Der Gesundheits-Brockhaus
 3765303585, 9783765303586

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DER GESUNDHEITS-BROCKHAUS

DER GESUNDHEITS BROCKHAUS DRITTE, VÖLLIG NEU BEARBEITETE AUFLAGE

Mit über 1'600, weitgehend farbigen Abbildungen, graphischen Darstellungen, einem Modell der inneren Organe und einer Anleitung zur Ersten Hilfe

Unter Mitarbeit von Professor Dr. med. Meta Alexander, Berlin, Privatdozent Dr. med. Peter H. Althoff, Frankfurt/Main, Professor Dr. med. Gerhard Aumüller, Marburg, Professor Dr. med. Gerhard Baltzer, Marburg, Professor Dr. rer. nat. Jörg Barner, Freiburg i. Br., Professor Dr. med. Wilhelm Blasius, Gießen, Hans-Georg Borowski, Marburg, Professor Dr. med. Georg Brehm, Ludwigshafen/Rh., Dr. med. Sigrun Chrubasik, Freiburg, Dr. med. Joachim Chrubasik, Freiburg, Professor Dr. med. Manfred P. Dierich, Innsbruck, Wolf G. Dörner, Inzell, Professor Dr. phil. Irene Eichberger-Kiener, Wiesbaden, Professor Dr. med. Joachim Eichler, Wiesbaden, Professor Dr. med. vet. Hans Eikmeier, Gießen, Professor Dr. med. Peter Emmrich, München, Professor Dr. med. Gerhart Erdmann, Mainz, Professor Dr. med. Claus-Jürgen Estler, Erlangen, Professor Dr. med. Hans-Georg Fassbender, Mainz, Professor Dr. phil. Hans Fleischhacker, Frankfurt/Main, Professor Dr. med. Hellmuth Freyberger, Hannover, Professor Dr. med. Walter Fuhrmann, Gießen, Dr. med. Eckhard Gebert, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Pro­ fessor Dr. phil. Egbert Geyer, Marburg, Professor Dr. med. et Dr. phil. Herbert Göpfert, Freiburg/Br., Dr. med. Heinz Gundlach, Heiden­ heim, Professor Dr. med. Friedhelm Hess, Marburg, Dr. med. Benedikt Hilka, Hannover, Professor Dr. med. Wildor Hollmann, Köln, Dr. med. Jörg D. Hoppe, Düren, Dr. med. Johann Klahn, Freiburg/Br., Professor Dr. med. Karl-Friedrich Klippel, Celle, Dr. med. Will Klun­ ker, Heiden, Dr. med. Erich Krug, Helmstadt/Bargen, Privatdozent Dr. med. Dr. phil. Wolfram Kurth, Wiesbaden t, Professor Dr. med. Paul Lüth, Knüllwald-Rengshausen, Professor Dr. med. Joseph Matzker, Köln, Dr. med. Friedrich Mehlhose, Berlin, Dr. med. Stephan Mies, Hannover, Professor Dr. med. Irmgard Oepen, Marburg, Professor Dr. med. Hansjürgen Raettig, Berlin, Dr. med. dent. Alfred Rau, Wiesbaden, Dr. med. Jörg R. Rether, Hannover, Professor Dr. med. Wolfgang Rotter, Frankfurt/Main, Professor Dr. med. Hans Schadewaldt, Düsseldorf, Dr. med. Christoph Schönle, Kiel, Professor Dr. med. Willi Spielmann, Frankfurt/Main, Gerhard Vogt, Düsseldorf, Oberarzt Dr. med. Klaus-J. Volkmer, Hamburg, Ministerialrat Dr. med. Rolff Wagner, Bonn, Professor Dr. med. Dr. jur. Reinhard Wille, Kiel, Professor Dr. med. Günter Wirth, Heidelberg, Dr. med. Hanns-Dieter Wolff, Trier, Prof. Dr. med. habil. Marian Zierski, Gießen

Begründet von Prof. Dr. H. Mommsen t; in der Lexikon-Redaktion des Verlages bearbeitet von Dr. med. Eberhard Hilka, Wiesbaden

F. A. BROCKHAUS

WIESBADEN

In diesem Buch werden, wie in allgemeinen Nachschlagewerken üblich, etwa bestehende Patente, Gebrauchsmuster oder Warenzeichen nicht erwähnt. Wenn ein solcher Hinweis fehlt, heißt das also nicht, daß eine Ware oder ein Warenname frei ist.

CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek Der Gesundheits-Brockhaus/unter Mitarb. von Meta Alexander . . . Begr. von H. Mommsen, bearb. von Eberhard Hilka 3., völlig neu bearb. Aufl. - Wiesbaden : Brockhaus, 1984 ISBN 3-7653-0358-5 NE: Alexander, Meta [Mitverf.]; Mommsen, Helmut [Begr.]; Hilka, Eberhard [Bearb.]

Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, das Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege zu vervielfältigen (Fotokopie, Mikrokopie) oder in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen oder anderen Medien zu verbreiten. © F. A. Brockhaus, Wiesbaden 1984 - V. Nr. W 1640 - ISBN 3-7653-0358-5 - Printed in Germany Schutzumschlag und Einband nach Entwurf von Peter Plasberg, Hamburg Satz: Satzzentrum Oldenburg GmbH, Oldenburg (Oldb) - Druck und Bindung: Neue Stalling GmbH, Oldenburg (Oldb) Druck des Modells >Der Mensche Gloatz, Hille & Co., Berlin

A Aalgift, im Aalblut vorkommendes, dem Schlangen­ gift ähnl. Ichthyotoxin (Fischgift) mit blutzersetzender (hämolytischer) Wirkung; wird durch Erhitzen des Aals zerstört. Abbe, Ernst, Physiker und Sozialreformer, * Eisen­ ach 1840, t Jena 1905, revolutionierte als Mitarbeiter von C. Zeiss (seit 1866) den Bau opt. Geräte durch seine noch heute gültige Theorie der Bildentstehung im Mikroskop und neue Meß- und Prüfverfahren. Nach dem Tod von Zeiss (1888) machte er die von ihm gegr. Carl-Zeiss-Stiftung, in der er wegweisende soziale Neuerungen ein­ führte, zur Alleininhaberin der Zeiss-Werke.

Ab binden, das Zusammendrücken von Blutgefä­ ßen; Notmaßnahme zur vorläufigen -» Blutstillung, wenn größere Gefäße verletzt sind (-»Erste Hilfe, Anhang); auch Maßnahme des Chirurgen, wenn er in Blutleere ope­ rieren will (nach F. v. Esmarch, * 1823,11908), um bes­ sere Übersichtlichkeit im Gewebe zu schaffen oder um stärkeren Blutverlust zu vermeiden, z. B. bei Amputatio­ nen. Zum A. wird meist ein etwa 6 cm breites Gummiband verwendet, mit dem das abzubindende Glied so fest um­ schlungen wird, daß die Hauptschlagader zusammenge­ preßt und dadurch der Durchfluß des Bluts unterbunden wird (nicht länger als 2 Stunden ununterbrochen zulässig; Gefahr von Gewebsschädigungen und Nervenläh­ mungen). Ab|bruchblutung, Blutung aus der Gebärmutter­ schleimhaut, die bei anovulatorischem Zyklus (Men­ struationszyklus ohne Eisprung) oder nach Absetzen ei­ ner Hormonbehandlung infolge Entzug von Östrogen (Östrogenentzugsblutung) oder Progesteron auftritt. Die Schleimhautabstoßung verläuft unvollständig und lang­ samer als bei einer echten Menstruationsblutung.

