitig geſtorben ſein ; Wißlas heirathete darauf Agnes, Todter des Grafen von Lindow.

Wißlav verzichtet auf Pommern.

109

die Erbfolge in ſeinen ländern , falls ſein Haus erloſch , zu: ſicherte, und ein Schuß- und Trußbündniß zwiſchen beiden geſchloſſen wurde. Zwanzig der vornehmſten Ritter Rügens unterſiegelten den Vergleich und die Städte verbürgten den: felben , mit Ausnahme Stralſunds. Markgraf Waldemar , noch mit dem Dánenkönige einverſtanden , bis wir ihn als müthigen Verfechter der Reichsunabhängigkeit der ſlaviſchen lande erblicken, wirkte gewiß durch ſein Anſehn auf die Ent: ſchließungen des Fürſten von Kügen , ſo wie Erich dieſen vermochte, endlich ſeinem Anrecht auf Meſtwins Erbſchaft zu entfagen. Bereits war Waldemar , um die Hinderniſſe des Kaufs an den Orden zu beſeitigen, der Verzichtung ſei ner Verwandten, der Herzoge Heinrich, Konrad und Boles: lav von Glogau, gewiß, obgleich die Entſagungsurkunde erſt am 5. September

1310 zu Berlin

ausgeſtellt iſt ; ' )

das

Schwerere war, den Fürſten Wißlav dazu zu bringen , ſo ohn måchtig dieſer erſchien. Un demſelben Tage als Wiglav zu Ribniß mit König Erich ſich verglichen , leiſtete er zu Trib: ſees , am 12. April ( Palmſonntag) durch eine Urfunde in Gegenwart Waldemars , des Grafen Albrecht von Anhalt und des Herzogs Wartislav gånzlich Verzicht auf Poms mern zu Gunſten des deutſchen Ordens. ) Wiederum dient die Zeugenunterſchrift Partislavs bei dieſer Verzichtung

* ) Gercken Cod. diplom. VII. p . 124 : Actum et datum Berlyn a. 1310 feria ante diem B. Adriani (8. September) ; Dreger nr. MCLXIX . hat feria tertia , quod quia nichil juris nouimus nos habere in possessione terre Pomeranie, eam partem terre, quam in nostra pro prietate hucusque tenuimus nostris sororiis videlicet illustribus Wol demaro et Johanni de Brandenburg Marchionibus ad quos dicta terra Pomeranie jure ipsis suffragante pertinere dinoscitur in solidum restituimus et complete desistentes et cessantes a petitione dicte terre Pomeranie. 2 ) Dreger nr. MCLXX.: Per presentes litteras cessamus penitus ab omni impeticione et jure districtus Terre Pomeranie , quem dicti Principes religiosis viris fratribus ordinis S. M. D. T. universis re signando voluntarie dimiserunt.

110

Kaufvertrag zwiſchen Waldemar und dem Orden.

Wiglavs auf Pommern zu Gunſten eines Dritten uns dazu, ein bewußtes oder behauptetes Anrecht der Her zoge von Pominern auf Meſtwins Erbfchaft durchaus zu berneinen . — Um das lange vorbereitete Geſchäft zu been :: digen, beraumte Waldemar mit vornehmen Vafallen zu Stolp im Sommer 1310 eine Zuſammenkunft mit dem Meiſter Siegfried von Feuchtwangen , in welcher am 12. Juni der Kaufvertrag ausgefertigt wurde . ' ) Waldemar überließ dem Orden die Schlöſſer und das Gebiet von Danzig , Dirſchau Schwetz nach ihren alten Grenzen für 10,000 Mark

und

brandenburgiſches feines Silber mit allen Rechten und dem Nießbrauch , welche feine Vorfahren und er mit faiſerlicher Berwilligung beſeffen hatten , zum ewigen Eigenthum , und beſtimmte die Scheide des abgetretenen Gebietes vom Lande Stolp genau durch eine Linie, welche von der Mündung der Leba ins Meer dem Laufe des Fluſſes folgte, und dann über Malſchůş , Wunefchin

auf Wußkow an der Bukowina fich

über Golczau an das Schwarzwaffer (Czarnawoda ) reichte , und über Punkte , die ſich jeßt nicht leicht mit Ge wißheit angeben laſſen , weſtlich einſpringend , bis an die

zog ,

Grenze Kujaviens und Polens fich zog , zu welchem das Ges biet von Nafel gehörte .

Auch eine noch ſorgfältigere Scheide ,

1. I. 1313 abgeſteckt, 2 ) läßt uns leider über die Seite von Konig und Schlochau im Stich . Waldemar verpflichtete ſich die Genehmigung des römiſchen Königs auf ſeine Koſten einzuholen , 3 ) entſagte in ſeinem und im Namen ſeines Mün

' ) Dähnert pommerſche Bibliothek IV. S. 364 ff. Acta in Stolp a. 1310 pridie (Idus) Junii : cum omni dominio , jure ct judicio, quo nostri progenitores prefatam terram Imperiali auctoritate quondam habuerant et nos eadem auctoritate hactenus habuimus, perpetuo li bere possidendam. 2) Original - Urkunde im Fönigsb. geh. Archio . Act. et dat. in Stolpa a. 1313 d. beatorum Dyonisii et Sociorum . 3) Dähnert a. a. 9. S. 365 : promittentes et obligantes nos Ma gistro et fratribus ante dictis , quod proprietatem terre jam dicte,

Beſtätigung burdy Heinric VII.

111

dels, Johann, jeder Anforderung, und verſprach alle Urkun: den, welche ihm in Betreff des abgetretenen fandes von dem rómiſchen Könige und von dem Könige von Böhmen " ) vers liehen waren, nach erlangter Beſtätigung des Kaufs zu über: weiſen .

Er bezeugte den Empfang von 5000 Mark,? ) und ließ die andere Hälfte bis auf die Ausfertigung der Beſtås

tigung

des rómiſchen

Königs

innerhalb eines Jahres ,

anſtehen.

Erfolgte dieſelbe

ſo ſollte der Orden die Zahlung

von Pfingſten fünftigen Jahres ab innerhalb eines Jahres leiſten . Stůrbe Waldemar jedoch inzwiſchen , fo fiel die růck : ſtåndige Kauffumme nach Erbrecht an Markgraf Johann , welcher verpflichtet ſei, alle Punkte der Uebereinkunft zu er: füllen. Heinrich VII. , dein die Anerkennung ſeines obers herrlichen Rechtes in fo fernem Lande nur erwünſcht ſein konnte , zögerte nicht zu Frankfurt am Main , am 27. Juli 1310, wo die Gefandten des verwaiſten böhmiſchen Königs: reichs ſeinem Geſchlechte die Hand der Erbin Eliſabeth ans trugen, die Beſtätigung auszufertigen ; 3) der Reſt des Kauf:

quam Jure feudi imperiali auctoritate habuimus , resignari eisdem a Serenissimo Domino, Romanorum Rege optinebimus et confirmari procurabimus, nostris sumptibus, laboribus et expensis. ” ) Daſ. a . a . D. S.366 : Universa insuper privilegia ac instru menta nobis nostrisque progenitoribus super dicta terra tam a sere nissimis Romanorum Regibus quam a Rege Bohemiae , aut a quo cunque alio collata, post obtentam confirmationem super proprictate dictae terrae, ut est dictum , praefatis Magistro et fratribus nos pro misso adstringimus nos resignare. a) Original-Quittung Bernhards von Plokke und Friedrichs von Al vensleben d. d. Stolpa ld. Jun. im fönigsb. geh .. Archive. 3 ) Borhanden in einem Transſumpt, zugleich mit der Beſtätigung des Markgrafen Johann H. J. 1315 am Tage St. Jutta. Heinrich VII. ſagt : tractatus habitus inter illustrem Woldemarum et Johannem Marchiones Brandenburgenses dilectos principes nostros ex una et. religiosos viros fratres Sancte Marie Tewthonicorum ex altera super munitionibus terrarum Pomeranie videlicet Danczk Dersowe et Zwethz cum suis pertinenciis ab antiquo habitos et observatos juxta conti nenciam literarum eorundem Marchionum gratos habentes.

112

Weitere Erwerbungen des Ordens in Pommern.

preiſes wurde um Oſtern 1311 und am 13. Juni 1313 ent richtet, nachdem inzwiſchen der Orden, um ſein Recht gegen Einſpruch zu befeſtigen, durch den Landcomptur von Franken, Konrad von Gundelfingen , den wackeren Gefährten des Römerzuges Heinrichs VII. , mitten unter den Greueln der Belagerung von Breſcia , die nochmalige Beſtätigung aller ſeiner Güter in Pommern am 4. Juli 1311 vom Könige erwirkt hatte . )

So gelangte das dftliche Pommern mit

Ausſchluß der Lånder Bútow, Stolp , Schlawe, Rügenwalde und Tuchel an deutſche Herrſchaft, und erwuchs hier, ges pflegt und

geſchirmt von

deutſches Weſen

der ſtarken

Ritterbråderſchaft,

erfreulich in Stadt und land.

Vertrag

und Gewalt gegen Wladislav von Polen rundete das Ges biet auf der füdweſtlichen Seite immer mehr ab, ſchon i. I. 1312 verkaufte Nicolaus, der Sohn des Grafen von Penit, dem Drden die Erbguter Sohlochau und Broda, a ) wo bald eine feſte Burg entſtand, deren Gebiet åber Baldenburg mit dem kaminer Stiftslande zuſainmenſtieß. Wir geben den Verfolg der Geſchichte dieſes Theils des ehemaligen Pommerns im Ein zelnen auf, indem wir jeßt nur andeuten , daß erſt nach der

1 Erſtarkung Polens durch die Jagellonen und nach den heil: loſen Ereigniſſen um die Mitte des XV . Jahrhunders das Polenthum in Pommerellen ſich wieder ſo feſtfeßte, daß die Spuren deſſelben bis auf unſere Tage an Stadt und land noch kennbar ſind. Gleichzeitig mit der Uebertragung jener drei Gebiete an den Orden

begann Markgraf Waldemar deutſches Recht

und deutſches Weſen in dem Theile des poinmerſchen Ges bietes zu pflanzen, 3 ) welchen er nach Abfindung der Swenza

2 ) Lünig t. VII. p.5. 2) Urkunde im fönigsb. geb. Archiv, d. Slochau a. 1312, September. 3 ) Aus der Umgegend von Bütow erſcheint zuerſt urkundlich Pom niske i. J. 1320, 22. November zu Kalis dem Kloſter Oliva durch Wol demar geſchenkt. Ledebur Ardhis, N. F. II. S. 251 .

Gründung von Stolp als deutſcher Stadt. ſich vorbehalten .

113

An der Küſte zwiſchen Grabow und leba

war durch die geiſtliche Thätigkeit der Biſchofe von Kamin ſchon vorgearbeitet worden , wie die ſtattlichen alten Kirchen in jenem fruchtbaren Lande bezeugen ; dagegen konnte ſelbſt Stolp noch nicht eine Stadt heißen .

„ Damit der Flecken

Stolp eine Stadt werde, " Ichenften Waldemar und Johann ihm eine Feldmark von 200 Hufen, ' ) und befreiten die Eins wohner von der Zeit ab , daß ſie ihren Ort mit Planken umgeben hätten ,

auf 10 Jahre von

jeder Abgabe.

Der

Markgraf verlieh ihm läbiſches Recht und Maß, und über: trug das Richteramt, wie hundert Jahre früher bei der Gründung der Stådte üblich war, dem Geſchlechte der Zir: chow und Darſowa) mit der Bedingung, daß von den Richt gefållen ein Drittel dem Landesherrn , das zweite dem Rich ter , das dritte der Stadt zufiele.

Die freie Schiffahrt auf

der Stolpe bis ans Meer, der Håringsfang, ſo wie die unge: hinderte Fiſcherei auf dem Fluſſe wurde ihm zugeſichert, und dieſe Verleihung auch durch Peter von Neuenburg bezeugt. Im Jahre 1313 beſtätigten beide Markgrafen ihre Bewid mungen, 3 ) einige neue hinzufügend, ſo daß Neu- Stolp, wie: wohl langſam , das Anfehn einer deutſchen Stadt gewann ; Der alte flaviſche Ort dagegen, dſtlich von der Stadt belegen, mit feiner dürftigen , hölzernen Kirche zur offenen Vorſtadt herabſank.

Peter, ein treuer Vafall der Markgrafen , blieb

mit ſeinen Brüdern im Beſit bedeutender Gebiete ; alle drei ahmten den Markgrafen nach , indem ſie i . 7. 1312 den Flecken Rügenwalde , ſchon i . I. 1274 eine Stadt genannt,

1 ) Schöttgen et Kreyssig III. p . 22 : datum in Kremptzow a . 1310, 9. September : emendationi oppidi Stolp ut incrementum recipiat et civitas fiat 'sollicite intenderc cupientes . 2) Zirchow iſt ein altes Mirdydorf zwiſchen Schlawe und Stolp. > ) Schöttgen et Kreyssig 1. c. p. 23 dat. Spandow 1313, 2. Febr. Das Kloſter Belbud und deſſen Tochteranſtalt in Stolp erhielt in bem ſelben Jahre das Patronat ber dortigen großen alten Kirche. 8 Barthold Geids. V. Pomm, III

Rügenwalbe mit Yübiſdem Redyt bewidmet.

114

nach dem Vorgange von Stolp läbiſches Recht und Feld : mark verliehen, ' ) und den Seehandel des ſo wohl belegenen Ortes zu begünſtigen ſtrebten. Früh entſtand die Kirche im Dorfe Zigow, mit einem måchtigen Thurme, auf einem Hů: gel, welcher noch jeßt als landmark dient und dem Beſchauer einen überaus erfreulichen Weitblick gewährt. Anderer : ſeits entledigten ſie ſich aber ihrer Herrſchaft im Ordenss lande , *) indem ſie um Pfingſten 1313 nach dem Tode des Baters an den neuen Meiſter Karl von Trier , Neuenburg, die Schenkung des Böhmenköniges Wenzel und die Ver : leihung der Markgrafen für fünf Dorfer , die in der Nähe ihrer Burg Tuchel lagen, nebſt einem See und der Fiſcherei auf der Brahe fauf und tauſchweiſe abtraten , und dafür zum gebührlichen lehnsdienſt fich verpflichteten. Noch i. F. 1313 und ſpåter führte Peter den Titel Graf von Neuen: burg von Gottes Gnaden, 3 ) und nannte Gottfried von Bů : low und Gerhard Ketelhod feine. Vafallen ; erſt allmålig verminderten die Brüder ihre Habe durch Schenkungen , wie der Umgegend von Sidow bei Pollnow an Pólplin ; während ſie bis an ihren Tod als einflußreiche Dynaften ſich bes haupteten . 4 )

Als in dieſer Weiſe das ſlaviſche Pommern , Meſtroins Erbſchaft, ſeinen neuen Herrn gefunden , fehen wir den Her: zog Wartislav gleichfalls bemüht, durch Burgen und ſtådti * ) Budyholz Th. V. Anhang I. S. 4 datum in Slavina A. 1312 am Sontage Trinitatis. 2 ) Driginal-Urkunde im königsb. geh. Archiv d. in castro S. Ma rie feria V. infra octavas Penthecostes. Tuchel hatte ihnen der Orden don früher für Neuenburg überwieſen . Das Siegel Peters enthält einen Greif im Schilde mit der Legende S. Petri de Neunburch ; das Siegel des Bruders lautet mit ähnlichem Bilde S. Johannis de Ruigen walt, das dritte : S. Laurentii de... , 3 ) Urkunde des fönigsb. geh. Ardhivs d. Bukow 1313 , 25. März. ) S. über die Swenza im allgemeinen Schwarß Lehnshiſtorie S. 271 und einen , wiewohl unſicheren Stammbaum in Hakens Geſch. von Cöblin Fortſ. S. 23 ff.

Gründung von Nen - Stettin.

115

ſche Anlagen das Land Belgard in ſeiner Ausdehnung ſicher zu ſtellen, zumal gegen Wladislav von Polen, der im Süden ihm noch naher Nachbar war.

Um Treptow an der Rega

gleich Belgard zu heben , hatte er i . f. 1310 die Abſicht den Fluß Molſtow ſchiffbar zu machen , und die Niederlage auf demſelben den Bürgern zuzuwenden . ' )

In dem erſten

Jahre ſeiner Regierung , zwiſchen 1309 und 1313, entſtand am See Streißig , in hochgelegener, aber eben nicht, frucht: barer Gegend , die Burg Neu -Stettin . 2 )

Sie wurde ans

fånglich auf einer andern Stelle des Sees , wo noch jegt der Name Burgwall haftet , und vor 100 Jahren noch ein Graben kennbar war , ecbaut; unſtreitig als Grenzſchloß gegen Polen , wozu die Lage zwiſchen zwei Seen vorzüglich fich eignete.

Der größte Theil des Landes legte erſt allmålig

den Character der Wüſte ab ; trågt aber noch bis auf dieſen Tag das Gepråge einer ganz jungen Kultur, obgleich hier und 3. B. um Murchow in ſehr anmuthiger Gegend fich Spuren alter Burgwalle zeigen . Der Umfang der Güter iſt hier ein gedehnterer , als im übrigen Pommern , und die ſo ge nannten Buſofoven ,

einzelne båuerliche Anſiedelungen

im

dichten Walde , verkünden die langſamen Fortſchritte der Landwirthſchaft. Dazu kommt, als Zeichen ſpåterer Bevöl ferung ,

der auffallende Mangel an alten ſteinernen Kirchen

in Stadt und Dorf.

Ueberall, wie ſelbſt in Neu -Stettin ,

ſind die Gotteshåuſer dürftig , theils nur von Holz aufge führt.

Denn die Zeit frommer Freigebigkeit , um würdige

Kirchen im Wetteifer mit den Nachbarn zu erbauen , war långſt dahin, und nur die Nothdurft fand Berückſichtigung. Obenein verbot die Armuth der pommerfchen Fürſten reiche Anlagen , dergleichen die bautuſtigen Markgrafen in

ihrer

” ) Dreger Urk. z. J. 1310. 2 ) Wokens Beiträge S. 135. Die Stadt ſelbſt, burd viele Brände verbeert, iſt ganz entblößt von alten Urkunden. 8*

1

1

Umfang der Neumark.

116

Neumark bis tief nach Polen hinein , erfreulich beförderten , und der deutſche Orden , kirchlichen Sinn mit friegeriſcher Sorge vereinend, in Schlochau, in Koniß, beſonders in Fried land ' ) in Pommerellen hervorrief.

Auch der rummelsbur

ger Kreis , welcher aus der Dede ſpåter mit Deutſch -Pom : mern vereinigt wurde, gewährte in ſeinen mahleriſchen Thålern und friſchen Laubwåldern an langgeſtreckten Seen nur den Eindruck der Vernachläſſigung in alten und jungen Tagen , da nirgends ſich eine alte Steinerne Kirche erhebt, dergleichen das Gebiet von Stolp und Schlawe, zumal an der See, noch aufweiſen kann. Die Befigungen der Markgrafen hatten aber in dieſen Tagen ihre größte Ausdehnung gegen Pommern und Polen hin erlangt, und die Neumarf einen Umfang nach der polniſchen Seite hin gewonnen , welcher die Dhnmacht Wladislavs be: geugte .

Waldemar konnte i . I. 1313 dem Kloſter zu Sem .

meriß bei Blefen Güter als Eigenthum ſchenken , welche um Meferit licgen , ? ) und am 27. December 1312 den Streit der Bisthúmer Poſen und Kamin dahin entſcheiden, daß der Biſchof von Poſen an Stelle der Zehnten von Kalis, Tempelburg , Urnskron , Falkenburg, Filehne und allen Gús tern zwiſchen Neße und Drage , und Neße und Kuddow, eine baare Hebung und Entſchådigung an nicht urbarem lande erhielt ! :)

) Die Stadt Friedland in Pommerellen zeichnet ſid, nody jeßt burdy die Höhe ihrer Wälle, die Tiefe ihrer Gräben und die uralte Bauart der Thore aus. 2 ) Raczynski p . 95. 3 ) Gercken Cod. dipl. V. p. 287. Actum in Buchszendorp 27. De zember 1312.

Abweiſung Heinridje bes Löwen burdy Wismar.

117

Viertes Kapitel. Krieg Erich Menveds und der deutſchen Fürſten gegen die wendiſdhen Städte Wismar, Roſtock und Stralſund 1310- 1317. Waldemar und die Bürger als Vertheidiger der Unabhängigkeit des deutſchen Nordens. Wartislav gewinnt Erbfolgerecht auf Rügen . Großer Sieg der Stralſunder am Hainholz. Sühne von Sülz und Bru dersdorf 1317. Lohn der Herzoge von Pommern und des Biſchofs burdy Walbemar. Wartislavs Erweiterung in Hinterpommern. Auf hebung der Templer. Streit zwiſchen den Herzogen von Pommern 1319. Tod Markgraf Waldemars 1319. Während der Streit um den ſlaviſchen Often , um die Erbſchaft Meſtwins, einen Ausgang nahm, welcher Deutſch lands Rechte ſicher ſtellte ; war der deutſch flavifde Norden nahe daran , fremder Oberherrlichkeit ſich zu beu: gen , bis das Reich auch hier ſeinen machtvollen Vertreter an Waldemar und an den Stådten fand.

Um die verdåds

tige Treue Wismare, der fühnſten unter den wendiſchen See ſtådten, zu prüfen , ſann Heinrich der Lóme von Mektenburg dem Rathe decſelben an , ihm zur Feier der Hochzeit ſeiner Tochter Mathilde mit dem Herzoge Otto von Lüneburg die Thore

zu öffnen.

Da

die Wismarer

Arges

befürchteten ,

wenn ſie ihren Fürſten mit ſtarkem Gefolge in ihre Mauern aufnahmen , verweigerten ſie im Vertrauen auf ihre Somes ſtern und auf ihre Befeſtigung dem Landesherrn das Hofa. lager. ' ) Ergrimmt über ſolchen Uebermuth beſchied Heinrich

! ) Ernſt von Kirchberg A. 142. Da man nach Godes Geburt schreib war , Dritzenhundirt czehin Jar, Von Mekilnborg Hinrich der milde, Gab syne Tochtir Mechthilde, Otten von Lüneborg dem Her czogin , Her quam hedelich unbetrogin , Zu den Burgirn von der Wysmar , Und bat dy Radmanne offinbar , Daz her mochte da yn Der stad , Synen Hof zu bringen Des her bad , da antwurten dy Bürgere zu, Herre ir sollit wiszin nu, es möchte komen uns uf arg, Daz ir quemet allzustarg, Es enkomet dyser Stad nicht eben, Daz ir uwir Tochtir by wollit vergeben , Zu dem Hove vil üde komen,

118

Einigung der Stäbte gegen die Fürften.

ſeine Gäſte nad Sternberg , trug ihnen und ſeinen Rittern den Troß und die Frechheit der Bürger vor, und vermochte den König Erich

durch

ſeine

Klagen ,

eine Verſammlung

fåmmtlicher Nachbarfürſten nach Roſtock anzuberaumen , def ſen Geſinnungen dem Oberlehnsheren gleich verdächtig waren ! Solche Anſdlage wurden in den Tagen verabredet , in wel: chen wir Wißlav und Waldemar um Ribniß und Tribfees ( Oſtern 1310) in vielfachem diplomatiſchem Getreibe . fanden. Aufmerkſam auf

dieſe Vorgänge hielten die Abgeordneten

Lübecks, Wismars, Stralſunds und Greifswalds am 9. Auguſt einen Hanſetag zu Roſtock , beſtåtigten auf vier Jahre ihre Verbindung ; die Abſicht derſelben auf die Fürſten trat deut: lich hervor ; jedodh verwahrte ſich Lübeck , gegen den König von Dänemark feindſelig zu verfahren . ' )

Inzwiſchen ward

auch Otto von Stettin durch die Künſte König Erichs in die Abhängigkeit von Dänemark hineingezogen. Um den Pommern jedes Unrecht an Roſtock zu entwinden , welches aus einer ålteren Geldforderung jenes Fürſten erwuchs, vers mochte Erich den Herzog am 15. December 1310 zu Medels fart auf Fühnen, wohin Otto fich begeben, ihm ſein Anrecht an Roſtocks Bürger im Betrage von 510 Marf feines Sils ber abzutreten , ?) indem er ihm die Summe zahlte , und empfing dafür ein

Dienſtgelöbniß Ottos , ſeiner Krone mit

50 Gewappneten in Dänemark , in Slavien und in Deutſch land zu dienen und den Eid der Huldſchaft zu leiſten .

In:

dem der Herzog , ohne jedoch ein Lehnsverhältniſ ans zuerkennen, in dieſer Weiſe ſich dem deutſchen Intereſſe ents

Des möge wir nemen keynen fromen , Do dy rede olso vür quam, Vor den Fursten lobesam , Unsprechlich her irczornet wart, Von synre Bürgere reden hart. ? ) Sartorius - Lappenberg II. S. 257 : Sed ciuitas Lubicensis con tra gloriosum dominum regem dacie , hijs durantibus, nichil attem ptabit. 2 ) Hvitfeld p. 352 im Auszuge bäniſch.

Soflager ber Fürſten vor Roftod .

119

fremdete, nahm er nur den Markgrafen Waldemar, den Hers 30g Wartislav, den Grafen von Holſtein und die Herrn von Meklenburg und Werle aus.

So ſchmiedeten Norddeutſch

lands Fürſten ſich ſelbſt die Ketten, in denſelben Tagen, als König Heinrich , über die Ulpen gezogen , um die Ehre des Reiches zu erhöhen, die eiſerne Strone Lombardiens erworben hatte , und die erſten muthigen Kämpfe gegen die Guelfen beſtand. - Gegen den Sommer des Jahres 1311 ( 12. Juni) verſammelten ſich zum Hoflager zwanzig Fürſten , deutſche und flaviſche , vor Roſtock ; die Markgrafen Waldemar und Johann , die Herzoge von Pommern , der Fürſt von Rügen, die Herzoge von Sachſen und Braunſchweig, die Grafen von Holſtein und Meklenburg , von Sowerin, die Erzbiſchofe von Magdeburg, Bremen und Lund nebſt einer großen Zahl Rit: ter und Edler aus allen deutſchen und nordiſchen Landen ' ) und „choner Frauen.“ Auch die Sånger fanden ſich ein, 2 )

) Ernſt von Kirchberg N. 143 nennt Weſtphalen und Schwaben. Corneri Chron. p. 924 ff. Chron. Leob. bei Pez Script. R. Austriac. p. 900. Hvitfeld P 353. Die Nunde von dieſer Verſammlung drang bis nad dem Kloſter Leoben in den Alpen f. Barthold Römerzug Hein richo VII. Th . 11. S. 356 Anm. Ibi dominarum de diversis partibus formosarum sicut et militum extitit incomparabilis pulchritudo. Putei pleni vino , cerevisia et medone ad potandum specus repletae carni bus, piscibus et fomento : naves onustae speciebus aromaticis ad cor porales explendas delicias habebantur. Nads brandenburgiſchen Erzählungen ſoll damals die Bermählung Waldemars mit Agnes , der Tochter Hermanns, vollzogen ſein. Buch holz II. S. 276 . 2) Ernſt yon Kirchberg a. a. D. da waz von tichtern schönre

sang, und von seydin suszir klang. Frauenlobs Kanzone aus der jenaia (den Handſchrift bei Hagen Minneſinger Th. III . S. 126 : Gegruezet si der hochgeerte Waldemar, der also gar durch pris und ritterscheſte (beg )and' zeigen sine krefte, sin wird und ouch sin hoher ( nam ) der wart auch wol sighefte, muost' immer sin, die will unt zit und er was bi den liuten .

120

Lager im Roſengarten.

um, gelocht durch die Freigebigkeit der Fürſten , den Tag zu verherrlichen. Kam doch auch Heinrich Frauenlob , um mit Geſang den gefeierten Markgrafen Waldemar, „ Wißlav den jungen von Rivien " und Herrn Heinrich von Meklenburg zu Aber Rath und gemeine Bürgerſchaft zu Roſtock ehren . witterten die Gefahr vor den førſtlichen Gåſten , beſchloſſen die Herren nur mit einer beſtimmten Anzahl dåniſcher Kries ger einzulaſſen, und machten Miene, ihre Thore mit Gewalt zu ſperren .

König Erich auf dem Gipfel ſeiner Macht, eben

als die laue Geſinnung der deutſchen Fürſten und die Hand des Himmels die Schaaren König Heinrichs vor Breſcia lichteten , ergrimmte åber ſolche Verſagung , bezwang aber noch reinen Zorn und verlegte das Hoflager außerhalb der Stadt in den ſogenannten Roſengarten , wo ſich ſchnell zwei ungeheure Zelte von Seide und Scharlachdecken erhoben und mit fdſtlichem Geråthe geſchmückt wurden. Saubhätten und kleinere Zelte beherbergten in den lauen Johannisnachten die Edlen und

das

zahlreiche

Volk.

Glånzende

Ritterſpiele

reiheten fich an einander, und Markgraf Waldemar empfing unter dem Banner von Dänemark zuerſt aus des Königs Hand den Ritterſchlag, nach ihm zwanzig Freiherrn und achtzig Edelknechte. So wie der reiche König jedem neuen

Als man do zelt' eilf jar und driuzehn hundert jar gar offenbar nach Krist(es) geburt sie zalten, unt do sach man in walten vor Rostok in so hoher maht, rilich und ungespalten , der Markgraf do von Brandenburk liez wol sin horn ertiuten . Er liez do niht vor eren sparn , reht als er morgen solde varn in Gotes scharn den Geist bewarn ; er billich vuert den adelarn uf erden hie mit sinem gebarn in ritterschaft herlich (und) rich, als ich iu wil bediuten. S. Docens Miſcellaneen zur Gefd . der beutſchen Litteratur II. S. 282 ff.

Madt der Städte.

Marino Sanuto .

121

Ritter einen rothen, pelzgefütterten Mantel und eine goldene Rette ſchenkte, erwies ſich auch Waldemar höchft freigebig gegen ſeine Ritter und gegen die Dichter und Saufler , ro daß die Summe, welche er vom Orden vorher får Pommern erhalten , bald darauf ging, und ihm nur Schulden blieben . ' ) Drei Tage dauerte die Hochzeit

mit

unerhörtem Prunte,

zumal nordiſchem Vollgenuß an Speiſe und Trant ;

Brun

nen von Bier , Meth und Wein ſprudelten , überall wurde an offenen Tiſchen geſchmauſt.

Aber mitten unter Spielen

und Gelagen beſchloſſen die Fürſten herben Ernſt gegen die übermüthigen Stådter , welche furchtlos von ihren Zinnen der Verſammlung beleidigter Herren zuſchauten.

laute Kla

gen erhob zumal Herr Wißlav åber den Troß der Stralſun der.

Alle Landesfürſten fühlten die erlittene Schmach. Um

das fühne Selbſtvertrauen der Bürger in den Seeſtådten, ihren Reichthum und ihre Mannhaftigkeit im rechten Lichte aufzufaſſen , müſſen wir wiſſen , daß ſchon der Anblick der prangenden Gemeinweſen ſelbſt Italienern , welche Macht Venedigs und

der lombardiſchen und

an die

toſcaniſchen

Freiſtådte gewohnt waren , eine hohe Vorſtellung einfloßte. Als der raftloſe, fromme Venetianer Marino Sanuto nach dem Falle von Aklon alle drei Welttheile durch jog , um die Möglichkeit der Gewinnung des heiligen Landes zu erſpåhen, kam

er

auch

an die

baltiſche

Küſte

Deutſchlands

und

glaubte in den Bürgern unſerer Stådte Lübeck , Wismar, Roſtock, Stralſund, Greifswald und Stettin, 2 ) die Streit :

' ) Pulkava I. c. p. 261 : Nam cum a rege Dacie militia circum cingeretur ante civitatem Rostok, expensas fecit immensas dona mili tibus largiens plurima, et joculatoribus in tantum quod inde debita magna contraxit. Es war Frohnleichnam ; Oſtern fiel 1311 auf den 11. April ; alſo um die Mitte des Juni. 2) Mar. Sanuti Torselli. Secreta fidel. Crucis ap. Bongars. Gesta Dei II. 1. II . p. IV. c. 18 p. 72 : Sunt autem in Holsatia et Sclavia, ubi personaliter affui, notabiles multae terrae, juxta flumina aut stagna multis pinguibus habitatoribus affluentes. Amburg scilicet , Lubec,

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Seinrid ber Löwe und die Dänen vor Wismar.

Fråfte und den Eifer zu finden , um zu Syriens Angriff und Eroberung weſentlich beizutragen.

In ſeiner merkwürdigen

Denkſchrift, welche er unter dem Papſte Klemens V. begann und Papft Johann XXII. zuſchrieb, ſprach er dieſe Hoffnung aus , hegte aber unter andern das Bedenken , jene frommen Walbrüder möchten in ſo großer Anzahl über die See foif fen und ſo herriſch fich betragen , daß ſie den Venetianern Anlaß zur Eiferſucht böten . Am 7. Juli 1311 ſtand. Heinrich von Meklenburg mit reinen Rittern und bedeutenden Hälfsſchaaren

bereits vor

Wismar , und ſperrten däniſche Schiffe auch die Seeſeite. Aber die Bundesverwandten Städte Roſtock , Stralſund und Greifswald , zeigten ſich machtig , ') und trieben die feinds liche Flotte in die hohe See.

Als Wismar am 15. Decem:

ber 1311 ſich einem erträglichen Frieden mit dem landes herrn bequemte , 2 ) fiel zunächſt der Grimm der verbún: deten Fürſten auf Roſtock , das ihnen ſo ins Angeſicht ge troßt.

Erich und Herr Heinrich von Meklenburg, als Statt:

halter in Stadt und fand Roſtock vom Könige beſtellt, ) verſprach am 6. September zu Naskow auf faland die Ses währleiſtung Wiſlavs , des Herzogs Otto und Wartislavs, ſo wie anderer Fürſten zu beſchaffen, daß er die Stadt und Feſte Roſtock auf Verlangen geben wolle.

des Königs jederzeit zurück :

Zugleich ward, als Roſtock ſich fühn zur Ges

Vismar , Rostoc , Xundis, Guspinal, Sectin : de quibus trahi posset copia multa bonae gentis . Guspinal iſt vom unkundigen Schreiber aus Gripswol verdreht. Dann p. 73 : Ulterius propter magnam devotio nem , grandemque voluntatem transfretandi quam habent, et quia sunt homines ad hoc apti , possent in tanta multitudine transfretare ut in ipsis cupido aliqua insurgeret dominandi , ex quo 'posset scan dalum non modicum suboriri, praecipue cum Veneti velint socios et non dominos obtinere. ? ) Hvitfeld p . 353. 2 ) Lüßow I. S.35 und die dort gegebenen Citate. 3 ) Hvitfeld p. 356.

Die verbündeten Fürſzert vor Roſtođ .

123

genwehr ſtellte , Herzog Otto , ſeinem Dienſtgelobniß gemäß, zur Stellung der ſchuldigen Mannſchaft gemahnt, ' ) und ein Manifeſt befannt gemacht, Roſtocker verkündigte. die Fürſten die Warne.

welches

alle Vergehungen

der

Schon im September 1311 ſperrten Getreu ihrer Einigung hatten aber

die Seeſtadte, ſobald die See offen war, ſchon im März 1312 den offenen Krieg gegen Erich begonnen , und die Stral: ſunder , Greifswalder und Roſtocker , ſelbſt das furz vorher geſühnté Wismar , auf den dåniſchen Käſten gelandet , vers brannten Helſingör, Amag , Sfanoer und das Schloß bei Falſterbode, und ſchonten ſelbſt die Geiſtlichkeit nicht, indem die Greifswalder den Prieſter Johann Stange aus einem Schloſſe Schonens gefangen fortführten, und ihn am 13. No: vember 1312 nur gegen eine Urfehde ſeiner Haft entließen . ? ) In ſteigendem Zorne berief jeßt Erich die Fürſten , welche ihm ſchon zu Ribniß ihre Hülfe zugeſagt; zu Oſtern 1312 hatten zu Zehdenik die Markgrafen Waldemar und Johann ihm gelobt , ' ) am Pfingſttage mit 400 Rittern auf ihre often vor dem Bollwerke von Roſtock (Warnemünde) zu erſcheinen , und um Johannis umſchloß ein måchtiges Heer jene Burg.

Wartislavs Beiſtand warð nicht beſonders er:

? ) Otto erneuerte vor Warnemünde ſein Gelöbniß am 26. Juni 1312 ( feria quarta infra octavam Apostolorum Petri et Pauli) , und - ftritt mit 50 Mann vor Roſtod . Hvitfeld p. 359. Nur gegen Walde mar hatte Otto nicht zu dienen ſich vorbehalten. Die däniſden Ges ſchichtſchreiber ſprechen von ausdrüdlicy anerkannter Lehnsherrſchaft Dä nemarks über Pommern. 2) Dähnert pommerſche Bibliothek IV., 94 : Johannes Stange Sa cerdos Ecclesiae Ootsyö notum facio universis, quod universos et singulos Burgenses de Rostok , Stralsund , Grypswold et Wismar existentes, viros discretos et honestos, pro captiuitate, qua captus fui in Castro Scancki ratione guerrae existentis intra illustrem Regem Daciae et ipsos nobiles Burgenses, dimitto liberos per praesentes peni tus et excusatos. 3 ) Hvitfeld p. 358. Actum in Cedenik A. 1312 Sabbato post Dominicam Invocavit.

Friebe mit Roſtod.

124

wähnt ; er folgte wohl den Markgrafen , ſo wie Otto dem Dånenkönige, obgleich der Stettiner ohne rein Dienſtverhålt niß zu den Markgrafen aufzuheben, da er am 22. Juli 1311 ihm und ſeinen Mannen den Baum im Hafen von Stettin zu öffnen verſprach , ' ) wogegen Waldemar am 30. October 1312 zu lippehne gegen 800 Mark brandenburgiſches Sil ber gelobte , ? ) ihn mit zwanzig geharniſchten Roſſen ( ver deckeden

Orsen )

gegen die Herren von Schwerin , Hers

mann von Dewen und deren Helfer beizubeſtehen.

Ungeach:

tet im Innern Roſtocks böſe Zwietracht herrſchte, als nach Warnemündes Fall die Belagerer vor den Mauern felbft erſchienen , wurden

ſie doch der Stadt nicht

machtig; :)

Konig Erich und die Markgrafen mußten im October ab: des

Markgrafen

Friedrich mit dem Biß nach Thüringen rief.

Roſtock , ſo

ziehen ,

zumal

legtere

die Feindſeligkeit

wacker von den Seeſtådten unterſtüßt, entging der ihm zu gedachten Demüthigung, mußte jedoch in dem Frieden, wel: chen Heinrich am 6. December zu Poldow und am 18. De: cember zu Roſtock vermittelte , ſich zur Zahlung von 14000 Mark Silber an den König und an die Markgrafen vera pflichten, und dem Könige von Dånemark einen neuen Hul digungseid zu Händen des Fürſten von Meklenburg leiſten . Um die Geldzahlung zu ſichern , blieb daniſde und brandens burgiſche Beratung nach Inhalt des gehdenicker Vertrages in den neuen Thürmen vor Warnemünde.

Zwar ward in

dem am 12. März 1313 zu Syóburgh geſchloſſenen den

Frie

) mit Stralſund feiner Summe als Schadloshaltung

? ) Gercken Cod. dipl. I. p. 197. 2 ) Daf. III. p. 86. 3 ) Ernſt von Kirchberg A. 145. 147. 148. Hvitfeld 355 — 362 und bei Lüğow a. a. 0. S. 102 die angeführten Quellen. 4) Sartorius-Lappenberg 11. S. 263 : quod omnes dissensiones et guerrae inter nos fauctoresque nostros ex parte upa , ac consules, cives de stralesund corumque fauctores ex altera habite hactenus

Bedrängniß Wißlavs von Rügen.

125

für den

König erwåhnt , und der Stadt mit ihren Ans

hångern

der Genuß

der

erlangten Rechte im

dåniſchen

Reiche zugeſichert; allein als zu Schönbeck am 19. fe: bruar 1313 die Markgrafen ihr Recht an den noch bes reßten Thurm von Warnemünde an Erich får 5000 Mark verkauften, wies der König den Bundeshelfer auf 500 Mark an, welche die Stralſunder am 24. Juni zu entrichten håtten, ſo wie Greifswald , am 25. Januar 1313 mit dem Könige verſöhnt, fich zu einer Zahlung von 3000 Mark verpflichtete . ') Hatte der ſtolze Dåne die Genugthuung , daß , wenn auch nicht mit Waffen überwåltigt, wie Lombardiens Stådte durch den ſiegenden König Heinrich , doch vertragsmåßig die See: ſtådte und ihre Fürſten ihm ſich beugten ; ſo war Wißlav von Rügen im ſchimpflichſten Gedrånge geblieben.

Für eine

Hülfe, welche ihm keine Förderung gebracht, mußte er 2) am 25. März 1313 dem Waldemar 2000 Mark Silber , welche die Markgrafen ihm „ wegen ſeiner Bürger “ entrichtet, zah : len und vierzehn Tage darauf , den 8. April , zu Stralſund dem anderen Helfer , Heinrich von Meklenburg , im Namen feines Oberherrn Erich ſich für 1000 Mark brandenburgiſch ſchuldig erklären, 3) welche , ſeine Bürger zu Stralſund" zu entrichten verbunden waren , von welcher Summe er aber 2000 Mark ſlaviſcher Pfennige von ihnen erhoben

hatte.

Wiglav war deshalb gehalten, ſobald der Vergleich zwiſchen den Bürgern und dem Dånenkönige und deſſen Helfern durch lettere beide gebrochen würde, den Bürgern das empfans

atque mote omnimodo sunt sedate ; integra pacis securitate inter nos, regnum nostrum fauctoresque nostros ac predictos consules et ciues in regno nostro uti debeant libere et gaudere libertatibus et juribus omnibus, eis concessis per progenitorum nostrorum , regum dacie, ac nostras litteras et indultis. ' ) Hvitfeld P. 364. 2 ) Dreger VI. d. d. nr. 1313 d. Tribsees feria III. post Laetare. • ) Sartorius-Lappenberg II. S. 264 : dat. Sundis a. d. 1313 in die palmarum .

126

Wartislavs Begünſtigung der Städte.

gene Geld am Johannistage zurückzuzahlen. Verpflichtungen fo verſchiedener Art , der ungebrochene Iroß der Straljuns der , ein angeknüpftes Verhältniß derſelben mit dem Mark : grafen Waldemar, welcher fedt den Schutz Fremder åber nahm, wo etwas zu gewinnen ſtand, weifſagten dem für: ſten

neue Verwickelung ;

feiner geringen Hausmacht' war

Stralſund überlegen, obgleich er durch Zufage Heinrichs von Meklenburg i. J. 1313 an Magnus , Birgers Sohn , von Schweden einen königlichen Schwiegerſohn erhalten hatte. ' ) In beſſerein Vernehmen , zu Recht bereit , beharrte Wartis lav mit feinen Städten und Vafallen ; zumal mit Anklam , wo

er gern weilte.

Zwar bezeichnet Nachgiebigkeit und

Entåußerung fürſtlichen Rechtes auch fein Verhältniß zu den Stádten ; aber Treumeinen und gefeßlicher Sinn verbannten den Mißbrauch, und Dankverpflichtung für empfangene Wohls thaten von Seiten der Bürger ficherte einſt den Kindern des Fürſten ihr Erbe.

Wie auch Pommerns ſtórrige Ritterſchaft

fich dem Gefeß bequemen ſollte, lehrt die Urkunde, von War tislav

ausgeſtellt in Wolgaſt í . I. 1312. )

Nächſt

der

freien Schiffahrt bis zur See und dem freien Fiſchfang aller Art auf dem friſchen Haf , verkauft für 100 Mark feines Silber der Landesherr der Stadt

Tanglim (Unklam) die

Befugniß , jeden Ritter , Knappen oder Bauern feines Ge bietes , welcher einem Bürger fuldig fei, nad vorgängiger Mahnung

durch

den

Bürgermeiſter ,

innerhalb

vierzehn

Tage zu zahlen , im Falle der Weigerung mit gewaffneter Hand zu verhaften, und ſo lange in der Stadt gefangen zu

' ) Seine Codyter hieß Euphemia , wie ihre Baters Schweſter. Hvitfeld P: 370 : Die Zuſage ward zu Helſingoer beſiegelt. Wißlav verpflichtete ſich zu einer Mitgift von 3000 Mark fundiſd , wofür er und 30 Ritter mit Einlager zu Tribſees hafteten. 2 ) Stavenhagen Gefch. von Anklam S. 345. Urk. nr. 32. datum Wollgast a. 1312. Dominica qua cantatur Omnis terra adoret te ( zweiter Sonntag nach Epiphanias) .

Otto gegen die Sdwerine und die Detert. halten , bis der Schuldige gezahlt habe. ' )

127

„ Jeden Voigt

oder herzoglichen Beamten , welcher dieſe Freiheit verlege, Fonne die Stadt als Råuber verurtheilen ." So zuverſichts lich durfte Wartislav uin diefelbe , als Otto , fein Dheim, zur Bezwingung der Schwerine und Dewen mårfiſcher Hülfe bedurfte , aber

ſeinen Adel verfügen . - Inzwiſchen

war Kaiſer Heinrich VII . im fernen Welſchland eines dunklen Lodes geſtorben ( 24. Auguſt 1313 ), und der Fluch

einer

zwieſpåltigen Königswahi lag bald wieder über Deuſchland. Da auch die Bande der Ordnung fich lockerten , welche der Verſtorbene ſchroffer am Rhein, am Main und an der Dos nau geſpannt; mußten um ſo mehr die heilloſen Zerwürf: niſſe im deutſchen Norden ſich ſteigern, wo die Reichsvers faſſung ſeit Rudolfs Tode ihre Wirkung verloren . Um den Beſit der deutſchen Krone haderten zwei mächtige Parteien ; die Oſterreichiſche, an deren Spige Friedrich mit dem Beis namen der Schöne, der Sohn Königs Albrechts, ſtand, wel dem Pfalzgraf Rudolf und Rudolf von Sachſen -Wittenberg fich zugeſellten ; und die lüßelburgiſde, deren Häupter der junge König von Böhmen , Johann , und ſein Dheim , der Erzbiſchof Balduin von Trier , waren , denen Peter ,

Erz

biſchof von Mainz , des Hauſes alter Diener , fich anſchloß. Markgraf Waldemar , die Erhöhung feines eigenen Hauſes

' ) Daſ. 4. a. D. Tertio vendidimus ipsis hanc libertatem quod si aliquis miles, armiger aut Villanus noster alicui Civi obligatus in pecunia nolens sibi persolvere, Consules per nuncios monendo mili tem , armigerum aut villanum ut ipsorum Civi pecuniam suam per quindenam persolvat questione tamen ante ipsos prius probata cum eorum adjutorio et potestate Militem , armigerum , Villanum impigno rari faciant, capi vel in Civitatem Tanglim perduci, ac tam diu in cippari quousque ipsorum Civi sua debita integre persolvat. Quas libertates si quis advocatorum officialium nostrorum ac alter quicun que infringat, Consules ipsas infringentem tanquam latronem iudica bunt . In der Unterſchrift als Zeugen Henningh Bere Marſdall, Ar nold Bugenhagen Ritter und mehre Edelleute.

Bündniß gegen Stralſund 2. Januar 1314.

128

im Auge, ſchien mit dem Herzoge von Sachſen - Lauenburg die Wahl feines Dheims, des Markgrafen Heinrich von lands: berg, zu beabſichtigen. Als auf der vorlåufigen Berathſchla gung zu Renſe im Mai 1314 die Zwieſpåltigen ſich nicht einigen konnten , ward ein Wahltag auf den 19. October nach Frankfurt ausgeſchrieben , und wie die Stadt Franks furt beiden die Thore ſperrte , von der öſterreichiſchen Pars tei zu Sachſenhauſen Herzog Friedrich , von der lůßelbur: giſchen Herzog Ludwig von Baiern am 20. October zum Sdnige gewählt. So entſpann ſich ein trauriger, innerer Krieg, deſſen Entſcheidung erſt nach ſieben Jahren in die Verhålt: niſſe unſerer Lånder eingriff, die inzwiſchen die Beute furcht: barer, kaum zu entwirrender Fehden waren . Das Beiſpiel der toskaniſchen Stådte , wie Florenz, welches dem gekrönten Kaiſer Heinrich ſich nicht gebeugt, ſo wie die ſelbſtåndige

Haltung oberdeutſcher Gemeinweſen

gegen die fåmpfenden römiſchen Könige , blieb dem Macht: wußtſein der Seeſtådte in Verhältniß zu ihren Landesheren ein Vorbild ,

und namentlich war es Stralſund , welches,

můde der Neckereien , der Herrſchaft

ſeines

ohnmächtigen

Fürſten ſich zu entziehen ſtrebte. Schon am 2. Januar 1314 verband ' ) fich deshalb Wißlav zu Gråvesmühlen mit Her: zog Erich von Sachſen-Lauenburg, Heinrich dem Löwen von Meklenburg , den Grafen von Schwerin und Holſtein und den

Herrn

von

Werle zu einem Freundſchaftsbündniß, ? )

deſſen Theilnahme den Herzogen Wartislav und Otto offen

' ) Rubloff I, S. 216 aus der ungebrudten Originalurkunde bei Chemnik . % ) Hvitfeld p. 371. Ernſt von Kirchberg A. 154. Sich hub groszir Kryg dy stunt , Czüschen der Stad zu Stralessunt , Und irme herren Wysla, Dem Fursten von Rügyen da, Der sante Boden beltlich, An den König Erich, Von Saszin Herczoge Erich wart, Besant ouch zu derselbin vart, Und von Mekilnborg Hinrich, Gebeden worden vlehe lich , Daz sy im geben helfe rad , Wider den Stralessunt siner stat, Ob her synre eygenen stat vordan , Mit mechten mochte wider stan .

Einigung der Markgrafen und Eride zu Brubersdorf. gelaſſen wurde ;

129

in allen Streitigkeiten ſollte Wißlav und

Heinrich von Meklenburg entſcheiden ; der König Erich ward als Obmann beſtellt. Das nåchſte Ziel dieſer Einigung tar die Bezwingung Stralſunds , zu welcher der Dånenkönig auf Anruf ſeines Vafallen willig Hülfe bot.

Aber die Bür:

ger, geſtüßt auf ihr früheres Verhåltniß , bewarben ſich um den Beiſtand der Markgrafen Waldemar und Johann, boten Geld , und befeſtigten ihre Stadt mit drei neuen Hollwerfen . Waldemar freudig, die Vertheidigung des flaviſchen Nordens zu übernehmen, mahnte den Herzog Wartislav zu den Wafs fen, welcher beſonnen die Partei der Markgrafen ergriff, da er ſeines Geſchlechtes uralte Anſprüche auf das růganiſche Feſtland durch des erbloſen Wiglav geſteigerte Lehnsverpflich : tung an die dåniſche Arone gefährdet rah .

in kurzem war

Rügen verwüſtet, der Flotte Erichs ungeachtet, und die Stadt Poig erobert. Aber noch legten ſich die erbitterten Gemüther zum Ziele, zumal Erich fürchtete, daß durch den Krieg mit den anmaßungsvollen

Mårkern

wendiſchen Oberherrſchaft

das

fünſtliche

Gebåude ſeiner

erſchüttert werden

würde ;

die

Streitenden hielten zu Brudersdorf bei Gnojen eine Tages fahrt , die Markgrafen , deren Aufmerkſamkeit durch die Kos nigswahl und durch ihre Händel mit Friedrich von Meiſſen noch getheilt war , ließen ihre Schüßlinge fallen , und am 14. juni 1314 einigten ſich Markgraf Waldemar und

Jo

hann mit König Erich und deren Helfer, die Stadt Stralſund zur Huldigung an Wiglav innerhalb

acht Tage und zur

Ueberlieferung ihrer mårkiſchen Schußbriefe anzuweiſen. Gleich . wohl mußte Stralſund den Markgrafen die bedungene Summe zahlen, die Bollwerke an ihren Mauern und die neuangelegte Burg auf Rügen ſchleifen ; die vertriebene Partei ihrer Bür ger, welche es mit dem Fürſten gehalten, wieder aufnehmen. Ueber alle obſchwebenden Streithandel zwiſchen Herren und Vaſallen, wie zwiſchen den Markgrafen und den Alvensleben und den Arschern , ſollten von Seiten der Markgrafen der 9 Barthold Geſc ). v . Pomm . III,

130

Bund Heinrids des Löpen und Waldemars zu Templin.

Bifchof von Kamin, Otto und Wartislav ; von Seiten Erics Heinrich von Meklenburg und Klaus von Schwerin auf einem Tage zu Neubrandenburg entſcheiden , und zur Aufrechthal: tung des Urtheils ſich die Markgrafen mit 50 Rittern zu einem Einlager nach Prenzlau, der König nach Magdeburg, die wendiſden Herren nach Sternberg , verpflichten .

Auch

als Bürgen für dreijährige Friedhaltung Witlavs gegen Stral ſund feßte Erich die Herzoge Otto und Wartislav , welche demnach noch in einer vermittelnden Stellung beharrten . Die ungåhligen , ſich widerſprechenden Bündniſſe und Verträge , welche von den Fürſten geſchloſſen wurden , um ſie gleich darauf zu brechen , lehren uns den frühen Brauch einer rønfevollen Diplomatie , und trüben måchtig das Bild der Ritterlichkeit, indem wir unſere gefeierten Turnierhelden eine unverhältnißmåßige Zeit auf trügeriſche Berathungen, { agefahrten , Ausfertigung und Beſiegelung von Urkunden und Zeugenunterſchriften verwenden ſehen.

Jene Herren , die

gleich darauf in grimmiger Fehde gegen einander ſtehen , Heinrich der Löwe und Waldemar , verbanden ſich noch am 11. Auguſt 1314 zu Templin , ' ) ſich wechſelſeitig gegen jeder: mann , mit Ausnahme des Dánenkönigs, zu, unterſtüßen und Waldemar belehnte den Meklenburger ſogar mit einer jähr: lichen Hebung aus der Marf, gewiß in Bezug auf den Lehns: beſit von Stargard. Der Uebereinkunft gemäß, doch erſt im folgenden Jahre in den Faſten , huldigte Stralſund dem lan desheren und empfing ? ) gegen Erlegung von 6000 Mark

' ) Chemnitz bei Rudloff I. S. 217 . 2) Dähnerts Landesurkunden II. S. 6. Nr. 3, plattdeutſch, gegeven thom Stralsunde 1314 Vriedages nha aller Mannen Vasten. Das Stadt Weid bild ward genau beſdrieben , ſo wie das Seegebiet. Wichtig iſt die Beſtimmung, S. 7. Vortmehr der Vramen,und der Makes willen Unser Stadt thom Stralsunde gewen . Wy , und sünderliken günnen en deſs, dat se mögen und schöllen erer Beschuldenen Ordele vören und halen to Lübeke.

Stralſund huldigt:

Beſitz Waldemars in Loit aufgegeben. 131

wendiſcher Pfennige und die Zurückgabe des vorher für 500 Mart veckauften Zolles die Zuſicherung der Gerechtig feit , mit welcher die Stadt Roſtock von Alters her bewidmet fei, die Beſtätigung des Eigenthums mit Beſtimmung der Grenzen zu fande und zu Waſſer, aller ihrer Freiheiten , beſonders des ficheren Geleites. Endlich wurde die Berufung von dem Erkenntniß des Rathes nach Lübeck freigegeben ; eine Machtvollkommenheit jenes Gerichtshofes, welche er ſchon im Jahre 1295 ſelbſt in Streitigkeiten der Kaufleute im fernen Nowgorod geſeßlich geübt hatte . ') Gegen ſolche Verleihung verſicherten Rath und Alterleute , allen früheren Privilegien zu entſagen und keine neuen fordern zu wollen .

Gleichzeitig

hatten die Händel Wiglavs mit Stralſund auch Demmin , Anklam und Greifswald ſo aufmerkſam geinacht, daß ihnen Barnim , der herangewachſene Sohn Ottos von Stettin, um Mariae Verfündigung 1314 verſprechen mußte, außer ſeiner Stadt Farmen , welche Otto vom Biſchofe von Kamin ge fauft, feine neue Feſte am Laufe der Pene anlegen zu wollen . ? ) Nach

dem Rechte

der Eroberung

oder weil foiß in

früherer Zeit zu Pommern und alſo unter die markirde Lehnsherrlichkeit gehört hatte ,

beſaß Markgraf Waldemar

Anſprüche auf Eigenthum und Sehn in dem Låndden . Dies ? . fes Anrecht gab" er in ſeiner Sühne und in feinem Freunds ſchaftsbändniß mit Wißlad „gegen jedermann , den König Erich und Markgraf Johann ausgenommen , " um den 6. Des cember 1314 zu Templin får 2000 Marf auf, gelobte dem Fürſten ihn gegen Anſprüche ſeines Múndels ſicher zu ſtellen, oder im Falle er felbft das Gebiet von loig im Intereſſe der

' ) Sartorius - Lappenberg II. S. 184 . 2 ) Urkunde bei Stolle Gefd . von Denimin S. 351 Nr. 57 platte deutſch); di tho Stolpe ( im Kloſter) des Donnerdags vor unser Fruwen Dage Annunciationis 1314. Die Urkunde iſt jedod wegen der Fabrdo zahl und des Titels Herzog von Stettin, der Pommern , Wenden und Sdlawen, und weil Otto nicht erwähnt wirb, werdächtig. 9*

132

Neue Febbe Wißlaus gegen Stralſund.

jungen Markgrafen ſich aneignen müſſe, die Summe zucůcks zuerſtatten. ? ) Inzwiſchen mußten aber wieder Håndel zwi fchen Wiglav und Stralſund vorgefallen ſein ; denn Waldes mar erklårt, daß er auf drei Jahre vom nåchſten Michaelis ab die Vertheidigung der Rechte der Bürger übernehme, ? ) dann aber der Stadt fich nimmer unterwinden wolle, falls nicht Wiglav ſein Feind würde. 3 )

Um ſich auch får loit

durch dåniſchen Schuß ficher zu ſtellen, nahm Wißlav unter den Wiççen des folgenden Jahres auch dieſe Herrſchaft von Erich als Fahnlehn , und gab Marlow , Sülz und Gnojen , welche er als Pfand befaß, heraus . Aber alle Vortheile , welche Dånemark forittweiſe auf ſlaviſchem Boden eşlangt , gingen in kurzem der Krone verloren , als Stralſund , vertrauend auf den måchtigen Schug. herrn, dem Landesfürſten , welcher nur auf Demůthigung der Bürger dachte, zu trogen fortfuhr, ferner die angelobten Bedingungen von beiden Seiten nicht erfüllt wurden , und Erich , dem Sdeine nach nur den Friedbrecher und unbes rufenen Schußherrn der Stadter zu ftrafen , in Wirklichkeit aber um den legten ſelbſtändigen Fürſten zwiſchen Weichſel und Weſer, zwiſchen Oſtfee, dem

Böhmerwald und

Thürin

gen durch das Aufgebot aller ſeiner gefügigen Vafallen zu überwältigen , ſich einmiſchte.

So lange der Markgraf mit

Heinrich dem köwen noch in leidlichem

Verhältniſſe ſtand,

mußte die däniſche Herrſoſucht vorſichtiger zu Werke gehen ; als aber im Herbſte 1314 nach dem Tode der Beatrig , der

? ) Raumer I. 6. 29. Urkunde plattdeuſd). Geſchehen zu Templin 1314, Montags nad St. Nicolai. 2) Einen zweiten beſonderen Vergleidh wegen Stralſunds ſcheint Hvitfeld p . 377 vor Augen gehabt zu haben . 3 ) Raumer 4.a. D. Die vorme Şunde schole wy vordeghdinghen eres Rechtes van Sunte Michils dage de nu neghest kumpt, vort ouer dre jar , vnd dar na en schole wy nymmer vns vnderwinden der Stad , edder andirs yengher siner Slote edder siner Mann de wile dat he unse vient nicht en werd.

Glieberung ber Parteien in den Flaviſchen Lanben.

133

Dochter Markgraf Albrechts , ' ) und nach dem Verlobniß des Wittwers mit der Schweſter Herzog Rudolfs von Sadfen Wittenberg ? ) die verwandtſchaftliche Rückſicht dwand und der Beſitz des Landes Stargard zu Händen des Meklenburgers dem brandenburgiſchen Helden fühlbar wurde ; ſehen wir alle Fürſten und Städte, den Adel der geſammten flaviſchen Lande bis nach Thüringen hinauf in zwei Parteien geſpalten , in eine mår Fiſch deutſche und in eine dånifosflaviſche. Den unſchuldigen Anlaß zu der verzehrenden Kriegsflamme, obenein in einem beiſpielloſen Hungerjahre , ' ) mußte Stral ſund leihen ; die genaue Zeitfolge der Begebenheiten können wir jedoch nicht beſtimmen , ob die Verbindung des Fürſten Wißlav mit den Herren von Werle , Niklas und Johann, Palmſonntag 1315, ihm beizuſtehen , bis er Stralſund in ſeine Gewalt gebracht habe , 4 ) die Thåtlichkeit der Bürger her : vorrief , oder ob die Bürger, in ihrer Bedrohtheit des Mark: grafen Schuß um Geld erkaufend, und von ihm , ſo wie von Herzog Wartislav unterſtüßt, den Anfang machten , und die Stådte Tribfees, Grimmen , loig , ' ) ſo wie das fefte land Rügen eroberten .

Otto und Wartislav hielten treulich auf

der mårkiſchen Seite, ſo wie der Biſchof Heinrich von Kamin ; der erſtere in Hoffnung, das vor mehr als dreißig Jahren an die Herren von Werle verpfändete Land Stavenhagen wieder zu bekommen ; Wartislav, um Rügen nicht als Kron gut

unwiderbringlich

an

Dänemark fallen

zu ſehen ;

der

' ) Hvitfeld p: 372. Ürk. zu Ribniß unter dem 23. April 1315. 2 ) Pulkava p. 261. Insuper cum Domino Henrico Magnopolensi et Rudolpho Duce Saxonie , cujus sororem idem Henricus duxerat uxorem, plurimas fovit gwerras (Waldemarus). 3 ) Die alten Chroniken befeſtigen das Hungerjahr, das auds in Dä nemark fühlbar war , im Gedächtniß durch das Wort Cucullum , deſſen Buchſtaben die Jahreszahl von 1315 geben. 4 ) Dreger VI. §. I. 1315. 5 ) Hvitfeld p. 378. Ernſt von Kirchberg R. 154 zieht die Febbe von 1314 mit der von 1315 und 1316 zuſammen.

134

Unterſtüßung Wißlave burd König Erid .

Biſchof durch die Verſprechungen der Markgrafen gelockt. Wir werden ſehen , daß allen dreien unerwartete Genug thuung zu Theil wurde. König Erich ſpielte anfangs die Rolle des Gemäßigten , biß ſeine viel verzweigten Bündniſfe und Rüſtungen beendet waren ; vom Vaſallen Witzlar zum Schuße aufgemahnt, ſandte er reinen Boten Johann Dluffſen an Waldemar und ließ ihn an die Einigung von Bruders : dorf erinnern.

Aber mit Erichs Billigung hatte ſchon Heins rich von Meklenburg fich des Streites um Stralſund unter:

wunden ; woraus Waldemar Gelegenheit nahm, denſelben als Oberlehnsherr feines lehns Stargard verluſtig zu erklås Flåren , ' ) und die Grenze deſſelben mit Heeresmacht überzog. Gegen die Unſchuldigung des Friedbruches durch Erich , wel: cher i. J. 1315 in Perſon nach dem deutſchen Slavenlande kam, ? ) verantwortete ſich Waldemar, „ daß er nur vertrags må fig die Stadt Stralſund in ihrem Rechte befchirme;" die Tagefahrten ,

welche unter Vermittelung des Herzogs

Wartislav zu Brudersdorf am 2. Juni anberaumt waren, gerſchlugen fich ; und beide Parteien warben in einer Aus dehnung , welche eine ſehr permittelte Politie bezeugt , um Helfer .

Durch unkluges , ſchonungsloſes Benehmen hatte Wiklav die Liebe auch ſeines landadels eingebüßt , welcher ſich auf die märkiſche Seite wandte ; beſchränkt auf den eigennůßigen Beiſtand Fremder, gab Wiglav alten Familien beſig in Dänemark oder Pfandgüter auf , um des Kó: nigs machtvolle Hülfe zu erwirken , 3 ) vertraute auf den Eidam Birger 11. , König von Schweden , und auf den

' ) Ernſt von Kirchberg. K. 155. Suhm I. c. XI, P. 748 ff. 2 ) Contin. Chronic. Danor. ap. Langebek VI. p. 520 ad a. 1315. Rex Slaviam intravit cum Marchione et Parlamentum tenuit. · Hen ricum Megapolitanum exercuit, in quo Megapolensis tam pro Rege quam semetipso Capitancus fuit, et plura bello in terra Alemanno rum contra Marchionem Regis strenue sumtibus gessit. Vgl. IV . S. 283. 3 ) Hvitfeld p 379.

Großer Bund gegen die Markgrafen.

135

König von Norwegen , fand aber auch Fehdegenoſſen unter dem unzufriedenen mårfiſchen Adel , zumal bei den Alvens: leben und Krachern und bei dem Geſchlechte der Schwerine auf Spantekow ; ſelbſt die Grafen von Güßkow traten von ihrem Landesherrn zu ihm über. Geſchickt wußte Erich durch Gnadenverſicherungen die anderen

Seeſtådte, ſelbſt Greifs:

wald, in ſeinem Intereſſe zu erhalten, und von allen Seiten alle Gegner der langgefürchteten Markgrafen zu einer übers wåltigenden Liga zu vereinigen . Am 27. Mai 1315 verſchrieb fich ihm zu Viſe Otto von Anhalt zu Dienſten, ' ) und bes fannte ſich als ſein Vafal mit ſeinen Schlaffern, bis in den Harz hinauf ; im Südweſten war Waldemars Gebiet beſon: ders gefährdet durch die Feindſchaft mit

dem ftreitbaren

Markgrafen Friedrich von Meiffen. Der Dånenfonig erſchöpfte fein fand mit ſchwerer Steuer , um große Summen zum Kaufe von Dienſtmannen zu verwenden .

Zu Wisinar bers

pflichtete ſich ihm der Graf von Holſtein ; aus Haß gegen den astaniſchen Stamm , oder aus Geldgier vergaßen des guelfiſchen Löwen Urenkel , die Herzoge von Lüneburg , den Kuhm ihres Geſchlechtes , und gaben ſich um 1000 Mare als Söldner des Dånen her, um gegen den Markgrafen zu kriegen. a )

Sa die Herzoge von Sachſen - Lauenburg , zumal

Erich , ließen die geſchichtlich überkommene Bedeutung ihres Hauſes, das deutſche Slavenland zu ſchüßen , ges dankenlos fahren, und wurden Werkzeuge der Unterdrückung ihrer Marken .

Die Grafen von Schwerin gedachten nicht

der Unbilden, welche vor nicht 100 Jahren ein übermäthiger Eſtride ihrem Ahnherrn zugefügt; fie hingen ſich an den Aber die fühnſte Zuſammenſtellung der damaligen

Enkel.

Politik war ein Bündniß , die Horden Polens und Reuſſens dem Markgrafen an der Oder und Warte auf den Hals zu heten . Herzog Wladislav lokietek hatte ohnmächtig zuſchauen - ) Hvitfeld P. 380.

2 ) Daſ. p. 382.

136

Bund Wladislav Lolieteks gegen Waldemar.

müſſen , wie Waldemar das Anrecht der Piaſten auf Poms mern an den Drden verhandelte und Pommerellen auf Po lens Roſten ſich immermehr abrundete , ungeachtet der blus tigen Fehden, welche die Ritter auf der Seite von Litthauen beſchäftigten .

Dem Polen ſchien die Zeit gekommen zu ſein ,

ſolche Schmach zu råchen ; deshalb fandte er im Frühjahr 1315 ſeinen Kapellan Stanislaus zum Könige von Dänemark und zu den vereinigten ſlaviſchen Herren, und ſchloß am 27. Juni zu Krakau als Dux regni Poloniae und Erbe von Poms mern " ) mit ſeinen geliebten Herren und Freunden, den Ko nigen Dånemarks, Schwedens und Norwegens, den Fürſten von Rügen , Stavien und Meklenburg und ihren Helfern, ein Schuß- und Trußbündniß gegen jedermann , beſonders gegen die Markgrafen von Brandenburg ; er gelobte nicht allein , ſobald ſeine Hülfe zur rechten Zeit aufgemahnt würde, mit aller Macht jenen beizuſpringen , * ) ſondern verpflichtete fich auch dazu für ſeinen Verwandten, den König von Ungarn, für alle piaftiſchen Fürſten in Polen und Oberſchleſien und für ſeine Neffen , die Färſten von Rußland.

Was dieſe

pråchtigen Verheißungen gefruchtet, hat die Geſchichte nicht aufbewahrt ; 3 ) doch mag der Pole einen verheerenden Krieg an der Pommerſchen und uckermårkiſchen Grenze begonnen haben, freilich ohne Erfolg, indem die Neumark jenſeits der Warte

auf Meſeriß zu

ſich ausbreitete und den Grenzen

Pommerns und Pommerellens fein Eintrag geſchah.

” ) Hvitfeld p. 381 . 2 ) Daſ. promittimus etiam bona fide excellentissimo Rege Un gariae affine nostro charissimo et pro omnibus nostris filiolis Dei gratia Principibus, Cuyaviae, Masoviae, Osuantiniae, Bythoniae et Ra ziboriae, pro nostrisque Nepotibus Russiae Principibus , quod prae habitam ordinationem initam nobiscum tenebunt et inviolabiliter ob servabunt. Den Fürſten Osuantiniae kennen wir nicht. 3 ) Pulkava P. 266 wiederholt kurz die Angabe vom Tode Waldes mars : Insuper trans Oderam contra Polonos procedens humiliavit eosdem.

Waldemars Einfall in bas lanb Stargarb.

137

So ſehen wir den Markgrafen Waldemar, deffen junger Neffe Johann, eben voigtbar, reines Stammes Art nicht ver låugnete , wie ſpåter König Friedrich II . , von einer furchts baren liga aller Könige des Nordens , Dånemarks , Schwes dens , Norwegens , von den Piaften , den ſlaviſchen Fürſten , fogar von den fernen Ruſſen bedroht; dazu die große Zahl ſeiner Gegner auf der deutſchen Seite, welche ſich im Kriege noch anſehnlich vermehrte. Er hat nur die treuen , aber ſchwachen Pommern , den Biſchof von Kamin und die eine Seeſtadt Stralſund als Bundesgenoſſen , welche , um ihre Freiheit zu behaupten , entlegen vom Schußherren , hinter ihren Mauern und mit ihren Schiffen dem nordiſchen Könige trogte, gleichzeitig, als die Kraft der habsburgiſchen Ritter Ichaft unter Leopold bei Morgarten durch die Hirten von Schwyt gebrochen wurde (15. November 1315).

Das Jahr

verging, ehe dieſes unförmliche Bündniß in Bewegung fam, und nur Land Stargard empfand die Geißel des Krieges. Denn Waldemar , dem unbereiten Gegner , wie ſpåter Frie: drich II., zuvorkommend, fiel mit 7000 Bewaffneten , ') in das durch Burgen und ſchöne Stådte wohl geſchicmte land ; eroberte Fürſtenhagen, verſchwendete aber feine Kraft an der feſten Stadt Woldegf, welche durch meklenburgiſche Hauptleute ſo tapfer und finnreich vertheidigt wurde, daß Waldemar nach ſieben Wochen die Bezwingung derſelben aufgab , nachdem er in den Brüchen der Gegend und durch Mangel an Futte: rung gegen 2000 Pferde eingebüßt. 2 ) Eben ſo wenig glückte es ihm an Neubrandenburg, deſſen Mauerthürme, hohe Wålle, tiefe Gråben und hohe ſchon bewehrte Thore noch jegt eine

' ) Ernſt von Kirchberg A. 154 . 2 ) Pulkava p .291. Idem Woldemarus exercitus multitudine con gregata Stargardensem terram ingressus potenter devastavit cam in cendiis et rapinis, Civitaculam parvam Woldeke nominatam obsidens, longamque moram trahens ibidem in equis et alia multa dampna suscepit labore suo frustratus.

138

Johann von Werle auf Seiten Waldemars.

Feſtigkeit bezeugen , die wahrſcheinlich weiland Albrecht von Brandenburg, hatte.

zum Schaden ſeines Neffen , ihm verliehen

Drinnen lag Herr Heinrich von Meklenburg ſelbſt,

mit ſeinem Schwager , dem Herzoge Rudolf von Sachſen , und vereitelte den Angriff, ſo wie Stargard felbft, vortreff: lich in hoher Gegend , welche durch Schluchten zerriffen iſt, und durch einen machtigen Thurm noch jeßt die landſchaft an der Tollenſe ſchmückend, die Belagerer mit Verluſt abwies . Stralſund dagegen , befest durch die Mannen Wartislavs und durch Mårker , wehrte ſich gegen die Meklenburger , gegen Wißlav und die nächſtgeſeffenen Fürſten; die Klugheit der mindern Macht verſtand die Gegner zu trennen und neue Vortheile zu gewinnen.

Unter gegenſeitiger Vecheerung der

Grenzen gelang es dem Markgrafen, den Herrn von Wecle, Johann får ſich gegen ſeinen Bruder Niklas in Harniſch zu bringen . Bei Kummerow am See, der Grenze Stavenhagens nahe, ward Niklas zur Flucht gezwungen ; ' ) aber ihm eilten die Grafen von Schwerin und Holſtein , nebſt dem meflens burgiſchen Hauptmann zu Hülfe; bei Mollen fiegte wiederum der Bundesgenoß des Markgrafen und fing den Grafen von Schwerin ; als er jedoch das fliehende Heer unbeſonnen vers folgte, fiel er auf die Schaaren der Mekelnburger, welche ihn bei lupelow niederwarfen und mit vielen Mannen und Bür: gern nach Stargard und von da in den Thurm nach Stern : berg fchleppten.

Waldemar fümmerte ſich nicht um den Uns

falt des werler Herren, benußte dagegen die Verwaiſtheit der Grafſchaft Schwerin , und fah um dieſelbe Zeit dem Haupte der Gegner ſchwere Sorge in deffen eigenem lande bereitet. Erichs unruhiger Bruder, Chriſtoph von Halland und Samſoe, begab ſich nåmlich nach Wolgaſt und gelobte am 25. Octo : ber 1315 feinem ,,theuren Bruder“, Herzog Wartislav und der fen Kindern, wenn ihm Gott folche verliehe, treu gegen jeder:

Ernſt von Kirchberg A. 156.

Herzog Chriſtoph gegen ſeinen Bruder Erics.

139

mann, mit Ausnahme des Königs Erich , beizuſtehen. " ). Noch wichtiger für die Zukunft Pommerns war , daß Chriſtoph , der einzige Bruder des unbeechten Königs, ihm verſprach, ? ) wfalls Wiglav von Rügen ohne einen Sohn ſtürbe und ihm felbſt nach Erichs Tode die Krone Danemarks zufiele, wolle er dem Herzoge und feinen Kindern alle Länder des Fürſten von Rügen als Lehn gegen Vafalleneid übertragen . So winkte dem Hauſe Wartislavs für die Zukunft ein verheiß licher Lohn , und die Laſt des Krieges ward erleichtert, indem bald darauf Chriſtoph mit friedloſen Edelleuten das Land rei nes Brudes beunruhigte,

mit

der

beſteuerten Geiſtlichkeit

meuterte, und den Stralſundern perſönlich Hülfe leiſtete. Hinderliche Vorgånge der Art nothigten den König und feine Bundesgenoſſen mit Anfang des Jahres 1316 auf Ver: ſtårkung zu finnen und den Krieg machtvoller fortzuregen. Schon in der Faſtenzeit kamen Erich , Wiglav, Heinrich von Meklenburg, nachdem ſie ſich der Deffnung von zehn mårfis ſchen Adelshäuſern, der Alvensleben, Wartensleben, Krocher und anderer mårkiſchen Vafallen verſichert, ſogar des fernen Fåterbocks , * ) mit Burkard , genannt tappe, Erzbiſchof von Magdeburg , zuſammen , und fanden den geiſtlichen Herrn , welcher wegen der Lauſit mit den Markgrafen haderte , bereit, gegen 3000 Mark mit 300 Rittern und ſeinen Schloſſern

' ) Urkunde bei Suhm XI. p. 922 d. Wolgast a . 1315, 25. October. 2 ) Daf. Insuper promittimus quod si dominum Wizscolavum principem Ruyanorum absque filio, herede legittimo, mori contingat, et pos post mortem fratris nostri domini regis Dacie memorati , co ronam regni Dacie adepti fuerimus, debeamus et tenemur dicto do mino Warizsclavo fratri nostro et suis filiis , si quos habuerit legit timos , concedere et dimittere perpetuo jure feodali omnes terras memorati, principis Ruyanorum , ipseque Dominus Warizsclavus tenea tur et debeat nobis et nostris filiis de eisdem terris sibi taliter a no bis concessis homagium facere et corone regni Dacie servire fideliter et devote.

3 ) Hvitfeld p. 386 .

140

Erneuetes Bündniß gegen Walbemar.

ihnen gegen die Markgrafen und deren Anhang zu dienen. Nur Friedrich von Meiſſen und Herzog Rudolf von Sachſen und die Suelfen , die obenein zur Partei gehörten , wurden von dem neuen Bundesgenoſſen ausgenommen, der gleichwohl, weil auch ihm das Geſchlecht der Alvensleben feind war, die Thåtlichkeiten gegen Waldemar ſpåter unterließ. Unter der Vermittelung derſelben Fürſten ward um Mitfaſten der Streit zwiſchen den Brüdern von Werle beigelegt , indem Johann ſeinen Gefangenen , den Grafen von Schwerin , herausgab und, vernachläſſigt von Waldemar und durch die Schußüber nahme für Stavenhagen von Seiten des Bundes gewonnen, mit ſeinen Mannen ſo lange gegen den Markgrafen zu kriegen gelobte, bis Wiglav von Rügen und Heinrich von Meklens burg wieder in den vollen Beſit ihrer lande und Schlöſſer geregt ſeien . ' )

Erich, Wiglav, Nicolaus von Schwerin und

Heinrich von Meklenburg gewannen um 700 Mark am 10. Fes bruar 1316 ſtreitbare Ritter aus der Schule Friedrichs des Gebiffenen ; den Grafen Heinrich und Junker Friedrich, deffen Sohn, von Beichlingen , mit 50 Reiſigen in ihren Dienſt, um ihnen in Thüringen und Sachſen den Rücken frei zu halten ; und ſchon in der Woche vor Oſtern lag Heinrich verwüſtend an den Grenzen der Marken , ? ) und ſtromten, da Erich dies ſeits der See blieb, die Helfer von allen Seiten herbei. Das gegen waren auch die Gegner nicht můßig ; Chriſtoph ſchickte den Stralſundern Schiffe , eroberte ſelbſt Svendsburg auf Fühnen, und mit wechſelndem Glücke ward im Lande Star: gard, zwiſchen Quaſtenberg und Dewiß, an den Grenzen der Priegnig um Maienburg geftritten . Erich rüſtete achtzig dåni ſche Kriegsfahrzeuge , und der Marſchall Hermann, Graf von Gleichen ), führte 7000 Mann außer dem Troß zunächſt gegen

1 ) Hvitfeld p. 387. 2 ) Ernſt von Kirchberg A. 156. Die Folge der Begebenheiten läßt fid nicht feſtſtellen . ' 3 ) Ernſt von Kirchberg nennt ihn fälſchlich einen Grafen von Ever

Stralſunde Bundesgenoſſen.

141

Stralſund , deſſen Mannhaftigkeit um ſo weniger erſchüttert war, als die Stadt ſich nach Anleitung der Verfaſſungsurkunde von 1304 in ihrem Rechte fühlte , und Ritter und Knap: pen von Rügen, 130 an der Zahl, nach dem Vorgange ſelbſt Pritbors von Vilmniß und Stoislavs von Puttbus, der nahen Verwandten des Landesherrn , ſo wie alle Einwohner des gemeinen Landes zu Rügen mit den Bürgern zur Behauptung ihrer alten Freiheit und Rechte eidgenoſſenſchaftlich verbåndet hatten . ')

Auch Wartislav, welcher um dieſe Zeit ſeine Va:

fallen nach Greifswald berufen (wo es freilich unruhig hers ging, indem die Stadt ångſtlich den Schein der Unparteilich . keit behauptete) ? ) , ſåumte nicht durch ſeine Mannen den

ſtein. S. Suhm XI. p. 768. Ueber die abweichende Zahl der Schiffe f. ebenbaſelbſt. 1 ) Hvitfeld p. 390. Dähnert Landesurkunden II. 5.7 nr. IV. Die Stände, vom Fürſten i. I. 1304 berechtigt, gegen landesherrliche Ueber wältigung zuſammenzutreten , lehnten ſich demnad gefeßmäßig auf, und durften ſich einen Schußherrn wählen. In der verfaſſungsmäßigen Eini gung heißt es (Dähnert a. a. D.) : Wie Rath , Oldermanne und gmeine Börgere vamme Stralsunde bekennen und dun witlik allesweme in dissem apenen Breve, dat Wy mit wisem Vorbedacht Uns eweliken hebben vorbunden mit den Ehrafftigen Ridderen und Knapen , die nu sünd, un noch thokamende sünd, und allen Inwahnern des gmei nen Landes thum Ruigen, by en in dem gmeinen Lande thu blivende, enen nimmermehr affthugande, in all ehren Nöden und Saken , je welk thue blivende by alle deme Rechte , alse idt van Olders hefſt gewesen in demsülven Lande , und in der Stadt thume Stralsunde; 1316 tu twelffen Dahgen (um Epiphaniae). 2) Roſegarten pomm. und rügiſche Gefdichtsdenkm . I. S. 98 quod tempore gwerre existentis inter dominum marchionem ex una et do minum regem dacie ex altera, cum vasalli domini nostri ducis war . tizlai in ciuitate nostra gripswold pro defensione terre fuerint conuo cati, exorta fuit dissentio seu contentio inter gherardum bocholt no strum concivem suosque amicos ex una et nicolaum , famulum stoyzlaui de criniz vasallum dicti domini nostri ducis suosque amicos ex altera. Die Stadt , um die Gunft Erids nicht einzubüßen , ließ ſich noch im Spätherbſte 1317 durdy den Erzbiſchof Eſcher von Lund , welcher, er zürnt über die Beſteuerung der Geiſtlichkeit, nady Greifswald geflohen, ſich mit Chriſtoph verbunden hatte , ( Annales Danici ad a. 1317 ap .

142

Das Heer der Bundesgenoſſen gegen Stralſund.

Bürgern und der Ritterſchaft zu Hülfe zu kommen ; fo daß man muthig das drohende Ungemitter erwartete. Schon im Mai mochte eine ſchwediſche und dåniſche Flotte unter Hermann von Gleichen in den ſundiſchen Gewäffern einges laufen ſein ; dagegen erſt im Juni 1316 zog das Landheer, geführt von Wiglav von Rügen, Erich von Sachſen, Albrecht von Braunſchweig, dem Herzoge von Schleswig , den Grafen von Holſtein , Schauenburg , von Wittenburg , Ruppin und Beichlingen, den Herren von Meklenburg und Werle, heran , um

die Stadt von der Landſeite zu belagern.

Der Helfer

der Stadt ward inzwiſchen durch einen Angriff der anderen Bundesgenoſfen in der Priegnig fern gehalten . ') Aber Uebereinſtimmung in Kriegsplan und Zweck des Feldzuges mangelte dem unförmlichen Bunde, darum erfolgte die ſchmåhliche Auflöſung deſſelben .

Getrieben durch Beute:

luſt, um allein zu gewinnen , eilte der Sachſe Erich mit feia nen Heerhaufen den anderen voraus an die Stadt, und ſchlug ſein lager im Hainholz auf, damals noch einem måchtigen Walde, welcher die Stadt weſtlich umſchloß. „ Do aber die Sundiſchen faben , 2 ) das er nhur allein khomen was , vnd Langebek IV . p . 284) ein Zeugniß ausſtellen, quidquid fautores magni fici principis domini christophori dei gracia ducis hallandi et samsoo contra regem danie , fratrem suum et omnes sibi quibuscunque locis attinentes hoc anno fecerunt in mari et terra viros bonos et discre tos dominos consules ceterosque ciues in grypeswold de hoc omnino fore innocentes et ad hoc nullum dedisse consilium auxilium vel operam nauibus armis vel expensis. Sartorius -Lappenberg II. S. 298. ) Nadi E. V. Kirchberg K. 157 wird Maienburg in der St. Jo bannisnacht erobert. 2 ) Wir geben die lebhafte Schilderung Rankow I. S. 305, ohne die Wahrheit der einzelnen Umſtände zu verbürgen . Das Reſultat ift bezeugt durch Ernſt von Kirchberg K. 154 ; er ſagt: Eyns males sy (die Stralſunder) den syn begriffen, Und quamen uz vil stark zu schiffen . Des Königes Schiff virbranten sy , Da waz in aventüre by , Darvon sy so gemudig worden , Daz sy übeten vil behorden , Manig loufen rynnen schumphertür, Waz vür der Stad mit Manheit stür, Ich kans nicht al gesagin, Wy fast sy widerlagin, Von Rugyen Hern Wysla ,

Sieg ber Stralſunder ain Hainholz.

143

höreten das follich ein groß heer allenthalben zu waßer und zu lande zuflüße, gedachten fie vor allen Dingen mit herzog Erichen das glück zu verſuchen , ehe die andern ankhemen ; und reint ſampt den friegsfolk ', ſo jnen Herßog Wartislaff und der marggaff geſchickt, am tage Albani (21. Juni) auff die nacht aus der ſtat gefallen . Vnd herzog Erichen erſt die Wagenburg gebrochen , viele der ſeinen erſchlagen und gefan : gen , vnd die lenge auch jnen ſelbſt, wie er ſich menlich weha tete, gefangen . Vnd do das der hertog von Lüneburgk ges ſehen, iſt er ſampt den anderen geflogen, aber die Sundiſchen fein hinter jnen her geweſt, vnd haben jeer viel in der flucht erſchlagen, vnd iſt herşog Albrecht mit aller not entfhomen. So fein die Sundiſchen wiedergekheret, vnd haben das lager geplündert, und reiche bewte bekhomen , vnd herßog Erichen fampt den andern gefangnen mit großer frewd und triumpff in die ſtat gefhůrt. Vnd nachdem das lager hart får der ſtat war , iſt junck und alt hinausgelauffen , und haben es befehen, und die totten begraben ; vnd hat der Sieg den bur gern ein groß Herß und gemüth gemachet, daß ſie ſich defter die andern weren wolten . Auf dieſe fchlacht zielet ein alter verſ : Anno milleno trecenteno deno sexto

vnverzagter gegen

Albani quoque die bellum Heinholt fuit ante. irme Herren und synen Helfern da , Do daz gewerte lange Czyde, Du quamen sy doch recht zu stryde, Da bleib michel Vulkes tod, zu beyden syden in der Nod, Vil Lude worden ouch gevangin , Des sy mochte wol belangin , Da wart ouch gevangin glich, Von Rasze borg Herczoge Erich , Und vil mechtigir Rittirschaft, Den wart sur des strydes Craft, Von der Rügier Vürsten teyle , Waz daz doch nicht übel' veyle , Da worden von der Stadt syden , Und des Mark greven zu den Czyden, Gevangin vil guder Rittirschaft. Die uz der Marke da warin geezaft, Rittere wepener ane czal , Die worden gefangen uf dem Wal. Erich von Raßeburg iſt der Sadiſe. Corneri Chronic. p. 997, unter der falſchen Jahreszahl, erzählt ungefähr daſſelbe, und er wähnt noc , was ſehr glaublid iſt, daß Wißlav nur mit wenigen zu Schiffe entrounen ſei.

Umſdließung burd, bas größere Heer.

144

Aber nachdem ſollich ein groß heer von khônigen und Får: ſten noch dahinden was , beſorgten ſich die Bürger , wo ſie den herßogen und die andern gefangen bei ſich in der ſtat behielten , die andern würden ſie mit der Belegerung deſter harter bedrengen ; und ſchickten darvmb den herzogen und die gefangen an herßog Wartislaffen von Pomern. Der: felbig wolte auch, als der nechſtgefeßen, alle laſt des krieges der gefangen halben nicht auff ſich laden, vnd hat den hert: zogen an den marggraffen geſchickt, und die andern gefangen auff betagung ledig gelaßen .“ Ein ſo glücklicher Anfang des Streites ecmuthigte die Bürger zum Widerſtande auch gegen das größere Heer, wel: ches 'am 24. Juni die Umſchließung der Stadt begann und dieſelbe bedrångte.

Aus dieſen Tagen iſt eine Urkunde auf

bewahrt , als überraſchendes Zeugniß der Sieghaftigkeit der Stralſunder und der ſchmählichen Verluſte ihrer an Zahl ſtårkecen Angreifer. In dem Treffen am Hainholz und in fpåteren Ereigniſſen waren vier und zwanzig vornehme, meklen : burgiſche, rúganiſche, pommer de und niederſächſiſche Ritter und eilf adelige Knechte gefangen worden, und harrten ihrer Erledigung .

Aber Rath und Altermånner der Stadt hatten

nicht luſt, die übermüthigen Herren wohlfeilen Kaufs zu entlaſſen, und ſo mußten jene fich denn fügen und durch Zus ſicherung ungeheurer Summen vierfünftel des Preiſes , um welchen Waldemar die Erbſchaft Meſtwins veråußert, ſich löſen.

Um Mariå Himmelfahrt 1316 ( 15. Uuguſt) vor

die Stadt geführt , bekannten vier und zwanzig Ritter und eilf Knechte , unter ihnen drei Gebrüder der Malzan , gwei von Negendanf, ein Oſten , ein Thun, ein Behr, ein Moltke, ein Derzen, ein Wedel, ein Wackerbart, kurz aus den nam hafteſten Geſchlechtern der Nachbarlande: ,,von rechter Schuld den achtbaren Leuten den Rathmånnern und Alterleuten von Stralſund, 8000 Marf wendiſche Pfennige ( nach dem Sil: berwerthe 32,000 Thaler) ſchuldig zu ſein ,

und

gelobten

Trennung des Heeres.

145

davon 1000 Mark am Tage nach Marià Geburt (8. Sep tember ) Herrn Lambrecht von der Leſeniße zu Greifswald , aus einem der erſten Geſchlechter jener Stadt ; 1000 Mark am Tage nach Michaelis zu zahlen ; in der Weiſe, daß jener den Rath und die Alterleute von Stralſund über eine ihnen zuſtandige Schuldforderung durch Einhändigung der Briefe loslaffe."

Der Reſt der Schuld , je zu 2000 Mark ſollte

am Tage nach Nicolaus (6. December) und an den Zwelften (7. Januar) und um Mitfaſten zu Stralſund ſelbſt abgetra gen werden, mit baarem Gelde oder mit Pfand, und gelob ten die genannten Herren zur geſammten Hand treue Hal tung der Uebereinkunft. " )

Da die klugen Stralſunder bei

einem ſo wichtigen Gegenſtande den Edelleuten nicht unbe: dingt glaubten , übernahmen mårfiſche Helfer der Bürger und pommerſche Edelleute , unter ihnen Heer Henning von Stegliß und zwei Wedel, die Bürgſchaft, und beſiegelten von den Gefangenen neun Ritter die Urkunde , welche noch , mit neun Siegeln verſehen , als unvergeſſenes Denkmal bürger: licher Tapferkeit im Original aufbewahrt wird . Dennoch hielten die Herren , beſchämt über ihre That: loſigkeit, unter Stralſunds Mauern über vier Monate aus ; als aber die ſtrenge Jahreszeit eintrat , und den Aufenthalt der Belagerer in den Zelten und Hütten erſchwerte ; ging jeder ſeines Weges (um Martini 1316 ). 2)

Ungeſäumt er:

* ) Urkunde auf Pergament mit neun Siegeln im ſtralſunder Ardiv : Dit louede wart ghedan vor der stat to deme stralessunde na godes bort 1316 in deme dinghest daghe binnen den achte daghen der hemelvart vnser vruwen sunte marien . Es heißt darin : vor alle desse benomeden dinc to holdende vast vnde vullenkome ,hebbe wi den ratmannen vnde den oldermannen van deme stralessunde alle delle mit samender hand entruwen louet, vnde hebbet dessen bref bevestent laten mit den inseghelen der eraften lude de hir na volghet vnde oc vorn sint bescreuen . Dat louede heft van erer weghene van uns mit en entfanghen her henninc van steghelitz, u. s. w. 2 ) Hvitfeld p. 390. 10 Barthold Geſch, v. Pomm . III.

Herzog Chriſtoph in Stralſund.

146

holten

fich die Bürger

Schadens am

Gebiete

mit ihrem des

Helfer

des

erlittenen

Fürſten , vecheerten felbft die

ſeeum floſſene Inſel Rügen und brachen die Håuſer Wižlavs nieder. ' )

Ihr Bundesgenoß , Herzog Chriſtoph , bei ihnen

in Stralſund anweſend , echellte ihnen den Blick in die

Zu

kunft, indem er ihnen (19. November 1316), wenn er ko. nig von Dänemark würde , folche Freiheiten und Rechte verhieß, als ſie nur von Erich erwarten konnten . ? ) A18 der Muth der Bürger alſo verherrlicht ward ; hatte Waldemar gegen Herrn Heinrich und deſſen Helfer an anderer Stelle nicht gleichen Ausgang zu preiſen. Im eigenen Lande bedroht, warf der Held Waldemar im hohen Sommer 1316 mit ſei nen Mannen um Granſee dem mektenburgiſchen Löwen fich entgegen , welcher die Dånen , die Werler , die Guelfen , den Herzog Rudolf von Sachſen - Wittenberg und andere Herren , die nicht vor Stralſund lagen, zur Schlacht führte. 3 )

5

Bei

) Kanpow I. S. 307 erzählt, iblav babe ridy nad Nügengarb gerettet. Wir zweifeln , daß Rugard damals in ſeinen Wällen etwas anderes umſchloß, als eine Kapelle. Obenein war Wißlav gewiß außer Landes gewichen. 2 ) Urkunde bei Suhm XI. p. 924 d . Stralesundis 1316 in die S. Elisabethae. 3 ) Ernſt von Kirchberg A. 158 , der Verehrer Heinrichs giebt bem Heeren Waldemars eine überlegene Zabi, „ vier gegen eine ; " er nennt als Bundesgenoſſen alle polniſchen Herzoge, da man hödyſtens zugeben kann, daß der Herzog von Glogau , der Sdwiegervater des Markgrafen Jo hann , ihm beiſtand. Der Markgraf von Meißen und Thüringen war gewiß nidyt auf Seiten ſeines Bedrängers und eben ſo wenig die Guelfen . Dagegen mag Burkhard von Magdeburg mit dem Ausgeföhnten die Waffen vereinigt haben, wie gewiß der Biſchof von Kamin und die Hers zoge von Stettin und Wolgaſt. Wir ziehen daher das Zeugniß Pul kava’s vor, welcher p. 266 ſagt: cum Magnopolensi Henrico eciam in greditur conflictum , quoniam antea terram suam juxta Gransoge po tenter ingressus hostiliter devastavit. Unde bellum durissimum inter utrosque geritur juxta villam Wolterstorp , ubi licet plures in exer citu Magnopolensi quam Woldemari fuissent, verum tamen ipse Wol demarus et sui magis audacter et strenue pugnaverunt,

Sdladt bei Woltersdorf oder Schulzendorf.

Sommer 1316. 147

Woltersdorf unweit Granſee, nach der meklenburgiſchen Chros nik bei Schulzendorf, ' ) das nicht mehr vorhanden iſt, kam es zu einer , in der norddeutſchen Geſchichte unvergeſſenen Feldſchlacht, welche gewiß mehr Blut koſtete, als der Tag von Ampfing, aber nicht ſolche Entſcheidung brachte. Denn die beiden ruhmvollſten Turnierhelden von Norddeutſ @ land, der Löwe von Meklenburg und Waldemar , fochten mit den Ihrigen mit ſo perſönlichem Antheil ain Streite, als in jenen Tagen dem Führer unerläßlich war. Heinrich erlag faſt einem Schlage mit der Streitart auf den Helm ; Waldemar im dichteſten Gedränge von zwei Bürgern von Grevesmůlen, Michel Krag und Niklas Schrapentrog, angefallen, fåmpfte baarhaupt, als die Seinen ihn verlaſſen und würde von den groben ,, Stådtern und Bauern " erſchlagen worden ſein , håtte ihm nicht Wedeg von Plote oder ein Graf von Manss feld zu einem fedigen Roſie verholfen . ? ) Obgleich die Me: klenburger fich des Sieges rühmten , wichen ſie dennoch mit ihrer Beute, zumal mit den gefangenen Grafen von Werni gerode und Mansfeld , rückwärts auf Buchholz , während Waldemar mit ſeinen Helfern ſeine Grenze behauptete , und den Grafen von Holſtein und einen unachten Bruder des Kós nigs Erich als Gefangene fortführte. So vergebliche Anſtrengungen von beiden Seiten, zumal die fühlbarſte Gelderſchöpfung des Dänen , brachte die Kriegs: häupter allmålig einander näher ; ſchon im Winter 1316 zu 1317 % ) bemüheten ſich beide um Rechtfertigung, ſie ſchalten

* ) Ernſt von Kirchberg a. a. D. nennt den Ort Sdultendorf vor Grangoge ; Pulkava p . 266 nady ber märkiſden Chronit Woltersdorf, das nod; vorhanden iſt. 2 ) Derſelbe a. a. D. Unde idem Woldemarus tam duros 'ictus sustinuit, quod semivivus à suis in prelio est relictus et perditus. Sane circumdantibus eum rusticis et eum interimere volentibus miles quidam Wedige de Plote dictus superveniens de potestate ipsum eri puit rusticorum . 3 ) Hvitfeld p. 392. 10+

148

Allgemeine Hinneigung zum Friebert.

einander," zum Zeichen , daß die Zähne ſtumpf geworden. Erich warf dem Markgrafen ſchriftlich ſeine Einmiſchung in Stralſunds Håndel als Friedbruch vor, und daß die gewähl ten Schiedsrichter, der Biſchof von Kamin und die Herzoge Wartislav und Otto , ſich nicht zu lichen eingeſtellt håtten ; wogegen Waldemar ſich bảndig vertheidigte. Zu Maienburg einigte ſich darauf am 13. Juli 1316 Heinrich , im Namen Erichs, vorläufig mit Waldemar , daß vier Rittern , zweien von jeder Seite, die Friedensvermittelung übertragen werden follte.

Die

Meklenburger

waren Buffo

von

der

Dollen

und Georg Haſenkopp ; die Mårker Dróſefe von Krocher und Heinrich von Blankenburg.

Als Pfand für die Erfül

lung des Vergleichs blieben die Schloffer Maienburg und Streliß, und ſollten die Herzoge von Pommern die Gewåhr: leiſtung für Brandenburg übernehmen . ) Der große Streit løfte ſich in einzelne Verträge auf ; der Dånenkönig fühlte fich ſo gebeugt, daß er, den unmittelbaren Landbeſit in Sla vien aufgebend , am 7. Januar das Land Roſtock an Heinz rich und Niklas als Lehn übertrug, und auch mit ſeinem Bru der Chriſtoph am 28. Mai fich ausſöhnte, gedrångt durch die Gläubiger, jene ſiegloſen Gefährten ſeiner Waffen.

Aber

auch Waldemar empfand das Bedürfniß des Friedens . Der Tod des trefflichen jungen Markgrafen Johann, welcher am 24. März 1317 zu Spandau erfolgte, 2 ) vermehrte die laſt ſeiner Regentenpflichten , da ſein Geſchlecht verhångnißvoll jegt bis auf ihn und die unmündigen Söhne feines Bruders, Heinrich von Görlig , zuſammengeſchrumpft war , und zügel loſe Vaſallen die öffentlichen Zuſtånde benugten , um jedem

' ) Hvitfeld p . 393. Rudloff I. 288. Suhm XI. p. 790. 2 ) Pulkava p. 265. A. 1317 in vigilia Annunciationis Virginis glo riose dictus Johannes Marchio Brandenburgensis secundem Cronicam Brandenburgensis Marchie moritur in castro Spandow et in Lenin ensi monasterio sepelitur, cujus mortem tota Marchia deploravit, sed so lus Woldemarus sine herede mansit superstes.

Friebe von Templin 25. November 1317. Rechte Hohn

zu ſprechen.

149

So wurde denn Monate lang

getheidigt und von Brudersdorf am Pfingſttage das gedachte Schiedsgericht nach Templin gewieſen , um ſein gefundenes Urtheil

über

alle Streitigkeiten

Sachſen - Wittenberg vorzulegen .

dem Herzoge Rudolf von In denſelben Tagen gelobte

Waldemar zu Súlz ' ) Verzeihung den Rittern und Vaſallen , welche in Deutſchland und Slavien dem Dånenfónige ges dient hatten ; verſprach Stralſund und Rügen aufzugeben und Land und Leute wieder an Wiglav zu weiſen. ? ) Am dritten Pfingſttage ſchloſſen der Markgraf und Erich einen Freundſchaftsbund mit Berufung auf die Ausgleichung, welche ihre Ritter als Schiedsrichter treffen würden ; und act Tage nach Pfingſten waren beide Fürſten perſönlich in Warne můnde bei einander . Eine ſo jåhling geſchloſſene Freund ſchaft, ohne daß die ſtreitigen Punkte ausgeglichen wären, mochte den Herzog Wartislav mit Unruhe erfüllen , ſo daß er auf der Seite des Landes Stargard die Feindſeligkeiten wieder begann. Demnach ward der vollſtåndige Frieden ver: zögert, bis er endlich nach raſtloſen Arbeiten der bevollmach : tigten Schiedsrichter in Templin am 25. November 1317 zu Stande kam , ' ) als thatſådlich die Wendung ſchon eins getreten war. Denn Konig Erich hatte ſeinen Plan auf unmittelbare Unterwerfung der ſlaviſchen Länder auf gegeben , und begnügte ſich mit dem leeren Titel eines for nigs von Slavien , ohne Einkommen für die Lehne.

Wals

demar hatte die deutſche Herrſchaft behauptet ; Stralſund ging unbeſchädigt, ſiegreich , mit neuen Privilegien vom lan desherrn und der fremden Krone begnadigt , aus dem denf würdigen Streite hervor . -- Von den Punkten des templiner Friedens ſind für unſere Geſchichte namhaft : daß Herzog

) Hvitfeld p. 394 d. Sulte ( Sülz ). 2) Hvitfeld p . 395 feria II. p. Pentecost. 3) Pötfers neue Sammlung III. S. 14—18.

1

150 Friedensbedingungen . Land Stargard Pommern entfrembet. Wartislav , beſchuldigt, nach der jüngſten Sühne aus ſeinen Burgen dem Herrn Heinrich Schaden gethan zu haben, ent: weder genugthun oder durch Eid ſich von Anſchuldigung bis heil . drei Könige 1316 reinigen rolle. „ Führe er in ſeiner Beſchädigung gegen Heinrich und Erich fort , fo folle Wal demar

ihm

nicht beiſtehen.“

Gegen den geflohenen Erja

biſchof von lund und deſſen Anhang rolle der Marfgraf dem Könige Hülfe leiſten und dem Herzog Chriſtoph nicht beis ſtehen , falls jener die Sühne nicht annehme.

Graf Hennife,

der unåcote Bruder Erichs, bei Woltersdorf gefangen, ſollte freigegeben werden , und er ſeinerſeits die gefangenen Grafen von Mansfeld und Wernigerode freikaufen. Alle Vafallen werden in ihre Güter wieder eingeſeßt und die neuen Burs gen an der ſtargarder Grenze geſchleift.

Die Einſeßung der

Vafallen Ottos und Wartislavs , welche im gegenwårtigen Kriege zur feindlichen Partei fich geſchlagen , zumal des Gra fen von Gáškom , ' ) ward ausdrücklich bedungen.

Um alle

Streitigkeiten wegen der Anſprüche Heinrichs auf Stargard zu beendigen, verlieh Waldemar dem Meklenburger das Land zum Eigenthum , ) ſo daß von dieſer Zeit ab jenes Gebiet, faſt das geſammte heutige Großherzogthum Meklenburg Streliß, einſt pommerſches Eigenthum, dem meklenburgiſchen Stamme geblieben iſt.

Erich und Heinrich ſchloſſen ihrerſeits

in den Frieden ein : den Herzog von Lüneburg , die Herzoge Rudolf und Erich von Sachſen, die Biſchöfe von Havelberg, Schwerin und Rageburg , die Grafen Nicolaus und Bern: hard von Gůžkow und ihre Helfer ; und zur Gewåhrleiſtung

1 ) Dar. S. 16 : Vasalli vero ducum ' Stettinensium Otthonis et Wertzlai, qui se in guerra presenti ab eis diverterunt ad nos et ad nostros fautores et ex nomine , comitibus de Gutzekowe debent reconferri bona sua et debita solvi prout in literis Zone datis. 2 ) Daf. a. a. O.: Contulit insuper dominus Marchio domino Magnopolensi terram Stargardie cum omni jure , quo eam a Mar chione et suis progenitoribus habuit possidendam .

Das Land Stavenhagen an Johann 6. 3. von Werlc .

