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German Pages [288] Year 2011
Wien Sudbahnhof
Bestand und Abbruch Vienna South Station
and its demolition
2007-2010 Roman Bonsch Herausgeber und Fotografie I Editor and Photography Roman Bonsch, Karin Finan, Mathias Ganspock, Herbert Harrer, Karl-Johann Hartig, Sebastian lIIichmann, Jan KanngieBer, Elke Krasny, Martina Tritthart Texte I Texts Sigi Herzog, Harald Nave Erganzende Fotografie I Additional Photography EKG Baukultur LaserScans
SpringerWienNewYork
Impressum I Imprint Herausgeber I Editor Roman Bensch A-1040 Wien/Vienna romanboensch.at Gedruckt mitfinanzieller Unterstiltzung von I Printed with financial support of: OBB, BMVIT, PORR,STRABAG, SWIETELSKY, UNGER STEEL GROUP Das Werk ist urheberrechtlich geschOtzt. Die dadurch begrOndeten Rechte, insbesondere die der Obersetzung, des Nachdruckes, der Entnahme von Abbildungen, der Funksendung, der Wiedergabe auf fotomechanischem oder ahnlichern Wege und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. This work is subject to copyright. All rights are reserved, whether the whole or part of the material is concerned, specifically those of translation, reprinting, re-use of illustrations, broadcasting, reproduction by photocopying machines or similar means, and storage in data banks.
© 2012 Springer-VerlagjWien SpringerWienNewYork is a part of Springer Science + Business Media springer.at Verlag und Herausgeber bitten um Verstandnis dafOr, dass in Einzelfallen ihre BemOhungen um die Abklarung der Urheberrechte und Textzitate ohne Erfolg geblieben sind. The publisher and editor kindly wish to inform you that in some cases, despite efforts to do so, the obtaining of copyright permissions and usage of excerpts of text is not always successful. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Buch berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten waren und daher von jedermann benutzt werden dOrfen. Product liability: The publisher can give no guarantee for the information contained in this book. The use of registered names, trademarks, etc. in this publication does not imply, even in the absence of a specific statement, that such names are exempt from the relevant protective laws and regulations and are therefore free for general use. Layout, Cover Design: Roman B6nsch, WienjVienna, romanboensch.at Typografie, grafische Beratung I Typography, Graphic Consultant: Mihai M. Mitrea, WienjVienna, sketodesign.eu CMYK Separation: Manfred Kostal, WienjVienna, pixelstorm.at Redaktion, deutsche Texte I German Copywriter: Karin Finan, MOnchenjMunich, karinfinan.de Technische Beratung I Technical Adviser: Herbert Harrer, Wien/Vienna Korrektorat, deutsche Texte I German Proof Reading: Michael Walch, WienjVienna Obersetzung I Translation: Christine Sch6ffler, Peter Blakeney, WienjVienna, whysociety.org Druck I Printing: Holzhausen Druck GmbH, WienjVienna, holzhausen.at Gedruckt auf saurefreiern, chlorfrei gebleichtem Papier - TCF Printed on acid-free and chlorine-free bleached paper SPIN: 80063437 Mit zahlreichen (groBteils farbigen) Abbildungen With numerous (mainly coloured) illustrations Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet Ober abrufbar. ISBN 978-3-7091-0837-6 SpringerWienNewYork
INHALT Vorworte
I CONTENT
I Prefaces
8
Einleitung I Introduction
20
Hauptbahnhof Wien Vienna Main Station
22
Wien SOdbahnhof Vienna South Station
30
SOdbahn The Southern Railway
150
Zwischen SOd und Ost Between South and East
166
Ostbahn The Eastern Railway
190
Postzentrum Wien SOd Vienna South Postal Centre
226
Frachtenbahnhof The Freight Station
250
Historische Entwicklung Historical Development
276
Laserscans I Laser Scans
280
Chronologie I Chronology
282
Anhang I Appendix
286
VORWORT
VORWORT
Roman B6nsch
Karl-Johann Hartig
Dieses Buch zeigt die in iiber 160 Jahren ge-
Neues entsteht und wachst aus Altem. Das
Werkstatten fOr die Instandhaltung zunachst der
wachsene Infrastruktur im Bereich des Wiener
Alte weicht zuruck, verschwindet. Bevor es aus
Dampf-, dann der Diesel- und Elektrotriebfahr-
renden Bahnen rnusssn in einem Bahnhof - dem
SOdbahnhofes zwischen der Briicke iiber die
unserem Gedachtnis verschwunden ist, bevor
zeuge. Aile diese Einrichtungen existierten in
zukOnftigen Hauptbahnhof - verknOpft werden,
Laxenburger
geeignet. Aile in Osterreichs Nachbarlander fuh-
UnterfOhrung
die Bilder verblasst sind, zeigen die Bilder dieses
doppelter AusfOhrung, denn die Verbindung zwi-
um die zugige Durchbindung im Wiener Verkehrs-
GudrunstraBe wahrend ihrerletzten Betriebsjahre
Buches noch einmal, was gewesen ist. Ein leitdo-
schen Ost- und Sudbahn waren nur drei Gleise,
knoten zu ermogllchen. Seit 1989 geht der Aus-
und ihres Abtrages. DarOber hinaus sehen wir ei-
kument fOr die Nachwelt.
der enge Steudeltunnel und die steilen Gleise 110
bau der Westbahn voran. Mit dem Lainzer Tunnel
nen Ausblick auf den HauptbahnhofWien mit Pla-
Wien hat schon viele Bahnhofsbauten errichtet und wieder abgerissen oder vorn Krieg zerstort
und 120. .Bosnlen" (die Gleisgruppe 700 erinnert an die Truppentransporte im Ersten Weltkrieg),
wird die Verbindung der Westbahn mit der Sud-
gesehen. Kein einziger der in den Jahren 1840
Bahnhof als Verbindung zwischen sudbahn und
StraBe
und
der
nen und ersten Fotografien von seiner Baustelle.
bahn hergestellt. Es lag daher nahe, diesen neuen
Ais ich im Jahr 2007 mit den Recherchen zum
bis 1880 errichteten prunkvollen BahnhOfe aus
"Kuwait" (bei den Dieselanlagen), .Ungarische Gruppe" und ahnlicha Kosenamen haben diese
Dokumentationsprojekt "Hauptbahnhof Wien"
den Tagen der Monarchie existiert heute noch,
Anlagen im Laufe der Zeit von den Eisenbah-
Westbahn einerseits und Ost- und Nordbahn andererseits auf dem Gelande des Siidbahnho-
begann, hatte ich die Auseinandersetzung mit einer historischen Veranderung der Stadt und
wohl aber deren Bilder, Photographien und Planzeichnungen. Spuren im kollektiven Gedachtnis,
nern bekommen. Auch davon zeugen Bilder in diesem Buch.
fes zu errichten. Die Idee des Hauptbahnhofes nahm Gestalt an. 2003 schlieBlich einigten sich
ihrer Infrastruktur vor Augen. Bald erkannte ich, dass ich damit auch die Ordnung und Begrifflich-
So wissen wir heute noch, wie der klassizistische SOdbahnhof Wilhelm von Flattichs ausgesehen
Stadt Wien, Bund und OBB auf das Projekt, seine Umsetzung und Finanzierung.
keit der Eisenbahn kennenlernen wOrde. .Ein
hat, dessen Reste unter den Bahnsteigen des
In den 50 Jahren seines Bestehens berichten die erhaltenen Bahnhofschroniken, in denen aile besonderen Vorkommnisse akribisch auf-
Bahnhof ist kein Gebaude, sondern der Bereich
SOdbahnhofs beim Abriss gefunden, dokumen-
gezeichnet wurden, als leugen von so manchen
auch in Wien die groBen Bahnhofe pragsnda Be-
zwischen seinen Einfahrsignalen. Das Bahnhofs-
tiert und teilweise konserviert werden konnten.
historischen
deutung fOr die Entwicklung der Stadt. Die Eisen-
gsbauds selbst heiBt Aufnahrnsgabaude." Das
Bilder aus der Pionierzeit der osterreichischen
Gipfeltreffen Kennedy-Chruschtschow in Wien,
bahn vsrandert die Stadt, die Stadt verandert die
war die erste Lektion, die ich erhielt. Sie lieB
Eisenbahn halten fOr uns das Vergangene fest.
um nur eines herauszugreifen. Nicht zuletzt war
Eisenbahn. Sie profitieren voneinander und sind
mich erahnen, was ich hinter den Fassaden des SOdbahnhofes kennenlernen sollte.
der Sudbahnhof fUrviele Wiener auch ein Ort der Erinnerung, fOr einige an die Sommerfrische am
Impulsgeber fOr sozialen und wirtschaftlichen
gene, jenen SOdbahnhof, derunter groBen MOhen in der Not der Nachkriegsjahre als Zweckbau und
Semmering, fOrviele an die ersten Urlaube an der
antreiben, wenn der neue Bahnhof selbst zu einer
Es ist mir eine Ehre, als Nicht-Eisenbahner ein
Verkehrsstation fur sowohl die Sudbahn als auch
Adria. Fur wieder andere war der Bahnhof ein Ort
Marke der Stadt gemacht wird. Bahnhofs konnsn
Buch Ober den SOdbahnhof herausgeben zu
die Ostbahn errichtet worden ist. Dazu mussten
der Hoffnung - auf wirtschaftliche Verbesserung
Visitenkarten der Bahn und der Stadt sein. Dazu
Genauso zeigt dieses Buch das bereits Vergan-
Ereignissen,
zum
Beispiel
vorn
Wie in allen Grofsstadten hatten und haben
Erfolg. Bahnhofe kennan Stadtentwicklung vor-
dOrfen. Vielleicht ist es ja gerade der Blick des
die Gleisanlagen beider Bahnen verlangert und in
bei so genannten "Gastarbeitern", auf der Durch-
bedarf es eines Top-Produktes Bahnhof und einer
AuBenstehenden, der ungew6hnliche Einblicke in
einem Gebaude zusammengefOhrt werden. Die
reise ins "Gelobte Land", als Eingangstor zum
Aufwertung seines Umfeldes.
die Lebens- und Arbeitswelt des SOdbahnhofes
zwei separaten Kopfbahnhofe waren durch 4,5
errnoglicht und ihn fOr eine unbefangene Ausein-
m Hohenunterschiad zusatzlich getrennt. Die
ersehnten "Westen". Aber bei all diesen nostalgischen Betrachtungen der vielleicht glorifizierten
zugleich auch Chancen fOr die Stadtentwicklung.
daran anschlieBende groBe Halle wurde dann bis
Vergangenheit sollte nicht vergessen werden,
Die Stadt wachst und braucht Raum tur dieses
zum Wiedner Gurtel vorgebaut. Viele Details und
dass der Sudbahnhof nach 50 Jahren dringend
Wachstum . Verdichtung innerhalb der Stadt
andersetzung zuganglich macht.
