Die Lehre vom Krieg: Band 2 Der große Krieg, Teil 2 [2., wohlfeilere Ausg., Reprint 2022 ed.]
 9783112635902

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Zweiter Ißanb Zweite

Ausgabe.

34aoram den 5*-Julv 180() .

Da draiaf die det/emearf__ Pen«onticketf herrscheneignes shtije sehn.. .

------ --

— Der Je/dherr-

Schillers Wallenstein .

Die

Lehre vom Krieg.

Zweiter

Theis.

Der große Krieg. Zweiter Band.

Von dem

Generalleutnant Freiherrn von Valentins.

Zweite wohlfeilere Ausgabe. Mit eilf Planen.

Berlin, im

Verlage

bei

Veit

1 8 3 4.

u.

Comp.

Vorrede zur ersten

Ausgabe.

^)ur Lehre vom Krieg gehört wesentkich der Angriff der Städte und festen Plähe.

Das erste Capitel

des vorliegenden Bandes handelt von diesem Gegenstand.

Beispiele aus der neusten Kriegöperiode, auf die meine Theorie sich gründet, liefert das zweite Capitel, das

als Abriß eines Theils der Feldzüge von 1813 und 1814 in Holland und Frankreich, auch als ein Ganzes für sich

betrachtet werden kann, nicht aber auf den Titel einer voll­ ständigen Geschichte Anspruch macht, eher dagegen in die

Cathegorie der Denkwürdigkeiten des mithandelnden Au­

genzeugen und beobachtenden Zeitgenossen gehören dürfte.

Der Angriff, von dem das erste Capitel handelt, führt natürlicherweise auf die Vertheidigung, welche als Landes- und Städtevertheidigung in dem dritten Capitel abgehandelt wird.

Indem ich mich

des Landsturms, dieses großen und leßten Mittels gegen das Länder verzehrende Requisitionssystem,

zu meinem

Zwecke bediene, stütze ich mich auf wirkliche Bewandnisse in früheren Zeiten, und die Erfahrung dessen, was in

neueren, selbst mit halben Maaßregeln geschehen ist.

iv

Vorrede zur ersten Ausgabe. DaS vierte Capitel ist eine Charakteristik des

Feldherrn und seines Thuns, seiner Geschäfte, Gehül­

fen und Werkzeuge.

Die Züge zu meinem Bilde habe

ich aus dem praktischen Leben, oder aus den Schilderun­ gen der Geschichte, entnommen.

Viel Großes, Kräfti­

ges, Vernünftiges, habe ich in den Heroen aller Zeiten, selten Sublimes, wenigstens nichts in dem Sinn ge­

funden, wie die Phantasie des Unkundigen ein Bild sich schaffe. Der Feldzug in Polen, am Schluß des Capitels, verwebt wirkliche Begebenheiten und Bewandniffe einer

vergangenen Zeit mit angenommenen Maaßregeln und

Erfolgen, und könnte in dieser Hinsicht auch Wahrheit

und Dichtung heißen.

Dieser gedichtete Feldzug soll

anschaulich machen, wie Operationen entworfen und com-

binirt werden, in der Ausführung aber oft Abänderungen erleiden, und wie Benutzung des Moments neue Verhält­ nisse herbeiführt.

Vielleicht hat Neigung für ein vielbetriebenes Ge­ schäft mich hin und wieder zu weitläuftig werden lassen. Kenntniß des Schauplatzes ließ mich bei manchem Gegen­

stände vielleicht mehr als dem Leser angenehm, verweilen; und vielleicht trifft dieser Vorwurf schon meine frühere Er­

zählung der Feldzüge unter Pork und Bülow.

Halte

man aber dem alten Soldaten die Schwachheit zu gut,

gern in Erinnerungen zu leben. Geschrieben im August 1823.

Vorrede zur

zweiten

Ausgabe.

schirt gegen die Assel. — Dvsburg wird genommen. §. 26. Uebergang über die Assel. — Unternehmung auf Zütphen. — Der Platz ergiebt sich. §. 27. Marsch gegen Arnheim. — Versuch auf den Platz. §. 28. Kritik dieser Unternehmung. §. 29. Arnheim eingeschlossen. — Die Division von Kraft an der Assel angelangt. — Wageningen besetzt. — Französisches Corps von Mo­ litor bei Utrecht muß sich in Besatzungen auflösen. — Wichtigkeit von Arnheim. — Regungen des Volks in Holland- — Detaschements sie zu unterstützen. — Entschluß Arnheim zu stürmen. § 30. Disposition zum Sturm. § 31. Der Feind in Arnheim erhält bedeutende Verstärkungen von Nim­ wegen her. Marschall Macdonald langt an. Zweifel über den Sturm. Bestimmter Befehl vom commandirenden General. — Seine Ankunft am 30sten November, und Erstürmung des Platzes unter dem General von Oppen. Verfolgung gegen Nimwegen. — Marsch auf Utrecht.

§. 32. Wie die Franzosen batten Arnheim vertheidigen müssen. §. 33. Wie die Preußen nach der Erstürmung des Platzes hätten zweck­ mäßiger operiren können- — Der Prinz von Oranien, als souverainer Fürst der Niederlande in Amsterdam- — Russische und preußi­ sche Cavallerie daselbst. — Muyden und Halfweg von General Wenkendorf genommen. Seine Spitze ins Brabanter Land. — Die Franzosen ziehen sich hinter die Waal. — Ihre Vertheidigung bei Gorcum. — Verabsäumungen Napoleons bei dieser wichtigen Wasservertheidigungslinie. — General und Senateur Rampon. — General Oppen mit der Avantgarde, geht über den Leck. — Detaschemenrs gegen Gorcum, bei Arnheim, und bis an die Waal. — §.34. Beschreibung von Holland. — Charakter des Landes und seiner Bewohner. — Folgen daraus und aus der früheren Geschichte für die Vertheidigung des Landes. — Rückblicke auf den Herbst- und Winterfeldzug der Franzosen 1794. §.35. Günstige Stimmung des Volkes 1813. Landsturm in der Betbuve§. 36. General Benkcndorf geht über die Merwede. — Unternehmung unter dem General Oppen auf den Bommeler Waard. — Die Plätze und Forts Bommel, St. Andr«, Löwenstein, Worcum, Heusden und Creveeoeur/ werden genommen- Der Feind versucht ver­ geblich das Fort St- Andre wiederzunehmen. — Breda, Gertruidenburg und Wilhelmstadt, von General Denkendorf genommen oder besetzt, werden von den Franzosen mit einem Angriff bedroht. — Napoleons Befehle, Anstalten und Meinungen, über die Vertheidi­ gung von Holland. — Menge der festen Plätze, ihr Entstehen, und unter welcher Bedingung sie nützlich. §. 37. Versuch des General Oppen auf Herzogenbusch. §. 38. Offensive der Franzosen. — Breda von ihnen angegriffen, vom Ge­ neral Kraft aber entsetzt. Marschall Macdonald, von Garve und Nimwegen her vorrückend. Offensive Haltung des General Bülow, und kleiner Krieg zwischen Maas und Waal. §.39. Versuch des General Bülow auf Antwerpen, in Verbindung mit den gelandeten Engländern. — Die ferneren Operationen in Hol­ land und den Niederlanden bis über die französische Gränze, in ge­ drängter Kürze.

B.

Feldzug in Frankreich 1814, vorzüglich der schlesischen Armee, unter Blücher.

a. Rheinübergang. §. io. Boltensterns mißlungener Versuch auf Cöln, und rühmlicher Tod. § 41. Graf St. Priest's Uebergang über den Rhein bei Coblenz, inVerbittdung mit Blüchers Uebergang bei Caub, in der Neujahrsnacht. — Hemmung durch Treibeis- — Französische Triumphsäule auf dein Marktplatz zu Coblenz. —

Inhalt.

XI

§. 42. Beschreibung der Rheinufer und des Uebergangs der schlesischen Armee. — Simmern genommen, und Trier erreicht. b. Zug über die Saar und Mosel. und Toul.

Einnahme von Nancy

§. 43. Die Franzosen ziehen sich über die Saar und Mosel zurück. neral Jork folgt ihnen bis ins Angesicht von Metz, Thionville und Luxemburg. Saarlouis eingeschlossen. §. 44. Die Franzosen verlassen auch die Mosel. Die russischen Corps fol­ gen über Nancy und Pont a Mousson, und mit Spitzen bis an die Maas. — General Jurgas mit der Reservecavallerie von Jork gegen Verdun. §. 45. Blücher in Nancy. — §. 46. Toul ergiebt sich den zum Sturm gerüsteten Russen. §.47. Die Franzosen von der Mitten Hauptarmee im Großen umgangen, verlassen auch die Maas undOrne. Des preußischen Feldmarschalls angeordnete Bewegung nach der Marne. c.

Des General York Versuch auf die Dtosel- und A r d e n n e n f e st u n g e n.

§. 48. Was zu solcher Unternehmung aufregte. — Charakteristik dieser Platze und ihrer Einwohner. — Das Luxemburger Land. — 8- 49. Clima und Witterung. — Metz eingeschlossen, weitere Unterneh­ mung darauf aber aufgegeben. §.50. Saarlouis vergeblich haubitzirt- — Tüchtigkeit der französischen Festungsbefehlshaber. §.51. Recognoöcirung von Thionville, Luxemburg und Metz: die Blocaden dieser Platze, wie die von Saarlouis, Cavalleriecorps überlassen, d. Des General York Zug nach der Maas und Marne.

§. 52. Marsch über Pont a Mousson nach St. Mihiel und CommereyDer Feind in Bar-le-Due. — Blücher in Brienne. §. 53. Was vor einigen Tagen auf diesem Schauplatz sich zugetragen. — Napoleon über Chalons bei St. Dizier angelangt, zieht nach der Aube gegen Brienne. — Jork in Ligny; die Avantgarde in Bar­ le-Duc. Verbindung links mit Wittgenstein. §. 54. Charakteristik des Landes und Volks im eigentlichen Frankreich. §. 55. Marsch bis St. Dizier. Gefecht mit der feindlichen Arrieregarde. §. 56. Abtheilung von Pirch als Avantgarde auf Vitry. Ansicht von einer Linksschiebung des Dorischen Corps. — Fürst Schwarzenberg verlangt, daß mau Vitry nehme. Canonade daselbst mit dem Ge­ nera! Pirch. — Marschall le Febvre mit Verstärkungen in dem Platz.

Xll

Inhalt.

§. 57. Glück und Bedächtigkeit im Kriege. Anmerkung über Herrn Kochs Geschichtserzahlung. §. 58- Das Morksche Corps, zum Sturm auf Vitry gerüstet, wird durch Macdonalds Anrücken von Chalons her, gestört. Die Avantgarde und Reservecavallerie bis La Chaussee diesem Feind entgegenEntschluß ihn anzugreifen. — Nachricht von Blüchers Siege bei Brienne. §. 59. Vom Gefechte von Brienne, und der Schlacht von La Rothir-re. § 60. Cavalleriegefecht bei La Chaussee und Angriff von Chalons. §.61. Einzug in Chalons. Vertheidigung der Brückedurch abgesessene Reuter. — Die Franzosen verlassen Vitry. Sie werden verfolgt auf der kleinen Straße nach Varis- — Das Kerksche Corps soll auf der großen Straße vorrücken. §.62. Aug nach Epernay, und über Dormans gegen Chateau-Thierry. §.63. Vorrücken des Corps von Sacken bis La-Ferte-Jouarre. Napo­ leons Offensive. Sieg bei Champeaubert, und Vorrücken, über Montmirail. §. 64. Treffen bei Montmirail, und Rückzug von Sacken und Aork über Chateau-Thierry. Nachtheile, wenn man vom Lande leben muß. — Gehemmte Gemeinschaft erklärt Blüchers ungewöhnliches Zaudern. §.65. Blüchers unglückliches aber ruhmvolles Gefecht bei Vauxchamp, und Rückzug über Champeaubert und EtogeS. — Die französische Reuterei. — Anmerkung, Herrn Kochs Relation berichtigend. §. 66. Das Aorksche Corps in Rheims. §. 67. Einiges Charakteristische und Geschichtliche von Rheims. Vorsicbtsmaaßregeln gegen den Volksaufstand. — Ankunft des Sackenschen Corps. — §. 68. General Winzingerode bat Soiffons genommen. — Blücher ver­ einigt seine Corps bei Chalons§. 69. Rückblick auf die Ereignisse bei der Hauptarmee. — Art von Cordonkrieg der Franzosen. — §. 70. Napoleons Detailanordnungen auf seiner Vertheidigungslinie. §. 71. Gefechte bei Sens, Nogent, Bray u. s. w. §. 72. Napoleons Offensive gegen die Hauptarmee. — Deren Rückzug und Vereinigung bei Troyes. — Die schlesische Armee langt bei Mery an. §. 73. Die verrufene Champagne im Winter. — Gefecht bei Mery. — Rückzug der Hauptarmee auf Vendoeuvres. — c, Operationen der schlesischen Armee auf dem rechten Marne­ ufer, in Vereinigung mit einem Theil der Nordarmee.

§. 74. Kühne und kräftige Entschllrsse im Rath der versammelten Feld­ herren selten. — Blüchers eigener kühner Gang. Sei» Offensivund Sritenmarsch über die Aube. —

Inhalt.

XIII

§. 75. Marsch nach und längs der Marne bis Meaux, und Rückzug über die Ourcq und Aisne bei Soissons auf Napoleons Anrücken. — General Bülow / dem Soissons sich ergeben. §. 76. Vereinigung der schlesischen Armee mit den Corps der Nordarmee. — Centralstellung bei Laon. — Treffen nnd Schlachten bei Craone und Laon- Napoleons Ansicht bei Wahl eines Befehlshabers. — Seine Maaßregeln und Absicht auf Rheims. §.77. Graf St. Priest hat Rheims genommen, verliert es wieder gegen Napoleon/ wird tödtlich verwundet. Seine Herkunft und Charak­ teristik. — §. 78. Napoleon beschließt nach der Aube zu marschiren. — Seine Heer­ schau bei Rheims. f. Operationen der Hauptarmee, unter Fürst Schwarzenberg.

§.79. Wiedervorrücken der Hauptarmee. — Treffen bei Bar an der Aube. Von Daun ubermachteö Zauderungssystem. — Nachricht von Na­ poleons Anmarsch, und Absicht deö Fürsten Schwarzenberg an der Aube mit vereinter Macht zu schlagen. H. 80. Falsche Angaben der bvnapartisch - französischen Geschichtschreiber über die Stärke ihres Heereö- — Schlacht bei Arciö an der Aube. §. 81. Napoleon giebt die Gemeinschaft mit feiner Hauptstadt auf, und will den Alliirten die Rückwege abschneiden. — Jnsurrection in den Maas-, Ardennen- und Moselgegenden. — Besatzungen der dorti­ gen Festungen unter General Durutte gegen Nancy. Was die Gegenwart der Monarchen bei'm Heere hier für ihre Sache bewirkte. — Entscheidender Schritt der Operation auf Paris. — §.82. Begebenheiten bei Vitry. — Benehmen eines Commandanten. ' Napoleons Marsch nach St. Dizier und seine täuschende Ansicht, g.

Marsch nach Pari

§. 83. Begebenheiten der verbündeten Corps unter Blücher, und der bei­ den Marschalle Marmont und Mortier. — Blücher bei ChalonS. §.84. Die Marschalle Marmont und Mortier, auf ihrem Marsch nach Vitry, bei Füre-Champenoise geschlagen/ von Blücher cotoyirt, und bis über die Marne verfolgt. — Die Verbündeten vor den Thoren von Paris. — §. 85. Napoleon schlägt bei St. Dizier den ihn verfolgenden Winzingerode und erscheint vor Vitry zum zweitenmale. §. 86. Napoleon entschließt sich zum Rückmarsch und Umweg über Troyes nach',Fontainebleau. — Die Schlacht bei Paris macht seinem Reiche ein Ende. — Nachtheil für ihn, daß er die Befestigung seiner Hauptstadt verabsäumt. —

XIV

Inhalt. III. Landes- und Stadtevertheidiguirg. 1) Der Landsturm.

§. 87. Ehemaliges und jetziges Verhältniß des Landeseinwvhners zum Kriege. §. 88. Gesetzmäßiger Aufruf gegen den Feind. — Unter welcher Bedin­ gung solcher wirksam seyn kann. §. 89. Unerlaubte und erlaubte Mittel gegen den Feind. — Der Landsturm in der weitesten Bedeutung. — Das preußische Landsturmedict 1813. Napoleons Dekrete 1814. Nothwendige .Vorbereitungen, wenn ein Krieg solcher Art möglich seyn soll. §. 90. Auf welche Weise der Landsturm einer geregelten Kriegsmacht nur allein Widerstand leisten kann. — Waffenplatze. §.91. Bezirkseintheilung. — Die Einwohner jedes Bezirks ziehen, wenn der Feind nabet, nach ihrem Waffenplatz, oder noch weiter, in Sicherheit §.92. Die schon bestehenden Festungen und die Städte, zu Waffen­ plätzen. — Strategische Rücksichten. — Cordvnsystem und kleiner Krieg für de» Landsturm. §. 93. Die ansehnlichsten und volkreichsten Städte vorzugsweise zu Waf­ fenplätzen. §. 94. Die Hauptstadt des Landes oder der Provinz. §.95. Die Einwohner des Umkreises zehn Meilen um die Hauptstadt, nehmen Zuflucht zu derselben. — Der waffenfähige Landsturm zur Besatzung. §.96. Die Städte zweiter Ordnung zu Waffenplätzen kleinerer Be­ zirke von etwa fünf Meilen im Abstand. §. 97. Entfernung der Waffenplätze unter einander, ihre schachbrettförmige Lage, und Folgen daraus für den Krieg. §.98. Mobiles Corps, das zwischen mehrere» Waffenplätzen vperirt/ die Belagerung zu verhindern. — Lage des Feindes.

2) Der Waffenplatz. §.99. Grundsätze der Verschanzungskunst. §. 100. Alte Städtebcfestigung. — Ihre Vorzüge und wie sie zu benutzen. — Vorstädte u. s. w. in die Befestigung. — Anbau zwischen der Stadt und den äußeren Werken. §.101. Möglicher Fall, daß keine Stadt dem Waffenplatz zum Reduit diene. — Allgemeiner Grundsatz. — Wo Verschanzung mit zusam­ menhängenden Linien zweckmäßig.

§. 102. Andere Manier, mit abgesonderten Schanzen (Bastepen oder auch

Inhalt.

XV

gewöhnlichen Redouten). Gesenkte Zwischenwerkpals Courtinen, wenn die Zwischenräume über die Gewehrschußweite§. 103. Anwendung auf den Umfang einer bedeutenden Stadt- — 8.104. Schanzen nach gegebenem Zweck und Lokal, und nicht nach gegebener Besatzung anzulegen. §. 105. Zweck und Nutzen der Reduits. — Verhalten der Besatzung bis zum Sturmangriff. §. 106. Desgleichen bei den zurückgezogenen en glacis eingeschnittenen Werken. §.107. Wie an unseren einzelnen Werken sowohl, als an dem ganzen Waffenxlatz die geforderten vier Eigenschaften sich finden. §.108. Geschütz in unsere» Schanzen. — Standbüchsen. §. 109. Wurfgeschütz. — Carnvts Vertheidigungsmanier mit Wursfeuer und Bogenschüssen. §. 110. Permanente Befestigung eines solchen Waffenplatzes. — §. 111. Benutzung des Waffenplatzes zur Friedensgarnison. — Ausrüstung. §. 112. Benutzung der Terraingegenstände umher. — Vorgreifende Ver­ theidigung durch passagere Befestigungen. — §. 113. Vertheidigung unseres Waffenplatzes.

3) Einrichtung und Taktik des Landsturms. §. 114. Bewaffnung, zwanglose Bildung, und Uebung des Landsturms. §.115. Eintheilung des Landes in Militair-Bezirke und Geneneral-Commandos, und des Landsturms iuBrigaden, Re­ gimenter u. s. w. — Cavallerie und Elitencompagnien. — Bewaff­ nung des Reuters. — Die Offiziere. — Taktik. — Zusammeuberufung, und Art zu agiren des Landsturms.

4) Einwürfe und Anwendung. §. 116. Wie in früherer Zeit die Einwohner und das Landvolk die Städte vertheidigten. — Die Bauern vom Thüringer Wald gegen die Sachsen unter Graf Schulenburg zur Zeit Carls xii. — Die alten freien Reichsstädte. — Erhaltung des Eigenthums und Entschädi­ gung vom Staat. — Folgerungen für die Kriegsführung. Beispiele. §.117.. Wie man auf einem Theil der Grenze defenfiv, und dafür auf einem anderen kräftig offensiv agiren kann. — Beispiel von Ost­ preußen 1806. — §.118. Daß die Institution der Landwehr in Ostpreußen zuerst ent­ standen. §. 119. Wohlthätige Folgen, wenn die Vertheidigung -en Angriff über­ wiegt.

XVI

Inhalt. v. Der Feldherr und die Operationen.

§. 120. Der selbstständige Feldherr. — Eugen, Friedrich n , Bona­ parte- — Der Herzog von Wellington. — §.121. Der mittelmäßige, auf seine Selbstständigkeit eifersüchtige Feldherr. — Die Gehülfen des Feldherrn. — Was Herr von West­ phalen dem Herzog Ferdinand von Braunschweig gewesen. — Don einigen Generalen Friedrich II. §. 122. Geschäfte eines commandirenden Generals. — Der Chef des Ge­ neralstabes. — Die Schreiberei nicht wesentlich nothwendig. —, Die vier natürlichen Zweige der Führung und Verwaltung bei einem Heer. — Ehemalige Parole, und das Parolbuch statt Re­ gistratur. — Disposition zur Armeebewegung, oder Ordre de mouvement. — Kundscbafterbüreau, Botenwesen. — Einige gute Ein­ richtungen und Gewohnheiten. §. 123. Berichte.und Relationen von Vergangenem- — Dauns, Suwarvws und Bonapartes Art sie zu machen. — Was und wann der Feldherr schreiben muß. — Spätere Relationen in den Momente« der Ruhe »erfaßt. §. 124. Ungegründete Vorstellung vom vollendeten Feldherrn- — Charak­ ter der Ruhe und Einfachheit.— Lurenne-— Eugen von Savoyen. — Friedrichs II. Neigungen und Beschäftigungen. — Falsche Mei­ nung vom Entwurf eines Kriegs- und Operationsplans. — Wie der Äriegsmann und der Diplomat nicht einseitig in Kenntniß und Urtheil sein dürfen. §.125. Seelenstärke Haupteigenschaft des Feldherrn. §. 126. Der Feldherr soll nicht fürchten, seinen Ruhm zu verlieren- — Standhaftigkeit im Unglück. — Große Beispiele Friedrichs II., Eugens von Savoyen, und König Wilhelms (des OranierS) von England. §. 127. Der Feldherr soll Vertrauen auf die eigene Kraft haben, nicht Frömmler, noch zur Unzeit weichherzig sein. — Friedrichs Weise in religiösen Ansichten und Gebräuchen. — Wo Menschenscheuen übel angebracht, und wo Aufopfern frevelhaft ist. §. 128. Der Generalstab. — Verschrobenes Ideal vom Generalstabsvffizier. — Bild von dem praktischen in der Wirklichkeit- —

Feldzug in Polen. §. 129. Operationsplan als Beispiel. — Verhältnisse im Jahre 1806, als die Franzosen gegen die Weichsel vorrückten.

Inhalt.

XVII

§. 130. Entwurf zum Marsch einer russischen Armee über Warschau, auf der großen Straße über Rawa nach Schlesien. §. 131. Eintheilung der Armee, und vorbereitende Anordnungen und Be­ fehle. §.132. Fortsetzung. — Die Armee marschirt durch Warschau. — Rück­ sicht auf das zu durchziehende Land und die Jahreszeit. Munition und Verpflegung. §. 133. Der Marsch bis Rawa. §. 134. Die Avantgarde ist gegen die Bzura vorgegangen. Ihre Be­ richte vom Feind. §. 135. Disposition und Instruktion zum Cavalleriegefecht bei Lowitsch. — Der Feind wird über die Vzura getrieben- — §.136. Meldungen, die der Commandirende empfangt, und Ordres und Bekanntmachungen aus seinem Hauptquartier. §. 137. Feindliche Offensive. — Gefechte bei Gluchow. §. 138. Befehle aus dem Hauptquartier Rawa. §. 139. Nachzugsgefechte bei Rawa. §. 140. Vorbereiteter Marsch über die Molborka. §. 141. Avantgardegefecht zwischen Lubochnia und Ujadz. §.142. Stellung an der Molborka, uuö Einleitung des Marsches bis Petrikau. §. 143. Was der commandirende General seinem Monarchen berichtet. §. 144. Ereignisse und Meldungen. §. 145. Anordnungen zur Armeebewegung aus dem Hauptquartier Petrikau. §. 146. Meldungen. Nachrichten von Offensivbewegungen des Feindes. — Anordnungen dagegen§. 147. Napoleon langt bei'm feindlichen Heer an. Sein Angriff an der Molborka. — Vereinigung der russischen Armee in eine Stellung rückwärts. §. 148. Napoleons Absichten, Conjeeturen und Maaßregeln. §. 149. Die Corps von Soult und Prinz Jerome ziehen von der War­ tha und Prosna heran- Der Feldherr beschließt ihnen entgegen zu gehen. Marsch nach der Widawka und Wartha, unter Nachzugsgefechten. §. 150. Cooperation der Besatzung von Breslau. — Erkundigungsdetachements gegen das erwartete Corps von Augereau. 151. Das Corps von Augereau langt an der Molborka an. — Die russische Armee marschirt über die Wartha und auf Sieradz zur Schlacht. — Schlachtordnung. §. 152. Anordnungen mit Rücksicht auf die Eigenthümlichkeit der Armee. — Wo man die eigenen wie feindlichen Bewegungen am besten be­ obachtet. Angriff und Sieg bei Wartha. — Des Feindes Rück­ zug auf Kalisch.

XVIII

Inhalt.

§.153. Vorrücken der Armee gegen Kalisch. Augereau iß über die War­ tha gekommen und folgt. §. 154. Disposition zum Angriff des Feindes bei Kalisch. §.155. Einrücken in Kalisch§. 156. Ruhepunkt in den Operationen. — Rückzug des Feindes gegen Krotvszy». — Augereau rückt mit Vorsicht vor. — Nachzugsstellungen gegen ihn, und Gefechte an der Prosna. — Treffen bei Raczkow. — Der Feind zieht sich aus Glogau zurück und wird verfolgt. §. 157. Augereau, nach vergeblichen Versuchen auf Kalisch, geht über die Wartha zurück. — Zustand der Armee- — Anmerkung über die Bivouacs. §. 158. Des Armeearztes Larrey Beobachtungen. §. 159. Expedition nach Pose», und mobile Colonnen gegen die Insur­ rektion. Kriegsverbaltnisse im Allgemeinen. — Letzte Operation im Feldzüge, den Feind über die Oder zu drangen- — Die Armee be­ zieht Erholungsquartiere an der Bartsch und dem rechten Oderufer.

I.

Angriff der Städte und festen Plätze.

1) Allgemeine Bemerkungen. §- i. ede Stadt, wenn man die Mittel hat sich darin zu ver­

theidigen, ist als ein fester Platz anzusehen.

Das geht aus

unserer örtlichen Beschreibung*), wie aus dem täglichen Au­

genschein hervor.

So wird denn auch die Bemerkung, „daß

„man erst mit dem erlangten Besitz der Festungen die Ero„berung eines Landes vollendet habe", **) eine größere Aus­

dehnung sinden. Nur in den Städten werden die Erhaltungsmittel für eine Armee in der gehörigen Anhäufung beisammen angetrof­

fen; nur sie gewähren bedeutenden Truppenmaffen, in selbst­ ständig streitsertigem Zustand, ein sicheres und bequemes Un­ terkommen***).

Daher ist klar, daß, wenn man auch allen­

falls den Sommer und Herbst hindurch in einem Lande auf tartarische Weise leben kann, man doch im Winter wahr-

*) §. 22 im ersten Band dieser Lehre vom großen Krieg. •*) §. 4 ebendaselbst. •*•) §. 71 u. s. w. von den Winterquartieren. Lehre v. Krieg III.

I. Angriff der Städte und festen Plähe.

2

schcinli'ch wieder heraus

Thore verschließen.

wenn die Städte uns ihre

muß,

Wir finden dies in der ganzen Periode

unserer neuern Kriegskunst bestätigt, von dem ersten Feldzuge

Wilhelms von Oranien gegen den Herzog Alba an, bis zu

den neusten Ereignissen/ die wir schon betrachtet haben.

§. 2. Sind, wie oben gezeigt*), förmliche Belagerungen in

den neuern Kriegen selten, so

tritt dafür um so öfter die

Nothwendigkeit ein, sich auf kürzere Weise der festen Plätze

Handstreiche (Coups de niain), indem man

zu bemächtigen.

durch Ueberfall oder Ueberrumpelung

zum Zweck zu

kommen sucht; oder Sturm ohne besondere Vorbereitung des

Artillerie- und Geniewesens, hängen vom Zufall und von Be­ nutzung günstiger Umstände ab, und werden durch Schwäche,

Muthlosigkcit,

oder verkehrte Maaßregeln auf

Feindes veranlaßt.

Seiten des

Mehr Sicherheit hingegen gewährt die

Vereinigung solcher kühnen Angriffsweise mit der kunstge­ rechten, d. i. ein Angriff,

der, zwischen jenen beiden die

Mitte haltend, gewissermaßen eine abgekürzte Belagerung zu nennen ist.

Der Charakter der neuen Kriegssührung ge­

stattet diese Abkürzung, weil der Vertheidiger mit dem Angrei­ fenden gemeiniglich in gleich'em Fall, auch selten mit den Mitteln

versehen

ist,

die

Vauban für

den

Festungskrieg

fordert.

§. 3. Wirft man die feindlichen Vorposten mit Macht bis in die Festung zurück, setzt man sich fest in den anliegenden Häu­

sern, Gärten und Hecken, benutzt man solche Lokalitäten gleich­

sam zu Transcheen

und Kommunikationen rückwärts, oder

richtet sie mit weniger Schanzarbeit dazu ein, so reicht man vielleicht mit solcher Art Parallele (ganz nah' an den feind­

lichen Werken) aus; Ricoschett und Demontir-Batterien, ja

*) §. 16 li. f. w. von den Festungen.

1) Allgemeine Bemerkungen.

3

selbst die Bresche kommen schon in den ersten Nächten zu Stande, und man gelangt so in Tagen dahin, wozu man sonst der Wochen bedurfte.

Ist aber eine starke und kräftige Besatzung im Ort, so

wird der Befehlshaber so nahe Festsetzung nicht dulden.

Er

wird, begünstigt von seinem Geschützfeucr, eine offensive Hal­ tung hinter jenen Deckungen vor seinen Werken behaupten,

oder, zurückgeworfen, stets zu neuer Offensive wiederkehren.

Nahe Transcheearbeit wird unter solchen Umständen nicht mög, lich seyn, und um den großen umgehenden Ausfälle» zu be­

gegnen, wird man schon eine erste Parallele, die einen be* deutenden Theil der Festungsfront umfaßt, weiter rückwärts

anlegen, kurz: dem bekannten klassischen Muster des alten Meisters Vauban sich nähern niüssen, das, wo eine kräftige

Vertheidigung vorhanden, eigentlich in neuern Zeiten nicht übertroffen worden ist.

noch

Für die Verhältnisse hingegen,

wo der abgekürzte Angriff möglich, können die von Sr. kö-

niglichen Hoheit, dem Prinzen August von Preußen, I8IS aus­ geführten Belagerungen für Muster gelten*).

2) Die förmliche Belagerung. §. 4. Ueber keinen Zweig der Kriegskunst ist so viel und so

brauchbares geschrieben worden, als über den Belagerungs­

krieg.

Schon Berenhorst bemerkt, daß, was sichtbar in die

Erde sich gräbt, auf festeren Füßen steht, als das Beweg­

liche im Kriege, bei welchem die Theorie sich leicht in Speku­

lationen verirrt.

Machte doch nach der älteren Lehrmethode

•) Veitrag zur Geschichte des Festungskriegs in Frank­ reich im Jahr 1815, von L. Blesson; — und der Belagerungs­ krieg u. s. rv. an der Sambre und in den Ardennen, von E. von Ciriacy, geben darüber Auskunft.

1) Allgemeine Bemerkungen.

3

selbst die Bresche kommen schon in den ersten Nächten zu Stande, und man gelangt so in Tagen dahin, wozu man sonst der Wochen bedurfte.

Ist aber eine starke und kräftige Besatzung im Ort, so

wird der Befehlshaber so nahe Festsetzung nicht dulden.

Er

wird, begünstigt von seinem Geschützfeucr, eine offensive Hal­ tung hinter jenen Deckungen vor seinen Werken behaupten,

oder, zurückgeworfen, stets zu neuer Offensive wiederkehren.

Nahe Transcheearbeit wird unter solchen Umständen nicht mög, lich seyn, und um den großen umgehenden Ausfälle» zu be­

gegnen, wird man schon eine erste Parallele, die einen be* deutenden Theil der Festungsfront umfaßt, weiter rückwärts

anlegen, kurz: dem bekannten klassischen Muster des alten Meisters Vauban sich nähern niüssen, das, wo eine kräftige

Vertheidigung vorhanden, eigentlich in neuern Zeiten nicht übertroffen worden ist.

noch

Für die Verhältnisse hingegen,

wo der abgekürzte Angriff möglich, können die von Sr. kö-

niglichen Hoheit, dem Prinzen August von Preußen, I8IS aus­ geführten Belagerungen für Muster gelten*).

2) Die förmliche Belagerung. §. 4. Ueber keinen Zweig der Kriegskunst ist so viel und so

brauchbares geschrieben worden, als über den Belagerungs­

krieg.

Schon Berenhorst bemerkt, daß, was sichtbar in die

Erde sich gräbt, auf festeren Füßen steht, als das Beweg­

liche im Kriege, bei welchem die Theorie sich leicht in Speku­

lationen verirrt.

Machte doch nach der älteren Lehrmethode

•) Veitrag zur Geschichte des Festungskriegs in Frank­ reich im Jahr 1815, von L. Blesson; — und der Belagerungs­ krieg u. s. rv. an der Sambre und in den Ardennen, von E. von Ciriacy, geben darüber Auskunft.

4

I. Angriff der Städte und festen Plähe.

die Fortification und der mit ihr verbundene Angriff einen Theil der mathematischen Wissenschaften aus,

Universitäten ihren Lehrstuhl hatten*).

die auf den

Wenn ich daher hier

vom Belagerungskriege spreche, so werde ich selbst den Layen

unter meinen Lesern verständlich seyn.

Einige technische Aus­

drücke der neuern Kunst abgerechnet, giebt uns schon die er­

lernte älteste Zeitgeschichte ein Bild vom Städteangriff,

in

welchem man die durch Erfindung des Pulvers nur vervoll­ kommneten

als Grundzüge

Zerstörungsniittcl

schon

findet.

Es ist auch sehr zu erkennen, daß die Städtebezwinger der neuern Zeit, wenn sic als Erfinder erscheinen, (wie Alexan­

der von Parma im ersten niederländischen Kriege) aus den

Alten gelernt hatten. Vaubans

Angriffsmcthode

ist

in

seinem hinterlassenen

Werke so anschaulich dargestellt, daß man fast aus den Zeich­

nungen allein die Kunst erlernen kann, deren Inbegriff bis

zu der Periode unserer Zeitgenossen der alte Struensee um­ ständlich erörtert, und Bousmard praktisch mit den neuern

Gebräuchen bereichert.

Ich

bin nicht Willens, diese zum

Theil durch gute Auszüge bekannten Werke hier abzuschrei­ ben.

Nur aufmerksam will ich machen auf einige Klippen bei

der Anwendung des alten Bekannten, und dem Versuchen des auf einzelne Erfahrungen gegründeten Neuen.

Was ich oben**) über die Anwendung der auf gesunde Vernunft beruhenden Kriegsregeln im allgemeinen sagte: „daß

„der Drang der Zeit und der Verhältnisse oft Sinne und „Geisteskraft besänge und zu Fehlurtheilen und Maaßregeln

„verleite", hat sich auch bei Belagerungen älterer und neue­ rer Zeit bestätigt gefunden, wiewohl es eigentlich weniger zu entschuldigen ist, da die Verhältnisse, unter welchen eine Be-

*) Nach des Frecherm von Wolff Lehrbuch aller mathematischen Wissenschaften, herausgegeben zu Halle 1713.

**) §. 1 im ersten Bande.

2) Die förmliche Belagerung.

5

lagcrung nur unternommen werden kann, immer der ruhigen

Ueberlegung Raum geben. So kannte unstreitig Friedrich der Große den Belage­ rungskrieg so gut, wie nur ein König und Feldherr es nöthig

hat, und seine Balby und andere in der französischen Schule

gebildeten Ingenieure hatten ihren Vauban und Belidor genug inne, um Entwurf und Detail zu besorgen.

Dennoch er­

öffneten sie vor Olmütz 1758 ihre Transchee 1800 Schritt

(um tausend Schritt weiter also, als die Regel es vorschreibt) von den feindlichen Werken.

Die optische Täuschung von

dem dominirenden Tafelberg, auf dem sie sich festgesetzt hat­ ten, und ein längs solchem laufender Hohlweg, der eine na­

türliche Parallele bildete, mochten Veranlassung zu solchem Mißgriff seyn.

Man verschwendete auf so zweckwidrige

Entfernung eine Menge Munition, und mußte in der zwei­

ten Parallele,

deren Batterien mehr Wirkung hätten leisten

können, damit haushalten; anderer Mißgriffe zu geschweige», die nach 35 Tagen offener Transchee den König nöthigten,

die Belagerung aufzuheben.

Wären Zeit, Kräfte und Auf­

wand gehörig berechnet und richtig «ertheilt gewesen, so hätte

unstreitig der Platz in diesem Zeitraum genommen werden

können; denn Vauban fordert, in seiner aus den gewöhnlichen Lauf der Dinge gegründeten Berechnung, nur dreißig Tage,

von Eröffnung der Transche'e bis zu Erstürmung der Bresche. Die erforderlichen Mittel zur Belagerung zu berechnen*),

bevor man sie unternimmt, ist nothwendig, weil, wenn man

den angefangencn Angriff nicht durchführen kann, die darauf verwendete Zeit und Kräfte ein reiner Verlust ftitb, und es ja viel zweckmäßiger gewesen wäre, statt der Geld- und Men­ schen-kostenden Belagerung die bloße Blocade anzuwenden.

Ist jedoch zu solcher, um nach der Lage der Verhältnisse die

*) Scharnhorsts militärisches Taschenbuch giebt dazu für unseren Zweck

genügende Anleitung.

I Angriff der Städte und festen Plätze.

6

Uebergabe der Festung zu erwarten, nicht die erforderliche Zeit zu gewinnen, so reichen die zur förmlichen Belagerung nicht

hinlänglichen Mittel vielleicht zu einer abgekürzten, die in

den offenbaren Sturmangriff übergeht, hin; und gerade diese Verhältnisse sind es, die zu solchem Unternehmen, das dem

Glücke etwas überläßt, aufsordern. Aus diesem Gesichtspunkt erklären sich häufig die fehler­

haften Entwürfe beim Angriff fester Plätze.

Es gebricht viel­

leicht an Zeit, die zweckmäßige Richtung, den sichern Weg, uni zum Ziele zu gelangen, zu erwählen.

Man versucht es

daher mit dem kürzeren nächst vorliegenden, wenn-gleich ge­

wagteren und unzuverlässigen.

In diese Kathegorie dürste

der, kaum eine Belagerung zu nennende, Versuch auf Dres-

des 1760 gehören;

wiewohl es scheint, daß der König ihn

nur par depit unternahm, um doch etwas zu thun, das den

Feind, der ihn von Schlesien abgeschnitten hielt, schmerzte,

und vielleicht zu Schritten veranlaßte, die auf andere Weise

Vortheile, oder mindestens Zeit, gewinnen ließen. Die Belagerung von

Schweidnitz, mit welcher

der

König seinen 7jäbrigen Krieg beschloß, war bei 64tägigcr. offe­

ner Transche'e, und le Fcbvrcs Versuche mit seinen Globes

de coinpression, unstreitig eine regelmäßige und kunstgerechte zu nennen.

Doch scheinen die verunglückten Versuche dieses

Ingenieurs, mit Anwendung seines selbsterdachten Systemes, zu beweisen, daß er mehr mit seinen Figuren und todten

Massen, als mit Menschen, umzugehen verstand, und der

König ihm mit seinem praktischen Genie zu Hülfe kommen mußte, um den Angriff noch zu leidlichem Ende zu führen. §. 5.

Daß indeß der Belagerungskrieg nicht eigentlich die Stärke der Preußen sei, ward in dem spätern Revolutionskriege be­

stätigt. Longwy und Verdun (1792) gingen durch Bombarde­ ment über;

ein Mittel, das

nur auf indirekte Weise zum

2) Die förmliche Belagerung.

7

Zweck führt: wenn nemlich eine unruhige zur Uebergabe ge­ neigte Bürgerschaft auf die Besatzung oder den Befehlshaber wirken kann; oder auch, wenn es diesem nur um einen Vor­ wand zu thun ist, sich zu ergeben; oder endlich, wenn (wie gerade bei den französischen Festungen fast durchgehends) es an bombenfesten Raumen im Innern gänzlich fehlt, so daß Lebensvorräthe und Vertheidigungsmittel in Feuer aufgehen, eine reelle Gefahr für den Platz herbei geführt wird, und Bürgerschaft und Besatzung in steter Gefahr und Unruhe zur Verzweiflung kommen. Wer ein Bombardement in einem'Orte mit angesehen, wird es begreiflich sinden, daß solches in dem Grade gefährlicher, als der Ort klein ist, und Longwy und Verdun sich ergaben, das weitläufige Lille dagegen ein hefti­ geres Bombardement aushielt. Bemerkenswerth ist hier die veränderte Ansicht, welche die französische Revolution hervorgebracht. Die alten Franzo­ sen behielten noch immer etwas von ritterlichem Wesen, wel­ ches Schonung des Wehrlosen zur Pflicht macht, und wenn gleich Gräuel unter Ludwig XIV, von Türenne gezwungener­ weise, von Villars aber recht cou amore verübt, Ausnahmen zeigen*), so herrschte doch noch von Vauban überliefert der Grundsatz: daß man den Wällen und der Besatzung, und nicht den Häusern und den friedlichen Einwohnern, den Krieg machen müsse. Wie Friedrich II. sich berechtigt glaubte, nach der Schlacht von Zorndorf die gefangenen russischen Ge­ nerale in die Casematten von Cüstrin einzusperren, weil sie den kleinen Ort ausgebrannt hatten, so schrieen auch-die Neufranken über Barbarei, in welcher sie jedoch später mit •*) Villars, bei seiner Einnahme von Freiburg 1713, verfuhr mit ver­ höhnender Grausamkeit ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht. Die Damen der Stadt sagten zu ihm: daß er nicht die Großmut!', wenn auch die Talente, Alexanders besitze. Ludwig XIV. selbst mißbilligte das Ver­

fahren seines Feldherrn, und der Hof nannte es: le« douceur« de Vil­ lar«. Memoires du Marechal Duc de Richelieu.

I Angriff der Städte und festen Plätze.

8

so kräftigem und belehrendem Beispiel vorangegangen*), daß,

was irgend nur zum Zweck führt, selten für dem Kriegs- und Völkerrecht zuwider gehalten,

und ein Bombardement nur

dann getadelt wird, wenn es, ohne den Zweck zu erreichen,

Calamitäten verbreitet und Munition gekostet hat.

Dieser

Vorwurf könnte uns wegen Landau, im Spätherbst 1793, treffen.

Mainz

Bei

der im Sommer beendigten Belagerung von

aber**), welche die verbündeten Heere mehr denn

drei Monat lang beschäftigt hatte, waren die Ingenieure von Olmütz und Schweidnitz wieder zu erkennen.

Wiederum ward

die erste Parallele (noch dazu durch nächtlichen Wirrwar beim

ersten Versuch verunglückt!) so entfernt von der Festung er­

öffnet, daß man mit der endlich zu Stande gebrachten drit­ ten noch nicht, wie es die Regel vorschreibt, bis zum Fuß

des Glacis gelangt war, und um den Uebelstand der unge­ wöhnlichen vierten dem Auge der Kritik zu entrücken, für die erste Parallele die neue Benennung einer Arrierparal-

lele erdachte***).

Man ging indeß in Beschönigung des

Fehlers noch weiter, und wollte sogar in die Theorie den Satz

einschwärzen, daß die seit Vauban vervollkommnete Artillerie, vorzüglich durch erweiterte Wirkung des Kartätschfeuers, noth­

wendigerweise die Folge herbeiführe, auch mit der ersten Pa­ rallele um so viel weiter zurückzubleiben, weil man doch nicht

unter dem Kartätschfeuer die Arbeiter anstellen könne.

Schlußfolge ist nun aber

durch

Diese

die neuern Ansichten und

Grundsätze dergestalt vernichtet, daß es mehr an seinem Ort

seyn dürfte, vor dem entgegengesetzten Fehlschluß: immer und überall die Laufgräben fast im kleinen Gewehrschuß des Fein-

*) Im J»ly IS09 bombardirten sie Preßburg, um die Uebergabe des die Stadt gar nichts angehenden Brückenkopfs ;u veranlassen. Versuch

einer Geschichte des Feldzugs von 1809 u. s. w. pag. 160—62. ••) Pl. I,, nebst der Erklärung.

••*) Auf dem herausgegebenen Belagerungsplan von Humbert.

2) Die förmliche Belagerung.

9

des eröffnen zu können, das nur unter günstigen Umständen in neuerer Zeit möglich gewesen, zu warnen.

Diese Belagerung von Mainz war übrigens, bei 35 Tage offener Transchee, noch keineswegs bis zu regelmäßigem Ende durchgesührt; denn nur die drei Forts auf der Angriffs feite, (eigentlich Theile des vorliegenden verschanzten Lagers), wa­

ren bis zur Möglichkeit des Sturms von den Belagerern zu­

gerichtet, den aber der Kommendant nicht abwartete, sondern aus Gründen, die

ein Kriegsgericht Bonapartes schwerlich

würde haben gelten lassen, die Festung übergab. Periode (und gerade

Die letzte

die wichtigste durch die Chicanen der

fortwährenden kleinen Ausfälle und des Minenkriegs), fehlt daher dieser Belagerung, und es ist unbegreiflich, wie Gene­ ral Doirv, und die ihm zur Aussicht gesetzten Deputirten Mer­

lin und Neubel, vor ihrem Nationalkonvent Gnade finden konnten.

Man muß voraussetzen, daß der Vortheil, durch die

starke und kriegsgewandte Mainzer Besatzung den Vendöe-

krieg endigen zu können, für größer erachtet wurde, als die Vertheidigung dieser Festung um einige Wochen zu verlängern. Bemerkenswerth ist die erste Periode der Belagerung, von der begonnenen Einschließung bis zu Eröffnung der Laufgrä­

ben: volle zwei Monat.

Der Befehlshaber nutzte seine über

2vtausend Mann starke Besatzung trefflich, um die kaum dop­ pelt so starken Belagerer entfernt von der» Werken zu halte«,. Bei Kostheim, Weissenau und Zahlbach setzten die Franzosen

sich fest, und das vorliegende Bretzenheim ward ein Zankapfel.

Die befestigte Carthaus war ein zweckmäßiger Verbindungs­ punkt für jene vorgeschobenen Posten auf beiden Rheinufern, und glücklich für die Verbündeten, daß die Franzosen nicht

Zeit gewannen, die Gustavsburg so herzustellen, wie sie es mit

Cassel gethan.

Sie würden dann auch die Blei- und Mars­

inseln gehalten, und den Angriff auf der Seite von Weissenau eben so verhindert haben, als die großen befestigten Inseln

unterhalb (Peters - und Ingelheimer-Au) vorn Angriff dieser

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

10

unteren Seite abschreckten.

Die Verirrungen des Positioiis-

unb Kordonkriegs liegen jedoch auch hier wiederum dem Be­ nehmen der Belagerer zum Grunde.

Die Einschließungsar-

nice bildete einen Kreis, vom Radius einer vollen Meile vom Mittelpunkt anzunehmen, wie aus den Theile» davon auf

unserm

Fragment von Belagerungsplan

zu ersehen.

Von

Hügel zu Hügel waren Schanzen angelegt, und einzelne Ba­

taillone, oder schwache Brigaden, als Reserven dahinter ge­ stellt; nirgends vereinte Kraft.

So ward dem kecken Belager­

ten sogar ein Ausfall bis nach dem Hauptquartier Marienborn

möglich, und obgleich abgewiesen gelangte er doch ungestraft zur Festung zurück.

Bis gegen Monbach und Bieberich hin,

wagte sich die Besatzung, und es kostete viel Blut, sie so weit

einzuengen, daß Trancheeröffnung möglich wurde. Es ist die Frage, ob bei dem Mißverhältniß einer schwa­

chen Belagerungsarmee gegen eine starke Besatzung nicht die uralte Methode enger Einschließung durch starke zusammen­

hängende Werke zweckmäßig wäre, wie Alexander von Parma

im niederländischen Kriege das volkreiche Mastricht mit starken Forts und verbindenden Linien so umgab, daß Niemand her­ aus noch hinan konnte, und die Anführer der Geusen erstaunt

bemerkten:

Mastricht sei durch ein zweites

Mastricht be­

lagert*). §.

6.

Die Manier auf die Natur unserer neuen Stellungs­

und Lagerkunst angewendet (Th. I. §. 61, 62, u. s. w.) wür­ den wir zur engen Einschließung von Mainz auf dem linken

Rheinuser gleich die vier Hauptpunkte,

nämlich die Dörfer

Weissenau, Bretzenheim, Gonsenheim und Monbach, ins Auge fassen, und in solchen dem Feinde Bollwerke entgegenstcllen,

♦) Vom alten Strada (Histoirc de la guerre de Flandrc ecrite cn latin > mise en fran^ais 1676) mit unterhaltender Ausführlichkeit er­ zählt.

2) Die förmliche Belagerung,

an denen er sich den Kopf zerstoßen müßte. Gleich bei der Ankunft der Belagerungsarmee, mit einbrechender Dämme­ rung wären diese Punkte mit Macht occupirt worden*). Die vereinigten Preußen und Oesterreicher, welche diese Seite be­ lagerten, können auf 4 Divisionen ungefähr, nach unserer neuern Eintheilung, gerechnet gerben. Wir hätten also für jedes Dorf eine Division. Weissenau und Bretzenheim würden wir unmittelbar stark verschanzt haben. Alles müßte in der ersten Nacht Hand ans Werk legen. Die Carthaus und Zahl­ bach würden gleichzeitig besetzt, und vorläufig als Vorposten sestgehalten. Wenigstens ist anzunehmen, daß der Feind sich nicht in ihnen niederlassen konnte. Sind die Verschanzungen vollendet, so werden 3 Bataillone für jedes der beiden Dörfer hinreichen, um jeden Ausfall abzuweisen. Von den übrigen der Division bliebe die Hälfte im Bivouacq einen guten Flin­ tenschuß hinter dem anvertrauten Dorf in Bereitschaft, die andere Hälfte im Ruhelager weiter rückwärts. Monbach möchte wegen der Nachbarschaft der vom Feind besetzten In­ seln auch befestigt werden, der größte Theil der Division aber im Walde dahinter sicher und ruhig lagern. Gonsenheim ist außer dem Bereiche eines feindlichen Unternehmens, und zum sichern Lagerpunkt für eine Division geeignet, vor deren Front (in s) aber ist eine starke geschloffene Schanze im Angesicht des Hauptsteins anzulegen, zu dessen Beobachtung unsere Tirailleurs sich in den vorliegenden Weinbergen festsetzen. Ge­ gen jeden Ausfall auf dieser Seite operirt die ganze bei Gon­ senheim lagernde Division mit Macht, und wird ihn wahr­ scheinlich von der Festung abschneiden. Dies zu bewirken ist bei jedem Ausfall Augenmerk unserer Kavalleriereserve, welche wir Brigadenweis weiter rückwärts (bei Hechtsheim, Marien*) Weissenau erforderte später, um es zu nehmen, förmliche Belage«

rungsarbeiten.