151

verpfändete Heinrich die Stådte und Burgen in dem Gebiete von Woldeck , lichen und Weſenberg den Markgrafen , aber zu Händen dreier unparteiiſcher Edlen ; Rudolf Herzog von Sachſen -Wittenberg galt als Hauptbürge für den Frieden und ſollte den Friedbrecher als ſeinen Feind ſtrafen ; für die Haltung der Sühne verpflichteten ſich nebſt den betheiligten Fürſten 50 Ritter dem Markgrafen , von deſſen Seite eben ſo viel Ritter die Gewåhr auf ſich nahmen . In einer zweiten Urkunde von demſelben Tage und Orte gelobte Waldemar dem Könige Erich und den Herren von Meklenburg Dieffeits des Meeres mit 50 gewappneten Streits hengſten ') und zehn Schüßen zu helfen ; und machte jenec fich anheiſchig , in entfernter Gegend , wie in Böhmen , mit gleicher Zahl , in nåherer mit 100 Roſſen und 10 Schußen zu dienen . So war die Eintracht der Fürſten wieder hergeſtellt; denn ſchon am 20. Januar 1317 hatte auch Otto von Stets tin mit Einwilligung ſeines Sohnes Barnim und der ſtetti: ner landſtånde, ſich bei Vermåhlung ſeiner Tochter Mecha thildis mit Johann dem Jüngeren von Werle aller Anſprüche auf das land Stavenhagen begeben, 2 ) und dem neuen Pers wandten Hülfe wider jeden , mit Ausnahme Herzog Ottos und des Markgrafen, gelobt.

Nach der allgemeinen Beſtim

mung des Friedens in Betreff Stralſunds und Rügens blicb dem

Herrn Wißlav

die Ausgleichung mit der

beleidigten

Stadt und den Stånden übertaſſen ; dem Sieger machtlos gegenüber geſtellt hatte er feine Wahl , als einem Schieds gericht die Prüfung der Rechte und Privilegien Stralſunds

' ) Dieſe Zahl war nicht ſo gering ; die Ritter hatten zur vollen Gleve ihre Kinedite bei ſich und die Erwähnung der sagittarii ( Armbruſta ſchüßen ) leitet auf die Aehnlichkeit der franzöſiſchen Hommes d'armes Compagnien, deren jede einem ſtarken Reuterregiment gleich kam. 2 ) Rudloff I. S. 233 aus dem Original d. d . Stettin , 20. Ja nuar 1317 .

152

Wißlaus Sühne mit Stralſund 2. Juli 1317.

zu übertragen .

Gezwungen

auf ſeine Koſten ſo manchen

Gefangenen zu Idſen , und tief verſchuldet, aber auch gemahnt durch Unglück, ließ Wiglav das Schiedsurtheil gelten , und ſo fam die Sühne am Frohnleichnamstage 1317 zu Stral: ſund zu Stande. ' )

Die Burger erhielten ihre Privilegien

von neuem und entſagten ihren Anſprüchen auf das Schloß Prohn , das ehemalige Witthum der Mutter Wiglavs , und auf das Dorf Parow.

Die Stadt war ſo ehrenhaft aus

dem Streite geſchieden und hatte dem måchtigen Nachbaren folde

Achtung

eingefloßt,

daß

auch

Erich ,

die erlittene

Schmach vergeſſend, dieſelbe am 23. Mai 1313 zu Wording borg feiner Huld verſicherte und ſie auf drei Jahre unter ſeinen Schuß nahm ? ) und gleich darauf einen Streit der Stadt mit Biſchof Dlav von Roeskilde vermittelte.

Die

Vafallen , auch die ſtörriſchen Oſten, legten ſich zum Ziele ; neue Gnaden in dem nächſten Jahre von Wiglav verliehen, welcher noch , ohne Hoffnung auf Leibeserben , den Unglimpf reines Gedächtniſſes zu tilgen ſtrebte, befeſtigten Eintracht und liebe, und ſtårkten das Rechtsbewußtſein eines Gemeins weſens, welches, funftſinnig und ehrgeizig auf die Zier ſeiner Stadt , aus dem Antheil an dem überreichen ldſegelde des gefangenen Sachſenherzogs und der Ritter das prangende Rathhaus, das in Pommern nur an dem ſpåteren Kolbergs ſeines Gleichen fand, und den Artushof erbaut haben ſoll. 9 ) 1 ) Oſtern fällt 1317 auf den 3. April , alſo Corporis Christi am 2. Juni 2 ) Sartorius- Lappenberg II. S. 299. Noverint universi, quod in ter Nos et fauctores nostros ex una parte et consules ac cives sun denses ipsorum que fauctores ex altera omnes guerre , discordie et dissensiones , usque in hodiernum diem in temporalibus vel spiritua libus mote , sedate sunt totaliter et sopite et quod nos eosdem di lectos nobis consules et ciues sundenses ac ipsam ciuitatem sunden sem ipsorumqne fauctores a festo beati Michaelis proximo nunc ven turo per tres integros annos continuos subsequentes sub nostra tui tione et protectione recepimus speciali. 3 ) Die urſprüngliche Bauart zeigt das Bild vor Brandenburgs

Walbemar tritt das Land Bernſtein an Otto %. Stettin ab. 153 Eine Folge der großartigen Thåtigkeit Stralſund nach außen und ihrer erkämpften Unabhängigkeit und gefeßlich geltender Verfaſſung dem Landesherrn gegenüber , war eine allmålige Umwandelung der inneren Verhältniffe, eine Selbſtändigkeit des Raths ' ) in der Verwaltung , welche erſt im Laufe des Jahrhunderts , wie in anderen hanſiſchen Stådten , von den Alterleuten der Zünfte, als Vertretern der Gemeinen, anges fochten ward. lichen

Almålig ſchwand der lebte Reſt landesherr:

Einfluſſes, das fürſtliche Richtvoigtamt, was jedoch

mit der Geſchichte der heldenmäßigen Anſtrengung des Bür: gerthums für die Erhaltung ihrer rechten Landesherrn zu: ſammenhångt, die wir bald zu erzählen haben. Daß Otto und Wartislav, wie der Biſchof von Kamin, diesmal die rechte Partei verſtandig erwählt hatten, lehrt die gleichzeitige Erweiterung ihres Gebietes. Erſtens trat Waldemar ,,bei der Mühle zu den zwei Rådern" in der Nähe von Soldin am 14. November 1315 dem Herzog Otto von Stettin und deſſen Erben das Land Bernſtein , ) „ wie es Markgraf Albrecht aus früheren Tagen ihm überlaſſen , mit Verzichtung auf jedes Anrecht ab , mit der ausdrück lichen Bedingung , daß alle dort anſåſſigen Vafallen , wenn ſie auch anderwärts auf mårkiſchem Gebiet Lehn befäßen, dem neuen Gebieter zu Dienſt verpflichtet wåren. Waldemar

Gelds. bes Raths; f. bal. S. 12. Von dem alten Rathhauſe zu Rolo berg, das wir im Merians Topographie dem ſtralſunder ganz ähnlich er bliden, zeugt, im Neubau beibehalten , eine Ede. ' ) Der Rathmannen Namen , längſt verſchollener Familien , welche von 1313 bis 1317 in Arieg und Frieden die Angelegenheiten der Stadt leiteten, findet man bei Brandenburg a. a . D. S. 81. 82. 2 ) Schöttgen et Kreyssig III. p. 26 : Actum et datum prope duas rotas a. 1315 , 14. November : dimittimus terram Districtus Bernstein cum omnibus suis distinctionibus terminis et limitibus, prout eandem Illustris Albertus piae recordationis quondam Marchio Brandenbur gensis, noster patruus, nostris progenitoribus, ac nobis retro actis qui busdam temporibus dimisit.

154

Waldemars Abkunft mit Biſchof Heinrich von Kamin.

erhielt

dafür

baare 7000 Marf brandenburgiſches Silber

und ließ dieſen Verkauf durch die machtigen Wedel und auch durch Peter von Neuenburg bezeugen. Um die Summe auf: zubringen , veråußerte Otto an das Kloſter Kolbaß Güter und Renten bei der Stadt Garz, ' ) welche zum Leibgedinge ſeiner Mutter, der Markgråfin Mathilde, die ihren Gemahl Barnim ſo lange

überlebt hatte , gehört

haben

mochten.

Ferner vergalt der Markgraf dem Biſchofe Heinrich von Kamin , dem er nach gehaltener Abrechnung

für Schuld ,

Schadenerſaß und får die Dienſtfolge mit ſeinen Vafallen „ in verſchiedenen Kriegen und auf Reiſen in verſchiedenen Theilen der Welt “ zu 10000 Mark brandenburgiſches Silber verpflichtet war , ſeine Treue , ? ) indem er dem Biſchof und ſeinem Stift am 9. October 1317 für 6000 Mark Stadt und Schloß Schievelbein , und für 4000 Marf das Schloß Falkenburg mit allen Rechten abtrat, nnd fich den Rücklauf dieſer Gebietę innerhalb vierzehn Jahren vorbehielt , ſo daß innerhalb dieſer Friſt der Biſchof die Vafallen nicht belehnen dürfe.

Sollte bis dahin

der Kauf nicht zurückgenommen

ſein , ſo blieben die 'ånder dem Biſchof und der Kirche zu Beſig, und ſollten nach der Verfallszeit Vafallen und Städte demſelben als Tehnsherrn und Grundbeſiger verpflichtet ſein . Doch erfolgte zeitig die Wiedereinlöſung , indem am

Pfingſt

tage 1319 Waldemar zu Eberswalde Schloß , Stadt und Land Schievelbein mit unumſcrånftem Rechte und der will: führlichſten Benußung an ſeinen Mann Nicolaus Olaffon ,

? ) Dreger nr. MCCXCIV . 2 ) Raumer Cod. dipl. I. S. 29 act. Soldin 1317, 9. October : com putatione facta cum venerabili in Christo patre domino Hinrico Ca minensis ecclesie Episcopo remansimus et Mapemus eidem ecclesie sue et Capitulo ex justis debitis obligati in decem millibus marcis argenti Brandenburgensis ex rationalibus, dampnis et expensis ac pa rata pecunia que et quas nos longo tempore in diversis nostris guer ris pluribus annis ad diversas eciam mundi partes cum șuis vasallis sequendo pertulit et exposuit.

Abtretung des Brandenburgiſchen Sinterpommerns an Martislab . 155 einſt Droſt in Dänemark und Pfandinhaber von Warnca månde, und an Herrn Wedege von Wedel får 11000 Mark brandenburgiſches Silber verfaufte. ' )

Die von Wed elblie

ben ſeitdem im Beſitz von Sdievelbein , aber unter der fans deshoheit der Markgrafen ? ) und als Lehnsleute des Bis: thums Kamin, wie wir ſpåter erfahren werden . Aber die wichtigſte Erweiterung ,

welche die Herzoge

Pommerns in Folge ihrer Anhänglichkeit an die Markgrafen im dåniſchen Kriege gewannen, war die Abtretung desjen is gen Theiles von Hinterpommern an Wartislav, welchen ſeit dem Verkaufe an den Orden Waldemar fich vorbehalten hatte. Peider ſind die Urkunden darüber verloren , und hat die unkritiſche Weiſe der ålteren Forſcher durchaus gegen den Gang der geſchichtlichen Ereigniffe fecť behauptet : ' ) Wartislav habe aus Beſorgniß, der Orden möchte auch dies Fen Landestheil ihm entfremden , um das Jahr 1313 Hinters pommern bis zur Leba mit den Waffen erobert. Allein tvir finden vom Anfange ſeiner Regierung , zumal zur Zeit der dåniſden Anmaßung , den Herzog Wartislav in ſo under : fennbarer Freundſchaft mit Waldemar , und des Mark : grafen Macht ſo gefürchtet, daß unmöglich ein ſo råuberi ſches Zugreifen ſtatt gefunden haben kann .

Vielmehr iſt

höchſt wahrſcheinlich, daß Waldemar, die Anhänglichkeit des entſchloſſenen Fürſten zu ſtårken , in Sorge vor dem drohen: den Ungewitter, um ſo williger ſich zur Abtretung an War: tislav verſtanden hat , als deſſen Hülfe im ſundiſchen Kriege

' ) Daſ. I. 30 plattdeutſch; zu Eberswalde 1319 am Pfingſttage. Nicolaus Olavſon , dapifer König Ericho , war ein einflußreicher Mann und bei dem großen templiner Friedenswerke betheiligt. Mit dem Könige in Streit gerathen, ſuchte er um dieſe Zeit den Markgrafen Warnemünde in die Hände zu ſpielen. Der Anſchlag mißlang, Dlayſon wurde friebe los in Dänemark und fand Schuß bei Waldemar. Kirchberg K. 160. 161 . Er blieb verbannt durch König Chriſtophs Wahlhandfeſte. Hvitfeld p . 412. 2 ) Ledebur Archiv V. S. 350 ff. 3) So Rankow I. S. 302 und alle Alten mit großer Beſtimmtheit.

156

Beſtzungen der Swenza in Hinterpommern.

ihm vor andern wichtig war.

Schon

im Sommer 1313

nennt ſich Wartislav Herzog von Pommern

) und , wenn

anders die Jahreszahl richtig iſt, i. I. 1314 führt Barnim, Ottos von Stettin Sohn, denſelben Titel, als Waldemar ſo måchtig war, dem Biſchof von Kamin die Stadt Kamin zu ſchenken . 2 )

Wir können den dunkeln Zuſammenhang nicht

deuten ; aber gewiß iſt, daß Wartislav am Schluſſe der Frie densunterhandlungen zu Templin , zu Belbuck am vierten Adventsſonntage 1317 das Privilegium Waldemars über das Stadtrecht von Stolp beſtåtigte. 3 ) Auffallend bleibt jedoch, daß erſt i. I. nach dem Tode Waldemars , im Juli 1320, Wartislav, am Ufer der Leba mit dem kandmeiſter von Preu: Ben Friedrich von Wildenberg zuſammengekommen , gemeins ſchaftliche Sicherheitsmaßregeln mit dem Drden gegen Polen trifft, und von Hinterpommern, wie von einem ganz jungen Beſitge zu ſprechen ſcheint. “ )

Wie weit alſo Waldemar um 1317 ſeines Anrechtes auf Hinterpommern ſich zu Gunſten

Herzog Wartislavs begeben , låßt ſich nicht ermitteln ; wohl aber theilte der neue Landesherr den Beſitz mit dem noch einflußreichen und begåterten Geſchlechte der Smenja ; die Brüder Peter, Jasco und Laurentius befaßen, nebſt anderen bedeutenden Herrſchaften , noch Rügenwalde und Schlawe, und Jasco (Johann)

Herr von Schlawe, ungewiß , ob in

1) Irkunde bei Dreger nr. MCCXXIII. act. Anklam 1313 feria secunda inter octavam Corporis Christi. 2 ) Dreger nr. MCCXCVI. 3 ) Schöttgen et Kreyssig III. p. 24 : actum et datum in claustro Belbuck a. 1317, die dominica, qua cantatur Memento mei Domine in beneplacito. Zeuge iſt Conradus Caminensis ecclesie Electus. Da Waldemar nody am 9. October 1317 dem Biſchof Heinrich Schievelbein abgetreten, muß derſelbe zwiſchen dem 9. October und dem Sonntag vor Weihnachten geſtorben ſein . 4) Urkunde im königsb. geh. Archiv : dat. in Pomerania citra flu vium Lebam a. 1320, VI. Non. Julii ; Cum terra Pomeranie ad nos spectare et ipsius regimen in nostris dependere manibus dinoscitur .

Biſchof Heinrichs Thätigkeit; Tod ; Spätherbſt 1317.

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der Burg Alt : Schlawe angeſeſſen , da in der Stadt eine Johannitercompturei war , gründete i. I. 1317 die Stadt Slawe, gab ihr lůbiſches Recht, achtjährige Steuerfreiheit ; und ſchenkte nach laurenz Tode in demſelben Jahre dem Kloſter Buckow , der Grabſtåtte, ein Dorf bei Rügenwalde. Erſt nach dem Erldſchen der Askanier ſehen wir den Domi nus de Neuenburg im Gefolge des Herzogs , und wahr ſcheinlich thårig , ein gutes Verhältniß mit dem Orden zu vermitteln . Gleichzeitig mit dem Ende des großen dåniſchen Krieges ſtarb ( Spåtherbſt 1317) Biſchof Heinrich von Kamin , dem unruhige åußere Verhåltniſſe nicht die Aufmerkſamkeit auf die inneren Angelegenheiten ſeines Sprengels geraubt. Er beſtellte i . f . 1303 einen Vicedominat bei der Domkirche von Kamin ; 2 ) die Beſchránkung feiner geiſtlichen Gerichts barkeit von Seiten des Biſchofs von Poren ſowohl, als des von Schwerin zu verhüten, befeſtigte er i. J. 1303 die Ein : theilung des Gebietes im Archidiaconate, 3 ) die Pråpoſitura major dem Archidiaconus zu Kamin zuweiſend ; das Archi diaconat zu Demmin, auf ſehr ſtreitigem Boden , deſſen Pas tronat Dtto in demſelben Jahre dem Domkapitel zu Kamin übergeben, das Archidiaconat zu Uſedom , das zu Stettin und das ſtargarder , welches an das neumárkiſche, erſt ſpåter urkundliche, grenzte.

Doch mehrte ſich die Zahl dieſer geiſt:

lichen Jurisdictionen , ſo wie ſchon i. I. 1304 ein Archi diaconus zu Stolp an der Pene eingereßt wurde , nachdem das dortige Kloſter, das ålteſte Pommerns , in Folge langer Unterhandlungen , die Regel der Benediktiner verlaſſen, und, zum Ciſterzienſer Orden getreten, 4 ) das Recht der Seelſorge 1 ) Urkunden bei Dreger 3. 8. F. ? ) Wuja I. c. p . 593, Urkunde ø. I. 1303. 3 ) S. Schöttgens Altes und Neues Pommern S: 342 ff. 4 ) Ueber die Umwandlung der Ordensregel des Kloſters Stolp fiehe Dreger nr. MXLIV. MXLVIII. MLXXXIII.

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Aufhebung des Templerorbens 1312.

als Archidiaconatſitz verloren. )

Zum ſtolper Archidiaconat

follte die Stadt und das Gebiet von Alt - Treptow gehören, a ) überhaupt das land , von der

Tollenſe .abwårts , wie denn

noch ſpåt felbſt Woldeck von der faminer Gerichtsbarkeit angeſprochen wurde. Auf Heinrichs Bewilligung erhielten die Auguſtiner ein neues Kloſter in Anklam, und wurde das Klofter vor Uſedom , das ſchon mehrmals die Stelle verán dert hatte, i. I. 1308 nach Pudagla in die anmuthigſte Ges gend der Inſel verlegt , und neu aufgebaut.

Aber nur ge

ringe Trümmer , faum als flöſterliche Gebäude erfennbar, ſind auf dem Amtshofe, welcher jest neben dem ſpåter er: bauten Schloſſe ſteht, aufzufinden. Geråuſchlos und ohne daß irgend eine geſchichtliche Kunde darüber auf uns gekommen rei, vollzog der Biſchof die Einziehung des Templerordens, welchen die Habgier Ko nig Philipp des Schönen von Frankreich und die unwürdige Nachgiebigkeit Papſt Clemens V. dem Untergange

geweiht

hatte. Die Bulle der Aufhebung Ad providam Christi vi carii iſt zu Vienne am 2. Mai 1312 ausgefertigt ; ein Um: laufsſchreiben , zugleich an den Erzbiſchof von Gneſen und an die Biſchöfe von Karin und Pofen unter demſelben Das tum gerichtet, befahr die Uebertragung der Güter der Demp. fer an die Brüder des Hospitals. 3 ) Die reichſte Ausſtat: tung der Templer lag in der Neumark ,

wo zulegt noch

Tempelburg von den Rittern erbaut wurde, und nördlich von Königsberg auf pommerfdem Boden um Bahn ; 4 ) viel: leicht gehörte ihnen auch Panſin

bei Stargard.

Da der

Markgraf den fleißigen Bebauern dieſes Landes viel verdankte,

:) So gab Detmar, Abt , dem Domſtifte zu Kamin auch die alte Kirche zu Zieten ab. Dreger Urk. v. f. 1304. 2 ) Urkunde bei Stavenhagen S. 342 Nr. 28. 3 ) Harduin . Collect, max. VII. p . 1347. 4 ) Jordan von Esbeck iſt als der leßte Comptur domus militiae templi curie in Rorike uin 1309 bekannt, f. Raumer C. D. B. I. p . 25.

Uebertragung des Templergutes an die Hoſpitaliter.

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einige Glieder feines Hauſes ſelbſt in den Orden getreten waren ; hat ſich über die Ordensglieder in Slavien gelvik nicht die Strenge erſtreckt, welche Burfard lappe zu Magde: burg über ſie verhångt haben ſoll. ' ) Es ſcheint ſogar, daß Waldemar die Ritter in Schuß nahm und nur langſam die Uebertragung der Güter derſelben an die Johanniter vor fich gehen ließ. Denn erſt am 31. Januar 1318 ſchloß Waldemar mit Paulus von Mutina , Komptur zu Erfurt und Statthalter Leonards de Tibertis , Vifitators der Ritter des Hoſpitals von St. Johann in deutſchen Landen , Bdhmen, Dänemark, Schweden , Norwegen , einen Vertrag , ? ) fraft welches er jene Ritterbråder in ſeinen Schirm und Geleit nahm , „ in nerhalb und außerhalb der Mark, wo er Gewalt und Herr: ſchaft hatte, als in dem Herzogthum Stettin , der Herrſchaft von Wenden und Meklenburg und anderwege, wo man durch Liebe oder Furcht ihm zu Willen ſei."

Er verſicherte ihm den

Beſig ſeiner Gåter und des ehemaligen Templereigenthuins , uud empfing dafür nach Vollmacht von vier Kompturen, unter welchen auch der von Zachan fich findet, 1250 Mark Silber und zum Unterpfande deſſen die Stadt Zilenzig mit den Gütern , welche Markgraf Ottiko dem Orden zugebracht So entſtand in der Neumark das anſehnliche Heer:

hatte.

meiſterthum auf ehemals pommerſdem Boden. Wartislav und Otto folgten dem Beiſpiele Waldemars , inſofern ſie das Templergut in ihren landen , um Bahn und an der Shne , den Johannitern zuwieſen ; nicht aber darin , daß ſie wohlbelegene Stücke, wie Waldemar Tempelburg , für ſid)

' ) Wilfe Geſds. der Templer II. S. 41. 2 ) Höfer Auswahl S. 125. Wichtig , um das Verhältniſ Pom merns zu den Markgrafen im Jahre vor dem Tode Waldemars feſtzu ſtellen , iſt die Beſtimmung : binnen der Marke unde buten , dar wie Bot und Herscop hebbin, als in deme Hertochdäme tů Stettin . War tislav wird in öffentlichen Schriften der Zeit und bei Kirchberg oft Her 30g von Stettin genannt.

1

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Die Johanniter im Beſiß bes Templergutes.

einzogen . Doch ſcheint Panſin bei Stargard, wenn es Tem : plergut war, den Johannitern zur Zeit entfremdet zu ſein ,wenig ſtens tritt alsbald i. I. 1327 ein Dominus Nicolaus de Panſin auf. ' ) Der neue Johannitercomptur im Lande Bahn nahm in Rórife ſeinen Sig ; als erſter Komptur und erſter Prior zu Rörike ſind im Jahre 1334 Henning von Bugt und Johann von Stettin bekannt. Das Verhåltniß der Stadt Bahn dagegen blieb ſchwankend ; erſt ſpäter gelangte ſie an den Landesherrn, ſo wie erſt i . I. 1382 die Kompturei von Rós rife nach Wildenbruch verlegt wurde. Die alte Kompturei zu Schlawe ſcheint von der Austheilung des Templergutes nichts gewonnen zu haben , indem Konrad von Dorſtedt i. F. 1320 das Dorf Bantow bei Rügenwalde an Peter von Neuenburg verkaufte . ) So ging die Umwandelung in unſeren landen ,

wie in

Deutſchland

überhaupt ,

ohne

Greuel vor fich , und wenn die alten Glasgemålde in der Ritterkirche zu Werben bei Havelberg, auf welcher der Papſt mit der dreifachen Krone von Teufeln in die Hölle geſchleppt wird , den Grimm der Unterdrückten verewigte 3 ) und darin nur die Sympathie für die ſchmåhlich hingerichteten Brüder in Frankreich zu erkennen iſt; ſo hat ſich bei uns ein Dent: vers aus alten Tagen erhalten , welcher das Verdienſt des Drdens bezeugt. Daniel Kramer meldet, daß in einem ihrer Häuſer in Pommern die Worte gefunden worden : Hic habuit sedem quondam templarius ordo, Ordo sacer, qui divinis se cultibus addens Divinos juvit studiosus et auxit honores. 4 ) ' ) Baltiſche Studien V. 2, S. 200. 2 ) S. Schwarß Lehnshiſtorie S. 281. Sel II. S. 301 erwähnt eine Urkunde , an den unſduldigen Märtyrern 1311 zu Spandau geges ben, kraft welcher den Johannitern Rörid, Wildenbrudy, Bellin, Rollin und andere Güter gegeben ſeien. iins iſt dieſe Urkunde , ſo unbeſtimmt angeführt, fremd. 3) Buchholz 11. S. 324–327. * ) Cramer große Kirdyendyronik B.II . S.51 ff. Ueber bas Lempela

Vertrag von Stormerswerber.

161

Bei der Wahl des neuen Biſchofs von Kamin , Konrads, gewiß aus der Zahl eingeborener adeliger Domherren, ward auf das Wohl des Landes ſo beſonnen Rückſicht genommen, daß der Landesbiſchof fortan als treuer Beiſtand der Hers zoge in ſturmvoller Zeit erſcheint, die bald darauf wieder einbrach . Aber ehe dieſe furchtbaren Zerwürfniſſe mit dem Tode Wal demars und ſeines Neffen begannen , fehen wir einmal wieder beide Landesherrn in bedenklicher Trennung einander gegen: über.

Nicht gewißigt durch das Beiſpiel des geſtraften Für:

ften von Rügen hatten Otto von Stettin und ſein fråftig herangewachſener Sohn Barnim , im Vertrauen auf den Schuß des Markgrafen , der um dieſe Zeit mit dem Erz. biſchof Burkhard die Alvensleben und ihre Helfer zu Paaren trieb, ' ) Vafallen und Stådte durch Beeintråchtigung ſo hef tig gereizt , daß fie, dem Fürſten den Gehorſam verſagend, nach der Verfaſſungsurkunde vom Jahre 1295 ihr Recht bei Wartislav forderten , ? ) und jenen nöthigten , außer Landes beim Markgrafen Hülfe zu ſuchen. Zu Stormerswerder, einer Inſel im Haf, an der Küſte von Wollin , 3) hielten die Stådte und Vafallen aus dem Gebiete Ottos am 22. Juni 1319 eine Zuſammenfunft mit Wartislav , und ſchloſſen mit ihm einen Vertrag , fraft deffen ſie ſich anheifchig machten , dem Herzoge gegen ſeine Bedrånger innerhalb der Pene, Swine, Nege , Warte und Oder , alſo auch auf dem Gebiete des Markgrafen , Folge zu leiſten , “ ) und dagegen verlangten, daß

gut in Pommern ſiehe die gründliche Abhandlung von Ledebur im Archio XVI. S. 314. ' ) Pulkava p . 261. Höfer Auswahl S. 130, Urk. Magdeburg 1319, 18. März 2 ) Dreger VI. nr . MCCCXXV. 3 ) S. über die Lage Roſegartens Geſchichtsdenkmäler I. S. 362. 4) In der Urkunde heißt es : usque ad influvium fluminis Wartae in ipsam Oderam et non ultra tanquam ex debito, 11 Barthold Geſch. v. Pomm, III,

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Vertrag von Stormeswerber.

er ihnen gegen eine Anzahl Edelleute, unter denen Konrad Flemming , ' ) Teſlav von Bevenhuſen auch ſonſt namhaft ſind, und Hermann Zylbur, Ottos Hofmarſchall, ſich befand, ſo wie gegen deren Gehülfen beiſtånde, zumal um Burgen zu brechen , welche ihnen im Gebiete Ottos nachtheilig wåren . Sie erforen wegen ihres Nothſtandes den Herzog Wartislav zum Beſchůßer und Vormund, bis der rückkehrende landes: herr ihnen Gerechtigkeit wiederfahren ließe ; die Koſten eines etwanigen Krieges follen Otto und Barnim bezahlen , oder, weigerten ſich dieſe , Wartislav mit ihnen dazu beitragen , daß ſie aus einer allgemeinen Landesſteuer erfeßt würden. Indem die Vafallen und Städte Ottos gelobten, ohne War: tislav keinen Vergleich einzugehen , und ihm für die Vor : mundſchaft und die Mühe während des Haders von jeder Hufe ſechs Schillinge

jährlich verſprachen ;

vom Herzoge Schutz vor der Ahndung

erwarteten ſie

des růckkehrenden

landesherrn, und daß jener ohne ſie feinen Vertrag ſchließen würde. Die Stadt Greifenhagen muß beſonders durch Otto verlegt worden ſein ; denn ſie bezeugte ? ) mit ehrerbietiger Erwähnung des Herzogs Otto , daß ſie mit den anderen Stådten und Vafallen deſſelben , ju feiner Ehre und zum Frommen des Landes , " fich init Wartislav gegen die obges nannten Ritter berbündet habe und verſprach ihm für die Reiſe Entſchådigung, ſo wie für die Koſten, falls ſeine Schldf ſer von den Friedensſtörern angegriffen würden .

Graf Ni

colas von Gúglow und viele namhafte Ritter bezeugten den Vertrag, welchen Wartislavs Stådte und Vafallen verbürg

* ) Konrad Flamingk, Ritter, in einer Urkunde Ottos von 1314 bei Schöttgen et Kreyssig III. p. 25. Ubesco senior, Konrad, deſſen Sohn, Hermann Zulbur, magister nostrae Camerae. 2 ) Stavenhagen S. 470 Urk. 116 : ad honorem ejusdem Domini nostri et terre ipsius utilitatem ; dat. et act. Stormentwerder a. 1319 secunda feria proxima ante festum Sancti Johannis Baptiste.

Tob Markgraf Waldemars.

163

ten, und dafür von ihm, wie Anklam ' ) und Greifswald, ?) Rückbürgſchaft urkundlich nahmen .

Ueber den weiteren Verlauf der Sache wiffen wir nichts , als daß Garz von Otto und dem Markgrafen belagert und , mit angelegten Befeſtigungen bedrångt , ſich am 2. Auguſt Aasſöhnung erwirfte, indem es 3000 Mark Kriegskoſten zu zahlen und jährlich auf Martini 40 Marf zu entrichten ver ſprach ; dagegen aber alle früheren Freiheiten beſtåtigt er: hielt , ſo wie die Zuſicherung, daß die Zwingburg geſchleift werden ſollte. Solche That war

aber auch die lettbezeugte Res

gentenhandlung Markgraf Waldemars in ausländiſchen Håns deln ; zu Bårwalde in der Neumark weilend , beſchenkte er noch am Sonntage vor Mariả Himmelfahrt (15. Auguſt 1319) das Stift Havelberg 3 ) und ſtarb dann unerwartet , 4 ) ohne Nachkommen ; mit Hinterlaſſung einer jungen Wittwe Agnes. Die Gebeine des legten der berühmten Markgrafen, — denn ſeine beiden Neffen , Heinrich und Waldemar , welkten bald darauf thatlos hin

trugen die befreundeten Fürſten und

) Stavenhagen S. 351 Urk. 38 : Nos Wartislav d. g. Slavie Cas confederationem seu conspirationem per subie Pomeranieque Dux nos factam cum vasallis et ciuitatibus incliti principis nostri dilecti patrui domini Ottonis Ducis Stettinensis pro quo amore nostri dilecti nostri consules civitatis Tanglim suis patentibus litteris promiserunt, illesam tenere inviolabiliter observare secundum tenorem qui in dictis litteris lucidius continetur. Datum Tanglim a. 1319 feria sexta in die petri et pauli. 2 ) Dähnert pommerſche Biblioth. IV . S. 96. Urkunde für Greifs walb , auøgeſtellt mit denſelben Worten , mit gleidem Ort und Datum. Auffallend ſind als Zeugen die Rathmannen von Templin , einer mär fiſchen Stadt. * ) Buchholz V. Anhang I. S. 18 . 4) Der Todestag iſt leider nicht angegeben. Pulkava p. 266 ſagt nur: Hic Woldemarus sub anno Domini MCCCXIX. moritur et in sepulcro suorum Patrum in Chorniensi monasterio sepelitur. von Kirchberg K. 161 ; „ eyn snelle suchte quam in an. ” 11 *

Ernſt

Ausgang der anhaltiſchen Markgrafen .

164

fein Hofgeſinde in die Gruft der Våter im prangenden Klo: fter Chorin, das, nach der Reformation verodet und jeßt nur noch in ſeinen Mauern erhalten, keine Spur von der Ståtte aufzuweiſen hat, wo der Leştling ſeiner erlauchten Stifter die Ruhe fand . ' ) So viele leiden der anhaltiſche Stamm unſeren Sanden gebracht , ſo muß doch das hohe Verdienſt deſſelben um die Germaniſirung des Flaviſchen Nordens dankbar erfannt wer: den ;

da

Albrechts des Båren

Nachkommen

es waren,

welche, raſtlos thårig , hier deutſches Recht und deutſche Humanitat pflanzten

und pflegten ,

die Dede überwanden ,

und zumal das Bürgerthum ſegensvoll entwickelten .

Fünftes

Kapitel .

Wartislav IV. Vormund für Markgraf Heinrich ; Kampf um die Mar fen nach dem Tode des leßten Markgrafen 1320. Inniges Zuſam menhalten beider Linien und des Biſchof von Mamin. Erbvereini gung mit Rügen . Theilbeſib der Udermark. Entſcheidung durch Ludwig den Baier , den Sieger von Mühldorf i. J. 1322. Streit mit dem neuen Markgrafen Ludwig wegen der Oberlehnsherrlichkeit. Chriſtoph von Dänemark. Mit Waldemars Tode ſanf die Macht und Blüthe der Marken , und beginnt unter entfeßlichen Kriegen ein neuer Abſchnitt der ſtaatsrechtlichen Entwickelung Pommerns . Die Hoffnung unſerer Herzoge , nicht allein ein Vers håltniß zu beenden , das ihnen faſt ein Jahrhundert låſtig geweſen, ſondern auch wieder zu gewinnen, was ihnen an uraltem Gebiet in Hinterpommern, der Neumark, dem Bar: nim , der Uckermark und im Lande Stargard verkürzt war, durchdrang ploßlich mit belebender Gewalt unſere Fürſten ;

- ) Um den hohen Chor find augenſcheinlich ſchon in alten Zeiten kapellenartige Gebäude aufgeführt geweſen. Im Innern des hohen Chors iſt ber Boden längſt aufgeriſſen , ſo daß kein Grabſtein zu finden iſt.

Wartislav IV. als Vormund Heinrichs bes Kindes.

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die Wichtigkeit der Umſtånde ermeffend , reichten ſie ſich die Hand zur Ausſöhnung, und entwickelte zumal der kluge und entſchloſſene Wartislav nach allen Seiten hin eine bewundes rungswürdige Thåtigkeit , welcher der ritterliche Ehreifer und die erwachte Vaterlandsliebe ſeiner Vaſallen verheißlich bes gegnete.

Als Erbe der geſammten Marf galt Heinrich das

Kind; ' ) der Sohn Heinrichs, des Vaterbruders Waldemars, den zwar die lande anerkannten , aber zugleid ſich bemühes ten, bei der Unmůndigkeit des Fücſten Souß unter der Vors mundſchaft måchtiger und kluger Nachbaren ju ſuden . Drei Fürſten waren es , die nicht ohne eigennůßige Abſicht der lohnenden Landesverweſung ſich unterzogen, oder ihr ſich aufs drångten ; Heinrich der lôme von Meklenburg, Rudolf Hers zog von Sachſen , deffelben Stammes mit den jungen Mark: grafen, aber mit dem König Pudwig in Streit, und deshalb in ſeinem Anrechte auf die Vormundſchaft nicht begünſtigt; und Wartislav von Pommern .

Als vierter håtte ihnen ges

wiß König Erich Menved ſich zugeſellt, wäre nicht verhång nißvoll um dieſelbe Zeit auch er (13. November 1319) erb: los geſtorben , und die Krone Dånemarks an ſeinen Bruder Chriſtoph II. , der flüchtig bis dahin am Hofe Wartislavs und in Stralſund gelebt , ) durch eine demüthigende Wahl: acte gefallen ( 10. Januar 1320 ).

Am früheſten griff der

Meklenburger mit unanſtåndiger Gier zu ; ſchon am 20. Auguſt und am 21. September 1319 öffneten

ihm uckermårkiſche

und priegnißiſche Edelleute ihre Schloſſer, ſich ſeinem Schuße

* ) Heinrich das Kind hatte nod einen Bruder, Waldemar, welcher, iſt anders die Jahreszahl richtig , noch im Auguſt 1322 lebte. Raumer Cod . dipl . Brand. I. p. 6. 2 ) Dahlmann I. S. 442. Suhm XII. p. 3. nr. 4. Suhms Annahme, Wartislavs IV. Schweſter, Euphemie, ſei eine Gattin Chriſtophe gewes ſen, ſcheint mir durch die Urkunde ø . J. 1315 nicht erwieſen . Der Aus brud frater carissimus läßt dieſe Folgerung nicht unbedingt zu . Audi Dahlmann I. S. 457 nennt Chriſtophe Gemahlin Euphemia, die Tochter Bogislavs von Wolgaſt.

166

Wartislaw als Vormund Heinrichs bes Kindes.

unterwerfend ;-)

und begann der Löwe in der Uckermark

fich feſtzuſeßen , die er als ein Zubehör des Landes Stargard betrachtete. Aber Wartíslav , wahrſcheinlich in Chorin zu : gegen bei der Beſtattung Waldemars , überfam ein ſcheins bareres Recht, indem die Vafallen und Städte , ſo wie die ganze landſchaft der Neumark, des Landes Lebus, Frankfurt und Måncheberg, ihn zum Vormund für den jungen Mark : grafen ernannten ; während gleichzeitig Herzog Rudolf von Sachſen aus dem Stamme Anhalt, als Vormund der Wittwe Agnes , in den ſüdlichen nnd weſtlichen Theilen der Mark Am Michaelstage (29. September) 1319 zu Arns. walde mit den Stånden zuſammengekommen , 2 ) gab Wartis :

ſchaltete.

Vormund ſeines „ lieben Schwagers“, Markgraf Heinrichs, eine Reihe Verordnungen zu Gunſten der Mannen,

lav als

Stådte und der Bauern jener Gebiete, welche für das Ab: gabenweſen und der Rechtsverhåltniſſe der Marken von höchs ſter Wichtigkeit ſind. Er verſprach einen eingeſeſſenen Mann als Voigt zu beſtellen , verlieh ihnen freigebig Vorrechte in ſeinen landen , übernahm mit den Unterthanen die Vertheis digung des Kindes, doch mit bedenklichem Vorbehalt „beſſe: rer Rechte und Anſprüche,“ und verpflichtete ſeinen Måndel, in voigtbaren Jahren alle Beſchlüſſe der Vormundſchaft zu beſtåtigen.

Eine bedeutende Zahl von Rittern , pommerſchen

ſowohl als mårfiſchen , ) und von Bürgern bezeugte dieſen Vertrag , welcher einige Tage darauf am 4. October 1319 noch an Stårte gewann , indem die Rathmannen und Ges meinde zu Königsberg erklårten, daß ſie „nach gemeinſchaft der Landſchaft über der Oder," den Herzog Wartislav zum Vormund und Beſchirmer des Markgrafen

licher Wahl

? ) Rudloff I. S. 235 aus den Driginalurkunden bei Chemnis . 2 ) Gercken Cod. III. p. 88 ff. 3) Unter den Zeugen Haſſe von Cremoseue, Kremkow an der Ihna, an der, auf einer Inſel, die Trümmer der alten Burg noch fichtbar ſind. Haſſe war einer der mächtigen Webel , wie die nächſte Urkunde bezeugt.

Heinrichs von Meffenburg Anſprüche.

167

erkoren håtten . ' ) Sollte der Vormund Krieg und Noth des Landes wegen haben , ſo můſie ſein Måndel die redlich bezeugten Koſten tragen ; weigere dieſer ſich deſſen, ſo gelob: ten ſie 2 ) dem Vormunde nicht abwendig zu werden, bis ihr Herr ihn mit Pfand oder Geld entſdådigt habe."

Aber

gleichzeitig wie Wartislav ſolche Verpflichtung zu handhaben begann , am 29. September 1319 , verbärgte ſich die Stadt Neu-Brandenburg zu Woldek für alle Artikel , über welche Herc Heinrich von Meklenburg mit den Städten Prenzlau , Parewalk, Schwedt, Angermünde , Brandenburg , Behdenif, Fürſtenberg, Templin , Fürſtenwerder, Straßburg , Jagow (welches, jeßt ein Dorf, damals als Stadt mit einem Roland pran gte) und

mit den Vaſallen in den Voigteien Stolp,

Jagow und Liebenwalde übereingekommen war , ' ) ſo daß den Pommern die Entfremdung desjenigen Theiles der Mark drohete, deffen Beſiß ſie am ſchmerzlichſten vermißten . Darum rüſtete ſich Wartislav geitig zum Kampfe gegen den Me: flenburger und ſorgte inzwiſchen umſichtig für die Ruhe ſeis ner eigenen Lande. Am 5. December 1319 feßte er zu Hohendorf bei Wolgaſt, 4) um landfrieden und Verkehr zu fichern, mit Rath des Grafen Nicolaus von Gůßfow , aller Baſallen und der Stadte Greifswald, Demmin und Anklam , den gedachten Herrn zum Richter und Hauptmann diefſeits der Swine und Pene ' , ſo wie im Lande Süßkow ein , und ſtellte ihm als Gehülfen zwei Vafallen und zwei Rathmån ner von jeder Stadt zur Seite, um über jeden Friedensbruch,

° ) Urkunde bei Söfer Auswahl S. 138. 2) Daf. Were dat he des nycht en dede , so schole sy dat weten , Hertoge Watzlav , dat wi Juuer nycht vertygen en willen und afstan wend in dy Tyt , dat use herre dy Marcgreue en des untworren heft mit Pande oder mit Penninghen. 3 ) Urk. bei Sedt I. S. 171 . “ ) Urt. bei Stavenhagen S. 318, nr . 36 dat. in villa Hogendorp a. 1319. 5 December.

Wartislavs Wirfen für den Landfriebert.

168

Raub , Brand

und

jede Nothzucht zu richten .

Weil der

Rath zu Greifswald, wo viele andere Städte läbiſchen Rechts ihr Urtheil in ſchwierigen Fällen holten , durch Gerechtigkeits eifer beſonders ſich auszeichnete, übertrug ihm und den Bürs gern Wartislav am 7. Mai 1321 das Vorrecht, zu jeder Stunde innerhalb der Swine und Pene Uebelthåter und landfriedenbrecher zu greifen , und die

Todesſtrafe zu vers

hången und ſelbſt gegen Vafallen und Bauern des Herzogs als Heger und Helfer der Friedloſen nach „ Vehmrecht " Ein löblicher Sinn für das öffentliche Wohl legte ſich in dieſer Verordnung dar ; zugleich aber auch dies

zu verfahren. ' )

felbe Unfähigkeit des landesherrn, unmittelbar ſein Obers richteramt zu üben , welche die deutſchen Könige veranlaßt hatte , die Aufrechthaltung des Landfriedens einzelnen Bündniſſen zu übertragen.

Aber Wartislav vermochte auch über die nåchſten Be: dürfniſſe

hinwegzublicten , und arbeitete daran , ſein; land von dem brandenburger Lehnszwange zu befreien , ein Ziel, das um ſo locfender winkte, da der ſchwachliche junge Mark: graf ein kurzes Leben verhieß.

Das ' pommerſche Staats:

recht erachtete das Lehnsverhältniß zur Mark ſchon jeßt nicht als ein urſprüngliches , ſondern nur als ein perſönliches,

' ) Dähntert pommerſche Biblioth . IV. S. 97 dat. Grypswold a. 1313 crastino Johannis evangelistae ante portam latinam (6. h. Johannes stro vor den Pforten , 7. Mai) p. 98. Ceterum si quis Vasallorum rum vel villanorum sive quicunque in terra nostra praemissa scienter et ausu temerario contra libertatem per nos Consulibus et ciuibus in Grypswold concessam tales malefactores in suis munitionibus aut domibus occultaret, reservaret, teneret et tueretur, volumus quod ta lis domesticus cum hospite aequali et pari poena et supplicio sub jacebit, quam quidem poenae executionem contra reservatores, reten tores occultatores et defensores illorum facinorosum similiter Con sulibus in Grypswold quodam judicio à nobis obtento , vulgariter rem nuncupato , quo tamen non obstante contenta in praesentibus debent in suo vigore permanere. Nads Geſterding, Beiträge S. 34 Vem - zu leſen . iſt für vulgariter rem nuncupato

Wartislavs Senbung an Ludwig ben Baier.

169

von welchem ſie durch Waldemars Tod freigeſtorben " wåren, und deshalb in ihre Unmittelbarkeit zurücktråten. Noch war der Kampf zwiſchen den Gegenkönigen nicht ents ſchieden ;

aber

der Baier galt im Norden als der redits

måßigere.

Deshalb beſchickte Wartislav den König Ludwig mit der Bitte , ihm Aufſchub wegen der Lehnsempfångniß zu geſtatten ; und Ludwig, begierig jede Hoffnung der Aners kennung zu umfaſſen , nahm feinen Anſtand, ſchon am 6. Ja nuar 1320 zu erlauben , „ daß , weil der Herzog wegen der Gefahr des Weges zur Lehnsempfångniß nicht zu ihm fom men könne , derſelbe einen Indult von nåchſtem Oſterfeſte auf

ein Jahr

erhielte.

Solcher Aufſchub

ſollte

eintreten

ohne Gefahr des Lehns, und wurde der König, wenn er in stiſchen die Marken einem Herrn verliehe , die Pommern der Herrſchaft keines anderen unterwerfen ." " ) Die Ausſicht auf die ſchmerzlich vermißte Unabhångig keit beflügelte den Muth Wartislavs , wirfte aber auch auf ſeinen Oheim Otto dahin , daß er am 2. März 1320 für fich und ſeinen Erbnehmer eine ewige Einigung ausrichtete. Otto gelobte mit allen ſeinen Mannen , Soldffern und Gåtern gegen jedermann zu helfen , „ mit ihm zu gedeihen und zu verderben . "

Hielt er dieſe Stücke nicht, ſo berechtigte er

die Vafallen , Stådte und Schidffer, ſich ſo lange jenem zu unterwerfen , bis er mit der That ſeiner Pflicht nachgefoms men ſei.

Nach ro bůndiger Verſicherung, welche die vor:

- ) Greinir St. III. S. 109: humilibus supplicationibus Wartislai Ducis — inclinati eidem permittemus cum propter Discrimina viarum mature nequeat accedere Celsitudinem ut a receptione feodorum suorum a nobis et imperio recipiendorum supersedeat a festo Pasche proxime venturo ad unum annum integrum nec sibi ad hoc aliquod praejudicium quo ad praedicta feoda - generari. Medio etiam tempore nulli alteri Dominio predictum Wartislaum subjici volumus, etiamsi nomine imperii provideremus. Marchie Brandenburgensi pro nobis et sacro Rom. imperio cui divina gratia presidemus. S. Sowars Lehnshiſtorie S. 303.

170

Johann XXII. gegert bett Orbert.

nehmſten Vafallen und die Rathmånner der Stådte bezeug ten , fonnte Wartislav , weil die entſcheidende Stunde des Ausſterbens der Markgrafen immer näher rückte , Angriffs und Abwehrsmaßregeln nach allen Seiten treffen. Im Juni 1320 eilte er mit anſehnlichem Gefolge , auch den Vaſallen des Biſchofs Konrad , zumal mit dem Grafen Hermann von Eberſtein , nach dem äußerſten Hinterpommern , für deſſen Sicherheit der Einſpruch des Herzogs Wladislav , geſchüßt vom påpftlichen Stuhle , Gefahr drohete. In feiner Ohn macht hatte der Piaſt den Streit um Pommern an den römiſchen Stuhl gebracht, und Johann XXII ., aus Abneis gung gegen den Orden , im September 1319 dreien polniſchen Prålaten die ſchiedsrichterliche Unterſuchung übertragen . ” ) Von jenem anmaßungsvollen Gerichte im Frühling 1320 nach Inowraclav geladen , vertheidigte der Orden , furchtlos im Beſige , fein Recht vor den parteiiſchen Schiedsrichtern, und ließ durch ſeinen

Sachwalt Berufung beim römiſchen

Stuhle gegen das Urtheil derſelben einlegen , unterdeß jene mit der Unterſuchung fortfuhren , und endlich den Orden zur Zurückgabe des landes Pommern, zur Entſchädigung von

' ) Höfer Auswahl S. 140 , plattdeutſch ohne Ortsangabe , datum nädyften Sonntag vor Mitfaſten. Wi scholen unde willin eme unde sinen Erfnamen helpen mit aller macht, mit manen , Lande unde mit Sloten unde mit Lute unde mit Gude, gegen alle de dar leuen, Vor sten und Heren , so we se sin , jo wille wi mit en dien unde ver deruen ; Vort mer wi unde use Erfnamen unscholen nicht eme useme Vedderen unde sinen rechten Erfnamen antfernen , oder uter Hant brengen ienegerleye Wis use Lant und use Herschop mit Rade oder mit Dade unde sinen Schade negern , weruen oder beweten. Were det wi alle desse Stucke nicht erhelden , oder eyn gebreken ; So scho len use Lant, man , Slote unde Stede sic holden an usen Vedderen , Hertogen Wartslav unde an sine Erfnamen, also lange went wi dat vollenkomen weder doun mit der dat unde holden alle dat hir vor bescreuen steyt mit Vlite unde mit Truwen . 2 ) S. über dieſe Händel Boigt Gelds. IV. S. 375 ff. Narusze wicz VIII. p. 160 ff.

Wartislav im Bunde mit dem Orbent gegen Wladislav.

171

30000 Mark Silbers, und zur Erſtattung der Koſten ders urtheilten !. Zwar appellirte der Orden von neuem gegen ſol: ches Verfahren , da aber inzwiſchen Wladislav ſich die Kids nigskrone aufregte und Gewaltverſuche zu befürchten ſtanden , kamen die Inhaber Pommerns , Wartislav und der lands meiſter von Preußen , Friedrich von Wildenberg , zu Anfang des Juli 1320 am Ufer der leba , auf ihren Grenzen gus ſammen . ')

Hier

erklärten

beide , „ in deren Hånden die

Herrſchaft kundbar ſtånde ;" 2 ) zur Sicherſtellung des Frie dens der Unterthanen gemeinſchaftlich mit dem Biſchofe Kon rad von Kamin ſich gegen jeden Eingriff der Fürſten von Polen auf das flaviſche Pommern 3 ) zu vertheidigen.

Fiele

dagegen ein polniſches Heer in das Gebiet des Biſchofs dies reits der Perſante ein ; ſo wollten ſie beide, der Herzog und der Sandmeiſter, ihm mit der Rraft von ganz Pommern ohne Verzug beiſpringen .

Beſorgt vor Streifzügen der polniſchen

Beratung in Nafel verpflichteten der Biſchof und der Hers zog den Orden, ſolchen Räubern bis gegen Wyrig ( Wirſig ?) entgegen zu ziehen ; man beredete ſich jene gefährliche fried loſe Grenzburg der Polen (deren legte Spur, ein mächtiger Wall, mit ſehr geringem Gewinn vom fandigen Boden in dieſen Tagen vernichtet iſt), 4 ) auf gemeinſchaftliche Koſten zu erobern, und gemeinſchaftlich zu befeßen , gelobte bei entſtan denem Streite Zweier dem Schiedsausſpruch des unbethei

' ) Irk. des fönigsb. geb. Archivo, dat, in Pomerania prope fluvium Leba, VI. Non. Julii 1320. 2 ) A. 4. D.: Quod cum terra Pomeranie ad nos spectare et ipsius regimen in nostris dependere manibus dinoscitur. 3 ) Daſ. Preterea si alicujus nostrum terra siue dominium quod solum notamus in terram Pomeranie invaderetur, extunc cet. 4) Der Verf. ſah im Herbſte 1841 mit Bebauern die mächtigen Wälle verſchwinden und die erblühende Stadt eines anziehenden Punktes Beraubt. Viele aufgefundene Steinkugeln und roſtige Waffen bezeugent eine brangvolle Bergangenheit. Rakel hat kein altes Gebäude mer aufzuweiſen.

172 Otto uno Martigiay nehmert ihr land wom Bløtlumit zu lehrt. ligten Dritten ſich zu fågen und erſtreckte die Dauer des Bündniſſes vom nåchſten Michaelis Zeugen

unterſchrieben ſich

auf drei Jahre.

Als

Graf Hermann von Eberſtein,

Heinrich Behr, der vielbetraute Marſchall Wartislavs, Herr Peter von Neuenburg und ein Putfammer (Putcummir ), ſo wie einige Domherrn von Kamin , und weil die Bundesacte nicht förmlich beſiegelt werden konnte, verbürgte ſich Henning Behr an demſelben Tage für die Aufrechthaltung derſelben mit ſeinem Siegel. So im neuerworbenen Oſtlichen Gebiete geſichert, eilte Martislav wieder an die Oder, wo unterdeß eine getůmmels volle Bewegung herrſchte , weil der Leßling Albrechts des Båren , Heinrich , am 18. Juni 1320 von König Ludwig zu Frankfurt mündig erklårt, bereits im Scheiden lag. ' )

Ehe

der Herzog jedoch in der Uckermark den Meklenburgern ents ſchloffen gegenüber trat , empfahlen Otto und Wartislav zu Konigsberg

in der Neumark in frommer Klugheit , welche

das Vorurtheil der Zeit rechtfertigt, ihr fand der firchlichen Obhut , indem ſie am 16. Auguft, um nicht unter markirche Lehnshoheit zurückzufallen , und vielleicht auch die Anſprüche des Polenkönigs zu entfråften, ihre Lånder und Leute , falls ihr Mannsſtamm ausſtürbe, dem Bisthum Kamin ſchenkten, und dieſelben , wie Barnim I. fráher mit einzelnen Theilen feines Gebies gethan, vom Stift zum Lehn nahmen . ” ) Ohne einen Mißbrauch

vom

treuen landesbiſchofe zu fürchten,

konnten die Herzoge einen ſo gefährlichen Schritt wagen, der ihnen nach allen Seiten Sicherheit verſprach. Aber mit ſo auffallender Handlung frommer Einfalt ging argliſtige Klugheit Hand in Hand. Als weiblicher Ver:

) Der Todestag Heinridys ift unbekannt. Budbol V. S. 27. Anh. I. Ernſt von Kirchberg R. 161 ſagt: ,,in ward jemirlich vergebin . " 2 ) Urkunde bei Dreger. S. Wuja l. c. p. 542 masculis haeredi bus deficientibus.

Einigung Wartislavs mit Heinrich von Schleſien .

173

wandter der Markgrafen hatte auch Herzog Heinrich von Soleſien , Herr zu Fürſtenberg und Jauer , Unſprüche an die Neumarf jenſeits der Warte und der Lauſit echoben, aber dieſelben dem Könige Johann von Böhmen übertragen, und traf, um nicht leer auszugehen , zu Frankfurt am 27. Juli 1320 mit Herzog Wartislav die Uebereinkunft, ihm gegen jedermann , mit Ausnahme des römiſchen , böhmiſchen und polniſchen Königs und ſeiner Vettern zu helfen . ' ) Indem der Piaſt ſich den Beſig der bisher von ihm eroberten Stådte und Schlöſſer vorbehielt, bedingte er ſich den gleichen Antheil aller gemeinſamen künftigen Erwerbungen , mit Ausnahme der Udermark. Daß Wartislav ( chon im Juli 1320 an die Einziehung des Uderlandes und die Vertreibung der Meklens burger dachte, und daß überhaupt der Rückfall aber einſt den Pommern entfremdeten Lånder bevorzuſtehen ſchien , lehrt die folgende Bedingung, 2 ) daß wenn Wartislav das Uckers land zur Zeit noch nicht erobert habe, und er daſſelbe nur mit Hilfe des Schleſiers gewonne, er zur Theilung verpflich : tet wåre, den Barnim aber, mit der Stadt Eberswalde, får ſich behalten ſolle.

Im Einlager zu Frankfurt, Kroſſen und

Landsberg ſollten vier Ritter, unter denen wir pommerſcher Seits den Wedig Wedel und Henning Behr finden, etwanigen Hader ausgleichen . Aber Wartislav und Otto bedurften nicht der eigens núßigen Beihülfe der Piaſten ; denn bereits hatten Prenzlau, Paſewalk, Templin , während eines Zuges des unglüdlichen Heinrichs gegen die Ditmarſen , 3 ) ihre vorſchnelle Verpflich : tung an den Meklenburger gebrochen und ſich unter den

' ) Höfer Auswahl S. 354. ? ) Daſ. Were dath euer also , dat Hertoghe Wartislav der Uķer noch nicht inghenomen hette up dessen Dach unde unser Hulpe dartu bedorfte und dat Land mit unser Hulpe betwughe , so sal he dat selve lant, dy Uker, mit uns teylen. 3) Kirchberg R. 163.

174

Chriſtoph von Dänemark für die Serzöge.

Schuß der Pommern begeben. Dbenein hatte Chriſtoph, Martislavs Freund , ungehalten über den meflenburgiſchen Lehnsmann , ſich der mårkiſchen Sache unterzogen , ſo daß Dtto und Wartislav am 24. Auguſt 1320 zu Paſewalt ges lang , ' ) durch Berleihung großer Vorrechte an Prenzlau, durch Abtretung des oberſten Gerichts , des markgräflichen Zolles , der Geſtattung der freien Fahrt , auf der damals Verzich

noch ſchiffbaren Ucker bis ans Haf, der zeitweiſen

tung auf Bede und Orbar , endlich der Zollfreiheit in Dås nemark und in den pommecſchen fanden , dieſe Stadt, wie Paſewalk und Templin , zur Anerkennung Chriſtophs als rechten Vormunds und Schirmers ? ) zu vermogen , und an deffen Stelle den Herzog gelten zu laſſen , „welcher einen Landfaſſen als Voigt beſtellen ſollte ." Die eigentliche Abſicht der Vormůnder verbarg ſich unter der Verſicherung , ) daß wenn ein römiſcher König , einträchtig von allen Kurherren, (Kurfürſten ) erwählt , und von demſelben ein Fürſt in die Marfen eingeſetzt werde , der am fande befferes An : recht hätte , als der König von Dänemark und ſie beide,

' ) Sedt I. S. 173 dat. Paſewalk in Sunte Bartolomeus ub pent 1320. 2 ) Daſ. S. 174. Vortmer bekenne wi (Otto und Wartislav) des dat desse vorbenomenden stede hern Christophorc den Konig van denemarken hebben genomen tu eneme rechten vormundere vnd beschermere, vnd vs twen van siner wegene. 3 ) Daſ. A. 8. D. Vortmer worde eyn römes Konig gekorn in ener endrachticheyt alle der Korhern gekorn. vnde eynen vorsten in dese lant sende tu den steden vnd tu den mannen . vnd vns dat be wisede dat he beter recht hadde tu den landen wenne de Konig van denemarken oder wi beyde oder vser eyn oder vse erfnamen so scal de Konig vnd wi von deser vormundscap laten mit willenn. tu vorn scal man den vorbenomenden Konig van denemarken , vs vnde vse erfnamen afnemen vnd gelden , alle Kost vnd scade werde gegulden und gelegert. Die Zollfreiheit im Sunde, welche ſichy Prenzlau damals erwarb, genoß in der zweiten Hälfe des vorigen Jahrhunderts ein fran zöſiſcher Kaufmann zu Prenzlau, Sedt I. S. 58. Sdwerlich aber babent je die Prenzlauer bedeutenden unmittelbaren Verkehr feewärts gehabt.

Heinrichs von Meklenburg Einfall in die Udermark und Pommern . 175 fie

die Vormundſchaft aufgeben

würden ,

die Entſchådigung ihrer Koſten geſichert fei.“

wenn

ihnen

Die Raths:

herren von Greifswald, Demmin, Anklam, Stargard, Stets tin , Pirit, Greifenhagen , Garz und Penkun übernahmen die Bürgſchaft dieſes Vertrages an demſelben Tage ; ' ) weil je: doch die inländiſchen Städte Einbuße durch die Abgabens freiheit der Uckermark in ihrem Gebiet erfuhren , erklärten Otto und Wartislav noch am 24. Auguſt 1320 ihnen dafür verhåltniſmäßigen Erſaß zu gewähren. 2 ) Aber auch der Piaſt Heinrich, den wir im Herbſte 1320 zu Wordingborg als geſchworenen “ Rath Chriſtophs finden , fonnte die Uckermark und Pommern nicht eines Verheerungs frieges von Seiten des Meklenburgers überheben ; Heinrich fiel ergrimmt die nächſte Stadt Templin an , eroberte ſie, baute ihr zum Zwang das Schloß Gerswalde , trug reine Waffen bis in die Nähe von Stettin , befeſtigte das alte Schloß zu Vierraden :) ſtårker ,

und

regte ſich ſelbſt in

1 ) Urkunde bei Sedt a. a. D. 2) Stavenhagen S. 347. Urk. nr. 35 dat. Pozcwolc a. 1320 in reco vigilia divi Bartholomei Apostoli. Nos Otto et Wartislaus Civita Commune et Consules et velimus gnoscimus quod debeamus tum nostrarum Grypeswald , Demmin , Tanglim et Stargard reddere indemnes pro eo quod Consules et Commune Civitatum Primislavie, Pozwalc et Templin dimiserint in suis Civitatibus a solutine Telonii et alicujus Ungeldi liberos et solutos et pro eo ipsis in certis redi tibus condignam facere Telonii recompensam. Der Stadt Greifswald erließ Wartislav am 28. September 1320 den Zoll in ſeinen Häfen und ſpradh fie von der Bürgſchaft los. Dähnert pommerfche Biblioth. IV . S. 96 dat. Wolgast 1320 in vigilia beati Michaelis; ſo wie Stadt Demmin, f. Daf. V.S. 91 ; ebenſo Anklam , f. Stavenhagen S. 345 nr. 32. 3 ) Ernſt von Kirchberg A. 163 , 164 nennt beſonders Bierraden ; über welches ſiehe den gründlichen Aufſaß Balt. Studien IV. 2 S. 114 ff. Rody im Sommer 1322 beſaß Heinrich Templin , Sdiwebt, Torgelow und Tweraden . Diplom. Meklenb. bei Westphal t. IV. p. 961. Aber ein duo rotae kennen wir nur bei Soldin, wohin gewiß der Meklenbur ger nicht drang. Vierraden ziert noch heute ein mächtiger Thurm , vom Waſſer der Welle umgeben, der jedoch wohl nicht erſt zu Heinrichs Ta gen erbaut worden.

176

Einigkeit der pommerſchen Herzoge.

Beſig von Torgelow bei Ueckermünde.

Unangefochtener da:

gegen behaupteten die Herzoge ihr Anſehen als Gebieter in der Neumark, zu einer Zeit als die Auflöſung alles öffent: lichen Rechtes, die Landſchaften und Städte in der Altmarf, Mittelmark , im Barnim und in der Lauſit nöthigte , die Landfriedensſtörer und Räuber gemeinſchaftlich

zahlreichen

zu verfolgen. Ein ſchönes Zeichen erwachten Familienſinnes unſerer Fürſten war , daß Otto und Barnim am Tage des heiligen Dtto , 2. Juli 1321 , des faſt vergeſſenen Pommerapoſtels, defien Andenken Barnim zumal wieder ins Leben rief, zu Monfendorp unweit Gollnow bei der Landſcheibe, ſich mit Wartislav nicht allein zur Gemeinſchaft der Staatsverwal: tung einigten, ſondern auch auf vier Jahre eine gemeinſchaft: liche Hofhaltung, mit Einziehung ihres überflüſſigen Geſindes beſchloſſen , um durch weiſe Sparſamkeit in bedrångter Zeit ihre Schulden zu tilgen . ' )

Wir gewinnen Gelegenheit, das

Maaß und das Bedürfniſ einer fürſtlichen Hofhaltung kens nen zu lernen , das bei aller Einfalt der Zeit noch ſtattlich genug war.

Die Herren kamen überein , ihr Hoflager , mit

Wartislav vereint , wechſelnd in den vier Landestheilen auf zuſchlagen. Den erſten Bezirk ? ) bildete das land jenſeits ) Dähnert Samming I. 5. 244 nr . 2 dat. et act. in villa Moen kendorp a. 1221 ipso die Ottonis confessoris. Federationis unionem cum omnibus nostris terris et bonis propter communitatem rei puo' blice inivimus et fecimus cum amantissimo nostro patruo Domino Wartislao, Duce Slavie, Cassubie et Pomeranie cum codem non im merito inivimus et in presentibus inimus expensarum et curie ad quatuor annos omnimodam unionem quo ita per nostrorum mutuam providentiam terre nostre in pace et justiciis felicius gubernentur et per expensarum nostrarum moderationem debita nostra relaxentur. 2 ) Daſ. Quarum una pars sit tota terra trans Oderam que fuit Marchionis. Secunda pars sit terra Stetinensis, Ukerensis, Piricensis cum omnibus ex utraque parte Odere eis adjacentibus usque ad Inam ; tertia vero pars sit terra Ukermünden , Grotswynen, Trepe toweo , Dymminen , Grypeswolten et Usedomed : quarta autem sit

Gemeinſchaftliche Hofhaltung der Herzoge.

177

der Oder , die Neumark , ,,welche den Markgrafen ehemals zuſtand ;" den zioeiten das Land Stettin, die Uckermarf, Pic riß und der Strich an beiden Seiten der Oder ) bis zur Ihna ; den dritten das land Udermünde , Groswin , Alt: Treptow, Demmin, Greifswald und Uſedom ; den vierten das Gebiet jenſeits der Swine mit dem neuerworbenen Pommern, mit Belgard, Stargard und allem , was unterhalb der Pidne liegt. In jedem der vier Bezirke ſollte ein Amtshauptmann aus den Råthen der Fürſten die Verwaltung haben , a ) die Ausgaben vierteljährlich aus den Gefällen beſtreiten, zugleich die ſchon vorhandenen oder noch entſtehenden Schulden War: tislavs ordnen , und den Aufwand für das nöthige Hofge: finde und für je vier Råthe berechnen.

Otto beſchränkte ſein Hofgeſinde auf zwei Kaplane , einen Schreiber , und einen scholarem , 3 ) zwei Hofritter (milites curiae) , zwölf

Stallknechte,

einen Haushofmeiſter

(magistrum

camerae ),

tota terra ultra Swynam cum terris Pomeraniae Belgard et Stargar densi cum omnibus que sunt infra Plönam. ) Doch ſcheint das Land Barnim bald den Pommern wieder ent fremdet, indem Otto und Wartislav ſchon am 29. September 1321 den Zoll, welchen ſie früher von Oderberg nadi Sdwedt verlegt hatten, auf Garz übertrugen. Urkunde bei Dreger nr. MCCCLXXVIII. und Balt. Studien IV. 2 , S. 115. Schwedt war in den Händen des Meklenbur- " gers. In der Mittelmark galt Herzog Rudolf von Sachſen als Herr, zumal in Neuſtadt - Eberswalde, das alſo nicht mit Hülfe des Schleſiers von den Pommern erobert war. S. Buchholz V. Anh. I. S. 31 z. J. 1320. 2 ) Dähnert Sammlung 4. A. D. S. 245 : In quibus singulis para tibus constituemus unum officialem generalem in nostris consiliis specialem , qui nostras regat et disponat expensas per quartale anni de his proventibus quos in ca parte habuerimus, debitis etiam nostris et dicti nostri patrui ibidem jam ortis et deinceps oriendis provide bit et vestiget nos simul nostramque familiam necessariam et quatuor consiliarios quos elegimus inibi. 3 ) Welche unter den vielen Bedeutungen von scholaris zu verſtehen ſel, ob ein gelehrter Beiſtand, ein Kanzleigehülfe, ein Hofmeiſter , ein Leſemeiſter, möchte ſchwer zu erörtern ſein. Sollte man an einen luſti gen Rath denken ? Oder an einen Meiſterſänger ? Den pommerſchen Hers zogen nach der Reformation waren Sofnarren unentbehrlich. 12 Barthold Geſch . v, Pomm. III.

Hofhaltung der Herzoge.

178

ſechs Kåmmerlinge, einen Küchenmeiſter, zwei berittene Koche, einen berittenen Küchenknecht und zwei laufende, einen Hof marſchal, einen Speiſemeiſter (cibatorem), zwei Kellerknechte, zwei Feuerwårter

( igniarios) und

mit Wartislav

zugleich

drei berittene fåger , drei Führer der Meute (cum canibus currentes) , zwei Falkenmeiſter , zwei reitende Hühnerjåger (Hönre - jager ), zwei Fußboten und einen Gefängißwårter ( servatorem

lugae ). ')

Herr

Barnim begnügte

ſich mit

einem Kaplan, einem Ritter, rechs Stallknechten, vier Kåm: merlingen , einem berittenen Koch und einem zu Fuß , einem Kellerknecht, einem Speiſemeiſter, einem Küchenmeiſter, einem Marſchall, einem Feuerwårter und einem Boten. Von nach : ſtem Martini wollte Otto und Barnim mit dieſem , ſiebenzig Köpfe zählenden Seſinde auf vier Jahre mit Wartislav in gemeinſchaftlicher Wirthſchaft bleiben, und nach Verlauf dies ſer Zeit, wenn ſie nicht långer zuſammen verharren könnten, ein jeder in fein früheres Eigenthum zurückkehren , aber zu: gleich eine neue Theilung anordnen. Faſſen wir ein wanderndes Hoflager, ohne das Gefolge der Fürſtin und ohne die weibliche Dienerſchaft, in ernſter Zeit dennoch auf ſolchen Troß angewachſen , ins Auge ; ſo können wir uns das Schrecken der Ridſter und Städte ? ) vorſtellen , wenn die Fürſten in den Tagen forgloſen Wohl: lebens ihren Beſuch ankündigten !

Sehr reichlich war für

Stall, Jagd , Küche und Keller und auch für das geiſtliche

' ) Dähnert überlegt höchft ſeltſam servator lugae Sattelinecht, da boc idon 12 Stallknechte aufgeführt ſind. Luga iſt Loch, Gefängniß, wofür viele andere Ausbrüde. Ins Loch ſchmeißen " iſt nod gewöhn lids. Mit dieſer Bedeutung ſcheint das engliſche lock verwandt. 2 ) Otto mit ſeinem Gefolge wußte fidy aber auch wohl auf einem Bauerhofe erträglich einzurichten, zumal Küche und Keller ihm folgten, und die Wildbahn überall offen ſtand. So fertigte er i. 9. 1320 mit ſtattlicher Zeugenunterſchrift auf dem Gehöfte eines Bauern des armen Dorfes gewiß bei Anklam eine Urkunde aus. Act, et dat. Buggevitz in curia cujusdam villani nomine Wessel in qua pro tunc comedimus.

Grenzbeſtimmung mit dem Bisthum .

179

Bedürfniß geſorgt; die Ehrendienſte des Mundſchenken und Truchreß fonnten die Hofritter leiſten ; ein Bartſcheerer war gewiß unter den Kämmerlingen ; aber ein Arzt fehlt gånzlich, ſo wie Trompeter und Keſſeltrommelſchlåger, welche ſonſt auch dem kleinſten Fürſten zum gehörten.

unerläßlichen

Hofprunke

Wie wenig die Uebertragung des Lehns auf den Biſchof das landesherrliche Beſigverhältniß lockerte, erſehen wir aus der erſten genauern Grenzbeſtimmung mit dem Bisthum in dieſen Tagen .

Otto, Wartislav und Barnim, ſich beziehend

auf die åltere Ausgleichung Bogislavs IV . über die Scheide von Stargard und Maſſow ,

erneuerten auch die Scheibe

ihres landes Belgard , „ quam similiter tenemus et tenere debemus ab eadem ecclesia, " vom Gebiete des Bisthums, dem lande Kóslin bis zu den Grenzen Polens dahin, ' ) daß die Grenze dem Fluß Radae, von der Mündung in die Per ſante aufwärts bis zum Kautelbach nachginge, ſich dann zwi ſchen den Seen Wirchow und Warchow zum Spaarſee bei Neu-Stettin und bis zum Fluſie Czarne ſüdlich von

Neu

Stettin ſich erſtrecke, alſo ziemlich die Grenze der heutigen Kreife Belgard und Neu - Stettin innehalte.

Die Scheide

zwiſchen Tarnhus ( Arnhauſen ), Schievelbein und Belgard im Weſten begann beim Einfluß der Tepel ( ießt des Non nenbachs ) in die Perſante; ging fo bei Ganzkow über die Mágniß , über Devsberg (Diebsberg) , unweit Polzin auf Zemmin , Alt - Wurow , an die Drage und zog ſich dann an der Rega hinab bis zur Molſtow in der Gegend von Peters: hagen und Reſenckow ( Reſelfow ), und bis Roman, von wo ab fie ungefähr der Linie folgt, welche noch heute den thumer Kreis vom greifenberger trennt . )

fürſten

Aber ſo wirthlich

) Schöttgen et Kreyssig dipl. III. p. 29, in einer Beſtätigung $ . I. 1356 über den Grenzreceß vom 1321 zu Ramin ausgeſtellt. 2) 3u bebauern iſt, daß die Grenzbeſtimmung des Bisthums auf 12 *

180

Veräußerung Kamins und der Herrſchaft Bütow.

genau die Herzoge geworden waren , zwang fie dennoch die Noth des Krieges und die ſchwere Behauptung der Uckers marf gegen den Meklenburger zu Veråußerungen und Vers und ſuchte der Biſchof

pfändungen wohlbelegener Bezirke ,

Konrad jeden Vortheil von den bedrångten Herren zu ziehen, die ihm und ſeinem Stifte i. 3. 1321 mehrfach Schuß zu : ficherten.

So erhielt das Stift für 8000 Marf wendiſche

Pfennige die Stadt Kamin mit ihrem Gebiet und ſchonen uralten Dörfern , doch mit der Bedingung der Wiedereins låsbarkeit derſelben innerhalb zehn Jahre ; ' ) wahrſcheinlich wurden damals der Dom und die Kurien mit Wall und Graben feſter umſchloſſen, von welchen die Spuren noch richt: bar ſind. Eine umfangreichere Veråußerung bezeichnet dies felbe Noth, betraf aber ein fernes, ſchwach bevólfertes, neu erworbenes Låndchen, und bezeugt Wartislavs Erkenntlichkeit får treue Dienſte. Henning Behr, welcher in allen kriegeri ſchen und weltlichen Geſchäften Wartislavs thårig erſcheint, erhielt i . F. 1321 am 7. December zu Wolgaſt die Herr: loaft Bútow zum Eigenthum, ?) welche bald darauf an den deutſchen Orden gelangte , und die Luſt der Ritter ſteigerte, ſich auch den übrigen Theil der Erbſchaft Meſtwins zu er werben. Die Verzichtung auf entlegenere Gebiete oder zu Guns ſten des Landesbisthums ſchien dagegen belohnt durch die Behauptung der Uckermark und durch nachbarliche Band: niffe. Die Städte Prenzlau und Paſewalk ' ) bezeugten am 24. und 25. Auguſt 1321 , daß ſie mit gutem Willen die Herzogé

der Seite nad Rügenwalde und Schlawe nicht angegeben. Sehr genau ward in demſelben Receß die biſchöfliche Enklave von Pribbernow im Kaminer Kreiſe beſtimmt. 1 ) Dreger nr. MCCCLXVII. ) Urt. dem königsb. geh. Archivs dat. Wolgast 7. December 1321. 3 ) Söfer Auswahl S. 355 , gegeben Prenzlau 24. Auguſt 1321 ; baſ. S.357 gegeben Paſewall 25. Auguſt 1321.

Behauptung ber utdermark.

181

Otto, Wartislav und Barnim zu Schirmherrn und Vors můndern erforen håtten, ' ) und gelobten nochmals bei ihren Hercen zu bleiben, jedoch wiederum mit dem Zuſage, „ würde ein römiſcher König, eintrachtig gewählt, ihrem Lande einen Herrn reßen , welcher befferes Recht nachwiere , ſo ſollten ihre Herren von der Vormundſchaft des Landes ablaſſen ; erhielten ſie ihre Unkoſten und Schaden nicht erſcßt, ſo woll: ten ſie ſo lange bei ihnen beharren, bis jenen die rechtmåßige Vergeltung geworden ſei ." 2 ) Aber pergamentene Verbúrgung der Stådte gewährte nicht genug Sicherheit , zumal nicht gegen

den Meklenburger.

Heinrich

der lome ,

fühn das

Vorurtheil der Zeit verachtend, beſteuerte die Geiſtlichkeit und fümmerte ſich um kirchliche Strafen nicht. Solchem Gegner gegenüber war weltliche Macht förderlicher als geiſts licher Seegen , und deshalb ſuchten und fanden unſere Hers zoge Unterſtügung zunächſt beim Fürſten von Rügen . Wiglav hatte lange noch an den Folgen jener recht måßigen Auflehnung ſeiner Unterthanen zu tragen , obgleich bemüht , die nachtheilige Zerrůttung ſeiner Einfünfte auszus gleichen.

Alte Verpflichtungen , wie Bards ,

mahnten ihn

ruhelos ; der Adel behielt ihm die ſchuldigen Beden får ges leiſtete Dienſte vor, " ) und Stralſund erwirkte vom bedürftigen

" ) 4. a . D. S. 355 : dat wi mit Eyndrachtegheyt unde mit gu den Willen hebben ghecoren unde ghenomen Hertoghen Otten, Her toghen Warzlaw unde Hertoghen Barnym van Stetin, unde ere rechte Erfnamen tu beschermen unde tu vormunden unde van der Vormunderscop tu unsen Heren jummer bi en tu bliuende , dorch Gut, odder dorch Bose nummer erer af tu stande , aldus beschede liken . Höfer verkehrt wunderlich in der Ueberſchrift den einfachen Sinn, indem er die Städte die Vormundſchaft und Beſchirmung für die Für ften übernehmen läßt. 2 ) A. a. D. S. 356 : De wile dat des nicht enschut, so scole wi unde willen meynliken unde alle bi den sulven Hertoghen unde bi eren Erfoamen bliuen stede unde vast also langhe, bet ' de Sculde, Kost und Scade werde en ghegulden unde afgheleghet. * ) S. die Urkunden v. 3. 1317, - 1319 bei Dreger.

182

Bewidmungen Stralſunds burd Wißlas.

Landesheren mit jedem Jahre neue Vorrechte. So beſonders im Frühjahr 1319 , - ) als Wiglav ihr das Eigenthum aller Güter, welche Rath, Uitermånner und Gemeine im Umfreiſe einer Meile gekauft håtten , und noch an ſich bringen wür: den , bede- und dienſtfrei beſtåtigte, innerhalb zweier Meilen kein Schloß anzulegen gelobte, einen Richt- Voigt nicht ohne Genehmigung der Bürger einzuſeßen verſprach , nachdem er kurz vorher um Mitfaſten demſelben Gemeinweſen das Münz und Wechſelrecht im ganzen lande får 1000 Mark abgetre: ten, aber aus Liebe und Freundſchaft erhalten, daß er inners halb zwanzig Jahre die verkauften Stücke wieder einldſen könne. 3 )

Auf jede Umgeſtaltung politiſcher Verhältniſſe am

nordiſchen Horizont aufmerkſam , ließ ſich Stralſund ſchon vor Ablauf des Jahres 1319 , als Erich Menved kaum ges ſtorben , und Chriſtoph der landflüchtige, noch nicht erwählt, in Pommern weilte , ihr Recht auf den ſchoniſchen Märkten beſtåtigen . ) ) Dähnert Sammlung II. S. 8 nr. 2. Urkunde dat. Stralſund ant Sonntag Laetare 1319. 3) A. a . D.: Contulimus dilectis nobis Consulibus Oldermannis totique communitati Civitatis Stralsundensis, omnem proprietatem et libertatem totius agri ad utilitatem civitatis circumquaque empti et emendi cum omnibus villis et villarum proprietatibus sive bonis de dicta civitate circulariter ad unum miliare quas villas aut quae bona suis denariis emere poterint a quocunque ; de quibus aut nostris successoribus nullum servitium aut laborem facere tenentur, nec ali quam exactionem vel precariam nobis nostrisve successoribus et offi cialibus erogabunt . 3) Geſterðing pommerſd. Magazin IV. S. 2 , plattdeutſd , Stral ſunb Freitago nady Mitfaften 1319. Dſtern fällt in dieſem Jahre auf den 8. April. Ueber die Vortheile des Münzwedzſels und die Münza ftätten f. Fidicins gründliche Abhandlung über das Münzweſen der Stadt Berlin in deſſen hiſtor. diplomat. Beiträgen III. S. 431, Wißlav er laubte der Stadt Stralſund nicht die Wechſelbank, zu welcher die Stadt kaufmänniſd berechtigt war , ſondern die Erneuerung der Münze gegen die Einlieferung der Werrufenen , welche einen bedeutenden baaren Bore theil, ſo wie das Prägerecht ſelbſt abwarf. -) Sartorius - Lappenberg II. S. 301. Chriſtoph Hennt fich ſchon

Erbvereinigung mit Rügen .

183

Da Chriſtoph mit den Herzogen von Pommern wegen der Uckermark in freundliche Verbindung getreten ,

fonnte

Wiglav fich des Antheils an der Fehde gegen den Meklen burger nicht entziehen , und ſehen wir um Weihnachten des Jahres 1321 zwiſchen Pommern und Rügen ein Verhältniß begründet , welches die wichtigſten Folgen für beide Lånder nach ſich zog . Wartislav hatte bereits i . F. 1315 duro Chriſtoph , damals noch Herzog , die Zuſicherung erhalten , nach dem unbeerbten Ausſterben der Fürſten von Rügen mit deren Ländern belehnt zu werden ; zwar ſchien ſolche Auss Ficht noch in die Ferne gerückt, indem Agnes , Gråfin von Lindow , ' ) ihm nach 1317 mehre

Sdhne geboren ; deſſen

ungeachtet näherten ſich Wartislav , Otto und Barnim , im nahe verwandten Fürſten Wiglav , und fam am 27. December 1321 zu Greifss

Kampfe gegen den Meklenburger , dem

wald ein doppelter Vertrag zu Stande . Erſtens verpflichtete ſich Wiglav 2 ) feinen Vafallen zu geſtatten , den Herzogen Wartislav und Otto gegen den Meklenburger zu Hülfe zu ziehen , und empfing dafür 2000 Mark Silber , und unter : pfåndlich zur Schadloshaltung das fand Alt-Treptow .

So

dann bekannten ſich Ronrad von Kamin , Otto , Wartislav und Barnim als treue Freunde und ewige Helfer Wißlaus und ſeiner rechten Erbnehmer gegen jedermann , ) mit Leib

rex Danorum. Dat. Stralsund 1319 proxima dominica ante b. Tho mam . (21. December ). ? ) Weber Agnes Herkunft l. Ernſt von Kirchberg K. 167 und Schlag gert Chronic. Ribnic. ap. Westphal. Iy. p. 853. 2) Höfer Auswahl 5.357 : gheuen in der Stadt tume Grepes wolde 1321, in Suntte Johannes Auende Ewangelisten, alse he wart ghesodden in Olgeboddene. 3 ) 8. a. D. S. 359: Were dat des God nicht en wille , wi Hertoghen storuen ane Erfnamen , so tuhand scolden Land , Man , Slothe unde Stede vallen unde erfuen uppe den vorsproken Vorsten van Ruyen unde uppe sine Erfnamen ewechliken tu beholenden unde tu besiddende. Hir neme wi ud Land und Slothe, de de vorsproke

184

Erbvereinigung mit Rügen .

und Gut, mit Stådten, Mannen, Schlöſſern und Land, ges lobten feinen Krieg zu beginnen , als mit ſeinem Rathe, und legten ihr geſammtes Land mit ihm zuſammen , hinzufügend , ' ) daß , wenn nach Gottes Willen

ihr Stamm ausſtürbe, ihr geſammtes Land auf ewig an den Fürſten von Rügen fallen

rolle, ausgenommen das Gebiet und die Schlöſſer , welche der Biſchof und das Gotteshaus zu Kamin mit Briefen als ihr Eigenthum beweiſen könnten. ' )

Stådte und Schlöſſer

binnen der Pene und Swine verbürgten dieſe Erbvereinigung für Wartislav ; für Otto Stettin, Udermünde und Alt- Treps tow , und für Sonrad Kolberg , Roslin und Maſlow . Wie gewdhnlich

ward die Schlichtung etwaigen Streites einer

Anzahl von Rittern und Rathmannen übertragen , mit der Verpflichtung der Unterthanen, demjenigen anhängig zu blei ben , welcher das Schiedsgericht anerkenne. Alle Vortheile des Vereins Thienen auf Seiten des Fürſten zu ſein , denn ihm wurde binnen acht Tagen Mahnung Hülfe mit aller Macht gegen einen Angriff auf ſein kand koſtenfrei zugeſichert, und außerhalb der Grenzen 100 gerüſtete Pferde, auf ſeine Koſten an die Landſcheide zu ſtellen, verſprochen . ' ) Aber obgleich auch der ſtreitbare Biſchof von Schwerin , Hermann , des Geſchlechtes der Malzan , am Neujahrstage 1322

dem

Bündniſſe

gegen

den

Pfaffenfeind "

beitrat,

empfand Wiglav von Rügen doch herbe Früchte des An

Biscop unde dat Godeshus van Camin mit usen breuen unde vser Vorvarn bewisen moghen . ) Daß Biſdof stonrab in dieſes Verbündniß trat, lehrt, daß es mit der Lehnsübergabe Pommerns an Ramin ſo ernſtlich nicht gemeint war. 2) Kangow I. S. 313 und Schwarz Lehnshiſtorie S. 309 ſprechent son dem Gegenſeitigkeitsbocumente Wißlavs, das wir jedoch nicht zu Ge Ficht bekommen haben. Durfte Wiglav nad dem däniſden Lehnsbriefe einen ſo folgenreichen Schritt thun ? Es ſcheint faſt, als wenn es dent Pommern fürs erſte nur um die Hülfe zu thun war ; Wartislav war Tdon beerbt ; allein Barnim von Stettin nod kinderlos, und darum die Sade für den Fürſten von Rügen lodend.

Beſtätigung burdy König Chriftoph.

185

griffskrieges auf den Meklenburger. Um Ribniß , die Grenzs feſte , welche die Vafallen Rügens beſtürmten , erlitten ſie harte Stoße, ' ) ſo wie um Súlz,? ) ehe die Pommern ihnen helfen konnten ; deshalb war es denn nöthig , daß ſich um Pfingſten 1322 alle Gegner des Löwen am Hofe Chriſtophs zu Wordingborg verſammelten, um nach Ausgleichung ſchwes bender Håndel zum neuen Kampfe ſich zu ſtårken . )

Dort

nun bekannte fich Wißlav am 27. Mai dem Könige Chris ftoph als treuen Vafallen für alle ſeine Lande , ſowohl für die Inſel Rügen, als für das Feſtland nebſt Loit ; verkaufte an dieſem Tage ihm die Inſel Moen , an welche noch ans ſprache ſeiner Familie hafteten, får 2000 Mark. Sier mochte auch die Erbvereinigung zwiſchen Rügen und Pommern die Beſtätigung Chriſtophs erhalten haben ; denn Wartislav gab ſein Siegel zur Befråftigung der Lehnsurkunde åber Rügen, “ ) worin zugleich die Anerkennung der dåniſchen Oberherrlich : feit und die Genehmigung des Anfallsrechtes auf Pommern durch den König ausgeſprochen war, und nannte ſich wenige Wochen darauf Fürſt von Rügen. Nach Pommern zurückgekehrt fanden die Verbündeten, Otto , Wartislav und Wiglav ,

auch an den Herren von

Werle, Johann und Henning, welche gleichfalls am Kidnigs hofe geweſen waren , Helfer , u Dienſten des Königs von

) Ernſt von Kirdberg St. 175. 2) Schwarz . de finibus Rug. p. 151. Die Wahlſtatt auf dem ribnißer Felde ſoll nod im XVII. Jahrhundert die ,, Striede- Brind " ges heißen haben. 3) Hvitfeld P. 419 : dat. Wordingborg a. 1322 feria V. ante fe stum Pentekostes. 4 ) A. a. D. In cujus facti.testimonium et evidentiam pleniorem Sigillum nostrum una cum Sigillis nobilium Dominorum , Wartzlai Domini Slaviae, Cassubiae et Pomeraniae, Johannis Domini de Ven den et Domicelli Henekini Comitis Holsatiae praesentibus est ap pensum .

186

Kampf der Verbündeten gegen Heinrich ben Löwett.

Dånemark.

Im Felde por Demmin ') verpflichteten fich

dieſe unruhigen Vettern des löwen, gewonnen durch die Aus. ſicht auf landerwerb , jenen mit 2000 Mann ſo lange zu dienen, bis Templin, Schwedt, Vierraden und Torgelow wie: der erobert wåren.

Sogleich begann dann ein verwüſtender

Anfall auf Meklenburg , den Herzog Otto , der alte Herr, jedoch nicht theilte , indem er daheim blieb , und mit den ſtreitbaren Bürgern von Anklam, Greifswald, Demmin und Treptow ?) das Raubneſt Bugeviß , bei Anklam , deſſen In: haber obenein mit den Feinden des Herzogs, wahrſcheinlich mit dem Meklenburger , gemeine Sache gemacht, in den Grund brachen . Unterdeß wechſelten die Erfolge in Me: flenburg, 3 ) deſſen Fürſt gegen den måchtigen Bund nur den Grafen Heinrich von Schwerin ' zum Beiſtande hatte und unter geiſtlichem Fluche lag ; nach Zerſtörung mehrer Schloſs fer , auch der alten Meklenburg , wandte ſich das vereinigte Heer auf das Land Roſtock , und ermüdeten die Pommern ohne lohn vor der Stadt Gnojen. Erkenntlich für die Hülfe, welche die Demminer ihm in der Belagerung mit Aufwen : dung

ihres

Geldes und ihrer ſtådtiſchen

Reuter geleiſtet,

erließ , nach Demmin heimgekehrt , Wartislav am 9. Auguſt

' ) Urk. im Diplomat. Meklenburg bei Westphal. t. IV. p. 960. Gegeben auf dem Felde to Demyn 11. Juni 1322. 2) Stavenhagen S. 353 nr. 40. Urkunde Ottos act. Damm a. 1322 feria II. proxima post Dominicam Trinitatis. Ob gratitudinem , bene volentiam et servitium que dilecti nostri Consules et Universitas Ci vium in Tanglim nobis exhibuerunt in co quod castrum Buggwitz cujus possessores non solum nostris incolis terre verum etiam adve nis plurima intulerunt pericula incendiis devastationibus et rapinis et nobis ipsis opponendo se nostris inimicis adjunxerunt in nostrum praejudicium et gravamen , cum adjutorio nostrorum vasallorum et vicinarum civitatum Gripeswold Dimmin et Trepetow suis laboribus expensis et gravibus periculis funditus destruxerunt. Die Anklamer erhielten das Recht, mit ihren Schweſterſtädten neu angelegte Burgent ftettiner Vafallen zu brechen . *) Ernſt von Kirchberg R. 166.

Sieg Lubwigs bes Baiern bei Ampfing.

187

der Stadt die jährliche Orbar von 50 Mark auf ſo lange, bis die Schuld von 2000 Mark abgetragen rei . ' ) Inzwiſchen war Wiglav am erſten aus dem Kampfe ges ſchieden, indem er am 2. Auguſt zwiſchen Ribniß und Dam: garten mit Heinrich Frieden ſchloß und ſich nur ausbedingte, dem Herzog Wartislav außerhalb feines Fürſtenthums mit 50 Mannen beiſtehen zu dürfen , mit ganzer Macht dagegen , falls eines der Pommerſchen Schlöſſer angefallen würde. 2 ) So lockerte ſchnell Wankelmuth der Fürſten oder mangelns der Erfolg das heilig angelobte Bündniß , und bald ſtand gegen neue unerwartete Gefahr der deutſche Norden in ganz anderer Gliederung neben und gegen einander . Denn die Kunde, daß ludwig der Baier in der Schlacht bei Ampfing am 28. September 1322 ſiegreich über den Gegenkdnig her: vorgegangen ſei, und machtvoller das unbeſtrittene Raiſer: recht zu handhaben beginne (was die klugen Mönche zu Kol: baß am früheſten witterten, indem ſie ſich zeitig ihre Güter vom römiſchen Könige beſtätigen ließen ), flog nach unſeren Påndern und endete unerwartet den blutigen Streit.

Der

Lowe , Sieger der werler fürſten in der Solacht bei Frie: drichsdorf, ſuchte erſchöpft die Ausſohnung mit der Kirche, wie die Sage geht , geſchreckt durch ein nächtliches Traum geſicht, in welchem er ſeine Seele von Teufeln in den Hollen: rachen gezerrt und von dem Erzengel Michael vertheidigt ſah. Reuig vergütete er darum , zumal der böſe Biſchof von

' ) Diplomat. Meklenburg 1. c . p. 963 : Urkunde Wartislave , der hier in Folge der däniſchen Genehmigung der Erbvereinigung fich Prin ceps Rugianorum ſchreibt. Cum ante oppidum Gnoyen non modi cum essemus grandi onere debitorum nostrorum ratione expensarum et aliorum consumtuum praegravati , dilecti nostri consules et com munitas civitatis Dymin nobis consilio et auxilio, vi et ope adherere non formidantes , imo multo magis profectui nostro insudantes nobis ad summam nongentarum marcarum exemerunt, pignora, caballos et dextrarios, per nos ipsorum comburgensibus exposita redemerunt. * ) Rubloff II. S. 245 nach der Urkunde bei Chemnis.

188

Nusſöhnung Heinrichs bes Löwen mit ſeinen Gegnert .

Schwerin geſtorben , den Kirchenraub, ſtiftete zu Ribniß ein Nonnenkloſter der heiligen Clara und ließ zur Mahnung an rein Seelenheil die furchtbare viſion auf die Taſche ſticken , ') die er zeitlebens an ſeiner Seite trug. Leichter tourde dem Bußfertigen der Friede mit dem Dånenfónige , von dem er zu Nyköping auf Falſter am 21. Mai 1323 das Land Ros ſtock als Lehn der Krone empfing ; nur die augenſcheinliche Gefahr durch das Hinzutreten eines übermåchtigen Dritten ihr Antheil an den Marken zu verlieren , ſtimmte den Me: klenburger und die Pommern zu einem Vergleich . am 18. Juli

1323

vereinigten ſich die Streitenden

Schon unter

Vermittelung des Herzogs Heinrich von Sachſen , zu einem Anſtande, ) får deſſen Aufrechthaltung Heinrichs anhångige Vafallen in der Uckermark und die Städte Angermünde, Templin, Straßburg, Fürſtenwerder und Jagow ; von Seis ten der Pommern ihre Vafallen , und Prenzlau und Pares walk fich verbürgten , ,,bis beiderſeitige Städte und Vaſals len wegen der Zukunft des Uderlandes ſich entſchieden håts ten . “ 3 )

Um die prenzlauer Bürger an ſich zu feſſeln , hats

ten die Pommerſchen Herzoge noch am 21. October 1322 zu Stargard ihnen für ein Seringes die dortigen Mühlen überlaſſen . “)

' ) Lamb. Schlaggert Chronic. Ribnic, I. c. p. 850 giebt die er bauliche Geſchichte auds mit dem Abbilde , welches noch zu ſeiner Zeit (um ben Anfang der Reformation ) als Relchbede gebraucht wurde. 2). Hvitfeld p. 421. 3 ) Dreger z. 3. 1323. “) Urkunde bei Sedt I. S. 175.

Ludwig in der Mart.

189

Sechstes Kapitel. König Ludwig belehnt ſeinen Sohn mit der Mark und mit Pommern 1323. Abfall der Udermark von Wartislav und Otto. Die Pommern tres ten auf die guelfiſche Seite. Wartislavs Bündniß mit Wladis lav 1325. Ausſterben des Fürſtengeſchlechts von Rügen 1325. Rü gens Einkünfte unter Wißlav. III. Wartislav folgt vermöge der Erbeinigung. Widerſpruch Chriſtophs zu Gunſten Mellenburgs. Tod Martislavs IV. 1326. Erbfehde um Nügen. Treue der Städte, beſonders Greifswalds. Gleichzeitiger Kampf mit Markgraf Ludwig. Unruhen im kaminer Stift. Siege der Greifswalder 1327. Frieden zu Brubersdorf 27. Juni 1328. Einſprudj des Bisthums Schwerin. Alle Einigkeit aber und Klugheit ſicherte nicht den zeit: weiſen Beſik. König Ludwig, des ſtarken Gegners erledigt, und bedacht ſeines Hauſes Macht nach Beiſpiel ſeiner Vors gånger zu mehren , hatte ſchon auf dem erſten allgemeinen Reichstage zu Nürnberg im Frühjahr 1323 " ) ſeinem åttes ſten Sohne , dem

achtjährigen Ludwig , das erledigte Kurs

fürſtenthum Brandenburg und das Erzkämmerer- Amt zur gewendet, und, um ihm eine mächtige Stüße im Norden zu fichern , ihn am 13. Juli 1323, unter Mitwirkung des Burg grafen Friedrich von Nürnberg, mit Chriſtophs, des Dånen: königs, Tochter Margarethe verlobt. ? )

Furchtſam wich Hers

zog Rudolf von Sachſen aus ſeinem Beſikrecht; 3 ) unter der · klugen Leitung Sraf Bertholds von Henneberg fam der junge Kurfürſt am Ende des Jahres 1323 in das gerciſſene Land ; die Markgråfin Agnes, jeßt Gemahlin Ottos des Milden von Braunſchweig , und der Graf von Ruppin bes günſtigten die Beſigergreifung ; die Anhånglichkeit der Städte an die

vom

ein müthig

erwå hiten römiſchen

Könige

? ) Chron . Aul. Reg. I. c. p . 389. *) Gercken Cod. dipl. I. p. 217. * ) Rubolfe leßte Urkunde für die Mark ift um Pfingſten 1323 aus . geſtellt. S. Budbolz V. R.2, S. 40.

190

Markgraf Ludwig zu Nürnberg belehnt.

geſeßte Herrſchaft ſprach laut ſich aus ; Begnadigungsbriefe wirkten auf Adel und Bürger, das Schwert trat hinzu . Prenzs lau, der Hauptort der Uckermark, ſchon im Juni 1324 durch König Ludwig

des legten Erwerbes verſichert, ') welchen

Wartislav geſpendet, verließ , wie bald darauf Soldin und Königsberg, ohne der angelobten Entſchädigung zu gedenken, die pommerſche Schirmherrſchaft;

Markgraf Ludwig war

foon i. J. 1324 in Prenzlau, 2 ) ſorgte für die Befeſtigung der Stadt ; der größte Theil der getrennten Stücke des Kur fürſtenthums ſchoß überall wieder zuſammen , ehe noch der römiſche König ſeinem Sohne eine feierliche Belehnung er: theilt.

Dieſer Act aber , am 24. Juni 1324 zu Nürnberg

geſchehen, 3 )

entzog den Pommern

nicht allein jene alten

Gebiete , welcher ſie ſich ſeit Woldemars Tode bemächtigt hatten , ſondern drohete ihnen auch wieder das mårkiſche Sehnsjod), von welchem ſie „ freigeſtorben " zu ſein wähnten. Denn König Ludwig vergaß jeßt die Zuricherung , welche er im Januar 1320 den Herzogen gegeben , erklärte an dem gedachten 24. Juni 1324 , daß er die Mark Brandenburg mit den Herzogthümern Stettin und Demmin , dem lande Stargard und

allen

anderen

Herrſchaften , „welche

einſt

Markgraf Waldemar beſeſſen ,“ als an das Reich heim : gefallen , ſeinem Sohne und deſſen Erben übertragen habe, und befahl allen Vafallen des Surfürſtenthums die Huldi: gung an den neuen Oberlehnsherren ! 4 )

Was half es , daß

' ) Sedt 1. S. 176. Urk. nr. 24 . 2 ) Daf. S. 178. Beſtätigung und Vermehrung der Privilegien Prenzlaus, dat. Spandow 1324 bei Buchholz V. Anb . II. S.44. 3 ) Daf. A. A. D. S. 42. Urk. dat. Nurenberg in die S. Johannis Baptistae 1324 . 4 ) 4. a. D. Quapropter ne Principatus et Marchionatus Bran denburgensis ac nobilis Archi -Camerariatus Imperii ibidem cum Du catibus Stettinensi et Demminensi, Terra Stargardensi, Comitatu Werni gerode et omnibus aliis terris, Comitatibus et Dominiis quae morte clarae memoriae quondam Woldemari Marchionis Brandenburgensis

A. Chriſtoph und Beinrid ber Löwe für den Markgrafent.

191

am 21. November 1324 Otto und Wartislav zu Müſenbeck, einem jeßt verſchollenen Dorfe, ein Bündniß ſchloſſen , gegen jedermann , den Kdnig von Dänemark ausgenommen , ') da gerade dierer mit der baieriſchen Familie im Einverſtånds niß fich befand ? Hatte doch Chriſtoph ſelbſt in dem Vers theidigungsbündniß , welches er am 10. Juni dieſes Jahres mit den pommerſchen Herzogen auf fünf Jahre einging , den römiſchen König und die Markgrafen Ludwig von Bran: denburg ausgeſchloſſen. 2 )

Selbſt der ſtórrige Meklenburger effannte Ludwig als Lehnsherr für Stargard an, und ließ ſich durch Vermittelung des Grafen von Lindow am 24. Mai 1325 zu Dober bei Wittſtock bereit finden, gegen 8000 Mark Silber die Städte und Schlaffer der Priegniß und Uckers marf, welche noch in ſeinem Beſig waren, herauszugeben, :) nachdem Chriſtoph als Schiedsrichter die Voigteien Lieben: walde, Stolp und Jagow den Markgrafen zugewieſen hatte “ )

ad nos fuerunt et imperium jure feodi devoluta, viduitatis incommoda diutius deplorarent, praedictum principatum et Marchiam Branden burgensem, cum Archi -Camerariatu Ducatibus et Dominiis praedictis, nec non cum omnibus aliis , quae occasione praedictorum praedictus quondam Marchio Woldemarus tenuit et possedit omni modo et forma, quibus de jura et consuetudine haec fieri debuerunt , Illustri Ludovico , filio nostro primigenito ac haeredibus suis contulimus et conferimus per praesentes, cum jurisdictionibus, juribus cet. * ) Höfer Auswahl Š. 359. 2) Dreger z. §. 1324. 3 ) Gercken Cod. dipl. II. p. 559. 4) Die Ausgleichung über dieſe Voigteien zog ſich gleichwohl nocy längere Zeit hin. Um Midjaelis 1324 gelobte Heinrich ſich dem Aus ſprude Chriſtophs zu unterwerfen (Gercken I. S. 214), welcher zu Worx dingborg am 27. December 1324 bie Abtretung jener Voigteien an den Markgrafen entſchieb. (Ebenbaf. S. 222.) Dody fügte fid Heinrich noch nicht, weshalb im hohen Sommer 1325 nach gegenſeitiger Feindſeligkeit ein neuer Vertrag eingegangen wurde ( ebendaſ. S. 231 ), in welchen Heinrich die Pommern einſchloß; „wenn ſie ſich nicht genügen ließen ," ihnen die Hülfe verſagte. Erſt Heinrichs Söhne (Gercken I. p. 235 ) beendigten im Herbſte 1329 gegen Entſchädigung die widerſpruchvolle Angelegenheit.

192

Die Pommern treten auf die guelfiide Seite.

27. December 1324.

Da den Pommern noch nicht ernſtlich

die Huldigung und die Lehnsempfängniß

zugemuthet war,

und der neue Kurfürſt i. Š. 1325 fich erboten hatte , ' ) die Stadt Prenzlau durch gútliche Mittel von den Anſprüchen der Herzoge Wartislav und Otto , in Folge jener Verſiche: rung v . I. 1320 und 1321 , zu befreien , unter der Bürg: ſchaft der Stådte Berlin , Spandau , Strausberg und Ber nau und des Grafen Günther von Lindow ; verhielten fich Otto , Wartislav und Barnim noch ruhig , in Erwartung billiger Rückſicht.

Als aber

jede Entſchådigung ausblieb,

der Markgraf ſein Recht begehrte, benußten ſie, im offenen Kampfe zu ungleich , das Zerwürfniß, in welches König Luds wig mit Pabſt Johann XXII. gerieth , und gewannen , zur guelfiſchen Partei getreten ,? ) den Schein der kirchlichen Autoritåt, um das Joch eines Geſchlechtes abzuwenden , wel: ches, feit dem 1. October 1324 mit dem Bannfluche bela: ſtet, måchtige Feinde im Inneren Deutſchlands erſtehen rah. Die Pommern begannen den Krieg, ' ) nachdem ihnen das vers ånderte Verhältniß der Zeit, zumal die kirchlichen Wirren, einen fernen , aber furchtbaren Bundesgenoſſen zugeführt. Nemlich das Bündniß mit dem deutſchen Orden dom Fahre 1320 war abgelaufen , und die Ritter , vom Banne betroffen, und als Anhänger der deutſchen Könige dem römis fchen Stuhle verhaßt , mußten auf ihrer Hut ſtehen gegen

i

) Sedt I. S. 93. 2) In ſeiner Anklagebulle gegen Ludwig hatte Johann XXII. ihn beduldigt, gegen das Recht die Mark Brandenburg ſeinem Sohne über fragen zu haben. Aventini Annal. Bojorum 1. VII. c. 16 p . 725. 3 ) Nur Kanßow I. S. 324 , deſſen Autorität für ältere Begeben heiten wir ohne andere Zeugniſſe nie gelten laſſen können , ſagt, der Surfürſt habe den Krieg angefangen , weil die Pommern die udermär fiſchen Städte eingenommen.“ Barnims Heldenthaten begannen erſt ſpä ter ; bis 1326 iſt es nicht zu den offenen Waffen gekommen , und Bran denburg brauchte nicht anzufangen , da es die ſtreitige Udermark that fächlid befaß.