Die Modernisierung der Bahnanlagen bietet
In seinen imposanten RaumgefOgen und varian-
Materialien erinnern an das Design seiner Bauzeit
renovierungsbedurftig war. Bei allen Kundenbe-
durch Bebauung bisher nicht hochwertig genutz-
tenreichen Materialkompositionen zeigt sich der SOdbahnhof 2009 ein letztes Mal als hervorra-
in den 50er Jahren: die Wandverldeidungen aus
wertungen lag er immer auf einem der letzten
ter Hachen statt Erweiterung an der Peripherie ist
Winzendorfer Marmor, der Fliesenboden aus fOnf
Platze. Es war die leit fUr Neues gekommen.
gende Architektur der 1950er Jahre. Ich hoffe auch, fOr all jene, die mitunter jahr-
verschiedenen Steinsorten, die polierten Metall-
zehntelang mit dem SOdbahnhof gelebt oder fOr
die wesentlich bessere stadtplanerische Losung.
Mit der politischen Situation in Europa hat-
Gerade Fliichen der Eisenbahn bieten sich daftlr
rahmen der Glastiiren und vieles mehr. Die Bilder
ten sich auch die Verkehrsstrome dramatisch
an. Das Projekt Hauptbahnhof Wien kann durch
dieses Buches dokumentieren einige Beispiele.
verandsrt. Wien lag nach dem Fall des Eisernen
Konzentration der Bahnanlagen 59 Hektar hoch-
ihn gearbeitet haben, ein Werk geschaffen zu haben, das wertvolle Erinnerungen aufleben tasst,
lwei Kopfbahnhofe brauchen auch mehr als
Vorhangs quasi uber Nacht am Schnittpunkt
wertige innerstadtlsche Fliichen fUr d ie Stadtent-
doppelt so viel Platz wie der zukunftige moderne
dreier transsuropaischer Achsen. Wien ist zu
wicklung freimachen. So bedingen einander auch
Mein Dank gilt allen, die dieses Buch unter-
Hauptbahnhof, sie erfordern ein Vorfeld fOr die
einem europalschsn Verkehrsknoten geworden.
hier Stadtentwicklung und die Errichtung des
stutzt und zu seinem Inhalt beigetragen haben (siehe Seite 287).
Bereitstellung der luge, Abstellgruppen, Rustgleise, Magazine, Personaluntarktlnfte und
Die vier verbliebenen Wiener Koptbahnhofe waren fOr diese Neuorientierung nicht mehr
neuen Hauptbahnhofes. Das Projekt Hauptbahnhof Wien ist mehr als ein Bahnhof!
8
WIEN SOOBAHNHOF
16.07.2009 Ankunft iiber die Fahrsteige in der
Arrival on the moving walkways in the
Kassenhalle des Wiener Sudbahnhofes,
ticket hall of Vienna South Station.
9
FOREWORD Roman B6nsch
FOREWORD Karl-Johann Hartig
This book documents the infrastructure that has accumulated over the course of more than 160 years in the area surrounding Vienna's South Station, between the bridge over Laxenburger StraBe and the GudrunstraBe underpass, during its last years of operation and its demolition. Moreover, it provides an outlook on the future Vienna Main Station with plans and first photographs of the building site.
From the old emerges and grows the new. The old recoils, disappears. But before it vanishes from our memories, before the images fade away, the pictures in this book show again all that once was. A time document for posterity. Vienna has erected many train stations only to tear them down again or see them destroyed by war. Today, none of the pompous stations built between 1840 and 1880 in the time of the monarchy still exist - but we have their depictions, photographs, and architectural drawings. Traces in the collective memory. In this way, we still know how Wilhelm von Flattich's classicistic South Station looked like, the remnants of which were found under the South Station's platforms during their demolition and could be documented and partially conserved. The past is preserved for us in images from the pioneering days of the Austrian railways. In the same way, this book shows the already past of a South Station that was painstakingly bui1t in the hardship of the post-war years as a functional building and single traffic hub for both the southern and eastern railway. Each railway needed to be extended in order to be brought together in the building complex. Furthermore, the two railways were separated by a height difference of 4.5 metres. A main hall connecting the two railheads was then built facing Wiedner Gurtel (ring road). Many of the details and materials evoke memories of the era in which it was built, the 1950s: the marble wall cladding from the quarries of Winzendorf, the floor tiling from five different types of stone, the polished metal frames of the glass doors, and much more. The images in this book document several examples. Two railheads also need more than twice as much place as the future, modern Vienna Main Station; they require a manoeuvring area for the provision of trains, storage sidings, service and preparation areas, warehouses, personnel
When I began research for the documentation project "Vienna Main Station" in 2007, I anticipated an investigation of the historical changes in the city and its infrastructure. I soon came to realise that I would also learn about the organisation and the terminology of the railway in the process. "A train station is not a building rather the area between its entry signals. The train station building itself is called the reception building." That was the first lesson I learned. It gave me a sense of what I should come to know behind the facades of the South Station. It is an honour for me - as a non-railwayman to have the opportunity to publish a book about Vienna South Station. Perhaps it is exactly the view of the outsider that facilitates rare insights into life and work at the South Station and fresh explorations of its important history. With its impressive spatial structure and variety of material compositions, Vienna South Station displayed its exemplary architecture of the 1950s for one last time in 2009. I also hope I have created a work that will reawaken valuable memories in all those who for decades lived with or worked for the South Station. My thanks go to all who have supported this book and contributed to its contents (see page 287).
10 WIEN SOOBAHNHOF
accommodations, and maintenance workshops for first the steam and then the diesel and electrically-operated vehicles. All of these facilities existed in duplicate because the connection between the eastern and southern railway consisted of only three tracks, the narrow Steudel Tunnel and the steep tracks 110 and 120. Nicknames such as "Bosnia" (track group 700 recalls the troop transports in the First World War), "Kuwait" (for the diesel yards), "Hungarian Group", and the like were given to these railyards over time by the railway workers. Some of them are also portrayed in this book. The surviving chronicles of the train station, in which all special happenings were meticulously recorded, tell of a wide variety of historical events in its 50 years of existence - the KennedyKhrushchev summit in Vienna, to name but one example. And not least, the South Station was a place of memories for many Viennese: for some, the summer holidays in Semmering; for others, the first vacation on the Adriatic Sea. And for others yet again, the station was a place of hope - of economic improvement for the so-called "guest workers", of safe passage to the "promised land", as a gateway to the eagerly anticipated "West". But in all of these nostalgic observations of the perhaps glorified past, one should not forget that after 50 years, the South Station was urgently in need of renovation. In each and every customer rating, it always took last place. The time for something new had come. Along with the political situation in Europe, also the traffic flows have changed dramatically. After the fall of the Iron Curtain, Vienna became an intersection of three trans-European axes almost over night. The city has become a traffic hub. The four remaining Viennese railheads were no longer appropriate for this new situation. All of the main railways leading to countries neighbouring Austria needed to be
linked in one station - the future Vienna Main Station - in order to facilitate expeditious passage through the Vienna traffic junction. Since 1989,there has been continuous progress made on the western railway. With the completion of the Lainzer Tunnel, a connection will be made between the western railway and the southern railway. Hence, the terrain of the South Station was the logical choice to connect the railway lines in every direction. The idea of the Vienna Main Station began to take shape. In 2003, the City of Vienna, the federal government, and the Austrian Federal Railways eventually came to an agreement on the project, its implementation, and the financing. In Vienna, as in all big cities, the main railway stations were and are of significant importance forthe development of the city. Therailway changes the city; the city changes the railway. They profit from one another and stimulate social and economic progress. Train stations can enhance urban development when the new station itself becomes a symbol of the city. Stations can be emblems for rail travel and for the city. This calls for a top-quality train station and the valorisation of its surroundings. The modernisation of the railyards also creates chances for urban development. The city grows and needs space for this growth. Densification of the city by building on areas previously not exploited to their fullest as opposed to expansion on the periphery is a considerably better urban development solution. Centrally located railyard properties are especially suited for this purpose. By concentrating the railway infrastructure, the Vienna Main Station project can free up 59 hectares of high-grade innercity land for future urban development. Here, too, urban development and the construction of the new main station depend on each other. Vienna Main Station is more than a train station!
05.10.2010 Der SGdbahnhof vom Wiedner GGrtel aus gesehen.
The South Station seen from Wiedner GGrtel.
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DOKUMENTATION/TRANSFORMATION Elke Krasny Zeugnisse einer transformierten Stadt Der SOdbahnhof In Wlen und seln Dokumentator
"Dle Geschlchte ist Gegenstand einer Konstruktlon, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit, sondern die von Jetztzelterfiillte bildet.R 1 Walter Benjamin
Stadt lIt Transformation Immer ist Stadt durch Transformation gekennzeichnet. Unterschiedliche Transformationsgeschwindigkeiten geben den Takt des Stiidtischen an. Durch ihre Transformationsgeschwindigkeiten unterscheiden sich Stiidte voneinander, unterscheidet sich die Stadt immer wieder von sich selbst. Geschwindigkeiten der Veriinderung priigen Raum, Blld, Nutzungen und Wahrnehmungen im Alltag. Mit jeder Transformation erfindet sich die Stadt in der Stadt neu, muss die Stadt in der Stadt von ihren BewohneUnnen und Besucher_ innen neu gefunden werden.
Infrastrukturlst die Grundlage fjjr denAusbau von Beziehungen und die dauerhafte Erhohung des Grades der Urbanitat InfrastrukturerzeugtInfrastruktur. InfrastrukturerzeugtStadt. Stadt 1stArchltektur Eine Stadt ist an ihrer Architektur erkennbar. Wer in der Stadt baut, baut sie weiter, veriindert Raum wie Blld der Stadt. Mit jedem Bauwerk schreibt sich ein StUck Architektur in Gegenwart und Geschichte der Stadt ein. Stadt ist physische Materialitiit. Die Oberfliichen, die Qualitiiten der Materialitiit des Gebauten, bestimmen die Erfahrung des Stadtischen. JedeZeit hat ihre Materialien, ihre Techniken, ihre Konstruktionen.