Dies würde aber nicht der Fall gewesen seyn in der ersten

Periode der Einschließung.

12

I

Allgriff der Städte und festen Plähe.

born u. s. w.) in Ruhe würden lagern lassen.

Das Feld

zwischen unsern festen Posten wäre aber durch eine starke Vor-

postcnchaine besetzt, und

concentrirte große Pjquets wären,

bereit zum Aussttzen, nah' bei der Hand.

Es ist einleuchtend,

daß bei solchen Anstalten man es mit der thätigsten und un­ ternehmendsten Besatzung

archiehmei» kann,

die, wenn sie

auch täglich Ausfälle unternähme, sich aufreibei» würde, ohne dem Belagerer, der gewöhnlich seinen Abgang ersetzen kann,

beträchtlichen Schade»» zuzufügen.

Sobald man nun das Nöthige zur Eröffnung der Lauf­ gräben veranstaltet hätte, würde ma»r sich gleich in der ersten Nacht in Zahlbach und dem Kloster Dahlheim so gründlich

festsetzen, daß man den linken Flügel der etwa nach der Rich­ tung x x zu führenden Parallele daran stütze»» könnte.

Die

auf gleiche Art zu befestigende Carthaus wäre Stützpunkt des

rechten Flügels.

So würden wir zwei Parallelen, und viel­

leicht die Hälfte der Belagerungszeit, erspart haben. Was die Belagerung auf dem rechten Rheinufer betrifft,

so wollen wir die daselbst zu vereinigenden Sachsen, Hesse»» und Reichstruppe»» zu zwei Divisio»»en annehmen, voi» wel­

chen die

eine sich mit Macht in Kostheim festsetzen mußte,

wodurch die Eustavsburg und die Insel»» zugleich wären ge­

sichert worden.

Ihre Reserve hätte diese Division etwa bei

der Ziegelei und Donnersmühle lagern lassen.

Die andere

Division, wofür wir die Sachsen und Hessen bei Erbenheim

und Bieberich annehme»» können, welche es hauptsächlich mit dem Brückenkopf Cassel zu thun hatte, mußte wegei» der In­

seln entfernt bleiben, und »vurde in ihrem Lager auf der Thal­ höhe des Rheins dennoch einmal vom Feinde heimgcsucht. Es ist aber zu verwundern, warum die Wegnahme der Pe­

ters- und Ingelheimer-Auen für so schwierig gehalten wurde.

Mittelst einiger tüchtige»,

Batterien am rechten Rheinufer,

sollte man glauben, würde ei»» Uebcrgang über den schmale»»

Arm nach der Petersaue, und eine Landung vor» Bieberich

2) Die förmliche Belagerung, und der beiliegenden Insel aus, leicht gewesen seyn.

War

man einmal im Besitz der Petersaue, so war die feindliche Besatzung der Ingelheimer abgeschnitten, und überdies konnte

die Landung auf dieser letzter», von der nah' unterhalb gc legcnen Schiersteiner Aue, über welche die Kommunikation der Verbündeten nach beiden Rheinufern ging, und zugleich von der Biebericher aus, durchaus keine Schwierigkeit haben. Die

Wegnahme der Inseln mußte daher als wesentlich zur engen

Einschließung betrachtet und damit begonnen werden, wodurch die Kräfte der Belagerer concentrirt, und die der Belagerten

Eine Brücke mit doppeltem Kopf,

gelähmt worden wären.

zu Versicherung der Petersaue, wäre erforderlich gewesen, und

etwa noch drei tüchtige Schanzen, um die Wege nach Mos­ bach, Erbenheim und den zwischenliegcnden zu sperren*). Das Gros der Division hätte in der Mitte hinter den festen Punk­ ten in Sicherheit rampirt.

Tüchtige Kavalleriereserven muß-

ten aber in der Nähe seyn, und starke Piquets, zunr Auf­ sitzen bereit, hinter der Vorpostenchaine halten.

§.

7.

Daß die Oesterreicher den Belagcrungskrieg besser ver­ standen, kann schon die Zeichnung des Angriffs von Valencienncs in eben diesem Feldzuge beweisen").

Wie in der An­

schauung, so auch im Detail der Ausführung, bewährt sich diese Belagerung als regelmäßig, wie vielleicht keine im Lauf eines Jahrhunderts.

Wenig Vertheidigungen haben bis

zur wirklichen Bresche, und dem

Sturmes, ausgehalten.

Moment

des möglichen

Hier war ein Hornwerk vor der an­

gegriffenen Front, mittelst dreier Globes de compression,

von den Belagerern erstürmt, und das Logement in dem­ selben vollendet.

Eiir nebcnliegendes war durch die Bresch-

*) In unserm Plane sind diese Punkte ungefähr,

zeichnet. ") Man sehe Pl. II und die Erklärung.

mit t, u, v be­

14

I. Angriff der Städte und festen Plähe.

Batterien in Trümmern gelegt, und die entgegenstehende Front

durch das Kanonen- und Wurffeuer aus der dritten Parallele so zugerichtet, und von aller Vertheidigung entblößt, daß man

zur Erstürmung des Platzes schreiten konnte, als die Ueber» gäbe nach sechs Wochen offener Transchee erfolgte.

General

Ferrand darf unter den ruhmwürdigen Städtebehauptern ge­ nannt werden.

Nur vermissen wir bei seiner Vertheidigung

die wiederholten kleinen Ausfälle, welche von der zweiten Pa­ rallele an den Gang der Belagerung hätten aufhalten können.

§.

8.

Ein Jahr später sehen wir

eine preußische Armee auf

einem anderen Schauplatz mit einer Belagerung beschäftigt, die eigentlich keine hätte seyn sollen.

Warschau, dem Charakter der sarmatischen Hauptstadt getreu, ist eine offene Stadt.

Schon an sich selbst mehr

denn eine deutsche Meile lang und ovalförmig, betrug der

Umfang der vorliegenden Verschanzungen über zwei Meilen, und war im eigentlichen Sinn nichts weiter

als

ein ver­

schanztes Lager, aus Redaus mit zwischengelegten Wolfs­ gruben bestehend, und in der rechten Flanke Anfangs noch

offen, indem diese Seite, von dem Lusthaus Powonsk an, bis zur Weichsel*), nur durch ein unbedeutendes Mühlenfließ gedeckt war,.und die Verschanzungen dahinter erst im Laufe

der Belagerung von den Polen vollendet wurden.

Die re-

gulaire polnische Armee, kaum auf 20,000 Mann zu rechnen, stand außer allem Verhältniß mit diesem weitläuftigen Um­

fang, ward aber von einer streitlustigen bewaffneten Bürger­ schaft, und einem zahlreichen wüthenden Pöbel unterstützt.

Daß die Verschanzungen, welche auf der ganzen Front von Wola durch gar kein Terrainhinderniß gedeckt waren, mit

einem raschen Anlauf ohne bedeutenden Verlust hätten genom­ men werden können, leidet gar keinen Zweifel.

*) Man sehe Pl. HI.

Weiterhin bei

2) Die förmliche Belagerung. dem Eindringen

15

in die Stadt aber waren alle Gräuel des

Blutbads und der Verwüstung vorauszusehen, die Suwarow

drei Monat später gegen das kleinere Praga als Ueberwinder

durchsührte.

Ein Gleiches gegen das große, wohl 200,000

Menschen enthaltende, Warschau durchzusetzen, mochte die preußische Armee zu schwach seyn, und diese Rücksicht den menschenfreundlichen Friedrich

Wilhelm II.

bestimmen,

die

hier nicht angemessene Angriffsweise: durch Transche'eeröffnung,

(a) zu wählen.

Gegen ersteigbare Erdwerke mit vorliegendem

zum Hineinspringen geeignetem Graben, mag es unter man­ che» Umständen wohl zweckmäßig seyn, seine Batterien ein­

zuschneiden, und wenn das Terrain durchaus keine Deckung darbietet, mit einem Laufgraben zu verbinden.

Solch Loge­

ment sey dann aber auch im Laufe einer Nacht vollendet, so

nah' am Feinde, daß man den Tag hindurch mit überwiegen­

dem Feuer das feindliche auslösche, und ehe die Nacht cinbricht, oder der neue Tag graut, sey man mit einem Anlauf

im seiiidlichen Lager.

Auf solche Weise angewendet, gewährt

die Transcheearbeit den Vortheil

eines Replies und sichern

Haltpunkts, im Fall der Sturm abgeschlagen würde, und die

Möglichkeit, zu neuem Versuch wiederzukehren. Die preußischen Laufgräben vor Worschau wareu aber so

entfernt von den feindlichen Schanzen, daß man sie eigent­ lich nur Gegenverfchanzungen nennen und die Munitions­ verschwendung bedauren muß: aus so unangemessener Entfer­

nung zu feuern!

Das Sündenmaaß gegen die Belagerungs­

kunst voll zu machen,

wurde»» Sandhügel auf dem linken

Flügel (bei Powonsk) aus der Acht gelassen.

Die Polen

setzten sich darauf (b b), und umspannen mit erweiterter Ver­

schanzung nach und nach die Flanke der Belagerer.

Oberst

Stutterheim*) erstürmte diese Art Contrcapprosche, mit einein

') Später General der Infanterie und Gouvemeur von Königsberg.

1. Angriff der Städte und festen Plätze.

16

Verluste, der, anderwärts und zu rechter Zeit daran gesetzt, zur Eroberung des Lagers hätte führen können.

Es ist indeß leicht cinzusehen, daß vergebliche Belagerung

einer großen volkreichen Stadt nicht aus lange Dauer auszu­ halten ist, und der Angrcifende in vergrößertem Verhältniß

seine Kräfte

consumirt.

Die preußische Armee

war durch

Krankheiten und Desertion so geschmolzen, daß sie der regu-

lairen polnischen kaum an Stärke gleich kam, und nach fast

zwcinionatlichem vergeblichem Mühen ward demnach die Be­ lagerung in eine so entfernte Blocade verwandelt, daß die

Polen

Raum zu

Diversionen und Streifzügen nach Süd­

preuße»» gewannen. Die Erinnerung an diese Begebenheit dürfte in gegen­ wärtiger Lehre vom Krieg sehr an ihrem Platze seyn, um die

oben erwähnte Wichtigkeit der Hauptstadt in Hinsicht auf

deir Erfolg des Kriegs, und die bedeutende Vertheidigungs­ kraft großer Städte überhaupt, so wie den Begriff vom Na­ tionalwaffenplatz*),

an welchem die Kräfte des

Eroberers

scheiterrr müssen, durch ein recht sprechendes Beispiel ans Licht zu stelle»». —

§

9.

So wie man aber bei einem Menschen, dem man feind­ lich entgegentritt, vernünftiger Weise sich fragt: was man ihm

bieten kann?

so wird ma»r doch nicht

minder einen festen

Platz zuvörderst auch ansehen, um die Angriffsweise zu erwähle»».

ihm angemessene

Den Zweck des ganzen Krieges

im Auge, wird man doch nirgend mehr Zeit und Mittel ver­

wenden wollen, als ebeir nothwendig, und so auch dem zu erobernden Punkt nur ebeir die Ehre erweisen, die ihm ge­

bührt und der zunächst vorliegende Zweck fordert. — Feld- und ersteigbare Erdwerke überhaupt, wie wir so

eben

*) §. 21 — 23 im ersten Bande.

2) Die förmliche Belagerung.

17

eben beschrieben, werden demnach, sobald ihre Feuervertheidigung vernichtet ist, mit raschem

Anlauf erstürmt.

Viel

Kugeln ihnen außerdem noch zuzuschicken, ist vergeblicher Auf­ wand, da Erdwerke nicht auf solche Weise zu zerstören sind.

— Selbst das vermeintlich mögliche Zerstören der Erdwerke, durch die Menge der Bomben- und Granatenwürfe, welche

wie kleine Minen sollen wirken können, scheint, obgleich es

in Büchern steht, zweifelhaft. — Dagegen kann man in Mau­ erwerk, das

vom Felde aus sichtbar, schon von ferne her

Bresche legen, und ohne eben, wie die Vorschrift sonst lautet, bis an den Grabenrand mit der Sappe gelangt zu seyn, zum

Sturm schreiten.

ansteigenden

Regelmäßige Festungen, bei

Glacis an,

ein Werk das

denen vom

andere deckt,

kein

Mauerwerk von ferne sichtbar ist, und eine Festungsfront,

von vorne gesehen, einem begraseten Hügel gleicht*), werden

auch regelmäßigen Gang

des Angriffs

nothwendig machen.

Man wird sich naher hcranarbeiten müssen, um das zu se­ hen, was man zerstören will.

Der Minenkrieg wird bei

manchen Festungen nothwendig, oder vielleicht doch das kür­

zeste Mittel seyn, um in den Graben zu gelangen.

Bei an­

deren Festungen dagegen wird man die Hindernisse des Was­ sers zu bekämpfen, und zu beachten haben: was für Mittel

und Material nothwendig, um nicht vergeblich anzulaufen, oder im regelmäßigen Vorschreiten gehemmt zu werden.

§.

10.

Ueber das Breschelegen von weitem her liefert der letzte

Krieg der Engländer in Spanien bemerkenswerthe Resultate,

da diese, unter ihrem Wellington, bei mehreren, theils gelun­ genen, theils mißlungenen, Belagerungen die Möglichkeit ge­ zeigt haben, aus einer Entfernung von 600, bis sogar 1000

Schritt, Bresche zu legen, wozu indeß ein 6- bis 7tägiges

*) Oie Ingenieure nennen das: ein richtiges Defilemcnt der Werke untereinander.

Lehre v. Krieg. Hl.

2

13

I. Angriffe der Städte und festen Plätze.

Feuer, und eine ansehnliche Menge Geschütz nöthig ist *). Diese beschränkende Bedingung, (vornehmlich im Punkt der erfor­ derlichen Zeit) macht indeß die Entdeckung für den Gebrauch unfruchtbar. Auch dürfte, wollte man sie als Beispiel zur Nachahmung nutzen, das Laufen über freies Feld bis nach der zu ersteigenden Bresche viel Menschen kosten, und bei fehlgeschlagenem Sturm nicht leicht ein baldiges Wiederkom­ men gestatten. Würde man daher, statt tagelangen unsiche­ ren Brescheschicßens, nicht besser gethan haben, Schaufel und Schanzkorb fleißig in Bewegung zu halten, und sich heran­ zuarbeiten, bis auf die Nähe, wo Stunden in Bresche­ schießen so viel gelten, als bei jener Entfernung Tage? Die brittischen Ingenieure sind indeß auch so aufrichtig zu geste­ hen, daß sie diese Methode aus den indianischen Kriegen, wo ihnen nur unvollkommene Plätze und schlechte Vertheidigun­ gen vorgekommen, mitgebracht, und in Europa nicht vortheilhaft gefunden haben. Auch loben sie die Tapferkeit ihrer Truppen auf Unkosten ihres Fleißes, indem der brittische Soldat lieber stürme als arbeite. Es ist übrigens bemerkenswcrth, wie oft in einem nicht allzulangen Zeitraum die Sitten eines Heeres sich ändern. Ein brittischcr Offizier, der die obenerwähnte Belagerung von Valcnciennes beschreibt, bemerkt ausdrücklich: „daß die öster„reichischen Ingenieure sich überzeugt hatten, keine Truppen „seyen so tauglich zur Arbeit als die brittischen, weshalb sie „sich ihrer allemal zu bedienen pflegten, wenn es darauf an„kam, in der Geschwindigkeit neue Approschen zu machen." Daß jedoch die brittische Armee seitdem in vielem Anderem reichlich gewonnen, was sie in diesem Einen verloren haben möchte, ist anerkannt. Auch den Russen, bei ihren Belagerungen, kann man *) Jones Tagebuch der in den Jahren 1811 und Verbündeten in Spanien unternommenem Belagerungen.

1812 von den

2) Die förmliche Belagerung.

19

den Vorwurf mache», daß sie mehr Blut als Industrie an­ wenden, um zmn Zweck zu kommen, woran ihre Ingenieure

um so mehr unrecht thun, da der russische Soldat arbeitsam und kunstfleißig ist.

Das Breschelegen und Stürmen aus

weiter Ferne setzt uns überdies noch dem Querstrich aus, daß

der Feind bei eingebrochener Dunkelheit und vor dem Sturme,

den Fuß der Bresche aufgeräumt, oder steil abgegraben hat,

und man dann nur mit Leitern hinansteigen kann, auch wohl schon derselben bedarf, um in den Graben hinabznkommen,

in welchem Fall denn so ein vorbereiteter Belagerungssturm fast dem kurzen offenbaren Sturmangriff gleich zu achten ist,

und deffen

Abhängigkeit von Zufällen theilt.

Auch waren

jene erwähnten Breschcstürme der Engländer gemeiniglich gleich­ zeitig mit auf andern Punkten des Umfangs versuchten Lei­

terersteigungen unternommen, und der Kunst zum Hohn, ge­

langen oft letztere, auf die nur nebenbei gerechnet war, wäh­ rend der Sturm auf die Bresche mißlang. Das Ersteigen einer von Batterien am Grabenrande ge­

legten Bresche gewährt dagegen so viel Sicherheit, als von

irgend einem Beginnen im Kriege nur möglich, .weil das mit

den Breschbatterien nothwendig

verbundene Logement mit

Flintenschützen besetzt ist, welche die Bresche von feindlichen

Arbeitern rein halten, und zu gleichen Zeit an einem unter­ irdischen Gang (der Descente) um in den Graben hinab­

zukommen, und einer Festsetzung in demselben durch Schanz­

körbe*), gearbeitet wird.

Ohne sonderliche Gefahr sieht man

fortwährend dem Feind das Weiße im Auge, ersieht den gün­

stigen Moment, und ermüdet den Gegner, der, in fortwäh­ render Anspannung den Sturm erwartend, seine Kräfte schnel­

ler erschöpft als der Belagerer, bei welchem durch öftere Ab,

lösung und dem natürlichen Vortheil des Angriffs, Gefahr und Mühen sich theilen.

*) Dies ist es, was wir in-der Kunstsprache Logement nennen. 2*

20

I

Angriff der Städte und festen- Pläße. §

11

Der von Belidor erfundene Globc de compression, (die

Druckkugel) ist im Belagerungskriege, was Bonapartes wilde Kriegsmanier im Felde.

Was früher die Mineurs

unter

der Erde trieben, die kleinen Trichter, die sie sprengten, um einen Minengang zu quetschen, oder einige Schanzkörbe, höch­

stens ein Stück von einer Batterie, auseinander zu werfen, war nur kleiner Krieg.

Ware nicht das menschliche Herz

zu beachten, das sich vor eingebildeter Gefahr mehr als vor wirklicher fürchtet, so möchte ein gewisser französischer Inge­

nieur wohl recht haben, der dem Belagerer anrath, „sich an „solch unterirdisches Spiel nicht zu kehren, und nur getrost

„über der Erde fortzuarbeiten; die kleinen Chicanen des feind-

„lichen Mineurs werden ihm nicht viel schaden."

In der

That war es mehr der Zeit- als der Menschenvcrlust, der den Angriff einer durch Minen vertheidigten Festung so widerwärtig machte.

Von der dritten Parallele an schritt der

Belagerer nur mit Schneckengang fort, immer mit den un­

terirdischen Anfällen und Diversionen kämpfend, die der Be­ lagerte von seinen stehenden sich verzweigenden Mincngangen

aus, bald zuvorkommend, bald dem Angriff in den Rücken

manövrirend, zu machen im Vortheil war.

So bei Bergen-

opzoom im Jahr 1747, wo nicht weniger als achtzig kleine

Minentrichter vorerwähnter Art von Belagerern und Belager­ ten gesprengt wurden, und erstere volle sieben Wochen be­

durften,

um vom Fuß des Glacis bis zum Sturm zu ge­

langen, welcher noch dazu früher als sonst gewöhnlich, nem-

lich nach noch nicht vollendeter Bresche, und mit Hülfe von Leitern unternommen und glücklich ausgeführt ward.

Diesö Belagerung verdient in einer Lehre vom Krieg erwähnt zu werden, da sie die Haupt- und Staatsaction der Ingenieure zu Friedrichs II. Kriegsperiode war, und das bei

ihr Erlernte für Autorität galt.

Es scheint daher etwas hart,

daß der König den Vertheidiger dieser Feste, weil er zwischen

2) Die förmliche Belagerung.

2t

Anwendung der Minen und ihm zugleich zu Gebot stehende« Waffervertheidigung geschwankt,

und darüber die Festung

verloren haben soll, mit dem kranken Thier in der Fabel ver­ gleicht, das zwischen zween Bunden Heu aus Unentschlossen­

heit verhungert*).

Nur wenn es bei dem nah' amMcerge-

stadc liegenden, mit einem kleinen Hafen, auf den die Fluth

«virkt, versehenen Platz etwa möglich gewesen wäre, den tro­

ckenen Graben der angegriffenen Fro«it, im Augenblick der angcfangenen Bresche

mit Wasser zu füllen, dürfte Verab-

säumung dieses Mittels, das den Sturmlauf verhindert hätte,

den Tadel verdienen.

Ein nasser Graben aber erschwert wie-

derum dem Vertheidiger die wiederholten Ausfälle (retours

offcnsifs), die Carnot gerade für die letzte Periode der Bela­ gerung so sehr anempfiehlt, um Fuß vor Fuß das Terrain

streitig zu machen, und oft das verlohrne wieder zu er­

obern. Der Minenkrieg, bei den sonst inusterhaft genannten Be­ lagerungen, bestand zu größtem Theil in fortwährendem Käm­

pfe«, um die gesprengten kleinen Trichter, die der Belagerer in seine Gewalt zu bekommen sucht, um mit Schanzkörben ge­

krönt sie als Transchce zu benutzen, der Belagerte dagegen zu füllen und abzuflachen trachtet, um seinem Geschütz aus der

Festung die Einsicht zu verschaffen,

und das Feld zu be­

streichen. Mittelst solcher kleinen Trichter ward die äußere Graben­ wand theilweise eingeworfen, und das Hinabkommen, viel­

leicht zu Tage (ohne unterirdischen Gang) möglich.

Dann

konnte, wenn der Graben trocken, und die Breschbatterie«« schon vorgearbeitct hatten, der vorliegende Wall erstiegen wer­

den.

Der Gebrauch, die Bresche in gemauerte Hauptwerke.

durch eine Mine zu legen, wo der Mineur, als enfant perdu an, Fuß der Mauer angesctzt, sich hineinarbeiten mußte, ist'

) Oeuvres poslliume», Tome UI.

22

I. Angriff der Städte und festen Plähe.

als zu abhängig vom Unglück, das ihm begegnen kann, schon

in früherer Zeit abgekommcn, und das Schießen der Bresche für kürzer und sicherer gehalten worden. Mauertrümmcr und Mcnschenkörper hoch in der Lust, wie Vaubans Werk die furcht­

bare Wirkung so einer Mine im Bilde darstellt, sind daher schon seit mehreren Menschenaltern nicht mehr gesehen worden.— Der Angriff mit der Druckkugel geht mit wenigeren, aber

größeren Schritten zum Ziele.

Am Fuße des Glacis ange­

langt, wo man Minen des Vertheidigers erwarten kam», wird

eine stark geladene Mine angelegt, (mit 50 Centner Pulver vielleicht, wenn man bei gewöhnlichen nur so viel Pfunde

brauchte) und ein Trichter gesprengt, der wohl auf 50 Schritt

umher das Erdreich umwühlt, auf dessen Rande man sich festsetzt, und in den gesprengten feindlichen Minengang zu

gelangen trachtet.

Daselbst,

oder

in eigends weiter vorge­

triebenem Gange, wird mittelst einer neuen Druckkugel wieder­

um eine Masse

Erde auseinander

und vorwärts

gesprengt

und so weiter fort, wenn eine dritte Druckkugel nöthig, mit welcher man

dann gewiß die Contreescarpe auf einem der

angegriffenen ausspringenden Winkel in den Graben gewor­ fen, und eine breite Rampe hinab bereitet haben wird; der

Vortheile zu geschweigen, die man aus dem verbreiteten Schre­ cken über den nicht vorbereiteten Feind vielleicht ziehen kann.

Vorkehrungen gegen feindliche Ausfälle, welche die Minenar­ beit entdecken und stören, sind Hauptsache bei diesem Angriff.

Bei der vorerwähnten Belagerung von Schweidnitz waren

es vorzüglich die wiederholten kleinen Ausfälle der Oesterrei-

cher, die, nächst dem mehr praktischen Talent ihres Ingenieurs Gribauval und ihrer Mineure, die Preußen vierzig Tage lang

auf dem Glacis aufhielten.

Mehr Erfahrung in dieser zu

damaliger Zeit nur versuchsweise angewendeten Angriffsart,

läßt heutzutage andere Resultate erwarten.

§. Um den Zustand

12.

unserer Bclagerungskunst in neuerer

2) Die förmliche Belagerung.

23

Zeit wahrzunehmen, wolle» wir die Angriffe auf Wittenberg 1813 und 1814 betrachten.

Die Ehre des ersten Versuchs

am Anfang des Kriegs gebührt den Russen, da Oberbefehl,

Artillerie- und Genieleitung, von ihnen ausging, und scheint der unzulängliche Angriff auf geringere Meinung, als Festung

und Besatzung verdienten, gegründet gewesen zu seyn. waren wohl

Beide

zu stark für die zwei russssche Jägerregimenter

und zwei preußische Bataillons, die mit 27 Geschützen zum Angriff verwendet wurden.

Indeß ward

solcher durch die

umgebenden Vorstädte') begünstigt, die man besetzte.

Hätte

das unglückliche Spandau nicht die vorhandenen Belage-

rnngskraste in Anspruch genommen, so würden sie zu einem abgekürzten Angriff auf Wittenberg wohl hingereicht haben,

wobei man den in der ersten Nacht genommenen Posten von der Ziegelei (z) hatte festhalten, und sich darin logiren müssen.

Dem Feind die Gemeinschaft mit der Elbbrücke abzuschneiden, wäre Hauptsache gewesen, daher das solche deckende Werk(i)

Anstrengung und Aufopferung werth war.

Der Angriff, wie

er später bei der endlichen Eroberung wirklich geführt ward, wäre hiernach ohne Zweifel gelungen, da bei der günstigen

Jahreszeit 14 Tage, die man Zeit gewann, vollkommen hin­

gereicht hätten. Da man indeß schon nach der zweiten Nacht,

in welcher vier Batterien in den Vorstädten zu Stande ge­ kommen waren, die Unzulänglichkeit der Angriffsmittel und

die Standhaftigkeit des Feindes erkannte, so war es weise,

den Versuch nicht weiter zu treiben. Mit mehr Streitkräften an Mannschaft, aber unzurei­

chenden Bclagerungsmitteln, ward der zweite Angriff vom Ge­ neral Bülow, nach der Schlacht von Dennewitz, begonnen,

kann aber nur für eine enge Einschließung, vermittelst ange­

legter Transcheen gegen mehrere Festungsfronten, gelten. Das

wenige Belagerungsgeschütz, die vorhandenen russischen Ein»

•) Pl. IV.

24

I

Angriff der Städte und festen Plätze.

Hörner und Congrevischen Raketen, reichten nur zu einigen Batterien in der ersten Parallele hin, mehr um die Stadt zu ängstigen, als den Werken zu schaden.

Kaum konnte die

Festung erreicht werden von den drei Wurfbatterien in dem

entfernten Laufgraben, den man gegen die obere Seite an­ gelegt, und aus ihm zwei Communicationsbranschen rückwärts nach dem Walde (in welchem der Luthersbrunn liegt) geführt

hatte (B).

Etwas näher, jedoch auch über 100 Schritt, war

ein zweiter Laufgraben mit einer zwölfpfünder Batterie gegen die untere Seite (B'), und nur eine höchst unbedeutende Be-

werfung der Stadt konnte aus der Mörserbatterie d bewirkt werden, zu welcher die aus weiter Entfernung

dominirende

Höhe auf der Seite nach Teuchel eingeladen hatte.

Auch

dürfte, wären die Kräfte zu einer regelmäßigen Belagerung wirklich vorhanden gewesen, es nicht einmal zweckmäßig ge­

wesen seyn, sie daran zu setzen, so lange der Feind noch vom linken Elbufer Herr war, und beliebige Verstärkung nac,, der

Festung sendend, mit übermächtigem Ausfall die Belagerungs­ Ein in der Nacht zum 28sten Sep­

arbeiten zerstören konnte.

tember über die Elbe gekommenes französisches Corps, das man auf dem Anger zwischen der Stadt und dem Strom la­ gernd entdeckte, ließ so eine Absicht vermuthen, die jedoch erst später (zu dem schon erwähnten Zeitpunkt, als Napoleon

die vereinigte schlesische und Nordarmee, nach ihrem Uebergang über die Elbe zum

Rückzug hinter

Saale veranlaßt hatte)*), ausgeführt ward.

die Mulde und Als die Nord­

armee zu jenem Elbübergang (bei Roßlau) ausbrach, ward

bloß die Division von Thümen auf dem rechten Ufer im An­ gesichte von Wittenberg zurückgelaffen, und unternahm es mit

ihren 9

Bataillonen

die Transchecn behaupten

zu wollen.

Vier Bataillons und eine Batterie im Lager bei Traguhn, 2£

Bataillons bei Teuchel,

und 21 in den Vorstädten und im

) §. 81. im eisten Bande.

2) Die förmliche Belagerung.

25

Walde bei Rothe-Mark, welche die Transcheen besetzten, und

174 Pferde, reichten auch hin, die Besatzung im Zaume zu

halten.

Indeß hatte Napoleon am 12ten Oktober 40,000

Mann auf Wittenberg gesendet, und schien einen Zug nach Berlin zu beabsichtigen.

Graf Tauenzien, mit seinem Armee­

corps bei Dessau, zog auf diese Nachricht über Roßlau nach

dem rechten Elbufer zurück, lebhaft gedrängt von dem ihm bis in den Brückenkopf folgenden Corps von Bertrand.

Ge­

neral Thümen, nicht gern ohne Noth einen Schritt weichend, hatte sich hinter dem Bach von Piestritz concentrirt, Grund

und Dorf mit Tirailleurs stark besetzt, seine Verbindung mit Graf Tauenzien gegen Coswig gesichert, und wartete so das Defiliren der ganzen feindlichen Macht ab.

In der Front mit

Uebcrlegenheit angegriffen, und durch eine Colonne über Reensdorf in der linken Flanke bedroht, zog er sich mit Ruhe und Ordnung über Coswig zurück, und vereinigte sich mit Graf Tauenzien.

Des Feindes Zug nach dem rechten Elbufer war indeß nur eine drohende Andeutung gewesen, und sein Rückzug nach

den Feldern von Leipzig gab dem wiederkehrenden vierten Ar­

meecorps unter Graf Tauenzien Gelegenheit, die Elbsestungen wieder einzuschlicßen.

Den Angriff von Wittenberg übernahm

am

General Dobschütz mit seiner Abtheilung, und

begann

23sten Oktober

erst in der

die Einschließung,

die jedoch

Nacht zum 29sten Dezember in wirkliche Belagerung über­

ging.

Indeß hatte der General die Zeit bis dahin als Vor­

bereitung trefflich genutzt, die Besatzung wiederholt bei Tag und Nacht allarmirt, Posten, die sie außerhalb hielt, aufge­

hoben, und so den Feind geschwächt, ermüdet, und mit Er­

öffnung der ersten Parallele in der erwähnten Winternacht so

überrascht, daß sie, obgleich nur 400 bis 500 Schritt vom Hauptwall entfernt, mit einer Communication rückwärts, ohne

Verlust noch Beunruhigung zu

Stande kam (D).

Auf die

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

26

2400 Schritt lange Transchcearbeit waren 1000 Arbeiter ver­ wendet worden.

Vor dem angegriffenen Polygon lag ein massives Kran­

kenhaus (k), das die Belagerten mit einer Brustwehr umge­

ben, mit Pallisaden geschlossen, und so zu einem starken Außen­ werk gemacht hatten, aus welchem sie aus drei Stockwerken, mit Tirailleurfeuer, der 180 Schritt daran vorbeilaufenden er­

sten Parallele hart zusetzten. Mit Einbruch der fünften Nacht, nachdem in den Nächten vorher 5 Batterien, theils in der

ersten Parallele theils jenseits der Elbe gegen das Anschlie­ ßungswerk (i) zu Stande gekommen, und die Belagerungs­ arbeit mit einer zweiten Parallele nach der Richtung des aus­ springenden Winkels vom Krankenhause mit der Sappe fort­ geschritten war, ward dies Werk mit Sturm genommen, wozu 50 Mann mit 100 Mann Reserve verwendet wurden.

schließenden Pallisaden waren vom Geschütz ekrasirt. Schuß geschah bei dem Angriff.

Die Kein

Der Feind nach einer gege­

benen Salve verließ das Werk, und an einem Logement und

Verbindung desselben mit der zweiten Parallele, ward durch die schnell angestellten nachfolgeirden Schanzer sogleich gear­

beitet.

Aber schon nach einer halben Stunde kehrte der Feind

mit einem kräftigen Ausfall, 600 Mann stark in drei Colonnen, zurück, gegen Front und rechte Flanke des Postens.

mußte verlassen werden.

Er

Doch behauptete der Belagerer sich

in der zweiten Parallele, und nöthigte durch starkes kleines

Gewehrfeuer den Feind zum Rückzug, worauf die Verbindung

mit dem wieder gewonnenen und luftig besetzten Krankenhause mittelst der Sappe bewerkstelligt ward.

Starke Besatzung

war, wegen des noch nicht gedämpften Feuers der Festung, das vorzüglich mit Wurfgeschütz von den anstoßenden Bastio­

nen mit Courtine sehr heftig war, nicht in dem eroberten Werke zu halten.

Noch

am selbigeir Tage (Nachmittags)

kam der Feind mit einem wüthenden Ausfall in das Werk zurück, und legte Feuer in dem Hause an, ward aber von der

2) Die förmliche Belagerung.

27

mit dem Bajonet hereindringenden Reserve mit ansehnlichem

Verlust wieder verjagt; das Feuer ward gelöscht, und

Logement in dem Werke gründlich vollendet.

die Belagerer in der

zweiten Parallele

das

Indeß hatten

noch mit Ensilir-

schüssen aus dem Anschlicßungswcrk an der Elbe, zu käm­ pfen, wo der Feind wieder einige Geschütze ins Leben gerufen

hatte, gegen die man sich durch Traversen in der Parallele decken mußte, und gleichzeitig aus derselben mit der doppel­

ten Sappe gegen das Glacis vorschritt.

Der starke Frost,

der ungünstige Boden, auf Schutt und Mauergrund zerstör­

ter Hauser, und das stete Wurffeuer des Feindes, erschwerten die Arbeit.

Mit der elften Nacht war man mit schlangen­

förmiger Sappe so weit auf dem Glacis vorgerückt, daß der bedeckte Weg genommen werden konnte.

150 Mann wurden

dazu verwendet; 30 drangen, nachdem der Feind vom aus­

springenden Winkel vor dem angegriffenen Bastion verjagt war,

bis an den anstoßenden Waffenplatz, gruben sich an

den Traversen daselbst ein, und behaupteten sich mit fortwäh­

rendem Flintenfeuer. Couronnement

Fortwährend ward

an einer

Strecke

auf der Kante des Glacis gearbeitet.

Der

Bau einer Breschbatterie, in der zwölften Nacht begonnen,

war in der dreizehnten vollendet.

Sie konnte jedoch, da noch

Feuer der benachbarten Werke zu dämpfen war, erst nach der

fünfzehnten Nacht zum Agiren gelangen.

Eine Descente,

vom Glacis bis zum Rande des zugefrornen und durch alle

Anstrengungen des Belagerten nicht mehr aufzueisenden Gra­ bens, war gleichzeitig zu Stande gekommen, und in der Nacht auf den 12tcn Januar (der 16ten der Belagerung) um 1 Uhr

erfolgte unter dem Oberbefehl des Feldherrn Graf Tauenzien der Sturm.

Vier Jnfanterieregimenter, jedes in einer Co-

lonne, bildeten eben so viel Angriffe; die erste, bestimmt den Brückenkopf auf dem linken Elbuser zu nehme», sollte mit

dem Feinde über die Brücke dringen; die zweite das untere Anschlußwerk zwischen Festung

und Strom nehmen, dann

28

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

auch sich der Brücke, mit dem Haupttheile aber sich des Elb-

thors (e) bemächtigen; die dritte, als der Hauptangriff, war

gegen die attaquirte Front bestimmt, und in vier Abtheilun­ gen, jede mit einer Reserve, getheilt, um auf eben so viel

Punkten, vorzüglich dem der Bresche, den Wall zu ersteigen.

Man konnte über das Eis und den Damm, der nach dem

Schloßthore (s) führt, über

den Graben

gelangen.

Die

vierte Colonne sollte auf der obern Seite (am Petersthor p),

in die Festung dringen.

Die Angriffe sollten zwar gleichzei­

tig, doch vom rechten Flügel den Zeitpunkt abwartend, so ge­

schehen, daß jede Colonne aufbräche, wenn sie das Hurrah!

der rechts benachbarten höre, und alle, wenn sie eingedrun­ gen, mit einander Verbindung suchen, mit dem Schloß und

Rathhaus aber, von welchen man wußte, daß der Feind sie zu einer inneren Vertheidigung eingerichtet hatte, sich für diese Nacht nicht abgeben, sondern sich auf den Wällen und in

den Straßen gegen die Mitte der Stadt fest setzen. in

dieser Anordnung ward genau

befolgt.

Alles

Das feindliche

Feuer aus dem Blockhause im place d’armes der Angriffs­ front ward nicht geachtet, und die Bresche mit dem Ruf: Es lebe der König! erstiegen.

Der Feind, von allen Sei­

ten gedrängt, verließ ohne großen Widerstand die Wälle, und

warf sich in Schloß und Nathhaus, die im Feuereifer des Siegs wider Befehl auch angegriffen und mit einigem Ver­ luste genommen wurden.

Um 2 Uhr war General Dobschütz,

der die Stürmenden ansührte, Herr des Platzes; gegen 1500

Gefangene und 96 Geschütze, waren die Früchte des Sieges; 100 Todte und Verwundete hatte er an diesem Tage, und 400 für die ganze Belagerung gekostet. — Beiden Theilen

muß man Gerechtigkeit wiederfahren lassen: dem Befehlshaber General Lapoype, als tapferen Vertheidiger eines mittelmäßi­ gen Platzes, der kein Mittel ungenutzt lassend auch noch das Aeußerste abwartet; den preußischen Befehlshabern, wegen des festen und sicheren Ganges ihres Angriffs, mit auffallend ge-

2) Die förmliche Belagerung.

29

ringen Mitteln, und in einer Jahreszeit, in der man vormals förmliche Belagerung für ganz unthunlich hielt.

Man wird

in dieser Belagerung keine halbe Maaßregel, keinen Rückschritt bemerken *).

Die Gerechtigkeit fordert, den Ingenieur zu nen­

nen, der den Angriff leitete.

Es war der Oberst Chevalier

Plautzen, Franzos, und weil er seinem rechtmäßigen König zu nützen glaubte, von der Parthej des Usurpators zu den Verbündeten übergegangen.

Es" ist zu bedauern, daß ein spä­

terer politischer oder moralischer Mißgriff dieses achtungswer-

then Ingenieurs ihn um den Ruhm brachte, den er sich durch Talent und Tapferkeit unstreitig erworben hat. —

§. 13. Feste Plätze, die durch Wasser vertheidigt werden, sind

schwer förmlich zu belagern; desto leichter einzuschließen.

Ist der Boden morastig, oder der Wasserhorizont nah' unter

der Oberfläche, so sind entweder gar keine Laufgräben mög­ lich, oder man kann sie doch nur durch Faschinen, Schanz­

körbe, Sandsäcke und anderes herbeigesührtes Material, mit Beschwerde zu Stande bringen.

Kann man nur auf Däm­

men zur Festung gelangen, so wird man den Frost abwarten

müssen, um ihr etwas anzuhaben.

Indeß giebt es in der­

gleichen niedrigen Gegenden gemeiniglich Querdämme, welche die zur Festung führenden Fahrdämme verbinden, und diese sind dann zu Parallelen und Batterien zu benutzen, und mit

weniger Arbeit dazu einzurichten.

Unter Begünstigung über­

wiegenden Geschützfeuers wird es dann auch möglich seyn, auf dem Fahrdamm mit der Sappe vorzuschreiten, wobei die Krümmungen desselben, oder der Anbau zur Seite, auf man­ nigfaltige Weise Vorschub zu leisten pflegen.

Ein Gleiches findet Statt bei Festungen, die nur auf

*) Das Journal der Belagerung, welches die Mittel an Geschütz, Munition u. s. w. genau angiebt, ist in Plotho's Werk zu finden, und hier benutzt worden.

30

1. Angriff der Städte und festen Plähe.

einer Seite hart an einem Flusse liegen. Gemeiniglich kann man in solchem Fall auf dem entgegengesetzten Ufer ziemlich nah, und gedeckt, Batterien placiren, und die Front in der Seite beschießen, die man gleichzeitig mit Vortheil von vorne angreist. Schwierig ist bei Wafferfestungen allemal der Sturm, wegen des nassen Grabens; ost die beste Schutzwehr für eine schwache oder bequeme Besatzung. Ist man aber einmal mit dem Angriff so weit vorgeschritten, daß das feindliche Feuer schweigt, und die Breschbatterien wirken, so überwindet man auch diese Schwierigkeit, und kann die Passage des Grabens doch immer für nichts mehr, als einen gewaltsamen Hebers gang über einen Fluß im Angesicht des Feindes ansehen. Das Logement in der Bresche, wenn solche erstiegen, ist bann der letzte Akt der Belagerung, und der Angriff der Stadt int engern Sinn — das Straßen-Gefecht — vielleicht noch als Nachspiel durchzusühren. Hier aber gehen wir in die Darstellung des gewaltsamen Angriffs über, da es gleichviel ist, wie man über Wall und Mauer gekommen.

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff. (Coup de maln.) §. 14. Wir verstehen darunter jenen schon oben erwähnten Sturm durch raschen Anlauf, ober Ersteigung mit Leitern, ohne daß vorher Bresche geschossen und die Flanken außer Vertheidigungsstand gesetzt worden. Betrachtet man die Hin­ dernisse, die Wall und Mauer mit vorliegendem Graben schon für sich allein darbieten, wenn man in den umschlossenen Um­ fang dringen will, so möchte man, wenn sie nur einigerma­ ßen vertheidigt werden, solch Unternehmen für gar nicht aus­ führbar halten. Wenn iirdeß die Besatzung so schwach ist.

30

1. Angriff der Städte und festen Plähe.

einer Seite hart an einem Flusse liegen. Gemeiniglich kann man in solchem Fall auf dem entgegengesetzten Ufer ziemlich nah, und gedeckt, Batterien placiren, und die Front in der Seite beschießen, die man gleichzeitig mit Vortheil von vorne angreist. Schwierig ist bei Wafferfestungen allemal der Sturm, wegen des nassen Grabens; ost die beste Schutzwehr für eine schwache oder bequeme Besatzung. Ist man aber einmal mit dem Angriff so weit vorgeschritten, daß das feindliche Feuer schweigt, und die Breschbatterien wirken, so überwindet man auch diese Schwierigkeit, und kann die Passage des Grabens doch immer für nichts mehr, als einen gewaltsamen Hebers gang über einen Fluß im Angesicht des Feindes ansehen. Das Logement in der Bresche, wenn solche erstiegen, ist bann der letzte Akt der Belagerung, und der Angriff der Stadt int engern Sinn — das Straßen-Gefecht — vielleicht noch als Nachspiel durchzusühren. Hier aber gehen wir in die Darstellung des gewaltsamen Angriffs über, da es gleichviel ist, wie man über Wall und Mauer gekommen.

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff. (Coup de maln.) §. 14. Wir verstehen darunter jenen schon oben erwähnten Sturm durch raschen Anlauf, ober Ersteigung mit Leitern, ohne daß vorher Bresche geschossen und die Flanken außer Vertheidigungsstand gesetzt worden. Betrachtet man die Hin­ dernisse, die Wall und Mauer mit vorliegendem Graben schon für sich allein darbieten, wenn man in den umschlossenen Um­ fang dringen will, so möchte man, wenn sie nur einigerma­ ßen vertheidigt werden, solch Unternehmen für gar nicht aus­ führbar halten. Wenn iirdeß die Besatzung so schwach ist.

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff.

31

daß sie nicht alle zugängliche Stellen des Umfangs besetzen kann; wenn sie aus Trümmern einer eben geschlagenen Ar­ mee besteht; wenn der Befehlshaber den Kopf verloren hat, oder Meuterei und Unzufriedenheit — andererseits vielleicht

auch Nachlässigkeit, Schlaffheit und große Unordnung — in

dem Platze herrschen, so kann man in siegreichem Vorschrei­

Nur muß Kommen und

ten Ungewöhnliches wagen.

An greisen möglichst eins seyn. gen und ungewisses Anklopfen

Durch Stutzen, Besichti­

kommt der Vertheidiger zur

Besinnung und das Gelingen wird zweifelhaft.

Kenntniß des

Platzes und seiner Zugänge, Bereitschaft auf die vorkommen­ den Hindernisse und die Mittel sie zu übersteigen, sind daher im voraus nothwendig.

Dies faßt Zusammensetzung und

Einthcilung der Angriffseolonnen, Werkzeuge u. f. w. in sich,

und wir dürfen, um kurz zu seyn, auf das schon früher Ge­ sagte *), und die nachfolgenden Beispiele verweisen.

Ein Schwarm von Tirailleurs geht, wie bei allen An­

griffen, voraus, und nistet sich, es sey bei Tage oder bei Nacht, im nahen Flintenschuß vom Platze ein.

Die Vor­

städte, Lusthäuser, Gärten und Hecken, von denen jede Stadt mehr oder minder umgeben ist, geben dazu erwünschte Gele­

genheit.

In Frankreich, den Niederlanden, und den angebau-

testen Gegenden Deutschlands, kann man wegen des eben

um die bedeutenden Städte vorzugsweise herrschenden Luxus von Cultur, ost bis an die Thore oder den Grabenrand ver­ deckt gelangen, und sichern Stand zum gezielten Schuß fin­

den.

Einige hundert so eingenisteter Schütze» schrecken jeden

Feind zurück, der über die Brustwehr sieht, geben ihren Soutiens Gelegenheit, in den Graben, wenn er trocken ist und

todte Winkel hat, hinabzugleiten, und machen, was in Bü-

*) Im ersten Theil der Lehre vom Krieg, oder Abhandlung über den kleinen Krieg: Ucberfall einer mit Mauem umgebenen Stadt, §. 182 u. f.

oder befestigten

32

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

chern steht, doch niemals geschieht: daß nemlich der Verthei­

diger auf die Brustwehr steige,

und in den Grabe» hinab­

schieße, zu einer moralischen Unmöglichkeit.

So unter den

feindlichen Schuß gelangt, kann man die Erdwalle hinankl' /-

men, sich von Händen und Treppe machen,

eingestoßenen

Gewehren eine

oder wo Mauerwerk ist, Leitern ansetzen.

Von der Front, die man ersteigen will, muß aber der Feind

mittelbar durch anderweitigen ableitenden Angriff, oder unmit­ telbar durch überwiegendes Geschützfeuer, vertrieben, oder doch

so geschwächt seyn, daß kräftiger Widerstand nicht zu erwar­ ten.

Daher muß Geschütz (leichte Haubitzen oder Mortiere

auch

eingenistet wie die Tirailleure)

möglichst nahe heran

rücken, und starke Batterien, (gleichfalls vom Terrain mög­

lichst gedeckt) müssen theils in der Verlängerung dkr Feuer­

linien, theils der Artillerie des Feindes nahe gegenüber, deren Feuer auslöschen.

Wie in niedrigen wasserreichen Gegenden

hier die Quer- und längs den Flußufern laufende Dämme ost

Vorschub leisten, das Wasser aber wiederum den Anlauf ver­ hindert, und man gemeiniglich die günstige Jahreszeit abwar­ ten muß, ist schon oben erwähnt.

mehr entgegen stehet, da

Wo kein feindliches Feuer

kann man beliebig Brücken oder

Dämme von Faschinen legen, welches Material, wo es nöthig,

wie die fast immer anzuwendcnden Schippen und Hacken, von den Soldaten neben dem Gewehr getragen wird; eben so die

zum Grabenfüllen auch angewendeten Heu- oder kleinen Woll­

säcke, (oder Schanzkörbe).

Größeres Brückenmaterial, oder

Leitern, wenn sie bedeutender als kleine Handleitern sind, und alle Handwerkszeuge, welche die Kraft des ganzen Mannes

erfordern, werden von einer besondern Arbeitercolonne getra­ gen, welcher ein bahnmachender Trupp vorangeht, und eine

zum Sturm bereite Colonne, wenn das Hinderniß aus dem Wege geräumt ist, folgt.

Mehrere solcher Colonnen, gegen ausersehene Angriffs­ punkte gleichzeitig losgelassen, theilen die Macht des Feindes, begün-

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff.

33

begünstigen ihre Angriffe wcchselweis, und machen das Unter»

nehmen wohlfeileren Kaufs gelingen.

Schon der eigene» Si­

cherheit wegen, müssen mindestens die Ausgänge des Platzes beobachtet, und die Fronten daselbst im Schach erhalten wer­ den, damit der Feind uns nicht durch einen Ausfall während

des Sturms irgendwo in den Rücken falle.

Dies that Wol­

fersdorf, als er 1759 Torgau gegen die Ncichsarmee hielt*). Den ganzen feindlichen Unifang mit Tirailleurs möglichst zu

harceliren, ist aus hinlänglich bekannten Gründen Vortheilhaft. Unter den verschiedenen Angriffen werden sich wahre

und falsche unterscheiden, da, wenn auch der Platz überall gleiche Blöße gäbe, man doch selbst selten stark genug ist, um auf allen Punkten mit entscheidender Kraft zu wirken.

Doch ist es der Klugheit gemäß, durch Einthcilung der Streit» kräfte, oder durch angemessen gestellte Reserve, die Möglich»

keit vorzuberciten, aus dem falschen Angriff in den wahren übcrzugehen, wenn das Glück, wo man cs nicht erwartete,

eine Gelegenheit darbictet.

Die günstigste unter allen wird immer die seyn, wenn

der Feind

einen Theil der Besatzung in einer schwächlichen

Haltung und ohne gehörige Vorkehrung zum sicheren Rück­ zug, vor irgend einem der Thore aufgestellt hat. Trupp

ist

immer

in

So ein

seiner Vertheidigung ungewiß,

schwankt zwischen ihr und dem Rückzug,

und

weshalb es denn

gemeiniglich gelingt, ihn mit dem Degen in den Rippen ge»

gen das Thor zu drängen, woselbst die Besatzung auf den

Wällen., fast immer eben so auch im Zweifel ist, ob sie auf Freund und Feind schießen soll, und man sich daher an die

Flüchtlinge schließend, mit ins Thor dringt.