Bündniß Wladislavs mit ben Herzogen zu Rakel.

193

Wladislav, welcher mit den ' heidniſchen fitthauern gemeina foaftliche Sache gemacht und von Johann XXII. begünſtigt wurde , weil der römiſche Stuhl mit Hülfe der Polen die Macht des ſiegreichen Baiern

zu erſchüttern

gleich feindliches Verhältniß gegen das Haus

hoffte.

Ein

Baiern ' ver

band den Piaſten mit den Pommern , und deßhalb fam am 18. Juni 1325 zu Nafel ein Bündniß zwiſchen dieſem und den Herzogen Otto, Wartislav und Barnim zu Stande, eins ander gegen jedermann, mit Ausnahme des Königs von Un garn , der ſchleſiſchen Herzoge und der polniſchen Theilfür: ften, beizuſtehen . )

Der Pole verſprach , den Pommern, die

jedoch nur Duces Slaviae et Cassubiae genannt wurden, auf ihre Koſten und Gefahr ein Heer zu ſchicken, ſobald er dar: um angegangen würde.

Daß ſolches Waffenbündniß gegen

die Mark gerichtet war , lehrt die Beſtimmung : 2) Burgen, Stådte und Schldſſer, welche auf dem jenſeitigen (linken ) Ufer der Drage erobert werden würden , ſollten zur Herrs fchaft der Pommern geſchlagen werden ; Gewinn diefſeits des Fluſſes zur polniſchen Botmåßigkeit zurückkehren. Weil die Herzoge fürchteten, es könnte einer ihrer Vafallen in Hinter pommern zum Polenkönige abfallen , mußte Wladislav fich verpflichten , ſolche Verråther des gemeinſamen Beſten zurück : zureifen und zu befehden . )

Der Erzbiſchof von Gneſen,

' ) Schöttgen et Kreyssig t. III. p. 31. Actum apud Nakel a. 1325 XIV. Kal. Jul. 2) L. c. p. 32 : Quaecunque tamen castra civitates aut munitiones ex illa parte fluvii dicti Drawa per homines exercitus nostri expugna rentur , aut alias caperentur, illa ad dominium principum praedicto rum reddi debent ex hac vero parte fluvii praedicti ad nostrum do minium revertentur. 3 ) Ibid. 1. c. Ceterum si aliquis Baronum militum vel hominum cum castro civitate aut munitione Dominorum praedictorum contra ipsorum voluntatem nobis adhaerere voluerit , ipsos suscipere non debemus , sed potius fugare et persequi sicut eteros maleficos et communis boni proditores et publicos inimicos. Barthold Geich. v. Pomin . III,

13

194

Tob Wißlavs III. um Martini 1325.

die Biſchöfe von Wladislav und von Poſen und viele hohe Kronbeamte bezeugten dieſes Bündniß.

Da es jedoch dem

Herzoge Wartislav gefährlich ſchien , auf ſeiner Oſtſeite der Feindſchaft des Ordens wegen des Bündniſſes mit dem Pia: ſten offen zu ſtehen ; ſo ertheilte er, nach Schweg gekommen, dem Meiſter das bündigſte, Verſprechen , weder dem Könige von Polen , noch irgend einem Fürſten gegen den Orden zu helfen, widrigenfalls Heinrich von Plote, Heinrich von Behr und Peter von Neuenburg und deſſen Bruder Fasco mit ihren Gebieten und Burgen den Rittern gegen ihren Landes desherren ſo lange Beiſtand leiſten ſollten, bis dieſer ſich von dem Feinde des Ordens wieder losfage. ') Kaum hatte der Pommerſche Herzog ſolche Vorberei tung zum Kampfe getroffen , als ein unerwartetes Ereigniß im Norden ſeine ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahm, und ihn der Verfechtung der gemeinſamen Sache des Haus ſes entfremdete.

Denn um den Martinstag 1325 ? ) war

Wißlav von Rügen erblos geſtorben , und der Heimfall jenes Fürſtenthumes für Wartislavs Geſchlecht eröffnet! Ohne Befriedigung und mit Schaden aus der mektens burgiſchen Fehde geſchieden, und ernſtlich bemüht , ſeine tief verſchuldete Herrſchaft durch genauere Aufſicht

und land:

wirthſchaftliche Sorge Herzuſtellen , ' ) größtentheils zu Bard auf der nahen Herteborg ( Hirſchburg ) ſich aufhaltend , rah Miklav einem ruhigeren Abend feines Lebens entgegen . Seine Gemahlin Ugnes, Gråfin von Lindow , hatte ihm, außer der Tochter Agnes , auch Knaben , deren ålteſter Jarimar hieß, ) Urkunde des Königsb. geh. Archivs, dat. Swecze a. 1325 am Midaelstage. Dreger nr. MCDL. * ) Descriptio de Gryphiswaldensium in bello Rugiano rebus gestis bei Dähnert pommerſd . Biblioth. IV. S. 131 : circa festum S. Martini obiit. ' Ernſt von Kirchberg K. 167. :) So kaufte er eine Waſſermühle bei Damgarten i. 3. 1323 und leitete einen Graben zur Speiſung derſelben. Sowarz Städtegelds. S. 408. 412.

Früber Tod des jungen Sohnes Wißlavs.

195

geboren ; jene Tochter war í. J. 1324 dem Fürſten Albrecht von Anhalt verlobt, und ihr, nach Zeugniß des Grafen Guns ther von Lindow , die Schlöffer Koswig und Zerbſt und 300 Mark Silber jährlichen Einkommens zugeſichert wors den . ' ) Unter dem Schirme des Dånenkönigs hielt Wiglav fich ferne von den Unruhen um Brandenburg, und dauernde Befreundung mit Meklenburg verbürgte die Eheverabredung, welche er am 15. März 1325 mit Heinrich zu Bard getrof fen, kraft welcher ſeinem

unmündigen Sohne Jarimar Beas

trix, die Tochter jenes, mit einem Brautſchaße von 1500 Mark zugeſichert war ,

gegen den Genuß der Voigtei Bard als

Witthum init 300 Mark jährlichen Renten . ten treue Freundſchaft u

Die Våter hats

gemeinſchaftlichem

Dienſte" des

Königs Chriſtoph , des Biſchofs von Schwerin , der Herzoge Otto und Wartislav , der Herren von Werle , der Grafen von Schwerin , Holſtein , Lindow und Anhalt angelobt ; und Heinrich im Falle des Ablebens Wižlavs die Vormundſchaft über Wißlavs Kinder und fand übernommen . )

Da ſtarb

Jarimar, der einzige Erbe, und Schmerz über das Erlöſchen ſeines uralten Fürſtengeſchlechts führte bald darauf den ges beugten Vater in die Gruft, die er zu Neu- Kamp bei ſeinen Ahnen fand. 3 ) Wie unermeßlich war die Veränderung, welche feit den Tagen jener ſtarrſinnigen Heidenkönige , der Verehrer des Heiligthumes von Urfona , in ihrem Låndchen ſich

geſtaltet hatte !

Fürſt und land ,

zumal dieſſeits

des

Meeres , ſo deutſch geworden , daß der ſlaviſche faut ſelbſt auf der Inſel, wo in Rechtsverhältniſſen eine Beſonderheit bis in neuere Zeiten fortdauerte , im Laufe des XIV . Jahrs hunderts gånzlich verſcholl ! Die Thåtigkeit des einheimiſchen

) Häuſer 2) 3)

Sdwarz Abhandlung von der Gemeinſchaft des Urſprunges ber Anhalt und Rügen. S. 45. 46. Ungnade Amoenitates diplom . hist. p. 518. Rankow I. S. 318. 13

196

Wißlaus III . Staats- und Hofwirthſdaft.

Herrſcherſtammes Angelegenheiten

hatte

nordiſchen

einen Antheil an den

behauptet , welcher außer

Verhåltniß

der

Kraft des kleinen Beſiges ſtand; dadurch aber waren die landesherrlichen Renten in dem Grade vermindert worden , daß die Einfünfte der Inſel, wo die Vettern, das roeskilder Stift , Kloſter und Kirchen und ein angeſehener Adel faßen , um das Jahr 1314 , mit der Bede , den Münzgefallen , den Bußen und Zinſen nur etwas über 4000 Mark ohngefähr 14000 Thaler betrugen ! ' )

Freilich

ſundiſch,

kamen das

zu die Hebungen an Landeserzeugniffen , die Jagd und die Einkünfte von dem Feſtlande Rügen , und von den Gatern des Hauſes auf dåniſchem Gebiete ; indeſſen begreifen wir kaum , wie Wiglav III . mit ſo geringen Renten reine Hof haltung und die Koſten ſeiner verwickelten politiſchen Stel lung behaupten konnte.

Deshalb war er denn zu veräuße:

rungen ſo vicler Gefälle genöthigt, welche, einmal dem Fis: cus entfremdet , nie wiederkehrten . Der Zufall hat uns in dem Pergamentdeckel eines i. F. 1324 beginnenden Stadt: verlaßbuches eine genaue Haushaltungsrechnung, ? ) lateiniſch von einem geiſtlichen Hausmeiſter geſchrieben , erhalten, welche die täglichen Ausgaben der Hofwirthſchaft vom 14. Juli bis 9. Auguſt eines ungenannten Jahres umfaßt.

Die Schrifta

züge, die Erwähnung eines Herzogs Wartislav , des Grafen von Wittenburg ( Schwerin ), eines Herzogs von Sachſen und andere Merkmale

deuten

mit Gewißheit darauf hin ,

daß wir hier die tåglichen Befdſtigungsausgaben des Hofes Wiglavs III. vom Jahre 1314 vor uns haben .

Der Fürſt

weilte mit ſeiner Gemahlin größtentheils an dem Orte der Rechnungsführung, wahrſcheinlich in Bard ; empfängt viel Beſuch , reiſt auch nach Loiß und zum Herzoge Wartislav,

1 ) S. den alten Auffag im 6. Bande bet ungebrudten fregerſen Urkunden. 2 ) Dem Verf, mitgetheilt durdy Herrn Bürgermeiſter Dom zu Bart.

Wißlavs III. Hofhaltung.

197

und läßt von Bard aus ſeine Küche in der nahen Hertes : burg beſtreiten.

Fleiſch, Fiſche, Eier, Milch , Küchenfråuter

und dergl., ſelbſt Salz wird in Stralſund und in Bard baar gefauft .

Des Getrånfes iſt nicht erwähnt, ſo wie nicht des

Brodes und Pferdefutters , aber einer großen Menge von fiſchen und noch mehr von Fleiſch . Dennoch betrug der Aufwand für Speiſe und für Tiſchgeſchirr, das unbegreiflich ſchnell verbraucht wurde, in einem Monate bis zum 21. Juli 174 Marf, wahrſcheinlich ſundiſo , von denen 4 und 4 auf eine Marf fein gingen ; alſo über 600 Thaler nach unſerem Gelde , was bei dem

hohen Werthe des Silbers jährlich

7200 Thaler macht, während die baaren Einkünfte von der Inſel Rügen ſich nur auf etwa 14000 Thaler damaligen Geldes beliefen . ' ) - Zur guten Stunde war Herzog War: ' ) Wir feßen mit Sicherheit das Bruchſtüd in das Jahr 1314 ; denn weil nach der Kalenderangabe feria VI. der IX. Trinitatiswoche mit der Vigilia Laurentii zuſammenfällt (d. Laurent. iſt ber 10. Auguft ), iſt Oſtern des in Nede ſtehenden Jahres am 7. April geweſen, und kehrt innerhalb des Zeitraumes von 1230 — 1359 , in welchen früheſtens dieſe Schrift fallen kann , nur 1303 , 1314 und 1325 auf dieſen Tag wieder. Im Jahre 1303 kommt dux Wartislav noch nicht in Urkunden vor ; í. J: 1325 würde des noch lebenden Prinzen Jarimar in der Redha nung erwähnt ſein ; aber es heißt nur princeps und domina mea. Nad 1359 war der Titel Graf von Wittenburg (Schwerin ) , erloſchen, dagegen ſtarb 1316 Nicolaus II. des Titels , vermählt (vor 1306 ) mit der Tochter Wißlavs II.'von Rügen und Nicolaus I. von Schwerin, zu Wit tenburg wohnend, vermählt mit Merislave, Herzog Bogislavs IV. Cod. ter , ſtarb 1322. Nur einer von beiden Fürſten kann hier gemeint ſein . Auch die Erwähnung des Herzog von Sachſen - wahrſcheinlich jenes unglüdlichen Streiters im Hainholz Eridi führt auf das Jabr 1314. Am 11. Juni 1314 ward durd den Vertrag , zu Broders dorf geſchloſſen , Stralſund mit Wißlas wieder ausgeſöhnt, und konnte am 14. Juli Verkehr mit der Stadt wieder im Gange ſein. Die unge heure Rechnung vom geſchlachteten Vieh (vom 14. bis 19. Juli waren allein 5 Mühe und 23 Schaafe verzehrt worden !) , deutet auf ein über mäßiges Geſinde, wie Wißlas in ruhiger Zeit i. J. 1325 wohl nicht um fick batte. Wir theilen , um den wunderlidhen Aufwand anſchaulich zu machen , die Küchenausgabe vom 31. Juli an mit. Abends vorher ( Dienſtago) war der princeps cum duce Saxoniae angekommen .

198

Anſprüche Wartislave an bie Erbſchaft.

tislav von der Weichſel heimgekehrt, um von der Gunſt des Schickſals entſchloſſen Gebrauch zu machen .

Die Lehnsver:

heißung Chriſtophs von 1315 , die Genehmhaltung der Erb vereinigung Seitens des erwählten

dåniſchen Königs vom

Jahre 1322, Wartislavs nahe Verwandtſchaft mit dem aus: geſtorbenen Geſchlecht, als Neffe deſſelben ; vor allem die liebe der Stralſunder und der Vafallen Rügens , welche er fich in den heißen Tagen der Jahre 1316

und 1317 ers

worben , und die Anhänglichkeit der Verwaiſten an deutſche Herrſchaft erleichterten die Nachfolge, welche höchſtens von den Herren von Putbus und Griſtot , als månnlichen Nach kommen des erſten chriſtlichen Fürſten von Rügen , beſtrits ten werden fonnte. )

Allein das mittelalterliche Fürſtenrecht

nahm auf gleiche Abſtammung entfernter Zweige ſo wenig

Item feria quarta vigilia vincula Petri de mane (zum Frühſtüd ) ad coquinam II. ms. III. sol. dena. pro luceis (Hechte) et piscibus. Item XV. sol. III. dena. pro ovis et pro lacte : Item I. sol. pro Si pollen ( Zwiebeln ). Item VIII. sol. pro scutellis CC et pro vasis ( Schüſ feln und Dildgeſchirr, hölzernes oder irdenes) ; Item V. ms. IV. .sol. pro C strumulis et pro X cascis, hoc venit a Sundis. Item de vespere ad coquinam XV. sol. pro piscibus. Item IX. sol. IV. dena. pro ovis et pro lacte. summa XI. ms. VI. sol. II. dena. Es war Faſttag, wel. dher gleichwohl über 40 Thaler, den höheren Werth des Geldes nicht in Anſchlag gebracht, koſtete. Donnerſtags feria quinta in die Petri de mane ad coquinam V. ms. V. sol. pro II. corporibus vaccinis (b. i. aus geſchlachtete Kühe). Item VII. oves pro VI. ms. et pro V. sol. Item X. sol. et I. dena. pro scutellis. CC. Item post meridiem dux Saxonie recessit et tunc princeps statim ivit Hertesburg. Item de vespere ad coquinam XIX. sol. pro III. ovibus. item III. sol. pro ovis. Item I. sol. pro sipollen. Summa XIII. ms. XXV. dena. Am Freitage wurden die erkauften Vorräthe nad Hertesburg geldigt, das bei Prerow auf dem Dars lag. II. modii salis pro X. sol. V. sol. IV. denar. pro herba. Sonntags wurden für die Hertesburg ad farciniam XI. sol. ausa gegeben, und XVII . sol. III . den. wiederum pro IIIIC. ( 400 ) scutellis et vasis , Montags ducebatur domina mea facto prandio super Her tesb . ad principem. Sie fuhr zu Waſſer. ) Die Dynaſten von Putbus erhielten als Lehrt das Ländden Zubar um Lichtmeß 1326 1. Sdwars Lehnshiſtorie S. 326.

Wartislav beſtätigt bie Privilegiert.

199

Rückſicht, daß felbſt die deutſchen Könige nicht unmittelbar die Anſprüche Markgraf Heinrichs auf die Marken

aners

fannten , ſondern nach Waldemars Tode deſſen Lånder dem Reiche heimgefallen erklärten ; obenein waren jene Seiten: zweige machtlos , hatten i. I. 1309 ſchon durch Erich rich abfinden laſſen , ' ) und wurden von dem übrigen Adel Růs gens, aller Beſigungen und oberherrlicher Rechte ungeachtet, dennod mehr als feines Gleichen betrachtet.

Martislav, im

Gefolge angeſehener Herren , beſonders Prålaten , des Mas giſter Konrad, Probſt zu Greifswald , der Kirchheren von Uſedom , Demmin, in Stralſund erſchienen , gelobte am 2. Des cember 1325 ? ) allen Kloſtern, Prålaten, Vafallen , Rittern , Knechten, Stådten, Flecken und Bauern des Fårſtenthums Rügen auf beiden Seiten des Waſſers , daß er ihre Rechte, Freiheiten und Gebråuche unverbråchlich halten, nachtheilige Gewohnheiten abſchaffen wolle.

Er machte ſich anheiſobig

die neuen Unterthanen von jeder fremden Anſprache zu bes freien, Umtleute, Voigte und Råthe nur aus den Eingebores nen zu beſtellen , alle rechtmäßig erwieſenen Sculden zu bes jahlen, und befugte die Stånde, wenn er dieſe Bedingungen nicht genau erfülle und , deſſen gemahnt, innerhalb andect: halb Jahren ſein Unrecht nicht widerrufe , einen

anderen Fürſten

nach

ſuchen zu können. 3 )

Belieben

Endlich ver:

bůrgte er, den Beſtand des Fürſtenthums ungeſchmålert beis ſammen zu halten , und ließ die Urkunde mit den Siegeln ſeiner Vettern Otto und Barnim , ſo wie des Kapitels des Stiftes Kamin

beſiegeln.

Nachdem

am

folgenden

Tage

' ) S. Schwarß Lehnshiſtorie A. &. O. 2 ) Dähnert Sammlung I. S. 424. ) Daſ. S. 425. Si quas conditiones praehabitas infringemus et instanter moniti eas infra annum dimidium non revocaremus et tunc omnes isti predicte licite possunt adherere cuicunque voluerint domino prout ipsis videbitur expediens et consultum.

200

Der neue Herzog empfängt bie Fuldigung.

Wartislav

den Stralſundern ihre Privilegien beſtåtigt ') ( 3. December) und den Verkauf des Zolles , der Münze und des Münzwechſelrechts bekräftigt ; erklårten Tages darauf am 4. December Råthe , Vafallen , Stådte und alle Ein wohner des Fürſtenthums den Herzog Wartislav für ihren wahren und rechtmåßigen Herrn und leiſteten den Eid der Treue. ? )

Auch die Stadt Bard hatte an demſelben Tage Erweiterung ihres Beſiges im Weichbilde und Schiffs freiheit auf den nahen Gemåffern erhalten, 3 ) ſo wie die Bes feſtigungswerke der dortigen fürſtlichen Burg und andere Vorzüge, welche ſie mit den Nachbarn gleichſtellte; loiß am 5. December 1325 die Schenkung des Zolles, die Beſtellung eines Untervoigtes nach dem Beirathe der Bürger und das Recht, die Stadt in der Art zu befeſtigen erwirkt , 4 ) daß nur die Pforte zunåchſt an dein Schloſſe in der Gewalt des dortigen Befehlshabers bliebe . So ſchien ohne Widerſpruch die pommerſche Herrſchaft eine ſo anſehnliche Erweiterung erlangt zu haben ; denn auch die Voigtei Grimmen hatte die Huldigung geleiſtet ; 6 ) nur Iribſees , als Leibgedinge der Wittwe Ugnes , 6 ) noch

der Gewalt

des

erwåhlten

entzog Fich

Landesheren ;

als

ein

nachhaltiger Sturm von Dånemark aus ſich erhob. König Chriſtoph , die Wahlhandfeſte übermüthig verlegend , war , als er das Erbe ſeines Vetters Erich von Südjútland, zum Schaden

des Sohnes

deſſelben ,

Waldemars ,

an fich zu

' ) Dähnert Sammlung II. 6. 10 - 12 vom 3. December. Mehre Verleihungen für Stralſund bei Dreger z. 9. 1325. ) Descriptio Gryphiswald. I. c. p . 131. Consiliarii Vasalli civi tates et omnes incolae dicti principatus concorditer illustrem prin cipem Dominum nostrum Wartislaum ducem elegerunt in Domi num suum et principem dicti principatus. 3) Dähnert Sammlung II. S. 362. 4) Daf. a. a. D. S. 381. 5 ) Descriptio Gryphiswald. 1. c. p. 131. ) Ernſt von Kirchberg A. 167.

Pläne König Chriſtophe auf Rügen.

201

bringen geſucht, in das gefährlichſte Zerwürfniß mit ſeinen Unterthanen gerathen ;

durch Graf Gerhard von Holſtein,

Waldemars Dheim und Vormund, im Aufſtande ſeiner Unter: thanen vertrieben , und mit ſeinen beiden jüngeren Söhnen Otto und Waldemar, - der åltere, Erich, ſchon erwåhlter König , war gefangen

aus Wordingborg

nach Meflen:

burg geflohen , ' ) verſprach ſich der Hülfloſe gegen die Empós rer fraftvollen Beiſtand von Heinrich dem Löwen .

Er vers

warf deshalb Wartislavs Erbfolge auf Rügen , und verband fich , ſein oberherrliches Recht zu behaupten , mit Heinrich und den beiden Herren von Werle, indem er ihnen für einen Zuzug von 200 Reiſigen zur Eroberung Dänemarks 9000 Mark kölniſch verhieß , ihnen die landſchaft Tribſees verpfändete, ſie mit dem Dars und dem Schloffe Hertesburg belehnte, und mit Wartislav feinen Frieden einzugehen gelobte, bis er ihnen dieſes Gebiet abgetreten haben

würde. 2 )

Aber die

ſteigende Noth um ſeine Krone verhinderte den wankelmäthis gen Herrſcher den Gewaltplan auf Rügen auszuführen, nur fcheint Tribſees, der Wittwenſit der Agnes, durch Verråtherei in die Hand der Herren von Werle gefallen zu ſein . * ) Den Wiedergewinn ſeiner Krone im Auge ,

verſtärkte Chriſtoph

am 4. Mai 1326 zu Roſtock das Bündniß mit Heinrich und den

Herren von Werle, 4 )

Wünſchen Wartislavs.

und näherte ſich zugleich den

Am 22. Mai, dem Frohnleichnamss

tage, finden wir den König zu Bard, und am 24. dieſes Mos nates übertrug er in Gegentart der Vafallen und Raths

' ) Dahlmann 1. S. 459 ff. 2 ) Nur Rudloff II. S. 256 , fich berufend auf die Driginalurkunde bei Chemniß, hat dieſe Nachricht. Vgl. Roſegarten Denkmäler II. S. 181 . Es kam wahrſcheinlich nod nicht zum Angriffe auf Rügen bei Lebzeiten Wartislavs. 3 ) Kirchberg a. a. D. Descriptio Gryphiswald. p. 131, Wartislav ſei in pacifica possessione geblieben . Der Beſik ſchloß aber Tribſees, das Leibedinge der Fürſtin, aus. 4) Rudloff II. S. 276 aus Chemniß.

202 A. Chriſtoph flieht nad Roftoc ; Waldemar zum König erhoben. månner der Stadt dem Herzoge auf dem dortigen

Kirch

hofe mit ſieben Fahnen das Fürſtenthum Rügen . ' )

Gerdiß

verpflichtete ſich Wartislav dem bedrängten Oberlehnsherrn gegen die Empörer beizuſtehen ; als aber die dåniſchen Stånde zu Wiborg den zwölfjährigen Waldemar am 7. Juni zum Könige erwählten und Chriſtoph mit Noth aus Falſter nach Roſtock entfommen war ; hielt Wartislav es für rathſam , die Partei des

Verdrångten zu verlaſſen, ? )

ſchickte

zum

thatſå chlichen Dånenkönige eine Geſandtſchaft aus Geiſt lichen und Weltlichen mit der Vollmacht ſeines Siegels abº ) und erlangte die Zuſicherung reines Beſiges um ſo eher, als ſchon am 4. Juli Waldemar zu Kopenhagen die alten dånis richen Privilegien der Stådte Stralſund, Greifswald, Anflamm , Demmin beſtåtigt “) und am 14. Juli ein Bündniß mit der erſten auf fünf Jahre geſchloſſen hatte. )

Zur Befeſtigung

des gegenſeitigen Verhältniffes wurde eine Ehe zwiſchen dem älteren Sohne Wartislavs , Bogislav , und der Schweſter des jungen Königs verabredet : º )

aber der Herzog erlebte

1 ) Dſtern 1326 fällt auf den 23. März. Descriptio Gryphiswald. 1. c. Anno vero Incarnationis Domini MCCCXXVI. ante festum Cor poris Christi dicto Rege Christophero in Rybenitz moram faciente se transtulit in Bart ipso die Corporis Christi et Sabbato proximo dictum dominum Wartislaum et suos haeredes in coemiterio ibidem praesentibus omnibus suis vasallis et consulibus civitatum de dicto suo principatu cum omnibus suis juribus legaliter cum septem vexil lis infeudavit. 2 ) Ibid. p. 132. Wartislaus timens sibi imminere pericula, eo quod rex expulsus adversabatur sibi impingens ei quod praesidium sibi non praestitit sicut alii Domini videlicet Magnopolensis et de Werle, et jam etiam effecerat sibi dictos Dominos occultos adversarios. Ernſt von Kirchberg a. a. D. erzählt, der König lei mit ſeinen Helfern ſelbſt nadi Stralſund gekommen , und Wartiblav habe die Heeresfolge nach Dänemark angelobt. 3 ) Descriptio Gryphiswald. I. c p. 132. 4) Sartorius - Lappenberg II. S. 310. 311 . 5 ) Dähnert pommeríde Biblioth. III. S. 70. ) Descriptio Gryphiswald . I. c. p. 132.

Job Wartislavs zu Stralſund 1. Auguſt 1326. nicht mehr ſo freudige Ausſichten.

203

Denn er erkrankte wah:

rend jener Geſandtſchaft in Stralſund und ſchrieb im Gefühle des nahen Endes dem Rathe zu Greifswald , feinen ålteſten Sohn Bogislav

mit anſtändigem Gefolge aus Stormerss

werder auf Wollin , wo ſich ſeine ſchwangere Gattin Elifas beth mit den unmündigen Söhnen befand , zu ihm zu fühs ren . ' Schon war Bogislav in Greifswald angekommen, als die Kunde einlief, der Vater ſei am 1. Auguſt zu Stralſund geſtorben .

In ſo gefahrdrohender Zeit behielten die Greifs :

walder den Erben des Landes in geziemender Pflege und . Obhut bei ſich ; ) die Wittwe dagegen begab ſich aus Stors merswerder (Stormersdorf) in das feſte Schloß zu Wolgaſt, da das Verweilen auf einem landgute ihr perſönliche Gefahr drohete. – Auf die Runde vom Tode Martislavs vermochs ten die Geſandten in Kopenhagen den jungen König ,

die

Söhne und Erben ihres Gebieters mit dem Fürſtenthume Rügen zu belehnen, und legten es durch , daß die Vormůns der und „ Barone" des Reichs in offenen Briefen den jungen Fürſten gegen alle Angriffe Rågens wegen zu vertheidigen gelobten.

Aber gleichzeitig hatte

auch König Chriſtoph in

Roſtock den Heinrich von Meklenburg und die Herren von Merle am 6. Auguſt 1326 mit dem ganzen Fürſtenthum Rügen belehnt ; die Dienſte derſelben während des Krieges um die dåniſche Krone auf 200 Reiſige, nach demſelben auf 100 dieſſeits des Waſſers und 50 jenſeits deſſelben , beſtimmt. 2 ) So würden die jungen Erben, von allen Fürſten , ſelbſt von

' ) Ibid. p. 544 : Cum dictus dominus noster Wartislaus in ex tremis jacens de morte sua ventura timeret, literas suas nobis misit fideliter exorans, quatenus filium suum Bogislaum primogenitum cum decenti comitiva sibi faceremus apportari, cujus supplicationibus ut tenebamur obtemperari filium suum praedictum adduci fecimus de Sturmerswerder et cum in civitatem nostram apportatus venerat mors patris superveniens nobis statim fuerat intimata et sic ipsum amplius in custodia et expensis tenuimus custoditum. 2) Rudloff II. S. 258.

204 SQuß der jungert Fürſten Durch die Bafallen u. Stäbte Rügens. ihren nådſten Verwandten , Otto und Barnim , verlaſſen, durch treulore Vaſallen befehdet , wahrſcheinlich das flug erworbene Recht ihres Vaters und ſelbſt alles Eigenthum innerhalb der Pene und des Meeres eingebüßt haben , håts ten nicht die Vafallen und Stådte auf Rügen mit der Idblichſten Treue

und mit unerſchrockenem Muthe die

Vertretung der Waiſen übernommen , und zumal die Bürs ger von

Greifswald ,

Gut und Leben

freudig

daran

regend , reichen Dank für die Pflege abgeſtattet , welche die pommerſchen Fürſten ihrem Gemeinweſen ſeit der Gründung gewährt.

Wie

Stralſund zehn

Jahre früher

entſchloſſen

genug war , ſeine angetaſtete Freiheit gegen den eigenen Landesherrn zu verfechten , verherrlichte es jeßt ſein bůrger : liches Rechtsgefühl zur Vertheidigung feines anerkanns ten Fürſtenſtammes. Aber verhångnißvoller war faum eine Zeit, als die , in welcher Wartislav , noch jung an Jahren , durch den Tod dahingerafft wurde.

Ihn begleiteten die Wehklagen ſeiner

Unterthanen in ſein frühes Grab in der Kathedrale zu Ka min, und lobten Zeitgenoſſen und Nachkommen .

Schon von

Geſtalt, ein ſtarker, friegskundiger Rittersmann, ein Vorbild zur Nacheiferung tråger oder ſelbſtſüchtiger Vafallen , frei gebig und fromm , ' ) hatte er mit großer Beſonnenheit die Politif ſeines Hauſes in den Tagen der Macht Waldemars

1 ) Kramer Kirdendronik II. 88 a. a. D. fand in einer alten Klo ſtermatrikel folgendes Lob : Vir fuit magnificentia praeclarus, strenuus, pius ac dativus , amabilis et decorus persona , viribus et corpore ro bustissimus, honesta militia exercitatus, qui in armis suis exultavit ut gigas, et pro terrarum suarum defensione se exposuit viriliter ut Ju das Machabaeus cujus hasta et clypeus in bello nunquam sunt aversa, ita ut ipsius etiam virtutes et facta ad regiones longinquas usque per venerint. Die ſpätere Auffaſſung erkennt man in dem angeblichen Gleich niſſe Wartislavs wegen der Wahl junger Räthe. Es iſt zu pendan tiſos gelehrt für jenes Jahrhundert, Räthe in Vocales et Consonan . tes einzutheilen.

Sühnberſud zwiſchen den ſtettiner Herzogen u. Markgr. Ludwig. 205 verändert und ſeinen Beſig in Hinterpommern geſichert; ents ſchloſſen darauf die Gunſt des Geſchickes erfaßt , um des mårkiſchen Joches ſich zu erledigen.

Am nachtheiligſten war

es für die jungen Herzoge Bogislav V. und Barnim IV., ' ) daß ihre eigenen Vettern in Stettin die Erbfolge in Rua gen lau betrachteten , und ſie ſogar fahren laſſen wollten , um

den mårfiſchen Krieg deſto

kraftvoller fortzuſeßen.

Zwar hatten Otto und Barnim um dieſe Zeit durch die Vermittelung des Grafen von Lindow eine Sühne geſchloſſen, wahrſcheinlich durch den Tod des verwandten Mitſtreiters vermocht; aber ernſtliches Friedhalten war von keiner Seite abzuſehen.

Auf der Landesſcheide , zwiſchen Piriz und lips

pehne , hatte Kurfürſt Ludwig ? ) am 26. Auguſt 1326 die Theidigung des gedachten Grafen mit dem Herzoge von Stettin , mit den Kindern des Herzogs Wartislav und dem Stifte Ramin gutgeheißen ; fraft welcher eine Anzahl Ritter, für die Mårker die machtigen Wedel, für die Pommern die Borfen und Graf Hermann von Everſtein , unter der Db: mannſchaft des Meiſters von Preußen, Werners von Orſeln, zu Stargard und Soldin im Einlager bis zu Marià Geburt über den Streit entſcheiden ſollten . Man hatte ſich verein bart , den Landfrieden zwiſchen Warte und Ucker gemein ſchaftlich zu handhaben , Räuber zu verfolgen , den Verkehr zu beſchüßen , und am 14. September 1326 zwiſchen Lippehne und Piriß eine Zuſammenkunft zu halten ; aber je mehr Kd nig Ludwig ins Gedrånge mit dem Papſte gerieth , und je eher der Römerzug ihn und ſeine Macht nach Italien ents fernte ; je entſchloſſener wiefen Otto und Barnim im guel: fiſchen Sinne die Zumuthungen des gebannten Kurfürſten ab,

1 ) Cine Tochter Wartislavs IV., Eliſabeth, foul ſpäter bent erzoge von Sachſen -Lauenburg vermählt, und die Mutter des Bildhofs Johann von Kamin geweſen ſein. Kramer Kirchenchronik II. S. 64. 2) Höfer Auswahl S. 360 .

206

Sagefahrt auf der Landesideibe.

1o daß die Tagefahrt auf der Landſcheide ohne Erfolg war. Nach pommerſchen Nachrichten erſchien Kurfürſt Ludwig mit einem ſtarken Rittergefolge, um die Pommern, welche kaum 100 Pferde bei ſich hatten „ zu überpoltern ;" aber der junge feurige Herzog Barnim ließ ſich durch ſolchen Prunk und Hoffarth nicht ſchrecken. “ 1 ) Obſchon nicht mehr von der Neumark und von Ueckermark als von pommerf chem Beſig die Rede war ; da Prenzlau und Paſewalk , auf Ges heiß des römiſchen Königs , der Kurfürſtin, Gemahlin Lud: wigs, jener dåniſden Prinzeſſin Margarethe , zu deren leibs gedinge jene beiden Stådte gehörten , bereits am 18. April 1326 ? ) gehuldigt hatte ; und ſelbſt Bernſtein , das doch Wal: demar dem Otto abgetreten, im Anfang Februar 1328 feine Treue echårtet hatte ; ) blieben doch die Entſchädigung und die Lehnsanmuthung ſtreitige Punkte , welche nicht ohne Waffen erledigt werden konnten. Deshalb zu behutſam , um ihre Kraft im růganiſchen Erbfolgehader zu zerſplittern , ließen ſich Otto und Barnim von Heinrich und den Herren von Werle zu dem Verſprechen verleiten, wihnen zur Erlans gung des Fürſtenthums Rügen nicht hinderlich zu ſein , ſondern ſich ruhig zu verhalten ." 4 ) Obgleich die Vormund

? ) Rankow 1. S. 324. 334. Am 28. Auguſt war aud Otto in Piriß. 2 ) Solches bekennt Ludwig, in Prenzlau ſelbſt anweſend, am Frei tage vor Jubilate, drei Wodhen nadı Oſtern. Sedt I. S. 178 . 3 ) Gercken Cod. dipl . I. p . 144 dat . Soldin , Donnerſtag nach Lidytmef (2. Februar). 4 ) Descriptio Gryphiswald. I. c. p. 132. Magnopolensis et domini de Werle ex ipsorum versutia ponderantes et considerantes dictos minores infantes Dominos nostros esse sine regimine, legitimo tutore et defensore, cum jam ordinassent et fecissent in dictorum haeredum grave damnum et jacturam et confederationes fecerint cum Dominis Otthone et Barnimo Ducibus Stettinensibus, ut ipsi infra sui Duca tus terminos et in ipsis contenti pacifice residentes nihil cum suis vasallis deberent facere contra praefatos dominos, neque eos quo minus obtinerent' si possent principatum Ruganorum , vellent aliqua . liter impedire.

Bündniß der fettiner Herzoge mit Heinrich und den Herrn 6. Werle. 207 ſchaft für die Kinder Wartislavs begehrend , erklärten fie offen , daß fie den Måndeln nicht in der Behauptung Růs gens ,

als ihrer rechtmäßigen Erbſchaft beiſtehen wollten !

Solche Abtrünnigkeit der natårlichen Vertheidiger von der Sache ihres Hauſes ſchüchterte die Vaſallen von Rügen und die Stådte nicht ein ; ſie gelobten bei den pommerrohen für: ſten treu vecharren zu wollen , ? ) , und am 15. Auguſt vers einigten ſich alle Ritter , Knappen und die ganze Landſchaft zu Rügen , 2 ) einverſtanden mit der Stadt Stralſund, „ohne gegenſeitige Billigung weder einen neuen Gebieter , noch einen Vormund ihrer unmündigen Fürſten anzunehmen .“ Die Greifswalder traten muthig dem Bunde bei , ſchwanf: ten jedoch , ob ſie die Herzoge von Stettin, welche ſo wenig verwandtſchaftlichen Eifer blicken ließen, als Vormůnder aus: ſchließen dürften . 3 ) So thatbereite Treue der Stådte ward auf die Feuers probe geſtellt; denn die Meklenburger und Werler verſchaff: ten ſich ſtarken Unhang 4 ) - unter den unruhigen landfaſſen der Voigteien Bard , Grimmen und loig , gewannen zumal die Winterfelde zu Wolde und die Heiden zu ſagenow, und fielen gegen den Anfang des Herbſtes 1326 mit Heeresmacht in das rúganiſche Gebiet ein .

Die Stadt Bard, mit Feuers

pfeilen beſchoffen, ward zur Huldigung an die Meklenburger geånſtigt; 5)

der überlegenen Macht ergab ſich Grimmen

mit den Sandgeſeſſenen ;

die Meklenburger ließen vor dem

Thore deſſelben eine feſte aufwerfen , und lagerten ſich vor Poig.

Treulos dffneten die Bürger auch dieſer Stadt , ins

fager hinausgehend , dem Feinde ihre Thore ; dagegen vers ſchmåhete Reinfried von Pent, aus vielen Urkunden Wiglavs III.

? ) Descriptio Gryphiswald. p. 145 . 2) Sdwarz Lehnshiſtorie S. 327 . * ) Descriptio Gryphiswald. p. 134. 4 ) Rudloff II. S. 259. 5 ) Descriptio Gryphiswald. p. 133.

208

Einfall Heinrids und der Herrn von Werle in Rügent.

als angeſehener, hochbetrauter Vafall bekannt , jede Verlof: kung , und dertheidigte das ihm anvertraute Schloß dicht an der Pene, ' ) von welchem der Spåtenkel Gleichgültigkeit gegen geſchichtliche

Denkmale

faum

den

Hügel

und

die

Grundſteine geſchont hat , gegen alle Kriegsfünfte der Mc klenburger, welche von der Land- und Flußſeite das Schloß durch Bollwerke

abſperrten.

Immer

größer

wurden die

Haufen abgefallener Vafallen ; ſelbſt die Grafen Johann und Henning von Süßkow vergaßen wieder ihre Pflicht ? ) und vereinigten ihr Banner und ihre Vafallen mit den Bedråns gern ihrer unmündigen Fürſten. )

Gleicher Abtrünnigkeit von den Bürgern Greifswalds und Demmins gewårtig , be: fchickte der Meklenburger die Rathmånner derſelben , gelobte ihnen , als ſie gekommen , Waffenſtillſtand , und verſicherte, den unmündigen Fürſten in ihrem Gebiete nicht Abbruch zu thun , wenn die Bürger ihn nicht in der Beſißergreifung Rügens hindern wollten.

Über einmüthig verwarfen die

Wackeren ſolches Anſinnen , und betheuerten , daß ihren juns gen Herren das Fürſtenthum Rügen

rechtmåßig zuſtånde,

„ in deſſen Behauptung zugleich mit Stralſund ſie gedeihen und verderben wollten . trokig

entbotene

Schon

im voraus auf die

jeßt

Fehde bedacht, hatten die Greifswalder

Kriegsvolk geworben ; auch einige Vafallen von jenſeit der Swine herbeigerufen , 4 ) ſo daß fie 88 ausgerüſtete Reiſige

° ) Nod i . 3. 1631 widerſtand das loißer Schloß den Waffen u ſtav Adolfs. So kabl die Gegend von Loiß iſt, hat man doch nicht ſo biel Sinn gehabt, die Ruinen der ehemaligen Fürſtenburg unangetaſtet zu laſſen. a) Sdwarz Lehnshiſtorie S. 329. 3 ) Descriptio Gryphiswald. p. 134 : Comites de Gutzkowe cum suo vexillo et Vasallis Henningo de Winterfelt et Castellano de Plotzenbach ad dictos dominos confluentes , et castris suis similiter ante dictam ciuitatem erectis in praejudicium dictorum infantium prae sidium ipsis dominis dederunt ct juvamen. 4) Ibid . P. 135.

Doppelte Bifdyofswahl in Ramin .

209

und 250 leichtere Pferde zählten , die eigenen Bürger aus . genomnien , welche zur Stellung von Reifigen , Pferden und Bewaffneten beſonders verpflichtet waren . Auch hatten ſie mit den Anklamern und Demminern eine gemeinſchaftliche Beratung ins wolgaſter Schloß gelegt, und umſichtig zum Schuße des Landes Wuſterhuſen auf ihre Koſten ein Kaſtel bei Neuendorf an der Zieſe aufgeworfen. Um ſo ehrenvoller war dieſe mannhafte und fluge Treue , als die hinterpom merſchen Vafallen und Städte, die Vertheidigung des Erbes that- und willenlos aufgebend, ' ) für unmöglich hielten , der ſtarken Macht der Meklenburger zu widerſtehen, und deßhalb jede Hülfe verweigerten.

Auch vom Stifte Kamin , obgleich

deſſen früherer Inhaber der Erbvereinigung v. I. 1321 ſo bůndig beigetreten , kam feine Hülfe ; Bifchof Konrad war ſchon vor Ablauf des Jahres 1324 geſtorben, ² ) hochverdient um die Unabhångigkeit ſeines Stiftes und ſiegreich gegen die Anſprüche des Erzbiſchofs von Gneſen , welder daſſelbe unter ſeine Dioceſangewalt ziehen wollte, ihm aber Unmittelbarkeit auf Geheiß

Johanns XXII. zugeſtehen mußte.

Hadervolle

Zeit war darauf gefolgt, deren Dunkelheit wir nicht auf: hellen können . Ueber den Beſitz von mårfiſchen Ländern , Schievelbein und Lippehne, welche ein Theil der alten Dom: herrn als heimgefallen einziehen wollte, ſchien das Dom fapitel fich geſpalten zu haben , ſo daß es zu einer doppel : ten Biſchofswahl fam . Von den ålteren Geſchichtſchreibern

1 ) Descriptio Gryphiswald l. c .: Cum proin dictae omnes civi tates ultra Swinam in dictorum dominorum nostrorum ducatus di strictu existentes, nec non omnes vasalli extra et intra penam fluvium quasi desperati putantes nobis et aliis civitatibus fore omnino impos sibile quod dictus principatus de dictorum dominorum manibus evin ceretur , nos juvare , vel in aliquo nobis praestare subsidium plene denegarunt, quamquam super eo fuerunt instanter et saepius requisiti. 2 ) Konrads leßte Urkunde iſt aus der Faſtenzeit 1324. Wachſen a . a. D. S. 414. Ueber den Streit mit Gneſen f. Kramer II. S, 56. Wuja I. c. p. 594. 14 Barthold Geſch . v. Pomi , III,

210

Zwieſpaltige Biſchofswahl. Nüſtung der Städte.

des Stiftes wird bald Wilhelm , Doctor der Theologie und Dominikanermånch , als friedfertiger eiffter Biſchof bis zum Jahre 1329 aufgeführt; bald Bruder Arnold an deſs ſen Stelle geſeßt, den andere wiederum nur als Coadjutor des berühmten Friedrich von Eickſtedt, welcher ſeit 1330 in großartigem Antheil an der mårfiſchen Fehde auftritt, gelten taffen . ' ) Demnach von feiner Seite unterſtůßt, verzagten die Stådte nicht, und begannen den Krieg in Gottes Namen, beſonders durch

die wohlgegründete Furcht geleitet ,

daß,

wenn die Meklenburger ihre Abſicht durchreşten , das gange Pommernland zwiſchen Spine und Pene ihnen zur Beute fallen würde. ? ) Umſichtig nach allen Seiten, fein Geld fchonend, verſorgten die Treuen den Ritter Rein : fried von Penß in der Burg loiß mit Lebensmitteln, welche

1 ) Wuja p. 595 nennt bloß den Wilhelm , quem nonnulli Ar noldum vocant, ut in versiculis dicitur Arnoldus frater terdei enus praedicat acer.

Hramer erwähnt des Arnold nicht, der urkundlich bei den Jahren 1329 und 1330 alø frater Arnoldus dei et apostolicae sedis gratia Cammi nensis episcopus erſcheint. Dreger 3. f. 1329 nr. I. III. und Wadı. ſen A. a . D. S. 323. Vom Biſdhof Wilhelm iſt nur eine, beſtrittene, Urkunde . J. 1324 ( ſ. Delrichs fortgeſepte Beiträge zur Geſchichte der Gelabrtheit in Pommern S. 115) bekannt. Von einem Streite im Ra pitel zu Ramin, vacuata morte episcopi cathedra und der Einmiſdung des Pabſtes ſpricht Crantz Vandalia 1. VIII. c . 11. Wadſen S. 323 behauptet , Arnold ſei nur Friedrich Coadjutor geweſen. Wir werden bald die olden domherren als beſondere politiſche Partei kennen lernen . Das Zerwürfniß der beutiden Kirche und des Reiches baben gewiß Einfluß auf das Stift ausgeübt. a) Descriptio Gryphiswald p. 135 : Intrepide inchoavimus in nomine Domini Gerram contra dictos dominos et eorum adjutores et fecimus pro defensione terrae et Juris nostrorum Dominorum melius et sanius quod poteramus , praecipue timentes hoc solum , si dicti domini propositum suum obtinuissent in dicto principatu et praevaluissent, quod dominos nostros fugassent extra partem ducatus infra Swinam et Poenam fluvios et in eadem parte fortissima castra edificassent et ipsa in perpetuum sibi subjugassent.

Graf Gerhard von Holſtein for Loib .

211

Nachts auf der Pene und bei Tage den Belagerten zugeführt wurden , und geleiteten die ſchwangere Herzogin Eliſabeth mit ihren Kindern nach Greifswald , damit ſie, von den Bürs gern unterhalten, ihre Niederkunft abwarten konnte. ' ) Unter ſo liebevoller Pflege gebar ſie um den Anfang Novembers 1326 ihren dritten Sohn Wartislav V. Nur trügeriſch zeigte ſich unter ſolchem Drange der Dinge von Dånemark Hülfe; Graf Gerhard von Holſtein , Vormund Waldemars , landete im September 1326 mit 600 Reutern und erhielt von Stralſund und den Vafallen Rügens die Huldigung als Schirmherr und Vormund ihrer Fürften. Vor Loit ziehend , bezwang er zwar die von dem Meklenburger aufgeworfene Feſte, fchloß aber ohne Billis gung der Städte, ſtatt, wie dieſe wünſchte, den Feind ganz zu vertreiben , einen Waffenſtillſtand bis Johannis 1327. Noch ohne Verdacht gegen den unaufrichtigen Helfer , wels cher, nach Stralſund zurückgekehrt, am 5. October nochmals im Namen reines Königs als rechter Vormund der jungen Fürſten und als Capitaneus et defensor generalis die Stadt Stralſund mit dem ganzen Fürſtenthume zu beſchirmen ver ſprach , ? ) und in der Mitte des Octobers. nach Dänemark heimſegelte; übernahmen die Greifswalder den Unterhalt der Ritter Friedrich und Wolter Poſt ſo wie ihrer zurückgeblies benen dåniſchen Haufen , welche der Stadt binnen eilf Mo naten neben dem lohne für ihre Söldner über 1400 Mark feines Silber foſteten . Kaum war

der Holſteiner fern , als der råuberiſchen

Ausfälle der meklenburgiſchen Beſaßung in Loit das tråges

' ) Die Namen der 26 verdienten Rathmänner Greifswalds um jene Zeit , der 31 Rathgeſeſſenen zu Stralſund bis z. J. 1328 , der 28 Rathmänner zu Anklam und der 20 zu Demmin führt Roſegarten Geſchichtsdenkmäler' S. 191 auf. 2 ) Descriptio Gryphiswald. p. 136. Sartorius - Lappenberg II. S. 315 - 317. 14 *

212 Otto und Barnim als Vormünder für das Herz. Wolgaſt. riſche Verhåltniß zu erkennen gaben, und die Bürger der benachbarten Stådte

vielfach

belåſtigten .

Gleichwohl er:

neuerten die Herzoge von Stettin ihre Forderungen an die Vormundſchaft; waren entruſtet über die Vermeſſenheit der Bürger, das Schloß Wolgaſt zu beſegen, und verlangten die Einräumung deſſelben. Nach långeren fortſpieligen Unter: handlungen einigte man ſich , für das Herzogthum Wolgaſt die Stettiner als Vormünder anzuerkennen ; am 24. Decem ber 1326 gelobten Otto und Barnim als Vormünder der Kinder Wartislavs, die Rechte aller weltlichen und geiſtlichen Stånde zu ſichern, und ohne Beiſtimmung von vier Vafallen und zwei Rathmånnern aus jeder Stadt nichts im allgemei: nen Angelegenheiten zu thun. ' ) In den erſten Monaten des folgenden Jahres 1327 fehrte die geneſene Herzogin mit den Pringen nach Wolgaſt zurück, ? )

und ſtellte nach Uebergabe der Stadt und des

Soloſſes, im Anfange des Februar 1327 die Erklärung aus, daß ſie die bisherige Beſeßung durch die Bürger vollkommen gutheiße, und die Bewahrung der Feſte rechs ihrer Vafallen unter der Aufſicht von Greifswald , Anklam und Demmin übertrage.

Jene fechs Ritter , unter denen Arnold Bugen

hagen der erſte, gelobten am 5. Februar 1327

) den Städten

die Vertheidigung von Wolgaſt in der übertragenen Weiſe; 2 ) Gefterding pommerſch. Magazin III, 6. 118 ohne Ort der Aus ſtellung 1326 in des helligen Kerstes Avende. Otto und Barnim reb ten unter andern die Schwerine zu Bürgen , ein wenig bürgerfreund lidhes Geſchlecht, welchem Otto erſt im Sommer deſſelben Jahres 1326 zu Anklam hatte gebieten müſſen, die Raufleute und Kärner nicht mit Ungelb zu belaften ; f. a. a. D. II. S. 261. Sene verdächtigen Sdwes rine waren Heinrich mit ſeinem Sohne Ulrids, Werner und Henning von Spantekow und ihre Vettern Henning und Nicolaus von Lüdkow. Faft dieſelben übernahmen jeßt die Bürgſchaft für ihre Gebieter ! *) Descriptio Gryphiswald. p. 145. 3 ) Urkunde bei Roſegarten A. 4. D. p. 197 dat. Wolgast a . 1327 dominica qua cantatur circumdederunt me (Sonntag Septuagesimae ; Oſtern 1327 fällt auf den 12. April ).

Erſtürmung von Loiß durch die Greifsto alder and Demmitter. 213 aber die Anklamer

wichen nicht eher ,

bis ihnen die Bes uneigen

faßungskoſten vergåtet waren , ' ) wozu Greifswald nüßig beiſteuerte. Entſchloſſen

die

råuberiſche

Beſchädigung

durch die

Loißer nicht långer zu dulden, rückten die Greifswalder und Demminer , im Einverſtändniß mit Reinfried von Pent , in hellen Haufen vor die Stadt, erſtürmten fie, nicht ohne blu: tige Gewaltthátigkeit gegen die treulofen Rathmånner, ? ) und legten mit den andern Gemeinden eine Schaar Bewaffneter dort ein.

Solchen Ehrentag behielten die Bürger im treuen

Gedächtniß, und ordneten i . I. 1331 eine Siegesmeſſe zum Dank für dieſe That und für das bald zu erzählende Kriegs ereigniß an . ) Eines erneueten Angriffes von Seiten der Meklenburger gewärtig , beſchickte die Stadt den Vormund in Dänemark, damit er früh genug die angelobte Hülfe nach Roſtock ren dete ; aber jener gedachte wahrſcheinlich das Geſchlecht. Heinrichs des fówen für ſeinen König zu gewinnen , und tåuſchte die Harrenden durch leere Verſprechungen. Wie glanzvoll und lauter ſtand die Treue der Bürger neben dem Verrathe deſſelben Adels , dem Otto die Bürg ſchaft für die Aufrechthaltung des Vormundſchaftsvertrages anbefohlen !

' ) Stavenhagen a . a. D. S. 173. 2) Kirchberg A. 167. So sy die Stadt gewunnen da ; Dy Rad lüde branten sy darna, Dy dy Stad hattin vürgebin , Dem von Me kilnborg vil ebin . Descriptio Gryphiswald. p. 137. 141. Rangot I. S. 331 mit gewöhnlicher Licenz in der Darſtellung. 3 ) S. das Statut des Raths vom 28. September 1331 bei Roſes garten a. a. D. S. 160 : quod sub anno domini MCCCXVII. feria sexta proxima ante dominicam qua cantatur oculi nos cum adjutorio nostrorum amicorum et fautorum , cooperante divina gratia ciuitatem losiz quam dominorum nostrorum inimici et nostri per traditionem et fraudem optinuerant, expugnauimus clara luce et eam in manus nostrorum reduximus dominorum. Der Tag war der 13. März ; Oculi fällt 1327 auf den 15. März.

214

Plan der Schwerine gegen den Landeberben in Wolgaſt. Heinrich der Ueltere von Schwerin auf Spantekow ' )

und ſein Sohn Didech ( Ulrich ) auf Altenhagen, und viele andere Edelleute , durch den ſo geprieſenen löwen von Meklenburg gewonnen , fannen unter dem Waffenſtilſtande auf den arg liftigen Plan , die Wolgaſter in der Nacht mit Bewaffneten zu überfallen und den ålteſten Erben , Bogislav , in die Ges walt des Herrn Heinrich zu bringen ! Doch von ſo unritters lichem Vorhaben, zumal einen unmůndigen Prinzen zu rauben , zeitig durch geheime Anhånger unterrichtet , - ) ſchickten die Greifswalder ſogleich 150 Bewaffnete nach Wolgaſt , baten um die Herausgabe des Landeserben , und führten ihn , als die erſchrockene Wittwe willfahrte, in ihre Mauern in Si cherheit. 3 ) Herzog Bogislav weilte mit ſeiner Wärterin und zweien Kammerlingen in der Propſtei, der Behauſung Meis ſter Konrads , wofür der Propſt von der ehreifrigen Stadt 100 Mark Pfennige empfing , und ſpåter mit einer vor: nehmen Pråbende zu Kamin belohnt wurde. “ )

1

) Descriptio Gryphiswald p . 137. 2 ) Ibid. p. 145 : Quodam vero tempore pendentibus treugis cum ultra dominos guerrae videlicet Dominum Henricum Magnopolensem et Dominos De Werle plures habuimus inimicos circum circa scili cet Henricum seniorem de Swerin et filium suum Oldech Viniken , milites in castro Oldeshagen et alios plures eorum fautores a qui busdam nostris amicis secretis praemoniti, quod praefati inimici in fra tempora treugarum navigio quadam nocte castrum Wolgast acce dentes cum armatorum multitudine capere vellent Bugislaum primo genitum antedictum et eum captum Domino Hinrico Magnopolensi praesentari. Die greifswalder Hauptleute hatten überall geheime Rund ſchafter (secretos nuncios), wofür die Stadt allein 2000 Mark Pfennige (gegen 10000 Thaler) bezahlte; ſ. Descriptio Gryphiswald. p . 144 . 3 ) Ibid. 1. c. Dictum etiam primogenitum ex tunc cum una matrona et duobus camerariis ad expensas Magistri Conradi praepo siti nostrae civitatis locavimus quos per annum in suis tenuit expen sis pro quibus sibi centum marcas denariorum solvimus in parato. Die Verhinderung des ſchändlichen Prinzenraubes erzählt der Bericht, welchen der Rath nach den verhängnißvollen Jahren aufſeßen ließ, ohne alle Großthuerei als etwas ganz Einfaches. 4 ) Dreger 7. J. 1336 nr. 6. Für ſeine Mitwirkung bei der Lana

Die Meklenburger, vor Greifswald, Wolgaſt und Loiß.

215

Berdåmt durch ſolche Handlungen , oder vielmehr ge wonnen durch den gebilligten Pfandbeſig ſtreitiger Dörfer, traten um dieſe Zeit beide Grafen von Gůrkow , Johann und Henning, wieder unter den Gehorſam ihrer unmündigen fandesherren zurück, gelobten ihrer Lehnspflicht nachzufom : men, und ſchloſſen ein gegenſeitiges Bündniß mit den Städten Stralſund, Greifswald, Unflam und Demmin zur Vertheidi: gung innerhalb der Pene und der Swine. ' ) Da auch ans dere inländiſche Vaſallen , wie Johannes Dotenberg, verſpra chen mit ihren Burgen den Stådten anzuhangen, erwarteten dieſe unter Anführung des erfahrenen Friedrich Poſt nach Ablauf des Waffenſtilſtandes den Angriff der Meklenburger, welche Demmin von beiden Seiten im Juli umlagerten, die Stadt durch Feuerpfeile ångſtigten und die Felder der offenen Dörfer verheerten. Als

Greifswald und

Stralſund

ihre

Söldner bundestreu ſendeten , ließen die Meklenburger dort ab , und erſchienen am 16. Auguſt mit der Brandfackel vor Greifswald.

Aber das bewaffnete Aufgebot der Bürger vers

theidigte die bedroheten Mühlen , und , eingeſchüchtert durch die kråftigſten Wehranſtalten , gab der Feind ſeine arge Ab fidt auf, und warf fich auf das Land Wuſterhuſen und auf Woigaſt.

Aber ehe er Ernſtliches gegen das Schloß und

die Stadt wagen fonnte , ſtanden die greifswalder Söldner, auf Umwegen von Demmin heimgekehrt, zu ſeinem Empfange bereit, worauf plündernd und brennend die Meklenburger und Werler auf loiß zurückwichen , und die Stadt durch die aufges worfene Schopenburg in Gefahr brachten.

Obgleich Strals

fund am 24. Auguſt mit dem Geſchlechte Putbus ein neues

beshulbigung Rügens hatte Ronrab i. 3. 1326 eine Hebung aus der Bede von Rodenkerken erhalten . ' ) Geſterding pommerſds. Magaz. II. S. 62. Aus dem Original bei Roſegarten Geſchichtsdenkmäler I. S. 203 actum et dat, in gripes wold a. 1327 sabbato infra octauas corporis christi. Frohnleichnam fällt auf den 8. Juni ; Descriptio Gryphis wald . p. 138.

216

Bund ber ſtettiner Herzoge mit den Städten.

Bündniß errichtet hatte, ' ) unterließen die Bürger doch einen Zug gegen die Meklenburger , welche im Felde anzugreifen, die Greifswalder nur durch die Widerſeßlichkeit ihrer Sólds ner verhindert wurden . * )

Weil der Graf von Holſtein und

die dåniſchen Großen, ungeachtet der Mahnung der Stådte, 3 ) és an aller Hülfe fehlen ließen , indem ſie ihnen den Bruch des Waffenſtillſtandes aufbúrdeten , wandten dieſe fich um Beiſtand an die ſtettiner Herzoge, welche eben mit dem Kurs fürſten wieder theidigten .

Otto und Barnim, als Vormån :

der anerkannt , getrauten ſich jedoch nicht, offen mit den Waffen gegen den Meklenburger , ihren Bundesfreund , auf: zutreten , ſondern verſprachen nur im Geheim gegen eine Summe Geldes die Stådte zu unterſtüßen . ) Endlich ver mocht, nach Greifswald zu kommen , erweiterten

Otto und

Barnim am 25. September 1327 die frühere Erklärung über die Rechte und Freiheiten des Landes, übernahmen die Ver theidigung gegen die meklenburger und die werler Herren , ' ) ſicherten der Wittwe ihr Leibgedinge Zuziehung

und bekräftigten die

der vier Vafallen und je zwei Kathmånner zu

gemeinſamen Landesbeſchläffen. ) Durch ſolche Vecheißun: gen neu ermuthigt, zogen am 2. October die Reiſigen , die leichten Pferde und 600 wohlbewaffnete Bürger getcoſt gegen den Feind , welcher aus Grimmen und Ekberg ( Eichberg) bei Wüſt - Eldena, der Burg Johanns von Griſtow , mit ſtar: ken Reuterhaufen ſich bis in die Nähe der Stadt gewagt

) Sdwarz Lehnshiftorie S. 331 . ) Descriptio Gryphiswald. p . 139. 3) Ibid . P. 140. 4 ) Ibid. 1 c. 5 ) Dähnert pomm. Biblioth . IV. S. 101 dat. Grypeswold sexta feria post Mauritii et sociorum ejus. 6 ) Daf. S. 102 : contra dominos videlicet Henricum Magnopo lensem , Johannem et Henningum de Verle ac alios quoscunque, cujuscunque status aut dignitatis existant.

Sieg der Greifswalder bei Gribenoty.

217

und die Kühe geraubt hatte. ' ) fiſtig lockten die meflen : burger Ritter durch verſtellte Flucht die Städter bis in die Nähe des Dorfes Gribenow und fielen ſie dann in offenem Kampfe an. Blutig wurde von beiden Seiten geſtritten, bis „ Gott den Städtern den Sieg verlieh , " ſo daß ſie , jedoch mit Verluſt aller ihrer ſchwer gerafteten Reuter , mit dem Banner der Feinde und achtundzwanzig Meklenburgern heim: kehrten , während fåmmtliche meklenburgiſchen Schwergerů: ſteten mit ihren Leichen das Feld bedeckten .

Zwar hat uns

Sire Jean Froiffart aus denſelben Tagen die großartigſten Schlachtturniere der Ritterſchaft Frankreichs, Englands, der Bretagne in dem zauberiſchen Schmucke, welchen der aus: gebildete Geiſt der Chevalerie jenen Thaten verleiht , berichs tet , und fehlt ein ſo vornehm beſtechendes Gepräge den Råmpfen unſerer Pommerſchen Bürger ; aber an treuer Eins

' ) Descriptio Gryphiswald. p . 141. Aus der Angabe sexcenti armati fann man die ohngefähre Bevölkerung Greifswalde auf 10,000 Seelen anſchlagen . 2) Urkunde B. I. 1331 bei Koſegarten a. a. D. I. S. 160 : Item anno supradicto feria sexta proxima post michaelis omnipotens deus, qui est sol justitie, per suam potentiam dedit nobis circa horam me ridianam iuxta villam gribenowe victoriam super nostrorum domi norum et nostros inimicos, quos extunc in prelio superavimus, et captos duximus in nostram ciuitatem. Ob hanc igitur magnam pie tatem et gratiam , quam noster dominus , ihesus christus per suam misericordiam nobis licet indignis in prescriptis duabus sextis feriis ostendere dignabatur et fecit, decreuimus vnanimiter et concorditer in memoriam praedictorum perpetuam et laudem et gloriam illius qui omnipotentatui tam in terris quam in celis dominatur, facere quasdam elimosinas singulis annis in prenotata sexta feria post fe stum sancti michaelis ex pyxide nostre ciuitatis. videlicet pauperibus in domo sancti spiritus duas tunnas cerevisie , et in hospitali sancti georgii degentibus similiter duas tunnas cereuisie. in aliqualem eorum .consolationem perpetuis temporibus largiendas , et cum hoc cuilibet pauperi et prebendario dictarum domorum due simule dari debent. Et eadem sexta feria post festum sancti michaelis debet in capella sancti spiritus decantari solempniter missa in honorem sancte crucis, in qua christus triumphavit et nostrum inimicum deuicit et superauit.

218

Fortfeßung des Krieges in Verbindung mit Stralſund.

falt der Geſinnung und an wohlgemuther Aufopferung von Gut und Blut in einer ehrlichen Sache halten dieſe Fehden der Bürger den Vergleich mit jedem Strauß der Franzoſen und Engländer aus, welche nur zu oft an die Romane von der Tafelrunde erinnern .

Darum haben denn die Greifs:

walder auch dieſen Tag dem frommen Gedächtniſſe der Nach : kommen überliefert und mildthårig auch jedesmal der Siechen und Armen gedacht. So regten ſie ohne Hülfe der Stettiner unermüdlich den koſtbaren Krieg , welcher Handel und Wandel im Inlande unterbrach , fort, fielen in Geſellſchaft der Grafen von Güks fow , der Stralſunder und Demminer zumal in die land ſchaften Grimmen , Bard , Tribfees bis zur Herteburg ein, umlagerten Bard mehre Tage , ungeachtet der kowe ſelbſt drinnen war , und wagten fich felbft verheerend ins mellen: burgiſche Gebiet . Da den Stralſundern die Ritter Teşlav Stangenberg und Martin Rotermund als Lehneleute des Grafen Gerhard im Beſiß der Burg Garz auf Rügen nicht behagten , forderten ſie die Beihülfe der Greifswalder zur Bezwingung derfelben , und die Anweſenheit des jungen Prin: zen beim Zuge. " ) Als jene mit Bogislav vor Garz erſchies nen , beugten ſich die Befehlshaber , und am 1. November 1327 ward durch Barnim als Vormund, und durch die Vas fallen und Städte die Vertheidigung der Inſel dem Rein: fried von Peng und dem Geſchlechte der Putbus anvertraut. 2 ) Die Schirmherrn aus dem Geſchlechte Putbus, welches alte Forderungen an Wartislav hatte , empfingen zur Abtragung der Schuld die Inſel als Pfand , mit dem Rechte während des Krieges 500 Mark aus den dortigen Einkünften zu er: heben, 3 ) ſo wie gewiſſe Summen nach dein Ende der Fehde,

) Descriptio Gryphiswald. p . 142. 2 ) Ibid. 1. c. 3) Schwarz de finibus Rug. p. 182.

Treffen bei Bölſdott gegen Heinrich von Meklenburg.

219

bis ihre Forderung getilgt ſei. Um ſich der låſtigen Beratung von foiß zu erledigen , vermochten die Städter den Ritter Heinrich Malzan gegen Erlegung einer Summe und gegen die Verpfändung der Burg , Stadt und Voigtei die

Bes

ſchütung derſelben am 1. November zu übernehmen . " )

So

2 zog ſich der Krieg unter kleinen Ereigniſſen und Kriegsreiſen , von denen jede gleichwohl der Stadt Greifswald bedeus tende Koſten verurſachte , das Jahr hindurch bis in das nåchſte hin, in deſſen Anfang wir die Greifswalder mit ihren Verbündeten, auch zwei Grafen von Güßkow, zeitig , ' ) wies wohl vergeblich, vor der Schopenburg bei Loig erblicken. Er. bittert über den Widerſtand und die Abtrünnigkeit der Hers joge von Stettin, ſammelte Heinrich der Löwe, jeßt in hohem Alter , im Frühling 1328 ein ſtarkes Heer , und fiel in das Land Alt - Treptowo, zu Stettin gehörig, ein , in deſſen Nähe die Brüder Heinrich und Segeband Thun zu Kummerow 3 ) am See gleiches Namens , die troßigen Erbauer der Burg Kiek in die Pene , 4 ) zwiſchen

Malchin und Kummerow ,

nach der Art ihres Raubhandwerks ſich zu dem Werler ge ſchlagen . Drangvoller als je mit den mårfiſchen Händeln beſchäftigt, übertrugen die ſtettiner Landesherrn den nächſten Vafallen und Städten , theidigung .

Demmin und Treptow , die Vers

Im blutigen Treffen bei Volſchow , 5 ) unweit

Demmin , rechtfertigte die kandwehr der Bürger und der Graf von Gußkow ſolches Vertrauen ſo glänzend , daß der

* ) Descriptio Gryphiswald . p . 102 ff. 2 ) In quadragesima, vierzig Tage vor Oſtern , welcher 1328 auf den 3. April fällt. 8 ) S. die ſpäter zu erwähnende Urkunde 6. I. 1331 bei Höfer Auswahl S. 367. 4 ) Ueber das Schloß Kiek in die Pene f. Stolle S. 632. Die Gegend deſſelben heißt jeßt Arivißwieſe. 5 ) Kanpow I. S. 337. Stolle S. 631. Roſegarten a. a. D. S. 215. Hvitfeld p . 451 nennt die Schlachtſtätte Waltzkow ; Boelſchot liegt auf der Straße von Demmin nad Anklam.

Friebe zu Brobersdorp vom 27. Juni 1328.

220

alsbald ſeine hochfahrenden Abſichten herabſtimmte am Ende des April 1328 , in verſchiedenen werlis ſchon und, Löwe

meklenburgiſchen Orten Sühnverſuche angeſtellt

ichen und wurden .

Von dem Schußherrn in Dänemark, wo inzwiſchen

unter machtloſen Königen die eigennügigen holſteiniſchen Hels fer die Verwirrung ſteigerten , war ſo wenig Beiſtand zu erwarten, daß die Greifswalder auch die Koſten für die von der Krone geworbenen Söldner tragen mußten. Schon hatte Greifswalds Rath zu auswärtigen Anleihen ſchreiten můffen , da veräußerte Renten und die freiwilligen Gaben der Bür: ger , obgleich in einer kaum begreiflichen Hdhe , nicht mehr ausreichten .

Waldemar, durch Chriſtoph von neuem bedroht,

ging am 1. Mai 1328 zu Stralſund ein gegenſeitiges Hůlfs : bündniß ein, welches die Stadt zur Stellung von bewaffne: ten Schiffen , den König zur Zuſendung eines Heerhaufens verpflichtete ; ') ſo hob ſich der Vortheil auf, nur daß Wal demar ſich anhelſchig machte, ohne Greifswald weder mit Chriſtoph , noch mit dem Meklenburger und Werler Frieden oder Waffenſtilſtand zu ſchließen . Entſchiedener griffen Otto und Barnim , zum mårkiſchen Kriege entſchloffen , in die ſchleppenden Unterhandlungen , und wiederum zu Broderss dorp ward am 27. Juni 1328 der Friede endlich dahin ge ſchloffen , ? ) daß die Meklenburger gegen eine

Abfindungs

ſumme von 31000 Mark löthigen Silbers , innerhalb zwölf Jahren abzuzahlen, auf das Fürſtenthum Rügen verzichteten , und als Pfand die Stådte und landſchaften Bard ,

Grim

men und Tribfees erhielten , jedoch mit der Verpflichtung,

' ) Dähnert pommerſch. Biblioth. III. S. 72. Danemark XII. S. 161 .

Suhm Siftorie af

2) Westphalen IV. S. 933–35 und die gründliche Erklärung der Artikel bei Roſegarten Denkmäler I. S. 222 ff. Gegeuen to broders dorpe na gades bort dusent iar drehundert iar in deme achte 'vnde twintighesten iare des mandages vor sunte peters vnde sunte pauels daghe.

221

Job Heinrichs des Löwen 27. Januar 1329.

die Wittwe Ugnes wegen ihres Leibgedinges zu befriedigen. Würde die Einldſung in folcher Friſt nicht erfolgen , fo folle das Pfand für immer an Meklenburg fallen. Den Paſallen in den Voigteien ward der Befißſtand zugeſichert, und die Bürs ger der Stadt loiß vor Strafe ihrer Abtrünnigkeit inſofern geſchůßt, daß den Schuldbewußten der Abzug binnen Jahr und Tag erlaubt blieb.

Alle während der Fehde erbauten

Burgen ſollten bis auf Damgarten und eine nicht mit Ges wißheit zu ermittelnde gebrochen werden. Freiheit der Stra fen , gleichmäßige loskaufung der Gefangenen und die Ers füllung im Kriege eingegangener Dingniffe betrafen die übri: gen Artikel , ſo wie Ausgleichung des Grafen Gerhard mit Stralſund. Herzog Barnim von Stettin ſchloß in den Frie: den die Krone Dånemark , den Grafen von Gaskow , die Vafallen von Pommern und Rügen , welche in der Fehde thåtig geweſen , ein. Dieſem Vertrage gemåß , welchen die Bedrängniß der allgemeinen pommerſchen Lande billigen hieß, ſo wenig

er im

Ganzen den

Anſtrengungen

entſprach ,

traten die Meklenburger in den Beſitz von Bard ; der Wer : ler

nahm Grimmen und Tribſees ein ; die Abtei Neuens

Kamp blieb beiden Theilen zur Hälfte.

Der Sorge ' ) für

die Wittwe Ugnes erledigten ſich die Pfandinhaber , indem der alte Heinrich ſie noch in demſelben Jahre als ſeine dritte Frau heimführte, aber ſchon am 27. Januar 1329 ſtarb, und die Pfandgüter auf ſeine unmündigen Söhne , Albrecht und Johann, vererbte. Im Bewußtſein ihrer Thaten ließen die Rathmånner zu Greifswald die Beſchreibung des Krieges mit faufmån: niſch genauer Darlegung ihrer Opfer für die Sache der Fürſten in Latein verfaſſen , als das erſte hiſtoriſche

Docu

ment der Art , das uns in Pommerns dunkler Geſchichte vorliegt , zur Nachahmung für die Enkel und zur Belebung

' ) Ernſt von Kirchberg A. 168.

222

Stiftungen in Greifswald zum Andenken der Fehde.

( der Vaterlandsliebe der Spåtergeborenen . ^ )

Der größere

Theil der Summen war zwar aus dem gemeinen Stadt: feckel beſtritten worden ; doch hatten 250 mannhafte Bürger, långſt verſchollenen Geſchlechtern angehdrig , ſo wie einige Gemerke Summen beigeſteuert, deren Höhe uns , nach der Seltenheit des Geldes in damaliger Zeit , wahrhaft in Ers ſtaunen ſeßt. ? )

So gab der Rathmann Nicolaus von lů :

becf 1400 Mark Pfennige, über 4000 Thaler nach unſerem Gelde, und der Rathmann Heinrich Rubenow, der Ähnherr eines für unſer land hochmerkwürdigen Mannes, 1200 Mark. In Folge ihrer großmüthigen Bürgertugend weder verarmt noch entwaffnet, ftifteten die Greifswalder im nächſten Jahre das Hospital zum Heiligen Geiſt und die Kapelle vor ihrer Stadt nach Norden , im Sprengel des Biſchofs von Schwerin , ' ) und brachen i . J. 1331 die Burg Eichberg bei Wůſt - Eldena , deren Beſiger Johann von Griſtow gegen Empfang von 400 Mark Pfennigen ſich anheifchig machte, die Feſte nie wieder aufzubauen ; 4 ) ferner ordneten fie im Jahr 1331 jene oben erwähnte Siegesmeſſe, nebſt der Spens dung an die Armen an .

Das Gedächtniß an jenen Ehren:

tag erhielt fich noch bis in die neueſte Zeit unter dem Namen

) Descriptio Gryphiswald p . 131. Cupientes ex Syncerae di lectionis constantia, ut futurorum foelix successio priorum regulariter sequens vestigia in periculis praevisis munitam rem gestam memoriis omnium traditam suscipiat lactanter , intueatur et contempletur hila riter, ut ex ejus exemplari admonita ipsorum prosperitas florida se renius commendetur. 2 ) S. das Verzeichniß hinter der Descriptio p. 146. Die Geber ſind nach den Straßen , in weldhen ſie feßhaft waren , aufgeführt. Die Straßen haben nod durchaus diefelben Namen , nur hat ſich die wobl habende Bevölkerung anders vertheilt. 3 ) Geſterbing Beiträge S. 43. 4 ) Urkunde nady dem Original bei Koſegarten Geſchichtsdenkmäler I. S. 240. Act. et dat. Gripeswold a. 1331 , in crastino Dyonisii et sociorum ejus martirum beatorum.

Anſprüche des Bisthums Schwerin auf Rügen.

223

des Fürſten- oder des Wecken - Feftes, ' ) indem nach geendigter kirchlicher Feier zu St. Nicolai die Schuljugend mit Wecken bewirthet wurde. Wie die Vormůnder von Stettin die Treue der Bürger belohnt haben , iſt nicht mit Sicherheit zu eca fehen ; doch mag damit zuſammenhängen , daß Greifswald ſpåter am 6. December , dem Tage des heiligen Nicolaus, des Schußpatrones der Seefahrer, einen Abgeordneten an das fürſtliche Hoflager ſendete, welcher zur Bezeugung der landesherrlichen Obergewalt, ftatt der Orbar , außer einem geringen Opfergelde eine Tonne Rheinwein und eine Sonne Meth darbrachte.

Die rowediſchen Herrſcher verwandelten

dieſes Ehrengeſchenk in baares Geld , welches , im Belaufe von 41 Thalern 32 Schillingen ,

noch bis auf dieſen Tag

unter dem Namen Orbar der Staatskaſſe erlegt wird . Den jungen Fürſten war ihr altes Erbe, der Beſit von Rügen und das Anrecht auf die drei verpfändeten Voigteien, geſichert; aber gedeihliche Ruhe blieb den Grenzen noch fern, und die Aufldſung der Verhältniſle zuckte in den Bewegun gen böſer Vafallen fort. Eliſabeth und ihre uninůndigen Kin : der , haltungslos und der Stůße der Verwandten bedürftig, wurs den, verarmend, in den Kampf für des Hauſes ilnabhängigkeit hineingezogen , den Barnim unterdeß wechſelvoll, aber ruhmvoll begonnen .

Um Pommern von allen Seiten der Anfechtung

preiszugeben , erhob gleichzeitig mit der Befehdung der Me: klenburger und Werler auch die Kirche mit geiſtlichen Waf: fen Anſprüche auf einen Theil des Erbes Wiſlavs. Nemlich das Bisthum Schwerin hatte die Schenkung des landfeſten Fürſtenthums Rügen durch den fächſiſchen Herzog vom Jahre 1261, und die Anerkennung derſelben durch Wißlav II. im Fahre 1293 nicht vergeſſen und Biſchof Johann ſchon im Fahre 1326 , als die Meklenburger und Werler tagefahrtes ten , laut in Gegenwart des Abtes von Neuen - Kamp ſein Recht verwahrt, daß ihm nach urkundlichen Briefen der

Gefterbing A. A. D. S. 46 .

224

Stralſund und das Land Rügen im Banne.

Beſiß des Fürſtenthumes zugefallen ſei," 1 ) aber weder bei den Herren noch bei den Stådten Gehör

gefunden.

Auf

ſeine Klage beim påpſtlichen Stuhle hatte Johann XXII. 2 ) in Avignon am 29. December 1326 die Unterſuchung dem Defan zu Verden übertragen , welcher zumal die Stralſunder, denen Heinrich von Meklenburg das firchliche Foch aufzuladen bemüht war, unter die Herrſchaft des Stiftes wies, und die Koſten zu tragen verurtheilte ( 20. December 1328 ). 3 ) Gene achteten nicht auf das Gericht, beriefen ſich auf den römis den Stuhl , worauf der Dechant von Verden die Stadt und das Land am 12. Februar 1329 mit dem Vanne belegte. Nach langwierigem Proceſſe,

als der römiſche Stuhl

die

Appellation angenommen , verwickelten ſich die Verhältniſſe nach Ablauf

der Pfandjahre für die drei Voigteien

noch

widerwårtiger, ^ ) wie wir vor Erzählung der zweiten Erb: fehde um Rügen zu berichten haben.

Siebentes

Kapitel.

Krieg Ottos und Barnims gegen den Markgrafen Ludwig 1326. Streit punkte erörtert i. J. 1327. Tagefahrten. Aufheßung des Papſtes . Noth der Pommern . Verpfändung Stolpes an den Orden 1329 . Wechſelnde Erfolge 1330. Die Herzoge von Pommern nehmen ihre, Länder vom Papſte zu Lehn 1331. Die Schlacht am Kremmer bamm. Wedſelnde Ereigniſſe. Eliſabeth v . Pommern und Friedrid, Biſchof von Kamin treten auf die märkiſche Seite 1337. Einfluß der allgemeinen deutſchen Verhältniſſe auf die Wendung des Streits. Reichstag zu Frankfurt 1338. Barnim erlangt Reichdunmittelbarkeit von Kaiſer Ludwig gegen Heimfallsverſicherung, Auguſt 1338. Bedingenden Einfluß auf die Wendung des Erbfolge: ſtreites

um Rügen 1. I. 1328 übte, wie angedeutet , die

' ) Zeugniß des Abtes v. f. 1327 feria IV. post dominicam oculi bei Gerdes Sammlung S. 698. 2 ) Daſ. p. 700. * ) Daf. p. 705 dat. et act. in ambitu cit. XIV. Cal. Jul. 1328 . 4 ) Daf. p. 710. Rudloff II. S. 260. 276-278.

Wladislav, im Bunde mit den heidniſchen Litthauern.

225

drangvolle Beſchäftigung der ſtettiner Herzoge wegen der mårfiſchen Lehnsanſprüche aus.

Aufgereizt durch den Vers

folger des baieriſchen Hauſes, den Papſt Johann XXII . ' ), hatte König Wladislav Lokietek grimmige Fehde gegen die kurfürſtlichen Lånder ſchon vor dem Jahre 1325 erhoben , jedoch , wie es ſcheint, noch ohne Mitwirkung der Herzoge Otto und Barnim, welche nur in verwüſtendem Grenzkriege die abtrünnigen Städte der Neumark und des Uckerlandes, ſo wie die ungetreuen von ihnen während der Vormund fchaft eingefeßten Voigte zu ftrafen ſuchten.

Im Jahre 1326

war Wladislav mit Genehmigung des heiligen Vaters mit den heidniſchen Litthauern, den unbeſiegten Feinden des eifrig ghibelliniſchen Ordens in Bund getreten und hatte mit jenen Horden auf das Unchriſtlichſte in der Neumarf bis Frank: furt , und im Barnim , beſonders um Bernau , gehauſt;? )

' ) Schon am 15. Juli 1325 hatte Johann dem Polenkönige ſchrifta lidh Glüd gewünſcht über feine Erfolge gegen den gebannten Kurfürften . Raynald a. a . 1325 p . 299 nr. 49. 2 ) Ueber das Jahr des Einfalles der Polen und Litthauer in die Mark ſchwanken die Angaben . Voigt Geſch. von Preuß. IV. S. 412 ff.; das Chronicon Olivense , dem Dlugoſs I. p. 989 ff. folgt, giebt als Urſache den Mord Przemyslavs und den Verkauf Pommerns an ! Das Chronicon Heinr. Rebdorf (ap. Freher p . 424 ) ad a. 1326 ſagt: in cujus (Ludovici) odium praedicti pagani marchionatum depopulantur permittente Johanne Papa. Das Chron. Aul . Reg. ap . Dobner V. p . 407: Lokotko , Rex Polonie , volens Sedi Apostolice et Pape complacere, ut asseruit, contra Marchionem Brandenburgensis iuuen culum Ludvicii de Babaria Regis quondam Romanorum filium innu merabiles Ludwanorum turbas pugnaturas sibi assumit , Marchiona lum Brandenburgensem invadit ac juxta civitatem Franckenfurt et in universo ipsius confinio plagam in Christianos exercuit et tyranidem nimis magnam. Per paganos enim Luthvanos, Christianum sanguinem · effundere sitientes et opportunitatem habentes , ville et oppida com buruntur, monasteria quoque plurima monachorum, quam sanctimo, nialium constringuntur, Christi famuli et famule trucidantur et violan tur et vulgares homines velud pecudes inumerabiles ad paganorum patriam deducuntur. Tanta mala ibi tunc per paganos perpetrata sunt, quod sine gemitu cordis narrari non possunt . Vgl. Corneri 15 Barthold Geſch. v. Pomi , III,

226

Friedensverhandlungen zu Stargard.

unerhörte Wildheit jenen heidniſchen Kriegsgenoſſen Kirchen , Kidſter und geiſtliche Perſonen geſtattend.

gegen

jedes Geſchlechts

Aber die Polen und Litthauer waren durch die

Bürger der Stådte , zumal durch die Frankfurter , blutig aus dem Lande gewieſen worden , nachdem ſie gleichwohl in der Neumarf ſo entſeßlich gebrannt , daß fundbar damals noch reide, blühende Dörfer. i. I. 1337 wüſt lagen. Zur Ehre der Pommernfürſten müſſen wir bekennen , daß fie, Otto und Barnim , - denn Wartislav war um dieſe Zeit mit ſeinem Erbhandel beſchäftigt und ſtarb am 1. Auguſt keinen Antheil an dein Frevel nahmen ; ſie theidigten im Herbſt um Lippehne.

Als aber am Ende des Jahres König Lud

wig ſeinen Römerzug angetreten hatte, und das Einſchreiten des Reichsoberhauptes nicht zu fürchten ſtand , rehen wir noch im Winter den ungeregelten Grenzkrieg, der wahrſcheins lich an vielen Stellen gar nicht unterbrochen war , wieder eröffnet, jedoch am 11. März 1327 zu Stargard die Ub geordneten griffen . von

aller Betheiligten wieder in Unterhandlung bes

Dieſe Unterhandlungen , ' ) geführt durch Hermann

Eberſtein , Grafen

von Naugart ,

Panſin von Seiten der Pommern ,

Herrn Niflas

und

von

von Seiten des

Markgrafen durch Dietrich Block und Pudwig Wedel, und durch Borfe wahrſcheinlich von Seiten des Stifts „ to hope komen tu stargarde tu verlickende dat orloge” (Fehde), lehren uns die Streitpunkte fennen , obgleich man fich nicht einigte.

Die markgräflichen Theidigungsmånner behaupteten

die Lehnspflichtigkeit der Herzoge von Stettin wie zu Wal

chron. p. 937, der jene Unthat an dem didbäuchigen Propſte von Bernau erzählt. Hierber gehört aud die Sage , wie die ſchöne Nonne eines märkiſden Kloſters ihre Seuſdheit vor den Heiden bewahrte. S. Budy holz II. S. 378, aus Angelus S. 134. 135. ? ) Baltiſche Studien V. 2 S. 199 beſſer, als bei Raumer Codex dipl. Brandenb. I. p. 20 gheven vn. screyen 1327 an svnte grego rius auendc.

Darlegung der Streitpunkte.

227

demars Sagen , worauf die Pommern erwiederten, ihre Hers zoge ſeien , „ vrie ghestoruen” d . h. durch den Tod Waldes mars erledigt ; fie begehrten ihr Gut vom Reiche, wie ſie vorher gehabt håtten . "

Da fie ſich darauf beriefen , daß

die mårkiſchen Leute und Städte nach dem Tode Walde: mars ihre Herzoge , gekoren " und ihnen gehuldigt håtten , bis ein anderer fåme, welcher beſſeres Recht hätte, und daß wiene ungeachtet des Geldbniffes, fie von erweislichem Scha : den frei zu halten , ſpåter fie aus dem fande gewiefen und ihr eigenes Gebiet beraubt und verbrannt håtten ,"

beſchul

digten die mårfiſchen Bevollmachtigten , „die Herzoge håt ten die Mark angegriffen , ihr Hauptleute gefeßt, das land verheert, bis, da der Markgraf mit ſeinem beſſeren Rechte gekommen, Stådte und Leute ihm nach Gebühr gehuldigt." Jene leugneten , die Feindſeligkeiten begonnen zu haben , ſo lange die mårfiſchen Stådte und Leute ſich ruhig verhielten , und verlangten auch den Heinfall des Pandes Lippehne für das Stift Kamin , das nur der anhaltiſche Markgrafena ſtamm gekauft , und jeßt dem Stifte „wieder angeſtorben“ ſei. Solchen Heimfall ließen die Markgråflichen nicht gelten , da lippehne nicht zum Erbgut der Markgrafen , ſondern zur Mark Brandenburg erworben wäre , und mithin vom Reiche zum Lehn ginge ; weshalb ſie ein lehnrecht des Indem man fo vers Gotteshauſes nicht anerkennen dürften . fchiedene Geſichtspunkte aufſtellte; beide Theile des Beginnens der Feindſeligkeiten einander beſchuldigten, und die Verpflich tung gegenſeitig ſich aufbůrdeten, den Scaden zu tragen , ' ) wel chen zumal die wåhrend der Vormundſchaft gelegten Haupt: leute, Beſonders die Wedel, erlitten ; ſchrieb man dieſe Streits

a ) S. unter den ungedr. Dregerſchen Urkunden b. J. 1328 zwei Auffäße, über den mannigfachen Schaden , welchen die Herzoge von Pommern bei der Einnahme der Uder- und Neumark erlitten haben, indem ſie ihre Va fallen mit Gütern entſchädigen mußten. Anziehende Einzelnheiten theilen wir im 8. Kapitel mit. 15 *

228

Ulrich von Lindow Wermittelt die udermünder Sühne.

punkte mit der gegenſeitigen Erwiederung nieder , übertrug den Ausſpruch dem Hochmeiſter von Preußen als Dómann, und verbürgten die fünf Bevollmächtigten , daß der Marks , graf von Brandenburg, die Herzoge von Pommern und der Bifchof inzwiſchen bei ihren Grenzen , wie bei des Mark : grafen Zeit bleiben ſollten .“

Wie die Entſcheidung des Hoch meiſters ausfiel, wiſſen wir nicht; dagegen ſtiftete Graf Ulrich

von Lindow zu Uckermånde am 5. September 1327 zwiſchen Barnim , Wartislavs Kindern und dem Stifte von Ramin und andererſeits dem Markgraf Ludwig nochmals eine Sühne, ' ) eben als die Meklenburger in das Gebiet von Greifswald eingebrochen waren , und das Erbe Wartislavs des Beiſtan : des der Stettiner bedurfte.

Dieſe gelobten mit Hand und mit Briefen das Dingniß treu zu halten , welches durch ein

Eheverſprechen zwiſchen dem Herzoge Barnim und Jungfrau Mechthildis , der Tochter Rudolfs von Baiern , Feſtigkeit gewinnen ſollte.

Beiderſeitige Hülfe wurde zugeſagt; durch den Markgrafen den Pommern mit 200 Helmen , durch die Pommern dem Markgrafen mit 100 ; und ewige

Fréund

ſchaft gegen jedermann beſchloſſen . Herzog Otto und Graf Ber thold von Henneberg verpflichteten ſich, alle neue Feſten, welche ſeit Waldemars Lode von beiden Seiten zwiſchen Swine, Nege und Oder, und zwiſchen Oder und Ucker gebaut waren , zu brechen und das Stift zu Samin , deſſen Biſchof nicht ge nannt iſt , in die Sühne aufzunehmen.

So friedliche Aus

ficht, zumal wahrſcheinlich das Lehnsverhältniß unentſchie: den gelaſſen war , zerſchlug fich jedoch mit dem folgenden Jahre , ſei es , daß die Braut Herzog Barnims ſtarb , oder daß Ludwig der Baier, mit dem Kaiſerdiadem am 18. Ja nuar 1328 zu St. Peter gefrónt , die Vollgewalt ſeines

1 2 ) Urkunde Baltiſche Studien a. a. D. S. 200 geschehen tu Ucker münde 1327 sunayendes vor unser vrowen daghe der Lateren al so se geboren wart (8. September).

Erneuerte llebertragung der Mark an Ludwig .

229

kaiſerlichen Amtes zu åben begann , oder endlich , weil der rómiſche Stuhl die Pommern zu heißerem Streite ermunterte. Am 27. Januar 1328 erließ Kaiſer Ludwig ' ) an Herzog Bogislav und deſſen Brüder „ Herzoge von Stet: tin, der Slaven, Kaſſuben und Pommerns," den Befehl, daß, weil ihre Herzogthümer als Lehn unmittelbar dem Markgraf: thum Brandenburg zuſtånden, ſie, wie ihre Vorfahren , ihr fand als Lehn von Markgraf Ludwig nehmen ſollten .

Zugleich

erneuerte Ludwig als rómiſcher Kaiſer in einer ausführ: lichen Urkunde vom 12. Februar 1328 die Uebertragung der brandenburger Marf mit allen Rechten an ſeinen Sohn ? ) und verlieh ihm auch an demſelben Tage alles land , wel: ches er mit Waffengewalt , den Fürſten

von Polen , den

Edlen, Rittern , Stådten, welche freventlich gegen das Reich ſich aufgelehnt, " abnehmen würde. 3 )

She noch die gebiete:

) Buchholz V. Anhang II. S. 51 ; dat. Lateran . 27. Januar 1328 . Denuntiamus vobis, quod Ducatus Stetinensis, Slavorum , Cassuborum et Pomeraniae suppradicti immediate descendunt in pheodum a Mar chionatu Brandenburgensi , Archi- camerariatu imperii et ad illustres Marchiones Brandenburgenses, qui sunt pro tempore, pertinent, si cut ad dominos collatores , quibus jus pertinet Ducatus ipsos in phcodum conferendi. Ideoque illustrem Ludovicum , Marchionem Brandenburgensem , Archicamerarium nostrum, et imperii Principem et primogenitum nostrum charissimum , magnificentiae vestrae , tam quam eum , cui jus conferendi et impheodandi de praedictis ducati bus legitime pertinere dinoscitur , demonstramus et ad ipsum vos remittimus , volentes ac etiam injungentes vobis et vestris haeredibus, ut, quemadmodum vestri progenitores ducatus ipsos ab antiquis Mar chionibus Brandenburgensibus in pheodum cum omnibus suis perti nentiis et juribus possederunt et recognoverunt, sic a predicto Mar chione , filio nostro , eosdem in pheodum recipiatis, possideatis et recognoscatis. 2 ) Daſ. a. a. D. S. 52. 3 ) Ebendaſ. S.54 nonnulli de regno Poloniae Principes, nobi les , magnates et etiam milites, nec non communitates , universitates civitatum , castrorum oppidorum pariter et burgorum , qui metientes et posttergantes fidem nobis debitam et Imperio rebellionis spiritum assumserunt.

Schreiben Johanns XXII. an Otto und Barnim.

230 riſche

Weiſung des römiſchen Kaiſers Pommern

erreichen

konnte, hatten ſich am 23. Februar 1328 viele Vaſallen der Herzoge und des Markgrafen in dem Dorfe Naulin , der Scheide zwiſchen dem Gebiete von Piriß und Lippehne , zur Tagefahrt verſammelt. ') Auch Burchard, Graf von Mans. feld , war anweſend. Die ſtettiner Fårſten ſagten hier die Haltung der Vertråge zu , über welche ſie mit dem Grafen von Lindom, mit dem Markgrafen Ludwig und mit Berthold von Henneberg übereingekommen wåren, und Burchard ver: pflichtete

die

Pommern

ihm

nicht die Herausgabe

von

Land und Leuten , welche er wegen der Vormundſchaft inne habe, anzumuthen.

Aber ſchnell ſchlugen die friedlichen

Dinge um ; richtlich in Folge römiſcher Aufhepung. Denn betroffen über die Fortſchritte Ludwigs in Italien und über deſſen Kaiſerkrónung ſchrieb Johann XXII. in Avignon am 12. Februar 1328 an Otto und Barnim , theilte ihnen die neuen Gewaltſchritte gegen den verfeßerten Kaiſer und deſſen Sohn mit , und ermunterte fie , mit ihren Vettern und an: deren Getreuen der Empórung gegen die Kirche fich muthig Der Funke zündete ; ſchon verlegte

entgegen zu regen. 2)

Otto von Stettin, feindlich gegen die Marf geſinnt, gebiete: riſch die alte Heerſtraße des Verkehrs von Schwedt nachy Stettin auf Garz, ' ) beeilte ſich nach dem Siege von Voel ichow mit dem Meklenburger und Werler zu Brodersdorf

1 ) Gercken Cod. dipl. V. p. 338. Gescheen to Nowlin 1328 dar der Hertoghen vnde des Marcgreuen Lüde vele weren an bey dent haluen in Sünte Mathias auende. 2 ) Raynaldi Annal. ad a. 1331 m. 22 : Quocirca nobilitatem vestram rogamus et hortamur attentius, quatenus in devotione sacro sanctae Romanae ecclesiae matris vestrae constanter et inviolabiliter una cum dilectis filiis nobilibus viris nepotibus vestris et aliis earum partium fidelibus persistentes , eisdem Ludovico de Bavaria , ejusque filio et aliis rebellibus et hostibus Dei et ecclesiac vos ad eorum conterendam superbiam tamquam viri fideles et strenui opponatis. 3 ) Baltiſche Studien V. 2. S. 116.

Beginn der Feindſeligteiten.

231

Frieden zu ſchließen , und ging am 15. November 1328 mit Heinrich dem lówen ein Schuß- und Trugbúndniß ein, ? ) gegen jedermann , mit Ausnahme des Grafen Gerhard von Holſtein und des Grafen von Lindow . So begann i . I. 1329, ohne fundbare Mitwirkung der Polen, der verheerende Krieg an allen Grenzen ,

von deſſen Hergången wir leider jeder alten Nachricht entbehren, und nur mit Unbefriedigung den

unverbürgten Nachrichten bei Kangow folgen . ) In Hins terpommern waren ſchon im Sommer 1328 ſo ſtürmiſche Tage, daß die Stadt Köslin am 27. Juni mit Jasco von Schlawe, des Geſchlechtes der Swenza , ein Hůlfsbündniß einging ; % ) Höslin , die biſchöfliche Stadt , muß die Partei gegen den Biſchof Arnold

und feinen Anhang unter den Domherren ergriffen haben , indem wir i. I. 1329 einen Frieden zwis ſchen Arnold für Kolberg, und andererſeits Roslin und Hafio von Wedel , dem Inhaber von Schievelbein und mårfiſden Vaſalen , vermittelt finden . “ ) Höchſt ungünſtiger Weiſe hatte der Tod die Pommern

um dieſelbe Zeit des meklenburgiſchen Kampfgenoſſen beraubt, und waren ſie ſchon beim Beginne des Krieges gendthigt, zum Schaden ihrer Mündel in Wolgaſt den landerwerb Wartislavs IV .

durch

Veräußerung

deutſche

Orden , måchtig

Feldzug ,

welchen König

gehoben Johann

zu ſchmålern.

durch von

einen

Dec

ſiegreiden

Böhmen zu ſeinen

? ) Höfer Auswahl S. 363 : Wi schulen unsen Omen Hertogen Otten vnd Herthogen Barnim volgen vnde denen vp alles weme de leued mit vistich mannen op orsen buten landes vp use win vnd vp unse vorles vnd vnse Ome de Hertoghen van Stettin schullen en de Kost gheuen vns bunnen landes mit al vnse macht , swar is en nod is, vnd wor id eme werret, dar schall id vns werret. 2) Rankow I. S. 336 bat gar keinen hiſtoriſchen Werth , überall widerlegen ihn die Urkunden. 3 ) Dreger nr. II. v . I. 1328 dat. in Schlage crastino Pauli et

Johannis Martyr (26. Juni). * ) Daf. nr. I. v. 3. 1329, ohne Tag und Drt.

Die Lanbidhaft Stolp bem Orben Werpfändet.

232

Gunſten gegen die Litthauer und gegen König Wladislav i . I. 1328 unternommen, war reich genug, den bedürftigen Herzogen Otto und Barnim 6000 Marf reinen lůbiſchen Silbers vorzuſtrecken, welche dafür die Landſchaft Stolp mit allen Einkünften und Rechten zu Pfand resten . Zwar be dingten die Vormünder die Erhaltung der Freiheiten aller Lehnsleute , Bürger und Bauern , und die Wiederlósbarkeit binnen 12 Jahren ; aber da jene dann zu der Pfandſumme noch 4000 Marf entrichten ſollten , widrigenfalls das land auf ewig dem Orden anheimfiele, eröffnete den Mündeln fich eine trübe Zukunft , zumal Eliſabeth zur Erhaltung und Erziehung ihrer Kinder nur 2000 Mark ausgezahlt erhielt. Der Vertrag , zu Marienburg am 27. Februar 1329 ges foloſſen , ') gab Stolp in die Hände des Ordens , der in demſelben Jahre die Herrſchaft Bütow von dem Sohne des Marſchalls Henning für 800 Mark Silber erfaufte ? ) und von Schlawe får 300 Mark

von Graf Gasco (Johann)

auch die Güter Krampe und labuhn an der Stolpe erſtand. Dennoch muß nach ſolchen Opfern der Krieg vor dem des Jahres teine günſtige Wendung für Barnim,

Ende

welcher mit ruhmvollen Muthe die Sache feines gealterten frommen Vaters führte, genommen haben.

Denn einerſeits

würde König Wladislav bei befierem Erfolge der Bun desgenoſſen nicht genöthigt geweſen ſein , am 29. October 1329 den Waffenſtillſtand, welchen der Palatin von Poſen und Capitaneus regni , Vincenz , mit dem Markgrafen und

? ) Originalurkunden Ottos und Barnims im königsb. geh. Archiw , dat. Marienburg III. Cal. Mart. 1329 und Marienburg feria IV. ante dominicam qua cantatur Esto mihi 1329. Urkundliche Beſcheinigung des Empfanges von der Herzogin Eliſabeth dat. in Nyentrebetow 1329 feria V. post dominicam Misericordias domini. Auch gedrudt in Voigts Cod. dipl. t. II. p. 168. 2) Originalurkunde daſ. dat. Marienburg in die Elisabeth ( 19. No vember) 1329. Kleinere Veräußerungen bei Voigt Geſchichte von Preu Ben 1y. S. 438 .

Landfrieben in Folge eines Sieges ber Pommern . mit allen Sachſen geſchloffen ,

233

feierlich zu beſtätigen ; ')

und andererſeits wåre unerklärlich , weshalb die Vormunder der jungen Fürſten von Meklenburg , Albrecht und Johann, Barnims Waffenfreunde, am 24. September 1329 , einen zehnjährigen Bund mit „ ihrem Herrn , " dem Markgrafen Ludwig , gegen jedermann , mit Ausnahme einiger Nachbar: fürſten, der Herzoge von Stettin ' und des Biſchofs von Ka. min , eingingen , die drei uckermårfiſchen Voigteien abtraten, und dafür nur die Burgen Streliß und Arensberg , 2800 Mark brandenburgiſch Silber und die Belehnung über Star gard empfingen . ? )

Anders ſtehen ploßlich die Dinge mit

Anfang des Jahres 1330 ; widerſpruchsvoll wird von einer Schlacht berichtet, welche Barnim in Begleitung des Bis ſchofs von Kamin und des Grafen Hermann von Eberſtein um Prenzlau oder zwiſchen Vierraden und Angermünde ges wonnen und das fliehende Heer des Kurfürſten bis auf Neuſtadt : Eberswalde verfolgt habe.

Ein Sieg der Pommern

iſt unbezweifelt ; denn Markgraf Ludwig ſchloß auf der Heide „vor den Twenraden " am 29. Januar 1330 einen landfrie: den bis auf Mitfaſten mit „den achtbaren Fürſten, Herren Otto und Barnim , " mit den alten Domherren von Ramin, mit dem Grafen von Naugart ( Eberſtein ), der Stadt Mar ſow und allen ihren landen und Unterſaffen. 3 )

In klein

' ) Gercken Cod . diplom. I. p . 126. Dat. Cracoviae in crastino Simonis et Judae 1329. Vincenz war Herr von Zamotuli und gehörte zum Wappen Nalęz. 2) Urkunde bei Gercken I. p. 235. Gegeven auf der Gorniſchen Brüde 1339 , Sonntags von Michaelis. Der Graf Günther von Lin dow war beſonders in den Unterhandlungen thätig. Görne liegt bei Wittſtod. 3 ) Höfer Auswahl S. 364 : Desse Dedhinge sind geschen upper Heiden vor den Twenraden, des Mandaghes vor Lichtmissen na Go des Bord 1330 Jar tu eneme Orkunde mit vseme groten Inseghele bestedheget unde beseghelet. Wenn der Sieg der Pommern auf der udermärkiſchen Seite erfodyten wäre , ſo wäre auffallend, daß auf der

234

Barnim gegen ſeine empörten Bajallen.

müthiger Weiſe übergab der Kurfürſt die Entſcheidung der Ztviſtigkeit rechs Mannen , welche erſt in Stettin , alſo im feindlichen Gebiete , dann in Paſewalk, als im mårfiſchen , theidigen ſollten , den Handfrieden ſtrecken .

nach Nothdurft zu er:

Zur Verbůrgung des Vertrages regte Ludwig ſeine

Vafallen Bertram von Greifenberg mit dem Schloffe Schwedt, und den alten Haſſe und Wedeg von Wedel mit dem Schloſſe Bahn , welches demnach weder den Johannitern noch den Pommern überwieſen war. So ſchleppten die Händel auch jeßt noch unentſchieden fich hin , bis Kaiſer Ludwig vom

Komerzuge heimkehrte.

