Die Religion des Buddha und ihre Entstehung


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Die  Religion des Buddha und ihre Entstehung

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DIE

RELIGION DES BUDDHA UND

IHRE ENTSTEHUNG.

VON

CARL FRIEDRICH KOEPPEN.

Für denjenigen, welcher die Verkettung der Ursachen und Wirkungen kennt, giebt cs weder Seyu, noch Nichte.

Cakjamuni Buddho.

BERLIN. FERDINAND SCHNEIDER, LENNE- STRASSE 1857.

3.

Digitized by the Internet Archive in

2016

https://archive.org/details/diereligiondesbuOOkoep

V o rrede

t/ine Vorrede schreiben, heisst gewöhnlich, sich und sein

Werk im Voraus

Ich will dies nur in zwei

entschuldigen.

Beziehungen thun, und so kurz, wie möglich. soll

das 1)

Buch

Der vorliegende Band bedürfte zu seiner Ergänzung

eines zweiten, in bis

welchem

die Geschichte des

auf die Gegenwart fortgeführt würde.

eines

Im Uebrigen

sich selbst rechtfertigen, oder verworfen werden.

Buddhathums

Die Vollendung

solchen liegt jedoch erst dann einigermaassen in der

Möglichkeit ,

wenn das von

Wa

ss

i 1 i

e

Academie überreichte Werk, desgleichen indischen Buddhismus von

w

der Petersburger

die Geschichte des

dem Tibetaner Tarantha, und

die Lebensbeschreibungen mehrerer buddhistischer Kirchenväter, deren Erscheinen in Aussicht gestellt

ist,

veröffentlicht

seyn werden. 2)

Die Schwierigkeiten

auch

bekanntlich

buddhistischer Studien

werden

dadurch erhöht, dass die verschiedenen

buddhistischen Völker bei der Uebertragung ihrer Religions-

und anderer indischer Originalwerke

schriften

fahren pflegen ja selbst die sie oft bis

piren.

,

so zu

ver-

dass sie auch die technischen Bezeichnungen,

Namen

aller

Art

zum Unkenntlichen

Ich habe es

entweder übersetzen, oder transscribiren

oder corrum-

daher für keinen Raub gehalten, bei

den bedeutendsten geographischen, historischen und mythologischen

Namen,

desgleichen bei den wichtigsten dogmati-

IV

sehen,

philosophischen und andern Ausdrücken, unter

Text die Umgestaltungen hinzuzufügen habhaft werden konnte



,

welche



,

so weit ich deren

dieselben

chinesischen, tibetanischen, mongolischen

und

indischen Sprachen erleiden, und darf dies so angesehen

werden

,

dem

etwa in der in den hinter-

vom

Leser nicht

habe ich mit einer Sprachgelehr-

als

samkeit Parade machen wollen, die ich nicht besitze. hebliche Irrthümer werden

bei der Sorgfalt,

die

Er-

ich ange-

wandt, eben nicht vorgefalleii seyn, wenn auch die Orthographie nicht immer ganz genau und gleichmässig seyn mag.

Da

ich auf den

Druck mit lateinischen Lettern nicht

gefasst

war, so hatte ich geglaubt, mich der Accentuirung der indi-

schen AVorte überheben zu dürfen.

rend des Drucks und

oft erst

werden konnte, sind

in

bei

Indem

diese

erst

wäh-

der Correctur hergestcllt

derselben manche Nachlässigkeiten

und Fehler, namentlich auf den ersten Bogen, geblieben.

Berlin,

29. Juni 1857. C. F.

Koeppen.

Uebersicht des Inhalts.

zum Erscheinen

Die religiöse Entwickelung der Inder bis

Buddha,

p.

des

1—70. Ihre Götter

Die Arier des Pentsehali.

und

ihr Cultiis.

Erobe-

rung der Gangesländer, und die dadurch herbeigeführte EntAnfänge der Kastenbildung. wickelung neuer Verhältnisse. Sieg der Hierarchie. Umgestaltung der religiösen Anschauun-

zum Brahmanismus. Die Lehre von der vom Weltübel und von der Seelenwanderung. Prak-

gen, und Uebergang Weltseele, tische

Consequenzen dieser Theorie. Die göttliche Weltordnung.