Die Zeit der Stadt ist materiell erfahrbar in ihrer Architekturgespeichert. Stadt 18tse8chlchtete Zeit
Stadt1st Umbau auf Dauer. Stadtbaut weiter. Stadt wlrdentwfckelt. Stadterweitert sich. Stadtlltlnfrastruktur Einer der zentralen Faktoren der Transformation des Stiidtischen 1st die Infrastruktur. Wird in Infrastruktur Investiert, erhohen sich die Dynamiken, die inneren wie die iiuBeren. Die KonnektiviUit innerhalb der Stadt wie im Netzwerk mit anderen Stiidten beschleunigt wiederum die Transformation. Transformationsgeschwindigkeiten und Infrastruktur stehen in einem Wechselverhiiltnis.
1
Walter Benjamin, Oberden BegriffderGeschichte, in:
Bewegenwir uns durch die Stadt, so bewegen wir uns nicht in einer Zeit, sondern durch Zeiten, die elnander als Schlchten lIberlagern, durchdrlngen, widersprechen, von der Transformation der Stadt Zeugnis ablegen. Diese Ko-Priisenz des Vergangenen und Gegenwiirtigen stellt sich als erstaunllcher Erfahrungsreichtum und als Herausforderung an die StiidteUnnen in ihrer Gegenwart. Erinnerungsanker und gegenwiirtige Zugehorigkeiten werden mit distinkten Bauten, Pliitzen, Orten, Wegen verbunden. Das individuelle Gediichtnis der SUidter_innen erzeugt je eigene Topographien in der geschichteten Zeit der Stadt.
In diesen sich immerwiedererneuernden Speicher der Stadtzeit schreiben sich die Bewohnecinnen der Stadtmit ihren Handlungen ein.
Stadt 1st Handluns Stiidte veriindem die Handlungen der StiidteUnnen. Stadt ist dynamischer Raum der Relationen, der politische, okonomische, soziale und kulturelle Handlungen freisetzt. Stiidte werden durch Politik, Verwaltung und Okonomie produziert. Diese werden wirkungsmiichtig in den kollektiven Transformationsdynamiken ebenso wie in den privaten Strategien des Umgangs mit diesen.
Stadte werden durchdie Handlungen aller Stadterinnen undStadterproduziert. Stiidteprovozieren diese. Stadte veriindern sich durchdiese. Stadt lIt BUd Stiidte leben von ihren Blldern, den offiziellen und den privaten. Fiir jede Stadt wird ein offizielles Blld entworfen. Mit diesem wird Transfonmationsresistenz und Homogenisierung geiibt. Mit diesem wird der Aufstand gegen das kulturelle Erbe geprobt, urn die Stadt als zeltgendsslsche in Szene zu setzen. Das Stadtbild ist konservativer und elntoniger als die Realstadt in ihren Transformationsdynamlken, Ihren konfliktrelchen Realltiiten, ihrem Durcheinander und Nebeneinander von Gebautem und geschichteter Zeit. Die privaten Bllder der Stadt gehen ihre eigenen Wege.
Stadt braucht Dokumentatlon
Dieses Festhalten fiihrte zu jenen fotografischen Dokumenten, die an der Transformation der Stadt Teilhabe erzeugen. Die fotograflsche Dokumentation ist ein erster Schritt im Begreifen der Stadt als Transformation und Grundlage fiir die zukiinftige Erforschung der geschichteten Zeit in der Stadt durch die visuellen Dokumente.
"Die Photographie sagt (zwangsliiufig) nichts iiber das, wasnicht mehr tst; sondemnur undmit Sicherheit etwasjjber dss, was gewesen ist."2
Als Dokumentator des SOdbahnhofs ist Roman Bonsch Zeuge einer transformierten Gegenwart, deren Bi/derer festgehalten hat.
So viele Stadterinnen undStiidter, so viele Bi/der. In denBi/dem sinddieZeiten derStadtgespeichert.
Roland Barthes
Iliuminationen. Ausgewahlte Schriften,
, Roland Barthes, Die helle Kammer. Bemerkungen zur
Frankfurt am Main 1977, S. 258.
Photographie, Frankfurt am Main 1985, S. 95.
12
WIEN SOOBAHNHOF
Der Siidbahnhof in Wien ist ein exemplarischerOrt, an dem sich aile Merkmale des Stiidtischen verdichten: Transformation, Infrastruktur, Architektur, geschichtete Zeit, Handlungund Blld. Urn die Relationen zu erfassen, bedarf es der Dokumentation. Der Wiener Siidbahnhof als zentraler Umschlagplatz von Menschen, Waren und Erinnerungen und zugleich paradoxerweise als blinder Fleck im kollektiven Stadtgediichtnis, da er riiumlich weit lIber den den Fahrgiisten bekannten SlIdbahnhof hinausgeht, hat selnen Dokumentator in dem fotografierenden Architekten Roman Bonsch gefunden. In seinen Fotografien wird der Siidbahnhof zur Wiederentdeckung zwischen prominenter Urbanitiit in stadttopografischer Randlage und verborgener Landschaftlichkeit gebildet aus den Formen der Notwendigkeit der Infrastruktur. Die selbst gewiihlte Position des Stadtdokumentators fiihrte in der Arbeit von Roman Bonsch zur Entwicklung seiner priizisen und einfllhlsamen fotografischen Sprache, die den SUdbahnhof in Transfonmation, in den vielen sukzessiven Momenten der Veriinderung ebenso enzyklopiidisch reglstrierend wie subjektivem Raumspursinn folgend festgehalten hat.
08.10.2010 Die Leere nach der Baufeldfreimachung im Quartier
The void after construction site clearance in
Belvedere. Blick in die ArgentinierstraBe aus der
Quartier Belvedere. View to ArgentinierstraBe from
Perspektive des abgetragenen Posttunnels.
the perspective of the demolishe d Post Tunnel.
13
DOCUMENTATION/TRANSFORMATION Elke Krasny Testimonials of a Transformed City The Vienna South Station and its Documentarian
"Historyis the subject ofa structure whose site is not homogenous, emptytime, but time filled by the presence ofthe nowpetztzeit]."1 Walter Benjamin
The City aa Tranaformatlon The city is always characterised by transformation. Different paces of transformation determine the urban rhythm. With their various paces of transformation, cities differ from one another, and time and again, the city differs from itself. Paces of change shape space, image, functions, and perceptions in everyday life. With every transformation, the city in the city reinvents itself, and its inhabitants must find it anew.
The city is permanentreconstruction. The city continues to build. The city is developed. The city expands. The City aa Infrastructure One of the pivotal factors of urban transformation is infrastructure. When there is investment in infrastructure, dynamics increase, both the inner and the outer. Connectivity both within the city and within the network with other cities, in turn, accelerates transformation. The pace of transformation and infrastructure are related reciprocally.
1
Walter Benjamin, 'Theses on the Philosophy of
History', Illuminations, ed. Hannah Arendt, trans. Harry Zohn (New York: Schocken, 1968), p. 261.
Infrastructure is the basisfor buildingrelationships and the steadyincrease in the degree ofurbanity. Infrastructure generates infrastructure. Infrastructure generates the city. The CIty 88 ArchItecture A city can be recognised through its architecture. Whoever builds in the city, continues to build it, changing the fabric and image of the city. With every building, a piece of architecture is inscribed in the present and the history of the city. The city is physical materiality. The surfaces, the material qualities of the built, define the experience of the urban. Every time has its materials, its techniques, its constructions.
A tangible experience of the time of the city is storedin its architecture. The CIty aa Layered Time When we move through the city, we do not move within one time rather through times layered upon one another, permeating and contradicting each other, times that bear witness to the transformation of the city. This co-presence of the past and present provides a striking wealth of experience but also poses a challenge to contemporary urbanites. Memories and current affiliations are tied to distinct buildings, squares, places, and paths. The individual memory of each urbanite creates its own topography In the layered time of the city.
Through their actions, the inhabitants of the city inscribethemselves in this ever-renewing reservoir ofcity time.
The CIty 8a ActIon Cities change the actions of the urbanites. The city is a dynamic space of relationships that unleashes political, economic, social, and cultural actions. Cities are produced by politics, administration, and economy. These become manifest in both the collective dynamics of transformation and the private strategies of dealing with them.
Cities are producedby the col/ective actions ofaI/ urbanites. Citiesprovoke them. Citieschange because of them. The CIty 88 Image Cities live from their images, be it official or private. An official image is designed for every city. It exerts a force of homogenisation and resists transformation. It is employed to counter cultural heritage in order to stage the city as contemporary. The image of the city is more conservative and monotonous than the real city in its transformation dynamics, its conflicting realities, its ravel and juxtapositions of buildings and layered time. The private Images of the city follow their own paths. So many urbanites, so many images. The images store the times of the city.
WIEN SOOBAHNHOF
goods, and memories and, paradoxically at the same time, a blind spot in the collective memory of the city as it comprises far more space than what is known to passengers as the South Station - has found its documentarian in the photographer-architect Roman Bansch. In his photographs, the South Station is rediscovered amidst the prominent urbanity on the topographical periphery of the city and a hidden landscape shaped by the necessities of infrastructure. The self-chosen position as an urban documentarian Informed Roman Bensch's precise and empathic photographic language,which captured the South Station in its transformation and many successive moments of change in encyclopaedic detail and with a subjective spatial sensitivity. This approach resulted in the type of photographic documents that engenders participation In the city's transformation. Photographic documentation is a first step in understanding the city as transformation and forms the visual basis for future explorations of the layered times of the city.
The CIty Needs DocumentatIon .[...] a picture is not so much a solidrepresentation
of 'what is' as 'what was' and therefore 'what has ceased to be'."2 Roland Barthes
, Roland Barthes , Camera Lucida: Reflections on Photography (New York: Hill and Wang, 1980)
14
The South Station in Vienna is an exemplary site where all characteristics of the urban are concentrated: transformation, infrastructure, architecture, layered time, action, and image. Documentation is needed to grasp the relationships. Vienna South Station - a central hub of people,
As documentarian of the South Station, Roman Bansch is a witnessof a transformedpresent whose images he hascaptured.