ABC-Schäden, Abk. für atomare, biolog. undchem. Einwirkungen im Rahmen krieger. Handlungen oder bei (Reaktor-, Labor-, Transport-)Unfällen. 1) atomare Schäden, durch Alpha-, Beta-oder Gamma­ strahlen bewirkte -»Strahlenschädigungen. Ihr Ausmaß hängt von der Gesamtmenge der durch den Körper aufge­ nommenen Strahlendosis (-► Strahlenschutz) ab. Sym­ ptome: Übelkeit, Erbrechen, Hautrötung, Blutungen, Haarausfall, Durchfall, Zerstörung des Knochenmarks mit Zusammenbruch der Infektabwehr, Schockwirkung, Fieber, Krampfzustände, Kreislaufversagen. 2) biolog. Schäden, durch Verbreitung von Krank­ heitserregern (Viren, Bakterien, Pilze) ausgelöste Epide­ mien; auch Vernichtung von Nutzpflanzen durch Ein­ bringung von Schädlingen. 3) ehern. Schäden, durch Gifte, Giftkampfstoffe und Pflanzenvernichtungs- (z. B. Entlaubungs-)Mittel her­ vorgerufene Vergiftungen, Verätzungen oder Verbren­ nungen. Kombinationsschäden können z. B. in Form von Ver­ strahlung, Verbrennung und/oder Verbrühung bei Reak­ torunfällen auftreten. Der Beseitigung und Abwehr von ABC-S. dienen spezielle Organisationen, z. B. ABC-Ab­

wehreinheiten der Bundeswehr, Techn. Hilfswerk. (-» Katastrophenmedizin, -»Triage-Index) Abderhaldensche Reaktion [n. dem schweizer. Physiologen E. Abderhalden, * 1877,11950],-»Abwehr­ fermente. Abdomen das, -» Bauch. Aberglaube, Glaube an naturgesetzlich unerklär­ bare und deshalb naturwissenschaftlich geleugnete Kräfte. Wird im religiösen Bereich die Grundbeziehung zum >Heiligen< nicht in der Innerlichkeit ihres religiösen Gehalts erlebt, können die ursprünglich in hl. Personen oder Gegenständen, z. B. Reliquien, verehrten Mächte zu bloßen Zauberkräften werden. Aus der >aufgeklärten< Sicht des Menschen im techn. Zeitalter werden Volks­ bräuche häufig vorschnell als A. abgetan; sie sind jedoch oft Formen eines nach außen verlegten Umgangs mit dem Unbewußten, u. a. der Angst vor unbeherrschten Mäch­ ten (Dämonenvertreibung, magische Reinigungsproze­ duren, karnevalist. Bräuche). Der medizin. Volksglaube enthält neben praktisch bewährtem Erfahrungsgut (Volksmedizin) auch nichtrealitätsbezogene Vorstellun­ gen über den Kranken (-»Exorzismus) und Krankheits­ verläufe; dabei können (teils in betrüger. Ausnutzung abergläub. Vorstellungen) gesundheitsgefährdende Maß­ nahmen angewendet werden (z. B. Gebrauch von Lei­ chenteilen, Verabreichung von Blut, Eiter oder Kot, Aus­ übung von psych. Druck mit Verdächtigung Unschuldi­ ger, die durch ihren >bösen Blickt oder angebl. Zaubereien Unglück bringen sollen). Die Psychologie sieht die Be­ gründung für die mannigfachen Formen des A. der mo­ dernen Gesellschaft in den Motiven der Angst und des Glücksverlangens, also als Ausdruck des Wunschdenkens und Sicherungsbedürfnisses (Verwendung von Hufeisen­ symbolen u. ä.). Abfälle, bei der Verarbeitung und Aufbereitung von Stoffen in Haushalt, Gewerbe und Industrie anfallende, i. d. R. nicht mehr verwertbare Stoffe. Sie können Ge­ sundheit und Wohlbefinden durch Krankheitserreger, Geruch und Aussehen beeinträchtigen, auch auf dem Um­ weg über Boden, Wasser und Luft Schaden anrichten (bes. Giftstoffe und radioaktive Substanzen aus indu­ striellen Fertigungsprozessen und Kernkraftwerken). A. von Nahrungsmitteln gehen leicht in Gärung und Fäulnis über und müssen vor Schädlingen (Insekten, Mäusen, Ratten, streunenden Haustieren) als möglichen Krank­ heitsüberträgern gesichert und schnell beseitigt werden, (-►städtische Abfallstoffe) Abführmittel, Laxanti|en, Ez. das Laxans, Mittel, die eine vermehrte Darmentleerung bewirken, unterschie­ den nach ihrer Wirkung auf den Dickdarm, den Dünn­ darm oder auf beide. Die Dünndarmmittel werden einge­ teilt in mechanisch wirkende und solche, die durch ehern. Reizung der Darmschleimhaut eine vermehrte Darmbe­ wegung (Peristaltik) auslösen. Die ersteren wirken peri­ staltikanregend durch Vermehrung der Wassermasse des Darminhalts; zu ihnen gehören Mineralsalze wie Karls­ bader Salz, Bittersalz, Glaubersalz, Seignettesalz, einige 5

Ernst Abbe

Abga natürl. Mineralwässer und Quellstoffe wie Agar-Agar und Zellulose. Rizinusöl wirkt durch ehern. Reizung der Darmschleimhaut. Dickdarmmittel sind bes. Sennesblät­ ter, Faulbaumrinde, Aloe und der ostind. Rhabarber. Die in ihnen enthaltenen Anthrachinonabkömmlinge regen auf dem Blutweg die Dickdarmmuskulatur an. Als Gleit­ mittel dient das Paraffinöl. Der ständige Gebrauch kann, auch bei natürl. A., zu Schädigungen der Darmschleimhaut und des Mineral­ stoffhaushalts führen durch Verlust von Wasser und Elektrolyten wie Natrium, Kalium und Kalzium. Die — Verstopfung sollte ursächlich, bes. durch Änderung der Ernährungsweise (schlackenreiche Kost, z. B. Voll­ kornbrot, Obst), Bewegung, Massage u. ä. behandelt werden. Abgase, gasförmige Emission bei Verbrennungs­ prozessen (Feuerungsanlagen, Verbrennungsmotoren) oder aus Industrieanlagen abgehende gasförmige Stoffe, die flüssige oder feste Bestandteile enthalten können. In A. von Verbrennungsmotoren (Auspuffgase) treten bes. lolzstethoskop (19. Jh.) folgende schädl. Bestandteile auf: beim Ottomotor Koh­ lenmonoxid (CO), unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC), Stickoxide (NOX) und bes. Blei (—Antiklopfmit­ tel); die nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorgani­ sation (Abk. WHO) vertretbare wöchentl. Bleiaufnahme von insgesamt 30 Mikrogramm (millionstel g) wird im Straßenverkehr vermutlich häufig überschritten; beim Dieselmotor entsteht neben Stickoxiden auch Ruß. A. aus Industrieanlagen und Gewerbebetrieben enthalten als bes. schädliche Bestandteile Kohlenmonoxid, Schwefel­ dioxid (SO2), Schwefelwasserstoff (H2S), Stickoxide, Chlor (CI), Chlorwasserstoff (HCl) und Fluorwasserstoff (HF). — Luftverunreinigung. Abgasgesetze und -Verordnungen legen die Höchst­ grenze der zulässigen Schadstoffemissionen fest. In der Bundesrep. Dtl. sind das im wesentlichen das Bundes-Im­ missionsschutzgesetz v. 15. 3. 1974, die als dessen erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift erlassene Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) von 1974, in der die Immissionskenngrößen festgelegt sind, nebst Durchführungsverordnungen, insbes. der 4. Durchfüh­ rungsverordnung vom 14.2.1975, betr. genehmigungsbe­ dürftige Anlagen, sowie das Benzinbleigesetz vom 5.8. 1971. Der A.-Entgiftung dienen die Verfahren der Absorp­ tion, Adsorption, Kondensation und (als beste Lösung) vollständigen Verbrennung. Abgeschlagenheit, die — Abspannung. abgetrennte Gliedmaßen, Amputate, Körper­ teile, die durch äußere Gewalteinwirküng abgetrennt wur­ den. Die Wiedereinpflanzung (—Replantation) ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Am Unfallort sol­ len die a. G. sofort in trockenen, keimfreien Verbandmull eingewickelt und dann in einen wasserdichten Beutel ge­ legt werden. Dieser wird, dicht verschlossen, in einen zweiten, mit Eis und Wasser gefüllten Beutel gelegt. Die Wunde des Patienten wird durch Druckverband versorgt. Der Transport in eine Spezialklinik sollte möglichst rasch vorgenommen werden (Hubschrauber). Größere a. G., z. B. Arm oder Bein, sind etwa 6 Stunden, kleinere etwas länger verwendungsfähig. Die endgültige Einheilungsrate liegt bei über 80%. (Bilder S. 7) Abhärtung, Gewöhnung des Organismus an äußere Einwirkungen (Kälte, Nässe), Änderung des Biorhyth­ mus, der Eß- und Lebensgewohnheiten unter Inkauf­ nahme von Entbehrungen. Ziel ist die Hebung der Wider­ standsfähigkeit und die Verbesserung der Anpassungs­ mechanismen auch seel. Art. A. dient der Vermeidung und Besserung von Zivilisa­ tionskrankheiten, kann eine Konstitutionsschwäche aus­ gleichen und Krankheiten (Erkältung, Muskelschwäche, Verstopfung u. a.) vorbeugen. Sie wird unterstützt durch eine gesunde Ernährung, altersgemäße sportl. Belastung (-♦Training) und autogenes Training. Natürl. Maßnah­ men zur A. — Naturheilkunde. Abhorclien:

Strömungsgeräusche; a-e Abhorchbereiche, a Hals­ schlagader, b Schlüsselbeinarterie, c Armarterie, d Nie­ renarterie, e Oberschenkelarterie 6

Abhorchen, Auskultation, Untersuchung bes. der Brustorgane mit Hilfe eines Hörrohrs (Stethoskop), das aus Holz oder einem beiden Ohren zugeführten Schlauch­ system mit tonverstärkendem Aufsatzteil besteht. Beur­ teilt werden Herztöne, Atemgeräusch und Nebengeräu­ sche, die als Folge von Herzleiden und Lungenerkran­ kung auftreten können (—Rasselgeräusche). Wichtig ist

Abhorchen: Stethoskop; a Ohroliven, h Bruststück, c Membrane, d Gabelschlauch, e Metallbügel

das Erkennen von Gefäßgeräuschen, die bes. dann hörbar sind, wenn die Gefäßlichtung um mehr als 50% eingeengt ist. In Ruhe nicht hörbare Strömungsgeräusche können durch Belastung, z. B. nach Kniebeugen, wahrnehmbar werden. Das seltener angewendete A. der Bauchhöhle dient zur Wahrnehmung von Darmgeräuschen bei gestör­ ten Darmbewegungen. Während der Schwangerschaft sind durch die Bauchdecken hindurch die kindl. Herztöne von der 12. Schwangerschaftswoche ab mit dem Hörrohr wahrzunehmen. Abkauung, Abrasio dentium, mit fortschreiten­ dem Alter einsetzende physioiog. Abschleifung der Zahn­ kronen (Hartsubstanzverlust) mit Veränderung des Kau­ reliefs. Einfluß auf den Grad der A. haben Kaufunktion, veränderter Zustand der Kiefergelenke (z. B. bei Pfeifen­ rauchern und Blasinstrumentenspielern) und die Nah­ rungsbeschaffenheit (Eßgewohnheiten). Folgen der A. kann Zähneknirschen sein.

Abklatschung, — Abreibungen. Ablatio retinae, die — Netzhautablösung.

Ableitung, Heilverfahren, das durch Reizung von Ausscheidungsorganen (Haut, Verdauungsorgane, Nie­ ren, Nasen-Rachen-Raum) oder blutentziehende Maß­ nahmen versucht, gesundheitsschädigende Stoffe aus dem Körper zu entfernen oder den Stoffwechsel zu be­ einflussen (—Blutreinigung). A. auf die Haut erfolgt durch Schwitzen (Arbeitsschwitzen, Trockenschwitzen, Packungen, Sonnenschwitzen, Glühlichtbäder, Heiß­ luftbäder, Dampfbäder, Paraffinpackungen, Sauna­ bad), Hautreizmittel (Senfpackungen, hautreizende Pfla­ ster), Bestrahlungen (Höhensonne). Der A. auf den Darm dienen Abführmittel, Einläufe, subaquales — Darmbad, der A. auf die Nieren harntreibende Mittel, der A. über den Nasen-Rachen-Raum das —Rödern. Blutentzie­ hende Verfahren sind Aderlaß, Blutegelbehandlung, Schröpfen. Abmagerung, funktioneller Vorgang mit organ. Fol­ gen, der von einem tatsächl. oder anzunehmenden Nor­ malzustand ausgeht: Körpersubstanzverlust durch Schwund des Unterhautfettgewebes (auch des Eingewei­ defettes) bis zum Muskelschwund, bes. bei Eiweißman­ gelernährung (—Dystrophie, — Unterernährung). Ursachen: mangelhafte Ausnutzung der Nahrung durch Erkrankungen der Verdauungsorgane (Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse) und/oder Stoffwech­ selkrankheiten, z. B. Zuckerkrankheit. Gesteigerte Ab­ bauvorgänge finden sich bes. bei bösartigen Geschwül­ sten, chron. Infektionskrankheiten, z. B. Tuberkulose, Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) u. a. hor­ monalen Ursachen. Psych. Ursachen sind bes. bei jungen Menschen häufig und können, wie die — Anorexia ner­ vosa, Ausdruck einer Reifungskrise sein. Es gibt auch Menschen, deren Nahrungsbedarf allge­ mein gering ist und die ihr Längendurchschnittsgewicht nicht erreichen; sinkt dieses nicht unter einen bedenkl. Wert, ist kaum Sorge geboten. Über krankhafte A. — Magersucht. Abnabeln, das Durchtrennen der Nabelschnur nach der Geburt.

Abse Abnutzungskrankheiten, Verschleißkrank­ heiten, durch lang dauernde Überbeanspruchung von

Organen oder Organsystemen auftretende Erkrankun­ gen; meist beruflich bedingt, z. B. Meniskusschäden im Kniegelenk bei Berufssportlern. Bei A. wird der an sich unpräzise Oberbegriff Degeneration dann gebraucht, wenn das überbeanspruchte Gewebe Abweichungen als Folge eines Teilschadens der Zelle oder als Folge geweb­ licher Stoffwechselstörungen im Zellverband mit funk­ tionellen Auswirkungen aufweist. Abort, 1) Abtritt, Klosett, Toilette [twa-], Ort (lat. lo­ cus, daher volkstümlich >LokusKörperfrische< versprechen (Puder, E. Abderhalden (* 1877, 1 1950) nachgewiesene Fer­ Sprays). Auch das Entfernen der schützenden Behaarung mente (Enzyme), die in Blut und Harn gebildet werden, (Rasieren verursacht oft kleine Hautverletzungen) kann wenn blutfremde Stoffe (bes. artfremdes Eiweiß) unter eine Entzündung hervorrufen. Eine Hautschädigung be­ Umgehung des Darms (hauptsächlich durch Injektion) in günstigt das Eindringen von Infektionserregern, so daß es den Körper gelangen. Ihr Nachweis (durch die Abderhal- zu einer Eiteransammlung (-»Schweißdrüsenabszeß) densche Reaktion) diente früher zur Schwangerschafts­ kommen kann. diagnostik und zur Erkennung von Organkrankheiten; A|chylie, das Fehlen von Verdauungssäften, z. B. im heute wegen der Vieldeutigkeit aufgegeben. Magen (Pepsin und Salzsäure; Magen-A.) bei schwerer Abwehr|reflex, reflektor. Schutzreaktion (z. B. He­ Magenschleimhautentzündung, Magenkrebs, perniziö­ ben des Arms, Schließen der Augenlider) auf einen plötz­ ser Anämie, nach Magenresektion. In höherem Alter feh­ lich auftretenden, tatsächlich oder vermeintlich schädi­ len bei A. auch die Verdauungssäfte der Bauchspeichel­ drüse (Bauchspeicheldrüsensaftmangel; Pankreas-A.); genden Reiz. ferner bei Verlegung des Ausführungsgangs durch Tu­ Abwehrspannung, für die Erkennung entzündl. mor, Steine. Baucherkrankungen (Bauchfellentzündung, Blinddarm­ Ackerwinde, Convolvulus arvensis, zu den Win­ entzündung) wichtiges Zeichen: Drückt man auf den Bauch, so spannen sich die Bauchmuskeln an, die Bauch­ dengewächsen (Convolvulaceae) gehörendes Acker­ wand wird straff. Es handelt sich dabei um einen reflek­ unkraut in warmgemäßigten Klimazonen; in allen Teilen tor. (unwillkürl.) Vorgang, ausgelöst durch Entzündun­ der Pflanze rd. 10% gummiartige, harzige Stoffe mit ab­ gen an den Organen der Bauchhöhle, die das äußerst führender Wirkung, auch ein gerinnungsfördernder, schmerzempfindliche Bauchfell in Mitleidenschaft blutdrucksenkender und krampflösender Wirkstoff. An­ wendung: Heilpflanzen, Übersicht. ziehen. Aconitum napellus, -»Akonit. Abzehrung, veraltete, volkstüml. Bezeichnung für Acorus calamus, -»Kalmus. Kräfteverfall (-»Auszehrung, -»Dystrophie, -»Inanition, -»Kachexie). ACTH, Corticotropin, adrenocorticotropes Hor­ Achillea millefolium, -»Schafgarbe. mon des Vorderlappens der Hirnanhangdrüse, ein Wirk­ stoff, der in der Nebennierenrinde die Bildung und Ab­ Achilles|sehne, die Sehne des dreiköpfigen Waden­ muskels (Bild Bein). Zwischen Fersenknochen und A. gabe von glukotropen Nebennierenrindenhormonen befindet sich ein Schleimbeutel, der mit Beteiligung der (Glucocorticoide), z. B. Cortison, anregt. Der Anwen­ dungsbereich von ACTH als Arzneimittel, dessen Verab­ Sehne entzündlich erkranken kann (-»Haglundferse). folgung funktionstüchtige Nebennierenrinden voraus­ A|cholie, verminderte oder fehlende Ausscheidung setzt, deckt sich weitgehend mit dem der Nebennierenrin­ der von der Leber abgesonderten Gallenflüssigkeit in den denhormone. Dünndarm, entweder Folge einer Gallenstauung (CholoAdamsjapfel, der hervortretende Teil des Schild­ stase) in den Gallengängen der Leber, eines Verschlusses des Gallenblasenausführungsgangs oder der großen Gal­ knorpels, gilt beim Mann als sekundäres Geschlechts­ lengänge durch Steine, Geschwülste oder entzündl. Vor­ merkmal am Kehlkopf. gänge. Diagnostische Hinweise: Gelbsucht, weißlich­ Adams-Stokesscher Symptomenkomplex graue Stuhlverfärbung. In jedem Fall ist ärztl. Klärung ['eedamz stauks-, n. den brit. Ärzten R. Adams, * 1791, (Röntgen-, Ultraschalluntersuchung durch die Sonogra­ 1 1875, und W. Stokes, * 1804,1 1878], lebensbedrohen­ phie) notwendig. des Krankheitsbild mit hochgradiger Verlangsamung des 10