Paſewalt und Prenzlau ' waren noch in des Markgrafen Ges walt ; abec Barnim benußte die Friſt, mit neuem Bündniſſe fich zu ſtårken, emporte Vaſallen zu ſtrafen , und dann Guelfe im eigentlichſten Sinne geworden , die geſteigerte firch liche Zerrůttung Deutſchlands geſchickt für ſeine Sache zu benuten. Die Gebrüder von Thun hatten während der brandenburger Fehde mit ihren Genoſſen das Land zwiſchen Tollenſe und Pene beunruhigt ; durch den ſtreitbaren Herzog zu Paaren getrieben, nahmen fie am 10. Auguſt 1330 , unter

Heide vor Twenraden getheidigt wurde ;,urkundlich eine Burg , welche die Herzoge von Pommern als ihr Eigenthum anſpradjen , wie wir in dieſem Jahre erfahren werden, belegen unweit Soldin. Im Jahre 1326 beſtätigte Kurfürſt Ludwig apud duas rotas die Freiheiten von Soldin, was mit der angegebenen Lage paßt. Kirchliche Zwiſtigkeiten deutet an, daß Ludwig die olden Domherren van Cammyn und nicht den Biſdof einſchließt. Biſchof Arnold vergleicht ſich noch am 7. Septem ber 1329 mit dem deutſchen Orden über verſdjiedene kirchliche Forderun gen. Dreger z. I. 1329 ; und ſtellt feria VI. post Epiphaniam (12. Ja nuar) 1330 zu Kolberg eine Urkunde aus. Erſt am 13. December 1330 ſchließt Otto zu Wollin mit dem Biſchof Friedrich von Kamin und Ben Herren von Werle ein Schußbündniß. Friedrich war aus dem Ge ſchlechte der Eidſtedt, das wir vielfach in den Urkunden der legten an baltiſchen Markgrafen finden ; 'es [djeint demnach, daß er, durch die Mark grafen zum Biſchofsſtuhle befördert, anfänglich die Sache derſelben gegen Arnold und die alten Domherrn hielt.

Die Pommern nehmen ihr Land vom Papſte zum Leht.

235

Vermittelung des Herrn Johann von Werle und des Grafen von Gůžkom , die Hand des Friedens an , ' ) gelobten das zerſtörte Haus Kief in die Pene nicht wieder aufzubauen ; verglichen ſich mit dem Landesherrn über Schuld und ſtreitiges Gut, und wurden der Gnade ihres Gebieters verſichert.

dem

Aber dem Waffenerfolge oder der Verſchmågerung mit machtigen Kaiſerhauſe ?) nicht unbedingt vertrauend,

bem arben die Herzoge von Pommern ſich um den unmittels telbaren Schuß des

rdmiſchen Stuhles, und

trugen dem

Papſte Johann XXII. in einer Zeit ihr land als lehn auf , als ein großer Theil der deutſchen Ståndé , entruſtet über den Hochmuth und die Anmaßung der Curie , ſich all målig in dem Gedanken begegnete , durch eine båndige Er : Flårung die ichmachvolle geiſtliche Herrſchaft, als Urſace ſo heilloſer Zerrůttung, zu brechen.

Auch bei der nachgiebig

ſten Geſinnung des Kaiſers und des Kurfürſten mußte der Schritt, welchen Otto und Barnim für ſich und als Vors můnder ihrer Vettern zu Stettin am 18. September 1330 eingingen, grimmige Feindſchaft hervorrufen.

Denn am ges

dachten Tage ſtellten ſie eine vollmacht für

den

faminer

Domherrn , ihren Kaplan Theodor Zathelniß, in beſter Form aus , um dem Papſte alle ihre lande als fehn aufzutragen und

in ihrem Namen den Treueid zu ſchwören . )

Ueber

) Höfer Auswahl S. 365. Urk. geuen 1330 in Sunthe Laurencius Daghe. Der Paß über die Pene bei dem geſchleiften Schloſſe blieb geſperrt, und die Thune entſagten der Voigtei des Kloſters Berdyen. 2 ) Ob fidy Barnim inzwiſchen mit Agnes , Todhter Ottos von Braunſchweig, eines nahen Verwandten des Kaiſers, vermählt habe , iſt nicht gewiß. 3 ) Raynald Annal . ad a. 1331 nr. 23. Noverit vestra sanctitas, quod nos nomine nostro terrae nostrae tutorio nomine dictorum filiorum Ducis Wartislai et patruelium nostrorum praedictorum com muniter et divisum , honorabilem virum dominum Theodericum Za thelnitzen canonicum Caminensem dilectum nostrum Capellanum facimus, constituimus et ordinamus nostrum ac dictorum pupillorum

236

Belehnungsurkunde Johanne XXI .

ſolche , der Zeit fremde , Gehorſamserbietung hóchlichſt er: freut, empfing Johann XXII . den Huldigungseid des Bevolls måchtigten , und ſchickte am 13. März 1331 ein Diplom, ' ) in welchem er die Annahme der wohlgemeinten Gabe bes zeugte , die Herzoge mit genauer Benennung ihrer Stådte und Schlöſſer in der Perſon ihres Procurators belehnte und fie verpflichtete bei jedem Wechſel

des römiſchen Stuhles

den Vafalleneid zu erneuern !

So nothgezwungener Verrath an der Sache des Reis ches in ro bedenklicher Zeit , als firchliche Parteiung alle

verum et legitimum procuratorem et nuntium specialem ad peten dum ab eadem sanctitate vestra infeudationem nostri ducatus, nostrae terrae et ducatus pupillorum patruelium nostrorum praedictorum omni modo et forma, quibus melius fieri potest, et ea a vestra san ctitate in feudum nomine nostro et praedictorum nostrorum pupil lorum et patruelium recipiendum ; et eidem sanctitati vestrae et san ctae Romanae ecclesiae juramentum fidelitatis nomine nostrum in animas nostras specialiter praestandum . ? ) lbidem nr. 24. Joannes etc. dilectis filiis nobilibus viris Ottoni et Barnym ejus nato, ac Butizlao Barnym et Wartizlao ducibus Ste tinensibus salutem etc. dat. Avin. III. Id. martii a . XV. (pontificatus). Die Urkunde iſt uns wichtig , um den Beſiß der Herzoge und ihre Anſprüche genau zu erfahren. Zwar ſind die Namen entfeßlid verfälſdyt, aber dod erkennbar. Der Papſt belehnte mit Stettin, Greifswald, An klam, Demmin, Alt-Treptow, Wolgaſt, Udermünde, Greifenhagen , Garz, Piriß , Bahn , Neu - Stargarb , Gollnow , Wollin , Kamin , Greifenberg, Neu- Treptow , Belgarb cum castro Pontym ( Polzin ?), uſebom , Daber, Labes , Laſſan , Warpent, ber Grafſchaft Güßlow , der Grafſchaft Nau gart, nochmals mit Belgarb und Bernſtein, mit Rügen, Bart, Grimmen , Tribſees, Loiß, mit den Schlöſſern Kummerow , Kiek in de Pene (Kak mede pone) , Zacherin , Moeln , Sanblow , Oſten (an der Tollenſe), Wolbe , Brook , Klempenow , Kummerow (Schwerinsburg ) , Lindenberg, Müggenburg, Spantifom, Codle (Ragel), Altwichtshagen , Linde, Coſe now, Sarow, Bogelſang (Voghessave), Klempenow (bei Stettin ), Vier raden, de Iwerade, Brode , Lumbethowe ( ? ) und Hindenburg. Auſa fallend iſt die Weglaſſung der udermärkiſchen Städte , der Neu mark und des neuen Beſißes in Hinterpommern , ſo wie Neu Stetting. Sprachen die Herzoge jene märkiſchen Landestheile wirklich an, ſo hätten wir namentliche Erwähnung berſelben erwartet.

Bündniſſe und Rüſtungen Barnims und des Markgrafen .

237

Bande der Geſellſchaft zerriß , forderte zur Strafe heraus, und rechtfertigte die Schritte des Kaiſers , waren ſie gleich nicht glücklich.

Des Angriffs gewärtig , da der Segen des

heiligen Vaters nicht half , ſuchte und fand Barnim , die Seele des Streites , das Bündniß Johanns von Werle, das er auf dem Hauſe Demmin am 11. April 1331

cloß ; ' )

am 15. Juli deffelben Jahres mit den Herren von Meklen burg, Albrecht und Johann, welche ihn zwiſchen Swine und Oder , aber nöthigenfalls auch im Lande Pirit , Bernſtein und Bahn zu folgen und ihre 200 Helme auf Hengſten bis an die nách ſte pommerſche Stadt zu ſtellen gelobten ; 2 ) zwei Tage darauf (17. Juli) mit dem Grafen Heinrich von Schwe rin

unter

gleichen Erbietungen

mit 15 Vafallen . )

Der

Anhånglichkeit des Landesbiſchofes , welcher die Anſprüche ſeines Stiftes auf die markiſchen Lehne erneuerte, war man gewiß ; zumal Friedrich ſelbſt in loiß um Pfingſten 1331 auf Geſuch der Vormůnder und der Wittwe Elifabeth die Einlöſungsfriſt der Stadt Kamin , welche verſtrichen

war,

auf neue 12 Jahre erſtreckte. “ ) Nach ſolchen Rüſtungen , denen die Bündniſſe des Kurfürſten Ludwig angemeſſen waren, ſchien es, als dürfte eine blutige Entſcheidung nicht lange ausbleiben .

Aber erſt ſpåt erfolgte die Fahrhunderte hin:

durch bei den Pommern belobte Schlacht auf dem Krems merdamme, deren

Jahr und Tag gleichwohl die Zeitgenoſſen

nicht aufbewahrt

haben , ſo daß wir den Hergang höchſt

unbefriedigt nur aus den widerſpruchvollen ſagenhaften An gaben ſpåterer Geſchichtſchreiber der Pommern ſchöpfen fónn ten , die wir aber unbedingt den Weiſungen der Urkunden nachregen. 5 )

' ) Höfer Auswahl S. 367. 2 ) Daf. S. 358 ohne Ortsangabe. 3 ) Daſ. S. 369 : ghegheuen tu der Sloten bi der Vere (Fähre) 1331, des Mitdewekenes na Sunt Margareten dage. “ ) Dreger z. I. 1331 nr. 9 b. 5 ) Die Widerſprüche und Abweichungen in den Nachrichten find

238

Ueber die Schlacht am Kremmerdamm . Im Laufe des Jahres 1331 hatte Barnim , ſo flug

und ritterlich er focht, noch keinen weſentlichen Erfolg durch

von der Art , daß wir faſt die Ihatſache der Schlacht am Arem merdamme , nicht das Obſiegen der ' Pommern , leugnen möchten. Stein gleidyzeitiger Geſchichtſchreiber erwähnt eineß machtvoll entſcheiden den Ereigniſſes , welches die Partei der Baiern , der Feinde der Kirche, ſo empfindlid beſchämte ; weber Heinrid, von Rebborf, nod das Chronicon Aul. Reg. noch Albert. Argent. noch Horner. Von den ſpäteren , welche unab hängig von pommerſchen Nachrichten ſchrieben, kennt auch Cranß nicht jene Schlacht; ſo wenig alø Aventin. Von allen märkiſchen Chronikan ten hat ſie nur Angelus S. 138 b. I. 1331 , der ſich auf Valentin von Eidſtedt beruft und deſſen Nachridhten ausſchreibt. Andere Zweifel an einer Schlacht, auf dem Kremmerdamm zwiſchen den Jahren 1331 bis 1334 geliefert , ſteigert der Umſtand, daß die Herzoge von Stettin , Otto und Kaſimir am 24. October 1412, in Verbindung mit den Quißows wider Burggraf Friedrich einen Sieg auf dem Kremmerdamm erfochten, von dem weder Bugenhagen , noch Kankow , noch Eidſtedt, ſondern nur Micraelius aus Angelus etwas weiß, den dieſer jedodh (p. 190) nach dem gleichzeitigen märkiſchen Annaliſten Wuſterwiß, ferner ein im vorigen Jahr hundert noch geſehenes Denkmal in Aremmen , und drittens alte Grabs inſchriften in der Kloſterkirche zu Berlin verbürgen. Wie leicht übertrug die Unkritik und der patriotiſche Eifer der Zeitgenoſſen Kangows ein ſpäteres Ereigniß auf die verdunkelten Tage Barnims, zumal beide die Tapferkeit der Pommern gegen die Märker verherrlichten. Denn Bugens hagen localiſirt das Ereigniß noch nicht; er ſagt nur III. P : 155 cum Barnim injustam rem renueret et recusaret , pro sui ac anti quissimi juris defensione non copias modo Marchionis fudit; sed et patrem imperatorem castris exuit, bonam purpuratorum partem enc cando. Er erwähnt ziterſt des Kaiſers als des perſönlich Beſiegten ; aber Kaiſer Ludwigs Aufenthalt ſeit ſeiner Rüdfehr aus Italien kann Woche für Woche aus Urkunden nachgewieſen werden ; er kam kaum über den Main , und nur vom December 1333 , wo er in Nürnberg war, bis um die Oſterzeit 1334 iſt eine Lüde in ſeinem Diplomatarium. Anzunehmen , daß in dieſer Friſt Ludwig ſeinem Sohne zum Beiſtande gekommen ſei, hindern uns erſtens zwei Urkunden vom Februar 1332 und vom Juni 1334 , welche als Folge inzwiſchen eingetretener Waffenente dheidung fich geltend madyen, und dann die allgemeinen Verhältniſſe am Ende des Jahres 1333 und z. A. 1334. Die dreifadyen Ueberarbeituna gen der ſogenannten Pomerania von Kankow , alle in einer Zeit ent ſtanden, in welcher die Anſprüche Hohenzollerns an Pommerns Lehnsab hängigkeit jene alte Abneigung der Pommern gegen die Märfer neu

Verſchiedene Erzählungen Kankows.

239

die Waffen erlangt ; Haſſo von Wedel behauptete als mårfiſcher Sandvoigt die Neumarf ; Barnims ehemaliger Streitgenoſſe,

erwedt hatten, geben zwar lebendige Farben für die Erzählung, aber ſind wegen ihrer Widerſprüche unbraudbar für die kritiſche Behandlung . Die gedrudte bochdeutſche Pomerania I. S. 340 ff. läßt den hody deutſchen lebermuth i. J. 1334 einen neuen Krieg entzünden , und ſtellt anfangs als unentſchieden bin, ob, wie Bugenhagen behauptet, der Kaiſer mit ins Feld gegen Barnim 30g. Faſt verzagend ſchickt dieſer an den König von Polen und an andere Freunde um Hülfe ; unter ſeia nen Bundesgenoſſen wird außer dem Biſchofe von Kamin , dem Herrn Johann von Werle und dem Grafen von Güßkow , audi Hermann von Naugart genannt; der aber ſchon 1331 , mit Hinterlaſſung eines unmün digen Sohnes Otto (Schötigen et Kreyssig III. p. 34), geſtorben war. Barnim rüdt dem Kaiſer und dem Markgrafen in ihr Land entgegen bis an den Kremmerdamm , und erbietet ſich zur Sühne , nur der Lehns empfängniß fic weigernd . Zur Bertheidigung gedrungen ſiegt Barnim nach einer halbtägigen Schlacht, erwürgt und fängt bei 8000. Der Kaiſer , über deſſen Anweſenheit Kanpow anfangs gezweifelt, und der Markgraf ſind in die Flucht geſchlagen ; der erſtere hätte gern das Er bieten der Pommern angenommen , um den Krieg zu enden ; nur bei der unglüdlichen Wendung des Kampfes ſei er , vergeblich , mit ſeinem abs geſonderten Volke zum Streit geeilt. Die Sieger plündern die Mark bis vor Berlin , unterdeß der Biſchof von Stamin in die Neumark zieht und Tempelburg gewinnt. Darauf wird Anſtand gemadt; von dem Pommer Piriş, Garz und Penkun , von der Mark Angermünde, Eberswalde und andere Städte zur Sicherheit geſtellt, und die Sühne eingeleitet. Dieſer Erzählung, zumal der Jahresangabe, widerſpridst unter vielen anderen Bedenken , daß Ludolf von Maſſow nach einer dregerſchen Urkunde zum Jahre 1331 ſchon um Martini ſich dem Bildhof gebeugt hatte , und am 13. November als freundlicher Zeuge in der Urkunde für den Biſchof vor kommt (Schöttgen et Kreyssig l. c.) und als Diener deſſelben beharrt. Der gedrudte , plattdeutíde Kanzow S.87 giebt kein Jahr, läßt den Markgrafen großes Volf von Baiern , Böhmen , Franken und Märkern rüſten. Otto bleibt im Lande zurüd ; Barnim zieht dem Feinde entgegen, lauert, geſchidt umherziehend, auf gute Gelegenheit zur Schlacht. Der Markgraf wird im erſten Treffen geſchlagen , ſein Land verwüſtet, Kaiſer und Markgraf erneuern ihre Heere ; Barnim läßt ſich nicht ſchreka ken und erhardt die Gegner beim Kremmerdamm , ſchlägt Vater und Sohn , brennt bis Berlin , bis der Anſtand und die Ausgleichung zu Frankfurt am Main eingeleitet wird . Alſo hier iſt der Staifer Theilneh mer , der Pole iſt nicht erwähnt. Der ungedrudte ho ddeutſche

240

Erzählungen Rankowe.

der Vajall des Stiftes , Graf Hermann von Eberſtein war todt ; als Vormund des jungen Otto hatte ſich Arnold von

Manßow ( Baltiſche Studien V. 2 S. 202) läßt den Markgrafen im Jahre 1331 nad vergeblichen Sühnverſuchen Barnims, in der Udermark, deren Städte als von den Pommern gewonnen betrachtet werden , die erſte Niederlage erleiden ; der Kaiſer kommt darauf ſeinem Sohne Hülfe; erſchrođen bittet Barnim um leidlichen Vertrag, erlangt ihn aber nicht. Er ſucht dann Beiſtand bei König Wladislav von Polen und dem Könige von Böhmen ; der König von Böhmen war í. Š. 1331 in 1 ; 1332 und 1333 ſtand Johann in Eintracht mit Baiern ; Wla dislav , hochgealtert, hatte im Herbſte des Jahres 1329 Waffenſtillſtand und Frieden mit Ludwig geſchloſſen, und war in den Jahren 1330, 1331 1332 mit dem deutſchen Orden in ſdwerem Kriege ; was ihn jedoch nicht hinderte die Mark zu verwüſten , weshalb Ludwig ſid 1331 zu lands berg von Vincenz, dem Palatin von Poſen, welcher von Wladislav ab trünnig geworden , verſprechen ließ , die Schaaren des Königs nicht bei Czarnikow und Filehne durchzulaſſen . Wladislav ſtarb 1333 am 2. März, und ſein Sohn Kaſimir, friedliebend, ſchloß im Juni 1333 einen Frieden mit den Märkern , ſo daß wir für die kräftige Hülfe der Polen keinen Zeitmoment finden . Fällt der Krieg etwa zwiſden den Tod Wladis Tavs und den Frieden Kaſimirs , ſo kann der Kaiſer keinen Theil daran haben, der bis December 1333 urkundlich in Oberdeutſchland weilt ; fällt die Schlacht ſpäter , wogegen alle Urkunden zeugen , ſo hat Polen fei nen Antheil , da Kaſimir friedlich über eine Verſchwägerung mit dem baieriſchen Hauſe arbeitete. Nad längerem Verweilen am Kremmers damm kommt es zu einer mörderiſchen Schlacht; der Kaiſer ſiegt gegen die Polen ; ihnen eilt Barnim zu Hülfe ; viele Märker und Raiſerliche werden erlegt , und der Kaiſer durch die Polen und Pommern in die Flucht getrieben. Auf der anderen Seite wanten die Böhmen gegen Markgraf Ludwig ; aber Barnim iſt überall rechtzeitig zur Stelle, ſo daß auch der Markgraf weidhen muß, über 8000 Märker und Kaiſerlidhje er fdlagen wurden , und die Pommern das Lager eroberten. Barnim ges denkt den Fliebenben nadyzuſeßen , aber die Fürſten greifen die Sade auf u. f. w. Valentin von Eidſtedt S. 63. 64 läßt dem älteren Krieg v . J. 1329 unter dem Jahre 1331 ben neuen folgent, ,,ungeadytet Naiſer Ludwig im Jahre 1331 verſprochen habe,“ die Pommern vom Reiche zu belehnen . Der Markgraf ruht nicht, die Pommern aus der Neumark zu vertreiben ; ſammelt Baiern und Märker ; Barnim zieht entgegen ; man unterhandelt vergeblich und rüſtet ſich zu ſchlagen . Barnim hält eine Anrede an das Heer ; die Pommern fiegen ; annales tradunt , quadringentos hostium

Spätere Lieder über die Schlacht.

241

Vißen aufgedrångt, praßte mit dem Gute ſeines Måndels, faß troßig in deſſen Schloſſe zu Naugart , wahrſcheinlich durch

equites ephipiis ejectos esse u . f. w. Ludwig ſucht Frieden ; Barnim ftraft die ungehorſamen Stettiner und einige Ebelleute. Aus allen dieſen Verwirrten Nachrichten bei Bugenhagen , Kanßow und Eidſtedt entnehmen wir kein beſtimmtes Bild der Ereigniſſe , keine Gliederung der Parteien , keine Zeitfolge, ſondern nur die Thatſache: der Markgraf, durcy kaiſerliche Völker unterſtüßt, verlor die Schlacht. Da auch in ſpäterer Zeit die Pommern den Sieg beim Kremmerdamm den Märfern ſpottend borhielten, und Haß und Schadenfreude gegen die Mär fer fich gewiß zeitgemäß in Liedern ausſprad ); mag ſpäter als Erwie derung der pommerſchen Prablerei ein märkiſches Lied entſtanden ſein , welches die Niederlage Ludwigs, – des Naiſers wird nicht gedacht auf dern Lucyvon Kremmen zugeſteht, aber die Pommern von der wohl vertheidigten Stadt abziehen läßt. Sprache und Wendungen , das regel mäßige jambiſche Versmaaß, verrathen eine viel ſpätere Zeit, das XVII. Jahr hundert ; die uns vorliegende Recenſion (Greifsw. neue kritiſche Nacha richten Th. I. S. 176 §. 1765 und Buchholz II. S.383) ſtammt gewiß von einem noch ſpäteren Ueberarbeiter , oder iſt ein nicht übelgelungenes Machwerk des Einſenders ſelbſt, J. F. Sprengels , Pfarrers aus der Umgegend von Anklam , weldher ſeine Quelle nicht angiebt , und auch ſonſt mit den Leſern der kritiſchen Nachrichten ſeinen Spaß zu treiben ſcheint. So berichtet er ebend. I. S. 135 höchſt ernſthaft eine Begeben= beit mit der Wünſchelruthe! So möchte man glauben, das Gedicht, ' in welchem zuleßt ganz unbefangen Schwerin als warnender Feldherr, wie Kurd von Schwerin vor der prager Schlacht, auftritt, ſei ein harma loſer Spaß. Wir geben das Gedicht: Als Barnim , de faſt lütke Mann, fie madten in die Erd en boll, aberſt im Kriege nicht quade, brachten dat unnerſte bawen. & am langen Damme käm heran, Marggraf Ludwig de tappre Helt ging be flietig tho Rade. hielt up ben Cremmſchen Huwen , He ſprad : dat is en garſtig lod, un dachte, dat fick da int Feld da mitten wie nich dorchrieben, die Pamern ſchöllen truwen . Da aberſt ferter kam bervär, es mögt uns koſten unſen Rod , wie willen man hir blieben. liet he rupen ſinen Peter Wie willen dyrieven ut die Stür ; un ſprad : krig diene Trumpet her de uns die nich will geben , rit hen, als en Trumpeter. den wille wie brüden mit dat Für, Det legge Herßog Barnim an, un nad det Veb em ſtrewen. id hebbe grot Verlangen , Det Rath gefehl en allen wol, em als den Gaſt un finen Mann im Felbe tho empfangen. fie fingen an tho grawen, 16 Bartholo Geich, v. Pomm, III.

242

Spätere Lieber über die Schlacht."

die Mårter geſchüßt, und erkannte nicht den Biſchof Fries drich von Kamin als

rechtmäßigen Vormund

an . ' )

Die

Stådte der Uckermark und Neumark waren noch in mårs fiſchen Hånden , König Wladislav ſah das Ordensheer in ſeinem eigenen Lande in der Nähe von Kaliſch, und erwehrte

Wo awerſt em det nicht behagt, de Pamer folgt in vullen Trit, ſchlog Herren met den Knechten. ſo will id em thoſpräden Zu Cremmen ging em det nich an, un od im Luge ſyn unverzagt he muſte buten blieven , die Lanß mit em tho breden. De Herßog ſprad : He wäre da bet Futvolk ſtund da Man vör Man, un lichtlich od tho finnen, bulp em turücke drieven, det Spöt det ſtünde op die Wah Se ſdaten up de Strat benut, wolle ſiehn, we wird gewinnen. de man van Pamern krewelt, Drup ging et up den Damm hinab, un fühlen em ſo up de Hut, dat em dat Harte wewelt. de was vol luter Köppe, et gaf da manchen harten Knap, Det,ſprafSchwerin ,but hier ken gut, de Schall ging in die Zöppe. lat uns den Damm erfaten, De Märker kunden nicht beſtahn oder wie werden unſer Blut de Lug was er Berderben , hie alle möten laten. da muſte mandher liggen gahn , Se tredten wedder hen tum Damm un ſamlten äre Büte. ' un ohne Wunne ſterwen. Damit de Arieg en Ende nam , Drum wefen ſie op dieſe Siet davor uns Gott behüte. un menen da tho fechten, Wir überlaſſen dem ſittenkundigen Leſer, ob Þ. 6 der Aufruf an den Trom peter der Weiſe auch nur des XVI. Jahrhunderts entſpreche. Wie ganz anbero ift Anſchauung und Ausbrud in dem Spottliebe ber Pommern über den gerupften Hahn (bei Kanpow I. S. 372 ) und in dem Liebe auf den Tod des Helden Kaſimir vor Königsberg (S. Garcaei Suc cessiones familiarum et res gestae cet. March. Brand. p. 138, 139), ſo wie in dem märkiſden Gebichte über die Eroberung von Reper -Anger münde 6. J. 1420 bei Angelus S. 202. Ohne uns mit Sdilderung von Einzelheiten über die Feldzüge der Jahre 1331 bis 1333 aufzuhal ten , geben wir den urkundlichen Berlauf, deuten die Zeit an , in welche eine Waffenthat, wie die kremmendammer Schlacht, etwa zu feßen ſei, und bemerken nur , daß keine plößliche Umänderung in der poli tiſchen Haltung der Markgrafen einer erlittenen furdytbaren Wies derlage entſpridt. 1) Schöttgen et Kreyssig p. 34. dat. Nowgarden (die Stadt) 1331 in die St. Brixii ( 13. November) quam cito praedictum castrum Now garden ab Arnoldo de Vitzen , nunc occupatore , recuperabimus etc.

Stellung Lubwigs zu denPommern. Anf. 1332. fich

243

deſſelben mit Mühe bei Radziejewo ( 27. September

1331 ) ' ) und in Cujavien ? ) ( November ), nachdem ſelbſt ſeine Hauptſtadt Gneſen mit ihrem uralten Heiligthume verbrannt war, und konnte deshalb nicht helfen. Undererſeits aber hatte Ludolf von Maſſow , der jüngere, welcher als mårkiſcher Vas fall Tempelburg beſaß, das vom Bisthum als heimgefallenes Lehn betrachtet wurde , fich gebeugt , und , auf die Drohung Barnims , einen Bergleich am Sonnabend vor Martini fidh gefallen laſſen , kraft deſſen er den Biſchof als ſeinen lehns heren anerkannte. Im folgenden Winter mag der Kampf ſich für Pommern günſtiger gewendet haben , oder gedachte Markgraf Ludwig eine billige Forderung Barnims wegen der Entſchädigung ſeiner Koſten als Schirmherr und Vormund zu befriedigen . Er befahl :) am 8. Februar 1332 aus Frants furt dem Ritter Griffo, Marſchall des Grafen Berthold von Henneberg, die Vafallen, Bürger und Einwohner im Uckers lande und jenſeits der Oder anzumahnen , den Herzogen Otto und Barnim von Stettin 6000 Marf Silber, welche jenen

" ) Voigt IV. S. 487 ff. 2 ) Gercken God. dipl. III. p. 185. dat. Stettin.

Gercken 3. 3. 1331 nr. X. f.

3 ) Gercken Cod. dipl. III. p. 93. Licet dudum vasallis homini bus ceterisque civibus ac incolis circa Ukram et ultra Oderam Mar chie Brandenburg. ut illustribus Ottoni et Barnim Ducibus Stetinen sibus avunculis nostris carissimis de VI. millibus marcarum argenti in quibus ipsis pro dampnis que occasione nostri in expeditionibus Marchie susceperunt tam de censibus nobis debitis quam etiam de depactationibus per eos cum ipsis ducibus factis nostro nomine satis facerent strictius dederimus in mandatis. Ipsi tamen hoc hucusque absque causa rationabili facere distulerunt. Quocirca tibi tenore pre sentium districte precipimus et mandamus quatenus vasallos homines ciues et incolas supra dictos diligenter admoneas ut dictis Ducibus de pecunia satis faciunt supradicte, quod si non fecerint firmissime tibi presentis tenore .... committimus nichilominus arctius injungendo mandantes ut ipsos per impignorationes et modis aliis quibus pote ris ad hoc faciendum omni modo arceas. 16 *

244

Tod Wladislavs Lokietek 2. März 1333.

für Schaden , den ſie in der Angelegenheit des Landes um feinetwillen" genommen, zuſtånden, ſowohl von der ſchul digen landesherrlichen Steuer , als auch kraft der mit den Herzogen ausgeſtellten Verträge, zu bezahlen, wie ſie fchon långſt verpflichtet wåren, aber bis jeßt aus nichtigen Grün den nicht gethan hätten .“ „ Der Marſchall rolle ſie daher antreiben , und wenn ſie ſich weigerten, ſie auspfånden, oder durch andere Mittel zu ihrer Schuldigkeit zwingen . “ Wir ermeſſen aus dieſem Befehle , daß der Markgraf der Uckers mark und Neumark noch måchtig war , ſie alſo durch keine Solacht verloren hatte , und daß er ſeinem Marſchall die Beitreibung übertrug, deſſen er nicht bedurft håtte, waren die Pommern ſchon Eroberer des Landes geweſen . Die Prenzlauer ſcheinen i. I. 1331 vielmehr die Sache des lan: desherrn fühn vertreten zu haben, ' ) indem ſie im Sommer die Burg Hindenburg zerſtörten , welche Papſt Johann in demſelben Jahre als Lehnſtück der Herzoge aufgezählt hatte . 2 ) Ob nun damals die Schuldner bezahlten , iſt ungewiß ; aber der Krieg dauerte fort und machte ſich auch den Hinterpom mern merkbar , indem der Biſchof Friedrich , fchon 1332 in Geldnoth und durch Kriegslaſt und Forderungen der påpſt: lichen Kammer bedrångt, zwei Dórfer des faminer Kapitels an das Kapitel von Kolberg verkaufte. 3 ) Am 2. Mårz 1333 ſtarb Wladislav Lokietek zu Krafau , nach

unheilvoller Regierung , ohne Pommern den Rittern

wieder abgerungen zu haben ; und ſein Sohn Kaſimir , oba

- ) Sedt I. S. 179. Urk. XXIX. 2) S. oben . Ein anderes Hindenburg, alø bas bei Prenzlau, ift uns nicht bekannt ; dieſe Burg aber mochte den Pommern von der frühe ren Beſißnahme in der Udermark geblieben ſein. 3 ) Wachſen S. 375. Dat. Camin 1333. XI. Cal. Decemb. Eine Urkunde über denſelben Kauf bat Dreger z. I. 1322 nr. V. dat. Camin . die S. Ottonis ( 2. Juli).

Zerrüttung in Folge des Zerwürfniffes mit der Sire.

245

gleich friedliebend, fand einen Krieg gegen die Mårker, zumal in der Neumarf an der Drage , vor , indem er gegen Ende Juli 1333 ein Friedensbündniß auf zwei Jahre mit Mark graf Ludwig ſchloß, ' ) feine Unterthanen und Leute zu Frieds haltung zu zwingen gelobte , und in Streitigkeiten und über Beſchädigungen nach polniſchem Recht von dem mårkiſchen Voigt in Drieſen Recht nehmen laſſen wollte .

So wenig

der geſchmeidige Ton des Königs Kaſimir dem Selbſtgefühl nach einem furz vorher erfochtenen Siege ents ſpricht, ſo müßte doch jene berühmte Schlacht bei Kremmen, an welcher Polen durch die Sage der Pommern Antheil zugeſprochen wird , um dieſe Zeit ſtattgefunden haben. Denn Prenzlau hatte inzwiſchen ſich die Ungnade des Markgrafen zugezogen, weil es bei dem Siege der Poms mern die Partei des Glüdlicheren ergriffen. Die unbeſchreibs liche Auflöſung, in welche in Folge der Zertürfniſſe mit der Kirche nicht allein die Mark Brandenburg , ſondern ganz Deutſchland gerathen war , ? ) macht es wahrſcheinlich , daß Barnim klug die ungünſtige Lage ſeines Gegners zu ſeinem Vortheil benußte ;

daß vielleicht auch

Kaiſer Ludwig , von

allen Seiten feindlich bedroht , feinen Sohn zur Nachgiebig keit gegen die waffenſtarfen Pommern ermahnte , und die Streitenden zur Entſcheidung vor ſein Gericht lud. in Ber : lin hatten in dieſen Tagen die Bürger in einem Aufſtande den Propft Nikolaus von Bernau an der Thüre der Marien: firche erſchlagen , weil er die Sache des Papſtes hielt ; und in der Altmark war ſolche Zerrůttung, daß Adel und Stådte zu ihrer gemeinſchaftlichen Sicherheit zuſammentraten. 3 ) So iſt es denn möglich , daß ludwig im Frühjahr 1333 im Luch bei Kremmen jene Niederlage erlitt , worauf ein Theil

' ) Gercken 1. C. I. p.136. Dat. Posnanie 1333 sabbatho infra octavas b. Jacobi. 2) Rebdorf p. 425 3. F. 1333. 3 ) Gercken VII. p. 451 .

246

Sühne zu rippehnte 28. Juni 1333.

der Stådte der Uckermarf, wie Prenzlau, die Treue vergaß, und den Pommern huldigte ; aber benachbarte Fürſten , zu: mal Herzog Rudolf von Sachſen , ſchritten ein , und ain 28. Juni 1333 finden wir Otto und Barnim zu lippehne ) mit dem Befenntniffe, es ſei zwiſchen ihnen und dem Mark: grafen Ludwig eine Sühne von Seiten des Kaiſers ges theidigt;" ihre Boten ſollten mit dem Landgrafen zu unſerm Herrn " dem Kaiſer ziehen , und wie dieſer entſcheiden und halten heiße, wollten ſie ohne Widerrede thun , und håtten darauf einen rechten Pandfrieden gelobt, ? ) den Rudolf von Sachſen mit ihnen von wegen des Markgrafen geſchworen habe.

Ale feit Markgraf Waldemars Tagen erbauten Feſten

ſollten gebrochen werden bis auf Bahn , über deffen Beſit je zweien Schiedsrichtern von beiden Seiten die Entſcheidung heimgegeben wurde. In die Sühne eingeſchloſſen waren die Sinder Martislavs, der Bildhof von Ramin und fein Stift, und die Herren von Wenden, denen die Herzoge nicht ferner beis ſtehen wollten , faus fie ſich am Rechte nicht genügen ließen. Die weiteren Vereinbarungen in Betreff des zu haltenden fandfriedens , der gegenſeitig zugeſicherte Beiſtand und die Idblichen Anordnungen

wegen des Rechtsganges vers

rathen mit feiner Spur, 3 ) daß der Markgraf einem Sieger gegenüber ftand, welcher ſein und feines

' ) Gercken I. p. 166. Gegeuin to Lippen 1333 an Sunte Peters und Pauls Auend. 2 ) Ibid. 1. c. To dem erstin male scolin sine bodin mit usin bodin varin und then to usem herin dem Keyser umme de sune die mit uns geteidingit is van des Keysers wegin wo he di entscheidet und heitet holden, also scol wi und wollin si an widderrede holdin , und daruppe hebbin wi einin rechtin Landfride gelouet und gesworn. 3 ) Der Biſchof von Kamin und der Graf von Güßlow, als Theil nehmer des Landfriebens , fiegelten mit. Lippehne , um dieſe Zeit das Hoflager des Markgrafen , war kein gefährdeter Ort, etwa in der Nähe des fiegenden Feinbes ; in frieblichen Geſchäften taltete Cudwig hier und in der Umgegend. Gercken Cod. dipl. III. p. 155 ff.

Markgraf Pubwig und Herzog Rubolf in Prenzlaut.

Baters Heer zermalmt håtte ,

247

und mit der Brands

fackel bis Berlin gezogen wåre ! Dazu die ehrerbietige Nach giebigkeit gegen des Kaiſers Gebot , des Gebannten ; die Herausgabe Prenzlaus und anderer Eroberungen , wenn ja noch dergleichen gemacht waren ! Am Ende Auguſt chloß auch

der Erzbiſchof von Magdeburg den fandfrieden mit

Brandenburg ; Kaiſer Ludwig, welcher zur Zeit jener Theidi: gung von Lippehne ſich in Franken befand , hatte Gründe, auf die Lehnsleiſtung der Pommern , die , ohne Eroberung ihres ehemaligen Landes zu begehren , nur der mårfiſden Oberherrlichkeit erledigt ſein wollten , zeitweiſe zu verzichten ; denn für den unruhigen Sohn einſchreitend, wies er zu Anfang Decembers auch dem Grafen Günther von Lindow , dem Bormund und Helfer des jegt voigtbaren Marfs grafen , Pfandbeſig får feine Forderung zu. Friede trat in die zerråtteten Lånder ein , und im Spåtherbſt 1333 ſehen wir den Markgrafen mit dem Herzoge Rudolf von Sachren und mit vornehmem Gefolge in Prenzlau, welches ſeine Pris vilegien beſtåtigt und die Zuſicherung der erwirkten Gnade Auf den måchtigen Schwager haben die vectries benen Söhne Chriſtophs von Dänemarf, der feit 1330 wies

erhielt. ' )

der an Waldemars Stelle den Titel als Kidnig geführt hatte und am 2. Auguſt 1332 geſtorben war , ihr ganzes Heil ges feßt. Zu Prenzlau anweſend verheißt Otto , der „Dånen Junker,“ und Herzog zu Laland und Eſthland, dem Kurfürs ſten die Huldigung Dånemarks, wenn ei mit Gottes und des Brandenburgers Hülfe der Krone måchtig würde. ) Ueber:

' ) Sedt I. S. 100 : Quod nos omnem ingratitudinem et indigna tionem quam habuimus ad nostrae civitatis Premslav cives nobis di lectos , penitus dimisimus et praesentibus relaxamus , volentesque cosdem speciali favore prosequi. Dies iſt die einzige Andeutung, baß Prenzlau abgefallen ſei. 2 ) Gercken Cod . diplom . I. p. 156. Gevin to Premzlou 1333, des vridaghes na Sünte Lucien daghe (13. December) vgl. daſ. S. 160.

248

Anweſenheit pommerſcher Vafallen beim Markgrafen.

raſchend iſt es , alte hinterpommerrohe Vaſallen mit ges ſchmeidigen Erbietungen am markgråflichen Hoflager Borke , der åltere , mit ſeinen Sohnen Ja: fob und Boranfo , gelobten ihrem geliebten Herren " mit allen ihren Schlaffern gegen jedermann beizuſtehen , mit Aus:

zu erblicken . ')

nahme der Wartislavs.

Herzoge Otto

und

Barnim und der

Sohne

Borko ſtellt ſeinem Herrn anheim, alle Hån:

del , in denen er ſchwebte , gútlich auszugleichen. 2 )

Sewiß

waren die Borken von den Herzogen abgefallen, und betrach teten die Markgrafen als Oberlehnsherrn Pommerns ; 3 ) aber fie nicht allein , ſondern auch die Herren des Geſchlechtes der Güntersberge im Lande Ravenſtein , welches den Erben Wartislavs gehörte ; ſo wie ein Henning von Panſin und die Stegelige , welche wir erſt drei Jahre ſpåter zu ihrem fandesherrn zurücktreten fehen. Mit dem folgenden Jahre 1334 iſt der heimiſche Waffenbund der Herzoge zerſprengt, die Frucht des Sieges am Kremmerdamm geraubt, und find Vater und Sohn , die belobten glücklichen Kämpfer für die Kirche, im Bann wegen Untaſtung geiſtlichen Gutes. Der Biſchof Friedrich von Ramin , Ottos und Barnims Streit: genoſie, kommt zu Ludwig nach Templin , und ſchließt am 16. November mit jenem gegen jedermann , den heiligen Vas ter ausgenommen , für ſich und ſein Stift ein Bündniß ; 4 ) ja einige Wochen ſpåter 5 ) ſagt ſich die Herzogin Eliſabeth

' ) Raumer Cod. diplom . I. p. 18. Dat. Prenzlow a. d . 1333 quinta feria post festum lucie ; alſo Tages nach der durch den Prinzen Otto ausgeſtellten Urkunde. 2) Daſ. a. a. D. Debebit eciam idem dominus meus prenota tus et poterit sine contradictione mea meorumque heredum qualibet cuique ipse plenariam facultatem dedi seu donam, singulas et univer sas actiones mihi motas et movendas discutere via justitiae vel amoris. 3 ) Vergl. Gercken I. c. p. 84 ad a. 1297. 4) Ibid. I. p. 152. Dat. Templin 1334 in vigilia B. Elisabeth . 5) Ibid . 1. c. Cum illustri ac magnifico principe Domino Lu douico Marchione Brandenb . domino nostro karissimo compromis

Anſchluß bed Biſchofs unb ber Herzogin Eliſabeth an ben Markgrafert. 249 mit ihren Sdhnen , zu Schwedt auf mårfiſchem Boðen , ganz von der Sache des Hauſes los und tritt in eine feſte und unverleßliche Einigung mit dem Markgrafen ! Freilich hatte die Wittwe nur herbe Früchte von der Vormunds ſchaft der ſtettiner Vettern und von ihrem Antheil an dem Ehrenſtreite geerndtet ; die drei Voigteien Rügens blieben in fremder Hand ; das Land Stolp war dem Drden , und die Stadt Kamin dem Stifte verſeßt; das Land Uſedom noch zum Theil den Winterfelden , Heiden und Schwerinen ver : pfåndet ; ' ) vom fande Schlawe und Rügenwalde , wo die Söhne und Nachkommen der Swenza herrſchten , floſſen ihr feine Renteni zu ; die hinterpommerſchen Varallen , die Bors fen und Güntersberg , waren abgefallen ; das Land Star: gard in fremden Hånden ; darum blieb ihr nichts , als die Hülfe des Markgrafen zu ſuchen, ihm gegen jedermann, alſo auch gegen Otto und Barnim , beizuſtehen , und Feinde und Freunde gleich zu haben.

Zu Neutreptow fam darauf

Eliſabeth mit dem Biſchofe zuſammen und einigte ſich mit ihm zu wechſelſeitigem Beiſtande, ? ) was im folgenden Jahre am 22. September am gleichen Orte erneuert wurde. 9 ) Fries drichs Befit rundete ſich ab, indem Lüdefe ( Eudolf) von Maſlow das Schloß Sempelburg ihm i. 7. 1335 mit dem Gebiete, ſo wie landſtrecken um Maſlow , überließ. “ )

Dagegen lies

gen Otto und Barnim unter kirchlichem Bann, weil ſie, unge: achtet Herrn Johanns von Werle Schiedsſpruch ihre An:

sum ligas et confederationes iniuimus et presentibus inimus tempo ribus quibus nos Episcopatui predicto prefuerimus sine suggestione doli cujuslibet perpetuo duraturas. ? ) Nad Dreger z. I. 1333 nr. VIII. dat. Wolgaſt 25. November, hatte Eliſabeth und ihre Söhne 900 Mark zurüdgezahlt. 2 ) Gercken I. p. 152. Dat. Zweth a. 1334 in vigilia Barbare virginis (4. Decbr.). 3 ) Dreger z. J. 1334 dat. Treptow feria II. post Luciam . 4) Daſ. 2. F. 1334. dat. Colberg in die Galli et Lulli (16. Octo: Ber ). Daf. 3. 3. 1335 nr. IV. dat. Colberg in die Stephani.

250

Fortfeßung bes Stampfeo, Anf. 1336.

ſprüche auf Hebungen in den Gütern des Kloſters Dargun berdorånft (31. October 1333 ), die Belaſtung der geiſtlichen Unterthanen nicht aufgegeben hatten, und ertirfen nur gegen theilweiſe Verzichtung auf ihr vermeintliches Recht, daß ihnen das Ende der firchlichen Strafe vecheißen wird . ' ) Dennoch muß, auch allein gelaſſen, Herzog Barnim die Neckereien der Marker nicht geduldig getragen haben ; er benußte am Ende des Jahres das Zerwürfniß , in welches das Haus Baiern mit König Johann wegen des Erbes Hein: richs von Tirol und Kårnthen gerieth , als die Könige von Bdhmen , Polen und Ungarn zu Wiſcherad an der Donau ein furchtbares Bündniß

ſchloſſen (10. November

1335 ).

Man fåmpfte in den erſten Monaten des Jahres 1336 um den Beſiß Klempenoms, der Burg unweit kocniß. Aber der Biſchof von Kamin trat ins Mittel , theidigte einen Waffen : ſtilſtand bis Palmſonntag , und beraumte auf den 25. März einen Rechtstag zu Eggeſin , ſüdöſtlich von Uckermünde, an.a ) Weil etwa angelegte Schanzen vor Klempenow dem Biſchof während des Anſtandes überantwortet, nach vergeblicher Dagefahrt dagegen dem Herzoge oder deſſen Hauptleuten zu : růck gegeben werden follten , ' ) muß Klempenow in der Ses walt des Markgrafen geſtanden haben , was an der Partei des Brandenburgers befremdet, da jene Burg auf pommers fdem Boden liegt.

Weiter erfahren wir nichts von dem

Verlauf des Handels ; dem Kaiſer half inzwiſchen das Reich ; Barnim blieb vereinzelt, zumal der Krieg in Oberdeutſchland

1 ) Daſ.3. J. 1333, nr. 10, datum Uckermünde in vigilia Sanc torum und 1334 datum Dargun die Martini (10. 11. Novbr.). 2) Höfer Auswahl S. 370 , geſchrieben zu Paſewalt 1336 , 28. Fe bruar. 3 ) Daf. S. 371. Were och dat icht gebuwet were vor deme hüse to Clemppenow , dat scal men antwerden deme Biscoppe van Kemmin , di scal dat holden wentte vppe den vorbenumeden Dach . Wordet den nicht bericht , so scalmet weder antwerden den Hert togen van Stettin oder eren Houetluden .

Müdfehr ber Güntersberge in die Lehrtspflicht zu Eliſabeth. 251 eine günſtige Wendung für Baiern wir

die

nahm.

Darum ſehen

neumärkiſche Grenze nicht überſchritten von den

Pommern ; ' ) zum Zeichen friedlichen Verkehres dagegen die Getreideausfuhr von Königsberg auf Stettin geſtattet , a ) po wie die Verbindung des Markgrafen mit Elifabeth die uner : wartete Folge hatte , daß früher abtrünnige Bafallen ihre Pflicht gegen die Wittwe Wartislavs wieder anerkannten . Das Geſchlecht der Güntersberg hatte noch am 24. Juli 1336 , als wahrſcheinlich ein Landtag zu Berlin gehalten wurde , fich die landesherrliche Erlaubniß erwirft , ' ) eine Feſte auf der Feldmark des Dorfes Bütow zwiſchen Reeg und Norenberg zu erbauen , wahrſcheinlich an Stelle des zerſtörten Ravens ſteins; Ludwig verſprach damals ihnen durch gåtliche Mittel wieder zur Feſte uſcz zu verhelfen, 4 ) das ſie an Polen vers loren. Aber dieſelben Ritter " ) und Knechte, zugleich mit Hen : ning von Panſin, der noch am 28. Februar 1336 als Bürge für die ſtettiniſchen Herzoge erſcheint, fühlten ſich jeßt verans laßt, zu Maſſow am 30. November 1336 der Herzogin Eli ſabeth und deren Söhne als rechtmäßige Herren für ihre Shldffer und für „Barskewit , Saßig , die Stadt

Jacobs

hagen ," wiederum zu huldigen , ihre Gåter von ihnen zu Lehn zu empfangen , und

alle

ihre Häuſer ihnen zu ers

? ) Uteber neumärkildse Verhältniſſe in d . 3. 1335, 1336 f. Gercken Cod. dipl. III. S. 169. 171. 174. 191 . a) Daſ. S. 167. Dat. Berlin 1336, Sabbato ante Jacobi apostoli. 3 ) Urkunde bei Gercken I. c. p. 168 dat. Berlin 1336 in vigilia Jacobi Apostoli ( 25. Juli). Die „ seſten Mannen“ ſind Walter, Gün ther, Ritter, der kleine Günther, Jonas, þartwidy, Matheo, Henning unb Koppelin Voltekens Sohn, Henning Konſtel und fein Sohn Koppelin, alle gebeißen von Güntersberg. 4) Naumer Neumark S. 37. 5 ) Schwark Lehnshiſtorie S. 351. Die Namen find hier : Walther und Günther, Ritter, Hartwidy, der kleine Günther, Henning Perſtel, 30 nas , Mattheus, Henning , filius Volzekini, Knappe, ac omnes ac sin gu de Guntersberg , morantes in terra Ravenstein , Senning von Panßin, Ritter, und drei Stegelig.

252

Bedenkliche Verhältniſſe Barnims.

öffnen . ' ) Aus dieſer merkwürdigen Urkunde entnehmen wir, daß die Herzogin von Wolgaſt auch ihr Land Stargard in der Noth verſekt hatte , vielleicht an Brandenbnrg. Denn die neu verpflichteten Vafallen hießen es gut , daß ihre lan desherren die Schuldforderung, welche ſie, die Ritter, an die Herzoge von Stettin hatten , einzogen und auf den koskauf des Landes Stargard verwendeten . ) So ſehr es dem geſchichtlic) - unklaren Bewußtſein der Pommern, deren Geſchichte wir ſchreiben, ſchmeicheln würde, wenn wir dem flugen und tapferen Barnim nach glanzvollen Thaten im erſtrittenem Beſige der Reichs unmittel : barkeit zeigen konnten , ſo müſſen wir doch bekennen , daß uns die Umſtånde des Helden , die Jahre hindurch , welche dem frankfurter Reichstage vorangingen , rehr bedenklich ers ſcheinen, und daß es mehr feiner gåhen Beharrlichkeit wäh. rend

der allgemeinen Zerrůttung Deutſchlands und ſeinem

Idblichen Eingehen in einen höheren deutſch -volksthum , lichen Geſichtspunkt gelang , ſeinen Ehrgeiz zu befriedigen, als ſeinem Schwerdte.

Noch im Jahre 1337 verfügte Puds

wig über Kollin im ſtargardrchen Antheile Ottos zu Gunſten der Wedel ; 3 ) im Jahre 1337 begiebt ſich zu Berlin der

) Daf. a a. D. Ex deliberato animo concordi consensu et unanimi illustribus domine Elisabeth ducisse, Bughetzlao Barnim et Wartzlav ejus filiis fratribus, ducibus Stettin . Pomeranie Slavie et Cassubie nec non principibus Ruganorum nostris legitimis dominis una cum nostri Henningi de Pantzin' militis castro , dicto Barskevitz et cum castro Sazicke et civitate Jacobeshagen nostrorum pretactorum fratrum de Steghelitze dictorum , huldam fecimus eosdem in nostros veros hereditarios dominos reacceptantes etiam pretactas munitiones nostras et universaliter omnia nostra bona in eorum dominio sitas et sita in feodum justum recipientes ab eisdem . 2 ) Daf. S. 352. Insuper si debitis nostris quibus domini Ste tinenses Otto et Barnim nobis juretenus obligantur sepetacti nostri domini ad redemptionem terre Stargard indiguerint, ea ipsis benevole favere debeamus. 3 ) Gercken I. c. p . 187.

Uusdehnung der Neumark 1337. „ rothe Haſie"

253

von Wedel in des Markgrafen Schuß, und

Offnet ihm das Schloß Polzin gegen jedermann , mit Uuss nahme der Kinder Wartislavs , ſeiner Herrſchaft, gegen die er nicht dienen wolle . ' ) Alſo hatten die Wedel außer Schies velbein auch Polzin erworben .

Ferner durfte in dem Jahre

1337 ludrig, wie in tiefem Frieden, das Landbuch der Neu : mark verzeichnen laſſen, 2 ) welchem eine genaue Erkundigung über das Beſikrecht und die Hufenzahl der Dorfer vorans ging .

Die Neumarf griff an vielen Stellen über die pom

merſche Grenze ſeit Waldemar hinüber. im

märkiſchen

Gebiet

wie

Norenberg ;

So lag Bernſtein der

Beſtand der

Mark war überall ſeit Waldemar im Wachſen , und nur jenſeit der Mündung der Drawe und Nege gegen Polen verfürzt.

Durch alle Waffenthaten ſeit 1328 hatte Barnim

auf mårfiſcher Seite kein Dorf gewonnen , ſondern ſogar noch dem Markgrafen vor 1338 ein Zugeſtåndniß der be: denklichſten Art machen müſſen.

Es geht aus einer bald zu

berührenden Urkunde hervor , daß Otto und Barnim dem Markgrafen für 6000 Mark Silber Scholichaß , als Unter: pfand der 'getheidigten Vertråge , ihre machtigſten Städte, Stettin und Garz, nebſt Penkun zum Verſat bieten muß: ten, 3 ) und als unverhåltniſmäßige Gegenbürgſchaft nur auf

? ) Ibid. I. p. 272. Geben zu Berlin 1337 an dem Mantage nach des h. Cruces tag. Die erſte fichere Erwähnung des Hauſes und der Stadt Polzin , deſſen Gebiet nach der Grenzbeſtimmung v. F. 1321 an Wartíslas gehört. Polzin iſt wohl jenes Pontyn in dem päpſtlichen Lehnbriefe v. I. 1331. Der rothe Haſſe verſprad ſeinen Dienſt mit fünf Helmen und fünf Nennern (5. h. fünf ſchweren und fünf leichten Pferden ). Die Wedel hatten freilich durd Barnim viel eingebüßt. Hasso senior und Tydekin de Brederlo berechneten i. J. 1340 den Schaden occasione guwerre et dissensionis cum magnifico principe Barnim duce Stety nensi habitarum (S. Gercken l. c. III. p. 211) auf 1370 Talente (Stüd ) Geld und 159 Mark brandenburgiſchen Silbers. 2 ). Ueber das Jahr der Abfaſſung F. den Herausgeber dieſes wich tigen Hülfsmittels S. 12. Vgl. die Charte. 3) Die Verf. der Pommerania hatten wohl Kunde von dieſer nach.

254

König Johann im Bunde mit bem Drben .

Angermünde und Neuſtadt angewieſen waren.

Selbſt der

Biſchof von Kamin erwirkte fich ' ) durch kluge Måßigung und Vermittelung zwiſchen den Parteien und

auf wieder :

holte Geſuche nur, daß Markgraf Ludwig am 24. März 1337 für alles Anrecht auf die Gebiete von Lippehne , Falkenburg und Schievelbein , welche das Stift nach dem Tode Waldes mars heimgefallen erklärte , ferner für den Zehnten in dem mårfiſchen Bezirke der Dióceſe , ſich und ſeine Erben als Lehnstråger des Stiftes bekannte, weil er das Markgrafens thum , das er als ein vornehmes Lehn vom Kaiſer empfan: gen, nicht zerſtůckeln dürfe .“ 2 ) - Zwar hatte König Johann von Böhmen, noch nicht ausgeſdhnt mit dem Kaiſer, unruhi: gen Sinnes, wie immer, mit dem Unfange des Jahres 1337 ſeine Waffen dem deutſchen Drden zugewandt , 3 ) war aber zeitig über Poren heimgekehrt , ohne in offene Feindſchaft gegen das Haus Baiern auszubrechen.

Die Nähe des ers

bitterten Gegners des Kaiſers benugten Otto und Barnim

theiligen Verpflichtung, fie ſuchten aber die Parteien gleicher zu machen, indem fie ftatt Stettin, ben Hauptort des Landes, Piriş Feben ! ' ) Gercken l. c. III. p. 185, dat. Berlin 24. März 1337. 2) Ibid. I. c. Quod venerabilis in Christo pater et dominus Friedericus Caminensis ecclesie episcopus nomine suo et ecclesie sue predicte a nobis instanter peteret castra , terras et opida territorium Lippen et Valkenborch et Schyuelbeyn nec non jus decimandi in terris castris et opidis et omnibus villis sue dyocesis in Marchionatu Brandenburgensi constitutis , que omnia ad se et ad suam ecclesiam debeant pertinere cum omnibus pertinentiis iuribus et honoribus eorundem et per mortem illustris principis Woldemari Marchionis Brandenburgensis quondam pie memorie ad se deuoluta offerens se probaturum et docturum predicta testibus uel instrumentis aut alüs legitimis documentis. Jbid. I. c. p . 186. Nolentes tamen marchiam siue principatum nostrum a diuo Ludovico IV. Romanorum Impera tore domino et patre karissimo nobis in nobile et legale feodum con cessam et concessum integraliter dismembrare, nec etiam ccclesie pre dicte iuribus derogare, de consilio sapientum nostrorum viam mediam , que subscribitur, duximus eligendam. 3 ) Chronic. Aul. Reg. p. 494. Voigt Geſc . IV. S. 543.

Bündniß Ottos und Barnims mit dem Böhmert.

255

jedoch , um einen neuen Halt zu gewinnen und ſchloffen am 12. März 1337 ein Schußbündniß mit Johann , dem ſie 100 Helme verhießen. unbeſtimmt, indem

Der Zweck des Bündniſſes

beide das

ſchien

Reid , „ gegen welches fie

nichts Feindſeliges vornehmen wollten," und die Pommern den Biſchof von Stamin , den Herzog von Påneburg , den Grafen von Holſtein und die Herren von Werle" ausnahmen . ") Andererſeits aber machte der Konig von Böhmen ſich an heifchig , mit dem Kaiſer ſich nicht zu verſöhnen , ohne den Pommern das gewünſchte Ende ihrer Streitigkeiten zu ers wirfen . )

Da Otto und Barnim und Albrecht, Herr von

Meklenburg, in demſelben Jahre um Michaelis ſich gegenſeitig Hålfe gegen Räuber und Mordbrenner angelobten , ' ) und auf einer zahlreichen Verſammlung von Nachbarfürſten und Städten , am 6. Januar 1338 zu lübeck gehalten , um den landfrieden zu handhaben , auch die Pommern ſich anſchloss fen , 4 ) muß es in unſerem Sande ſtürmiſch ausgeſehen haben . Auch in Hinterpommern dauerte die Fehde , zwiſchen den Kanonifern von Ramin und den kóslinern einerſeits, und dem Biſchofe und der Stadt Kolberg andererſeits , fort , in dem Jasco, Herr von Schlawe und die Kosliner am 30. Juni 1337 ſich verpflichteten parteilos zu bleiben und ein Schiedss gericht aus

ihrer Mitte

zu beſtellen . ) Selbſt noch im

' ) Urkunde bei Sommersberg II. Mantissa diplomat. p. 77. dat. Posnanie in feria IV. in festo B. Gregorii 1337 . 2 ) Ibid . 1. c. p . 78. Ceterum sepedictus Rex Bohemiae concor diam sive compositionem cum Imperatore non attentabit quin placi tis nostris nos in omnibus tucatur et de defectis nostris ordinet non bis finem adoptatum . Ein zweites Sdus- und Trußbündniß vom 19. März , bei Gebhardi a. a. D. S. 96 allegirt, findet ſich nicht bei Lünig. 3 ) Söfer Auswahl S. 371 gegeben zu Stavenhagen Donnerſtag por Michaeli 1337. 4) Rudloff 11. S. 281. 5 ) Urkunde bei Haken diplom . Gefdh. von Cöslin S. 105. Dat. in Schlayina a. 1337 in crastino B. Petri et Pauli : quia guerra inter

256

Waldemar von Dänemark Gefangener Barnims.

Vorſommer des Jahres 1338, als einmal ein kräftiges vaters låndiſches Bewußtſein die Gemüther der Deutſchen durchs wehete, und nur Kaiſer Heinrichs Sohn, der ſchon halb er: blindete König Johann von Böhmen , die Sade der frem: den und des römiſchen Stuhles hielt ; waltete Friedloſigkeit in Pommern , indem der Erbe von Dänemark , Waldemar, Ludwigs des Markgrafen Schwager , ungewiß wie ? in die Der junge Abenteurer, Gefangenſchaft Barmins gerieth . dåniſche Krone wie: herrenloſe die um ſuchend, überal Hülfe der zu gewinnen , war im Mai 1338 , Sicherheit hoffend, nach Greifswald gekommen , hatte hier den Anklamern ihre alten

Freiheiten an

der

Küſte von

Schonen beſtåtigt, ')

wurde aber , entweder geleitlos auf pommerſchem Boden, ) als Schwager des feindlichen Brandenburgers, ergriffen , oder in offener Fehde gefangen ; denn wir finden den unglücklichen Abenteurer in Gelübde und Eid wegen ſeiner Gefangenſchaft

honorabiles viros dominos nostros Canonicos ecclesie Caminensis, ciues Cusselin et eorum adiutores ex una et dom . Episcopum et ciues Colbergenses et eorum adjutores parte ex altera duraverit, nullam partem debebimus adiuvare, sed potius vtrobique sub pace et quiete tutius residere. Si vero adhuc guerra inter predictas partes durante Cussalinenses iuuare decreuerimus pro eo nobis in recompensam pre dicte ciuitatis consules facient, quod duo de amicis nostris et duo de amicis eorum iustum et equum arbitrati fuerint faciendum . Demnada ſtanden die alten kaminer Domherrn und die Rösliner zuſammen gegen ben Biſchof Friedrich und die Stolberger. Es iſt nicht klar, wie die Ver zoge bei dieſer Fehde betheiligt waren. " ) Stavenhagen S. 366, dat. Greifswald am Sonnabend nach Streuzfinbung (3. Mai) 1338. 2 ) Ueber die Vormundſchaft Ottos und Barnims für die Söhne Wartislavs IV. , ob dieſelbe nach dem Bündniſſe Eliſabeths mit Ludwig fortdauerte, erfahren wir nichts . Barnim hatte zuleßt am Abende vor Chriſti Himmelfahrt 1331 die Freiheiten der Stralſunder beſtätigt (Sar torius- Lappenberg II. S. 328), Anklam war eine Stadt der Söhne Wars tislave , wie Greifswald. Aus der Berzichtleiſtung Ludwigs auf die Städte Stettin, Garz und Penkun, welcher bald zu erwähnen iſt, möchte hervorgeben , daß Otto und Barnim in jene Buße durdy begonnene Feinddaft verfallen waren .

1

Rampf ber geiſtlichen und weltlichen Madyt.

257

verſtrickt, aus welcher erſt die unerwartete . Wendung des Verhåltniſſes der ſtettiner Herzoge zum baieriſchen Hauſe ihn erlöſte.

Um die friedliche Ausſohnung

eines Streites , welcher

faſt hundert Jahre zwiſchen den Markgrafen und den Pom : mern gedauert hatte , zu begreifen , müſſen wir tiefer -in die allgemeinen Verhåltniſſe der Zeit eingehen , aus denen , mit Genugthuung für das Reich , und zu hohem Ruhme für Barnim , die Dinge ſich friedlich geſtalteten. Die chriſts liche Welt war in der Arbeit gåhrender Gedanken begriffen , welche eine neue Zeit verkündigten .

Heinrichs VII. fühner

Anſpruch an die Oberhoheit der Kaiſerfrone über alle Konig reiche hatte den Kampf zwiſchen geiſtlicher und weltlicher Macht nachhaltig geweckt, und der römiſche Stuhl, in ſchmach voller Abhängigkeit von Frankreichs Königen , den Neidern der deutſchen Große, befangen, bemühete fich , alte firchliche Waffen wiederum zu handhaben , deren Wirkſamkeit in der Furcht einer unmündigen Welt beruhete.

Aber die erleuch :

tetſten Geiſter der Zeit waren als Bundesgenoſſen der welt: lichen Macht aufgetreten.

Dante, der feuereifrige Ghibelline,

hatte rein tiefſinniges Buch de Monarchia , „ über das Vere håltniß der Kaiſerkrone zu der geiſtlichen Macht,“ verfaßt ; und ſeine Gedanken hellblickenden Theologen, zumal engliſchen und deutſchen Minoriten, ' ) als muthigen Streitgenoſſen hin Mit der Halbheit eines ritterlichen Fürſten , wel cher das Neue ahnet , aber, von anerzogener Furcht nieders

terlaffen.

gehalten , nicht energiſch und folgerecht zu umfaſſen wagt, hatte Ludwig der Baier in ſeinem Kampfe mit Johann XXII. jene geiſtigen Werkzeuge für ſich wirken laſſen ; war aber , wie im Widerſpruch mit ſich ſelbſt und in der frommen

' ) Schon i . 3. 1330 batte Jobann XXII, die Verurtheilung des keßeriſchen Minoriten Petrus de Corbario dem Biſchof von Aamin be= ' ſonders mitgetheilt. Raynaldi Annal . ad a . 1331 nr. 22 p . 424 . 17 Barthold Geſch. V. Pomm, III,

258

Sühnverſudse Raijer Ludwigs geſtört burd Frankreid .

Befangenheit einer unerwachſenen Zeit, auf unvollendetem Wege ſtehen geblieben, ja umgefehrt. Hatten doch die unruhi gen Feinde feines Hauſes , die Pommern , die Lehnsherrlichs keit des Papſtes für ihre lande , die ſie als Lehen des Reich es anerkannt wiffen wollten , freiwillig übernom men !

Unter ſolchen Wirren war der böſe Johann XXII.,

der Diener der franzöſiſchen Krone, ſchadenfroh über die Zer rúttung des Reichs, geſtorben (am 4. December 1334 ), und der franzöſiſche Ciſtercienſer, Benedikt XII. , ein gottesfürch tiger und redlich geſinnter, aber furchtſamer Mann, ihm ge folgt. Konig Philipp aus dem Hauſe Palois , ſchüchterte durch Drohungen die erſten Verſuche des neuen Papſtes ein, ſich in eine würdevolle Stellung zurückzuverſeßen ; aber fo demüthigende Ausſöhnungsmittel Benedikt dem Kaiſer ans muthen inußte, war jener doch bereit ſich zu beugen, håtten nicht die Könige von Frankreich und Neapel mit frecher Ges walt den römiſchen Stuhl gezwungen , ludwigs, des Gebann ten , Boten ſchimpflich zurückzuweiſen. Im Geheim erfreut über des Kaiſers Erfolge gegen heimiſche Gegner, gegen Jo hann von Böhmen i . I. 1336 , ermunterte Benedikt den Baier zu wiederholten Sühnverſuchen, welcher ſelbſt um die Freundſchaft Philipps von Frankreich ſich berparb ; als aber auch jegt (1337) die franzöſiſchen Kardinále dem Papſt die Hånde banden , ermannte ſich der Baier aus ſeiner unwürs digen Nachgiebigkeit und näherte ſich dem Könige Eduard III. von England, welcher ſich růſtete rein Erbrecht auf die fran zdfiſche Krone mit dem Schwerdte zu verfecten . Eduards Geſandte kamen nach Deutſchland, um das Reich gegen Philipp zu waffnen, den die geſainmte Nation als argliftigen Feind der kirchlichen Ausfdhnung zu hafien begann ; ein Bünd niß wurde mit England geſchloſſen , und der Baier bereitete ſich mit engliſchem Gelde zu dem Kriege vor , welcher den Frieden mit der Kirche als Ziel verhieß . So fühner Ent: fchluß flang wieder in den Gemåthern der Deutſchen ; ſelbſt

259

Erkebung Deutſchlands für den Kaiſer.

die Mehrzahl der Fürſten theilte den Groll über Philipps Lücke; die hartnäckigſten Anhänger des römiſchen Stuhles, der Erzbiſchof von Mainz und der Biſchof von Straßburg mußten fich beugen ( Anfang 1338 ) , und

die

vornehmſten

deutſchen Kirchenfürſten übernahmen die Vermittelung mit Benedift. ' )

U18 der bange Papſt auch jeßt die Sühne

des Reuigen zurückwies, aber heimlich mit Thrånen bekannte, ,,das Schickſal Bonifaz VIIĮ. zu fürchten, wenn er den Kais ſer vom Banne losſpråche; " erfaßte einmal ſchwerer Unmuth und Zorn die trågen Gemůther der Deutſchen ; beſorgt wegen der Freiheit ihres Reiches , das der franzöſiſche König ver: mittelft des römiſchen Stuhles in Knechtſchaft ſchlagen wolle, und beſchåmt, daß die Hoheit des Kaiſers , ihres erwählten Herrſchers, nichtig ſein ſollte, wenn der Papſt ihn nicht bes ſtåtige, und daß fie geringer erſchienen als andere Völker ; traten ſie näher mit dem Oberhaupte zuſammen , ſo daß von bedeutenden deutſchen

Fürſten

nur Johann von

Böhmen

und mit ihm die Pommern der nationalen Erhebung fremd blieben . Klug die Bewegung der Gemüther benußend, ſchrieb Ludwig auf den Mai 1338 einen großen Reichstag nach Frankfurt aus, und lud (23. April) nicht allein alle Fürſten und Herren , ſondern auch alle Reichsfreien und Edlen, die Stifter und die Abgeordneten der meiſten Städte, ein, ? ) um gemeinſchaftlich zu berathen, wie dem Unweſen, welches Johann durch ſeine Bannflůche angerichtet, gewehrt wie

das Reich

könnte."

So

bei ſeinen

und

Vorrechten gehandhabt werden

ehrenvolle ladung

erging

auch

an

Herzog

Otto und Barnim , da dem Kaiſer alles daran liegen mußte,

1 ) Alberti Argent. Ann. ap . Ursist. p. 127. 2 ) Eine Form der Ausſchreiben bei Olenſchlager Geſch. des röm. Kaiſerthums im XIV. Jahrh. Urk. LXXIV. Vitoduranus ap. Eccard I. p. 1843 : Imperator accersitis principibus Electoribus , nec non aliis majoribus natu in Alemannia magnatibus , satrapis , baronibus , quo cunque nomine censerentur, vel quibuscunque dignitatibus pollerent in civitatem Frankenfurt cet. 17 *

-

260

Barnim und ſeine Räthe in Frankfurt.

die Händel ſeines Hauſes zu beendigen, um die Kraft Deutſch lands unzerſtůckelt gegen den Feind zu verwenden . Nachſicht wegen

der Forderungen

der Mark hatte er ſchon früher

blicken laſſen ; ' ) aber ſelbſt eine zweideutige Reichsfreiheit ſcheint den Pommern diplomatiſch damals noch nicht zu Otto und Barnim , deren unruhiges Streben geſichert. bezweckte, durften einer allgemeinen deutſchen Ehrenſache ſich nicht långer entziehen ; der König

dieſe Freiheit allein

von Böhinen war vereinzelt ; ihr Verhåltniß zum rómiſchen Stuhle mit dem Tode Johanns XXII. erloſchen ; wie fonn ten Otto und Barnim der Reichsſtandſchaft fich würdiger erweiſen , als indem ſie mit Rath und That in einer ſo wich : tigen Angelegenheit halfen ? Deshalb machte ſich denn Bars nim, - den alten Otto finden wir zu Anfang des Juli zu Damiß im Stiftslande ? ) - mit ſeinen bewährten Råthen, Dubislav von Eickſtedt, Wedige von Often , Nicolaus von Lúskow und Gerhard von Schwerin wohlgeinuthet nach der Reichsſtadt auf , wohin in ſolchen Geſchåften noch kein Pommernherzog gekommen war.

Sicheres Geleit, deſſen er

bedurfte, muß ihm geworden ſein ; 3 ) denn kurz vorher hatte ' ) Sowohl die brandenburgiſdhe als die pommerſde Diplomatie hatte i. J. 1464 , als der Lehnsſtreit ſich erneuerte, den Zuſammenhang vergeſſen . In einer alten brandenburgiſden Regiſtratur bei Raumer Cod. dipl. I. S. 250 heißt es ſehr undiplomatiſch : In vergangen tyden is geschen , dat dar is gewesst ein keyser , die heft gehat twe sons edder dry, In der sulven tyden Iss die marke loss gestorven an den Keyser. Also gaff die Keyser synen Sone die margke myt der Herli chet dat die Stettinschen Hern von em dat lehn entfangen scholden Darna Iss gewest ein Stettinscher Here genomet Barnym , diesulve Is gewest In des Keysers hofe, und heft dat ume gebracht, Also dat die Keyser myt willen des marggraven die hern darvon gelosst heft und wedder gesettet heft to dem Romesschen Ryke to ewigen tyden . Heberall finden wir in Urkunden ausgeſprochen , daß nidyt bezwungen durch eine Niederlage, ſondern im Beſit ſeines Rechtes , der Markgraf Ludwig mit Barnim ſich einigte. 2) Dreger z. I. 1338 nr. 2. Dat. Dammitz 3. Juli. 3) Stankow I, S. 345 mennt den Jobann von Budy, Dechant wont

Sturfürſtenberein zu Renſe.

261

er den Junker Waldemar ) von Dånemark in ſeine Gewalt gebracht.

Gewiß

blickte

Barnim

mit

Ehrerbietung

auf

eine Verſammlung, welche ſich einmal des deutſchen Volkes würdig erwies.

Auf die beredſame Klage des Kaiſers åber

die von den Påpſten erlittene Schmach, über den böſen Sinn Frankreichs, ſeine Ausſohnung mit der Kirche zu verhindern , und , in Folge reines Antrages , in einem Reichsfriege gegen Frankreich mit Hülfe Englands Schimpf und Schaden zu rachen ; erklärten die Stånde den Proceß Johanns XXII. für nichtig , crmåchtigten den Kaiſer das Interdift im gan: zen Reiche aufzuheben , und die widerſpenſtigen Geiſtlichen als Feinde der öffentlichen Ruhe zu ſtrafen.

Darauf bega

ben ſich die drei Erzbiſchöfe von Mainz , Trier und Adin mit dem Pfalzgrafen Rudolf, dem Pfalzgrafen Stephan von Baiern, dem Herzoge Rudolf von Sachſen und dem Mark grafen Ludwig von Brandenburg auf den Königsſtuhl nach Renre , zwiſchen Fahnſtein und Braubach, fchloſſen hier am 15. Juli den berühmten Kurfürſtenverein , deſſen Hauptinhalt war : „ daß ein römiſcher König, einmüthig oder durd Mehr: heit der Stimmen erwählt , die Genehmigung des römiſchen Stuhles nicht nöthig habe , ſondern von Rechts wegen zur Regierung

befugt

rei."

So mannhafte Entſchlüſſe thaten

die Kurfürſten dem Papſte drohend fund , und unter allges meiner Aufregung der Verſammelten und beiſpiellorem Jubel des Volks , in welchem fogar die Luſt laut wurde , von der römiſchen Kirche fich zu trennen und einen deutſchen Patriarchen zu wählen ; wurde am 8. Auguft von einer hohen Bühne die feierliche Sagung : Licet jura utriusque bekannt gemacht, das Interdift aufgehoben und gleich dars auf die Dominikaner , wie Karmeliter , welche ſich weigerten

Bremen , als Geleitsmann. Seine ganze Erzählung, ſo wohl ſie klingt, entbehrt der hiſtoriſchen Begründung. * ) Ludwig Schwager, und Bruder der Schwiegertochter be® Raiſers.

Pommern Reichschn.

262

den Gottesdienſt zu halten ,

aus der Stadt hinausgejagt.

Eine ſo gewaltthåtige Abwerfung des firchlichen Joches mußte die frommen Pommern zuerſt mit Staunen erfüllen und die Achtung vor dem Reiche erhöhen ,

als deſſen Glieder fie

unmittelbar in dieſen Tagen aufgenommen wurden .

Denn

im Verlaufe ſo ſtürmiſcher Veußerung des Nationalwillens war nach Unterhandlungen, deren Gang wir nicht verfolgen fönnen , in denen ſich aber Barnims Klugheit und die Ges wandheit ſeiner Råthe bewähren mochte, die wichtigſte Ans gelegenheit Pommerns zu beiderſeitiger Zufriedenheit heran : gereift.

Erſtens entband Markgraf Ludwig am 13. Auguſt

1338 Otto und Barnim von der Verpflichtung, får den ungerågt gelaſſenen Bruch der Theidigung die Städte Stettin, Garz und Pentun als Schuldſchap ( Buße) von 6000 Mark Buße zu verſeßen ; ') zweitens erklärte der Markgraf an demſelben Tage ,? )

daß

der Kaiſer

die Herzogthümer zu

Stettin, zu Pommern, zu Wenden und zu Kaſſuben und alle anderen Herrſchaften , die Otto und Barnim bisher innes gehabt, mit ſeinem guten Willen, von ihin und von der Mark Brandenburg , von dem

ſie zu lehn gingen , genommen

und dem rómiſchen Reiche gegeben habe , alſo daß die Hers zoge und ihre Erben von ihm und ſeinen Erben in Betreff des lehnes nichts zu fordern håtten, ſondern daß ſie und ihre Erben ihre Herzogthümer ewiglich vom Kaiſer empfangen follten , wie ſie

dieſelben jegt empfangen

håtten .

Gegen

' ) Höfer Auswahl S. 372. Geben ze Franchenfort an Dornstag nach Sant Laurentzen Tag 1338 (Oſtern iſt 12. April). Wir Lude wig tun chunt, das wir die Stet : Stetin , Gartz und Pengow, die vns vnser lib Ohcim Ott und Barnym, Hertzogen ze Stetin , ver setzt solten haben vmbe sehs tusend Mark Silbers ze Scholschattze, ob vnser vorgenant Oheim wider die Teydinge , die zwischen vns gemacht und verschriben warn , ichs teten , ledig und los sagen des seluen Scholschattzes und der Buntnusse, die sie vns getan solten haben. 2 ) Gefterding pommerſds. Magazin II . S. 65 , Donnerſtags nada St. Laurentii 1338.

Nähere Beſtimmungen der Ausgleichung.

263

dieſe Verzichtung håtten die Herzoge ihm, feinen beiden Brås dern und ihren Erben alle ihre lande und Peute vermacht und gegónnt nach ihrem Tode, falis ſie ohne Söhne ſtürben.“ Tages darauf , am 14. Auguſt 1338, ' ) ward von luds wig

eine neue Urkunde gegeben ,

welche das wechſelſeitige

Verhåltniß beſtimmter bezeichnete.

Der Markgraf bekannte,

mit

den Herzogen Otto und

Barnim

und

Krieg fich ausgeglichen zu haben , und verſprad auch

über allen Unfrieden

ihren Helfern , dem Grafen von Schwerin , den Herren von Werle und dem Grafen von Gußfow freund zu ſein , und ihnen ihre Schuld nachzuſehen.

Er verbürgte, weil der Hers

zog ihn im Falle unbeerbten Todes als Erben eingeſegt, der Frau Ugnes, der ehelichen Hauswirthin Barnims, das Land Groswin und Demmin als Wittthum ; verſprach für die etwa vorhandenen Dochter, wie für ſeine eigenen zu fors gen ; alle Gotteshåuſer, Städte, Feſten und Leute bei ihrem Rechte zu belaſſen .

Weil Widerſeßlichkeit, von Seiten der

Stånde gegen das mårfiſche Heimfallrecht, als gegen die Erbeinigung von 1295, vorausgeſehen wurde, verſprachen die Fürſten ihre Hälfe zum Behuf der Erbhuldigung ; fünftige Zwiſtigkeiten wurden der Entſcheidung eines Schiedsgerichtes unter der Obmannſchaft des Biſchofs Friedrich anheimgeges ben , und Uckermünde, Torgelow und Eggeſin als Drte des Austragegerichtes beſtimmt.

Die Fürſten leiſteten auf den

Schuldroaß gegenſeitig Verzicht; der Markgraf wies abs trúnnige Lehnsleute wieder an die Herzoge ; der Beſitz des Landes Bernſtein, das die Wedel inne hatten, ſollte von des Kaiſers Entſcheidung abhången ; der Herzog Barnim wurde von jedem Anſpruche auf Schadloshaltung ſeitens der mårs fiſchen

Stånde aus

den Tagen

der Vormundſchaft frei

? ) Dähnert Sammlung pomm. Urk. I. S. 39, dat. Frankfurt am Abend vor Mariä Himmelfahrt. Åls Zeugen viele deutſche Fürſten und die genannten pommerſchen Ritter und Rätbe.

264

Erledigung Waldemars von Dänemark.

geſprochen , und , mit den bråuchlichen Klauſeln , ein Bündniß zur Vertheidigung und zum Angriff beſchloſſen , beiderſeits für Recht und Wohlfahrt der lande geſorgt; die

Nieder

reißung der ſeit Waldemars Tode im gegenſeitigen Gebiet gebauten Burgen angeordnet, beſonders der Burg von Oſten an der Tollenſe, zwiſchen Demmin und Treptow .

In Aus:

ſicht die Burgen der Schwerine, Spantifow und andere, durch Kauf an die Marf zu bringen, ward durch den Marf: grafen den Herzogen von Pommern das Verkaufsrecht nach einem ſchiedsrichterlich beſtimmten Preiſe vorbehalten ; rollten jene aber den Kauf ablehnen , ſo mußten ſie einem anderen Käufer das lehn ohne Widerrede verleihen. Solcher Aus trag ward

von

dem Kaiſer

und den höchſten

weltlichen

Reichsfürſten und vielen Herren und den pommerſchen Råthen bezeugt.

Als noch am 14. Auguſt Barnim die Verſiche:

rung ausgeſtellt, den hochgebornen Waldemar , König zu Dånemark " von ſeiner Gefangenſaft ledig zu laſſen , ' ) und alle Bündniſſe, Gelübde und Side wegen dieſer Gefangen : ſchaft får nichtig erklärt hatte, ? ) ward der Brief des Kaiſers ausgefertigt , in welchem derſelbe die Herzogthümer von der Mark lostrennte , ſie zu lehn des Reiches erhob , und zur Entſoådigung dem Markgrafen fudwig , mit Ein : willigung

der Herzoge , den

loſen fånder an ludwig und

Heimfall

der

erba

ſeine Brüder fan .

ctionirt. )

* ) Gercken Cod. dipl. III. S. 104. Urk. Vrankenfurt 1338 am Mariä Himmelfahrt, mit dem großen Reuterſiegel Barnims. 2) Leider iſt in der Urkunde eine Lüde ; denn eine Bedingung hat Barnim ſeinem Gefangenen aufgelegt, wahrſcheinlich die Urfehbe : Vod ist uns der vorgenante Konig von derselben siner Vangnizze wegen nichts mehr gebunden zu leisten noch zu tun in dechein weg , an als verre daz er uns an geuerde. 3) Schöttgen et Kreyssig III. p. 38. Dat. Franckenfurth in vigilia assumptionis b. Virginis 1338. Es heißt darin : Clarae igitur et gene rosae propaginis ortus coruscans, nec non fida et sincera cordis atque

Ueber die Mithuldigung Brandenburg .

265

So ſchien denn in jenen großen Tagen heilſamer Bes dlüffe

der

alte Groll zwiſchen Mårfern und Pommern,

welcher beiden Låndern ſo vielen Schaden gebracht, nach menſchlicher Rechnung geſchlichtet, und Barnims heißes Bes ſtreben erfüllt, für welches er den Kriegsmuth ſeiner Paſal: len aus früherer Trägheit zu erwecken verſtanden. Pommern erlangte Reichsfreiheit durch die Mitwirkung der Ritterſchaft, ſo wie Dänemarks und Meklenburgs Hochmuth an den Bür: gern Pommerns feine Obſieger gefunden .

Zwar hatte Bar:

nim ein Heimfallrecht zugeſtanden, ohne Gegenſeitigkeit ; aber da er jung und friſch an Jahren , konnte die Furcht einer Erbloſigkeit bald gebannt werden . aus

dem

Um mit Ehren

Streite zu ſcheiden , welcher ungleich war , und

deſſen hartnäckige Fortſeßung Pommern als Anhänger des römiſchen Stuhles dem allgemeinen Hafie preisgeben mußte ; hatte Barnim nur den Ausweg der Mithuldi: gung und der

Anwartſchaft

Brandenburgs gefunden,

ohne daran zu denken , daß die zugegebene Möglichkeit

mentis puritas jllustrium Ottonis et Barnym Stetin Pomeranorum , Slavorum et Cassuborum Ducum nostrorum principum dilectorum nos inducunt, ut ipsos magni favoris exennio non indignos speciali beneficiorum munere decoremus. Ob quam rem ipsos ac suos here des veros et legitimos , cum Ducatibus, Principatibus et eorum Do minijs universis, de consensu et voluntate Illustris Ludovici Marchio nis Brandenburg. primogeniti nostri charissimi a Marchia Branden burgensi, a qua praefatos suos Ducatus , Principatus et Dominia in feudum obtinebant, praesentibus separantes ipsos cum eisdem Duca tibus, Principatibus et Dominiis Romano imperio, cui etiam antiqui tus pertinebant , nostra Imperiali auctoritate et clementia reunimus, ab omni fidelitate et homagio dicti Marchionis et marchiae , ipsos cum suis Ducatibus Principatibus et Dominijs supradictis penitus et perpetuo absolventes , hoc presenti censentes edicto , quod deinceps ipsi duces , nobis et immediate, ac nostris in Romano regno vel im perio successoribus quibuscunque; sicut Principes et Vasalli Imperii subesse debent. Im Widerſpruch mit der früheren Belehnung an Bran denburg ſagt Ludwig : Imperio romano suos ducatus cui etiam anti quitus pertinebant, renuimus.

266

Softag zu Koblenz, 3. September 1338.

der Veråußerung ſeiner lande, im Falle des Eridichens reis nes Stammes, die Vettern in Wolgaſt, ſo wie ſeine eigenen Stånde beunruhigen mußte, und daß er, ein Abfunftsmittel von dem fremden Kriege ſuchend , ſich in heimiſche Streitig keiten verflocht, da er ſohnurſtracks gegen die Erbtheilung und Vereinigung vom Jahre 1295 gehandelt.

Denn darin

lag das Verfångliche, was hundert und rechs und zwan: zig Jahre ſpåter den alten Handel erneuerte , daß der Hers zoge von Wolgaſt, der nåchſten Erben, nicht gedacht, ihr Verhåltniß zum Reich und zur Mark gar nicht berührt war ; ihnen dagegen , wenn die Hand des Himmels Ungna: diges verhångte, ihre Erbſchaft entzogen wurde.

Der Marts

graf mochte damals wähnen , die unmündigen Sohne Wars tislavs beſchwichtigen zu können ;

wir werden aber fehen,

daß die Periode der Reichsfreiheit Pommerns mit böſem Zerwürfniß im Innern des Landes eröffnet wurde. Nach der Ausgleichung ſo wichtigen Handels war Bar: nim wohl noch Zeuge des prächtigen Hoflagers zu Koblenz (3. September 1338 ), auf welchem der Kaiſer mit Krone und Scepter, umgeben von vier großen Herzogen, drei Erz: biſchofen , feche Biſchofen , fieben und dreißig Reichsgrafen und ſiebenzehntauſend Freiherrn und Edlen, die Klage König Eduard's III. über die franzöſiſche Krone , welche ihm Phis lipp wider Recht vorbehalten , anhårte ; ' ) den König von Frankreich jedes Schußes und jeder Freiheit des Reiches verluſtig erklärte und den Englånder zum Reichsverweſer auf der linken Rheinſeite erhob , „ damit er mit der Kraft der Niederlande fein Anrecht an das Erbe Valois erobere . " Da wir ſchon um die Mitte September 1338 den Mark: grafen Ludwig mit ſeinem Bruder Stephan in den Marken finden , iſt es wahrſcheinlich , daß auch Barnim gleichzeitig

Tindal zu Rapin - Thoyras II. S.524.

Innere Entwidelung Pommerne.

267

heimkehrte, ' ) um das dornen volle Geſchäft der Erbhul: digung einzuleiten.

Adhytes Kapitel. Ueberſicht der inneren Entwickelung des pommerſchen Staates. Die Stel lung des Fürſten. Regalien. Rechtsverwaltung. Beſteuerung. Lehns weſen. Sprödigkeit des Adels . Roßdienſte. Späterer Glanz des pommerſchen Adels als Arieger. Koſtbarkeit der Roßdienſte. Innere Geſtaltung des Bürgerthums . Verſchiebene Arten ftädtiſder Be rechtigung. Der Bauernſtand. Die Geiſtlichkeit. Zuſtand der all gemeinen Bildung. So bemüht wir geweſen ſind , im Verlauf der å ußes ren Geſchichte Pommerns die inneren Veränderungen her: vorzuheben , die Uinwandelung der Städte und des Udels , beider Verhältniß zum fandesherrn zu bezeichnen , und das Bild des fittlichen , kirchlichen und geſellſchaftlichen Lebens in der nach außen gerichteten Thåtigkeit des Fürſten und des Volkes ſich abſpiegeln zu laſſen ; da eine Trennung der in ſich fortentwickelten Geſammterſcheinung ein Wider ſpruch iſt und die Geſchichtſchreibung nur dann befriedigt, wenn ſie ohne Vereinzelung des Geſichtspunktes den Zuſam menhang des

erwachſenden Stoffes begreift ;

ſo hat doch

vieles ohne ſtorende Abſchweifung der Erzählung nicht ſich einfügen laſſen , und müſſen wir beim Jahre 1338 einen Ruhepunkt machen , um das Geinålde nach allen Seiten zu vervollſtändigen. " Es iſt aber Mannigfaltigkeit und Res gelloſigkeit das Eigenthümliche aller mittelalterlichen Zuſtånde; ſo wie die altdeutſche Kirchliche und håusliche Bau kunſt, im Princip einig und unverkennbar , in der Ausfüh.

' ) Nad Gercken Cod. dipl. VII. p . 401 ; III . p. 108 waren Luba wig und Stephan am 13. September 1331 bereits in Neuſtadt- Ebers . walbe , am 27. October in Berlin. Die nächſte pommerſde Urkunde Ottos und Barnims iſt ausgeſtellt zu Damm 14. December , Dreger 1. I. 1338 nr. 1 .

268

Stellung des Fürften.

rung ihrer Gebilde frei und ungebunden ſich bethåtigt , und von den unzähligen Denkmålern nicht zwei gefunden werden, welche als gleich und åhnlich erſcheinen möchten ; ſo gewah ren auch die inneren Zuſtände

und Beziehungen bei aller

Gemeinſchaftlichkeit der Grundgedanken eine unůbecſehliche Verſchiedenheit, welche dem Beſtreben des neueren Staats weſens , zu ſyſtematiſiren und gleichzumachen , in Schranken und Formen durchgreifend zu befeſtigen, durchaus fremd iſt. Das Recht, wie eine Perſon , oder eine als Perſon geglie: derte ſpróde Gemeinſchaft ſich geltend macht und behauptet, unterſcheidet das mittelalterliche Weſen ſchroff von der neuen Geſellſchaftsverfaſſung, welche das Privilegium des Einzelnen verneint und dem Individuum nur als Glied der Geſammt: heit ſeine Bedeutung låßt. Wir haben aber zunáchſt den Fürften , den Adel, den Bürger , den Bauer und die Hierarchie in ihrer inni: gen Verbindung mit dem Leben ins Auge zu faſſen. Die Stellung des Landesherrn zum Volfe erlitt durch die Germaniſicung Pommerns und die Anſchließung an das deutſche Reich eine weſentliche Verånderung . Aus dem uralten ſlaviſchen , freien Beſişſtande des Adels hatte mit der Aufnahme des Chriſtenthums die fürſtliche Gewalt fich zu jener unumſchrånkten Gebieterſtellung erhoben, in welcher wir noch die Söhne Bogislaus I. mit vollem Machtbewußt: rein über das Gut ihrer Unterthanen verfügen fehen ; im Laufe des XIII. Jahrhunderts ging dieſes volle Her ; ogs : recht abwårts, in Folge der neuen von den Deutſchen her: übergebrachten Verhältniſſe, wiewohl die beſtimmtere Uus übung oberherrlicher Attribute den Verluſt weniger empfind: lich machte , und die allmålig geſicherte Oberlehnsherrſchaft den Titel des allgemeinen Beſiges erſeşte. Die Herzoge von Pommern, wie die Fürften von Rügen hatten am Ende dieſer Periode noch ein Domanium , land gåter und Meierhofe , ſo unwirthlich zumal Barnim I. mit

Regalien des Landesherrn. demſelben geſchaltet.

269

Die meiſten decker waren wohl deuts

fchen Bauern ausgethan, wiewohl auch die alten Einwohner . mit der Zeit die deutſchen Pachtbedingungen erhielten.

Auf

folchen Meierhöfen weilten die deutſchen Färſten gern , wie Wartislav IV . und ſein Geſchlecht zu Sturmerswerder ; der Ertrag derſelben an Geld und Naturalien ging auf den fürſtlichen Haushalt und auf die Beſoldung der Beamten, zumal des Voigtes, welchem auch die andern Hebungen des Fürſten in ſeiner Voigtei oblagen. lichen

Nach der gemeinſchafta

Beſtimmung Ottos , Barnims und Wartislavs IV.

v. I. 1321 war in jedem der vier großen Bezirke ein offi cialis generalis , ein Oberhauptmann , angefeßt, welcher mit vier Råthen die Einfünfte verwaltete , ſei es , daß ſie aus dem Rammergut floffen , oder aus den vorbehaltenen Regalien. Obgleich ganze Landestheile, wie die Inſel Rügen, dem Ger fchlechte der Putbus nach der rågenſchen Erbſchaft verpfåns det waren ; in dem neu erworbenen Gebiete jenſeits der Gras bow und Wipper die Dynaſten alle oberherrlichen Rechte handhabten , und die Fürſten dort fein Kammergut über: fommen zu haben ſcheinen ; blieb im allgemeinen der Ertrag des Domaniums gewiß noch anſehnlich genug. Ferner gehörte den Fürſten das Oberrecht über die Gewåſſer , welches wegen des reichen Fiſchfanges von gro : ßer Bedeutung war. Zwar hatten die Herzoge dem größten Sheil der Stådte die Bewidmung mit dieſer Gerechtigkeit übertragen ; aber noch ſpåt ſich einen Nießbrauch für ihre Küche ausbedungen , den fang feinerer Fiſchgattungen oder mit gewiſſen Garnen und mit Reuſen. Nur die legten Får : ſten von Rügen waren auch in dieſer Beziehung ſo vers ſchwenderiſch geweſen , daß wir in ihrem Haushalt zu Bard, Hertesburg und Prohn bedeutende Summen får erkaufte Fiſche zahlen rahen . Såhrliche Abgaben belaſteten den Fiſch fang auf dem Haf und dem laſſahner Waſſer , welche, ſpås ter- geregelt, eine nicht unbedeutende Rente des Herzoglichen

270

Landesherrliche Regalien.

Fiskus abwarfen.

Von noch größerer Ergiebigkeit waren die

Mühlen an den Flüſſen und bei den Städten, welche um einen ſo hohen Zins an fúrſtliche Müler verpachtet waren , daß auf eine beſtimmt feſtgeſegte Mahlpflichtigkeit der Umgegend zu ſchließen iſt. Mit dieſem Regale waren die Fürſten haushålteris roher, als mit anderen Rechten ; ſelbſt Stralſunds Mühlen brach ten noch i. 3. 1283 dem Landesherrn anſehnlichen Vorrath an Getreide ;

die demminer wurden erſt von Barnim i . 7. 1343

dem Kloſter Kolbaß geſchenkt ?) und die Ueberlaſſung der Prenzlauer war der Preis , um welchen Wartislav ſich die Unhänglichkeit der Bürger zu erkaufen hoffte.

In den Ta

gen der Geldnoth legte Wiſlav III . mit känſtlicher Zuführung des Waſſers Mühlen in ſeinem Gebiete an , und in frühecer Zeit wurde nur den Kidſtern die Befugniß Mühlen zu bauen , aus beſonderer frommer Rückſicht geſtattet.

Das Recht der

Landesherrn an den Mühlen ging aus dem Grunde hervor, daß er alle fließenden Wåffer , alle Seen , als ein Res gal betrachtete , und deshalb mit dem Waſſer felbft neue Stådte belehnte. So empfingen die Fürſten von Rügen 1. J. 1256 urkundlich von jedem Gerinne, deren der Abfluß des pútter Sees rechs enthielt , an jährlicher Pacht 300 Scheffel Das Forſtregal, zu : in verſchiedenen Getreidearten : 3 ) mal die Jagd , blieb lange auch nach den Zeiten der Ents åußerungen

ein landesherrliches Vorrecht.

Die weitgedehn

ten Kieferheiden hatten außer der Holznuşung, welche benach : barten Städten oft unter ſehr gemeſſenen Bedingungen zuer theilt wurde, noch einen Werth in Folge der Bienenzucht, die wegen des ſtarken Verbrauches von Meth und zumal von Wachs zu kirchlichen Zwecken, auch im inneren Deuſch land , wie im „ Immengarten

des Heiligen Römiſchen

' ) Sdwars pomm. und rüg . Stäbtegeld . S. 68. 2 ) Urkunde bei Jaſd p . 450. 3 ) Brandenburg Geſchichte des Magiftrates der Stadt Stralſund S. 22 Anm. 93.

Die Drbare.

271

Reiches" im Gebiete von Nürnberg, fo fleißig betrieben wurde, daß als beſonderer Zweig des ökonomiſchen Rechtes ein Zeida Terrecht fich bildete.

Wir wiſſen aus früherer Zeit , daß

die Hebungen an Wachs und Honig an den landesfürſtlichen Tabernen , deren Spur ſich ſpåt erhalten hat , hafteten. Die Benußung der Salzquellen , an denen Pommern und Rügen , wie Meklenburg,

damals reicher

waren , gehörte

urſprünglich den Fürſten , wurde aber ſo zeitig entäußert, daß die Hofhaltung Wißlavs III. gefauften Salzes bedurfte. Die reichen folberger Salinen finden wir frůh im Beſige des Stiftes und ſelbſt entlegener Kloſter, noch vor der Vers tauſchung des Landes Stargard mit der kolberger Kaſtellanei. Aus

der Bewidmung neu angelegter Stådte

und

Mårfte , welche überall vom Fürſten ausgingen , nur da nicht, wo er, wie über das Stiftsland , über das Gebiet an der Wipper und leba und in Hinterpommern überhaupt, ein ſehr mittelbares Oberrecht ausübte, erwuchs demſelben als Grundſteuer für die angewieſene Stadtmarf eine jährliche Abgabe , welche der Stadt ſummariſch als Drbare ( Urer: trag ), als Pacht für die verliehenen Aecker auferlegt wurde . Wir haben erfahren , wie in den wichtigen Städten dieſe Hebungen nach Uebereinkommen oft auf Summen herabſans fen , welche mit dem Umfange der Nußung und des Stadts gebietes

außer Verhältniß ſtanden.

Dennoch entging den

geldbedürftigen Fürſten oft dieſer Genuß, indem ſie Privat leute und Gläubiger darauf anwieſen.

Ein Hof- oder Baus

plaggeld ( census arearum ), wie zu Prenzlau , ſcheint nicht überall gefordert zu fein; die Gefälle und Zinſen von Schlachts hdfen , von der Verkaufshalle unter den Rathhåuſern, eine Abgabe von der Ståtte der Marktleute, welche urſprünglich dem fandesheren zuſtand, floſſen allmählig den Gemeinen zu, welche dafür den ſtådtiſchen Haushalt beſtritten . Ungeregelt und zahlloſen Ausnahmen unterworfen waren die landesherrlichen Zölle auf Waſſer- und

Landſtraßen ,

Die Zölle.

272 welche die Fürſten ſchon

aus dem ſlaviſchen Herzogsrecht

überkommen hatten , wie auf der Perſante, Schwine und Pene ; lands und Waſſerzolle von Waaren ) und Gatern wurden zu Garz, Stettin , Stargard, Anklam , Wolgaſt, Dam garten, Ueckermünde, Solberg erhoben ; und früh auch gerville Waaren nach beſonderen Sågen , wie zu Anklam, beſteuert. Außerdem hatte faſt jede Stadt ihren Damm- und Brúf : fenzoll für Paaren und Fußgånger, und laſtete dieſe Ab gabe auf gewiſſen berechtigten Fährſtellen , wie zu Stettin und Damm.

Geiſtliche Stiftungen und Stådte bemühes

ten ſich frůh , Befreiung von dieſem Regal zu gewinnen ; wohl

verdienten

oder

beſonders gewerbthåtigen

Stådten,

allmålig faſt allen , wurde die Befreiung von den allge: meinen Landeszóllen oder von dem Zolle auf einzelnen Strom gebieten von dankbaren Fürſten zugeſichert, ſo daß die lans desherrliche

Einnahme

faſt nur

auf dem Verkehr der

Fremden laſtete, von denen gleichwohl viele, wie die uckers mårkiſchen Städte ,

während

der pommecſchen Vormunds

ſchaft gleiche Freiheiten , wie die pommerſchen Eingeborenen erhielten .

Die Bolle von Communicationsſtraßen erwarben

in ihrem Gebiete die Städte ; nur die großen Landesjolle , wie bei Anflam , Wolgaſt, Kolberg, hielten die Fürſten feſt,

' ) Stavenhagen Geſch. von Anklam S. 333. Nr. XVII . Z. F. 1302 fdenkt Bogislav IV. den Anklamern die alte Fähre unterhalb der Stadt und den Genuß des bort zu erhebenden Waarenzolles. Die gangbarſten der verſteuerten Artikel waren : Kupfer, Zinn, Eiſen , Honig, Butter, Fett, Sped, þanf, Leinewand, Wolle, Tud), Hopfen, Häringe, andere Fiſche, Mehl, Salz, Theer, allerlei Hausthiere, Holz, Fabbauben, Floßholz zu Schiffen und Gebäuden , Butter , Felle. Außerdem kommen als gang bare Artikel vor : Wein, Bier, Del, Mandeln, Feigen, Roſinen, Pfeffer, Kümmel. Der Landesfürſt verbot hujusmodi thelonium unquam alio tempore ampliari, magnificari seu augeri. Eine Heberolle über Einfuhr und Ausfuhr zu Greifswald ungefähr vom Jahre 1275 ( ſ. Kosegarten de Gryphia hans, teut. soc. p . 11) bezeichnet als Gegenſtände des Ver kehrs Häringe, ſowohl friſche als gedörrte und geſalzene: Pferde, andere Hausthiere, Hopfen 4. ſ. w. als Ausfuhrartikel.

Ungelb.

Münzregal.

273

jedoch nur zu håufig als Gegenſtand der Verpfändung an Privatleute. Die vielen Zuſicherungen des Landesherrn gegen mißbråuchliche

Hebungen ,

gegen

ſogenanntes „ Ungeld ; "

die Streitigkeiten über neu angelegte Hebeſtåtten , wie der Demminer wegen des loißer Bollwerks , geben zu erkennen, wie oft Fürſten oder Dynaſten den Verſuch wiederholten, durch ſolche Beſteuerung des Verkehrs ihr Einkommen zu erhöhen .

Der Haß der Stådte gegen adelige Burgen låßt

fich zum Theil auch daraus erklären , daß in Zeiten landes: herrlicher Ohnmacht die Adeligen in dieſer Art von den land ſtraßen ihres Gebietes Vortheil zogen . Das Můnzregal , ſchon von den ſlaviſchen Herzogen und Fürſten von Rügen geübt , ſo wie das Wechſelrecht, das iſt wohl weniger der Handel mit ausländiſchen Geld: ſorten und der Austauſd derſelben , als die Auswechſelung der verrufenen und abgenugten Geldſtücke gegen um : geprågte , entſchwindet mit allen ſeinen baaren , bedeutenden Vortheilen den Fürſten in dem erſten Drittel des XIV. Jahr: Wir ſahen Stralſund i . I. 1319 in den Beſitz des Münz- und Wechſelrechts gelangen ; kurz darauf erwirf ten Greifswald und Anklam ) (i. F. 1325) durch Wartis: hunderts.

lav das Prågerecht für das Gebiet zwiſchen Swine und Pene, jedoch unter Gewåhr und Auffit des Landesherrn , probegültige Münzen zu liefern, welche dann allein als gültig in dem gedachten Bezirke umlaufen ſollten. ? ) Ein bedeu : tender Vortheil erwuchs den Münzſtåtten , indem nach ge wiffen Jahren die gangbare Münze mit Verluſt gegen neues Gepräge umgeſeßt werden mußte.

) Stavenhagen a. a. D. S. 352 nr. XXXIX. ) Daf. Volentes simpliciter et presentibus firmiter mandantes ut infra predictorum fluviorum terminos nulla alia moneta preter quam in dictis nostris Civitatibus cudi fabricari et cxerceri debeat seu legitima aliqualiter reputari. 18 Barthold Geidh. v , Pomm . III.

Geridyte.

274

Weil gleichwohl das Münzrecht zu Händen der Fürſten von ihnen als eine Obliegenheit, die ſie zur Förderung des gemeinen Wohles auf fich genommen, betrachtet werden konnte , indem bei der unvermeidlich ſchnellen Abnußung des Gepråges und der Seltenheit edler Metalle, des Silbers , - denn erſt Bogislav X. hat Goldmünzen geprägt - der fandesherr möglich Unfoften haben konnte ; ſcheint das Månz geld und der Münzpfennig am Ende des XIII. Jahr: hunderts als eine Abgabe der Stådte und Güter aufge: kommen zu ſein, die, urſprünglich nur zeitweiſe gefordert, erſt ſpåter zu einer ſåhrlichen Abgabe ſich ausbildete. Wenn die obere Gerichtsbarkeit in anderen Zeiten als eine der unerläßlichſten Regentenpflichten anerkannt wurde, und die Handhabung derſelben , vom finanziellen Geſichts: punkte betrachtet, feinen Werth beſigt, ſondern vielmehr einen bedeutenden Theil der Staatseinkünfte in Anſpruch nimmt ; ſo hatte im Mittelalter der alte germanifde Ger brauch der Gewehre , des Wehrgeldes, nach welchem faſt alle Verbrechen mit Geld gebůßt werden konnten, das Juſtizweſen zu einer Quelle fürſtlicher Renten gemacht. Der Fürſt übte die oberſte Gerichtsbarkeit entweder ſelbſt oder durch ſeine Voigte nach noch nicht gehörig beleuchteten Normen des alt deutſchen und des flaviſchen Rechtes. Von den weſentlichen Verſchiedenheiten des lůbifchen, magdeburgiſchen und růganiſchen Rechtes werden wir ſpåter Gelegenheit haben, ausführlich zu reden , da erſt das Ende des XIV. und das XV. Jahrhundert eine genaue Erörterung dieſes ſchwieri gen Gegenſtandes möglich macht; hier iſt nur die Auffaſſung wichtig, daß die baaren Strafgefålle, Brůche, Bußen (emen dae) die Rechtsbefugniß zu einer eintråglichen Quelle der Renten erhoben .