20.10.2010 Das Tragwerk des Hauptbahnhofes Wien entsteht vor dem Hintergrund der
Construction of the supporting structure of Vienna Main Station against
Stadt. Dazwischen temperer das Informationszentrum .Bahncrama", das
the backdrop of the city, In-between is the temporary information centre
mit seinem Aussichtsturm und Ausstellungsraurnen dem Ausblick auf den
"Bahnorarna". Its observat ion tower and exhibition spaces provide a
Hauptbahnhof Wien und der Dokumentation seines Entstehens gewidmet ist.
panoramic view over the Main Station and document its development.
15
AUGENBLICKE Martina Tritthart Wahrnehmungsfragmente aus der Erinnerung ei-
Die Chronologie der Ereignisse, das Verschwin-
Der Raumbegriff steht in Relation zur Gesell-
ner Pendlerin zwischen Wien und Graz.
den von Bauten, das den Blick auf Unbekanntes,
schaft, ihrer Entwicklung, ihrer Raumvorstellung
Ankunft am Bahnhof Wien SOdbahnhof um
bisher Verborgenes freigibt, verweist auf die Ent-
und Raumwahrnehmung. Architekturfotografien
7 Uhr 55 mit dem Bus 13A. Ein Wettlauf gegen die
stehung von Raum. Mit dem radikalen Umbruch
stellen die Aspekte des Raumes als Ausdeh-
Zeit beginnt. Eintauchen in den Obergangsbereich zwischen AuBenraum und Halle. Eine bedri.icken-
des Raumes geht die tiefgreifende Verandarung des sozialen Umfeldes des Bahnhofs und des um-
nungsraum (spatium) und Ort (topos) dar, die in den abgebildeten Raurnlichkeiten eingebun-
de, dOstere Stimmung. Kurz vor der Kassenhalle dringt der Duft von Kaffee und frischen Brotchan
gebenden Stadtteils einher. Die Bilder regen die Vorstellungskraft des
den sind. Der Begriff spatium geht auf Rene Descartes' Naturphilosophie zurOck, der den
in die Nase. Dann die uberwaltigende Weite des
Betrachters an, berUhren auch auf emotionaler
von Objekten eingeschlossenen Raum als mess-
Innenraums: Anflug einer feierlichen Stimmung.
Ebene. Sie rufen Erfahrungen, Stimmungen und
bares Volumen definiert. Nach Gernot Behme
Der FIOgelschlag einer Taube, Menschenstimmen,
Erinnerungen wach. Sie vermitteln Atrnospharsn,
ist eben dieser metrische Raum (spatium) ein
Ansagen aus den Lautsprechern Oberlagert vom Echo der Halle, Taubengurren, diffuses Rauschen,
die den Raumen innewohnten. Nach Bohrne ist "Atmosphare" der .Prototyp eines Zwischen-
Raum der Anschauung, der sich Ober Abstande definiert, wahrend der Ortsbegriff (topos) ge-
dazwischen ein fremdes Gerausch, ein verzerrtes, verhallendes Ticken, sich wiederholend gleich
Phanornens".' Ein Raum kann etwa freundlich, feierlich oder vielleicht dUster sein und auf die
pragt ist durch den .Raurn leiblicher Anwesenheit" und sich auf den Menschen und dessen Bewegungsraum bezieht. 2
einem Signal, dann wieder abruptes Versiegen.
GemOtsstimmung des Menschen entsprechend
Innere Unruhe. Blick zur Anzeigentafel. 1m Laufschritt mit einer schweren Tasche Uber die Fahr-
wirken. Der Stimmungscharakter ist hier das
Der KOnstler versteht den Raum nicht als
wesentliche Merkmal des erlebten Raumes. Die
leeres Volumen. Wahrend die Raumvolumina in
steige hinauf zu den Gleisen der SOdbahn. Angst,
Architekturfotografien Roman Bonschs beinhal-
den Fotografien von Roman Bensch Oberblicke
den Zug zu versaurnen. Das Gewicht der Tasche
ten verschiedene Aspekte des Atrnospharischen.
Ober die Gegebenheiten schaffen, Orientierung geben und zum gedanklichen Durchschreiten anleiten, fOhren die Close-up-Bilder nahe an die
nimmt mit der Nahe zum Zug zu. Blick zum Kunst-
Zum einen vermitteln sie die Asthetik der Archi-
werk .Einen Augenblick Zeit" von Kurt Hofstetter.
tektur der 1950er Jahre, die sich in den Materiali-
Zwinkern. Uhrzeit. Ticken. Taubenspikes auf dem
en, den Farben, in Details der Baukorper und der
Materialitat heran und hoi en die Oberftachen in
Kunstwerk, auf den Dacharn der Kioske, auf der
Raumstruktur ausdrUckt. Die Bilder srzahlen von
"greifbare" Nahe. Die Fotografien stellen eine
BrOstung der BrUcke, Taubennetze an den Fas-
der Bedeutung des Kopfbahnhofs als Funktions-
Beziehung zur Erlebniswelt her, indem sie den
saden. Staub. Ekel. Wieder Eintauchen in einen Zwischenraum, es wird heller und kalter, Der Zug
raum fOr Reisende und Wartende, als Anfang und
Standpunkt des Betrachters in Relation zum
Ende einer Reise von und nach der Stadt Wien.
Raum und in der Foige zum Bild setzen. Der
wartet. 7 Uhr 58 Einstieg und Abfahrt.
Szenen an den Bahnsteigen vermitteln GefOhle
Der Fotograf Roman Bensch verfolgt einen sachlich-dokumentarischen Ansatz und bricht
der Freude, Sehnsucht und Unruhe. Reste der
KOnstler thematisiert das Verhaltnls zwischen Mensch und Raum auf zweierlei Weise. Einer-
vergangenen Aufbruchsstimmung der
1950er
seits stellt er in seiner Fotografie den Menschen
mit der konventionellen Sehweise, indem er das
Jahre werden in den Fotografien fOhlbar.
Blickfeld erweitert, ohne aber den Raumein-
Zum anderen berUhren die Bilder der Abbruch-
der leere Raum, der die Handlung impliziert. Andererseits spielen die Bilder mit der Vorstellung
in seinem Handlungsraum dar; - dazu zahlt auch
druck beim Betrachter unnatOrlich erscheinen
arbeiten auf eigentOmlich wehmOtige und sen-
zu lassen. Insbesondere in den Aufnahmen der
sationelle Weise. Aufnahmen von leerstehenden
ihrer Betrachter als virtuellem Raum. Das Bild
Kassenhalle des Wiener SOdbahnhofs und der
Gsbauden, deren besonderes Merkmal das Feh-
selbst ist zweidimensional, erzeugt aber mit den
Gleisanlagen im Gelande kommt dies zur Geltung.
len von (menschlichem) Leben ist, beunruhigen
Mitteln der zentralperspektivischen Raumdar-
Jedes Bild dokumentiert mit dem Wissen Ober das
mit einer bedrohlich anmutenden Stimmung. Ab-
stellung im Betrachter einen dreidimensionalen IIlusionsraum. Dabei dynamisiert die von Roman
Davor und das Danach einen zeitlichen Ablauf,
bruchgerate dagegen faszinieren den Betrachter
der Uber mehrere Jahre fotografisch festgehalten
durch ihre Maschinenasthetik. Die Fotografien
Bonsch oft stark ausmittig gewahlts Blickachse
wurde, und ist zugleich Momentaufnahme, ein
der offentlich nicht zugangllchsn Raumlichkeiten
die Perspektive. Der Betrachter diesseits der
Augenblick in der Geschichte des SUdbahnhofes und dessen Abrisses.
rund um das Aufnahrnegebaude erzahlen von Arbeit, von Menschen und Raumfunktionen.
Bildebene wird regelrecht vom Fluchtpunkt des Bildes angezogen.
16 WIEN SOOBAHNHOF
1
Gernot Biihme, Atmosphere als Begriff der Asthetik
in Daidalos Nr. 68/1998, S. 112 2
Gernot Biihme, Architektur und Atmosphere,
MGnchen 2006, S. 15
24.09.2009 Blick in die Kassenhalle auf der Abfahrtsebene
View to the ticket hall from t he departure level
der Ostbahn.
of the eastern railway.