Adon Pulses bis auf 12—15 (oder weniger) Schläge in der Minute, dazu anfallsweise auftretende Bewußtseintrübung und gelegentlich epilepsieähnl. Krämpfe. Ursache: Unterbrechung der nervösen Reizleitung des Herzens (-► Reizleitungssystem), so daß Vorhof und Kammer unabhängig voneinander schlagen (Herzblock); dadurch kommt es zu einer mangelhaften Durchblutung des Gehirns mit Funktionsstörung des Atemzentrums. Erste Hilfe: Sofort Arzt rufen, Lebensgefahr! Adaptation, 1) die -»Hell-Dunkel-Anpassung des Auges. 2) Anpassung des Organismus an verschiedene Reizeinwirkungen (-» Adaptationssyndrom). Adaptationssyndrom, Abk. AAS, Bezeichnung für alle vorwiegend unspezif. Anpassungsvorgänge als Reaktion auf unterschiedl. Reize (z. B. durch Wärme, Kälte, Infektionen, auch Einwirkung psych. Art). Das A. kann als eine Form der Selbstverteidigung des Organis­ mus gegenüber einer drohenden oder bereits eingetrete­ nen schädl. Einwirkung angesehen werden. Nach H. Selye(* 1907,11982), der den Begriff A. ge­ prägt hat, wird der physiolog. Ablauf einer solchen -» An­ passung vom Zwischenhirn aus, bes. dem Hypophysen­ vorderlappen mit Hormonausschüttung, ebenso auch der Nebennierenrinde (-»Hormone), gesteuert. Dabei wer­ den 3 Phasen unterschieden: 1) die Alarmreaktion mit Blutdruckabfall, Blutveränderungen, auch Schocksym­ ptomen, 2) eine Gegenschockphase mit Anpassungsvor­ gängen durch Gegenregulation, 3) das Resistenzstadium nach erfolgter Anpassung. Auslösend kann bes. Streß sein, wobei Selye auf Zusammenhänge mit einer zivilisa­ torisch bedingten >Anpassungskrise< des Menschen von heute hinweist. Ungenügende Anpassung, z. B. bei Er­ schöpfung, kann zu Adaptations-(Anpassungs-)Krankheiten (Hochdruck, Magengeschwüre, Stoffwechsel­ krankheiten und Krankheiten des rheumat. Formenkrei­ ses) führen. Addisonsche Krankheit [' aedisn-, n. dem brit. Arzt T. Addison, * 1793, f 1860], Bronzekrankheit, seltene Erkrankung der Nebennieren, früher zu 70—90% Folge einer Tuberkulose mit Schädigung oder Zerstörung der Nebennierenrinde. Heute gilt die A. K. überwiegend als Autoimmunkrankheit, bei der -»Antikörper gegen Ge­ webe der Nebennierenrinde, der Schilddrüse, der Neben­ schilddrüse, der Bauchspeicheldrüse und der Magen­ schleimhaut gebildet werden. Seltenere Ursachen sind u. a. -»Metastasen, -»Amyloidose, -»Sarkoidose sowie langdauernde Behandlung mit Nebennierenrindenhor­ monen. Anzeichen der A. K. sind leichte Ermüdbarkeit, -» Adynamie, Braunfärbung der Haut und Schleimhäute, Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen, erniedrigter Blutdruck, Salzhunger und spontane Hypoglykämie. Die Behandlung besteht in einer Zufuhr (Substitution) der fehlenden Nebennierenrindenhormone. adenoide Wucherungen, -»Mandeln. Adenom [greh. aden >DrüseÜbertransfusion< mit Blut, bei verschlechteter Fließ­ eigenschaft (Viskosität) des Blutes sowie bei Störungen der Mikrozirkulation des Gehirns ein A. von Bedeutung sein. Hierbei erfolgt während des A. eine -»Infusion von Blutplasmaersatzlösung mit günstigen Fließeigenschaf­ ten. Weiterhin ist der A. bei -» Bronzediabetes und bei der krankhaften Vermehrung der Blutzellen (-»Polyzythä­ mie) eine mögliche Behandlungsart. Die Notwendigkeit eines A. ist wegen der Gefahren für den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung kritisch abzuwägen. Bei akuter Herzschwäche ist zur Verminderung des Kreislaufvolu­ mens zuerst die Gabe stark wirkender harntreibender Mit­ tel (Diuretika) angezeigt. Als rasch wirkende Maßnahme wird hier auch der unblutige A. durchgeführt, indem mit Staubinden oder Blutdruckmanschetten an Armen und Beinen eine künstl. Rückflußbehinderung für das sauer­ stoffarme Blut der Venen angestrebt wird. Diese Vermin­ derung der zum Herzen strömenden Blutmenge entlastet den Herzmuskel. Adern, blutführendeelast. Röhren sehr verschiedenen Durchmessers aus Muskulatur und elast. Bindegewebe (-►Blutgefäße). Die Schlagadern (Arterien) führen das Blut vom Herzen weg, die Blutadern (Venen) zum Herzen hin. Adgo, Abk. für Allgemeine Deutsche Gebührenord­ nung, die 1928 vom -» Hartmannbund als Grundlage der Honorierung von Ärzten durch Privatpatienten vorge­ schlagen wurde; sie ist heute im Leistungsverzeichnis durch die Entwicklung überholt und wurde seit 1965 durch die amtl. Gebührenordnung für Ärzte und Zahn­ ärzte (Abk. GOÄ) ersetzt. Nach der neuen Gebührenordnungv. 12.11.1982 darf sie auch nicht mehr vertragsweise angewendet werden. Adhäsion, die bindegewebige Verklebung oder Ver­ wachsung verschiedener, im normalen Zustand nicht mit­ einander verbundener Organe, z. B. der Darmschlingen nach Operationen. Adie-Syndrom ['eidi-, n. dem brit. Neurologen W. J. Adie, * 1886, f 1935], Pupillotonie, harmlose An­ omalie: Die sich auf Lichteinfall zusammenziehende Pu­ pille erweitert sich nur langsam und täuscht damit eine echte Pupillenstarre vor; oft gekoppelt mit einem Fehlen der Sehnenreflexe. Das A.-S. kann daher mit -»Tabes dorsalis verwechselt werden. Adipositas die, -»Fettleibigkeit. Adjuvans [lat. adjuvare >unterstützen(Gemüts)zustandSchwips< bezeichnet), bei l%o zu deutl. Kritikschwäche, würde. Die größten Schwierigkeiten bereitet dieeigtl. Ent­ bei 2%o zu Sprach- und Gehstörungen. Die bei 3%o zu be­ wöhnungsbehandlung, weil man auf der völligen Absti18