Strenge Scheidung der Kasten. der

kirchlichen Pflichtenlehre

und

ihre Opposition

Die Unreinen.

und

Bussen.

die

Das System Die Ascese,

gegen die erbliche Hierarchie. Die Philosophie. Das Vedäntasystem. Die Sänkhjadoctrin, als Vorläuferin des Buddhismus.

Das Leben des Buddha Qäkj amuni, und die erste Periode der buddhistischen Kirchengeschichte bis zum Concil von Pätaliputtra,

p. 71

— 209.

Die zwölf Abschnitte im Leben des Buddha. Seine Familie und seine Eltern. Uebernatürliche Empfängniss und Geburt. Seine Kindheit und Jugend. Seine Verheirathung. Die vier Ausflüge. Er verlässt das väterliche Haus. Seine Bussübungen. Sein Kampf mit dem Versucher, Unsicherheit der Tradition.

und seine Erhöhung zum Buddha. rad zu drehen.

und Herrn Magadhas und Kö^alas. Jünger.

Er beginnt das GlaubensDie gläubigen Könige

Erfolg seiner Predigten.

Seine Gegner.

Seine

hervorragendsten

Die Tirthyas und ihre Creaturen.

De-

und König Adjäta^atru. Die 45 Sommeraufenthalte. Seine letzten Lebenstage, sein Tod und seine Bestattung. Die vadatta

buddhistischen Chronologien.

Die allgemeine Bedeutung des Buddhismus.

Verwerfung

der brahmanischen Götter und der Autorität der Veden.

Seine

VI Die Kaste ist ihm gleichgültig. Hinneigung zu den untern Kasten und den Armen. Seine Lehrmoralische Haltung.

weise von der brahmanischen grundverschieden.

Umgestaltung

und Begründung des Klosterwesens.

der Ascese

Der erste Zeitraum der buddhistischen Kirchengeschichte. Ausgleichung der südlichen und nördlichen TraDas Concil zu Radschagriha. Das Concil

Die Concile.

dition über dieselben.

zu Väi^ali.

Die Sectenspaltungen.

Die Invasion Alexanders



und deren Einfluss auf Indien. Tschandraguptas. Dharmä^öka. Seine Bekehrung zum Buddhismus. Seine Förderung desselben. Die Edikte Piyadasis. Das Concil in das Pentschab,

zu

Die

Pätaliputtra.

grosse

Mit

Mission.

ihr

beginnt

Trennung des südlichen und nördlichen Buddhismus.

die

Ver-

such, den Anfangspunkt des durchlaufenen Zeitraums annähernd

zu bestimmen.

Der Buddhismus,

p,

211

— 614.

Der Grundgedanke und das Grunddogma des Buddhismus, I.

p.

213

p.

227

Dharma,

— 226. — 328.

Von den Welten,

p.

228

— 238.

Kein Weltenschöpfer und keine Schöpfung. Die buddhistische Kosmologie. Unzählige Welten. Gestaltung der einzelnen. Der Meru und die vier Erdtheile. Der Uebereinanderbau der Die Welt

Welten.

des Gelüstes, die

Welt der Formen und

die formlose Welt.

Von den C lassen der Wesen, Die fünf len.

Wege

Die Pretas.

Menschen.

238

— 266.

Die Asuras und Dämonen.

Die Thiere.

Die Götter.

p.

Die Höllengeschöpfe und die Höl-

der Geburt.

Die

Die Götterhimmel in allen drei Welten.

Tabellarische Uebersicht derselben.

Von den Weltumwälzungen,

p.

266 — 289.

Die drei Arten der Weltzerstörung.

Die Lehre von den Kalpas.

Der Neubau

der Welt.

Die Verschlechterungs -Perioden

Menschheit.

Der Kalpa

der Stabilität,

der

und sein Auf- und Weltumwälzungen bewirkt?