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MOMENTS Martina Tritthart Perceptual fragments from the memory of a commuter between Vienna and Graz. Arrival at Vienna South Station at 7:55 a.m. with bus 13A. A race against time begins. Dive through the threshold between outdoors and the hall. A bleak and gloomy atmosphere. Just before the ticket hall, the aroma of coffee and fresh bread waft past the nose. Then the overwhelming vastness of the interior: A solemn moment. The flutter of a pigeon wing, human voices, announcements from the loudspeaker overlaid with its echo in the hall, cooing of pigeons, a diffuse hum - suddenly a strange noise, a ghastly, faded ticking, a signal that time and again abruptly abates. Inner unrest. A glance at the departure board. Rush up the endless walkways with a heavy bag to the tracks of the southern railway. Dreading to miss the train. The weight of the bag multiplies with the proximity to the train. A frantic glimpse at Kurt Hofstetter's video installation "One Moment of Time". Blinking. Time. Ticking. Pigeon spikes on the artwork, on the roofs of the kiosks, on the bridge balustrade, pigeon nets on the facades. Dust. Disgust . Diving again through a threshold; it is brighter and colder. The train is waiting. 7:58 boarding and departure. The photographer Roman Bonsch follows an objective-documentary approach and breaks with conventional ways of seeing, broadening the field of vision without letting the spatial experience of the observer seem unnatural. This is especially apparent in the photos of the ticket hall and railyards of Vienna South Station . With knowledge about the before and the after, each image documents a temporal process and, simultaneously, is a snapshot in time, a moment in the history of the South Station and its demolition. The chronology of events, the disappearance of buildings revealing views to the unknown, the previously hidden, draws attention to the evolution of space. With these radical changes of
18 WIEN SOOBAHNHOF
space come profound transformations in the social environment of the station and its surrounding city districts. The images stir the imagination of the observer; they affect on an emotional level. They evoke experiences, sentiments, and memories. They convey atmospheres that inhabited the spaces. According to Gernot Bohms, "atmosphere" is the "prototype of an intermediate phenomenon". A space, for example, can be friendly, festive, or perhaps sombre and have a corresponding effect on people's moods. The atmospheric character is here the essential feature of the spatial experience. The architectural photographs by Roman Bonsch contain different aspects of the atmospheric. On one hand, they convey the aesthetic of the 1950s expressed in the materials, colours, and details of the building and the spatial structure. The images tell of the importance of the railhead as a functional space for travellers and waiting passengers, as the beginning and the end of a journey from and to the city. Scenes on the platforms communicate feelings of joy, longing, and anxiety. Remnants of the past spirit of optimism of the '50s become tangible in the photography. On the other hand, images of the demolition work move us in an oddly melancholic and sensational way. Pictures of abandoned buildings, marked by the absence of (human) life, disturb us with their seemingly ominous feel. In contrast, the machine aesthetic of the demolition equipment fascinates the observer. The photographs of publicly inaccessible facilities around the reception building tell stories of the work, the people, and the room functions. The concept of space stands in relation to society, its developments, its sense and perception of space. Architectural photography represents aspects of space as extensions of the body (spatium) and place (topos), which are inherent to the depicted spaces. The term spatium goes back to
the natural philosophy of Rene Descartes, which defines space enclosed by objects as measurable volumes . For Gernot Bohrne, this metric space (spatium) is a space of intuition that defines itself through distances, while the concept of place (topos) is characterised by the "space of bodily presence" and refers to humans and their scope for actions and movements. The artist does not conceive space as an empty volume. While the spatial volumes in the photography of Roman Bonsch provide an understanding of the space and orientation, inviting one on a conceptual procession, the closeup images draw one near to the materiality and bring the surfaces "within reach". The photographs draw a connection with the experiential by placing the observer in relation to the space and consequently to the image. The artist thematises the relationship between humans and space in two ways. On one hand, he represents the people in their space of action - this is also true for the empty spaces where the action is implicit. On the other hand, the images play with the imaginations of their observers as a virtual space. The image itself is two-dimensional, but it produces a three-dimensional illusory space for the observer through the central perspective representation of space. At the same time, the often extremely offset sight lines chosen by Roman Bonsch dynamicise the perspective. The observer on this side of the image is literally pulled into its vanishing point.
1 Gernot Biihme, Atmosphere als Begriff der Asthetik
in Daidalos Nr. 68/1998, p. 112 2 Gernot Biihme, Architektur und Atmosphere , Munchen 2006, p. 15
03.03.2010 Die Hauptfassade des Aufnahrnegebaudes
The main facade of the reception building
wahrend der Abbrucharbeiten.
during the demolition.
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EINLEITUNG
INTRODUCTION
Sebastian Illichmann
Sebastian Illichmann
So wie der SOdbahnhof und vor allem die dazugehorlgen Gleiskorper der SOd- und Ostbahn an den Randern vom 3., 4. und 10. Bezirk eine stadtriiumliche Grenze bildeten, so ist auch die
verschiedenen Eisenbahngesellschaften betrieben wurden.Erst bei genauerer Beschiiftigung wird einem bewusst, urn ein wie groBes Areal es sich handelt. Das gesamte Gebiet der Eisenbahn-
Similar to the way that the South Station and,
railway companies operated the two lines for a
in particular, the southern and eastern railways form an urban barrier on the edges of the 3rd, 4th, and 10th districts of Vienna, the world of
long time. Only upon closer inspection does one become aware of the extent of the terrain we are dealing with. The overall area of the railway
Welt der Eisenbahn fUr Nichteingeweihte ein Mysterium. Ihr Umfang zeichnet sich erst ab,
infrastruktur zwischen GudrunstraBe und dem Bahnhof Wien Meidling war etwa so graB wie
the railway remains a guarded mystery unknown to the uninitiated. Its magnitude only becomes
infrastructure, from GudrunstraBe to the station Vienna Meidling, was approximately as large as
wenn man mit Kennern spricht. Da kann es dann vorkommen, dass man zu einem Ausflug in eine
der 8. Wiener Gemeindebezirk. In den nachsten Jahren wachst auf rund der Hiilfte dieser Hache tatsachllch ein ganzer neuer Stadtteil.
evident when one speaks with insiders. Then it can happen that one sets forth on a journey into a world full of "blue streaks" and "endangered gangs". In comparison to Vienna West Station and its railway, the eastern and southern railways always represented far more of a barrier. The West
Vienna's 8th district. And in the coming years, a new city quarter will materialise on roughly half of this surface.
Welt voller "blauer Blitze" und "gefiihrdeter Rotten" aufbricht. 1m Vergleich zum Westbahnhof war die Ostund SOdbahn immer eine Barriere. Der Westbahnhof liegt in einer stadtplanerisch zwar problematischen, aber Oberschaubaren Schneise, die als solche spOrbar und verortbar ist. Ost- und SOdbahn hingegen waren nie wirklich greifbar. Dies galt insbesondere fUr den Bereich, der von SOdbahn, Ostbahn, der Sonnwendgasse und der Mauer entlang der GudrunstraBe begrenzt war. FOr einen .Favoritner" oder "Wiedner" gerade noch fassbar war das, was hinter der TrassenfUhrung von Ost- und SOdbahn lag, ein in seiner Ausdehnung schwer definierbares Niemandsland. Die annaharnd rechtwinkelige Anordnung von SOd- und Ostbahn und die Nutzung der dazwischen Iiegenden Hachen gehen auf die erste Hiilfte des 19. Jahrhunderts zurOck. Ober die Jahrzehnte hinweg wurde in diesem Bereich eine Vielzahl von Infrastruktureinrichtungen erbaut: die Maschinenfabrik, der Frachtenbahnhof, Lager-, Produktions- und Wartungsstatten, Verwaltungsgebiiude, Restaurants und Kantinen, Heizhauser, Abstell- und ROstgleise, Remisen und Verbindungsgleise. Diese Einrichtungen waren jeweils getrennt den KopfbahnhOfen von SOdund Ostbahn zugeordnet, die ja lange Zeit von
20
WIEN SOOBAHNHOF
Spricht man mit Urgesteinen des SOd- und Ostbahnhofes, wie dem "Kaiser vom SOdbahnhof" Herbert Kaiser oder dem TriebfahrzeugfUhrer Erich Meszaros von der Traktion Ost, dann offnet sich nicht nur riiumlich eine neue Welt. Herr Meszaros, ehemaliger Sprecher der Zugleitung Wien - "Mesi Wien-Ost", wie er bei Kollegen heiBt -, hat eine lange Karriere bei der Eisenbahn hinter sich. 32 Jahre lang war die ZugfOrderung Ost seine Heimatdienststelle. Er, der als Triebfahrzeugfuhrer noch auf Dampflokomotiven geschult wurde, ist nun im Ruhestand Flottenkommandant der 2050er im Club "Blauer Blitz". Dieser widmet sich mit viel Erfahrung und Hingabe der Restaurierung und Instandhaltung alter Lokomotiven und Zuggarnituren. Bei der Beschreibung der 2050erMaschine aus dem Jahre 1959 geriit "Mesi WienOst" ob der .Purnpe/Duse" ins Schwarrnen, Stundenlang konnte man dem .Radltreiber" (wie die TriebfahrzeugfUhrer im Volksmund genannt werden) zuhorsn. Es ware reizvoll, Ober die Geschichten und Erziihlungen aus jener Welt, wo z. B. eine Verschubmannschaft mit ihrer Lokomotive als "Reserve" oder ein Bautrupp am Gleis als "gefahrdete Rotte" bezeichnet wird, ein eigenes Buch zu schreiben.
Station lies at the end of an urban corridor that is problematic from an urban planning perspective but comprehensible, and as such can be perceived and located within the city. The eastern and southern railways were never really tangible. This is especially the case for the area that was bound by the two railways, Sonnwendgasse, and the wall along GudrunstraBe. A resident of the district Favoriten or Wieden could just barely comprehend the expansive and contourless noman's-Iand that laid behind this perimeter. The near right-angled docking of the eastern and southern railways and the usage of the space inbetween dates back to the first half of the nine-
When one speaks with seasoned veterans of the East and South Station - such as the "Emperor of South Station" Herbert Kaiser or the engineer Erich Meszaros from the East Station locomotive sheds - a new world, not only in spatial terms, opens before you. Meszaros, the former speaker of the Vienna Railway Control Centre "Mesi Wien-Ost" as colleagues call him - has a long career on the railway behind him. For 32 years, the eastern locomotive sheds were his headquarters. Once trained as an engineer for steam locomotives, in retirement he is now the fleet commander of the 2050 series in the "Blau-
teenth century. Over decades, a wide range of infrastructural facilities was built in this area: the machine works, the freight station, storage, production, and maintenance buildings, administra-
er Blitz" (Blue Streak) club. With their wealth of experience, the members of the club dedicate their time to the restoration and maintenance of old locomotives and train cars. In his description of the 2050 machine from the year 1959, "Mesi Wien-Ost" goes into raptures over the "pumpnozzle injection". One could listen for hours to the "RadItreiber" (name for an engineer in Austri-
tion offices, restaurants and canteens, locomotive sheds and depots, holding sidings, service and preparation areas, and connecting tracks. Such facilities were each assigned separately to the south and east railheads because different
an vemacular), It would be intriguing to write an own book about the stories and lore of a world in which, for example, a shunting crew and their engine are called a "reserve" or a construction crew on the tracks an "endangered gang".
