770 111 25MB
German Pages 544 [546] Year 2004
Deutsches Historisches Institut Warschau Quellen und Studien Band 15
2004
Harrassowitz Verlag • Wiesbaden
Waldemar P. Könighaus
Die Zisterzienserabtei Leubus in Schlesien von ihrer Gründung bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
2004
Harrassowitz Verlag • Wiesbaden
Gedruckt mit Unterstützung des Deutschen Historischen Instituts Warschau.
Bibliograftsche Information Der Deutschen Bibliothek; Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in Der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliograftsche Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Bibliographie Information published by Die Deutsche Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek lists this publicatton in the Deutsche National bibliografie; detailed bibliographic data is available in the Internet at http://dnb.ddb.de.
Informationen zum Verlagsprogramm finden Sie unter http://www.harrassowitz.de/verlag © Otto Harrassowitz KG, Wiesbaden 2004 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen jeder Art, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung in elektronische Systeme. Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier. Druck und Verarbeitung: Memminger MedienCentrum AG, Memmingen Printed in Germany ISSN 0947-4226 ISBN 3-447-05069-1 .
INHALTSVERZEICHNIS Vorwort
IX
I. Einleitung A. Quellen B. Forschungslage
1 4 11
II. Abriß der Klostergeschichte A. Die Benediktinerniederlassung in Leubus B. Die Übernahme durch die Zisterzienser und Aufbau des Klosters C. Die Blütezeit bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts D. Stagnation und Katastrophe in den Hussitenkriegen E. Reform* und Wiederaufbauversuche bis zum Ende des Mittelalters
15 15 23 33 62 77
III. Verfassung und Einrichtungen A. Die Ämter 1. Der Abt 2. Der Prior und der Subprior 3. Die Ämter der Wirtschaftsführung 4. Weitere Ämter B. Der Konvent 1. Die Mönche 2. Die Konversen 3. Die Famiiiaren und Präbendare C. Die Rechtsstellung des Klosters 1. Exemtion 2. Vogtei und landesherrliches Patronat 3. Hohe und niedere Gerichtsbarkeit 4. Defensio und confirmatio \
91 91 91 96 97 99 101 102 112 117 121 122 128 135 140
IV. Die Wirtschaft A. Landbesitz 1. Geographische Verteilung und Entwicklung des Landbesitzes 2, Bewirtschaftung der ländlichen Güter
145 146 146 157
VI
Inhaltsverzeichnis
B.
C. D. E. F.
3. Siedlungstätigkeit Der Stadtbesitz und seine Nutzung 1. Besitz in der Stadt Breslau 2. Besitz in der Stadt Liegnitz 3. Besitz in anderen Städten Besitz-und Patronatsrechte an Kirchen Zehntbesitz und -rechte Handelsaktivitäten Die Entwicklung wirtschaftlicher Verhältnisse
165 171 173 178 184 190 195 201 204
V. Die Einbindung des Klosters in die Ordensstrukturen A. Das Generalkapitel und die Äbte von Citeaux B. Die Leubuser Filiation 1. Das Mutterkloster Pforta 2. Die Tochterklöster a. Mogila (Clara Tumba) b. Heinrichau c. Kamenz d. Byszewo / Koronowo e. Wielen [?] 3. Die Frauenklöster a. Trebnitz b. Olobok und Owińska 4. Andere Zisterzen
209 209 225 226 230 231 235 240 244 251 256 256 261 266
VI. Äußere Beziehungen A. Beziehungen zum Papsttum B. Beziehungen zu den Bischöfen und dem Klerus von Breslau . . . . C. Beziehungen zu weltlichen Gewalten 1. Die niederschlesischen Piasten 2. Die Herzöge von Oppeln und ihre Nebenlinien 3. Die Könige von Böhmen als schlesische Lehnsherren 4. Die außerschlesischen Herrscher D. Die Beziehungen zum Adel und zum Bürgertum 1. Der Adel 2. Das Bürgertum
273 273 287 304 305 326 331 335 340 340 347
VII. Zusammenfassung
351
Inhaltsverzeichnis
VII
Anhang Personallisten Abbildungen Liste der mittelalterlichen Besitzungen und Einkünfte Karten Verzeichnis der Karten und Abbildungen Abkürzungen und Siglen
357 357 407 413 469 477 478
Quellen- und Literaturverzeichnis
480
Streszczenie Summary
511 515
Register
519
VORWORT Die vorliegende Untersuchung wurde im Wintersemester 2001/2002 von der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als Dissertation angenommen. Für den Druck wurde der Text geringfügig überarbeitet und gekürzt. Vielen bin ich für die Unterstützung und Zuspruch während der Fertigstellung dieser Arbeit zu Dank verpflichtet. Zunächst seien meine akademischen Lehrer, Herr Prof. Dr. Hans Hecker und Herr Prof. Dr. Rudolf Hiestand (Koreferat), erwähnt, denen ich für ihre umfassende wissenschaftliche Betreuung, jahrelange Förderung und ihr persönliches Interesse ganz besonders verbunden bin. Dank sagen möchte ich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Archive und Bibliotheken im In- und Ausland, die mir die benötigten Quellen und Bücher zugänglich machten. Besonders die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf sowie das Archiwum Państwowe we Wrocławiu haben sich hierbei bewährt. Allen Kollegen und Freunden, die mir durch Hinweise auf Literatur und Quellen sowie durch weiterführende Anregungen geholfen haben, bin ich sehr dankbar. Für die sprachlichen Ratschläge und das Korrekturlesen bedanke ich mich bei Dr. Heidi Hein, Thomas Nacken, Agnes Baumert sowie Andre te Boekhorst. Für die Übersetzungen der Zusammenfassung bin ich Nina Lohmann M. A. und Dr. Marek Słoń verbunden. Für die langjährige Förderung von Seiten der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. während meines Studiums und der Promotionszeit möchte ich mich ebenso herzlich bedanken. Auch bin ich dem Deutschen Historischen Institut (DHI) Warschau für die Gewährung eines Forschungsstipendiums verpflichtet. Dem Direktor des DHI Warschau, Herrn Prof. Dr. Klaus Ziemer, schulde ich außerdem Dank für die Aufnahme der Arbeit in die Schriftenreihe „Quellen und Studien" des DHI Warschau, für das gründliche Lektorat danke ich herzlich Frau PD Dr. Almut Bues. Meiner gesamten Familie, vor allem meinen Eltern, Heidi und Rudolf Goetz, danke ich besonders herzlich für den steten Rückhalt und die langjährige Unterstützung. Ihnen und meiner Tochter Julia Sophie sei deshalb dieses Buch in Dankbarkeit gewidmet. Solingen und Warschau, im Frühjahr 2004
Waldemar P. Könighaus
EINLEITUNG In ecclesie firmamento Cisterciensis vester ordo dato nitore choruscans uniuersalem gregis domintci aulam illuminat et currentibus in studio rectum iter insinuat, quo ad salutis bravium felicius pervenitur.1 Der Zisterzienserorden, der hier durch einen Breslauer Bischof des beginnenden 14. Jahrhunderts auf solch pathetische Weise charakterisiert wird, spielte in der Geschichte und Formung Europas sowie des mittelalterlichen Christentums eine nicht zu unterschätzende Rolle. Indem er dem Geist der Benediktsregel in seiner ursprünglichen Bedeutung nacheiferte und damit die Sehnsüchte seiner Zeitgenossen traf, erlangte er im Verlaufe einiger Jahrzehnte eine derart hohe Bedeutung, daß Päpste, Kaiser und Könige um die Gunst und Anerkennung dieser Gemeinschaft warben. Als diese Worte niedergeschrieben wurden, befand sich der Orden, der sich mittlerweile mit Hunderten von Niederlassungen über ganz Europa und den Vorderen Orient ausgebreitet hatte, bereits in einer Krise, da das geistige Potential und die Ideale der Gründungszeit schnell den menschlichen Unzulänglichkeiten und der Realität der nachfolgenden Generationen erlagen. Es zeigte sich nicht zum ersten Mal, daß die alleinige Berufung auf die glorreichen Taten der Vorgänger nicht ausreichte, um eine außerordentliche Stellung zu behaupten und die Gunst der Zeitgenossen zu erhalten. So wurde dieser Orden in die Zeitläufte mit hineingerissen, verzahnte sich durch unzählige Bande mit seiner Umwelt, wurde mit ihr eins und verlor so die ursprünglichen Ziele allmählich aus den Augen. 1 Erster Teil der Arenga einer Urkunde Bischof Nankers von Breslau für Leubus vom 7. Juni 1329 (Vetera monumenta Poloniae et Lithuaniae gentiumque finitimarum historiam illustrantia maximam partem nondum edita ex tabulariis Vaticanis deprompta collecta ac serie chronologica disposita ab A. THEINER, Bd.I-II, ND der Ausgabe o.O. 1860-1864, Osnabrück 1969, hier Bd. I, Nr. 767). Die Arenga fährt nicht weniger eindrucksvoll fort: Per hunc namque celestis gratie incomparabile bonum acquiritur insistente fratrum vestrorum soiercia sedulis intercessionibus apud deum. Digne igitur ordinem ipsum ftdelium devotio reueretur, digne ueneracione pia colit, nam quanto redditur in conspectu diuine maiestatis acceptior et quanto per eum pociora desursum dorm perueniunt, tanto in mentibus deum timencium locum sibi uendicat ampliorem.