Wodurch werden die Kreislauf und von der Erlösung, p. 289— 309. Die Wanderung der Seelen. Die Sünde als Ursache derselben.

Niedersteigen.

Vom

Die moralische Action, Vergeltung.

d. h.

Verdienst und Schuld, und deren

Eine eigenthümlich buddhistische Vorstellung der

Seelenwanderung.

Die Erlösung im Nirväna.

Begriff

und

ab-

weichende Vorstellungen des Nirväna. Von den Buddhas p. 310 328.



Unzählbarkeit der erlösenden dhas.

der

,

allerherrlichst-vollendeten

Bud-

Die Biuldhacaniere und ihre Stadien. Die vier Buddhas Der jüngst erschienene, Vergangenheit dieses Kalpas.

gegenwärtig regierende Buddha (jläkjamuni.

Seine Wanderungs-

VII geschichte

und

seine Opfer.

Die 550 Geburten.

Geburt vor der Erlangung der Buddhawürde

Seine letzte

Königssohn

Der zukünftige Buddha Mäitreya.

Vessantara. II.

als



Vinaya, p. 329 593. Das Mönchthum und die Regel,

p. 329 —381. und Namen. Die „dreizehn Vorschriften“ und das „Sütra Das Noviziat. Die Investitur. Die Kleidung der Befreiung.“ und die Geräthschaften der Religiösen. Die Residenz. Einsiedlerthum und Klosterwesen. Der Cölibat. Das Betteln. Die Speisegesetze. Das Gelübde der Armuth, und wie es gehalten Das Varschawird. Die Beichte als Disciplinareinrichtung. halten. Die Versammlungen der Geistlichen. Die Nonnen und Die Klöster, deren Entstehung und die Vorschiiften für sie.

Begrilf

Einrichtung.



Die Hierarchie und Ilagiologie, p. 382 441. Grund und Ausgang der geistlichen Gewalt. Die Presbyter Kein Patriarchat. Kritik der Verzeichnisse oder Sthaviräs. von den angeblichen Patriarchen oder Nachfolgern des Buddha. Die Hierarchie der Gelehrsamkeit und der Heiligkeit. Unterschied der Prithagdjana

und Arya. Die

vier Stufen des Pfades.

Der (|5r6täapanna, Sakridägämin und Aiiägämin. Diese drei unteren Stufen sind auch den Laien zugänglich. Der Archat und seine Begabung. Die drei Classeii der buddhistischen Heiligen,

und

die verschiedenen Ueberfahrten.

Der Bödhisattva.

Pratyeka- Buddha.

Seine Vollkommenheit. Schönheit.

Seine

Der (,]rävaka. Der Der vollendete Buddha.

Sein Leib, und die Kennzeichen der

geistigen

Attribute.

Die

37

begleitenden

Bedingungen der Bödhi. Die 18 Bedingungen der Abhängigkeit. Die vier Gründe des Vertrauens. Die zehn Buddhakräfte.

Das Laienthum und die Moral,

p.

441

— 486.

Gründe für die Verknüpfung von Laien mit dem Orden. Die Upäsakas und Upäsikas. Das Gelöbniss, und die Gebote für dieselben. Der buddhistische Decalog. Die buddhistische Wesensliebe.

Moral.

Auszug aus den „Fusstapfen Zeugnisse für die Lauterkeit der buddhistischen

Die 10 Päramitäs.

des Gesetzes.“

Ihr wohlthätiger Einfluss

auf die Gesinnung und Ge-

Verbot des Tödtens. Abschaffung der Menschenopfer, der Hinrichtungen, der Thiersittung

opfer,

der Völker.

