Die Entstehung der Hegelschen Dialektik 3416019962


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German Pages [276] Year 1986

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Table of contents :
Inhalt
Einleitung
1. Anfänge: Leben und Antinomie
2. Relativer Intuitionismus
4. Skeptizismus und Spinozismus als Elemente der Methode
5. Dialektik: Das verschwinden der Anschauung
Systementwürfe II, die Logik von 1804/05
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Die Entstehung der Hegelschen Dialektik
 3416019962

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Neuzeit und Gegenwart Philosophische Studien

Herausgegeben von: Klaus Düsing, Carl Friedrich Gethmann, Gert König, Clemens Menze, Samuel Ijsseling, Otto Pöggeler, Ludwig Siep Redaktion: Annemarie Gethmann-Siefert

Band2

Die Entstehung der Hegelschen Dialektik

von Manfred Baum

1986

Bouvier Verlag Herbert Grundmann · Bonn

Meiner Mutter

Standort: Signatur:

Akz.-Nr.: ld.-Nr.:

9

NS 8

CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek BAUM, MANFRED: Die Entstehung der Hegelschen Dialektik/ von Manfred Baum. - Bonn: Bouvier, 1986. (Neuzeit und Gegenwart; Bd. 2)

!SB N 3-416-01996-2 NE:

ISS N 0931-0576 Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, das Buch oder Teile dar­ aus zu vervielfältigen, auf Datenträger aufzunehmen oder zu vertreiben. © Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1986. Printed in Germany. Herstellerische Betreuung: Jochen Klein. Satz: Siering KG, Bonn. Druck und Einband: Plump KG, Rheinbreitbach.

INH A LT VII

VORWORT EINLEITUNG: Hegelsche Dialektik ........................................... Begriffsgeschichte der Hegelschen Dialektik ............... Thema und Methode in der Erkenntnis des Absoluten .. 1. KAPITEL

Anfänge: Leben und Antinomie Zur Vorgeschichte der Dialektik ............................. Die Anfänge der Dialektik ..... . ............................. Glauben und Sein ....................................... Umrisse einer Lebensmetaphysik ..................... Kritik des Kantischen Moralprinzips ................ Trinität und Menschwerdung Gottes ................ Reflexion und wahre Unendlichkeit ..................

2. KAPITEL

1 6 29

35 48 48 56 59 61 67

Relativer Intuitionismus Die Differenz-Schrift ............................. . ............ 77 Die Methode der Philosophie ........... . .................... 116

3. KAPITEL

Bruchstücke des ersten Systems Die Habilitationsthesen . . ..................................... 127 Exkurs: Identität und Differenz in der Naturphilosophie ......................... . .......... 136 Die Vorlesungen 1801/02 ..................................... 142

4. KAPITEL

Skeptizismus und Spinozismus als Elemente der Methode Der Skeptizismus-Aufsatz .................................... 175 Glauben und Wissen .......................................... 194

5. KAPITEL

„Dialektik": Das Verschwinden der Anschauung Der Naturrechts-Aufsatz und das System der Sittlichkeit ..................................................... . . 225 Systementwürfe II, die Logik von 1804/05 ................ 236