2
Einleitung
Die Geschichte des Ordens spiegelt sich in der Geschichte der einzelnen Niederlassungen wieder, die hier am Beispiel eines der wichtigsten Klöster des östlichen Mitteleuropas aufgezeigt werden soll. Das am Ufer der Oder, im Herzen Schlesiens gelegene Kloster Leubus, einstmals eine Perle unter den Barockbauten jener Landschaft, im ersten Jahrhundert der Ordensexistenz und damit noch in dessen glanzvollster Zeit gegründet, spielte durch die Tatsache, daß es eine landesherrliche Stiftung war und in die Gestaltung dieses Grenzlandes einbezogen wurde, eine herausragende Rolle in der Geschichte Schlesiens. Aus diesem Grund begann die Forschung schon früh, einzelne Aspekte der Klostergeschichte intensiv zu untersuchen und sie im Geiste ihrer Zeit zu deuten. Trotz bzw. gerade wegen des allgemeinen Konsenses über die außerordentliche Bedeutung und Größe der Abtei Leubus für die Landes-, Kirchen- und Wirtschaftsgeschichte Schlesiens gibt es bis heute keine vollständige, den modernen wissenschaftlichen Anforderungen gerecht werdende Untersuchung. Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Geschichte des Klosters Leubus darzustellen und so einen Beitrag zur Erforschung der Geschichte Ostmitteleuropas zu schaffen. Weitgehend ausgeklammert wird das religiöse und geistige Leben bzw. die Spiritualität innerhalb des Klosters, die Bibliotheksgeschichte und die kunsthistorische Betrachtung. Zum einen würden diese Themenkomplexe den Rahmen sprengen, zum anderen liegen dazu neuere Untersuchungen vor, denen kaum etwas hinzugefügt werden könnte. Als Grundlage für die Beschäftigung mit der Abtei Leubus dienten Quellen aus dem ehemaligen Klosterarchiv und aus zahlreichen Archiven fremder Provenienz, die nur zum Teil gedruckt vorliegen, sowie die für dieses breitangelegte Thema relevanten Forschungsergebnisse, welche, systematisch gesichtet und rezipiert, in einigen Punkten eine neue Sicht auf diese geistliche Einrichtung zulassen. Der zeitliche Rahmen dieser Betrachtung erstreckt sich von der angenommenen Gründung eines Benediktinerklosters auf dem Leubuser Hügel um 1050 bis um das Jahr 1498, in dem Bartholomäus II. Lehnmann auf die Abtswürde verzichtete und Andreas Hoffmann die Leitung des Oderklosters übernahm. In den 36 Jahren seiner Herrschaft führte dieser Leubus endgültig aus dem Ruin der hussitischen Zerstörungen heraus und läutete so eine neue Ära in Leubus ein. Eine weitere Zäsur für Leubus bildete das Jahr 1492, in dem das Kloster nach dem Aussterben der Oelser Piastenlinie seine Patronatsherren aus der heimischen Dynastie verlor und unmittelbar der böhmischen Krone unterstellt wurde. Nach einer kurzen Vorstellung der Quellen und ausgewählter Werke zur Leubuser Geschichte, deren Wert und Aussagen genauer im jeweiligen Themenkontext überprüft werden, soll ein allgemeiner Abriß der Klostergeschichte Vorstellung von der vielfältigen Tätigkeit der hiesigen Zisterzienser in Staat und Kirche
Einleitung
vermitteln. Die vorliegende Arbeit sucht auch Antworten auf weitergehende Fragestellungen. Mit diesem historischen Gerüst versehen, sind zunächst die inneren Strukturen des Leubuser Klosters zu untersuchen, also die Verfassung der Zisterze, ihre Einrichtungen und Ämter, der Konvent und sein Leben innerhalb der Klostermauern zu beschreiben. Es wird nach der sozialen und nationalen Herkunft der Klostergemeinschaft, die sich aus drei Gruppen, den Mönchen, den Konversen und den Famiiiaren zusammensetzte, sowie nach deren Funktionen, möglichen Karrieren und allgemeinen Lebenswegen gefragt. Daran schließt sich eine allgemeine Betrachtung der Leubuser Rechtsstellung sowohl innerhalb der Kirche als auch des Staates an, die auf der Grundlage der Exemtion und der mit der Zeit ausgebildeten Grund- und Gerichtsherrschaft die Verflechtungen zwischen Kirche und Staat anschaulich vor Augen führt. Danach ist die wirtschaftliche Tätigkeit der Zisterzienser zu betrachten, und zwar von den Anfängen, die einen der wichtigsten Untersuchungsgegenstände früherer Forschungen darstellten, bis zum Ende des Mittelalters, um zu prüfen, inwieweit sich der zisterziensische Wirtschaftswandel von der Eigen- zur Zinswirtschaft im Fall von Leubus nachvollziehen läßt. Diese Arbeit stellt zudem die verschiedenen Bewirtschaftungsmethoden und -möglichkeiten, angefangen bei den typisch zisterziensischen Einrichtungen der Grangien, über die Besitznutzung in Stadt und Land bis zur Frage nach Gewerbe und Handel vor. Diese schufen die Basis für die spätere Größe des Klosters und den Bau des zweitgrößten Gebäudekomplexes bzw. der größten Klosteranlage Europas. Da die Wirtschaftsgeschichte mehrmals Gegenstand von Untersuchungen war, soll hier nur ein allgemeiner Überblick gegeben werden. Mit dem Schritt in Richtung Wirtschaftsführung verläßt die Untersuchung das enge Klosterareal und knüpft eine Verbindung zu der Welt außerhalb der Klostermauern. Da die Mönche nicht nur bezüglich wirtschaftlicher Fragen mit der Außenwelt verzahnt waren, werden die äußeren Beziehungen des Klosters Leubus angeschnitten, wobei zunächst die Ordensproblematik tonangebend bleibt. Es wird nachgezeichnet, welche Beziehungen Leubus zur Ordenszentrale im burgundischen Citeaux pflegte, wie die Äbte ihre Pflicht, das jährlich tagende Generalkapitel zu besuchen und sich an den damit verbundenen Ausgaben zu beteiligen, erfüllten. Danach wird das den Zisterziensern eigene Filiationsprinzip am Beispiel von Leubus aufgezeigt, in welchem das schlesische Kloster sowohl in der Rolle der Tochter als auch der Mutter auftritt. Die Frage nach den Berührungspunkten von „verwandten" Klöstern, nach der Stärke ihrer Bindungskraft und der gegenseitigen Pflichterfüllung soll beantwortet werden, obwohl die zur Verfügung stehenden Quellen darüber nur mangelhaft berichten. Es sind ebenfalls die Beziehungen des Klosters Leubus zu den sie umgebenden, geistlichen - den Päpsten und der Kurie sowie den Bischöfen von
4
Einleitung
Breslau - und den weltlichen Gewalten - den Landesherren, dem Adel und dem Bürgertum - zu erörtern. Eine quantitative Unausgeglichenheit in den thematischen Ausführungen (z. B. Ausbildung, Architektur) resultiert daraus, daß das Interesse den Besonderheiten Leubus* innerhalb der zisterziensischen Klosterfamilie gilt, was hier namhaft gemacht und verdeutlicht werden soll. Ein Ausblick auf die weitere Entwicklung des Klosters schließt den Hauptteil der Arbeit ab. Im Anhang werden alle Mitglieder des Leubuser Konvents verzeichnet, die chronologisch faßbar sind, ihre Laufbahnen verfolgt und nach Möglichkeit ihre familiären Verhältnisse geklärt. Diese Verzeichnisse stellen die Mönche nach ihren ausgeübten Ämtern vor. Während zu den Äbten eine große Zahl an Nachrichten eruiert werden konnte, so daß eine nicht nur bezüglich der Chronologie völlig neue Abtsliste entstanden ist, fallen die Hinweise auf andere Dignitäre und Mönche meistens recht dürftig aus. Trotzdem konnten viele Glieder dieses zeitweise stark bevölkerten Klosters namhaft gemacht werden. Eine Liste aller mittelalterlichen Leubuser Besitzungen, Besitzrechte und Einkünfte soll den Hauptteil entlasten und die Aufzählung und Nennung jeder kleinsten Erwerbung überflüssig machen. Alle Orte sind alphabetisch und unter dem ehemaligen deutschen Namen mit der alten Kreiseinteilung verzeichnet, die einzelnen Quellenbelege mit Datierung und kurzer Beschreibung des Inhaltes aufgeführt. Damit liegt die erste vollständige Liste der stattlichen Anzahl von Besitztiteln des Klosters Leubus während des Mittelalters vor. Zu der Schreibweise der Namen wird vorausgeschickt, daß vornehmlich die in den Quellen überlieferten Formen übernommen werden. Bei den Herrschernamen werden bezüglich der schlesischen Herzöge die latinisierten bzw. deutschen Formen gewählt, bei den Herzögen bzw. Königen von Polen und den slawischen Vornamen der Könige von Böhmen werden zur leichteren Unterscheidung die nationalen Namensformen benutzt. Die Ortsangaben erscheinen im Haupttext stets in der deutschen Schreibweise, im Anhang werden die ehemalige Kreiszugehörigkeit und der heutige polnische Ortsname angegeben. A. Quellen Nach der in Schlesien im Jahre 1810 durch den preußischen Staat vollzogenen Säkularisation geistlicher Institutionen kamen alle Archivalien der betroffenen Klöster in das neugegründete Provinzialarchiv in Breslau.2 Dort gliederte man
2 Zur Geschichte dieses Archivs und seiner Bestände vgl. KRUSCH B., Geschichte des Staatsarchivs zu Breslau (Mitteilungen der k. preussischen Archiwerwaltung 11), Leipzig 1908. Zu
Quellen
5