Aber in feinem Gebiete des öffentlichen

Lebens iſt im Mittelalter größere Mannigfaltigkeit und Ver: ſchiedenheit, ja Willkühr und Formloſigkeit zu bemerken, als in den Rechtsverhältniſſen und in der Vertheilung der

Gerichte. Gerichtsgewalt. ' )

275

Es gab ein fürſtliches Hofgericht, wel

ches der fandesherr in Gemeinſchaft mit ſeinen Kåthen über die Mannen und über bürgerliche Håndel derſelben übers al da hielt, wo ſein wechſelndes Hoflager fich befand, daher es auch in beſondern Diſtricten , getrennt von der unmittel baren Thåtigkeit des Fürſten , Manngericht hieß , und in Lehnsſachen nach Lehnrecht ſprach. Sodann gab es fürſtliche Voigteigerichte ( Grod ., Gard- gerichte ), gehalten durch den Advocatus principis oder den Gardvoigt ,

aus der unter:

gehenden Kaſtellaneiverfaſſung hervorgegangen ; ſolche Gerichte hießen das Landding , und das Landvolk eines Sprengels, einer Voigtei, eines Grods gehörte vor dieſes Forum , welches unter freiem Himmel ungeboten oder zu jährlich wieder: fehrenden

Zeiten gehegt wurde.

Weil

die

in ſolchem

Sprengel Unſåſſigen nach ihrer Volksthümlichkeit als A6 kommlinge der Slaven, oder als eingewanderte Deutſche ver : ſchiedenem Rechtsbrauch unterlagen, che die ſpåtere Zeit eine Gleichſtellung aller landesbewohner herbeiführte, ſo muß das Recht ſehr gemiſchte Principien in Anwendung gebracht haben. Es enthielt demnach Beſtimmungen des gemeinen ſächſiſchen fandrechts, gewiß ein ungeſchriebenes Gewohnheitsrecht, und ſlaviſche Rechtsbrauche. Ob das ſchweriniſche Recht als ein ſtädtiſches viel Anwendung auf ländliche Voigtei: gerichtſachen gehabt, wagen wir nach den vorhandenen Artis feln deffelben nicht zu entſcheiden ; gleichwohl mögen Beſtim mungen deſſelben für peinliche Falle, die an Strenge mit den lůbiſchen nicht übereinkamen , der Voigteigerichtspraxis zu Grunde gelegt worden ſein. Aber

nach

und

nach

verringerte fich

der Kreis der

Voigteigerichte, indem Stådte, Kloſter und Vaſallen ſich die niedere Gerichtsbarkeit auf ihren Gütern , unabhängig vom

' ) S. Roſegarten's Abhandlung von der alten Pommerſden Geridts verfaſſung auf dem Lande in den Geſchichtsdenkmälern I. S. 248 ff. 18 *

.

Gerichte.

276

Pandding , ſchenken oder verkaufen ließen ; und die Zahl der Privatgerichte ſich vermehrte, ſo daß auch die Einkünfte von dieſen Gefällen ſich verminderten.

So zerſpaltete ſich die

Rechtsbefugniß ſo unendlich , daß dann wieder Fürſten von ernſtem Sinne für Recht und Ordnung gendthigt waren, eine wahrhaft

terroriſtiſche Richtervollmacht in die Hände

Einzelner niederzulegen , wie Wartislav IV. 1. I. 1319 dem Grafen von

Güßkow

und

den verbundeten Städten , im

Jahre 1321 der Stadt Greifswald , und 1326 der Stadt Stralſund gegen Friedbrecher verlieh, und wie Anklam gegen ihre Schuldner erhielt. Anfånglich reſervírten ſich die Fürſten die höhere Ge: richtsbarkeit, „ die Sachen an Hals und Hand, " und traten nur die niedere Richtgewalt ab ; aber ſchon um die Mitte des XIII . Jahrhunderts ſehen wir Kidſter und Dynaſten im Beriß des Blutbannes , und 1278 fogar schon Vafallen und kleinere Gutsbeſiger. Die Abkommlinge des Fürſtengeſchlechts von Rügen , die Putbus und Griſtow , übten daſſelbe nach alter Befugniß, und Johann von Griſtow fonnte i . I. 1323 ein Gut mit dem höchſten und niedrigſten Recht an Bůr ger verkaufen , was einen ungeheueren Mißbrauch möglich machte. Neben dieſen Privatgerichten, welche gleichfalls durch einen Voigt gehandhabt wurden, kommen auch in Pommern in niederen Sachen der Dorfbewohner die Schulzen : gerichte vor , wie ſchon gegen das Ende des XIII. Jahr: hunderts in der Umgegend von Greifswald ; ſo wie der her : kömmliche Gebrauch

der erwählten

Spiedsrichter aus

den Klaſſen aller , in einem Handel betheiligten , Einwohner der voigteilichen Richtgewalt den Kreis des Wirkens ſchmålerte. In den Stådten ſtand hohe und niedere

Gerichtss

barkeit urſprünglich dem Fürſten allein zu, welcher zu dieſer Befugniß einen großeren und kleineren Voigt einſekte , und

' ) Andere Beiſpiele f. bei Mofegarten a . a . D. S. 284.

Bede .

277

die Brüche entweder ganz gog, oder einen Theil, den dritten, wie zu Stolp , dem Voigt überließ.

Der wachſenden Bes

deutung der Gemeinden fiel jedoch dieſe Befugniß der Fúr ſten alsbald unbequem , und ſie ſuchten ſich dieſer Geltung des Landesherrn auf allerlei Weiſe zu erledigen . So wußten ſelbſt kleine Stådte ſich Einfluß bei Belegung der . Richter: ſtellen zu verſchaffen ; an anderen Orten war die Richter : getalt an einzelne adelige Familien verkauft oder über : laffen als Erbgericht, die dann im Rathe raßen ; in den großeren Gemeinden verſchwindet bald der vom Fürſten ge: regte niedere Voigt ; die höchſte Staffel der Selbſtåndigkeit war, daß auch die höhere Gerichtsvoigtei ein Rathamt wurde und die Stadt die bedeutenden Gefälle und Bußen zog. So dauerte die fürſtliche Voigteigewalt überhaupt in Greifswald bis 2. Š. 1322 ; ter dieſe

in

Stralſund

höchſte Rechtsbefugniß

gelangte

erſt

etwas

ſpå

an die Rathmannen , ſo

daß die Fürſten am Ende nur die Brüche aus ihren unmit: telbaren Gütern bezogen , und eine urſprünglich ſo ergie: bige Quelle der Einfünfte und des landesherrlichen Anſehens faſt verſiegte. Endlich war ein aus ſlaviſcher Herzogsgewalt und deut: ſcher Landesfürſtlichkeit zugleich erwachſendes Recht des Fürſten das der Beſteuerung, die Forderung einer Unters ſtůşung zu einem allgemeinen allgemeinen Landesbedürf niß, im Allgemeinen die Bede (precaria) genannt, weil dies res Geſuch urſprünglich bittweiſe vorgetragen wurde und lange Zeit von der Bewilligung der betheiligten Einwoh nerklaſſen abhängig blieb .

Das Bederecht führt uns aber

auf die Verånderung des Landesvertheidigungsweſens , welches andererſeits wieder mit der Einführung des deutſchen Lehns weſens zuſammenhångt. Wir ſahen , wie die altſlaviſche Wehrpflichtigkeit, die expeditio gentis Slavicae, in den mörderiſchen Kämpfen gegen die Dånen niederlag und mit der Uebertragung alts

278

Kriegødienſt.

flaviſcher Laſten in der Form

des

Aufgebots der

land :

wehr und des Heerſchild es ſich neu geſtaltete, oder modi: ficirt wurde. Die Pflicht, die Landesburgen in Stand zu erhalten , blieb auch den deutſchen Niederlaſſungen , ro wie das Brückenwert und der Wagendienſt; nicht jene unge : meſſenen Spanndienſte des XII . Jahrhunders , ſondern die faſt der Dorfſchaft , beim Heereszuge , wie in unſeren neueren Staaten , für die Fortſchaffung des nöthigen Ges råthes, der Beamten u. f. w. zu ſorgen . Dagegen ſchwand die frohndenartige Bewachung der feſten Plåge durch die Angehörigen des Bezirks, und traten ritterbürtige deutſche Burgmannen , welchen gewiſſe Grundſtücke alsbald zuge: wieſen waren, in die Stelle altſlaviſcher Kaſtellaneiverwandten. Weil die flaviſche Kriegsverfaſſung allein auf Abwehr eines angreifenden Feindes begründet war ; erſcheint das Recht, den udel , die Bürger der Städte und das fandvolk , jeden mit den ihm eigenthümlichen Waffen zur Heerfahrt aufzubieten , als ein Zuwachs der Oberhoheit des Landes: herrn ; aber thatſächlich verlor dieſe Berechtigung im laufe des XIII . Jahrhunderts ihre Kraft, und fam dieſer deutſche Heerbann bei den ſo häufig geſtatteten Ausnahmen um ſo eher in Verfall, als das Jahrhundert des ſchwachen Barnim überwie: gend landeskulturzwecke verfolgte. Der flavifo e Adel, welcher früher ſo ftreitbar zu Tauſenden ſich ins Feld geſtellt, und ſelbſt auf Seefriege den Fürſten begleitet hatte, zog ſich, unjufrieden über die Vorrechte, welche die Landesfürſten den deutſchen Edlen ertheilten, aus dem Offentlichen Leben auf ſeine Hufen zurück, und fand in ſpróder dynaſtiſcher Stels lung zu ſeinen Hinterfaffen Erſat für die frühere ehrenhafte Theilnahme an den Angelegenheiten des Vaterlandes.

Die

Fürſten håtten den Fremden gegenüber ganz wehrlos dage: ſtanden , wäre mit der deutſchen Einwanderung nicht allmåh lig der lehndienſt ausgebildet worden, welcher den Krieg, wie die zeitgemäße Entwickelung

des Ritterweſens nöthig

Lehneweſen .

279

machte, überwiegend dem Adel übertrug . führung des Rehnsweſens

Aber die Durch

hat bei der verſchieden aufs

gefaßten Berechtigung des flaviſchen Adels gewiß manniga fache Råmpfe hervorgerufen , welche die Ohnmacht Barnims I. ſteigerten, und in der troßigen Abſonderung großer ſlaviſcher Geſchlechter, wie der Borfen, noch ſpåt ſich darthaten. Denn der flaviſche Udel beſaß ſeine Güter als erbliches Eigen thum ; wiewohl Fürſten, wie Kaſimir II. und Bogislav II ., " ) fich als Herren

ihres geſammten Bodens betrachteten , be:

ſchránkte dieſe Oberherrlichkeit ſich doch nur darauf, daß der Adel ohne der Fürſten Einwilligung nichts in fremde Hånde übergehen laſſen durfte , und ſogar bei Schenkungen an die Kirche die Beſtåtigung des Herzogs einholen mußte . Solches Erbeigenthum des Adels ſprachen die Borken diplomatiſch í. 5. 1297 an ; 2 ) die Abzweigungen des altfúrſtlichen Ges fchlechtes von Rügen behaupteten ſich bis ins XIV . Jahr dert in demſelben ; die Söhne Swenzas ,

obgleich ſie ihre

Güter von Waldemar lehnsweiſe empfangen , vecharrten in ſo bevorzugter Stellung, und in Hinterpommern zumal übers fam Wartislav IV. viele ſolche Freie , deren Rechte König Wenzel

von Böhmen

beſonders

in Schuß nahm , als er

Pommern - an Waldemar abtrat . 3 )

Es war deshalb keine

' ) So erlaubte Ingertis , die Wittwe Kaſimiro II. um das Jahr 1227 die Uebertragung gewiſſer Güter an das Kloſter. Dargun , welche Rochill verkauft hatte : „ partem hereditatis sue , duas uidelicet uillas Wigun et Clobutsew , quas ipse ab heredibus predictarum uillarum iure hereditario sibi suisque comparauerat , successiue licentia inde accepta a marito nostro domino Kazimaro. " Lisch Meklenb. Urkun den I. S. 36. 3 ) Gercken Cod. dipl. III. p . 84 : Protestamur quod a Marchio nibus bona nostra recepimus, que patres nostri et progenitores nobis hereditauerunt et rite et legitime possederunt. Die Borken haben ſelbſt noch im XVI. Jahrhundert die fürſtlichen Lehnsbriefe verſchmäht. 3 ) Es heißt in der Urkunde bei Gercken Cod. dipl. VII. p. 119 : sic tamen, quod terrigene et alii terre ipsius incole possessiones bona et jura sua jure quo debeant , retineant. Und gleidy darauf : sic te

Miniſterialert.

280

geringe Sache, die Beziehungen des einheimiſchen Adels nach dem Muſter des deutſchen Lehnsweſens umzugeſtal: ten , nach welchem die fremden Edelleute vom Fürſten den Landbeſig erhalten hatten .

Der ſpróde Geiſt der Optimates

und der Viri nobiles lehnte ſich dagegen auf , in die Reihe der fideles zu treten und ihre Güter freiwillig mit der fremds artigen Pflicht zu belaſten.

Darin mag denn ein Haupt : grund der Abneigung zu finden ſein , welchen der Adel

des Landes Meſtwins gegen Barnim und ſeine Söhne an den Tag legte.

Indeß ſiegte doch der herrſchende Geiſt der

Zeit ; Gnadenlehen, für Dienſte verliehen, lockten die Verme: ren ; der Reiz der Ritterwürde kam hinzu , ſo daß wir ain Ende unſerer Periode den einheimiſchen Adel als Lehnstråger der Fürſten bis auf einzelne, nicht genau beſtimmte Verhålt: niſſe erblicken . Dennoch erhielt ſich in dem Maaße der Verpflichtung

ein

Unterſchied zwiſchen feuda oblata

und feuda data , welcher ſich in der Leichtigkeit der Veråuße: rung , in dem Umfange der gutsherrlichen Rechte, wie bei den Swenja und den Borfen , erfennen läßt . Die geringe Zahl der Paſallen , mit welchen Barnim im Feide erſcheint, im Verhältniß zum geräuſchvolleren Auf: treten ſeiner Vorfahren , lehrt einerſeits die Unluſt des ſlaviſchen Adels an den Kriegshåndeln der Herzoge, und dann die überwiegende friedliche Induſtrie der eingewanderten Tandcultivirenden Deutſchen , und macht begreiflich , daß die erſten Leiſtungen des ſlaviſchen und deutſchen Lehnadels Der Stand der Mini :

nur unbedeutend anzuſchlagen waren.

ſterialen , des Beamtenadels, das adelige Hofgeſinde, bil dete überwiegend das Gefolge der Fürſten. Solche Minis ſterialen

( fideles

im

engeren Sinne , de

familia nostra ),

neant et possideant sicut per ipsum patrem nostrum et nos ipsis data sunt, ut videlicet, si jure feudi, jure feudi, si jure proprietatis, jure proprietatis habeant et possideant bona ipsa, et ea ab ipsis Mar chionibus sicut a veris terre ipsius dominis recognoscant.

Burglehne.

$

281

als Inhaber eintråglicher Voigteien und verliehener Gů: ter von dem freien landſåſſigen Lehnsadel unterſchie : den , bekleideten die Kriegs- und Hofåmter, faſt ausſchließ : lich Deutſche, von der Mitte des XIII. Jahrhunderts an, und waren , oft begriffen unter dem Namen consiliarii , immer in der Umgebung des Fürſten.

Zu ihnen gehörten

die deutſchen Burgmannen , die, weil ſie ihren Wohnſiß nicht gleich auf den gewonnenen Hufen nahmen, ſondern auf den Landesburgen, auch in den Stådten als fürſtliche Voigte im Amte ſtanden. Großere Gemeinweſen erledigten ſich geitig ſolcher unmittelbaren Diener des Landesherrn ; zulegt ſehen wir die Voſſe in Haus Demmin ; bis auch ſie ſich allmålig auf den , ihnen als Sold zugewieſenen , Aeckern Hofliße errichtes ten oder im Lande größeres Eigenthum erwarben. Empfingen die Burgmannen ſolche Ackerſtůcke, welche ihnen urſprünglich als Sold angewieſen waren, zu lehn , ſo entſtanden daraus die Burglehne , wie zu Gůglow , da auch dynaſtiſche Ges ſchlechter, wenn ſie Aftervaſallen befaßen , in ihren Burgen das Beiſpiel des Landesherrn nachahmten. Die Zahl der engeren Dienſtleute war zumal im landfeſten Fürſtenthum Rügen nicht gering , da wir zu Folge des Vergleiches Wik: lavs mit Demmin v. I. 1307 allein in den Voigteien loiſ und Grimmen fünf fürſtliche Burgen finden .

Nad und

nach verſchmolz aber, wie im álteren Deutſchland , der Unter: ſchied zwiſchen ſolchen Miniſterialen und dem freieren Lehnss Adel, ſo daß wir nach dem Maße der erlangten Ritterwürde bald nur milites, domini, Ritter, und armigeri, famuli, Knap pen finden . Alle unterwarf die Praxis in den Tagen , als Wartislavs IV. und Barnims III. ritterliche Perſönlichkeit den trågen, verdroſſenen oder erwerbthåtigen Sinn des Adels zu ehrenhaften Fehden lockte, gleicher Verpflichtung : unter das Banner des Herzogs fich zu ſtellen, im Lande zur Auss führung der landesherrlichen Acht Folge zu leiſten ;

Hof

und Ehrendienſte zu übernehmen , durch Einlager mit

282

Lehndienſt.

ihrer Perſon das Verſprechen ihres Landesherrn zu verbůr gen , wie wir ſo oft in den mårkirchen , meklenburgiſden, dåniſchen und werleſchen Håndeln geſehen haben ; endlich ihre Burgen , dergleichen ſie ohne landesherrliche Erlaubniß nicht bauen durften, ihm offen zu erhalten und das Beſaßunge: recht oder das perſönliche Einlager daſelbſt ( jacentia) zu geſtatten . ') Als Maaß der perſönlichen Leiſtungen im Roßdienſte, worauf die geſammte Kriegswehr des Herzogs beruhte , da den Bürgern , wie wir falen , großentheils nur die eigene Vertheidigung überlaſſen blieb und das Aufgebot des Land: volkes als fußgånger zur damaligen Kampfweiſe wenig geeignet war , galt grundſåglich die Zahl der Ritterhufen d. h. derjenigen Aecker, welche die Edlen unter dem eigenen Pfluge hatten , nicht die Ritterwürde, obwohl dieſe gemeinhin ohne bedeutendes Vermogen nicht zu erlangen ſtand. Kleis neren Gutsberigern lag auch eine kleinere Verbindlichkeit ob , ſo daß mehre

von ihnen zum

gefeßlichen

eines ganzen Roßdienſtes zuſammengeſtellt wurden. ) XIV . Jahrhundert trat jedoch

bei geſteigerter

Maaß Im

Waffenluft

der Maaßſtab des geſammten Beſitzes und Vermögens ein, ſo daß wir in dieſem Jahrhundert zu den größeren Va: fallen die ſonſt faſt unmittelbaren Nachkömmlinge der für: ſtenfamilie, die Grafen von Güßkow , die Putbus und Griſtow ,

' ) Als die Vaſallen im Lande Ravenſtein mit dem Herzoge fidy aud föhnten (Schwarß a. a. D. S. 352), heißt es in der Urkunde : si quas (munitiones) in dominio eorundem dominorum nostrorum inposte rum licentia et favore ipsorum edificavimus ad omnes suas necessi tates in aditum et exitum eorum in eisdem moram et jacentiam fa ciendo et habendo ad defendendum se contra quoscunque etiam

aperire velimus ipsis et debeamus. Streng hielten die Markgrafen auf das Recht, daß nicht ohne ihre Erlaubniß Burgen gebaut wurden. 2 ) So nad der unvollſtändigen Roßbienſtmatrikel Rügens 5. 3. 1320, thaten die Hurol und Buren zuſammen einen Dienſt. Illi de Gristow erſchienen dagegen cum tribus dextrariis.

Lehndienſt.

283

welche leştere mit drei Streitroffen ſich einſtellten, die Neuen: burg und die Borken rechnen können ; in die zweite Klaſſe die reichbegüterten Grundherrn, deutſcher und flaviſcher Hers funft , zu rechnen find, wie die Behr , Dimit , Schwerin , Lepel , Flemming , Bugenhagen , Eickſtedt, Heiden , Malgan, Manteuffel, Ramel, Bilow , Heidebreck und viele andere noch vorhandene Familien , und die dritte Klaſſe den minder begüterten Adel umfaßte , dem ſelbſt ein einzelner Robs dienſt zu ſchwer war.

Die ſtåndiſchen Rechte dieſes Adels dem Fürſten gegen : ůber haben wir in dem Erbtheilungsvergleiche v . I. 1295 , in der Einigung Wiglavs III. und Wartislavs IV. mit dem lande, und in der Befugniß, welche Otto und Barnim wåh: rend der Unmundigkeit der Sohne Wartislavs den Unter : thanen jener einzuräumen genöthigt waren, erörtert. Da der Klerus mit Ausnahme des fürſtlich begåterten Biſchofs , der ſeine eigenen Vaſalen unter ſich hatte , und dieſelben vertragsweiſe dein landesherrn zuführte ,

feinen

Lehnsdienſt leiſtete; dagegen oft in Beſitz von Lehngütern trat ; mußte entweder der Verkäufer den Dienſt auf ſeine anderen Güter mit übernehmen , oder erließ der Fürſt den Manndienſt ganz gegen Erlegung der Lehnwaaren, d . h. einer beſtimmten Summe, zahlbar bei jeder Erneuerung des lehns. Stådte , Bürger oder

Gemeinweſen

erwarben

Lehngüter,

anfänglich nach lehnrecht, und waren zu Dienſten vers pflichtet; ſpåter , wie Stralſund in Wiglavs legten Jahren, nach Stadtrecht als freies Eigenthum. Obgleich vertragsmåßig von Landwehr und Heerſchild entbunden, ſahen wir doch freiwillig die Bürger die Ver: theidigung des Rechtes ihrer Fürſten gegen die fremden zu einer Zeit übernehmen , als der größte Theil des Lehnsadels, wie die Grafen von Gůşkow , die Griſtow , die Voigtei: geſeffenen in Grimmen und Tribſees , mit dem Feinde ge: meinſchaftliche Sache machte.

284

Der pommerſde Adel. Aber wenn auch das deutſche Lehnsweſen in Pommern

theoretiſch mit dem Anfange des XIV . Jahrhunderts ans erkannt war , und der feindliche Konflikt mit den Mår : kern , die friedliche Berührung mit vielen andern deuts Toen fåndern, in denen das Ritterweſen ſeinen eigenthảm lichen heroiſchen Charakter

entwickelte,

wie jede andere

Erſcheinung des mittelalterlichen Lebens , ſo auch die Hie : rarchie des Ritterthums nach Pommern gebracht hatte ; müſſen wir doch geſtehen , daß der Geiſt der Chevalierie in ſeiner Aufopferung für idealere Zwecke, für die Ehre des landes und der Fürſten Wohlfahrt , unſerem pommerſchen Adel fremd blieb, und daß nur einige Perioden fich finden , in welchen die gebieteriſche Perſönlichkeit der Herzoge ihn über die Proſa ſeines Landjunkerdaſeins oder über trogige Weiſe der Selbſthülfe gegen Nachbarn, oder über Auflehnung gegen die gehaßten Stådter erhob.

Die von ganz Deutſch

land zugeſtandene und belobte Soldatennatur des pom : merſchen Adels erſcheint erſt ſeit zwei Jahrhunderten in der Kriegsgeſchichte.

Der Glanz der Tage Wartislavs IV.

und Barnims ging vorüber , und die alte Indolenz und Selbftſucht trat wieder ein ; Bogislavs X. heldenmüthiges Beiſpiel im Kampfe gegen die Hohenzollern verlor die Kraft ſchon für die nächſten Geſchlechter; der ſtreitbare Adelsſinn, welchen die Reformation wieder entzündete, erloſch ſchmach : voll mit der ruhigen Zeit nach dem deutſchen Religionsfrie: den ; während deſſen aus Pommern nur einzelne unruhige Abenteurer , die Märker und Sachſen dagegen zu Tau : ſenden , den bedrångten Huguenotten zuzogen. Beim Beginne des dreißigjährigen Krieges rehen wir den pommerſchen Adel und

mithin Pommern felbft , in einer wahrhaft klågs

lichen Wehrloſigkeit , und erſt als Karl Guſtav, Karl XI. und Karl XII . , und der Kurfårſt Friedrich Wilhelm Gebieter des getheilten landes geworden und großartige Staatszwecke vor Augen ſtanden , beſonders in den Tagen Friedrich Wils

Der pommerſche Abel.

285

helms I. und Friedrichs II. , ſehen wir den Adel Pommerns zu einem Kriegerberuf fich erheben , welchem nach Ver håltniß der Bevölkerung keine andere Provinz des preußiſchen Staates , ſelbſt nicht die Marken , ſich gleichſtellen konnte ! Der flaviſche Adel hatte fèine Ehrenzeit in den unglücklichen Kriegen mit den Dånen å berlebt ; uralter Hang und die Natur des Bodes , To, wie das Zerwürfniß mit dem ans maßungsvollen Deutſchthum wies ihn aus dem unmittels baren Staatsleben auf die Scholle zurück ; der eingewan derte Deutſche kam nicht, ſich im Streit der Fürſten den Hals zu brechen ; er wollte erwerben ; und die ländliche Thätigkeit, im Kampf mit den natürlichen Hinderniſſen, hielt ihn dem öffentlichen oder gemeinſamen Intereſſe fern . So mangelte dem pommerſchen Adel jener lebendige Ge . ſchlechts- oder Corporationsgeiſt, in welchem der deutſche Adel im alten lande, ſelbſt im preußiſchen Ordens: ſtaate, rein inn erſtes Leben fand ; er zerſplitterte die Kraft im

engſten Kreiſe reiner Umgebung , und konnte felten zu

einem gemeinſchaftlichen Streben ſich aufſchwingen. Solche ſpróde Vereinzelung lehren die Urkunden aus den ålteren Tagen des neuen Vaſallenthums; in ihnen erſcheinen nur wenige deutſche Namen als Beamte und Würdentrå : ger, Miniſterialen ; ſelten flaviſche Namen .

Selbſt als eine

drangvolle Gegenwart wie zur Zeit Wartislavs IV. , Wiß lavs III. und Barnims eine ſtrengere Einberufung der Lehns: pflicht forderte , finden wir , daß manche Geſchlechter nicht nach Johannis , alſo nicht mehr vor der Heuerndte , auf geboten werden konnten ; ein einzelnes Geſchlecht im land: feſten Fürſtenthum Rügen beſaß ſogar das Vorrecht nur bis Faſtnacht zu dienen , ' ) wo die Feldarbeit kaum begann. Bogislav IV . mußte das Land Stavenhagen an die Herren

1 ) Dähnert fortgeſeßte Urkundenſammlung I. S. 910 nach der Maa trikel von 1320.

Kriegøpflidyt des Abels.

286

von Werle verpfånden , um Kriegsvolk gegen die Markgra fen zu gewinnen ; Herzog Otto von Stettin i. I. 1312 ſich um fchweres Geld von Markgraf Waldemar zwanzig Ritter verſchreiben laſſen , um den Ungehorſam der Schwerine zu båndigen ! und Wißlav III . , von einem Theile der Vafallen befehdet, war den fremden zu unerſchwinglichem Solde verpflichtet ! - Aber eine tüchtige kriegeriſche Fürſtennatur zeigt auc hier ihre Gewalt über die trågen Gemüther ; Martislav IV. fand in feinem Rampfe für die mårfiſche Vors mundſchaft das Mittel des Sieges allein

in dem Roßs

dienſte, da die Städter von ſolchen Eroberungskriegen ſich ihrem Rechte nach fern hielten.

Freilich kam das Aufgebot

ſeiner Lehnsleute zu einem Kriege , deſſen Früchte zeitig entfowanden , ihm theuer zu ſtehen , nady Verhältniß der Koſtbarkeit der Ausrüſtung der Vafallen an Roß und Mann. Jeder der landgefeffenen Vaalen zweiten Ranges erſchien mit zwei bis drei reiſigen Knechten ſeines Geſchlechtes, ju ſammen etwa

mit vier Pferden , indem der aufgemahnte

namhafte Vaſal auf der Wegefahrt ſeinen Klepper (equus ambulans) ritt und erſt im Gefecht ſeinen Streithengſt be ſtieg. ' )

Wenigſtens iſt in den vorhandenen Koſtenverzeich

niſſen fein Vafall mit mehr als drei Pferden aufgeführt. ? ) Edle , welche nur Knappen waren , ſtellten weniger , gewiß, weil ihr geringeres Maaß von Vermogen ihnen die Erlan

? ) Aus der Berechnung des Schadens, welchen die pommerſden Vafallen bei Eroberung der Udermark und Neumark erlitten (Dreger nr . MCCCLXX.; MCCCLXXII.), entnehmen wir anziehendes Material für die vorliegende Schilderung. Dominus Johannes Kölner perdidit ante castrum Sarnow equum ambulantem de XIII. Mr. Sarnow ſüd weſtlich von Anklam. 2 ) So verlor Thyd. Lepel dextrarium in bello Nigensund (bei Straßburg) de CC. Mr. Idem perdidit ibidem II. equos de LX. Mr. Vromoldus de Wotfic (bei Piriß) et filius suus perdiderat dextrarium de XXXV. Mr. argenteis et caballum de X. Mr. et III. equos de XV. talentis Brandenb .

Landesaufgebot.

287

gung und Behauptung der Ritterwürde erſchwerte , zumal die Knappen im Solddienft auch weniger Sold erhielten. Den leichtern Dienſt zu Wartislavs Zeit leiſteten wahrſchein : lich

die unvermögenden Vafallen

nur mit einem leichten

Pferde, da die Ausrüſtung eines bedeckten Streithengſtes und voller Waffen weit über das Verhältniß des måßig begüters . ten hinausgeht , wie wir ſehen werden ; ein leichtes Pferd ſtellten auch adelige lehnſchulzen. Im Heere der Markgra fen finden wir , nach oberdeutſcher Art , zeitig die volle Glede ( lanze) erwähnt.

Zu welcher Zahl

von Pferden

die verdeckten Streitroſſe anzunehmen ſind , welche die für: ften in

ihren Bündniſſen ſich ſtellten , iſt nicht ausgemacht;

1 mindeſtens gehörten dazu drei , wenn die Helme nicht bes ſonders genannt wurden . Die langſamkeit des erſcheinenden Uufgebotes nach der Mahnung von wenigſtens vier Wochen und die kurze Dauer der Verpflichtung erſchwerte den Gebrauch der Lehn miliz , und legte den landesherren låſtige Feſſeln in feinen Kriegsplånen auf, zumal da die Bafallen nur wenige Meiz len über die Grenzen hinaus aufgeboten werden konnten, wenn nicht ein beſonderer Vertrag des Fürſten , wie Barnims mit den Markgrafen 1278 in der magdeburger Fehde , die: ſelben gebunden hielt ; in welchem Falle er dann ſeinen Va . fallen vielartige Begünſtigungen und Zuſicherungen geſtatten mußte.

indem herfómmlich der Landesherr verpflichtet war,

ſeinen Vafallen den Schaden an Waffen , Růſtungen und Pferden zu bezahlen ; ſie aus der Gefangenſchaft loszukaufen, ſelbſt in ferneren Zügen den Unterhalt für Mann und Thier vom Muſterungsplaße aus zu beſtreiten ; bleibt die geringe Zahl der Roſe , mit welcher unſere Fürſten den Nachbarn dienten, und die Beſchwerlichkeit jener Kriegführung übers haupt erklärlich , und lehrt , wie die Herzoge auch

nach

glücklichen Zügen in Verarmung gerathen konnten . Die

Löſung der Gefangenen .

288

ldſung ' ) eines Gefangenen foſtete ungeheuere Summen ; um Heinrich Boekemann, 2 ) welcher ſich ſelbſt frei gekauft hatte, zu entſchädigen , mußte ihm Wiglav III . fürſtliche Einkünfte bis zur Höhe von 800 Mark verpfänden ;

die gefangenen

Ritter und Knappen , welche im ſtralſunder Kriege in die Gewalt der Bürger gerathen waren , mußten ſich zuſammen zu einer Summe von 8000 Mark verpflichten ; Henning Bus genhagen , in der uckermårkiſchen Fehde bei Straßburg ges fangen, hatte 500 Mark als löregeld und obenein den Unter: halt für ſeine Perſon in dem Gefängniß, 30 Mark, zu for: dern. 3 ) Gewöhnlich mochten die unglücklichen Kämpfer fürs erſte fich auf eigene Koſten freikaufen ; aber ihre Anforde: , Stande , ſolche Barſchaft aufzubringen , nur durch Güter: verleihungen oder Anweiſungen auf Gefälle die Gläubiger befriedigen konnten.

Der Erfaß für die verlorenen Streits

roſſe und die Pferde überhaupt verurſachte dem lehnsherrn ungeheuere

Einbuße , da der Werth und

die Ausrüſtung

kriegstüchtiger Roſie ſich gegen andere Dinge unverhåltnißs måßig geſteigert hatte.

Wartislav bezahlte dem

Wedege

Bugenhagen für einen Streithengſt 300 Mark; der Gaul

' ) Daß ſolche Entſchädigung Princip war, giebt die Urkunde Otto $ 1. über die Verleihung des bugewißer Lehns an Anklam zu erkennen. De bemus etiam Burgenses dicte Civitatis, si in nostro capti fuerint servitio tanquam alios nostros Vasallos redimere et res videlicet equos et arma, que cum capti fuerint perdiderint solvendo restaurare. Stavenhagen Geſch. von Anklam S. 355 nr. XLII. Bei dem Aufgebote binnen Landes mußte der Vafall fich auf eigene Koſten verpflegen. In Waffenbündniſſen wird immer erwähnt , da die dem Bundesvera wandten zugeſchidten Reifigen von der Grenze deſſelben ab auf deſſen Koſten und Gefahr dienten. 2) Urkunde bei Dreger z. J. 1317. 3 ) Dreger nr. MCCCLXXII. Stennike Buggenhagen captus fuit XXX. Mr. consumpsit in Cippo medio tempore ante Straseburg. quo fuerat captus. Item CCC . Mr. Slavicalium denariorum pro lis beracione sue captivitatis.

289

Koſtbarkeit des Kriegsdienſtes.

eines Knappen galt 10 Mark Silber , und ein gewöhnlicher Klepper für einen Knecht 15 bis 30 Mark Pfennige. So wenig wir nach aufgefundenen Waffenſtücken berechtigt ſind, anzunehmen , daß im XIV. Jahrhundert foſtbarer Waffens ſchmuck , etwa mailåndiſcher, in unſerem lande bråuchlich war ; ſo kommen doch Entſchädigungen eines einzigen Vas fallen in der Höhe von 30 Mark Pfennige vor, woraus wir auf den Werth ſelbſt dieſer Siſengeråthe ſchließen können. Daß die Vafallen , wenn ſie für den Fürſten das Eins lager' leiſteten , auf deſſen Koſten zehrten , war der Natur der Sache gemäß , wie denn Heinrich

von Grambor dem

Herzog Wartislav für ſeinen Aufenthalt in Prenzlau 4 Marf und in Paſewalk 18 Mark berechnete; aber ſelbſt die Heis lung und die Pflege empfangener Wunden mußte der Herr beſtreiten , wie z. B. ein Vafall i . F. 1320 fünf Mark fors derte , quas dedit pro vulneribus curandis ! Die nationalen Kriege Englands und Frankreichs fannten dergleichen unrits terlichen Brauch nicht. Aus allen dieſen Umſtånden ermeſſen wir, daß der Roß dienſt ſowohl dem Landesherrn als dem Bafallen eine ſehr foſtbare Sache war ; und

daß

legterer ,

ſelbſt wenn er

ohne zufälligen Verluſt unter dem Banner geſtritten hatte, ſein Vermogen merklich anſtrengen mußte , und dafür billige Berückſichtigung bei allgemeinen Landeslaſten erwarten durfte, die ihm auch zu Theil wurde. Mit dem Fortſchritte der deutſchen Coloniſation gegen die Mitte des XII . Jahrhunderts hatte der Census manso rum , welcher nach flavijchem Herzogrechte von fåmmtlichen Beſitthümern

gegeben wurde , ſeinen

Charakter

als einer

öffentlichen Paft verloren ; gewann ferner der landesherr eine entſchieden verånderte Stellung, ſeinen deutſchen , dann auch ſeinen flaviſchen Unterthanen gegenüber , und bildeten die Beden (die exactiones precariae) ſich erſt all: målig als feſtſtehende Beſteuerungsart der verſchiede: 19 Barthold Geich. v. Pomm, III,

Exactiones precariae.

290 nen Klaffen heraus.

Weil die neue Kriegsverfaffung ,

der

fehndienſt, die Inſaſſen des Antheils am Kriege überhob, daheimgebliebenen gleichſam die Heeres: pflicht zu ldren, wofür der Ausdruck ordináre Bede ſtehend

hatten jene

blieb , ſelbſt als eine Art derſelben eine jährliche Pflicht der Grundſtücke geworden war.

Um ſo weniger durften

deutſche und flaviſche Unterthanen ſich der Folgeleiſtung gegen die Bede weigern, als die einen das Bederecht der Fürſten aus ihrer Heimath als Gefeßliches mitgebracht hatten, und die lcgteren an die alte , formloſe Collecta und militais riſche Anforderungen der Fürſten gemdhnt waren . In den Marfen ward ſchon i. 7. 1280 und 1281 nad Ueberein : kunft das im

Kriege wiederholt nöthige Bederecht in eine

jährliche Abgabe umgewandelt ; ein ſo geregelter Hers gang låßt ſich in der Entwickelung der ordentlichen Bede jedod in Pommern nicht nachweiſen. mit der erſten

Obgleich der Adel

Entwickelung des Feudalweſens zeitig die

Doppelheit der laſt aufzufaſſen wußte: fich zum Striege zu ftellen , und jene Kriegsſteuer zu zahlen ; ward ihm dod die precaria als herfommlid gewordene und anec : fannte Kriegsſteuer zu leiſten noch auferlegt, welche nur der form nach von ſeiner Bewilligung abhing. ' ) In folge der Begriffe ſtrebten die dienftpflichtigen Erleichterung in Betreff der ordent: eine Vafallen überall dieſer Trennung

lichen Bede zu erlangen .

So ward ſchon i. I. 1275 dem

Geſchlechte der Behren wegen feines im Dienſte der Fürſten

a ) So heißt es in der Urkunde Barnims v. I. 1278, in welcher er fidh zur Beihülfe für den Strieg der Markgrafen gegen Magdeburg ber pflichtet (Th . II. Anhang ): Preterea si precariam in terra nostra de creverimus postulare; hominibus Domini nostri Marchionis, qui bona et pheoda a nobis tenent ad nostram presentiam invitabimus peten dam precariam declarando et siue uenerint siue non petita precaria communiter fuerit acceptata ab omnibus persoluta homines Domini nostri Marchionis eam soluere non negabunt.

291

Befreiung Einzelner von den Beden.

erlittenen Schadens zur geſammten Hand die Precaria in allen ihren Pommerſchen Gütern in Form eines lehns erlaſſen; ' ) ein růganiſcher Edler erhielt um

Erb dieſelbe

Zeit Befreiung von der Precaria , damit er deſto beſſer dienen fónne." 2) Demnach war noch nicht grundråßlich Befreiung von der Bede als Heeresſteuer eingetreten , und konnten die Fürſten im Falle kriegeriſchen Bedürfniſſes dies ſelbe mit gewiſſer Berechtigung, im Gegenſaße von anderen Beden, fordern, und mit Bewilligung der Bafallen auch von den adeligen Hofäckern erheben.

Die dauernde Kriegsnoth

in den leßten Jahrzehnden des XIII. und XIV. Jahrhenderts ließ die

den

ordentliche Bede

allmålig eine fixe laſt der Grundſtücke werden .

erſten des als

Steuer

Auf Rügen

konnten die Fürften ſchon vor Ablauf des XIII . Jahrhuns derts die Bede von gewiſſen Gütern als jáhrlice Rente für ein beſtimmtes Kapital verſchreiben ; in der Grafſchaft Gůžkom , deren Herren, wie die Dynaſten in Hinterpommern , das Bederecht landesherrlich angenommen , geht die Regels måßigkeit dieſer Abgabe ſchon beim Jahre 1323 als unzweis felhaft hervor.

Im ſtettiner landesantheile verſprachen im

Vertrage von Stormerswerder v. I. 1319 die Vaſallen dem erwählten Schußherrn Wartislav IV . auf die Dauer feiner neben einer außerordentlichen Beiſteuer

Sewalt ,

im Falle eines Krieges, jährlich von jeder Hufe ſechs Scil

) Gefterding pomm. Magaz. VI. S. 78. Barnim et Bogutzlaus contulimus fidelibus nostris militibus dictis Ursis , nec filius eius non heredibus eorundem , manu coniuncta precariam exactionem in bonis ipsorum , que a nobis in nostro dominio possident atque tenent , in verum feudum et legale perpetuis temporibus possiden dam , et si bona ipsorum deuenire contingeret ad alterius domini potestatem in feudo dicte precarie exactionis non debent aliquatenus impediri cum ipsorum damna propter nos passa cum ipsa exactione precaria compensamus . 2 ) Sdwars Lehnshiſtorie S. 251 . 19 *

Befreiung Einzelner von den Bebert.

292

linge in zwei Zahlfriſten , ') welche Summe wahrſcheinlich die hergebrachte landbede war , welche, obgleich rchon eine jährliche Gewohnheit geworden , dennoch formell von A18 der ers * der Bewilligung der Parallen abhing. ? ) wachte Kriegsmuth unter Barnim III. die Heerfahrt erleich : terte ,

trat

die

Zeit

der

Freilaſſung

der

Vafallen

von

dieſer Abgabe in ſo fern ein , daß ſie ihre Hofå der bedes frei erhielten ; bald aber gewannen ſie Gelegenheit fich ganz zu entbården , indem ſie durch Bedefreiheit für ihre Anſtrens gung im Kriege Entſchådigung in Form eines Lehns erhielten .

So fiel die ordentliche Bede allein als laſt dem

Hinterfaffen zu , da die Städte , wenn ſie je die ordentliche Landbede unter folchem Namen gegeben , dieſelbe mit ihrer Drbar vereinigten , oder gegen ein Kaufgeld die Verzichtleis ftung des Fürſten erwirkten . Nach uraltem Recht war der Klerus gemeinhin von der Bede befreit ; 3 ) obenein hatte augenblickliche Bedrångniß der

) Dreger nr. MCCCXXV. Pro eo autem quod Dominus War tislaus de hujusmodi tutela et labore se intromisit, nos dabimus ipsi singulis annis quibus hec tutela duraverit de quolibet manso sex solidos denariorum in duobus temporibus anni. 2) Nad dem Vergleiche Wartislavs IX. mit ſeinen Ständen vom Jahre 1421 wurde als Bede jährlich um Weihnachten gegeben : für die Landhufe 1 Mark , für die Hägerhufe 2 Mark u. f. w . Einerſeits hatte der Saß im Laufe eines Jahrhunderts fich geſteigert; andererſeits war die Mark Pfennige geringhaltiger geworden. Nod 1421 hieß esi alle Hoven de de Bede plegen tho gevende wenn de Herren bidden Bede over de Lande. Gerdes Außerleſ. Sammlung I. Ausfert. Urk. V. p. 9. Weil die Zahl der bebauten Hufen das Grundmaaß der Bebe war, finden wir ſo häufig der Nachmeſſung der Hufen von Seiten des Landesherrn erwähnt, indem im Laufe der Jahre von einzelnen Beſißern eine größere Zahl urbar gemacht war, als ſie nach altem Bebenſas verſteuerten. 3 ) In ſeinen Nöthen hatte Barnim vom famminer Stifte auf ſeine Bitte die precaria auf deſſen Gütern erlangt; im Jahre 1261 ſtellt er dem Kapitel die Urkunde aus : Decanus et Capitulum ecclesie Ca minensis in articulo nostrae necessitatis in precariis de bonis sue ecclesie nobis subuenerunt sicut precibus nostris ab ipsis pote

Freiheit bes Alerus von der Bede.

293

Fürſten , Geldmangel, nach und nach den Kloſtern den Nießs brauch der Bede als Pfand für ein Darlehn ſelbſt auf frem den Gütern zugewieſen.

Als nun ſogar der Grund herr das

Bederecht erlangte, und, wie anfangs ausſchließlich die gros Ben Vafallen , die Grafen von Güßkow und Neuenburg und ihres Gleichen , in ihren Låndern außerordentliche Hebungen der Art ausſchrieben, ſank die Heerſteuer, ſo vielfach an Pris vatleute

übergegangen

Domanialgefålle

und zerſplittert, zu einem bloßen herab ,

und

war

in der Mitte des

XV. Jahrhunderts auf dem landfeſten Rügen , ſo wie die höhere und niedere Gerichtsbarkeit , das Attribut ausges dehnter gutsherrlicher Gewalt. Neben dieſen ordentlichen Sandbeden, deren Entwices lung als einer Steuer wir, ausreichend für unſeren Zweck, bis zur Periode ihres Unwerthes für den Landesheron ans gedeutet haben , wiederholten ſich ſchon in alter Zeit andere Beden, petitiones exactoriae, importunae exactiones, lands fchoß und dergleichen als Princeſſinſteuer, zur Wehrmachung der fürſtlichen

Söhne , auch für

den Fall der Uusidſung

ramus obtinere. nichil in his nobis iuris ascribimus siue vendica mus. sed de eorum benignitate ista vice concessum de gracia repu . tamus eisdem nos ad similia obligantes. cum ab ipsis fuerimus in eorum necessitatibus requisiti. Asserimus preterea et presenti pagina protestamur. quod nos vel successores siue heredes nostri de preca riis siue exactionibus siue serviciis de cetero prefatam ecclesiam et homines ipsius inquietare siue quoquomodo perturbare nolumus nec debemus , protestationem facientes quod ipsa ecclesia a predecessori bus nec non a nobis a dictis precariis talliis et exactionibus " libera sit et exempta. et eam in eo statu volumus perpetuo permanere si cuti volumus vltionem diuinam perrhenniter euitare. Urk. bei Dreger nr. CCCXXXI. Otto und Barnim hatten 1333 die Güter des Kloſters Dargun, welche in Pommern lagen , mit Hebungen belaſtet; ſie waren darüber in Bann gerathen ; auf Vermittelung des Herrn Johann von Werle erhielten die Herzoge auf Lebenszeit von jeder urbar gemachtert Şufe des Kloſters, welche in ihrem Lande lag, 24 Schillinge und 3 Schefs fel Korn. Dreger z. f 1333 nr. X. und z. J. 1334 nr. II. Bogise lavs IV. Abkommen mit dem Biſchof *. I. 1308 kennen wir.

Außerorbentliche Bebent.

294

fürſtlicher Perſonen aus der Gefangenſchaft. “ ) Auch dieſe außerordentliche Bede , welche am långſten der Bewilligung der Landſtånde bedurfte , entwickelte ſich im Laufe der Wies derholungen als unabhängig vom guten Willen und von der Zuſtimmung der Unterthanen ; folchen Steuern, welchen Nas men ſie immer tragen mochten , unterlagen die Stådte ſo: wohl wie Adel und Hinterfaffen , zumal ſcheinen die Stådte, mit der ordinairen Bede nicht betheiligt , folchen die Perſon des Fürſten betreffenden Bedürfniſſen am gefügt zu haben.

willigſten ſich

Auch hier legt die Stufenfolge ſich dar,

welche durch die ganze Finanzgerichte hindurch geht : daß

außerordentliche Steuern ,

ſo ſcharf

anfangs

bedingt

von der Bewilligung der Ståndé , aus der Gewährung den Grund der Nothwendigkeit und Unerlåßlich : keit zogen . Wir ſahen, wie das urſprünglich gebundene Bechålt: niß

der neugegründeten

Städte nach

der

Ertheilung des

läbiſchen Rechts immer machtvoller der Entwickelung zu Freiſt ådten entgegenging , indem das lůbiſche Recht, wels ches nach landesherrlicher Vergünſtigung , wie zu Stars gard i. J. 1292, mit dem magdeburger vertauſcht wurde, nicht allein Beſtimmungen des peinlichen Rechts und des

Privatrechts

einſchloß ,

Verfaſſung überhaupt galt.

ſondern

als

bürgerliche

Dieſe lůbiſche Verfaſſung

ficherte aber zunächſt dem Rathe eine faſt ausſchließlich ariſtokratiſche

Herrſchaft ;

der

Ausdruck

unſere

Bürger " war in der erſten Zeit faſt gleich bedeutend mit unſere Unterthanen; im zweiten Stadium der ſtådtiſchen

* ) Die Prenzlauer wurden i. . 1282 ( Sedt a. a. D.) von folder petitio exactoria um eine namhafte Summe befreit. Dbgleich folge Urkunden aus früherer Zeit für Pommern fehlen , wurde jedoch gewiß si contigerit aliquem ex fratribus aut filiis principis ad militiam promo veri vel thoro legitimo copulari, eine Bebe geforbert, zumal aud int Meklenburg dieſer Brauds alt war.

Städtiſche Verfaſſung.

293

Der Boigt.

Ontwickelung hieß es in Stralſund von 1236 an) : „ wir Rathsherren und die Gemeinde; " eine getheilte Macht, welche erſt im Laufe des XIV . Jahrhunderts , nach dem Vorgange oberdeutſcher Stådte , der ſtürmiſche Vers ſuch der Zünfte, in allen Angelegenheiten des Gemeinweſens vertreten

zu

werden , in

Gefahr brachte.

XIII . Jahrhunderts behauptete ſich

noch

Während des überall

an der

Spige des Rathscollegiums der landesherrliche Voigt, welcher außer der Juſtizpflege urſprünglich auch die allges meinen äußeren Verhältniffe der Stadte leitete ; er richtete nebſt zwei oder mehren Rathsgliedern als Sodffen in feiers licher Deffentlichkeit auf dem Markte in einem Gehege, tela des der lůbiſche Baum hieß ; ſpåter unter der Halle des Rathhauſes ( laube). Zwar galt in den bevorzugten Stådten das läbiſche Recht und als deſſen höchſte Inſtanz der Rath zu Lübeck; da jedoch das ſchwe riniſche Recht an manchen Orten nicht ganz außer Brauch gereßt war , und in mans chen Städten , wie Güßkow , ſchweriniſches Recht, läbiſches und Burg - Recht, wahrſcheinlich eine herfömmliche Rectos beliebung, neben einander beſtanden , ſo gab es in alteſter Zeit, ſelbſt in Stralſund, ein beſonderes Gericht, welches nach fchwerinifdem Recht entſchied, wahrſcheinlich für die Vors ſtådte, für die Ortſchaften und die Feldmark, alſo „außer's halb Rennebaumes ." 1 )

Jährlich auf Heilige drei Kids

nige, oder auch dreimal des Jahres, wurde das große Etting ( Echteding ) ?) angeſagt, wo ſowohl der Blutbann gehands habt wurde , als auch der Rath

eine Reſervation

ſeiner

Gerechtſame einlegte , und ſich der Klage der Bürger über Unrecht und Beſchwerdung während des verfloſſenen Zeits raums freiſtellte.

Weil das Umt des Obervoigtes, dem der

Scarfrichter als der nächſte ſtand und ſogar nac alts

' ) Brandenburg Geld . des Magiſtrates S. 26. 2) Daf. S. 4.

Der Voigt

296

deutfcher Weiſe das Recht ausübte , bei der Umfrage die peinliche Strafe zu beſtimmen, zeitig als etwas gehålliges erſchien ; ferner die Gewalt des Obervoigtes zu den Hånden des Landesherrn mit der erwachſenden hans fiſchen Selbſtändigkeit der Stadt in Widerſpruch trat ; er: langte Stralſund i. I. 1319 , die anderen Städte Rügens i. I. 1325 die Vergünſtigung, daß keine ihnen widerwår : tige Perſon dazu beſtellt werden ſollte. So überlebte fic das Anſehen dieſer landesherrlichen Beamten ſelbſt, da dar ſelbe nur für die Anfänge der Stådte berechnet war ; in måchtigen Gemeinweſen ward die Voigtgewalt bürgerlichen Familien zu lehn gegeben, oder verpfåndet, ſo daß z. B. in Stralſund nur in der Benennung des Gerichtsvoigtes oder des mit der Leitung des Gerichts betrauten Rathsmits gliedes die Erinnerung an denſelben erhalten iſt. Greifs : wald, in welchem don frůh ein beſonderes Rathsgericht ers ſcheint, erlangte i. f. 1322 von Wartislav IV. das Recht, ohne Anfrage beim Fürſten den advocatus minor zu regen ; ' ) . 1327 geſtatteten Otto und Barnim als Vormůn:

und i .

der ihrer Vettern, daß der Rath in allen Städten, mit Zu ziehung des Obervoigtes, die Untervoigte erwählte. ? ) Zufolge alten läbiſden Brauches ergånzte der Rath , der bei Entſtehung der Stadt vom landesh eren berufen war , ſich

ſelbſt;

nach

einer

Grundbeſtimmung deſſelben

waren nur die in den Städten anſåſſigen Adeligen und Kaufleute wahlfähig ;

nur ſie bildeten die Bürgerſchaft;

die Handwerker als „ Umtlåde" von dem Rathe ausſchlies fend. Dennoch hat ſich in unſeren Stådten , Kolberg etwa ausgenommen, :) feine Patrizierherrſchaft gebildet , ſo viel ' ) Roſegarten Denkmäler I. S. 11 . 2) Dähnert Landesurkunden I. S. 427. 3 ) Kolberg verfiel, aller Vorſicht ungeachtet, blutigem innerem Zer würfniß und äußeren Fehbert, weil Lehnbegüterte fica bem Rathscollegium unb ber Bürgerſchaft aufdrängten . Gewarnt burde erfahrene Gewalt

297

Die Rathmännner. ritterbärtige Familien in Stralſund ,

Greifswald , Anklam ,

Demmin , Stettin , Stargard die Rathswürde

bekleideten ;

zum Unterſchiede der oberdeutſchen Stådte, wo, wie in Erfurt, ſchon zu Anfange des XIV. Jahrhunderts der

Uebermuth

der Geſchlechter, ihre „ Geſchelle, " den mörderiſchen Geiſt der Auflehnung unter den Zünften weckten . Gegen das Ende des XIII. Jahrhunderts war ziemlich

allgemein

die Zahl von

24 Rathmånnern oder consules feſtgelegt, deren Amtsführung drei Jahre dauerte . )

Die jungen Mitglieder bildeten als

das erſte Drittel im erſten Jahre den neuen oder eintre tenden Kath ; im zweiten Jahre den fißenden, welcher mit dem neuen die Geſchåftsführung theilte, und wurde im drit: ten Jahre als alter Rath nur in wichtigen Fällen zuge: zogen. Dieſer Wechſel oder die „ Umſeßung“ fand in Greifs: wald nach feierlicher Rathsmahlzeit zu Michaelis ſtatt; ? ) in Stralſund ging bei lebenslånglicher Anſtellung die Um ſegung des Rathes nur in einen Wechſel der Obliegenheit der einzelnen Glieder über . Die Leitung der

einzelnen Rathsgeſchäfte hatten die

Proconsules, Bürgermeiſter, deren Amtstitel ſoon 1303 in

that faßte der Rath im Jahre 1361 den ſtrengen Beſchluß dat nymand schal Hoven edder Lehngot hebben binnen dem Rade de use Bör ger wesen willen, edder syn buten der Stadt Richte. Die Nähe des adeligen Domkapitels in einer Stabt , welche ſeit alten Tagen viele mi lites castrenses zählte , endlich der Beſiß der Salinen zu Händen einer Rittergeſellſchaft mußte hier die bürgerlichen Verhältniſſe verändern . Dieſe Geſellſchaft hatte ſchon i. I. 1302 zwei Salzgrafen oder Richter; wer aufgenommen werben wollte, mußte ein beſtimmtes Bermögen haben , und tantae debet esse valetudinis ut pro viro possit ire, stare, ambulare, equitare et cetera sic ut vir facere. Nachricht vom pomm. Geſchlechte der Slievin oder Schlieffen S. 104, Anm. 2. ? ) Nur Stralſund ſcheint noch i. S. 1334 einen geſammter Rath son 31 bis 32 Gliedern gehabt zu haben ; 21 bildeten dagegen dert fißenden Rath. In Kolberg bildeten 24 Glieder den alten und den neuen Rath. S. die Urkunde bei Rango l. c. p. 230. 3) Roſegarten Denkmäler I. S. 9.

Burſprache.

298

Greifswald , und 1293 in Stralſund vorkommt. Ihre Zahl idmanft in den verſchiedenen Stådten ; gemdhnlich waren es ihrer drei. Der früheſte Ort der Rathsverſammlungen, ehe, mit den Kaufhåuſern vereint , die Rathhåuſer erbaut wurden, waren die Kirchen , wo man vor dem Rathsſtuhl nach der Morgenandacht mancherlei, auch Privatgeſchäfte, betrieb. Die Entſtehung des prangenden Rathhauſes in Stralſund haben wir berührt ; Greifswalds, Kolbergs und Stettins alte Eurien verrathen dieſelbe Periode und denſelben Gebrauch als Rathsverſammlungs-, Gerichts - Ståtten und Kaufhallen ; Star: gards Rathhaus läßt nach dem großen Brande i. J. 1637 die urſprüngliche Bauart nicht erfennen. Ein unbeſtrittes nes Vorrecht der Genoſſen lübiſchen Rechts war , nach ihrer Beliebung Statuten zu verfaſſen , welche unter der Bezeichs nung Burſprache ( civiloquium , plebiscitum , specialia arbi tria, consuetudines, Willkühr, Beliebung) Beſtimmungen über Verwaltung, bürgerliche Verfaſſung , peinliches Recht und Polizei enthielten.

In der Mannigfaltigkeit und Abweichung

dieſer Artifel bethårigte ſich das bürgerliche Behagen , wels ches nur diejenigen Gefeße über ſich duldete , welche den individuellen Verhältniſſen gemåß waren. Denn in der Sanction dieſer Statuten , zumal , wenn ſie Eigenthum , las ften und Abånderung des Herkommens betrafen , åußerte fich zuerſt das demokratiſche Element. In der früheſten Zeit zog

der. Rath die „ Wittigften " ( discretiores) hinzu ,

um der Billigung der Beſchlüſſe gewiß zu ſein ; im zweiten Stadium waren es die Alterleute der beſtåtigten Zünfte, welche als Vertreter der Gemeinde die Stelle der Wittigs ften übernahmen ; in hochwichtigen Fällen wurden aber auch ſchon früh „ die Tauſende" berufen. 418 dieſe Befugniß, die Statuten anzuordnen , in unſeren Stådten ſchon getheilt war ; verkündete noch jährlich zu ges wiſſen Zeiten, in Stralſund gemeinſchaftlich mit dem großen Echteding, der Bürgermeiſter von dem Rathsfóller der ver

299

Ratheämber.

ſammelten Bürgerſchaft dieſe Beliebungen ; und empfing den Eid der Alterleute fåmmtlicher Gilden und Zünfte. ') -

Die

Rathsamter , urſprünglich nur Ehrenåmter ohne Gehalt , konnten ſchon deshalb nur von den begåterten Einwohnern angeſprochen werden ; doch wandte Erweiterung des Beſiges und der Rechte im Laufe der Zeit den Rathsgliedern, außer der herkömmlichen Rathmahlzeit und den „ Ver : ehrungen, der Verwaltung der Stadtgåter , des Wein: fellers, zeitig den Rathåmtern ſo bedeutende Quellen des Einfommens zu , zumal auch die Bußen für Vergehungen und Verſtöße gegen die Polizei ihnen zufloſſen, daß die neuen Rathsglieder ſich bei ihrer Aufnahme einfauften, den åltes ren Genoffen ein Geſchenk gaben , und in niederſächſiſchen Städten oft wohl unfluges Praffen auf Koſten der Gemeinde und Unwirthlichkeit den Aufſtand der niederen Zünfte her: vorrief. Aber Hauptbefugniß des Raths, nachdem die Gels tung der fürſtlichen Voigte ſich verloren , war die Vertre : tung der Stadt nach außen , dem

in Verhandlungen mit

Landesherrn , mit fremden Mächten , mit der Hanſe

durch des Raths Séndboten ; " eine Obliegenheit , welche vielfache Geſchäftserfahrung und perſönlichen Muth ver: langte , Reiſe

da die dauernde Friedloſigkeit naher Gebiete eine in

machte.

die Nachbarſtadt zu einem

Kriegsabenteuer

Ferner die Anführung der Bürger in Fehden ;

der Bürgermeiſter, oft ritterbürtiger Abkunft, inußte ſo volls

) Die eigentlichen Rathewilführen und Normen für die Geſchäfte laſſen ſich von den Statuten und polizeilichen Anordnungen , wie die Burſprachen ſie mittheilen, nicht immer trennen ; ſo umfaſſen die älteſten Rathsſtatuten Greifswald v. f. 1321 bis 1358 die Beſchlüſſe über Redtsgang, Appellation , Gefeße gegen Aufruhr, über polizeilidhe, über rein privatrechtliche Dinge; über Verhältniß der Rathømitglieder zu ein ander, über die Kriegspflichtigkeit der Bürger und andere Dinge in bun ter Mannigfaltigkeit. Koſegarten Geſchichtsdenkmäler I. S. 132-167.

Befeſtigungen der Städte.

300

wüchſige Mannesnatur beſigen , wie die Häupter der helles niſchen Stådte und die der römiſchen und italieniſchen Repus blifen ; außer bürgerlichem Anſehen und außer Gewandtheit in friedlichen Geſchäften, außer Kenntniß des bräuchlichen Rechts, deffen Anwendung ſo häufig Modificationen forderte , waren die Bürgermeiſter von Amts wegen die Admirale der ſtådti: den Flotten im Seefriege und die Oberanführer der ſtådtis Ichen Bevölkerung

in landfehden. So ſtreitbare

deutſche

Bürgerhauptleute werden wir in der nächſten Periode mehr: fach aufführen.

Den Rathleuten und anderen friegsfun

digen Männern lag die Führung der einzelnen Zünfte, welche mit gemeinſamer Rüſtung und unter einem eigenthümlichen Banner auszogen , ob ; nach alterKunde hatten die Hutfilzer in Stralſund an dem Ehrentage des Jahres 1316 den Vors ſtreit. ' ) Ein wichtiger Gegenſtand ſtådtiſcher Sorgfalt waren die baulichen Wehranſtalten der Stadt, in denen ſich unſere Ger meinden nicht leicht durch Nachbaren übertreffen ließen. Mit dem XIV. Jahrhundert verſchwanden überall die dürftigen Bollwerke und plankenbefegten Erdaufwürfe, und an deren Stelle echoben ſich hinter tiefen Gråben Walle von

bedeu

tender Hdhe und Breite, Mauern von Backs und Felsſteinen, Wehrthůrme an den Shoren , welche wie die Thůrme der Kirchen emporragten. Faſt in keiner unſerer größeren Städte hat

die urſprüngliche Befeſtigungsart ſich

müſſen wir an den vorhandenen Reſten ,

erhalten ,

doch

wie zu Anklam ,

Paſewalk, Demmin, Prenzlau, Bard, Stargard, Picig, sa min den Grad bürgerlichen Gemeinſinnes und der Arbeits råſtigkeit, welche dieſe ftcilen Wålle und dieſe Steinmaſſen künſtleriſch aufthürmten , bewundern , und den ſtådtiſchen Wehreifer um ſo höher achten, als ihm der fromme Drang,

' ) Bergmann Stralſund. Chronit S. 4 , dod's Tou Stoislav sont Putbus (3ober Zacharias Orthus S. 126 ) ben Yusfall im painbolje geleitet haben.

301

Verwaltung des ſtädtiſchen Eigenthums.

zu kirchlichen Bauten gleichzeitig zu ſteuern, Feinen Eins trag that. Denn faſt alles, was unſere Stådte an gemauers ten Befeſtigungen an Kathhåuſern , Kirchen und Gebäuden zu frommen Zwecken beſigen ,

verdankt derſelben

Periode

vom legten Drittel des XIII. bis, zu Ende des XIV. Jahrs hunderts ſeinen Urſprung.

Jm XV. Jahrhundert , mit der

Unwendung des Schießpulvers entſtanden die Zingel oder die Außenthore als Vorwerke, mit beſondern Gråben gegårs tet ; nur das innere Thor hatte das eiſerne Fallgatter , wels ches herabzulaſſen eigene mechaniſche Vorkehrungen ndthig waren , dergleichen wir noch z . B. am weſtlichen Thorthurme von Bard finden.

Bau und Aufſicht der Befeſtigungswerke

ſtanden unter dem Rath , der auch das Kriegsgeråth ,

die

Bliden , und Wurfgeſchůße, ') ſo wie den Stadt-Marſtall beſonderen Mitgliedern auftrug. Mit der Inſtiz und der ſtådtiſchen Polizei ging die Verwaltung des ſtådtiſchen Eigenthums , frůh ſchon bes deutend , ſo wie die Aufſicht über die zahlreichen frommen Stiftungen , Siech : und Hand in Hand ;

Elendshåuſer,

Spitäler u . f. w .

aber ſo betriebſam und erwerbluſtig die

Stådte fich landesherrliche Regalien anzueignen verſtanden,

. die Bußen in Rechtshåndeln und bei Brüchen der Will: fähr, die Einnahme von vorhandenen ſtådtiſchen Mühlen, von dem Communicationszoll, von der Münze , ſo mußte der

1 ) Schon i. I. 1292 kaufte der Rath zu Greifswald eine Balista, eine große Armbruſt, für 4 Mark Pfennige. 3m großen Erbfolgetriege trieben die Greifswalder den Feind von ihren Windmühlen mit balistis et aliis bellicis instrumentis ab. Roſegarten Geſchichtsdenkmäler I. S.59. Descriptio Gryphiswald . I. c. p . 139. ? ) Daß die Strafgelder für die Uebertretung der ſtädtiſchen Will kühr ſehr bedeutend waren , lehrt die anklamer Burſprache bei Staven hagen (S. 431 ) von 185 Artikeln . Zwar iſt das Jahr der Reviſion 1544, und ſind viele Artikel durch den Geiſt der Reformation bedingt ; aber den polizeilichen und peinrechtlidhen Beſtimmungen lagen gewiß ältere Beliebungen zu Grunde.

302

Stäbtiſcher Haushalt.

Rath doch ſchon früh ein Beſteuerungsrecht über die Bür: ger ausüben, da die laufenden Einfünfte den Stadthauss halt nicht beſtritten, welcher ein Staatshaushalt gewors den war , und dem zufolge einen jährlichen Hufenkanon, Grundgeld von den Häuſern, mit welchen das Recht an der Gemeinweide verbunden

war , Zins von

den Kaufhallen,

Kramláden, Markt- und Standgeld, Waagegebühr, von dem Scrotamte , von den verpachteten Wieſen und Aeckern for: In Stralſund beſtand ſchon früh eine Abgabe vom

dern.

Soiffsverkehr; im Jahre 1270 kannte man ſchon eine Steuer von verzapftem Wein ; außerordentliche Vermögens: ſteuer, Scoß, Tallia , unterſchieden von freiwiligen Gas ben , wie jene im råganiſchen Erbfolgefriege,

mußten die

Bürger áber bewegliches und unbewegliches Eigenthum er: gehen laſſen , zu welchem Ende laut der Burſprache jeder Inſaſſe an einem gewiſſen Lage ſeine ganze Habe anzugeben Schon auch fam , nach der Praxis der Staatswirth : fdaft, Befreiung von folchem Schoß durch den Rath vor.

hatte.

Da jede Art bürgerlicher Thåtigkeit hinter ſchirmender Stadtwehr bei dem friſchen Lebensfeime des deutſchen Stadtá wefens fich wechſelſeitig herausbildete, und der niederſächſiſche Gewerbsſinn und Kunſtfleiß , in Verbindung mit weit ver: zweigtem Handel, die Zahl der Stadtbewohner in wenigen Jahren zu einer unbegreiflichen Höhe ſteigerte, trat auch hier zeitig

die mittelalterliche Erſcheinung hervor , daß die

Genoſſen eines und deſſelben Gewerkes fic innungs : und junft weiſe aneinander ſchloſſen , um ihre Gerechtſame zu ſchirmen und zu mehren , und den Einzelnen in der Ge : meinſchaft zu vertreten.

So wie die Verbrüderung der

Hanſe ſich aus den Theilnehmern derſelben faufmånniſchen Beſtrebungen gebildet hat, welche, ſchon in einer Stadt als Gilde zu einander geſellt, mit den Genoſſen und Nachbars gemeinen zu gleichem Zweck ſich vereinigten, und als Cors poration von den fremden Fürſten , in deren fåndern ihe

303

Innungen.

Verkehr ſeine Quelle fand , Anerkennung erhielten ; ſo war es eine Hauptbefugniß des Rathes , den Gliedern deſs ſelben Gewerkes als einer Zunft die Geltung zu gewähren , zu welchem

Behufe

er ihnen ihre

Gewerksrolle ertheilte.

Dieſes Innungsrecht ſchien zwar die Gemeinen in eine Reihe abgeſchloffener Geſellſchaften zu zerſplittern, welche eiferſüchs tig ihre Rechte bewachten ; diente aber gleichwohl dazu , die jeßt verbundene Kraft der Einzelnen der gemeinſamen Richtung auf die Macht und Wohlfahrt der Stadt zujus führen.

Der Unterſchied der artes majores und minores,

wie er im XIII. und XIV . Jahrhundert in den hadervollen Stådten Pombardiens und Toscanas heraustrat, giebt ſich anfänglich in unſeren Städten nicht zu erfennen , da die Kaufmannſchaft erſt ſpåter, wie in Greifswald, Stettin und Stralſund, unter kirchlider Fårbung nach der Art ihres Verkehres in die bornholmer Brüderſchaft, in Bergenfahrer und fopenhagener Kompagnie u. a. getheilt, als eigentliche Activbůrger den Zünften gegenüber ſtanden, und allein raths: fåhig waren .

Dagegen machten ſich zeitig folche Gewerfe, ')

welche mit dem

Seehandel in unmittelbarer Verbindung

ſtanden und von dem Reichthum deſſelben Vortheil zogen , vor anderen geltend , wie die Böttiger in Stralſund und Greifswald , welche den Kaufleuten auf ihren Fiſchfangfahr: ten an ferne Küſten unentbehrlich waren . So fonnten die Böttiger, welche i. J. 1321 in den wendiſchen Stådten einer beſonderen Aufſicht unterworfen wurden , in Greifswald wåhs rend der růganiſchen Erbfehde allein 300 Marf ſteuern ; neben

ihnen waren die Gerber , Bäcker und Fleiſcher die

wichtigſten

Zünfte.

Frůh

ſchon

hatte die Arbeit in dem

* ) In Greifswald gaben im Erbfolgekriege folgende Gewerke eine freiwillige Steuer, die Goldidymiebe, die Bäder, die Fleiſcher, die Ger ber , die Schmiede , die Böttiger , die Sdjneider, die Tuchmacher , die Pelzer, die Schuſter, die Krämer, die Fiſcher. Descriptio Gryphiswald. 1. c. p. 150.

Die Innungen.

304

Maaße ſich getheilt, daß Gewerke derſelben Art, wie Satt: ler und Riemenſchneider, verſchiedene Zweige bildeten. Auch die Schuſter zeichneten ſich durch Zahl und bürgerliche Gels tung aus.

Eine der ålteſten Schuſterrollen hat die Stadt

Garz auf Rügen , welche roweriniſches Recht anerkannte, aufzuweiſen ; ' ) ſie iſt v. I. 1359 und enthält unter anderen die Beſtimmung , daß kein Ehrlorer in ihre Mitte aufges nommen werden ſolle, und daß, wenn eine Tonne Bier im Gewerk zum Trunk vorhanden ſei, auch der Bürgermeiſter

1

daran Theil haben ſollte. - Auch die unruhigſten aller Gewerfe , welche in Weſtdeutſchland und in den Niederlans den die Anfänger der blutigſten Bürgerzwiſte

waren , die

Wollenweber , finden ſich zeitig in unſeren Städten , in welchen der weitverbreitete Handel mit Tuch den Gewand ſchneidern einen vornehmen Rang unter den Kaufmannsgils den zuſicherte;

faſt überall giebt es in den Pommerſchen

Stådten Wollenweberſtraßen , da nach herkömmlichem Brauche die Genoffen deſſelben Gewerkes zuſammen zu figen liebten. Dieſe Zünfte , anfänglich nur als ſtådtiſche Schußbürger angeſehen , aber

beim

Wachsthum

der Stådte gewichtig

wegen ihrer geordneten Zahl und in Kriegen ſo bedeutend, da ſie das Fußvolk bildeten und eigene Waffenfammern befaßen, nothigten die ſtädtiſche Ariſtokratie ſchon zu Anfange des XIV. Jahrhunderts, wie wir geſehen haben, die Stimme derſelben bei allgemeinen Angelegenheiten zu beachten , und ſeit dem ſtralſundiſchen Kriege finden wir die Alterleute aller autoriſirten Zünfte neben dem Rathe genannt , als Vertreter der Gemeinen . So verbürgten die gefange: nen Ritter und Knappen i. I. 1316 den Rathmånnern und . Alterleuten die Zahlung ihres Lsregeldes ; ſo unters handelte Wißlav mit Rath und alterleuten , und ward bei der Sühne mit

dem Landesherrn die Verzichtung des

) N. Pommerſche Provinz . Blätter II, G. 280.

Frühe Bürgerkämpfe. Rathes und der Alterleute

305

auf neue Privilegien auf:

geführt. Dhne daß die Geſchichte es bezeugt, ſind ſchon da: mals von den Gewerfen , an deren Spiße fich unzufriedene Vornehme ſtellten, den regierenden Herren bange Stunden bereitet worden , weshalb wir wiederholt die hohen Strafs beſtimmungen gegen Aufruhr angeordnet finden . ')

So

feßte zu Greifswald der Rath i. 3. 1323 für diejenigen, welche ſich eine Verſchwörung und Zuſammenrottung gegen den Rath håtten zu Schulden fommen laſſen, die Todesſtrafe und von den zahlbarſten Gütern des Verbrechers die Buße von 100 Mark reinen Silbers feft. Im zweiten Jahrzehnd des XIV. Jahrhunderts, gewiß unter dem Einfluſſe des Kries ges mit dem Landesherrn , mußten in Stralſund vom Rath und von den Alterleuten acht Månner erwählt werden , neue Statuten zu verfaſſen ; ſchwere Zerwürfniſſe droheten zwiſchen der erſten Obrigkeit und den Alterleuten, angeſtiftet durch Godefe von Güſtrow und dem Rathmann um

Johann von Güſtrow . 2 ) Sie verrathen durchaus einen polis , tiſchen Charakter, indem beide Månner ,durch den Landesherrn gewonnen, dahin arbeiteten , den Rath bei den Gemeinen zu verdächtigen , als ſtrebe er, „ morderiſch der Alterleute ſich zu erledigen.“ Die Aufwiegelung der Bürger gegen die ſtädtis fche Obrigkeit ſollte dazu dienen , die ganze Gemeine unter den Fuß des grollenden Fürſten zu bringen . Um anziehend ſo fühne Umtriebe zu zeichnen, in denen ſich ähnliche Gegen: fåße wie des Guelfen- und Ghibellenthums nachweiſen laſſen , fehlen uns nur die Erzählungen eines Dino Campagni und Giovanni Villani, abgeſehen freilich von dem vornehmeren Gepråge und den großartigen Beziehungen , deren Mittels

' ) Roſegarten a. a. O. S. 149. Item si quis conspiracionem et congregacionem faceret contra consules et iudicium. ille capitali sentencia condempnabitur. et adhuc dabit centum marcas puri are genti de suis bonis promptioribus. 2 ) Brandenburg a. a. D. S.30. Anlage A. 20 Barthold Gcích. v. Pomi , III,

306

Städtiſche Berbannung.

punfte das funſtliebende Florenz und das gelehrte Bologna waren , und abgeſehen von den heftigeren Pulſen des italies niſchen

Bürgerlebens.

Tragiſche

Ereigniſſe droheten

dem

Rathe zu Stralſund in der råganiſchen Erbfehde; ein ungu friedener Bürger, Konrad von Papenhagen , trug vor dem Rathe zu Greifswald, der engverbündeten Gemeinde, darauf an , daß fünf Glieder des ſtralſunder Rathes mit Pferden durch die Stadt geſchleift und hingerichtet werden ſollten ; ihn ſchüßte ſeine Partei vor Strafe, ſo daß er in den nächs ſten Jahren mit Gerwin von Semlow , dem Sohne eines Bürgermeiſters , welcher wegen Privatſachen mit der Obrig: keit im Hader lag, eine gefährliche Aufregung im Volfe an : ſtiften konnte.

Bewaffnete ſtürmten die Verſammlung des Rathes und der Alterleute ; die demokratiſche Richtung trat entſchieden heraus, indem fie die Wahl von vier Kriegshaupts leuten durch den Rath und die Alterleute verwarfen , und ſolche Aemter durch die Stimme der ganzen Gemeinde ( universitas) beſtellen wollten . ) Noch behauptete ſich die geſebliche Macht ; unter dem Gerichtsverlaufe fchon ftadts flüchtig, ward

Gerwin mit ſeinen Anhängern verwieſen . Solche Ereigniſſe waren nur Vorboten größerer Anfechtun gen der Stadtgewalt ; gleichwohl ſcheint die Todesſtrafe über

Aufſtand

nod felten , und nur

Verbannung

Weichbilde verhångt worden zu ſein ;

aus

dem

alſo dieſelbe Weiſe,

wie italieniſche Städte fich ihrer unruhigen Bürger erledigten . Die Libri proscriptorum enthielten die Namen dieſer Aus

2 ) Nus dem Liber proscriptorum bei Brandenburg a. a. O. S. 31 . Anm . 125: predictus Gherwinus, cum dni consules ciuiloquium habe rent et eligere vellent IV. de vniversitate ad capitaneos werre, recla mauit cum congregacione sua et dixit quod dni consules illos qua tuor eligere non deberent, sed ipse cum vniversitate eligere vellet, Item quicunque aliquid apud dnos consules et contra dnos consules agere habuerit, illum et illos animauit et eis adhesit in graue preiu dicium dnorum consulum

1

307,

Gewaltthätigkeit des ſtädtiſchen Lebens.

gewieſenen und die Erzählung ihrer Vergehungen ; weil aber der Gebannte nach lůbiſchem Brauch ſchon in der nå often Stadt weilen durfte, wenn er nichts gegen die Geſammtheit der Hanſe verbrochen , war der Bann eine geringe Abhülfe gegen

entſchloſſene

Feinde

ihrer Heimath .

Urfehden , d. h. das feierliche

Die håufigen

Geldbniß Geſtrafter oder

Gefangener bei ihrer loslaſſung , das ihnen Widerfahrene nicht zu råchen und Frieden zu halten ;

die Verfeſtung

und Rechtung råuberiſcher Edelleute, welche auch friedliche Wallfahrer einer ihnen feindlichen Stadt ſo wenig zu ſchonen pflegten, als den Kaufmann mit ſeinen Waaren ; die terro : riſtiſche Rechtsbefugniß , welde den Städtern durch den Fürſten zuerkannt wurde ;

die oft erwähnten Auszüge der

Bürgerſchaft, um ein Raubneſt zu zerſtören ; die wiederhols ten Mordfühnen und der gråfliche Pomp bei Segung peinlicher Gerichte, in welchen die blutige Hand des Erſola genen, oder gar vermoderte Leichen als blinkender Schein oder handhafte That vorgelegt wurden ; lehren , uns die Gewaltthåtigkeit und Wildheit des bürgerlichen les bens, in deſſen Mitte gleichwohl ein hartes Geſchlecht, um geben von Gefahren in der Heimath , wie auf der Reiſe zur See und zu lande, ein behagliches Daſein führte.

Erſt das

XV . Jahrhundert wird uns Stoff leihen , auch die ergöß liche Seite des Daſeins unſerer Bürger ,

ihre Artushofe,

Zech ſtuben , Mairitte , ihre volksthümlichen Luſtbarkeiten zu ſchildern, in denen wir freilich die heitere Fårbung des Sús dens, jene gemüthliche, nüchterne Poeſie und die derbe, aber finnreiche Schalkhaftigkeit ſtådtiſcher Spiele, vermiſſen . So wenig das Ritterthum im Nordoſten von Deurdland über die äußere Erſcheinung hinauskam , und z . B. der hoch deutſch reimende Ernſt von Kirchberg nur

eine einzelne

abweichende Verpflanzung iſt; ſo wenig konnte das Bürgers thum bei uns, in ſeinem ruheloſen Drange nach Erwerb der mühſeligſten Urt, bei aller Tüchtigkeit der Geſinnung und bei 20 *

Zuſtand der Bauern.

308

allem angeſtammten Rechtsgefühl eine veredelnde und ver: feinernde Richtung gewinnen, und die Rohheit der Zeit über: wältigen.

Und gleichwohl blieb dieſes Bürgerthum der Trå

ger des Staates und gingen ſpåter von ihm alle großartigen Bewegungen der Zeit, die Bildung der Hochſchule und ends lich die Kirchenverbeſſerung aus. So wie ſich

ein måchtiger Unterſchied

zwiſchen den

Städten Pommerns fund giebt, von welchen eine bedeutende Zahl faſt im Stadium von freien Gemeinweſen anges langt war ; andere dagegen noch , wie Rügenwalde und Schlawe, mit den Rechten der Poſſeſſoren ſich abzufinden hatten, und die erſten Grundbedingungen ſtådtiſcher Geltung erfauften ; andere , wie Bublit um 1340 und Freienwalde 1338 , aus der Hand des Biſchofs oder ihres adeligen Gebieters mit geringen Rechten, unter ſtrenger Voigteigewalt eben hervor: gingen ; ' ) unterlag der Zuſtand der Hinterſaſſen und Bauern

2 ) Dreger z. J. 1331. Die von Fredeland , die Abkömmlinge des einen Poſſeſſors , verkauften i . 9. 1331 ihren Antheil an Rügenwalde den Bürgern . Im Jahre 1333 am 21. December räumte Jasco der jüngere, der Sohn Laurentii , ,, ein Knecht und Herr des Landes Rügen walde ,“ der Stadt die Münde ein , und verpflichtete ſich keine Burg in deren Eigenthum zu erbauen . Dähnert pommerſch. Bibliothek V. 6. 21 . Rügenwalde fchwang fidy aus ſo engen Verhältniſſen dennoch auf. Bubliß, gehörig zum Gebiete der Grabow, welches Markgraf Waldemar an das Bisthum abgetreten hatte , entſtand „ in dem Grunde Bublize " durd, Biſchof Friedrics von Kamin (1330 bis 1342). In dem Trans fumpt der Stiftungsurkunde bei Rango p. 206 iſt das Jahr der Grün dung nicht angegeben ; ſie ſtand aber ſchon als civitas 1342. Bubliß erhielt lübiſches Recht, wie Kolberg, wohin die Appellation ging, 200 Hufen , einige Seen ; die Stadt ſollte bis nach Verlaufvon zehn Jahren, und wenn ſie mit einem Graben , 40 Fuß breit, umſchloſſen ſei, vollkommene Frei heit haben. Nach ſolchem Verlaufe zogen die Poſeſſoren ( Beſigherrn, Bes feber , nicht Befißer), welde, des Geſchledytes der Babewiß und Goldbed, 32 Huben ſchoße und zinſenfrei behielten, die Hälfte des Nußens , ſollten den Advocatus ,,van sik sülvest efte einen andern nach Rahde und Vol bort“ ſeßen und mit den Brüdyen unter vier Schillingen belehnt ſein . Des guten Willens des Stifters ungeachtet konnte die Stadt nicht recht ge

Große Verſdiebenbeit.

309

einer ſo unüberſehbaren Verſchiedenheit, daß wir außer Stande ſind, nach ihren Leiſtungen und Rechten beſondere Klaffen anzugeben.

Nur im allgemeinen wagen wir die Behauptung , daß die Lage der Bauern in Folge der deutſchen Einwanderung und der Bereicherung des Klerus fich verbeſſert hatte ; nicht etwa ,

daß durchgångig alle einzelnen Bayerſchaften eine Erleichterung der altſlaviſchen Hörigkeit erfahren hätten ; es verharrte vielmehr wohl der größere Theil der Bebauer des Bodens in menſchenunwürdiger Leibeigenſchaft; fon : dern darin , daß

fich urkundliche Abſtufungen

bis zu

den Rechten eines freien Erbzinsbauern hinauf nach weiſen laſſen. Dieſe Verſchiedenheit mit ihren Abſchattungen muß zunächſt auf den Urſprung der Bauerndorfer, ob ſie deutſche Koloniſten oder flaviſcher Herkunft waren ; dann auf den Unterſchied , welcher geſchichtlich zwiſchen Hinterpoms mern , wo das ſlaviſche Element am långſten haftete , und dem vorderen Landestheile, zumal dem landfeſten Rügen, zurücks geführt werden ; endlich auf die weſentlichen Beſtimmungen, ob eine Bauerſchaft unter fürſtlicher, geiſtlicher, ſtådtiſcher oder ades liger Hand ſtand. Zwiſchen dieſen bedingenden Einfluſſen, welche doch wiederum der Willkühr Raum gewährten , entwickelten fich dann die mannigfachen Geſtaltungen , welche den geſchicht: lichen Blid verwirren. So viel ſteht feſt, daß, wie einerſeits Leiba eigenſchaft und Frohndruck herkömmlich auf den landein gebornen laſtete, andererſeits die deutſchen Einzöglinge, ſowohl auf fürfilichen, als auf adeligen und klerikaliſchen Gütern, freie

deiben. In der Umgegend waren die Edelleute zu mächtig wie die Bar 'tusconitz, (Batzewitz), welche i. J. 1342 vom Biſchofe 500 Hufen biß in die Gegend von Schlochau erhielten , dafür nur drei Rofdienſte Yeiſteten , und von jeder beſeßten Hufe jährlid 4 Schillinge Biſchofszehr Freienwalde erhielt 1338 Stadtrecht (Schöttgen et Kreis ten zahlten. sig III. p. 37) durch die Söhne Webeges . von Wedel , mußte aber eine Drbar von 100 Mark Geldes (Talenta) zahlen.

310

Die Sagengüter.

Månnet waren , welche gegen einen måßigen Grundzins die Urbarmachung bewaldeter landſtriche übernahmen . Wie foll: ten dieſe Månner ihre Heimath , in der ſie ſich , wie die Fries ſen und Flamlånder oder die Sachſen fetbſt als Laten per ſönlicher Freiheit und ſchůgenden Rechtes erfreuten, verlaſſen , um in einem rauhen , fremden Lande, unter den Mühen, die Dede zu überwåltigen, das beklagenswerthe Joch der Hörig Feit auf fich laden ? ' ) Der Trieb ihre lage zu verbeſſern hatte ſie aus der Heimath gelockt, und ſo wie der fleißige deutſche Anbauer, welcher nach dem ſüdlichen Rußland zieht, in das neue Vaterland ſeine Anſprüche an perſönliche heimiſcher Redte

Freiheit und an den Nießbrauch

mitbringt und Gewähr dafür erhålt ; ſo wåre tidernatür: lich, daß der Frieſe, der Niederſachſe , der Fläminger ein leidliches Verhältniß im Vaterlande gegen Knechtſchaft in der Fremde

vertauſcht haben ſollte.

Von

den

wenigen

urkundlichen Nachrichten , welche wir über die Cofoniſation der Deutſchen in Pommern beſigen, iſt eine höchſt lehrreiche auf uns gekommen, a ) welche uns als ungefährer Maaßſtab für die Beurtheilung dienen kann.

Der Ritter Gerbord von

Kdthen , eines Geſchlechtes , das wir ſchon i. I. 1240- im Gefolge Barnims I. und 1253 als Burgmannen von Piriş finden , that i.

. 1262 ein waldiges Gebiet um Polig, einen

Hagen , ' ) Holteshagen genannt , drei deutſchen Männern ' ) Welchen Grad der Freiheit dieſe Einwanderer in der Heimath genoſſen , wagen wir nicht zu beſtimmen . Auch in Deutſchland , zumal in Sachſen, ſah es ſchlimm mit der Freiheit der Aderbauer aus. Doch muß die Theorie des Latenſyſtems, welche Schaumann , Gefch. des niederſächſiſchen Volkes S. 314 , für die Zeit feſtgeſtellt, welche unſerer Coloniſation voranging , mancherlei Ausnahmen erfahren haben. Es modaten audy jente Coloniſten das Auswanderungsredyt fich irgend wie erworben haben, um in den ſlaviſchen Gegenden einen wünſchens wertberen Zuſtand zu gewinnen. 9) Gedrudter Dreger nr. CCCXLIX. lirk. dat. et act. Stetin a. 1262 in die Johannis Baptiste. 3) Im Bezirke von Pölig liegt Hagen, am Badhe Jaſeniß, in mit

Die Hagengüter.

311

aus, von denen der eine, Johann Kalve, ſeinen Namen von der Stadt Kalbe, Köthen benachbart , entnehmen mochte; der andere, Konrad von Welpe, nebſt ſeinem Schwiegerſohne Johann von Welpe

feine

Herkunft

aus der fruchtbaren

Grafſchaft Wólpe, im heutigen Herzogthum Kalenberg, beurs fundet ; der Ritter bedingte fich, daß alle Bürger, cives, welche den gedachten Hagen bebauten, von jeder Hufe einen Schilling und außerdem den großen Zehnten von allem Ertrage und den kleinen Zehnten abgeben ſollten . Die eine Hälfte dieſer Leiftung fiel dem Grundherrn, die andere den drei Locatores „den Hagemeiſtern " zu.

Dem gedachten Hagen wurde die

Freiheit ertheilt, daß jeder Anſiedler zu Kauf brauen , backen und ſchlachten dürfe , ohne davon eine Übgabe zu entrichten , nachdem er obenein gånzliche Abgabenfreiheit auf 10 Jahre genoſſen håtte.

Der Müller Rudolf, welcher ſeine Mühle

früher zum Ertrage erheben konnte, zumal er noch 3 Hågers morgen und 6 Landmorgen , und beinahe eine Hafenhufe er : hielt, gab eine Mühlenpacht, welche ſich nur auf 4 Scheffel ſteigerte, von denen die eine Hälfte dem Konrad Kalve zus fiel.

Die cives indaginis wurden

Stephanshagen , 1 ) das

mit

unter dieſem

allen Rechten von Namen nicht

mehr

telmäßigem Heideboben , und Stolzenhagen , ohne Waſſer, der Debe näher. Die gegenwärtigen Verhältniſſe beiber Dörfer laſſen ſich nicht erkennen . A. a. D. p. 461 : in terra Pölitz indaginem quandam pos sidendam locavimus Johanni Calue et Conrado dicto de Welpe et Johanni genero Conradi de Welpe que vocatur Holteshagen tali con ditione, quod universi ciues dictam indaginem inhabitantes et agros excolentes ejusdem dabunt de quolibet manso unum solidum dena riorum et insuper decimam eorum que crescunt in agris dicte inda gini adjacentibus et etiam minutam decimam . horum autem omnium tam decimarum quam denariorum cedet nobis medietas et medietas predictis tribus viris quibus dictam indaginem contulimus possidendam . ' ) Daſ. a. a. D. Preterea dedimus predicte indaginis civibus hanc prerogatiuam ut habeant jura in omnibus et ad omnia indagi nis Stephani si contigerit ipsos jura sua alibi querere debent ea querere in predicta indagine Stephani vel in alio loco vbi ejusdem indaginis jura poterunt propius vel commodius invenire.

Große Zahl der Hagengüter .

312

kundbar iſt, bewidmet ; ſie durften ihr Recht auch anders wärts nach Bequemlichkeit ſuchen , wo daſſelbe galt . 118 traten die beiden Wolpe dem Johann noch eine

Vorzug freie ab . gens an

Hufe ,

zu

den

freien

Hufen ,

Alle dieſe Verleihungen nach

er

ſchon

beſaß,

Bürger des Has Lehnrecht beſigen , ' ) ſo daß fie ihren Hof

ihre Frauen

wandten

die

ſollten die

und

Söhne ,

ſo wie an ihre

und Angehörigen vererben

konnten ;

Blutsver

drei Ritter,

ſo wie vornehme Bürger zu Stettin, ein Barfuß (Nudipes) verbürgten zu Stettin den gegenſeitigen Vertrag. Es iſt kein Zweifel , daß , wenn auch nicht alle Hagen , doch der größere Theil derſelben urſprünglich dieſes Recht der Hagen bürger beſaß , und die vornehmſte Klaſſe der Hinterfaffen bildete.

Am häufigſten, wie die Karte lehrt, finden wir ſolche Hagengüter , die in ihrem Namen noch erkennbar ſind, in dem heutigen Neu - Vorpommern , über 140 , zum Theil von großem Umfange ; im Gebiete von Stralſund , Bard, Franzburg , Grimmen , Greifswald , wo ſie ihren Urſprung der landwirthlichen Thåtigkeit, zumal der Kloſter Neu -Kamp und Eldena , verdanken . Seltener ſind ſie auf Rügen und im demminer uud anklamer Kreiſe; gar nicht vorhanden auf Uſedom und Wollin ; ſie fommen wieder vor im rando wer Kreiſe ; hie und da in Hinterpommern und find dort am zahlreichſten in dem fruchtbaren landſtriche an der See von der Gegend von Treptow ab , bis hinter Rügenwalde,

wo zumal das Kloſter Buckow , von Dargun geſtiftet, reis nen Einfluß ausübte.

Dann erſcheinen wieder einzelne um

Stolp. Im inneren Kaſſubien und in Pommerellen , deren ge: ſchichtliche Entwickelung von deutſchem Einfluſſe långere Zeit

) Daſ. p . 462 Haec autem omnia que predicte indaginis ciui bus contulimus , contulimus ipsis jure pheodali ita ut eodem jure deuoluantur ad uxores et pueros eorum et ad alios ipsorum consan guineos et cognatos .

Bauern in Hinterpommern .

313

unberührt blieb ; wo kein bedeutendes Kloſter den Segen der heimiſchen deutſchen Bildung verbreitete und wo der eins geborene Adel bei der altüberkommenen Benußungsweiſe ſei nes Beſiges beharrte ,

konnte deshalb auch die båuerliche

Freiheit in der Einrichtung der Hagengüter ſich nicht auf ſchwingen , wie erfreulich in dem weſtlichen Gebiete Pom: merns zu Tage liegt. Zwar findet fich , daß Swantopolk, bei aller feiner Abneigung gegen das deutſche Weſen , und noch mehr ſein Bruder Sambor ' ) einheimiſchen und frem: den Kidſtern die Erlaubniß ertheilte , deutſche Pflanzer mit den herkömmlichen Vorrechten auf ihren Hufen anzuſiedeln ; es wird ſogar von Marktgerechtigkeit, von båuerlichen lehng . beſigern folcher deutſchen Hufen geſprochen ,

welche fich

auf ihre Koſten zur Landesvertheidigung ſtellen ſollten. Aber dieſer fandestheil ſcheint weniger die Einwanderer gelockt zu haben, zumal der nahe Ordensſtaat günſtigere Ausſichten eröffnete ; und was in Pommerellen in den Tagen der Ordens herrſchaft etwa gepflanzt und gepflegt wurde, ging während der polniſchen Periode relbſt mit dem Namen verloren. Ein Unterſchied zwiſchen ſolchen Hagengütern, wie Hol: teshagen, und den deutſchen Dörfern , deren Bewohner nicht auch zu bürgerlichem Geſchåfte berechtigt waren , mag allerdings ſtattgefunden haben ; allein es galt der allgemeine Gebrauch , daß Possessores für die vierte Hufe oder für

) So Sambor i. I. 1250. Urkunde bei Dreger nr. CCXIII. P 322 : Concedo ob specialem reverentiam ecclesie Luknensis fratribus ejus dem ut in villis et mansis prefatis aduocent et locent Theutonicos secundum consuetudines quorundam . sicut eos aduocauerint et lo cauerint jus et fructum secundum suam industriam . in eis percepturi. Habitatoribus autem predictarum villarum prouiden: volo ab omni jure Pomeranico esse solutos. De expeditionibus vero que fiunt extra terram habitatores memoratos liberos esse concedo, in defen sione vero terre hy qui mansos in feodo receperint propriis sump tibus adesse tenentur. Concedo insuper ut in villis premissis fo rum celebretur et monetam propriam cum taberna habeant.

1

314

Das Schulzenamt.

das Eigenthum der dritten die neuen Dörfer mit Unbauern zu bereßen übernahmen , in welchem Falle es ihnen dann überlaſſen blieb , ' ) eine Uebereinkunft mit den Koloniſten zu treffen , welchen gewiß nicht das Verhältniß der Hörigkeit zugemuthet werden konnte.

Gewöhnlich wurde der Locator

der Bauermeiſter oder Schutze des neu entſtandenen

Dors

fes , hatte als ſolcher noch eine eigene ſteuerfreie Hufe, und das Dorfs oder Schulzengericht im Namen des Grund herrn zu hegen , die polizeiliche Gewalt zu handhaben und obenein die Verpflichtung, den Zins und die Zehnten von den Bauern einzutreiben .

Dieſe Sdulzengerichte ) be:

zeugen an und für ſich die freiere Beweglichkeit, welche dem deutſchen Bauer geſtattet war und weiſen den altdeutſchen Brauch , nur von ſeines Gleichen gerichtet zu wer : den , in erfreulicher Art für unſere Anſiedler nach .

Der

Dorfſchulz, scultetus, praefectus villicus, Bauermeiſter wählte ſeine Assessores ( Schoppen ) aus den Bauern ein vollſtändiges placitum in dem judicium „ dem Dinge " (that dinch).

und hegte

civile villae,

Die Gegenſtände waren : ges

ringer Diebſtahl, Verlegungen , Injurien , Grenzſtreit; der Schulze bezog für ſeine Mühe die Gerichtsgefälle oder Bus ßen .

Das Recht des Schulzenamtes haftete aber an den

Schulzenhufen , wie denn z. B. im Jahre 1356 Henricus dictus de Yerchow die zwei ſteuerfreien Hufen im Dorfe Garin bei Kolberg von dem früheren Beſiter erkaufte, dies ſelben als Lehn von dem Kapitel anerkannte , und dafür die

' ) Lisch Dargun. Urk. nr. LV. führt einen , von beiden Theilen, bem Grundherrn und dem possessor, beſiegelten Vertrag auf. * ) Eine frühe Erwähnung des Schulzengerichts des Dorfes Zeſte lin bei Greifswald vom Jahre 1300 fiehe bei Roſegarten Denkmäler I. S. 291. Im Jahre 1337 übergiebt das Kloſter Belbuck der Stadt Grei fenhagen das Dorf Goreke dergeſtalt, daß hinfort die consules das Geo richt entweder per se oder per prefatum villicum oder per ipsorum famulum hielten.

315

Das Schuizenamt.

Verpflichtung auf fich nahm, das Schulzenamt zu verwalten , die Bußen bis zu dem Belaufe von 12 Schillingen einzu : nehmen und den Forſt zu hůten. ' ) Für zwei andere ſteuer bare Hufen, welche er zugleich erſtanden, mußte er dem Ra: pitel die gebührende Pacht entrichten , und die rusticalia ser vitia wie die übrigen villani leiſten. Ferner lag den Schulz zen ob , die ſonſtigen Gefälle

und Steuern beizutreiben, ? )

zumal den Biſchofsſchilling, für welche Verpflichtung fie ſelbſt von dieſer Abgabe frei waren. Weil oft Edelleute im Beſige der Lehnſchulzengüter fich befanden , wie Ž. B. der Ritter

Johann

von

Wechholt im

darguner

Kloſterdorfe

Rathenow , ſo mußten ſie ohnehin ſchon als Aftervafallen ihres Grundherrn den Lehndienſt, gewöhnlich mit einem leich . ten Pferde, übernehmen. Keinesweges war aber adelige Geburt zur Stellung eines Schulzen - Lehnspferdes nöthig ; wie z . B. Johann Pryszlav mit dem Sculzenamte in Schillersdorf, 3 ) welches einem geiſtlichen Stifte zu Greifen ' ) Urkunde bei Wadſen a. a. D. S. 356 dat. Colbergh a. 1356 . Von dem Domkapitel: Ego Hinricus dictus de Yerchowe prefectus ville Garyn emi rite etcet. officium prefecti ville Garya cum duobus mansis liberis pertinentibus ad illud et alios duos mansos censuales sitos in campis ville praefate ; de quibus IV . mansis duos mansos liberos cum officio prefecti prius dicto V. V. D. Frid. preposit. eccles. Colberg. nomini capituli eiusdem ecclesie michi contulit in verum feudum et legale jugis temporibus pacifice possidendos, de quibus eciam duobus mansis officium prefecture regere debeo ae excessum ad summam XII. solidorum percipere etcet. De residuis vero duobus mansis non liberis ego vel heredes mei pactum de bitum singulis anni temporibus solucionem consuetis dominis meis canonicis solvere et alia rusticalia servicia requisiti debemus facere, de suis mansis facere sunt consueti. sicuti ceteri villani 2) Dreger II. Urk. v. I. 1272 nr. CDLXXXIII. Teutonici incole villarum cujuscunque fuerint condicionis, milites, armigeri seu coloni vnum solidum denariorum Episcopo et duos solidos capitulis vsualis monete singulis annis in Cammyn et Colberge infra octauam beati Martini per villarum villicos presentabunt. 8 ) Urkunde dat. Griphenhagen a. 1327 , im 2. Abſchnitte der Ge. ſchichte von Greifenhagen ; Baltiſche Studien VIII. 2. S. 203. Dieſe

/

316

Der Lehnſchulze.

hagen gehörte, beliehen , wohl von dieſem , nicht aber von einer Hufe , welche dem Schulzengut i. S. 1327 hinzugelegt wurde, einen Roßdienſt zu leiſten hatte. Urkunde enthält widstige Beſtimmungen wegen der eigenthümlichen Be ſchaffenheit eines Schulzengutes : Prouisores sancti spiritus nostre ciuitatis griphenhagen cum nostro pro consensu vendiderunt et con tulerunt iohanni pryszlaw et suis veris heredibus pheodalia bona possidere valentibus vnum mansum tantum cum pacto et censu ac iure infimo de illis mansis quos idem iohan lyodbusch predicte do mni sancti spiritus assignauit. Et predicti prouisores cum nostro consilio hunc mansum posuerunt ad prefecturam ville scyldersdorp perpetuis temporibus permanendum . De hoc denique manso nul . lus equus pheodalis , quod vulgariter leypert dicitur penitus ser uari debeat , sed cum eodem manso aliisque vniuersis fructibus qui racionabiliter de iudicio predicte ville deriuari ac prouenire poterint prefatus iohannes cum omnibus suis successoribus in scyldersdorp debeat esse pheodalis ac verus iudex et scultetus. Item si prelibatus iohannes pryszlaw aut eius successores prelibatam prefecturam ven dere decreuerint, vendant secure uno probo viro, qui nobis et villi cis scylderdorp utilis esse poterit ad scultetum , illi quoque similiter hunc mansum cum omnibus vtilitatibus prefate prefecture siue ali cuius donacionis fauore provisores sancti spiritus conferre debeant cum tali iure, quod idem iohannes ac eius heredes prius possiderunt. Insuper si sepedictus iohannes aut aliquis suorum successorum abs que legitimis pueris qui huiusmodi bona de iure possidere vale bunt moreretur , iam dictus mansus cum prefectura ad usus prefati sancti spiritus plenarie reuertatur. Quem inquam mansum cum pre dicta prefectura prouisores sancti spiritus sepe dicti vendere et con ferre debeant alicui probo viro sicut in premissis plenius continetur. Preterea quippe sciendum est , quod prouisores sancti spiritus et beati georgii prefate ciuitatis gryphenhaghen debeant tollere de om nibus excessibus hominum in scyldersdorp , tam de agricolis quam de cossatis , duas partes et scultetus terciam partem ab eis recipiet. De omnibus excessibus quoque illorum hominum sacerdotes et clerici, quibus nunc hec altaria collata sunt, vel quibus postea con ferentur , eorum liberam voluntatem habere debeant faciendi et di mittendi quodcumque decreuerint cum duabus partibus omnium exces suum circa ipsorum subditos aut homines et scultetus terciam par tem recipiet ab eisdem. Der Ausdrud suis veris heredibus pheodalia bona possidere valentibus , geht nicht auf abelige , ſondern auf ebe liche Geburt ( legitimi pueri) und auf probitas ( Unbeſcholtenheit) und utilitas ad scultetum ( Amtstüchtigkeit).

Die Bauern als Stand. Zu

den gewöhnlichen

Begünſtigungen

317 der

deutſchen

Bauern gehörten bei ihrer Anſiedelung gewiſſe Freijahre, die wir auch den Bewohnern neuer Stådte geſtattet fanden . Indem wir zu ſo mannigfachen , perſönlichen und fächlichen Rechten noch Vorzüge rechnen , welche den Hinterfaſſen der Klöſter feierlich zugeſichert wurden, die Freiheit vom Heers ſchilde und anderen öffentlichen laſten, und indem wir zumal die Verpflichtung , mit den üblichen Waffen nur für den eigenen Heerd zu ſtreiten, als eine ſolche anerkennen, welche den Mann ehrt und erhebt , ſo haben wir allerdings ein Bild des Zuſtandes deutſcher Bauern in der ålteſten Zeit, auf welchem

der Beſchauer mit Wohlgefallen weilt.