Eine geschloffene

Colonne muß aber im Sturmschritt folgen.

Gerade auf diese

*) Von dieser denkwürdigen Vertheidigung eines höchst unvollkom­

menen festen Platzes giebt Archenholz Nachricht, in dessen früheren Skizze

vom

siebenjährigen Kriege Wolfersdorfs Gegenwart

einen Kupferstich verewigt ist. Lehre v. Krieg, in.

des

Geistes durch

34

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

Weise drangen

die Franzosen

am 6. November 1806

ins

Burgthor von Lübeck, und nahmen den Ort. §. 15.

Ob es rathsam, bei einem Angriff auf einen festen Ort

dem Feinde allen Rückzug zu sperren, kommt auf die Verhält­ nisse an.

Ost ist an dem Platz mehr als an der Besatzung

gelegen, und es bleibt dann bedenklich, letztere durch Einsper­ ren zur hartnäckigen Gegenwehr zu nöthigen.

Gefecht in den

Straßen, das Schiller im Wallenstein so mahlerisch beschreibt, ist gemeiniglich, wenn der Vertheidiger Contenanz hat, am nachtheiligsten für den Angreifenden, und

dieser hätte dann

lieber den Flüchtlingen einen Ausweg lassen, und nur Caval-

lerie um den Ort herum schicken mögen, sie in freiem Felde in Empfang zu nehmen.

Vielleicht war es ein ungünstiger

Umstand bei Lübeck*), daß das Holsteiner Thor zum Aus­

weg nach Hamburg und denr linken Traveufer offen blieb. Blücher war auf dem Wege, den in die Stadt gedrungenen Feind wieder hinauszuwerfen, wenn nur alle Befehlshaber ihm

wie der tapfere Port geholfen hätten.

Mancher brave Mann

jener Zeit aber hielt Gefecht in der» Straßen für außer dem

Gebrauch und der Ordnung, und glaubte etwas recht kluges

zu thun, wenn er von dem verlornen Thor in den Seiten­

straßen längs dem Walle herumzog, und zu dem offenen her­ aus seine Truppen aufs freie Feld führte, wo man wieder

ordnen und richten konnte.

In dem verewigten Fürsten von

Wahlstadt lag ein Funke des Genies, der das Rechte auf­

faßte, ohne sich des Zusammenhangs systematisch bewußt zu seyn.

Die Anordnung im Innern der Stadt, theils von ihm

selbst an Ort und Stelle, theils nach seiner Vorschrift getrof­ fen, können für Muster gelten, und der Feind würde, wenn

auch durch oben erwähnten Fehler ins Thor gedrungen, dock­

gewiß nicht viel weiter gekommen seyn, wenn nicht, aus den

') Man ft(’C Pl. V und t>ie Erklärung.

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff.

35

schon ost erwähnten Gründen, Unordnung und Störung des

innern 'Zusammenhangs, in dein kleinen, inehr durch Rückzug und Hunger, als durch Gefechte geschwächten Hecrhaufen, ob­

gewaltet hätten.

Was zweckmäßig angeordnet und aufgesicllt

war, ward von einem mit andernr Auftrage hinterherkommcn» den gestört und wieder hinweggenommcn, wenn man Trup­ pen

ersten

„die

die

besten",

irgendwoandcrshin begehrte.

Die vom Burgthor nach dem Markt laufende Straße, die Blücher mit einer Canone und einer Truppenmasse gesperrt, und in die Quergasse» geschlossene Colonnen von Compagnie­ stärke gestellt hatte, um dem eindringcnden Feind in Flanke

und Rücken zu fallen, ward auf solche Weise frei, und die

auf dem

Marktplatz

gestellte

große

Reserve

überrumpelt.

Kaum konnte der Feldherr selbst, mit einigen Avjutantcn, zu. Pferde und aus seinem Hausthor auf die Straße gelangen,

als der Feind schon vor demselben aulangte, und das ganze

Hauptquartier im Hause gefangen nahm.

Feldherrn und Be­

fehlshaber, unter solchen Umständen, können nur als brave Soldaten mit ihrer Person bezahlen.

An Leitung und Zu»

sammenhang im Straßengefecht ist gar nicht zu denken, und die Preußen zu jener Zeit, bei Allem an ruhigen Schritt und Richtung denkend, Einnisten und Schießen aus Häusern aber

für unschicklich haltend, mußten erliegen gegen die Franzo­ sen, die so etwas besser verstanden.

Die Voltigeurs saßen

gleich fest in den Häusern, von wo sie einen Kugelregen auf die Haufen der Preußen herabsendeten, und durch die Seiten­ straßen

bis

zur durch die Stadt fließenden Trave vordrin­

gend, sich mit Gcwandheit in den Buden am Ufer festsetzten, und durch Feuern auf die Brücken alle Verbindung mit dem

auf dem andern User liegenden Theil der Stadt,

den die

Preußen noch halten konnten, hemmten *). *) Sehr genau und belehrend hierüber ist die schon cnvähnle Schrift-

Operationsplan der preußisch-sächsischen Armee im Jahre 1805 n. s. w von L. v. W.

36

I. Angriff der Städte und festen Plähe. Auch für den Rückzug aus der Stadt hatte der voraus­

blickende Feldherr gesorgt, und ein Infanterie-Regiment auf -dem Wall am Holsteiner Thor, mit der Front nach Innen, sehr zweckmäßig aufgestellt.

Mit diesem Reginiente versuchte

er cs auch wieder in die Stadt zu dringen, als das Feuer am Mühl- und Hö.rterthor wahrnehmen ließ, daß die daselbst

postirtei» Truppen sich noch schlugen. Wollten

wir aber einmal,

bei diesen im Ganzen sehr

zweckmäßigen Airordnungen, eine ruhige Leitung, gewandte Truppen, und kriegskundige Anführer annehmen, so dürfte ein

Blick auf den Plan von Lübeck schon zeigen, wie in der in­ nern Localität die Wahrscheinlichkeit lac,, den ins Burgthor (b)

eingcdrungenen Feind wieder heraus zu jagen.

Die sich vom

Burgthor zurückzichenden Truppen hätte»» ihm die Straßen,

die nach dem Markt (R) führen, streitig gemacht, und die Reserve daselbst hätte Zeit gewonnen, eine Sehne quer durch zu

ziehen, über die

der Feind nicht dringen konnte.

Am

Mählthor, wie am Höz-ter Thor, (m und h) hielten sich die

Truppen, denn sie wurden nur durch den Feind, der ihnen in Flanken und Rücken kam, überwältigt.

Die Buden und Häu­

ser, von welchen die Traveufer zu bestreichen,

hätte man

selbst mit Tirailleurcn besetzt,' und so im schlimmsten Fall wenigstens den Abschnitt behauptet, welchen der durchströ­

mende Fluß

in her Stadt bildet.

Durch

das

Holsteiner

Thor (H) konnten so viel Truppen, als zur Verstärkung noch

nöthig, vom linken Traveufer hereingczogen werden.

Artille­

rie, von den daselbst noch inne gehabten Werke»» (I II IIIJ, mußte gegen den Theil der Stadt, in den der Feind

gedrungei» war, besonders gegen das Burgthor agiren, und

nach dem vorliegenden Plan hätte es etwa dreier Hauptan-

griffscolonnei» bedurft,

deren erste Aufstellung »vir durch J,

2, 3, bezeichnet haben, um gegen das Burgthor gleichzeitig

im Sturmschritt vorrückend, die Straßen rein zu fegen, und den Feind gegen bei» Punkt, von dem er hergekornmen, zu-

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff. rückzudrängen.

37

Nur die Hauptgebäude, von welchen die Stra*

ßen zu bestreichen, und die auf unserm Plane sich auszeich­ nen, mußte man nicht aufgeben, sondern sich darin festgesetzt

haben.

Sie waren als Citadellen in dem Platz anzuschen,

die den vorschreitenden Angriffen die Flanken deckten, und

den feindlichen aufhielten.

So ungefähr ist es bei Cremona zugegangen, wo Prinz Eugen von Savoyen in seinem Feldzug 1701 in Italien, durch einen geheimen Gang bei gelungenem nächtlichen Ueber* fall,

eine

Truppenzahl

bedeutende

glücklich

in

den

Platz

brachte, von der durch Zufall theilweise versammelten franzö­ sischen Besatzung aber,

nach mehrstündigem Gefecht wieder

herausgeworfen ward.

So auch bei Bergenopzoom 1814,

welches von den Engländern durch nächtlichen Uebcrfall wirk* lich schon theilweise genommen, aber die Oeffnung des Thors,

durch welche eine bereitstehendc Colonne eingelassen werden sollte, versäumt worden war.

Von Mitternacht bis zu Ta­

gesanbruch war die Besatzung auf einige Bastione,

die sie

noch inne hatte, beschränkt, aber nach im Besitz des größten

Theils der Stadt und des Centrunrs auf dem Markt. Ueberall ward mit tadelloser Tapferkeit von beiden Theilen gekämpft.

Da gewannen die Franzosen zuerst die richtige Ansicht: so

theilweise Kämpfe können zu nichts führen; Uebereinstimmung und Nachdruck müssen herrschen!

Sie concentrirten daher,

einige vorliegende Theile aufgebend, ihre Macht in drei Angriffscolonnen, und drangen bei Tagesanbruch auf ein gege­ benes Zeichen gleichzeitig vor.

Ein Hafenbassin, dessen Tiefe

mit der Ebbe und Fluth des nahen Meeres wechselt, bildet

einen Abschnitt in der Stadt, welcher wahrend der Ebbe von

den

eingedrungenen

Engländern

Bei ihrem Rückzüge hatte die ihnen den Ausweg versperrt.

zelne in de»

schnitten.

überschritten worden war. unterdeß

eingetretciie Fluth

Auf gleiche Weise waren ein­

eroberten Bastionen kämpfende Haufen abge-

Andere waren zwischen dem Meer und dem be-

I. Angriff der Städte und festen Plätze,

38

streichenden Feuer der Franzosen eingeklemmt, und mußten als

Gefangene in die Festung zurückkehren, aus der sie mit Mühe wieder

einen Ausweg gefunden.

Mehr Engländer als die

französische Besatzung nach Köpfen betrug, wurden bei diesem abgeschlagenen Angriff gefangen.

Jeder wackere Kriegsmann,

von welcher Nation er sey, muß diese Waffenthat als eine

der glänzendsten bewundern.

§. 16. Wir haben unsern Städteangriff bis zu dem Augenblick, wo unsere Sturmcolonne in das Thor oder die Bresche ein«

dringt, entwickelt.

Um aber den Angrcifenden von da noch

weiter mit unserm guten Rath zu begleiten, wollen wir die

Klngheitsregeln aus den oben erwähnten Begebenheiten ab­ leiten.

Wenn man cs mit einem tüchtigen Feinde zu thun

hat, so glaube man nicht, daß der Kampf geendet sey, wenn man in den Umfang eingedrungen.

Erst wenn man den Cen­

tralpunkt erreicht, wo der besonnene Vertheidiger gemeiniglich seine letzte» Kräfte sammelt und einen Zusammenhang in den

wilden Straßengcfcchten unterhält; erst wenn man diesen letz­ ten Vorbehalt der feindlichen Macht über den Haufen gewor­

fen, und in der Stadt die Straßencommunication gewonnen hat, durch welche die einzeln fechtenden Hausen des Feindes

im Rücken zu nehmen sind — wird man sich des Sieges er­ freuen.

Wo man also eingedrungen, wird man drei Angriffs-

colonnen zu sormiren haben, eine gerade vorwärts gegen den Mittelpunkt des Orts vordringend; eine zweite rechts, und

eine dritte links, längs dem erstiegenen Wall- oder Mauer­ gang, alles, was vom Feinde noch auf dieser Feuerlinie steht,

vor sich aufrollend.

Eine oder die andere der beiden letztem

Angriffscolonnen, wenn sic Erfolg hat,

Thor stoßen.

wird bald auf ein

Dies muß geöffnet werden, damit die größcrn

Colonnen des allgemeinen Angriffs, die von mehreren Seiten

gegen die Stadt vorrückcnd gedacht werden, Eingang gewin­ nen.

Hier kann auch Cavallerie nutzen, um die Straßen vom.

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff. Feinde rein zu fegen.

39

Nur müssen Tirailleurs Mitwirken, und

sich vor Allem der Straßenecken und der Hauser, die deren mehrere bestreichen, bemächtigen.

Wo man eingedrungen, es sey durch ein Thor oder eine Bresche, da muß mqn sich sogleich des Eingangs versichern, entweder durch Benutzung der Lokalität, um Tirailleurs und

Rcplietrupps darin einzunisten,

oder durch ein auzulegendes

förmliches Logement, mittelst nachgeführter Schanzkörbe und Arbeit mit Schippe und Hacke.

Auch Barrikaden, von nach­

geführten spanischen Reutern, oder zusammengefahrnen Wa­

ge», die man wohl in der Nähe vorfindet, können für die den Eingang scsthaltenden Truppen nützlich seyn,

um

sie vor

Anlauf von mehreren Seiten zu schützen. Hat man sich auf diese Weise mehrere Eingänge versi­ chert, durch welche so viel Truppen als man will von Außen

einströmeu, so wird man den Vertheidiger, auch wenn er noch so hartnäckig wäre, endlich wohl durch Uebermacht zwingen.

Vor allem aber ist nothwendig, die eigenen Truppen inr Zaume zu halten, daß nicht Gewaltthat und Plünderung uns

um die Früchte des Sieges

bringe.

Zwar sagt Prinz de

Ligne: „man werde jede Stadt erobern, wenn man denSol-

„daten die Plünderung verheiße."

Mehrfache Erfahrung be­

weiset jedoch, daß das nur für ein Witzwort zu halten, und man eben wenn der Soldat zügellos allen Lüsten fröhnt, und alle Bande, die Kriegsschaaren zusammenhalten, sich auflösen,

am meisten dem Affront ausgesetzt ist, von einem entschlosse­

nen Feinde aus dem halberoberten Ort wieder herausgewor­ fen zu werden.

Nur der französische Soldat möchte fast als

Ausnahme gelten, da er in den Hausern heidnisch zu verfah­

ren, und doch gleichzeitig seines Vortheils nach außen wahrzunchmen versteht, wobei Gewohnheit und Praxis des Krie­ ges allerdings auch zu Hülfe kam; denn während des Unfugs/ der ihre Waffenthat von Lübeck

befleckte, sahen wir doch

immer einen Theil der alten versuchten Banden in Ordnung

L Angriff der Städte und festen Plätze,

40

beisammen, und das Ganze von kriegserfahrnen Befehlshabern geleitet.

Zum Sturm selbst möchte» wir jedoch den Nüssen

und Engländern vor ihnen den Vorzug gebe».

Wenigstens

ist, was darin je Außerordentliches geleistet worden,

Nationen zuzuschreiben.

diesen

Nur wenn Fortsetzung des Gefechts

nach Uebersteigung der Wälle noch nöthig, dann möchte man diesen für die Ordnung Arm an Arm vorzugsweise tauglichen

Truppen mitwirkende Alliirte wünschen, für sie das Einzeln­

gefecht zu bestehen.

Der

deutsche Soldat ist zu allem zu

brauchen, sobald er den Krieg kennt.

Gelehrig und folgsam,

steht er auch von der Plünderung ab, wenn Nahrung und Geld, als Theil von der Beute ihm verheißen, regelmäßig gemcht wird.

§. 17. Geübte und den Krieg kennende Truppen sind aber bei Sturm und Stadtgefecht mehr als bei irgend einem andern

Gefecht nothwendig.

Neulinge und Unwissende werben bei

aller Tapferkeit selten etwas leisten.

So waren den braven

Vendeern, deren natürliches Talent zum Gefecht in Busch und Hecken wir bewunderten, die festen Städte Angers und Nan­

tes etwas Fremdes, und alle ihre Kräfte scheiterten an jenen altmodischen und unvollkommenen Befestigungen*).

Es ist unglaublich, wie Stumpfsinn und thierische Furcht

bei solchen Gelegenheiten sich äußern, wenn ungewohnte oder nicht vorher gekannte Hindernisse das Unternehmen ins Stocken bringen, und dann der Soldat sich

nutz- und rettungslos

selbst ausopfert, statt durch raschen Entschluß die Gefahr zu

*) Den französischen Bauer muß man überhaupt wohl von dem

französischen Soldaten unterscheiden.

Das Subject vom Grenadier

(in unserer Zeit vielleicht unter den Voltigeurs ju suchen), das Bereu­

horst mit dem Namen vom Aigrefin belegt, und die französische Co-

mödie als Mom-au-ciel, Intrepide etc. selbst auf's Theater gebracht hat, wird ganz eigentlich nur in der Caserne oder auf dem Bivouacq ge­

bildet.

3) Der offenbare oder gewaltsame Angriff. vermindern und abzukürzen.

41

Ich könnte den Ort namhaft

machen, wo bei einem Sturm auf Leitern, die Soldaten auf den Sprossen stehend, in die Luft zu schießen und wieder zu laden anstngen, und wenn einer heruntergeschossen oder ge­

stürzt war, der Mann hinter ihm seine Stelle auf der Leiter

einnahm, und sei» nutzloses Feuer von solcher fortsetzte.

Alle

diese kopflosen Maschinen mußten die Beute des Todes wer­ den,

der

und

Sturm

mißlingen.

Das

Hochindielust-

schießen, wenn ein hoher Zaun vom Feinde trennt, wird, wer wildes

und kriegsunkundiges Volk bei solchen Gelegenheiten

hat agiren sehen, wohl schon wahrgenommen haben.

Ucbcr-

haupt kann man annehmen, daß jeder Angriff, der seiner Na­

tur nach mit der

blanken Waffe schnell entschieden werden

muß, scheitert, sobald ein zweckwidriges Schießen, wider den Willen des Anführers, unter den Truppen einreißt. — Man

hat daher,

um dergleichen vorzubeugen, die Regel gegeben,

Für Ueberfälle, wo

die Gewehre gar nicht laden zu lassen.

ein einziger voreiliger Schuß das ganze Unternehmen vereiteln

kann, wäre zu dieser Vorsicht zu rathen.

Bci'm Sturmge-

secht aber kann der Schuß zu rechter Zeit, wenn er den Geg­ ner mit Sicherheit trift, das Unternehmen wiederuni so sehr

befördern, und gewährt dem versuchten und kaltblütigen Sol­ daten, wenn er ihn im Laufe hat, ein so kräftiges Zuversicht cinflößendes Vertheidigungsmittel, daß es unrecht wäre, ihn

des möglichen Mißbrauchs wegen, des offenbaren Vortheils zu berauben.

Nur wenn man frische und geordnete Truppen herbei­

führt, und die, unter welchen Kopflosigkeit und wilde Unord­

nung herrscht, aus dem Gefecht zieht, darf man hoffen, eine halb verlorne Sache wieder herzustellen.

Außerdem dürfte es

besser seyn, sie lieber gleich mit so wenigem Verlust als mög­

lich aufzugeben und zum Abzug blasen zu lassen.

Die Kriti»

ker bei schlechtem Erfolg und die Kleinmüthigen kann man

durch das Vorgeben beruhigen: man habe bloß recognos-

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

42

tirf, und so später dann das Unternehmen, mit mehr Bor­

ficht und kaltem Blute ausgerüstet, wirklich von Neuem ver­

suchen.

4) Die Blocade. §. 18. Die enge Einschließung einer Festung, welche der wirk­

lichen Belagerung vorangeht, glaube ich im 6ten §, mit An­ wendung gegen Mainz, genügend beschrieben zu haben.

Es

bleibt aber von dem Verhältniß noch zu reden übrig, wo

das Einschließungscorps

nicht viel stärker,

oder

wohl gar

schwächer als die Besatzung, dem Platz Gemeinschaft und Lebensniittel abschneiden, seine Kräfte paralisirc», und durch die­ se» dauernden Zustand die Uebergabe bewirken soll. Die gewöhnliche Methode,

in halbmeilenweitem

stande um den Platz herum eine Kette von Posten,

Ab­

wenn

auch verschanzten, zu beziehen, ist eine halbe, und die schlech. teste Maaßregel.

Engere Einschließung aber ist selten thun-

lich, wegen des Mißverhältnisses der Kräfte; denn in dein hier angenommenen Fall kann man es mit der von ihren

Werken soutenirten Besatzung in täglichen Gefechten für die Dauer nicht aufnehmen.

Nur Bcrgsestimgen

und Wasser­

festungen, aus denen nur wenige Engwcgc führen, sind, wie schon oben gesagt,

leicht und oft mit sehr geringer Macht

einzuschließen, und was wir schon in der Lehre vom kleineir Krieg über Pässe und Defilees gesagt haben, dürfte für un­

sern Gegenstand vollkommen hinreichen.

Liegt aber der Platz in ebenem oder zugänglichem Ter­ rain, so umgebe man ihn zwar mit einer Bcobachtungschaine so nahe als möglich, halte aber die übrige Macht concentrirt,

außer dem Bereiche gewöhrrlicher Ausfälle, um die Besatzung

bei ihren etwanigen kecken Operationen in freiem Felde zu

I. Angriff der Städte und festen Plätze.

42

tirf, und so später dann das Unternehmen, mit mehr Bor­

ficht und kaltem Blute ausgerüstet, wirklich von Neuem ver­

suchen.

4) Die Blocade. §. 18. Die enge Einschließung einer Festung, welche der wirk­

lichen Belagerung vorangeht, glaube ich im 6ten §, mit An­ wendung gegen Mainz, genügend beschrieben zu haben.

Es

bleibt aber von dem Verhältniß noch zu reden übrig, wo

das Einschließungscorps

nicht viel stärker,

oder

wohl gar

schwächer als die Besatzung, dem Platz Gemeinschaft und Lebensniittel abschneiden, seine Kräfte paralisirc», und durch die­ se» dauernden Zustand die Uebergabe bewirken soll. Die gewöhnliche Methode,

in halbmeilenweitem

stande um den Platz herum eine Kette von Posten,

Ab­

wenn

auch verschanzten, zu beziehen, ist eine halbe, und die schlech. teste Maaßregel.

Engere Einschließung aber ist selten thun-

lich, wegen des Mißverhältnisses der Kräfte; denn in dein hier angenommenen Fall kann man es mit der von ihren

Werken soutenirten Besatzung in täglichen Gefechten für die Dauer nicht aufnehmen.

Nur Bcrgsestimgen

und Wasser­

festungen, aus denen nur wenige Engwcgc führen, sind, wie schon oben gesagt,

leicht und oft mit sehr geringer Macht

einzuschließen, und was wir schon in der Lehre vom kleineir Krieg über Pässe und Defilees gesagt haben, dürfte für un­

sern Gegenstand vollkommen hinreichen.

Liegt aber der Platz in ebenem oder zugänglichem Ter­ rain, so umgebe man ihn zwar mit einer Bcobachtungschaine so nahe als möglich, halte aber die übrige Macht concentrirt,

außer dem Bereiche gewöhrrlicher Ausfälle, um die Besatzung

bei ihren etwanigen kecken Operationen in freiem Felde zu

4) Die Blocade.

43

bekämpfen und von der Festung abzuschneiden. Eine schwache Einschließungsarmee, auf vielen Punkten gleichmäßig vertheilt, begiebt sich dieses Vortheils; die kräftige Besatzung wirkt selbst gegen die Entferntesten Punkte mit Ueberlegenheit und ungestraft, wie vorerwähnte Belagerung von Mainz beweiset. Reichen aber selbst zu einer zusammenhängenden Vorpostenchaine die Kräfte nicht hin, so sende man Partheicn auf alle Hauptwcge, die vom Platze auslaufen, suche wenigstens die Patrouillen und Botschaften des Feindes aufzuheben, und hindere ihn am Fouragircn in der Umgegend. Dies Versah» ren dürfte für ei» Cavalleriecorps, welchem für sich allein die Einschließung ausgegeben wäre, das einzig anwendbare seyn. Vauban, der cs empfiehlt, hat es den Türken abgesehen*). Heutzutage kann man es von den Cosacken erlernen. — Gründlich aber entzieht man dem Feinde die Lebensmittel, wenn man alle von ihm nur irgend erreichbare Dörfer bald­ möglichst ausfouragirt; oder reichen die Kräfte einigermaßen hin, ihm eine Falle zu stellen, so sey, was man ihm irgend­ wo als Lockspeise übrig laßt, nicht allzu bedeutend, und man verstehe sich mit den Einwohnern, deren eigenes Interesse cs ist, ihr Vieh und Getreide nicht nach der Festung abführen zu lassen, oder beizutragen, daß dem Feinde die Beute wieder abgejagt werde. Es versteht sich, daß es darauf ankömmt, in welchem Lande man ist. §. 19.

Unsere Blocaden der französischen Festungen im Feld­ zug 1814 werden das oben Gesagte bestätigen. Als das Q)otf« sche Corps die Plätze Metz, Thionville, Saarlouis, Lurem- • *) Dans les dernieres guerres de fEmpcrcur et des Vcnilicns contre les Tures, qui out cle terrmnves pai le ti alle de Carlowitz, ils prenoient des quarliers a quelque distance de la place, d’ou ils harceloient sans ecsse la garnison ct les habitans par des partis, en rodant loul auionr , ct en battant l’cslrade de jour et'la nuit sur les avenues,

puur empeeber que rien n’y entrat ou en sortit.

De raltague et de la däfensc des places: par Mr. de Pauban.

44

I. Angriff der Städte "und festen Plätze,

bürg und Longwy angesehen hatte, sich aber nicht mit ihnen aufhalten konnte, wurden alle diese Einschließungen bloß Ca-

valleriecorps anfgegeben, und sie erfüllten ihren Zweck voll­ kommen.

Die feindlichen Besatzungen, fast mit gar keiner

konnten sich auf keine weit ausgehende

Cavallerie versehen,

Streifereien einlassen, da sie von der Festung wären abge­ schnitten worden; und einem gewaltsamen Streich in der Nähe

wußte die gewandte und wachsame Cavallerie auszuweichen. Als spater das schwache hessische Armcecorps diese Einschlie­ ßungen übernahm, fand der Feind etwas vor sich, auf das

er stoßen konnte.

General Derütte brach, (in Verbindung

mit Napoleons schon erwähnter Operation auf St. Dizier*) in den Rücken der Alliirten) am 25sten März aus Metz ge­

gen Saarlouis und Thionville auf, durchbrach alle schwache Einschließungen und drängte, verstärkt durch Thionville marschirend, die gegen diesen Platz ausgestellte Abtheilung gegen

Luxemburg zurück, und nach einigen den Hessen nicht günsti­ gen Gefechten, von diesem Platz ganz ab, den

er hierauf

eben so entsetzte, und von einem Theil der Besatzung ver­ stärkt nach Metz -zurückzog, von wo er mit seinen 10 bis

12,000 Mann und 39 Geschützen, Nancy bedrohte, zu dessen

Deckung Prinz Biron, genöthigt einen Versuch auf Verdun aufzugcben, herbcicilte. — Alle jene Besatzungen bloß mit Ca-

valleriedetaschements zu

beobachten, (wie es bei Saarlouis

von dem Major von Bieberstein mit seinem Regiment Land-

wchrcavallerie geschah) und wenn sie herausgebrochen zu harceliren, das hessische Corps aber auf irgend einem Punkt in bet Mitte, etwa gegen Thionville, vereinigt zu halten, und in

Gemeinschaft mit dem Prinzen Biron, auf Derütte, wie er aus Metz aufbrach, loszugehen, würde unstreitig zweckmäßiger, als

jenes Gewebe von schwächlichen Blocaden gewesen seyn. ♦) Zur ersten Bande.

5) Deckung des Angriffs gegen den Succurs rc.

45

5) Deckung des Allgriffs gegen den Succurs oder Entsatz. §. 20.

Wie man aber einen Platz auch angreifen möge, so ist klar, daß Vorkehrung gegen den Feind nach Außen eine Haupt­

sache ist.

Die Art des Unternehmens bestimnit die anzuwen­

denden Mittel.

Bei dem Handstreich oder dem kurzen kühne»

Angriff, kann es hinreichend seyn, einige Infanterie und Ar­

tillerie bis an den nächsten Terrainabschnitt auf der feindli­

chen Seite, und die Cavallerie über solchen hinaus, zu poussi-

ren.

Die Partheien, die von dieser letzter» noch weiter vor­

geschoben werden, entdecken den Feind auf einige Tagmärsche.

Mit Terrainbenutzung und leichten Gefechten hält man ihn wohl noch auf in seinem Vorrücken, und gewinnt so die nö­ thige Zeit zu dem Unternehmen.

Für

die förmliche Belagerung hingegen

sind vielleicht

Wochen und Monate zu gewinnen nöthig, weil so lange die

Belagerung

dauern

kann.

Man muß daher entweder die

Streitkräfte des Feindes durch eine Hauptschlacht bis zu er­

forderlichem Grade vernichtet haben, und durch fortgesetzte

Offensive ihn in die Unmöglichkeit setzen, uns in unserm Un­ ternehmen zu stören, oder mit einer Observationsarmee, die

man der operirenden feindlichen entgegensetzt, den Vertheidi­

gungskrieg (§. 3.) *) zu führen verstehen, um den Entsatz zu

vereiteln.

Muß man zu dem äußersten Mittel einer Schlacht

schreiten, um sich in der Belagerung zu erhalten, so ist noth­ wendig, daß solche Schlacht nicht allzunah' an dem belager­

ten Platz, lieber um einige Märsche von ihm entfernt, geliefert

werde, damit die mögliche Niederlage der Observationsarmee

«richt gleich unmittelbar der Belagerungsarmee nachtheilig sey, und diese mindestens Zeit habe, die Belagerung mit Ordnung •) Im ersten Bande.

46

I. Angriff der Städte und festen Plätze,

aufzuhebcn, und ihr Geschütz zu retten. Mebrcntheils wird wohl in einem solchen Fall die überwundene Arniee sich auf einer Operationslinie seitwärts zurückziehen, um ein vortheilhafteres Verhältniß herbeizuführen, und den immer widerwärtigen Zug, hart an der befreiten Festung vorbei, zu vermeiden. Wohl bleibt dem kühnen Feldherrn noch die Gewalt­ maaßregel übrig, die Belagerung für den Moment aufzuheben, sein Belagerungsgeschütz so gut als möglich in Sicherheit zu setzen, und mit ganzer vereinter Macht dem Feinde ent­ gegenrückend, noch eine letzte entscheidende Schlacht zu liefern. Wir wissen, daß Bonaparte 1796 bei Mantua gegen Wurm« ser so kühnes Verfahren gelang. In den gewöhnlichen Ver­ hältnissen des Kriegs wird man aber doch lieber die entschei­ dende Schlacht vor dem letzten Zeitpunkt der Belagerung lie­ fern, weil dem Gegner wohl nichts Erwünschteres begegnen kann, als wenn er uns nöthigt, eine Belagerung aufzuheben, die schon bis zu einem gewissen Punkte gediehen, und also bedeutende Kräfte vergeblich gekostet hat. Auch Napoleon in seinen späteren Feldzügen hat »ach dieser Ma,rinie verfahre». Alle seine Belagerungen begannen erst, nachdem er die Streit­ kräfte seiner Feinde im freien Felde vernichtet hatte, und durch eine fortschreitende Offensive, oder durch eine so ent­ schiedene Uebermacht in imposanter Defenstvhaltung, vor jeder Störung gesichert war. Letzteres fand statt in seiner schon oben erwähten Zauderepoche von Osterode*). Dieser Schlüssel des Terrains zwischen Passarge und Weichsel, wo er seine Hauptmacht bei der Hand hatte, war überdies an 20 Mei­ len von dem belagerten Danzig entfernt, und solches noch dazu von zwei Stromarmen abgeschnitten, so daß selbst eine verlor»»« Schlacht keinen unmittelbaren Einfluß auf die Bclagerungsarmce fürchten und manche Mittel übrig ließ, deir Entsatz zu verhindern.

5) Deckung des Angriffs gegrn den Succurs rc. 47 Was aber die Deckung einer Blocade betrifft, so sollte man glauben, daß, um durch solche von einer Festung Mei­ ster zu werden, man zuvor den Feind gänzlich vom Kriegs­

schauplatz entfernt haben müsse; denn schon eine bloß mo­

mentane Entsetzung, während welcher der Feind das, was der Festung fehlt, ihr zuzusenden Gelegenheit gewönne, würde die

ganze bisherige Blocade fruchtlos machen.

Ist demnach nun

wirklich der Feind aus der ganzen Gegend entfernt, so hat

das Blocadecorps sich bloß mit der Festung zu beschäftigen. Nur Partheien möge es aussenden, um doch zu erfahren, was in der Außenwelt vorgeht, damit es ihm nicht gehe wie den Blocadecorps von Thionville und Longwy 1814, die von der

feindlichen Besatzung von Metz (welche voreilig und ohne bil­

lige Anzeige an

die Nachbarn freigelassen war) unerwartet

heimgesucht wurden. — In den alten Kriegsbüchern, die ihre Schilderungen aus

der Periode häufigerer Züge gegen feste Städte entnehmen,

findet man den Gebrauch, gegen die zu belagernde Festung ein vorancilcndes Cavalleriecorps zu senden, um sie einstwei­

len schnell

einzuschließen;

niacht Front nach Außen.

und

solch' einschließendes

Corps

Mir hat dieser letztere Gebrauch

nie einleuchten wollen, da es unnatürlich scheint, an den ent­

fernteren Feind denkönd, dem

Rücken zu kehren.

nahen (in der Festung) den

Eine Abtheilung auf dem Wege, von wel­

chem der Feind möglicher Weise zu erwarten, und Seiten-

detaschements auf den Nebenwegen, ist dem neuern Kriege an­ gemessener. Feind,

so

Stößt diese Absendung

wird man

ohnehin aufhebcn,

und

den

auf einen überlegenen

dünnen Kreis der Einschließung

sich concentriren müssen.

Geschickt

solches gegen den Feind nach Außen, so bleibe unterdeß der

in der Festung durch eine bloße leichte Chaine oder von Streifparthcien beobachtet. §. 21. Bemerkenswerth von den

alten Gebräuchen sind noch

I. Angriff der Städte und festen Plätze,

48

die Verschanzungslinien, durch die man die belagerte Festung van den Operationen von Außen zu isolircn gedachte.

Der

Contravallationslinie, d. i. der einschließenden Verschanzung

gegen die Festung, welche sowohl zusammenhängend, als aus einzelnen abgesonderten Schanzen gebildet seyn kann, haben wir schon gedacht, und sie mit einiger Modifikation auf un­

sere heutige Kriegsmanier angewendct.

Was aber den zwei­

ten, gegen die Außenseite gerichteten, Verschanzungskrieg be­

trifft, der, die Circumvallationslinie genannt, den An­ griff der Entsatzarmce sollte aushalten können, so leuchtet ein,

daß diese den Alten, vorzüglich dem Julius Cäsar, abgesehe­

nen Erdgcspinnste auf unsere heutige Canonentaktik durchaus nicht paffen; und in der That muß man sich wundern, wie

Feldherren noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts cs wagen konnten, sich in den beschränkten Raum zwischen zwei

solchen Vcrschaiizungskrcisen eiiizuengcn, und einem gedoppel­

ten Angriff: der Entsatzarmce, und der nach damaligem Gebrauch meistens zahlreichen

Besatzung, bloß zu geben.

Nach den Zeichnungen, die man noch von dergleichen Ein-

schlicßungslägern siehet, hätten die Canonenkugetn von der Festung sich fast mit denen der angreisenden Entsatzarmee int

Lager

des Belagerungsheeres begegnen müssen.

die unter solchen Umständen

Auch

lief

angenommene Schlacht gegen

einen entschlossenen Gegner immer schlecht ab für die Bela­

gerungsarmee.

Die Russen vor Narva wurden von Carl XII.,

und die Franzosen vor Turin von Eugen von Savoyen zwi­ schen ihren Einschließungslinien total geschlagen. — Schon Vauban verwirft die Circumvallationslinie,

und

zeigt wie sie gegen eine Entsatzarmee nur ein Spinneiigewcbe

ist.

Sein Observationscorps aber, das er an die Stelle setzt,

will er jedoch auch nur in der Nähe seiner Bclagerungsarmee

halten, und verläßt sich auf die von dieser heranzuziehenden

Verstärkungen und die feste Stellung,

in

welcher

er die

Schlacht annehmen will: ganz der schon erwähnten Eigen­

thümlich-

6) Beispiele.

49

thümlichkeit damaliger Kriege und des Schauplatzes derselben

angemessen.

In Holland, wo man fast von Meile zu Meile

Stromarme und cingedämmte Canäle zu benutzen findet, kann

man oft durch einige wvhlgewählte Posten ganz in der Nähe die unternommene Belagerung decken. —

6)

Beispiele.

§. 22. Wo ich die hier dargelegten praktischen Regeln entnonimen, wird meinen Lesern einlcuchten, wenn ich unsern Win­ terfeldzug 1813 und 1814 in Holland und Frankreich theil-

weise beschreibe, und später einige.Hauptmomente aus einem

Feldzug gegen die Türken schildere *).

Alle diese Kriegsthaten

bestanden zu größtem Theil in Angriff und Sturm auf feste

Städte und Verschanzungen.

Die Quelle der Erfahrung, aus

der ich schöpfte, möge zugleich meinen Behauptungen zur Be­

glaubigung dienen.

Als Bülow, der Sieger von Dennewitz, mit einer schwa­ chen Armee die Eroberung von Holland mit Erfolge versuchte,

batte er es nur mit festen Städten, Verschanzungen und festen Posten, die Flüsse deckten, zu thun, zu deren Unterstützung

und Bemannung das ihm entgegenkommende Macdonaldsche Heer eben stark genug war.

Schlachten und Gefechte in ent­

wickelten Fronten kamen bei dieser Unternehmung gar nicht

vor.

Schon die Beschaffenheit des Schauplatzes verhinderte sie. Eben so hatte auch Port von Wartenburg dergleichen

nicht zu bestehen, als er bei Caub über den Rhein gegangen, auf der angewiesenen Operationslinie gegen die Mosel und

Maas vprrückte, und auf derselben keine feindliche Armee, die

ihm Widerstand leisten konnte, wohl aber die Saar-, Mosel -

*) Es ist geschehe» im dritten Theil der Lehre vom Krieg. Lehr« v. Krieg. 1IL

4

50

I. Angriff der Städte und festen Plätze,

und Ardennenfestungen antraf, die recognoscirt, versucht, und als das Unstatthafte, sie mit Sturm zu nehmen, erkannt

worden war, in Blocadezustand erhalten werden mußten, wäh­ rend man, weiter gegen die Marne vorrückend, die Platze Vitri und Chalons, und den zu ihrem Schutz auch wieder

herbeieilenden Macdonald zu bekämpfen hatte.

Aehnliche Be-

wandniß, in mehr oder minderem Grade, hatte es mit den Operationen urrd Gefechten auch der anderen Corps der Ver­

bündeten, die wir in diesem Abriß unsers Winterfeldzugs be­

schreiben.

II. Feldzug in Holland und Frankreich 1813 und 1814.

A. Feldzug in Holland unter dem General

Bülow. §. 23. Das Glück hatte den Verbündeten mit dem Siege von Leip­

zig mehr gegeben als sie erwarteten.

Wie im Verfolgen nicht

der mögliche Nutzen gezogen ward, haben wir schon oben aus

natürlichen Gründen erklärt *).

Daß aber noch in keinem

Gemüthe die kühne Hoffnung lebte, nach wenig Monden von

den Höhen von Montmartre den Frieden

zu diktiren; daß

Napoleon solchen auf bequemere Bedingungen hätte erhalten können; ja daß um die Mitte des Novembers, als die Sie­ ger den Rhein erreicht hatten, kaum erst die Frage entschieden

war, ob der Strom sollte überschritten werden, darf wohl mit ziemlicher Gewißheit behauptet werden. cher,

Nur der rastlose Blü­

nie geneigt einen vorliegenden Vortheil aus der Hand

zu geben, wollte am 14fen November mit seinem Heer bei

Mühlheim (Cöln schräg gegenüber) am Rhein cintreffen und übergehn.

Ohne Zweifel würde dieser Zug die Eroberung von

Holland unmittelbar zur Folge gehabt haben; denn nur Mar­

schall Macdonald, mit seinem bei Leipzig sehr geschwächten

') §. 144 im ersten Bande.

II. Fcldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

52

Corps/ bewachte den Niederrhein, ohne Kraft ihn zu verthei­

digen.

Die Linie der Maas von Lüttich bis Namur bot sich

als natürliches Object dar, wo das schlesische Kriegshcer, wenn

es nicht Napoleon unmittelbar aussuchen und bekämpfen wollte,

Fuß fassen, Mastricht und Jülich bloquiren, und die Ankunft des Bülowschen Corps abwartcn konnte, das nunmehr ohne Widerstand zu finden, Rhein und Maas überschreitend, und

alle holländisch-brabantische Festungen vorbeigehend, auf Brüs­ sel hätte niarschiren können.

Jene Festungen, mit Einschluß

der Seeplätze und Hauptstädte, wären von selbst gefallen, in­

dem der Geist der Gutgesinnten für das ersehnte Herrscherge­

schlecht der Dränier sich schon zu regen begann, und die ge­ rechteste aller Revolutionen in der Hauptstadt Amsterdam her-

bciführtc. Statt.

So ein combinirter Operationsplan sand aber nicht

Man fürchtete den bloßen Theil der verbündeten

Macht gegen den noch immer kraftvollen Napoleon bloß zu geben.

Nur wenn die verbündete Hauptarmee, ohne sich auf­

zuhalten, aus der Linie von Manheim und Coblenz den Rhein,

und in weiterem Zuge die Saar und Mosel, Metz und Thionville cernirend, überschritt, und Blücher und Bülow an der

Maas die Hand reichte, konnte der vorwärts strebende Feld­ marschall wohl die Marne in Einem Zuge erreichen, und der feindlichen Hauptstadt um drei Monate früher

dcir Donner

seines Geschützes zu hören geben. Wenn indeß Napoleon Mühe hatte, ein Heer zu seiner Vertheidigung im Januar an der Marne zusammenzubringen, so hatten auch die Verbündeten bei ihren Siegei» zu viel an

Kräften zugesetzt, und waren von ihren Kriegsdepots allzu

entfernt, als daß eine so ununterbrochene Offensive denkbar gewesen wäre.

Ein Blick in des Herr»» von Plotho Werk

reicht hin, um den Stillstand der Operationen, und die Er­ holungsquartiere vom 18tci» November bis zum 8ten Dezem­

ber, am Rhein, Mail» und Neckar, zu rechtfertigen.

Wir fin­

den das yorksche Corps, zu Anfang dieses Zeitpunkts, seinen

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

53

angewiesenen Bezirk um Wiesbaden mit mir 11,000 Combat-

tanten (fast nur dem Vicrtheil seiner ursprünglichen Starke)

So hatte es durch Schlachten und Märsche gelit­

beziehen.

ten! Mochten auch die andern Corps stärker sein, so bedurf­

ten sie doch mehr oder minder Ersatz und Herstellung ihres Materials.

Das Bülowsche Corps, obgleich es in drei geord­

neten Schlachten Kräfte zugcsetzt, war doch wegen mäßiger

Märsche und guter Verpflegung in den Quartieren, am nieisten geschont, und wohl noch auf 22,000 Combattanten zu rechnen.

Eben um dieselbe Zeit, über Minden in Cantoni-

rnngsquartiere um Münster rückend, hatte es von seinem Ober­

feldherrn,

dem Kronprinzen von Schweden, der mit seiner

übrigen Macht gegen Dänemark marschirte,

nur vorläufig

die Bestimmung erhalten, von den wiedererworbenen vaterlän­

dischen Provinzen Befitz zu nehmen, und sich darin zu ergän­ zen, militairisch aber die Vsscl und den Rhein, namentlich die Festung Wesel, zu beobachten.

Düsseldorf ward den sich bil­

denden Bergischen Bundcstruppen und dem Landsturm über­ lassen, das von Bremen durch das Oldenburgische nnd Ost­

friesland langsam heranziehende Corps von Winzingerode aber daselbst erwartet.

Die Avantgarde-bildenden Streifcorps von

Tschernischcf und Benckendors waren jedoch schon über Cassel dem Feinde auf dem Fuß gefolgt, mit ihren Spitzen bereits

am 12ten November am Rhein angelangt, und stromabwärts­

ziehend auf Streiferei nach Holland bedacht.

§. 24. Denjenigen, die den verewigten Feldherrn von Dennewitz gekannt haben, muß es sonderbar vorkommen, daß Herr Koch, in seiner Geschichte dieses Feldzugs, ihn als einen Mann schil­

dert, der hätte angestachelt werden müssen, um etwas zu un­ ternehmen ♦).

Um den Mann nach dem Leben zu schildern.

•) So sagt er (Seite 55. Th. I.) in den angeführten Memoire«: „die Generale Bülow und Winzingerode wären ruhige Zuschauer der von

64

II. Feld;, in Holland u. Frankreick) 1813 u. 14.

müssen wir, mit Bezugnahme auf das schon früher von ihm Gesagte * *), zwar einraumen, daß rücksichtsloses Vorwärts­ gehen aus Bonaparte abgesehene Weise, mit Gewaltmärschen und karger Verpflegung, nicht in seinem System lag, welches sich fast der gemäßigten Kriegsweise früherer Zeiten näherte, und ihn mit einem Villars, Marschall von Sachsen und Prinz Heinrich von Preußen vergleichen läßt. Was diese Heroen, mit denen er wirklich einige Charakterzüge gemein hatte, zu unternehmen aufgelegt waren, hätte auch Bülow nicht unter­ lassen, und wo er von höherem Befehle abhing, möchte, wenn es auf Schlachten und Stürme ankam, er mehr den Zügel als den Sporn empfunden haben. Bei der von ihm selbst beschlossenen Unternehmung auf Holland war dies ganz eigentlich der Fall. Nur die Erlaub­ niß war ihm vom Oberfcldherrn der Nordarmee geworden, irgend eine der Dffelsestungen, wenn sie schwach besetzt eine leichte Eroberung wäre, zu nehmen; und so wenig lag es in der höheren Ansicht, auf einen dergleichen Coup ein größeres Unternehmen zu gründen, daß jenes erbetene Zu lassen von dem Zusatze begleitet war: „man könne, wenn es nicht rath„sam sey, so einen eroberten Platz zu behaupten, allenfalls „die Festungswerke schleifen." General Bülow, am 17ten November in seinem Hauptquar­ tier Münster angelangt, hatte schon Größeres beschlossen. Nicht auf einen einzelnen Kriegsplatz, auf die Befreiung von Pro­ vinzen, war es abgesehen. Eine Proclamation an die Hol­ länder ward gedruckt, und ein Vertrauter nach England abge„ ihnen beförderten Revolution in Holland geblieben, bis sie von Deputir-

„ten der Stadt Amsterdam dringend waren aufgefordert worden, Besitz „von dem schon von den Franzosen abgefallcnen Lande zu nehmen."

lichc ungerechte Vorwürfe

vermeintlicher Indolenz

Aehn-

finde» sich häufig in

diesem Werk.

•) §. 143 — 144 und 14s, bei Gelegenheit der Schlachte» von Groß« Beeren, Dennewitz und Belle-Allian.ee.

A. Feldzug in Holland unter Bülow. sendet.

55

Bevor aber die Waffen der Diplomatie ihre Wirkung

beginnen konnten, hatten die des Krieges schon, was man

wollte, vollendet. §. 25.

General Oppen, mit der Avantgarde und Reservecavallerie, war schon bis Borken und Bocholt vorpoussirt *); Oberst

Sydow, mit drei Regimentern Landwehrcavallerie und einigen

leichten Bataillonen, war unterwegs zu einer Unternehmung

Da langte am 18tcn November die Nachricht

auf Coeverden.

an, die Cosacken der Generale Benckendorf und Tschernischef seyen schon in Zwoll.

So ward denn auch vom preußischen

Feldherrn die Bewegung nach der Vffel beschleunigt.

Gene­

ral Oppen erhielt Befehl, den 22sten aufzubrechen, und Oberst

Sydow

die

veränderte.Direktion auf Deventer.

Dieser

Platz, der bedeutendste unter den Usselfestungen, war mit al» lem wohlversehen, um eine Belagerung auszuhalten.

Wären

Zwoll, Zütphen und Dösburg auch nur gegen einen Hand­ streich verwahrt gewesen, so konnte, ohne Mitwirkung vom

Mittelrhein her, an einen Invasionskrieg auf dieser starken

Front des Niederrheins wohl nicht gedacht werden.

Die Di­

vision von Borstel, von Cavallsrie verstärkt, hatte den Rhein bei Düffeldorf zu beobachten und Wesel einzuschließen.

Es

waren daher zu der Operation nach Holland kaum 18,000 Mann vorhanden.

Die russischen leichten Schaaren konnten

nur über die Vffel gehen, wenn man mindestens von einem der Uebergänge Herr war.

Dem General von Oppen war demnach ein Versuch au Dösburg und Zütphen aufgetragen.

Den 24sten November

sollte er vor diesen Plätzen erscheinen, und gelinge es, sich

eines derselben zu bemächtigen, „so wolle der Hberfeldherr *) Jede Gencralcarte der sieben vereinigten Provinzen von Holland genügt znr allgemeinen Uebersicht dieser Operationen.

die Carte der Provinz Geldern zu gebrauchen. dient für beides.

Für das Detail ist

Die Sotzmannische Carte

56

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

„ungesäumt mit dem Ganzen nachrücken, indeß die Avant„garde die vorkommenden Gelegenheiten nutzen möchte." So war die ausgesprochene Absicht, welcher gemäß General Op­ pen am 22sten November früh seine Truppen (4 Bataillons, eine Jägercompagnie, Batterieen und zwei Dragonerregi­ menter) beim Dorfe Rhein unweit Borken versammelte, und auf Anholt (Stadt und Schloß des Rheingrafen von Salm) der holländischen Gränze zu marschirte, wo Abends die um­ liegenden Quartiere bezogen wurden. Major Sandrath, mit dem ersten Leibhusarenregiment und 50 Mann Infanterie, war gegen Zütphe» gesendet, wo­ hin auch Oberst Sydow sich wendete, da er auf seinem Wege nach Deventer die Cosacken des General Benckendorf schon voreilend gefunden hatte, welche aber nach einem leichten Ver­ such sich mit dem starken Platze nicht weiter abgaben, sondern die Assel abwärts ziehend einen andern Uebergang suchten. Der Partheigänger Colomb zog von Emmerich Rheinabwärts auf Arnheim zu. Die vorgreifenden Marschquartiere des Geireral Oppen waren von glücklichem Einfluß auf das ganze Unternehmen, dessen Gelingen vielleicht von-diesem scheinbar unbedeutenden Umstand abhing. Man konnte um einen Tag früher, als Anfangs bestimmt, Dösburg erreichen. Ohne diese Beschleu­ nigung hätte man, wie der Erfolg gezeigt, eine Besatzung in Dösburg gefunden, die mit zweckmäßigen Maaßregeln den er­ sten Versuch wohl abweisen konnte. Mit dem zweiten Tage wäre dann Macdonald wahrscheinlich an der Assel gewesen, uns die Spitze zu bieten, und Holland im Zaume zu halten. Indeß war Dösburg schon vom Feinde verlassen gewe­ sen, und ein Cosackendetaschement vom General Benckendorf hatte sich Hinei »geworfen, war aber am 23sten, als General Oppen die holländische Gränze überschreitend über Deutechem herbeieilte, von wiederkehrcnder feindlicher Infanterie heraus­ gejagt. Diese Nachricht machte die Schritte beschleunigen.