die Urkunden in Repertorien des jeweiligen Klosters ein, versah die Handschriften und Akten mit fortlaufenden Signaturen und unterschied letztere nicht mehr nach Provenienz. Der Leubuser Urkundenbestand wurde im Repertorium 91 vereinigt und umfaßt heute 1.177 Urkunden. Davon entfallen genau 581 Originalurkunden auf das Mittelalter.3 Den gesamten Leubuser Bestand - wie auch die meisten anderen Klosterbestände - katalogisierte in den Jahren 1819/20 der promovierte Jurist Johann Karl Friedrich Jarick in einem zweibändigen Verzeichnis,4 in dem alle Urkunden mit mehr oder weniger ausführlichen Regesten, genauer Datierung, Siegelbeschreibung und Zeugenreihen aufgeführt sind. Dank dieser Arbeit ist der Inhalt vieler hundert Urkunden überliefert, obwohl die Originale in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verlorengingen. Die wichtigste Leubuser Urkunde ist selbstverständlich die Gründungsurkunde. Aufgrund ihrer Bedeutung für die schlesische Landesgeschichte haben die Wissenschaftler ein besonderes Augenmerk auf dieses Schriftstück gerichtet, was sich in zahlreichen Editionen, Kommentaren, Abhandlungen und Vorträgen, deren Erträge Hunderte von Druckseiten füllen, niederschlug.5 Indes boten atypische äußere Merkmale der Urkunde und gerade die Wichtigkeit für die Landesgeschichte Anlaß, an ihrer Echtheit zu zweifeln. Vier Interpolationen dieses Schriftstückes, eine jede mit kleinen Korrekturen und Zusätzen versehen, schienen den Verdacht noch zu erhärten. Die Wissenschaftler spalteten sich in zwei Lager, der Echtheits- und der Unechtheitsbefürworter. Erst mit dem Urteil Appelts6 für ihre Echtheit verstummten die Spekulationen endgültig, so daß seitdem keine Diskussion über diese Urkunde mehr geführt wurde und sie als ein echtes Stück zu gelten hat. Bedauerlich ist die Tatsache, daß nur wenige Akten aus dem Klosterarchiv erhalten geblieben sind. Es werden heute lediglich fünf Handschriften Leubuser Provenienz im Staatsarchiv aufbewahrt, von denen nur zwei aus dem Mittelalter stammen. Zum einen handelt es sich hierbei um das älteste Kopialbuch des
3 4 5 6
den heutigen Beständen des Staatsarchivs Breslau (Archiwum Państwowe we Wrocławiu) vgl. Staatsarchiv Breslau: Wegweiser durch die Bestände bis zum Jahr 1945 = Archiwum Państwowe we Wocławiu, bearb. von R . ŻERELIK und A. DEREŃ (Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte 9), München 1996. Die Einteilung der erhaltenen Originalurkunden in einzelne Zeitabschnitte nimmt vor JAŻDŻEWSKI K. K., Lubiąż. Losy i kultura umysłowa śląskiego opactwa cystersów (1163-1642), Wrocław 1993, S.251. StA Breslau, Rep. 91. Maleczyński führt in seiner Edition der Urkunde knapp 60 (!) Werke auf, die sich mittelbar oder unmittelbar mit dieser Urkunde befaßt haben, vgl. CDESI, S. 128-130 und die in der Arbeit an verschiedenen Stellen zitierten Werke. SUb I, S. 26 f.
6
Einleitung
Klosters, das aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammt,7 zum anderen um das sog. Tagebuch des Abtes Andreas Hoffman aus den Jahren 1498-1518, welches jedoch nur teilweise für diese Arbeit in Frage kommt.8 Zwei weitere Handschriften sind Werke des Stiftskanzlers Martin Sebastian Dittman, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Leubus tätig war. Zunächst ist hier sein Proarchivwn Lubense9 von 1669 zu erwähnen, in welchem er urkundliche Nachrichten zu den jeweiligen Leubuser Besitzungen gesammelt hatte und welches dann im 18. Jahrhundert fast zur Hälfte neu abgeschrieben wurde.10 Neben Urkundenabschriften, die den meisten Platz einnehmen, liefert er am Anfang dieses Werkes einen Äbtekatalog,11 Genealogien der schlesischen Herzöge und andere historische Nachrichten. Dittmans zweite Arbeit ist einem bestimmten Güterkomplex, den 500 Goldberger Hufen,12 gewidmet, die zu seiner Zeit dem Kloster größtenteils entfremdet waren. Hier trug er alle überlieferten Nachrichten zu den Rechten des Klosters bezüglich dieser Güter zusammen, um bei etwaigen Ansprüchen oder Prozessen auf sie schnell zurückgreifen zu können. Bis 1945 wurden im Staatsarchiv noch mehrere andere Leubuser Aktenbestände aufbewahrt, die jedoch heute nicht mehr vorhanden sind. Dabei handelte es sich vor allem um Signaturbücher, in denen die Zisterzienser alle Anliegen, die mit der Jurisdiktion des Klosters zu tun hatten, verzeichneten. Einige wenige chronikalische Auszüge aus einem dieser Signaturbücher wurden noch im 19. Jh. veröffentlicht.13 Verstreute Nachrichten aus diesen Signaturbüchern finden sich auch noch in anderen Publikationen. Daneben wurden von Dittman häufig Lehnsbücher (mindestens drei an der Zahl) zitiert, die ebenfalls im Leubuser Archiv vorhanden gewesen sein müssen. In diesen Büchern schrieb man gewöhnlich alle Rechtsgeschäfte, Verpachtungen, Verkäufe, Belehnungen etc., die das Klosters vornahm, nieder. Doch haben sich auch von dieser Quellengattung keine Exemplare erhalten. In der Breslauer Universitätsbibliothek (Biblioteka Uniwersytecka we Wrocławiu) werden bis heute zwei Leubuser Nekrologe aufbewahrt. Der ältere von 7 StA Breslau, Rep. 135 D 203. Vgl. dazu WAŁKÓWSKI A., Najstarszy kopiarz lubiąski, in: Acta Universitatis Wratislaviensis 800 - Historia 50, Wrocław 1985, S. 163-221. 8 StA Breslau, Rep. 135 D 219. 9 StA Breslau, Rep. 135 D 204. 10 StA Breslau, Rep. 135 D 204 a . 11 Dieser Äbtekatalog liegt gedruckt vor in: WATTENBACH W . , Martin Sebastian Dittmans Chronik der Äbte von Leubus, in: ZVGS 1 (1856), S. 271-297 (weiter zitiert: DITTMAN). 12 StA Breslau, Rep. 135 D 208. 13 GROTEFEND H., Aus dem ältesten Signaturbuche des Klosters Leubus, in: ZVGS 12 (1874), S. 202-207.
Quellen
7
ihnen stammt aus dem Jahre 1615 und liegt zum Teil gedruckt vor.14 Es handelt sich hierbei um eine Abschrift des bereits im Mittelalter geführten Nekrologs, wobei jedoch sehr viele Einträge aus der Frühzeit des Klosters nicht mehr aufgenommen wurden. Signifikant ist das Fehlen fast aller Äbte des 12. und 13. Jahrhunderts, was wohl auch auf die Konventualen dieser Zeitspanne übertragbar ist. Der zweite Nekrolog,15 Ende des 18. Jahrhunderts angelegt, birgt keine mittelalterlichen Nachrichten. Ebenfalls in der Universitätsbibliothek befindet sich die aus dem Jahre 1759 stammende Handschrift16 des Leubuser Konventualen Arnold Teichert, der darin eine Geschichte seines Klosters verfaßt hat. Sie sollte vermutlich dem hausinternen Gebrauch dienen und scheint an zahlreichen Stellen auf heute nicht mehr überlieferten Quellen zu basieren. Einige wenige chronikalische Nachrichten findet man im sog. Liber fratris Johannis Hungari de Bartpha}7 Die kurz gefaßten Einträge gewähren wertvolle Einblicke in die inneren Probleme des Konventes, die in anderen Quellen nicht zur Sprache kommen. Das Erzbischöfliche Diözesanarchiv hat außer einigen wenigen Urkunden keine mittelalterlichen Handschriften Leubuser Provenienz vorzuweisen. Erwähnenswert an dieser Stelle ist jedoch der neuzeitliche Liber Seitschensisls des Paters Michael Kobiersky aus Neumarkt, welcher sonst unbekannte Nachrichten zu den Leubuser Äbten und zu Visitationen in Leubus enthält. Die übrigen Handschriften dieses Archivs sind für diese Arbeit uninteressant. Außer den Archivalien Leubuser Provenienz bergen Bestände anderer Einrichtungen vereinzelte Nachrichten zu Leubus. Zunächst sollen hier die Archive der Tochterklöster19 (Mogiła, Heinrichau, Kamenz, Byszewo) und der Leubus unterstellten Frauenklöster20 (Trebnitz, Owińska, Ołobok) genannt werden. 14 UBib Breslau, Sign. IV F 214. Teilweise gedruckt in: Monumenta Lubensia, hrsg. von W. WATTENBACH, Breslau 1861, S. 35-59. Zu diesem Nekrolog vgl KACZMAREK M . , Nekrolog lubiąski. Próba krytyki przekazu, in: Studia Źródłoznawcze 26 (1981), S. 113-140. 15 UBib Breslau, Sign. IV F 215. 16 UBib Breslau, Sign. IV F 209 mit dem Titel: Historia domestica Lubensis, [Leubus] 1759 (weiter zitiert: HDL). 17 UBib Breslau, Sign. IV O 7. Diese Nachrichten und einige Angaben zum Leben des Autors stellt Wattenbach in ML, S. 20-25 zusammen. 18 EDA Breslau, Sign. V 5 b. Der Name dieser Handschrift rührt von der Leubuser Propstei Seitsch her, wo der Autor einige Zeit verbrachte und seine Aufzeichnungen anfertigte. 19 Die Archive folgender Tochterklöster wurden berücksichtigt: Mogiła: Klosterarchiv Mogiła (Katalog archiwum opactwa w Mogile, ed. K . KACZMARCZYK et G . KOWALSKI, Kraków 1919), Heinrichau: Rep. 84 im StA Breslau und EDA Breslau; Kamenz: Rep. 88 im StA Breslau, Byszewo: StA Bromberg. 20 Die Urkunden der Frauenklöster werden aufbewahrt: Trebnitz, Rep. 125 des StA Breslau, Ołobok und Owińska: StA Posen.