8. Bezirk 8th district
2 Wien Stadtzentrum Vienna city centre
3 Schloss Belvedere Belvedere Palace 4 Wien Westbahnhof Vienna West Station
Planausschnitt auf den folgenden Seiten Site plan on the foliowing pages Bahnhof Wien Meidling 2010- 2012 provisorischer Endbahnhof der Süd bahn V ienna Meidling St ation 2010- 20 12: Provisional end station of the southern railway
High Tech St ützpunkt Wien Matzleinsdorf Vienna Matzleinsdorf High-Tech Headquarters Südbahn The Southern Ra ilway Trak ti onsstandort Wien Süd Vienna South locomotive sheds
Stadterwe iterungsgebiet Quartier Belvedere bis 2009 Wien Südbahnhof und Postzentrum Wien Süd Quartier Belvedere urban deve lopment area Unlil 2009: Vienna South Station a nd Vienna Sou th Postal Cen tre
Ende 2012 Ha uptbahnhof Wien end 20 12 on: Vienrla Main Sta tion
Ostbahn
I Th,E,,,,,, Railway Stadterweiterungsgebiet Sonnwendviertel bis 2009 Wien Südbahnhof Frachtenbahnhof Sonnwendviertel urban development area Until 2009 : Vienna South Station Freight Station
HAUPTBAHNHOF WIEN Die Öffnung des Eisernen Vorhangs und die Neuorientierung Europas nach Osten gaben den Anstoß für die Neukonzeption des gesamten Areals des ehemaligen Südbahnhofes. Mit dem neuen Durchgangsbahnhof "Wien Hauptbahnhof- ent-
steht ein Knotenpunkt im transeuropäischen Schienennetz. Diese Drehscheibe wird künftig Zugverbindungen aus und nach allen Richtungen
verknüpfen. Der Hauptbahnhof ermöglicht neue Verbindungen von regionaler und überregionaler Bedeutung. So weitreichend wie die Auswirkun -
gen, die der Hauptbahnhof für den europäischen Schienenverkehr haben wird, sind auch die Konsequenzen fürdie angrenzenden Bezirke und die Stadt Wien.
VIENNA MAIN STATION The fall of the Iron Curtain and Europe's new orientation towards the East triggered the reconception of the entire terrain of the former South Station. With the new through station KVienna Main Station an M
,
important intersection will be established in the Trans- European railway network. In the future, this hub will link train connections to and from all directions cf the compass. The Main Station will enable new connections with a regional and extra-regional impact. Along with the effects on European rail traffic, there will also be farreaching consequences tor the neighbouring districts and the -city of Vienna.
0 Schnellbahn
,
WiednerGürtel
FavoritenstraBe,
0 Rapid Transit Une
,
U-Bahn Ul
3 Triester Straße 4
Hauptbahnhof Wien
5 Quartier Belvedere
6 Sonnwendviertel
,
7 Vorplatz Süd Helmut Zitk Park
9 Arsenatsteg 10 Südbahnhofbrücke 11 Bahnhof Wien Meidling 12 High-T9ch-Stützpunkt
Wiedner Gurtel
FavoritenstraBe, Ul Underground Metro ;
3 Triester Straße 4
Vienna Main Station
5 Quartier Belvedere
6 Sonnwendviertel
, 7
Station Square South Helmut ZUk Park
9 Arsenal Footbridge
13 Oberwerfung 14 Unterwerfung
10 South Station Bridge 11 Vienna MeidUng Station 12 Vienna Matzleinsdorf High-Tech Headquarters 13 Overpass 14 Underpass
15 Verladestelle Auto im Reisezug
15 Car Loading Area
16 Sta dtentwickl ungsprojekt
16
Wien Matzleinsdorf
Wien 10, Laxenburger Straße/ Landgutgasse (nicht Teil des Hauptbahnhof Wien Projek.tes)
16. Urban Development Project Vienna 10, LaxenburgerStraße/ Landgutgasse (not part ofthe Vienna Main Station project)
Plangrundlagen: Masterplan Hauptbahnhof Wien 2011 Gesamtlageplan Hauptbahnhof Wien 2011 MZK, Stadt Wien MA41-Stadtvermessung
Map Sources: Vienna Main Station Master Plan 20 11 Vienna Main Station Overa ll Site Plan 2011 Multi-Purpose Map, City ofVienna Dept. 41 City Surveying
HAUPTBAHNHOF WIEN
VIENNA MAIN STATION Sebastian Illichmann
Sebastian Illichmann Die Projektierung eines Hauptbahnhofes in Wien hat eine lange Geschichte. Schon im 19. Jahrhundert fanden laufend Standortuntersuchungen statt. Auf dem Hohepunkt des Eisenbahnzeitalters wurden in Wien zwar zahlreiche Bahnhote gebaut, diese waren aber aus vielfaltigen GrOnden als Kopfbahnhofe konzipiert. Die ersten Bahnhofe waren: der Nordbahnhof (heute Bahnhof Wien Praterstern), der SOd- (damals noch Gloggnitzer Bahnhof) und der Ostbahnhof (damals Raaber Bahnhof), der Westbahnhof, der nicht mehr existierende Nordwest-Bahnhof (zwischen Nordbahnhof und Donaukanal gelegen) und der Franz-Josefs-Bahnhof. Sowohl deren Standorte (in erster Linie unmittelbar auBerhalb des Linienwalles, des heutigen GOrtels, gelegen) wurden auf ihre Eignung fOr die Errichtung eines Hauptbahnhofes geprOft als auch der zentrale Karlsplatz und der Franz-Josefs-Kai. Selbst der Stephansplatz war im Gesprach. Verworfen wurden die Plane meist aufgrund Platzmangels und hoher Kosten. Hohe Kosten waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg dafOr ausschlaggebend, dass die Chance fOr die Errichtung eines Hauptbahnhofes nicht ergriffen wurde. In den wirtschaftlich schwierigen Aufbaujahren wurden die teilweise vom Krieg beschadigten oder zerstorten GrOnderzeitbahnhOfe abgebrochen und wiederum durch Kopfbahnhote ersetzt. Die Diskussion urn einen Hauptbahnhof wurde aber weiter gefOhrt, wobei sich mit der Zeit der Standort SOdbahnhof als geeignet herauskristallisierte. 1m Zuge des Wettbewerbs "Chancen fOr den Donauraum" wurde 1986 der Standort fOr einen Wiener .Zentralbahnhof" fixiert. Die Offnung des Eisernen Vorhangs 1989 und auch die Planungen fOr die "Expo 95" gaben weitere kraftvolle Impulse fOr das Projekt mit dem Arbeitstitel .Bahnhot Wien". Auch die Aussicht auf eine EU-Forderung war eine Triebfeder. In den 90er Jahren wurde ein Expertenverfahren fOr Strukturkonzepte
24
HAUPTBAHNHOFWIEN
und Bebauungsstudien fOr den .Bahnhof Wien" durchgefOhrt. Reduzierte Koptbahnhote wurden in diesem Projekt durch einen zweigeschossigen Durchgangsbahnhof im Bereich des Steudelgrabens erganzt, Der Frachtenbahnhof blieb noch unverandert, Eine weitere Phase war von
The plan for a main station in Vienna has a long history. Already in the nineteenth century, regular investigations were made into possible locations. At the height of the railway era, numerous
intensiven Verhandlungen zwischen OBB, Stadt Wien und Bund gapragt, die im Jahr 2003 in einen "Letter of Intent" mOndeten. Jener legte die Rahmenbedingungen fOr das Gesamtprojekt wie Zustandigkeiten, KostenschlOssel, Termi-
first train stations were: the North Station (today Vienna Praterstern Station), the South Station (Gloggnitz Station at the time) and East Station (then Raab Station), the West Station, the no longer existent Northwest Station, and Franz Josef
ne und Verwendung der lmmobilienerlose fest. So verpflichteten sich die OBB, die Erlose aus
Station. These locations (predominantly outside the Linienwall fortifications, today's GOrtel ring
den GrundstOcksverwertungen zur Ganze in die Bahninfrastruktur des Projektes Hauptbahnhof flieBen zu lassen. 1m Gegenzug erklarte sich die Stadt Wien u. a. fOr die gesamten Einrichtungen der stadtlschan Infrastruktur verantwortlich und beteiligte sich zu einem vereinbarten SchlOssel an den Kosten fOr die NahverkehrsmaBnahmen. Als Ergebnis eines 2004 durchgefOhrten Expertenverfahrens empfahl die Jury die ZusammenfOhrung der EntwOrfe von Architekt Albert Wimmer und dem Architektenteam Thea Hotz / Ernst Hoffmann zu einem gemeinsamen Masterplan. Diesen verabschiedete der Wiener Gemeinderat nach Oberarbeitungen und Abstimmungen Ende
road) were examined fortheir suitability as a main station, along with the central Karlsplatz and the Franz Josef Quay. Even Stephansplatz was considered at the time . Most of the plans were rejected due to lack of space and high costs. High costs were also the decisive factor why the construction of a main station was not pursued after the Second World War. In the econom ically difficult years of post-war reconstruction, the partially damaged or destroyed GrOnderzeit stations were demolished and, once again, railheads were built on the same sites. But the discussion about a main station still continued and, over time, the location of the South Station emerged as best suited. In the course of the competition "Chances for the Danube Area", the site for a Vienna "Central Station" was fixed. The fall of the Iron Curtain in
2004 unter dem litel "Masterplan Bahnhof Wien - Europa Mitte". 1m Jahr 2005 verhandelten die Projekttrager die Feinabstimmungen bezOglich des Stadtobaus und der Verwertung der Flachen sowie die umfangreichen MaBnahmen an den
Glelskorpern. Die Entscheidung zugunsten einer Sperrung des SOdbahnhofes und der anschlieBenden Errichtung des Hauptbahnhofes fiel 2006. Sie hatte weitreichende Konsequenzen fOr den Komplex SOd- und Ostbahnhof sowie fOr die Baustellenabwicklung zur Errichtung des Hauptbahnhofes. Davon betroffen waren auch zahlreiche Teilprojekte wie der Umbau des Bahnhofs Wien Meidling zur provisorischen Endstelle der SOdbahn
train stations were built in Vienna, but for many reasons they were designed as railheads. The
1989 and also the planning for "Expo 95" represented additional vigorous impulses for a project titled "Vienna Station". Also the prospect of EU funding was a driving force. In the 1990s, an expert panel was organised to generate structural concepts and development studies for Vienna Station. In this project, smaller scale railheads were complemented with a two-storey through station in the Steudelgraben area. The freight station remained unchanged. An additional phase was marked by intense negotiations between
the Austrian Federal Railways (OBB), the City of Vienna, and the federal government, which led to a letter of intent in 2003. This document stipulated the framework conditions for the entire project, from the division of costs and responsibilities to deadlines and the usage of real estate revenues. Iherewith, the OBB accepted the obligation to invest all revenues from the exploitation of the property into the railway infrastructure of the Vienna Main Station project. In return, the City of Vienna took responsibility for, amongst other things, the entire public works infrastructure and facilities, and shares the costs for local public transport measures in accordance with an agreed upon key. As the result of a competition held in 2004, the jury recommended the consolidation of the designs by the architect Albert Wimmer and by the architect team Theo Hotz / Ernst Hoffmann into a single masterplan. After revisions and fine-tuning, the Vienna municipal council adopted the plan at the end of 2004 under the title "Masterplan Vienna Station - Centre of Europe". In 2005, the project coordinators negotiated the fine details regarding the urban plan and land exploitation as well as the extensive measures required in the railyards. The decision to close the South Station and subsequently construct the Main Station was made in 2006. It had far-reaching consequences for the South and East Station building complex and for the implementation of the Main Station building site. This also affected numerous subprojects such as the reconstruction of Vienna Meidling Station into a provisional end point of the southern railway and the new Vienna Matzleinsdorf High-Tech Headquarters for traction and technical services. Once the fundamental issues about the location were resolved, the plans for the overall project could be submitted for official permits at the end of 2007. At this point in time, it was already necessary to begin with certain building activities, for example the
01.07.2010 Der Hauptbahnhof Wien nach den Entwurfsn der Archi-
Vienna Main Station according to the design by architects
tekten Hotc/Hoffmarm.Wimmer, Blick vom Siidtiroler
Hotz/Hoffrnann .wimmer viewed from Siidtiroler Platz. To
Platz. Rechts die von den Architekten Zechner & Zechner
the right, the aBB corpora te headquarters designed by the
geplante Konzernzentrale der aBB und der Blick in die
architects Zechner & Zechner with a view up Sonnwendgasse;
Sonnwendgasse, links das Burogebaude am Bauplatz AOt
to the left, the office buildi ng on building site A01.