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

57

Mit dem Dragonerregiment Königinn und einer halben reiten­ den Batterie eilte der General voraus, hoffend in dm Ort einzudringen, bevor sich der Feind recht festgesetzt hätte, und war so Nachmittag um 3 Uhr am Thore des Platzes *). An sich selbst klein, innerhalb eines Bogens hart an der Vssel gelegen, ist er auf der Landscite von einer wohl tausend Schritt abliegenden weitläuftigen Linienverschanzung, von starkem Wall mit vorliegend niedriger Brustwehr (Faussebraye) und tiefem Wassergraben, umgeben. Die vormaligen unmittelbaren Fe­ stungswerke der Stadt sind der Erde gleich, und als Garten­ feld angebaut. So ist das Ganze als ein starkes verschanztes Lager anzusehen, das nach unseren oben entwickelten Grund­ sätzen **) von einigen Bataillonen mit hinlänglichem Ge­ schütz, wohl eine Weile, selbst gegen bedeutende Uebermacht, zu halten ist. Die preußische Spitze, die in den Ort einzureiten gedachte, ward mit Flintenschüssen empfangen. Der Feind stand mit einem Trupp hinter der aufgezogenen Zugbrücke und einzelnen Tirailleurs auf den Wällen. Da die Infanterie noch weit zurück war, so ließ General Oppen einstweilen den Platz auf­ fordern. Rittmeister Baron Ekartstein ward als Parlementair herangeschickt, und nachdem er einige Flintenschüsse ausgehal­ ten, eingelassen. Von dem Commandanten (einem Legionair aber nicht französischen Ritter) schnöde behandelt, kam er bald mit der Nachricht zurück, daß die Besatzung aus Gesindel, grißtentheils bewaffneten Douaniers, bestehe, worauf auch ohne Infanterie der Angriff versucht ward. Die freiwillige Jägerescadron mußte absitzen und als Tirailleurs agiren, wäh­ rend mair einen Durchweg weiter rechts suchte. Endlich um 4 Uhr langte die Infanterie an, und Major Heidenreich mit der Jägercompagnie war bald mit wirksamen Feuer am Gra*) Man sehe Plan VI mit der Erklärung.

*')

45 im ersten Bande.

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

58

benrand und an der Brücke, gegen die zwei Geschütze ganz

nah herangefahren wurden.

Auf einige Kartätschschüsse ver­

ließ der Feind das Thor, und die Jäger, auf mitgebrachter

Leiter über den Auszug der Brücke kletternd, ließen solchen herunter, worauf das Colbergische Füsilierbataillon, das in An-

griffscolonne längs dem Damme vorgerückt war, stürmend eindrang, die Cavallerie nach, über das Gartenseld bis in die

Stadt, wo bei der abgebrochenen Brücke die nur auf Rettung denkende Besatzung sich zusammendrängte.

rann.

Nicht einer ent­

Was noch in den Werken und an den Thoren befind­

lich, fiel der nachrückenden Infanterie, die sich nach beiden Seiten derselben

bemächtigte,

Was in die

in die Hände.

Schiffe bei der Uebcrfahrt schon gelangt war, konnte nicht schnell genug fiott werden, und ward mit Flintenschüssen in

die schon eingebrochene Dämmerung hinein geängstigt,

bis

menschenfreundliche Füsiliere sich der Chamade-blasenden und trommelnden Schiffsmannschaft erbarmten, und nachschiffend

sie ans Ufer holten.

Hundert und fünfzehn Gefangene wur­

den gemacht; unter ihnen auch der Befehlshaber,

§. 26. Das dem holländischen Volk sonst zugeschriebene Pflegma

pflegt sich zu verleugnen, wenn Liebe und Anhänglichkeit an

das erhabene Fürstenhaus

der Dränier es hinreißt.

geschrei hatte uns an der Gränze empfangen.

Jubel­

Auffallend war

es daher, in der eroberten Stadt kein Drange-Boven! zu hören.

Spätere Proben bewiesen indeß, daß die guten Ein­

wohner des Gelderlands nicht minder treue Gesinnung als die

andern Städte und Provinzen hegten. Nur waren sie anfangs erstaunt und schienen nicht recht zu wissen, was sie hoffen

oder fürchten sollten.

Die Wiederkehr der Franzosen mochte ih­

nen als möglich erscheinen und sie veranlassen, ihre DrangeGesinnung wie ihre Drange-Bander verschlossen zu halten *). *) Mit Mühe konnte Verfasser dieses ein Band solcher Farbe in der

Stadt aufft'nden, mit welchem, und dem kurzen Bericht: „Dösburg —

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

59

Der Feuereifer zu Förderung des Zwecks mußte daher ange­

regt werden.

Es ward der Stadt die strengste Mannszucht

und möglichste Schonung verheißen, eine ansehnliche Contri-

bution aber auferlegt, wenn die abgebrochene Brücke über die Vssel nicht mit dem Tage hergestellt wäre.

Dies wirkte.

Zimmerleute und Schiffer arbeiteten die Nacht hindurch. Um 8 Uhr früh konnten zwei Escadrons Westpreußische Dragoner,

50 Füsilier und zwei Geschütze hinüber gehen, die gegen Züt-

phen, um es vom linken Usselufer anzugreifen, gesendet wur­ den.

Um 10 Uhr folgten die andern zwei Escadrons und

die Jägercompagnie von Heidenrcich, den Weg nach Arnheim auszuklären, wo sie das Dorf Velpe mit einem feindlichen

Bataillon besetzt sanden, und daher bei Midachten Posto faß­ ten.

Es ist gewiß, daß der Feind im Begriff gewesen, die

Vertheidigungslinie der Pssel mit größerer Macht zu besetzen, als wir durch die Einnahme von Dösburg ihm den Plan ver­

eitelten, und er nun noch int Zweifel stand, ob der Platz wie­ der zu nehmen, oder doch Zütphen zu retten, und eine Ver­

bindung mit der Besatzung von Deventer anzuknüpsen sey.

Wenigstens rechtfertigen die eingelaufenen Nachrichten und die späteren Ereignisse diese Ansicht. — Der Angriff auf Zütphen war nicht glücklich gewesen.

Major Sandrath hatte mit seinem Detaschement, und dem

noch mit herangezogenen Jägerbataillon von Reiche, früh am 24sten einen Versuch

gemacht einzudringen, war aber mit

nicht unbedeutendem Verlust abgewiesen **).

Der Platz

ist

kleiner und mehr Festung als Dösburg, also auch von einer schwachen Besatzung eher möglich zu halten.

Vorerwähntes

Detaschement zum Angriff auf dem linken Vsselufer war in-

„Zütphcn — den 2t — 2/itcn November, OrangerBovcn!" cm Eilbothc nach Berlin au den Hof der Frau Erbstattbaltcrin K- H abgescndet ward. ES war die erste Nachricht von de» Erfolgen in Holland. *) 60 Todte und Verwundete wurden angegeben.

60

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 n. 14.

defl schnell marschirt, hatte unterwegs einen feindlichen Hau­ fen aufgehoben, und ließ bald seinen Canonendonner hören.

Als der Commandant sich eingeschloffen sah, verlangte er zu

capituliren.

General Oppen versagte aber den begehrten freien

Abzug, und beschloß folgenden Tags den Platz zu stürmen. Noch vor Abend ergab er sich indeß ohne Bedingung, und

die Besatzung von 300 Mann ward kriegsgefangen. — Nun ward die Operation auf Arnheim beschlossen.

§. 27.

Gleich am Morgen des 25sten ward aufgebrochen. Landwehrbataillon

unter

Major

von

Braunschweig

Ein (das

schwächste, und nur auf 200 Mann zu rechnen), mit zwei Canonen, blieb im Brückenkopf von Dösburg, das halbe Re­

giment Königinn Dragoner bei Ellicon, um nach der rechten Flanke zu patrouilliren, und etwanige Bewegungen des Fein­

des von Arnheim gegen Zütphen und Deventer zu entdecken.

Mit dem übrigen (3 Bataillons, der Jägercompagnie, 4 Esca­ drons und einer reitenden Batterie) ging der Zug auf Arn­ heim.

Schon bei den Vorposten von Midachten stieß man

auf den entgegenkommenden Feind.

Es war eine geschlossene

Jnsanteriecolonne, von etwa 1000 Mann, und 50 Pferde Gens »'armes, die als Flanqueurs den Marsch öffneten.

Un­

ter Blänkergefecht rückte die feindliche Colonne im Sturmschritt

vor.

General Oppen ließ das Füsilierbataillon und die Jäger­

compagnie rechts rücken, um sie in die linke Flanke zu neh­

men;

ein Bataillon ward links geschoben, um über Rhede

längs der Q)(fd auf Arnheim vorzurücken.

Das Bataillon

der Tete blieb im Marsch gerade auf den Feind, der, nach­ dem er einige Canonenschüsse empfangen, sich nunmehr auf den eiligen Rückzug begab, und die große Straße verlassend, sich in das hügelige und waldige Terrain gegen Rosendal warf.

Ji» solchem drängten ihn die Füsiliere und Jäger von Höhe

zu Höhe zurück; die westpreußischcn Dragoner suchten ihn vom Walde bei Rosendal abzuschneiden, verloren aber in dem schwie-

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

61

rigen Boden den günstigen Moment, und konnten nur auf den Nachzug cinhauen, wobei 20 Gefangene gemacht wurden. Dieser Landstrich enthält die einzigen Berge in Holland. Ein rauher, wie Haideland sich zeigender Rücke», mit Strauchwerk und Stubbcnholz bewachsen und von mehreren steilen Grün­ den durchschnitten, begleitet die Rhein- und Vsselniederung, und zieht sich durch die Provinz Geldern nach der Seeküste. Es ist in diesem Terrain sehr schwierig mit Cavallerie fortzu­ kommen. Daher gewann die französische Infanterie den Wald bei Rosendal, und zog bei Klarenbeck vorbei, nach dem Retranchement, das am untern Theile der Festung das Rhein, thor schließt *). Im gleichen Moment war General Oppen, mit der Hauptcolonne auf der großen Straße über Velpe un­ aufhaltsam vorrückcnd, bei der Vorstadt angelangt, ließ solche besetzen, und die so eben dem Retranchement sich nähernde feindliche Colonne durch Cavallerie und Tirailleurs angreifen. Der Feind war aber schon zu nahe diesem Asyl, und setzte in demselben kräftigen Widerstand entgegen. Arnheinr, vormals eine regelmäßige Festung mit Außenwerken und bedecktem Weg, hat bloß den Hauptwall von zehn Bastions noch beibehalten. Der Graben ist tief und mit Wasser gefüllt. Nur auf der einen Polyone, auf der untern Nheinseite, wo sich die Brücke über den Strom und das Nheinthor befindet, ist er trocken. Zur Brücke führt der Weg außerhalb am Rande des Haupt­ grabens vorbei. Der Wall ist hoch, aber ohne Mauerbeklei­ dung, und offenbar ist hier die erstürmbare Seite des Platzes. Zweckmäßig war es daher vom Feinde, den Zugang zu dieser schwachen Seite mit Macht zu verhindern, und somit die Blöße zu decken. Die übrigen Werke waren nur schwach mit Tirailleurs besetzt, das Velper und Jahnsthor aber verrammelt, und die Brücken abgebrochen. Ein viertes Thor, oberhalb am Rheine (das Gatterthor), auf das der Rheindamm führt.

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

62

blieb, wegen des zwischenliegenden von Graben durchschnitte-

iicn Terrains, noch für jetzt unbeachtet.

Das Velperthor ging,

wider die gewöhnliche Weise, durch die Flanke eines Bastions,

und es war ihm durch Geschütz nicht beizukommen.

So war

auch das Jahnsthor nicht von Außen sichtbar, und durch das anstoßende Netranchement bestrichen.

Auf der Front zwischen

beiden Thoren entstand Tirailleursgefecht, indem

die Jäger

der Häuser

bemächtigt

und Füsiliere sich

am Grabenrande

hatten.

Das im lebhaften Gefecht stehende Füsilier-Bataillon ward

durch zwei Canonen verstärkt, die gegen das Netranchement agirten, die Stadt mit Granaten beworfen, und der Umfang

in der Nähe recognoscirt, der Sturm aber nicht rathsam ge­

funden, da, was der Feind von Infanterie zeigte, fast so stark war, als unsere drei schwachen Bataillone, und die Folgen

eines vergeblichen Versuchs zu mißlich erschienen, um ihn zu wagen.

General Oppen ließ daher dem Commandanten einen

freien Abzug anbietcn, und mit zögernden Unterhandlungen kam der Abend heran; für beide Theile erwünscht, da die Besatzung, wie die Folge gezeigt, Unterstützung erwartete, der Angreifende aber in dieser Lage, und ungewiß, was in seiner

rechten Flanke vorging, nicht so nahe an der Festung bleiben konnte. Bei völliger Dunkelheit ward demnach das Eros der In­

fanterie bis Velpe zurückgezogeir.

Die Vorstadt und Gehöfte

nahe an der Festung blieben mit Tirailleurs besetzt, und starke

Cavallerie-Feldwachen dahinter. Nacht

nach Midachten und

Die Cavallerie ward für die

Ellecon

ins Quartier gelegt.

Oberst Sydow, mit zwei Regimentern Landwehr-Cavallerie und einem Detaschement Reichischer Jäger, war nach vollen­ deter Unternehmung von Zütphen herbeigeeilt, und bei Dös­

burg angelangt.

Am nächsten Morgen sollte wieder mit Macht

gegen Arnheim vorgerückt, und was möglich erscheinen würde, ausgeführt werden.

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

63

§.28.

Es ist nicht zu leugnen, daß, wenn man mit den später

erlangten Kenntnissen von der Beschaffenheit und Lage des Orts und der Umgebung das Unternehmen hätte beginnen können, die Erstürmung auf der Seite des Rheinthors, trotz der schwachen Kräfte, möglich gewesen wäre.

Nur die Caval-

lerie und wenige Infanterie hätte die große Straße, von Mi-

dachten aus, festhalten und den Feind beschäftigen müssen,

während die ganze übrige Infanterie und Artillerie, mit nur einiger Cavallcrie zum Ausklären und Verfolgen, die Colonne

rechts bilden, uud bei Rosendal vorbei, auf Klarenbeck dirigirt werden mußte.

Konnte man auf diesem weiteren Wege auch

nicht bestimmt dem Feinde in dem Retranchement zuvorkom­

men, so war es doch mit Uebermacht anzugreifen, und ge­ nommen, würde man mit dem Feinde wahrscheinlich zu­

gleich in die Hauptfestung gedrungen seyn,

oder die ganze

Besatzung veranlaßt haben, sich über die Nheinbrücke zu ret­ ten.

Es ist sogar möglich, daß solches die Absicht des Be­

fehlshabers gewesen.

Gedenkt man aber der Ereignisse des

Tages, so wird man es natürlich finden, daß die nothwen­ dige Maaßregel gegen den unerwartet entgegenrückenden Feind,

dessen Keckheit größere Macht nachkommend vermuthen ließ,

im Vorrücken auf dem geraden Wege, gegen die stärkste Seite

des Platzes führte,

und auf der nicht gleich erkennbaren

schwächeren, das hartnäckige Gefecht nicht eine Verbesserung der gestörten Einleitung eines zweckmäßigern Angriffs gestat­

tete.

So dürfte der hier eingestanderie Fehler zu denen zu

zählen seyn, die mehr einer Erklärung, als einer Entschuldi­ gung bedürfen. §. 29. Am 26sten November früh ward demnach die enge Ein­

schließung des Platzes vorgenommen.

Die Detaschements des

Oberst von Sydow, und alle bei Dösburg und Zütphen zurückgelaffenen, wurden herangezogen, da General Bülow mit

II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

64

dem ganzen Armeecorps (die Division von Borstel ausgenom­ men) im Vorrücken, und die Avantgarde der Division von

Kraft schon in Dösburg angelangt war.

Der Parthciganger,

Major von Colomb, hatte seinen Standpunkt zwischen Rhein und Vssel vor Arnheim genonimen.

Major Heidenrcich mit

seinen Jägern, verstärkt durch ein Landwehrbataillon, recognos-

cirte von Klarcnbeck aus die rechte Flanke und den Rhein ab­ wärts bis Osterbek, sperrte die Wege nach Utrecht und Wa­

geningen, und bemächtigte sich mit einer Compagnie dieses kleinen Platzes.

Sechs Canonen wurden in demselben gefun­

den, welche die Gensd'armes aus Arnheim für diese Festung

hatten abholen wollen, durch die Einwohner aber daran ver­ hindert worden waren.

Ueberall im nördlichen Holland hatten

sich die Gutgesinnten geregt.

Amsterdam von der französischen

Besatzung verlassen, war im Begriff, sich für das Haus Dra­

men zu erklären.

Das schwache Corps des General Molitor,

bei Utrecht versammelt, hatte das Land noch einigermaßen im Zaume gehalten, zog aber nuirmchr hinter den Rheiir und die

Maas, und mußte für die Plätze: den Helder, Gorcum, Her-

zogenbusch und Bergcnopzoom, sich fast in Besatzungen auf­

lösen.

Indeß stand Marschall Macdvnald noch am Nieder­

rhein, und Arnheim diente ihm zum Dcbouche, jede preußische

Operation auf Utrecht und Nordhvlland in Nucken zu neh-

men.

Jener Platz war also auf alle Weise der Schlüssel von

Holland, und General Oppen beschloß auf den 28sten den Sturm, zu welchem die an diesem Tage über Dösburg er­

wartete Division von Kraft mit herangezogen werden sollte.

Die Avantgarde hatte sich schon dem General Oppen ange­ schlossen.

Mit Inbegriff der Division von Kraft und zweier

von der Reservecavallerie nachgerückter Regimenter unter Gras

Lottum, standen dem General von Oppen 12 Bataillons, 3 Battericen und 16 Escadrons zu Gebot.

Das Landwehrregi-

ment von Kamcke war gegen Amersforth und Major Sand­

rath mit dem Leibhusarenregiment über Wageningen

gegen

Utrecht

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

65

Utrecht poussirt worden, um die Jnsurrection zu unterstützen.

Recognoscirung, Blänkcrgcfecht und Anordnungen zum Sturm­ angriff beschäftigten den 27sten hindurch, und folgende Dis­ position des General von Oppen für den andern Tag ward

ausgegeben.

tz.

30.

Disposition. „Der Angriff auf Arnheim geschieht in 4Colonnen.

Die

„beiden rechten Flügel-Colonncn sind wahre Attaquen, und „werden vom Oberstlieutenant von Zastrow dirigirt, und dc„pcndirt die Zeit des Angriffs von ihm, wenn er mit seinen

„Anstalten fertig ist.

Die beiden linken Flügcl-Colonnen sind

„falsche Angriffe, können jedoch von günstigen Gelegenheiten „profitiren, um durch die Thore in die Stadt zu dringen,

„weshalb sich alle 4 Colonnen mit den nöthigen Werkzeugen, „als Beile, Bohlen, Leitern u. f. w. versehen müssen.

„mit diesen Werkzeugen versehenen Arbeiter

Die

folgen auf die

„Avantgarde ihrer Colonne." „Die erste Colonne besteht aus dem Colbergischcn Füsi-

„lier-Bataillon, unter dem Major von Schmidt, als Avant-

„garde." „Eine reitende Canone und eine Haubitze. „Ein Bataillon vom Regiment Colberg.

„Eine Escadron Dragoner. „Drittes Neumärkisches Landwehr-Bataillon.

„Zwei reitende Canonen und 1 „ Eine Escadron Dragoner z

^c^crtie*

„Diese Colonne ist zum Angriff gegen das Rhcinthor bestimmt, „und sammelt sich vorwärts Ostcrbeck, und wird der Major

„von Schmidt das Rendezvous anweisen, weshalb jedes Ba«

„taillon einen Offizier nach Ostcrbeck voraus zu schicken hat." „Die zweite Colonne besteht aus: „Einer Ostpreußischcn Jäger-Compagnie,

Lehre v. Krieg III,

66 II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. „dem Füsilier-Bataillon von Zglinitzky, „ beide zusammen als Avantgarde unter dem Major vor» Hei-

„denreich."

„Ein Bataillon Regiments Colberg. „4tcs Bataillon Neumärkischer Landwehr, unter Major

„von Düring. „Zwei Haubitzen und zwei Canonen reitender Artillerie." „Eine Escadron Dragoner.

„Vier reitende Canonen und } „zwei Escadrons Dragoner s

^crtie‘

„Diese Colonne versammelt sich vorwärts von Zeipe.

Der

„Weg dahin geht von Velpe über Rosendal, und wird die

„Colonne sich verdeckt hinter der Höhe formiren.

Der Major

„von Heidenrcich hat diese Höhe durch seine Tirailleur-Linie „markirt, und wird das zweckmäßige Rendezvous anweisen.

„Der Major von Röhl besorgt das Emplacement der Ar„tillerie."

„Der Oberst von Treskow kommandirt die Reserve dieser

„beiden Colonnen, und stellt sich auf den Höhen zweckmäßig „auf." „Die Attaque

dieser zweiten Colonne geht gegen das

„feindliche Retranchement auf der Windmühlenhöhe vor dem

„Rheinthore." „Die Tirailleure der Avantgarden dieser beiden ersten An-

„griffs-Colonnen müssen die feindlichen Werke umgeben, und „unter ihrer und des Artillerie-Feuers Protection geschieht der „Angriff."

„Die zweite Colonne ist vorzüglich dazu bestimmt, sich „auf diesen dvminirenden Werken, wenn sie genommen sind,

„festzusetzen, und den Angriff der ersten Colonne zu protegi„ren, welche durch das Rheinthor in die Stadt und gegen „die Rheinbrücke vordringt."

„Sollte letzteres auch nicht sogleich gelingen, so muß

„doch die zweite Colonne sich auf den dominirenden Außer«-

A. Feldzug in Holland unter Bülow, „werken festsetzen, ihr Geschütz darauf placiren, und so den

„Feind in die Stadt eineiigen und wirksam beschießen.

Zu

„diesem Behuf hat die zweite Colonne ihre Arbeiter mit Schanz-

„zcug zu versehen."

„Die dritte Colonne, unter dem Major von Nekow, be-

„steht aus: „dem Isten Bataillon 9tcn Ncscrveregimcnts,

„dem Landwehr-Bataillon von Braunschweig,

„zwei Haubitzen und zwei Canonc» Fuß-Artillerie, „einer Escadron Dragoner,

„vier Canonen Fuß-Artillerie und ) „vier Escadrons Dragoner

„Diese Colonne stellt sich gegen das Jahnthor auf. „Die vierte Colonne besteht aus:

„der Ostprcußischen Jager-Compagnie von Böttcher, „dem 2ten Bataillon ötcn Reserve-Regiments, unter dem „Capitain von Platcn;

„vier Canonen Fuß-Artillerie,

,)der Divisions-Cavallcrie von Kraft.

„Diese Colonne stellt sich gegen das Velperthor auf." „Wenn diese Colonnen sich engagiren sollen, will der „General von Oppen zur Stelle befehlen, und sich bei der

dritten Colonne aufhalten." „Das Detaschement

unter dem

Oberst Graf Lottum

„macht die Reserve der 4ten Colonne,

und bleibt auf der

„großen Straße bei Velpe zur Disposition.

Um sich in diese

„vier Colonnen zu formtreu, wird die Division von Kraft um

„9

Uhr früh auf dem Rendezvous bei Velpe stehn, und wer-

„den die zu den beiden ersten Colonnen gehörigen Truppen

„um acht Uhr abmarschircn."

„Damit der Feind die Bewegung nicht merke, wird das „Bataillon von Braunschweig die Tirailleur» Linie des Oberst»

„Lieutenant von Zastrow vor Tages Anbruch ablösen,

5*

und

68 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813». 14. „das Dragoner-Regiment vom linken Flügel zu gleicher Zeit „vor Velpe ausrücken." „Für alle Angriffs - Colonnen gilt im Allgemeinen, daß,

„wenn sie in ein Thor gedrungen sind, sie einen Theil in „Reserve aufstellen, mit dem übrigen theils in das Innere

„der Stadt, theils gegen das nächste Thor dringen, dieses „öffnen,

damit die Neben-Colonne eindringen könne.

Die

„jeder Colonne zugegebene Escadron ist bestimmt, in die Stadt „einzudringen, und den Feind über die Rheinbrücke zu ver-

„folgen.

Mehr Cavallerie darf aber durchaus nicht in die

„Stadt dringen." „Von den Reserven jeder Colonne dringen ein oder zwei

„Stücke Artillerie mit in die Stadt, wenn das Thor und die

„Straßen völlig frei sind.

Das Uebrige von den Reserven

„bleibt zurück in Position gegen die Stadt.

„Colomb

Der Major von

wird diese Attaque durch eine gleichzeitige, gegen

„das vierte Thor der Stadt, unterstützen." „Der Oberst von Sydow wird die Landwehr-Cavallerie „und das Leib-Husaren Regiment leiten, gegen einen mög-

„lichen Entsatz operitcn; und nach Umstanden weiter ins Land

„Vordringen." „Der Major von Röhl dirigirt int Allgemeinen die Ar­

tillerie.

Der Oberst von Treskow bestimmt die Vertheilung

„der Cavallerie." „Die Truppen müssen sich mit Lebensmitteln versehen,

„welche die Leute bei sich tragen.

In Velpe können solche

„bei dem Kriegs-CommissairClären empfangen werden.

Jedes

„Bataillon, jedes Regiment Cavallerie, versieht sich mit einem „leeren Wagen für die Blefsirten, und bleiben diese Wagen „hinter der Reserve; ein Gleiches gilt für die Pulverwagen."

„Alle übrige Bagage, muß noch weiter rückwärts außer

„dem Wege stehen, und die in Dösburg stehende daselbst noch

„verbleiben.

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

69

§. 31.

Unterdeß hatte der Feind in der Festung bedeutende Ver­

stärkungen erhalten.

Bei Tage konnte man ste von der Höhe

von Klarcnbeck aus über die Rheinbrücke marschiren sehen,

und bei der Nacht hören.

1000Pferde ungefähr, Cüraffiere

und Carabinjers, und ein Zug Geschütz zog vor den Augen der beobachtenden Vorposten ein, und es schien, das ganze

Macdonaldsche Corps sey von Nimwegen in Anmarsch, da der Marschall selbst angclangt war, wie aufgefangene Briefe

bestätigten.

Unter diesen Umständen hielt General Oppen den

Sturm nicht für rathsam, obgleich die Colonnen früh Mor­ gens dazu bereit standen.

Die Truppen blieben daher in La­

ger und Quartier eng um die Festung, und man war bemüht,

Rhcinabwärts Schiffe zu einem Uebergang zusammcnzubringen, wodurch dann das Macdonaldsche Corps, von dem Platze ab-

gcdrängt, ihn seinen eigenen Kräften hätte überlassen müssen. Unstreitig war alsdann der Sturm mit günstigerem Anschein, und eine abgekürzte Belagerung von nur einigen Tagen Dauer,

mit aller Sicherheit durchzuführen.

Der Obcrfeldherr, General

Bülow, war indeß nicht dieser Meinung.

Arnheim war ihm

durch Kundschafter, die gern das sagen was man wünscht, als ein fast offener Ort geschildert worden, und hätte hiernach

schon genommen seyn sollen.

General Oppen, der nur die

Folgen des Mißlingens, nicht die Gefahr des Unternehmens

fürchtete, empfing den bestimmten Befehl zum Sturm mit um so lebhafterem Vergnügen, da der Oberfeldherr, mit der Divifion von Thümen schon bei Dösburg stehend, demselben

einen Nachdruck gab, der selbst im unglücklichsten Fall vor

Nachtheilen schützte. Der Feind hatte indeß die Wälle und das Netranchement von Arnheim mit Geschütz bepflanzt, vorzüglich aber Batterien

am Ufer Rhein-abwärts etablirt, und breitete sich mit den von Nimwegen anlangenden Truppen rrach dieser Seite hin

aus.

Eil» Uebergang über den Strom von preußischer Seite

70 II. Feldzr in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

mochte ihm wahrscheinlich dünken.

Er

canonirte vom

linken Nhcinufcr herüber auf alles, was sich diesseits sehen ließ, vorzüglich auf die

zusammengebrachten Schiffe.

Um

Mittag am 29sten aber machte er einen starken Ausfall aus

dem Nheinthore, stürzte mit Cavallerie plötzlich auf die Ti-

railleurvorposten von Klingenbeck, deren Cavalleriesouticn nicht aufmerksam war, hieb einen Theil nieder und debouchirte mit zwei Bataillonen aus dem Außenwerk. Oberstlieutenant Zastrow, mit dem Colberger Füsilierbataillon und zwei schnell herbeigesührten reitenden Canonen, warf sich ihm entgegen, und trieb ihn mit Verlust in die Verschanzung zurück.

Indeß betrug

doch der preußische Verlust 50 Mann.

Der Sturm sollte am 30sten November früh beginnen,

und vorläufig mit 4 Bataillonen der Division von Thümen unterstützt, wo möglich aber (wenn die Umstände es erlaubten) die Ankunft des Oberfeldherrn erwartet werden, welcher (da

er sich als bloßer Zuschauer erklärt hatte) mit dem anhebenden

Angriff auf eine brillante Weise empfangen werden sollte.

Ein

starker Frühnebel, in Holland zu dieser Jahreszeit gewöhnlich, genirte Freund und Feind; und letzterer mochte zu seiner eige­

nen Sicherheit Tirailleurs auf Erkundigung vorsenden, welches fortwährendes Feuer und Ungewißheit,

würde, veranlaßte.

was daraus werden

Heftiges Geräusch, wie von Fuhrwesen

und Pferdegetrappel auf der Rheinbrücke,

zeigte daß etwas

vorgehe, und ward auf den Abzug der feindlichen Cavallerie

richtig gedeutet.

Wie der Erfolg erwiesen, hatte Marschall

Macdonald den Platz schon seinen eigenen Kräften überlassen,

ihn aber mit einer Besatzung von 4000 Mann versehen. Da­ her ward er denn auch wohlfeilern Kaufs, als zu erwarten,

erobert. — Die Disposition vom 28sten war beibehalten, nur mit

dem Unterschiede, daß die Colonnen vom linken Flügel, (als

die falschen Angriffe) begönnen.

Auf deren erste Schüsse

sollte jedoch der Hauptangriff auf das Retranchement gleich

A. Feldzug in Holland unter Bülow. mit erfolgen.

Die Coloniieneintheilung blieb dieselbe.

71 Doch

war,, mittelst der herangezogenen Truppen, die erste Colonne

durch ein Bataillon des 5ten Neserveregiments (Ostpreußischen), und die zweite durch ein Bataillon von eben demselben, ver»

Dem Dragonerregimeyt Königinn war ausge«

stärkt worden.

geben, die erste Colonne, und dem Brandenburgischen die

zweite zu souteniren. Das obenerwähnte Tirailleurfeuer, und die Bewegung in der Festung, veranlaßten den General Oppen, den Angriff zu

beschleunigen, ohne die vier Bataillons der Division von Thü» men abjuwarten.

Indeß verzögerte sich die Ausführung; die

letzteren waren angelangt, und wurden zur Hälfte dem Gene» ral Kraft für seinen linken Flügel angewiesen, zur Hälfte zur

Reserve hinter

dem rechten herangezogen.

geworden, der Nebel verzogen, und

schnell und überall die Rede.

Es war Mittag

jetzt nur von Angriff

Der Kraftruf des Helden,

wüthigen Führers Oppen setzte alles in Bewegung.

Die

Artillerie, in umfassender Stellung rund um den Ort, war

schon zum Feuer bereit, rückte aber jetzt vor mit den Truppen näher an die feindlichen Werke.

Bei dem Velperthor schien

der Feind durchaus keinen Angriff erwartet zu haben, und

stellte hier nur Tirailleurs entgegen.

Major von Clausewitz *)

drang daher mit der Colonne daselbst gleich ein, nachdem die ostpreußischen Jäger sich in Besitz des Grabenrandes gesetzt,

und die abgebrochene Brücke hcrgcstellt hatten. So auch drang Major Nekow mit der dritten Colonne ins Jahnthor ein, und Major Colomb mit seinem Detasche-

ment den Rhein hinab gegen das Gatterthor.

Alle diese An»

griffe fanden wenig Widerstand und trafen in der Stadt zu» sammen.

Heftiger war das Gefecht auf dem rechten Flügel,

wo der Feind fast seine ganze Kraft in dem vorliegenden Re-

tranchement gesammelt hatte.

Nach einer kurzen aber lebhaf-

*) Jetziger General von Clausewitz der Aeltere.

72 II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. len Canonade erstieg das erste Bataillon vom Colbergcr Re­ giment zuerst die Brustwehr, und die übrigen Bataillone der

zweiten Colonne folgten in Massen und im Sturmschritt, warfen den Feind mit dem Bayonet, und rückten gegen das

Rheinthor vor. 1 Zugleich drang die erste Colonne, unter dem Major von Schmidt, hart längs dem Rhein gehend, gleich­ zeitig von der Rückseite ein, das Canonenfeuer vom jenseitigen nicht achtend.

Ufer

So ging es auf die Rheinbrücke los,

über die der Feind sich theilweise rettete.

Das Rheinthor war

gesperrt, und der Wall dahinter, noch vom Feinde gehalten,

ward von den Unsrigen im Sturmanlauf erklettert, bald darauf aber

auch

das Thor durch

die anderwärts eingedrungenen

Truppen von Innen geöffnet, worauf die Colonne, und von der nachfolgenden Cavallerie mehr als nöthig, eindrang. Zwölf

Canonen und ungefähr 1000 Gefangene, worunter ein Ge­

neral und 24 Offiziers, waren die Früchte des Siegs.

Etwa

700 an Todten und Verwundeten hatte er den Preußen ge­

kostet.

Ordnung

und Mäßigung wurden

auf eine seltene

Weise gehalten, welches die eroberte Stadt vorzüglich dem

General von Thümen zu verdanken hat, der sich der Leitung

aller in den Straßen sich kreutzenden Truppen mit kräftiger Thätigkeit annahm.

Dem den Sturm eommandirenden General von Oppen war Verfolgung des Feindes

über

jetzt die angelegentlichste Sache.

die Nheinbrücke hinüber

Der Feind hatte Feuer auf

dieselbe gelegt, das aber von den thätigen Pioniers sogleich

gelöscht wurde, worauf der General mit dem Pommerschen National-Cavallerieregiment hinüber eilte, und den beiden Dra­

gonerregimentern (westpreußischen und brandenburgischen) und einer reitenden Batterie, Befehl schickte, zu folgen.

hatte sich bei'm Dorfe Eiden gesetzt.

Der Feind

Der Weg dahin, und

bis nach Nimwegen, besteht in einem fortlaufenden Damm.

Es mußte also Infanterie vorgezoaen werden.

Die Jäger-

Compagnie von Böttcher und das Füsilierbataillon von Zgli-

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

73

nitzky waren zuerst bei der Hand, und das Landwehrbataillon

von Braunschweig, nebst den Tirailleurs mehrerer andern Ba­ taillone, gesellten sich zu ihnen.

Ohne sich mit Ordnen dieser

Infanterie aufzuhalten, führte General Oppen sie gegen den

Feind, der das Dorf Elden darauf verließ, und den Rückzug auf Nimwegen fortsetzte.

Ein Detaschement feindlicher Reuter,

das sich verirrend den Weg Rhein-abwärts eingeschlagen hatte,

und

umkehrend den Weg nach Nimwegen wieder gewinnen

wollte, versuchte vergeblich sich durchzuschlagen.

Die preußische

Cavalleric eilte dem Feinde nach, auf der Straße dahin. Auf

halbem Wege, bei'm Dorfe Elst, hatte er sich indeß mit geord­

neter Infanterie und Artillerie gesetzt*), und die vor sich ha­ bende Brücke über den Lingefluß abgeworfen.

General Oppen

ließ sein Canonenfeuer erwiedern, stellte aber, da der Abend

einbrach und die Truppen der Ruhe und Verpflegung bedurf­ ten, das Verfolgen ein.

ment

blieb

Das brandenburgische Dragonerregi­

stehen und die Vorpostenchaine ihm übertragen;

zu seinem Souticn ward das Dorf Elbe» mit Infanterie be­

setzt.

Das Corps cantonirte in und !um Arnheim, wo das

Hauptquartier des Commandirenden war.

Das des General

Oppen war auf dem Schlosse Billion, das durch Ludwigs XIV. Aufenthalt bei seinem Feldzug in Holland berühmt geworden. Folgenden Tags, als den Isten Dezember, ging der Zug nach

Utrecht. §. 32.

Der hier

erzählte Sturm

auf Arnheinr beweiset aufs

Neue, daß nicht immer eben dieselbe Maaßregel unter verän­ derten Umständen gut ist.

Hatten die Franzosen bei dem ersten

Angriff anr 25sten ihrer kräftigen Vertheidigung des Retranche-

ments am Rheinthor die Erhaltung des ganzen Platzes zu danken, so war nun die große Masse ihrer daselbst ausgestellten

*) Nach Herrn Koch war c6 die Brigade von Bigarr«, welche wahr­ scheinlich von Nimwegen zu Hülfe gekommen war.

74 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 n. 14. Streitkräfte

offenbar Ursach des schnellen

Verlustes.

Die

Preußen, stark genug und mit dem festen Entschluß, diese Masse über den Haufen zu werfen, machten schnell nachdrin­

gend jede besonnene Gegenwehr weiterhin unmöglich.

Hätten

dagegen die Franzosen ihre Hauptmacht und all' ihr Geschütz

auf der Polygon am Rhein und Jahnsthor aufgestellt, das vorliegende Rctranchement nur luftig, dafür aber die Pallisadirung, welche längs

dem Hafen zur Rheinbrücke lauft,

stark besetzt, so wäre die erste Colonne hier aufgehalten wor­

den, und würde von dem jenseits des Rheins aufgestellten

Geschütz mehr noch als wirklich geschah, gelitten haben.

Den

Sturm auf den hohen Erdwall am Rheinthor, wenn solcher stark besetzt war, abzuschlagen, wäre wohl möglich gewesen,

um so mehr da die Artillerie, die zu dessen wirksamer Be­

schießung auf der Höhe des gewonnenen Retranchements auf­ gestellt werden sollte, vom Geschütz des jenseitigen Ufers, und den immer noch im Graben und hinter der Pallisadirung ein­

zunistenden Tirailleurs, wäre im Zaum gehalten worden.

Das

Aufgeben deS weitläuftigen Retranchements hätte es möglich

gemacht, von den 4000 Mann Besatzung etwa 1000 für die andern drei Thore zu erübrigen, welche, wohl verwahrt und

bei den abgebrochenen Brücken über den nassen Graben, von

solcher Macht wohl vertheidigt werden konnten.

Wenigstens

würde die Eroberung des Orts, wenn sie mit ernstlichem Daran­ setzen der Kräfte auch ausgeführt worden wäre, größere Auf­

opferung gefordert haben.

§.

33.

Mit eben der Aufrichtigkeit aber, die uns einen taktischen Fehler bei

der ersten Einleitung des Angriffs auf Arnheim

(am Lösten November) eingestehen ließ, müssen wir jetzt eines strategischen Fehlers bei der preußischen Operation nach Er­

stürmung des Platzes gedenken.

Wäre General Bülow, statt

am Isten Dezember auf Utrecht zu marschiren, mit ganzer Macht gegen die Waal und Maas vorgerückt, so würden der

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

75

Bommelcr Waard und Nimwegen ihm wahrscheinlich schon am

dritten Operationstage und weit leichter in die Hände

gefallen seyn, als 14 Tage später, wo nach mehreren nicht so nah' zum Zweck führenden Märschen, und unter minder

günstigen Verhältnissen, jene Ströme überschritten wurden.

Um

die Jnsurrection in Holland

zu unterstützen, war das

Detaschement unter Oberst Sydow, das gewissermaßen nur der Ehre wegen in Amsterdam einzog, vollkommen hinrei, chend. — Jubel war in dieser Hauptstadt/ da der hochgeliebte Beherrscher am zweiten Dezember eingezogen, und als souve-

rainer Fürst der vereinigten Niederlande verkündigt war.

Ge­

neral Benckendorf, mit seinen russischen Schaaren, war schon Tages vorher eingerückt, hatte die festen Plätze Muyden und

Halfweg (mit Gewinn von 20 Canonen und 1000 Gefange­ nen) genommen, und seine Cosacken gleich vor gegen das Bra­

banter Land gesendet.

Die Versäumniß, schon von Arnheim

aus in diese Fortschritte mit einzugreifen, kann indeß dem

preußischen Feldherrn nicht zu großem Vorwurf gereichen, da er erst am 2ten, bei'm Eintreffen in Utrecht, die Lage der

Sachen erfuhr.

Sogar glaubte man noch gegen die kleine

Festung Wörden, und die regulairen Linien daselbst, Präcau-

tions nehmen zu müssen.

Sie waren aber verlassen, eben

wie die schon hinter Wageningen angetroffenen der Greppe,

welche, einen Haupteingang in die Provinz Utrecht sperrend, den Schlüssel der starken Vertheidigungslinie ausmachen, di­ hinter Morästen bis nach Amersfort die Gränze deckt.

Nur

den kleinen Küstenplatz Narben hielt der Feind; den Arm des

Rheins aber, der unter dem Nahmen der Lek über Vianen

auf Rotterdam fließt, verließ er, und zog sich hinter die Waal, welche er durch die starke wohlversehene Festung Gor cum fest­

hielt.

Dieser Platz, am Zusammenfluß von Waal und Maas,

ist mit den ihm gegenüberliegenden kleinen Plätzen Worcum und Löwenstein, als doppelter Brückenkopf a.ff diesen Strom­

armen anzusehen, und würde sogar.einer kleinen Flotte von

76 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14, Canonenbiten (auf diesem Schauplatz trefflich zu gebrauchen) zum Stützpunkt haben diene» können, wenn die Franzosen

nicht diesen Zweig der Landesvertheidigung so unbegreiflich vernachlässigt gehabt hätten.

Die Matrosen waren zu Land­

soldaten gemacht, bildeten jedoch mit den bewaffneten Doua­

niers noch den tüchtigsten Theil ihrer Kriegsmacht, die durch Conscribirte aus dem Innern Frankreichs möglichst verstärkt

ward.

So sehr hatte man die Kräfte angespannt, daß sogar

eilt sogenanntes Pupillenbataillon der Garde aus Kna­ ben sormirt worden war.

Ein ausgezeichneter Mann be­

lebte indeß die gespannten Kräfte: der General und Senateur Rampon, derselbe, welcher als Bataillonschef im Feldzug

1796, durch tapfere Vertheidigung der wichtigen Schanze von Milisstmo, Bonapartes glücklichen Debüt vorzüglich begründen half.

Gleichen Dienst, unter veränderten Verhältnissen, schien

er jetzt seinem Beherrscher leisten zu wollen, indem er, mit

von ihm selbst in Antwerpen gebildeten Bataillons erst vor einigen Tagen nach Gvrcum geeilt, die Vertheidigung dieses

Schlüssels von Holland übernommen hatte. General Bülow säumte indeß nicht, das Terrain, das der Feind geräumt hatte, einzunehmen.

Vier Vorpostendeta-

schements wurden sormirt, und dem Oberbefehl des General Oppen übergeben, der mit der Avantgarde bei Dianen und

Culemburg über den Lek setzte. — Major Sandrath mit seinem Detaschement rückte über Meerkerk gegen Gorcum vor.

Der Feind hatte einen starken

Jnfanterieposten vor Arkcl und Spyck, wo die Damme zu­ sammenlaufen.

Hier gab es täglich Gefechte.

Aspern und

Leerdamm (kleine Städte nahe bei einander) wurden mit einem

Bataillon besetzt.

Die Punkte sind wichtig, als Vereinigung

mehrerer Canäle, Dämme und Schleusen, für Schiffahrt und Jnondation.

Oberst Sydow mit seinem Detaschement, nach

zurückgelegtem Streifzuge, ward

vorwärts Culemburg nach

Buuren verlegt, besetzte die Linge bei Geldermalsen, und hatte

A. Feldzug in Holland unter Bülow, seine Vorposten an der Waal, Bommel gegenüber.

An ihn

stieß zur linken Major Kamke, mit einem Dragonerregimcnt

und einem Füstlierbataillon im Städtchen Tiel, das Waalufer auf- und abwärts besetzend, und weiter links an das vierte

Detaschement schließend, welches von Arnheim aus (wo Graf Lottum 2 Bataillons und 4 Escadrons befehligte) gegen Nim­

wegen vorpoussirt war. §.

34.

Es ist hier aber der Ort, das Land einigermaßen zu be­ schreiben, in das ich meine Leser geführt habe.

Daß Holland

im Ganzen niedriger als das Meer, nur durch die Dämme, die der Kunstfleiß errichtet, vor den Wasserfluthen geschützt

wird, kann als bekannt angenommen werden.

Die Rodomon-

tade eines africanischen, Despoten bei einem Streite mit den Holländern, eine Anzahl Schanzgräber hinschicken zu wollen,

die ihr Land ins Meer würfen, mag die Beschaffenheit nicht ganz unrichtig schildern.

Da nun die erwähnten Dämme nicht

allein längs dem niedrigen Küstenland, sondern auch längs den Stroniufern und quer durch die Niederungen als Comman mittelst der

municationswege

geführt ffnd,

Schleusen

nach Willkühr gewisse Theile des niedrigen

auch

so kann

Landes unter Wasser setzen, und dieses Mittels bedienten sich

die Niederländer in ihrem Frciheitskampf gegen Spanien oft

mit großem Erfolg, um den Gegner da mit Flotten zu be­

kämpfen,

wo seine Landmacht Uebergcwicht hatte.

Einen

großen Theil des Jahres hindurch ist indeß die Ueberschwcm-

mung natürlich, und

dient zur Befruchtung der Wiesen,

während die überall hindurchgezogenen kleinen Canäle und

Gräben mit eingedämmten Rändern, das Land wiederum zu Acker- und Gartenbau entwässern.

Dörfer und Gehöfte liegen

demnach größtentheils längs den Dämmen und auf künstlich

erhöhetem Boden, oder sind auch wohl rundum von Dämmen

umgeben.

Wie gegen die Wasserfluthen, so schützt solche Um­

wallung auch gegen den Feind, und es ist leicht einzusehe».

78 U. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. wie Dämme und Verschanzungslinien treten.

sich wechselseitig ver-

Jeder Querdamm ist als Wall zu benutzen, um die

auf ihn zulaufenden Damme zu bestreichen, und die Canäle dienen ihm als Vorgraben.

Der umwallte Ort aber ist ja

dem Begriff nach schon als eine Festung anzusehen.



Die

Richtwege, die quer durch das niedrige Land außer den Däm­

men noch laufen, sind nur Fuß- oder Sommerwege.

Auch

sind nur die Hauptdämme, längs den Stromufern, als Chaus­

seen brauchbar für Geschütz und Fuhrwesen zu jeder Jahres­ zeit, die kleinen Verbindungsdämme dagegen bei Thauwetter grundlos, und beim Frost beschwerlich.

Dies ist hauptsächlich

der Charakter des Landes zwischen den Stromarmen des Nheins

(dem Lek, der Waal) und der Maas, welche Bezirke oder große

Inseln, unter den besonderen Namen

der Bethuve, des

Tieler- und des Bommeler-Waard, bekannt sind.

Des

hohen Haiderückens in Geldern und Utrecht, nach der Seeküste hin, haben wir schon oben erwähnt, und finden Terrain solcher

Art, mit Bruch und Torfmoor vermischt, auch weiterhin auf

dem linken Maasufer, und längs den Brabantischen und Flanderischen Küsten, bei Breda und Antwerpen.

Im allgemeinen

aber ist, bei den vereinigten Provinzen, der reiche Anbau, die Benutzung des Bodens,

und der selbst durch den härtesten

Druck nicht zu verwischende Charakter des Wohlstands, der aus der Cultur hervorgehet, zu bemerken. Die Vortheile, die ein Land solcher Art für die Verthei­ digung darbietet, sind in die Augen fallend, und ein Blick auf die Carte wird hinreichen, um die Hauptpunkte: nemlich die

Vereinigungs- und Kreutzungspunkte der Dämme, und die Zu­ sammenflüsse und Theilungen der Stromarme wahrzunehmen,

welche Punkte theils von den im Vertheidigungskriege erfahr­ nen alten Niederländern schon mit Schanzen und festen Plätzen

verwahrt, theils vermöge der Lokalität, leicht haltbar zu machen

sind.

Viele der als verwachsene Erdwerke der Zeit trotzenden

Schanzen, verdanken der Kriegesperiode des Herzogs von Parma

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

79

ihre Entstehung, und wurden von Spaniern oder von Nieder, ländern, sowohl zu defensiven als offensiven Zwecken, errichtet. Der Charakter eines Volks ist in der Beschaffenheit seines Landes, und in seiner Geschichte gegründet. Begreiflich ist es daher, daß der Holländer das Meer als sein natürliches Ele­ ment. betrachtet, und auf ihm gern Erwerb und Abentheuer suchen mag, der Kriegsdienst zu Lande dagegen seiner Neigung zuwider, und Conscription ihm ein Gräuel ist. Daß es ihm indeß nicht an Kraft und Fähigkeit gebricht, den eigenen Hcerd zu vertheidigen, beweist seine Porzeit — und hat neuerlich die Geschichte unserer Tage genügend bewiese». — Nur in jener späteren Periode, wo die Fehden, größtentheils von den verhältnißmäßig schwachen stehenden Heeren ausgefochten, auf­ hörten Volkskriege zu seyn, konnte bei dem kunstfleißigen und handeltreibenden Volk wohl die Idee herrschend werden, daß man die erforderlichen Besatzungen für die festen Plätze, und die Contingente bei Bündnissen, wohl mit geworbenen oder in Sold genommenen Truppen bestreiten könne, wenn man nur für Geldgewinn sorge*). Stehende Heere allein werden aber eben so wenig als die Volksbewaffnung allein heutzutage einer Nation ihre Unabhängigkeit sichern. Dies fühlten die Holländer, als sie in den Preußen und Russen ihre Befreier begrüßten, und freiwillig überall, wo der Abzug der Franzosen ihnen die Arme frei ließ, die Waffen ergriffen. Hinter Dämmen und Canälen wird auch die geübteste Infanterie nicht mehr leisten können, als der mit der Kugel­ büchse lauernde Landmann. An eine regelmäßige Truppen­ bewegung ist eben so wenig, als an einen geschlossenen Colonnenmarsch oben auf so einem Damm zu denken, wenn der­ selbe von wohlplacirter Artillerie bestrichen ist. Cavallerie ist zur Last, und so dürste kein Land mehr geeigriet seyn, von *) Nach dem nationalen Sprichwort: „hab ich waS da klingt, so

„hab ich auch waS springt."

80 II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. einem gut organisirten Landsturm vertheidigt zu werden, als Nur Artillerie und Befestigungswesen müßten

Holland.

in

möglichster Vollkommenheit erhalten werden. Wir haben beiläufig schon *) des großen Vcrtheidigungsmittels gedacht, einem eindringenden Feinde durch Auswandern mit Haab und Gut die Subsistenzmittel zu entziehen.

Auch

dies System ist in dem wasserreichen und wohl befestigten

Lande leicht und mit geringer Aufopferung auszuführen, und offenbar war es ein Hauptmittel der alten Niederländer gegen ihre Feinde, die Spanier.