8
Einleitung
Die meisten Nachrichten außerhalb von Leubus lassen sich im Archiv der Abtei Trebnitz finden, die traditionell die engsten Beziehungen nach Leubus unterhielt. Die Bestände der drei übrigen schlesischen Zisterzen (Grüssau, Räuden und Himmelwitz) weisen keine mittelalterlichen Quellen zur Leubuser Geschichte auf. Die Aktenbestände der Stadt Breslau mit seinen Stadt-, Schöffen- und Gerichtsbüchern,21 ermöglichen die Lokalisierung des Leubuser Stadthofes auf dem Breslauer Ritterplatz. Ebenfalls wurden die Schöffenbücher der Stadt Liegnitz aus dem dortigen Archiv berücksichtigt.22 Ähnlich wie in Breslau betreffen die Liegnitzer Nachrichten den klösterlichen Besitz in der Stadt, wozu Renten- und Zinseinkünfte, Hausbesitz und die St. Laurentius-Kapelle auf der Burg gehörten.23 Die Quellen städtischer Provenienz, die Tausende Einträge umfassen, wurden nur selektiv ausgewertet, indem Angaben aus der Literatur und anderen Quellen nachgegangen wurde. Die Ergebnisse dieser Stichproben waren so enttäuschend, daß auf eine extensive Sichtung dieser Quellen verzichtet wurde. Zusammen mit den Urkunden konnten über 1000 Nachrichten zusammengetragen werden, die die Grundlage für die Erarbeitung der Geschichte des ersten schlesischen Zisterzienserklosters darstellen. Knapp die Hälfte der Quellen liegt in gedruckter Form vor. Den ersten Versuch, ein Leubuser Urkundenbuch herauszugeben, unternahm im Jahre 1821 Johann Gustav Büsching,24 der Säkularisationskommissar und erster Direktor des Provinzialarchivs war. Dabei handelt es sich um einen einfachen Abdruck (ohne Kommentar und Kritik) der ältesten 86 Urkunden aus dem Klosterarchiv, die die Jahre 1175-1253 umfassen.25 Wohl durch die zeitgenössische Kritik entmutigt, gab Büsching keine wei21
Vgl. Verzeichnis der Quellen und einige Auszüge bei: STOBBE O., Mittheilungen aus Breslauer Signaturbüchern, in: ZVGS 6 ( 1 8 6 5 ) , S. 3 3 5 - 3 5 6 ; 7 ( 1 8 6 6 ) , S. 1 7 6 - 1 9 1 , 3 4 4 - 3 6 2 ; 8 ( 1 8 6 7 / 6 8 ) , S. 1 5 1 - 1 6 6 , 4 3 8 - 4 5 3 ; 9 ( 1 8 6 8 ) , S. 1 6 5 - 1 8 1 ; 1 0 ( 1 8 7 0 ) , S. 1 9 2 - 1 9 6 .
22 StA Liegnitz (Archiwum Państwowe w Legnicy). Von den dortigen Beständen liegen folgende Akten gedruckt vor: Bitschens Liegnitzer Geschoßbuch, in: HEYDEBRAND u. d. LASA F. von, Zur Herkunft des Liegnitzer Stadtschreibers Ambrosius Bitschen, in: MGAL 7 ( 1 9 1 8 / 1 9 1 9 ) , S. 1 9 4 - 2 3 5 sowie ZUM WINKEL A. / SCHÖNBORN X , Bitschens Zinsbuch, in: MGAL 1 3 ( 1 9 3 0 / 3 1 ) , S. 1 0 2 - 1 8 3 . 23 Zur Ausstattung dieser Kapelle gehörten u. a. Ländereien in der Liegnitzer Vorstadt Dornbusch. 24 Die Urkunden des Klosters Leubus, Lief. I (mehr nicht erschienen), hrsg. von J.G. BÜSCHING, Breslau 1 8 2 1 . Zu dem Herausgeber s. HAŁUB M., Johann Gustav Gottlieb Büsching 1 7 8 3 - 1 8 2 9 . Ein Beitrag zur Begründung der schlesischen Kulturgeschichte, Wrocław 1997. 2 5 Siehe die Kritik zum Urkundenbuch bei WORBS J . G . , Kritische und erklärende Bemerkungen über die Urkunden des Klosters Leubus, in: Literarische Beilagen zu den Schlesischen
Quellen
9
teren Faszikel heraus. Obwohl mittlerweile die frühen Leubuser Urkunden in einer modernen Edition vorliegen, behält das Werk Büschings seinen Wert, da er auch Urkunden, die nicht ausdrücklich Leubus erwähnen, aber im dortigen Archiv aufbewahrt wurden, mitediert hat. 26 Bis eine größere Anzahl Leubuser Urkunden der Wissenschaft zugänglich war, vergingen über sechzig Jahre. Erst 1884 erschien der erste Band der Regesten zur schlesischen Geschichte,27 die für die nächsten Jahrzehnte die wichtigste und umfangreichste Sammlung schlesischer Urkunden sein sollten und die Urkundenregesten bis zum Jahre 1342 umfaßten. Thematische Urkundenbücher, die ebenfalls in der Reihe Codex diplomaticus Silesiae herausgegeben wurden, weisen nur noch vereinzelte Leubuser Urkunden vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der die ehrgeizigen Pläne der schlesischen Wissenschaftler zunichte machte, bemühten sich sowohl die deutsche als auch die polnische Seite um die Herausgabe der vollständigen Urkunden, wobei als Enddatum das Jahr 1300 anvisiert war. Zuerst erschien eine polnische Edition in drei Bänden unter dem Titel Codex diplomaticus nec non epistolaris Silesiae,28 welche die Urkunden der Jahre 971-1227 enthielt. Anfang der siebziger Jahre folgte der erste Band des Schlesischen Urkundenbuches, dessen letzter Band 1998 erschien. Damit sind alle schlesischen Urkunden bis zum Jahre 1300 in einer modernen, allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition benutzbar.29 Zusammen
Provinzialblättern 76 (1822), S.289-308, 321-338; 77 (1823), S.50-56, 65-81, 120-126, 139-142. 26 So z. B. einige Papsturkunden, die an den Gesamtorden gerichtet waren und deren Abschriften im Leubuser Archiv aufbewahrt wurden, was sehr wichtig für das Rechtsempfinden in Leubus ist. 2 7 Regesten zur schlesischen Geschichte bis zum Jahre 1 3 0 0 , hrsg. von C . GRÜNHAGEN, Teil 1 - 3 ( C D S 7 , 1 - 3 ) , Breslau 1 8 8 4 - 1 8 8 6 ; Regesten zur schlesischen Geschichte 1 3 0 1 - 1 3 1 5 , hrsg. von C . GRÜNHAGEN und K . WUTKE ( C D S 1 6 ) , Breslau 1 8 9 2 ; Regesten zur schlesischen Geschichte 1 3 1 6 - 1 3 2 6 , hrsg. von C . GRÜNHAGEN und K . WUTKE ( C D S 1 8 ) , Breslau 1 8 9 8 ; Regesten zur schlesischen Geschichte 1 3 2 7 - 1 3 3 3 , hrsg. von C . GRÜNHAGEN und K . WUTKE ( C D S 2 2 ) , Breslau 1 9 0 3 ; Regesten zur schlesischen Geschichte 1 3 3 4 - 1 3 3 7 , hrsg. von K . WUTKE, E . RANDT und H . BELLŚE ( C D S 2 9 ) , Breslau 1 9 2 3 ; Regesten zur schlesischen Geschichte 1 3 3 8 - 1 3 4 2 , hrsg. von K . WUTKE und E . RANDT ( C D S 3 0 ) , Breslau 1 9 2 5 1930. 28
Codex diplomaticus nec non epistolaris Silesiae, ed. C. MALECZYŃSKI, Bd. 1 - 3 , Wrocław 1956-1964.
29 Schlesisches Urkundenbuch, Bd. 1 bearb. von H. APPELT, Wien-Köln-Graz 1971, Bd. 2-6 bearb. von W. IRGANG, Köln-Wien bzw. Köln-Weimar-Wien 1977-1998.