So

mochte ein nicht unbedeutender Theil der Bevölkerung als wahre Staatsbürger zu betrachten fein ; eine würdige Stels lung des Bauern , welche auch die Fürſten beim Antritte ihrer Herrſchaft willig zu ſchůßen und zu handhaben gelob ten.

Daß in dieſem Sinne ein Bauernſtand ſelbſt politiſch

vorhanden war, lehren die Verſicherungsacten des wolgaſter Herzogs bei der Uebernahme des Fürſtenthums Rügen, fraft welcher er auch den Dörfern und Bauern ſich verpflichs tet , ſie zu ewigen Zeiten in ihren „ Gerechtigkeiten , Begna: digungen ,

Herkommen

und Freiheiten " zu beſchirmen ; ſo

wie derſelbe Wartislav bei der Ergreifung ſeines Vormund ſchaftsrechtes über die Neumark ausdrücklich auch „ der Bauern in dem Lande" erwähnte. Solches Bewußtſein des bürgerlichen Rechtes ward in den Hinterſaſſen wach erhalten , ſo lange die landdinge im Brauch blieben, wo ihre Schulzen die Gerichtsbeiſiger der Voigte waren ; fie ſelbſt als circumstantia ( Umſtand ) das Gefühl für Recht und Uns recht náhrten , und wo wohl ſelbſt Vafallen und Funker dem Anklåger fich ſtellen mußten .

Ein gewiſſer Grad von

Wohlhabenheit und häuslichen Behagens muß auf dem Gute eines ſolchen deutſchen Bauern heimiſch geweſen ſein , wie man denn ſich die Mahlzeit Herzog Ottos mit ſtattlichem

318

Frühe Abnahme der deutſchen Bauernfreiheit.

Gefolge von Hofleuten und Vafallen auf dem Gute Weffels in Buggewig bei Anklam nicht ohne die Bequemlichkeiten vorſtellen kann , welche ſein Hof vor dem nahen Wald und dem freien Feld im Sommer bot. Freilich aber hat dieſe urſprüngliche Freiheit des anges ſiedelten Bauern nicht lange und nicht überall in ihrer Reina heit fich erhalten , und ſind ſchon früh Abſtufungen bemert lich, welche einer hartſinnigen Zeit erleichterten, das gleiche Foch der Hörigkeit und der Frohnden faſt allgemein dem Bauernſtande aufzubůrden.

Wir haben bereits zugeſtanden,

daß manche Verſchiedenheit in den früheſten Berechtigungen der Ungeſiedelten ſtattfinden konnte, und daß auch überhaupt nur die glånzenden Verhåltniffe , deren einzelne Hagen fich erfreuten , diplomatiſch bewahrt ſind. Niedergange der deutſchen

Die nächſte Stufe zum

Bauernfreiheit in Pommern

war aber gleichwohl ein Schritt, welcher die flaviſchen Mitgeſeſſenen måchtig förderte.

Außer den Deutſchen und

Dånen erhielten zuerſt auch Slaven , wahrſcheinlich aus drangvoller Heimath Ausgewanderte oder Vertriebene , die ſelben oder åhnliche Rechte , ' ) da der Beſiß der Kidſter ſich mehrte und fleißige deutſche Hände nicht immer herbeis zuziehen waren .

Solche Wenden , welche neben Deutſchen

angefegt wurden , erhielten gewiß nicht daſſelbe Bollmaß der Berechtigung, und ſo bildeten ſich bei der Gelehrigkeit

? ) So ſagt Wartislav III. in ſeiner Beſtätigungsurkunde der Güter von Elbena $. §. 1248 bei Dreger nr. CLXXXVI. p. 279 : Si quis vero in villis gentis nacionis alterius ut verbi gratia Danus vel Slauus inter Theutonicos et e conuerso elogeret habitare volumus ut illorum iure vtatur quorum contubernium approbauit. nisi forte abbas qui tem pore fuerit aliter inter eos duxerit ordinandum. Eine Freizügigkeit wendiſcher Bauern geht gewiß nicht daraus hervor, zumal 17 Jahre frü ber ( a. a. D. nr. LXXXVI. p. 147) Wißlav dem neuen Abte Arnold von Neuen -Kamp nicht geſtattet hatte, ohne ſeine ausdrüdliche Bewilligung von ſeinen Unterthanen auf den Kloſtergütern einzuſeßen ; exceptis homini bus nostris, quos nisi de consensu nostro vocare non attemptabunt.

319

Frühe Abnahme der beutſden Bauernfreiheit.

und geduldigeren Gewdhnung der Slaven zeitig unterſchiede, welche den Anſprüchen der Deutſchen ſchadeten .

So gewiß

der Arbeitspflicht, der Frohndienſte, bei der Anlegung deuts ſcher Niederlaſſungen nicht erwähnt wird ; finden wir ſchon b.

I. 1228 in der Schenkung ') über zwei Dörfer

um

Gůžkow an den Dom zu fübeck , deren deutſd benannte Dertlichkeiten den deutſchen Urſprung, der ſlaviſchen Dorfs namen ungeachtet, bezeugen, nicht allein exactio, peticio und das servicium quod Borchwerc dicitur , alſo der offents liden Landeslaſten, ſondern auch ausdrücklich der Befreiung von der vectura et aratura erwähnt !

So war der Ueber

gang aus einem Verhåltniß ins andere ſchon gebahnt und ein Theil der Segnungen der deutſchen Bauernfreiheit den Slaven nåher gebracht ; als zuerſt Kolbaß, in deffen Gebiete wir die erſten deutſchen Anſiedler fanden , i. I. 1247 , in Folge einer ſchiedsrichterlichen Ausgleichung des Streites, welcher zwiſchen dieſem Kloſter und dem Herzoge Barnim obgewaltet hatte , auch får die wendiſden Bauern deuts ſoes Recht erwirfte. 2) . Dieſe weſentliche Gleichſtellung der zahlreichen wendiſchen Kloſterunterthanen in Beziehung

- ) Dreger nr. LXXIX . p . 126. Urt. in Sosnitz ( Fichtenheide) am friſchen Haf . I. 1228 ; die dort genannten Localitäten ſind ſämmtlich deutſch; daß die Bewohner von Karbow und Pebelow Deutſche gewea ſen ſeien , geht auch aus dem Umſtande hervor, daß dieſe Dörfer an Stelle ſlaviſder, welche den Domherren keinen Genuß brachten , ger Idenkt wurden ( quia a Slavis inhabitata ad libertatem ecclesie et ca nonicorum utilitatem sine gravibus expensis et perpetua multorum nobilium persecutione' nequaquam poterat expediri.). Es heißt weiter p. 127 : in recompensationem duas villas Karbowe scilicet et Petze kowe ab omni exactione, peticione et servicio quod Borchwerc dicitur vectura et aratura nec non advocatia et judicio mortis et sanguinis ac minoris justicie que vulgo quatuor solidorum judicium nuncupatur, liberas conferimus jure perpetuo possidendas. 2 ) Dreger nr. CLXXXI. Urkunde ausgeſtellt Rolbaß 1247. Bare nim entſchädigt die Mönche et (promisit) et Slavis eorum jus theutu nicum in perpetuum dare.

320

Wenden mit deutſdem Rechte.

auf die båuerliche faften gereichte gewiß nicht den bevors zugten deutſchen Altgeſeſſenen zum Vortheil; fonnte eine Prárogative jenen ſo leichthin ertheilt werden , ſo ward der Werth, der im ausſchließlichen Genuſſe beſtand , ges mindert ; das Begehrte hatte ſeinen Preis verloren und das durch war ein herabdrückender Einfluß auch auf den ſonſti: gen Inhalt der deutſchen Freiheit möglich geworden. dritte Begünſtigung der Slaven blieb nicht aus, noch mehr dazu , die

urſprüngliche Stellung

deutſchen Pflanzer zu verändern .

Eine

und diente der

älteren

Herzog Barnim I. verlieh

i. I. 1272 dem Kloſter Kolbat Slaven aus ſeinen eigenen Dorfſchaften und von den Gütern der Adeligen auf geiſt: lichem Boden aufzunehmen, und geſtattete dieſen Freizügigen Erlaß

von allen Anforderungen ,

ſowohl der

herzoglichen

Voigte und Beamten, als von den Anſprüchen ihrer Scund herrn , im Falle fie dem Klofter Bürgſchaft ftellten , daß fie auf den Gütern deſſelben bleiben wollten .

Etwas unbeſtimmt

wurde hinzugefügt, daß dieſe Slaven zu feiner Obliegenheit, als zu den , allen Slaven herkömmlichen , verpflichtet follten.

ſein

In welchem Maaße dieſe Freizügigkeit benußt wurde,

erfahren wir nicht ; ſo viel iſt aber unleugbar, daß, wie der

? ) Dreger nr. CDLXXVI. Abbati et conventui monasterii S. Ma rie virginis in Colbas et universis successoribus eorum hanc gratiam donauimus et prerogatiuam fecimus specialem . ut Slaui in dominio nostro constituti siue in nostris siue in vasallorum nostrorum villis manentes, si ad predictum abbatem et conventum causa manendi in villis eorum transferre se voluerint liberi sint et exempti ab indebita vexatione et injusta advocatorum bedellorum aliorumque officialium nostrorum et insuper vasallorum nostrorum quomodolibet. postquam sépedictis abbati et conventui fidejussores certos posuerint quod ad villas eorum venire velint et debeant ad manendum nulli cuiquam postquam ut predictum est fidejussores posuerint aliquid servicii aut emolumenti debentes ultra communem omnium Slavorum in terra nostra manentium justitiam , sed coinmuni justitia contenti libere ad predictos abbatem et conventum et ad villas eorum transibunt a qua libet vexatione liberi et exempti.

Arbeitsfrohnben .

321

Schuß der Kirche den Slaven eine erwünſchte Verbeſſerung ihres Zuſtandes bot , und den Segen der geiſtlichen Herr: ſchaft weiter verbreitete, die Deutſchen, allmålig entbehrlicher gemacht,

zu minder günſtigen Bedingungen ſich bequemen

mußten, da der Slave den Kulturanſprüchen des Klerus zu genügen gelernt hatte. Demnach erfahren wir denn bald , daß beſtimmter von Arbeitsfrohnden auf geiſtlichen und ſtådtiſchen Gütern deutſchen Urſprungs die Rede iſt, ſo geringes Material ſich uns auch bietet , um den wichtigen Gegenſtand zu verfolgen . Die Bauern des deutſchen Dorfes Holm ' ) dicht bei Belbuck mußten 8. B. tåglich Haus-, Küchen- und Botendienſt im nahen Kloſter verrichten , ein Zwang , welcher ſich nach der Aufhebung des Kloſters zu Gunſten des Amtshofes in Neuhof bis 3. I. 1724 vererbte. In dem Kapitelsdorf Garin bei Rolberg war felbſt der Lehna roulze i . I. 1356 für die nicht zum Schulzengute gehdrige Hufe den Kanonikern zum Uckerdienſte ( rusticalia servicia ) nach der Gewohnheit der anderen Bauern des Dorfes vers pflichtet. ? )

Wenn die Stadt Stettin í. I. 1328 durch Hers

zog Otto das Dorf Podjuch 3 ) mit allen Gerechtigkeiten, mit dem Fiſchfang et aliis exactionibus, praecariis , servitiis rusticalibus et urbanis et angariis quibuscunque, quocunque etiam nomine censeantur , liberam et exemptam erhielt , ſo mochte dieſes Dorf vielleicht ein alt = ſlaviſches ſein, wel ches noch unter der Strenge des jus Slavicum ſtand ; wenn dagegen der jüngere Graf Johann von Güßfow i. J. 1348 dem Bürgermeiſter von Greifswald 10 Hufen bei dem Dorfe Morsowe (Müſſow ?) verkaufte, deffen zeitige Påchter unſtreis tig als deutſche anerkannt werden müſſen, und der Graf die Bebauer dieſer Hufen freiſpricht „ vom Wagendienſt, von den

' ) Aus H. Brunners handſchriftlicher Geſchidste des Kloſters Belbud. 2 ) Wadi ſen a. a. D. S. 357. 3 ) Urkunde in Dähnerts pomm. Biblioth. II. S. 273. 21 Barthold Geich, vi Poinm, III.

322

Freie Erbzinsbauern ; ihr Untergang.

Frohnden zu pflügen, zu fåen , zu måhen, den Dünger aus zufahren ; ſie dagegen für gehalten erklärt, dergleichen Fuh ren und Frohnden dem neuen Beſiter und ſeinen Nachfol: gern, ſo oft dieſe es verlangten , zu leiſten, ' ) ſo er: ſehen wir aus der Ungemeſſenheit dieſer Befugniſſe , daß in noch nicht vollen zweihundert Jahren der Zuſtand der deuts ſchen Bauern in dem Grade Fich verſchlimmert hatte, als ein Theil

der Altheimiſchen Erleichterung

ſeiner lage fich

erfreuete. Nachdem wir in dieſer Weiſe die Abſtufung båuerlicher Verhältniſſe von freien Lehnſchulzen und den Erbzinsbauern bis auf

den

mit ungewiſſen Frohnden

belaſteten ,

ſowohl

deutſchen als wendiſchen Uckersmann fennen gelehrt haben , ſind wir zu dem Schluſſe berechtigt: daß im Ganzen der Zuſtand der låndlichen Bevölkerung bis zum XIV . Jahrhun dert, bei aller Verſchiedenheit der Berechtigung, ſich dennoch peredelt hatte.

Freie Erbzinsbauern behaupteten ſich in allen

Theilen Pommerns noch bis ins XVI. Jahrhundert ; ſie konn: ten ſelbſt als Unterſaſſen des Adels ihre Höfe rechtmäßig vererben und von ihrem Grundherrn fåuflich Eigenthum an fidh bringen, ? ) Wen erfreuet nicht das tůchtige Bauernweſen

' ) Schwarß Städtegeſdhidhte S. 779. Die Bauern der einzelnen ober je zweier Hufen heißen Dinnies Reymer, Hennefe Edard, Henneke Schutel (Schüſſel), Henneke Sone , Willeke Bär und Eberhart Edbert; audy eine Wirthin, die Stüvemanſdhe, wird aufgeführt. A. a. D. S. 781 : Eciam quod inhabitatores seu cultores predictorum mansorum nobis vel nostris heredibus et successoribus ad nullas vecturas , nullas ser vitutes, arandi videlicet, seminandi, metendi, fimum devehendi et ali quos labores alios quoscunque teneantur. Neque a nobis vel here dibus nostris ac officialibus nostris huiusmodi vecture labores , ser vitutes seu quocunque angarie exigi poterunt vel debebunt. Eciam inhabitatores seu cultores predictorum mansorum ( servitutes) vectu ras et labores facient et ministrabunt dicto Everhardo suis heredibus et successoribus quoties per ipsos fuerint (requisiti) . 2) So verkaufte i. 9. 1357 Heinrich Nienkerken zu Buſow bei An klam ſeinen villanis et corum veris heredibus et successoribus für

Leiſtungen der Bauern.

des Hans lange in lanzig bei

323

Rügenwalde !

Dergleichen

gab es im Reformationszeitalter noch viele , die mit ihrem Knebelſpieß und anderen handlichen Waffen wehrhaft in den Streit zogen und ihre Rechte behaupteten ; ' ) aber die Fols des deutſchen Bauernkrieges mußte auch Pommern

gen

empfinden , ungeachtet hier von feinem Aufſtande geſprochen wird ; dann kam die ſchwediſche Beſignahme und das ades lige Beſißrecht des XVIII. Jahrhunderts , das legen der Bauerngüter

und Dörfer , ? ) welche vollends nieders

traten , was noch Menſchenwürdiges in den früheren Vers håltniſſen enthalten war , und als loos dem fleißigen Acker: bauer ,

ſei er

deutſchen

oder

wendiſchen

Urſprungs,

die

unchriftliche Leibeigenſchaft faft allgemein bereiteten. Zur Vervollſtåndigung des Bildes , welches wir nur zuſammengefeßt geben konnten , nennen wir noch die Reihe der Leiſtungen im Baaren oder in Naturalien, welche

120 Mark ſundiſder Pfennige, ſein Gehölz mit dem Boden deffelben cum omni fructu et utilitate libere sine aliqua exactione. Staven hagen Geſch. von Anklam nr. CIV. p. 454. 1 ) Wir erinnern an jenen Hans Saſtrow , den Großvater des ſtrals ſunder Bürgermeiſters Bartholomäus. Hans, ungefähr um die Mitte des XV. Jahrhunderts unter den Owſtinen zu Ranzin unweit Anklam geſeſſen , übertraf auf ſeinen Hofhufen an Vermögen , Geſtalt, Stärke und Verſtand die Junker von Horn bei weitem ,“ welche vier kleine Güter in demſelben Dorfe beſaßen. Um dem mörderiſchen Neide der Junker auszuweichen , ,,vertrug fich Hans ums Jahr 1481 mit ſeinem Edels manne der Bauerspflicht wegen mit gutem Willen ,“ und gewann die Bürgerſchaft zu Greifswald. Nach ſeinem jämmerlichen Tode, welcher dhon i. 3. 1494 burdy bie Horne erfolgte, konnte ſeine Gabe zit Greifs . wald um 2000 Gulden verkauft werden. Daß darauf der Zuſtand der Bauern ſich verſchyleditert habe, bemerkt der Enkel, welcher im leßten Drit tel bes XVI. Jahrhunderts drieb : ,,wenig Ebelleute laſſen zu jepiger Zeit ihre Unterthanen zu foldem Bermögen kommen ." S. Bartholomäi Saſtrowen Herkommen u . - 19. son ihm ſelbſt beldyrieben, berausgegeben von Mohnike Ih. I. B. I. C. I. 2 ) Dod verwandelten ſchon im xiv. 3ahrhundert die Kolbaker, mit Erlaubniß des Fürſten , Dörfer in Vorwerte. Dreger 3. 3. 1360. 21 *

Census, Grundzins. - Der große Zehnte.

324

um das XIV. Jahrhundert erwähnt werden. Jeder Bauer gab von ſeinem Grundſtücke den Census , Grundzins an Geld oder Korn, welcher, ſprachlich verſchieden, neben der Pacht genannt wird, aber ſpåter mit der Pacht zuſammenfiel. Die Betråchtlichkeit deſſelben war ſehr abweichend ; den niedrig ſten bekannten Zins gaben die Bebauer von Holteshagen im Jahre 1262 , einen Schilling von der Hufe; den höchſten bekannten i. I. 1239 die Bauern in Palzin

auf Uſedom ,

der Kirche in ufedom gehörig, welche von 9 Hakenhufen, zu 15 Morgen, dem vierten Theile einer Hågechufe, 3 Drömmt Waizen , 3 Drommt Gerſte , 3 Drommt Hafer , zuſammen 108 Scheffel entrichten mußten . ' )

Zweitens den großen

Zehnten von allen Feldfrüchten , als Abgabe für den Guts: heren .

Die ſpåtere Zeit vereinfachte dieſe verſchiedenen Lei:

ſtungen und forderte im Augemeinen für Zins und Zehnten die Pacht ,

deren Betrag natürlich nach der Beſchaffenheit

des Bodens verſchieden war.

Am Ende des XIII. Jahr:

hunderts gab eine Hafenhufe auf Rügen insgemein jährlich an Pacht 2 Mark 3 Schillinge Pfennige ; eine landhufe von 30 Morgen im Gebiete von Greifswald und Gußkow 4 Marf durchſchnittlich . 2 )

Die adferbautreibenden

Bewohner von

Damm , welches noch Otto I. i . I. 1297 zum Drittheil als

2 ) Dreger nr. CXXIII. p. 196. De predictis vero novem uncis in reditibus tria tremodia silignis , tria tremodia ordei , tria tremo dia avene . ) Abt Johann von Eldena überließ i. 3. 1280 den Proviſoren des Heiligen Geiſtes zu Greifswald 2 Hägerhufen , 118 Morgen im Ganzen, bei Boltenhagen für 300 Mart Pfennige. Dähnert Pommerſche Bibliothek V. S. 301. Ita sane quod predictae Curiae Provisores et eorum successores quicunque fuerint tam de istis duobus mansis praedictis quam de aliis duobus mansis , ab eisdem prius habitis et possessis nobis nostroque monasterio singulis annis in quolibet festo beati Martini Episcopi , viginti marcarum reditus currentis monetae nomine pactus absque aliquo impedimento in perpetuum dare tene buntur. Dagegen war die minuta decima ac pullus fumalis erlaſſen . Jene 10 Hufen bei Morſow waren um 40 M. ausgethan.

Kleine Zehnten ; Pachthühner. - Ablager.

325

unveräußerliches Leibgedinge vom Kloſter Kolbat beſaß, ent richteten von der Landhufe nur 4 Schillinge , zur Hälfte an den Herzog , zur Hälfte an das Kloſter . ')

Die Grundrente

von 18 Hufen im Gebiete der Stadt Greifenhagen , welche i . I. 1313 einem Altare zugewandt war, betrug 6 Mark und 4 Schillinge , welches 5 Schillinge für die Hufe macht, die Mark zu 16 Schillingen berechnet. 2 ) Wo der Zins ſo gering war , galt wahrſcheinlich noch der große Zehnten . Drittens den kleinen Zehnten oder Schmalzehnten von dem Zuwachs an Vieh, entweder im Baaren oder in Natu: ralien gegeben .

Das Rauchhuhn und der Top ( Gebinde)

Flachs ſchienen håufig die Stelle des Schmalzehnten ver: treten zu haben, obgleich ſich die decima minuta, pullus fu malis und der Top Flachs neben einander angeführt findet. In Rügen hat die decima minuta fich am långſten erhalten. Viertens die Pachthühner unter verſchiedenen Rechtstiteln, wie auch auf oberdeutſchen Gütern, in großer Mannigfaltig feit . – Außer dieſen , dem Grundherrn zu leiſtenden , Ab gaben waren nun noch die Gefälle des Landesherrn , der ordinaire Bede , der Münzpfennig , welche leßten Abgaben die adeligen Grundbeſiger , wie wir geſehen Landſchoß,

die

haben , ſich aneigneten, und dem Bauer überließen , die außer: ordentliche Bede an den Landesherrn beſonders zu entrich ten. - Eine dauernde Verpflichtung der Bauern blieb dem Fürſten und ſeinem Gefolge das Ablager zu öffnen.

Dies

res Einlager hatte wohl nicht den Urſprung in der noths

1 ) Baltiſche Studien VIII . 2 S. 150. Item de pacto quem pre fate ciuitatis Dambis mansorum agricole annis singulis tenentur ex soluere, taliter duximus ordinandum , ut ipsi agricole quatuor solidos denariorum currentis monete de manso quolibet annis singulis pacti nomine , duos uidelicet solidos nobis, quoad vixerimus, duos solidos predicto Conventui de Colbas in festo beati Martini perpetuo soluere tenebuntur. 2 ) A. a. O. S. 179. Die Pächter zahlten 100 Schillinge vom Hagen, weshalb die Mark zu 16 Sàillingen angeſeßt werden muß.

Andere Leiſtungen.

326

gedrungenen Sitte der Fürſten , welche noch keine feſte Wohn ſtåtte beſaßen ,

wechſelnd

ihren Wohnſitz in

Kloſtern und

Stådten aufzuſchlagen , ſondern in der Befugniſ , perſon lich auf dem Lande Gericht zu halten, wo es die Nothdurft erforderte , und deshalb die Unterſaſſen mit ihrem Gefolge zu behelligen. im

Gebiete

Erſt im Jahre 1452 entfagten die Herzoge der Städte Stralſund , Greifswald ,

Anklam

und Demmin ihrem Anrecht auf das Einlager. ' ) Außer dieſen laſten und Obliegenheiten , dem Wagen: dienſte, dem Damm- und Brückendienſt u.

. wv . gab es der

drtlich verſchiedenen noch ſo manche , welche zumal die ſpås tere Wirthlichkeit der Grundbeſißer ſo mehrten, daß es nicht fchwer fallen würde, der polniſchen Nomenclatur båuerlicher Laſten zu Anfang des XIII. Jahrhunderts ein eben ſo zahl reiches deutſches Regiſter gegenüber zu ſtellen.

Die Dorf

ſchaften des waldarmen Rügens entrichteten für Holznußung den Waldhater ; eine Urne Honig wurde gegeben für die Erlaubniß Bienenſtocke in den herrſchaftlichen Wald zu tra gen ; früh bekannt war Hundeforn ; die Wolfsſteuer, Weides geld , Wieſengeld u . dgl. , bis die Zeit immer erfinderiſcher den Junferthaler , das Beſthaupt und die zahlloſen Plackes reien des Leibeigenſtandes erfand. So viel und ſo verſchiedenes forderten der Staat und die

Grund herren

Geiſtlichkeit

wollte

außer den Frohnden ; nicht

umſonſt

aber

auch die

das Seelenheil

der

Bauern pflegen , und forderte die Zehnten und das Meßkorn, was uns ſchließlich zu den äußeren Verhältniſſen der Kirche und zu ihrem Einfluſſe auf das Leben führt.

) Dähnert pommerſche Bibliothek IV . S. 187 : Utrkunde Stral. fund 1452 um Neujahr : und in wat Güderen sie erhe Godeshuse Borgere efte Inwahnre dat hogeste und sydeste Recht hebben , edder wor wy synderganz dat Inleger fry vorsegelt hebben dar willen wy mit den Buren nein Inleger hebben edder teringe eſte tredinge doen tho nenen Tyden .

Die Bildhöfe.

327

an der Spiße der geſammten Geiſtlichkeit Pommerns, der Domkapitel, der Feldklóſter, der Stadtklóſter, der Kirch : in den Städten und der Pfarrer auf dem lande,

Herren

und aller Gliederungen , welche die ausgebildete Hierarchie ſeit 200 Jahren hier hervorgerufen hatte , ſtand die biſchof liche Macht, für Pommern und Rügen eine dreifach getheilte, der Bifchof von Kamin, der Biſchof von Schwerin und der von Roeskilde ; nur am Saume von Hinterpommern erhob zuweilen Anſprüche.

der

Biſchof von Inowraßlaw wenig ſtórende Die Reihe der Biſchöfe von Kamin , fårſtlich

begåtert, oft von unheilvollem Einfluffe auf die Beſtrebungen der Herzoge, haben wir kennen gelernt, ſo wie die Art ihres landerwerbes , ihre wechſelnde Stellung zum Fürſten , ihre Abhängigkeit vom Kapitel in Kamin und Kolberg, ihre kirch : liche Thåtigkeit, ihre Håndel mit dem Erzbiſchofe von Gnes fen und mit dem Bifchofe von Schwerin . So lange ihr unmittelbarer Berit fich noch nicht über Koslin hinaus er : ſtreckte, reſidirten die faminer Biſchofe , ungeachtet wieder holter Zerwürfniſſe mit dem Kapitel zu Kamin und dem fol: berger , auf dem Dom in Kamin , innerhalb deffen Befeſtis gung der Biſchofshof lag, ' ) oder zu Rolberg und Koblin . Um die Mitte des XIV. Jahrhunderts , als ihre Grenze nach Süd - Oſten geſichert waren, ſchlugen ſie ihren Sig im Soloffe zu Körlin auf. Auch wohnten ſie wohl in den feſten Stiftsbur gen , wie zu Gülzow , deffen Thurm ſich noch erhalten hat, und auf den landgütern . In ihrem zuſammenhängenden Gebiete , füdöſtlich bis auf Baldenburg zu , fanden ſie auf merkſame Håter der Landesſcheide an den deutſchen Rittern, welche ſie zwar gegen feindſeligen Uebergriff der polniſchen Biſchofe ſchüßten , aber ihnen nur vertragsweiſe den Genuß

? ) Mit Gewißheit iſt die Reſidenz des Biſchofs auf dem Dome Ka min nicht mehr zu ermittelnt, wahrſcheinlich war ſie das ſtattliche, jeßt umgebaute Saus, dem Haupteingange der Kirde gegenüber.

Kirdslide Hebungen.

328

fico licher Hebungen in dem Ordensſtaate gewährten .

So

wurde i. J. 1350 die Scheide des Ordensgebietes und des biſchöflichen Landes in jenem Winkel am Ballfluſſe von neuem feſtgeſtellt. ') Ungeachtet bei der Gründung das pommerſche Bisthum

allein

auf kirchliche Hebungen ,

auf Zehntengefålle , angewieſen war , indem die påpſt liche Beſtätigung vom Jahre 1140 ihm bis zur leba von jedem Pfluge zwei Scheffel Getreide und 5 Pfennige, ſo wie die wirklichen Zehnten aus dem Markte Zithen bei Anklain zugeſichert, hatte im Laufe der Jahrhunderte der fürſtliche Erwerb die thåtigen Hirten gleichgültiger gegen ſolchen Er: trag gemacht, und war durch Abtretung, Veråußerung, Vers tauſchung und Modificationen des Zehntenrechts eine ſolche Verſchiedenheit herbeigeführt , daß dieſer Gegenſtand zu den ( chwierigſten

Unterſuchungen

gehört. 2 )

Die weſentlichſten

Momente dieſer Verſchiedenheit ſind: das Verhältniß

der

deutſchen Koloniſation veränderte den urſprünglichen Brauch , indem ein Unterſchied zwiſchen deutſchen und flavifcen Zehntpflichtigen

entſtand ; Kidſter

und Pfarrkirchen

über:

famen vom Biſchof den Zehnten auf ihren Gütern oder in ihrem Sprengel ; Laien erwarben das Zehntenrecht in vielen Diſtricten in der Form einer Belehnung von Biſchof und Kapitel, und die Landesfürſten erhoben Anrecht an den Zehn ten von neu bebauetem Boden , welchen die Biſchöfe durch Verzichtung anerkannten.

Die Abgabe der zehnten Garbe

(decima major) und des Biſchofspfennigs zuſammt der Ge treidehebung vereinfachte ſich , wie wir in Rügen beſtimmter nachweiſen werden, in eine Scheffelabgabe, welcher die Zahl der gangbaren Pflüge zum Maaßſtabe diente ; konnte aber

) Schöttgen Altes und Neues Pommern S. 657. Urkunde Marien burg v. I. 1350. 2) S. die wohlgeordneten Angaben in F. V. Bilow Abhandlung : Geſchichtliche Entwidelung der Abgaben - Verhältniſſe in Pommern und Rügen, Balt. Stud. VIII. 2 8.3 S , 58.

Dertliche Verſchiebenheit berſelbert.

329

nach uralten Beſtimmungen nur den eigentlich freien Grund beſißer treffen , als deren unterſte Klaſſe wir i. J. 1188 die rustici decimarii fennen lernten . ' ) Daneben fommt im XIII. Jahrhundert auf altſlaviſchen Dörfern noch die decima integra, der wirkliche Feldzehnten vor , ? ) wahrſcheinlich da, wo die Dertlichkeit den Pfarrern, welchen bei der Ausſtattung ihrer Kirchen das Zehntenrecht ihres Gebietes übertragen war , die Ausübung des Rechtes erleichterte. Wo die de cima integra noch galt, war der Landesherr verpflichtet, für die ungeſchmålerte Einſammlung und freie Lieferung Sorge zu tragen . ) -

Eine durchgreifende Modification

brachte

die deutſche Einwanderung , in deren Folge Laien Inhaber des Zehnten wurden , weil die Biſchofe ihren Vortheil wohl erfannten, wenn ſie das öde land durch Koloniſten bevólfern ließen , und weil Freiheit vom Zehntenzwange den Ankoms menden eine fockung mehr bot.

So erhielt Barnim I. im

Jahre 1240 für die Abtretung des Gebietes von Stargard an den Biſchof den Zehnten von 1800 Hufen als Lehen, “ )

' ) S. BD.I. S. 513. 2) So wird in einer wichtigen Urkunde bei Dreger nr. CCCCLXXXIII, $. I. 1273 von villis geſprochen , in quibus ecclesie Caminensis et Colbergensis et Canonici earundem integras decimas habent. S. unten. 3 ) In dem Abkommen des Biſdofs Olav von Roeskilde mit Wiß lav III. v. I. 1306 , welches wir bald zu erwähnen habent, heißt es bei Langebeck Script. R. D. VII. p 146 : Episcopo libera facultas rema neat ab ipsis Ruyanis extorquendi per pignorum suorum recepcionem , que debet fieri per Advocatum domini terre ; die Verpflichtung im Einzelnen ward , wie wir ſahen , dem Possessor ober Locator oder dem Schulzen auferlegt, die für ſolche Mühe Freiheit von den Abgaben in gewiſſem Maaße genoſſen , aber audi bei ſchwerer Strafe für die Ein ſammlung Haften mußten. So war dem Schulzen ( Dreger nr. 483 ) vor geſdrieben , darüber zu wachen , daß während der Erndte die geſchnitte nen Sarben ſo lange im Felde ſtänden, bis der geiſtliche Bote die zehnte Garbe bezeichnet habe, welche, zuerſt in die Scheuer gefahren , von den Bauern gegen den Genuß des Strobes und der Spreut ausgebroſchen werden mußte. Die Körner wurden dann auf zwangsmäßigen Fuhren nad dem Orte der Beſtimmung gebracht. 4 ) Dreger I, nr. CXXXI. S. oben Bd. II. S. 426.

330

Artert der Zehntent.

und ro belehnte derſelbe Biſchof Konrað í. F. 1137 ſeinen Bruder , den Grafen von Güßkow , mit den kirchlichen Hes bungen auf der lieper Halbinſel ( Uſedom ). ' )

Wurden wüſte

Pånder, auf welchen das Biſchofsrecht ruhete , mit deutſchen Anſiedlern befest , ſo theilte ſich, nach einem Abkommen, der Bifchof mit den Laien in den Ertrag des Zehnten zu glei: chen Theilen ;? ) Barnim I. ertauſchte für das Land Stargard das Recht, in den fruchtbarften Bezirken, um Pirit , Prenz lau , Stettin und in der Neumark , ein Drittel der decima major zu behalten , während das zweite Drittel dem Bis fchofe und das dritte dem belehnten Grundherrn blieb.

Er:

wuchs dem Fürſten folcher Vortheil von der Kirche, welcher jedoch mit der Abtretung ganzer Landſchaften außer Ver håltniß ftand, ſo glückte es den Pommern doch nicht ſo wie den Markgrafen , welche den Zehnten von den einheimiſchen Biſchöfen überall fid aneigneten und ihn mit ihren Bafallen theilten . ) Folgende årt der Zehnten war , als die deutſche Ein

wanderung das Bodenverhältniß durchaus umgeåndert, gegen das Ende des XIII. Jahrhunderts die herkömmlichſte im faminer Stifte.

Ein Scheffelzehnten von der Hufe, in frucht

barer Gegend von der Landhufe bis zur Ashe dreier Schef fel Waizen und dreier Scheffel Roggen ; oder an Stelle der einzelnen Zutheilung eine fummariſche Leiſtung der ganzen Zweitens der Garbenzehnten auf den unmit:

Dorfſchaft.

telbaren Gütern des Bisthums und der Domkapitel , oder der Kloſter , auf welchen die Geiſtlichen Grundherren waren

' ) S. ebendaſelbſt II . S. 385. Andere Fälle der Art bei Bilow a. a . D. S. 63. a ) Dreger I. nr. LV. . I. 1221. Vergleid Wißlass I. mit dent Bifchofe von Schwerin , p. 101. De omnibus aliis mansis per totam terram sepius memoratam una medietas decime cedet in usus episcopi ; reliqua vero michi deputata. 3) Riedel Marl Brandenburg II. S. 176.

Arten der Zehnten. und ihre Beamten hatten .

331

Desgleichen auf Dórfern ,

die

von jeher zu Garbe verpflichtet waren , oder nur geringeren Theils

deutſche Hofbeſiger

Garbenzehnten

auf

den

hatten .

Drittens

altſlaviſchen

Dörfern

ein

halber

der

beiden

Domſtifter, ſobald ſie zu zwei Drittel mit Deutſchen befekt ivaren .

Die eine Hälfte gehörte den Kanonikern, die andere

war gemeiniglich dem Possessor erlaffen.

Viertens ward

der eigentliche Zehnten oft in ein bloßes Recognitionsgeld verwandelt, wie z . B. in ſtiftsherrlichen neubebauten fåndern Ritter , Knappen oder Bauern får jede Hufe Neuland zwei und einen halben Schilling an die geiſtliche Behörde zahlten. ' ) Für die biſchöflichen Zehntendörfer, welche unter dem Orden lagen, wurde im Jahre 1350 angeordnet, daß von jeder zur Kultur gebrachten Dorfſchaft, nach Verlauf der Freijahre, die Hufe ſtatt

des Zehnten jährlich zu St. Martini zwei

Schillinge flaviſcher Münze zahle; dagegen erließ der Biſchof den Gütern, welche der Orden innerhalb des Sprengels des Bisthums erwarb , in dem Falle jede Hebung, daß der Orden ſolche Güter ſelbſt bewirthſchafte . ) Die decima blieb

de quolibet manso in iisdem ' ) Dreger nr. CCCCLXXXIII. desertis sitis culto sive inculto Teutonici incole villarum cujuscunque fuerint condicionis, milites. armigeri seu coloni unum solidum dena riorum Episcopo et duos solidos capitulis usualis monete singulis annis intra octavam b. Martini per villarum villicos presentabunt. 2 ) Schöttgen Altes und Neues Pommern S. 657. Henricus Dusemer, fatemur (p. 658 ), quod Magister generalis Ordinis fratrum b. M. cum praedictis Dn . Episcopo et Capitulo concordavimus de decima Episcopali solvenda de mansis villarum in terris nostris in dioecesi Caminensi sitarum , quod ubicunque actu villae sunt constructae, vel futuris temporibus fuerint construendae, cultores ipsorum mansorum tam feudales quam rustici postquam tempus libertatis ipsorum exspi raverit et ad solutionem census devenerint, de quo velut manso Dn. Episcopo Camminensi , qui pro tempore fuerit, solvent pro de cima Episcopali singulis annis in festo beati Martini Episcopi duos solidos monetae slavicalis impedimento et contradictione quibuslibet procul motis. Et si ordo noster pr ictus aliqua allodia in dicta diocesi Camminensi jam habet , vel in posterum de novo confecerit,

332

Druď der alten Betrotter burde bett Zehntext.

jedoch natürlich den Pfarrkirchen auf gedachten Dörfern. In ſlaviſchen Dörfern endlich, deren alte Bevölkerung ſich erhalten hatte, war, unabhängig von der Scholle, von jedem Geſpann Ochſen und Pferde die erhöhete Abgabe von zwei einen halben Schilling ' ) vielleicht deshalb auferlegt, weil der Zu ſtand jener bedrångten Bevölkerung den Ertrag der Felder überhaupt in Zweifel ſtellen konnte.

So laſtete der Zehnten

am hårteſten auf den alten Bewohnern, welche ſich ro hart: nåckig gegen das Anſinnen des Chriſtenthums geſtråubt hats ten, während im Verlaufe des XIV . Jahrhunderts faſt ſåmmt liche Ritterhufen frei wurden und an die frühere Verpflichs tung nur das Meßkorn zu dem örtlichen kirchlichen Zwecke erinnerte. ) - Neben der faſt kanoniſch -úblichen Erlaſſung der Zehnten an die Kloſter , Kirchen , Hospitåler , geiſtlichen Stiftungen und neben der Lehensauftragung der Zehnten ganzer Diſtricte an den Fürſten und an die Adeligen und neben der Zehntfreiheit des Adels in den Gebieten , wo der Herzog zehntenfrei war ; neben ſolchen Veräußerungen, welche zuſammen dieſe urſprünglich einzige Quelle des biſchöflichen Einkommens ſchmålerten , kommen noch håufiger Friftungen får verarmte Stådte , wie z . B. auf Bitte der Markgrafen die Städte Norenberg i. S. 1300 auf 8 Jahre, und Drama burg auf 12 Jahre erwirften, nach deren Verlauf der Rath von jeder angebaueten Hufe einen brandenburgiſchen Schil: ling gelobte . 3) . Aus fo vielfachen Zerſplitterungen , welche

quorum allodiorum illos mansos nostris propriis coluerimus labori bus , illos mansos solum memoratus Dn. Episcopus et Capitulum Camminense ob reverentiam ordinis nostri a solutione decima Epi scopalis liberos nobis dimiserunt penitus et solutos. Decima tamen ecclesiarum parochialium dicte terre nostrae ipsarum plebanis in om nibus salva et libera remanente. ? ) Dreger nr. CCCCLXXXIII . 2 ) Ueber das Meßkorn , welches erſt gegen den Anfang der folgen : den Periode deutlicher heraustritt. S. Bilow a. a. D. S. 71 ff. 3) Dreger nr. CMLXXIV. MCCIII. MCCIV .

Verwaltung Rügens durch den roeskilder Bildhof.

333

nur der altſlaviſchen Bevölkerung nicht zu gute kam , iſt es erklärlich , daß um 1345 die Einkünfte des Stiftes Kamin dem Papſte nicht auf volle 4000 Gulden angegeben werden fonnten ! ^ ) Uns würde die Unwirthlichkeit der Biſchöfe, welche wir ſonſt als ſo erwerbeifrig fennen lernten , höchlich be: fremden , wenn nicht die ſteigende Kultur und die wachſende Bevölkerung des Landes durch die deutſchen Sinwanderer, die Abrundung eines fürſtlichen Gebietes, der Reichthum der Kidſter ihnen auf anderen Wegen den Verluſt erfeßt håtten . Der größeren hierarchiſchen Gewalt , welche der dåni: ſche Biſchof der Fürſtenmacht gegenüber behauptete , ſo wie dem Umſtande, daß die Inſel Rügen , durch ihre lage ges ſchůkt vor der Fluth deutſcher Einwanderer , nicht jedoch vor dem Einfluß deutſcher Bildung überhaupt , eine eigen thümlichere Bahn der Entwickelung verfolgte , verdankt das Bisthum Roeskilde, dem Rügen wie Hiddenſee 2 ) einverleibt war, den ungeſchmålerten Genuß ſeiner firchlichen Hebungen . Die verſtändige Großmuth des Bezwingers Abſalon , die Pfarrer des neuen chriſtlichen Rügens aus ſeinen Einkünften zu unterhalten, tröſtete wohl nur wenige Jahre die Neophy ten ; ficher war im erſten Drittel des XIII. Jahrhunderts die decima integra durch eine Bulle Gregor IX. (regiert von 1237 — 1241) auf der ganzen Inſel eingeführt , und jedes Gut auf Rügen derſelben unterworfen.

Wir ſind über die

Einkünfte des Biſchofs von Rügen um das Jahr 1370 ges nauer unterrichtet, da ſich die ausführliche Biſchofsmatrikel erhalten hat. 3 ) der

Inſel,

Der Biſchof beſaß erſtens in allen Theilen

deren geiſtlicher

Hauptort früher Schaprode

) Sell Geſch. ;8 . Pomm. II. S. 267 aus einer uns unbekannten Quelle. 2 ) Ueber Hiddenſees kirchliche Verhältniſſe f. Mohnike in den Balt. Studien VII. 1, S. 111 . * ) Abgebrudt bei Langebeck VII. p . 133 der pommerſch. Biblio thek IV, 45 ff.

334

Beſikungen des roeskilder Bisthums auf Rügen .

geweſen war, anſehnliche Tafelgüter; namentlich gehörte ihm Ralswieck, ſo anmuthig am jasmunder Bodden belegen, und Putgarden ,

in dem fruchtbaren Dorfgefilde unterhalb der

zerſtörten Tempelburg Arkona. ' ) Der Ertrag dieſer Tafel: gåter belief ſich auf 237 Marf 6. Schillinge Pfennige, auf 233 Pachthühner und anſehnliche Getreidelieferungen. Bis zum Jahre 1306 bezog der Biſchof die Decima major und integra, von welcher er nach einer Bulle Gregors IX. den dritten Theil den Pfarrkirchen abgetreten hatte ; 2 ) aber auf Bitten

des Fürſten Wiślav und vieler landesedlen

erließ

Dlav 3 ) am 25. October 1306 mit Bewilligung des Kapitels von Roeskilde dieſe Zehnten

gegen

einen

Scheffelzehnten

' ) Merkwürdiger Weiſe wird unter den Beſißungen des Biſchofs auch angeführt a. a. D. p. 139 : de fossato dicto Wal in Zagardia VIII. solidi denariorum . Es kann darunter nur der Borgwall der alten Starten , die angebliche Herthaburg, verſtanden werden . Ueber die Kirde von Rugarb , deſſen Befeſtigung um dieſe Zeit wieder erwähnt wird, ſagt die Matrikel p. 148. Rygharde. hanc ecclesiam moniales temeritate propria destruxerunt et vendicant sibi residenciam sacerdotalem cum agris , baptisterium eciam abstulerunt, calicem et partem de libris, quos habent quidam minister Petrus et Dominus Jacobus sacerdos Bergis. 2) Ibid . p. 147 de privilegio felicis memorie Gregorii Pape IX. ecclesie Roskildensi indulto evidenter patere potest Ruyanos terciam partem decimarum suarum ecclesiis suis parchialibus deeimare debere. 3) Darüber zwei Urkunden bei Langebeck I. c. p. 146. 147. Olaus notum facimus quod racione decimarum nostrarum episcopalium , quas singulis annis integre de iure solvere tenentur Ruyam inhabitantes XXXV. lestas duobus talentis minus siliginis bone et legalis iuxta capacionem et consuetudinem antiquorum annu atim sine difficultate exsoluant cum XII. solidis super qualibet lesta pro ipsa siligine nobis deducenda , hominibus in bonis nostris resi dentibus dumtaxat exceptis , qui ad dictarum decimarum summam contribuere non tenentur , et si dictis XXXV. lestis silignis legalis duobus talentis minus cum XII. solidis supradictis , ut'premittitur, fuerit satisfactum . His contenti ab omni impeticione nostra et suc cessorum nostrorum super majori decima episcopali exsolvenda , ipsos Principem et Ruyanos ac eorum successores , qui pro tempore fue . rint, absoluimus per presentes .

Sdseffelzehnten.

335

von 34 laſt und 16 Scheffeln Waizen ( ?) mit Hinzufügung von 12 Schillingen für jede laſt für das Verfahren des Kornes.

Ließen es die Zehntpflichtigen bei dieſer Vergün:

ſtigung an ſich ermangeln, ſo drohete der Hirt, daß er als: dann wieder in ſein urſprüngliches Recht zurücktrete und durch den Voigt des Landes Pfander eintreiben würde, deren Verweigerer mit dem Banne belegt werden ſollten . ') In den verſchiedenen Groden und Kirchſpielen trugen die Güter und Dorfſchaften nach ungleichem Maaßſtabe zu dieſem Bi ſchofsforne bei , welches insgeſammt in die Scheuern des biſchöflichen Propſtes zu Ralswieck geführt wurde.

Spåter

erhielt das Geſchlecht der Barnekow jene biſchöflichen Güter und Einkünfte zu Lehn , und wurde beſtimmt, daß ſowohl der Propſt zu Ralswieck, welcher die kirchliche Gerichtsbar: keit übte , als die landſchreiber, aus dem rågenſchen Adel und

mit

Einwilligung

des

Landesherrn

gewählt

werden

ſollten . 2 ) Ungeachtet der Biſchof von Schwerin , wegen eines Thei: les des landfeſten Rügens im Streite mit Kamin , fich früh - ſchon ,

im Jahre 1221 , genöthigt ſah , die Zehnten dieſer

Landſchaft mit dem Fürſten von Rügen zu theilen , und er obenein von urbargemachtem Acker nur ein Drittel des Zehnt: ertrages erhielt ; behauptete er dennoch beträchtliche Hes bungen an Geld und Korn bis nach vollendeter Secularis ſation des Stiftes.

Die ſlaviſche Bevölkerung ſeines pom

merſchen Sprengels entrichtete ſtatt des Garbenzehnten einen Zins ( collectura Slavorum , que Biscopovnitzka

1 ) Ibid . I. c . Alias si in predicta solucione defecerint, episcopo decimando jure debitam ipsi episcopo et suis successoribus Episcopis Roskildensibus libera facultas remaneat, ab ipsis Ruyanis integraliter extorquendi per pignorum suorum recepcionem , que debet fieri per aduocatum Domini terre Ruye. qui vero pignus dare nolunt, excom municentur, donec decimam soluerint cum emenda. 2 ) Rüganiſder Landgebraud Lit. CCLY . S. 238.

Einkünfte des Idweriner Biſdofs.

336

dicitur ), ' ) welcher aus demſelben Grunde höher war , als der Zehnte der deutſchen Anſiedelungen, welcher den Biſchof von Kamin beſtimmte, feine ſlaviſchen Dörfer höher zu bez ſteuern.

Die

geiſtlichen Geſchäfte verwaltete im Bisthum

Schwerin Pommerſchen Antheil ein Archidiaconus als Offi cialis , welcher ſeinen Siß zu Tribſees hatte. )

Den Genuß

jener Hebungen in den Landſchaften Stralſund und Tribrees, welchen der Biſchof Ulrich i. J. 1588, als die durchgeführte Reformation alle kirchlichen Verhåltniffe umgeſtaltet hatte, noch um 10000 Gulden an die Herzoge von Pommern ver : kaufen

konnte , ) erhielt

ſich

wahrſcheinlich

deshalb fo

lange , weil die bekannten Anſprüche des Bisthums Schwe: rin auf den unmittelbaren Beſiß jener Voigteien , ferner die Macht ſeiner zeitweiſen lehnstråger, der Fürſten und Herren von Meklenburg und Wenden , jene kirchliche Forderung in Geltung erhielt. Hatten die zahlreichen Feldkloſter, deren raſtloſem , land

) Dieſer Biſchofszins war wahrſcheinlich gleid mit dem den be drängten Obodriten auferlegten. Helmold 1. I. c. XIV. p. 52 ed. Ban

gert : Est apud Obotritos Pontificale tributum , quod pro decima im putatur , de quolibet scilicet aratro , quod duobus bobus , aut uno constat equo , mensura grani et XL. restes lini et XII. nummi pro batae monetae : praeterea unus nummus, qui debetur colligenti. Wenn es L. I. c. LXXXVII. (LXXXVIII .) heißt, p . 402 : Et praecepit Dux Slavis, qui remanserant in terra Wagirorum , Polaborum , Obotrito rum Kycinorum, ut solverent reditus episcopales qui solvuntur apud Polonos et Pomeranos , hoc est, de aratro tres modios silignis et duo decim nummos monetae publicae , ſo ſind unter den Pommern und Polen wohl die am früheſten dem Chriſtenthum unterworfenen Bewohner des öftlichen Ländertheils zu verſtehen, mit denen die Zehntpflichtigen des Biſchofs von Schwerin im landfeſten Fürſtenthume Rügen gleich hody beſteuert waren. 2) Schwarß Städtegeſdh. nr. LXXXIX. S. 370. Im Jahre 1306 bekannte die Stadt Grimmen fich für zehntpflichtig, nachdem ihr der Bi= fchof die Summe von 450 Mark, für welche er ihr feine ihm gebühren ben Zehnten berpfändet hatte, zurüdgezahlt. Ebenbaſ. S. 320. *) Dähnert Landes -Urkunden I. S. 239.

Die acht Hauptflöſter Pommerns.

337

wirthſchaftlichem Eifer der blühende Ackerbau Pommerns åber: wiegend verdankt werden muß , den Biſchöfen ſowohl wie den Fürſten Schmålerung ihrer Einfünfte verurſacht, indem das geiſtliche Oberhaupt den geiſtlichen Pflanzſtåtten den Zehnten auf ihrem Gütererwerb abtrat , und die weltlice Macht in frommer Freigebigkeit faſt verarmte ; ro floſſen doch wiederuin in Berlaufe unſerer Periode auf gefeßlichem und ungefeßlichem Wege durch den Reichthum der Abteien beiden Wohlthåtern manche Vortheile zu , welche nicht ges ring anzuſchlagen waren . Dem kirchlichen Range und der Würde nad ſtanden acht Kidſter den. ábrigen voran , ohne deshalb im allgemeinen, wenn ſie nicht durch beſondere påpſt: liche Bullen gefreit waren , ſich dem Einfluſſe und den An forderungen des Biſchofes entziehen zu können.

Die Uebte

von Belbuck, Bucow , Neu -Ramp, Kolbat , Eldena, Hidden ree, Pudagla ( Grobe), Stolpe an der Pene waren abbates baculati, ' ) d . h . ſie durften ſich im kirchlichen Pompe des biſchöflichen Hirtenſtabes, ſo wie im Siegel bedienen ; aber, Ciſteộcienſer und Pråmonſtratenſer, waren bis auf den Abt von Rolbaß, welcher faſt unabhängig wie ein geiſtlicher Fürſt fich gebehrdete , Verträge mit fremden Mächten ſchloß , dem Landesherrn ſich oft mit den Waffen widerſeşte und vom Kaiſer die Beſtåtigung ſeiner Gåter erwirfte , der Aufſicht des Biſchofs unterworfen , mußten in der Synode deſſelben erſcheinen , empfingen , zwar von den Brüdern frei erwählt, die Weihe durch den Biſchof, und blieben zu gewiſſen Ab: gaben verpflichtet.

So entrichtete Belbuck jährlich an den

Bifchof zwei Laſten gutes treptower Bier, vier laſten Hafer, von jeder Hufe ſechs Scheffel dreierlei Korns zu gleichen Theilen, und zwei Paar Handſchuhe von Zwirn, 2 ) ein hers

^ ) Rango Origin. Pomer. p . 98. 2 ) Aus Steinbrüds Geſdidhte ber Klöſter in Pommernt , unter den werfdiebenen Rubriken. 22 Barthold Geſch, v. Pomm , III ,

338

Abgaben der Klöſter.

kömmliches Symbol , mit welchem geiſtliche Stiftungen eine Art Lehnsabhångigkeit bekannten.

Buckow gab zwei Laſten

guten fósliniſchen Bieres, eine laſt Hafer, 16 Scheffel dreiers lei Kornes und von jeder Hufe zwei Schillinge biſchöflicher Pfennige ; Marienfließ zwei Fåffer guten ſtargarder Bieces und zwei Fåffer freienwalder Bier , von jeder Hufe zwei Schillinge, außer einem Zehnten, welcher ſich nach der vers ſpåteten Stiftung erhalten hatte, 300 Paar Handſchuhe von Zwirn , eine gute Badekappe; auch hatte das Klofter die Verpflichtung , den Biſchof jährlich zwei Tage und zwei Nächte zu herbergen und zu bewirthen. Die Erzeugniſſe weib: licher Kunſtfertigkeit fonnte den Jungfrauen keine laſt fein ; ſonſt aber waren ſie, ohnehin fårglicher ausgeſtattet, am höchſten beſteuert.

Stolpe an der Pene, wiewohl das älteſte

Kloſter des Landes und urſprünglich wohl bedacht, unterlag doch den erſten Angriffen einer neuen Zeit, und mußte dem Biſchof eine laſt demminer Bier , einen Zehnten entrichten und ihm Einlager geſtatten.

Faſeniß , eine verſpåtete Stif:

tung und deshalb arm , hatte wenigſtens den Zehnten eigen , und war von der Gerichtsbarkeit des ftettiner Archidiaco: nus gegen eine jährliche Summe an den Biſchof

befreit.

Um unabhängigſten erſcheint Hiddenſee ; die Inſel war vom Biſchofszehnten

nach Ralswieck befreit , und in der roes :

kilder Matrikel

wird keiner

Abgabe an

den Biſchof

ģes

dacht. Marienthron gab wenigſtens ein Reh und drei Birks hühner. Die Willkühr , welche die Kloſter oft durch die

Biſchöfe

erfuhren , nothigte ſie häufig,

ihre Zuflucht

zu påpftlichen Schußbriefen zu nehmen ; welche ihnen wohl mehr fruchteten , als Kirchenbann gegen das Zugreifen Obgleich grundfåglich das der weltlichen Macht. Eigenthum der Kirche

frei war

und

die Stiftungsbriefe

faſt jedem gånzliche Freiheit von allen Landeslaſten zuſicher ten ; ſo zeigte die ſpåtere Staatswirthſchaft, zumal in Kriegs zeiten , dennoch ein leichtes Gewiſſen , und verſtand , auss

Ablagerredit der Fürften .

339

nahmsweiſe oder nach aufgeſtellten Grundfågen , zwiſchen der urſprünglichen Dotation und den ſpäteren Erwerbun : gen der Kloſter zu unterſcheiden . So iſt ſelbſt oft von Beden der Fürſten auf Kloſterdörfern die Rede ; wir erwähnen des Abkommens Barnims I. mit dem Domkapitel zu Ramin und Barnims III. mit dem Kloſter Dargun das untreue Rols baş

mußte in Fehden

dem

erzärnten

Landesheren

ſeine

Scheuern und Stålle preisgeben, und die Schirmvoigte, ad vocati, entweder erwählt oder aufgenothigt , ließen ſich von ſchwachen, geiſtlichen Stiftungen, wie die Thune vom Jung: frauenklofter Verchen , ihren Beiſtand theuer erkaufen .

So

ſtreitbare Xebte dagegen , wie die vom Castrum S. Petri et Pauli ( Belbuck ), deren Siegel einen Gewappneten mit Spieß und Schild darſtellte,

und welche ihre Vafallen aufbieten

fonnten, mochten ſich der Uebergriffe ihres Voigtes leichter er: wehren, als welcher im XIV . Jahrhundert Jacob de Curia, ? ) ( von Hof ), deſſen merkwürdige Kirche durch die Fluthen der Oftree rettungslos bedroht iſt, erſcheint. Außer den Erpreſſungen nothgedrångter fandesfürſten , welchen oft die mildernden Benennungen gratiae, Berehrun gen, untergelegt wurden, hatten alle Kidſter bis zum Schluſſe des XV. Jahrhunderts pflichtmåßig die Gaſtfreundſchaft gegen die Fürſten zu üben , welche, noch ohne feſte Wohnſiße, in einem faft geregelten Wechſel das Ablagerrecht in Geltung erhielten. Wohl mochte ein hungriges Gefolge, von der Zahl, wie Wartislav IV . und Barnim III . ſelbſt in den Ta gen Idblicher Sparſamkeit mit fich führten und auf soften der Kidſter wochenlang zehren ließen, eine merkbare laſt der Mönche rein ; wie hoch die Fürſten den Genuß dieſës Rech : tes anſchlugen , lehrt der Vertrag mit dem Kloſter Stolpe, welches, obwohl verarmt, i. I. 1495 für die Ablagerfreiheit den fandesherren jährlich mit 3 laſt Roggen, 3 laſt Hafer,

' ) S. Bruinmere urkundliche Geſchidste von Belbud. 22 *

Kloſter-Beamtete.

340

einer halben Paft Schaaffleiſch, 2 Tonnen Butter und 100 Mark Münze entſchädigte. Ungeachtet die Zahl der Oberen , der Våter ( Prieſter ), der Brüder , Conversi , der Beamten und Diener , des Ge ſindes in einem Feldkloſter ſehr groß war , welche zugleich in kirchlicher , bürgerlicher und båuerlicher Weife arbeiteten und zehrten ;

ſo ſteigerte die kluge Bewirthſchaftung und

zeitgemäße Ausbeutung der Frömmigkeit dennoch den Ertrag ſo machtig, daß alle ein bequemes, oft ſchwelgeriſches Leben führen konnten . Ein Verzeichniß des Perſonals von Bel buck v. 3. 1328, welches nicht einmal alle zum Kloſter ge hörigen Höheren und Vorſteher umfaßt, führt den Abt, den Prior, den Subprior, den Propſt im Nonnenkloſter zu Trep tow und in der Stadt Stolp, den Circator ( visitator), den Cellarius, fieben Plebane, unter denen die der Stadt Trep tow , den Magister curiae in Neuhof, fünf Magistros curiae in Robe und anderwårts, einen chemaligen Abt, einen Müh : lenmeiſter, einen Pleban in Zarben , vier Kanoniker in Bels buck, ſieben Handwerksmeiſter im Kloſter und noch eine Anzahl anderer beamteter Brüder ac alii majores et ceterae personae singulares ex capitulo et conventu auf ; Kolbat unterhielt i. I. 1466 einen Abt , einen Prior , Subprior, Kåmmerer, Kantor, Meiſter der Conversi, Kornhausmeiſter, Kellner, Unterkellner, Wantmeiſter, Hofmeiſter, Portmeiſter, Mühlenmeiſter,

Spickermeiſter,

Holzmeiſter ,

und

Bursa

rius, alles Offizianten , die Brüder nicht gerechnet! Neu : Kamp hatte dieſelben Beamten und noch einen Magister piscinae , ' ) deſſen die anderen Feldkidſter ſchwerlich enta behrten. Aus dieſer noch unvollſtändigen Theilung der Berufsgeſchäfte eines Feldkloſters entnehmen wir leicht ein

) Daß der Fiſhmeiſter nicht etwa ein Laie oder ein conrersus war , lehrt das Necrologium in Ledebur Archiv XVI. p. 40. Obüt gre gorius Werneke , monachus et' sacerdos magister piscine.

Madht ber Alöfter.

341

Bild des Lebens innerhalb und außerhalb der Kloſtermauern, in welchem der urſprüngliche kirchliche Charakter ſehr ſchwach bezeichnet iſt.

Die Sorge der Regentſchaft in geiſtlicher und weltlicher Beziehung lag dem Abte und dem Prior ob , die oft auf Reiſen und Fahrten erſcheinen, und ſelten ohne Håns Gewaltthårig genug in der Bes

del und Proceſſe waren .

hauptung ſeiner Rechte tritt der Abt zu Eldena auf ; doch nicht mit jener fürſtlichen Eigenmacht, wie die Prålaten von Kolbaß und Belbuck. Der Belbucker wehrte ſich in offener Fehde gegen die benachbarten Edelleute , und die Annalen des Kloſters rühmen mehr als einen Erfolg geiſtlicher Waf fen , gewöhnlich in Gemeinſchaft mit den nahen Städten. Die mårkiſch geſinnten Wedel waren zu Anfange des XIV. Jahrhunderts feine Hauptgegner , deren Sturm

auf

das Kloſter Abt Nathan i . I. 1317 zu großem Verluſte der Angreifer zurückſchlug. – Die Canonici oder Sacerdotes verwalteten den Meſdienſt und die Beichte in den Kloſter firchen ; eine Menge von Vermächtniſſen frommer familiares der Kidſter, Månner und Weiber, an fåndereien und baaren Gefällen , hatte die Zahl der kirchlichen Verpflichtungen gegen Einzelne ſo ungeheuer vermehrt ; es waren ſo viel Meſſen , zumal Seelenmeſſen , an den Sterbetagen der Wohlthåter zu leſen, daß eine gewiſſenhafte tagsgenaue Erledigung derſelben die Mönchsprieſter auch in mechaniſcher Weiſe unbegreif lich beſchäftigte. Die Zahl der Vicariae perpetuae und Altardienſte in den Pfarrkirchen auf Rügen finden wir der roesfilder Matrifel ? ) angehångt ;

die Urkunden über die

Stiftung und Ausſtattung aller Altåre in Stadt- und lands, wie in Kloſter-Kirchen ſind gar nicht zu gåhlen, und aus ihnen allein muß der Seculariſation ein ungeheueres Vermogen zuge: floſſen ſein . Der Zufall hat Bruchſtücke eines Necrologiums a )

' ) Langebek I. c. p. 149 ff. % ) 3n Lebeburs Archiv XVI. S. 37 veröffentlid burdy won Mebem .

342

Geiſtliche Stiftungen.

von Neu -Kamp, welches die Stelle des ſpäteren Calendarium vertrat , erhalten , welches etwa vom 5. Juli bis zu Ende des Monats reicht und uns die Verpflichtung der sacerdo tes gégen verſtorbene Wohlthåter aus allen Stånden kennen lehet.

Die Betriebſamfeit der Båter hatte alle wohlhabens

den Nachbarn im Leben und im Tode fich zinsbar gemacht . ') Årme gaben mindeſtens eine Tonne würzigen Bieces für das Krankenhaus oder den Monchen ad potandum ; Wein wurde weniger in unſerem lande getrunken , welches faſt áberall ein ſtarkes , ſchmackhaftes Bier bot , dergleichen die Kidſter, wie wir ſahen , an den Biſchof in Fülle entrichten mußten. Deshalb konnten die Mönche ihre Zechluſt zum Gedåchtniß verſtorbener Geber gewiß hinlänglich befriedigen , was frei lich ihre Natur nicht feiner organiſicte, fie aber tüchtig zu ihrer

vielfachen außeren

Thåtigkeit

erhielt ;

Gerhardus,

dictus Birhals, im Verzeichniß der belbucker Brüder vom Jahre 1328 aufgeführt, trug ſeinen Bedeutungsvollen Namen gewiß nicht ohne hinlånglichen Grund. Ein

ehrenwerther Theil der Kloſterbråderſchaft war,

wenn ihre Ordensregel

mit der Seelſorge fich vertrug, ? )

mit dem Pfarramte auf den Dörfern der Abteien oder in Städten , welche, wie Treptow und früher Sreifswald und viele andere , in kirchlicher Verbindung mit den nahen Kios ſtern ſtanden , betraut , und wohnten dort als plebani auf

1 ) Unter den Wohlthätern, beren vom 5. bis 30. Juni it der Kirche zu Neu-Kamp gedacht wurde, hatten fünf tunnam cerevisiae ad potàn dum gegeben ; ein ſtralſunder Bürger (S. 38 ) nonaginta marcas ad organa comparanda (zur Orgel); Geſchenke von Pferben, Frohndienſten , Xedern und an baarem Gelde werden täglich erwähnt ; bagegen nur 6 solidi , quos Henricus famulus noster dedit ecclesiae nostrae ad libros. Meller, Sdheuer und Stal waren beſſer verſehen , als die Bü derei, weil jeder Geber wußte, was den Vätern am willkommenſten war. 2) As i. I. 1304 die Mönde zu Stolpe die Benediktinerregel ver ließen und Ciſtercienſer wurden, traten ſie die Seelſorge und das Ardhi. diafonat auf ibrett Pfarrbörfern ab.

Die Pfarrer. eigenen Höfen oder in eigenen Buden ( Håuſern ).

343 Um die

Berufstüchtigkeit der månchiſchen Dorfpfarrer zu prüfen , fehlt es uns durchaus an Material ; doch mögen ſie wohl überwiegend der Landwirthſchaft und dem Eintreiben kirch : licher Gefälle obgelegen haben , in ihrer Stellung wenig unterſchieden von den erſten ungebildeten Dorfpfarrern nach der Reformation , nur mit der Abweichung, daß ſie nicht wie jene Eheweiber hatten. Ihr fittliches Leben ſpiegelt fich in den Pfarrherren ab , die uns Hinzes und Brauns Fåhr: lichkeiten in Reinete Voß erbaulich ſchildern . Daß aber auch die ftädtiſchen Meßprieſter aus der Zahl der Kloſters brüder , wie der belbucker in Treptow , nicht immer , ohne Anſtoß und Aergerniß zu geben, gewandelt haben , lehrt eine Klauſel des Vergleiches der Stadt mit dem Abte Nathan 0. J. 1309, welcher für ein Kapital von 200 Mark in der Heiligen - Geiſtkirche duro einen Mönch tåglich Meffe leſen zu laſſen ſich verpflichtete, und, wenn deſſen Aufführung dem Rathe mißfiel, einen anderen von Idblicherem Wandel ſtellen müßte. ' )

Aus dieſer Verbindung der Stadt mit dem Kloſter

ging dann , wie in anderen Stådten , durch die Mönche die Stiftung der Schulen hervor ; in Treptow jener preiswür : digen gelehrten Anſtalt, welche die Pflanzſchule der lutheri Ichen Lehre für Pommern wurde . Es gab wohl überall in den Stådten , wie zu Stralſund , Greifswald , Demmin , Stettin, Stargard, Pirit, in welchen ihrer ausdrücklich er wähnt wird , Schulanſtalten unter geiſtlicher Leitung , in denen aber das fårgliche Maaß der zeitüblichen Lehrgegen : ſtånde ſchwerlich überſchritten wurde. Auch die Kloſterfrauen, zumal die wolliner, glaubten den Sinn ihrer Stiftung nicht zu verfehlen , indem ſie den Töchtern des Landes gegen ges bührende Entſchädigung Erziehung, Unterricht, vielleicht auch

) S. die angeführte bandſdriftlidye Geſchichte von Belbud.

344

Milbe Anſtalten. Elendshäuſer.

den Waiſen Pflege boten und , wie wir oben bernommen haben, ſich des Andranges faum erwehren konnten . Um den Kreis kirchlicher Thåtigkeit der Mönche und des Klerus überhaupt vollſtändiger zu bezeichnen , müſſen wir noch zwei

håufige

Erſcheinungen der Zeit berühren,

welche die fromme Sorgfalt des Jahrhunderts får Arme, Kranke und Schwache, ſo wie die Angſt febender für das dereinſtige Heil ihrer Seelen charakteriſiren .

Bei allen Kild

ſtern und vor allen Städten waren ſogenannte Elenden : håuſer, nicht allein zur Aufnahme und Pflege der Hungri : gen und Siechen , deren Zahl , zumal der Miſelſüchtigen ( Ausſágige, Leprosi), ' ) durch die Verbindung mit dem Mors genlande ungeheuer vermehrt, die unmündige Heilkunde nicht von ihrer ekelhaften Krankheit befreien konnte ; ſondern auch zur Beherbergung und

Bewirthung der

Pilger , welche

nach den Ståtten wunderthätiger Bilder und unzweifelhaften Sündenerlaffes durch alle lande zogen. Wir kennen in Pommern die drei heiligen Berge, welche in vorzüglichem Rufe ftanden und außerdem noch viele Kapellen , wie die bei Levenhagen, unweit Greifswald, welche die Reuigen aus teis ter Ferne lockten.

Zum Unterhalte der Pilger und Walls

fahrer, wie zur Zufluchtsſtåtte der Preßhaften gaben Kloſter und Städte, ja Dorfgemeinden überall reichliche Saben her, und bethåtigten unübertroffen die Lehre des Chriſtenthums. Zu folchem Zwecke wurden zahlreiche Gaben an Geld und deckern, auch an Bier ausgeſeßt, und Kolbaş, Belbuck und Neu-Kamp thaten ſich vor anderen in einem ihres Berufes ſo würdigen Streben hervor.

Der Propſt Eggard von

Faſeniß klagte i. I. 1339 dem Biſchof Friedrich ,

daß er

* ) In Greifenhagen beſtand früh eine ſogenannte Elendsgilde, fra ternitas exulum ; zur Unterhaltung des Leproſenhauſes wurden i. J. 1327 von einem Wohlthäter 5 ſteuerfreie Hufen auderſehen. Baltiſche Stu dien VIII. 2. S. 206 ff. Ueber das Schidſal der Leprosi in den Schret kensjahren 1349 bis 1351 ſ. unten.

Ralandshäuſer.

345

kein Pfleghaus für kranke Brüder håtte , und hielt um die Erbauung deffelben mit Einziehung der Kircheneinkünfte eines nahen Dorfes an ; der Biſchof bewilligte die neue Stiftung und ſtellte feſt, daß der Krankenaufſeher den Gottesdienſt halte und die Sakramente reiche. Dieſe Fürſorge kann jes doch nicht als die franken Mönche allein betreffend vers ſtanden werden, da das Kloſter nur ſchwach bereßt war und eines großartigen Krankenhauſes nicht bedurfte. Nahe verwandt mit dieſer Richtung der Mildthåtigkeit auf Gebrechliche und Arme war die Stiftung der Kalands: håuſer in den Städten, fraternitas Calendarum , urſprüng lich aus Klerikern beſtehend, damit der Genoſſe nach ſeinem Tode Seelenmeſſe und ehrliche Beſtattung erhielt.

Dieſe

Bruderſchaften nahmen zeitig für Vermåchtniffe auch taien auf und gewannen ihre Namen von dem Brauch, nach Ans weiſung

ihres

Todbuches

Seelenmeſſen zu begehen.

an jedem

erſten

Monatstage

Die Geſellſchaft, vom Biſchofe

beſtåtigt, hatte ihre Vorſteher, praepositi, decani, oft eigene Håuſer in Stådten , in denen ſie ihre conventus feierte , ro wie beſondere Altåre in den Kirchen . Den Beſchluß der monatlichen Verſammlung machte eine Mahlzeit, bei welcher zwar ein Sermon vom Prieſter geleſen , aber auf das Wohl der Verſtorbenen gemeinhin ſo voll in Bier getrunken wurde,

' ) S.Sdöttgen Altes und Neues Pommern S. 191 in der Hiſtorie des Kalandes zu Stargard. In der Beſtätigungsurkunde des Kalands ſagt der Biſchof: sane nobis ultimo in stargard existentibus , nomine vestro nobis fuit humiliter intimatum , quomodo tempore mortis sa cerdotum vobiscum , qui ministri dei appellantur, quidam ex eis in tanta egestate ac nimia paupertate ab hac luce decedunt , quod de facultatibus suis post eorum obitum per eosdem derelictis , honori fice ut bene deceret , et consonum existeret rationi, corpora eorum commode tradi non possint ecclesiastice sepulture. Im Städtchent Maſſow beſtand ſchon t. I. 1310 ein wohlfundirter Naland , aber nocy unter Klerifern . Schöttgen et Kreyssig dipl. III. nr. XXXV. p. 22 ; nr .LXVI. p. 70.

346

Weltliche Thätigkeit ber Geiſtlichen .

daß ein guter Ralandsbruder mit einem guten Irins fer gleichbedeutend blieb.

Solche Kalande verwandelten ſich

auf der einen Seite ſo leicht in jene weltliche Brüderſchaft der Kaufleute mit kirchlicher Fårbung , als ſie mit Elendens häuſern gleichen Beruf entwickelten . ')

So innig aber hatte

die Kirche die bürgerliche Geſellſchaft durchdrungen , daß fich kaum alle die Brüderſchaften zählen laſſen , welche in Pom : merns Städten mit verſchiedenen Abſchattungen überall be: ſtanden. Mit dieſen angegebenen Berufsgeſchäften haben wir die kirchliche Thåtigkeit derMönche und der Geiſtlichen erſchöpft, nnd die Frage , was die übrigen zahlreichen Brüder der Feldflöſter, welche nicht Regenten, Prieſter, Plebane, Pfar: rer , Soulmeiſter oder Krankenpfleger waren , zu verrichten hatten , erledigt fich dahin , daß fie båuerlichen und bürger lichen Geſchäften im ftrengſten Sinne oblagen.

In frühes

rer Zeit mochten die Ciſtercienſer beim Ackerbau ſelbſt Hand anlegen ,

und

wir

können

uns

die

erſten

Mönche von

Eidena kaum anders vorſtellen , als wie die Trappiſten, mit aufgeſchürztem Gewand , im Soweiße ihres Angeſichtes den Karſt handhabend oder hinter dem Pfluge hergehend ; in der ſpåteren war ein großer Theil der wirthlichen

Ordens

brüder als magistri curiae , Acervogte auf den unmittel: baren Kloſterhöfen, vertheilt, wo ſie, fern von kirchlichen Tags : geſchäften , die Geißel wohl nicht ruhen laſſen durften. Andere hatten die Aufſicht über Fiſcherei, Mühlen, Forſten ; ein wich tiges Amt war das des Cellarius , des sellermeiſters und des Speiſemeiſters u. f. t. Doch befremdet es in der Nähe gewerbthåtiger deutſcher Stådte , wie Treptor, in Belbucł unter den Mönchen eine Zahl magistri fabro

So bie Brüberſchaft der 6. Dreifaltigkeit auf Bergen , welche 1. 3. 1422 vom Landesherrit zu dem Zwede beſtätigt wurbe, baß fie bie Seelenmeſſen ber bort verſtorbenen Fremden (Elenden ) beſorgen ſollte . Hoſegarten Geſchichtsdenkmäler I. S. 19.

Weltliche Thätigkeit der Geiſtlichen.

347

rum , deren Gerhard Bierhals einer war , und fogar einen magister sutorum zu finden . Die weitläuftigen Bauten zu kirchlichen Zwecken machen allenfalls ſechs Bau-, Mauers und Zimmermeiſter erklärlich; die Mönche waren Archis teften , geſchickte Zimmerer und auch Bildhauer, wenngleich die vorhandenen Grabmåler aus dem XIV . Jahrhundert in den Ruinen des Kloſters Eldena ; im faminer Dom und anderwärts nur die Kunſt zeigen , die menſchliche Geſtalt in vertieften Linien roh zu umreifen ; ' ) aber Johannes magi ster sutorum ,

welcher eine Zahl Schuſter als Unter:

ſteht råthſelhaft da , wenn die Mönche nicht etwa fabrikartig folches Handwerk übten, und gebene vorausſegen låßt ,

ihre gefertigten Vorråthe dem damals noch ungeſchichten Norden zuführten ! Treptow war bereits eine blühende deutſche Stadt , der es an Schuſtern am wenigſten fehlen konnte, welche etwa des geiſtlichen Lehrmeiſters bedurft håtten. viel iſt demnach gewiß, daß die weiten Räume, welche

So relo

ſtermauern, wie das Castrum S. Petri, umſchloffen , die Kreuzs gånge , Hallen , Refectorien , Såle und Nebengebäude nicht allein von Meßgefang und kanoniſchen Horén widerhall ten , oder von dem Flegel der Dreſcher , ſondern daß eine vielartige bürgerliche Thätigkeit dort ihren Tummelplat fand ! Uus dieſer Schilderung der Geiſtlichen und des Klos

' ) Gegenwärtig ſeben dieſe Grabſteinbilder kunſtlos genug aus ; body find bie erhabenen Theile abgetreten und die Metallverzierungen , die Stäbe , Infuln , feldje, Sdwerter u. 1. t . abgetrennt, daher wir überal nod die Höhlungen findert, in welchen jener Sdmud befeftigt war. Der Berfaſſer beabſichtigte eine Charakteriſtik der ihm bekannten Stadt- und Dorfkirchen Pommerns zu geben ; aber er iſt genöthigt den Raum zu ſparen , zumal fr. Kugler dieſen Gegenſtand künſtleriſch bew handelt hat, und der Leſer die Schilderung pommerſcher Stabtkirchen burdh ben Verf. in Raumers hiſtoriſchen Taſdienbuche Jahrgang 1839 S. 39 ff. findet. Unter den neuerbings von ihm beſuchten Dorfkirchen zeichnet ſich vor allen die zu Rolzot auf Wolin aus , deren doppelte Bogenſtellungen im Schiffe, älter und ächter, als der ähnliche Stil in der Nicolaifirde zu Greifswald, leider dem Abbruch beſtimmt ſind.

348

Zuſtanb ber Gehrſamleit.

ſterlebens im XIV . Jahrhundert

iſt leicht zu

entnehmen,

welchen Einfluß der Klerus auf die höhere Bildung des Volkes ausübte. Die Prålaten und ihre Untergebenen waren keine Gelehrten , ' ) . auch keine ſonderlichen Freunde der Wiffenſchaften.

Der

gelehrten

Theologen

gab es wenige

unter ihnen , welche vielleicht in Paris oder in Italien den Grad des Magister oder Baccalaureus erlangt håtten. trautheit mit

Vers

den Quellen des fanoniſchen Rechts , welche

in firchlichen Rechtshåndeln angewandt werden inußten, darf man den Monchen zwar nicht abſprechen ; doch waren Bü cher der Art, nebſt Miſſalen , Legenden und den Werken zum engeren Kirchendienſt gewiß der einzige Inhalt der Bis bliotheken.

Im Jahre 1323 überließ der Abt Robert von

Eldena a ) dem Magiſter Johannes Treptow auf lebenszeit den Bücherſchat, welchen ein angeſehener Bürger Greifs: walds dem Kloſter vermacht hatte.

Dieſe ſieben bis acht

Bücher, größtentheils zum Kirchenrecht gehörig, wurden auf 100 Mark Pfennige geſchågt. Das barbariſche latein, welches die Mönche, ſo gut fie es verſtanden , den faien mit: theilten , und

welches wir ſattſain kennen gelernt haben,

ward obenein um dieſe Periode aus dem Geſchäftsleben durch das

Plattdeutſche . verdrångt , welches ,

aus Weſtfalens

und Niederſachſens entlegener Ferne übertragen , die Fähig keit ausbildete , alle vorkommenden Begriffe im Rechte und in der Diplomatik verſtåndlid zu bezeichnen. Nirgend erfahren wir , daß in den Kloſtern Abſchriften der römi :

' ) 3m Necrologium von Neu -Kamp 5.39 wird aus einer, freilidi ſpäteren Zeit ( 1489) angeführt: Obiit Stephanus monachus et sacer dos hujus domus professor qui fuit egregius doctor ac sacre teologie nec non baccalaureus decretorum cet. Magistri aus Neu-Kamp madh ten aber audy fchon i. I. 1314 ihre Anweſenheit zu Barb in den her zoglichen Küchenrechnungen bemerklich. Sonſt iſt dieſer Titel ſelten . 2) Aus dem greifswalder Stadtbude bei Roſegarten Geſchichts denkmäler I. S. 110.

Zuſtand der Gelehrſamkeit.

foen Klaſſiker

gefertigt wurden ; daher denn noch

Koder in den Bücherfammern derſelben des Verbrauchs

349 kein

aufgefunden iſt;

des Pergaments wird nicht erwähnt ;

Illuminatoren und Miniaturmaler , deren glanzvolle Periode für Italien , Frankreich und das ſüdliche Deutſch gekommen war , fanden feine Beſchäftigung in unſe: ren Kloſtern , deren Urkunden , wenn auch nicht immer fauber und zierlich , doch insgemein lesbar geſchrieben ſind. land

Daß ſich die Klerifer mit der Heilkunde befaßt håtten , iſt nicht zu erweiſen ; Greifswald beſaß dagegen ſchon i . F. 1395 in ghodeke de kerpen „ der stat arsche,” (Urzt) welcher freilich, wie

der Name

ſagt, vom Niederrheine

ſtammte ! )

Die

Monche haben keine Kloſterchroniken , geſchweige denn åltere und zeitgenöffiſche Landesgeſchichte verfaßt ; 2 ) darum iſt die åltere pommerſche Geſchichte ſo arm an individuellen Zügen, daß z. B. bis auf wenige Princeſſinnen keiner hiſto: riſchen Frau erwähnt

wird !

Die Poeſie der Meiſters

fånger , durch Pfaffen und Schreiber zeitgemåß gehands habt, verſtummte in Pommern, ſeit Hermann von Gleichen, Markgraf Otto und die Wiglav zu Grabe gegangen waren. Die Erbitterung, mit welcher die Pommern gegen die Bran : denburger fochten, ſcheint ſie Jahrhunderte lang zu Fein: den deutſcher Veredelung gemacht zu haben , welche ihnen zun å chſt nur durch die Mark kommen konnte ! Und den : noch würde das Leben des Volkes wüft und haltungslos zerfallen ſein , håtte der Einfluß des Klerus verneint wers den können !

So beſchrånft derſelbe ſich verhielt , feine

Hufen zu bebauen , in der Urbarmachung -und Kultur des Bodens und im bürgerlichen Erwerbseifer dem Lande zum

' ) In einer Urphede v. I. 1395 aus dem greifswalder Stadtbudhe baſelbſt S. 79. 2 ) . Joh. Bugenhagen fand nur vereinzelte Sürftige Nachrichten , der Matrikel beigefügt, in Budow und anderwärts vor. Die Mönche von Oliva hatten dagegen ihre Annales und ihr Chronicon.

350

Heilſame Wirkungen der kirchlichen Verfaſſung.

Vorbilde zu dienen, die banauſiſche Thåtigkeit des Lebens zu befördern, das trivium zu lehren und die Gemäther auf dem engen Pfade des gebotenen Kirchenglaubens mit drohendem Strafzorn zu erhalten ; ſo war es doch auch der zahlreiche Klerus , welcher die Anechtſchaft milderte ; welcher durch den Gottesfrieden und die Furcht vor dem Bannſtrahle die ungeſtüme Leidenſchaft und die Gewaltthat der Machts haber zügelte ; welcher das öffentliche Elend milderte ; im. Leben und Tode den glåubigen Sünder tróftete, uud wel: cher, zuſammt mit dem Bürgerthum, ohne den udel , die hohe Schule gründend und ausſtattend , die größte Gei : ftes that in Pommern , die sirchenverbeſſerung, vor: bereitete , deren Anfänge die Kloſtermauern umſchloſſen .

Sech ſt es

Buch .

Von der Erwerbung der Reichsfreiheit für das Herzogthum Pommern - Stettin i. F. 1338 bis auf das erſte Uuftreten der Hohenzollern in der Marf Brandenburg i. 7. 1411. — Pommern im Genuß der Rechtsunabhångigkeit; Barnims III. Zerriffenheit und Ohnmacht des lan des in Folge der Erbtheilungen . Walten.

Erſtes Kapitel. Unruhe ber Stände und Kampf der Herzoge wolgaftiſden zweiges mit den Stettinern wegen der brandenburgiſchen Lehnsanwartſchaft. Treue der Städte im ſtettiner Herzogthum . Freilöſung von Stolpe 1341 . Ausſöhnung der Vettern und ihrer Stände 1344. Tod Ottos III. 1345. Barnim III. Verehrer S. Ottos . Streit der Wolgaſter mit den mellenburgiſchen und werleſchen Fürſten wegen der berpfändeten Vogteien. Verhältniß Waldemars Atterdag zu Pommern som Fabre 1338-1347. Die Anwartſchaft, welche Otto und Barnim auf dem frank: furter Reichstage ſo widerrechtlich dem brandenburgiſchen Hauſe eröffnet hatten , verwirrte unheilbringend von neuem die Verhältniſſe Pommerns , und brachte den wolgaſter Zweig nicht allein mit den Vettern in Stettin, ſondern auch mit der Mark in feindliche Stellung.

Långſt war Bogislav V. , der

ålteſte der Brüder , unzufrieden mit der vormundſchaftlichen Verwaltung Ottos und Barnims , welche keinesweges die Lage ſeines Erbtheiles gebeffect; wohin er blickte, ſah er ſeine

352

Unzufriedenheit der Wolgaſter mit der Vormundſchaft.

Rechte verpfändet, verkürzt und gefährdet. Das Gebiet von Stolp , an den Orden verfeßt, war dem Heimfall an die erwerbeifrigen Ritter nahe ; andere landestheile befanden ſich in fremden Hånden, wie die Inſeln Rügen, Uſedom , Star: gard und Loig ; bei der Geldnoth des wolgafter Hauſes ſchien der Beſitz der landfeſten rugenſchen Vogteien den måch : tigen Pfandinhabern nicht mehr entriſſen werden zu können. Dazu dauerte der Proceß des Biſchofes von Schwerin wegen des Anrech tes auf jene landſchaften fort, und zog ſich durch alle Windungen des römiſchen Rechts hin ; můde des Streis tes håtte der Biſchof Ludolf und deſſen Bruder Heinrich, Archidiaconus von Tribrees, i. F. 1338 gern dem Vortheile der gerichtlichen Entſcheidung entſagt, wenn die pommerſchen Herzoge das Fürſtenthum Rügen als Lehn vom Stift ges nommen håtten ; aber Bogislav V. , obgleich kaum zu můns digen Jahren gekommen , entwickelte eine beharrlic e Sin: nesart, weigerte ſich ſolcher Schmålerung ſeines Erbes ; da: her von dem Biſchofe der Handel gegen den Herzog ſowohl, als gegen die Stadt Stralſund und die Pfandbeſißer am 1

römiſchen Hofe weiter verfolgt wurde. " ) Kaum

hatte Bogislav V. von der Wendung der Dinge

in Frankfurt und von dem Verſuche Barnims und Ludwigs, die Städte und Vafallen des Herzogthums Stettin zur Erbs huldigung zu vereinigen, ſichere Kunde, als er, von der Un můndigkeit freigeſprochen oder

ſich

ihrer erledigend , eilte,

zunächſt ſeiner Unterthanen ſich zu vecſichern und Seld zu den drohenden Gefåhrlichkeiten aufzubringen. Wir finden ihn am Ende des December 1338 in Stralſund , 2 ) wo er mit den Herren von Putbus ſich einigte , und am 21. Des cember 1338, mit Beiftimmung ſeiner Mutter, den Einwohnern

) S. darüber ausführlich die Acten in Sdröbers papiftiſdem Meta lenburg S. 3076 - 3125 und Rudloff a. A. O. I. S. 278 . 2 ) Dreger 3. I. 1338 nr. VII. IX.

Zuſammenkunft Barnims und Ludwigs in Frankfurt.

353

Rügens ihre Freiheiten beſtåtigte, alle gerichtlichen Hands lungen, welche von dem Landpoigt Johann von Putbus voll : zogen waren, guthieß , und den Unflamern zum neuen Jahre 1339 dieſelben bündigen Zuſicherungen gab. ' )

Wahrſchein

lich hat er in gleicher Abſicht auch die übrigen Städte des Herzogthums beſucht, wo - inzwiſchen mit dem neuen Jahre eine ungeheure Gåhrung eintrat. Vafallen und Städte des ftettiner Landes waren empórt, daß ihr Herzog, nach ſo ſchwe rem und blutigem Streite, fie dennoch unter das Joch der Mårker bringen

wolle;

angeborenes Rechtsgefühl ſcheute

offenen Abfall von einem Gebieter nicht, welcher gegen die heiligſten Verpflichtungen gehandelt hatte.

Selbſt diejenigen

Stådte, welche, wie Stettin und Greifenhagen, ?) noch kurz vorher die freigebigſte Gunſt Ottos genoſſen, wurden erbittert über den Treubruch und wieſen ſchnode die Anmuthungen Barnims und der brandenburgiſchen Råthe , dem noch an weſenden Kurfürſten zu huldigen , ab. Stådte ſcheinen fich

Nur wenige kleinere

gefügt zu haben , ſo wie die Adels:

geſchlechter , welche fchon früh die Partei der Mårker er: griffen .

Solche Schwierigkeiten hatte Kurfürſt Ludwig wohl

geahnet , und ſuchte ſie durch Beſprechung mit Barnim, welcher am Ende des Januar 1339 zu ihm nach Frankfurt gekommen war, zu heben .

Am 28. Januar 1339 verpflich

tete ſich daſelbſt Barnim im Namen ſeines Vaters, 3 ) Sorge - ) Dähnerts P. Bibliothek V. S. 226 in ipso die circumcisionis domini, 2) Greifenhagen ſtand in ſchöner Blüthe ; es hatte Zollfreiheit auf dem Strome, das Brüdenredyt und den Beſiß der zum Theil wendiſchen Vorſtädte erlangt. S. die fleißige Geſdichte von Greifenhagen in den Balt. Stud. VIII. S. 170. 174. Stettin war eben in Beſiß einer Schen kung getreten , welche ihr Otto im Sommer 1338 gemadht, in recoma pensam gratitudinis nobis in hac werra contra Marchionem habitae. Pomm. Magazin II. S. 268. Nody im Februar 1339 fertigte Otto zu Damm, ſeiner gewöhnlichen Reſidenz, eine Acte zu Gunſten der greifen hager Kirche aus . Balt. Stud. VIII. 2, S. 218. 3) Urk. bei Raumer C. D. B. continuat. I. p. 18 promittimus et 23 Barthold Geſch, v. Pomm. III.

354

Hülfe Lubwigs gegen Stettin , Gollnow , Greifenbagent.

zu tragen ,

daß die noch fåumigen Städte und Vaſallen

ihrem Gehorſam nach kamen ; die Verlegenheit , in welcher alle Theile fich befanden , gab die Erklårung Ludwigs am Freitag nach lichtmeß fund : „ er bedaure, daß die getroffenen Verabredungen

nicht nach

Wunſch in Erfüllung gingen,

wolle fich aber deſſenungeachtet der Uebereinkunft gemåß vers halten ." !) Aber alle gåtlichen Bemühungen waren umſonſt, und ſchon im Mai 1339 hatte ſich der Trotz der Stådte, zumal Stettins , Gollnows und Greifenhagens ro entſchieden ausgeſprochen ; war der kleine Krieg an den Ufern des Hafs To beunruhigend entbrannt, und hatte Bogislav mit ſo bản: diger Erbietung Burgen und Vafallen auf die Seite feines Rechts gebracht, daß Otto und Barnim zu Piriß am Frohns leichnamstage (27. Mai ), fraft des Vertrages mit dem Rais fer, die Hülfe des Kurfürſten von 200 Helmen gegen jene drei Stådte aufriefen , welche dieſem ſein Angefälle und ihnen ihr Herzogthum nehmen und an andere Herren ſich fehren wollten." 2 ) Den Nothſtand bezeichnete die Forde: rung , daß „ wenn Herren oder andere leute jenen Búrs gern beiſtånden und ſie ſelbſt von dem Felde treiben wollten , der Markgraf ihnen mit ganzer Macht behålflich ſein ſolle ;" wo : gegen ihm die Hälfte des möglichen Gewinnes im Kriege, der dritte Theil der auf friedlichem Wege erlangten Bußen zugeſichert blieb.

Bereits hatten die Landesfürſten oberhere

liche Rechte auf dem Strome , Wälder und Höfe durch die Bürger eingebüßt. * ) Nod wurden die wolgafter Herzoge

spondemus itaque si qui sunt vasalli vel castra de quibụs praefatis do minis Marchionibus omagia vel fideliter sacramenta nondum sunt pré stita sive facta, haec de eisdem ut sibi adhuc fiant procurabimus bona fide. * ) Urt. bei Dreger Vol . IX . ohne Jahreszahl, aber gewiß bieber gehörig. 2 ) Urk. bei Gercken I. p. 274 , gegeben zu Piriß a. 1339 in die corporis Christi. Oſtern fällt i. J. 1339 auf den 28. März. 3) Ebend. S. 275. Vortmehr scal use Ohme mit rade und mit

Neuer Bund dieſer Städte mit Bogislav, Barnim u. Wartislav. 355 nicht als offene Feinde genannt , aber eine allgemeine Bes fehdung des Brandenburgers gefordert.

gegen die jenigen Herren "

Die kråftige Unterſtüßung, welche der Markgraf

den ſo Bedrångten verhieß , die Anlegung neuer Zollſtåtten und Schanzen, mochten die Städte und Vafallen zum åußers ften Entſchluſſe wegen ihrer Sicherheit treiben .

Denn die

Abgeordneten von Stettin, Greifenhagen und Gollnow , nebſt den Boten von Demmin , Greifenberg , Stargard , Neutrep: tow und Uſedom , verſammelten ſich uin die Mitte des Juni zu Wollin, und zunächſt am 15. Juni verſicherten ' ) die drei Brüder Bogislav, Barnim und Wartislav den drei Städten, „ſie um der Treue willen, die ſie ihnen bewieſen , da ſie ſich nicht wollten kehren und verweiſen laſſen an andere Herren, bei aller Gerechtigkeit und Freiheit , welche ihnen die Vors gånger gegeben, zu laſſen , " und beſtåtigten ihnen ewige Zoll freiheit auf der Swine und Pene in ihrem Gebiete.

Tages

darauf, am 16. Juni, nahmen die Herzoge jene Stådte auf ihre Forderung in ihren „ Frieden und in ihr Gehege," wegen der Vereinigung und fandestheilung v. I. 1295 zwiſchen Bogislav IV. und Otto , und gemäß der Huldigung zu ge meinſamer Hand ; ? ) beſtåtigten die Verheißung vom vorigen

dade uns behulpen sin, dat wy wedderkommen to usem richte water und holt und wat uns desülven borger afgekregen hebben an Kleine Haue des besten des hy mag . Unter Kleine Haue iſt vielleicht das kleine Haf zu verſtehen. 2 ) Pomm. Magazin III. 20. Um der Trüge willen , de se uns bewiesen un der Herschap , da se sich nich willen kehren noch ver wiesen laten to andern Herren . 2 ) Baltiſche Stub. VIII . 2, S. 223 ; audy bei Schöttgen et Kreyssig, ſo wie bei Höfer a. a. D. Wy bughzlaw. barnym unde wertzlaw bekennen - dat na der eyshinghe der stede. stettyn, Gryphen haghen. unde golnow. bi den dedinghen herzoghen twischen bugzlaw unsen leven oldervader, unde hertoghen Otten unsen lyuen vedderen in der land. deylinge. unde bi den briven. di dar up ghe heuen sind, unde bi der maninghe. dy wi sy ghemanet hebben, na der huldinghe di unsen elderen gheschin is . unde eren erfoamen. so 23 *

356

Bürgidhaft des ſtralſunder Rathes.

Tage und erhielten dagegen die Bewilligung der Bürger, daß das Schloß zu Pritter , welches unterhalb Lebbin auf Wollin in wieſenreicher Gegend zur Behauptung der Swine erbaut war , .ſo lange ſtehen ſollte, bis genugſame Sühne mit den Vettern von Stettin erfolgt ſei, dann aber auf alle Zeit, gemäß den Freiheitsbriefen , abgebrochen würde. " ' ) Sie gelobten ihnen ihren Beiſtand mit ganzer Macht im Falle eines offenen Krieges , auf Unkoſten der Stådte , und ohne Einſchluß derſelben keinen Frieden zu ſchließen . Die Gegen : verſicherung der Stådte , nach dem erbloſen Abſterben ihrer Herzoge bei den drei wolgaſter Herren zu beharren, als ihren rechten, angeborenen Herren , mit Orbar und Pflicht, erfolgte deſſelben Tages. ? ) Um ſo feſten Vereinbarungen noch gul: tigere Kraft zu verleihen, ſtellten die Herzoge am 2. Juli 1339 zu Wolgaſt den drei Stådten über alle Punkte Bürgermei ſter und Kath von Stralſund als Bürgen , 3) welche im Falle die Herzoge ihrer Pflicht nicht nach fámen, dieſen feinen Beiſtand leiſten ſollten, und die Bürgſchaft für den landes: heren zu übernehmen, urkundlich ſich bereit erklärten. 4 ) Auch die Städte Greifswald , Demmin und Anklam theilten in denſelben Tagen ſchriftlich dieſe Verpflichtung mit Stralſund 6 ),

hebbe wy si ghenomen in unsen vrede unde gheheghe, und scolen sy vordedinghe unde heghen. lyc unsen anderen steden. ? ) Wort mer so volghen si unses willens met dime hus to dime pryttor, das schal al so langhe stan. went wi ene nughelike sone hebben met unsen vedderen so scolle wi dat sulue hus breken unde nummer mer weder buen. Zeugen ſind mehre hinterpommer de Ritter, Manteufel, Panſin , Bork , Wachholz und andere, zum Zei dhen , daß ſie mit der Sache betheiligt waren. 2) Schwarß Lehnshiſtorie S. 365. 3 ) Urk. Balt. Studien VII. 1. S. 190 dat. Wolgast in die b. V. Marie, mit der Unterſchrift einer großen Zahl Edler und Beamten. 4) Daſelbſt S. 191. in vigilia divisionis Apostolorum a. 1339. 5 ) Stavenhagen S. 183. Baltiſche Stud. VII. 1, 192. Anklams und Greifswalds Acte iſt von 13. Juli ; Demmins vom 16. Am 8. Juli batten zu Greifswald ſelbſt die brei ſtettiner Stäbte ſich den vorpommer

Geringe Waffenerfolge Barnimß und Ottos.

357

aus welchen vielfachen Bürgſchaften und Rückbürgſchaften wir nur entnehmen , wie ernſthaft den Bürgern die Erhala tung ihrer angeſtammten Herrſchaft oblag und wie nahe fie die Gefahr bei der Kinderloſigkeit Barnims wähnten . Welchen Gang die

kriegeriſchen Ereigniſſe nahinen , ers

fahren wir nicht im Einzelnen ; wohl aber , daß Otto und Barnim geringen Vortheil von den Waffen hatten . ' )

Ihr

Bundesgenoſſe, der Kurfürſt, mit der Sache am nå chſten betheiligt, fåinpfte feit dem September 1339 in fernen San den als Sóldner König Eduards III. , die brandenburgiſche Ritterſchaft half in großer Zahl Kamerich (Cambray ) be: lage

und war mit der Brandfackel und raubend auf dem

Vorderzuge , als das engliſche Heer in die Champagne eins drang und ſelbſt Paris ſchreckte . )

Vom erfolgloſen Zuge

in die Mark heimkehrend , fand fudwig die Dinge ſeines Dheims Barnim ſchlimm angethan . Denn als Barnim und Otto am 27. März 1340 im Gefolge des Biſchofs Fries rich von Kamin, der ihre Partei hielt, und mit ihren Råthen zu Grimniß in der ' Uckermark vor ludwig ſich einſtellten ,

iden zur Anhänglichkeit an die wolgaſter Herren verbindlich gemacht. Schwark Lehnshiſtorie S. 365. Weil die Nieberreißung des Sloffes Pritter und die Freiheit der Swine und Pene zu allen Zeiten von den Städten im Auge behalten wurde, reichten die machtloſen Geſandten der Pommern dem weſtfäliſchen Friebenscongreffe i . 3. 1646 alle dieſe alten Documente ein, was ihnen freilid, nidyte fruchtete. 1 ) Nads alter Mittheilung ſtrafte Barnim die Wedel zu Aremkot. Bei Bugenhagen p. 156 muß für Weselenses, Wedelenses geleſen wers den . Vergl. Kangow I. S. 348 . 2) Albertus Argentin . p. 128. Sequenti autem anno Rex Angliae Lu Franciam cum duodecim galeatorum millibus est ingressus, dovico Marchione de Brandenburg, filio Imperatoris, qui tunc eidem Regi cum centum galeatis aderat , in ipso exercitu ' cum incendiariis Regem continue praecedente. A Parisiis autem ipsius Angli exercitus Detmar I. p. 245. Les Chroniques de minus una diaeta distabat. Sire Jean Froissart ed. Buchon Liv. I. partie I. ch. 79 ff. führen bent Marquis de Banquebourg an , welcher dem Könige Philipp perſönlicy abſagte. Die Ereigniſſe fallen in den September, October 1339.

358

Markgraf Ludwig für Waldemar IV .

hatten ſie es nur ſo weit gebracht, ' ) daß wiwei der an. geſeheneren Rathsherren" im Namen der Gemeinden Piriş, Garz, Penkun und Alt-Treptow den Huldigungseid geleiſtet, ohne der Stådte felbft verfichert zu ſein ; wollte es ihnen bis Walpurgis nicht gelingen, die Bürger ſelbſt zum Eide zu vermogen, ſo ſprachen ſie ſich von der Schuld der Fahr: läſſigkeit frei, oder wollten jene Fuldigung der duo potiores für verbindlich gehalten wiſſen."

Der Markgraf war auch durch weitläuftige Håndel behindert , ernſtlich einzu ſchreiten. Obgleich ſchon Wittwer von ſeiner dåniſchen Sea jegt

mahlin , beharrte Ludwig in ſeiner Vorliebe für die Söhne Chriſtophs, und benußte , nach funfzehn unheilvollen Jahren der Verwirrung , den blutigen Tod des großen Grafen Sers hard von Holſtein ( 1. April 1340 ), um dem jungen Waldes mar den Weg zu ſeinem Throne zu bahnen .

Am 23. April

1340 wurden die Pråtendenten des däniſchen Königsgeſglech tes zu Spandow unter

der Vermittelung des

Kurfürſten

einig, die Nachfolge an Waldemar, den jüngeren Sohn Chris ſtophs , zu ertheilen.

Auch Barnim ſcheint thåtig geweſen zu ſein , die Verwirrung jenes Nachbarlandes zu heilen ; ?) die Vermittler begaben ſich perſönlich nach lůbeck, und zu Anfang des Juli war das dåniſche Königthum zu Gunſten Waldemars IV. Atterdag morgen iſt wieder ein Tag'')

hergeſtellt, welcher den hanſiſchen Stådten den Morgen der Noth , aber auch den Morgen des Sieges bringen

' ) Raumer a . a . D. I. p. 17. Nos Otto et Barnym - cupimus quod duo notum fieri, quod nos effecimus virtute placitorum , potiores de consilio civitatum nomine communitatis civitatum Piritz, Gartz , Penkun et Treptow fidelitatem praestiterant . Das Folgende iſt ſehr unklar ausgedrüdt . dat. Grimnitz, praesentibus venerabili in Christo patre D. Friderico episcopo Caminensi etc. a. 1340. fer. II. p. dominic . Letare. 2 ) Hvitfeld I. p. 469 nennt, gewiß aus Verwechſelung, den Herzog Bogislau in der Berſammlung zu Spanbow . S. Dahlmann Geſch. . Dänemark I. S. 495 ff.

Bund zwiſchenStralſund, Greifswald,Anklam , Demmin ,10. Nov. 1339. 359 follte. Auch unter dem geſteigerten Zerwürfniß des Nordens hatten die wendiſchen Stådte ihren bewaffneten Verkehr an allen Küften der Nord- und Oſtſee , im Genuß vielfacher Freibriefe , eintraglich betrieben ; und als im Sommer die Fehde der Pommerſchen Herzoge Gefahr drohete , waren , nach altem Brauch, die Städte Stralſund, Greifswald, An flam und Demmin am 10. November 1339 enger zuſammen getreten, um die Straßen zu ſichern, und hatten den Kampf gegen Friedensſtörer unter den Varallen gemeinſchaftlich übernommen , falls die Landesherren ihnen nicht zu ihrem Rechte verhålfen.

Stralſund war zu 40, Greifswald zu 30,

Demmin zu 15 ſchwer gewaffneten Roſſen verpflichtet . ' ) Die neue Ordnung in Dänemark verhieß den Städten Ruhe, indem Waldemar ſchon am 20. Mai 1340 die alten Freiz heiten beſtåtigte ; * ) aber Barnims Heimiſche Ungelegenheiten beſſerte der Antheil an fremdem Handel nicht, in welchem wir ihn um Chriſti Himmelfahrt (Juni) 1340 im fernen Lübeck finden , ' ) vielleicht auch bemüht, Geld oder Manns fcbaft zu werben. - Dagegen laſtete der kleine Krieg ers ſchdpfend auch auf Bogislav V. , welcher, ſchon i. I. 1339 zu manchen Veråußerungen gendthigt, wenig an die Ausldſung Stolpes oder der rúganiſchen Voigteien denken konnte, deren Verfallszeit herannahete. Aber entſchiedener wandte ſich das Gléck mit dem An fange des Jahres 1341 auf ſeine Seite.