Allo nenz bestehen muß. Kontrolliertes Trinken ist Alkoholi­ kern i. d. R. nicht möglich. Rückfälle sind sehr häufig, können aber zuweilen abgefangen werden und stellen oft auch eine heilsame Erfahrung dar. Endziel der Entwöh­ nungsbehandlung muß darüber hinaus der Abbau alter Fehlhandlungen und der Aufbau neuer positiver Einstel­ lungen sein. Die psycholog. Betreuung, die auch die Angehörigen einschließen muß, ist die Basis für jede andere Therapie. Die Psychotherapie (Verhaltenstherapie) mit Psychoana­ lyse hat sich bei einigen Konflikttrinkern als sinnvoll er­ wiesen. Wichtig ist ein Versuch des autogenen Trainings, der Hypnose oder Aversionstherapie, mit deren Hilfe eine Abneigung gegenüber Alkohol geweckt werden soll. Als wirksamste Methode hat sich die Gruppentherapie erwie­ sen, die zu Ichentlastung und Ichstärkung, der Festigung oder Bildung einer Gewissensinstanz und damit zur Selbstkontrolle mit verbesserten zwischenmenschl. Be­ gegnungen führen soll. Nach diesem Prinzip arbeiten Selbsthilfegruppen wie die >Anonymen Alkoholiker (Abk. AA) u. a. Geheilte Alkoholiker können den Kran­ ken auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen oft am besten helfen. Die medikamentöse Behandlung mit Disulfiram oder Psychopharmaka kann letztlich nur eine Unterstüt­ zung der Therapie sein. Rechtliches. Bei Trinkern, welche die Familie schwerwiegend schädigen, kann der Ehepartner die Ent­ mündigung nach §6 Absatz 3 BGB beantragen. Verkehrs­ delikte nach A. werden u. a. nach § 315 c StGB abgeurteilt. A. kann aber auch strafrechtlich bei anderen Delikten als Verkehrsstraftaten zu verminderter Schuldfähigkeit und so zu gemilderter Bestrafung führen (§21 StGB). Bei Voll­ rausch und patholog. Rausch ist Schuldunfähigkeit gege­ ben und damit eine Bestrafung ausgeschlossen (§ 20 StGB). Wer sich jedoch fahrlässig oder vorsätzlich in ei­ nen Rausch versetzt und in diesem Zustand eine Straftat begeht, wird nach § 330a StGB bestraft. Die Strafe darf nicht schwerer sein als diejenige, die für das bei vollem Be­ wußtsein begangene Delikt angedroht ist. Bei der Gefahr erhebl. Straftaten kann der Täter der im Rausch begange­ nen Delikte auf Anordnung des Gerichts in einer Entzie­ hungsanstalt untergebracht werden (§ 64 StGB). Alkoholismus, -gegenseitigAndersempfindlichkeitkonfliktuöse< Bedeutung erhalten können. In Anlehnung an spätere, ähnlich gelagerte Bela­ stungssituationen kann es zur Wiederbelebung des Kon­ flikts unter dem Bild einer allerg. Reaktion kommen. Behandlung: Kennt man das Allergen, so kann man es ggf. meiden. Zur genaueren Diagnose kann es mittels Einspritzung oder Einreibung in die Haut oder Aufbrin­ gung von Pflastern getestet werden. Dann kann man durch steigende Gaben des stark verdünnten Allergens eine Gewöhnung durch Beeinflussung der immunolog. Vorgänge mit Antikörperbildung erreichen. Dieses Ver­ fahren nennt man Desensibilisierung. Gegen allerg. Er­ scheinungen wirken Glucocorticoide, Adrenalin, Kal­ zium u. a., weniger stark die Antihistaminkörper und manche Beruhigungsmittel. Wer an A. leidet, sollte einen Allergiepaß bei sich führen. Allergiepaß, ein auf die Person ausgestellter Aus­ weis, auf dem der Arzt die Überempfindlichkeiten sowie gegebenenfalls Datum und Art der durchgemachten al­ lerg. Krankheiten einträgt, z. B. Allergosen (-»Allergie) gegen Penicillin u. a. Arzneimittel, gegen Serumeinsprit­ zungen oder gegen gewerbl. Allergene, bes. auch gegen In­ sektenstiche. Der Allergiker soll den A. stets bei sich füh­ ren, damit ihm nicht solche Medikamente gegeben wer­ den, die ihm auf Grund seiner Allergie gefährlich werden können. Allgemein|arzt,

Arzt für Allgemeinmedizin,

-►Arzt, -»Hausarzt. Allgemeine Ortskrankenkasse, Abk. AOK, -» Sozialversicherung. Allheilkraut, der-»Ginseng. Allium sativum, -»Knoblauch. Allopathie, eine von S. Hahnemann eingeführte Be­ zeichnung: Heilmethode, welche durch die Verwendung von Heilmitteln gekennzeichnet ist, die den Krankheits­ symptomen entgegenwirken, im Ggs. zur -»Homöopa­ thie. Der A. bedient sich im allgemeinen die Schulme­ dizin. Alloplastik, Ersatz bestimmter Körperteile (jedoch keiner inneren Organe) durch tote Fremdstoffe (-»Arthroplastik, -»plastische Chirurgie). Beispiele: Deckung 19

Alit von Lücken im Schädeldach, Ersatz der weibl. Brust, ei­ nes Unterkiefers, Lendenwirbels, einer Beckenschaufel, eines Oberschenkels, einer Herzklappe, Arterie oder einer Vene. Materialien: Kunststoffe, z. B. Polyäthylen, Poly­ vinyl, korrosionsbeständige Metalle, z. B. Vitallium, Protasul 10, Keramik (Aluminiumoxid) oder Kohlenstoff. Alltagsbeschwerden, gesundheitl. Störungen wie Mißempfindungen, leichtere Beeinträchtigungen des Lei­ stungsvermögens, Unpäßlichkeiten u. ä., die von der Männer

Frauen

40% 30% 20% 10%

Kopfschmerzen Rheuma

Rückenschmerzen Wetterfühligkeit

Magenbeschwerden

Sodbrennen Völlegefühl Blähungen

12EZ 10EZ

123

119

8EZ □ 7 6 EI 7EZ □ 6 9EZ □ 6 3C ____ |13

12EZ

□7

6[Z Ü4

9 EZ

Halsschmerzen1

5E

Erschöpfung/Abgeschlagenheit 111 Stress 17|

Altersbeschwerden Kreislaufbeschwerden

ZZJn

"EZ

Husten

Erkältung

|27

15|

Verstopfung Schnupfen

10% 20% 30% 40%

|17 5E

111

Z16 ZZJ12 □6 122

Alltagsbeschwerden: Häufigkeit von Alltagsbeschwerden (Personen im Erwerbsalter)

Alpha-Rezeptorenblocker, Alpha-Blocker, Al­ pha-Sympatholytika, Stoffe, welche als -»Sympathi-

kolytika die Wirkung von Adrenalin und anderen Sub­ stanzen auf den Sympathikus dadurch hemmen, daß sie die hierauf empfindlich reagierenden Alpha-Rezeptoren in den Gefäßen blockieren; eine Wirkung dieser Stoffe ist dann nur noch über die Beta-Rezeptoren möglich. Hier­ durch wird eine über diese -* Rezeptoren wirksame Blut­ drucksenkung hervorgerufen. A.-R. werden deshalb u. a. zur Behandlung peripherer Durchblutungsstörungen ein­ gesetzt. Alpinia officinarum, -»Galgant. Altenhilfe, Altenfürsorge, wird in Form der indivi­

duellen Unterstützung oder der Anstaltspflege in Zusam­ menarbeit mit den Trägern der freien Wohlfahrtspflege geleistet. Kommunen und karitative Einrichtungen unter­ halten Altenklubs, -heime und -pflegeheime, mobile Dienste für die Beköstigung alter Menschen (>Essen auf Rädemphys., psych. und soziales Wohlbefindent) aber als Krankheit einge­ stuft werden. So werden die A. grundsätzlich auch zu La­ sten der Sozialversicherung behandelt. Im Zug der Ko­ stendämpfung wird versucht, sie aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung herauszunehmen und damit die Ausgaben für Medikamente erheblich zu senken. Von der Leistung ausgenommen wären dann nicht nur die Abführ- und die Kopfschmerzmittel, son­ dern etwa auch Mittel gegen zu niedrigen Blutdruck u. a. Im wesentl. handelt es sich um Beschwerden, deren Be­ handlung z. T. auch durch Naturheil- und Hausmittel möglich ist und keine zusätzl. Maßnahmen (z. B. Rönt­ gen) erfordern. Problematisch ist, daß sich hinter A. Vor­ stadien gefährl. Erkrankungen verbergen können. Durch dieses Verkennen der A. kann die gesundheitspolit. For­ derung nach Ausdehnung der Vorsorge und Früherken­ nung der gefährl. Krankheiten in Frage gestellt werden. Alo|e, Bezeichnung verschiedener krautiger, strauch­ öder baumartiger Gewächse, zu den Liliengewächsen (Li­ liaceae) gehörend, mit über 200 Arten, heimisch in Af­ rika, nach Asien, Amerika und Europa eingeführt. Der eingedickte Saft der Blätter verschiedener trop. Arten, die Bärengalle (Succus Aloes inspissatus, Abk. Aloe), enthält mindestens 18% Anthracenderivate, hauptsächlich Aloin, mit abführender Wirkung. Anwendung: Heil­ pflanzen, Übersicht. Alopezie, der -» Haarausfall. Alpdrücken, volkstüml. Bezeichnung für nächtl. Angstträume (-»Traum). Altern, Alterung, i. w. S. Vorgang des Altwerdensim Alpha-Blocker, -► Alpha-Rezeptorenblocker. Lebenszyklus der Organismen. Die landläufige ursächl. Alpha-Fetoprotein, Eiweiß, das vom -»Fetus gebil­ Vorstellung von der Abnutzung der Organe gilt als über­ det wird. Bei Vorliegen von Fehlbildungen wie Anenze­ holt; Tod infolge eines natürl. Verschleißes von Geweben phalie oder Spina bifida tritt es vermehrt ins Fruchtwasser und/oder Organen ist eine Ausnahme, i. d. R. setzt krank­ und in das mütterl. Blut über. Sein Nachweis dort kann haftes Geschehen dem Leben ein Ende. I. e. S. ist das A. zur pränatalen Diagnostik solcher Störungen benutzt nicht nur von gesundheitlichen, sondern auch von vielen werden. psychosozialen Voraussetzungen und Einflüssen abhän­ 20