10
Einleitung
mit fünf Bänden der Regesty śląskie30 liegen also die Leubuser Urkunden der Jahre 1175-1360 fast geschlossen vor. Für die Geschichte des Gesamtordens und damit auch für Leubus sind die Sammlungen der Generalkapitelsstatuten wichtig.31 Joseph-Maria Canivez gab diese in acht Bänden heraus, auf deren Grundlage die Beziehungen der einzelnen Klöster zum Generalkapitel, aber auch unter den einzelnen Klöstern erarbeitet werden können. Selbstverständlich ist hierbei auch das Ordensrecht zu berücksichtigen, die Charta Caritatis und ihre Aktualisierungen, das Exordium, die Capitula und die päpstlichen Privilegien, welche zusammen die Grundgesetze des Zisterzienserordens bildeten und den rechtlichen Rahmen für die Entwicklung eines jeden Zisterzienserklosters boten.32 Daneben sind noch Quellen zur Wirtschaftsgeschichte anzuführen, so das Secundum Registrum Ordinis Cisterciensis,33 in welchem die Kontributionssummen, die jedes Zisterzienserkloster zugunsten des Ordens entrichten mußte, verzeichnet sind. Als eine weitere wichtige Edition müssen die 1861 herausgegebenen Monumenta Lubensia des damaligen Breslauer Archivars Wattenbach gelten.34 Darin
30 Regesty Śląskie, Bd. 1: 1343-1348, bearb. von K. BOBOWSKI, J . GILEWSKA-DUBIS, W. KORTA, B. TUROŃ, Wrocław et al. 1975; Regesty Śląskie, Bd. 2:1348-1354, bearb. von K. BOBOWSKI, M . CETWIŃSKI, J . GILEWSKA-DUBIS, A . SKOWROŃSKA, B. TUROŃ, Wrocław et al. 1983; Regesty Śląskie, Bd. 3:1355-1357, bearb. von J. GILEWSKA-DUBIS, Wrocław et al. 1990; Regesty Śląskie, Bd.4; 1358-1359, bearb. von J. GILEWSKA-DUBIS und K. BOBOWSKI, Wrocław-Warszawa o. J . ; Regesty Śląskie, Bd. 5: 1360, bearb. von J . GILEWSKA-DUBIS, Wrocław-Warszawa 1992. 31 Statuta Capitulorum Generalium Ordinis Cisterciensis ab anno 1116 ad annum 1786, tomus 1-8, ed. J. -M. CANIVEZ (Bibliotheque de la Revue d'histoire ecclesiastique 9-14) Louvain 1933-1941. 32 Alle diese Quellen wurden bereits öfter ediert. Hier die wichtigsten und neuesten Editionen: TÜRK I. (Hg.), Cistercii statuta antiquissima, in: ACist 4 ( 1 9 4 8 ) , S. 1 - 1 5 9 ; BOUTON J . de la Croix/VAN DAMME J . B . (Hrsg.), Les plus anciens textes de Qteaux (CTteaux- Commentarii Cistercienses - Studia et documenta 2), Achel 1985; Einmütig in der Liebe. Die frühesten Quellentexte von Citeaux - Antiquissimi Textus Cistercienses lateinischdeutsch, hrsg. von H. BREM und A . M . ALTERMATT (Quellen und Studien zur Zisterzienserliteratur 1), Langwaden 1998. 33 JOHNSEN A.O. /KING P. (Hrsg.), The Tax Book of the Cistercian Order (Det Norske Videnskaps-Akademi, II. Hist.-Filos. Klasse, Avhandlinger Ny serie No. 16), Oslo-BergenTroms® 1979. In der polnischen Forschung fand diese Quellenedition erst jüngst die ihr zukommende Beachtung: DERWICH M., Polska w czternastowiecznych rachunkach zakonu cysterskiego, in: Cystersi IV (2000), S. 156-169. 34 Monumenta Lubensia, hrsg. von W. WATTENBACH, Breslau 1861. Eine genaue Beschreibung der dieser Edition zugrundeliegenden Handschrift lieferte kürzlich SOSZYŃSKI J . , Śląski zabytek rękopiśmienny w Wenecji, in: E scientia et amicitia. Festschrift Edward Potkowski, Warszawa-Pułtusk 1999, S. 179-188.
Forschungslage
11
trug er einige Quellen zusammen, so ausgewählte Einträge aus dem Leubuser Nekrolog, kurze Chroniken und Annalen, Gedichte und vor allem die sog. Versus Lubenses, eine in Hexametern verfaßte Gründungsgeschichte des Klosters, die ebenfalls mit einigen Kommentaren und Urteilen versehen wurde.35 In den übrigen schlesischen Quelleneditionen finden sich nur noch vereinzelt Materialien Leubuser Provenienz, die in diese Untersuchung einflössen. ß. Forschungslage Nach der Aufhebung des Klosters und der damit verbundenen Unterbringung der Leubuser Archivalien im Breslauer Provinzialarchiv haben die Historiker die Geschichte dieses wichtigen Klosters zu erschließen versucht. So richtete man nach der ersten Urkundenedition Büschings und der kritischen Rezension von Worbs die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Oderkloster. Früh wurde die gesamte mittelalterliche Klostergeschichte innerhalb von Sammelwerken behandelt, die deshalb aber nicht als vollständig zu gelten braucht. Es handelt sich hierbei zunächst um die Geschichte des Bistums Breslau von Johann Heyne,36 der auf der Basis der im Provinzialarchiv aufbewahrten Urkunden die Klostergeschichte zu skizzieren versuchte. Eine weitere Sammelarbeit ist das große Werk Franz Winters, der Leubus im Rahmen der Geschichte der Zisterzienser des nordöstlichen Deutschlands behandelte.37 Auch in den Aufsätzen und Monographien zur Klostergeschichte behielt die Beschäftigung mit den Leubuser Urkunden die Oberhand. Wintera38 brachte den ersten Überblicksartikel zur Gesamtgeschichte heraus. Seine Arbeit weist keinen kritischen Apparat auf und ist eine Übersetzung und Zusammenfassung der Historia domestica Lubensis des P. Arnoldus Teichert aus dem Jahre 1759. 39 So geht dieser historische Überblick kaum über den 35 Vor allem ist hier EPPERLEIN S., Gründungsmythos deutscher Zisterzienserklöster östlich der Elbe im hohen Mittelalter und der Bericht des Leubuser Mönches im 14. Jahrhundert, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 3 (1967), S. 303-335, zu nennen. 3 6 HEYNE J . , Dokumentierte Geschichte des Bistums und des Hochstifts Breslau. Aus Urkunden, Aktenstücken, älteren Chronisten und neueren Geschichtsschreibern, 3 Bde Breslau 1860-1864.
Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands. Ein Beitrag zur Kirchenund Culturgeschichte des deutschen Mittelalters, 3 Bde Gotha 1 8 6 8 - 1 8 7 1 , besonders die Seiten: Bd.I, S. 3 0 1 - 3 0 4 , Bd. II, S. 3 1 7 - 3 2 6 (zusammen mit der Propstei Kasimir); Bd. III, passim. 38 WINTERA L., Leubus in Schlesien, in: StMBO 25 (1904), S. 502-514,676-697. 39 UBib Breslau, Sign. IV F 209. 3 7 WINTER F.,
Einleitung
12
Kenntnisstand des 18. Jahrhunderts hinaus. In einer Lemberger Dissertation von 1911 sprach sich Olgierd Górka40 für die Echtheit der Gründungsurkunde aus und beschrieb die Leubuser Geschichte vor der Gründung des Zisterzienserklosters. Seinen Forschungsergebnissen stand das Werk Seidels entgegen, der zusammen mit Wilhelm (Lambert) Schulte41 einer der entschiedensten Gegner der Echtheitsfrage war. Viktor Seidels Werk zur Geschichte des Leubuser Klosters42 liefert reiches Material zu wirtschaftshistorischen Fragen, so daß es an dieser Stelle genannt werden muß. Mit wirtschaftlichen Fragen beschäftigten sich zwei Dissertationen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, so Walther Thoma43 mit einer Leipziger Dissertation von 1894 und Fritz Freudenthal in Breslau 1927 44 . In einer dem damaligen Zeitgeist entsprechenden Weise wird dem Kloster eine Leistungsfähigkeit in bezug auf die deutsche Besiedlung des Ostens bescheinigt, die sich dem heutigen kritischen Auge als Phantasterei erweist, da der genaue Inhalt der Quellen nicht immer berücksichtigt und außerdem falsche Maßstäbe herangezogen wurden.45 Die Dissertation von Franciscus Hanus aus dem Jahre 1934 (erschienen j 947)46 e r s t e n 2 w e j Jahrhunderte des Klosters stellt ansatzweise die erste vollständige Klostermonographie nach den Erfordernissen der heutigen Forschung dar. Es werden u. a. hier ein Überblick der Klostergeschichte geliefert, eine freilich fehlerhafte Äbteliste erstellt und die Verfassung des Klosters behandelt. Doch sind manche Ergebnisse des Autors häufig strittig, irrig oder schlichtweg falsch. Das mag daran gelegen haben, daß zwischen der Promotion und der Study a nad dziejami Śląska. Najstarsza tradycya opactwa cystersów w Lubiążu, Lwów 1911. Ein Teildruck dieser Arbeit liegt in deutscher Übersetzung unter dem Titel: Über die Anfänge des Klosters Leubus (DQ 18), Breslau 1913, vor, die hier verwendet wird. SCHULTE W., Die Anfänge der deutschen Kolonisation in Schlesien, in: Silesiaca. Festschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens zum 70. Geburtstag von Colmar Grünhagen, Breslau 1898, S. 35-82; DERS., Die Nachrichten der Cistercienser über Leubus, in: ZVGS 33 (1899), S. 209-226; DERS., Die villa Martini und die Unechtheit der Stiftungsurkunde für Leubus aus dem Jahre 1175, in: ZVGS 39 (1905), S.279-292; DERS., Heinrichau und Münsterberg, in: Kleine Schriften (DQ 23), Breslau 1918. SEIDEL V., Der Beginn der deutschen Besiedlung Schlesiens (DQ 17), Breslau 1913. THOMA W., Die colonisatorische Thätigkeit des Klosters Leubus im 12. und 13. Jahrhundert, Diss. Leipzig 1894. FREUDENTHAL F., Die fünfhundert Hufen des Klosters Leubus, Diss. Breslau 1927. Bei der Berechnung der Leubuser Besitzgröße zählte er z. B. auch die Dörfer hinzu, in denen Leubus lediglich die Zehnten beanspruchte. HANUS F., Die aeltere Geschichte der Zisterzienser-Abtei Leubus in Schlesien bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts (Texts, documents and studies in medieval and modern church history 2), Teutopolis 1947.