Um 29. Januar

huldigte feierlich die Stadt Stettin den wolgafter Herren , a ) Sartorius- Lappenberg II. 359: Si vero prefati iniuriatores civium aut violatores per dominos nollent iustificari vel per civitates ad pa cem reformari, de tunc cum tot viris armatis in caballis subscriptis quelibet civitas alteri in subsidium veniet et iuuamen. Dann folgen die Zahlangaben des Textes mit der Beſtimmung, daß die Hülfsmann fdjaft nady Verhältniß der Stäbte gemehrt werden könnte. ? ) Ebend. p. 361. 3 ) Dreger z. S. 1340. nr. 2. Urk. Barnims dat. Lübeck fer. VI. p. ascension, etc. S. Huitfeld I. 473.

360

Einlöſung des Landes Stolp.

und gelobte Pflicht und Orbare, „welche ſie den Herzogen Otto und Barnim ſchuldig wåren, jenen zu leiſten ;" 1 ) Grei: fenhagen that daſſelbe am 31. Januar , als die Fürſten mit großem Gefolge von Edelleuten in ihren Mauern weilten . ) Daß dieſem günſtigen Ereigniſſe Waffenerfolge vorangegan: gen ſein müſſen , lehrt ein am 18. März 1341 ausgeſtellter Schuldbrief ztveier, wahrſcheinlich gefangener, Knappen für die Stadt Greifenhagen , fraft 'welches ſie auch nach der Zahlung auf jede Feindſchaft gegen die Bürger und die Her: zoge von Wolgaſt verzichteten. 3 ) So unterſtüßt durch die Treue der Stådte fonnten die Brüder an die Erldſung des Landes Stolp denken , welches das fod der geiſtlichen Ritter ungern trug . 4 ) Der Tag des Verfalles war nahe ; 5 ) Unterhandlungen , ſo treue Unterthanen zu retten , wurden mit dem Hochmeiſter Dietrich von Altenburg angeknüpft und am 1. Mai 1341 3334 Mark zurückgezahlt, worüber der Ordensgebieter am 9. Mai quittirte. 6 )

Für den Reſt

von 2666 Marf verſeßten Bogislav und ſein Bruder, )

1 ) Schwarß Lehnshiſtorie S. 365. Urk. dat. Stettin Sontag nadi Pauli Bekehrung 1341 . 2 ) Balt. Stud. VIII. 2. S. 225. Beſtätigungsurkunde für Greifen = hagen, gegeben daſelbſt Dienſtags nad Pauli Bekehrung. Barnim und Wartislav, wegen ihrer Jugenb noch ohne Siegel, gelobten die Urkunde künftig mit ihrem Siegel zu befeſtigen . ) Original im Archiv zu Greifenhagen, dat. vom Sontage Laetare 1341. Balt. Stud. VIII. 2. S. 226. 4 ) Kankow I. S. 350 ſpricht mit Hebertreibung von den Miß handlungen, welche der Komptur zu Stolp (damals Albrecht von Leften ) verübt hätte ; er ſchrieb in einer proteſtantiſchen Erbitterung gegen ben Drden , welche das Zeitalter der Reformation aus dem XV : Jahrhun dert überkommen hatte. Andere Urſachen zur Strenge lagen den Rit tern während des Erbfolgeſtreites nad Meſtwins Tode vor. 5 ) Die Verpfändung auf 12 Jahre für 6000 Mark Silbers war am 27. Februar 1329 geſchehen ; mithin die Zeit im Jahre 1341 verfloſſen. 6) Voigt Pr. Geſch. Th . IV, 6.577. 78. hat den Zuſammenhang nicht richtig aufgefaßt, und erwähnt der wirklichen Auslöſung gar nidt. ? ) Urk. bei Dreger z. I. 1341 b. c. und im Königsberger G. Ar

Einlöſung des Landes Story.

361

welche zur Bezeugung ihres Rechtes auf Stettin ſich heredes et duces Stetinenses nannten, Burg, Stadt und das ganze Gebiet von Stolp am 17. Mai dem Orden auf ein Jahr nochmals zum Pfande , mit der kleinmů thigen Beſtims mung , daß , wenn innerhalb dieſer Friſt der Pfandſchilling würde , das ganze Gebiet dem Orden als

nicht bezahlt

Eigenthum verfallen ſei; „ungeachtet feines großern Werthes folle das úbrige als zum Heil ihrer und ihrer Eltern Seelen geſchenkt betrachtet werden . "

So groß war noch die Feind:

ſchaft zwiſchen beiden Häuſern , daß die Wolgaſter gelobten ſich mit Barnim in feine Einigung einzulaſſen , wenn er nicht zuvor Briefe, welche er wegen der ſtolpeſchen Håndel beſige, ausliefere. Glücksfügungen, welche wir nicht kennen, und die vielfach bezeugte ruhm w å rdige Bereitſchaft der Vafallen und Unterthanen von Stolp, aus eigenen Mitteln den Reſt des Pfandfchillings aufzubringen, reßten den Herzog Bogislav ſchon vor dem Ablauf des Jahres in den Stand , ſo treue Anhänger feines Geſchlechts für ſein Haus auf immer zu gewinnen . ' ) Schon am 29. Juli 1341 empfingen die wol: gaſter Herren , mit ſtattlichem Gefolge in Stolp anweſend, die Huldigung ; verſprachen dem „ lieben Gotteshauſe (einer Tochteranſtalt von Belbuck ) und ihren getreuen Mannen alle Gerechtigkeit zu laſſen ,“ und gelobten ſie „ nimmermehr den Herren von Preußen , den Brüdern des deutſchen Hauſes zu verſeßen oder zu verkaufen ." 2 )

Weil Barnim und War:

dhis, dat. Prikar (Pritter ), actum Marienburg 1341 am 1. Mai. Des Hodmeiſters Document datum Marienburg in crastino ascensionis Christi 1341 . ) Die pommerſchen Chronikanten (Rangot I. S. 331) rühmen , die Bürger von Stolp hätten ihr Gold und Silber zu Haufen gebracht, und auds Frauen und Jungfrauen ihr Geſdhmeide hergegeben . Die ehren volle Liebe der Unterthanen zum Landesherren geht aus dem ſpäteren Bekenntniß ihrer Herzoge ſelbſt bervor. 2 ) Schöttgen et Kreyssig III. p. 30 dat. Stolp mit der falſchen Jahreszahl 1321 am Tage Johannis und Pauli. Dreger zum 3. 1341

362

Gelöbniſſe der Stolper 1341 und der Herzoge 1348.

tislav, noch unmündig, des Siegels entbehrten, ſo verpflich: teten ſie ſich in můndigen Jahren den Brief mit ihrem Sies gel zu bekråftigen.

Die Freude der Unterthanen über die

Wiedervereinigung mit dem Mutterlande ſprach ſich ſchon am 14. Auguſt 1341 dadurch aus, daß Peter Puttfammer und der Adel des Gebietes , zu welchem Schlawe, Rügen: walde und der ſpåtere rümmelsburger Kreis gehörten, im Namen des ganzen Landes gelobten, die Rechte der Herzoge Bogislav V. , Barnim IV . und Wartislav V. zu beſchůgen, die Stérer des öffentlichen Friedens oder Befehder auszurotten , und alle ſchådlichen Burgen zu brechen . ' ) In dem Jahre 1348, als Eintracht nach Pommern zurückgekehrt war , beſtåtigten Bogislav, Barnim und Wartislav den Vafallen des Gebietes Stolp und den treuen Bürgern der Stadt , zum Dank für die fdfung und Freifaufung des Landes, nochmals alle Rechte ihrer Vorfahren, ertheilten ihnen die Befugniß, daß, wenn je ihre Wohlthaten von den Fürſten vergeſſen würden, fåmmtlichen Unterthanen freiſtehen folle, eine Verbindung unter einander bis zur Abſtellung des Unrechts zu ſchließen, und wenn ſie nicht der Gewalt widerſtehen könnten , fich ohne Kränkung ihrer Ehre bis zur friedlichen Ausföhnung unter die Obhut eines anderen Fürſten zu begeben. 2 )

In

hat die redyte Jahreszahl. Vort mer so enschoele wy disse vorbeno meden niemeer den Herrn van .Prützen, den Broedern van den Dü deschen huse vorsetten noch vorkoepen. 1) Urkunde ohne Ortsangabe bei Dreger z. §. 1341 nr. 3. 2) Gerdes Auserleſene Sammlung nr. III. p. 7. d. Rügenwalde 1348 die Christinae (dat. 24. Juli). Variis obsequiorum oneribus in spectis et perpensis a nostris fidelibus et dilectis militibus ac Vasal lis in giro terrae stolpensium degentibus nec non a fidelibus nostris totaque Universitate nostre civitatis stolp nobis benevole singulariter quoque in adsejunctione et redemptione prememorate terre a Ma . gistro et fratribus ordinis S. Mariae domus Teutonicorum magna cum diligentia exhibitis. - Si vero dictis obsequiorum oneribus, quod procul absit, oblivioni traditis a nobis aut nostris heredibus predicti injuriis aut molestiis opprimerentur, ex tunc iisdem concordiam

Stettin Herliert burd Barnim Mannredt unb Stapelredit.

363

derſelben Zeit beſtätigten ſie auch das Münzrecht der Stadt Rügenwalde, welche aus Urmuth und Noth fich bald zu enta ſchiedener hanſiſcher Bedeutung aufſchwang. ' ) So fam durch landesfürſtliche milde Sinnesart der Segen des Friedens über das neugewonnene Gebiet , waha rend Otto und Barnim, im Verfolg ihres an ſich löblichen Strebens

nach Reichsfreiheit, die Gemåther ihrer Unter

thanen von

ſich mehr entfremdeten und nur zu ftrafen

gezwungen waren.

Nach dem Inhalte einer verlorenen Ur

funde ) bezeugte Barnim i. J. 1341 , daß er, „ um mancherlei wirklicher Uebertretung willen , die Rathmannen , Sooppen und. Semeinheit zu Stettin ihm bewieſen, indem ſie ihn als ihren rechten und natürlichen Herren verlaſſen und ohne alle ura ſache an andere Herren ſich gefehrt , alle ihre Privilegien nach Urtheil und Recht aberkannt, und der Stadt Garz er: theilt habe. "

So roll Stettin das Mannrecht verloren, wels

ches getheilt nad Piriß und Gary verlegt wurde , und auf 10 Jahre auch das Stapelrecht eingebůßt haben. Dagegen erhob ſich Bogislav V. mächtiger durch seis rath und durch politiſche Verbindung, während der Schub herr und Bundesgenoſſe Barnims, Kurfürſt Ludwig , ſo wie deſſen Haus, ſeit dem Jahre 1342 die todbringende Feinda

et unionem simultaneam et duraturam suis literis et sigillis roboran dam absque ulla nostra aut haeredum nostrorum indignitate facere indulgemus, quoad in suis justiciis juribus libertatibus plenarie fuerint conservati. Si supradicti in eorum dicta 'concordia et unione pro propriis viribus suis injuriatoribus resistere non valerent, extunc libere cum honore predicti — cum omnibus inhabitatoribus terre et absque ulla imputatione nostra aut heredum nostrorum Princi pem et Dominum quem maluerint eligere valeant qui cos velit aut valeat gubernare, sub cujus etiam Dominio tam diu permanebunt, quousque eosdem transactionibus amicabilibus aut placitis recu peremus. ) Dähnerts Pomm. Bibliothel V. p. 23 plattbeuſch. dat, in castra, nostro Rugenwald die annunciationis S. M. V. 2) Rankop I: S. 347.

Schwarz Lehnshiſtorie p . 366.

364

Bogislas V. Eibam Kaſimirs yon Polent.

fcbaft des lůželbürger Geſchlechtes wedte, indem Ludwig, der Wittwer, dem Sohne Johanns von Böhmen , Johann Heins rich, die Frau, die berüchtigte Margarethe, von ihrem Schlopie in Tirol Maultaſch genannt , abwendig machte; der Kaiſer ohne Anfrage beim Papſte die Eheſcheidung gut hieß und den Sohn mit der reichen Erbin vermåhlte.

Der Haß der

ergrimmten Lügelburger und ihre Ránke ſuchten Mittel die Baiern zu verderben , und führten bald ein unredliches , in deutſchen Landen nie erhärtes Gaufelſpiel auf ; inzwi: fchen vorher ſchon Barnim , ' ) von dem Beiſtande Ludwigs verlaſſen , ſeine Unklugheit bereuen mochte, wenn er auf der Vettern Erfolge blickte. Bogislav V. hatte Halt an Kaſimir, dem Könige von Polen , gefunden und ſich mit der Tochter deſſelben vermählt ; kraft der Verſchwågerung gab der Eidam am 24. februar 1343 zu Poſen dem Schwiegervater das Verſprechen ,

niemand durch ſein Gebiet aus Deutſchland

zum Ordensheere ziehen zu laſſen, und im Falle eines Kries ges mit nicht weniger als 400 Roſſen den Polen zu Hilfe zu fommen . ) Aber der gefährliche Kampf gegen den Orden unterblieb, indem auf Mahnung Papſt Clemens VI . im Juli 1343 die geiſtlichen Vermittler und die weltlichen Herren in Kaliſch zuſammenfamen , auch Bogislav fich einfand, und am 8. Juli der Friede geſchloſſen wurde , welcher auch den alten blutigen Streit um Pommern durch Berzichtung Sta : ſimirs ſchlichtete. 8 )

' ) Bugenhagen , deſſen eingeſtreuten Zeitbeſtimmungen wir gern fols gen , ſagt unerklärlid, p. 156 felici Marte depugnans a. D. 1342 in die vinculorum b. Petri, Marchiae Brandenburgensi victor. Offenbar iſt die Jahreszahl unridtig, ober das Factum mißverſtanden. Es folgt darauf die Beſtrafung der Weselenses (Wedel). 2 ) Dogiel t. I. p. 568. nr. 1. Kanßow I. S. 353 kennt die reiche Ausſtattung der Braut und erwähnt , daß Barnim IV . die Tochter Jo hanns von Wenden geheirathet habe. 3 ) Voigt V. S. 8 folg. Dähnerts Pomm. Biblioth. IV. p. 368. Für Pommern iſt ber Frieben widytig wegen der Verzichtung Faſimirs

1

Unterhandlungen Ottos und Barnims mit den Städten.

365

Das Schwanken des baieriſchen Anſehens im Reiche und die höhere Geltung Bogislavs V. ſcheint nicht ohne Ein: fluß auf die Beendigung der Håndel beider Landestheile ges blieben zu ſein ; ſeit dem Herbſte d. I. 1343 findet ſich der alte Otto in gewohnter geiſtlicher Thåtigkeit wieder in Stet: tin ; im folgenden Jahre ſehen wir , ohne den Hergang zu wiſſen , den Barnim mit den abgefallenen Städten wieder ausgeföhnt.

Wir können nicht entſcheiden , ob die Ges

burt månnlicher Erben den Anhängern Wolgaſts die Furcht benommen habe, unter die Fremden zu fommen ; im Februar 1343 ſpricht Barnim dunkel von verſtorbenen Kindern und

allen

gegen to årtigen

aber auch der Verfall des Sorge.

und zukünftigen Erben ; ' )

Hauſes Baiern minderte die

Mit Greifenhagen war im Sommer des Jahres

1344 Otto verglichen , indem er am 13. Juli dem Geſchlecht der Wobbermin aus Stettin das Schulzenamt der Stadt vers lieh. ? )

Stettin erhielt i. I. 1334 durch Barnim wieder

ſeine Münze und den Zoll , in welcher Urkunde die Rath mannen zum Zeichen der Ausſdhnung „leve Rathmannen " genannt wurden . )

Doch ſoll erſt nach dem Tode Ottos

(1345) , welcher , den ernſten Geſchäften långſt abgeneigt, nur mit geiſtlichen Dingen beſchäftigt, zumal dem Kloſter zu

auf den Titel des Herzogs von Pommern. Caeterum renunciamus pro nobis et successoribus nostris universis titulo Ducatus terrae Pome raniae, qui ex nunc sigillo majori est impressus, promittentes eundem titulum deponere , nec unquam ullo tempore resumere. Doch nannte ſich Kaſimir ſchon i. J. 1352 wieder Pomeraniac Dominus ac haeres. Raczynski C. Dipl. p. 110 . ' ) Urkunde hinter Jasch Vita S. Ottonis p. 454 , nec non libero. rum nostrorum defunctorum ac haeredum omnium praesentium ac futurorum . Im Jahre 1345 ſcheint Barnim kinderlos geweſen zu ſein. Schwarß Lehnshiſtorie p. 373 ſagt er in einer Urkunde : „ Unse Erven , dę van uns geboren werden, eft sie uns Gott geve.” 2) Original-Urkunde im greifenhagener Ardjive, abgedrudt in Balt. Studien VIII. 2. S. 228 . a) Sdwarß . . D. S. 373.

366

Idhann von Sadiſen - Lauenburg Biſchof von Kamin .

Piriß und dem kolbager fich freigebig erwieſen, und dort, als conversus gerne weilend , ſein Grab gefunden hatte, ' ) die völlige Ausgleichung zu Stande gekommen ſein. 2 ) Zwei Jahre früher war Biſchof Friedrich von Eickſtedt, deſſen [dbliches Verhalten gegen die Patrone gerühmt wird , geſtors ben, und ihm, gewiß auf Betrieb der Herzoge, Johann von Sachſen - fauenburg , der Sohn jener Eliſabeth , der Tochter Wartislavs IV. , in jungen Jahren auf einem Biſchofsſige gefolgt, :) welcher Tchon damals angeſehene Fürſten als Doma herren zu Kamin gåhlte , die aber wohl noch ſeltener auf ihren Kurien reſidirten und die fanoniſchen Pflichten übten, als die Kolberger .

Deßhalb ließ Bifchof Johann die Kurien

der legteren veranſchlagen und gab eine nachdrückliche Ver: ordnung wegen der Reſidenz. ) Barnim, bezeichnete den Anfang ſeiner ſelbſtåndigen Herr Tchaft durch fromme Handlungen, namentlich zu Gunſten Stets ting. Der Geſchichte des Hauſes kundig und früh ein Verehrer ' ) Kanpow 1. S. 353. Der Sterbetag iſt nidit zu ermitteln . Im öden hohen Chore zu Rolbas findet fich kein Denkſtein irgend einer Art 2 ) Sell II. S. 30 erzählt , daß Barnim III. unter Vermittelung des Herzogø Bogislav V. und des Biſdofs von Kamin einen Vertrag ges ſchloſſen habe, kraft deſſen Bürgermeiſter und Rath von Stettin die vers ſebten zwei Sheile des Stadtgerichts auslöſen ſollten. Der Berf. der Geſchichte von Greifenhagen (a. a. D. S. 230 ) meldet die Ausgleichung unter d. I. 1345 , nennt aber den Biſchof Friedrich als Vermittler , der bereits todt war. Nach Friedeborn I. S.55 gerieth Barnim ſchon wieder i. F. 1345 in Streit, indem er einen Hof auf dem alten Burgplaße bauen wollte, die Bürger gebrauchten Gewalt, worauf i. 3. 1346 Biſdof 3o- , hann und Herzog Bogislav vermittelten , und die Stettiner bem Landes berrn ein Haus nebſt Sapelle an jener Stätte erbauten . 3 ) Erſte Urkunde Johanns von XII. Cal. Januar. 1344 bei Dreger. 4 ) Šdhon im Auguſt 1344 (octava assumptionis M. V.) begann jenes reformatoriſche Streben in Kolberg. Sane quia dilecti nobis ca nonici ecclesie colberghensis hactenus residere in ipsa ecclesia minime curaverunt. propter quod curie ipsorum , quas prefati canonici inha bitare consueverunt. corruunt et ex consequenti appetitus ibidem morandi destituitur. cultuique divino subtrahitur. Wachsen a. a. D. S. 434. Unter den aufgezählten acht Domherren war ein Damiß , ein Glaſenapp und ein Steinhauſen.

Stiftungen Barnims zu Ehren des H. Otto.

367

der Verdienſte des vergeſſenen Pommernapoſtels, hatte er ſchon 1. I. 1343 den München zu Kolbat ſeine Mühlen bei der Stadt Demmin geſchenkt ' ), zur Ehre Gottes, der Jungfrau Maria, ac sanctissimi confessoris b. Ottonis Episcopi, qui progenitores nostros totumque Ducatum ad rectam Christi fidem et ad catholicam convertit veritatem ; und dafår an dem Altare der Aloſterkirche zum Gedächtniß des Apoſtels am St. Otto Tage eine Meile, bei welcher die Geſchichte dess felben verkündet werden ſollte ; ? ) ferner zur Erinnerung an Bogislav I., ſeinen erſten Ahnherrn , den Gründer des Bis thums Kamin und des Kloſters Kolbat , ſo wie ſeiner Großs mutter , Mutter und anderer verſtorbenen Verwandten ans geordnet.

Nicht befriedigt, den Apoſtel alſo geehrt zu haben , ſtiftete Barnim i. I. 1346 die Collegiatkirche zu St. Otto bei Stettin , 8 ) führte ein ſtattliches Gebåude auf dem Burg hofe auf, “ ) wies ihr Einkünfte und Hebungen an, fegte einen Deçan und zwolf Kanonifer ein und ſiedelte ſich ſelbſt auf dieſe Weiſe an ! Aber mitten unter ſo frommer Thåtigkeit beobachtete Barnim ſcharfen Auges die Zeitlå ufte , und wußte unter dem Mißgeſchick des befreundeten Hauſes Baiern den Vors ' ) Jasch a. a. D. p. 450. Urk. dat. Kolbaß am 2. Februar. in quo debet 'specialis et 2) Daſ. p. 453 in die b. Ottonis propria de ipso servari historia. Anziehenb wäre zu wiſſen , aus wel chen Quellen die Geſchichte des Bekehrers vorgetragen wurde. Dodij mag ſie nur die Mirakel betroffen haben . 3 ) S. Sering hiſtoriſche Nachricht u. f. w . Urk. X. dat. Stettin 1346 feria V. infra octavam S. Ottonis. ) Wie gut Barnim die Geidyídyte ber Vorzeit kannte , beutet er A. a. D. an : domum instauravimus ad laudem S. Ottonis, qui fuit noster et tocius nostri ducatus apostolus et baptista . Cum plures imperatores, reges atque principes nostros seniores atque predecesso res hostiliter invaserunt cum adhuc fuerunt gentilibus erroribus im plicati, neque tamen ipsos valuerunt ad hoc inducere, ut orthodoxae fidei reciperent sacramentum, sed solum b. Otto qui gratia Dei hoc effecit, si etiam dicti Imperatorés , Reges et Principis nostros prae decessores devicissent, tunc omnes praedecessores nostri ac Seniores, nosque et omnes nostri subdicti corporibus et rebus omnino periissemus.

368 Unterhandlungen mit den Herren von Meklenburg und Werle. theil feines Hauſes wohl zu bewahren. Auch ſah er zunächſt noch i. I. 1345 die Stadt Bahn, welche dem Pommerlande ſo lange entfremdet war , vereinigt, ? ) indem Hermann von Warberg , welcher praeceptor ordinis St. Johannis in du catu nostro genannt wird , ) fich dem Landesherrn gefügig erzeigte. Unterdeß gingen auf einer anderen Seite Bogislav V. und

ſeine Brüder drohender Verwickelung

entgegen .

Da

die Pfandjahre der Herren von Meklenburg und Werle für den Nießbrauch der drei Voigteien abgelaufen waren , und die wolgaſter Herren, unzufrieden mit den drůckenden Folgen vormundſchaftlicher Handlungen ihrer Vettern , nicht zahlen wollten ; begannen die Inhaber ohne Bedenken ſich als Bes figer zu gebehrden. 3 )

Obgleich der Herzog Bogislav und

feine Brüder ſich ſtark genug fühlen mochten , fo ' zogen ſie doch den Weg gåtlicher Unterhandlung vor, welche die Städte Roſtock , Wismar , Parchim und Güſtrow auf Seiten der Gegner, und Stralſund, Greifswald, Anklam und Demmin, Namens der Herzoge von Pommern, zu Gnojen am 9. März 1344 vermittelten und im beiderſeitigen Lande einen Stills ſtand bis zum 24. Juni 1345 chloffen . ) Auch Barnim war in dieſen Håndeln betheiligt ; er lag mit ſeinem nahen Verwandten , Johann von Werle , ſeinem Schwager, und deffen Sohne Klaus in Fehde, und ſeine Vafallen beunruhig ten die werler Nachbaren , bis ſie ſich in Alt- Treptow zu An fang des Jahres 1344 in Bezug auf ihre Vafallen einigten, und beide zu Wolde im Uuguſt 1344 auf ein Schiedsgericht beriefen.

War durch

den Waffenſtillſtand mit den Pfand:

inhabern das wolgaſtiſche Haus wenigſtens gegen den Verfall

') 2) 3) 4)

Urk. bei Dreger u. 8. I. 1345 nr. 4. Hering a. a. D. nr . X. Schwartz de finibus Rugiae p. 185. Nubloff I. S. 293. Westphalen in diplomatario Mecl . t. IV.

pag . 980.

Einigung wegen Barð und Grimmen.

369

des Pfandes geſichert; ſo verſchürzte ſich der Knoten gleich darauf um ſo feſter , indem der Bifchof von Schwerin am 21. Mai 1344, måde des Proceſſes am römiſchen Hofe, auf dem Schloſſe zu Eidhof die Gebrüder Albrecht und Johann von Meklenburg mit dem fande Bard, die Herren Johann III. und Klaus von Werle-Goldberg mit dem Gebiete von Trib fees , die werle - gúſtrowſchen Herrn dagegen mit dem lande Grimmen und allen Hoheitsrechten Wiglavs zur ge ſammten Hand belehnte , und ſich des Rückfalls beim Er: löſchen ihres Stammes, ſo wie ihrer Hülfe, beſonders gegen die Herzoge von Pommern und die Stadt Stralſund , ver : ſicherte . ')

Solche Schritte mußten

die wolgaſter Herren

um ſo rathloſer machen , als Barnim , zu Ueckermånde mit den Herren von Meklenburg verbunden , reine Vermittelung nur zum

Vortheile

feiner früheren

vormundſchaftlichen

Handlungen bot (10. November 1345). Aber noch war der Wolgaſter Vermögen, welche, dem Wedege von Bugenhagen 1000 Mark Pfennige fchuldig, ihm das Land loiß noch lån : ger einråumen mußten, 2 ) obgleich ſie i. I. 1345, nach lan ger Veråußerung, der Einfünfte des Landes Stargard ſich wie der erfreuten , $ ) einem Kampfe nicht angemeſſen, welcher ſie ſogar dem Better von Stettin gegenüber geſtellt håtte ; und deshalb wurde denn, nach leichten Feindſeligkeiten, am 20. Juni 1346 zu Alt- Treptow zwiſchen den Herren von Meklenburg, dem Werle-Güſtrower, und zwiſchen Bogislav, Barnim und Wartislav wegen Bard und Grimmen eine Berufung auf das Schiedsgericht des Biſchofs Hermann von Kamin und des Herzogs Rudolf

des Letteren von Sachſen angenoms

' ) Rudloff I. 294. 2 ) Urk. b. Dreger z. I. 1346 dat. Loitz Donnerſtag vor Mitfaſten. 3 ) S. oben S. 252. Anmerk. 2. Nach einer vereinzelten Notiz bei Eickstet p . 69 ſoll Stargard für 8000 M. an Barnim III. Verpfändet geweſen ſein . An . 1345 filii Wartislavi -- a patruele suo, Barnimo III. Novam - Stargardiam , 8000 Marcarum pretio oppignoratam, receperunt. 24 Barthold Geld , v. Pomm , III.

370

Die Wolgaſter verpflichten dem K. Waldemar zur Hülfe.

men, ' ) dem die Streitpunkte beſiegelt bis zum 1. Mai ůber: ichidt werden ſollten ; den Vettern Johann und Klaus blieb wegen Tribſees der Beitritt bis Mitfaſten offen und 20 Rit: ter übernahmen die Bürgſchaft, daß ihre Herren den Spruch des Schiedsrichters in „ Minne und Recht“ halten würden ; ehrs, rechts und friedlos ward erklärt, wer in der Zwiſchen : zeit bis Michaelis raubte, und Schaden thåte. Aber das Schwerdt mußte endlich doch den verjährten Handel entſcheiden ! 2 ) Weil inzwiſchen dnig Waldemar tåglich mehr Herr in feinem zerriſſenen Lande wurde, glaubten die Wolgaſter durch Ergebenheit gegen ihn, den verdunkelten lehnsgebieter Rügens, einen Vertheidiger zu erwerben, und verpflichteten ſich daher um Oſtern 1346, 3 ) dem Dånen eine Anzahl Reiſiger in ſeinen Dienſt zu führen, welchen Waldemar, noch im Kampfe gegen die Holſteiner, Entſchädigung und Roftenerſaß von der Einſchiffung an bis zur Heimkehr gelobte.

Zweites

Kapitel .

Der falſche Waldemar. Barnim wieder reichsunmittelbar ohne die Un wartſchaft Brandenburgs 1348. Barnim III . gegen den Markgrafen. Die Wolgafter treu . Umſchlag der Pommern für Ludwig 1349. Abtretung eines Theiles der Udermart an Pommern. Bertrag zu Spremberg und Ausſöhnung zu Baußen 1350. Anſehn König Waldemars im ſlaviſchen Deutſchland. Barnims III. Sieg am Schopendamm 1351. Frieden mit Meklenburg. Sicherung des ges wonnenen Landes durch den Kaiſer Karl IV. 1355. Noth und Peſt von 1348 - 1356. Die Geißler. In den vier leßten Jahren des halben XIV . Jahrhun derts fehen wir das geſammte Europa in einem Zuſtande ) Diplomatar. Mecl.a. a. D. p. 981 d. Alt - Treptow 20. Januar 1346. 2 ) Im I. 1349 war Grimmen im Beſiß der wolgaſter Herren, wie die Beſtätigung des lübiſchen Rechtes und anderer Freiheiten der Stadt durch eine Urkunde der Brüder dat. Uedermünde Dienſtag nach . Kreuz, bezeugt. Sdwarß diplomat. Geld . S. 332. 3) Schwarz Lehnshiſtorie p. 378. Urk. dat. Hayniae 1346, III, fe

Sittliche und bürgerliche Auflöſung in d. Mitte 6. XIV. Jahrhunderts. 371 fittlicher und bürgerlicher Auflöſung ; die Könige, Fürften und Gebieter , Land und Stådte in ſo unerhörter Untreue , in Mord

und

Blutvergießen ,

die

Volfer

in

ſo

unſeligem

friegeriſchen Zerwürfniſſe, daß die grauenvolle Heimſuchung durch natürliche Ereigniſſe , welche die finſteren Unthaten bes gleiteten oder ihnen folgten , der ſchuldbewußten Menſchheit als ſichtliche Strafe der gehåuften Sånden erſchien, und eine fanatiſch - religioſe Erſchütterung wie ein Wahnſinn die Ges můther pldplich ergriff, um das Maaß des offentlichen Fam mers zu erfüllen.

Wir müſſen die Hauptzüge des Gemåldes

in unſere Geſchichte aufnehmen , weil unſer land von dem Leide nicht unbetheiligt blieb, und eine andere Geſtaltung der Offentlichen Verhältniſſe daraus hervorging . Den Weg in das labyrinth zeigt uns der Kampf der geiſtlichen und welt: lichen Macht in feiner vielfachen Gliederung.

Der Kurverein

zu Renſe (1338) konnte dem deutſchen Reiche eine ehren volle Selbſtändigkeit verſchaffen , ohne den Wankelmuth , die Halbheit , die politiſchen Fehlgriffe und die Låndergier des Kaiſers.

Eduard des Dritten Partei aufgebend, hatte Lud

wig í. I. 1341 mit Frankreich ſchimpflich ſich ausgeſdhnt und den ſtarken Helfer gegen

die Curie an dem ſicheren

Bundesgenoſſen verloren, ohne an Philipp V. einen ehrlichen Freund zu gewinnen. Des Baiern fecke Eingriffe in die Rechte der Kirche, indem er die Ehe Margarethas mit dem Sohne Johanns von Böhmen richterlich trennte und Tirol ſeinem Hauſe aneignete, ſtrafte erſt der Nachfolger des guten Benedikt XII., Klemens VI., der fågelburger ergebener Dies ner, indem er den Bannfluch im April 1343 erneuerte, und die

Kurfürften

Ludwig

zu

bat , unter

einer

anderen

falſcher

Kaiſerwahl aufforderte.

Vermittelung

des

Franzoſen,

ria pasch. Die Herzoge heißen illustres principes et avunculi nostri. Auf ein Lehnsverhältniß deutet allein der Ausdruck Servitium hin, pro, mittimus et stamus pro omni dampno , quas una cum suis quos in nostrum duxerint servitium et cet. 24 *

372

Markgraf Karl Gegenkönig.

demüthig um loſung ; erhielt aber Bedingungen geſtellt, welche das Reich nicht eingehen konnte, und welche die Ges mäther der deutſchen Fürſten Oberhaupt erfüllten.

mit Verachtung

gegen das

Ein Krieg des Kaiſers mit Böhmen und deſſen Bun: desgenoſſen im Herbſte 1344 endete zwar i . 3. 1345 durch einen nicht ungünſtigen Frieden ; allein die Einziehung der erledigten fånder des erbloſen Grafen von Holland (Januar 1346) zu Gunſten ſeines Hauſes, und die Zurüſtungen Luds wigs nach Italien zu ziehen , um mit faiſerlicher Vollmacht den Mord zu råchen , welchen

die Königin Johanna von

Neapel an ihrem Gatten Andreas von Ungarn (25. Auguſt 1345) begangen hatte, und um den Thron der Hohenſtaufen dort wieder herzuſtellen , ångſtigten Klemens VI., deſſen legtes Anſehen in Rom durch die hochſinnigen Pláne Cola Rienzis, des Tribuns , auf gefährlicher Wage ſtand , in dem Grade, daß er am grünen Donnerſtage 1346 den Bannfluch mit Vernichtung ſchnaubender Wuth auf Ludwig herabrief ; den Erzbiſchof von Mainz, des Kaiſers Stüße, abfeßte, und mit Johann von Böhmen und deſſen Sohne Karl, Markgraf von Mähren, über die Kaiſerkrone zu unterhandeln begann. Als Vater und Sohn alle ſchmåhlichen Bedingungen beſchworen , berief auf Geheiß des Papſtes der neu beſtätigte Erzbiſchof von Mainz , Gerlach von Naſſau , die Fürſten der lügelbur ger Partei, zumal den alten Rudolf von Sachſen , den Erb feind des Hauſes Baiern, nach Renſe, und am 11. Juli 1346 ward Markgraf Karl zum rómiſchen Könige erwählt. ward der „ Pfaffenkönig ," im Gedrånge

Zwar

vor Ludwigs

Anhångern, genöthigt mit ſeinem Vater nach Frankreich zu fliehen , und zwar erlag in der Mordfchlacht bei Ereſiy am 26. Auguſt 1346 der erblindete Böhmenkönig Johann dem Siegerglück des ſchwarzen Prinzen , wodurch das

Gleich

gewicht der Parteien wieder hergeſtellt ſchien ; aber deſſen ungeachtet ward Karl, mit Mühe den Engländern entronnen ,

Martgraf Ludtvig ber Baier.

373

durch Vermittelung Philipps V. zu Bonn am 25. November 1346 zum römiſchen Könige gefrónt, und als Kaiſer Ludwig, welcher durch ſeine Tapferkeit im ſüdlichen Deutſchland ſich noch behauptete ,

am 11. October 1347

unweit München

auf der Jagd eines pldßlichen Todes geſtorben war , gelang dem Pfaffenkönige, wiewohl unter mancherlei ſchimpflichen Erfahrungen , durch glatte Worte und Verheißungen die Anerkennung in einem großen Theile des Reichs zu gewinnen . Erbe der Hauptlande des baieriſchen Hauſes war Markgraf Pudwig , jegt auch Herzog von Baiern ; wegen ſeines Wans kelinuths perſönlich ein wenig furchtbarer Gegner , war er gleichwohl bemüht, einen Gegenfaiſer aufzuſtellen , und, konnte begünſtigt durch die Zuneigung oberdeutſcher Stådte, zumal Nürnbergs , auch nachdem Eduard , im forber von Creſſo, und das Parlament die Wahl des fchwarzen Pringen zum deutſchen Könige ( Frühjahr 1348 ) Lüßelburger im

abgelehnt hatten , den

Gedrånge

erhalten ; aber die ungefügige Macht ward pldßlich durch die argſinnenden Feinde in ihren Grundpfeilern erſchüttert und das Uebergericht in die Hände der neuen Trugpolitik gelegt. Markgraf Ludwig , ſchon als Oberdeutſcher verſchieden an Sitte und Sprache, war nicht fåhig geweſen , ' ) die auf: richtige liebe der Brandenburger zu gewinnen ; ſein anſpruches volles vornehmes Treiben , feine håufige Abweſenheit außer halb der Mark , die Reihe der Kriegsunruhen , welche das Land erfahren , hatten ihm die Gemůther vieler Unterthanen entfremdet , und lebhaft die Erinnerung an den blühenden Wohlſtand wach erhalten , deſſen man in den Tagen der

? ) Glaubhaft berichtet Albertus Argentinens. ap. Urstis. II. pº 146 : gens enim terrae luxuriam cum filiabus et uxoribus suis et quod liberi sui non sunt legitimi nec digni tanto principatu impingere di cebatur. Ludwig war ein Weiberfreund, und die Ehe mit Margaretha, ber berüchtigten , empfahl ſein junges Geſchlecht nicht. Hainricus Reb dorf p. 444 ſagt : terram non tractaverat gratiose.

374

Der falſche Waldemar.

Aſcanier , zumal Waldemars , genoſſen zu haben vermeinte. Auf ſolche Verſtimmung und Unbeſtåndigkeit einer beweglichen Bevölkerung hatten ſchon einige Jahre früher die lauernden Neider des baieriſchen Geſchlechtes , der alte Herzog Rudolf von Sachſen anhaltiſchen

Stammes ,

der Erzbiſchof

von

Magdeburg, wohl nicht ohne Mitwiſſen Karls von Böhmen , einen Plan gebaut , der , würdig der neuen Politik, erft mit dem Jahre 1348 überrachrend zur Reife Fam. Ein bejahrter Mann ' ) in Geſtalt eines Pilgers erſchien ſchon i. I. 1347 oder früher in den mårkiſchen Landen und in der Nachbarſchaft, bereitete durch råthrelhafte Reden vom Markgrafen Waldemar, deſſen Tod im hohen Sommer 1319 wir berichtet haben , die Horchenden auf Unerwartetes vor, und wußte den Glauben zu erwecken, „ der Legling des askaniſchen Hauſes ſei nicht geſtorben , ſondern habe , reus müthig über ſeine Sünden , zumal über die unfirchliche The

» ) Wir können uns auf eine kritiſche Unterſuchung über den ,,fal fden Waldemar," ſo wie auf die näheren Umſtände ſeines Erſcheinens nicht einlaſſen . Bekannt iſt, daß Stenzel neuerbingo bas Urtheil der Geldichte wieder befangener gemacht hat. Wir halten uns an die Zeits genoſſen und an die älteſten Zeugniſſe, bis uns jener Forſcher , ein An balter von Geburt, ein neues Licht eröffnen wird. Unter den Zeitgenoſ ſen ſind auf unſerer Seite Hainricus Rebdorf 1. C. p. 444 ; Albertus Argentin . 1. c. p. 146 ſagt: Rudolphus autem Dux Saxoniae quendam in terra sua similem quondam Wolmaro Marchioni in Brandenburg inveniens, eumque Marchionem fingens esse (praetensis multis figmen tis, qualiter olim Marchio se fingens mortuum , terra clam recesse .

rit, ex causa poenitentiae, alio nomine ipsius defuncti) multas civi tates ad recipiendum eundem induxit. Corneri Chronic. ap . Eccard II. p. 1073 ; Detmar I. S. 267 nennt den falſchen Waldemar einen Baghard ( Bettler ). Nur Karls Geldichtſdreiber Beness. bei Dobner Script. R. Bohemic, erkennt unbefangen den Erſcheinenden als den rechten Wal bemar. Dagegen geſteht ſelbſt Dubravius L. XXII. p. 575, ein ſpäte rer böhmiſder Geldichtſchreiber und ein Berehrer Starls , ben Betrug. Audi Pelzel, Kaiſer Karl IV. Th. I. S. 227 , glaubt nicht an die Alechte heit des neuen Waldemar , meint aber, Karl ſei zur Anerkennung beſfela ben verführt worden. Ueber das Urtheil ber Pommern ſ. unten.

Erſtes Auftreten beſſelbert.

376

mit ſeiner Baſe , den Betrug des Scheintoðten geſpielt, um unerkannt ſeine lange Bußfahrt nach dem heiligen fande ju vollziehen ; nach Beendigung derſelben würde er heimkehren und mit påpſtlicher Erlaubniß die lang unterbrochene Res gierung wieder antreten ." A18 in den mårfiſchen Stådten, unter den Wirren des Reiches, welche dem Tode Ludroigs vorangingen und folgten, die Aufmerkſamkeit auf die Zukunft bang geſpannt war, gab ſich derſelbe Pilgrim zuerſt dem Erge biſchof Otto von Magdeburg ' ) , dem Herzoge von Sachſen und den Grafen von Anhalt als der wieder aufgelebte Marks graf Waldemar fund, und erleichterte den Betrug, indem er eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Verſtorbenen zeigte und mancherlei von der geheimniſvollen Geſchichte des Haus res zu erzählen wußte.

Da der Erzbiſchof, der altere Rus

dolf, Herzog von Sachſen, und die Grafen von Anhalt nicht fåumten , den Pilger als den rechtmäßigen Markgrafen zu begrüßen, den ſie am beſten als Jugendgenoſſen kennen mußs ten , gewinnt die alte Angabe „ Wahrſcheinlichkeit“ , der Bes trüger fei ein Unterthan der Anhalter , wenn auch nicht ein Müller aus Hundeluft bei Zerbft, Namens Jådl Rehbock, oder Månicke, ein Becker aus Belig , geweſen , ?) „welder in ſeiner Jugend als Schildknappe dem Markgrafen gedient habe.“ 3 )

Nächſt den Vettern des anhaltiſchen Stammes

' ) Georgii Torquati Series Pontificum ecclesiae Magdeburg ap. Mencken III. 395. 2 ) Das wohlunterrichtete Chronicon Leobiense in der Fortfeßung bei Pez SS. R. Austr. I. p . 969 iſt das einzige, welches die längere Vorbereitung Rudolfs von Sachſen zum Gaufelſpiel kennt : Do tychtat Hertzog Rudolf von Sachsen und gye darauf, wie er den von Pairn Marchgrafen von Brandenburg, möcht pringen von der March ; und zuckat ainem Müller auf und jach, er war der recht Marchgraf Woldmer von Brandenburg. Derselben Mülner het der von Sach sen manig jar vor haimlich in negehabt. 3) Rebdorf &. a. D. Angelus S. 153 ; Aventinus VII. c. 20 g. 10 . S. Buchholz II. 6. 409 ff.

Beitritt ber Meklenburger.

376

und dem Magdeburger waren es die Brüder von Meklen: burg, Albrecht und Johann, welche in das lockende Sautels ſpiel gezogen wurden . Wegen Stargard unwillige Lehns trager der Marfgrafen, durch die gebieteriſchen Baiern mehr: fach behindert, nåhrten ſie auch wegen der Einbußen in der Voigtei Jagow Unzufriedenheit. Dieſe Abneigung gegen Lud: wig legten fie früh an den Tag, indem ſie ſchon am 16. Okto : ber 1347, che noch die Kunde vom Tode Ludwigs an fie gelangen

konnte, „durch

Bitte des

Herzogs Rudolf

von

Sadſen," zu Tauß im Heerlager Karls , der eben gegen Baiern ziehen wollte, ſich die ldſung des Landes Stargard von brandenburgiſchem Lehnsverbande, die Erhebung deffel ben , und alles deffen , was ſie bisher von Brandenburg als Lehen empfangen , zum Reichslehn erwirkten , worüber ſie durch Rudolf belehnt werden ſollten . ' ) – Der an ſich romana haften Geſchichte des falſchen Waldemar , welche

früh in

rächſiſchen Landen dichteriſch behandelt wurde, ſind, ungeach der Abweichungen in andern Einzelheiten , die älteren pommerſden Geſchichtſchreiber gefolgt, um das ehrliche Ver

tet

halten

des

gerühmten Barnim zu erweiſen.

Nach dieſer

poetiſchen Ueberlieferung ? ) håtten die Hauptſpieler des Bes truges zumal des Herzogs von Pommerns Ehrlichkeit ge fürchtet, welcher am meiſten den Verſtorbenen gekannt habe. Der Erzbiſchof, der Kurfürſt Kudolf und die anderen Mits wiſſer Håtten jenen deshalb nach Torgelow eingeladen , aber nur durch Künſte der Ueberredung den geradſinnigen Pom mer vermocht, dem argen Plane beizutreten , um die Mark,

' ) Urkunde bei Gerdes Sammlung II. S. 168, dat. Tust d. S. Galli 1347. Daß Karl zu Tauß auf dem Zuge gegen Baiern die Todess kunde aus Münden erfahren ſ. Pelzel I. S. 182. 2 ) Auszug bei Rankow I. S. 355, wo der Kurfürſt von Sad ſent, wie bei Nebborf, als Urheber des Betruges bezeichnet ift. Proben ber Dichtung ( 1. baf. S. 363) verrathen eine ſpätere Ueberarbeitung. Uebri gens werben die Ereigniſſe drei Jahre früher verſchoben ( 1345 ).

Barnims Berhalten.

377

die Beute jener Råuber , nicht in fremde Hånde kommen zu laſſen , habe er ihnen Gemeinſchaft verſprochen , ') mit dem geheimen Vorbehalte : „ tas er mit dem Schwerte gewin: nen würde, dem Dheim zurückzuſtellen ."

So löblich dieſer Zug der pommerſchen Geſchichtsmuſe iſt, den tapferen Landesherrn zur Zeit allgemeiner Vers dorbenheit in der lauterſten Geſinnung darzuſtellen ; ſo nöthis gen uns doch die Urkunden zum Bekenntniffe, daß der ſtaats: kluge Barnim auf ſolchen Ruhm håufig verzichtete. Thm mußte ein Großes daran liegen , der mårkiſchen Lehnsantart: ſchaft, die ihn in ro bdſe Håndel mit den Vettern von Wols gaſt und mit den eigenen Unterthanen verflocht, ſich zu er: ledigen ; bot ſich doch ihm auch die Hoffnung , bei der Zers trůmmerung der baieriſchen Macht altpommerſche lande wie: der zu gewinnen . ) Mit den erſten Monaten d . I. 1348 , als nach dem Dode des Vaters der Markgraf mit der Wahl eines Gegens kaiſers voll beſchäftigt war, erhob ſich der falſche Waldemar im Geleit der genannten Fürfien ) zuerſt mit ſeinen Un

' ) Daſ. S. 363 : So es dan nicht kan anders sein , werden wyr gedrungen ewr helfer zu sein ; wo ich aber was gewinne an lande, das wil ich halten meinem ohm zu hande sunst wolte ichs gar nötte nhemen . 2 ) Nads einer alten Nachricht bei Schwark Lehnshiſtorie S. 368 Anm ., der er jedoch ſelbſt nicht traut, ſou Markgraf Ludwig am 26. Juni 1340 bem Herzoge von Pommern Paſewall, das Schloß Torgelow und die üdermünder Heide abgetreten haben. Dieſe Angabe , beruhend auf Zahlenverwechſelung , iſt aus den pommerſchen in die märkiſchen Ges dhidtøbüdyer gekommen . Angelus Chronik S. 152 ſchreibt nady, t. 3. 1346 ſei audi Strausberg von den Pommern erobert worden . Straus berg iſt wahrſcheinlich mit Straßburg verwechſelt, das ſpäter in die Hände Barnims kam. Bis zum Anfange des Jahres 1348 war die Grenze der Mark noch nicht angetaſtet. Kanßows hiſtoriſche Angaben ſind voll Srrthümer. 3) Rubolf war gleid darauf zu Anfang der Faften in Prag bei

378

Ludwig in ben Markert gegen ben falden Malbemar.

ſprüchen in Magdeburg8 Nähe ' ) in der Altmark und Priegs nig ; Stendal, die Stådte der Priegniß, übertaubt und vers führt, empfingen ihn jubelnd ; die Mittelmark, zumal Brans denburg , deren Hauptſtadt, folgte. Doch trat nach den erſten raſchen Fortſchritten ein Stilſtand ein ; Ludwig , von ungewohntem Thåtigkeitsdrange erfåüt, durcheilte die Mar ken , warnte

und

verhieß Gnade , Schuß und Ordnung .

Noch bewährten die öſtlichen Landestheile gute Geſinnung ; zumal die Uckermark; die Stådte Paſewalk, Angermünde, Prenzlau und Templin, beunruhigt durch die böſen Zeitläufte, hatten ſich gleich nach Neujahr 1348 zu Prenzlau zu ihrer gegenſeitigen Sicherheit verbåndet, und gelobten die Einigung zu halten, „welche ſie gethan ihrem Herrn und dem fande zu

frommen ; " a ) zu Neuſtadt - Eberswalde bevollmächtigte

darauf Ludwig die verbundenen Gemeinweſen am 24. Fes bruar gegen Rechter und Räuber Strenge zu handhaben ; zum Beweiſe, daß fich Pommern nicht ſchon früher in den Karl felbſt, in Prag mit

Beſitz der Stådte gefeßt. ” )

glanzvollen Stiftungen beſchäftigt, hatte noch keinen offents lichen Schritt für den Betrüger gethan , vielmehr ging er , ſicher vor dem gefürchteten Nebenbuhler aus England, im Mai nach Brúnn, um mit den Herzogen von Deſterreich rich zu befreunden, und traf auf der Heimfehr in Znaim ( Juni) Karl (f. Urkunde vom Sonntage Invocavit 1347 bei Budholz II. S. 422 ), und blieb an deſſen Hoflager bis zum Herbſte. ' ) Zuerſt, ſo viel wir wiſſen , beſtätigte er zu Wolmirſtädt, einem an Brandenburg gekommenen magbeburgiſchen Städtchen , ben Prißwal kern und Perlebergern ihre Privilegien ; Budsholz V. Anhang S. 69. Urkunde vom 2. Februar 1348. Als Zeugen Otto von Magdeburg und Albrecht von Anhalt. Eben damals bot die baieriſche Partei dic Kai ſerkrone an England. a) Sedt I. S. 104. Urk. nr. XXXII. dat. Prenzlau 1348 ipsa sexta feria infra octavam Epiphanias . 9 3 ) Daf. a. a. D. Am Montage vor Esto mihi ( Quinquagesimae) vollzog Wamprecht, Mundſdent Ludwigs, zu Prenzlau noch einen Rechts act. Am 12. Juni war Ludwig nodi in Berlin .

Barnim III. reiddunmittelbar ohne Antartſchaft Brandenburge. 379 den Herzog Barnim III., welcher, ſchon abtrünnig von Lud: wig , dem dnige ſeine Treue verſicherte, und daſelbſt am 4. Juni 1348 zum Lohne die Beſtätigung der Unmittelbar: feit für alle ſeine Reichslehen empfing , alſo von der bran : denburgiſchen wurde. ' )

lehnsanwartſchaft

freigeſprochen

Wie hoch Karl den Beiſtand des pommerſchen

Hauſes anſchlug , lehren die Gnaden , welche er gleichzeitig dem Herzog erwies .

Er beſtåtigte als Leibgedinge für Ugnes, deffen Gattin , den ungeſchmålecten Beſitz des ganzen Her: zogthums Stettin und der Lånder jenſeits der Oder , Bern ſtein , Groswin, Demmin, mit der Bedingung, ? ) daß, wenn das Ehepaar Kinder hätte , die Hälfte des Landes den Erben , und, im unbeerbten Falle, ihr das Ganze , ſo lange fie Wittwe bliebe, zufallen ſollte; heirathe ſie wieder, ſo ſollte ſie den Erben , d . i . dem wolgaſter Hauſe, nach Empfang von 12,000 Mart reinen Silbers weichen . )

Unfreundliche

Geſinnung Barnims gegen die Vettern , ſo wie die Idſung des frankfurter Lehnsanwartſchaftsvertrages , geht unzwei felhaft , ſo wie die derzeitige Unbeerbtheit des Herzogs, aus dieſer Urkunde hervor. Hatte Barnim auf den Fall

Greinir III. Stück S. 113 : dat. Znoyme a. 1348 II. Id. Jun. Urkunde wird wieder von einer Reincorporatio geſprochen. Daſ. p. 116, cod. dat. Ibid. Agneti Ducissae - Ducatum Stetinensem cum omnibus pertinentiis suis nec non terras ultra Oderam et nominatim Bern - justo dotis et dotalitii nomine stein, Groswein, Demyn cum cet. approbamus – conditione infra scripta . resignavit. Nos dictam dotem ?) In der 2) 3)

Quod si predictos Illustrem Barnim et Agnetem Contoralem ipsius heredes insimul habere continget, medietas totius dotis seu dotalitii ad ipsam Agnetam et pars residua ad amborum heredes debeat per tinere sique predictum Ducem heredibus non relictis ab hac vita migrare continget et tunc predictum dotalitium sive dos cum omni bus pertinentiis ad ipsam Agnetem libere pertinebit quamdiu in thoro remansit viduali, ex tunc datis ei et solutis per heredes suos veros duodecim Millibus marcarum puri argenti, doti predicte sea dotali tio absque omni difficultate et contradictione cedere tenebitur et debebit,

380

Das Erbamt bes Reidjägermeiſters an Rügent.

feines unbeerbten Todes der Vettern Recht in dieſer Weiſe geſchmålert, ſo ließ er ſich deſſenungeachtet am gleichen Tage die Anwartſchaft auf das Fårſtenthum Ragen und die Nachs folge in allen Reichslehen Bogislaus , Barnims und Wars tislavs zuſichern , ' ) und verwarf demnach thatſächlich auch die Lehnsverknüpfung Rügens mit Dånemarf , welche bis dahin noch anerkannt war . Noch beſtimmter erflårte dies eine Urkunde deſſelben Tages , ? ) ſo wie die Abſicht Karls, der noch ungewiſſen Wolgaſter ſich zu verſichern. „ In Bes tracht der vielen und fruchtbarlichen Gehorſamserweiſungen

Barnims , Bogislaus und Wartislavs “ übertrug er dem gan: zen Geſchlechte ſeine Reichslande mit ausdrücklicher Erwih nung Rügens und Stralſunds , und dem Zuſaße : quae ad magistratum venationis Imperii pertinere noscuntur , und ſchuf dadurch das dunkle Reid serbamt des Reid 65 jägermeiſters,

welches an dem walds und wildreichen

Gebiete des landfeſten Fürſtenthums Rügen haften ſollte. ) Aber im Widerſpruch mit dieſen Gnadenerweiſungen gegen Pommern ſtand, daß Karl gleich darauf am 8. Juli auf dem prager Schloſſe , unter großer Feierlichkeit , in Gegenwart Barnims , vieler Fürſten und Edlen , die perſönlich anweſens den Herren von Meklenburg , Albrecht und Johann, „ auf Bitten Rudolfs Herzogs von Sachſen " zur herzoglißen Würde erhob,“ ) ) Daf. S. 117 : Barnim nec non veris heredibus suis Principa tum Rugianorum et totum Dominium Illustr. Bohuslai, Barnim et Wartislai Stetinens. Slavorum Pomeranorum et Cassuborum Ducum nostrorum et sacri Imperii principum que a Sacro Romano Imperio in feudum tenent et attenus tenuerunt, si predictos heredibus legiti mis non decedere contingit, nomine vere et juste successionis damus. 2) Daf. S. 119. Eine andere Urkunde Donnerſtag vor St. Viti zu Znoym , baſ. S. 121, erklärt nochmals den Barnim und ſeine Erben zu unmittelbaren Reidjvaſallen. 3 ) S. in Schwarz Lehnshiſtorie S. 349, die Betrachtung über den ungewiſſen Urſprung dieſer Würde. 4 ) Gerdes Sammlung I. S. 2 ; datum in castro nostro Pragensi VIII. Id. Jul. 1348.

Einfall Karls IV. in die Marken.

381

nicht allein für die meklenburger Lande , ſondern auch für Bard und Damgarten ; er alſo die Anwartſchaft Barnims auf Rügen wieder

beſchrånfte. ')

36 Barnim bei ſo

Offentlicher Kundmachung ſeiner Parteinahme beauftragt wor : den ſei, ein Gleiches im Namen ſeiner Vettern zu thun , zweifeln wir. der

Bogislav und ſeine Brüder, dem Schauplage

trügeriſchen Politik ferne , weilten

um

dieſe Zeit im

åußerſten Hinterpommern , in Rügenwalde und Stolp .

Sie

vecharrten im Intereſſe Waldemars , des Dånenkönigs, den wir bald als Paladin für ſeinen verlaſſenen Schwager, den Markgrafen, auftreten ſehen werden ; des dåniſchen Beiſtan des gegen Meklenburg bedürftig, wurden ſie erſt, als Ludwig rettungslos verloren ſchien , durch Barnim vermocht, dem Könige Karl Treue zu fchwören. So hielten ſich die Dinge im hohen Sommer 1348 noch in der Wage; der falſche Waldemar hatte ſeine Grenze gefunden ; als nach fruchtloſen Unterhandlungen Karls und Ludwigs, welche zu Paſſau unter der Vermittelung des Hers gogs von Deſterreich gepflogen werden ſollten (Sonntag nach Facobi , 25. Juli), ) die lange vorbereitete

Kriſis eintrat.

Der deutſche König , in der Wahl ſeiner Mittel nicht mehr 1 verlegen , beſchloß den Betrüger zum gånzlichen Verderben ſeines hartnäckigen Feindes zu unterſtügen,

und fiel im

September 1348 mit einem måchtigen Heere in die Marken ein ; während die verbündeten Fürſten , die Meklenburger, der Magdeburger und Barnim III. zugriffen , wo die Grens zen

der Mark eine

unvertheidigte Lücke zeigten .

ein beſſerer Feldherr treuen zuſammen und

Ludwig,

als wenigſtens Karl , raffte reine Ges lehnte

ſich an das linke Ufer der

? ) Es heißt : Barth et Damgard cum omnibus suis pertinentiis. 2) Albert. Argentinens. p. 146. Ludwig kam troßig mit 2000 Rit tern und brach die Unterhandlung ab , als er erfahren , daß Karl arg Jiſtig die holländiſchen Beſißungen ſeines Hauſes an England und Jülich bringen wollte.

Fortſchritte des falſchen Waldemar.

382

Dder zwiſchen Müncheberg und Frankfurt, ' ) deren Bürger fchon aus langgenåhrtem Haß gegen den Biſchof von Lebus es treu mit dem alten Landesherrn hielten. Aber gleichzeitig ſcritt nun auch , der offentlichen Anerkennung durch den römiſchen König gewärtig, der falſche Waldemar, im Geleit ſeiner Helfer, zumal Rudolfs, des Grafen von Anhalt, Albrecht, und des Grafen von Barby, nördlich und sſtlich vor ; Prenza lau und Paſewalk empfingen ihn zu Anfang Septembers mit Fahnen , Kreuzen

und lichtern und gewannen am 6. und

7. dieſes Monats Gnaden und Freiheiten die Fülle. 2) 21. September

Am

1348 war der Betrüger ſchon in Berlin

aufgenommen und handhabte fürſtliche Rechte, 3 ) ehe Karl, im Feldlager zu Heinrichsdorf bei Müncheberg, am 25. Seps tember , ,,allen Unterthanen der Marf den hochgeborenen Markgrafen

zu

Brandenburg

und landsberg als

rechten

Erbherrn " ankündigte, 4 ) ihm die Rechte, die er gehabt hatte, ,,als er vom Lande fchied," wieder übertrug und ihm, mit Verheißung ſeiner ganzen Macht, zu huldigen befahl. Erſt als der falſche Waldemar mit ſeinen Fürſten zum Heer: lager Karls vor Müncheberg gekommen , erklärte der römi rohe König ( am 5. October) , daß

,,er die beiden Herzoge

Rudolf von Sachſen , den Herzog Johann von Meklenburg und andere Herren, welche den Markgrafen Waldemar wohl gefannt haben , ehe er vom Lande fchiffte, aufgetragen , ſich um ihn zu erfahren ; und nachdem jene bei anderen Fürſten , Herren, Rittern , Knechten und gemeinen Leuten fich genugs fam berichtet, daß er es ſei, verleihe er dem Wiedererſtan

) Albertus Argentinens. p. 147. 2 ) Sedt I. S. 107 ff. Urk. XXXIII. XXXIV. XXXV. , die legte zu Paſewalt ausgeſtellt ohne Tagesangabe. 3 ) Fidicin Beiträge zur Geſchichte der Stadt Berlin II. S. 222 . 4) Gercken Cod. dipl. I. p . 577 : Urkunde vom Donnerſtage nach Matthäus ; Oſtern fällt auf den 20. April; alſo war St. Matthäus ein Sonntag .

Ludwig von Karl IV. und den Verbündeten umlagert.

383

denen und ſeinen Erben die Mark Brandenburg mit allen ihren Rechten und Würden . “ 1). Auffallend iſt, daß Barnim von Pommern, welcher in ſeiner Jugend den åchten Waldes mar wohl gekannt hatte, unter den Zeugen vermißt wird, was ihm zum Ruhme gereicht; auffallender dagegen, daß Johann von Meklenburg , welcher erſt zwei Jahre nach Waldemars Tode geboren wurde, ſein Zeugniß hergab , den verſcholles nen Markgrafen gekannt zu haben ! 2 ) Wohin die Betrüger zielten , lehrt die Lehnsanwartſchaft, welche der Herzog von Sachſen und die Grafen von Anhalt nach dem voraus zu fehenden Falle unbeerbten Ablebens des falſchen Markgrafen erhielten. 3 ) Unter dieſen Vorgången lagen die Heere nahe gegen ůber, ohne daß es zu einem Treffen kam ; Barnim war nach Stettin gegangen oder bemachtigte fich inzwiſchen des offenen Landes , da die Städte dem falſchen Markgrafen zuerkannt waren ; 4 ) Markgraf Ludwig , Frankfurts und der ganzen Neumark ſicher , 309 ſich vollends in die feſte Stellung an die Oder , wo unter Verwüſtung , aber ohne Schlacht, der rómiſche König und alle verbündeten Fürſten ihn umſchloſſen. ') Weil die Neumark und einzelne Stådte und Vaſallen , zus mal in der Lauſit , nicht in der Treue wanften ; that . Karl im Felde vor Frankfurt ſolchen Ungehorſam am 10. October in die Reichsacht, hob jedoch , um die Mitte des Octobers bei böſem Herbſtwetter nach Prag und von da nach Bres : lau gehend, die Belagerung auf. Unmittelbar darauf, gegen

1 ) Gercken Cod. I. p. 573. Gegeben im Felbe zu Heinrichsdorf bei Mündjeberg 1348 Sonntag nad Michaelis. 2) Albrecht und Johann waren die Söhne der zweiten Ehe des Löwen, geboren kurz vor oder nad 1321 . a ) Gercken 1. c. p. 577, ebenbaſ. 1348 Donnerſtag nach Michaelis. 4) Pommerſche Chroniken laſſen Barnim die Städte der Udermark erobern und vor Frankfurt mit den übrigen Fürſten geben. Ludwig war für ſeine Perſon am 24. September in Arnswalde. Gercken V , S. 190. 5 ) Albert. Argentinens. p. 147.

384

Bogislaus V. Uebertritt zu den Berbünbeten.

Ende des October , ſehen wir den Markgrafen , nachdem er dem Hauptſtoße ausgewichen , ſchon wieder im freien Felde, im Beſitz von Müncheberg und Fürſtenwalde, und den erſten Sühnebrief ausfertigend ; ' ) ungebrochenen Muthes eilte er nach Dresden , 2 ) und ſtellte, nach neuen vergeblichen Unters handlungen mit Karl, am 9. December 1348 dort ſeine Wahls ſtimme für den ritterlichen Grafen Günther von Schwarz burg zum römiſchen Könige aus, 3 ) welcher am 1. Januar 1349 in Frankfurt von den Anhängern des baieriſchen Hau fes erforen wurde. Die drohenden Fortſchritte des falſchen Waldemar im September, des Königs Gebot und die ueberredung des Vetters Barnim III . hatten inzwiſchen Bogislav V., welcher, mit dem Herren von Werle - Güſtrow vereint, die neuen Her: zoge von Meklenburg in ihren Anſprüchen auf die Voigtei Jagow beunruhigte 4), vermocht, zeitweiſe von der gerech ten Sache abtrünnig zu werden ; obenein gelockt durch zuz vorkommende Erbietungen Karls , der inzwiſchen

auch mit

König Kaſimir , dem Schwiegervater Bogislavs , freundlich ſich beſprochen , gelobten die drei Brüder zu Stettin am 14. October 1348 dem römiſchen Könige die Treue gegen jedermann , und verhießen , ſo bald ſie es ohne Gefahr thun könnten, leibhaftig zu huldigen ; 5 ) zumal bezeugte Bogislav V., a ) Urkunde bei Gercken Cod. dipl. V. p. 382. 381 um Simonis und Jubä (28. October). 2 ) Albert. Albertinens. p. 150. 3) . Olenſchlager Staatsgeſchichte des XIV. Jahrh. S. 400 ff. 4) Rudloff I. S. 301. Der falſche Waldemar verſprach am 11. Sep tember 1348 den Meklenburgern die Einkünfte von Jagot. Barnim , ſo entſchieden auf der Seite Karls und Gegner Ludwigs , ſtand dennoch, wegen der Fehde mit den Herren von Werle, mit dem Könige von Dä. nemark in Bündniß , dem Freunde Ludwigs , und erklärte am 13. Den cember 1348, ohne des Könige Beiftimmung keinen Waffenſtillftand ſchlie ßen zu dürfen. Dreger z. I. 1348 nr. h. ohne Ortsangabe. So ver wirrt war bereits die Gliederung der Parteien. 5 ) Sommersberg Scriptt. R. Siles. I. p. 987, Urkunde, bodibentídy,

Alle Fürſten von Pommern für Rarl.

385

den leibhaften Eid der Treue in Gegenwart des Bifchofs Johann von Kamin in die Hände feines „ lieben Petters " Barnim gelegt zu haben, während ſeine Brüder ſich zu Gleis chem verpflichteten, wo bald ſie deſſen von Barnim gemahnt werden würden .“ Sich zu belohnen für ſeine Mühe hielt ſich Barnim III ., in deſſen Dienſt auf herzogliche Koſten der wolgaſter Vafall Graf Otto von Eberſtein , Herr von Nau: gard , am 23. September 1348 getreten war , ' ) jegt får berechtigt, ſich als Gebieter der eroberten Landestheile der Udermarf zu betrachten.

Zuerſt unterwarf ſich ihm am

4. Januar 1349 die damalige Stadt „ Jagow mit dem Ros lande “ als ihrem Erbherrn. ? )

Aber bereits im Frühjahr 1349 war ein neuer uners gegeben zu Stettin 1348 as St. Calixti Lage : Wir Bogislaw , Barnyr und Wratislav vorjehen , das Wir globt haben und globen mit diesem Briue mit gutter gantzer Trewen one Geuerde dem aller gehorsam und unter durchleuchtigsten Fürsten und Herrn Carll thänig zu seyn als einem Römischen Könige - und von ihme unser Herzogthum Fürstenthum , Herrschaft und Land enphahen und ihm hulden und leibhaftig schweren. So Wir das schirst thun mögen one Geuerde und Ime Gehülffen seyn wider allermenniglich niemand ausgenehmen und bey ihme und dem heyligen Romischen Reich zu bleiben und thun als bey unserm rechten Herrn . Ich Boguslav bekende sonderlich, dass ich vor dem hochgebornen Herrn Hertzogen Warnin (Barnim) etc. Meinem lieben Vettern leibhaftig geschworen hab meinem Herrn Herrn Carl dem Römischen König dem vorge nantem und dass mein Vetter Hertzog Barnyn der egenand mein Eyd, von meines Herrn des Romischen Königs und des Reichs wegen von mir empfangen und genommen hat. In Gegenwertigkeit des Herrn Johanns Bischofs zu Chamyn wir Barnin und Wratis law Hertzogen zu Stettin (geloben) dass wir gleich unserm Bruder Hertzogen Boguslaw samtlich Eyd thun und schweren sollen - dem vorgenanten Herrn Barnyn unserm lieben Vettern und Herrn Carll des Römischen Konigs und des heyligen Römischen Reiches Hand, wen wir des von Hertzogen Barnyn zu Stetin Unserm lieben Vetter, von Unsers Herrn des Römischen Konigs wegen und yn seynem Namen ermanet wurden . ) Schöttgen et Kreyssig III. p . 44 ohne Datuin . *) Dreger IV. 2. 3. 1349 nr. V. dat. Jagow d. Gregorü. 25 Barthold Geidy. v. Pomm. III,

Karl und Ludwig Werſöhnt.

386

warteter Umſchwung der Verhåltniſſe eingeleitet,

welcher

Barnims Klugheit nur kurze Zeit auf die Probe regte , bis ihm

feine Wahl der Partei blieb. " )

König Sünther von

Schwarzburg , am 6. Februar 1349 in der Bartholomåus: kirche zu Frankfurt auf den Thron echoben ,

rief den er:

ſchrockenen König Karl an den Rhein ; zu kriegsſcheu und furchtſam , das Waffengeſchick walten zu laſſen, verſuchte der Sohn und Enkel ro ritterlichen Geſchlechts die Künſte der Unterhandlungen ;

das

baieriſche Haus

ward dem Vetter

Ludwig entfremdet und von Günther getrennt, indem Rudolf, der Pfalzgraf, feine Tochter dem eben verwittweten Könige zuſagte (2. März

1349).

Dennoch ſchien

Günther zum

Kampfe entſchloſſen , bis das Gift, das der Arzt Freidank in Frankfurt ihm beigebracht,?) ihn ſo ſchwächte , daß er, obgleich Sieger in mehren Gefechten um Eltwill im Rhein gau , am 26. Mai 1349 der Krone in einem Vertrage ents ſagte , am 12. Juni den Königstitel ablegte und zwei Tage darauf ſtarb .

Um den föniglichen Eidam mit dein Vetter

Ludwig von Baiern auszugleichen , welcher die Ausſdhnung mit Karl jege war Pfalzgraf Rudolf mit folchem Erfolge bemüht geweſen , daß an dem Tage der Verzichtung Günthers, am 26. Mai, Ludwig zu Eltwill den lügelburger urkundlich als römiſchen König anerkannte, die Zuficherung ſeiner Reichslehen empfing, dagegen , wie ſich von ſelbſt verſteht, den König verpflichtete, das abgebrauchte Werkzeug, den falſchen Waldemar , fallen zu laſſen. 3 )

So wenig von der Politif Karls zu erwarten

* ) Die pomm . Geſchichtsſchreiber, Kangows durcheinander geworfenen Nachrichten treu folgend, laſſen Barnim jeßt wiederum alle Städte der Udermark nochmals erobern . Das Unwahre geht aus der urkundene mäßigen Geſdichte bervor. 2 ) Aventin. Annal. p. 151. Limburger Chronik S. 4. ( Ausgabe $. 1619 fol.) 8) Albert Argent. I. c. Rebdorf p. 445. Urkunden bei Sommers berg I. p. 980 Dienſtags for Pingſten ; Oſtern 1349 iſt am 12. April

Der falſche Waldemar und ſeine Helfer.

387

ſtand , daß er dem låſtigen Gegner die Mittel zur Herſtel lung ſeiner Macht erleichtern , ihn, wie er gelobt, mit der Kirche verföhnen , und ungeſäumt den Betrüger verwerfen werde ; ſo war doch ſchon des Königs Geldbniß , den Baier mit feinen fanden zu belehnen , und die erſte noch unvoll : ſtåndige Sühnung beider Gegner der ſicherfte Vorbote, daß Waldemar und ſeine Helfer “, ohne Beiſtand des cómi ſchen Königs ſich ſelbſt überlaſſen ſein würden ,

Karls Klug

heit feiecte dann den glänzendſten Triumph, wenn ohne ſein offenes Zuthun und ohne daß er durch Widerruf ſich eine ſchimpfliche Bloße gab, die geſchworenen Feinde den Mark: grafen niederhielten . " Zumal wußte er die mächtige Partei Rudolfs von Sachſen , der ihn auf den Königsthron befór dert , in ſo fern ſchonen , daß er die Dinge fürs erſte ihren Gang gehen ließ.

Ludwig dagegen , froher Hoffnung voll,

ſchickte im Juli 1349 reine jüngeren Brüder , ludwig den Rómer und Otto in die Mark voraus, um das Spiel zu enden . Unter den Vorgången am Rhein war inzwiſchen das rånkevolle Treiben und die Unruhe im Nordoſten Deutſch lands geſteigert.

Die låndergierigen Helfer des Betrügers,

bange um die Zukunft , hatten am 24. Februar 1349 fich über den gemeinſchaftlichen Beſig brandenburgiſcher Lånder geeinigt, ' ) und ein und dreißig Stådte der Mark , unter ihnen fåmmtliche uckermårfiſchen , vermocht, am 6. April feierlich zu erklären , daß ſie nach dem erbloſen Tode Wals demars die Grafen von Anhalt als ihre rechten Herren an: nehmen wollten . 2 )

Daher zeigten die Bürger wenig Luſt

die verzeihende Hand Ludwigs und ſeines Bruders zu ers greifen .

Waldemar , in Berlin weilend , wies , ſchon bereit,

ſeine Rolle zum Vortheile der Anſtifter aufzugeben und

? ) Gercken Cod. dipl. I. p. 582 , gegeben zu Hainiden am St. Matthiastage 1349. 2 ) Daf. I. p . 583 gegeben zu Spandau am Montage nad Pal. marum 1349. 25 *

388

König Walbemar für die Baiern.

die Theilung einzuleiten, im Mai die Altmark als Pfand ſtůck an das Erzbisthum Magdeburg. ' ) Deshalb würde der Gewinn einzelner Stånde, wie des Kloſters Chorin, wels ches Ludwig der Römer am 14. Juli 1349 zu Gnaden auf nahm , ? ) und der kecken Bürger von Königsberg, ' ) wenig gefruchtet haben , die Verfährten ſich wieder zu vereinigen , nicht gleichzeitig ein måchtiger Kåmpfer auf den

wäre

Schauplaş getreten. König Waldemar, der Wiederherſteller eines entwürdig: ten Thrones , vergaß um ſo weniger die Dankbarkeit gegen den Pfleger feiner ſchußloſen Jugend und gegen den fieg reichen Helfer im Streite um die Krone, als die anmaßungs vollen Schritte des römiſchen Königs , die Lehnsertheilung von Gebieten , welche Dänemark als eigen betrachtete , ihn zur Parteiergreifung herausforderten .

Da zumal der neue

Herzog von Meklenburg ſich für Roſtock der däniſchen Herrs fcbaft entziehen wollte, hatte Waldemar ſoon am 23. No: vember 1348 jenes land als verwirktes fehn zurückgefor: dert “ ) und ſah kaum in Dånemark freie Hand , als er im hohen Sommer 1349 mit einem Heere an der Küſte Met: lenburgs landete, alles ringsum verwüſtete und zur Vereini gung mit dem Markgrafen auf Pommern zu fich wandte. " ) Hier fand er Streitgenoſſen an den Herzogen von Wolgaſt, beſonders am jungen Wartislav, welcher am wenigſten geneigt war , die Herrſchaft des falſchen Waldemar zu dulden und die im Herbſte erzwungene Treuverſicherung an Karl zu hal

? ) Daf. III. p . 105 gegeben Berlin am Dienſtage nad Philippi und Jakobi. 3) Daf. I. p. 486 : Datum Chorin in crastino divisionis aposto. lorum 1349. 3 ) Die Königsberger hatten das Schloß zerbrochen und wurden um den 25. Juli ausgelöhnt. Sehrberg II., 28 . 4) Rudloff I. S. 303. 5 ) Contin. Chron. Dan, ap. Langebek Scriptt . R. D. VI. 525. Detmar I. S. 273 ff. ſagt, um Jakobi , 25. Juli , lei Waldemar nada Meklenburg gekommen . Corneri Chronic, p. 1090. Hvitfeld I. p . 499.

König Waldemar für die Baiert.

389

ten , weil die meklenburgiſchen Fürſten in der Verbindung mit jener Partei einen Beiſtand ihrer Forderungen auf Rů. gen ſuchten.

Auch der junge Biſchof Johann von Kamin ,

ſchon als Sproß des unterdrückten Hauſes Sachſen - Lauen burg der wittenberger Kurlinie abhold , war an der Spige eines Paſallenheeres bereit, dem Vertheidiger deć baieriſchen Sache rich anzuſchließen . ' ) Ueber Barnims III. Benehmen während des Vorſommers 1349 ſind wir im Dunklen ; wohl mußte auch er ſchwanken , da des falſchen Waldemars felb: ſüchtige Helfer ihm wenig zukommen ließen, und die Ucker: mark für immer in fremde Hånde zu fallen drohete ; mag er nun überredet durch den Dånen und ſeine Vettern , oder durch ihre Waffen gezwungen, ſeine Politif geåndert haben, oder die Sache des Markgrafen Ludwig ihm nach deffen Verſöhnung mit dem Kaiſer als rechtmåßige erſchienen fein ; genug wir erblicken ihn im Herbſte und Winter 1349 als thatigen und klugen Freund des früheren Lehnsverwands ten und durch dieſen Abfall allein im Stande , aus der ungeheueren Zerrättung einen erflecklichen Vortheil fich zu fichern.

König Waldemar , mit Pommerſchen Hälfsodlfern vers einigt, belagerte ſogleich die Stadt Straßburg ? ) in der Uckermark, um ſie dem rechtmäßigen Gebieter zuzuwenden , und hatte dieſelbe eben erobert, als Herzog Albrecht, tapfer 1 ) Wartislavs, des Biſchofs und Barnims Rücktritt zur Partei des Brandenburgers erweiſen wir aus der bald zu erwähnenden Bannbulle. % ) Hvitfeld und viele Geſchichtſchreiber nennen Stargard in Meo Klenburg als den Ort dieſer Waffenereigniſſe; Detmar und Corner da gegen Straßburg. Das Chronicon bei Langebek l. c. p . 525 ſagt nur : 1349 expeditio in Marchiam, ubi Rex venit generi suo in adjutorium et destruxit plures civitates et post occurrit Imperatori. Stargard an der Linde, wiewohl eine vortreffliche Landesburg, ideint uns zu klein, um das Erzählte begreiflich zu machen . Straßburg dagegen paßt wegen ſeines Umfanges beſſer, und muß damals in die Hände der Partei Lud wigs gekommen ſein, da dieſe Stadt, dem falſchen Waldemar im Früh jahr 1349 ergeben, im Februar 1350 von der markgräflichen Partei als Friebensunterpfand gelegt werden konnte.

Die Pommern für Baiern .

390

und friegserfahren wie fein Vater, mit ſeinem Heere heran: zog und die Dånen einſchloß. Gefahr eilte

der

Auf die Kunde von folcher

jüngere Ludwig ,

der Römer , aus dem

öſtlichen Theile der Mittelmark herbei ; aber der Meklenbur: burger , raſch von Straßburg ablaffend , zog ihm entgegen, traf ihn zu Ende Auguſt oder zu Anfang September 1349 ) in der von waldigen Höhen und Ausflüffen des Stromes durchſchnittenen Gegend von Oderberg und ſchlug den Kriegs: neuling dort ſo nachdrücklich , daß der Römer mühſam mit wenigen entfloh und viele ſeiner Gefährten auf der Flucht zu Schiffe ertranken .

Jegt war für Barnim die Zeit ge:

fommen, mit Vortheil fich geltend zu machen ; zuſammt den Bettern den Waffenſtillſtand mit Meklenburg offen bredend, vereinigte er ſich mit König Waldemar ,? ) verwüſtete Meks lenburg und zog mit dem Dånen in die Mark gegen den Siß des Betrügers, Berlin, vor deſſen Mauern der Dånen fönig , wie ſein Ahnherr vor Roſtock , viele Edle zu Rittern ( chlug.

Aber auch Albrecht folgte mit dem ſiegreichen Heere ;

die Mark wurde gråulich von

beiden Seiten

mißhandelt,

zumal das Gebiet des untreuen , ſtreitſüchtigen Biſchofs von Lebus durch Wartislav und den Biſchof von Kamin verheert, bis mit dem erſten Lenze des Fahres 1350 ein neuer Aufs tritt des Rampfes begann . Inzwiſchen hatte Barnim, zu klug, um für den Mark: grafen zu viel zu wagen , den kampfluſtigen Vettern das Feld überlaſſen und war in die Uckermark zurückgegangen, um ſeinen Lohn zu ſichern.

In der nicht mehr vorhandenen

1 ) Die Zeitangabe aus Detmar I. S. 273: de strid was tuschen twen unser vrowen daghen, alſo zwiſchen Mariä Himmelfahrt, 15. Auguſt, unb Mariä Geburt, 8. September. sterkede sik sere mit der 2) Detmar J. S. 274 ſagt: Woldemar hertoghen helpe van stetyn. Hvitfeld p. 499 : Paa denne Reyse for ligte Kong Woldemar, Marggreffuen sin Svoger , med de tu Her togher til Stetin.

Barnim gewinnt einen Theil ber Udermark.

391

Urkunde des Bündniſfes hatten die Markgrafen , der Hülfe bedürftig, mit Barnim dahin ſich vergleichen, daß der Pom mer, ſo viel er vermöchte , von der Mark erobere , und ihm alles gegen Erſtattung der Kriegskoſten zurückgebe, anderen: falls aber das Gewonnene für ſich und ſeine Erben behalte.. ') Demgemäß regte Barnim im Spätherbſt 1349 rich an einis gen Orten der Uckermark und der Mittelmark, zumal in den fruchtbaren Voigteien Stolp und Jagom feſter, und bewirfte, daß der åltere Markgraf fudwig, ſei es als Flüchtling oder als Gaſt vor Weihnachten bei ihm in Stettin weilend , am 21. December 1349, „ kraft des Inhaltes darüber geſchriebe: ner

Briefe,

die in jenen Voigteien

an ihn wies. ? )

angeſeſſenen Bafallen

So gewann Barnim durch kluge Benußung

der Umſtånde außer Stolp, dem Voigteiſige, auch Schwedt, ) Greifenberg in der Uckermark , deffen Trümmer , zwar nicht umfangreich , eine üppige landſchaft zieren , und die Feſten in der Voigtei Jagow , das alte Boißenburg , Neuen-Sund bei Straßburg , Deckewitz (Fergiß ſüdlich von Prenzlau ? ), ohne die größeren Städte , welche beim falſchen Waldemar beharrten .

Unter denſelben Umſtänden und denſelben Bedins

) Sdwarß Lehnshiſtorie S. 393. % ) Urkunde bei Schwarß a. a. O. S. 392 Anm. gegeben zu Stettin bekennen apenbar, am St. Thomastage 1349 : Wy Ludwig dat wy mit gudem Willen vnd beraden Mod hebben gewiset vnd wisen de Mann de beseten synt in den twee Voydien thu Jagow vnd Stolp mit den vesten den Edeln Fürsten unsen leyen Ohmen Hertoghe Barnim yan Stettin den oldesten also alse die Breve sprek ken die wy beyden sidt daraver gegeben hebben . Der mächtige Thurmt zu Stolp, 140 Schritte im Umfange, auf einer Bergkuppe an der Obere niederung belegen , bem Anſdeine nad burdy Gewalt unbezwinglids, ſtand gewiß damals ſchon. Er iſt ganz vereinzelt ohne Burggebäube. 3) Den Zoll zu Schwedt verpfändete der Markgraf nach einer Utr kunde : Königsberg 1351 feria II, ante Gallum , die wir nicht geſehen haben, an die Stadt Frankfurt, für den Fall der Einlöſung dieſes Ortes von Pommern. Balt. Studien IV. 2. S. 124.

Vertrag zu Spremberg.

392 gungen

ſcheinen

auch die wolgafter Herzoge Anrecht auf

Paſewalt und Schloß Torgelow gewonnen zu haben . ' ) Aber eben , als Pommernland rich freuen durfte , aus Jahrhundert langer Entfremdung alte Gebiete wieder vers einigt zu haben, drohete eine neue Wendung der Politik die Dinge wieder ungünſtiger zu geſtalten.

Herzog Albrecht von

Meklenburg hielt mit ſeinen Helfern einen guten Theil mår : fiſcher Stådte inne ; andere waren in der Gewalt des Dås nen und

ſeiner Bundesgenoſſen ;

des falſchen Waldemars

Partei war noch ſtark in den Stådten ; und König Karl zögerte ſtaatsflug mit der Verwerfung des Betrügers.

So

ohne uneigennůßige Freunde, da ſelbſt der Dåne nicht unfähig war , ſeine Großmuth dem Vortheile aufzuopfern, nur noch ungefährdet im Beſit der Neumark und der Oderſtådte, wo ihn das Bündniß mit Konig Kaſimir ſchüßte, gab Markgraf Ludwig voreilig den Vorſtellungen ſeiner Råthe, ſo wie råd fiſchen Vermittlern, wdas Chriſtenblut zu ſchonen " Gehör, ' ) und roloß zu Spremberg am 2. Februar 1350 im Namen feiner Bundesgenoſſen mit Herzog Rudolf und deſſen Helfern einen Vertrag, %) kraft welches beide Theile auf das Schieds gericht des Königs Magnus von Schweden und Norwegen gingen , welcher bis Pfingſten ,,Minne und Recht" ſprechen follte.

Der Meklenburger mochte auf günſtige Entſcheidung

des ihm

verwandten Schweden königes rechnen ; 4 )

der

' ) Wir halten es für wahrſcheinlich, daß in der früher ange führten alten Nachricht ſtatt (a. 1340, 26. Juli) 1349 zu leſen ſei. Daß die wolgaſter Herzoge i. f. 1359 frühere Briefe auf Paſewall, Torgelow , und „ andere auf die Mark“ beſaßen , lehrt die Urkunde bei Raumer Cod. diplom . Brandenb. I. p. 18. Aber Paſewalt beharrte noch beim falſchen Waldemar. 2 ) S. Detmar I. S. 274. Corner p . 1190 - und Hvitfeld a. a. 0. 3) Urkunde bei Sommersberg I. c. I. p. 985 : geben zu Spremberg 1350 die Purificationis Mariae. Des Markgrafen Helfer ſind nidit ge nannt; dagegen Rudolf von Sadſen, die Grafen von Anhalt und Barby, der Erzbiſchof von Magdeburg als ſeine Gegner. “) Albred to Gattin war Euphemia , Magnus Schweſter.

Bertrag zu Spremberg,

393

Sachſe und der Anhalter ſahen den Streit dem Richter : ſpruche des deutſchen Königs entzogen , ihren Beſig in der Marf ihnen zunach ft geſichert; kurz alle Theile mochten für den Augenblick ihren Zweck erreicht haben , bis auf die Pommern, welche nicht gefragt wurden. Aber dies unerwartete Abſpringen aus dem Geleiſe des deutſchen Kriegs- und Friedensrechtes mißfiel höchlich dem Kónige Karl, welcher , Italien im Auge und in Spannung mit der römiſchen Kurie , inzwiſchen müßig zugeſchaut; die Berufung auf einen fremden König in einer Reichsface von ſolcher Wichtigkeit gefährdete ſein Recht, und die Nähe des Dånenkönigs an der laufiger Grenze vermehrte die Ban gigkeit. Deßhalb beſchloß er denn durch Verwerfung des falſchen Waldemarš unverzüglich den Knoten zu Idſen ; er eilte, den Pfalzgrafen Ruprecht als geſchickten Vermittler mit fich führend, aus Prag in die Oberlaufig und lud ſchon am 4. Februar durch freies Geleit den König Waldemar und jeden ſeiner Anhänger zu ſich nach Baußen. ' ) Der zu Spremberg geſchloſſene Stillſtand erleichterte das Geſchäft der Diplomatik ; der Dåne mochte bereuen, den Nebenbuhler aus

Schweden in den Handel gezogen zu haben ; Mark:

graf Ludwig, durch die lockende Erbietung Ruprechts, feines Petters , leicht ungeſtimmt, ſtellte ſich in Baußen ein , und ſchon am 7. Februar erkannte er den Pfalzgrafen bei Rhein als Schiedsrichter aller Håndel zwiſchen ihm und dem rómi ſchen Könige. )

Der Dåne langte gleich darauf mit Lud

wig dem Römer , mit

Herzog Rudolf von Sachſen ,

der

gewiß unmuthig folgte, in Baußen an ; tadelte freimüthig das Reichsoberhaupt über den Schuß , ' ) welchen es dem

? ) Geleitsbrief dat. Baußen : Torszdagen effter Kyndelmisse 1350 bei Hvitfeld S. 499 . 2) Urkunde zu Budiſſint Sonntag vor Faſtnacht 1350 bei Pelzel a . a. D. Urkunde nr. CXLV. 3 ) Corneri Chronic. p. 1090. Delmar A. 4. D. Hvitfeld p. 499.

1

Karl verwirft ben falſchen Walbemar.

394

Betrüger gewährt , während Karl , ohne Beſchåmung , Fich auf das Zeugniß des Erzbiſchofs von Magdeburg , des Hers gogs Rudolf und der anderen Fürſten berief. Da der größte Theil der Anweſenden vom Gefühle des Rechts durchdrungen war , entfernten ſich die Anhånger des falſchen Waldemar, entſchloſſen ihr Spiel nicht aufzugeben , und hatte Markgraf Ludwig und die däniſche Partei gewonnen . ' ) So leichtſinnig Karl auf das Zeugniß der Erbfeinde Ludwigs hin den ans geblichen Waldemar als den ächten anerkannt hatte ; ſo unbedenklich war er jegt, da ſein Vortheil es forderte, noch vor

gehegtem Gerichte thatſächlich

verwerfen.

den Pråtendenten zu

Schon am 14. Februar 1350 eröffnete Pfalz

graf Ruprecht den Ausſpruch : a ) da er bei einer Zahl für: ſten und Herren

(welche aber ſåmmtlich dem Könige zu Willen waren ) um Recht rich erkundigt und erfahren , daß der , welcher ſich Waldemar , Markgraf von Brandenburg nennt , mit ſeinen Helfern im Streit åber die Mark zum Schaden des römiſchen Reiches , ohne des Königes Wiſſen, an den König von Schweden als Schiedsrichter ſich gewandt, jene ferner die Mark unter ſich

geriffen håtten , und eine

Anzahl edler Månner es eher auf ihren Eid nehmen woll ten, zu erklären , jener fei Waldemar , Konrads Sohn, nicht, als daß er es ret; weil endlich Markgraf Ludwig den

römiſchen

König

um

ſein

Fürſtenthum

und

deſſen

Rechte gemuthet habe , finde er als erwählter Schiedsrichter mit Ehren billig, daß der römiſche König dieſem und ſeinen Erben die Mark aufs neue Recht, daß der König

leihe; " ferner

fånde er für

den Markgrafen acht Tage

nach

Dſtern auf einen Tag nach Nürnberg beſcheide, um daſelbſt über

den

gleichfalls

vorgeladenen

angeblichen Waldemar

1 ) Urkunde bei Hvitfeld p. 500, Dienſtag vor Valentin. 2) Urkunde Ruprechts bei Sommersberg I. c . I. p. 981 dat. Bau dissin, Sonntag invocavit, enthält Ludwigs Anerkennungsurkunbe vom folgenden Tage. Ditern 1350 ift am 28. März.

395

Narl verwirft ben falſchen Waldemar.

durch die Fürſten und Herren des Reiches erkennen zu laſſen . Würden die vorgeladenen Fürſten und Herren nicht auf dem Tage erſcheinen , ſo ſolle dem Markgrafen ſein Recht erfol gen , als wenn die geladenen Fürſten das Recht geſprochen håtten.

Dagegen gelobte Ludwig und ſein Bruder, der Rds

mer , am gedachten Tage die Reichskleinodien auszuliefern , und verpflichteten ſich beide Theile mit Einlager in Dresden für die unverbrúchliche Haltung des Vertrages." Von den übrigen Punkten iſt uns noch wichtig, daß König Karl ſich anheiſchig machte , die löſung des baieriſchen Geſchlech. tes vom Banne zu betvirken , oder , falls ſolches ſo ſchnell nicht anginge, den Anhängern des Markgrafen die Wirkung der kirchlichen Strafe zu erleichtern. Folgenden Tages, am 15. februar , bekannten Ludwig und Karl fich ziehung

des Ausſpruches

empfing fudwig ſein

verbunden ; ' )

am

zur Voll

16. Februar

Lehn und fchwur dem

Könige den

Treueid ; die verſdhnten Fürſten , auch der Dåne , mit dem Könige innig befreundet , a ) weilten unter mancherlei frie densgeſchäften noch bis gegen das Ende des Februar in Baußen , begaben ſich dann nach Prag. Ludwig lieferte die Reichskleinodien nach ſeinem Verſprechen aus ;

und Karl

meldete den bisherigen Verlauf der Dinge den mårfiſchen Stådten , welche noch am Betrüger hingen , beſonders an Prenzlau, Paſewalk, Angermünde und Templin , ) als Grund der neuen Belehnung Ludwigs anführend, „daß ſein Gegner die Entſcheidung vom Reiche ab an Schweden håtte brin gen wollen , " und ſchon im voraus geſtehend , daß er betro gen ſei.

Als Karl zu Nürnberg vergeblich der Borgelade:

nen geharrt , ſaß er einen Tag nach dem Ablaufe der la dungsfriſt, Dienſtags den 7. April, zu Gericht, erklårte nach ? ) Sommersberg I. p. 985. Gercken Cod. dipl. I. p. 289. 2 ) Bündniß - Urkunde bei Hvitfeld p. 500. Dienſtag vor Valentini. * ) Fibicin a. a. D. II. S. 45 ; Urkunde Montage nach Dſtern , 29. März 1350.

396

Die Anhänger Ludwigs im Banne.

Betheuerung des Anwaldes Ludwigs, Ruprechts, den angeb: lichen Waldemar får unacht, meldete ſolches noch an dem ſelben Tage den mårkiſchen Städten und wies ſie an den rechtmåßigen Herrn . ') So war zunächſt der Streit zwiſchen dem Könige und dem Markgrafen und deſſen Helfer , dem Dånen , geendet; aber es dauerte noch volle fünf Jahre , ehe der Baier die Hartnådigkeit der mårkiſchen Städte überwinden und durch Abtretungen die Gegenpartei entwaffnen konnte.

Unzufrie

den mit dem Hergange , den wir wenigſtens formlos nens nen müſſen , hatten die Anhalter und der Sachſe mit ihrem Anhange fich in ihre , treuen

mårfiſchen Stådte

begeben ;

faſt alle , unter ihnen die vier uckermårfiſchen , ?) baten am 20. ( 23.) April 1350 den König „fie bei der Herrſchaft von Anhalt und Sachſen zu laſſen ;" in der Woche von Pfingſten 1350 beſtåtigten, zu Prenzlau anweſend, 8) der jüngere Hers zog von Sachſen und der Anhalter , in folge der Erbhul digung auf den Fall des Todes Waldemars , den Bärgern ihre Rechte, ſo wie der falſche Waldemar felbft mit ſeinen Helfern die Stånde der Altmarf an den Erzbiſchof Otto von Magdeburg gewieſen . “ ) Gleich unverfdhnlich blieb die Kirche, als die Häufer Baiern und Lüßelburg fich geeinigt hatten.

Ungeachtet der

Verheißung Karls , die Unterthanen des Baiern von Banne zu befreien , reşte der geſtrafte Biſchof

Heinrich von les

bus an dem Hofe von Avignon durch ,

daß der erneute

' ) Der Brief bes Raiſers an Rathenau , Dienſtags mads Quasi modogeniti 1349, wiewohl mit falſcher Jahreszahl bei Buchholz V. Urk. XLVI. Urkunden deſſelben Inhaltes an die Schauwachten zu Prenza lau , an jene Stadt , und an Paſewall, Angermünde und Templin find nody im Archive zu Prenzlau ; ſ. Sedt I. S. 110. * ) Gercken I. p . 585, gegeben am Montage nady Jubilate. 3 ) Buchholz V. nr. LIII. 4 ) Gercken III. p . 493 Sonntag nady Jubilate ( 19. April) 1350, ohne Ortsangabe.

397

Thätigkeit des Dänenkönige.

Fluch 1 ) durch den Auditor der Rota, Biſchof Gaufried von Carpentras , unter dem 24. Mai 1350 allen benachbarten Erzbiſchofen , Biſchöfen , Aebten und dem Klerus insgemein zur Vollziehung verkündet wurde.

In dieſem langen Aften:

ſtücke wurden die treuen Anhånger Ludwigs genannt, welche ſchon ſeit 1338 im Banne feien ;? ) Barnim , Herzog von Stettin, und andere Herren : qui se gerunt pro vasallis et auxiliatoribus dicti Ludovici, zum Ablaſſen gemahnt , und Biſchof Johann von Kamin als bewaffnete Parteigånger des Gebannten , 3 ) . fo wie die Könige von Dänemark und von Polen, beſonders Dominus Wenceslaus (Wartislav V.) ſcharf getadelt ; alle mit unausbleiblichen Kirchenſtrafen bes droht , wenn ſie nicht innerhalb zwanzig Tagen nach Rund machung dieſes Proceſſes von ihrem Frevel abſtånden ! Aber dieſes påpftliche Wetterleuchten , welchem der Schlag nicht folgte, blieb ohne Beachtung. Wie der König von Dänemark , aus Prag ſcheidend, übernommen hatte , die übrigen feindſeligen Händel , denen die Sache

des

falſchen

Waldemar

nur

zum Ausbruche

verhalf , zu ſchlichten ; war er , wie es ſein Vortheilbot, redlich

bemüht.

Auf einer großen

Tagefahrt zu Lübeck,

der auch die pommerſchen Herzoge beider Håuſer beiwohne ten , ) und

derſöhnte ſich Waldemar mit den Meklenburgern,

ward

Roſtocks

Lehnsabhängigkeit

wieder

hergeſtellt

? ) Lünig Reiche - Archiv Th. XVII. Pars spec . eccles. II. p. 85 Anhang: Acta in Villa nova a. 1350, 24. Mai ( Villeneuve Avignon gegenüber). Die Urkunde iſt wichtig, um die große Zahl der treuen Anhänger Ludwigs kennen zu lernen. 2 ) Daſ. p. 86. 3) Daſ. p. 88. Dominus Johannes Episcopus Caminensis et exer citu suo et praesidio dicto Ludovico contra bonum statum et contra Rempublicam Marchionatus Brandenburgensis in destructionem Tere rarum Dioec. Lubuc. communicavit. “) Hvitfeld p. 500 nennt einen Kaſimir von Stettin , wahrſcheinlich eine Berwechſelung mit Barnim .

398

Unruhen um Rügen .

(8. Mai 1350) ;

nach

einer Zuſammenkunft in Friedland

vermittelte Waldemar am 23. Juni einen Frieden der Mef burger mit dem Markgrafen , ' ) welcher in die Reichsbeleha nung mit Stargard willigte und das Gebiet von Fürſten berg abtrat, welches Albrecht und Johann gleich nach der Eroberung ( 25. Januar 1349) zu Gunſten ihres verdienten Vormundes, Otto von Dewiß durch den römiſchen König zu einer Scafſchaft erheben ließen . 2 )

Allein die Fehde zwiſchen

Pommern und Meklenburg und den werler Herren wegen Rügen konnte nicht verglichen werden .

Zwar

hatte der

Vertrag von Spremberg einen zeitweiſen Stillſtand gebracht, und finden wir die wolgafter Herren im Auguſt 1350 in Hinterpommern, und Barnim friedlich in Damm. ) unterſuchte König

Waldemar beider Klagen “ )

zu

Zwar Lübeck,

beraumte einen Tag zu St. Jacobi ( 25. Juli 1351 ) nach Wordingborg , und verpflichteten ſich die Herzoge , in ges ſchmeidiger Weiſe den Dånen ihren Herrn " nennend , die Theidigung zu halten , b ) aber die innige Berbindung, welche der Dåne am 28. October 1350 mit den Meklenburgern ſchloß, erfüllte unſere Fürſten mit Mißtrauen gegen den Aus ſpruch .

Noch am 22. Mai 1351 war Albrecht im ruhigen

Beſig von Bard ; 6 ) als jedoch König Waldemar , unter er : neuten Bürgerkriegen in Dänemark und unter der furchts barſten Wuth der Peſt nach Stralſund gekommen war ; ver ) Rudloff I. S. 307. 2) Die Dewiß, auch in Pommeru angeſeſſen, übertrugen den Gra fenſtand auf die Linie von Daber , wo ein altes Sdloß ihre ehemalige Herrlichkeit nod bezeugt. Graf Ulridy von Fürſtenberg bekannte 1. 3 . 1354 die wolgaſter Herzoge als ſeine Herren. Schöttgen et Kreyssig dipl. III . p. 45. 3 ) Dreger z. I. 1350 nr. VI. nr. IX. e. 4) Hvitfeld p. 501. Aus Schwartz de finibus Rug. p. 187 ere feben wir die gegenſeitigen Beſchuldigungen. 5 ) Brief der Wolgafter act. Wordingborg 14. October 1350 däniſch. Waldemar wird : vor Herre Konning Waldemar genannt. ) Diplomatar. Meclenburg. apud Westphalen IV. p. 983 dat . Vocem iucunditatis ( Oſtern 17. April) 1351.

Barnim gegen die Meklenburger.

399

zichteten die Herzoge von Wolgaft am 27. Juni 1351 in Gegenwart des Biſchof von Kamin auf die Entſcheidung des Königs ?) und nahm der Krieg ſeinen Anfang.

Wer zuerſt

die Waffen ergriff, iſt unklar ; 2 ) im Vortheile waren anfangs die Meklenburger, feit dem 16. October 1351 zu Sternberg mit den beiden werliſchen Linien verbunden ; Klaus Hahn, ihr Feldherr , belagerte die Stadt loiß mit einem ſtarken Heere und fand Hülfe an dem älteren Grafen von Güßkowo, Johann, ' ) demſelben , welcher i. J. 1326 es mit den Feins den ſeines Lehnsherrn gehalten , dann aber tapfer für Bars nim bei Volſchow geſtritten hatte. In folcher Noth riefen die wolgafter Herren ihren Vetter Barnim herbei, welcher, dem nahe verwandten werliſchen Hauſe. långſt feind , nicht fåumte mit einem Heere zu Hülfe zu kommen . ) Hvitfeld p. 505. Urkunde Montags nach Johanni. 2) Ransow I. S. 371 : Die pommerſchen Chroniken ſagen, die Pom mern hätten früher Grimmen und Bard eingenommen und jeßt verloren. Daß Barb im Beſiße Albrechts bis Ende Mai war , ſaben wir eben , und erfahren es aus der ſternberger Urkunde bei Rudloff I. S. 312. Wenn in der bald folgenden Urkunde Barnim ſagt: vim nobis inferente Al berto in Ducatu Volgastensi ac Bardensi, läßt fich auch nur auf Kriegs ereigniſſe in der Gegend von Barb ſchließen . Nad Crantz. Vandal, VIII . c. 25 bemächtigten ſich die Pommern Grimmens mit Liſt, und ver loren es gleich darauf gegen die Gewalt des ergrimmten Herzogø Albrechts. Urkundlich war Grimmen im September 1349 unter Pommern . Schwarg Städtegeſchichte S. 332. 3 ) Alles, was Schwarß anwendet , um den gealterten Grafen Jo bann von einer zweiten Felonie freizuſprechen , und zu dieſem Zwede die Stelle in Barnim wunderlich abgefaßtem Fuldigungsbriefe auf die verjährten Ereigniſſe von 1326 beziehen will, iſt grundlos. Barnim ſagt: (Schwarß Städtegeſchichte S. 794 ) Observante atque vim infe rente nobis Alberto duce Megalburgico cum Nicolao domino de Werll in ducatu Volgastensi ac Bardensi, comes Kaycorum Johan nes praefecto suo circumvallante oppidum Leutitz sibi subiunxit. Im Jahre 1326 gab es keinen Albertus Dux Megalburgicus, ſon dern nur einen Dominus Henricus (Leo), welcher 1329 farb ; eben ſo wenig lebte damals ein Nicolaus dominus de Werle. Beide paſſen nur auf das Jahr 1351 , ſo wie der Verfolg die Abtrünnigkeit des älteren Johann lehrt.

Sieg der Pommern am Schopendam .

400 Die

alt- pommerſche Sage reßt dem jüngeren Grafen

Johann von Gůžkow mit poetiſcher Gerechtigkeit

den fors

beer des Heldentodes anf , als ihn eben der fröhliche Kranj des Bråutigams ſchmückte , gleich als wenn ein ſo neidens werthes Ende die

mannigfache Schuld ſeines Geſchlechtes

glånzend verſühne. Als nemlich der Sunker von Güßkowo, eben bei hochzeitlichem Gelage, erfuhr, daß Barnim mit einem Heere von Bürgern und Vafallen auf loig herbeieilte,') ſtieß er , im Bråutigamskranze, bewaffnet mit ſeinen ritters lichen Gåſten zum Landesherrn, und kam noch zur rechten Stunde, um auf der fandigen Haide am Schopendam , dort wo der Schwingerbach ſich um den Schloßhügel vor loit windet , den ſtreitbaren 'verſuchten Ritter Klaus Hahn mit großem Verluſte in die Flucht ſchlagen zu helfen .

