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German Pages 4 Year 1905
Verwendung volkswirtschaftlicher Beamter in den deutschen Kolonien. des Deut¬ In der letzten Hauptversammlung und im An¬ Verbandes schen Volkswirtschaftlichen schluss daran in der letzten Sitzung des Vorstands ist über die wirtschaftliche vom 29 . Oktober der ausübenden und die Aussichten Lage eingehend beraten worden . Es liegt Volkswirte zu prinzipiell erörtern mir fern , hier die Frage unter¬ nicht Bemerkung wollen , nur kann ich die des Verbandes drücken , dass mir die Bestrebungen auf der einen Seite bei weitem nicht weit genug gehen , wenn man sich begnügen will , Anstellung , bei den Gewerbe¬ in den Stadtverwaltungen räten usw . zu erstreben , dass aber andererseits Vorschläge , wie der in der letzten Vorstandssitzung bei den erörterte , dass die Volkswirte Tätigkeit suchen Staaten auswärtiger Generalkonsulaten sollen , durchaus verfehlt erscheinen müssen ; glaubt auf diesem Wege sich man , dass die Volkswirte aus¬ über die Verhältnisse eingehende Kenntnisse könnten , so gibt man wärtiger Staaten erwerben sich wohl falschen Hoffnungen hin ; die auswärtigen Konsulate werden sich hüten , deutschen , volkswirt¬ schaftlichen Beamten Kenntnisse über die intimeren Länder der von ihnen vertretenen Verhältnisse beizubringen , sie werden sich vielmehr bemühen, und Fähigkeiten die Kenntnisse , Verbindungen ihrer Landesange¬ zu Gunsten solcher Beamter auszunutzen ; ob es hörigen und Landesbehörden ist, ein sehr erfreulicher Vorschlag aber gerade Volkswirte einheimischen in dieser Weise unsere zu machen, .— das näher zu er¬ zu Auslandsagenten wägen , möchte ich denjenigen , von denen oer Vorschlag ausgeht , anheimgeben , ehe die betreffende Eingabe an die Konsulate ausgeht . Es kann sich u. Univ.-ßibl. ra - Art; iuin
doch nicht lediglich darum handeln , a tout prix Stellungen zu schaffen. Nun scheint sich mir aber gerade jetzt eine sehr günstige Gelegenheit zu bieten , in gleichzeitig würdiger und vorteilhafter Weise das Tätigkeits¬ gebiet der ausübenden Volkswirte , wie es im Vor¬ standsbericht heisst , auszudehnen . In Nr . 2 der Verhandlungen des Kolonial -Wirtschaftlichen Komitees vom 10. November wrird unter Punkt 2 über Ausbau der Organisation in den Kolonien folgendes mitgeteilt : „ Zum Ausbau seiner Organi¬ sation verpflichtet das Kolonial -Wirtschaftliche Ko¬ mitee nunmehr in Verbindung mit der Kolonial¬ verwaltung ständige wirtschaftliche Kommis¬ sare in denKolonien . Als Kommissar fürDeutschOstafrika ist auf Vorschlag des Gouverneurs Grafen v . Götzen der mit den Verhältnissen der Kolonie vertraute John Booth -Songea ausersehen . Ihm ist als erste Aufgabe gestellt , die Interessengebiete der vorhandenen und geplanten Eisenbahnen und des schift baren Rufidji durch Stämme aus volk¬ reichen inneren Gebieten der Kolonie mehr als bis¬ her zu besiedeln , um einen grösseren Arbeiter¬ stamm zu schaffen für Eisenbahnbau und Baumwollkulturen . Durch die Einrichtung ständi¬ ger Kommissare des Komitees erhalten die volkswirtschaftlichen Interessentenkreise des Mutterlandes eine dauernde Vertretung an Ort und Stelle in den Kolonien . “ Ange¬ sichts des im letzten Satze festgelegten Planes muss man sich wundern , dass als erster Kommissar ein Herr ausgesucht worden