4 0 GÓRKA O . ,
41
42 43 44 45 46
Forschungslage
13
Publikation 13 Jahre lagen, und der Autor nach seiner Umsiedlung nach Amerika keine Möglichkeit mehr hatte, die Arbeit zu redigieren. Aloysius Bollmann behandelte 1932 47 hauptsächlich die neuere Geschichte des Klosters, gibt jedoch auch einen kurzen Geschichtsabriß. Aus der Vorkriegszeit stammen zwei populär-wissenschaftliche Werke von Paul Wels,48 welche die Forschung ihrer Zeit zusammenfassen, aufgrund des Fehlens eines wissenschaftlichen Apparates jedoch schwer überprüfbar sind. Gleiches gilt für eine ähnliche Darstellung der Geschichte des Klosters und dessen Umfeldes aus neuester Zeit. 49 Auch polnische Wissenschaftler arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich an wirtschaftshistorischen Fragestellungen50 und kamen zu dem Ergebnis, daß die Leistungen der Leubuser Mönche von deutscher Seite beträchtlich überschätzt worden seien. Aufgrund des erschwerten Quellenzugriffs nahm sich von deutscher Seite erst gegen Ende der 1970er Jahre Heinrich Grüger der Geschichte des Zisterzienserordens in Schlesien an und verfaßte die neuesten Forschungs- und Geschichtsüberblicke. Im Rahmen des Projekts Schlesisches Klosterbuch lieferte er viele Artikel zu den Klöstern des Zisterzienserordens in Schlesien, einschließlich des Klosters Leubus.51 Zahlreiche Vorarbeiten gesamtzisterziensischer Art sind diesen Artikeln vorausgegangen. Aus der neuesten Zeit stammen zwei Werke von polnischer Seite, die sich ebenfalls intensiv mit der Geschichte von Leubus auseinandersetzen. Zum einen ist hier die Arbeit Jażdżewskis zu nennen,52 die sich vornehmlich mit der Geistes- und Kulturgeschichte des Klosters beschäftigt und außerdem einen umfangreichen historischen Abriß bietet. Zum anderen muß auf den Überblicksartikel im Monasticon Cisterciense Poloniae verwiesen werden, der jedoch nur
Die Säkularisation des Zisterzienserstiftes Leubus (Einzelschriften zur schlesischen Geschichte 9), Breslau 1932. 4 8 WELS P., Kloster Leubus in Schlesien, Breslau 2 1 9 0 9 ; DERS., Geschichte des Klosters Leubus und seine Bedeutung für Schlesien, Liegnitz 1924. 4 9 BUCHMANN J . und M . L . , Leubus. Kreis Wohlau, Schlesien, s.L 1 9 8 9 . 5 0 So WIELGOSZ Z . , Początki wielkiej własności klasztornej cystersów w Lubiążu, in: Roczniki Historyczne 2 2 ( 1 9 5 6 ) , S. 6 1 - 1 2 6 ; DĄBROWSKI H., Uwagi nad początkami opactwa cystersów w Lubiążu, in: Sobótka 1 3 ( 1 9 5 8 ) , S. 1 6 9 - 1 7 7 ; KORTA W,, Rozwój wielkiej własności klasztornej na Śląsku do połowy X I I I wieku, in: Sobótka 1 3 ( 1 9 5 8 ) , S. 1 7 9 - 2 0 5 ; TRAWKOWSKI S., Gospodarka wielkiej własności cysterskiej na Dolnym Śląsku w X I I I wieku, Warszawa 1959. 51 GRÜGER H., Schlesisches Klosterbuch: Leubus - Zisterzienserabtei, in: JbFWU 22 (1981), S.l-61. 52 JAŻDŻEWSKI, Lubiąż. 4 7 BOLLMANN A . ,
14
Einleitung
den bekannten Forschungsstand zusammenfaßt und keine eigenständige Forschungsleistung vorweisen kann.53 Bereits aus der obigen, unvollständigen Aufzählung geht hervor, daß sich die Forschung recht intensiv mit einzelnen Aspekten der Geschichte des Klosters Leubus beschäftigt hat. Obschon seit langem viele interessante Forschungsansätze vorliegen, mangelt es jedoch bislang an einer Monographie, die erschöpfend die mittelalterliche Geschichte dieser bedeutenden Zisterze behandelt. Die vorliegende Arbeit soll dieses seit langem ausgesprochene Forschungsdesiderat erfüllen und anhand der Quellen die Vergangenheit des wichtigsten Klosters Schlesiens und eines der wichtigsten in Ostmitteleuropa nachzeichnen.
53
HARC A . /HARC L. /ŁUŻYNIECKA E., Lubiąż, in: Monasticon Cisterciense Poloniae, Bd. II: Katalog męskich klasztorów cysterskich na ziemiach polskich i dawnej Rzeczypospolitej, Red. A. WYRWA, J . STRZELCZYK, K . KACZMAREK, Poznań 1999, S.202-217. Ein ähnliches Urteil muß über viele der Artikel gefällt werden. Von fremdsprachlichen Überblicken (außer polnischen) zur Geschichte der Klöster in Ostmitteleuropa müssen die Artikel von Williams und KJoczowski hervorgehoben werden: WILLIAMS D . H . , East of the Oder (An English Introduction to its Medieval Cistercian Settlement and Economy), in: CTteaux 29 (1978), S. 228-267; KŁOCZOWSKI J . , Les Cisterciens en Pologne du X I I E au X I I I E siecle, in: Citeaux 21 (1970), S. 111-134.
II. ABRISS DER KLOSTERGESCHICHTE A. Die Benediktinerniederlassung in Leubus Bereits in den ersten Veröffentlichungen zur Geschichte der Zisterzienserabtei wurden Hinweise auf eine vorher in Leubus existierende Benediktinerniederlassung aufgegriffen. Da jedoch keine zeitgenössischen Quellen vorliegen, welche die Existenz einer solchen Einrichtung belegten, konnte in dieser Frage kein Konsens erzielt werden. Vereinzelte Hinweise auf diese benediktinische Vorgängereinrichtung finden sich nur in erzählenden Quellen bzw. in den vier Fälschungen der Gründungsurkunde für das Zisterzienserkloster. Nach diesen Quellen soll noch vor der Ankunft der Zisterzienser auf dem Leubuser Hügel ein Benediktinerkloster existiert haben. Am ausführlichsten berichten darüber die sog. Versus Lubenses, ein im 14. Jahrhundert in Hexametern geschriebenes Gedicht über das alte Leubus und die Gründung des Zisterzienserklosters.1 Ihr Inhalt wurde von den Gegnern der These von der Existenz eines Benediktinerklosters teilweise zurecht, dem Reich der Fabeln und Topoi zugewiesen. So wird Julius Cäsar als Erbauer einer in Leubus gelegenen Burg und eines heidnischen Heiligtums dargestellt. Diesen Tempel soll die slawische Bevölkerung, die den Namen des Erbauers Julius in Lübens umwandelte, verehrt haben.2 Unter Herzog Kazimierz I. dem Erneuerer (1034-1058), dem rex monachusy sollen hier die monachi nigri, also die Benediktiner, angesiedelt worden sein, von denen jedoch nur wenige an der vom Herzog erbauten Jakobskapelle wirkten. In verkürzter Form bringt auch die sog. Chronica principum Poloniae, eine wohl ebenfalls dem 14. Jahrhundert zuzurechnende Quelle, eine ähnliche Version der Leubuser Klostergründung.3 1 ML, S. 14 f. Vgl. dazu EPPERLEIN, Gründungsmythos. 2 Est locus iste Lübens Julio de Cesare dictus / Slavonizando loquens consuevit dicere vulgus Lübens pro Julius, qui primus castra metatus / Est hic> et populus eius phanum veneratus (ML, S. 14). 3 Et tunc idem Boleslaus altus, zelo devocionis accensus, in situ castri Lübens, ubi, sicut dicitur, antiquitus tempore Iulii Cesaris, qui hoc ipsum construxisse narratury fuit fanum idolorum> fundavit cenobium Cisterciensis ordinis, in quo prtus Kazimirus monachus, de quo superius fit mencio3 locaverat nigros monachos ordinis sancti Benedicti, vocans fratres de Portensi monasterio super Salam (Kronika książąt polskich, ed. Z. WĘCLEWSKI, in: MPH III, S. 424-578, hier S.482). Vgl. zu dieser Quelle SCHULTE W., Die politische Tendenz der Cronica principum Polonie (DQ 1), Breslau 1906.