Uneingeschränktes

Beschränkung der Jagdwütherei

werkthätigen Mitleids. anstalten, Hospitäler u.

ranz des Buddhismus.

u. s. w. Erregung des Almosenspendungen, Wohlthätigkeitsdgl. Die religiöse und kirchliche ToleBeispiele von der Toleranz buddhisti-

und Staatsmänner. Die nationalen Unterschiede und Gegensätze verschwinden vor dem Buddhismus. Er befördert auch Haustugend, Sittlichkeit des Familienlebens. Sein Verhältniss zur Polygamie und Polyandrie. Die Schattenseite scher Herrscher

vni der buddhistischen Ethik die

Roheit zähmen und

zuletzt

:

sie ist wesentlich negativ,

mildern,

nur abspannen und ermatten.

stischen Völker, was sie vor ihrer

waren, und was

Der Begriff der Kirche.

zum

Blicke auf die buddhi-

Bekehrung zum Buddhismus

p.

486

Der Glaube an

Laien.

— 585.

Verhältniss des buddhistischen Geistdie

mächtige Stütze der geistlichen Gewalt. tus.

kann wohl und

schaffen,

sie jetzt sind.

Die Kirche und der Cultus, lichen

aber nichts

Seelenwanderung, eine Anfänglich kein Cul-

Ursprung des buddhistischen Cultus.

Der Bilderdienst.

Die kirchlich - stereotype Darstellung des Buddha und der HeiDie buddhistische Plastik und Malerei.

ligen.

dienst.

Der Reliquien-

Die verschiedenen Arten von Reliquien.

namentlich

heiligen

die

Zähne.

Die

Die Qarlras,

Hinterlassenschaft

der

Buddhas und Heiligen. Die heiligen Stätten und Fusstapfen. Die Grabmonumente oder Stupas. Deren Bauart und innere Einrichtung. Ihre Bestimmung. Die kirchlich-symbolische Bedeutung ihrer Form und Architectur. Von der Form des Cultus. Vom Gebet. Das Opfer. Die buddhistischen Sacramente. Die Tempel und Altäre. Feier der Beichttage. Die grossen Jahresfeste und ihre kirchliche Bedeutung. Die Versammlungen der Befreiung. Der Familiencultus.

Die Beschauung, Ihre

Bedeutung.

p.

585

— 593.

Die 4 Dhyänas.

Die jenseits der Dhyänas

liegenden Samädhis. III.

Abhidharma,

p.

595

— 613.

Dessen Schwierigkeit. Die Erkenutnisswege. Die buddhistische Logik und die Form des Urtheils. Die Elemente. Die fünf Skandhas.

Schluss,

p.

Die zwölf Nidänas.

613

— 314.

zum

Die religiöse Entwickelung der Inder bis

Er-

scheinen des Buddha.

Unter

allen

Völkern indo-germanischer Zunge haben die Arier

{Arja), wie es scheint, als die letzten die ursprüngliche Heimath

an den Oxusquellen, jenes kalte Airyana-iiaeja mit zehn Wintern

und der

verlassen,

')

östliche

lich durch religiösen Zwiespalt

die

Kabulpässe

gen

*).

ins

Zweig des Stammes, wahrschein-

von dem westlichen

gelöst, ist durch

,,Land der sieben Ströme“

hinabgestie-

Hier finden wir die Ost- Arier zur Zeit der ältesten

neudichtung des Veda, mid diese

Hymnen

ersten umfassenden Blick in das innere gesellige

Es

Leben derselben gestatten

ist dies

Hym-

sind es, die uns den

und äussere,

und

religiöse

^).

Volk der Veden noch einigermaassen verschieden

von seinen späteren, brahmanisirten Sprösslingen: Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Zustände erinnern vielmehr oft noch unwillkürlich an das Bild, welches Herodot von den Persern der älteren Zeit, Tacitus von den

Germanen

entwirft.

Noch

Leben nomadisch und wenn auch

nicht völlig unstät,

sentlich auf Viehzucht begi’ündet,

obgleich in den

doch we-

Hymnen

des Ackerbaus gedacht, Dörfer und Städte erwähnt werden.

demnach

giebt

bei

2) Die sieben

II,

Es

I,

61.

Gobineäu

„Essai

sur

l’inegalite

107.

Ströme sind der Indus nebst den fünf Flüssen des Pent-

und wahrscheinlich

schab

auch

den Ariern des Pentschab noch keinen eigent-

Spiegel „Avesta“

1)

des races humaines“

das

ist

die Sarasvati, jetzt Gaggar.