Feste Städte, wie Herzogenbusch,

Heusden, Breda, u. m. mit ihrerr umliegenden Schanzen, sind als große feste Läger anzusehen.

Die ganze Volksmenge des

Bezirks, mit lebendem und todtem Eigenthum, kann irr ihnen Schutz und Unterkommen finden.

Obenerwähnte Insel Bom­

mel, durch anliegende feste Plätze und Schanzen wohl ver­

wahrt, ist in der That eine einzige große Festung; und wenig Nachhülfe der Kunst bedürfte es, um auch den Tieler Waard und das anliegende Bethuver-Land auf gleiche Weise haltbar

zu machen.

In einigen Stunden kann sonach der auswan­

dernde Einwohner mit Allem, was er mitnimmt, hinter einem schützenden Stromarm, oder in einem nur auf schmalen Däm­

men zugänglichen Platz, in Sicherheit seyn.

Vertraut ist er

mit dem Gedanken, auf solche Weise dem Ungemach zu wei­ chen; denn ist es nicht gleichviel, ob man vor einem eindrin­ genden Feinde, oder vor einströmender Wasserfluth sein Haus

verläßt?

Wo durch Aufopferungen, die der einzelne Theil zu

rechter Zeit macht, das Ganze gerettet wird, da kann auch der Staat, nach abgewendeter Gefahr, die Entschädigung über­

nehmen, nach dem Muster der bekannten Einrichtungen, die Wasser und Feuerschäden assecuriren. Unabhängigkeit behaupten will,

Jedem Volke, das seine

ist so eine Einrichtung für Kriegs-

*) §. 5. im ersten Bande.

A. Feldzug in Holland unter Bülow. Kriegsschaden anzurathcn.

In keinem Lande aber wird sie

durch Natur und Anbau so begünstigt, als in den sieben Pro­ vinzen und dem anliegenden Brabant.

Als im Herbst 1794 die Ncufranken vor Herzvgenbusch

und Crevecoeur erschiene», und die verbündete Armee unter dem Herzog von Uork sich noch im Bommeler Waard und zwischen der Waal und Maas behauptete, ward das Hollän­ dische Landvolk von seiner Regierung zu allgemeiner Bewaff­

nung aufgesordert.

Schwache und Ungewißheit bei Anwen­

dung der vorhandenen Vertheidigungsmittel benahmen aber

das Zutrauen, und ließen die Rache des Feindes fürchten. Wirklich war schon von einem freiwilligen Aufgeben des Bom­

meler Waard die Rede, und sonach war es menschenfreund­

lich von dem Herzog von 9?orf, jene allgemeine Bewaffnung selbst zu hintertreiben.

Die Schwäche der Befehlshaber zog

bald darauf den

Verlust von Crevecoeur und Herzogenbusch nach sich.

Erste­

res, ein großes casamattirtes und mit festen Wohngebäuden eine wirkliche Festung — ging mit 42

versehenes Fort,

Geschützen und ansehnlichen Munitionsvorräthen, nach einigen Tagen offener Transchee über, und gab den Franzosen die Mittel, Herzogenbusch zu belagern, und die Ueberschwemmung auf der Nvrdseite des Platzes abzuzapfen, da die Schleusen,

welche solche bewirken, durch die kleine Festung verwahrt wer­ den *).

Nun ward auch Herzogenbusch nach einer leichten

*) Crevecoeur liegt am Einfluß des Canals von Engeln in die Maas,

und ist von den Niederländern in ihrem Befreiungskriege erbaut, und den

Spaniern zum Hohn so genannt.

Die Niederländer hatten nemlich den

Spaniern, die noch im Besitz von Herzogenbusch waren, die noch näher

an diesem Platz gelegene Schanze von Engeln, nach einer hartnäckigen Belagerung mit Schiffen, abgcnommcn, und schleiften sie, da die neue Schanze Crevecoeur zu ihrem Zweck, sich auf der Maas zu behaupten, besser gelegen war-

Nachmals aber, als sie selbst in den Besitz von Her»

zogenbusch kamen, stellten sie auch das Fort Engeln wieder her, und ließen

es neben dem vervollkommneten und zum Znondationssystem eingerichteten Lehre v. Krieg, in.

6

82 II. Feld), in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. Belagerung (im Angesicht der verbündeten Armee!) von den Franzosen genommen, und darauf erst konnten sie auf den Winterseldzug

nach

Holland

denken.

Es ist gewiß,

daß

Pichegru und Moreau, mit Mangel an Lebensrnitteln und

Ungemach der Jahreszeit kämpfend, schon auf den Rückzug nach der Schelde bedacht gewesen, und nur von dem rachbe­

gierigen Daendels (vormaligem holländischen Demagogen und als neufränkischer Bürgergeneral das Haus Oranien bekäm,

pfend,) noch angestachelt wurden, das Aeußerste zu versuchen. Dennoch scheiterten mehrere Versuche der Franzosen, sich des

BomrnelcrWaard zu bemächtigen. — Bei den geringfü­ gigen Mitteln und den, Mangel an Plan bei der Verthei­

digung möchte man behaupten, daß er sich selbst vertheidigt

hätte!— bis der den. gewöhnlichen Naturlauf übersteigende Frost den Franzosen den Weg über Maas, Waal und Lek bahnte, und jede Wasservertheidigung unwirksam machte.

Von

Vertheidigung der vorerwähnten Grepplinien, welche die Pro­ vinzen Utrecht und Holland sonst von tier Landseite wohl ver­

wahren können, konnte nun gar nicht mehr die Rede seyn, und überhaupt lag es in der Natur der Verhältnisse, daß die Parthei im Lande, die theils vom Freiheitsschwindel, theils von der Begierde nach Besitzerwerb und Emporkommen besessen

war, den tüchtigen und nüchternen Theil des Volks irre leitete,

und jede noch mögliche Krastmaaßregel lähmte. §. 35.

Wir haben aber bereits oben gesehen, wie die braven

Holländer im Jahr 1813, nach fast zehn Jahr hindurch er­ duldetem Despotismus unter verschiedenartigen Formen,

die

ursprüngliche treue Anhänglichkeit an den gesetzmäßigen Herr­ scherstamm mit Kraft aussprachen.

Bloß auf den Aufruf

eines preußischen Jägerhauptmanns, der zuerst das Land der

Creveeoeur, als einen zweckmäßigen Zwischenpunkt zwischen ihm und der Hauptfeste Herzogenbusch bestehen.

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

63

Bethuve betrat, meldeten sich 8000 Mann zu den Waffen, und ein wackerer junger Edelmann, Baron Brakel, Herr auf

Geldermalsen, übernahm die Anführung.

Der souveraine Fürst

der Niederlande, der das Vergreifen in seine eignen Anord­

nungen Anfangs mißbilligte,

erkannte jedoch bald die gute

Absicht, und bestätigte den Landsturm, so wie den Anführer.

Letzterer erhielt das Oberstlieutenantspatent.

Geburt, Ansehn

im Lande, und die öffentliche Stimme dürften bei Volksbe­

waffnung auch mit Recht für größere Ansprüche gelten, als die gewöhnliche Stufenleiter des Kriegsdienstes.

Doch fehlte

es noch an Waffen, und sie sollten von England geliefert

werden.

Die schon auf Seeland angelangten Gewehre wur­

den aber fürs Erste den Preußen überlassen, um einige tausend

aus Westphalen erwartete noch ungerüstete Ersatzmannschaften wehrhaft zu machen.

Späterhin bedurfte es nicht mehr der

Mithülfe des Landsturms, der jedoch schon durch das Ge­

rücht die sich verstärkende Besatzung von Gorcum im Zaume hielt.

Nach einem leichten Versuch auf den Posten von Leer­

dam in der Nacht auf den 7ten Dezember, verließ der Feind sogar seine Außenposten bei Arkel.

Wie mochte er sich auch

auf einen ungleichen Kampf einlaffen, wenn von den Kirchthürmen, selbst bei den preußischen Vorposten, die Orange­

fahne wehte! §. 36. Unterdeß hatte General Benckendorf mit seinem Detasche« ment die Absicht, über die Meerwede (diesen Namen nehmen

Maas und Waal an) gegen Breda und Gertruidenburg vor­

zugehen.

Der Oberseldherr Bülow von Dennewitz wollte das

Unternehmen unterstützen, und trug dem General Oppen auf, den Bommeler Waard

zu nehmen *).

Die Division von

Kraft ward ihm zugegeben, und das Ganze in zwei Abthei­

lungen, die eine unter dem General von Kraft, die andere

•) Man sehe Pl. VIII.

6*

84

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

unter dem Oberst von Sydow, getheilt.

Der ersten, bestehend

aus 5 Bataillons, einer Jägercompagnie, einer halben Batte­ rie und dem ersten Regiment Leibhusaren, war die Einschlie­

ßung von Gorcum, der Uebergang über die Meerwede, und die Wegnahme von Worcum, Löwenstein und Heusden aufge­

geben, welche Plätze gar nicht, oder doch nur schwach, besetzt

seyn sollten.

Die zweite Abtheilung, aus 5 Bataillonen, (mit

Inbegriff von 5 Jagercompagnien) 3 Cavallerieregimentcrn

und einer Batterie bestehend, sollte, gleichzeitig über die Waal und Maas setzend, den Angriff auf den Bommeler Waard bis an die Thore von Herzogenbusch aüsführen.

Zur Unterstützung

rückte die Division Prinz von Hessen-Homburg gleich bis an

den Lek vor, über welchen bei Dianen und Culemburg Schiff­

brücken geschlagen wurden.

Die Hauptschwierigkeit war, die

erforderlichen Schiffe zum Uebergang int Angesicht des Fein­

des zusammen zu bringen.

Die oberhalb auf der Waal bei

Tiel befindlichen, konnten nicht bei dem mit Artillerie versehe­

nen Fort St. Andre vorbei geführt werden.

Der Feind hatte

diesen wichtigen Punkt und Schlüssel zum Bommeler Waard

wohl in Acht genommen, und tioch außerdem auf dem gegen­ über liegenden hohen Damm bei Roffum Geschütz eingeschnit­

ten, welches den Strom der Waal vollkommen bestrich. Wei­ ter unterhalb hatte der Feind alle Fahrzeuge mit hinüber ge­ nommen, und sie bei Bommel und Löwenstein in seiner Ge­

walt.

Beide Plätze waren stark besetzt.

Mit letzterem schoß

fLh die Reichische Jägercompagnie, die ihm gegenüber hart

am Ufer sich eingenistet hatte, viel herum.

Eben so wurden

die Orte insgesammt auf dem Damm am Waalufer von den

Preußen besetzt.

Der Strom weiter aufwärts gegen Bommel

ist über den wirksamen Flintenschuß breit.

Auf dem Damm

bei Thuyl, Bommel gegenüber, ward schweres Geschütz auf­ geführt und die Anstalt getroffen, nach Heranziehen der Re­ serveartillerie mit 60 Geschützen das Ueberschiffen begünstigen

zu können.

Das Städtchen Bommel (von 600 Häusern)

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

SS

800 Schritt vom diesseitigen Ufer, würde dabei zu Grunde

gegangen seyn.

Der Feind mußte aber durch solche Kraft,

Maaßregel vom Uferrande vertrieben werden, ehe an ein Ueberschiffen gedacht werden konnte.

Mit vieler Mühe waren bei

Thuyl und oberhalb Warik (dem Fort St. Andre schräg ge-

genüber) im Ganzen so viel Fahrzeuge zusammen gebracht worden, um tausend Mann Infanterie überzuführen.

Die

Waal hat eine so starke Strömung, daß das Ueberschiffen

ungewiß und schwierig ist, und man im Zickzack fahren muß, welches, zumal unter dem feindlichen Gcschützseuer, eine miß­ liche Sache ist.

Indeß versuchte

es Major Zglinitzky am

13te» Dezember früh mit seinem Füfilierbataillon und zwei

Compagnien vom Elbregiment, von der Seite von Warik her

gegen das Fort St. Andre, ward aber durch die starke Strö­ mung am Landen verhindert, und genöthigt, nach dem rechten Waalufer zurückzuschiffen.

Am Ilten früh ward jedoch der

Versuch auf kleineren Kähnen, sowohl unter- als oberhalb dem

Fort, mit besserem Erfolge wiederholt.

Mit 120 Mann von

den zuerst gelandeten ging Major Zglinitzky, während die Kähne überschifften, die übrige Mannschaft nachzuholen, gleich auf

das Fort los, das der Feind übereilt auf diesen schwachen Angriff verließ, aber bald darauf, da Verstärkung von Nim­

wegen her eben im Anmarsch war, zurückkehrte, es wieder zu

nehmen.

Die zwei Compagnien vom Elbregiment, die gleich­

zeitig mit jenem gelungenen Angriff, oberhalb dem Fort ge­ landet waren, hatten den abziehenden Feind nur bis Heerwar­

den verfolgen, und den Terrainabschnitt daselbst festhalten sol­ len, waren aber ohne alle nothwendige Vorsicht, über solchen hinausgegangen, und wurden nun von dem verstärkt zurück­

kehrenden Feinde geworfen und zu großem Theil auseinander­ gesprengt, worauf sogleich zwei feindliche Angriffscolonnen ge­

gen das Fort anrückten, den Graben recognoscirten, sich jedoch glücklicherweise zu keinem kräftigen Angriff entschlossen.

Gegen die übrigen Punkte des Bommeler Waard bracht«

86 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 ti. 14. der Tag eben so glückliche Erfolge. — Bommel ist auf der

Landscite mit einem guten Wall von sieben kleinen Bastionen

und einem nasse»» Graben mit Mauerwerk umgebe»», aus der Seite des Stromes aber mit einer tüchtigen Mauer geschlossen. Vor Tagesanbruch der» 14ten Dezember war Alles zum Ein-

schiffci» bereit.

General Oppen, überall wo Gefahr ist voran,

mit so viel Mannschaft als ein großer Kahn fassen konnte, wollte den Zug öffnen, während die Artillerie, in Bereitschaft hinter dem Damm, zu beide»» Seiten von Thuyl ihre ganze furchtbare Wirkung in dem Augenblicke beginne»» sollte, wo

nur ein Zeichei» feindlichen Widerstands bei Bommel sich blicke»»

ließ.

Ei»» kleines Recognoscirungsboot, mit einigen Jägern

bemannt, war indeß vorangesendet, und schwamm hin und

her auf dem Strom in der Morgendämmerung, bis es das Ufer erreichte, und ein frohes Hurrah! und Orange Boven! verkündete, daß der Feind der» Platz so eben verlassen hatte.

Das Ueberschiffen geschah demnach ohne Gefahr, und

die 5 Jägercompagnien, nebst einem schnell hinübergeführte»»

Landwehrcavallerieregiment, wurden sogleich auf den drei Haupt»

wegen, die von Bommel ausgehn, zum Verfolgen entsendet; nemlich nach beiden Richtungen auf dem hohe» Dainm, der rundum längs Waal und Maas das Land einschließt, und

auf dem als Sehne quer hindurch laufenden Binnenweg auf Crevecoeur.

Die Posten bei H eel und Weel, (Einschiffungs­

plätze ar» der Maas) hielt der Feind, und drängte die Reichtschen Jäger zurück, während eine Colonne voi» der Seite von

Gorcum vorrückte.

Der Feind hatte, vermittelst vieler Fahr,

zeuge, eine leichte Gemeinschaft zwischen diesem Platz und

seine»» Außenposten Löwensteiir und Worcum.

General Kraft

mit seiner Colonne war indeß bei Hardingsveld schon über

die Meerwede gegangen, und rückte gegen Hcusden vor.

Den

Ausfall aus Gorcum, der seinen Marsch hatte beunruhigen wollen, hatte er in die Festung zurückgeworfen, und sich, auf

dem Wege nach Heusden, der Forts Worcum und Löwenstein

A. Feldzug in Holland unter Bülow, bemächtigt. Auch Heusden verließ der Feind, mit Zurück­ lassung mehreren Geschützes. Als hiernach General Oppen am 15ten früh von Bommel in drei Colonnen aufbrach, um nach den oben angezeigten Richtungen sich deS ganzen Landsirichs, vorzüglich des Forts Crevecoeur, zu bemächtigen, fand er Löwenstein schon vom General Kraft besetzt, und ereilte die feindliche Besatzung, die auf dem Damm die Maas aufwärts sich zu retten hoffte, bei dem Einschiffungsplatz von Weel. Nach einem kurzen Gefecht ward der Posten genommen, und 90 Gefangene wurden gemacht. Crevecoeur ward vom Feinde verlassen, ohne daß zwei russische Einhörner, die zum Bewer­ fen des Platzes mitgenommen worden, gebraucht werden durs­ ten. Die Ncichischen Jäger schifften von Heel aus hinüber, und besetzten das Fort. General Oppen folgte sogleich auf den Schiffen, die der Feind zurückgelaffen hatte, und ging bis dicht an Herzogenbusch vor, hoffend der Feind werde auch die­ sen Platz verlassen haben. Auf der Citadelle ward jedoch noch Geschütz wahrgenommen, wiewohl die Stadt nur schwach be­ setzt schien. Der Feind hatte sich zuin größten Theil auf Grave zurückgezogen, von wo das Macdonaldsche Corps im Vorrücken war. Es war an seinen Cürassier- und Carabinierabtheilungen unter den Generalen Sebastiani und Edelmanns kenntlich, die auf der Landzunge bei Heerwarden dem Fort St. Andre gegenüber kurz darauf erschienen, als dies Fort, wie oben erwähnt, von dem Major von Zglinitzky genommen war. Dieser brave Offizier sah sich zwei Tage hindurch von einem Angriff bedroht, da 1200Mann in dem starken Posten von Heerwarden bereit standen. Er ward mit Geschütz verstärkt, und wußte durch Contenanz zu ersetzen, was bei den verfalle­ nen Wällen und dem zusrierenden Graben seinem Posten an Stärke abging. Der 15te verging indeß mit drohenden Bewegungen des Feindes. Am 16ten Nachmittags aber erfolgte ein ernsthafter Angriff in drei Colonnen, mit 10 Stück, größtcnthcils Wurf-

88 II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. geschütz.

Man hatte Anfangs nur zwei Canonen und 230

Mann entgegenzusetzen, da zwei Compagnien von dem Füsi­ lierbataillon in den Bommeler Waard waren verwendet wor­

den.

Indeß hatten sich die Angelegenheiten im Allgemeinen

günstiger gestellt.

Der commandirende General Bülow von

Dennewitz hatte nemlich

am löten schon sei» Hauptquar­

tier in Bommel genommen, und drei Divisionen seines Corps

an der Maas und Waal auf der Strecke von Tiel bis gegen

Gorcum versammelt.

Bei Bommel war eine Schiffbrücke ge»

schlagen, welche aber, wegen der starken Strömung, nur mit Mühe erhalten werden konnte.

So in der Nähe und von

der dem Posten von St. Andre drohenden Gefahr unterrich­ tet, erschien der thätige Feldherr Bülow gleich selbst, vorläufig

zwar nur mit der Jägerescadron von Königinn Dragoner, die aber gleich, nebst 100 Mann Infanterie, einen Ausfall machen mußte, der wenn auch nicht weit vorgreifend, doch den An­

griff des Feindes zum Stillstand brachte.

Ueberdies kam der

Abend heran, und die nach und nach anlangenden Verstärkun­

gen von zwei Compagnien vom Negiment Colberg, zwei Com­ pagnien Reichischer Jäger, und die zurückgekehrten zwei beta# schirten von dem Füsilierbataillon, sicherten nun den Posten

vor aller Gefahr.

Ein feindlicher Parlementair mit einem

Trompeter war mit Flintenschüssen abgewiesen worden, worauf denn der Feind in der Nacht auf den 18ten auf den Wegen

nach Nimwegen und Grave abzog.

Unterdeß drohte von der Seite von Breda eine neue Gefahr.

Zwar hatte dieser Platz den Cosacken des General

Benckendorf schon am 12ten Dezember, und Gertruidenburg Tages darauf, seine Thore geöffnet, während Wilhelmstadt,

auch von seiner Besatzung bei'm Anblick derCosacken verlassen,

von beit daselbst landenden Engländern besetzt ward.

Napo­

leon aber, erzürnt daß sein Stellvertreter in den Niederlan­

den *), einzig bedacht den Hauptpunkt Antwerpen zu be') General Graf Decaen.

A. Feldzug in Holland unter Bülow,

haupten, so viele andere Plätze freiwillig geräumt hatte, gebot seinem General Nampon in Gorcum, „diesen ihm anver„trauten Schlüssel der Niederlande mit angestrengter Kraft zu „behaupten, die Dämme zu durchstechen, und sich durch eine „Ueberschwemmung oder ein Eismeer zu decken, sicher der „Unterstützung vertrauend, die er auf den 15ten verheiße. „Fünfzehn Bataillons Garden, zwei gute Batterie» und 2000 „Mann Cavallerie, die früher nach dem Mittelrhein bestimmt „gewesen, würden unfehlbar in Brüssel eintreffcn." Dies war durch ein anfgefangencs Schreiben kund geworden, von welchem die Bemerkung: „daß dieAlliirten keinen bestimmten „Plan zur Campagne hätten", wohl der Erwähnung noch werth ist. Eine Offensive des Feindes, um das verlohrne Terrain wieder zu nehmen, war demnach mit jedem Tage ab» zusehen. 16,000 Mann guter Truppen sollten dazu bereit bei Antwerpen stehen, welchen, mit dem Corps von Macdo­ nald vereinigt, General Bülow mit seinen schwachen Bataillo­ nen an der Maas nicht zu widerstehen im Stande war. Es ward daher Botschaft nach dem Haag gesendet, mit dringen­ der Aufforderung, die im Organisiren begriffene niederländische Kriegsmacht, und das bei Stiel gelandete engländische Corps, wirken zu lassen. Erstere aber reichte noch kaum hin, die ge­ nommenen Seeplätze zu besetzen (auch mußten Delfzyl und Narben, und die Flotte im Lexel, die von Napoleon noch nicht lassen wollte, bloquirt werden); letzteres, kaum völlig ausgeschifft, war noch nicht im Stande zu operiren. General Benckendvrf mußte daher, in Verbindung mit dem Streifcorps von Colomb, vorläufig seinem guten Glück überlassen und sein Centralpunkt Breda als ein Vorposten betrachtet werden. In­ deß streiften die Cosackcn bis an die Thore von Brüssel. Man hat cs Napoleon zum Vorwurf gemacht, daß er Alles habe decken, keinen festen Platz und keinen Fußbreit Landes freiwillig habe aufgeben wollen, und darüber sogar den Hauptpunkt Antwerpen in Gefahr gesetzt habe. Man sieht

90

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

es als eine schnöde Verachtung aller Verhältnisse an, daß er jetzt seinem neuen Statthalter, dem Herzog von Plaisance, Beseh! gab, Breda wieder zu nehmen, und wohl mag dieser Tadel, da die Sachen nun einmal so schlecht für ihn standen, gegründet seyn. Doch ist mindestens die Hartnäckigkeit des Mannes von Genie nicht zu verkennen, der fühlt: er würde, wäre er zur Stelle gewesen, zum richtigen Zeitpunkt andere Maaßregeln getroffen haben, als die halben seiner Generale. War Marschall Macdonald am 26sten November mit seiner Spitze schon bis nach Arnheim, und mit seinem Ganzen einige Tage später zur Unterstützung des Platzes herangcrückt, so bleibt die Frage, warum tr nicht zwei Tage frü­ her einen Schritt weiter ging, und dem General Oppen an der Vssel entgegentrat *). Am ganzen Niederrhein, bis gegen Coblenz hin, war kein Feind als der Bergische Landsturm ge­ genüber zu sehen, da Fürst Blücher schon von Mitte Novem­ bers an in den Quartieren gegen Mainz stand. Den Rhein, auf der Strecke bis nach Bonn zu bewachen, genügte die Cürassierabtheilung vollkommen, die ohnehin auf den Dämmen von Holland entbehrlich war. Blieb unterdeß Molitor bei Utrecht stehen, so konnte er die Provinzen wohl noch länger im Zaume halten, wozu er von den dann nicht nothwendigen 4000 Mann in Gorcum einen Theil mit verwendet hätte. Die nachgezogenen Verstärkungen konnten das Küstenland be­ wahren, und die Landung des Fürsten der Niederlande und der Engländer vielleicht verhindern. Besatzungen in allen festen Plätzen wären nicht nöthig gewesen, da das Volk sich wohl schwerlich aufgelehnt haben würde, so lange es ein französi­ sches Corps nah' an der Pssel, und ein versammeltes bei Utrecht wußte. Durch diese Anordnungen konnte ohne Zweifel die verbündete Nordarmee, wenn sie dennoch die Uffel überschritt. *) Napoleon glaubte ihn wirklich noch am Mstcn November daselbst. Eiehe Koch's tnemoire« etc.

A. Feldzug in Holland unter Bülow, in einen langwierigen Feldzug zwischen den Strömen von Hol­ land verwickelt werden, und würde nicht bei Laon, nicht bei der Entscheidungsschlacht von Montmartre, zugegen gewesen seyn; — ein reiner Gewinn für das Verhältniß der Streit­ kräfte, da der Defensivkrieg in Holland mit verhältnißmäßig geringern, als diejenigen der Verbündeten, geführt werden konnte. In den Fehler, sich in Besatzungen zu zerstückeln, waren indeß die Preußen, bei ihrer momentanen Defensive an der Maas und Waal, im Begriff zu verfallen. Die großen Forts mitgerechnet, wovon jedes mindestens tausend Mann gegen einen ernsthaften Angriff bedurfte, waren acht Plätze, die jeden Augenblick angegriffen werden konnten, zu besetzen, Gorcum und Wesel zu bloquiren, Nimwegen zu beobachten, und eine Avantgarde gegen den Hauptfeind bei Antwerpen aufzustellen. Die Ankunft des Corps von Winzingerode, das, von Bremen her im Marsch, die Einschließung von Wesel übernehmen sollte, ward daher mit Sehnsucht erwartet. Dann war das Wie­ derergreifen einer ernsthaften Offensive möglich, zu der die Di, Vision von Borstel von Wesel gleich herangezogen werden sollte. Eine Division mußte auf alle Fälle gegen Gorcum stehen bleiben, alle übrige feste Punkte konnte aber wohl der Landsturm besetzen. Bis zu solchem günstigen Verhältniß mußte man unstreitig, im Fall eines ernsten Angriffs, auf eine Vereinigung rückwärts, etwa bei Utrecht, gefaßt seyn. Jene Plätze insgesammt mit den nothwendigen Vertheidigung^ Mitteln zu versehen, war man gar nicht im Stande, und un­ zulängliche hineinlegen, hieß sie dem Feinde überliefern. Die Menge der festen Plätze kann nur in sofern die Er­ haltung eines Landes begründen, als sie von den Einwohnern vertheidigt werden. Auch verdanken die Städte, vorzüglich die niederländischen, ihre Befestigung größtentheils jener Periode, wo die Bürger aus eignen Mitteln die kleinen Heere, die der Angreifende nur ins Feld pellen konnte, von ihren Mauern abzuhalten wußten.

92 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1313 u. 14.

§. 37. Wenn aber

bei fortschreitendem Kriegsglück die Wahr­

heit, daß man oft der zu verwahrenden Plätze mehr im Besitz

hat als zu wünschen, gefühlt wird, so bleibt es doch schwer, eine sich darbietcnde Gelegenheit zu verschmähen, wiederum eine feste Stadt zu erobern, wär's auch nur, um deren Schlüssel

den übrigen Trophäen anzurcihen.

Für solchen Kricgsruhm

nicht unenipfänglich war der preußische Befehlshaber von Crevecoeur, vor dem da lag.

das weitläuftige Herzogenbusch einladend

Ein junger Offizier hatte die Keckheit gehabt, eine

Art Aufforderung an den französischen Commandanten ergehen

zu lassen, und deutete die nicht deutlich bestimmende Antwort

auf nicht völlige Abneigung sich zu ergeben, wenn nur ein

anständiger Vorwand vorhanden sey.

Der Besitz der großen

Stadt, der Kricgsmittel, die er enthielt, und vor Allem der

Ruhm der Eroberung, überwogei» auch bei dem Feldherrn von Dennewitz die wohl gefühlte Schwierigkeit der Behauptung.

So ward denn ein Versuch auf Herzogenbusch auf den löten Dezember früh beschlossen und dem General Oppen aufge­

geben, mit so geringen Mitteln jedoch, daß mair mehr von der Unterhandlung, als von der Gewalt hoffen durfte.

Mit

2 Bataillonen, 2 russischen Einhörnern, 2 leichten Geschützen

und

einem Cavallerieregiment

ging General Oppen selbst,

von seinem Vorposten Heel (Hebel) noch vor Tage auf Schiffen nach Crevecoeur hinüber, konnte aber wegen der wenigen Fahr­

zeuge und der grundlosen Wege, die seine Truppen zu marschiren hatten, erst um 11 Uhr bei dem vom Feinde verlasse­

nen Fort Orthen anlangen,

das er besetzte.

Auch General

Kraft, der mit einem nicht stärkern Detaschement auf der an­ dern Seite, von Heusden her, gegen Herzogenbusch vorrücken

sollte, hatte Hindernisse gefunden, und war noch nicht ange­

langt.

Tirailleurs und Cavallerietrupps wurden indeß längs

dem Damm bis dicht an das Stadtthor gesendet, und erstere setzten sich in den vorliegenden Häusern fest.

Das Geschütz

A. Feldzug in Holland unter Bülow.

93

ward hinter dem Damm bei Orthcn, der Citadelle Papenbrill gegenüber, placirt, von welcher man durch die bis an de»

Damm reichende Ucberschwemmung getrennt war.

Das Ca-

vallcrieregiment ging nach der Seite von Grave gegen de» möglichen Entsatz auf Erkundigung vor, und Oberst Valentins

ward nach der Festung gesendet, mit einem Aufforderungs­ schreiben vom Oberseldherrn, in den gewöhnlichen höflich-über»

Von bewaffneten

redenden Formen.

Seesoldaten

am Ein­

gänge, bei einem noch zu überschiffenden Vorgraben, empfan­

gen, ward er dem Commandanten gemeldet, und mit verbun­

denen Augen eingelassen.

Der Commandant, ein alter fran­

zösischer Ofsizier

anständigen Formen der Vorzeit,

in den

beantwortete das Ausforderungsschreiben vor seinem versam­ melten Kriegsrath

verneinend:

„Die Achtung des General

„Bülow sey ihm zu werth, als daß er sie durch Uebcrgabe

„eines ihm anvertrauten Platzes verlieren wollte;" und mit der Art des Mannes von Ehre Obersten:

und Sitte fragte er de»

„was er selbst von ihm denken würde, wenn er

„sich ergäbe, ohne angegriffen zu seyn? Nicht einmal eine zu

„erwähnende Macht sehe er!"



Wer die Ehre auch im

Gegner schätzt, wird solchen Gründen nur militairische ent­

gegensetzen können.

Zu solchen gehörte die Wcitläuftigkcit des

Platzes für die bekannt schwache Besatzung.

Doch deutete

der Commandant aus seine Citadelle, auf deren Haltung er

sich im äußersten Falle beschränken könne.

So trennte mast

sich mit gegenseitiger Höflichkeit. Der französische Befehlshaber wich auch mit der That

nicht ab von dieser fast aus dem Gebrauch gekommenen KriegsUrbanität.

Die Truppen bei dem Fort Orthen hatten sich,

die Gefahr nicht beachtend, in Klumpen auf dem Damm zufammcngestellt, einladend für den Feind, das Geschütz von

Papenbrill, das

nur einen guten Kartätschschuß entfernt

war, spielen zu lassen.

Er verschmähte aber die Gelegenheit

Schaden zu thun, und General Oppen wollte mit gleicher

94 II. Feld;, in Holland ». Frankreich 1813 u. 14.

Schonung auch sein Geschütz schweigen lassen, und der Stadt unnützes Ungemach ersparen. Nur die Nacht wollte man ab­ warten, um in der Stille abzuziehen, als General Kraft, aus der andern Seite des Platzes angelangt, wo er das Fort Isa­ belle verlassen gefunden und besetzt hatte, die Festung mit einem Canonenschuß begrüßte. General Oppen, der dies Ca> nonenseuer von der Festung ausgehen glaubte, wollte den Kriegsgefährten nicht allein dem Gefecht überlassen, und ließ die Citadelle aus den russischen Einhörnern bewerfen. Der Feind antwortete aus solcher mit drei schweren Geschützen zuerst mit einer Lage von Kartätschen, die in die Ueberschwemmung fielen, und wohl nur das auf den Coup de main ein­ gerichtete Geschütz entladen sollten; denn die fortgesetzte leb­ hafte Canonade - geschah mit Kugeln, größtentheils auf der Krone des Danimes aufgesetzt, und so nah' als nur möglich am Ziele, doch ohne zu schaden, über die dicht hinter dem Damm gestclltci» Truppen und Geschütze hinweggehend. Eine nochmalige Anknüpfung von Unterhandlungen ward versucht, glücklicherweise jedoch vergeblich; denn eben ward von der ge­ gen Grave vorgeschickten Cavallerie gemeldet, daß sie auf ent­ gegenkommende feindliche Cürassiere gestoßen sey. Dies ließ ein Vorrücken des Macdonaldschen Corps vermuthen, und der sonderbare Fall hätte eintreten können, daß, im Fall der Com­ mandant den Platz zu übergeben anbot, und vielleicht nur in der Citadelle noch einige Zeit zu gewinnen suchte, man ent­ weder das Anerbieten ausschlagen oder sich der Gefahr aus­ setzen mußte, in dem übernommenen weitläuftigen Ort selbst eingeschloffen zu werden. Prinz Friedrich der Niederlande und Prinz Wilhelm Radzivil waren zugegen bei dieseni Unterneh­ men, das mehr wegen Sitten- und Charakterschilderung als daraus zu ziehender Kriegslehre der Aufbehaltung werth seyn dürste. §. 38. Die von der preußischen Cavallerie nach der Seite von

A. Feldzug in Holland unter Bülow. Grave entdeckten Cürassiere waren wirklich vom Vortrabe des Marschall Macdonald gewesen, der, erhaltenem Befehl zu­ folge, im Vorrücken auf Herzogenbusch begriffeir war, während General Noguet mit allen bei Antwerpen versammelte»» Trup­

pen schleunig auf Breda marschiren, cs wieder nehmen und

die Gemeinschaft mit Gorcum herstellen sollte. der ausdrückliche Wille Napoleons.

So lautete

Alle bei Brüssel versam­

melten Truppen mußten schleunig nach A»»twerpen vorrücken, und was noch irgend im Innern zur Hand war, ward heran­

gezogen, und vorläufig bestimmt, in dem verschanzten Lager

von Antwerpen seine Organisation zu neuer Offensive zu voll­

enden. Am 19ten Dezember (a»r gleichem Tage also mit dem preußische»» Versuch auf Herzogenbusch) brach General Roguet

mit 6000 Man»» und 800 Pferden von Antwerpen auf, und trieb die russischen Vorposten von Westwesel (auf halbem Wege nach Breda) zurück.

Am 20stcn vor Breda angelangt, schloß

er den Platz ein, und haubitzirte ihn die Nacht hindurch. General Benckendorf und Major Cvlomb, mit nur we­

niger Infanterie und einigen Canonen versehen, befanden sich mit ihrer zahlreichen leichte»» Reuterei hinter Wall und Mauer, in einer für Partheigänger ungewöhnlicher» Lage.

Doch be­

haupteten sie sich standhaft, enviederten mit ihrem leichten Geschütz das feindliche Feuer nur schwach, und erhielten am

Listen eine Verstärkung

an Artillerie von Wilhelmstadt her,

da durch glücklichen Zufall, ein in der Nacht zuvor von einen»

Zuge auf Brüssel rückkehrendes Streifcorps der Festung etwas Luft gemacht hatte. Feindes

Dies gab die Mittel, die Angriffe des

auf die drei Thore den Tag hindurch abzuschlagen.

Abends 10 Uhr fing die Haubitzade wieder an, und ward aus

der Stadt lebhafter beantwortet, bis gegen Morgen die Be­ lagerer, aus Mangel an Munition, schwiegen.

Unterdeß hatte General Kraft Befehl erhalten, von Heusden her schnell zum Entsatz von Breda zu marschiren, u»»d

96 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. war bis Gravemoer und Donge vorgerückt.

Die Schwäche

seines Detaschements mußte durch Nachtmarsch und Kühnheit verborgen werden. Oberst Sandrath, mit dem Isten schwarzen Spitze machend,

Husarenregiment die

stürzte sich auf den

Feind, der bei Dorst und Upelaar zur Observation stand, warf die Garde-Chasseurs über den Haufen und machte Gefangene. Von den Engländern (unter dem General Graham bei Wil­

helmstadt ausgeschifft) war ein Detaschement bis über Sevcn-

berg gegen Breda vorpoussirt, so daß der Feind zwei HauptCorps der Verbündeten gegen sich vorrücken glaubte, und Ge­ neral Lefebre-Desnouettes, der den Oberbefehl des Blocadecorps

hatte, den Rückzug auf Antwerpen für noth­

übernommen

wendig hielt, und im Winternebel ausführte.

sich bei Hogstraten.

Doch setzte er

Die Gefahr, für das nur einen Tage­

marsch entfernte Breda, war mithin noch nicht vorüber. — Wenn Marschall Macdonald, der zwischen der Waal und

Maas bei Nimwegen stand, sich mit Lefebre-Desnouettes ver­ einigte, so war der preußische Feldherr solcher Uebermacht nicht

gewachsen.

Bewegungen des Feindes bei Grave deuteten auf

so eine Vereinigung.

General Bülow wünschte sie zu ver­

hindern, konnte aber auf die Mitwirkung der Engländer zu einer kräftigen Offensive noch nicht rechnen.

Indeß war für

das schwache Corps nichts gefährlicher als die Defensive.

Da­

mit der Feind seinen Vortheil nicht wahrnehme, war täglicher kleiner Krieg

heim

einzig anwendbares Mittel.

recognoscirte

am

General Stutter-

26sten Dezember gegen Nimwegen,

und Oberst Sydow gleichzeitig von

den Forts St. Andre

und Crcvecoeur aus längs der Maas und Waal.

Sie brach­

ten aus dem bestandenen Gefecht das beruhigende Resultat,

daß der Feind auf seiner Vertheidigung zwischen beiden Flüssen beharre.

Die

Division von Thümen ward

im Bommeler

Waard concentrirt, die von Borstel von der Avantgarde des

Corps von Winzingerode vor Wesel abgelöst, und heranbcordert. Auf

A. Feldzug in Holland unter Bülow. Auf ihre Ankunft beruhte die Hoffnung des General Bülow,

bald Entscheidendes unternehmen zu können. §. 39. Nur mit 12000 Mann

konnte indeß General Bülow

die beschlossene Operation auf Antwerpen und Brüssel begin­ nen; denn Gorcum und Herzogenbusch mußten eingeschlossen,

Nimwegen beobachtet und die genommenen festen Städte und Posten, welche

den Rücken sicherten,

besetzt werden.

Die

feindlichen Streitkräfte wurden auf 30000 Mann angegeben,

das auf 6 bis 7000 Mann gerechnete Macdonaldsche Corps mit inbegriffen, das aber, wahrscheinlich schon den Zug über

Namur ins Innere Frankreichs vorbereitend, sich bis Venlo, die Maas hinauf, gezogen hatte.

Ueber das Corps bei Hog-

straten, welches den Namen des Ersten erhielt, und den gan,

zen Kriegsschauplatz, von welchem Antwerpen als der Central­ punkt angesehen

werden kann,

hatte General Maison den

Befehl übernommen, und Einheit und Kraft in die Verthei­

digungsmaaßregeln gebracht.

Ihm gegenüber zog Bülow sein

schwaches Corps bei Breda zusammen, fast genöthigt gegen den überlegenen Feind das Glück zu versuchen, da selbst un­ günstiger Erfolg minder gefährlich war, als Rückschritt.

Der

Eisgang hatte die Passage auf den Strömen gehemmt.

Die

Schiffbrücken über die Waal und Maas mußten abgebrochen werden, und das am 6tcn Januar bei Düsseldorf angelangte

Corps von Winzingerode konnte nicht über den Rhein kommen. Den Ilten Januar rückte demnach General Bülow ge­

gen den Feind vor, während Abtheilungen von leichter Reu­ terei,

bis gegen Venlo und Röremonde streifend, die linke

Flanke deckten, und den mit seinem Gros bei Geldern stehen­

den Marschall Macdonald im Auge behielten.

In drei Co-

lonnen geschah der Angriff auf die feindliche Stellung von Hogstraten mit Westwesel.

Der Feind ward in fortwährendem

Gefecht den 12ten und 13ten hindurch bis in die Vorstädte »oit

Antwerpen

zurückgcworfen,

Lehre v. Krieg. III.

wo

eine Abtheilung

7

von

98 II. Feld), in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. 4000 Mann Engländer, deren übrige Macht Bergenvpzoom eingeschloffen hielt, sich mit den Preußen vereinigte.

Immer war es ein Hauptaugenmerk der Engländer, die sich

bildende Seemacht in

diesem Wasscrplatz

zu zerstören.

Napoleon hatte unglaubliche Summen auf Erweiterung des

Hafens verwendet,

Bassins,

in welchen Kriegsschiffe liegen

konnten, ausgraben lassen, und Schiffwerfte angelegt.

Die

in früherer Zeit wegen ihres Reichthums berühmte Handels­

stadt von 200,000 Einwohnern, jetzt arm und arif eine Be­

völkerung von 60,000 herabgesunken, sollte (so war die 21b-

sicht des Eroberers) zu ihrem ursprünglichen Glanze erhoben als Kriegs- und Hafenplatz, der Sitz einer auch die

und,

Meere beherschenden Flotte werden. Wurfgeschütz

heimzusuchcn,

Stadt und Hasen mit

war daher natürlicher Gedanke,

wo engländischer Einfluß wirksam seyn konnte.

Auch machte

General Thümen, der die Vordertruppen der Preußen befeh­

ligte, den Versuch mit schwachen Mitteln. noch ernstlicher Angriff war

Weder Haubitzade

aber mit Anschein von Erfolg

anwendbar gegen einen starken Platz, der von 12000 Mann

tüchtiger Besatzung, und dem in der Noth zu seinem Bona­

parte zurückgekehrten Republikaner und Kriegskünstler Carnot vertheidigt ward.

Daher zog der preußische Feldherr sein

Corps bis nach Breda, die Avantgarde unter dem General

von Borstel aber nur bis Hogstraten zurück, zufrieden durch dm Zug nach Antwerpen fünf Tage köstlicher Zeit gewonnen

zu haben, in welcher sich die Umstände merklich gebessert hat­ ten.

General Wiirzingerode hatte

am 13ten

seinen Rhein­

übergang bei Düsseldorf beginnen können, und das 3te Deutsche Armeecorps, aus Sachsen gebildet, unter seinem Feldherrn

dem Herzog von Weimar, war im Anmarsch durch Westphalen nach dem Rhein, bestimmt den Krieg in den Niederlanden zu

führen.

Bis zu dessen Ankunst deckte Bülow mit seinem Ob-

servationscorps

bei Breda die Blocaden von Gorcum und

A. Feldzug tn Holland unter Bülow.

VS

Herzogenbusch, von welchem letztern großen Platz die schwache

Besatzung sich in die Citadelle Papenbrill geworfen hatte. —

Wie auch dieser feste Punkt, in der Nacht zum 26sten Januar, mit Hülfe der Oranisch gestnnten Einwohner von Herzogenbusch, von dem General von Hobe angegriffen und zur Uebergabe mit 800 Mann Besatzung und 80 Geschützen

gezwungen ward; wie auch Gorcum dem zur Blocade zurück­ gelassenen General von Zielinsky späterhin seine Thore öffnete, der Oberfeldherr Bülow dies aber nicht abwartete, sondern dei

Ankunft des Herzogs von Weimar am Rhein, mit zwei Di­

visionen und der Reservecavallerie, zu einem neuen Versuch

gegen Antwerpen vorrückte; wie am Isten Februar der Feind in seiner festen Stellung vor dem Platz angegriffen und ge­

worfen ward; wie am folgenden Tage, gemeinschaftlich mit

den Engländern, der Angriff bis an die Thore fortgesetzt und bis zum 6ten erneutes doch wenig wirksames Bombardement versucht ward; wie hierauf das preußische Corps, mit Aus­ nahme der bei dem Herzog von Weimar zurückgebliebenen

Abtheilung des

General von Borstel,

über Mecheln nach

Brüssel marschirte, am I3ten Februar aber wieder aufbrach, über Mons auf dem geradesten Wege nach Laon, wo es schon

den Lasten Februar anlangte, und der Vereinigung mit dem sich nähernden schlesischen Kriegsbeere wartete; wie unterdeß General Winzingerode dem über Mastricht, Namur, Meziöres und Rethel

nach Chalons

zurückziehenden Macdonald

bis

Mezieres gefolgt, von da aber über Laon nach Soiffons

marschirt war, und diesen festen Ort am Ilten Februar durch einen glücklichen Handstreich genommen, nach einigen Tagen

aber wieder aufgegeben hatte, um den I7ten bei Epernay

die Vereinigung mit Blücher an der Marne zu suchen; wie der stets auf Unternehmung sinnende Bülow auch den noth­

wendigen Stillstand

bei Laon durch die Eroberung von La

Före benutzte, welcher» kleinen,

aber mit großen Artillerie7 * •

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

100

Vorräthen versehenen Platz,

General Thümcn

am 28sten

Februar einnahm; — alle diese rühmlichen und glänzenden

Waffenthaten möge eine

andere

Feder beschreiben,

da ich

meiner Absicht gemäß nur dasjenige ausführlich schildere, wo­

von ich

B.

Zeuge oder Lheilnchmer war.

Feldzug tu Frankreich 1814; vorzüglich der schlesischen Armee, unter Blücher. a.

Rheinübergang.

§. 40. Gehen wir von der Holländischen Gränze bei dem ein­ geschlossenen Wesel vorbei, den Rhein hinauf, so finden wir

auf der Seite der Verbündeten Alles in lebhafter Waffenbe­

wegung; den Bergischen Landsturm (bei 11000 Mann) Bereitschaft, voll Muth und gutem Willen;

in

in Düsseldorf

eine Besatzung von russischen und sich neu bildenden Truppen; gegenüber auf dem linken Rheinufer nur einzelne Franzosen, Batterieaufwürfe ohne Geschütze und unvollkommene Verthei-

digungsanstalten, weiter aufwärts das wcitläuftige alte Cöln

wie ausgestorben und fast unheimlich anzuschauen.

Auch ver­

barg es den lauernden Feind Sebastiani, der mit seiner Cürassierabtheilung und

einem Jnfanteriecorps

noch

in dieser

Gegend herrschte, und die gut deutsch gesinnten Einwohner abhielt, sich am Ufer zu zeigen.

Indeß schien die ehrwürdige Stadt eine leichte Eroberung,

wem» man wagen wollte hinübcrzuschiffcn.

Major Bolten­

stern, Partheigänger und Führer einer Schaar Gardejäger, an

die eine Anzahl Cosacken und Landsturmhaufcn sich schloffen,

konnte dem Thatendurst nicht widerstehen, und versuchte es mit mehr Muth als Vorsicht.

Von Mühlheim war er mit

stark bemannten Schiffen übergefahren, und landete unweit

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

100

Vorräthen versehenen Platz,

General Thümcn

am 28sten

Februar einnahm; — alle diese rühmlichen und glänzenden

Waffenthaten möge eine

andere

Feder beschreiben,

da ich

meiner Absicht gemäß nur dasjenige ausführlich schildere, wo­

von ich

B.

Zeuge oder Lheilnchmer war.

Feldzug tu Frankreich 1814; vorzüglich der schlesischen Armee, unter Blücher. a.

Rheinübergang.

§. 40. Gehen wir von der Holländischen Gränze bei dem ein­ geschlossenen Wesel vorbei, den Rhein hinauf, so finden wir

auf der Seite der Verbündeten Alles in lebhafter Waffenbe­

wegung; den Bergischen Landsturm (bei 11000 Mann) Bereitschaft, voll Muth und gutem Willen;

in

in Düsseldorf

eine Besatzung von russischen und sich neu bildenden Truppen; gegenüber auf dem linken Rheinufer nur einzelne Franzosen, Batterieaufwürfe ohne Geschütze und unvollkommene Verthei-

digungsanstalten, weiter aufwärts das wcitläuftige alte Cöln

wie ausgestorben und fast unheimlich anzuschauen.

Auch ver­

barg es den lauernden Feind Sebastiani, der mit seiner Cürassierabtheilung und

einem Jnfanteriecorps

noch

in dieser

Gegend herrschte, und die gut deutsch gesinnten Einwohner abhielt, sich am Ufer zu zeigen.

Indeß schien die ehrwürdige Stadt eine leichte Eroberung,

wem» man wagen wollte hinübcrzuschiffcn.

Major Bolten­

stern, Partheigänger und Führer einer Schaar Gardejäger, an

die eine Anzahl Cosacken und Landsturmhaufcn sich schloffen,

konnte dem Thatendurst nicht widerstehen, und versuchte es mit mehr Muth als Vorsicht.

Von Mühlheim war er mit

stark bemannten Schiffen übergefahren, und landete unweit

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher. Cöln.

101

Kaum auSgeschifft, kam ihm »«erwartet feindliche Ue.

bermacht von allen Waffen aus der Stadt entgegen. Mannschaft drängte sich zurück nach den Schiffen.

Seine

Einzelne

fuhren zu früh hinüber, und veranlaßten Ueberfüllung in den

zurückgebliebenen Fahrzeugen und Verlust bei der Abfahrt vom User.

Der tapfere Führer wollte sich nicht retten, bis alle

seine Mannschaft eingeschifft war, und stürzte sich, der Letzte am feindlichen Ufer,

zu Pferd in die Wellen des Rheins.

Von feindlichen Schüssen erreicht, fand er rühmlichen Tod. Ein Denkmal auf dem Gipfel des Drachenfels am Ufer des Rheins, da wo das Siebengcbirg vom Strome begränzt wird,

ehrt würdig die That. —

§. 41. Des allgemeinen Rhcinübergangs Blüchers in der Neu­ jahrsnacht, von welchem der Versuch auf Cöln nur ein unter­

geordneter Nebcnact ist, haben wir schon erwähnt*).

Von

Ehrenbreitstein und von der Mündung der Lahn aus, war das

russische Corps

unter Graf St. Priest hinübergeschifft,

hatte die Verschanzungen, und die Stadt Coblenz gegen­ über, nach lebhaftem Gefecht in der Nacht schon genommen,

und die feindliche Abtheilung Durutte fast umringt, so daß sie nur mit Verlust von Geschütz und Mannschaft sich nach der Seite

des Hundsrück rettete.

Indeß ging das Ueber»

schiffen langsam von statten, und nur einzelne Abtheilungen

konnten zum Verfolgen und Ausspähen ausgesendet werden. Eine derselben bemächtigte sich des Städtchens Andernach, und machte daselbst Gefangene und Beute von Kriegsvorrath,

in Schiffen auf dem Rhein.

Weiter abwärts kamen feind­

liche Cavallcriehaufen, von dem thätigen Sebastiani entsendet,

den im Thäte vorrückenden Russen, die den Höhenzug ver­ nachlässigt hatten, entgegen und hieben ein.

Größerer Vor­

theil noch ward aber den Franzosen durch das Treibeis auf

’) §. 75 im ersten Bande.