16
Abriß der Klostergeschichte
Selbstverständlich ist die Gründung der Leubuser Burg nicht auf Julius Cäsar zurückzuführen. Es gibt aber Hinweise, die sowohl auf die Existenz einer Burg als auch auf die eines heidnischen Heiligtums hindeuten. Diese Anlage könnte auf die hier seit dem 6. Jahrhundert siedelnden slawischen Stämme zurückgehen.4 In der Gründungsurkunde von 1175 wird Leubus ausdrücklich als in antiqui castri sinu super fluminis Ödere fluenta5 gelegen bezeichnet. Also muß dort eine alte Verteidigungsanlage bestanden haben, in deren Schoß sich ein suburbium entwickelte. Lange vor der Ansiedlung der Zisterzienser verlor diese Burg wohl ihre strategische Bedeutung, da die Zisterzienser üblicherweise die Nähe eines befestigten Platzes zur Klostergründung mieden. Einer Niederlassung der Benediktiner in einem verlassenen Castrum stand jedoch nichts im Wege. Auch gibt es Hinweise auf einen früheren heidnischen Tempel. Bis in das 17. Jahrhundert bestand unweit des Klosterkomplexes eine Kirche mit dem Hl. Kreuz-Patrozinium, auch Heidenkirchlein genannt.6 An dieser Kirche soll eine Inschrift auf den früheren heidnischen Charakter dieses Heiligtums gedeutet haben.7 Älter als dieses Gedicht ist die Erwähnung der Benediktiner als Vorgänger der Zisterzienser in der ersten Interpolation der Gründungsurkunde von 1175, die im letzten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts entstanden sein soll.8 Für das Bestehen eines ehemaligen Benediktinerklosters sprachen sich einige Historiker aus. Es konnte jedoch weder eine Übereinstimmung bezüglich seiner Existenz, geschweige denn über den Zeitpunkt der Klostergründung erzielt werden. Während Wattenbach in seinen Monumenta Lubensia der Existenz einer Benediktinerniederlassung sehr reserviert gegenüberstand,9 sprachen sich Ja-
4 Archäologische Forschungen bestätigen die weit zurückreichende Besiedlung der Leubuser Gegend an einem Oderübergang. Vgl. PATZAK B . , Nachrichten über das älteste Leubus, in: Altschlesien 4 ( 1 9 3 2 ) , S. 1 8 8 - 1 9 5 ; KALETYN T., Stan badań archeologicznych nad osadnictwem wczesnośrednio-wiecznym w Lubiążu, in: Cystersi w kulturze średniowiecznej Europy, Red. J . STRZELCZYK (Seria Historia 1 6 5 ) , Poznań 1 9 9 2 , S . 3 6 3 - 3 6 9 . 5 SUb 145. 6 Nach den zeitgenössischen Beschreibungen war die Kirche romanisch, also auch dem 1 2 . Jahrhundert zuzurechnen, vgl. WALTER E . , Die Kirchen zum Hi. Jakobus und zum Hl. Kreuz (Heidenkirchlein) in Leubus und die Benediktiner, in: ASKG 4 5 ( 1 9 8 7 ) , S. 3 7 - 5 8 . Das Heidenkirchlein wurde im 17. Jahrhundert abgetragen. 7 Diese Inschrift: Locus a quo conditus iste, Daemonis ara prius tua transit in atria> Christe. zitierte bereits SARTORIUS A., Cistercium Bis-Tertium, Vetero-Pragae 1 7 0 0 , S . 1 1 1 2 . Dieselbe Inschrift soll die Tumba des Grabes Herzog Boleslaus' I. des Langen getragen haben, vgl. Nagrobki xiążąt szląskich, ed. A. BIELOWSKI, in: MPH III, S. 7 1 0 - 7 1 4 , hier S. 7 1 1 . 8 SUb 1325. 9 ML, S. 6 f.
Die Benediktinerniederlassung in Leubus
17
nauschek,10 Winter11 und nach ihm Boehme12 und Schulte13 eher für, Grünhagen,14 Górka15 und zunächst Grüger,16 wenn überhaupt, dann für eine Gründung im 12. Jahrhunderts aus. Erst Walter17 griff diese Frage erneut auf und lieferte weitere Argumente (jedoch keine Beweise) für die Existenz einer älteren Gründung aus dem 11. Jahrhundert. Seine Erklärungen wurden von Jażdżewski 18 als „recht suggestiv" bezeichnet und das Bestehen eines Benediktinerklosters ebenfalls bejaht. Für eine Gründung in der Mitte des 11. Jahrhunderts sprach sich kürzlich, seine früheren Zweifel als gegenstandslos bezeichnend, Grüger aus. 19 Im folgenden werden die Argumente für die Existenz eines Benediktinerklosters bereits im 11. Jahrhundert ausgebaut. Die Übernahme durch die Benediktiner wird entweder um das Jahr 1050 oder 1150 angesetzt. Zum früheren Zeitpunkt festigte der 1036 aus Polen durch einen heidnischen Aufstand vertriebene Herzog Kazimierz I. der Erneuerer seine Stellung, eroberte das von Böhmen annektierte Schlesien und begann in ganz Polen, die kirchliche Organisation neu aufzubauen. Er restituierte die Bistümer Krakau und Breslau, stiftete die Benediktinerabtei Tyniec bei Krakau (1044) und besetzte sie mit Mönchen aus dem kölnischen Brauweiler.20 Außerdem exi-
1 0 JANAUSCHEK
L., Originum Cisterciensium, tomus
I
(solus editus), Vindobonae
1877,
S. 1 7 1 .
11 WINTER I,S. 301-304. 12 Urkundenbuch des Klosters Pforte, bearb. von P. BOEHME (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete 33,1-2), Halle 1893-1904, hier Bd.I, S.532. 1 3 SCHULTE W . , Die Nachrichten der Cistercienser über Kloster Leubus, in: Z V G S 3 3 ( 1 8 9 9 ) , S. 2 0 9 - 2 2 6 .
Über die Zeit der Gründung des Klosters Leubus. Ein Beitrag zur Kritik der ältesten Leubuser Urkunden, in: ZVGS 5 ( 1 8 6 3 ) , S. 1 9 3 - 2 2 1 , hier S. 1 9 5 - 2 0 1 .
1 4 GRÜNHAGEN C . , 1 5 GÓRKA, S. 5 .
16 17
Leubus, S.2. E,, Zur ältesten Geschichte des Klosters Leubus a. d. Oder, in: JbFWU 16 (1971),
GRÜGER, WALTER
S. 7-40.
Lubiąż, S. 2 5 . H., Der Zisterzienserorden in Schlesien bis zum Tode Ludwigs II. von Ungarn und Böhmen ( 1 5 2 6 ) , in: Citeaux 4 7 ( 1 9 9 6 ) , S. 9 1 - 1 0 4 , hier S. 9 1 Anm. 3. 20 Über die Gründung von Tyniec s. LABUDA G., Kto i kiedy ufundował klasztor w Tyńcu?, in: Benedyktyni tynieccy w średniowieczu. Materiały z sesji naukowej Wawel-Tyniec 131 5 października 1 9 9 4 , Red. K. ŻUROWSKA, Kraków 1 9 9 5 , S . 2 3 - 4 5 . Die Herkunft des Gründungskonventes aus Brauweiler wurde zumeist aufgrund der guten Beziehungen Kasimirs nach Köln, der Heimat seiner Mutter, der Königin Richeza von Polen, vermutet. Diese Annahme wird dadurch erhärtet, daß der Mönch Aaron, namensgleich mit dem späteren Abt von Tyniec und Bischof von Krakau, in einer Brauweiler Urkunde aus dem Jahre 1028 genannt wird: Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, bearb. von E. WISPLINGHOFF (Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde 5 7 , 1 ) , 1 8 JAŻDŻEWSKI,
1 9 GRÜGER
18
Abriß der Klostergeschichte
stieren Hinweise, daß Kazimierz die Gründung der Benediktinerabteien Mogilno21 in der Erzdiözese Gnesen und Lubin22 in der Diözese Posen geplant hatte, jedoch nicht mehr verwirklichen konnte. Erst sein Sohn Bolesław II. der Kühne (10584081) setzte diese Pläne in die Tat um. Dies läßt es als möglich erscheinen, daß Kazimierz I. auch in der vierten polnischen Diözese, Breslau, eine Benediktinerniederlassung gestiftet hat. 23 So wird ein wohlüberlegter Plan erkennbar, der für jede polnische Diözese ein Benediktinerkloster vorsah, aus dem sich dann Teile des jeweiligen Domkapitels rekrutiert hätten.24 Für diese Ansicht spricht auch eine alte Leubuser Klostertradition über die Grabstätten von drei Breslauer Bischöfen, die innerhalb des Klosters bestattet worden seien, aber noch vor der Ansiedlung der Zisterzienser das Bistum regiert hätten. Dieser Tradition folgend errichteten die Leubuser Zisterzienser gegen Ende des 17. Jahrhunderts hinter dem Hochaltar der Abteikirche die Marmorstandbilder der Bischöfe Hieronymus (1046-1062), Peter I. (1073-1111) und Johannes II. (1146-1149) 2 5 Damit wäre durchaus denkbar, daß eben diese Bischöfe aus dem
21 22
23
24
25
Bonn 1972, Nr. 87. Obwohl die Urkunde eine Fälschung ist, wurde Aaron in den Katalog der Mönche in einem weiteren Werk Wisplinghoffs übernommen: WISPLINGHOFF E., Die Benediktinerabtei Brauweiler (Germania Sacra N. E 29. Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln - Das Erzbistum Köln 5), Berlin-New York 1992, S.252. Die Seltenheit dieses Namens spricht für die Identität beider Mönche, obwohl einige Zeit zwischen den beiden Erwähnungen liegt. Vgl. auch DAVID R , Les Benedictins et Tordre de Cluny dans la Pologne medievale (Publications du Centre franco-polonais de recherches historiques de Cracovie 1), Paris 1939, S. 47. KÜRBISOWNA B., Najstarsze dokumenty opactwa benedyktynów w Mogilnie (XI-XII w.), in: Studia Źródłoznawcze 13 (1968), S. 27-59; PŁOCHA J . , Najdawniejsze dzieje opactwa benedyktynów w Mogilnie, Wrocław-Warszawa-Kraków 1969. PERZANOWSKI Z., Opactwo benedyktyńskie w Lubiniu. Studia nad fundacją i rozwojem uposażenia w średniowieczu, Wrocław et al. 1978; KURNATOWSKA Z., opactwo benedyktyńskie w Lubiniu w świetle badań wykopaliskowych w latach 1978-1983, in: Studia i materiały do dziejów Wielkopolski i Pomorza 32,2 (1987), S. 5-23; Opactwo benedyktynów w Lubiniu. Pierwsze wieki istnienia. Materiały z IV Sesji Lubińskiej z okazji 850-lecia konsekracji ołtarza NMP14-15 października 1995 r., Red. Z. KURNATOWSKA (Poznańskie Towarzystwo Przyjaciół Nauk - Prace Komisji Archeologicznej 16), Poznań 1996. Mit einem ähnlichen Argument begründet auch Friedrich SCHILLING seine Ansicht, daß die Benediktinerniederlassung in Leubus bereits Kasimir I. (also um 1050) ihre Gründung verdankte, vgl. Ursprung und Frühzeit des Deutschtums in Schlesien und im Lande Lebus. Forschungen zu den Urkunden der Landnahmezeit (Ostdeutsche Forschungen 4/5), Leipzig 1938, S.29. Zumindest in Krakau soll der Benediktinerkonvent von Tyniec durch mehrere Jahrzehnte die Bischöfe gestellt haben. Diese Ansicht wird vertreten in: Tyniec. Sztuka i kultura benedyktynów od wieku XI do XVIII. Katalog wystawy w Zamku Królewskim na Wawelu, Kraków 1994, S. XII. Vgl. dazu WALTER, Geschichte, S.32ff.