Jeder Veda zerfällt in Manlra's, Gebete, Anrufungen,

Hymnen, und Brähmana' s d. h. Ritualvorschrifteu. Jene bilden den älteren Theil und wenn im Folgenden allgemein von den Veden und der vedischen Vorzeit 3)

der Inder gesprochen wird, so sind darunter stets die Mantras zu verstehen

und d

i

e Periode, in

welcher

sie

entstanden und deren Zustände 1

sie schildern

2 liehen, geschlossenen Staatsverband, sondern, wie

hei allen Hir-

tenvölkern, eine Anzahl von Stämmen, an deren Spitze Häuptlinge oder

Könige

noch keine strenge Ab-

stellen: es giebt ferner

sonderung und Unterordnung der Stände, die eben bei der patriarchalischen Einfachheit, bei der Beweglichkeit und Ungebundenheit

des Hirtenlebens nicht zu gedeihen pflegt; es giebt keinen von der

Masse des Volks geschiedenen und bevorzugten Priesterstand, sondern jeder Hausvater ster

und besorgt

werden

ist

zugleich für sich und die Seinigen Prie-

die Familienopfer selbst, nur

von den Königen

gehalten, welche sich durch

bestellte üpferer {Purökilas)

Kenntniss der Gebete und Ritualien auszeichnen und bei den gemeinschaftlichen Stammesfesten die

Ceremonien

mit einem Worte das nicht, worauf

seit

leiten;

giebt

es

länger als dritthalb Jahr-

tausenden das gesellschaftliche Leben der Inder vorzugsweise be-



ruht

das

gespaltene,

Kastenwesen

Noch

').

trübseelig -religiöse,

sind

diese

nicht

speculative, büsserische,

jenes

nur

in

wüsten Phantasien und gespenstischen Abstractionen lebende, an Wirklichkeit

aller

schlecht, zu

dem

verzweifelnde,

sie

todesmüde,

unmännliche Ge-

nach und nach durch den entnervenden Ein-

des Klimas im Gangesthale, durch die priesterliche Corrup-

fluss

tion des Verstandes

und der Einbildungskraft und

in

letzter In-

stanz durch die Bedrückungen der musiemetischen und christlichen

Eroberer heruntergekommen sind, sondern noch jugendfrisch,

le-

bensmuthig, wander- und kampfeslustig, tapfer und streitbar, wie dies ja die Indusvölker, welche der brahmanischen

Ordnung

nicht gefügt, noch zur Zeit Alexanders des Grossen waren. niss

davon geben

die vielen Gebete, in

sich

Zeug-

welchen die Götter

um

Stärke und Ruhm, Sieg und Schlachtenglück, Gold und Beute angerufen werden.

Wie Arier

aber ein Volk

ist,

solche

Götter

hat es auch.

Wie

die

Siebenstromlandes als Hirten noch im innigsten Zu-

des

sammenhänge mit der Natur

stehen, mit

dem Himmel und

seinen

Gestirnen, der Luft und ihren Veränderungen, den w'echselnden

Phänomenen der Tages- und Jahreszeiten, so sind auch ihre Götter zuerst und wesentlich Naturgötter, es sind die Mächte, welche das All durchwirken und erhalten, welche den Menschen, Thie1)

Nur

in

einem

Liede

de.s

Rig-Veda

t.

IV, p. 341 (bei

Lauglois)

werden die vier Kasten genannt; doch dieses Lied ergiebt sich auf den ersten Blick als eia verbältnissmässig sehr spätes.