103 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. dem Rhein, das alle Truppen, die nicht am ersten Tage hin»

übergekommen waren, aufhielt und Graf St. Priest nöthigte, mehrere Tage in Coblenz zu verweilen, bevor er mit seinem

auf Malmedy nach den Ardennen

Ganzen über Andernach

vorrücken konnte.

Eine russtsche Besatzung blieb zurück in

dem wichtigen Kriegsplatz.

Als eine merkwürdige Erscheinung

vom Wechsel des Glücks darf wohl der Säule gedacht wer­ den, die mit pomphafter Inschrift von dem französisch-bona»

partischen Präfecten auf dem Marktplatz des Orts errichtet worden war, um den Tag des französischen Einzugs in Mos­

kau zu verewigen.

Der russische Befehlshaber machte nun­

mehr diese Säule zu einem Denkmal eigenen Nationalruhms,

indem er seinen Nahmen, mit einem gesehen und geneh, migt, unter die französische Inschrift setzte. —

§. 42. Der Rhein, auf der ganzen Strecke von Bingen nach

Coblenz, fließt zwischen schroffen Felshöhcn, auf die nur durch enge Schluchten und sich schlängelnde beschwerliche Wege zu kommen ist.

Die Wege längs dem Strom laufen schmal am

Fuß der Felsen, und die Städte und Dörfer des reichbebauten Thals sind zusammengedrängte Steinmassen, die Straßen eng

und finster, die meisten von Trümmern alter Schlösser be­

herrscht.

Ungünstigere Lokalität

nicht gefunden werden.

zu einem Uebergange kann

Doch wissen wir, daß schon 1793

die Stelle bei Bacharach

gewählt ward.

Die Neufranken

unter Custine standen aber zu der Zeit hinter der Nahe, wur­

den von dem schon über den Rhein vorausgegangenen Partheigänger Scekuly beschäftigt, und kein Widerstand war zu

erwarten.

Jetzt statid der Feind am linken Ufer, hatte Ober­

wesel und Bacharach besetzt *), und unter seinen Augen mußte

•) Die Bunaische Carte gewährt die beste Uebersicht; auch die zu der Lehre

vom

brauchbar.

klemm Krieg

benutzte

von der Pfalz am Rhein ist hier

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher. übergcschifft werden.

General York ließ

103

schweres Geschütz

hinter die Ruinen von Guttenfels, an deren Fuß das Städtchen Caub liegt, und auf der andern Seite des hier in den

Rhein fließenden Baches, placiren, Jäger und Schützen den

Uferrand, wo der Strom irgend zu überschießen war, und die

kleine Insel, auf welcher die sogenannte Pfalz liegt, besetzen. Sein Corps fland Nachts

in

dichten Colonnen im Thale;

hirrter ihm abwärts von Caub das russische unter Graf Lan-

gervn.

Blücher, der Obcrfeldherr, war zugegen.

Um 2 Uhr nach Mitternacht schiffte Graf Brandenburg mit 200 Füsilieren hinüber, und ward gleich mit Tirailleur-

und Canonenfcuer von dem aus Bacharach und Oberwcsel her­ beieilenden Feinde empfangen.

General Hünerbein, der die

Avantgarde befehligte, war indeß eilig mit größeren Massen in Schiffen gefolgt, und ordnete, was gelandet war, zum Gefecht.

Mit Tagesanbruch rückte der Feind mit einigen

Canonen und einem Schwarm Infanterie gegen ihn an.

Nur

einer geordneten Division hätte der Feind bedurft, um den ganzen Uebergang hier scheitern zu machen; denn die bei Caub

im reißenden Strom und auf Felsgrund mühsam zu schla­

gende Pontonbrücke ward erst folgenden Tags (am 2ten Ja­ nuar) Morgens 9 Uhr fertig.

Doch wußte man vorher, daß

der Feind nicht so viel Truppen, um einen ernsthaften Wider­ stand zu leisten, hier zusammenbringen konnte, und so war cs zweckmäßige Wahl, das linke Rheinufcr auf der Strecke

zu betreten, von welcher die Hauptwege nach der Nahe und Mosel ausgehen. Der schwachen feindlichen Abtheilung gingen die Schützen

der preußischen Avantgarde muthig auf den Leib.

Bacharach,

Oberwesel, wie alle Dörfer am Ufer, wurden ohne Wider»

stand besetzt, und der Thalrand auf Fußwegen und hinauf­

führenden Schluchten erklommen.

Bis die Brücke vollendet

war, dauerte das Ueberschiffen unablässig.

Dann am 2ten

pafsirte Alles; das Vorksche Corps zuerst, und «rahm die Rich-

104 II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. hing auf Stromberg;

das

den Rhein

einzuschließcn.

hierauf das

russische von Längeren,

auf Bingen zog,

hinauf

bestimmt Mainz

Der preußische Krieger aus früherer Zeit sah

alte Bekannte wieder, und wiederholte was er als Neuling gethan.

Auch jetzt ward der Feind bei Waldalgesheim und

Rheinböllen angegriffen und verjagt; dabei gemacht.

ward

eine Anzahl Gefangener

General Hünerbein mit der ganzen

Avantgarde erreichte Stromberg bei guter Zeit, und befolgte noch Abends den Befehl, bis Creutznach vorzurücken, wo er

in der Nacht anlangte.

So auch das Gros des Corps, und

die Feldherren in und bei Stromberg.

Bingen war noch vom

Feinde besetzt, und ward früh Morgens am 3ten von den Russen genommen; darauf ein Detaschement auf Alzey vor­

gesendet, die Verbindung mit dem, auch in der Nacht zum

1 pcn Januar bei

Manheim übergegangenen russischen Corps

von Sacken, zu eröffnen. dessen

zuerst

Nach einigem Widerstände hatten

übergeschifften

Jägerregimenter

eine feindliche

Schanze am Rhein, gegenüber dem Einfluß des Neckar, ge­

nommen, und das Ganze, auf der geschlagenen Schiffbrücke

übergegangen,

hatte sich auf Frankenthal, bis Worms und

Spcier, ausgebreitct, wahrend Prinz Biron von Curland mit

einem Streifcorps den Feind über Alzey verfolgte, wo er

100

Gefangene machte.

Das Sackensche Corps erhielt die Richtung über Dürk­

heim auf Kaiserslautern, auf welchem Wege Marschall Mar-

mont mit etwa 15000 Mann sich zurückzog', doch nirgend Stand hielt.

Prinz Biron folgte ihm auf Homburg.

Das

Vorksche Corps zog seiner Avantgarde nach auf Creutznach,

Meissenheim und Kussel.

Die rechte Flanke zu sichern und

auszuklären, war Graf Henkel von Donnersmark übertragen. Mit seinem kleinen Corps von 6 Escadrons, einem Füsilier­

bataillon und einer halben Batterie, hatte er sich in der Nacht auf den 3ten Januar dem Städtchen Simmern genähert, wo

er auf den Feind stieß, die Vorposten warf, und nach einigen

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher. Canonenschüssen ins Thor eindrang.

105

Der Feind vertheidigte sich

in den Straßen, ward aber bald hinausgeworfen, und bis

Kirchberg verfolgt.

Folgenden Tags setzte Graf Henkel seinen

Marsch auf Trier fort, wo er am 6ten von den Einwohnern freudig begrüßt einzog, wie überall auf dem Wege Gefangene und Beute machte, und im Nachzugsgcfccht dem Feind viel

Abbruch that.

Es war ein Theil der Diviston Niccard, die

auf diesem Wege sich zurückzog, und erst bei Luxemburg Halt

machte.

b.

Zug über die Saar und Mosel.

Einnahme von

Nancy und Toul. §. 43. Erst hinter der Saar konnte der Feind einen Haltpunkt zu finden hoffen.

Marschall Marmont führte sein Corps bei

Saargemünd hinüber; die im Rückzug zusammengetroffenen

Abtheilungen von Durutte und Niccard passirten bei Saar­ brück, wo sie die Brücke hinter sich sprengten.

Letzterem folgte

das Corps von Uork in zwei Colonnen, die eine über St.

Wendel, die andere über Birkenfeld, die Avantgarde unter Sr. K. H. Prinz Wilhelm von Preußen *), gegen Saarlouis, vor

welchem Platz General Katzler mit dem Vortrabe am 7ten

anlangte, und nachdem er bei dem angeschwollenerr Wasser

und dem Mangel an Schiffen (welche alle von dem Feind waren versenkt worden), vergeblich versucht hatte Truppen

überzusetzen, sich begnügen mußte, Nachts einige Haubitzgra­ naten in die jenseits der Saar gelegene Stadt zu werfen. Folgenden Tags rückte die ganze Avantgarde naher heran, und schloß den diesseits gelegenen Brückenkopf eng ein, indem

sie in den nächsten Dörfern cantonirte.

Eine Meile abwärts,

beim Dorf Beking, wurden Anstalten zu einem Uebergang ge-

*) Der Generallieutenant von Hünerbein hatte den Oberbefehl über die Bergischen Truppen erhalten.

106 II Feld), in Holland u. Frankreich 1813 u. 14. macht, während das ganze Corps auf der Strecke von Mainz bis gegen Saarbrück sich dem Flusse näherte; eben so das

Corps

von Sacken auf der Strecke von Saargemünd

bis

Saaralb. Der Feind hatte es unterdeß nicht für rathsam gefunden,

sich an der Saar zu vertheidigen.

Marschall Victor, dem die

Pässe der Vogesen auf der Front von Pfalzburg bis Befort

anvertraut waren, war von der durch die Schweiß nach der obern Marne (auf Langres) vorgerückten großen Armee der

Verbündeten umgangen, und von den durch das Elsaß und die Vogesen ihm nachrückenden Corps so lebhaft gedrängt,

daß er eilen mußte Nancy zu gewinnen, wo er sich mit dem Marschall Ney vereinigte.

Natürliche Folge dieses Rückzugs

war auch der des Marschall Marmont nach der Mosel, die er am 12ten früh bei Metz erreichte, und die starke Stellung

bei Gravelotte bezog, eine Stunde rückwärts auf der Thal­ höhe des linken Ufers, mit langen beschwerlichen Defileen vor

seiner Front und Flanke.

Daher konnte General Uork am

lOten und Ilten bei Beking und Saarbrück ohne Widerstand über die Saar gehen.

Cavalleriedetaschements wurden gegen

Thionville und Metz vorgesendet, vier Bataillons und ein Re­ giment Landwehrreuter schloffen Saarlouis ein, und das Corps bezog Quartiere auf den Straßen nach Metz und Thionville;

General Uorks Hauptquartier war in Forbach, des Feldmar­ schalls in Saarbrück.

Das Corps von Sacken, bei Saar­

gemünd und Saaralb

über den Fluß gegangen,

rückte in

Quartiere bei Petelange, auf der Straße nach Nancy, das

Detaschement von Prinz Biron bis Morhange, und der Vor­ trab, unter General Wassilschikow, gegen Pont ä Mousson *). Den 13ten rückte General Uork mit seinem ganzen Corps

näher an die Mosel; die Avantgarde unter Sr. K. H. Prinz

*) Hier ist wieder die Sotzmannische Carte von diesem Kriegsschau­

platz, oder die Cassinische zu gebrauchen.

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher.

107

Wilhelm gegen Metz bis Courcelles, die leichten Truppen bis an die nächsten Dörfer unter die Canonen des Platzes, wo

der Feind sich noch hielt.

General Horn, mit seiner Abthei­

lung, zog vor Thionville, die Vorposten in die Dörfer zunächst der Festung diesseits der Mosel, das Gros bei Diestorf, um eine halbe Meile dahinter. Mit zwei Brigaden blieb General Dork in Reserve bei

Longeville (zwischen Metz und Saarbrück), ließ aber folgenden

Tags den General Pirch mit der seinigen auf Thionville marschiren, die Brigade von Horn abzulösen, welche rechts auf

Luxemburg rücken, und in Verbindung mit Graf Henkel diesen Platz einschließen, und etwas gegen ihn versuchen sollte. Kälte und tiefem Schnee geschah diese Bewegung.

In

Die ärm­

lichen Dörfer in diesem Theile Lothringens gewährten den Truppen ein schlechtes Unterkommen, und bald einfallendes

Thauwetter vermehrte die Beschwerden.

General Horn konnte

bei Sirk nicht über die ausgetretene Mosel kommen, zog jedoch zwei Tage Stillstand dem sonst nöthigen Umweg über Trier (von zwei Märschen) billigerweise vor, und gelangte am I7ten bei Remich, mittelst zweier Fähren, mit Mühe über den Fluß.

Seine Vorposten standen im Angesicht vor» Luxemburg mit

dem über Grevenmachern vorgerückten Graf Henkel in Ver­ bindung.

§. 44. Schon den I5ten hatte Marschall Mortier seine Stel­ lung bei Metz verlassen, und war auf Verdun gezogen, nachdcm er vergeblich versucht, mit einer nach Pont ä Mousson abgesendeten Division, diesen Uebergang und eine Querstcllung

zwischen Mosel und Maas zu behaupten.

Nancy war auf

die Annäherung der Spitzen des Corps von Sacken, das über Chateau-Salins anrückte, von den Marschällen Ney und Vic­ tor in solcher Eile geräumt worden, daß sie nicht einmal die Brücken bei Bouxiores (auf der Meurthe unterhalb Nancy)

und bei Frouard (auf der Mosel unweit des Einflusses der

4 08 II. Feld;, in Holland tt. Frankreich 1813 u. 14. Meurthe) zerstört hatten.

Beide Marschälle zogen auf Toul

hinter die Mosel, auf welchem Wege Prinz Biron, mit sei­ nem leichten Corps am Ilten in Nancy eingerückt, ihnen folgte, während die russische Avantgarde unter dem General Wassilschikow bei Pont ä Mousson über

steinerne Brücke die Mosel passi'rte.

die wohlerhaltene

Auch auf vorerwähnten

Brücken bei BouMres und Frouard wurden Meurthe und

Mosel von den russischen leichten Schaaren überschritten, und

Commercy und St. Mihiel (an der Maas) von ihnen besetzt.

Die beiden Marschälle, fürchtend daß größere Macht ihnen an der Maas zuvorkommen werde, setzten ihren Rückzug auf

Ligny fort; Commercy und St. Mihiel wurden für den Augen­ blick wieder genommen, und Loul der bewaffneten Bürger­

schaft und einer Besatzung von 400 Mann, die Marschall

Victor zurückließ, anvertraut.

Marschall Ney schob sich links

nach Bar-le-Duc, so daß an der Orne die Hauptvertheidigung

des Feindes sich zu bilden schien, und seine Posten längs der Maas, von St. Mihiel bis Vaucouleurs hinauf, nur Vor­

posten waren. Den Marschall Marmont auf seinem Rückzug nach Ver­

dun zu verfolgen, hatte Feldherr Uork seiner Reservecavallerie unter dem General Jurgas ausgegeben, da er selbst mit seiner

Hauptmacht die feindlichen Festungen im Auge hatte.

Bei

Joui, wo die römischen Wasserleitungen in colossalen Schwieb-

bogen— seltsam erhalten! — das steile Mosclthal durchschnei­ den, wollte General Jurgas übergehen, ward aber durch Ucbcrschwemmung und Eisgang verhindert, und zu dem Umweg

über Pont ä Mousson genöthigt, wodurch die feindliche Ar-

ricrgarde Vorsprung gewann, und erst am 19ten bei Manhculle zwei Meilen von Verdun erreicht und bis auf ihre Replies

zurückgeworfen ward.

General Jurgas behielt, bei Fresne

stehen bleibend, den Feind im Auge. §. 45. Mit dem Corps von Sacken, und dem vor Mainz voll

B. Feldzug in Frankreich unttr Blücher»

109

deutsche» Bundestruppen abgelöseten von Langeron, das in Eilmärschen herangezogen worden, blieb der Oberfeldherr Blü­ cher im Vorrücken auf Nancy, wo er den I8ten eintraf.

Französische Schriftsteller *) halten sich darüber auf, daß

der preußische Feldmarschall sich die Schlüssel der Stadt über­

reichen ließ, als sey es eine eroberte Festung gewesen.

Von

den vormalige» Wällen ist allerdings keine Spur mehr vor­ handen, und die Citadelle ist mit Häusern verbaut.

Doch ist

die ansehnliche Stadt mit Mauern und großen Gebäuden ge­ schlossen, die Vorstädte sind massiv, und der Zugang durch den Anbau behindert.

Städte von minderem Belang sind

schon mit Hartnäckigkeit vertheidigt worden.

Die Hauptstadt

von Lothringen, mit 30,000 Einwohnern, konnte daher mit

gutem Recht als eine Eroberung gefeiert werden, und mag man

dem preußischen Feldherrn die Genugthuung verargen,

die er empfand, als Sieger eben in den Platz einzuziehen, der

bei dem unglücklichen Kriege Derwahrungsort der preußischen Kriegsgefangenen gewesen war? Die Rede des Feldmarschalls

an die Abgeordneten des Landes war die natürliche Aeußerung des vorausblickenden auf sein Glück bauenden Feldherrn, der

immer in dem Grade Politiker ist, das in früherer Zeit durch

die Waffe» verloren Gegangene, wenn es durch gleiche Gewalt wieder erworben ist, nun auch behaupten zu wollen **).

§. 46. Müssen es indeß eben Bastione und Erdwälle seyn, um

die Schlüssel einer Stadt zu Trophäen zu erheben, so erwar­ ben sich die Verbündeten unbezweifclte, zwei Tage darauf,

durch die Wegnahme von Toul.

Toul, hart am linken Moselufer gelegen, mit einer stei­ nernen Brücke über den Fluß, an 7000 Einwohnern, und

*) Mr. Koch und Sarrazin. **) Lc langagc qu’il tint aux magistrats dans cette occasion fut celui (Tun vainqueur politique —-------- drückt Mr. Koch sich 611$.

HO

II. Feldz. In Holland u. Frankreich 1813 tu 14.

wohlgebaut, ist als bastionirtes Neuneck befestigt, mit trocke­ nem Graben, die Wälle verfallen, doch zum größeren Theile

von der Mosel und Wasser der Niederung umgeben; nur etwa

der dritte Theil des Umfangs zugänglich, eben dieser Theil aber von Höhen beherrscht.

Hier (auf der nördlichen Seite)

fuhr Graf Liewen, dem die Wegnahme aufgetragen war, sein

Geschütz auf, und ordnete seine Divisionen zum Sturmangriff, eine Colonne auf dem Wege von Pont ä Mousson, die an­

dere auf dem von Void.

Der Commandant, als er sah, daß

es so ernstlich gemeint sey, mochte eine Scene von Oczakof fürchten, öffnete daher die Thore und ergab sich mit seiner

Besatzung, vier Geschützen und einigem Waffen- und Muni­

tionsvorrath. Fünfhundert gefangene Spanier waren in Nancy in der Eile des Rückzugs vom Feinde vergessen worden. Sie wurden gekleidet und bewaffnet, und machten als gute Alliirte

die Besatzung von Toul, das dem Feldmarschall den geraden Weg auf Bar-le-Dnc öffnete, und immer einen vortheilhaftcn Stützpunkt für weitere Operationen abgab.

§. 47. Daß die französischen Corps

nicht an der Maas und

Orne würden verweilen können, war wohl abzuschen, da die

Corps des Grafen Wrede und des Kronprinzen von Würtemberg (oberhalb bei Neuschateau) sie schon umgangen hatten,

und mit der über Langres vorrückenden großen Armee in Ver­ bindung, im Begriff waren, auch die Vertheidigungslinien der

Marne und Aube zu umgehen.

So konnte denn Feldmar­

schall Blücher wohl, als er am 22sten von Nancy aufbrach, allen Theilen seines Heeres die Bewegung vorschreiben, nach welcher die russischen Corps in zwei Colonnen die Maas bei

Void und Vaucouleurs, so wie die Marne bei St. Dizier und

Joinville überschreiten, und am 30sten bei Arcis an der Aube

eintreffen sollten, während die Avantgarde die Marne bei Vitry beobachten würde, wohir» General Pork eben auch zum 3vsten beschicken war.

Wir haben diesen General am löten

B. Feldzug In Frankreich unter Blücher.

111

an der Mosel verlassen, deren Ueberschreitung und den ihm aufgetragenen Versuch gegen die feindlichen Festungen, die man

erreichen konnte, er aus seinem Hauptquartier Boulay an­

ordnete.

c.

DeS General Pork Versuch auf die Mosel- und

Ardennen - Festungen. §. 48.

Es scheint, die glücklichen Unternehmungen des General

Bülow in Holland hatten den Gedanken erzeugt, cs könne

auch bei den französischen Saar-, Mosel- und Ardennenfe­ stungen ein Gleiches gelingen.

Daß diese Festungen schwach

besetzt und schlecht versehen seyen, konnte man bei den ge­ schwächten Hülfsmitteln des Feindes wohl glauben, und Er­ oberung durch Coups de Main für möglich halten.

Noch

kann man die Bemerkung machen, daß die Nachrichten, die

bei glücklichem Kriege in ein großes Hauptquartier gelangen, immer zu sanguinischen Hoffnungen geneigt machen, weil es

nie an Leuten fehlt, die gern das sehen und berichten, was man wünscht.

So hatte man denn auch den Zustand der

feindlichen Festungen, wie die materielle und moralische Kraft

ihrer Besatzungen, geringer geschildert, als sie waren.

Doch

war auf keine Weise bei einem Versuche Wesentliches zu ver­ lieren.

Zeit war hinlänglich vorhanden, da die Bewegung

des Porkschen Corps nach der Marne nur vier Märsche er­ forderte, man vor den Plätzen schon stand, und die zur Blocade bestimmten Neuterabtheilungen der nachrückenden Corps

abwarten mußte.

Fünf Tage Zeit hatte man vollkommen,

sich mit den Festungen abzugeben, welches zu einem Hand-

streich hinreicht. Wer indeß diese Festungen in der Nähe gesehen, und an Ort und Stelle Erkundigungen eingezogen hatte, konnte zu einem Sturm oder brüsquen Angriff nicht rathen.

Metz —

eine Festung ersten Ranges und immer in Stand erhaltener

112 n. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u, 14, Waffenplatz,

dazu große Stadt von mehr denn 30,000

Einwohnern, — ist stolz auf seine Jungfrauschaft, indem

es in den Jahrhunderten, da es in französischem Besitz ist, keinem Eroberer die Thore geöffnet, selbst der mächtige Carl V. nach langwieriger Belagerung von der schon gelegten Bresche

hat abziehen müssen, und der Verdruß über das fehlgeschla­ gene Unternehmen am meisten dazu beigetragen, daß er alle

seine Kronen niedergelegt und Mönch geworden.

Dergleichen

geschichtliche Erinnerungen sind nicht unbeachtet zu lassen bei

einer kräftigen Bürgerschaft, und unruhigen der Revolution ergebenen Volksmasse, die sehr bereitwillig sich zeigte, mit

Hand an die Vertheidigung zu legen, wenn die vom Mar­

schall Marmont, unter dem Divisions-General Durutte, zu­ rückgelassene Besatzung

stürmen,

nicht hinreichte.

Solche Stadt

zu

ist nicht mit einem schwachen Corps möglich. —

Thionville, eine starke regulaire Festung, besteht (von Ar­

men der Mosel durchflossen) aus drei abgesonderten Theilen;

jeder auf gewisse Weise selbstständig.

Handstreich ungünstig.

Schon dies ist für den

Daß die Besatzung nicht unthätig noch

allzuschwach sey, bewies ein Ausfall gegen den General Pirch, der näher gerückt einige Haubitzgranaten hineingeworfen hatte.

Daß von diesem Mittel nichts zu erwarten sey, davon hatte man sich bald überzeugt; denn obgleich der Ort anscheinend

durch Namen und Sprache von deutscher Art *), so sind doch die Einwohner entschieden von französischem Sinn, welches

die leidenschaftliche Vertheidigung 1792 unter Feliz: Wimpfen bewies. — Saarlouis ist, wie Longwy, ein ckleines regulai-

res Sechseck von Vauban angelegt.

So

ein Ort bedarf,

wenn er nur einigermaßen mit Geschütz versehen ist, und einige

Tirailleurs in jedem Bollwerke stehen, kaum niehr als eines tüchtigen

*) Es ist bekannt, daß Thionville auch Didenhoven genannt, und zum Theil deutsch darin gesprochen wird.

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher.

113

tüchtigen Bataillons Besatzung, das von einem Bollwerke zum andern marschirend, jeden Sturm abschlägt. — Von Luxem­ burg könnte man behaupten, was die Franzosen von Malta, als die Ritter von Bonapartes Parthei ihm den Hafen geöff­ net: „daß glücklicherweise in dem Platze Jemand gewesen sey, „der sie eingelassen. Die Felsenwerke hätten sonst sich „wohl allein vertheidigt." — Etwas Aehnliches konnte in­ deß hier obwalte». Unter allen eroberten Unterthanen des französischen Reichs schienen die Einwohner, sowohl der Stadt als des Landes Luxemburg, der neue«» Herrschaft am wenig­ sten hold. Ihr kräftiger deutscher Sinn hatte sich schon in den Feldzügen 1793 und 1794 bewährt, wo der aufgebotene Landsturm mit Muth und Lust wirklich den Feind eine Zeit­ lang entfernt hielt. In diesem Lande sind die schon in der Vorzeit berühmten wallonischen Regimenter, und die uns be­ kannten Dragoner von La-Tour *) und Jäger von Le-Loup, zu Hause, die trotz der Abtretung des Landes, die Treue und Kriegschre bewahrend, im österreichischen Heere verblieben. Eben weil das Land nicht reich, und die Natur, wenn auch nicht unfreundlich, doch etwas rauh ist, mögen die Bewohner gleichen Charakter annehmen, und fester als in andern Pro­ vinzen an der alten Sitte hängen, wozu früherhin ein Gran Religionsfanatismus mitwirkte, jetzt doch gemäßigter, da man inne geworden, daß die Evangelischen auch Christen seyen.' Luxemburg ist indeß, im Vergleich mit seinen weitläuftigen, zu großem Theil selbstständigen Werken, nur als eine mittelmäßige Stadt anzusehen. Die 10000 Einwohner konn­ ten daher von der Besatzung wohl im Zaume gehalten wer­ den, wozu, wie überhaupt zu einer passiven Vertheidigung der durch starkes Profil und Felsgründe schwer ersteigbaren Werke, *) Jetzt St. Vincent leichter Pferde. — Meine Zeitgenossen aus den Feldzügen am Mittel- und Niederrhein im RevolutionSkriegr, werden sich

dieser wackern Kriegsgefährten erinnem. »ehre ». Xtits in.

II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

114

sie hinlänglich stark war *).

Alles dies wußte General Pork.

Der Befehl des Fcldmarschalls drückte sich aber ziemlich be­ stimmt aus, „daß versucht werden solle, sich der eingeschlosse-

„nen Platze, oder eines derselben, zu bemächtigen; der Vor-

„theil,

wenn

es

gelinge,

sey

schon einiger

Aufopferung

„werth" **).

Manner von feinem Ehrgefühl und ritterlichem Sinn sind eher geneigt Unmögliches zu versuchen, als möglich Ge­

glaubtes unversucht zu lassen.

Daher besorgte General Q)otf,

die Befehlshaber seiner Abtheilungen vor den Festungen wür­ den es mit dem erhaltenen Befehl genau nehnicn, und frucht­ los Menschen aufopfcrn.

Um dieses zu verhindern, nahm er

sich vor, bei allen oder doch den wichtigsten der Unter­ nehmungen, zugegen zu seyn, bestimmte daher die Tage für jeden der Angriffe, stellte jedoch den Befehlshabern anheim,

eine sich etwa früher darbietende günstige Gelegenheit zu be­ nutzen.

Erkundigung des Oertlichcn und Anordnung der An­

griffe ward ihnen, ausschließlich überlassen, und an die Noth­

wendigkeit der Sturmleitern von gehöriger Lange, und der an­

deren hinlänglichen Werkzeuge und Materialien: zu Spren­ gung der Thore, zum Umhauen der Palisaden, zum Aussüllen

der trockenen Gräben, zunr Brückenschlägen, zum Niederreißen der Zugbrücken***) u. s.w. besonders erinnert. „Er wolle,"

setzte der General Hinz«, „wo er nach persönlichem Augenschein

„einen Handstreich unternehmbar fände, den Herren Befehls-

„Habern den Nuhm der Ausführung nicht nehmen.

Nur die

„Verantwortung des Unterlassens nehme er auf sich, wenn

„etwa das Unternehme» unausführbar erscheine."

Wir möch­

ten diesen Zug um so weniger verschweigen, da aus älterer wie aus neuerer Zeit so viel des Entgegengesetzten bekannt ist.

*) Angeblich -iOOO Mann. **) Es hieß wörtlich: wenn es auch 1000 Mann und mehr koste.

***) Wozu Feuerhaken zu brauchen.

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher.

115

wo Feldherren, selbstsüchtig und neidisch auf den Kriegsruhm der Untergebenen, zweckmäßig Begonnenes hemmten und hin­

derten, und Anderer Lorbeeren sich aneigneten.

Ueber so klein­

liche Gesinnung ist jedoch der Feldherr erhaben, der fremden

Ruhms nicht bedarf, der aber seine Pflicht sür das Höchste

achtet. §. 49.

Wer aus nördlichen Gegenden mit

der Erwartung

in

diese westlichen Länder gekommen, die Beschwerde des Winter­

feldzugs minder zu fühlen, täuschte sich.

Momente von Thau­

wetter konnten nicht den Boden vom tiefen Schnee entblößen, verdarben Passagen.

aber durch Treibeis

Der

und Ueberschwemmung alle

kleine Seillefluß,

der

von

Nominy

über

Marly und durch Metz in die Mosel fließt, war ausgetreten;

eben so das Moselthal mit allen seinen Gründen und Ravins überschwemmt, und auf dem Fluß selbst nur die Brücke von

Pont ä Mousson brauchbar. Divisionen

Prinz Wilhelm, dem mit zwei

die Einschließung und Unternehmung

auf Metz

überlassen war, konnte erst am 22sten, da die Ucberschwcm-

mung sich vermindert hatte, mit der einen Division auf dem linken Moselufer dem Platz gegenüber anlangen.

Nur seine

Cavallerie (unter Oberst Stutterheim), die drei Tage vorher hinübergegangen war, rückte schon am I9ten näher heran,

warf den Feind aus den nächsten Dörfern in die Festung zu­ rück, und hielt sie leicht eingeschlossen.

Auf dem rechten Ufer

geschah die Einschließung gründlich durch die stehen gebliebene Division unter Oberst Warburg.

Die ganze Macht des Prin­

zen bestand in 6000 Mann, die Besatzung von Metz in nicht viel weniger, 3000 Nationalgarden ungerechnet.

Sechszig Ge­

schütze, die angeblich in der Festung seyn sollten, waren sür

den großen Umfang nicht allzuviel; doch kamen die Angriffs­

mittel, unter denen 14 Wurfgcschütze die Hauptsache machten,

in keine Betrachtung.

Weise war es daher, hier jede Unter­

nehmung aufzugeben, die ohnehin, wegen der vollen Wasser8*

116

II. Feldz. in

Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

graben, überschwemmten Bachufer und Feldgräben im Mosel­ thal, welche die Gemeinschaft des Einschließungscorps sehr genirten, schwieriger als je gewesen wäre. §. 50.

Saarlouis, als ein Platz von geringem Umfang und mit keinen bombenfesten Räumen versehen, konnte dem An­ schein nach am ersten durch Wurfgeschütz zur Uebergabe ge­ zwungen werden. Der Versuch war dem Artillerie-Oberst von Schmidt aufgetragen, der mit seinen acht Haubitzen den I9ten hindurch die Stadt vergeblich beworfen hatte. Wie oft bei solchen Versuchen , der widerwärtige Zufall es ungünstig leitet, so hatten die Granaten einige friedliche Bewohner erschlagen, ohne der Besatzung zu schaden, noch Brand zu bewirken. Auch glaubte Oberst Schmidt mit Recht, die Munition spa­ ren zu müssen, für die Möglichkeit noch etwas gegen Metz auszurichten. Im Allgemeinen darf nicht verschwiegen wer­ den, daß Napoleon die Befehlshaber seiner Festungen gut zu wählen gewußt hatte. Es waren Manner, die nicht das Gleichgewicht verloren, mit ihren Kräften hauszuhalten wuß­ ten, sich Ueberredungskünsten gar nicht Preis gaben, und zu rechter Zeit durch eine offensive Haltung zu imponiren wuß­ ten. So machte am 23sten früh die Besatzung von Metz einen Ausfall, der zwar, als die Unterstützungstruppen unter Prinz Wilhelm heranrückten, wieder in die Festung zurückgeworsen ward, doch aber die eigentliche Absicht des Befehls­ habers: was ihn einschlöffe zu erkennen, erfüllte. §. 51.

Als Feldherr Uork am ISten sich zum Blocadecorps vor Thionville begab, überzeugte ihn ein flüchtiger Blick, daß auch hier nichts zu unternehmen sey. General Pirch hatte wegen der Ueberschwemmung noch keine Truppen über die Mosel setzen können. Dem Platz die Gemeinschaft mit Luxemburg zu nehmen, hatte daher vor der Hand den Cavalleriedetaschements überlassen werden müssen, die dem Prinz Wilhelm

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher.

117

voran bei Pont ä Mousson die Mosel passirt waren. Völlige Einschließung und Angriff auf dem linken Moseluser, wenn solcher überhaupt noch möglich sey, blieb daher zweckmäßiger­ weise bis zu vollendetem Versuch auf Luxemburg aufgeschoben, und die Mitwirkung der heranzuziehendcn Division von Horn vorbehalten. Zu ihr begab sich Uork, indem, nach kurzer nächtlicher Rast inr Schlosse Bibange, ei« leichtes Schiff ihn nach dem Städtchen Remich überführte, und er den General Horn mit dem Haupttheil seiner Division bei'm Dorfe Roth, auf der Straße von Trier nach Luxemburg, antraf. Auch General Röder mit seiner Reuterabtheilung vom Kleistschen Corps war hier angelangt. Die Einschließung der Festung auf der Westseite, (dem rechten User des sie durchfließenden Alzettebachs) war durch diese vereinigten Truppen gründlich bewerkstelligt. Auf dem andern Ufer stand aber nur Graf Henkel mit seinem Detaschement. Er hatte die Ausgänge nach Arlon und nach Thionville zu sperren, Longwy zu beob­ achten, und die einzig vorhandene Gemeinschaftsbrücke auf der ausgetretenen Alzette bei Hesperange zu verwahren. Recognoscirung, und würde cs möglich befunden, der Angriff, wurden auf den folgenden Tag festgesetzt, und Alles, was dazu erforderlich, von den versammelten Befehlshabern unter den Augen des Feldherrn angeordnet. Am 21sten früh führte General Horn in Wind und Schneegestöber seine sechs schwache Bataillons in zwei Colonnen gegen die Festung, da zwei Hauptwege bei'm Dorfe Ham vorbei zu ihr führen. Der Feind hatte nur schwache Vorpo­ sten. Es kam daher nur zu leichtem Scharmützel, und die Tirailleurs krochen durch den Schnee bis dicht an die Werke. Einen feindlichen Außenposten In einer Redoute auf der lin­ ken Uferhöhe der Alzette, ließ man in Ruhe, um unbemerkt im felsigten Flußthal nah' an die Festung zu gelangen, deren versperrtes Thor General Uork, mit kleinem Gefolge auf die­ sem Wege reitend, in überraschender Nähe erblickte. Von da

118 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

rechts die Höhe hinaufreitend

man die übersehbaren

fand

Werke zwar nur mit Vorposten besetzt, doch die mögliche Weg» nähme zu nichts führend, da sie, durch steile Gründe von der Hauptfcstung getrennt, doch unter dem streichenden Feuer der­

selben liegen.

Auch ist bekannt, daß alle detaschirte Werke

dieser zu den ersten von Europa zu zählenden Festung mit Reduits im Innern, und unterirdischen Communicationen ver­ sehen sind, so daß man erst auf die Hauptschmierigkeit stößt,

wenn man den äußern Wall überstiegen hat.

Eine schwache

Besatzung pflegt nur die Redüits zu besetzen, und die Haupt­

kraft der Vertheidigung im Innern des Platzes bereit zu ha­

ben.

Die defensive, und dabei besonnene Haltung des Fein­

des auf dieser Seite, ließ solche zweckmäßige Maaßregel um so mehr vermuthen, da er auf der andern Seite der Festung,

wo die Schwache der Einschließung

mußte, mit Keckheit entgegentrat.

ihm

bald einleuchten

Graf Henkel hatte den

ganzen Lag hindurch Gefecht mit dem ausfallenden Feinde, behauptete aber seinen Posten in Strassen, dicht an der

Festung.

General 9)ort wollte, nach den erkannten Schwierigkei­

ten, Anfangs sogleich das ganze Unternehmen aufgeben, und

die Division in Quartiere bei Frisange auf halbem Wege nach Thionville rücken lassen, von wo aus folgenden Tags dieser Platz auf dem linken Moselufer angegriffen werden konnte,

während General Pirch auf dem rechten gleichzeitig mitgewirkt

hätte.

Ein braver

Landmann, der Verkehr in Luxemburg

hatte, brachte aber auf den Gedanken, daß vielleicht ein Einverständniß mit den Gutgesinnten daselbst anzuknüpfen sey,

um ein Thor von Innen zu öffnen, und dann in der Nacht oder am frühen Morgen

einzudringen.

Bei Thionville war

so ein Freundschaftsdienst minder zu erwarten.

General Port

hielt es daher für gerathen, jene Unternehmung aufzugeben, und hier noch den Tag über zu verweilen, in Erwartung der Kunde, die der vertraute Mann vor Morgen zu bringen ver-

B, Feldzug in Frankreich unter Blücher. sprach.

119

Die Truppen wurden demnach in die nächsten Dör­

fer dicht um die Festung einquartiert, zum andern Morgen

(den 22sten) aber für alle Fälle aufs Rendezvous bei Jtzig bestellt, von wo, wenn nichts unternommen werden konnte,

General Horn auf Thionville marschircn, den Platz im Vor­ beigehen ansehen, versuchen was etwa zu machen,

auf alle

Falle aber nur einen Tag gegenüber sich aufhalten sollte, um

zur bestimmten Zeit bei St. Mihiel an der Maas zu seyn, wo das ganze Corps zusammenzutreffen bcstimnit war.

Eben

so hatte Graf Henkel den Austrag, Longwy im Vorbeigehen zu begrüßen, dann über Estaing, bei Verdun vorbei, sich der

Maas zu nähern, und bei dem allgemeinen Vorrücken die

Die Blocade von Luzem-

Spitze der Avantgarde zu machen.

burg und Thionville sollte dem General von Röder übergeben

werden.

Um die von Metz auf gleiche Weise mit bloßer Ca-

vallerie zu übernehmen, war General Borosdin, 1600 Pferde

stark, schon angelangt, und mit einem Theil über die Mosel

gegangen.

General Uork hatte

in

seinem Hauptquartier

Strassig, eine Stunde von Luxemburg, die gewünschte Bot­ schaft vergeblich erwartet, und General Horn, der Bestimmung

gemäß abmarschirt, sich über Sirk

zum Blocadecorps von

Thionville begeben, wo er Abends anlangte.

Der Feind hatte

einen Ausfall gemacht, um in dem vorliegenden Walde (bei

Jllange auf rechtem Moseluser) Holz zu fällen, war aber von General Pirch nach einem Gefecht, das einige Todte kostete, zurückgejagt worden.

Der Vorfall bestärkte in der Ueberzeu­

gung von Unzuläßigkeit eines Versuchs auf die Festung. Feld­

herr Pork verließ daher am 23sten früh seine Generale vor Thionville (da Horn bei Volkerange auf dem andern Mosel­

ufer anlangte), überließ ihnen, nach der übereinstimmenden Ansicht zu handeln, empfahl die Hauptsache: des bestimmten

Eintreffens an der Maas, und langte Abends im Schlosse Pange vor Metz an.

Den 24sten früh recognoscirte er die

Festung, wiederum im Schneegestöber, ganz nahe.

Sie ist

120

II. Feld;, in Holland u. Frankreich 1813 u, 14.

auf beiden Seiten von den Thalhöhen dominirt, und das An­ rücken und Einschließen wird durch Weingärten, Landhäuser

und Anbau aller Art begünstigt.

Doch sind die Werke im

besten Stand, und mit Einsicht nach der Umgegend angelegt. Der Haupttheil der Stadt liegt auf dem rechten Moselufer.

Ein durchfließender Arm bildet eine Insel, mit für sich beste­ Die Gräben sind naß, und Jnondations-

hender Befestigung.

werke vorhanden, vorliegendes Terrain unter Wasser zu setzen.

Die hochliegende Citadelle und die alt-gothische Cathedrale fal­ len vor Allem ins Auge, und das Ganze — eine ausgebrei­ tete Steinmasse — hat den Charakter der großen Stadt.

Ein großer flacher Brückenkopf von mehreren Fronten mit allen Vaubanschen Chicanen und ansehnlichen Kriegsgebäuden, als eine Stadt für sich zu betrachten, macht die Befestigung

des linken Moselufers. die Gemeinschaft.

Steinerne Brücken sichern innerhalb

So waren alle Erfordernisse des vollkom­

menen Kriegsplatzcs vereinigt.

General Dort war daher ganz

mit Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Wilhelm einverstan­ den, daß hier nichts zu unternehmen sey, und selbst eine Hau-

bitzade, obgleich geeignet Schaden zu stiften, doch zu nichts Wesentlichem führen, nur Munition, die man an der Marne

und Seine anzuwenden hoffte, unnütz verschwenden würde. Bei der von

den Verbündeten ausgesprochenen Erklärung,

man führe nicht mit dem französischen Volke, nur mit dem Unterdrücker Napoleon, Krieg, war es ohnehin nicht zweck­

mäßig, ohne Noth Erbitterung zu erregen.

So ward denn

am 25sten die Blocade dem russischen General Borosdin über­

geben.

Siebenhundert Pferde verwendete er dazu, (die auf

§. 19.

erwähnte Weise sich auf Vedetten- und Patrouillen­

dienst beschränkten) und entsendete die übrigen auf Streiferei nach der Ardennengegend. Mezieres bestimmt.

Ein Cosackenregiment war gegen

Eben so waren Luxemburg und Thion«

ville von der preußischen Cavallerie unter General von Röder,

und Saarlouis von dem Major von Bieberstein mit seinem

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher.

121

kandwehrreuterregiment, cingeschlossen. Die vier Bataillons von dieser Blocade hatte General Uork an sich gezogen. d.

DeS General Pork Zug nach der Maas und Marne.

§. 52. Der Oberfeldherr Blücher mochte wohl selbst auf die Er­ folge gegen die Festungen nicht viel gerechnet, und vermuthet haben, Pork werde zweckmäßigerweise nicht Zeit aufopfern; denn schon auf den 29sten erwartete er das Corps bei Vitry, wie neu anlangende Ordre besagte. „Die übrigen Corps „würden um dieselbe Zeit an der Aube sich mit dem auf „Troyes anrückenden Hauptheere vereinigen. Napoleon ziehe „seine Macht bei Chalons zusammen, wohin auch Marschall „Macdvnald, von Namur kommend, im Anzuge sey. Ge„neral Kleist werde am 2ten Februar mit seinem Corps bei „St. Mihiel eintreffen." Hiernach beschleunigte General Pork die Bewegung nach der Maas und Orne, und wollte am 27sten mit seiner Spitze in Bar-le-Duc seyn. Die Abtheilungen, die schon aus dem linken Ufer der Mosel waren, zogen mit einem Marsch an die Maas, Prinz Wilhelm nach St. Mihiel, General Jurgas mit der Reservecavallerie rechts daneben nach Croix, und Ge­ neral Horn hinter ihnen. Die andern Abtheilungen mußten den Umweg über Pont a Mousson machen, wo General Dork am 26sten verweilte, und folgenden Tags in St. Mihiel eintraf. Die steinerne Brücke daselbst war gesprengt, ein schlechter Uebergang nah' unterhalb bei'm Dorfe Ham einge­ richtet. Graf Henkel hatte mehrere Stunden gebraucht, um mit seinem Detaschement hinüberznkommen. Daher ward der Uebergang bei Commercy ausersehen, und Alles am 28sten dahin in Marsch gesetzt. Graf Henkel war auf der Straße nach Bar-le-Duc geblieben, wo seine Vorläufer am 27sten un-

122 II. Feldz. in Holland «. Frankreich 1813 u. 14. erwartet den Feind fanden *).

Schon dies war eine Ursach

zur Linksschiebung, da man über Ligny gerade auf St. Dizier besser die Verbindung mit den andern Corps und dem Haupt­

heere erhielt.

vor,

Prinz Wilhelm rückte demnach bis St. Aubin

und seine Spitze bis Ligny.

Die zweite Abtheilung

(Oberst Warburg) stand dicht hinter ihm in und vorwärts

Commercy, die erste (General Pirch) rechterhand hinter der Maas bis Pont, wo sie an die Quartiere der 7ten (des Ge­

neral Horn) stieß.

Die

Abtheilung unter

Sr.

Königlichen Hoheit Prinz

Wilhelm blieb Gros der Avantgarde.

Eine kleinere aber,

als Vortrab, um die Spitze (Graf Henkel) zu souteniren, ward unter General Katzler aus dem Corps herausgezogen, und bestand aus 2 Bataillonen, 2 Jagercompagnieen, 8 Es­ cadrons und einer halben reitenden Batterie.

Avantgarde war bei Ham übergegangen,

Diese kleinere

und bestimmt die

Richtung aufBar-le-Duc zu behalten, während die auch über

Ham gefolgte Reservecavallerie unter General Jurgas die Ver­

bindung links machte.

(Courcelles auI Bois war der ange-

•) Der Lieutenant von Osten von der Landwehrcavallerie glaubte wie zum Quartiermachen in Barrle-Due einzureiten, und ließ sein Detaschemenl vor dem Ort halten.

Auf dem Markt am Rathhause findet er Cürassierr

trupps abgesessen, und Infanterie in Zügen, alles in Mäntel gehüllt, und hält sie für Russen;

ein natürlicher Gedanke, da das Corps von Sacken

hier durch gezogen war.

Auch er sitzt demnach ab, und begiebt sich aufs

Rathhaus, wo er im Sitzungssaale den Maire im Kreise von Offizieren mit Quartierausschreiben emsig beschäftigt findet, und an den dreifarbigen Cocarden mit Verwunderung erkennt, daß er mitten unter Franzosen ist. Kaltblütig begiebt er sich hinunter zu seinem Pferde, das der begleitende

Reuter mit gleicher Ruhe verwahrt hat, und würde unangetastet glücklich

hinaus zu seinen Leuten gelangt seyn, wenn ihn nicht, als er mit keckem Muthe sich wieder im Sattel fühlte, selbst die Lust angewandelt hätte,

Händel anzufangen.

So mußte er unter Flintenfeuer hinausreiten, und

ward von einem Schuß durch den Leib getroffen, doch glücklicherweise erst, als er sich schon im Bereich der Seinigen befand, die ihn glücklich zu seinem Regiment brachten.

den geheilt.

Eben so ward er in Nancy von seinen Wrm-

B. Feldzug in Frankreich unter Blücher. wiescne Punkt).

123

Zu eben dieser Zeit befand sich Blücher schon

in Brienne. §-

53.

Die Gegend, welche die Spitzen der Avantgarde heut be­

traten, war schon Kampfplatz gewesen.

Napoleon, auf Cha-

lons in Anmarsch, nachdem er feine letzten Kräfte zusammengerafft, hatte verlangt, seine drei Marschalle sollten ihn zwi­ schen der Maas und Orne erwarten.

Sein treuer Gehülfe

Berthier war schon den 22sten in Ligny gewesen, und hatte

den Marschall Victor daselbst fcstgehalten, der die waldige Hochstellung bei St. Aubin hatte aufgeben und sich hinter

die Orne setzen wollen.

Seine Cavallerie mußte auf den hö­

heren Befehl umkehren, und ward von der starkem russischen,

die eben im Anrücken war, bis Ligny geworfen, das Tags darauf von der Avantgarde des Corps von Sacken genommen ward, worauf am 24stcn die drei Marschalle sich bei St. Dizier zu setzen versuchten, aber auf die umgehende Bewegung

Blüchers über Joinville sich auf Festhaltung des rechten Mar­

neufers von St. Dizicr bis Vitry beschränken mußten, indeß

nur eine Arrieregarde hinter St. Dizier die linke Flanke (ge­

gen Joinville und Bar-le-Duc) beobachtete.

Eine Division

deckte den Paß der Jsletten im Argonnerwalde, zwischen St.

Menehould und Clermont. Unter diesen Umstanden war Napoleon am 25sten in

Chalons angelangt, hatte die Corps von Victor und Marmont, verstärkt von 3 Garde- und 2 Cavallerie-Divisionen, auf St.

Dizier vorrücken, die russische Avantgarde unter General Lonskoy

herauswerfen und auf Joinville verfolgen lassen, worauf er

am 27sten früh selbst in St. Dizier einritt, und seine Corps vor dem Ort lagern ließ.

Tags darauf ging sein Zug theils

über Vassy, theils auf Quer- und Waldwegen nach Mon­

tierender, mit der Absicht, über Lesmont mit dem Corps des Marschall Mortier zusammenzustoßen, das vor der verbündeten Hauptarmee

sich

von Vandoeuvres auf Troyes

zurückzog.

124 II. Feldz. in Holland u. Frankreich 1813 u. 14.

Mit Napoleons Hauptmacht auf gleicher Höhe rückte von Vitry aus, gerade auf Lesmont, der rechte Flügel vor, beste­ hend aus Abtheilungen, die theils von Blücher von der Aube vertrieben, dahin sich gezogen, theils aus dem Argonncrwald und andern Gegenden dahin beschiedcn waren. Das Corps von Marmont war noch bei St. Dizier als Nachhuth stehen geblieben, und hatte große Detaschements auf Bar-le-Duc und Ligny auf Erkundigung geschickt. (Das waren die von den Vorläufern des Graf Henkel gefundenen). Gegen Abend am 28sten zog er auch seinem Kaiser nach, und ließ nur den General Lagrange mit einiger Infanterie und leichter Cavallerie bei St. Dizier auf Beobachtung zurück. Von alle diesem hat erst die Zeit uns später so genau unterrichtet*). Abends am 28sten in Commercy ward dem General Uork nur bekannt, daß Napoleon mit seinen verei­ nigten Marschällen, unter denen auch Dabinot mit genannt war, bei Vitry und St. Dizier stände. Die Stärke (von 70,000 Mann) und die Eintheilung unter den genannten Marschällen, wurde, wie es sich später bestätigt hat, an» gegeben. General Port war einen Augenblick im Zweifel, was besser sey: ob mit dieser feindlichen Uebermacht anzubinden, und sich über St. Dizier zum Feldmarschall durchzuschlagen, der vielleicht auf diese Maaßregel rechnete, und dem gemäß anderwärts schlug oder gleichzeitig von hinten andrängte**);

vorzuziehen, da Auffangung möglich und die Kunst der Entrathselung groß ist. —

Die Grundsätze der Verpflegung auf diesem Marsch ge­ hen sowohl die Divisionen, als hauptsächlich den Intendanten

der Armee an.

Die Traincolonnen für Lebensmittel laden,

was sie können *): Zwieback — Reiß — Branntweingeist. *) Ein 20tagiger Bedarf ist zu laden möglich und anzunehmen. So viel führten Napoleons Armeen im Vorgehen über die russische Gränze mit sich.

Feldzug in Polen.