ist , der , soviel wenig¬ stens sein Name vermuten lässt , die Verhältnisse des Mutterlandes nicht kennt , also wohl kaum Be¬ ziehungen zu Industrie und Handel hat ; ver¬ mutlich ist für seine Wahl , da er hauptsächlich zunächst Ansiedlungskommissar sein soll , seine eingehende Kenntnis der kolonialen Verhältnisse ausschlaggebend gewesen . Jedoch ist hier nicht der Ort , darüber mit dem Kolonial -Wirtschaftlichen Komitee zu rechten . In den letztjährigen Ver¬ öffentlichungen des Komitees ist über die weitere Ausgestaltung dieses Planes der Anstellung ständiger
wirtschaftlicher Kommissare nichts gesagt . Aus deutscher einer Bemerkung über die Gründung deutsch -westafrikanischen Kolonial banken der( Banken und der deutsch -ostafrikanischen Bank ) ist noch folgendes hierzu von Interesse . Es heisst der Voraussetzung , dass die Banken dort: ,In, ausser dem eigentlichen Geldverkehr auch mit der Zeit die Finanzierung wirtschaftlicher Unternehmun¬ gen in ihren Tätigkeitsbereich aufnehmen werden, beschliesst das Komitee in Verhandlungen mit den Banken wegen Uebernahme von wirtschaftlichen Gutachten einzutreten . Das Verhältnis des Ko* mitees und seiner ständigen Kommissare in den Kolonien zu den Banken ist in ähnlicher Weise gedacht , wie das zu dem Centralverband Deutscher Industrieller und Handelskammern , nämlich als ehrenamtlicher Beirat für wirtschaftliche Unter¬ nehmungen in den Kolonien .“ Es scheint also, dass damit etwas ähnliches geschaffen werden soll, wie es nach einem Aufsatz von Dr . R . Hennings im Dezemberheft 1903 des „Tropenpflanzers “ über das Imperial , Institute in London für England ge¬ plant wurde , wonach sog . „Trade correspondents“ in den Kolonien angestellt werden sollten , die Kaufleuten und dem Board of Trade direkte Aus¬ kunft über besondere Punkte geben , sowie auch solche „Trade agencies “ in London gegründet werden sollten . In Indien ist bereits , wie dort berichtet wird , ein „Commercial Intelligence Bureau “ , sowie der „Federated Board for Scientific and Economic research “ für diese Zwecke gebildet, von deren Mitarbeit viel Gutes erwartet wird. Es bedarf wohl keiner weiteren Ausführungen darüber , dass hier ein Feld erfreulichster und wirklich segensreicher Tätigkeit für deutsche Volks¬ wirte , die sich eine eingehende Kenntnis unserer inländischen Verhältnisse erworben haben und Interesse für die Kolonien besitzen , vorliegt . Ge¬ wiss ist es für die wirtschaftliche Erschliessung unserer Kolonien in erster Linie erforderlich , dass eine rege Verbindung zwischen den Kolonien und den Industrie - und Handeltreibenden des Mutter¬ landes geschaffen werde ; zur Verwirklichung dieses
Gedankens beizutragen , dürften die deutschen Volks¬ wirte in erster Linie geeignet sein . Darum soll mit diesen Zeilen zunächst , ohne auf die weitere Organisation des Planes weiter einzugehen , die Anregung gegeben werden , dass sich die aus¬ führenden Organe des Deutschen Volkswirtschaft¬ lichen Verbandes so bald als möglich mit dem Kolonial -Wirtschaftlichen Komitee in Verbindung setzen , um diesem Vorschläge für die Auswahl der zu entsendenden Kommissare , sowie über den im Interesse des Mutterlandes sowohl als der Kolonien zweckentsprechendsten Ausbau der geplanten Organisation zu machen. Dr . Gottfr . Leuckfeld ( Halensee ).