Alte gig(z. B. Bildungsstand, Berufstätigkeit, Sozialkontakte, Freizeitaktivitäten). Der Alterungsvorgang läßt sich nach P. Lüth in Typen einteilen: Zeitpunkt des Alterungsbeginns

Alterungstyp

vor dem 20. Lebensjahr vor dem 50. Lebensjahr

Progerie (frühzeitiges A.) Proterogerie (vorzeitiges A., auch: Vor-A.)

zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr

Eugerie (physiolog. A.)

nach dem 65. Lebensjahr

Diatrigerie (verzögertes A.)

Ursachen genetisch meist exogen (soziale Umwelt, Arbeit, Familie, Streß) konstitutionell (Zusammenwirken von Erbanlage und Umwelt) genetisch

Demgemäß ist der Alterungsprozeß mit genet, und in Ab­ hängigkeit von der jeweiligen Lebensphase mit psycho­ sozialen Faktoren verbunden. Eigtl. >Alterskrankheiten< gibt es lediglich in Form von krankhaften Vorgängen, die das A. beschleunigen und als typisch für es erscheinen (z. B. die Arteriosklerose). Der Alterungsprozeß ist ein komplexes Geschehen, bei dem biochem., physiolog. Vorgänge und funktionelle psycholog. Veränderungen mit entsprechender Auswir­ kung auf die Persönlichkeit unter dem Einfluß wechseln­ der sozialer Gegebenheiten wirksam werden. Nicht zu­ letzt spielen auch Alterungsveränderungen eine Rolle, die auf einer Auseinandersetzung des Individuums mit der ei­ genen Alterssituation beruhen. Physiologie des A. Mit steigendem Alter nimmt die Fähigkeit der Zellen ab, die für sie zum Weiterbestehen notwendigen Stoffe aufzunehmen, zu verarbeiten und die Stoffwechselendprodukte auszuscheiden. Als Folge bil­ den sich in den Zellen u. a. körnige Niederschläge (> Alterspigmenteinneren Nähe durch äu­ ßere Distanz < kommt, dadurch treten Persönlichkeits­ reife, Finden der eigenen Mitte und das Bewußtsein von Werten und Distanz zu Lebensproblemen in den Vorder­ grund. Individuelle Voraussetzungen und soziale Belange haben erhebl. Einfluß darauf, ob die psychischen Alte­ rungsvorgänge mit den physischen gleichzeitig, verfrüht oder verspätet auftreten. Aus Sicht der -► Psychosomatik ist das A. in jeder Lebensphase bes. dann problembela­ stet, wenn bestimmte Reifungsschritte, z. B. beim Über­ gang in das Erwachsenenalter, verwirklicht werden müs­ sen. Entsprechende Vorgänge sind bei Frauen am Anfang der 2. Lebenshälfte festzustellen, wenn der Verlust hor­ monaler Funktionen und andersartige Trennungserleb­ nisse nicht ausgleichend verarbeitet werden können. Dies spricht für die Auffassung des A. als Krisenphase (ähnlich der Pubertät), in der sich eine Veränderung der Sozialkon­ takte (bes. durch das Ausscheiden aus dem Berufsleben, Tod von Verwandten und Freunden) vollzieht, die eine vom Einzelnen unterschiedlich bewältigte Anpassung fordert. Für die Krisentheorie sprechen u. a. die erhöhte Sterblichkeitsrate bei Antritt des Ruhestandes (>Pensionierungskrankheitt, >Pensionstodpartnerfähig< bleiben. Infolge der Zunahme des Lebensalters spricht man be­ reits von einem >Zeitalter des A. i---- 1---- 1—i---- 1---- 1------ 1--- 1 14 12 10 8 6 4 2 0 0 2 4 6 8 10 12 14 Auf 1000 der gesamten Bevölkerung

10

8642002468 10 Auf 1000 der gesamten Bevölkerung

Altersgliederung der Bevölkerung im Dt. Reich: a Geburtenausfall durch den Krieg von 1870/71; b Verluste des 1. Weltkriegs; c Geburtenausfall durch den 1. Weltkrieg; d Ge­ burtenrückgang in den wirtschaftl. Krisenjahren Alters | auf bau, -* Altersgliederung. Altersbeschwerden ergeben sich aus den Verände­

Lebensjahr

Pyramide

Glocke

Zwiebel

Altersgliederung: Formen der A.

rungen, die durch das Altern bewirkt werden, wobei nach neueren Erkenntnissen die Abnahme der Leistungsfähig­ keit im Immunsystem eine wesentl. Rolle spielt. Das Alter selbst ist keine Krankheit, deshalb darf man Krankheiten im Alter nicht mit Beschwerden verwechseln, die nur durch das Alt werden entstehen. Bei A. ist bes. auf eine ge­ sunde Lebensführung (in dieser Lebensphase nach Weg­ fall berufl. Belastung meist auch eher möglich) zu achten. Ausreichende Körperbewegung mit regelmäßigem HerzKreislauftraining, Atemübungen und (mit ärztl. Zustim­ mung) auch -» Alterssport sowie knappe, streng das Kör­ pergewicht berücksichtigende Ernährung tragen maßgeb­ lich zum Wohlbefinden bei. Dem unterschiedl. Schlafbe­ dürfnis (Mittagsschlaf) sollte entsprochen werden; es ist keinesfalls so, daß ältere Menschen grundsätzlich ein bes. geringes Schlafbedürfnis haben. Von großer Bedeutung sind regelmäßige ärztl. Vorsorgeuntersuchungen. Altersbestimmung, Anthropologie: 1) die Feststel­ lung oder Abschätzung des Alters fossiler Menschenfor­ men . Lagerung und Begleitfunde (Kultur-, Tierreste, Pol­ len) liefern Hinweise für eine relative A. (älter-jünger). Zur absoluten A. von Fundschichten und ihren Einschlüs­ sen dienen neben zeitabhängigen Ablagerungsvorgängen (Bändertone, Warvenchronologie) und Wachstumsvor­ gängen (Jahresringe der Bäume, Dendrochronologie) in neuerer Zeit v. a. chemisch-physikal. Veränderungen im Fundgut (Radiokarbon-, Kalium-Argon-, Thermoluminiszenz-Methode, Aminosäuren-Test u. a.), die infolge ihrer Zeitabhängigkeit auf das Alter schließen lassen. 2) die Abschätzung des individuellen Alters (Sterbe­ alter) ausgegrabener Skelette. Sie stützt sich auf alters­ abhängige Entwicklungsschritte (Gebißentwicklung, -abnutzung, Nahtverknöcherungen u. a.) und liefert die Grundlage für das wirtschafts- und sozialpolit. Gesamt­ bild vergangener Gesellschaften. Altersblödsinn, Dementia senilis, -»Demenz, -»Alzheimersche Krankheit. Altersbrand, Gewebstod, der vorwiegend durch Ge­ fäßverschluß (Arteriosklerose, embolische Vorgänge) mit den Folgen mangelnder Gewebsernährung verursacht ist. A. ist erkennbar durch Verfärbung der Haut bis ins Schwarze und Austrocknung, Abschuppung, üblen Ge­ ruch. Betroffen sind vorwiegend die Beine älterer Men­ schen. Behandlung: trockene, sterile, gegen Druck schüt­ zende Verbände, weiches Schuhwerk, Sauerstoffbehandlung (Einbringen von Sauerstoff oder Ozon in die Blut­ 22