279

Vorzüglich soll unterwegs die Verpflegung durch Schlachtvieh

benutzt werden, welches, eben so wie die Fourage, überall vom Lande mit Ordnung zu nehmen und Quittung darüber aus­ zustellen.

Auf allen Bivouacqplatzen wird der Bedarf durch

eine vorauszusendende Avantgarde zusammengetricben, damit

die Divisionen bei ihrer Ankunft gleich kochen kön­

nen.

Die Landfuhren werden festgehalten und erst auf Ordre

des Intendanten der Armee entlassen. mächtigter mit einigen

Gehülfen und

Es wird ein Bevoll­

hinlänglichem

Gelde

nach Gallizien gesendet, unter der Hand in diesem neutralen Lande Auskäufe zu machen und Contracte zu schließen.

Der

Gewinn wird Juden und Kornwucherer anreizen/ was wir be­

dürfen (vorzüglich Fourage) uns zuzuführen.

Bei Jnowlodz

und Sulcjew, wo Brücken über die Pilica, sind solche Vor-

räthe zusammenzuschaffen.

Daselbst sind sie ä porte'e, nach

Rawa und nach Petrikau geführt zu werden, wenn die Ar­

mee auf diesen Stationspunkten sich befinden wird.

Leere

Wagen, von denen die Vorräthe aufgezehrt sind, dürfen, so wenig als Krankenwagen, in den Colonnen gelitten werden.

Die Nähe von Gallizien wird Gelegenheit geben, sie nach der Gränze zurückzuschaffen und dem Wege der Armee seitwärts nachzufahren.

Eingeleitete Vermittelung durch die Emiffarien,

wovon an jedem der genannten Orte an der Pilica einer seyn

muß, wird die Sache erleichtern. — Eine geheime Verhand­ lung mit dem Gouvernement von West-Gallizien, das

in

Krakau seinen Sitz hat, ist angeknüpft, und Begünstigung mit Vorsicht nachgesucht. Ein Theil dieser Verordnungen geht den Oberarzt der

Armee an.

Instandsetzung des fliegenden Feldlazareths ist ihm

schon früher anempsohlen. — Auf dem Marsch folgt es im­

mer auf die Division, welche im Zuge die vorletzte ist. — §. 133.

Selbst auf die Gefahr, meinen Lesern weitschweifig und

langweilig zu erscheinen, habe ich diese Details erwähnen zu

Feldzug in Polen.

280

müssen geglaubt, da sie wesentlich zum Kriege gehören; werde

sie aber nun als für die ganze Operation angeordnet ansehen, und mich nur mit Märschen und Gefechten beschäftigen. Hauptquartier Blonie, den Lasten November.

„Die Avantgarde rückt vor über Szimanow; die Jäger-

„regimenter bis Bolimow, welcher Posten gehalten und nö-„thigenfalls mit dem Ganze,» soutenirt wird. — Die Brücken

„abwärts auf der Rawka werden abgebrochen, und wie alle

„Passagen beobachtet.

Leichte Cavallerie geht über die Rawka

„gegen Lowitsch vor, und zieht sich, wenn sie auf überlcge„nen Feind stößt, gegen Skierniewize zurück.

„ cavallerie folgt bis Szimanow. „tier.

Die Reserve-

Daselbst das Generalsquar-

Die Bivouacqs jenseits des Orts und Baches, (die

„Pisia, auch Gongolina)." „Die drei Divisionen marschiren:

die zweite bis über

„Nadarzyn — vor dem Ort ins Lager.

Hinter ihr die Re-

„serveartilleric^ — Die anderen Divisionen hinter einander auf „der Straße ♦), den Ort vor sich."

„Den 25sten setzt das Gros der Armee den Marsch in

„gleicher Ordnung fort; die Täte bis über Mzanow. — Da„selbst das Quartier des Generals N— der das Commündo

„über das Ganze einstweilen übernimmt." „Aus der Avantgarde und der Reservecavallerie wird ein „Detaschement formirt, bestehend aus:"'

„den 6 Bataillonen des hintersten Treffens mit der Zwölf«

„psünder-Batterie von ersterer, und den 15 Escadrons zwei„ter Linie der Reservecavallerie, mit 2 reitenden Batterieen. —

„Dieses Detaschement marschirt nach Skierniewize, und nimmt

„sämmtliches Fuhrwesen von der Avantgarde und Reserveca-

„vallerie mit. — Alles übrige von der Avantgarde und Re„servecavallerie geht vereinigt nach Boliniow vor.

•) Nach französischer Art sich auszndrücken

Straße.

Der com-

en Mellon

auf der

Bewegung -er Armee voi Warschau, den 2Isten AvantgardeDatum.

( Erste) Division.

Reserve-

Zweite

Cavallerie. Division.

Reserve-

Artillerie.

D

Blonie. Spitzen bisSochazewu. Gollaszew November. Bolimow. Vor- bei Blonie. trabSjimanow-

Den 22sten

Den 23stcn Szimanow. November. Vortrab bis Bolimow.

Naszyn.

Lai Diesseit wär Raszyn. 1

Bolimow. Jenseit Nadarszyn. Szimanow. Cavallerie über Nadarszyn. November. die Nawka.

Den 24sten

Den 25sten

Skierniewice.

November.

Den 26stcn

November.

Den 27sten November.

Skierniewice.

Jczow.

Jenseit Mzanow.

Babsk.

Gluchow.

M

Chrzczonowice.

Vereinigung bei Naw,

Zu Seite 281.

! von Warschau nach Rawa. i 21ften November 1806. Der Feind1 e-

Dritte

Vierte

Haupt­

ie.

Division.

Division.

quartier.

nach Bemerkungen. Wahrschein­ lichkeit.

Warschau.

t 1.

Lager vor­ Lager vor­ wärts War­ wärts War­ schau. schau.

Klodawa (die Stete).

Blonie.

ptL

Lowitsch, Kutno; das letzte Corps bei Klodawa.

Mzanow.

10-

i Nawa.

Kutno, Lentschitz.

Skierniewice.

Rawa.

Feldzug in Polen, „mandirende General wird sich selbst bei dieser Colonne be„finden und den Lösten sein Hauptquartier in Skierniewize „nehmen." Die Armee marschirt am Lösten mit der Tete bis Babski

Das Generalsquartier in Chronowize *). „Den Listen. Vereinigung der Armee bei Rawa. Das

„Hauptquartier daselbst. „rie nach Gluchow.

Die Avantgarde und Reservecavalle-

Vorposten über Jezow, auf der Straße

„nach Lentschitz und auf der nach Lowitjch.

Ihr sämmtliches

„Fuhrwesen nach Rawa zurückgeschickt." Wir bringen diese Bewegungen zur besseren Uebersicht in

vorstehendes Marschtableau. — (Es ist von Warschau datirt, um durch diese Feststellung sich der Bezeichnung von diesseits

und jenseits bedienen zu dürfen, mit welcher man außer­ dem, so wie mit der von vor und hinter, vorsichtig seyn muß, indem es leider überall mehr Leute giebt, die mißver­ stehen, als die verstehen.)

§. 134. Das entworfene Marschtableau legt uns die oben er­

wähnten Combinationen des commandirenden Generals deut­ lich vor Augen.

Wenn wir den Stand unserer Abtheilungen

und den wahrscheinlichen des Feindes am Lösten November auf der Carte bezeichnen, so geht hervor, daß die Armee den

Punkt Rawa unangefochten erreichen wird, die Avantgarde aber ein Gefecht wird bestehen müssen, wenn jene nicht bald

darauf den Feind auf dem Leibe haben soll.

Ferner ist an-

zunchmen, daß, wenn am Lösten die Töte der großen feind­

lichen Armee, die gegen die Weichsel vorrückt, bei Lowitsch cintrifft, das letzte Corps wohl noch bei Klodawa oder Lent*) Es ist der Hauptpunkt des von Wald und tiefen Schluchten um­

gebenen Plateaus, etwa eine Stunde rückwärts von Babsk gelegen, und

durch das Lager und königliche Hauptquartier Friedrich Wilhelms II. be­

kannt, das 1794 mit der Front gegen Warschau eine Zeit hindurch daselbst

seinen Sitz hatte.

schitz seyn wird, von wo es, angenommen der feindliche Oberseldherr durchschaue unsere Ansicht, uns an der Wartha zuvorkommen kann. — Jenes nothwendig anzunehmende Ge­ fecht hat den commandirenden General bestimmt, die Avant­ garde mit der Ncservecavallerie zu vereinigen, und sich selbst zur Stelle zu begeben, um mit eigenen Augen zu sehen und den Umständen gemäß zu wagen, was ein Stellvertreter viel­ leicht nicht wagen würde. — Am Lösten bei Bolimow ange­ langt, läßt er gleich Alles über die Rawka gehen und ein verdecktes Lager im nahen Walde nehmen. — Die unterdeß gegen Lowitsch vorgegangene Cavallerie von der Avantgarde ist nahe diesseits der Stadt auf ein feindliches Chasseurregi­ ment gestoßen, hat es geworfen, Gefangene gemacht, die Stadt aber vom Feind besetzt gesunden, und stärkt Marschcolonnen jenseits der Bjura gesehen, theils haltend, theils auf der dortigen Straße gegen Sochazew ziehend, Alles größtentheils Cavallerie. Nur wenige Infanterie ist sichtbar gewesen' Die Gefangenen sagen aus, daß es die Cavallerie des Prin­ zen Murat sey, mit einer leichten Infanteriedivision bei der Avantgarde, und der Prinz selbst folge. — Einige Canon­ schüsse hat unsere verfolgende Cavallerie auf sich gezogen. Das Gros derselben hat sich hinter dem kleinen Bach vor­ wärts Nieborow auf der großen Straße gestellt. §. 135. Hauptquartier Dolimow, den 26flen November früh 1 Uhr.

„Eine Stunde vor Tage brechen alle Truppen aus den „Bivouacqs auf, in zwei Colonnen, jede von 6 Bataillons „und 10 Escadrons, die Batterien bei ihren Abtheilungen." (Nähere Bestimmung nach der Ordre de Bataille). ,, Es „wird bis an die Skierniewize vorgerückt *); die Colonne *) So heißt der von der Stadt dieses Namens der Bzura zufließende Bach.

Feldzug in Polen.

283

„rechterhand auf der Straße nach Lowitsch;

„bis an die Brücke auf der Straße nach

die linkerhand Skierniewize *).

„In Bolimow bleibt ein Detaschement von 300 Mann

„und 100 Pferden zurück, um die Passage zu

verwahren.

„Wenn solches von irgendwoher mit Uebermacht angegriffen

„werden sollte, so vernichtet' es alle Brücken und zieht sich „die Rawka aufwärts

auf Nu da."

Wo die Colonnen Halt machen, werden die Comman­ deure

der Abtheilungen

zusammengerusen.

Der commanbU

rende General eröffnet ihnen mündlich seine Absichten.

,,Er

„will den Feind angreisen, sobald dessen Colonnen über Lo-

„ witsch auf die Ebene hervorkommen.

Von den feindlichen

„Jnfantericcvrps kann noch nicht viel heran seyn. „ein Cavallerie- und Artilleriegefecht werden.

Es wird

In beiden Waf-

„fen sind wir,'sowohl in der Menge als in der Tüchtigkeit, „dem Feinde überlegen.

Daß demnach die feindliche Caval-

„lerie wird geworfen werden, sseht der Commandirende als

„eine ganz gewisse Sache an, und empfiehlt nur entschlossene

„Attake und Soutiens.

Der — (ein Neutergeneral) über­

nimmt das Commando über die gestimmte Cavallerie (35 „regulaire und 20 Cosackenescadrons)

„sein Schlachtfeld.

„(8

„Gegen „pfohlen.

und recognoscirt sich

wird auch die gesummte Artillerie

wovon 4 reitende) unter den Befehl des

Batterien,

„Artilleriechefs

So

gestellt."

die

feindliche Infanterie

wird Vorsicht em-

Keine lange Tiraillernents, da der Feind uns in

„solchen überlegen.

Gegen feindliche Tirailleurschwärme ein

„Cavaillerieregiment mit Schwärmattake vor, solche auf ihre

„Massen zurückzuwerfen.

Gegen diese: reitende Batte-

„rien vor! mit enfilirendem Feuer; und darauf allgemeine „Attake." „Die Infanterie wird in Quarrees folgen." *) Arkadia und

Bobrowniki heißen die beiden Uebergangspunkte,

kaum eine Viertelmeile auseinander.

284

Feldzug in Polen. Der Feind rückt über Lowitsch vor.

„An

beide Colonnen: Marsch!"

„Die Skierniewize passirt; die Reservecavallerie und die

im Trapp vor.

„reitenden Batterien

Im Vorrücken verei­

nigt."

„Die Infanterie formirt Bataillonquarrees *), vier

in

„erster Linie, die Fußbattcricn dazwischen; fünf in zweiter Li„nie auf die Intervallen und debordirend; die

übrigen drei

„Bataillons in geschlossener Angriffscolonne dahinter." Der Feind

„Die Cavallerie der Avantgarde repliirt sich.

„wird über „und

den kleinen Bach gelassen,

dann angegriffen

geworfen."

Verfolgung auf Lowitsch.

Lowitsch anzugreifen liegt in der Absicht. mit Infanterie besetzt.

Es ist stark

Der commandirende General begnügt

sich daher, den Feind mit der Canonade zu ängstigen. „Batterien werden, „und

unter Deckung von Cosackenschwarmen

Cavallerieregimentern,

einigen

,,Die

vorgezogen,

und

wo

„feindliche Massen noch diesseits der Bzura sich zeigen, sel-

„bige zusammengeschossen. „Feind

„sammelt und

„zu sichern.

Gegen 64 Geschütze wird der

Die

ausdauern.

nicht

Liniencavallerie

hält

ge-

ä portee, die Batterien vor jedem Anfall

Der Infanterie wird eine Stellung weiter zu-

„rück auf der Straße

nach Skierniewize angewiesen.

„Leute ruhen und kochen.

Die

Mit sinkendem Tage soll auch die

„Cavallerie und Artillerie ins Bivouacq zurückgezogen wer„den, hinter die Infanterie.

Von letzterer aber soll in der

„Nacht ein Regiment, mit einer zu formirenden Haubitzbat-

*) Unsere bewährte Bataillonsmasse war zu jencr?Zeit, in die wir uns hier zurückversetzen, noch nicht in Gebrauch, wohl aber die Colonne

von Divisions- (Compagnie) Front, und mit halben Distanzen, die in je­ dem Augenblick sich zum Quarrce gestaltet und unter gewissen Vorausse­ tzungen dasselbe wie die Bataillonsmasse leistet.

(Gcsechtslehre) Erster Theil Seite 327.

Lehre vom Krieg.

Feldzug in Polen.

285

„terie und etwas Cavallerie, gegen Lowitsch vorgehn, und el-

„nen leichten Versuch darauf machen.

Mindestens wird die

„Haubitzade Schrecken und Unordnung verbreiten, und dem

„Feind die Passage auf den andern Tag verderben." Die Ausführung

dieser Anordnung

aber der

überläßt

Commandirende dem ältesten General, und begiebt sich nach seinem Hauptquartier Skicrniewize.

„Bei der am 27stcn angeordnetcn Bewegung der Avant„garde und Reservecavallerie aus Gluchow bleibt es.

Der

„Weg über Godzianow wird eingeschlagen, und die Avant„garde poussirt bis Rogow, gegen Brzezyn vor.

Dor Tage

„muß alles aus den Bivouacqs abmarschirt seyn, und nur „eine Arrieregarde vis ä vis yom Feinde bleiben, zur Beob„achtung,

und um rückwärts nach Skiernicwi'ze zu melden.

„Die Cavallerie- und Avantgardeabtheilung daselbst wird ab-

„gelößt werden, bleibt aber bis dahin stehen, und übcrninimt

„den Posten von Ruda.

Das Detachement von Bolimoiv

„wird eingezogen, und die Passage verdorben."

§.

136.

Abends (am 26sten November) in Skierniewize angelangt,

empfängt der commandirende General folgende Meldungen:

Von dem Gros der Armee. Die vorderste (zweite) Division hat den angewiesenen Punkt bis Babsk erreicht, die anderen aber sind durch die

Rcserveartillerie in dem schlechten Wege aufgehalten worden, und die letzte Division wird kaum Mzanow erreicht haben,

also erst den 28sten bei Rawa seyn können.

Von dem Oberst N. — (der mit dem Cavallerie-

Detaschement (§. 132) über Rawa vorgegangen.) — Seine Spitzen sind bei Jezow auf den Feind gestoßen,

welches aber nur Insurgenten gewesen.

Ueberall sind Vor­

bereitungen zum Ausstand sichtbar. Aufforderungen dazu wer.

286

Feldzug in Polen.

den von

der

französischen

stehen Franzosen. dorther.

Seite

verbreitet.

In

Lentschitz

Die Insurgenten erwarten Unterstütznng von

Das. Gros des Detaschements wird den 27 sten in

Lubochnia seyn. —

Antworten und Ordres. Hauptquartier Skierniewize den 2(>ftcn November Abends.

An

den

Generallieutenant

N.

in Babsk.

Der Marsch soll mit möglichstem Fleiße fortgesetzt wer­ den; die 2te (vorderste) Division, wenn sie bei Rawa anlangt,

sich ausstellen, so daß sie die nachfolgenden aufnimmt, wenn der Feind nachdränge, oder über Skierniewize vorrückte. Von der 4ten

(hintersten) Division wird das Cosackenregiment, ein Cavalle-

rie- und ein Jägerregiment, mit der reitenden Batterie, auf dem nächsten Wege nach Skierniewize vorgeschickt.

Der Ge­

neralmajor N. übernimmt das Commando über dieses Deta-

schement, und löset die bei Skierniewize wartende Arrieregarde ab.

Wenn er gedrängt wird, zieht er sich fechtend nach Ra-

wa zurück.

An den Oberst N. in Lubochnia. Das Detaschemcnt soll seine Bewegung

auf Wolborz

sortsetzen, sich des Punkts versichern, und gegen Petrikau recognosciren, rechts

Verbindung halten mit den Detasche­

ments der Avantgarde, die gegen Brzezyn vorgehn, und de­

ren Gros bei Jczow.

Alle Meldungen nach Rawa. —

Proklamation an die Landeseinwohner. (An die Avantgarde und Detaschements zur Verbreitung gesendet.)

Ermahnung zur Ruhe, und zur Treue gegen den recht­ mäßigen Landesherrn..— Eine Armee rückt an, um die Auf­ rührer zu züchtigen.

bei

Lowitsch

Schon ist die Avantgarde der Franzosen

geschlagen.

— Verzeihung

Verderben den Widerspenstigen.

allen

Verführten.

Den Strang den Verräthern!

Feldzug in Polen. Bekanntmachung

an

287

die Armee, von dem

siegreichen Gefechte

bei

Lorvitsch.

Dank den Tapfern! — Kurze Relation,

aus der die

Art und Weise zu entnehmen, um diesen Feind immer zu

schlagen. — (Die Prozedur gegen die Tirailleurs, und die Taktik mit den Batterien und Bataillonsquarrees, allen commandirendcn Officiers zur Nachahmung empfohlen.) H.

137.

Den 27sten früh ist das Vorrücken des Feindes von Lo-

witsch mit Wahrscheinlichkeit anzunchmen: eine Colonne auf Skierniewize, eine auf Godzianow, eine auf Lipce; (letztere in

der Voraussetzung, daß er den Operationsplan durchschaue). Nachmittag wird demnach die Avantgardeabtheilung bei Skier­

niewize angegriffen werden, und

zum Abend sich halten.

da der Tag kurz ist, bis

Die ablösende Abtheilung (von der

4ten Division) kömmt früher an, und nimmt

unterstützt das Gefecht,

eine Stellung rückwärts

bei Alt-Rawa.

Die

Abtheilung von der Avantgarde und Reservecavallerie findet

gleich

hinter Skierniewize auf

Wege nach Gluchow

dem

Wald, der ihre Bewegung verbirgt.

Sie nimmt ihrePrecau-

tions gegen die zweite feindliche Colonne, die nur mit ihrer Tüte Godzianow

erreicht haben kann, und wird mit halb­

nächtlichem Marsch am 28sten in der Gegend von Gluchow wahrscheinlich zu eben der Zeit anlangen, wenn die Avant­ garde und Reservecavallerie daselbst im Gefecht begriffen seyn

werden.

(Bis

dahin

konnte der Feind nur ihre Nachzüge

erreichen). — Der Commandirende über diese Abtheilungen sen­ det der von

Skierniewize kommenden

entgegen, ihr solche

Dircction zu geben, daß der Feind für seine linke Flanke be­

sorgt werde.

In gleicher Art agirt der General der Avant­

garde gegen die rechte des Feindes.

So darf man annchmen,

daß die Avantcorps sich bis zum 28sten Abends, ohne sich zu conpromittiren, bei Gluchow behaupten können.

Am 29sten

vor Tage brechen sie auf, die Avantgarde auf Ujadz, die Re-

288

Feldzug in Polen.

servecavallen'e (mit der bei sich habenden Jnfanterieabtheilung) auf Lubochnia. §. 138. Nach Zeitberechnung und dem natürlichen Lauf können

die Begebenheiten am 27stcn und 28sten November nicht viel anders erfolgen, als sie hier vorausconjecturirt sind.

Wenn

Nachmittags am 27sten der Canonendonner bei Skierniewize anzeigt, daß die Abtheilung daselbst ernstlich angegriffen wird,

ist der commandirende General schon in seinem neuen Haupt­ quartier Rawa.

Er wirst einen Blick auf die von der zwei­

ten Division genommene Stellung.

Eine Brigade (6 Ba­

taillons) steht auf der Höhe des rechten Rylska- *) Ufers. Sechs Bataillons haben die Stadt und die Vorstadt auf dem linken Rawkaufer besetzt; sechs Bataillons hinter der Stadt

in Reserve. — Hauptquartier Rawa, den 27sten November Abends.

An die dritte und vierte Division. Auf gleicher Höhe mit dem Marsch der Colonnen müs­ sen Jägerdetaschements bis an die Rawka seitwärts poussirt

werden, welche die Passagen so lange besetzt behalten, bis die

letzten Nachzüge hinter ihnen weg vorbei marschirt sind, dann aber den Fluß longirend folgen.

Gegen die Hauptpassagen

ist solchen Detaschements leichte Artillerie auf der Thalhöhe

beizugeben.

(Nowydwor und Kurzeschynek sind solche Haupt­

passagen) **).

An den Generallieutenant N .... auf der Höhe von Gluchow.

Wenn bei dem auf morgen abzusehenden Gefecht die *) So heißt der bei Rylsk entspringende und bei Rawa in die Raw­ ka einfließmde und wie diese von ansehnlichen Höhen begleitete Bach.

unserer Generalcarte ist er nicht angegeben.

*•) Zwischen AlteRawa und Rawa gelegen.

Auf

Bewegung der Armee von Nava, den 27(leit N Avantgarde-

Datum.

(Erste) Division.

Den 27sten

Reserve-

Cavallerie.

Jezow. —

Gluchow.

Spitzen gegen

Abtheilung

November. Brzezyn und

über Galkow.

Zweite

Di­

Nawa.

Artillerie.

Divis

Abends bei

Babi

Nawa.

bei Skier-

niewice.

Destliren hinter de

thig Gefecht, auf den Höhen

Nawa.

weg, und nehmen den Höhen des linl

von Gluchow.

Den 29sten

Dri

vision.

Den 28sten Stellung, und wenn es nö­

November.

Reserve-

kabachs, Nawa

Ujadz. Spitzen

nach Bendkow Lubochnia. November. und bei Gal-

Luboch­

Lubochnia. Czernie

nia.

fow.

Den 30sten

Spitze nach

Tuszyn.

Vor­ November. trab bei Bend­

Vereinigung und Marsch hinter die W

kow. Den Isten

December.

Den

Stellung bei Wolborz.

2ten

December.

Petrikau.

Zu Seite 289.

von Rawa nach Petrikau. 7sten November 1806.

Dritte

Vierte

Haupt­

Division.

Division.

quartier.

Babsk.

(bei Babsk) De-

Der Feind.

Rückt vor in drei Colonncn,

Chrzczonowice

Rawa.

1) bis Skierniewice,

taschement bei

2) »

Godziano.

Skierniewice.

3) »

Lipce.

nter der zweiten Division

1) gegen Rawa,

nehmen die Stellung auf

2) 1 unb im Gefecht mit der

Rawa.

3) ) Avantgarde und Rcscrve-

des linken Ufers des Ryls-

cavallerie.

Nawa vor der Front.

Czerniewice.

Rawa.

die Wolbarka. —

Lubochnia.

Wolborz.

Petrikau.

Feldzug in Polen.

289

Avantgarde und Reservecavallerie sich nicht auf der Höhe von

Gluchow behaupten können, oder Umgehung" in der linken Flanke fürchten müssen, so ist

wenigstens nothwendig, dem

Feinde die Passage der Nawka so lange alK möglich zu ver­ wehren, und ihn auf den Wegen nach Lubochnia und Ujadz

auszuhalten, weil die Nachzüge der Armee erst den 30sten

daselbst eintreffen können.

Starkes Nachdringen des Feindes

nach dieser Richtung ist am meisten zu fürchten, dagegen

Leitung der feindlichen Streitkräfte auf Nawa zu wünschen. Eine Cavallerieabtheilung (2 Regimenter und eine reitende Batterie) soll daher, wenn das Uebrige links abmarschirt, auf der Straße nach Nawa sigurirend stehen bleiben, den Feind be«

schaftigen, und auf Rawa repliirend, die Aufmerksamkeit des Feindes dahin leiten.

Das Detaschement wird von da gerade

auf Lubochnia seinem Corps nach dirigirt werden. — Die Bewe­ gung der Armee (aus dem Marschtableau No. II. zu entnehmen) wird dem Herrn Generallieutenant mitgetheilt.

§.

139.

Das Marschtableau No. II., am 27sten November in

Rawa entworfen und am 28sten allen Divissonsgeneralen zu­ gesendet, zeigt uns an diesem und am folgenden Tage Gefechte

bei Rawa.

Die feindliche Colonne von Skierniewize wird

natürlicherweise am 28sten bis an die Rawka vorrücken, die Ärrieregarde hinüberdrängen, und die Passagen bei Rawa und

gegenüber von Alt-Rawa angreifen, diese letztere wahrscheinlich

forciren.

Die Nachzüge werden aber dann schon das Rylska-

thal erreicht haben, und die linke Thalhöhe hinauf defiliren, auf welcher die schweren Batterien der Reserveartillerie zweck­

mäßig placirt sind, um über die Stadt Rawa hinweg den

Rückzug zu protegiren.

Zur

Erleichterung der Passage ist

oberhalb der Stadt noch eine Brücke über die Rylska geschla­

gen, und ein Weg durch das Thal faschinirt.

Die Brücke

über die Rawka wird, wenn alle Arrieregarden hinüber sind, verbrannt und die Passage bis in die Nacht hartnäckig gehalLehre v. Krieg HI.

19

Feldzug in Polen.

290 feit.

Die vierte Division übernimmt den Posten von Rawa,

doch nur mit drei Bataillons, Alles übrige über die Nylska

zurück.

Die zweite Division (die vorderste in der Ordre de

Bataille) rückt ins letzte Treffen auf dem Wege nach Lubochnia ins Lager, ruht und kocht, und muß mit Tagesanbruch

wieder in Marsch seyn.

Von der Reserveartillerie brechen

die Batterien, welche nicht im Feuer sind, schon Nachmittag

mit allem etwa vorhandenen Fuhrwesen auf, mit zwei Ba­ taillons und einer Cavalleriebedeckung und nehmen Vorsprung. Mit dem Abend, wenn das Artilleriefeuer aufhört, rücken die

schweren Batterien nach.

Nur drei bleiben in der Position.

Am 29sten ist die Position auf den Höhen des linken Äsers der Nylska nur von der vierten Division besetzt.

ist im Vortheil des Terrains und kann sich halten.

Escadrons sichern die rechte Flanke. ren Batterien den Rückzug an.

Sie

Ihre 15

Abends treten die schwe­

Die Division folgt in der

Nacht. §.

140.

Offiziere des Generalstabs, Feldingenieure und Wege- und

Brückenbauer sind schon am 28sten unter Bedeckung nach Lu-

bochnia vorausgegangen.

Der sie befehligende Generalguar-

tiermeister ist beauftragt, die Passagen der Wolborka *), auf der Strecke von Wolborz bis zum Einfluß in die Pilica zu recognosciren, und so wie die Wege zu solchen, zu dem Zweck

in Stanv setzen zu lassen, daß die Armee in mehreren Colonnen durch und bei Lubochnia vorbei über den genannten Fluß

gehen, und sich jenseits aufstellen kann. **). Es ist nach diesen Anordnungen mit Zuverlässigkeit an­ zunehmen, daß der Marsch der Armee am 29sten unter De-

ckung der Arrieregardegefechte ohne Störung vor sich geht.

*) Der über Wolborz der Pilica znflicßmde morastige Fluß. *•) Die (Mische Carte zeigt, daß solches möglich ist.

Feldzug in Polen. §.

291

141.

Im neuen Hauptquartier

Lubochnia

angelangt, erhält

der commandirende General Meldung, daß der Feind

die

Avantgarde und Neservecavallerie mit Uebermacht dränge, daß beide bei Budziszewice (eine Meile vorwärts Lubochnia und

Ujadz) am Abend

und am 30sten

sich vereinigen wollen,

früh den Angriff erwarten, das Terrain aber der Cavallerie nicht günstig ist. Der Commandirende beschließt hierauf, sich mit Tages« anbruch

an die Spitze der bei Lubochnia angelangten und

schon lagernden

zweiten Division zu setzen,

Avantcorps zu vereinigen,

sich mit dem

und so mit 36 Bataillons dem

Feind auf seine Colonnenteten zu fallen. Generallieutenant N. angezeigt,

Dies wird

dem

und am 30sten ausgeführt,

die Neservecavallerie dabei aus dem Gefecht gezogen, und der Rückzug der andern beiden Divisionen und der Neserveartillcrie

über die Wolborka unterdeß bewerkstelliget.

Die Disposition

dazu wird diesen Abtheilungen durch wegekundige Colonnen-

führer entgegen gesendet.

Avantgarde und zweite Division lagern am Abend bei Ujadz.

Die Neservecavallerie geht mit dem Gros der Armee

über die Wolborka zurück.

Oberst N— mit seinem Detasche-

ment ist in Wolborz cingerückt.

Seine Vorläufer bis Petrikau

haben daselbst und in der Umgegend alles ruhig gefunden. — Das Hauptquartier kommt nach Wolborz.

§.

142.

Hauptquartier Wolborz > den tsten Dezember.

Die dritte Division besetzt Wolborz und bezieht das

Lager bei'm Ort, dessen passagere Befestigung schon in der Nacht angefangen ist, und durch Ablösung der Arbeiter geför­

dert werden muß, um morgen einem Coup de main wider­ stehen zu können.

Die Verschanzungen werden von dem Chef

der Artillerie mit dem gehörigen Geschütz versehen.

19*

Feldzug in Polen.

292

Die vierte Division lagert rechterhand von Wolborz,

poussirt ihre leichte Cavallerie an die Wolborka abwärts, bis zu deren Einfluß in die Pilica und an das österreichische Ge­

biet, ruinirt und bewacht alle Passagen. Die Avantgarde- (erste) Division zieht sich zurück nach

Bendkow, setzt sich fest in dem Ort, und vertheidigt die Pas­

sage über die Wolborka, poussirt die leichte Cavallerie auf ihre linke Flanke, die Spitzen über Tuszyn und gegen Brzezyn und beobachtet alle Wege von der Bzura.

Reservecavallerie und Artillerie marschiren nach Petrikau, wo ihnen Cantonirungsquartirre angewiesen werden.

Die

zweite Division bleibt

Ujadz, stellt sich Replies

Wolborz,

und

mit einer Arrieregarde

rückwärts

auf

bei

dem Wege nach

zieht sich dahin zurück wenn sie gedrängt

wird, lagert dann hinter der dritten Division. Sechs Bataillons von der zweiten Division werden de-

taschirt;

eins

zwei

nemlich

zur

Bedeckung

der Reserveartillerie,

Drei Bataillons (ein Jägerregi­

sür's Hauptquartier.

ment) stoßen zu dem Detaschement des Obersten N. welcher als eine mobile Colonne über Widawa gegen die Wartha mar» schirt, die Insurrektionen in der Gegend zerstreuet, und die Wege nach Breslau öffnet.

(Das Gouvernement von Schle­

sien ist aufgefordert, eine gleiche mobile Colonne über Wieru-

zow zu poussiren, mit welcher er sich in Verbindung setzt, zugleich aber die Wartha abwärts und gegen Kalisch recog-

noscirt). Das Hauptquartier ist den 2ten Dezember in Petrikau.

§.

143.

Was der commandirende General seinem Monarchen zu

berichten hat, fassen wir in folgende kurze Darstellung seiner

Lag? und Absichten zusammen: „Daß die Armee nach mehreren blutigen Gefechten die

„Stellung hinter der Wolborka glücklich erreicht hat, ist einer

Feldzug in Polen, „gewonnenen Bataille gleich zu achten.

Der Feind kann ihr

„den Weg nach Schlesien nicht mehr versperren, und wird

„ihr wohl einige Tage Ruhe lassen, da der morastige Fluß

Abwärts,

„ein bedeutendes Hinderniß ist.

„Zusammenfluß mit der Pilica,

„den Feind bedenklich seyn.

nah' an seinem

dürfte ein Uebergang für

So bleibt ihm nur übrig, unsere

„linke Flanke zu umgehen wo er sich in grundlose Wege

„und morastige Waldterrains verwickelt.^

„Die feindlichen Corps unter dem Prinzen Murat, die „Garden und Davoust, haben sich bei Ujadz vereinigt, und „sind auf 70,000 Mann zu schätzen.

Das Corps von Au-

„gereau wird über Lentschitz erwartet, nnd das von Soult ist „in Posen angelangt, wo man der Ankunft des Kaysers der

„Franzosen

Die

entgcgensieht.

polnische

Jnsurrection

hat

„sich längs dem ganzen Lauf der Wartha und Prosna aus„gebreitet. — Nur so lange als zur Erholung nrty »big,

„wird die Armee an der Wolborka verweilen, dann aber den „Marsch nach der Wartha fortsetzen, um, wenn es

noch

„möglich, Glogau zu entsetzen."

Ein Courier mit diesem Bericht geht am 2ten Dezember

aus dem Hauptquartier Petrikau durch das österreichische Ge» biet nach Ostpreußen ab.

§. Ereignisse

und

144.

Meldungen

am

3ten

De­

zember.

Canonade bei Wolborz! — Es scheint mehr eine Recognoscirung, als ein ernstlicher Versuch des Feindes zu seyn. — Die Avantgarde hat sich bei Bendkow etablirt; der Paß ist leicht zu vertheidigen.

Der Feind ist bis an den Rand des

Waldes gefolgt, hat daselbst ein Lager bezogen, und beunru­

higt nur

Wolborka

mit Tirailleurs.

aufwärts

Man bemerkt eine Colonne die

ziehend. — Die Cosackendetaschements

von Tuszyn aus, sind bei Rzgow auf den Feind gestoßen:

294

Feldzug in Polen.

Insurgenten und Chasseurs, nach Aussage einiger Gefangenen

die Spitze von Augereau, dessen Hauptquartier heute in Strykow. —

§.

145.

Es ist wahrscheinlich, daß

der Feind nur die Ankunft

des Augereauschen Corps auf unserer linken Flanke erwartet-

um dann zu einer combinirten Offensive übcrzugehen.

Den

6ten Dezember ohngefähr könnte jenes Corps in der Gegend von Tuszyn angelangt seyn, und um eben diese Zeit auch

Soult die Wartha bei Peysern oder Konin erreicht habe», und

uns von dortaus die Passe weiter oberhalb über diesen Fluß

verlegen. Dies veranlaßt

folgende Armeebewcgung

und Anord»

nungen. Hauptquartier Petrikau, den äten Dezember.

„Die zweite Division marschirt von Wolborz nach Ju-

„troszow, wo sie den 5ten anlangt und eine Stellung nimmt, „um die leichte Cavallerie von Tuszyn und die Avantgarde „von Bcndkow aufnchmen zu können.

Ein Dragoner» und

„ein Cosackcnrcgimcnt von der Ncservccavallerie stoßen zu der

„Division, und marschiren am 6tcn mit dem einen Jagerre„giment und einer leichten Batterie nach Kuznica.

Den 7ten

„marschirt dies Detaschement nach Lask, wo es sich des Ue-

„bergangs über die Grabowka versichert.

Die leichte Caval-

„lcrie recognoscirt gegen Szadek und Sieradz." „Die vierte Division marschirt um Mittag ab nach Pe-

„trikau, und rückt Abends hinter der Stadt ins Lager." „Die dritte Division halt den Paß von Wolborz fest, „und macht Anstalten Damm und Brücke ruiniren zu kön-

„neu, wenn der Rückzug nothwendig. — Ein Gleiches thut „die Avantgarde-Division bei Bcndkow, muß aber diesen Paß

„kräftig vertheidigen." „Sollte der Feind am 5ten Dezember ruhig bleiben, so „soll die Cavallerie der dritten Division, soutcnirt von einem

Feldzug in Polen.

295

„Jägerregiment und einiger leichten Artillerie, eine RecognoS„cirung vorwärts über die Wolborka machen. —"

„Alles Fuhrwesen (außer der Artillerie) marschirt unter „Bedeckung des Bataillons vom Hauptquartier, rückwärts, in „drei Märschen nach Widawa, woselbst es von dem Oberst „N— Weisung erhält."

(Die in dieser Disposition erwähnten Marschwege sind schon recognoscirt, und durch Pionierdetaschements und aufge­ botene Arbeiter möglichst in Stand gesetzt).

§.

Meldungen

146.

5te»

am

1) Oberst N — ist

den 3tcn

Dezember.

in Widawa eingerückt.

Seine Vorläufer bis an die Wartha haben nur leichte Jnsur«

gentcnhaufen gefunden, die ihnen wichen. soll ein Sammelplatz seyn.

In Sieradz aber

Er wird in der nächsten Nacht

einen Ucberfall dahin versuchen.

2) Der Feiud scheint uirsercn Posten von Wolborz blos

zu observiren, halt sich jedoch mit einer Abtheilung am Rande des Walocs auf dem Wege nach Bendkow.

Bis gegen sol­

chen ist die befohlene Reeognoscirung vorgegangen und hat eine leichte Canonade veranlaßt.

3) Gegenüber von Bendkow sammelt sich der Feind stär­

ker, und bringt viel Geschütz herbei.

Es ist Lärmen und Un­

ruhe in seinen Bivouacqs. 4) Die Patrouillen von den Vorposten vor Tuszyn sind

auf dem Wege nach Strykow auf starken Feind gestoßen.

Er

lagert bei Mileszky. Hauptquartier Petri kau, den 5fen Dezember.

„Morgen vor Tagesanbruch wird der Posten vor Wol» „borz verlassen, vorher in der Nacht Brücke und Damm

„gründlich verdorben.

Ein Dragonerdetaschement bleibt dabei

„zurück, bis der Feind es vertreibt, und rapportirt sowohl „rückwärts als an den Avantgardcgcneral nach Bendkow. — „Die Division marschirt nach Pctrikau, die Reserveartillerie

296

Feldzug in Polen,

„nach heute bis Mzurki (zwei Meilen rückwärts).

Die Re-

„servecavallerie versammelt sich morgen linkerhand Gomolin *)

„(lj Meile rückwärts Petrikau).

Das Hauptquartier kommt

„den 6ten Dezember Abends nach Jutroszow.

Die Meldun-

„gen im Laufe des Tages gehen nach Bendkow."

§.

147.

Daß Napoleon am 1 fiert Dezember 1806 in Posen war,

ist Thatsache.

Wenn wir solche nun mit unserm eingebilde­

ten Feldzug in Verbindung bringen, so ist die Annahme na­

türlich, daß die französischen Bivouacqs an der Wolborka ihn

am 6ten Dezember mit ihrem Freudenrufe begrüßen. Lentschitz kommend, hat

Corps dirigirt. zum Angriff.

Ueber

er den Marsch des Augereauschen

Seine Ankunft bei'm Heer ist das Signal

Die Colonnen, mit einem Schwarm von Ti-

railleurs vor sich her, rücken gegen Bendkow vor.

Die Rus­

sen verlassen den Ort, und ziehen sich über die Wolborka zu­

rück.

Die Brücke wird in Brand gesteckt, die Stadt steht in

Flammen.

Noch am nemlichen Tage muß der Feind die Passage

zu erzwingen suchen, wenn er, wie seine Absicht, am folgen­ den mit Augereau vereinigt uns die linke Flanke abgewinnen

und zur Hauptschlacht zwingen will.

Solche aber auf diese

Weise zu liefern, ist nicht im Geschmack unseres Feldherrn.

Schon als er am frühen Morgen Petrikau verließ, hatte er beschlossen, die ganze Armee am 8ten in eine Centralstcllung

bei Labudzice**) zu vereinigen.

Die Reserveartillerie bricht

am 7ten auf, und langt am 8ten daselbst an.

Die vierte Division soll die Ankunft der dritten (von Wolbvrz) abwarten, und dann noch bis hinter Mzurki mar*) Ich nenne diesen Ort, det.

weil er sich auf unserer Generalearte fin­

Genauer bezeichnet aber ist der Punkt bei Grabiee, eine Meile

weiter nördlich, wo der Weg nach Jutroszow (wohin nur noch eine Mei­ le ) von der Straße von Petrikau nach Lask durchschnitten wird.

**) Nur noch einen Marsch von Widawa.

297

Feldzug in Polen. chiren, wo sie Abends am 6ten anlangen kann.

Den 7ten

wird ihr die dritte folgen, welche den Feind von Wolborz im Auge behält.

Beide bleiben bei Mzurki zur Verfügung des

Commandirenden, eben so die Rescrvecavallerie, welche, von Jutroszow aus zu beschicken, an dem Gefechte Theil nehmen

kann, das am 7ten daselbst zu erwarten ist.

Es liegt in der Natur der Sache, daß unser Feldherr, wenn er sich nach seinem

neuen Hauptquartier begicbt, den

Umweg über Bendkow nimmt, um zu sehen, was sein Avant­ posten macht.

Er langt in den Augenblick an, wo der Feind

mit einer überwiegenden Menge Geschütz die Canonade eröff­ net, und seine Colonnen die Passage über die Wolborka ver­ suchen.

Es ist indeß schon Mittag vorüber und das Gefecht

wohl bis gegen Abend noch hinzuhalten.

Die Jägerregimen­

ter mit ihren Batterien und die ganze Reuterei, bleiben dem

Feind gegenüber, die übrigen 12 Bataillons mit ihrer Artil­ lerie treten, wenn der Tag sich neigt, den Rückzug an, in der Richtung nach Jutroszow, bis dahin wo die Straße von

Petrikau nach Tuszyn den Weg durchschneidet (d. i. bei Golgow,

nach der Gillyschen Carte).

Hier Halt und Bivouacq.

Vermöge dieser Anordnung hat der commandirende Gene­ ral am 7ten Morgens über 21 Bataillons, 40 Escadrons

und 10 Batterien auf dem Raum von kaum einer Quadrat­ meile zu disponiren *) und ist zum Empfang des Augereauschen Corps bereit, wenn cs aus dem Walde zwischen Tu­ szyn und

Bendkow hcrvorkömmt.

Je nach

den Umstän­

den vereinigt der Feldherr diese Macht vor- oder rückwärts, wirft sich dem Feind entgegen, oder erwartet ihn in ausge­

wählter Stellung.

Unstreitig rückt nun auch Napoleon, ge-

') Nemlich: über die 9 Bataillons mit ihren 4 Batterie» und .5 Es­ cadrons bei Jutroszow; die 12 Bataillons und ■/i Batterien der Avant-

gardedivifion bei Golgow; und die 35 Escadrons (mit Inbegriff des

einen Cosackenregiments) von der Reserveeavallerie, Batterien, bei Grabice.

mit ihren 2 reitenden

Wer sich der gemachten Detaschements erin­

nert, wird finden, daß unsere Rechnung richtig ist.

298

Feldzug in Polen.

gen den der Paß von Bendkow höchstens bis zum frühen Morgen zu halten war, mit ganzer Macht von dort an. Fünfzehn Escadrons (die Cosacken nehmen wir als aufgelöst für die Vorposten an) mit vier leichten Batterien halten Linie gegen ihn, und fechten im Rückzug. Ehe er seinem Augereau die Hand reicht, wird der Abend hcrankommen, und der entscheidende Angriff erst für den folgenden Tag vorbehalten seyn. Vor Anbruch desselben aber treten die Abtheilungen, die wir am Abend bei Jutroszow vereinigt annehmen, den Rückzug nach dem allgemeinen Vereinigungspunkt Labudzice an. Man kann dahin in zwei Solennen marschiren, und am 8ten Dezember bei guter Zeit mit den Divisionen, die von Petrikau dahin gekommen, vereinigt seyn. Die Jägerregi­ menter und die leichte Cavalleric machen die Arricregarde. §. 148. Sich so weit von Warschau zu entfernen, kann nicht in Napoleons Plane liegen. Zwar hat die preusiische Besatzung daselbst sich nicht gegen die aufgeregte Volksmenge halten kön­ nen, und sich über die Weichsel nach Prag» zurückgezogen. Marschall Ney, der von Thorn die Direction auf Warschau erhalten, hat schon eine. Besatzung bincingeworseii, und soll die Weichsel passiren. Indeß nahet sich das zweite russische Heer unter Buxdhöwden mit starken Schritten. Lestöcq mit dem preußischen Corps zieht die Weichsel aufwärts heran. Dieser vereinigten Macht ist Ney nicht gewachsen. Gelangt die russischpreußische Armee über die Weichsel, so erhält der Krieg eine ganz andere Gestalt. Von einer Herstellung Po­ lens kann dann die Rede nicht mehr seyn. Die Gegenwart des Kaysers mit dem Kern seiner Macht in dem Bezirke der Hauptstadt ist daher nothwendig, soll anders der Lieblings­ entwurf noch zur Ausführung kommen. Diese Gedanken werden unserem Gegner recht lebhaft vor die Seele treten, wenn er am 8ten früh die Armee, die er zu vernichten dachte, im Rückzug sieht, und ahnet, daß sie nirgends diesseits der

Feldzug in Polen. Wartha ihm Stand halten

wird.

299

Wir glauben in seinem

Charakter zu handeln, wenn wir ihn nur an Augereau den Befehl geben lassen, der russischen Armee in die polnischen Wälder zu folgen.

Davoust, der über Petrikau vorgedrungen,

den Nachzug der dritten Division etwas gedrängt hat, erhält Befehl Halt zu machen.

Die Garden, die Corps unter Mu­

rat, wobei der größte Theil der Cavallerie, sollen gleich fol­ genden Tags umkehren, zum Eilmarsch nach Warschau, und

erhalten Bivouacqs

und Quartiere dieser Richtung

Der Kayser nimmt das seinige in Petrikau.

gemäß.

Die Gefechte am

6ten und 7ten, der Rückzug der russischen Armee, und das

noch dauernde Nachzugsgefecht, sind genügsame Veranlassung, das Bülletin aus diesem neuen Hauptquartier und die Zeitun­

gen Deutschlands und Frankreichs mit Relationen vom angeb­

lichen Siege zu füllen. — „ Es bedarf der Gegenwart des „Kaysers nicht, um die schwachen Trümmer einer geschlage„nen Armee in die Moräste der Wartha zu treiben. „seiner Lieutenants ist dies ausgetragen.

Einem

Er selbst, mit sei-

„nen auserlesenen Corps, eilt neuen Triumphen an der Weich„sel und dem Narew entgegen!"

Diesen Phrasen der Uebertreibung liegt eine ruhige Be­ rechnung zum Grunde.

Das Corps von Soult hat schon

bei Konin die Wartha überschritten.

Glogau ist am 3ten

Dezember übergegangen, und Prinz Jerome mit seinem Belagerungseorps nach Kalisch beordert, wo er den lOten Dezem­

ber eintrifft, und bereit sich mit Soult zu vereinigen, der »ach Armee

entgegenkömmt, wäh­

rend Augereau sie von hinten drängt.

Die sächsische Kriegs­

Schlesien ziehenden

russischen

macht, und was sonst noch dem Rheinbund abzupressen, ist

nach Schlesien beordert.

So kann man hoffen, die daselbst

sich bildende preußische Macht zu beschäftigen, und den Krieg

auf dem westlichen Schauplatz selbst mit Ueberlegenheit zu führen.

Auf dem östlichen bringt der Kayser, da. Davoust

mit zum Umkehren bestimmt ist, mit Inbegriff der zu bil-

Feldzug in Polen.

300

denden polnischen Streikrast,

wohl 100,000 Mann zusam­

men, mit denen er nach einer gewonnenen Schlacht seinen Gegnern Gesetze vorzuschreiben gedenkt.

Mit acht Märschen

mit zwölf Märschen in Pultusk

kann man in Warschau,

seyn, welchen Convergenzpunkt der Wege man eben noch vor dem Feinde erreichen wird.

Lestocq überlegen,

Das Corps von Ney, dem von

passirt die Weichsel bei Zakrotschin und

nutzt sich darbietende Vortheile.

Mit Befehlen und Anord­

nungen zu Ausführung dieses Plans verweilt Napoleon drei

Tage in Petrikau, läßt seinen Garden und Cavalleriecorps

Vorsprung, und behält das bei Mzurki etablirte Davoustsche Corps noch bei sich, für den möglichen Fall, daß die russi­

sche Armee in ihrer am Sten Dezember genommenen Stellung noch Stand hielte, und Gelegenheit gäbe, sie zu schlagen.

§.

149.

Begleiten wir aber unsern Feldherrn auf seinem Vereinigungsmarsch am 8ten Dezember. — Daß Glogau am 3ten

sich dem Feind ergeben hat, muß er durch die gemachten Ge­

fangenen schon erfahren haben.

Es ist aber auch noch au­

ßerdem zuverlässige Meldung davon durch die Vorläufer des

Oberst N. eingelaufen, welche, nachdem Sieradz der Absicht

gemäß genommen und die Jnsurrection daselbst auseinander gejagt worden, sich mit den Vorläufern vom Detaschement von Lask bei Szadek begegnet haben.

Von dort hat man

zugleich Nachricht, sowohl von der Annäherung des Corps

von Soult, als von der baldigen Ankunft des Prinzen Je­ rome mit den Nheinbundstruppen in Kalisch, indem solche am 4ten durch Glogau defilirt, und den Weg auf Nawitsch ein­

geschlagen haben.