3

Wachsthum und Gedeihen

ren, Pflanzen Leben,

schatTen, die ele-

mentarischen Kräfte und Gewalten in ihren mannigfaltigen Aeusserungen, Erscheinungen, Gestaltungen und Beziehungen: Licht, Luft, Feuer, Wasser, Erde

Von dem

gehen; von ihm

w.

u. s.

dem Ersten und

Lichte, als

Allgemeinsten,

ist

auszu-

Anschauung der Inder, ja der

die religiöse

ist

Denn

Indo -Germanen überhaupt ausgegangen.

leiteten

alle

sie

ursprünglich die Begritfe „Gott“ und „Himmel“, die auf der erStufe der religiösen Entwickelung bei sehr vielen Völkern

sten

Eins zusammenfallen, aus

in

dem

Begriffe des

Leuchtens*)

her,

und aus diesem sprachlichen, wie aus dem allgemeinen Grunde, dass auch in seiner religiösen Entfaltung der Geist von der Einheit ausgeht, ist

anzunehmen, dass

in der ältesten, indo-germani-

schen Vorzeit einst jener Urmonotheismus bestand, in welchem der ,,

Himmel“

lichte

und

und das „himmlische Licht“

alleinige Gottheit angeschaut

An

diesen

als die eine

und verehrt wurde ^).

Urmonotheismus erinnert im Kreise der vedischen

Götter noch sehr lebhaft

Varunas,

allumfassende Himmelsgewölbe und

der „Umfassende,“ als das zugleich

Urquell des Alles

erleuchtenden, belebenden, durchdringenden und schaffenden Lichts.

Er

ist

mithin eigentlich jener erste Devas oder Djaus selbst, der

indess, sobald sich der

eine Gottesbegriff

in

mehrere Götter ge-

spalten hat, ebenfalls zu einem besonderen Subjecte, einer einzel-

nen Gottheit geworden

ist,

obgleich er den andern gegenüber noch

wesentlich die Einheit und Allgemeinheit repräsentirt.

Wir

dür-

fen ihn hiernach für den ältesten historisch-aufzeigbaren Gott der

Inder, ja vielleicht der

Indo-Germanen überhaupt

halten,

wie sich

denn sein Andenken wenigstens bei den Griechen im Götterahnen

Uranos erhalten

Mond und

hat.

Sterne

Varunas „bereitet der Sonne ihre Pfade,

wandeln nach seinen Gesetzen, er

leitet

den

Dcva, von der Wurzel div „leuchten“ hat sich irgendwie als Bezeichnung für „Gott“ in allen indo - germanischen Sprachen erhalten, ini Deutschen im Namen des Gottes Ziu (nord. Tyr), nach welchem der Dienstag benannt ist, in der Edda in vielen Beinamen üdhins z. B. Ilay1)

natijr, llroplalijr u. a.

Von

derselben Wurzel Vjaus

sen „Indische Alterthumskunde.“

I,

schen morgenländischen Gesellschaft“ len

und 2)

755. I,

G6.

und Türken haben ein Wort (Thiun,

„Bimmel.“

Auch Ttiegri,

MongoTanyry) für Himmel

die Chinesen,

Gott.

Beiifey „Indien“

(bei

Las-

lloth „Zeitschrift der deut-

Ersch und Gruber)

159. 1

*

4 Lauf der Monate und giebt

Jalu-e; in

den Pflanzen Luft,

die Seele

den Menschen“

ihm ruhen

w.

u. s.

den Rossen Kraft,

’)

In der Periode, in welcher die hatte Geist

Lebenskeime, er

alle

Milch den Kühen,

Vedahymnen

und Anschauung der Arier

gedichtet wurden,

sich bereits

den einzelnen,

besonderen Sphären des Naturlebens zugewandt und dadurch in

und so war denn Varunas, obwohl

die Vielheit zersplittert

niclit

förmlich abgesetzt, wie der griechische Uranos, doch in den Ilin-

tergrmid des Bewusstseyns zurückgedrängt worden, während im

Vordergründe zahllose Götter auftauchen,

in

denen eben die

ein-

zelnen Seiten und Theile, Richtungen und Kräfte des Naturlebeiis symbolisirt erscheinen und

über deren buntem Spiel und

Gewim-

mel die Erinuerung an die allgemeine Macht, welche hinter ihnen in unermesslicher Ferne, in