Die Benediktinerniederlassung in Leubus
19
Leubuser Benediktinerkonvent hervorgegangen sind und sich in ihrem Profeßkloster bestatten ließen. Mit der oben erwähnten Parallelgründung von Benediktinerabteien in den polnischen Diözesen korrespondieren die Aufzeichnungen von Jan Długosz zu den Gründungen Kazimierzs I. Im Kapitel über die Stiftung von Tyniec zum Jahre 1050 wird im gleichen Atemzug auch die Gründung von Leubus genannt, wobei die dem Kloster von Kazimierz geschenkten Güter aufgezählt werden.26 Er nennt hier acht Dörfer, die auch zum großen Teil in der Gründungsurkunde von 1175 erscheinen.27 Dies deutet wohl darauf hin, daß Długosz die Urkunde nicht kannte, weil er sonst auch die anderen Dörfer genannt hätte. Außerdem zahlt er nur die Dörfer auf, die nicht vom Adel stammten und daher mittelbar als herzogliche Schenkungen zu betrachten sind, so daß diese bei einer Umwidmung des Benediktinerkonventes an den Landesherren zurückgefallen wären. Diese Güter hat Boleslaus der Lange dann den Zisterziensern überlassen und diejenigen, welche er zu anderen Zwecken brauchte, zurückbehalten. Ähnlich verhielt es sich mit Nabitin, wo er den Zisterziensern lediglich die dortige Kapelle und den Kretscham überließ. Dafür gab er ihnen 1175 drei andere Besitzungen, Guckelhausen (Godechendorph), Fröbel (villa Martini) und die Peterskirche in Breslau. Es erscheint durchaus glaubhaft, daß diese Ortschaften den Benediktinern gehört hatten, bevor sie erneut als Gründungsausstattung des Zisterzienserklosters dienten. Eine weitere Besitzung der Zisterzienser gibt ebenfalls Grund zum Nachdenken, Es handelt sich hierbei um die Jakobskirche in Leubus, die jedoch nicht an der Stelle gestanden hatte, wo heute die Überreste dieser Kirche gleichen Patroziniums stehen. Zunächst ist es sehr ungewöhnlich, daß in Leubus vier Kirchen bzw. Kapellen nebeneinander existierten. Neben der Johanneskirche im späteren sog, Städtel Leubus, die ausschließlich seelsorgerische Funktionen erfüllte, bestanden im engeren Klosterbereich die Klosterkirche der Zisterzienser mit dem Marienpatrozinium, dann die Jakobskirche und eine Hl. Kreuz-Kapelle, die man im Volksmund Heidenkirchlein nannte und Ende des 17. Jahrhunderts abtrug.28 Erstaunlich ist nun, daß die Jakobskirche nicht, wie die Leubuser Jo-
26 Ioannis Dlugossii Annales seu cronicae incliti regni Poloniae, liber III et IV, Varsoviae 1970, hier Buch III, S.50. 27 Leubus (Lübens), Neumarkt {Novum Forum), Bogenau (Bogonow), Protzan (Dobrogostow), die ganze Breslauer Nikolai-Vorstadt (Napthim und Step in), Wilxen (Wixino) und das nicht identifizierbare Nakchim. Die drei Dörfer, die in der Gründungsurkunde nicht erscheinen, sind: Neumarkt, Stepin und Nakchim. 2 8 WALTER E . , Die Kirchen zum HL Jakobus und zum Hl. Kreuz (Heidenkirchlein) in Leubus und die Benediktiner, in: ASKG 4 5 ( 1 9 8 7 ) , S. 3 7 - 5 8 .
20
Abriß der Klostergeschichte
hannes-, die Breslauer Peters- und die Beuthener Stephans-Kirche in der Stiftungsurkunde genannt wird, obwohl sie nach der erhaltenen Beschreibung aus dem 17. Jahrhundert älter als die Klosterkirche gewesen sein und 1175 bereits existiert haben muß.29 Sie wird zum ersten Mal 1202 den Zisterziensern bestätigt, wo auch ihre Zehnteinkünfte aufgezählt werden.30 Nun muß man sich fragen, wem diese Kirche in der Zeit von 1163/1175-1202 gehörte. Da sie sich nicht im Zisterzienserbesitz befand, müßten die neuen Bewohner eine Eigenkirche des Herzogs oder des Bischofs auf ihrem Klostergelände geduldet haben. Doch ist kein anderer solcher Fall bekannt, daß neben der Klosterkirche der Zisterzienser eine fremde Eigenkirche bestanden hätte. Eine andere Erklärung drängt sich hier auf. Die meisten bisherigen Befürworter der Existenz einer Benediktinerniederlassung vermuteten, parallel zu den späteren Ereignissen in der Breslauer Marienabtei, daß die Benediktiner aus Leubus vertrieben wurden.31 Nur Trawkowski hat eine weitere Möglichkeit en passant erwähnt, nämlich den Verbleib der Benediktiner in Leubus,32 wo sie ihre Jakobskirche und ihre Zehnteinkünfte weiternutzen konnten. Den Benediktinern mag ein Vorschlag unterbreitet worden sein, in den Zisterzienserorden überzuwechseln,33 doch konnten die beiden Konvente auch weiter neben-
29
30 31
32
33
Vgl. dazu die Ausführungen von WALTER, Kirchen, S. 3 9 - 4 3 . Die Beschreibung der alten Jakobskirche bei LUTSCH H., Die Kunstdenkmäler der Landkreise des Regierungs-Bezirks Breslau, Breslau 1889, S. 604. SUb I 82. So GÓRKA, S. 19, und nach ihm HANUS, S. 13 f., die die Übersiedlung der Leubuser Benediktiner in die großpolnische Abtei Lubin vermuteten. An dieser Stelle spricht Hanus sogar von der angeblichen Abtei Lublin (statt Lubin), was bereits Górka aus den älteren Vorlagen korrigiert hatte. Die Vertreibung eines Konvents hätte wohl eine starke Gegenwehr hervorgerufen, was sich Boleslaus 1163/75 nicht leisten konnte. In den 1190er Jahren war aber seine Position so gestärkt, daß vor einem solchen Schritt keine Bedenken bestanden. TRAWKOWSKI, Gospodarka, S. 30, Anm. 29. ZIENTARA B., Bolesław Wysoki - tułacz, repatriant, malkontent. Przyczynek do dziejów politycznych Polski XII wieku, in: Przegląd Historyczny 62 (1971), S. 367-396, hier S. 379, stimmt dem auch zu. Die Übernahme ehemaliger Benediktinerklöster durch die Zisterzienser war nichts Außergewöhnliches und den Leubuser Mönchen wohl bekannt, da auch das Mutterkloster Pforta ehemals ein Benediktinerkloster gewesen war, vgl. PAHNCKE R . , Schulpforte. Geschichte des Zisterzienserklosters Pforte, Leipzig 1956, S.28. Eine ähnliche Situation ist bei der Gründung der Zisterze in Wörschweiler (bei Homburg/ Saar) überliefert. Das dort vor 1131 gegründete Benediktinerpriorat wurde um 1170 von der Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach besiedelt. Das Angebot zum Verbleib in Wörschweiler nutzten drei der fünf Benediktinermönche, die zwei anderen zogen sich in ihre Mutterabtei Hornbach zurück, vgl. TRAPP T., Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (VillersBettnach) im Hoch- und Spätmittelalter (Veröffentlichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 27), Saarbrücken 1996, S.56.
Die Benediktinerniederlassung in Leubus
21
einander existieren, Falls dies stimmen sollte, ist klar, warum die Jakobskirche erst 1202 als Zisterzienserbesitz bestätigt wird. Man mußte das Aussterben der pauci monachi nigri abwarten, was wohl kurz vor 1202 geschehen ist, und konnte sich erst dann diese Kirche mit den dazugehörigen Zehnten einverleiben. Nur so läßt sich die Existenz der vielen Kirchen bzw. Kapellen in dem vor dem Einzug der Zisterzienser eher unbedeutenden Leubus erklä