adern, ein allerdings umstrittenes Verfahren). Operatives Vorgehen kann erfolgversprechend sein (Einsatz einer Gefäßprothese aus Kunststoff). Bei Mißerfolg ist Ampu­ tation des abgestorbenen Gliedteils nicht zu vermeiden. Altersdiabetes, -► Zuckerkrankheit. Altersflecke, bei älteren Menschen häufig auftre­ tende gelbbräunlich bis dunkelbraun gefärbte, scharf be­ grenzte Flecke, meist auf den Handrücken, auch auf Ge­ sicht und Hals. Bei Größenzunahme, Schuppung und Juckreiz Hautarzt befragen, um (seltener) krebsiger Ent­ artung vorzubeugen. Altersforschung, Gerontologie, die Untersu­ chung der Alterungsvorgänge und ihrer biolog. Gesetz­ mäßigkeiten, die jeder Lebensepoche und jeder darin auf­ tretenden Erkrankung ihr Gepräge geben. Altersgliederung, Altersaufbau, Statist. Gliede­ rung der Bevölkerungszahl nach Altersjahren. Die A. wird bei Volkszählungen ermittelt und durch Fortschrei­ bungen auf den neuesten Stand gebracht. Neben der Bestimmung des Verhältnisses der Ge­ schlechter zueinander zählt die A. zu den wichtigsten Merkmalen einer Bevölkerung. Sie wird bestimmt durch die Zahl der Geburten, Zahl und Alter der Gestorbenen und der über die Staatsgrenzen wandernden Personen. Sie bestimmt den Anteil der Schüler, Erwerbsfähigen, Rent­ ner und damit die volkswirtschaftl. Belastungsquote; fer­ ner durch den Anteil der Zeugungsfähigen das mögliche Wachstum der Bevölkerung. Die A. ist daher Grundlage jeder gesellschaftl. Planung. Dargestellt als Pyramide, zeigt sie (getrennt für Männer/Frauen) die Stärke jedes Altersjahrgangs, die von Kriegen, Wirtschaftskrisen, Wanderungen, höherer Männersterblichkeit u. a. be­ stimmt wird. Infolge des Geburtenrückgangs ist in Indu­ strieländern aus der Pyramide (vgl. Graphik) eine Glocke oder,z. B. in der Bundesrep. Dtl., eine Zwiebel geworden. In Entwicklungsländern mit starker Besetzung der jünge­ ren Jahrgänge führen gegenwärtige A. auch bei allmäh­ lich beginnender Beschränkung der Geburtenzahl noch über Jahrzehnte (>Schwungkraft< der A.) hinweg zu ho­ hen Wachstumsraten.

Bevölkerung nach Altersgruppen in der Bundesrep. Dtl. (in %)

unter 15 Jahre........... 15 bis unter 21 ........... 21 bis unter 45........... 45 bis unter 65........... 65 Jahre und mehr . .

. . . . .

. . . . .

1950

1961

1975

1981

23,3 8,7 34,1 24,5 9,4

21,7 8,2 32,6 24,4 H,1

21,2 8,8 33,5 21,9 14,6

17,8 10,2 34,4 22,1 15,5

Bevölkerung nach Altersgruppen in der Dt. Dem. Rep., in Österreich und der Schweiz (in %) Dt. Dem. Rep. 1980 19,4 unter 15 Jahre........... ........... 10,1 15 bis unter 21........... ........... 34,1 21 bis unter 45........... ........... 45 bis unter 65........... ........... 20,5 65 Jahre und mehr . . ........... 15,6 ') 15 bis unter 25 Jahre; 2) 5 bis unter 45 Jahre.

Öster­ reich Schweiz 1980 1980 20,5 10,2 32,7 21,0 15,5

19,2 15,6') 29,52) 21,9 13,8

Die A. der Bundesrep. Dtl. ist durch einen Rückgang des Anteils von Jugendlichen infolge des säkularen (auf das Jh. bezogenen) und sich seit Mitte 1960 verstärkenden Geburtenrückgangs (>PillenknickSchülerberg< befinden sie sich in der Sekundarstufe 1 und II und werden mit zunehmendem Alter in naher Zukunft die berufsbil­ denden Schulen und Hochschulen erreichen. Dem Schü­ lerberg folgt aber ein >SchülertalGenerationenvertrag< bleiben. Alter in Jahren Männer

Gefallene des 1. Weltkriegs

Frauen

Frauenüberschuß

des 2. Weltkriegs

Geburtenausfall im 1. Weltkrieg

|

,----\___

Geburtenausfall während der Wirtschaftskrise um 1932 Geburtenausfall { Ende des 2. Weltkriegs

Männerüberschuß

Tausend je Altersjahr

Altersgliederung in der Bundesrep. Dtl. (1980) Altersgrenze, imöffentl. Dienst das Lebensalter, mit dessen Erreichen der Bedienstete aus dem Dienst ausschei­ det. In der Bundesrep. Dtl. wird die A. nach dem Bundes­ beamtengesetz und den Beamtengesetzen der Länder grundsätzlich mit Vollendung des 65. Lebensjahrs er­ reicht. Abweichende Regelungen bestehen für einzelne Beamtengruppen, z. B. Berufssoldaten, hohe Richter (bis 1976 für Hochschullehrer). Lebenszeitbeamte können auf Antrag bereits mit Vollendung des 63. Lebensjahrs in den Ruhestand versetzt werden. Bei Angestellten und Ar­ beitern des öffentl. Dienstes wird die A. i. d. R. mit Voll­ endung des 65. Lebensjahrs erreicht. Auch in der Rentenversicherung ging man ursprünglich nur von einer A. aus, die mit Vollendung des 65. Lebens­ jahres (noch heute nach einer gesetzl. Wartezeit von 15 Beitragsjahren oder Ersatzzeiten) erreicht wird. Diese A. wurde jedoch später vielfältig modifiziert, zuletzt durch Reformgesetz vom 16.10. 1972(flexible A.). Danach wird Altersruhegeld auf Antrag auch gewährt nach Vollen­ dung des 63. Lebensjahres, bei anerkannten Schwerbe­ hinderten, Berufs- oder Erwerbsunfähigen aber schon nach Vollendung des 60. Lebensjahres (jeweils nach einer verlängerten Wartezeit von 35 anrechnungsfähigen Versi­ cherungsjahren mit der Beitragsleistung von mindestens 15 Jahren). Neben dieser Rente darf nur noch geringfügig oder gelegentlich gearbeitet werden. Nach einjähriger Ar­ beitslosigkeit und einer Mindestbeschäftigung im letzten Jahrzehnt von 8 Jahren wird ebenfalls Rente schon ab 60. Lebensjahr gezahlt (Wartezeit 15 Versicherungsjahre). Frauen erhalten die Rente von der Vollendung des 60. Le­ bensjahres an, wenn sie in den letzten 20 Jahren mehr als 10 Jahre berufstätig und versichert waren (Wartezeit ebenfalls 15 Versicherungsjahre). Der Versicherte kann die Rente aber auch erst von einem späteren Zeitpunkt an (alsdas60., 63. oder65. Lebensjahr) in Anspruch nehmen und dadurch die Anrechnung weiterer Versicherungszei­ ten erreichen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Arbeitslosen­ zahlen wird zu Beginn der 80er Jahre in den westl. Indu­ strieländern die Verkürzung der Lebensarbeitszeit durch Herabsetzung der A. zur Entlastung des Arbeitsmarkts verstärkt diskutiert. Altershaut, durch Rückbildung aller Hautschichten

mit fortschreitendem Alter bewirkte Veränderungen; die Haut verliert an Elastizität und Feuchtigkeit; sie ist bes. an denjenigen Hautstellen, die dem Licht ausgesetzt sind, oft dünn, fein gefältelt und zeigt ein buntscheckiges Bild mit Pigmentflecken, Depigmentierungen und warzenartigen Verhornungsstörungen, die zu Seborrhö neigen. Eine ge­ wisse Vorbeugung ist möglich durch Rückfettung der Haut nach dem Waschen, Vermeiden von zu langer Son­ nenbestrahlung, Anwendung von Sonnenschutzmitteln. Altersheilkunde, Geriatrie, die Erforschung der Alterskrankheiten und ihrer Heilungsmöglichkeiten. Altersherz, Bezeichnung für gewebl. und funktio­ nelle Veränderungen am Herzmuskel und an den Herzge­ fäßen , wie sie mit zunehmendem Alter, wenn auch zu indi­ viduell sehr unterschiedl. Zeitpunkten, auftreten können: Bindegewebsvermehrung im Herzmuskel und Gefäß­ wandveränderungen (-»Arteriosklerose) mit entspre­ chender Leistungsschwäche bis zur -»Dekompensation. Altersrente, -»Altersgrenze. AltersJschwäche, die Minderung aller leibl. und seel. Kräfte, die bei gesunden Menschen zu individuell sehr unterschiedl. Zeitpunkten, im allgemeinen ab dem 70. Lebensjahr, einsetzt; sie ist unabhängig von vorange­ gangenen Erkrankungen oder bereits erkannten Organ­ schwächen .Wenn auch das Fortschreiten der A. nicht ver­ hindert werden kann, so bringt doch eine veränderte Le­ benshaltung (Ernährung, Betreuung) Erleichterung. Alters|schwerhörigkeit, Presbyakusis, in höhe­ rem Alter auftretende, stets auf beiden Ohren fast un­ merklich beginnende und langsam zunehmende Schwer­ hörigkeit, die auf Abnutzung und Schwund der Ner­ ven- und Sinneszellen im Innenohr (Schnecke) beruht. Zuerst fallen die hohen Töne aus (Grillenzirpen, Tele­ phonklingel, Zischlaute), später wird auch z. B. das Ticken einer Taschenuhr nicht mehr gehört. Eine Hilfe stellen die -» Hörapparate dar. Alters | sichtigkeit, Presbyopie, die mit fortschrei­ tendem Alter abnehmende Fähigkeit des Auges zur -» Ak­ kommodation.