Gränzen des Weltalls,



geheimnissvoller Einsamkeit an

jenseits der

und dort hoch über

wohnt Varunas

allen andern Göttern

allmähligverbleichtund verdämmert und nur noch der

stillen,

auftaucht.

den

Sonne und der Gestirne thront

in



der Anschauung

hehren Unendlichkeit des Nacnthimmels als Erinnerung

Wenn

daher Varunas noch in den Veden „König der

Götter und Menschen“ genannt wird, so

ist er

jenen Königen zu

vergleichen, die, zufrieden mit der höchsten Autorität, sich in die

unnahbare

Stille

und Heiligkeit der Majestät zurückgezogen ha-

ben, die Regierung aber, die factische Gewalt ihren Stellvertretern überlassen: er

Der

herrscht noch, aber er regiert nicht mehr. Indra, nicht Gott des Himmels

Avirklich regierende ist

schlechthin, sondern der Luft, des

dem dem

Wolkenhimmels, sehr ähnlich

griechischen Zeus und nordischen Thor. Blitze die

Wolken und

erschlägt den

*)

Dämon

Er

spaltet

welcher die befruchtenden Gewässer des Himmels gefangen



eine in den

Hymnen

sich

mit

oder Drachen, hält,

hundertfach Aviederholende Vorstel-

lung; er vertreibt die giftigen Dünste, die ungesunde Schwüle, die 1. c. I, p. 43, 493 fg. II, 186, 381. III, 157, 123 fg. höchsten Götter der arischen Völker,“ in der oben genannDie Annahme von einer älteren sittlichen Beten Zeitschrift VI, 67 flg. deutung der A'edischen Lichtgötter und des Varunas insbesondere ist eben

1)

Ruj-Veda

Roth „Die

so unnatürlich, als unhistorisch.

nnd Zeus oder doch Jupiter fallen im Begriffe und Worte „Herr des Himmels“, lat. Diespiter zusammen. Wuttke „Geschichte des Heidenthunis“ II, 241 flg. hat die Bedeutung von \aruuas und Indra vollständig umgekehrt. 2) Indra

Djauspilar

verzehrende Dürre; er giesst Regen herab, Fruchtbarkeit und Reichtbnm

Herrscher im Donnergewölk rische Zeus, Gott des

ist

s.

f.

Home-

Sieges, Entscheider der Schlach-

w.

häufigsten unter allen Göttern wird

die leuchtende,

Ströme, giebt

Als Träger des Blitzes und

er aber zugleich, wie der

Kampfes und

ten, Zerstörer der Städte u.

Am

u. s.

füllt die

Agnis

angerufen, als

erwärmende und verzehrende Macht des Feuers,

vorzugsweise jedoch als Feuer des Altars, als Opferflamme, und in dieser letzteren

Eigenschaft gewinnt er

summten Olymp der Arier gegenüber und Bedeutung.

einflussreiche Stellung

vom Flimmel

Blitz

dem

Indra, ja

dem

ge-

und

eine sehr entschiedene

Wie

er nämlich selbst als

stammt, so steigt er als lodernde

Flamme

wie-

der zu demselben empor und trägt zugleich mit den Spenden auch

Wünsche und Gebete der Menschen zu den Göttern hinauf. er zum Mittler zwischen beiden, zum Verbindungsgliede zwischen Erde und Himmel, zum Herold der Götter, der sie zum Opfer zusammenruft, zum Priester unter den Göttern und zum Gott

die

So wird

der Priester.

Dies die Führer und Repräsentanten des vedischen Pantheon.

Um

sie

her und hinter ihnen bewegen sich Schaaren von Gotthei-

ten zw'eiten

und

dritten

Ranges, zunächst die Aditjas,

d.

h.

die

Mit ras und Arjazusammen angerufen und bekanntlich

Lichtgötter in Varunas Gefolge, namentlich

man,

beide häufig mit ihm

auch den West-Ariern,

d.

h.

den Persern angehörig, ferner die

Sürja, Savitri,

Pu-

die Morgenröthe, das Zwillingspaar der

Apm-

Sonne unter verschiedenen Namen, sch an

u. a.