LITERATURVERZEICHNIS ............................................ :. ....... 261

VORWOR T

Die vorliegende Untersuchung der Entstehungsgeschichte von HEGELS philosophi­ scher Methode beschreibt die vielfältigen und verschlungenen Wege, die zur HEGEL­ sehen Dialektik von 1804/05 ff geführt haben. Der einheitliche Ursprung dieser Wege war der Versuch, das Absolute zu erkennen, und ihr gemeinsames Ziel war die methodologische Rechtfertigung der spekulativen Wissenschaft. Gleichwohl können HEGELS Gehversuche auf diesen Wegen nicht als ein zielgerichtetes Fort­ schreiten zur Phänomenologie des Geistes angesehen werden, und diese ist kein „Traktat von der Methode" der Metaphysik. Es ergibt sich bei der Nachzeichnung der Entstehungsgeschichte der HEGELschen Dialektik, daß sie ihren Ursprung nicht in einer Logik hatte, deren Funktion es war, in die Metaphysik einzuleiten, sondern in einer „Logik" als Strukturtheorie eines Absoluten, das kein extramundanes oder supranaturales Wesen ist und das auch kein Gegenstand der Erkenntnis im übli­ chen Sinne, sondern selber ein Subjekt-Objekt und Vernunft ist. Die theologische Erkenntnis, um deren Methode es bei der Entstehung der HEGELschen Dialektik geht, ist als „Selbsterkenntnis der Vernunft" konzipiert und diese ist der radikalste Ausdruck für die Immanenz von Erkennbarem und Erkennendem in dem einen Leben, das erst gegen Ende der hier beschriebenen Epoche „Geist" genannt wird. Dem entspricht die Unabtrennbarkeit der Formen der Erkenntnis, also auch der Methode, von ihrem Inhalt, die zu den erkenntnistheoretischen Grundpfeilern der HEGELschen Methodologie gehört: ,,das Erkennen ist der Innhalt des Erkennens selbst. Darum eben ist es absolutes Erkennen und absolute Gewißheit" ( GW7.346). „Dialektik" ist dabei zunächst nur als „negative" Dialektik zu verstehen, da die Einheit der Gegensätze, die die Philosophie nach HEGEL zu erkennen hat, zu einer Zerstörung der Verstandesformen führen muß und die metaphysische „ Unendlich­ keit'' des Geistes zunächst als etwas dieser Dialektik Enthobenes erscheint. Die positiv oder „spekulativ" erkannte Einheit der Gegensätze wird freilich erst spät in die „Dialektik" einbezogen, aber darin drückt sich da�n nur aus, was für HEGELS Philosophie von Anfang an feststand, nämlich daß es keine metaphysische Lehre von der Indifferenz gebe, die unabhängig von der Logik der Verhältnisbestimmun­ gen des Differenten wäre. Dem metaphysischen Monismus des Lebens entspricht erkenntnistheoretisch die durchgängige und fundamentale Bedeutung des skepti­ schen Tropus des Verhältnisses (oder der Beziehung) für die HEGELsche Dialektik als „Logik" des absoluten Idealismus. - Die hier vorgelegte Arbeit hat 1980/81 dem Fachbereich 1 der Universität-Gesamthochschule Siegen als Habilitations­ schrift vorgelegen. Sie ist, bis auf stilistische Korrekturen und wenige neue Fußno­ ten, unverändert geblieben. Ich hoffe, den zweiten Teil meiner Untersuchung, der eine systematische Analyse und Kritik der HEGELschen Dialektik enthalten wird, in nicht allzu ferner Zukunft abschließen zu können. Meine inzwischen erschienenen

VIII

Vorwort

Arbeiten (Wahrheit bei Kant und Hegel. In: D. Henrich [Hrsg.]: Kant oder Hegel? Über Formen der Begründung in der Philosophie. Stuttgart 1983. 230-249 und Anmerkungen zum Verhältnis von Systematik und Dialektik bei Hegel. In: D. Hen­ rich [Hrsg.]: Hegels Wissenschaft der Logik. Stuttgart 1986. 65-76) enthalten Ergänzungen und Weiterführungen des hier Vorgelegten.

EINLEITUNG HEGELSCHE DIALEKTIK KARL MARX hat die Phänomenologie des Geistes als die „wahre Geburtsstätte" der HEGELschen Philosophie angesehen und sich von ihrer Betrachtung auch eine Beantwortung der Frage versprochen: ,,wie halten wir es nun mit der HEGELschen Dialektik?" (MEW Erg. Bd. l .571, 568) Die nachfolgenden Untersuchungen sollen zeigen, daß die Phänomenologie vielmehr den Abschluß einer Entwicklung der HEGELschen Dialektik repräsentiert, von der MARX wegen der damaligen Quellen­ lage kaum etwas wissen konnte und die erst durch die seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgende Entdeckung und Datierung vor allem von Frankfurter und Jenaer Schriften HEGELS I überschaubar geworden ist. Seit den Untersuchungen HENRICHs, KIMMERLES und PöGGELERs 2 ist die entwicklungsgeschichtliche Erfor­ schung der HEGELschen Philosophie erst in größerem Umfang und zugleich auf gesicherten Fundamenten möglich geworden. 3 Was die Entwicklung der Oialektik anlangt, so liegen außer dem unten besprochenen Buch von Düs1NG zwei neuere, umfangreiche Untersuchungen von HARTKOPF 4 und KoNovus 5 vor, während JANKES groß angelegte Studie Historische Dialektik HEGELS Dialektik vor allem in der Phänomenologie in die Geschichte der neuzeitlichen Philosophie zwischen KANT, FICHTE und SCHILLER einerseits und K1ERKEGAARD und MARX andererseits einordnet. HARTKOPF spricht von einer Übernahme der F1CHTE-ScHELLINGschen Dialektik durch HEGEL, und entsprechend bilden seine bisher erschienenen Bücher über die HEGEL­ sehe Dialektik nur die Bände III und IV seiner Studien zur Entwicklung der moder­ nen Dialektik. KoNovus stellt HEGEL mit seinen beiden Freunden aus demTübinger Stift, HöLDERLIN und ScHELLING, zusammen und macht den erfolgreichen Versuch, das Denken dieser ungleichen Drei synoptisch aufeinander zu beziehen, woraus sich wichtige Einsichten in die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und insbeson­ dere in die Rolle HöLDERLINS ergeben. KoNovus· Untersuchungen können als Fort1 Vgl. G. Schüler: Zur Chronologie von Hegels Jugendschriften. In: Hegel-Studien. 2 ( 1965 ). 111-159; H. Kimmerle: Zur Chronologie von Hegels Jenaer Schriften. In: Hegel-Studien. 4 ( 1967), 125-176; ders.: Die Chronologie der Manuskripte Hegels in den Bänden 4-9. In: GW 8.348-361. 2 D. Henrich: Hegel im Kontext. Frankfurt/M. 1971; 0. Pögge/er: Hegels Jugendschriften und die Idee einer Phänomenologie des Geistes. Unveröffentlichte Habilitationsschrift. Heidelberg 1966; ders.: Hegels Idee einer Phänomenologie des Geistes. Freiburg/München 1973; H. Kimmerle: Das Problem der Abge­ schlossenheit des Denkens. Bonn 1970. 3 Vgl. K.Düsing: Das Problem der Subjektivität in Hegels Logik. Bonn 1976; H. S. Harr:is: Hege/'s Development. Oxford 1972; Hegel. Hrsg. von 0. Pöggeler. Freiburg/München 1977. 4 W. Hartkopf- Der Durchbruch zur Dialektik in Hegels Denken. Meisenheim 1976; ders.: Kontinuität und Diskontinuität in Hegels Jenaer Anfängen. Königstein 1979. 5 P. Kondylis: Die Entstehung der Dialektik. Stuttgart 1979.