Alterssichtigkeit (nach Donders): P Nahpunkt (wandert mit zu­ nehmendem Alter vom Auge fort); r Fernpunkt (rückt vom 55. Jahr an etwas vom Auge ab, d. h. das Auge wird übersichtig)

Alters|sport, sportl. Betätigung älterer Menschen zur Erhaltung von Elastizität und Leistungsfähigkeit. Die Belastungen sind dem allgemeinen Zustand anzupassen, eindrucksvolle Leistungen sind nicht das Ziel des A. Es ist ratsam, mit Wandern zu beginnen; auch sind Schwim­ men, Waldlauf und Radfahren Übungen, die langsam ge­ steigert werden können. Ziel ist die Förderung der allge­ meinen Körperdurchblutung. Vor ungewohnter körperl. Belastung ist ärztl. Rat einzuholen. Althaea officinalis, -»Eibisch. Alt|insulin, -»Zuckerkrankheit. 23

Altr Altruismus [lat. alter >der anderePyroschliffkleine WanneumhergehenDauertropf< (-»Infusion) der -► künstlichen Ernährung. Amme, eine Mutter, die zugleich mit ihrem eigenen, mindestens 3 Monate alten Kind (oder wenn letzteres nicht mehr angelegt wird) einen fremden Säugling stillt. Vor­ aussetzung hierfür sind ärztl. Untersuchung und schriftl. Gesundheitszeugnis. Auch darf der Säugling nicht an­ steckend krank sein. Gegenüber früheren Zeiten hat das A.-Wesen heute kaum noch prakt. Bedeutung. Die für ge­ fährdete Kinder erforderl. Frauenmilch wird i. d. R. über eine -»Frauenmilchsammelstelle bezogen. Dort werden die Spenderinnen und die gelieferte Milch genau über­ wacht. Ammi visnaga, -»Khellakraut. Ammoniak, stark alkalisch reagierende, stechend rie­ chende, leicht verdampfende Flüssigkeit, die meist als Salz (Ammoniumchlorid) arzneilich verwendet wird. A. bewirkt eine Verflüssigung von zähem Bronchialsekret und erleichtert das Aushusten. Präparate sind Mixturasolvens-Kompretten, Liquor Ammonii anisatus und an­ dere ammoniakhaltige Hustenmittel. Wegen seiner haut­ reizenden und durchblutungsfördernden Wirkung ist A. auch in mehreren Einreibemitteln wie Linimentum ammoniatum und Linimentum ammoniato-camphoratum enthalten. A|mnesie, Gedächtnisstörung, zeitlich oder in­ haltlich begrenzte Erinnerungslücke, z. B. durch Unfall, Schock, Delirium, Bewußtlosigkeit oder Hirnerkrankun­ gen. Reicht die A. auf längere Zeit vor Eintritt des Ereig­ nisses zurück, spricht man von retrograder A. In der Psy­ chologie wird unter psychogener A. die unbewußte Ver­ drängung und Löschung unangenehmer Erinnerungen verstanden. Diese Form der A. kann auf eine -» Psycho­ pathie hin weisen. Bei A., die sich ohne diese Vorbedingungen nur auf ganz bestimmte Ereignisse erstrecken, besteht Verdacht auf -»Simulation (z. B. bei Straftätern oder Zeugen vor Gericht). Amnion das, eine der -» Eihäute. Amnioskopie, Verfahren zur Besichtigung des Fruchtwassers in den späteren Stadien der Schwanger­ schaft. Die A. ist für Mutter und Frucht ungefährlich und erlaubt Rückschlüsse auf das Befinden des Kindes. Durch die A. konnte die perinatale Sterblichkeit erheblich ge­ senkt werden. Amniozentese, Schwangerschaftsuntersuchung: Punktion der fetalen Eihäute durch die Bauchdecke mit Entnahme von Fruchtwasser aus der Fruchtblase zur Geschlechtsdiagnose, bei Verdacht auf Blutgruppen­ unverträglichkeit (-* hämolytische Neugeborenenerkran­ kung) oder Chromosomenstörung (z. B. Mongolismus, -» Down-Syndrom). Amöben, zu den Wurzel füßern gehörende, kleine ein­ zellige Lebewesen. Manche Arten leben im Süßwasser oder im Meer, andere als Schmarotzer im Darm oder in anderen Organen (z. B. die Erreger der Amöbenruhr). Amöben: 1 Süßwasseramöbe(Amoebaproteus). 2 Ruhr­ amöbe (Entamoeba hislotytica). 3 Arcella. 4 Difflugia (3 und 4 beschälte Amöben)

4

Amöben

Amöben-Meningitis, Amöben-Meningo|enzephalitis, schwere Erkrankung durch den Befall des Zen­

tralnervensystems mit im Boden lebenden Amöbenarten (Naegleria); Ansteckungsgefahr soll auch im mitteleuro­ päischen Raum in Schwimmbädern, in Süßwasserteichen und beim Spielen der Kinder in Schlammlöchern be­ stehen. Amöbenruhr, Amoebiasis, in warmen Ländern verbreitete infektiöse Darmkrankheit, verursacht durch die Ruhramöbe (Entamoeba histoiytica). Die Infektion erfolgt über Trinkwasser oder Nahrungsmittel, die mit Amöbenzysten verunreinigt sind. Sie werden von sym­ ptomlosen Amöbenträgern ausgeschieden. Die Zysten sind in feuchtem Milieu über mehrere Monate haltbar. Durch Austrocknen oder Erhitzen (über 55 °C) werden sie rasch abgetötet. Im Dünndarm bilden sich aus einer 25

CJ Ampulle 1): Ampullenformen

Amok vierkernigen Zyste mehrere einkernige kleine Amöben (>Minutaformen Fäulnis. Zu den obligaten A. gehören viele -»Bakterien, so die sporenbildenden A., u. a. die Erreger des -► Gasbrands, Wundstarrkrampfs, -►Botulismus, -► Dauerformen bei Mikroorganismen. Fakultative A. sind z. B. Hefen wie auch verschiedene Darmparasiten (z. B. darm- und schlammbewohnende Würmer). Der Vorgang des Lebens ohne Sauerstoff wird als Anaerobiose bezeichnet. anal, den -»After betreffend, afterwärts, in der After­ gegend gelegen; anale Phase, nach S. Freud die zweite frühkindl. Entwicklungsstufe der Sexualität (etwa 2.-4. Lebensjahr), in der sich der sexuelle Partialtrieb auf den Analbereich als erogene Zone richtet. Ausscheidung und Zurückhaltung der Exkremente werden lustbetont erlebt. Eine Fixierung auf die anale Phase führt nach psychoana­ lytischer Auffassung zur Entwicklung eines analen Cha­ rakters, der durch Ordnungsliebe, Sparsamkeit, Zuver­ lässigkeit bis Pedanterie, Geiz und Eigensinn gekenn­ zeichnet ist. Analeptika, die -»Anregungsmittel. Analfissur, die -»Afterschrunde. Analfistel, die -» Afterfistel. An|algesie, 1) Aufhebung der Schmerzempfindung, Unterbegriff zur --»Anästhesie; hervorgerufen durch Ein­ griff (medikamentös oder operativ) an den Schmerzlei­ tungsbahnen oder -Zentren des Gehirns, z. B. bei der -» Narkose. 2) Verletzungen oder Erkrankungen des Ner­ vensystems. 3) psychopatholog. Zustände, z. B. -» Hyste­ rie und die katatone Form der -► Schizophrenie. An|algetika, schmerzlindernde und -»schmerzstil­ lende Mittel. An|algetika-Nephropathie, die -»PhenazetinNephropathie. An|algetika-Syndrom, Gesamtheit der durch Miß­ brauch von Analgetika ausgelösten Körperschäden. Be­ troffen s