,

Uschas

nen, d. h. die Lichtstrahlen,

als

welche ihr vorauseilen, desgleichen

Winde als Wäju, Rudra (der Sturm) und dessen Söhne, die Maruts, natürlich an Indra sich anschliessend, dann die Ritus oder Jahreszeiten, die Erde, der Indus, die Flüsse und Gewässer überhaupt u. s. w., endlich mancherlei Classen von Dä-

die

monen, Genien, Nymphen

Asuras

lichen

'), die

u. dgl., als z.

B. die den Göttern feind-

Räkschasas, Apsaras

u. a.

Von den

Veden sind die Devas die guten, die Asuras die feindlichen, Umgekehrt hei den Persern. Ihnen ist der grosse Asura ( Ahura mciida) das gute, schöpferische Princip und die Dewas (Daeva’s) 1)

In den

hösen Götter.

z.

15.

Indra sind böse Geister, woraus sich ergiebt, dass, wie oben ange-

dentet,

Religionsstreitigkeiten zwischen Ost-

haben müssen.

und West-Ariern gebenscht

6 drei grossen Göttern des späteren

Hymnen nur Visclinu, doch auch

vas

Brahmanismns

nicht gerade als

vorderster Reihe;

niclit in

erscheint in den

untergeordnete Gottheit,

Brahma

dagegen und (^i-

sind ihnen völlig unbekannt.

Neben dem Cultus

der Naturmächte

Verehrung der Vorfahren und

dem Tode

Seele nach

wesentliches

ein

Ahnung

kleidet, ist

der Geisterglaube, die der Fortdauer der

und sehr

altes

Element

in

welche

ohne Zweifel die, dass die Manen

Elemente und zunächst

in die

ist

Ahnung von

Die einfachste und früheste Vorstellung,

der Religion. sich diese

die

in die

Luft zurückkehren und mit

Raum

den Winden, gleich Nebeln und Wolken, den unendlichen durchschweifen.

Dieselbe

Maruts,

ja die

tritt

uns auch in den Veden entgegen;

Söhne des Sturmes, sind ursprünglich

die

viel-

Winde zu fassen, sondern als die Geister der mit dem Sturme dahinfahren.’) Die Vorfahren

leicht gar nicht als

Verstorbenen, die (Pitris)

werden durch Spenden geehrt und aus

den zum Opfer geladen.

allen

Himmelsgegen-

Weiter hat sich jene Vorstellung schon

dahin entwickelt, dass die abgeschiedenen Seelen gleichsam ein

Himmel bewohnen, welche Sterbliche, der Versammler der Men-

eigenes Reich bilden, einen eigenen

Jama

beherrscht, der erste

schen, der zuerst den

Höhe Himmel“



der Todten.“ er selbst

ist



die

König der Seeligen „zwei

in der

ist.

Nähe

Wohnung Jamas und

„Es sind

drei

des Savitri (der der Aufenthaltsort

Jamas Reich unter die Erde verlegt zum förmlichen Todes- und Höllengotte geworden. Erst später

Die Lehre von der

rung

aufgefunden hat, welcher aus der Tiefe

jetzt

heisst es^)

Sonne); der dritte

und

Weg

und

führt

in die

findet sich

ist

Wiedergeburt

oder der

Seelenwande-

noch nicht in den Vedahymnen, wenn man auch

zugeben kann, dass dieselbe angedeutet und vorgebildet Vorstellung liege,

in

der

nach welcher die Seelen der Verstorbenen durch

Macht des Feuers, das den materiellen Leib verzehrt, mit einem Strahlenkörper, dem „Harnisch Agnis,“ umkleidet werden. die

Wir werden 1)

C. de

sehen, welche Rolle dieser „geistliche Leib,“

Noorden „Symbolae

wenn

ad comparandaiu mythologiaiii Vedi-

cam cum germanica“ p. 23. Nach ihm hinge das Wort Marul etymologisch mit mori und dem deutschen Mare (Nachtmare) zusammen. 2)

Rig-Veda

1.

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66.

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