25
HAUPTBAHNHOF WIEN Fortsetzung und der Neubau des High-Tech-SWtzpunktes Matzleinsdorf fOr Traktion und Technische Services. Nachdem die grundsatzllchen Standortfragen geklart waren, konnten Ende 2007 die Planungen fOr das gesamte Projekt zu den behordlichen Genehmigungen eingereicht werden. Zu diesem leitpunkt wares bereits notwendig, gewisse Bautatlgkelten, z.B. an der Schnellbahnstation SOdtiroler Platz, zu beginnen. Um auch fOr liingere lOge tauglich zu sein, wurde diese auf 210 Meter verliingert und mit neuen Aufgiingen versehen. Nach der Abwicklung der behordlichen Verfah ren im Jahr 2008 wurden 2009 die umfangreichen Provisorien installiert, die fOr den Bau der neuen Verkehrsstation bei laufendem Betrieb von Schnellbahn und Verbindungsgleisen zwischen SOd- und Ostbahn bsnotlgt wurden. Eine neue unterirdische Verteilebene entstand als Passage zwischen der Verkehrsstation Hauptbahnhof Wien, der U-Bahnstation SOdtiroler Platz, der Schnellbahnstation und der StraBenbahnhaltestelle. Ende 2009 wurde der SOdbahnhof gesperrt und im ersten Halbjahr 2010 abgerissen. Ende 2012 sollen die lOge der Ostbahn bereits im neuen Hauptbahnhof abgefertigt werden, die Eroffnung des gesamten Hauptbahnhofes Wien im Dezember 2014 erfolgen. Die Fertigstellung des kompletten Bahn-Infrastrukturprojektes ist fOr 2015 geplant. Der Hauptbahnhof wird in lukunft eine Vielzahl an Aufgaben zu erfOlien haben. FOr die Eisenbahn ist es jedoch seine primiire Aufgabe, als Verkehrsknotenpunkt die verschiedenen Arten der Mobilitiit miteinander zu verknOpfen. Einer barrierefreien Mobilitiitskette vom Bahnhofsvorplatz bis zur Bahnsteigkante wurde bei der Planung groBes Augenmerk geschenkt. Die Verkehrsstation, also das HerzsWck des gesamten Projekts, wird in lukunft tagllch von Ober 1.000 lOgen und 145.000 Menschen frequentiert werden. In
26
HAUPTBAHNHOFWIEN
VIENNA MAIN STATION continued Hochlage werden fOnf Inselbahnsteige mit zehn Bahnsteigkanten errichtet, wobei ein Mittelgleis ohne Bahnsteigkante und ein Gleis fOr den GOterverkehr am sOdlichen Rand vorgesehen sind. Erhohter Umsteigekomfort fOr die Bahnreisenden wird durch den Richtungsbetrieb der PersonenzOge angestrebt, bei dem zu beiden Seiten eines Bahnsteiges lOge mit abgestimmten Umsteigedestinationen halten. Die Fahrgaste konnen so den lug wechseln ohne den Bahnsteig wechseln zu mOssen. Um die Umsteigerelationen so kurz wie rnoglich zu halten und die Gleiskapazitiiten rnoglichst optimal auszunutzen, werden eine so genannte Oberwerfung in der Anlage SOd und eine Unterwerfung in der Anlage Ost gebaut. Das gestalterische Highlight des Bahnhofs ist seine imposante Dachkonstruktion. In einer Wellenbewegung Oberspannt die Stahl- und Glaskonstruktion die fOnf Inselbahnsteige und sorgt fOr eine helle und Obersichtliche Atmosphere. Eine weitere Besonderheit des neuen Hauptbahnhofes besteht darin, dass sich ein Teil des Bahnhofsgebaudss nicht neben, sondern unter den Gleisen befindet. Die Gleise verlaufen im 1. Stock. Dies hat bautechnisch weitreichende Auswirkungen hinsichtlich der Tragwerke, Spannweiten und SWtzensteliungen. Die Fahrgaste erreichen von den Bahnsteigen aus Ober Lifte oder Rolltreppen die Verteilerhalle, die im Erdgeschoss quer unter den Bahnsteigen liegt und zur 100 Meter langen und 25 Meter breiten Bahnhofshalle nordllch des Gleiskorpers fOhrt. Die Bahnhofshalle wird Serviceeinrichtungen fOr die Bahnreisenden und Restaurants beherbergen, wiihrend in der Ebene unter der Verteilerhalle ein Einkaufszentrum mit rund 20.000 Quadratmeter Flache und 115 Laden Iiegen wird. Ein ausgewogener Branchenmix soli die Versorgung der OBB-Kunden ebenso wie die Nahversorgung der Bewohner des neuen Einzugsgebietes gewiihrleisten. Auf einer weiteren Verteilebene unterhalb des SOdtiroler Platzes bindet eine Passage den Hauptbahnhof an das
SOdtiroler Platz rapid transit station. In order to deal with longer trains, it was extended to a length of 210 metres and equipped with new entrances. Upon completion of official administrative procedures in 2008, work began in 2009 on the extensive provisional infrastructures needed for uninterrupted service on the rapid transit line and the connection tracks between the southern and eastern railway while the new station is under construction. A new subterranean circulation level was built as a connection between Vienna Main Station, the SOdtiroler Platz underground metro station, the rapid transit station, and the tram stop. The South Station was then closed at the end of 2009 and demolished in the first half of 2010. By the end of 2012, eastbound trains will already be dispatched from the new Main Station; the opening of the entire Main Station is scheduled to follow in December 2014. The completion of the overall railway infrastructure project is planned in 2015. In the future, the Main Station will have a number of tasks to fulfil. However, its primary task for rail travel is to connect the various forms of mobility with one another as a traffic hub. Special attention was paid in the planning to a barrierfree mobility chain from the station square to the platforms. The station - the heart of the overall project - will soon be frequented by over 1000 trains and 145,000 people on a daily basis. On the upper level, five platform islands with ten edges will be constructed, along with a middle track without platform edges and a track for freight traffic on the southern side. Trains with coordinated directions and destinations will be routed to the same platform as a measure to increase passenger comfort when changing trains. In order to minimise transfer distances and optimally use the track capacities, a special overpass will be built in the southern railyards and an underpass in the eastern railyards. The architectural highlight of
Vienna Main Station will be its impressive roof construction. A wave-like structure comprised of steel and glass floats over the five platform islands, providing a distinct atmosphere marked by its brightness and clarity. An added feature of the new station is that a part of the station building is located under - not beside - the tracks on the first floor. In constructional terms, this has a significant effect on the supporting structure, the spans, and the location of the columns. From the platforms, passengers enter a transverse circulation area on the ground floor via escalators or elevators, which leads to the 100-metre-long and 25-metre-wide station building to the north of the tracks. The station hall will accommodate service points and restaurants for passengers, whereas the level beneath the circulation area will host a shopping centre with approximately 20,000 square metres and 115 shops. A wellbalanced mix of branches will cater to all of the needs of OBB clientele and provide local amenities for the inhabitants of the new residential area. Another circulation level under SOdtiroler Platz connects the Main Station with the rapid transit and underground metro railway networks. A subterranean parking garage is situated below the station with more than 630 parking places and direct elevator connections to the platforms. On the station grounds, there will also be three garages for 1100 bicycles with connections to Vienna's bicycle path network. A regional bus station will be located between the two squares beneath the bridge over Laxenburger StraBe. Local bus and tram stops will be concentrated on SOdtiroler Platz, the station square on the north side. The railway operation facilities required for the maintenance, cleaning, preparation, etc. of the trains are combined in the new Vienna Matzleinsdorf High-Tech Headquarters. Operations in the former freight station, the Vien na South Postal Centre as well as the vast storage
23.05.2011 Blick Gber den Schweizer Garten zum ehemaligen
View over the Schweizer Garten towards the former
Standort des SGdbahnhofes mit Immobilien-
locat ion of the South Station with real estate
projekten im Quartier Belvedere nord6stlich des
projects in Quartier Belvedere to the north-east of
Hauptbahnhofes. Rechts der Wiedner GGrtel.
Vienna Main Station . Wiedner GGrtel to the right.