Aber zu

heiße Kampfluſt führte ihn zu weit hinter den Weichenden drein , ſo daß er , von zehnfacher Feindeszahl umringt , mit ſeinem Lebensblute den Kranz des Bråutigams fårbte , und als der leßte junge Sproß ſeines Geſchlechtes unterlag. a )

1 ) Micraelius Altes Pommernland III. S. 213 gefellt dem Herzog Barnim als märkiſche Helfer die Brüder Otto und Burchard von Putliß, ohne ſeine Quelle barzulegen. Der Markgraf, ein Jahr früher mit dem Mellen burger verſöhnt, dürfte ſchwerlich den Zorn Albrechts von neuem weđen. 2 ) Schon Bugenhagen kennt die Sage 1. III. p. 156. Anno Dom. 1351 in die sanctorum Crispini et Cispiniani , huic illustri Principi, Domino Barnim , fuit cum Johanne, comite Guscoviensi, haud con temnendum bellum in terra arenosa citra aggerem Schupendam prope Luticiam id est Lötze. Ubi Comes ipso die, quo nuptias cele brabat, victus occubuit. S. Rankow I. S. 372, Val. Eickstedt u. a. Aud Hvitfeld p. 505 weiß von dem Siege , den ein alter lateiniſcher Denkwers (bei Kanßow I. S. 373 :) in der Erinnerung befeſtigte: Annis m. ter ccc. dni. I. et j. superadde sanctorum die crispini et crispiniani, ante loitz bellum campo fuit sabuloso ; tunc cristam galli laceravit ungula gryphi. Sdade iſt, daß von dem köſtlichen hiſtoriſchen Liede, in welchem volks thümlicher Hohn und Hebermuth gegen den Beſiegten ſich geltend macht, nur einige Strophen erhalten ſind. Herzog Albrecht oder Herr Klaus

Barnim zieht Gußlow ein .

401

So mußte denn Albrecht mit ſeinen Rittern ſchimpflich ab ziehen ; Grimmen ward wieder erobert, das Greifenbild über dem Stadtthore Sieger.

aufgerichtet;

aber Bard widerſtand dem

Weil der åltere Graf Johann , mit dem Meklenburger geflohen , fein Recht verwirkt hatte , und der junge Held Johann keinen Erben hinterließ . ' ) glaubte Barnim ohne Verzug die Grafſchaft einziehen zu können und eignete ſie fich im nåchſten Jahre zu , nach Eroberungsrecht, ohne, wie es ſcheint, der Uebereinkunft von 1295 gemäß des Anrechtes ſeiner Vettern zu gedenken . kunde ?)

Wir beſigen die ſeltſame Ur:

in einer alten Abſchrift, welche Barnims

hoch

von Werle fragen den Ritter Klaus , welcher kläglich auf einem Odſen reitend zu ihnen flüchtet (a. a. D. S. 372 ); Hane, Hane, wol hefft thorcten dynen kham ? Der Junker antwortet : her, dat hefft gedhan hertoch Barnam ; id is ein klein man von lywe,

awerst ein held im Kywe. Der Fürſt for dit weiter : wo hestu denne gelaten vnse lude ? und Klaus antwortet : her, se synt in gutem beholde, synt se nich tom sunde, so synt se thom Gripswolde. Wir erweiſen aus dieſem Liebe, welches unſtreitig acht iſt, daß der Bür ger von Stralſund und Greifswald Muth am Schopendam glänzte, wie 1. 3. 1326 im Anfang dieſer Ariege. ^ ) Den Tod Johanns des Jungen bezeugt Barnim in der beſpro chenen Urkunde. Schwarß Städtegeſchichte p. 794 : Prostratis deletis ac devictis jam hostibus nostris ferociter nobis in ducatu nostro oppu gnantibus ac tyrannisantibus, occiso Johanne Kaycorum comite, quod a partibus esset nostris. Seine Gebeine kamen in der Väter Grab zu den Franciskanern in Greifswald, deren Chor kurz vorher das Geſchlecht der Hilgemann gebaut hatte ( 1348 ). 3 ) Daf. S. 794. Das Datum in castello Gutzkow 1352 ipso die Domiciani können wir nicht deuten ; es giebt im chriſtlichen Kalender keinen H. Domitian , und die H. Donatian und Rogatian wurden nur zu Nantes am 24. November verehrt. Post donationem liberam et 26 Barthold Geich, v, Pomm, III,

Lefter Graf von Güßkow .

402

fahrendes Weſen und die diplomatiſche Ungenauigkeit und wunderliche Gelehrſamkeit ſeiner lateiniſchen Kanzlei bezeugt. Er nennt fich wider Gebrauch ſelbſt den dritten Barnim und erwåhlten Grafen der Cayci, der Kaufen , mit die hiſtoriſche Licenz das ' altſlaviſche Süßkow

denen

in Verbin:

dung brachte ; berichtet ſeine Siege über die Feinde, welche ſein Gebiet gråulic mißhandelt und daß nach dem erbloſen Tode des jungen Grafen Johann die Erbſchaft ihm heim gefallen ſei. Er beſtåtigte den Bürgern alle ihre Rechte, erlaubte ihnen , ſeltſam genug , die katholiſche Religion und die Verehrung des heiligen Nicolaus ! )

Er verheißt ihnen

Gnade und Schuß für ihren Fleiß und Gehorſam , und bes gründet dann fein Recht auf die legte Felonie des álteren Grafen

Johann und ſeine Siege über

die

Landesfeinde.

Dann ſchenkt er den Bürgern ihren Befig , ihre Aecker, giebt

dem Rathe die Pflege des Gerichts in prúnkhaften Worten und ſchließt, daß die Grafſchaft immerdar unter

ihm und ſeinen Neffen bleiben werde, ? ) deren Rechte er alſo anerkannt, ohne ihnen Antheil zu gewähren. Aber Graf Johann der Teltere muß mit dem Sieger bald ſich ausgeföhnt haben , denn nach zwei Jahren finden wir ihn , ſeiner Bürger von Gůžkov Eigenthum beſtåtigend und meh rend, 3 ) und bis auf fein nahes Ende in ungeſtörtem Eigens thum eines freilich ſehr geſchmålerten Landes. Die Dankverpflichtung für

den

Beiſtand

mochte die

wolgaſter Herren die Willkühr Barnims vorlåufig überſehen

Cesariam mag fich auf die Lehnsbriefe beziehen , welde Barnim 1348 von Karl erhalten. ) Daf. A. a. D. Nec veterem morem his catholica religione inhibemus. Sed ut antea in honorem diui Nicolai adorent volumus. 2 ) Daſ. A. a. D. Manebitque comitatus sub nobis nepotibusque nostris in perpetuum seculum . 3 ) Daf. S. 803 dat. Gutzkow 1353, IV. Cal. August. in dic de collationis Johannis baptistae, 29. Auguft.

Unruhen im Lande.

403

laſſen ; alle bedurften der Einheit in drohender Zeit.

Denn

i. I. 1352 kam König Waldemar den Meklenburgern zum Beiſtande über die See, ? ) hauſte entfeßlich mit Mord und Brand in den pommerſchen Låndern und ſchonte ſelbſt geiſts liches Gut nicht. Deficnungeachtet behaupteten die Pommern fich nicht allein , ſondern konnten ihre Waffenmacht ſelbſt theilen, um , dem Vertrage mit dem Markgrafen gemäß, den

Beſit des falſchen

ſchmålern.

Waldemar und

der Anhalter zu

So ergab ſich Angermünde und huldigte dem

Herzog Barnim. ? ) Wie unruhvoll es im Lande berging, lehrt uns , daß zum Schuße der Landſtraßen die Stådte Stralſund, Greifswald, Anklam ihr altes Bündniß erneuer : ten , und die wendiſden Seeſtådte mit Einſchluß von Stets tin

eine

ſtarke

Schiffszahl

zur

Sicherheit

des

Meeres

aufſtellten 3 ) (Michaelis 1352 ). Uud in Hinterpommern nöthigte noch gegen das Ende des Jahres 1354 das Una weſen der „ Straßenråuber ,

Mörder , „ Bodenſtålper " und

Mordbrenner," daß Graf Otto von Eberſtein , Graf Ulrich von Fürſtenberg , die Dewiß , die Borken zu Wangerin , die

1 ) Continuatio Chronici Dan. ap. Langebek VI. P 526 : Rex Wal demarus duxit exercitum in Alemanniam in adjutorium Domini Ma gnipolensis contra Duces de Stetin . Hvitfeldt P. 506. Jenes Chro nicon bei Langebed fährt in räthſelhafter Weiſe fort : Rex autem Wal demarus Alemanniam cum exercitu ingressus, Dominum Magnipolen Deinde iratus contra sium cum Ducibus praedictis confoederavit. Dominum de Slavia ejus terram , castra, munitiones, villam et oppida in magna parte spolio et incendio devastavit. Wie ſollte er den Her 308 Albrecht mit unſerem Herzoge verbündet haben und doch mit ſo furchtbarer Wuth über den dominum ducem de Slavia , welches kein anderer fein kann , als ein pommerſcher Fürft , hergefallen ſein ? Geht das Dominus de Slavia auf den Werler , fo wiſſen wir nicht, wodurch dieſer den Zorn des Dänen verſchuldet hatte. 2 ) Eickstedt p . 72 3. 3. 1351, nach einer Øuldigungsacte. Bar nim deint auch in der Neumark zugegriffen zu haben. Denn zu Rüſtrin warb am 14. Juni 1353 zwiſchen Ludwig dem Römer, dem Herzoge und der Mark über der Oder ein Frieden geſchloſſen. Kehrberg II. S. 10. a) Sartorius- Lappenberg II. S. 423 . 26 *

Allmählig eintretende Rube.

404

Wedel zu Kremßow , die Often , Manteufel , kurz alle an: geſehenen Geſchlechter ſich in Naugard

mit den

Städten

Treptow

einigten ,

um mit

Stargard ,

Greifenberg

und

gemeinſchaftlicher Macht, 150 Rittern und Knappen, ſowohl ihren Herren , den Brüdern von Wolgaſt, beizuſtehen , als auch ſich unter einander landfriedensmåßig gegen Unbilden Der Lohn für die Ausdauer der Herzoge

zu Ichirmen . ' ) blieb nicht aus ;

als die eigenen Landeswirren den Dånen

heimriefen, gewannen i. I. 1354 die Pommern auch Bard ; Paſewalk, das ſo beharrlich den Gehorſam den Pommern , wie dem Markgrafen, verweigerte, öffnete in demſelben Jahre feine Thore , und huldigte gemåß dem früheren Abkommen den Wolgaſtern , welche ihnen alle Rechte, die ſie vom Reiche, von Fürſten und von denen von Anhalt überkommen , beſtåtigten . )

Wie die Fehde der Pommern mit Meklen :

burg ſich zum Ende neigte, legte ſich auch die waldemariſche Partei allmålig zum Ziele ; ludwig der Aeltere , måde einer Herrſchaft, welche ihm faum ein ruhiges Jahr geboten, hatte ſchon i . I. 1351 , ohne auf die Kur zu verzichten , feinen Brüdern , Ludwig dem Rómer und Otto , die Marf gang überlaſſen , mit den oberdeutſchen landen ſich begnügend , und der Römer , tapfer und klug , ſcheute kein Opfer und keine Waffenmihe, uin die feit 7 Jahren unbeſchreiblich zer:

* ) Schöttgen et Kreyssig III. p . 45 vrydages na sunt Johannes daghe. Wangerins Beſißer nennt ſich Jacob und ſchließt den alten Klaus Borko , deſſen Sohn Klaus nebſt deſſen Vettern ein. Ein Jaco bus Borko famulus, nebſt ſeinen Söhnen und Erben , Borko, Borante, Ulrich, Nicolaus und Eggehard , erhob i. I. 1348 (Urkunde in Schött gens Altes und Neues Pommernland S. 44, Datum um Pfingſten ) einen ſoon bewohnten Ort Wulfsberg zur Stadt und verlieh ihm , wie der Stadt Labes und Regenwalde , lübiſches Recht. Die neue Stadt iſt ſelbſt als Dorf nicht mehr zu finden ; ihre Lage an der Rega zwiſden Unheim , Stramehl nnd Schmorow unweit Labes dagegen iſt genau bezeichnet. a) SanBow I. S. 374 nad einer nicht mehr vorhandenen Urkunde.

Frieben mit Mellenburg Wegen Rügen . riffenen

lande

zu

beruhigen.

Aus

einer

405

Bürgſchaft der

Stådte Demmin und Paſewalk für 1000 Mark Silber, wels ches die Anhalter den wolgaſter Fürſten zu zahlen übernoms men, erfahren wir, daß die Räuber der Mark noch obenein eine Buße

entgelten

mußten . ' )

Als

auch Bard

gefallen

war und nur Tribſees noch von dem Werler beſegt gehals ten wurde, bot Herzog Albrecht den Frieden , und Bes vollmächtigte endeten am 12. Februar 1354 zu Stralſund einen entfeßlichen , faſt dreißig Jahre hindurch geführten Krieg daß Albrecht den Wolgaſtern gegen Erlegung des Pfandſchillings alle Anſprüche auf das Land Bard abtrat. ? )

dahin ,

Beide Häuſer ſagten fich wechſelſeitige Hülfe zu , ordneten für fünftige Händel ein Schiedsgericht von acht Perſonen, beſtehend aus vier Rittern und vier Rathmånnern von Ros fto & , Wismar , Greifswald , Stralſund , an ; als Bürgſchaft får die Erfüllung regten die Pommern die Städte Bard und Grimmen zum Pfande, deren angeſehenſte Einfaffen und Beamte den einſtweiligen Gehorſam angelobten ; doch ſollte nach dem Gewinne von Tribfees ) legtere Stadt als Unters pfand dienen. Die Hertesburg, *) den Meklenburgern långſt ein Dorn iin Auge, wurde geſchleift, und jede neue Befeſtis gung auf dem Dars und der Halbinſel Prerowo unterſagt. In den Frieden wurden eingeſchloſſen : der römiſche König,

' ) Schwark Lehnshiſtorie S. 403. Nads Stolle Geſchichte vont Demmin S. 637 hatten die Demminer den Wolgaſtern 1000 Mark ſun diſcher Pfennige geliehen und dafür als Unterpfand eroberte Orte um Gnojen erhalten . 2 ) Rubloff I. S. 314 nady bem Original abſdriftlich in Chemnik handſchriftlicher Geſchichte. 3) Tribſees war i. I. 1356 zu Händen der Pommern Rudloff II. S. 326 , daher der Rath und die Hauptmänner den Bedingungen des ſtralſunder Friedens nadkamen. ) Der Ueberfall der Hertesburg durch den Meklenburger, welche mit dem Dars nicht zur Voigtei Bard gehört zu haben ſcheint, hatte den Pommern i. J. 1350 beſonders Anlaß zu Klagen gegeben. Hvitfeldt p. 501.

406

Abtretung ber halben Udermark an Pommern.

Konig Kaſimir von Polen, der Bundesfreund der Wolgaſter ; Barnim von Stettin , Biſchof Johann von Kamin und die Herren

von Werle - Güſtrow .

Allerlei Landfriedensverſuche

um dieſelbe Zeit befunden , daß die deutſche Welt nad lan: gem Unfrieden nad Ruhe fich fehnte. Gleichzeitig mit dieſer Ausſöhnung

war Ludwig der

Rómer in ſo weit Herr ſeiner lande, daß er daran denken konnte , mit dem Herzoge Barnim von Stettin Rechnung zu zu halten ; Billigkeit von beiden Seiten führte bald zu be: friedigendem Ziele. Der Römer , noch i. J. 1355 in dråk: kender Geldnoth, ' ) und deshalb außer Stande, feinen Hel: fern die Koſten ihrer Kriegszüge gegen den falſchen Waldes mar und die Anhalter zu erregen und dafür die eroberten Orte zurück zu erhalten ; wies am 15. Márj 1354 zu Oders berg ? ) die fehnstråger, Ritter und Anechte, und alle Städte und Feften im Gebiete

von

Brüffom , die Stadt zichow

( Ztichow , jeßt ein Dorf unweit Gramzow , mit einem alten moderniſicten Schlofle , deſſen verwitterter Thurm noch den urſprünglichen Charakter

trågt) ,

ferner Schwedt, Stolp ,

Neu : Angermünde, das Kloſter Gramzow mit allem feinem Eigenen , Karmzow , kurz den ganzen fruchtbaren Sandſtrich der dftlichen Uckermart, von dem Gebiete von Paſewalk an, bis zu den Quellen der Ucker und an beiden Ufern der Welfe, nebſt den wendiſchen Dorfern zwiſchen Schwedt und Stolp, welche råthſelhaft im XIV. Jahrhundert als Teßerdörfer

' ) Gercken Cod. dipl. V. p . 508. Friedrich von Lodhen aus Baiernt, des baieriſchen Sauſe $ verbienter Feldherr , erhielt zu Kiriß 1355 , weil der Markgraf ſo gar entfeßt ſei, daß er ihm nicht entgelten möge" für alle ſeine Güter gänzliche Gerichtsfreiheit. Ihm wurde nady dem Ber trage mit Pommern das Schloß Boißenburg eingeräumt. Dreger zum Jahre 1354 nr. XII. 2 ) Urkunde in den Baltijden Studien V. 1, S. 221 ; gegeben zu Oderberg 1354 Palmabend.

Entſchädigung für Pommern .

407

bezeichnet werden, an Barnim von Stettin ; behielt ſich nur Flemsdorf zwiſchen Schwedt und Angermünde vor und fors derte , die Einfaſſen auf , jenem und deſſen Erben ewigliche Erbhuldigung zu thun .

Deſſelben Tages erhielt Ludwig von

Barnim III. die . Burgen Greifenberg , Boißenburg ,

Neuen

fund , Stadt und Schloß Jagow und Fergiß zurück ; ') in der Verzichtung Ludwigs auf jene getreidereichen Gebiete ward ausdrücklich erwähnt, daß der Herzog Barnim dies ſer Lånder wegen große Koſten und Arbeit

gehabt habe.

Die vereinzelte fage von Paſewalt und Treptow verhinderte den Markgrafen in áhnlicher Weiſe fich mit den wolgafter Herren ? ) abzufinden , deren Forderungen, wie wir aus einer ſpäteren Urkunde ſehen, auf 13000 Mark Silber fich beliefen. Jene fuhren fort, ihre Erobegungen mit gleichem Rechte als Barnim zu beſigen , geriethen aber , als der Markgraf fich ſtark fühlte, darüber bald in Streit: Um feines Gewinnes får alle Zeit ficher zu fein , ließ ſich Barnim zu Regensburg am 21. Juni 1355 von Kari, der eben ruhmlos mit der Kaiſerfrone aus Stalien heim fehete, mit dem abgetretenen Theile der Uckermark belehnen, und erhielt am 20. October deſſelben Jahres einen neuen kaiſerlichen Lehnsbrief über das ganze Herzogthum ausgefers tigt . ) - Als Entſchådigung für ſolche Opfer trat Prenzlau

Urkunde bei Swark Lehnshiſtorie S.404 , gegeben zu Ober berg 1354 Palmabend. Hvitfeldt p. 508 kennt denſelben Vertrag voit Freitage vor Allerheiligen 1354. Lubwig gelobte von dieſen Sloffert Frieden gegen Pommern halten zu laſſen ; was um Johannis Friedrich von Lodsen auf Boißenburg nod beſonders zu Stettin Beld wor. 2 ) Sdywark Lehnshiſtorie a. a. D. berichtet aus Stansow I. S. 375, daß die wolgaſter Herren für ihre Hülfsleiſtung l. I. 1349 von Walde mar die däniſche Krone und einige bäniſde Güter als Pfand erhtelten. Uns fehlt die Urkunde darüber, ebenſo wie über die Huldigung Paſewalks / an Pommern am Himmelfahrtstage 1354. 3 ) Greinir III. S. 123 und 131. In dem erſten Documente heißt

408

Scheiben bes falſchen Walbemar.

in der Oſterzeit 1355 zum Gehorſam unter den Markgrafen zurück , nachdem der falſche Waldemar in råthfelhafter Art ſein politiſches Daſein beendet hatte. Von dem Hauſe Baiern behutſam in Offentlichen Schreiben geſchont, zu Deſſau fürſts lich gehalten , entließ dieſer , in Uebereinſtimmung mit den Grafen von Anhalt, noch im Gebrauch des markgråflichen Titels , Donnerſtags nad Oculi die Stådte Brandenburg, Górzfe und Prenzlau dankbar des Hudigungseides und wies fie dem Markgrafen Ludwig zurück . ) Nach ſiebenjähriger Auflehnung empfing das Haupt der uckermårfiſchen Städte am Freitage Reminiscere 1355 den Markgrafen im Geleite der Grafen Waldemar und Albrecht von Anhalt , der ehes maligen Bedrånger , in ſeine Mauern , erhielt Sühnbriefe, Beſtåtigung alter und neuer Privilegien und Zollfreiheit zu Paſewalk und Lödniß, ? ) zum Zeichen, daß Ludwig fich feine Rechte an das paſewalker Gebiet noch vorbehalten. So legte denn mit

einem Anſtande , welchen wir nicht begreifen

könnten , wäre der Betrüger aus der Befe des Volfs ges weſen , und unter einer beſonnenen Schonung von Seiten ſeiner Obſieger , die ebenfalls unerliårlich iſt, wollte der Baier aus Standesgefühl nicht anders die Fürſtenwürde

e$ : licet ipse probitate et magnificentia sua tam ab inimicis propriis Civitates oppida Castra bona quam Illustribus Ludovici Romer predia infra scripta, justo et licito bellorum certamine acquisierit et in suam attraxerit potestatem Quia tamen super his omnibus inter eosdem Principes talis compositio seu ordinatio intervenit, quod cet. Als Grund der Abtretung wird wiederholt p. 126 : quod idem Dux Barnim Maximas expensas dampna et labores gravissimos susti nuit propter Civitates Castra opida , terras et loca prefata et etiam propter alias terras et loca quas et que a suis propriis et etiam ipsius Marchionis hostibus cepit et obtinuit et etiam propter hoc. Quod ipse Dux Stettinen. libere et expedite ac realiter cum effectu resti tuit cessit et assignavit eidem Marchioni Brandenb. Castrum Botzen burgh. et cet. ' ) Buchholz V. nr. LXIV.; vgl. Sedt I. S. 113. 2) Urkunde bei Sedt I. nr. XXXVIII.

Der ſchwarze Tob und Schređniſſe der Natur.

409

ſchonen , oder handelte er nicht anders vertragsmäßig — Waldes mar ſeine Rolle nieder ; er ſtarb, in fürſtlichen Ehren, i . J. 1356 zu Deffau , und fand ein fürſtliches Grab. ' ) – Aber erft i. J. 1358 erloſch der kirchliche Zorn gegen Ludwig den Romer und ſeine Getreuen , indem Innocenz VI . dem Bis fcofe

Johann

von

Kamin auftrug, nebſt

den Biſchöfen

von Brandenburg und Havelberg denſelben vom Banne zu 18fen. :) Während ein ſo trugvoller, finſterer, blutiger Geiſt über unſeren Völkern waltete und Ungeheures an Freveln überall verübte ; ſchien gleichzeitig die ganze Natur erkrankt , und ſchritt der Tod in furchtbarer Geſtalt durch Europa , von den

Grenzen

Afiens

bis

in den

hohen Norden

hinauf.

Als wenn die Natur ihre ewigen Geſete vergeſſen hätte, 3 ) ſchreckten erſt unerhörte Ereigniffe die Gemüther; Erdbeben , Ueberſchwemmungen , Regenfluthen , gemiſcht mit Schlangen und Ardten ; Heuſchreckenſchwärme; Stürme, die unerhdrteſte - ) So die beſten Quellennachrichten ; i abweichende Nachrichten bei berſdiebenen genannten Søriftſtellern . Eine Kapelle im Schloffe zu Deſſau foll nod lange die Walbemars -Kapelle genannt worden ſein . ?) Brandenb. Stiftshiſtorie Urk. CXIII., dat. Avinone X. Kal. Apr. 1358 ; und nr. CIV ., dat. Havelberch 1358, XII. Novembr. 3 ) Man könnte ein ganzes Buds mit der Schilderung der unge wöhnlichen Dinge füllen , welche damals die Menſchen in Angſt ſepten. Wie zu jeder anderen Zeit öffnete das allgemeine Elend die Gemüther bem unſinnigſten Aberglauben. Beber Erdbeben, Stürme, Fluthen , ſtren gen Winter im Norben f. Rankow I. S. 368 ( 1347) Langebeck 1. c . VI. p . 525 (Herbſt 1349), Detmar I. S. 269 ( 1348 ) S. 276 (1350) ; Ueber Wundererſcheinungen Angelus S. 151 ff. Hödyſtromantiſche Spukgeſchicha ten hat Corner l. c. p. 1078 ff. in anmuthiger Fülle ; das allgemeine Schredniß , die Peſt , berichtete vor allen Albertus Argentin . p. 149 ; Hainr. à Rebdorf p. 439 und die Limburger Chronik S. 5. Angelus meldet , daß in drei Jahren allein 124434 Barfüßer -Mönde geſtorben ſeien . Detmar I. S. 276 erzählt, daß am 10. Auguſt 1350 von einer Veſper zur anderen in Lübeď 25000 Menſchen geſtorben ſeien . In der enggebauten Städten Pommerns , zu Stralſund und Stettin und ander wärts wüthete der Tod gewiß nicht minder ; es iſt aber keine beſondere Nadridit aufbewahrt.

Die Geißler.

410 Strenge des

Winters darauf; ward allerlei unheimliches

von Himmelszeichen , Kometen , böſen Seiſtern und Geſpen ſtern geineldet, und endlich verbreitete ſich die grauenvollſte Peſt aus dem Morgenlande über Stalien nach den Herzlån dern, Europas.

Der ſchwarze Tod , welcher in Italien die

heitere , muthwillige

Romantik ins Leben rief , und nach

unzählbaren Opfern der wildeſten Sinnenverwirrung und des Aberglaubens im ſüdlichen und weſtlichen Deutſchland die Ueberlebenden wieder zur Frdhlichkeit erweckte, „ daß die Månner neue Kleider machten und neue Weiſen ſangen , " hat in unſerem Norden nur das Gedächtniß der Natur: ſchreckniffe und der menſchlichen Geiſtesblodigkeit hinterlaffen. Mit dem Jahre 1349 begann das Sterben in den Stådten des Wendenlandes und raffte, wie es heißt, zwei Drittel der Pebenden fort, ohne die Entzweiung des Geſchlechtes ju heis len. Da alle menſchliche Klugheit durch die Wuth der Seuche verhöhnt wurde , gingen einfältige Leute in fich erkannten in den natürlichen Dingen unmittelbare Strafe des Himmels und Aufforderung zur Buße, und erneuerten , zu großen Sdaaren durch das Land, halbnadt,

unter wunderlichen

Geſången (Laiſen) von Kirche zu Kirche ziehend und blutig fich geißelnd , die Sekte der Flagelanten ( Geißler), welche die Bürgerkriege in Italien i. I. 1262 zuerft hervorgerufen. Auch in niederſächſiſchen Landen , in Pommern flüchtete der Zeit Noth ſich zu ſo ungewöhnlicher Frömmigkeit " ) und während der Meiſter beim Umgange folcher bethörter Hau fen in weſtdeutſchen Låndern zu ſingen pflegte:? ) ,,Trettet herzu wer bußen will, So fliehen wir die heiße Hell, Lucifer iſt ein bdſer Geſel, Wen er hat, Mit Pech er ihn labt ;"

' ) Rankow I. S.370.

2) Limpurger Chronik 6.5.

Jubenserfolgung.

411

lautete die faiſe in Pommern : 1 ) Huy holdet op jwe hende, dadt godt ditt ſterwen wende ! ſtrecket oth iwe arme, Dat fick god jwer erbarme ! Weil einerſeits allerlei Abweichungen von der Kirchenlehre unter den beklagenswerthen Schwärmern ſich bethåtigten ; fie zu der Kirche ihre Zuflucht nicht nahmen ; fic mon : chiſch der Weiber enthielten , und und Ordnung die Aufldſung

andererſeits aller Sitte

droheten , ſchritt

der heilige

Vater, eine Keßerei witternd , zeitig ein ; Klemens IV. erließ am 20. Dctober 1349 eine drohende Bulle gegen die Verires ten, a ) forderte den weltlichen Arm zu ihrer Beſtrafung auf, in Folge deffen die Geißler blutig unterdrückt wurden .

Zu:

gleich bezeichnete Bosheit oder der Abertig die Seuche als ein Werk der Juden , % ) welche die Brunnen vergiftet håts ten , weshalb in deutſchen und benachbarten fåndern ein

ſchonungsloſes Judenfchlachten " ausbrach , in welchem Fanatismus und Raubſucht Hand in Hand gingen. Welche

) Ransow I. S. 371. Doch fangen bie Meiſter und Sänger audi in Oberbeutrdland ( Limpurger Chronit S. 7) baffelbe : Nun redet auf euwere hend, Daß Gott das groſſe Sterben wend. Nun redend auf ewere arm , Daß fich Gott über uns erbarm . Demnady war die Laiſe wohl nur ins Plattdeutſche übertragen ." Den Namen Loißenbrüber hatten ſie von den Laiſen , Gefängen. 2) Raynaldi Annal. t. XV. ad a. 1349 nr. r. 20, 21 dat. Avinon. XII. Kal. Nov. 1349. Innocenz ſperrte fich ſelbſt vor ſeinen Kardinälen ab, nahm aber die Juden unter feinen Schuß. 3) Ueber die Juden in unſeren Städten wiſſen wir nur , daß ſie überhaupt vorhanden waren . Die waldemariſdhe Partei fdenkte i. J. 1350 den Prenzlauern die Jubert, welche bei ihnen ſich nieberließen , mit allen Nußungen ; die von Ludwig dem Römer den Prenzlauern er theilte Erlaubnis ( 1355 ) vor ihrer Stadt mit allen Rechten einert Judenkirchof anzulegen, deutet auf zeitige bürgerliche Dulbung hin.

Die Miſelſüdtigen .

412

Befriedigung die

mordgierige Menge

fand , die Schaaren

jener Heimathlofen , die- Ausfåßigen, mit der Brandfadel zu verfolgen , iſt nicht leicht zu ermitteln , da ſonſt die Barms herzigkeit ſolche Elenden in Schuť nahm , und geſundheits polizeiliche Sorge die Ausrottung der Preßhaften nicht for: derte.

Weil von einem Schriftſteller in ſlaviſchem Lande gemeldet wird, ' ) zahlloje Miſeljůchtige ſeien verbrannt wors

den ; ſo bietet ſich nur dieſe Erklärung , daß in Frankreich gleichzeitig jene Elenden beſchuldigt wurden , ? ) die Quellen mit dem Ausſage vergiftet zu haben , damit , wenn alle Welt ausſåßig wåre, ſie wieder zu bürgerlichen Rechten ges langten und nicht allein ausgeſtoßen ſeien . “ Deshalb wur: den alle erwürgt. So trat Pommern in den Genuß ungeſchmålerter Reichs freiheit beim Antritte der Regierung Karls IV. , welche Pea riode ein naher Zeitgenoſſe nach ihrer verhängnißvollen Bes deutung bezeichnete. 3 )

Drittes

Rapitel .

Aleine Händel der Fürſten unter einander und mit dem Biſchof von Ha min. Karl IV . und Barnim III. 1357. Neue Begnadigungert. Erb ämter in Pommern. Naiſerliches Caſſatorium für Barnim III. Klo fter Marienthron geſtiftet 1356. Drobenbe Parteiung. Auefterbert der Grafen von Güßlow 1359. Märkiſde Händel um Paſewalt 1359. Barnims III. Ungerechtigkeiten. Erfolgloſer Landfrieden zu Beggerow 1361. Erſter Krieg der deutſchen Hanſe - Städte gegen Waldemar Atterbag bis zum Anſtande von Stralſund 1364. Der glückliche Erfolg , mit welchem die Herzoge Pom merns von beiden Häuſern, zulegt löblich vereint, eine wûr :

') 2) 3) Karoli

Corneri Chronic. P:1078 : leprosi innumeri incinerabantur. J. Naucleri Chronographiae generatio XLVIII. fol. 254 . Corneri Chronic. p . 1077 : Principium autem Regni hujus multum videtur memorabile propter monstra et portenta ac

singularia facta plurima, quae tunc contigerunt. Nam Marchio Bran

413

Die Fürſten und ihre Städte.

digere Stellung ihres Landes erſtritten , und ihre Grenze, nach der Schmålerung eines Jahrhunderts, gegen die Mark zum Theil wieder hergeſtellt hatten ; verbannte die Müdig keit aus den thatfräftigen Seelen , und trieb zu neuen Vers ſuchen an ,

das noch Fehlende zu gewinnen.

Leider

aber

fehen wir alsbald die Eintracht gewichen ; innerer Zwiſt nagt an der wachſenden Macht, und ein tråbes Spiel mit Vers trågen, eine diplomatiſche Geſchäftigkeit, welche ohne großes feſtes Ziel nur den Vortheil des Augenblicks ins Auge faßte, gewährt Jahre lang ein wüſtes Schauſpiel, während deſſen uns nur das oft anſtößige, eitle Streben Barnims III. im Sinne

einer

neuen

Staatsweisheit mit

Intereſſe , mit

Bewunderung dagegen der ſtarfmuthige Bund der wens diſchen

Hanſeftådte

im Kampfe mit dem Norden

erfüllt.

Ewige . Håndel und kleine Fehden bethåtigten die råſtige Mehrkraft der Gemeinen gegen den Adel , und des Adels ſelbſtåndige kecke Haltung gegen einander ; und wenn wir einmal glauben , Frieden irgend oder

daß

in unſerem ein

eine

in irgend einem Sinne

Bruchſtück unverbundene

eines

Theile

gewaltet habe , zufälligen

Anſpielung einer

Pommerns ſo belehrt

Pergamentfundes Urkunde ,

daß

dieſe gewaltthåtigen Reibungen in den kleinſten Kreiſen fich wiederholten . So aufmerkſam die Fürſten långſt die ſtolze Macht der Stådte beobachteten , fühlten ſie ſich ihnen doch für den ent: fcheidenden Antheil derſelben an ihren Kriegen tief verpflichtet. Zumal bekannten ſolches die wolgaſter Herren, indem ſie den

denburgensis , ad XXX . annos jam mortuus, revixit, pestilentia sae vissima populum foedissima tabe subito delevit, gens sine capite Fla gellariorum adventum Christi praenunciavit, fontes fluvii et putei per diversas provincias intoxicabantur , Judaei crudeliter mactabantur, leprosi innumeri incinerabantur , conjurationes, rebelliones et hujus modi plurima per diversos actitabantur, phantasmata per diversa s Teutoniae partes et portenta apparebant.

414

Unfrieben mit dem Biſchofe von Stamist.

patriotiſchen Anklamern und Greifswaldern noch i I. 1354 . das jus de non

evocando ausdrücklich beſtårkten ' ) und

i. I. 1361 den erſteren ein ausgedehntes Recht der Nieder: lage aller Waaren , welche durch Anflam , Uckermünde, Güßkow , Wolgaft gingen , verliehen . 2 )

Barnim III ., aus

feinem Archive mit den Rechten des Hauſes wohl vertraut, erhob ſchon in dem Jahre 1355 Streit init den Herren von Wenden , denen rein Großvater i. I. 1282 , in Noth gegen die Markgrafen , das Land Stavenhagen einlösbar verpfåndet hatte, ’ ) und erwirkte wenigſtens durch Vermittelung Her: 3098 Albrecht von Meklenburg , daß die Herren von Werle das Lehnsverhåltniß zu Pommern anerkannten und den Rücks fall verſicherten . “ )

Albrecht

erließ

den dortigen Bafallen

die Erbhuldigung, verpflichtete fich, nach möglichem erblofem Ausſterben Hennings , des Sohnes Nicolaus' von Werles Goldberg, dem Herzoge Barnim III. zum Beſige der Schldf fer des fandes zu verhelfen ,

und verbürgte , wohlgeſinnt,

auch die ſchlüpfrige Treue jener Thune von Kummerow , 5 ) wogegen Barnim auf einer Zuſammenkunft zu Malchin am 29. Auguſt 1355 eine günſtige Heirath der Schweſter Hen: nings mit dem jüngſten Sohne des Meklenburgers zu ſchlie: Verhieß im Weſten Pommerns die befreundete ßen fuchte. Annåherung ider Fürſten ungeſtörten Frieden ; ſo war da: gegen im Inlande ſelbſt neue Fehde mit Biſchof Johann wegen

des Befiges von Kamin und

wegen der Willkahr

des geiſtlichen Fürſten. Ueber die Stadt Kamin verglich rich ) Urkunde bei Stavenhagen nr. XLIX. S. 364 : dat. Wolgast feria II. infra octavam Pentecostes. Lehnshändel und das Verbrec dhen eines Bürgers , außerhalb begangen , waren ausgenommen. Däh Merts Pomm. Biblioth. IV. S. 106 für Greifswald von demſelben Tage. 2 ) Ebendaf. a. a . D. S. 106, gegeben auf der Swine 1361 am Pfingſten . 3) S. oben Th. III. S. 10. 4) Dreger z. F. 1355 nr. IX.; dat. Malchin die Johannis Baptistae, 5 ) Daſ. nr. IX,, gegeben zu Roſtod Sonnabend vor Himmelfahrt.

Unfrieben mit dem Bildofe bon Ramint.

415

zwar anfangs der Biſchof mit den weltlichen Herren . " ) Aber ohne die Biligung, feiner Patrone anzuſprechen , ges dachte Johann, im Vertrauen auf feine Geltung als ſelbſts ſtåndiger fürft, ) ſeinen jüngeren Bruder Erich als Coads jutor einzufeßen.

Die Landesherrn echoben die Waffen , bis

Johann fich am 29. Juni 1356 beugte, mit dem Kapitel das Bekenntniß ausſtellte, niemals einen Biſchof zu wählen , als mit Bewilligung ihrer Patrone, 8 ) wogegen ſie die Vers ſicherung des Schußes erneuert erhielten.

Eine Verſamm :

lung der höchſten Lehnstråger der Wolgafter , des Grafen von Eberſtein und des alten Johann lion Gůrkow , vieler Hofbeamten und Ritter, des verdienten Marſchalls Wedege von Bugenhagen in Kamin felbft , ) mochte den Prälaten zur Zeit fchrecken ; man einigte ſich über alte Grenzſcheiden und kleine Håndel , und Biſchof und Kapitel verpflichteten fich endlich im Dorfe Zylleglaf (Zirzlav ? bei Wollin ) nach Herſtellung der Grenzen durch ein Schiedsgericht und nach Zahlung von 5000 Mark Stadt und Land Kamin wieder an den Herzog zu weiſen.

Welche Rolle Barnim III., der voll Ehr

ſucht ſogar damit umgegangen ſein ſoll, das Landesbisthum mit dem Siße in Stettin zum Erzbisthum zu erheben, 5 ) und einen Theil des havelbergiſchen Sprengels , die Uckers

» ) Urkunde bei Dreger z. I. 1355 nr. XVII. dat. Wollin Dona nerſtags nady St. Andreä (30. November ). 2 ) König Kaſimir von Polen ſtand in beſonderer Freundſchaft mit dem Biſdofe, ber ſchon als Herzog von Sachſen - Lauenburg Anſehn hatte. Dreger z. J. 1348. 3) Dreger z. F. 1356 nr. VI., dat. Camin 29. Juni 1356 . 4 ) Urkunde bei Schöttgen et Kreyssig III. p. 47, dat. Camin 1356 feria III. ante Mar, Magdal. - Urkunde zu Cylletzlav adsten Tages St. Petri et Pauli. 5 ) Schwarß Lehnshiſtorie S. 414 ohne Urkunde. Rango p. 111 meldet, Kaſimir von Polen habe den Petersgroſchen vom kaminer Bio thum gefordert, beffen aber Jobann fich weigerte und eine Eremtion gegen den Erzbiſchof von Gneſen zu Avignon erwirkte. Mit dieſer bunke len Angelegenheit ſteht wahrſcheinlid die fälſchlich unter dem I. 1336

Barnim III. und der Kaiſer.

416

mark, dazuzuſchlagen, in dieſen Håndeln ſpielte , iſt nicht zu erſehen .

Wenigſtens war er es nicht, ſondern der König

von Dänemark ,

welcher im Jahre 1358 den von neuem

entbrannten Streit ſchlichtete, als der Biſchof zu ſeinem Vors . theile Güter des Bisthums zu veräußern begann. So wie am 27. October ' ) Barnim IV . von Wolgaſt einen Stillſtand zwiſchen dem Könige Waldemar und den Holſteinern ſtiftete, erfahren wir , daß am gleichen Tage und Orte Biſchof Jos hann und das Kapitel alle ihre geiſtlichen und weltlichen Händel mit Barnim und ſeinen Helfern dem Dånen und dem Her: goge von Sachſen- lauenburg übertrugen . a )

Wohl mußten

die Herzoge von Pommern bereuen, einen Mann fürftlichen Geblätes in ihr Bisthum berufen zu haben , welcher ſeines Vorgångers Hermann ,

Grafen

von Gleichen , Beiſpiel zu

befolgen ſchien. Zu fühnerer Stellung ermunterte ihn frei lich der Zwiſt ſeiner Patrone unter einander und die recht: måßige Auflehnung verlegter Baſallen. :) Kaiſer Karl hatte eben in Met Dezember 1356 ) aud

die legten Kapitel der goldenen Bulle , welche wenigſtens in Betreff der Zahl der Kurfürſten und des Wahlrechtes bevor: zugter Häuſer als Reichsgrundgeſet anerkannt werden muß, veröffentlicht, als er auf ſeinem Heimwege nach Böhmen in Nårnberg den Herzog Barnim III. traf , welcher, um ſeinem Zweige neue , zum Theil nur prunkhafte Privilegien zu erwirken, dem Kaiſer bittend nahete. ) Der Kaiſer belehnte bei Dreger aufgeführte Bulle, kraft welcher Klemens dem Könige von Polen die Freiheit ertheilte , aus ſeinen Landesbisthümern und aus den Diöceſen Ramin und Lebus den Zehnten zu nehmen , in Berbindung. Im Jahre 1336 ſaß Benedikt XII. auf dem päpſtlichen Stuhle bis 1342 ; bann folgt Klemens VI. bis 1352. Raynald giebt keine Auskunft. 1 ) Hvitfeldt p. 516. 2 ) Daſ. p. 517. Urkunde act. Stralſund 1358, am Abend Simonio und Judä. 3 ) Wusa p . 599 3. J. 1358 meldet, Barnim III. (?) ſei von Jo hann beim Papſte des Kirchenraubes beſchuldigt worden , ,ac famosis libellis crudelissime lacératum ."

4) Sell II. 37 erzählt, Barnim habe ben Reid

tag zu Nürnberg

Erbämter in Pommern.

417

den Herzog 4. Mårz 1357 mit feierlicher Berührung der Lehnfahnen " ) nicht allein mit allen ſeinen Landen , ſondern geſtattete ihm und ſeinen Nachfolgern auch das herzogliche Barett zu tragen, geführt hätten ." )

„ welches

feine Vorfahren kundbarlich

Wichtiger iſt, daß Karl, welcher fürſts

liche Pracht liebte, an demſelben Tage dem Herzoge erlaubte für ſich und ſeine Erben zehn Erbámter aus ſeinen Vafallen, als das Amt des Kammerers, Vigthums, Marſchalls, Trucha reß, Schenken und fünf nach ſeinem Gefallen zu errichten, 3 ) mit der Hinzufügung, „ daß die Uebernahme ſolcher Uemter den Adeligen nicht zur Minderung ihres Adels und ihrer Freiheit, ſondern zur Vermehrung gereichen folle ." 4 ) – Zwar 1. 3. 1357 beſucht; aber es wurde der Zeit bort keine Reichsverſamm lung gehalten , und auch auf dem berühmten Tage der güldenen Bulle, Dezember und Januar 133f , wird Barnims Name vermißt. S. Pelzel Karl IV. Th. I. S. 515. ' ) Schöttgen et Kreyssig III . p. 38. Urkunde Nürnberg 4. März 1357 : ipsumque Barnim Ducem ad praesentiam nostri culminis, cum vexillis ad hoc solenniter accedentem . 2) Ibid. p. 49 : Decernentes, quod supradictus Dux haeredes et successores sui Duces Stetinensium Pomeranorum, Sclauorum et Cas

suborum qui fuerint pro tempore, Ducale biretum gestent et in illo incedant, prout eorum praedecessores gestasse et incessisse hactenus dinoscuntur. S. eine Abbildung des Baretts auf dem Mittelſchilde des Wappens vor Roſegartens Pomm . und Rügiſc . Geſchichtsdenkmälern Th. I. Die Pfauenfedern mögen erſt ſpäter hinzugekommen ſein. 3 ) Greinir III. nr. XIV. S. 142. Gegeben zu Nüremberg 1357 Sonnabend vor dem Sonntage Reminiscere (4. März ; Oſtern fällt 1357 auf den 9. April). 4) Haben Ihm ſolch Genad gethan das derſelbe Herßog zu Stettin und die obgenandten ſein Erb und Nachkommen — ziehen Manne feßen , koren und wirdigen mugen, und zu Dienſtleuten machen. Auf daß dieſelbe ihre Manne die von Im alſo geſeßet gekoren und gewirdiget werden, der Herzogen zu Stettin Edle Dienſtleute ewiglich ſein , und bei In die nadigeſchrieben Amte und der gebrauchen niugen ;. - das ſeint die Amte Ein Cammerhr. Ein Bißthumb ein Marſdald ein Trudtfeße, ein Schende und darüber ander Ambte der die vorigen Herßogen zu Stettin zu Rahte werden , in Ihren Landen zu beſtellen, Auch wullen wir unb feßen mit Kayſerlicher Mechte, welche Edel und frihe Lüte uß dem vorgenanbten Herzogthumb zu Stettin zu denſelben Amten 27 Barthold Geidh, v. Pomm, III .

418

Barnim III. erhält ein Caſſatorium .

haben wir ſchon ſeit dem legten Drittel des XII. Jahrhun: derts officiales curiae, Marſchålle, Schenken, Truchfeß , Kåm : mecer am Hofe unſerer Herzoge gefunden ; aber dieſe Aemter waren Hofå mter , nicht erblich , ohne

Verknüpfung mit

dem Reiche; die jest beſtellten galten nach der kaiſerlichen Begnadigung als Erblandesåmter, und wurden gewiſſen Ge: ſchlechtern mit ihren lehen zugleich erblich ertheilt.

Seit jenen

Lagen mogen denn die Eickſtedt das Erbtámmereramt, die Flem minge das Erbmarſchallamt im Herzogthum Hinterpommern ; die Malzan daſſelbe Amt in Pommern-Stettin, in Rügen und Bard die Bugenhagen ; die Wuſſow das Erbſchenkenamt, das Erbka chenmeiſteramt die Schwerine, und die Ramel die Erb landsmarſchallwürde im Bisthum Kamin erhalten haben ; ? ) da die wolgaſter Herzoge und ſelbſt der Biſchof nicht fåums ten , auch für ihr Gebiet denſelben Prunk herzuſtellen . das wichtigſte Geſchenk der kaiſeclichen

Aber

Gnade , welches jes

doch , im Sinne der Staatswirthſchaft des Verleihers auf: gefaßt, der Duell bedauerlicher Zerwürfniſſe wurde , war das Caffatorium der Veräußerungen vom Herzogthume, welches Barnim

gleichzeitig

empfing.

In der Darlegung

der fürſtlichen Einkünfte unſerer Periode haben wir nach gewiefen ,

in welchem Grade unbedachte Großmuth

und

fromme Freigebigkeit der früheren Landesherrn ihr Doma nium und ihre Einkünfte geſchmålert hatten , und wie , ver håltnißmåßig gegen früher, wenig unmittelbarer Befig nach ungåhligen Schenkungen , Veråußerungen, Pfandſchaften und ertheilten Hebungsberechtigungen geblieben war.

Die Folgen

folcher unberathenen Wirthſchaft , Schulden und Dhnmacht geſeßt und gekoren werden , das damit Ir Ebelkeit , Abell und Freiheit nicht geniebert noch geſchwadet, in Sheine wiß , ſunder gebühet und ge besſert werden ſulle ." Die Erbämter hatten ihr Forum nur vor den kai Ferlichen und fürſtlichen Hofgerichten ; ebenbafelbft. ' ) S. Sdwarß Lehnshiſtorie S. 422 4. Die Flemminge erſcheinen urkundlich in ihrer Würde i. J. 1406 ; die Namel 1. J. 1373. Im Wola gaſtiſchen wedſeln bagegen die Familien noch in den Aemtern , ausge nommen die Bugenhagen .

Caffatorium Barnims III.

419

des Fürſten , lagen zu Tage und ſchmålerten deſſen Anfehn åbermüthigen Unterthanen gegenüber.

Da ſchon früher ein

ſtu mmé 8 Gefeß den Reichslehnstřågern verbot , ohne Urs laub und Wiffen des Kaiſers dem Lehn etwas zu entfrems den und nach dem Inhalte der güldenen Bulle zumal die Kur : lande nicht zerſplittert werden durften, indem das Reich die gebührende Hülfe nicht von verarmten Herren erwarten konnte; zeigte ſich der Kaiſer, dem Einziehungs- und Reductionswefen für ſeine Lånder nicht abhold, bereitwillig, den Vorſtellungen Barnims , deffen geſteigerte Geltung höhere Einkünfte erfors derte , eine Befugniß zu ertheilen , welche, felbſt mit Maaß gehandhabt , mußte.

Unzufriedenheit

und Srbitterung

hervorrufen

Auf die perſönliche Anklage Barnims III. gegen ſeine

Vorfahren, daß fie „etliche Rechte, Güter und Zugehör des Herzogthum entfremdet und getheilt håtten,'' 1 ) widerrief Kart dieſe widerrechtlichen Veråußerungen in den ſchårfſten Auss drücken , raubte Verleihungen der Vorfahren jede Kraft, a ) gab dem Herzoge alſo die ungemeſſene Vollmacht zurück zufordern , und benahm bei Strafe der Ungnade und einer Pon ihm

und feinen Erben das Recht, dergleichen Vers

ſchwendungen ſich zu erlauben. Nicht begnügt mit dieſem gefährlichen Geſchenke, deffen růckwirkende Kraft alle Befikverhåltniſſe, ſelbſt die reichss 1 ) Greinir nr. XVI. p. 147 von demſelben Datum . S. Schwarß Lehnhiſtorie S. 417. :) Sdwarß a. a. D. Anm .: Ideoque auctoritate Imperatoria tenore presentium universas appropriationes, alienationes, divisio nes et distractiones si que de bonis juribus, possessionibus et pera tinentiis ducatuum et terrarum ipsarum que a sacro imperio depen dent in feudum ut prefertur per antedictos quondam duces facte sunt quocunque nomine censeantur super quibus nostre seu prede cessorum nostrorum imperatorum vel regum romanorum consensus et litere non sunt obtente cassamus , 'irritamus et ex certa scientia revocamus imo cassas et irritatas nuntiamus, volentes quod omnis talis appropriatio alienalis divisio sive distractio nullam penitus ha beant nunc et futuris temporibus firmitatem , cet. 27 *

Mloſter Marienthron geſtiftet.

420

unbefugten Abtretungen an die Mark, umzuſtürzen drohete ; erbat Barnim, ohne verwandtſchaftliches Vertrauen zu ſeinen Vettern, vom Kaiſer die Zuſicherung, ' ) ſelbſt im Falle - ſeines Todes die Vormundſchaft für Gemahlin , Kinder und lande des Herzogs übernehmen zu wollen .

Damals waren ihm

bereits Söhne und Tochter geboren, und, dem höheren Mans nesalter nahe ,

glaubte der Theilfürſt von Stettin , jedem

Recht und Brauch des Seſammthauſes zuwider, ſeiner natür: lichen Erben Vortheil am beſten zu ſichern, wenn er jenen die Vormundſchaft nåhme, um

deren ſchußloſe Jugend er

ſich allerdings wenig verdient gemacht hatte. Vielleicht fah Barnim auf dem Heimwege in Karls Geleit noch die Heiligthümer , welche der fromme Herrſcher

in

ſeiner dreifachen

Burg Karlſtein ,

der

faſt

mónchiſch

ſtreng bewachten Zufluchtsſtåtte des geſchäftsmúden Kaiſers, prachtvoll aufbewahrt hatte , ? ) und nahm das Maaß frem: der, welſcher Kunſt ſinnig mit in die kahlere Heimath. Viels leicht , daß Barnim nach jenem Vorbilde die Karthauſe ftif tete, welche um 1360 fich ſtattlich vor Stettin erhob 8 ) und, obwohl ein Kloſter , ihm und ſeinen Nachfolgern oft zum Aufenthalte diente.

Inzwiſchen erregte des hochſtrebenden

Vetters Reiſe an den Kaiſerlichen Hof bereits beſorgliche Ges danken, die auch bald ſich rechtfertigten . Kurz vorher , durch den Tod ihrer

flugen

Mutter

Eliſabeth beraubt , hatten die Brüder von Wolgaſt, wie es heißt noch i. F. 1356 , zu ihrem Gedächtniß an dem füds lichſten , noch öden Saume ihres landes , am See Streißig, ſüdlich von Neu - Stettin , ein Auguſtiner Mönchskloſter ges gründet , 4 ) Marienthron , das, arm geblieben und jegt faſt

1 ) Von demſelben Tage und Datum bei Dreger z. I. 1357 nr. XII. 2) Starl ließ die dortigen drei Stapellen und Kirdyen nod im März 1357 einweihen. Pelzel I. S.559. 3 ) Kanpow I. S. 383. Aus der Karthauſe erwudys die ſpätere Dbersburg 4) Woten S. 193 nad Klembens Chronik und Kanpow I. S. 376.

Ausſterben der Grafen von Güklow .

421

ſpurlos verſchwunden, gleichwohl als Ausgangspunkt wiſſens Tchaftlicher Kultur den ſpäteren Geſchlechtern diente. - Bars nims unheilvolles jüngſtes Privilegium ſchreckte die Vettern ; unruhige Bewegung giebt fund , ' ) daß alle Brüder ſchon am 16. Juni 1357 in ihrem Hauſe auf der Swine alle Freis heiten der Stådte Stargard, Greifenberg und Neu - Treptow , ſo wie der Vafallen jener Voigteien beſtåtigten ; ihnen Schuk verſprachen , und ein Bruder des anderen , etwa pflichtvers geſſenen, Schutamt zu übernehmen gelobte.

So bůndige Er

bietungen deuten auf Sefahr der nåchſten Grenzen von Bars nim III. hin.

Bald tråbte ſich die Ausſicht auf inneren und

åußeren Frieden nach allen Seiten ; noch mehr verdunkelt durch das bevorſtehende Ausſterben des gůgkowſchen Hauſes. Jener alte Graf Johann , ſeit der leßten Felonie dem wol gafter Haufe ergeben , in deffen Dienſt er i. . 1356 auch auf der Heerfahrt nach Kamin gezogen zu ſein ſcheint; am Abende reines Lebens ohne Nachfolger, råckſichtslos freigebig mit ſeiner Habe , ſtarb nach Oſtern 13592 ) und ward bei ſeinen Våtern in der Franciscaner - Kirche zu Greifswald beis gefeßt. * )

Da nur zwei Schweſtern des jungen Helden vom

Schopendamme das ganze Geſchlecht åberlebten und im Theis lungsvertrage v. I. 1295 auf dieſen Fall keine Beſtimmung getroffen war, ferner das Gebiet der Grafſchaft füdlich über die allgemeine Landesgrenze der Stettiner fich zog, muß der

Ueber das Jahr der Stiftung iſt große Verſchiebenheit. Uteberhaupt ſind die Urkunden aus keinem pommerſchen Landestheile ſeltener, als aus die ſem . S. Cramers Große Pomm. Nirchendhronik II. S. 28. Rango p. 111 berichtet, Bildhof Johann habe i. 3. 1356 das Kloſter eingeweiht. Nads einer Stelle der Matrikel von Marienthron , welche Aankow I. S. 388 mittheilt, wurde das Kloſter erſt 1366 mit Mönchen beſeßt. 1 ) Urkunde bei Dreger z. . 1359 nr . IX. 2 ) Die älteren Nachrichten, Kanpow I. S. 378, Eickstedt &. a. D. laſſen den leßten Grafen ſchon i. J. 1357 ſterben ; allein die bald zu er wähnende Urkunde bei Hritfeldt 5. F. 1359 führt ihn noch als lebend auf. 3 ) S. Schwarß Stäbtegeſchichte S. 824.

Parteiungen wegen der Horbiſchen Helde.

422

1 Unfriede beider Häuſer aus ſolchem Erbftreite neue Nahrung gezogen haben .

Aus der Beſtåtigung aller Landesprivilegien,

welche Bogislav V. und feine Neffen i. F. 1372 ertheilten, können wir nur ſchließen , daß den Gråfinnen Eliſabeth und Mechthildis auf Lebenszeit der Beſitz der Einkünfte geblieben fei, indem auch eine Verkaufsurkunde v . 7. 1377 ausdrůd's lich die Genehmigung der Damen vorausſeßt,

welche der

Willebrief derſelben bezeugte. ' ) Schon daſſelbe Jahr 1358 zeigt uns die Parteien ges ſonderter gegenüber, welchen bald der ſchwediſche Thronſtreit und der Sieg der Hanſen die großartigſte Bedeutung vers lieh ; zugleich mitten im Gewirre den vielthåtigen Herzog von Meklenburg , Albrecht , in unfruchtbarer Bemühung zu ver: mitteln.

Die Molgafter hielten feſt mit dem Könige von

Dånemark ; zu Aalholm 2 ) hatten fie fich, im Widerſpruch mit der Reichsbelehnung, am 30. April 1359 als Vafallen der Kroné får das fand Rügen bekannt , dem Könige und feinein Sohne treuen Beiſtand gelobt ; deffen Erwiederung fie jedoch nicht genoffen .

Albrecht von Meklenburg, deſſen

Dochter Markgraf Ludwig geheirathet hatte, war auf der einen Seite ſo nahe mit Brandenburg und mit Barnim III., der zu Neuſtadt- Eberswalde i. I. 1358 mit der Mark ein Bands niß geſchloſſen, % ) ohne die Vettern auszunehmen , vereinigt ; als er, der Schwager Magnus', mit Schweden gegen Dånes mark und gegen die Wolgafter ſtand. Markgrafen

So lange die beiden

mit noch nachhaltigen Unruhen und mit der

? ) Daſ. S. 828 dat, a. 1378 dominica q. c. Judica. Elisabeth et Mechthildis recognoscimus presentibus et testamur quod illustris princeps Dominus noster Bugghezlaus Dei gratia Dux Stetyn et prin ceps Ruyanorum de nostro consilio consensu et voluntate expressis rite et rationabiliter vendidit. 2) Hvitfeldt I. P : 517. Urkunde dat. Aaleholm Slot, Dienſtag tadi Quasimodogeniti (Oftern am 21. April ). 8 ) Sdwars Lehnshiſtorie S. 426.

Krieg ber Wolgaſter mit der Mark.

423

Kirche fåmpften ; verſchmerzten ſie den Verluſt des Landes Paſewalt und des Gebietes von Torgelow ; als aber der Friede in die lange gemißhandelte Mark eben einkehrte, gedachte Ludwig der Römer jene losgeriffenen Lånder wieder an ſich zu bringen.

Zwar war i. I. 1358 durch Albrecht

von Mellenburg am 26. Juli ju Tribſees

noch vermittelt

worden, ' ) daß die Wolgaſter ihren Anſprüchen an die Mark får 13000 Mark Silber entſagten ; allein mit dem Vorſoma mer 1359 ſehen wir den Kampf wieder begonnen.

Die Wola

gaſter , mit ihren Lehnsleuten , auch mit dem Grafen von Eberſtein zu Naugard , dem Grafen Ulrich von Fürſtenberg und den Dewiß ausgezogen , wieſen unfern der Mauern des feſten

Paſewalk die

Mårfer

blutig ab. )

Doch

brachte

Herzog Albrecht, welcher zwiſchen vielerlei blutigen Händeln an einem allgemeinen Landfriedensbündniß des nördlichen Deutſchlands arbeitete , auf Pfingſten einen gåtlichen Tag zu Prißwalt zu Stande , wo der friedfertige Barnim von Wolgaſt, ſo wie Ludwig und Otto von Brandenburg ers ſchienen.

Barnim IV . verpflichtete fic am 10. Juni , mit

reinen Brüdern in drei Wochen zu Paſewalt ſich einzufinden, und die inzwiſchen geſchloſſene Theidigung mit dem Marks grafen zu beſiegeln , und ihrerſeits dem Markgrafen

alle

Briefe , „auf beide Schloſſer Torgelow , auf Paſewalk und andere Theile der Marf , von wem irgend ſie dieſelben håts ten

und

welcherlei Schuld fie

betráfen,“ auszuliefern. 3 )

) Rudloff aus Chemniß I. S. 331 . 2) Kanpow I. S. 383 giebt gegen alle anderen Zeugniſſe ben Wol. gaſtern ihren Vetter Barnim zu Hülfe. 3 ) Raumer Cod. dipl. Brandenb. I. S. 18 , Urkunde Barnims IV. gegeben Prißwalt 1359, Pfingſtmontag : Unse liven brudere, Bugslaw und Wartislaw , Hertogen to Stettin nu am Sandage fort over dry weken scholen mit uns to pozwalk wesen und Scholen dar beliven die Dedinge die wy to Prizwalk, mit den Hochgeboren fursten Lo dewige dem Romern 'und Otten seinem bruder Marggraven to bran denburg gededingt hebben und darsulves to der sulven tyd Scholen

Vertrag über Paſewalk.

424

Dieſe Vereinbarung , welche nach Kangow zu Paſetvalt bes kräftigt wurde , ' ) lehrt uns ein Aftenſtück der Markgrafen vom 11. Juni 1359 : 2 ) Herzog Albrecht håtte den Streit zwiſchen ihnen und den Wolgaſtern dahin getheidigt , daß dieſe und ihre Erben Paſewalk und Torgelow im gegens wårtigen Beſiß ſo lange behalten, und Albrecht von Meklen burg die etwaigen Streitigkeiten der Amtleute beider ſchlichte, bis der Markgraf ihnen in einer Summe 13000 Mark Silbers 3 ) gezahlt håtte.

Doch ſollten jene ein Vierteljahr

vorher den Zahlungstermin in Prenzlau oder Jagow anmel den ; die Zahlung (Beredungh ) unter beider Theile ficherem Geleite nach Anklam oder Loiß überantworten , und die Wol: gaſter Paſewalk nebſt beiden Schloſſern Torgelow alsdann den Mårfern zurückſtellen.

Die Markgrafen verpflichteten

ſich die Rechte der Stadt Paſewalk zu beſtåtigen und ſichers ten den Anhängern des falſchen Waldemar Vergeſſenheit des Geſchehenen zu.

Jede Forderung , welche die Herzoge an

die Mark håtten , würde hiemit erledigt , und alle Briefe und Verſchreibungen , ihnen åberantwortet, für verloſchen er : Flårt. “ )

Ehrlichen Rechtsgang in allen Håndeln der Unters

thanen und Friede und Freundſchaft ward zugeſagt und die Bermittelung dem Herzog Albrecht übertragen. . Inzwiſchen hatte Barnim der Alte ( Barnym de Olde) , ' ) als Kampf sy diesulven dedinge besegiln mit eren Ingesegilo und wy und Sy Scholen darsulves up die tid deme vorgenanten unsen Ohemen dem Marggraven antwerden alle brive die wy hebben und up welkerley Schult sie drepen. ) Nankow I. S. 383. 2 ) Schöttgen et Kreyssig III. p. 52. Gegeuen und geschreuen tu Pritzwalk 1359, dinstages in den hiligen Dagen tu Pingesten. 3 ) Des Golbes finden wir hier zum erſtenmale erwähnt. 4) Schöttgen et Kreyssig 1. c. Hir mede scal alle gelt , dat die vorbenumeden hertogen ghemant und gevhordet hebben up die marke ledigh vnd los wesen, und sie oder ere eruen scolen vns oder vnsen eruen dar vmme nicht mer manen vnd nicht dor vmme vorderen . 5 ) Ibid. p. 53 : Vortmer tie wi hertoge Barnym den Olden van

Bertrag des Caſatoriums.

425

genoſſe der Markgrafen ausdrücklich in die Sühne zu Prigs walk eingeſchloſſen, durch gewaltthårige Ausführung des Fai: ferlichen Saffatoriums und durch Kränkung der Rechte ſeiner Vettern einen ſo leidenſchaftlichen Unmuth des Adels in Hin terpommern erregt, daß jene Sühne ihre Kraft verlor. Denn wenige Tage darauf am Sonntage Trinitatis (16. Juni) bekannte das Geſchlecht der Stegelit, ' ) welches im Gebiete von Stargard angefeffen war, fie håtten die große Gewalt und den großen Schaden an Schuld und an Lehn, welchen der

alte Barnim gewaltiglich und

råuberiſch feinen

Vettern gethan, ) zu Herzen genommen ," und weil ſie als Vas fallen verpflichtet waren , ihren lehnsherren ſo lange beizus ſtehen, bis dieſen ihr Recht geſchehen fei; fo gelobten ſie den Brüdern zu Wolgaft, nimmer ſich mit dem alten Barnim zu verſdhnen, bis jenen vollkommene Genugthuung geſchehen ſet. :) Sie verſprachen ihren Beiftand gegen alle Feinde. Den weiteren Verlauf kennen wir nicht, aber der alte Bar: nim mochte mit ſtarker Hand das Gewonnene

feſthalten,

wie er denn auch í. F. 1360 , als Kaiſer Karl die Rechte • der Mark Brandenburg von Ludwig dem Römer auf Otto Stetin in mse sune, also, dat wi ouer en minne vnd rechts willen weldigh wesen. ' ) S. oben S. 251. Urkunde bei Sdwarß Lehnshiſtorie S. 427, ohne Ortsangabe 1359 an Trinitatis . 2) Daf. Dat wy hebben angeseen vnde anseen de grote Ghe wald vnde den groten Schaden an Schuld vnde an Leen den olde Hertog Barnym weldechliken vnde rofliken gedhan hefft an synem Veddern Buggyzlaum , Barnym vnde Warzlau Broderen Hertoghen tho Stetyn vnde Vürste tu Ruyen vnde eren rechten Erfnamen . 3 ) Daf. 4. 4. D. Hierumme so love wy den vorbenomeden Dorchluchteden Herren Bughitzlaum Barnim vnde Wartzlaum Bro deren vnde eren rechten Erfnamen an desseme apenen Breue dat wy vns mit olde Hertog Barnym vnde synen rechten Erfnamen nummer sönen noch liken edder euenen Willen , den vorbenomeden Herren sy ersten van deme olden Hertog Barnym Wandel vnde lick gescheheen vnde willen en vortmer behulpen wesen op all ere Vien den we sy syn .

426

Deffentliche Unfidyerheit.

übertrug , die Verſicherung des Reichsoberhauptes fich ers wirkte , ' ) daß dieſe Belehnung namentlich nicht zum Scha den ſeines Herzogthums gereichen ſollte. In Mitten lauernder Beſtrebungen der Fürſten , eins ander den Vortheil abzugewinnen , tritt um dieſe Zeit ein ſcheinbar redlich gemeinter Wille heraus , durch Erneuerung von landfriedensbündniſſen für

die Ruhe der Unterthanen

zu ſorgen und die Unbilden des Fauſtrechs und des Stra Benraubes zu hemmen.

Der

Landesherren - Zwieſpalt,

die

Fehden um die Mark , das gehåufte Elend der legten zwodif Jahre hatten die ohnehin ſchon ſchlaffen Bande der offents lichen Ordnung lo gelockert, daß Friedloſigkeit, zumal in den Låndern zwiſchen Elbe herrſchte.

Wohin

ein

und Dder bis nach Polen hinein, Blick in die Zuſtande geſtattet iſt,

fehen wir die wüſteſte Aufldſung, die blutigſte Selbſtſucht des Adels , welcher den Krieg nahe aneinander geſeſſener Fürſten

zu ſeinem

Vortheile

benußte.

Selbſt

die

eng

verbundenen Vierſtåde des wolgaſter Landes fonnten kaum vor ihren Thoren den landfrieden handhaben. Die Edelleute auf Rügen, a) die Zuhme, die Lanfen, Normann und Krafes vig fehdeten i. S. 1358 mit dem Kloſter Neu - Kamp ; im Gebiete von Kolberg fingen die Damiße Herrn Bidante und hielten ihn im Stock bis an ſeinen Dod, wtorůber viel Arges, Rauben, Schinden und Brand geſchah ;

Barthold Glaſenapp

fchlug Detmar Dabelſtein , ſeinen Stiefvater , um lehngut todt ; die Sdhne Deffen Kamekes gewannen durch Verrath das Haus Naſſenburg von

Vincen ; Holfe ,

worüber die

Scheunen der Bürger in Aſche gelegt wurden ; ' ) überall bot ſich daſſelbe Schauſpiel. Oft fchon hatten , zumal die meklenburger Fürſten , ordentliche Räuberjagden

angeſtellt,

) Greinir III. S. 160 nr. XX.; lrk. gegeben Prag 1360, Februar. 2 ) S, die Urkunde bei Dreger z. J. 1355 nr. VIII. 4. 1358 nr . VI. 3 ) Urkunde bei Rango z. I. 1364 p . 230.

Landfrieben zu Beggerom , Auguſt 1361 .

427

und die Bürger manches Raubneft gebrochen ; auch Ludwig der Römer i. F. 1359 Råuber und Diebe aller Orten frieds los gemacht ; ') ſelbſt einer großen Zahl von Edelleuten aus Großpolen ſchien i. 3. 1352 nöthig, ? ) zu Poren ein allges meines Bündniß gegen die Störer der Ruhe zu ſchließen. Unter ſolchem Unweſen machten die Herzoge von Meklen: burg, Albrecht und Johann von Stargard , fein Bruder, der noch kurz vorher in den Faften 1361 ſich gegen Barnim den älteren verpflichtet , ,,ohne den Willen deſſelben ſich mit Berneke Ramin und deſſen Helfern nicht zu vertragen ," 3) den Anfang , um , wie leichtfertig auch ſie ſelbſt das Schwerdt und die Brandfackel gegen ihde Nachbarfürſten erhoben, den Fredel ihrer

Vafallen zu

båndigen .

Eine folgenreiche

drohende Verånderung des Nordens kündigte ſich an ; indem König Waldemar, argliftig in die widerwärtigen Håndel der fchwediſchen Königsfamilie eingreifend , im Juli 1360 Scho: nen , Halland ,

Blekingen

erobert hatte ;

jedoch

war am

10. Uuguſt zu Helſingborg eine Ausſdhnung der Meklenbur ger und ihrer Partei mit dem Dånen zu Stande gekommen ; als auf Betrieb Albrechts im Auguſt 1361 Ludwig der Ros mer , Barnim der Alte von Stettin , Albrecht von Meklen burg und die Junker Bernd und Lorenz von Werle im Felde zu Beggerow, einem Dorfe füdlich von Demmin, zuſammentras ten , und ein allgemeines fandfriedensbündniß auf drei Jahre ſchloffen . “ )

Dieſe Fürſtenvereinbarung enthielt

eine vollſtändige Proceßordnung und einen Strafcodex gegen Störer der öffentlichen Ruhe , welche in allen betheiligten Sanden friedlos gemacht wurden ; jeder Landesherr verpflichtete

' ) Buchholz II. S. 465. 2) Urkunde bei Raczynski nr. XCIII. p. 108 . ) Dreger %. F. 1361 nr. VII. ) G. C. F. lid Albrecht der zweite und die nieberbeutden land frieben ; eine Ueberſicht der mannigfadyen Berſudse zur Landfriebenseinigung im norböftlichen Deutſchland. Sansow I. S. 381.

Randfrieben zu Beggerot .

428

fich , vor die Schldſfer der Räuber oder ihrer Helfer in ſeinem Gebiet zu ziehen und ſie zu brechen , und war der Un: terſtügung der Vereinigten gewärtig . ' ) Die Herren und die Stådte ſollten alle drei Jahre auf St. Gallentag, und am zweiten Sonntage nach Pfingſten , zu Templin zuſammenfoms men , um über die Nothdurft des landfriedens zu ſprechen, und Markgraf Ludwig im Aufgebote mit 100 Serüſteten, Barnim III. mit 80, Albrecht von Meklenburg mit 100, die Herren von Werle mit 100, alle in großer Noth mit ganzer Macht, Folge leiſten .

Die Markgrafen nahmen ihrerſeits in

den Bund den Biſchof von Kamin und ihre fandesbiſchöfe auf ; ſo wie einige råchſiſche und guelfiſche Fürſten ; Barnim der Alte desgleichen den Biſchof von Kamin und die Könige von Polen und von Dänemark , nicht aber die Vettern ; Albrecht von Meklenburg und ſein Bruder Johann von Stars gard den König Waldemar und deſſen Sohn Chriſtoph, den jungen Barnim, die Herzoge von Sachſen beider Linien, den Holſteiner u . ſ. to ., ſo wie das Stift Kamin ; 2 ) die Werter ihren Vetter Henning, die (Wolgaſt ), u. f.

.,

jüngeren

Herzoge von Stettin

denen ſämmtlich bis Micaelis ihre

Briefe einzureichen oblag.

Dieſem Ernſte, einem

tiefempfuns

denen Bedürfniſſe der Zeit zu begegnen, ſchien jedoch ein an demſelben Tage geheim abgeſchloſſener Vertrag der

erft :

genannten Fürſten , ) um ſich gegen die Folgen der Hands habung

des

Landfriedens

ſeitens anderer landesherren zu

fchågen , zu widerſprechen ; 4 ) dennoch verkündete den Fortſchritt ſo idblicher Anſtalt im Mai des folgenden Jahres 1362 eine Zuſammenfunft der Markgrafen , Barnims des Alten , der

' ) Urkunde II. bei Liſa A. a. D., gegeber am Abende St. Lau rentii 1361 . 2) vor St. 3) 4)

Liſdy a. a. O. nr. II. auf dem Felbe zu Beggerot am Abende Laurentii. Daf. nr. III. S. 41, dat. Stettin 22. Mai 1362. Ebendaſ. A. 4. D. wyder alle die yenen , sie sint man eder

Scheinbare Fürſteneintracht.

429

beiden Meklenburger , des Biſchofs Johann von Kamin und der drei Brüder von Wolgaſt zu Stettin , auf welcher der Verbindung

die

Ausdehnung auch

gegen

ungehorſame

Mannen und Städte verliehen , und die Beihülfe eines jeden zum Vortheile des Angegriffenen binnen der Neße und Havel mit 50 Gewappneten (der Biſchof ſtellte nur 30 ) bes ſtimmt wurde. Die Herren turnierten fröhlich ? ) in der befreundeten Stadt, welche damals vielleicht zuerſt dergleichen Ritterſpiele fah. miſcher

Obgleich alle lande an der See in ſtår:

Bewegung waren, ſchien Eintracht zwiſchen den bei:

den pommerſchen Häuſern zu walten ; denn die Wolgaſter erkannten ihren

Better Barnim

als Schiedsrichter ihrer

Grenzſtreitigkeit mit den Markgrafen , ? ) und ihre Freundſchaft mit den Meklenburgern gewann ein neues Pfand , indem Albrechts jüngſter Sohn , Magnus, mit Barnims IV. Dochter Eliſabeth ſich vermåhlte, und am 5. Juli 1362 auf der Brücke por Damgarten feierlichſt das Leibgedinge der Braut beſtimmt turde. )

Aber die Unbeſtåndigkeit der Fürſten und die Uns

zuverläſſigkeit ihrer Bündniſſe trat bald ſchamvoll hervor, indem der alte Barnim , unfriedfertig , die Meklenburger nöthigte, ſich am 10. Januar 1363 zu Damgarten auf ſechs Jahre mit den Wolgaſtern zu verbinden . * )

Den vier Hers

ren von Werle ward der Beitritt freigeſtellt; allein Heinrich, der Lehnsmann Barnims III. wegen Stavenhagen, und Bernd,

etlike stede, oft id were, die in vnsen landen sint, vnd die sik gegin vns allen oder gegin vnsen etliken vorbunden eder vorstrikt hebben , eder darna stellen , dat vnser eyn dem anderen sal vp die volgen vnd trüweliken bebülpen sin ane allerley argelist. 2 ) Nanßow I. S. 384. 2 ) Urkunde bei Dreger z. I. 1362 nr. X. , gegeben zu Stettin, Sonntags nach Chriſti Himmelfahrt. 3 ) Diplomat. Meklenb. ap . Westphal. IV. p. 980 nr. L. Urkunde gegeben auf der Brüde zu Damgarten, Dienſtags vor Petri und Pauli ( Oſtern iſt am 17. April). * ) Rudloff I. S. 455 nach der Urkunde bei Chemnis.

430

Die Städte gegen Walbemar Aterbag.

fein Vetter, fchloſſen fich ſchon am 24. Januar 1363 zu Sirig inniger an den Stettiner an , und nahmen nur das rómiſde Reich, die Markgrafen von Brandenburg und den Erzbiſoof von Magdeburg aus. ' )

Beſonders waren es die Haupts

leute und Beamten Barnims III. zu Demmin , Kummeroto, Treptow und Udermünde geweſen , welche die Unterthanen der Meklenburger beſchädigten ; ein Krieg war ſchon auss gebrochen, als der beffere Sinn erwachte und zu Borzow am 18. April 1364 alle Theile mit Barnim III. zuſammentraten , den jüngeren Barnim ( IV .) zum Schiedsrichter erkohren , und der Stettiner verſprac , jenen gegen feine eigenen Unterthas nen mit 100 Rittern und Kinechten, mit dem Aufgebot feiner Städte und mit Belagerungswerkzeugen zu helfen , und zur Bürgſchaft die Schlöſſer Uckermünde und Kanneburg ( ?) in die Hände Barnims IV . von Wolgaſt gab. 2 ) Da Johanns von Meklenburg Tochter, Anna, am 4. April 1363 mit Bar: nims IV. Sohne, Wartislav dem jüngeren, vermählt war, * ) überließ (1. October 1363) der Vater der Braut das fand Straßburg ) an Barnim an Stelle des Chegeldes. Aus ſo unexquicklichen Fürſtenhåndeln , in denen

wir

jede feſte , würdige Politik vermiffen , wenden wir uns auf den gleichzeitig begonnenen großartigen Kampf der Hanſe gegen Dänemark , in deffen Verlauf die üppige Lebenskraft der Städte Pommerns fich glanzvoll verherrlichte. Während

1 der Zerriſſenheit im dåniſchen Reiche und unter dem wirren Treiben der Fürſten war die Entwickelung der deutſchen

1 Seeftådte als Staatsmacht unverkennbar fortgeſchritten ,

+ ) Schöttgen et Kreyssig III. p. 54. Urkunde Bernds, gegeben Ririş am Abenbe Pauli Bekehrung: zweite Urfinde Hennings bei Dreger von demſelben Datum nr. IV. z. I. 1363. a ) Rudloff I. S.456 aus der Urkunde bei Chemniß. 3 ) Daf. S. 457 aus der Urkunde bei Chemniß. ) Rubloff hat Strausberg, welches aber Straßburg beißen mub, obgleich wir nicht wiſſen , wie Straßburg an Meklenburg gekommen war .

Bilo ber beutident Sanſe.

431

und hatten die verſchieden berechteten Geſellſchaften der Kaufs leute, von den Küften lievlands, durch Preußen, Pommern, Meklenburg , Holſtein bis nach Flandern hin , und im In lande bis in die Marf, Schleſien , die Lauſit , Sachren, Thås ringen und Weſtfalen, und an den Niederrhein , in dem viels verzweigten Bunde der deutſchen Hanſe fich zuſammen : geſchloffen.

68 umfaßte diere nordiſche Kaufmannstelt drei

ſogenannte Drittel, das wendifde , mit dem Vororte Lübeck, den

meklenburgiſchen , pommerſchen und vielen fåchfiſchen

Stådten im Innenlande, zu denen auch Hamburg und Bres men ſich zählten, welche nicht als Seeſtådte, ſondern als han: deltreibende überhaupt , betheiligt waren ; das Drittel der weſtfäliſchen

und preußiſchen Städte, an deren Spige

Kodin am Rhein ſtand , und welchem die rechs preußiſchen Stådte : Kulm , Chorn , Danzig , Königsberg , Elbing und Braunsberg fich unterordneten ; und das wisbyer oder goth låndiſche Drittel, zu welchem von den lievlåndiſchen Städten Riga, Reval, Dorpat, Pernau gehörten .

Zwar waren alle

Lånder der Oſtſee, bis tief nach Rußland , nach Nowgorod, hinein, ſowie der Nordſee, Englands, Flanderns und Frank reichs Küſten , das Gebiet , auf welchem der bewehrte wach . fame Handelsgeiſt der deutſchen Kaufleute ſich bethåtigte ; aber als Baſis des reichen Verkehrs galt die Oſtſee mit den nåchſten Küſten der vom deutſchen Meere umſpalten fånder und Inſeln , Dänemarf , Schweden und Norwegen . Die hohe Bedeutung dieſer Küſten ſtellte die wendiſchen Sees ſtådte Lübeck, Wismar, Roſtock, Stralſund und Greifswald an die Spige der geſammten Vereinigung. Was die wendifchen Orte theidigten , machte alle Genoſſen verbindlich ; Kolberg, Stettin und Neu - Stargard , welches vermittelft der Ihna ſeinen

Verkehr feetårts leitete , ' ) vermittelten auch den

? ) Es iſt eine Urkunde, mit einer unzweifelhaft falſden Jahreszahl, vorhanden, kraft welder Herzog Sdwantebor, der Nachfolger Barnim $ 1II.

Die Bitten att Sdjonens Rüften .

432

kleineren pommerſchen Küſtenſtådten, welche die Gunſt ihrer Lage zeitig benußt hatten , den Vortheil der allgemeinen Vers bindung .

Jene kleinen Stådte , Wolgaft, Wolin , Kamin,

Treptow mit Regamůnde, Gollnow , Greifenberg, Rügen: walde und Stolp , ordneten ſich zu gleichem Zwecke

den

Vororten ihres landes, beſonders Greifswald, Kolberg , An klam , unter , zumal ihnen allen die ſchonenſche Küſte von Skanoer bis Falſterbo wegen des Fiſchfanges die Bedingung ihres Beſtehens als Handelsſtådte gewährte.

Nur Demmin,

unter dem Drucke des nahen Schloſſes und unter der Für. ſten gewaltthåriger Hand, verlor ſeine uralte Bedeutung als Seeſtadt. ? )

Ein wunderbares, uns kaum begreifliches, Leben

waltete an jenen reizlofen Küſten vom frühen lenge bis zum ſpåten Herbſt hindurch .

Hier ſchloß

ſich ein Fiſcherlager

( Vitte) an das andere ; faſt fußbreit war das Gebiet getheilt, das nur der Berechtigte betreten durfte ; hier erhoben ſich Kirchen , Kapellen , zwiſchen den abgetheilten Friedhöfen ; 2 ) hieher brachten zum weiteren Austauſche Kaufleute und Hand: werfer ihre Waaren und Erzeugniſſe wie zu einer immer: währenden Meſſe; hier ſchalteten Lübeck und Greifswald ſo gar über den Blutbann, und wechſelte läbiſches und dåniſches

( ft. 1368 ), bem Rath und der Gemeinheit zu Stargard die zollfreie Schiff fahrt auf der Ihna , durdy den Baum von Gollnow , durch das friſche Haf, die Ströme bis zur See, für 7000 M. Vinkenaugen , im Rathhauſe zu Stettin bezahlt, verkauft hat. Schöttgen et Kreyssig t. III. p. 44 giebt dieſe Urkunde, geſchrieben zu Alt-Stettin 1354, Sontags nad Mitfaften . Wir zweifeln nicht an der Richtigkeit des Inhalts ; aber die Jahreszahl (plattdeutſch ausgedrüdt) iſt unmöglich richtig; ftatt veer und feftig , veer und soestig zu leſen , bringt nicht weiter. Aud; die Zeugen geben zu keiner Conjectur Anlaß. Wir können das Räthſel nicht löſen , heben aber hervor, daß Stargard ſchon unter Barnim III. freie Schifffahrt auf ber jeßt ſo ſeidhten Shna ſeewärts batte, und daß erſt 1454 bie Stetti ner das Privilegium der Nachbarſtadt gewaltthätig anfochten. ? ) Demmin trat zuleßt in den Beſchlüſſen v. I. 1358 auf, ſ. Sar torius-Lappenberg II. S. 458. 2 ) S. die treffliche Schilderung Dahlmanns, däniſche Geſch. II. S. 28 .

1

Waldemar Herr von Schonen . Recht.

433

Greifswalder und Lübecker grenzten in ihren Vitten

aneinander , wie die Stralſunder und Anklamer ;

kleineren

Seeſtådten war durch die mächtigeren die Anſiedelung als Gåſten vertragsmåßig vergönnt.

So lange Dånemarks

Reich noch inneren Beſtand hatte , waren die Freibriefe der Stådte über ihr Recht an der Küſte Schonens von

Däne

mark beſtåtigt worden ; aber als während der Heilloren Vers wirrung unter König Chriſtoph i . I. 1332 Schonen, Halland und Blekingen fich dem Schweden Magnus , ſeit 1319 jus gleich König von Norwegen, unterwarfen, ward vom Jahre 1336 ab jene mißgefügte Krone, nach långerem Widerſtreben , die ohnmächtige Verleiherin der hanſiſchen Rechte auf Scho : nen. ' )

in ſeinen ſchwachen Anfången hatte Waldemar der

Wiederherſteller die wendiſchen Stådte begunſtigt, und nach mancherlei Schwankungen und Handeln behaupteten die Orte ihre uralten Rechte , ſo wie Englands fiegreicher König Eduars III. den deutſchen Kaufleuten ihre Freiheiten ficherte. Den Schuß des Meeres und der Landſtraßen handhabte die ſtarfe Vereinigung der wendiſchen Stådte, die immer wieder erneuert wurde , ſo oft die Noth es gebot; 2 ) Zwiſtigkeiten der rührigen, eiferſüchtigen Gemeinden ruheten, wenn åußere Gefahren die Gemeinſchaft

bedroheten , oder

wurden

auf

den jährlichen Hanſetagen zu lübeck, Wismar, Roſtock, Stral ſund , Greifswald gefchlichtet. Aber ſchwere håusliche Ver ſchuldung und die unüberbotene Klugheit Waldemars ſtürzte den Thron des Magnus Smek , veränderte das Beſigners håltniß im Norden , und rief den Kampf um des dåniſchen Königthumes Herrlichkeit , ' oder um die Gebieterſtellung des hanſiſchen Staates verhängnißvoll hervor.

Im Juli 1360

eroberte Waldemar „mit gutem Willen und Wiſſen " Kdnigs

* ) Sartorius-Lappenberg II. Urk. S. 347 ff. Daf. nr. CXLVI. e ., $. I. 1339 S. 359. 2) So nods i. F. 1354 ſ. daſ. A. A. S. 433. 28 Barthold Geſch. 1. Pomm. III,

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Waldemar erobert Wisby.

Magnus Schonen , Halland und Blekingen, und fo war das dåniſche Reich in ſeinem urſprünglichen Umfange zuſammen : gebracht. She noch der Frieden zu Helſingborg ( 10. Auguſt 1360) dieſe Umkehr der Dinge und die Billigung derſelben auch durch Albrecht von Meklenburg , den Schwager des unwürdigen Schwedenkönigs, zu verbürgen ſchien, fehen wir die Rathsboten der wendiſchen Stådte in geſpannter Erwar : tung bei Waldemar in Kopenhagen ' ) und blickten die ges heimen Verbündeten Schwedens und Norwegens mit Sorge in die Zukunft.

Es galt zunächſt das Anerkennungsgeld für

die Beſtätigung ihrer Freiheiten ; noch ſchien das Vernehmen ein günſtiges ; ein Freibrief ward entworfen ; die Zuficherung vom Könige, welchem die Rathsboten nach Helſingborg folgs ten, ertheilt, daß er bei entſtehendem Kriege die Fehde ein Jahr vorher ankündigen wolle.“

Um Pfingſten 1361 hatten

die Stådte die nöthigen 4000 Mark zur Erhaltung ihrer Freiheiten zu je einem Drittel auf Lübeck , auf Roſtock und Wismar , auf Stralſund und Stettin , das an Greifswalds Stelle erſcheint, vertheilt , ? ) als mitten unter ſo günſtigen Ausſichten und der landfriedenseinigung zu Beggerow die betåubende Kunde erſcholl, Waldemar habe, in Folge der geheimen Abtretung Magnus Smek's, Wisby auf Gothland , den ålteſten Sitz des deutſchen Handels im Auslande, den Hauptort des einen Drittels , mit Kriegsmacht angefallen , und nach tapferem , blutigem Widerſtande, durch Theidigung erobert ( 28. Juli) , nichts deſto weniger aber geplündert dort unſägliche Beute gewonnen . 3 ) Das Schickſal

und

Wisbys, deſſen deutſche Bürger in den Tagen , als nåchtige

* ) Sartorius- Lappenberg II. S. 476. Die Geſandten weilten beim Könige vom 26. Juni bis 20. Juli. Suhm XIII. p. 415 ff. 2) Sartorius- Lappenberg II. S. 490 nr. CCIX. fer. IV. post fest. pentecost. Rostock. 3) Detmar I. S. 282 falſo b. I. 1360. Hvitfeldt p. 524 ; Suhm XIII. S.

Bund Der Hanſen gegen Waldemar.

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Barbarei noch auf den baltiſchen Ländern lag , die erſten Seegeſeße gegeben ; Wisbys , welches , obgleich nicht mehr ausſchließlich Mittelpunkt des Verkehrs mit ruſſiſchen Waa: cen , eine altgeſicherte Stellung unter der deutſchen Hanſe behauptete ; einer Stadt, deren romantiſche Trümmer ſelbſt nod nach halbtauſendjähriger Veródung den

alten Glanz

bezeugen ; erfüllte die deutſche Hanſe mit gerechter Erbitte: rung.

Schon auf die erſte Kunde vom Angriffe auf Deland

hatten ( am erſten Auguſt 1361 ) die Bürgermeiſter der Sees ſtådte zu Greifswald fich verſammelt, einen Tag auf den 29. Auguft anbecaumt , und vorläufig verboten , bei Berluſt der Gåter und des Lebens Waaren Schonen zu führen . ' ) ſtåtigte,

nach Dänemark und

Als die entfeßliche Kunde fid bes

wurden ſchnell alle Streitigkeiten mit Lübeck, dem

Kidnige Magnus von Schweden und feinem Sohne Hakon von Norwegen, welche dem Unwillen ihres Bolfes die Vers måhlung Hafons mit der achtjährigen Tochter Waldemars, Margaretha, bereits hatten aufopfern müſſen , geſchlichtet. 2 ) Beide, Magnus und Hafon , ſchickten , wie fie ſpåter fich rühmten, fogleich ihre Geſandten zu den Fürſten Deutſch lands, um Hülfe gegen Dånemark zu werben , und fchifften nach Greifswald, wo am 7. September ein Waffenbund der wendiſchen Städte nebſt Anklam , Stettin und Kolberg ges fchloſſen wurde. :)

Getůmmelvolle Bewegung herrſchte auf

dieſer Tagefahrt, welche im Verein mit den Gewaltboten der preußiſchen Stådte

den Handel nach Dänemark und

» Sartorius- Lappenberg II. S. 490 nr. CCX . 2 ) Nad dein Verſtändniß der ſpäteren, bitteren Erörterung (Sarto rius- Lappenberg II. S. 688 ff.) ſcheinen die Könige nidt nach Greifs wald gekommen zu fein , fondern nur ihre Bevollmächtigten geſchickt zu haben. Sakon entſchuldigt fich mit ſeiner Jugend und daß ſein Vater die Urkunde audy mit ſeinem Siegel bekräftigt geſchidt habe. 3 ) Daſelbft S. 492. Daſelbft II. S. 680, in den Unterhandlungen 34 Bapabus 1. 3. 1370 . 28 *

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Rüſtung der Hanſen .

Schonen nochmals verbot, und auf die Ausfuhr der Waaren bis Michaelis 1362 einen Pfundzol legte.

Am 8. Septem

ber wurde die Kriegsfolge dahin beſtimmt, daß die Könige 2000 Ritter und Knechte nebſt Schiffen und aller Nothdurft ges rüſtet zu Martini gegen Waldemar und die „ Räuber auf Schos nen, Gothland und Deland ſtellen ſollten. * )

Die Könige vers

pfåndeten der Hanſe.ihre Schlöſſer für die Kriegskoſten und gelobten Schonen nie ohne den Rath der Stådte zu verpfånden . Dagegen machten die Stådte ſich anheiſchig : Lübeck 6 Koggen und 6 Sniggen (Schuten ) mit 600 Mann und mit Wurfgeſchůg ; Wismar, Roſtock , Stralſund und Greifswald ebenſoviel; Kolberg , Stettin und Anklam mit den ihnen untergeordneten Orten 6 Koggen und 6 Sniggen ; Rolberg und Stettin noch jede mit einer Blide und den ndthigen Meiſtern und Arbeitsleuten zu räften ; fowie Hams burg, Kiel und Bremen verhältniſmäßig zu ſtellen. 2 ) 2780 Ger rüſtete waren eine Macht, welche das Landfriedenscontingent des Beggerower Bundes bei weitem übertraf.

Un demſel

ben Tage ward der Angriff auf Sonntag nach Mitfaſten verſchoben , treues Zuſammenhalten angelobt und die Freis heit der Stådte beſtätigt. - Waldemar empfing mit Gleich muth den Fehdebrief . :) Hemmte zwar noch der nahe Herbſt und der Winter den Krieg , und brach haßwürdige Uneinig feit zwiſchen Vater und Sohn am 11. November 1361 in

? ) Sartorius-Lappenberg nr. CCXII. S. 493. 2 ) Daſ. S. 495 nr. CCXIII. wi van Kolberghe stetyn vnde an clam mit der hulpe der vöghen stede, de vns tho hulpe gheuen sint, ses Kogghen mit ses snicken edder schuten mit ses hundert mannen wapent, unde wi van Kolberghe ene blide vnde wi van stetin ene blide oft des nood do mit mesteren vnde arbeydes luden de dar behof tho sin tho allen werken vnde bliden vorbenomet. 3 ) Dahlmann II. S. 12 läßt ſdon damals den König den 77 bers ausfordernden Hanſen den bekannten Reim erwiedern. Wir glauben , daß dieſer Sohn erſt bei Anfang des zweiten Banfiſchen Arieges ihm ent fahren iſt.

Nieberlage bei Helſingborg,

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Stockholm aus ; ſo mehrte ſich doch der Städtebund duro Beins rich den Eiſernen, Grafen von Holſtein, und regelten im Ans fang Mai 1362 die Städter , geführt von Johann Witten berg, Bürgermeiſter von Lübeck, mit verſtårkter Macht, unter ihnen viele Soldritter aus Weſtfalen und Sachfen , in den Sund .

Als jene 2000 ſchwediſche und normånniſche Ritter

und Knappen ausblieben und die Hanſen zwölf Wochen jener vergeblich geharrt hatten ;!) griffen ſie Seeland an, erobers ten und plünderten Kopenhagen

und das dortige Schloß;

verwundeten den jungen Sdnig Chriſtoph mit einem Stein wurfe , an deſſen Folgen er im nächſten Jahre ſtarb , und landeten dann an der Küſte Schonens.

Im Eifer, das feſte

Helſingborg zu bezwingen, vernachläſſigte Johann Wittenberg, ans land gehend, die Aufſicht über die Flotte ; da fam Wals demar pidglich mit ſeinem Schiffsheere am 18. Juli hers bei, a ) eroberte ſchnell zwölf große hanſiſche Koggen , wodurch die ain lande beſchäftigten Städter ro in Schrecken gereßt wurden , daß fie , die Belagerung aufhebend, um freien Abs zug anhielten

und mit rowerem

und Gütern heimkehrten . lichen Ausgang , den

Verluſte an Gefangenen

Herber Unmuth aber ſo ſchimpfs

allein

die treubráchigen Schweden

verſchuldeten , laſtete über den Gemeinden ; faſt jede Stadt, con arg betroffen beim Falle Wisbys, hatte zahlreiche Ges fangenen zu beklagen , welche im Thurme zu Wordingborg,

' ) Sartorius-Lappenberg II. p. 691 venimus ad passagium Ores sund cum gente nostra deputata, ultra quam etiam adduximus bene mille armatos et satis forte fuissemus ad obsidendum castrum Cop manhauene. Sed quia per vestros (sc. regis Maquini) nuncios et literas nos rogari feceratis, ut ad Helsingborch diverteremus , et ja cuimus ante Helsingborch cum magnis expensis, bene ad XII. septi manas, adventum vestrum exspectantes, et quia non veneratis, illas incurrimus jacturas , eo quod non eramus per omnia satis robusti ad obsidendum in terra et ad defendendum mare . 2 ) S. Dahlmann Geſch. von Dänemark II. S. 14 und die dort gerechtfertigte Kritik.

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Kleinmuth ber Sanſent.

auf dem zum Sohne der Hanſen eine Gans ftand , hart gehalten wurden . Magnus und Hakon, inzwiſchen nur bis Halmſtadt ge langt, erfuhren den Unfall, und hätten gerne in den Stilla ſtand aufgenommen ſein wollen ; allein der Dåne erweiterte feine Eroberungen gegen ſie ; und obenein mußten ſie ihren empórten Bundesgenoſſen (am 28. September ), unter ihnen unſeren fünf hanſiſchen Städten, Schloß Bordholm mit Deland vecpfånden . " ) fcher

Noch waren den Hanſen die Tage rómis

Sinnesfeſtigkeit nicht gekommen ;

faſt alle kleineren

Stådte , die untergeordneten " , Ribniß , Wolgaſt, Wollin , Ramin , Greifenberg, Treptow , Rügenwalde und

Stolp , ')

unbefůmmert um das Ganze, hatten , des Verbotes ungeach tet, den Verkehr mit Sconen fortgefeßt. Sie, die ,,Gåſte," wurden deshalb von den Fiſchlagern in Schonen und von dem Bürgerrechte in hanſiſchen Städten

ausgeſchloffen . 3)

Kleinmüthig dagegen geſtattete man den Dånen geſalzenen Hering einzuführen , ,, wenn ſie eidlich bezeugten :

quod sua

sint eti quod nullus de Hansa partem habeat ." *)

Ja fie

ſchloffen ain 6. November 1362 zu Roſtock einen Stillftand, welcher' von Martini 1362 bis zu Anfang des Jahres 1364 (bis zu dem Zwölften) dauern ſollte; den freien Verkehr wie vor dem Kriege ficherte, und den Adnigen Magnus und

^) Sartorius-Lappenberg II. S. 501, nr . CCXVIII. a. 2) Stolp beſaß, damals ſchon die Verbindung mit der See in Stolp münde, wveldjes zu Wintershagen eingepfarrt war. Im Jahre 1356 er theilten 12 Biſdjöfe, größtentheile in Partibus und am Hofe Innocenz VI. fich aufhaltend, den Undächtigen jener Kirche und deren Wohlthätern reichlichen . Ablaß. Rango p . 204 ohne Ort und Tag. Die Richtigkeit des Hirtenbriefes wird durch die Fremdheit der Werſtümmelten Namen der Biſchofeſiße nicht in Zweifel gefeßt, da fich wohl alle in der Kanzlei ſprache der Aurie mad weiſen laſſen. Stolp erhielt f. 3. 1368 durds Bogislav V. das Münzrecht; Urkunde bei Schöttgen et Kreyssig Cod. dipl. III . p . 55 dat. Rügenwalbe am Tage St. Margarethe. 3 ) Sartorius-Lappenberg II. p . 502 nr. CCXVIII. b. 4) Daſelbſt II. p. 571, 515 nr. CCXIX .

Unficherheit bes Zuſtandes.

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Hakon , dem Grafen von Holſtein und den deutſchen Fürſten , Helfern Waldemars, den Beitritt offen hieß. ' ) - Aber das Erlittene brannte den Bürgern auf der Seele.

Lübeck, Ros

ſtock, Stralſund und Wismar berechneten ihren Schaden auf 25800 Mark Pfennige ; die Schuld follte der unglückliche Feldherr , Johann Wittenberg, entgelten , welcher , obgleich nicht von allen Stådten angeklagt , im folgenden Jahre mit dem Kopfe zu Lübeck büßte.

Noch blieben der Holſteis

ner und die Schweden in Ungewißheit , ob ſie in den Still: ſtand mit eingeſchloſſen ſeien ; da gerieth Eliſabeth, des Holz ſteiners Schweſter, Hakons Verlobte, durch einen böſen Zus fall in die Gewalt Waldemars.

Umſonſt klagte die Hanſe

in Stralſund im Januar 1363 åber Nichterfüllung des Vera trages ; hielt viele Tagefahrten ; fie rah fich alsbald ganz verlaſſen , indem Hafon , von Waldemar umgarnt, am 9. April 1363

zu

Kopenhagen

das

Shebündniß

mit Margaretha ,

der nachmals ſo berühmten Stifterin der Einigung von Kala mar ,

feierte.

Dafår erndtete

Magnus die

ſchmåhlichſte

Verachtung ſeiner Schweden ; die Reichsråthe, die machtia gen Herren, welche er, vier und zwanzig an der Zaht, vera trieben hatte, leiteten in Deutſchland ſeine Enſeßung ein , und trugen dem Sohne der Schweſter Magnus', der Euphemia, und Albrechts von Meklenburg, Albrecht, die Krone an , unterdeflen die empárten Hanſen zu Wismar ( Faften 1363 ), beſchloffen , des erlittenen Schadens wegen an Magnus fich zu halten .

So geſichert , übereilte Waldemar , aller Mahs

nungen ungeachtetet, fich nicht, die Bedingungen des Fries dens zu erfüllen ; feindlicher Zuſammenſtoß erneuerte fich); ? )

? ) Sartorius- Lappenberg II. S. 503. 504 ; nr. CCXVIII. C. p. 507. *) Räthſelhaft klagten zu Nitoeping auf Falfter die Städte ( Sar torius- Lappenberg II. S. 520 ): De van deme Sunde vrowen vnde iunevrowen sint vordrencket in erer havene vmme ere eghene gud vnde monneke sint berouet vnde ok andern luden is mengherhande schade scheen .

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Friebensverſuche.

und am 24. Juni 1363 beriethen die Städte, unter ihnen , außer den Stralſundern , Greifswaldern , Anklamern, Stetti : nern und Kolbergern auch die Stargarder , über ein Bünd niß mit Albrecht von Meklenburg und dem Holſteiner , das, gegenſeitig geſtüßt auf 1200 Semaffnete und 600 vom Volfe (de populo vulgari) vom nåchſten Neujahr 1364 ein Jahr dauern ſollte. ') . Greifswald zeigte ſich am behutſamſten und entſchuldigte durch einen Notar auf dem Tage zu Wismar ( 25. Juli) das Ausbleiben ſeiner Herren, welche den Wider : ſpruch ihres Landesherren ſcheuten , der als Lehnsmann und Bundesfreund Waldemars galt. 2 )

Wirklich bemüheten fich

Barnim ( IV .) der Jüngere, ſelbſt Barnim der Heltere ( III.) und Johann von Kamin durch Nicolaus Rolner, Ritter und Kanzler zu Wolgaſt, Eggard Manteuffel und Arnold Mala chow , auf dem Tage zu Stralſund am 8. September 1363 einen Frieden zu

vermitteln ; 3 ) aber gültige Vollmachten

fehlten , und die Wolgaſter vertrdſteten deshalb die Raths ſendboten der pommer den Städte am 22. September auf die bevorſtehende Ankunft des Königes felbſt. “) – Wichtige allgemeine Angelegenheiten der Chriſtenheit oder die Sorge für die eigene bedrohete Zukunft hatten den klugen Herc ſcher vermocht , rein unruhiges Reich , deſſen Erbe in König Chriſtoph geſtorben war , der Obhut ſeiner Råthe zu vers trauen und mit großen Geldſummen nach Deutſchland zu reiſen . Es war nåmlich Zwietracht zwiſchen Kaiſer Kart und König Ludwig von Ungarn ausgebrochen , und Papft Urban V., der Nachfolger Innocen; VI., bekümmert um die Ruhe der Chriſtenheit, hatte im Januar 1363 den Biſchof

a ) Sartorius-Lappenberg II. S. 522. 2) Daſelbft S. 526. 3) Daſelbſt S. 529. 4) Detmar I, S. 286 Z. I. 1364 : Do rumede de koning vatt Denemarken ſin rike von angheſtes wegen ; he ſady am ernſt der zeeſtebe unbe untruwe finer manne , unde en dorffte nicht bliven an Sineme rike.

Bogislaus V.Tochter mit Karl IV. vermählt.

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Petrus von Volterra zu Avignon bevollmächtigt, als Nun : tíus nach Deutſchland und Ungarn zu gehen , und das Fries densgeſchäft auch anderen deutſchen Biſchöfen aufgetragen . ' ) Da Raiſer Karl eben Wittwer war ,

ſollte ein Ehebund,

ehrend für Pommern , die eingeleitete Verſöhnung befeſtigen. Bogislavs V. Semahlin Eliſabeth , Tochter Kaſimirs von Pos len, im Jahre 1361 geſtorben und zu Marienthron begras ben , hatte dem Wittwer vier Söhne , Kaſimir IV. , Wartis: lav VII ., Bogislav VIII. und Barnim V. nebſt einer Tochter, Eliſabeth , hinterlaſſen , welche , überaus foon von Geſtalt, mit ihrem Bruder Kaſimir am Hofe ihres Großvaters zu Strafau erzogen wurde.

Es tard deshalb v