Schnell erkennt unser Feldherr den günsti­

gen Moment hier dem verfolgenden Feind zu entschlüpfen, um mit Uebermacht und unerwartet sich zwischen jene feind­

liche Corps zu werfen, und durch einen fast nicht zu bezwei­

felnden Sieg den Feldzug - glänzend zu enden. — Bei Kosciesow, hinter dem Bach, der von Mzurki her nach Lask fließt,

werden beide Divisionen aufgestellt, die zweite bis Kuznica links geschoben; die Reservecavallerie hinter der ersten Division, Alles in Bereitschaft das Gefecht anzunehmen, wenn der Feind folgt. Doch wird es an diesem Tage wohl bei Lirailladen der leichten Truppen sein Bewenden haben. — Dem General der zweiten Division aber wird aufgetra­ gen, am 9ten in der Stille links abzumarschiren, auf Lask. Die von der Division zur Neserveartillerie und dem Fuhrwesen detaschirten 3 Bataillons werden ihm nachdirigirt werden, so daß er mit seinem Ganzen in der Richtung über Sieradz die Avantgarde bildet, und den als Vortrab vor sich habenden Oberst N. gegen Kalisch poussiren kann. Den Ilten soll er bei Sieradz eintreffen, Wartha sobald als möglich zu occupiren suchen, ein fliegendes Detaschement in dem Bezirke von Szadek halten, und einen Verbindungsposten bei Osmolin, (auf halbem Wege von Lask nach Sieradz). Daß die ganze Armee über Widawa und Sieradz nachfolgen und gegen Ka­ lisch marschiren wird, ist ihm unter dem Siegel des Geheim­ nisses vertraut, und vor Allem empfohlen, jeden Schritt der feindlichen Corps von Soult und Prinz Jerome zu erkundigen und im Auge zu behalten. Während die zweite Division am 9ten früh auf diese Weise im Marsch auf Lask begriffen ist, wird die erste — nunmehrige Arrieregarde — bei Kosciesow wohl angegriffen seyn. Die ganze Reservecavallerie ist indeß bei der Hand, dem Feinde auf der Strecke Ebene, die daselbst sich findet, eine Lection zu geben, wenn er den Rückzug zu heftig verfolgen sollte. Die vierte Division mit der Reserveartillerie ist unter« deß schon in Marsch gesetzt nach der Widawka, die beide noch an diesem Tage passiren, und rechterhand der Straße nach Widawa lagern.— Die dritte Division steht bei Labudzice in Position, und nimmt die erste mit der Reservecavallerie auf, welche gleich am I0ten früh den Marsch nach Widawa fort-

Feldzug in Polen.

302

setzen, die Division ins Lager, die Stadt vor der Front, die

Reservecavallerie nach Zurücklegung der Widawka links gescho­ ben, um am Ilten bei Nichlocice die Wartha zu passiren,

und in die Erholungsquartiere zu rücken, die ihr bis nach Zlaezew vorwärts angewiesen werden.

Die Neserveartillerie

mutz schon aufgebrochen seyn, ehe diese Abtheilungen an der Widawka anlangen.

Sie geht durch Widawa,

und lagert

hinter der Stadt, vereinigt mit der ersten Division. — Die dritte Division in der Stellung bei Labudzice wartet den Feind ab, und deckt als Arrieregarde den Rückzug bis über die Widawka,

wo die vierte sie ausnimmt,

und sie am Ilten

gleich weiter durch Widawa auf der Straße nach Sieradz bis gegen die Wartha marschiren kann, woselbst sie lagert.—

Das Hauptquartier ist den lOten in Widawa. — Wir bringen alle diese Bewegungen, von denen wir annehmen dürfen, daß

sie ohne Hinderniß ausgeführt werden, zur historisch-belehren­

den Uebersicht in nachstehendes Operationstableau zusammen, das nicht im Voraus gegeben werden konnte,

da mehrere

Märsche und Anordnungen Eingebungen des Moments, oder von den zufälligen Umständen geboten waren.

§.

150.

Zu der beabsichtigten Operation von Kalisch ist die Mit­

wirkung des Gouverneurs von Schlesien erforderlich.

Schon

hat er auf die Nachricht, daß das feindliche Corps von Glo-

gau sich nach Pohlen in Bewegung gesetzt, feine gesammelten

10,000 Mann von Breslau über Oels bis Polnisch-Warten­ berg vorrücken lassen, und seine nachbarliche Hülfe angeboten. Dies willkommene Hülfscorps wird zum Vorrücken vorläufig bis Sokolnik eingeladeu, wo es bereit ist, offensiv mitzuwir­ ken, oder das Corps von Augereau auf sich zu ziehen und

zu beschäftigen, wenn solches wie zu erwarten, die Wartha überschreitet und uns folgt.

Daß Augereau etwa, eine sichere

Vereinigung vorziehend, über Lask nach der Wartha marschire,

ist aus militärischen und persönlichen Gründen nicht wahr-

Bewegung der Armee von der Wolborka (bei Wolborz und Bendk

Avantgarde-

Datum.

Zweite Division.

(Erste) Division.

Bendkow. Den 5ten Vorposten über December. Tuszyn.

Das Gros.

Jutroszow.

Auf dem Rückzug Den 6ten gegen Jutroszow Jutroszow. December. Arriergarde bei Bendkow. Den 7ten Golgow und bis December. Jutroszow.

Detaschement von 3 Bataillons, 10 Escadrons und 1. Batterie.

Jutroszow.

Kuznica.

Vierte

Dritte

Reserv!

Division.

Division.

Cavaller

Petrikau.

Wolborz.

'Zn Cantom bei Petrika

Mzurki.

Petrikau.

Grabice (n, von Gomo

Lask. Spitzen gtz Mzurki. gen Szadek und Sieradz.

Den 8ten Kosciesow (verei­ Kuznica. December. nigt mit derReservecavallerie.) Im Gefecht mit Den 9ten Augereau und December. Rückzug auf Labudzice.

Den lOten December.

Den Ilten December.

Widawa.

Lask.

Im Marsch auf Sieradz.

Sieradz, und weiter über Wartha. Detaschemcnts bei Szadek, Osmolin u. s. w.

Mzurki.

Labudzice.

Rückzug auf Wi­ dawa. Widawa.

Labudzice.

Kosciesow

Labudzice

Nimmt das Ge­ fecht an; daun Bei Widc Rückzug auf Wi­ dawa. Marschirt auf bei Ueber Richlc Straße nach Sie­: Zlaczew it radz , bis an du• tonnirung. Wartha.

Zu Seite 302.

Bendkow) über Widawa, bis an die Wartha bei Sieradz u. s. w. 1

----Mobile Colonnen

ReserveArtillerie.

Reserve-

Cavallerie.

auf der

Haupt­

Operationslinie

quartier.

Der Feind.

nach Schlesien.

i Cantonnirung In Cantonnirung Widawa und

bei Petrikau.

ei Petrikau.

Petrikau, und im Die Corps unter Murat und Davoust haben an Gefecht beiBcndsich Belidkow gegenüber vereinigt. Auge-

der Wartha.

kow.

reau ist über Strykow vorgerückt.

Der

Kayser angelalrgt.

Treibt die Jnsur-

Mzurki.

rabice (nördlich

>on Gomolin.)

rectionen bei Sie­

Jutroszow.

Angriff des Postens von Bendkow, während ein Corps über Tuszyn vorgerückt.

radz u. s.w. aus­ einander.

Die Passage bei Hendkow früh Morgens for-

Auf dery Marsch

cirt.

nach Äbudzice.

Vorrückm gegen Jutroszow.

Die Corps unter Murat kehren um, zum Kosciesow.

Labudzste.

Labudzice.

Wartha.

Marsch nachMarschau. — Davoust macht bei Mzurki Halt. Jutroszow.

Augereau folgt über

Hauptquartier Petrikau.

Prinz Jerome ist über Glogau und Rawitsch

Labudzice.

Rückzug auf Wi­

auf Kalisch marschirt,

dawa.

Bei Widawa.

Widajva.

Reeognoscirt

gen Kalisch.

eberRichlocicebis

das

Corps von

Soult über Kvnin die Wartha aufwärts.

ge­

Widawa.

Prinz Jerome mit seinem Corps bei Kalisch angelangt, will sich mit Soult in

der

Richtnng auf Wartha vereinigen.

Das Augereausche Corps langt an der Wi-

Zlaczew in Can­

dawka (gegen Widawa) an. — Soult bei

tonnirung.

Dobra.

Feldzug in Polen. fchelnlich *).

303

Geschähe es aber, so stehen die Detaschements

bei Osmolin und Szadek auf den richtigen Punkten cs zu entdecken und bei Zeiten zu melden.

Von dem General der

vierten Division wird aber erwartet, daß er den Feind an der Widawka und Wartha so lange als nöthig aufhalt. Rückzug gezwungen marschirt er nach Umständen

Zum

auf Fla-

czew oder auf Sieradz und sucht Vereinigung mit der Armee.

Als Vorbereitung zur Operation wird alles Proviant-Fuhrwe­ sen mit allen Krankensuhren auf der Straße nach Breslau

gleich fortgeschickt, nachdem so viel Lebensmittel 'ausgegeben,

daß solche bis Kalisch ausreichen.

Die Munition ist durch die

herangezogenen Colonnen von Breslau ergänzt, und so Alles in Bereitschaft, den I3ten Dezember zu marschiren.

§.

151.

Schon am 12ten wird uns wohl Augereau aus der noch

etwanigen Ungewißheit reißen und sich mit Tirailleur- und Canonenfeucr an der Widawka an kündigen.

Auch wird von der Avantgarde gemeldet, daß Soult

schon in Dobra (nur noch einen Marsch von Sieradz) und Prinz Jerome in Kalisch angelangt ist. Den 13ten früh muß daher alles in Marsch seyn auf Sieradz: die dritte Division mit der Neserveartillerie über Tuszyn auf der großen Straße,

die erste Division

bei Burzenin

über die Wartha und auf

einem Parallelwege (über Sokolow) etwa eine halbe Meile linkerhand daneben.

czew zusammen.

Die Reservecavallerie zieht sich bei Zla-

Die

vierte Division schlagt sich den Tag

hindurch an der Widawka.

Die zweite (jetzt Avantgarde)

rückt schlachtscrtig bis 'gegen Wartha vor, der Vortrab auf

*) Es liegt in der natürlichen Ansicht, daß Augereau hofft, die russi­ sche Armee werde zwischen der Widawka und der Wartha so lange verwei­

len , daß

die andern Eorps Zeit gewönnen

herauzukommen,

werde sie zwischen beide» Flüssen emklcmmen können,

und man

lleberdieß ist cs eine

bekannte Sache, wie die französischen Marschälle auf ihre Selbstständigkeit

hielten, und gem ihre Lorberen ohne Concurrenz auf eigenem Wege pflückten.

Feldzug in Polen,

304

dem Wege nach Kalisch, wo er bei Staw auf die Avantgarde des Prinzen Jerome stößt.

Dies feindliche Corps aufzusuchen

wird die erste Division am 14ten früh in Marsch gesetzt auf

dem Wege nach Blaszki.

an, was ihr begegnet.

Sie ist stark an Reuterei und greift

Früh an diesem Tage trifft auch die

Reservecavallerie bei Sieradz ein,

und

der Feldherr wartet

nur auf die Berichte von seinen Avantcorps,

um zu entschei­

den, wohin er sich wendet.

Die feindlichen Corps haben sich am 15fcn bei Sieradz

vereinigen wollen.

Prinz Jerome ist daher bei Blaszki ange­

langt, wo es scheint, daß er hat lagern wollen.

Soult, in

gedrängten Colonnen gegen Wartha marschirend, formirt sich,

den Ort vor der Front, in Schlachtordnung. gegen diesen Feind!

Jetzt Marsch

Die dritte Division hat sich auf den lin­

ken Flügel der zweiten gestellt, die Rcservecavallerie dahinter, die erste Division aber eine Flankenstellung vorwärts Tubondzin

genommen, hinter dem Bach auf dem Wege nach Blaszki,

Der kurze Winjertag

ihr Vortrab dem Feind nah gegenüber.

läßt es heute nur zu Vorpostengesecht kommen.

Während der nächtlichen Rast am Bivouacqfeuer ist's die

rechte Zeit, den aufmunternden Ruf zur Schlacht vom Feld­ herrn an die Divisionen und so weiter herab bis an die Rei­

hen der Krieger gelangen zu lassen.

„Unter günstigeren Um-

„ ständen als bisher, seit dem Ueberschreiten der Weichsel, da

„wir immer gegen Uebermacht und ost nur um den Marsch „und Rückzug uns schlagen mußten,

„Gefechte entgegen.

gehen wir diesmal dem

Nur ein schwächerer Feind ist jetzt noch

„über den Haufen zu werfen, und der Weg in die blühend„sten Provinzen steht uns offen.

„als Sieger

Reiche Städte werden uns

ausnehmen oder als Befreier begrüßen.

„erstes Siegesfest feien» wir in Kalisch.

Unser

Mit Gott und dem

„heiligen Nicolas vorwärts!"

Was der Feldherr weiter noch zu befehlen und einzuleiten hat, wird mit Bleistift und auf dem Sattel geschrieben, ohne

in Polen.

Feldzug

305

ohne Formen des Briefsiyls und mit der ihm eigenthümlichen

originellen Kürze. — „Der General der ersten Division soll ihm den Prinzen „Jerome vom Leibe halten, denselben über Blaszki zurück-

„wersen, leichte Truppen nachhetzen, und mit dem Uebrigen

„dem Soult in die rechte Flanke kommen." „Der General der vierten Division (bei Widawa) soll „machen, daß er über die Wartha zurückkommt, dem Auge-

„reau etwas gegenüber lassen, und eilen, mit dem Uebrigen „über Sieradz zur Schlacht zu konnnen, zu der man so „eben auf Wartha marschirt."

Die Schlachtordnung, in der am I8ten früh die zweite

und dritte Division, mit der ganzen Neservecavallerie und Ar­ tillerie, dem Corps von Soult entgegenrückt, ist: Sechs Jägerbataillons, zwei Mann hoch in Linie auf-

marschirt, eine große Batterie im Centro, desgleichen auf den Flügeln. Sechs Jägerbataillons, jedes in einer Colonne, bilden

die zweite Linie in 200 Schritt Abstand. Die vier Regimenter Divisionscavallerie, jedes in einer

Colonne, auf den Flügeln und hinter dem Jägertreffen. —

Cosacken und leichte Cavallerie vor die Flügel poussirt. In schicklichem Abstande hinter den Jagern die 24 Linien­

bataillons in vier Brigaden ä 6 Bataillons, zum Dcplopiren

geschloffen, in angemessenen Abständen

nebeneinander.

Ihre

Artillerie neberr den Colonnen. Die Reservecavalleric

brigadenweis

in Colonnen hinter

der Infanterie. — Die reitenden Batterien in Reserve bei der

Hand.

§.

152.

Wir haben diese Schlachtordnung für eine Armee entwor,

feit, deren Starke nicht gerade im Tirailliren liegt, die sich jedoch nach dieser Fechtart des Feindes, soviel als unumgäng-

lich nothwendig, fügt. —

Stil« v. Krieg HI,

Die Jäger in ihrer dünnen Stel-

20

Feldzug in Polen.

306

hing (ordre mince), mögen feuern, doch

bald mit dem

Baponet an den Feind zu gelangen suchen.

Die Batterien

erster Linie arbeiten ihnen vor, und die Cavallerieregimenter

fallen zu rechter Zeit auf die feindlichen Tirailleurschwarme. Bei der vor die Flügel poussirte» leichten Reuterei befinden

sich Offiziere von gutem Auge und Urtheil, die günstigen Mo­ mente zu erspähen und zu berichten*).

Artillerie zweiter Linie

Dann fährt die

mit der dieser Waffe

gewöhnlichen

Kühnheit gleich auf die Kartätschschußweite heran, und die Linieninfanterie folgt. — Daß die Reservecavallerie, an Güte

und Anzahl der feindlichen weit überlegen. Alles niederwirft,

worauf sie sich in Masse stürzt, dürfen wir annehmen.

Wo

noch Infanterie Stand hält, wird sie von den anlangenden

Linienbrigaden, die zwischen den Batterien hindurch gehen, mit einer Salve auf naher Distanz und dem Bayonette geworfen. Glücklich noch für den Feind, wenn er seine Rückzugslinie auf Kalisch behauptet und vielleicht spät'Abends bei Staw sich

mit dem Prinzen Jerome vereinigt, der' abgesehen von allem

Erfolge seines Gefechts, zum Rückzug eben dahin genöthigt seyn wird. Wir dürfen annehmen, daß das Gros der Armee am Abend

den Punkt Gora (auf halbem Wege von Wartha nach Staw) und die erste Division Blaszki erreicht hat. — Von der vier­ ten Division laust der Bericht ein,

daß sie nach einem hefti-

ten Gefecht bei Widawa gegen Abend den Rückzug über die

Wartha angetreten und ein Lager bei Tuszyn glücklich bezogen hat.

Der General wird seine 6 Jägerbataillons, ein Cavalle-

tie«, ein Cosackenregiment und zwei Batterien an der Wartha

zurücklassen, und mit dem Uebrigen sich früh Morgens in

*) Um die Bewegungen des eigenen sowohl als des feindlichen HeerS

zu beobachten, giebt eS keine» zweckmäßigeren Aufenthalt als zwischen bei­ den auf irgend einem der äußersten Flügel.

Hat man einige tüchtige um­

herspähende Flanqueurs bei sich zur Bedeckung, so ist solch Dorreiten nicht so gefährlich, als es wohl scheint.

Feldzug in Polen.

307

Marsch setzen, bis Sieradz, wo er weiteren Befehlen entgegensieht.

Solche erhält er, dahin lautend: „daß er am 17tcn

„bei Blaszki eintreffen, am IS teil über Jwanowice auf Olla,,bok marschiren, und nach Umständen die Prosna passiren

„soll,

um in jedem Fall den Feind, wenn er bei Kalisch

„Stand hält, in der rechten Flanke anzugreifen, während dir „Armee ihm von vorne zusctzt. — Die leichten Truppen an

„der Wartha sollen, wenn der Feind die Passage forcirt, sich

„über Zlaczew zurückziehn und den Feind im Auge behalten; „würden sie gedrängt, so suchen ste (über Branszewice) durch „die Waldwege auf Ollabok die Vereinigung mit ihrer Divi-

„sion und halten Verbindung mit dem preußischen Corps, das

„von Sokolnik aus mitoperiren wird." — An den comman,

direnden General desselben gehet, mittelst eingeleiteter Communicationspatrouillen über Blaszki, die nachbarliche Meldung

von dem erfochtenen Siege, und das Ersuchen „im Fall Au„gereau der Armee auf Kalisch folgt, sich dann auch links zu

„schieben, und die Vertheidigung der Prosna gegen ihn zu „übernehmen, damit man den Sieg gegen den geschlagenen

„Feind benutzen, und

ihn bis

über die Oder oder untere

„Wartha zurücktrcibcn könne." — Mit diesen Befehlen be« schließt der Feldherr sein Tagewerk, und setzt am 16ten mit dem Tage die Armee wieder in Bewegung:

„die erste Divi«

„sion über Michallow, auf der kleinen Straße, mit Auftrag „dem Feind auf dem Rückzugswege nach Kalisch zuvorzu-

,,kommen, das Gros der Armee gerade auf Staw und wei„ter auf der Straße nach Kalisch."

§.

153.

Es ist zu vermuthen, daß der Feind mit seinem Rückzüge

nicht gezögert hat, und seine Arrieregarden nur bei Staw und Michallow einigen Widerstand leisten.

Letzteren Punkt wird

demnach die Armee am Abend des 17tcn Dezembers erreichen,

die Avantgarde aber bis gegen Opatowek gelangen, wo der Feind sich wieder zu setzen versucht. —

Feldzug in Polen.

308

Noch vor Tage muß die Avantgarde ihn in feinem nächt­ lichen Bivouacq angrcifen, die Armee aber nut Tagesanbruch

am 18ten folgen, was noch Stand hält über den Haufen

werfen, und mit Loslaffung der Reservecavallerie das Terrain bis Kalisch hin ausfegen.

Angesicht dieser Stadt.

Abends

am 18ten sind wir im

Eine reiche Erndte von Gefangenen,

von Canonen, Munitionswagen und anderen Trophäen, sind

natürliche Folgen des Siegs.

Der commandirende General hat die beiden Divisionen (die 2te und 3te) nebst der Reserveartillerie bei Opatowek

Halt machen lassen, und nimmt daselbst sein Hauptquartier.

Hier empfängt er den Bericht von der über Blaszki und Jwa-

nowice nachrückenden vierten Division, und sendet ihr ent­ gegen, um von dort aus ihr die zweckmäßige Direction zu

geben. Die leichte Cavallerie hat schon die Prosna rccognoscirt und Uebergänge kurz unterhalb Ollabok gefunden, welche,

da von dort aus kein Terrainabschnitt weiter hindert, zweck­

mäßiger sind als dieser Punkt.

Die leichte Cavallerie von

der Avantgarde soll, (wo sie nur kann) noch in der Nacht

über die Prosna gehen, gleich auf die Communication des

Feindes nach der Glogauer Straße streifen, und auskundschaf­ ten, ob er auf derselben im Rückzug bleibt, oder hinter der Prosna Stand hält.

Die Jäger folgen

bis an den Fluß,

und besetzen die Passagen, wo die leichte Cavallerie überge­ gangen. Der Bericht von der über Zlaczew zurückgezogenen Arrieregarde giebt nun auch Kunde von Augereaus Operationen.

Am löten hat er die Wartha überschritten, unserm Nachtrabe nur ein Beobachtungsdetaschement nachgesendet, mit dem Gan­

zen aber die Richtung auf Sieradz eingeschlagen, wo er den

17ten gelagert hat, und den 18ten auf Blaszki marschirt ist. unsere Arrieregarde hat demnach aus ihrer früheren Richtung

Feldzug in Polen.

309

sich links gewendet*), cottoyirt seinen Marsch und befand sich

am I8ten Mittags bei Cienia, von wo der Bericht datirt ist. — Hiernach kann Augereau, der die Absicht zu haben

scheint, uns im Rücken anzugreifen, am 20sten an der Prosna eintreffen. — Das preußische Corps ist bei Grabow an eben

diesem Flusse angelangt, und steht bereit, sich mit der Armee

zu vereinigen. Der General ist ersucht worden, am löten über Ollabok zu marschiren, und mit zu wirken,

den Feind von

Glogau abzuschneiden. §.

154.

Dispositionen auf den lösen Dezember. Hauptquartier Opatowek, dm 1 Sten Abends.

„Die erste (Avantgarde-) Division läßt ihre Chaine von „Cavallerie und leichten Truppen gegen Kalisch stehen, schiebt „sich mit dem Uebrigen noch in der Nacht links, und pas„sirt vor Tage die Prosna,

auf dem recognoscirten Ueber-

„gonge (| oder 1 Meile oberhalb Kalisch)."

„Die Reservecavallerie, bis auf eine Brigade, (15 Esca-

„drons) die bei der dritten Division zurückbleibt, folgt über „die Prosna; beide Abtheilungen greifen ungesäumt den Feind, „wenn er noch bei Kalisch fest steht, an, und manövriren voi»

„Grund aus auf dessen Flanke und Rücken, um ihn von „Glogau abzuschneiden und an die Prosna anzuklemmen."

„Die vierte Division folgt als Reserve und wirkt dazu „mit."

„Die zweite Division wird mit dem Tage ausbrechen, „mit einer großen Batterie in der Täte, und den Feind bei „Kalisch in der Front Angreifern —■ Der commandirende Ge»

„neral wird sich bei dieser Division befinden." „Die dritte Division, mit der ihr zugetheilten Cavalle*) Es wird immer, wenn von rechts oder links di« Rede ist, die

Front nach dem Feinde, dem man entgegensteht, eingenommen.

ES wäre

nicht überflüssig, wenn dergleichen Bestimmungen in dem Vorpostenregler ment der Armee festgestellt würden.

Feldzug in Polen.

310

„rieverstärkung und der noch übrigen Reserveartillerie, wartet

„marschfertig

bei Opatowek weiteren Befehl ab, beobachtet

„die Wege nach der Wartha, und stellt sich gegen das Corps

„von Augereau auf, wenn es von dorther anrücken sollte."

§.

155.

Die feindliche Hauptmacht ist aber schon in vollem Rück­

züge auf Naczkow,

wo sie sich sammelt.

Nur eine starke

Arrieregarde hat noch Kalisch besetzt, räumt es aber mit frü­

hem Tage, und sprengt die Brücke.

Indem sie sich durch die

Uebergänge unserer Truppen oberhalb der Stadt

gefährdet

sieht, säumt sie mit dem weitern Rückzug auch nicht länger,

und wird zum Theil von der den Weg coupirenden Cavallerie

noch eingcholt werden.

Von der Reservecavallerie aber mar-

schirt der größere Theil, mit der ganzen vierten Division,

den Weg auf Ostrowo, um nach der Richtung von Krotoszyn schon im voraus dem Feind die rechte Flanke abzuge­ winnen. ■— Der commandirende General, mit der zweiten Division,

rückt demnach

in Kalisch ein.

Die Brücke wird hcrgestellt,

und in und bei der Stadt Quartier und Lager bezogen.

dritte Division bleibt bei Opatowek in Position.

Die

Ihr wird,

was sie an Artillerie um ein Gefecht anzunehmen bedarf, von

der Reserve dieser Waffe zugetheilt, und deren Uebriges nach Kalisch und über die Prosna herangezogen. — Das preußische Corps ist bei Ollabok angelangt und lagert daselbst.

Cavallerieregiment, ein Füsilierbataillon und eine

Nur ein halbe rei­

tende Batterie, hat es bei Wieruszow an der Prosna stehen lassen, um die große Straße nach Breslau für alle Fälle zu

beobachten, und nöthigenfalls dahin sich zurückzuziehen.

In

Grabow ist ein Ofsizier mit 30 Pferden längs der Prosna

zurückgeblieben. — Das Hauptquartier unseres Feldherrn ist in Kalisch. —

§.

156.

Ein Ruhepunkt in seinen Operationen ist dem Feldherrn noth-

Feldzug in Polen, wendig.

31t

Er muß Augereaus Absichten sich entwickeln lassen,

und den Bericht abwarten, ob der geschlagene Feind im Rück­ züge bleibt, oder ob noch ein Angriff nöthig sein wird, um

ihn über die Oder oder untere Wartha zu werfen.

Für den

ersteren Fall hat die Ävantgardedivision Befehl, „ihm zu sol„gen und keine Ruhe zu lassen.

Die vierte Division mit der

„Reservecavallerie, soll aber jedenfalls auf der Linie von Racz.

„kow und Ostrowo stehen bleiben.

Halt der Feind irgendwo

„mit Uebermacht Stand, so soll er bloß beobachtet und be-

„schäftigt werden.

Die Generale sollen sich in keiir irgeird

„zweifelhaftes Gefecht einlassen." — Auch

die

Verpflegungsanstalten

Stillstand nothwendig.

der

Fouragebedarf

herbeigctrieben

werden.

Stadt Kalisch wird beides erleichtern. Augereausche Corps

Nothwendige finden.

in

machen

einen

kurzen

Der Brodbestand muß ergänzt und

Die

bedeutende

Schwerer wird das

der schon ausgezehrten Gegend das

Dies, so wie die Ungewißheit über das

Schicksal der andern Corps, und die gegründete Besorgniß sich

gegen eine überlegene Macht bloßzugeben, läßt einigen Auf­ enthalt in seinem Vorrücken mit gutem Grunde annehmen.

Bis zum 23sten Dezember werden nur Beobachtungsdetasche»

ments sich in unserer Front gegen Opatowek zeigen, und an diesem Tage wird eine mit Vorsicht unternommene Recognos-

cirung nur eine leichte Canonade veranlassen. — Unterdeß sind auch die Meldungen voir der Avantgarde eingelausen. — „Der Feind hat sich bei Raczkow gesammelt, den vor„liegcnden Wald besetzt, Artillerie nnd Munitionsersatz, auch

„Verstärkung

an Truppen, aus Glogau herangezogen und

„eine feste defensive Haltung angenonnnen.

Die Avantgarde-

„division hat sich hinter dem kleinen Bach vorwärts Ocionz

„ihm gegenüber aufgestellt, und die Reservecavallerie, die in „dem waldigen Terrain jenseits Ostrowo nichts hat ausrichten „kömren, sich hinter sie gezogen.

Aus diesem Ort ist der

Feldzug in Polen.

312

„Feind von unserer vierten Division herausgeworfen worden. „Im Walde gegenüber ist er aber stark an Infanterie und „mit schwerem Geschütze versehen.

Die Division hat sich da-

^,her nur mit den Jägerregimentern in Ostrowo festgesetzt und „ihr Gros weiter zurück aufgestellt." — So ist die Lage der

Sachen am 21sten Dezember.

Diese feste Haltung der vereinigten feindlichen Corps kann unser Feldherr nicht dulden.

Er würde sie mit wiederkehren­

der Offensive auf dem Leibe haben, während er mit Auge-

reau schlüge.

Um letzteren mit gewissem Erfolge angreifen

zu können, muß die feindliche Hauptmacht mindestens noch

um einen Marsch weiter zurückgejagt seyn.

Auch scheint ge­

gen Augereau noch Größeres auszurichten, wenn man ihn die Prosna überschreiten läßt.

Ihn jedoch bei der Passage aufzu­

halten wird Kalisch in Vertheidigungsstand gesetzt.

Die Ue-

bergänge, deren die.dritte Division zu ihrem Rückzug über

den Fluß sich bedienen muß, werden in gutem Stand erhal­ ten, die übrigen ober- und unterhalb aber verdorben, auch

Colonnenwege bereitet, um die Stellung von Opatowek schnell

und mit Leichtigkeit und Ordnung verlassen zu können.

Mit

diesen Vorbereitungen sieht man der Entwickelung des feindli­ chen Angriffs am 23sten ruhig entgegen.

Ein entscheidendes

Gefecht soll aber erst hinter der Prosna angenommen werden. In der Nacht zum 24sten wird also die schwere Artillerie mit

einer Jnfanteriebrigade vorausgeschickt, die ausersehene Position

hinter Kalisch auf den« ander,« User zu beziehen.

anbruch folgt das Uebrige von der dritten

Mit Tages­

Division.

Die

zweite hat unterdeß schon geräumt und marschirt auf dem Wege nach Raszkow, das preußische Corps von Ollabok aber auf

dem Wege nach Ostrowo.

Der Feind, der gegen Kalisch gefolgt

ist, wird von dem Artilleriefeuer vom linken Prosnaufer em­

pfangen.

Unter gegenseitiger Canonade vergeht hier der Tag.

Gegen Abend versucht der Feind fruchtlos eine Attake auf Kalisch.

Während dieser Zeit hat unser. Feldherr sich schon zur

313

Feldzug in Polen.

Avantgarde begeben, die Stellung des Feindes bei Raszkow

und Ostrowo in Augenschein genommen, und er erwartet nur die Ankunft seiner Colonnen, um anzugreifen.

Der Feind, der die Canonade Augereaus an der Prosna hört, glaubt den Zeitpunkt günstig, um sich in die Offensive zu setzen *) und rückt in zwei Colonnen vor; die eine aus

dem Walde vor Raszkow, die andere einen Angriff formirend

auf Ostrowa, welches die vierte Division

mit hartnäckigem

Gefecht und Heranziehen ihrer Reserve behauptet.

Gegen die

erste feindliche Colonne laßt der Commandirende die erste Di­

vision in zwei Treffen aufmarschiren, placirt die großen Bat­

terien, die er aus der Reserveartillerie herangezogen hat, vor

der Front, und erwartet so stehenden Fußes den Angriff; die Reservecavallerie ist zum

Vorrücken bereit, wenn der Feind

den kleinen Bach überschreitend sich auf die Ebene wagt. —

Der sich nähernden zweiten Division läßt er die Marschrichctwas rechts anweisen (gegen Gorzno) und schiebt auch einen Theil der Reservecavallerie nach dieser Seite, wo man den

vom Feind trennenden Grund umgeht, und nach einer kurzen Waldstrecke freien Zugang gegen Raszkow findet.

Diese Be­

wegung muß den Feind nöthigen, den vorliegenden Wald zu

verlassen, worauf die erste Division vorrückt, die Jägerregi­ menter von beiden Divisionen en Front durch den Wald, die Linien je nachdem sie Wege finden in Colonnen zerfallend.

Der entscheidende Angriff aber geschieht von Ostrowo aus ge­

gen die feindliche Rückzugslinie. Corps hat ihn übernommen.

Das anlangende preußische

Mit seinen Füsilier- und Jä­

gerbataillons dringt es, nachdem der Feind von seinem An­

griff auf Ostrowo schon

abgelaffen hat, in den Wald ein.

Die russische vierte Division folgt in geschloffenen Marsche»-*) Es ist unter den obwaltenden Umständen in einem insurgirten Lande wohl anzunehmen, daß unter de» feindlichen Corpsgcneralen eine Gemein­

schaft durch Boten und Kundschafter und so auch «ine Verabredung tu ihren Operationen statt findet.

Feldzug in Polen.

314

können, Alles nach den feindlichen Rückzugswegen auf Zduny und Krotoszyn.

Nur die bald cinbrechende Nacht und das

dauernde Wald- und Bruchterrain werden den Feind begün­ stigen, daß er beide Punkte noch leidlich erreicht. —

Die Divisionen beziehen ihre Bivouacqs wo das Gefecht

sich endet. — Das Hauptquartier in Naszkow. — Die erste Division bleibt im Verfolgen,

macht nur zum Ruhen und

Kochen nächtlichen Halt, und jagt früh am Lösten den Feind

aus Krotoszyn.

Dahin geht an diesem Tage der Marsch der

russischen Armee, in drei Colonnen (da eben so viel gebahnte Wege sich finden).

Die Avantgarde verfolgt den Feind bis

Kobylin; das preußische Corps bis Zduny. —

Verabredung preußische

Corps

unter den

beiden Generalen ist, daß das

den Feind

bis über Rawitsch verfolgen,

dann aber an der unteren Bartsch bei Herrnstadt verweilen wird, um wenn es nöthig das linke Oderuser wieder zu ge­

winnen, während die russische Avantgardedivision den ^einb

Mit seiner übri­

bis unter die Canonen von Glogau begeitct.

gen Macht wird der russische Feldherr seinen Gegner Augereau aufsuchen.

§.

157.

Von diesem ist anzunehmen, daß seine Versuche auf Kalisch 'auch am Listen mißglückt sind, daß

er sich aber die

Prosna abwärts zieht, um vielleicht irgendwo einen Ueber-

gang zu finden.

Gegenüber von Jankow

ist eine Passage,

von der man den Weg nach Pleszew gewinnt.

Dieser Marsch

würde eine Verbindung mit den geschlagenen Corps eröffnen

können.

Auch könnte dem französischen Marschall vielleicht

«ach dem Besitze von Posen gelüsten, welcher über Peisern zu erlangen wäre.

Um diese Absichten zu vereiteln,

erhält

die dritte Division Befehl, „nur eine hinlängliche Besatzung „mit etwas Cavallerie in Kalisch zu lassen, und dem Feinde

„Detaschements zur Beobachtung seines Marsches auf dem

„rechten Prosnaufer uachzusenden, längs dem linken aber ihn

Feldzug in Polen, „mit leichten Truppen zu cottoyiren.

Das Gros der Divi-

„sion soll am Lösten nach Pleszew marschiren; das Gros der „Armee aber am 27sten nach Dobrzyce." — Dieser Links­

schiebung liegt die geheime Absicht des Feldherrn zumGrunde, im Fall des feindlichen Marsches über Peisern, dann auch

mit zwei Märschen, (über Neustadt) die Wartha zu über, schreiten, die Straße nach Posen zu durchschneiden und den

Feind anzugreifen, wo man ihn findet, bis dahin aber ä por-

tee zu bleiben ihm über Pleszew entgegenzugehen, wenn er so kühn wäre, über die Prosna zu kommen.

Marschall Augereau, als ein vorsichtiger Feldherr, begiebt

sich aber in keine von diesen Gefahren.

Von der Niederlage

und dem Rückzüge seiner Mitfeldherren unterrichtet, zieht er auf Kon in, und daselbst über die Wartha, um nach der Richtung von Gnefen und Thorn Erholungsquartiere zu bezie­ hen, und die Befehle seines Kaysers zu erwarten,

die nach

der Lage der Sachen in Ostpreußen ihn vielleicht nach der

Weichsel rufen. — Von diesem Marsch seines Gegners wird unser Feldherr unterrichtet werden, wenn er am 27sten bei

Dobrzyce anlangt.

Auch ist ihm von der Avantgarde, die

schon ihre Spitze bis Bojanowa poussirt hatte, der Bericht geworden, daß der Feind in vollem Rückzüge bleibt, und

sich wahrscheinlich erst hinter die Moräste bei Guhrau setzen wird, das preußische Corps aber im Begriff war Rawitsch zu erreichen.

Jetzt darf der Feldherr den dringenden Anforderungen

von nothwendiger Ruhe, Verpflegung und Herstellung der Armee, und Handhabung der Gerechtigkeit im Lande, Gehör geben.

Die Beschwerden eines nassen Winters werden das

Material und die Cavallerie sehr mitgenommen haben.

Der

Abgang durch Krankheiten würde noch größer gewesen seyn, wenn nicht die stete Bewegung und das Bivouacquiren bei

reichlicher Verpflegung dem Uebel entgegen gewirkt hätten.

316

Feldzug in Polen.

H. 158. Sehr merkwürdig und kompetent über diesen so hochwich, tigenGesundhcitsgegenstand ist das Urtheil des französischen ersten Armeewundarztes Larree, in den für jeden Befehls­ haber sehr beachtüngswerthen Denkwürdigkeiten seiner im Revolutionskriege und unter Bonaparte gemachten Feldzüge. Dem alten beliebten Sprichwort: „daß die schlechteste „Bauerhütte besser als das schönste Zelt sey," entgegen, wird durch die Erfahrung erwiesen, daß enges Cantonniren in be­ schränkten mit schlechter Lust angefüllten Räumen, eben so wie Stillliegen und Schlafe«: im Freien bei Nässe und Kälte, die gewöhnlichen Armeekrankheiten verschiedener Art erzeugt, daß aber tägliches Marschiren und die Beschäftigung des Sol­ daten im Bivouacq mit Herbtischaffen seiner Bedürfnisse, Hüt­ tenbau, Feueranmachen, Koche«, u. s. w. bei wenig anhalten­ dem Schlaf, keinem Krankheitsstoff Zeit läßt, sich einzunisten oder um sich zu greifen. Hieraus geht den«« auch hervor, was von de«r gepriesenen Erfindungen, von Fuhrküchen, Nahrungs­ stoff und dergleichen, welche dem Soldateir die nothdürftige Speise ohne sein Zuthun bereiten sollen, zu halten ist. Eine ihn angenehm aufregende Beschäftigung — einen wahren Genuß — würden wir ihm rauben, wenn eine Bouillontafel ihm den Ochsen oder Hammel ersetzen sollte, der« er schlachtet und am Feuer zubereitet. Man kann sich bei der Kochanstalt, wie sie der Soldat wünscht, nicht erwehren, an die Tafelsreuderr der Homerischen Helden zu denken, §. 159. Bis zu dein Zeitpunkt aber, wo die Armee in unserem imaginirten Feldzuge zu den bequemen Ruhequartieren gelangt, wird ein Mittelzustand von mäßigem Marschiren, Quartier­ veränderung und Detaschementskrieg den Truppen am zuträg­ lichsten seyn. Der immer Krankheiten erzeugende plötzliche Uebergang vorn Uebermaaß der Anstrengungen zur vollkommenen Ruhe wird dadurch vermieden u««b manche teilt'

317

Feldzug in Polen. militairische Zwecke sind nebenbei zu erreichen.

Dieser Ansicht

gemäß beschließt der Feldherr, die zweite Division im Marsch nach Posen bleiben zu lassen.

Mit dem Ende des Jahrs

langt sie daselbst an, und hat von Neustadt (Novemiaste) ab ein Detaschement von allen Waffen nach Peysern gesendet.

Mobile Colonnen werden von diesen Centralpunkten wohin es nöthig gesendet, um die Rebellen zu züchtigen, und mit Ver­ und Ordnung

nunft

gleiche Weise wird

die Bedürfnisse

herbeizutreiben.

Auf

Kalisch der dritten Division zu ihrem

Hauptquartier angewiesen.

Ihre leichten Truppen sendet sie

auf das rechte Prosnauser hinüber^ mit Spitzen nach dem Feinde.

Die dritte Division breitet sich bis über Kozmin aus

und hat die Reserveartillerie bei sich.

Die Reservecavallerie

wird in gute Quartiere bis über Krotoszyn, Zduny und Ko-

bplin verlegt.

Das Hauptquartier des Commandirenden kommt

nach Kozmin. — Die Avantgardedivision steht in schlagfertiger Haltung bei Liffa und Reisen, und hält Verbindung über

Bojanowa mit dem preußischen Corps bei Herrnstadt. — In diesem Zustand will der Feldherr einige Zeit gewin­

nen, bis die von Petrikau und Kalisch nach Ostpreußen ge­

sendeten Eilboten mit Nachrichten und Verhaltungsbesehlen zurückkehren.

Auch ist es der Klugheit gemäß, in diesen Land­

strecken, wo man den Winter über nicht bleiben will, die

Fütterung aufzuzehren

und

Vorräthe

nach den

Gegenden

Schlesiens zu schaffen, wo man geordnete Cantounirungsquar«

tiere beziehen möchte. — Es wird auch bald die Nachricht von der Schlacht bei Pultusk anlangcn, *) und von dem Rück­

zug der Verbündeten trotz ihres Siegs.

Der Wahrheit der

Begebenheiten folgend, lassen wir sonach auch Augereau über die Weichsel gehen, den Prinzen von Pontecorvo in der Dan­

ziger Niederung Posto fassen, und

in Schlesien ein Corps

Sachsen und Rheinbundstruppen anlangen.

Diesem an der

Katzbach zu begegnen, geht das preußische Corps von der

*) Am 26stm Dezember vorgefallcn.

318

Feldzug in Polen.

Bartsch über die Oder, und die russische Avantgardedivision nimmt seine Stelle ein, concentrirt bei Herrnstadt. Nun wird es nöthig, sich der Oder zu nähern. Die zweite Division wird daher von Posen abgerusen und ist mit dem dritten Marsch bei Lisia, die dritte mit dem zweiten bei Bojanowa. Die vierte, von Kalisch über Krotoszyn herangezogen, wird mit dem vierten Marsch bei Rawitsch anlangen. Die Reservecavallerie rückt aus ihren Quartieren vorwärts bis Kröben. Der größte Theil der Reserveartillerie, alles schadhafte Mate­ rial und entbehrliche Fuhrwesen aber, wird über Krotoszyn und Militsch hinter die Bartsch und gegen Breslau zurückge­ sendet. Das Hauptquartier nach Bojanowa. — Absicht bei dieser Armeebewegung ist, den Feind mit einer tüchtigen Schlappe über die Oder zu werfen, wenn er mit Macht sich diesseits zu halten versucht. Dies aber liegt nicht in seinem Plan. Schon ist er mit seinen Abtheilungen nach und nach bei Glogau über die Oder in Cantonnirungsquartiere gezogen. Er räumt Guhrau, und hat nur eine Arrieregarde bei Fraustadt noch stehen lassen. Diese wird von der anlangenden zweiten Division zurückgeworfen, und eine Rccognoscirung gegeir Glogau gemacht, welcher der Commandirende beiwohnt. Der Winter ist unterdeß mit allen beschwerlichen Abwech­ selungen eingetreten. Alles bedarf der Ruhe. — So wol­ len wir uns denn in die schon beabsichtigten bequemen Erho­ lungsquartiere an der Bartsch und dem rechten Oderuser be­ geben, bis unsere Nachbarn jenseits etwa unserer Hülfe be­ dürfen, oder der Befehl unseres Monarchen uns zu neuen Thaten ruft.

Erklärung der Plane.

Belagerung von Maynz im Jahr 1793.

Pl. I.

A A A A Theile der Einschließungslinie und Läger, die auf manchen Thei­ len des Umkreises mehr alS eine deutsche Meile von der Festung entfernt war.

3 Das Fort Joseph T

-

P • WC



-

doppelte Tenaille

- Philipp / Welsche Schanze

$ Carlsschanze

welche fünf Forts mit dem größeren auf dem rechten Flügel: dem Haupt­ stein, das permanente feste Lager vor der eigentlichen Festung bilden, vor

welchem auf dem rechten Flügel die Schanzen und festen Punkte von Klor ster Dahlheim und Zahlbach und auf

dem linken Flügel das befestigte

Weissenau und die verschanzten Klöster:

das Nonnenkloster und' die

Carthaus, feste Außenpunkte bildeten, die, wie der Plan zeigt, den förm­ lichen Angriff mit Transcheen erforderten. Gleicher Fall war auf dem rechten Nheinufer, gegenüber dem von

den Belagerten lange als Außenposten behaupteten Flecken Costheim.

Die Batterien in den Transcheen sind nach der Folge, wie sie ange­ legt worden, mit römischen Ziffern bezeichnet, da sie bei dem kleinen Maaß stab nicht ausgedmckt werden konnten,

s (vor Gonsenheim), t, u und ▼

(auf dem rechten Nheinufer gegen Cassel) sind Punkte, auf welchen nach

unserm kürzeren Belagerungsentwurf, der mit der Wegnahme der Peters­ aue und der Posten von Zahlbach und Dahlheim, so wie der Carthaus

auf dem rechten Flügel beginnt, geschlossene Schanzen Zu engerer Einschlie­

ßung der Festung hätten angelegt werden müssen, worauf die erste Paral­ lele nach der Richtung von x x gleich in der ersten Belagerungsnacht, fast

da, wo in der Wirklichkeit die dritte liegt, wäre eröffnet worden.

Erklärung der Plane.

320 Pl. II.

Belagerung von Bakenclenncs im Jahr 1793.

Oie angreifbare Front des Platzes befand sich zwischen der Schelde und dem kleinen Nonellefluß, durch welche, mittelst der Jnondationsschleusen,

das ganze niedrige Terrain umher unter Waffer gesetzt war.

Zn der Vor­

stadt Marly hatten sich die Belagerten festgesetzt, wurden aber am 26sten Mai mit Tagesanbruch mit überlegenen Kräften angegriffen und nach fünf­

stündigem Gefecht mit Verlust in die Festung zurückgeworfen.

Die Eiu-

schließung war in weitem Canonschuß um die Festung durch starke Schan­

zen auf den dominirenden Punkten bewirkt, und zur Gemeinschaft unter den verschiedenen Einschließungsquartieren war ein Damm von 1200 Schritt Lange durch

die Jnondation hindurch

angelegt worden.

In der Nacht

zum 9ten Juni wurden die Laufgräben mit zwei langen Approchen (ab und cd) eröffnet und in der Nacht vom 12ten zum 13ten die erste Pa­ rallele (AB) 600 bis 700 Schritt vom Glacis angelegt, ganz nach der

Art und Entfernung der alten Vaubanschen Belagerungskunst.

Schon am

Abend des täten war die Stadt von der entgegengesetzten, durch die Jnon-

dation gedeckten, Seite beworfen worden.

Die eigentlichen Wurfbatte-

rieen in der ersten Parallele und auf der Höhe von Nouleur, fingen aber

erst in der Nacht zum 18ten Juni an, mit Bomben und glühenden Ku­ geln zu spielen. — Stande gebracht.

Zu

gleicher Zeit wurden

die Ricoschettbatterien zu

Wie sie die langen Linien und das innere der angegrif­

fenen Werke enfiliren;'wie sie zu diesem Zweck möglichst senkrecht auf die Verlängerung der erstem angelegt sind und wie sie zugleich demontirend

gegen die hinterliegenden Fronten wirken, ist aus dem Plane zu ersehen. In der Nacht zum 17teil Juni — der neunten Belagerungsnacht also

— ward mit den Transcheezweigen (boyaux) e, f, g und H aus der ersten Parallele vorgeschritten, ein feindlicher Ausfall auf diese Arbeit, durch das Feuer der soutenirenden Parallele, abgeschlagen und unter dem feindlichen

Feuer die zweite Parallele (C, D) am 27sten Juni — also mit der neun­ zehnten Belagerungsnacht — vollendet.

Sie war ohngefähr 300 Schritt

vom bedeckten Weg entfernt und kam theils mittelst der Sappe, theils mit Benutzung einiger flachen Hohlwege zu Stande.

Die Demontirbatte-

rieen in derselben zerstörten alle Vertheidigung des Feindes auf den ange­ griffenen Werken: dem Hornwerk von Mons und dem Außenwerk

St. Sauveur.

Die Batterieen aus der ersten Parallele fuhren fort,

mit Bomben und glühenden Kugeln zu agiren.

In der Nacht auf den 29sten Juni — der einundzwanzigsten — ward mit den Sappen i, k, 1, m aus der zweiten Parallele vorgeschritten, (alle

auf die ausspringenden Winkel der angegriffenen Werke).

Mit dem 3ten

Juli —- der 25sten Nacht — kam die dritte Parallele (EF) am Fuß des

Glacis

Erklärung der Plane. Glacis zu Stande.

321

Zn derselben wurden die Steinmörser- und die Bresch-

batterieen gegen das eine Bastion und die Courtine des Poternenhornwerks angelegt, von welchen das Mauerwerk sichtbar war.

Gegen das Horn­

werk von Mons ward unterdeß mit den Minengängen unterirdisch vor^

geschritten und in der Nacht zum 25sten Jllli — der sieben und vierzigsten

der Belagerung — der bedeckte Meg desselben, mittelst dreier Globes de

compression, gesprengt und zugleich mit dem des in Bresche gelegten Poternenhornwerks gleich darauf erstürmt, und die Logements G, H

und I auf dem Kamm des Glacis und in der erstürmten Lünette St. Sauveur zu Stande

gebracht.

Die Belagerten,

durch die gesprengten

Minen außer Fassung gebracht und durch das fortwährende überlegene Ar­ tillerie- und klein Gewehrfeuer gar nicht im Stande, sich auf der attaquirten Front zu zeigen, konnten auch das Logement (2) in dem Hornwerke

nicht hindern, und der Sturm auf das entgegenstehende Bastion würde in der nächsten Nacht — der acht und vierzigsten der Belagerung — unfehl­

bar erfolgt seyn, wenn die Festung sich nicht ergeben hätte. Wir sind bei der Beschreibung dieser Belagerung in das Detail ein­ gegangen, weil sie wegen ihrer Regelmäßigkeit als Norm dienen kann und

vielen Lesern zur Kenntniß des regelmäßigen Belagerungskriegs genügen mag.

Lehre v. Krieg III.

21

Erklärung der Plane,

322

Pl. III.

Belagerung von Warschau im Jahr 1794.

A. Preußisches Avantcorps unter dem General Götz. B. Die Armee unter Seiner Majestät dem König.

C. Russisches Corps. a Art von Transchee und Batterie in übergroßer Entfernung von den polnischen Verschanzungen. b.b Neue Verschanzungen, während der Belagenmg von den Polen angelegt, mit welchen sie die Angriffe der Belagerer in die Flanke

nahmen.

Erklärung der Plane.

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Angriffe auf Wittenberg 1813 und 1814.

Pl. IV.

aa Vorstädte, sowohl bei dem ersten Angriff der Russen am Anfang des Feldzugs, alS bei den späteren Angriffen der Preußen im Herbst und Winter, von dem Belagerer besetzt und zuletzt zum Theil demolirt.

bb Preußische Tirailleure, die sich eingegraben hatten»

mm Französische in den Gärten, ihnen gegenüber.

k Massives Krankenhaus, alS Avantposten der Belagerten befestigt. i Ziegelei — desgleichen.

i Anschließungswerk, zur Communication mit dem Elbufer. c Elbthor. p Petersthor.

s Schloßthor. R Rathhaus (eben so wie das Schloß zur Vertheidigung eingerichtet).

A A Einschließung durch das Bülowsche Corps, nach der Schlacht von Oennewitz.

3 Dritte Division, unter Prinz von Hessen-Homburg.

4 Vierte Division, unter General von Thümen»

6 Sechste Division unter General von Kraft. BB' Laufgräben und Batterieen, zu einem unzureichenden Angriff auf

der oberen und unteren Seite der Festung. / ■< vi

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