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HAUPTBAHNHOF WIEN Fortsetzung Schnellbahn- und U-Bahnnetz an. 1m Unterge-
VIENNA MAIN STATION continued
schoss wird eine Tiefgarage mit mehr als 630 Stellpliitzen eingerichtet, aus der AufzOge direkt zu den Bahnsteigen fahren. Auf dem Bahnhofsa-
sidings and train service and preparation areas have been terminated. The Vienna Main Station electronic signal box, the traffic control centre, and the operational management centre will be
real werden drei an das Radwegenetz der Stadt angeschlossene Fahrradgaragen fOr insgesamt
located in new buildings on Laxenburger StraBe. The entire rail infrastructure project stretches
1100 Rader zur VerfOgung stehen. Der regionale Busbahnhof wird zwischen den beiden Vorplatzen unterhalb der BrOcke Ober die Laxenburger StraBe situiert. Stadtlsche Bus- und StraBenbahnhaltestellen werden am Vorplatz Nord, dem
over six kilometres, along which approximately 100 kilometres of tracks and 300 switches will be mounted. On the roughly 59 hectares that have become
SOdtiroler Platz, gebOndelt.
free on the terrain of the former South Station, a new city quarter with optimal traffic connec-
Notwendige eisenbahntechnische Einrichtungen fOr Wartung, Reinigung, Ausstattung etc. wurden im neuen High-Tech-StOtzpunkt Matzleinsdorf zusammengefOhrt. Der Frachtenbahnhof und das Postzentrum Wien SOd wurden, ebenso wie die weltlauflgsn Bereiche der Verschub- und ROstgleise, aufgelost. Das neue Elektronische Stellwerk Hauptbahnhof Wien, die Verkehrsleitzentrale und die BetriebsfOhrungszentrale Wien wurden in Neubauten an der Laxenburger StraBe eingerichtet. Das gesamte Bahn-Infrastrukturprojekt erstreckt sich Ober eine Lange von sechs Kilometern, in deren Verlauf rund hundert Kilometer Gleise und an die 300 Weichen verbaut werden.
tions and a high standard of living will emerge. A total of 5500 residential units are planned. In "Quartier Belvedere", not only homes but also office complexes, hotels, and cultural facilities with a total surface area of approximately 550,000 square metres will be built in the coming years. To the south, in the future "Sonnwendviertel", re-
Auf den rund 59 Hektar frei gewordener Hache wird ein neuer Stadtteil mit ausgezeichneter Verkehrsanbindung und hoher Lsbensqualitat entstehen. Insgesamt werden 5.500 Wohnungen errichtet. 1m "Quartier Belvedere" im Bereich des ehemaligen SOd-und Ostbahnhofes werden in den niichsten Jahren neben Wohngebiiuden auch BOrokomplexe,Hotels und Kultureinrichtungen mit rund 550.000 Quadratmetern Nutzfliiche gebaut. 1m SOden des Areals, dem zukOnftigen "Sonnwendviertel", werden urn eine zentrale groBfliichige GrOnanlage herum Wohnungen sowie ein Bildungscampus errichtet.
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HAUPTBAHNHOFWIEN
sidential units and an education campus will be constructed around an extensive central park.
12.09.2011 Der Hauptbahnhof Wien entsteht.
Vienna Main Station under construction . The
Das Rautendach des ersten Bahnsteiges
rhombus roof structure by Unger Steel Group
gebaut von der Unger Steel Group.
above the first platform.
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••
WIEN SUDBAHNHOF Mit Jahresende 2009 wurde ein groBes Kapitel öster-
reichischer Eisenbahngeschichte beendet. Der 12. Dezember war der letzte Betriebstag des alten Südbahnhofes. Um 23:59 hieß es zum letzten Mal ~Zug fährt ab-, Ein von Eisenbahnern mit ein wenig Wehmut
organisierter Sonderzug fuhr von Wien ins Eisenbahnmuseum nach Mürzzuschlag. Wenige Minuten später versammelten sich zahlreiche Schaulustige und Medi-
envertreter am Gleis 15 zur Einfahrt des letzten Zuges. Der Ostbahnhof war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr zugänglich. Noch in derselben Nacht wurde der Südbahnhof mit seinen Bauwerken aus drei Epochen für immer geschlossen.
VIENNA SOUTH STATION With the end of 2009, an important chapter in Austrian railway history came to a close. The 12th of December was the last day of service for the old South Station. At 23:59, -All aboard H was ca lied forthe final time. A special train - organised by the rail workers with a bit of wistfulness - travelled from Vienna to the railway museum in Mürzzuschlag. A few minutes later, numerous spectators and media representatives gathered around track 15 for the arrival of the final train. At this point in time, the East Station was already no longer accessible. On the same night, the South Station - with an architectural history spanning three epochs - was closed forever.
•
Die hervorgehobenen Gebäude und
The high lighted buildings and trac f1':
Gleise (150 Kilometer) werden im Rah-
(150 ki lometres) will be demolished,;.or
men des Projektes Hauptbahnhof Wien
removed between 2007 and 2015 in the
von 2007 bis 2015 abgetragen.
framework of the Vienna Main Station
Die gelb hervorgehobenen Gebäude
project. The buildings highlighted in
werden im Rahmen des Stadtentwick-
yellow will be demolished in the frame-
lungsprojektes Wien 10, Laxenburger
work of the urban development project
Straße/Landgutgasse abgetragen.
Vienna 10, Laxenburger Straßel Landgutgasse.
Südbahn
The Southern Ra ilway
2 Ostbahn 3 Verb i ndungsgleise
•5
Gleisgruppe
~OO
nUngarische Gruppe-
Gleisgruppe 700 ~Bosnien·
6 Frachtenbahnhof Wien Süd 7 Frachtenbahnhof Wien Matzleinsdorf
2 The Eastern Ra ilway 3 Connecting Tracks
•5
Track Group 600 - Hungarian GroupTrack Group 700
·Bosnia~
6 Vienna South Freight Station 7 Vienna Matzleinsdorf Freight Station
Plangrundlagen:
Map Sources:
Vermessung Südbahn und Ostbahn 2007
Survey of the Southern and Eastern Railways 2007
MZK, Stadt Wien MA41-Stadtvermessung
Multi-Purpose Map, City of Vienna Dept. 41 City Surveying
0 Schnellbahnstation, Glei se 21 - 22 1 Kassenhalle 2 ~ l le Ost, Bahnsteige 1-9 3 Halle Süd, Bahnsteige 11-19 5
Busbahnhof Wiedner Gürtel
5 Wiedner Gürtel Bus Station
6 7
Busbahnhof ArsenalstraBe
6
Südtifoler Platz
Museum des 21. Jahrh lmderts
,
Arsena lstraBe Bus Station
Postzentrum Wien Süd
9
Vienna South Postal Centre
9 10
Spiralrampe
11
Posttunnel unter der Südbahn
12
Posttunnel unter der Ostbahn
"
23 Tankstelle an der Sonnwendgasse
24
Materialmagazin
25 26 27 28 29
Traktionsstandort Wien Süd
30 31 32 33
Drehscheibe
Heizhaus Süd Bauhof FrachtenbahnhofWien Süd Traktionsstützpunkt Wien Süd (Ost)
"
10 Spiral Ramp 11 Post Tunnel under the Southern Rai lway 12 Post Tunnel unde r the Eastern Railway 13 Former Arsenal Tunnel 14
Steudelgraben
15 Steudelgraben Trench
Ziste,\öe
16 17
e
21
bl ~ dungsgl e is
120
Material Warehouse
Track Group 600
South Locomotive Shed Bui lders' Ya rd Vi enna South Freight Station Vi enna South (East) locomotive Sheds
30 31 32 33
Turntable
34 Heizhaus 2
34
locomotive Shed 2
Plangrund lagen:
Map Sourees:
35 Dieseltankstelle
35 Diesel Fuelling Station
Bauaufnahme 1994
Building Documentation 1994
36 Unte rführung Gudrunstraße 37 Bahnsteigdach Hauptbahnhof Wien
36 Gudrunstraße Underpass 37 Vienna Main Station Platform Roof
Vermessung Südbahn und Ostbahn 2007
Survey of the Southern and Eastern Railways 2007
MZK, Stadt Wien MA41-Stadtvermessung
Multi-Purpose Map, City of Vienna Dept. 41 City Surveying
Heizhaus 1 Verwa ltu ngsgebäud e Nebenwerkstätte
Connecting Track 110 (StEG Track) Connecting Track 120
Shunters Accommodation
Vienna South l ocomotive Sheds
Cistern
19
23 Petrol Station on Sonnwendgasse 25 26 27 28 29
Steudel Tunnel with the Steudel Track
18
Bridge over laxenburger Straße
24
Museum of the 21" Century
Steudeltunnel mit Steudelgleis
GleIsgruppe 600
Verschieberu nterkunft
WtPARK Garage
7
Südtiroler Platz
,\~ dungsgl e is 110 (StEG Gleis)
20 Signal Box 11
South Hall, Platforms 11-19
4
14 15
Brücke über die laxenburger Straße
East Hall, Platforms 1- 9
WtPARK Garage
13 ehemaliger Arsenaltunnel
21
Rapid Transit Station, Tracks 21 - 22 Ticket Hall
4
,
20 Stellwerk 11
0 1 2 3
locomotive Shed 1 Adm inistration 8uilding Auxiliary Workshop
14
• ,
7
I I
8 Transformatore n Transformers Verbindungsgang Postze ntrum Wien Süd - Postamt 11 03
2 Ve rwaltung und Gastronomie
Busba hnhof Arse n a l st raß~
Administration and gast ronomy
Arsenalstraße bus stat ion
3 Ve rte ilerebene Intermediate circu lation level
4 Kassen halle Ticket hall
:; Halle Süd South hall
6 Querba hnsteig Sud South connecl ing plalform
• 4
34-
"Gar on Tra i n" entry hall
Passa geway Vienna So uth Postal Gentre - Post Office 11 03
IDIJClJGD
18
15 Schnel lbahn
16 Haupteingang Wied ner Gurtel
17 Bunker
Rapid transit
Wiedner Gürtel main entra nce
Bunker
WIEN SÜDBAHNHOF
7 Zufah rts halle "Auto im Reisezug"
18 Hall e Ost East hall
19 Ausga ng Arse nalst raße
Arse nalstraße exil
20 Querba hnsteig Ost East connecting plat form
21 Doppel ter Prellblock Double rail end blocks
14
I
r=
East Station platforms 1-9
Oben: Schnitt durch die Kassenhalle und Bahn-
Above: Section through the ticket hall and plat-
steig 17 Fahrtrichtung Süden.
form 17 to the soulh.
Unten: Schnitt durch die
Fahrtrichtung Osten.
K~ssenh~lle
und Gleis 5
Delow: Section through the ticket
to the east.
Plangrundlagen: h~ 1 1 ~nd
track 5
Map Sourees:
8'
• ,
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•
•
!
,