2

Einleitung

setzung von T1M�1s Studie Gott und die Freiheit6 gelesen werden, in der in umfassender Weise die enorme Bedeutung des erneuerten Spinozismus für die protestantische Theologie und die Religionsphilosophie der 1780er Jahre untersucht wird. Unter den hier genannten Arbeiten verdankt diese Untersuchung am meisten dem Buch von DüsING. Eine Auseinandersetzung mit seiner entstehungsgeschichtlichen These- ,,Die Dialektik gehört der Logik als Einleitung [in die Metaphysik] an" bzw. „der systematische Ort der dialektischen Methode [ist] die frühe Logik HEGELS als Einleitung in die Erkenntnis des Absoluten" 7 - erfolgt implizit im 3. und 5. Kapitel. Doch sollen schon hier zwei Modifikationen an dieser These vorgeschlagen werden. Einmal ist die einzige Stelle, wo HEGEL von einer einleitenden Rolle der Logik spricht, ein Satz aus der Vorlesung Logica et Metaphysica von 1801/02: ,,Ich glaube, daß von dieser spekulativen Seite allein die Logik als Einleitung in die Philosophie dienen kan ..." (GW 5. Ms 18 b). In diesen Worten bezieht sich HEGEL auf eine traditionelle Funktion der Logik im philosophischen Lehrprogramm der Universitäten und impli­ zit auf den seit den Tagen der Akademie und des Peripatos geführten Streit um die Rolle der Logik als einer Propädeutik oder des ersten Teils der Philosophie. Wenn man unter Philosophie im eigentlichen Sinne die Metaphysik versteht, so besagt der Satz, daß die Logik als Einleitung in die Metaphysik dienen kann8 , wenn man sie richtig versteht, d.h. sie von ihrer „spekulativen Seite" nimmt. Dies bedeutet, wie das 3. Kapitel zeigen wird, daß die Logik darum als Einleitung dienen kann, weil sie selber in einer Abstraktion von der Metaphysik begründet ist.9 Dort, wo die Logik, von der H. Timm: Gott und die Freiheit. Frankfurt/M. 1974. K. Düsing: Das Problem, 105; vgl. ders.: Hegel in Jena. In: Zeitschrift für philosophische Forschung. 32 (1978), 410. 8 Vgl. auch meinen Aufsatz Zur Methode, In: Hegel in Jena. Bonn 1980, 123-127 und W. Jaeschke: Ä·ußer/iche Reflexion und immanente Reflexion. In: Hegel-Studien. 13 (1979), 98 ff. - Jaeschke betont mit Recht, daß es im Text über die Logik heißt, sie „kan" als Einleitung in die Philosophie und damit auch in die Metaphysik dienen, doch liegt m.E. keine „Inkonsistenz" Hegels (a.a.O. 98) vor, da die Logik gerade deshalb als Einleitung in die Metaphysik dienen kann, weil sie nach Hegel in der Metaphysik durch Abstraktion von ihr begründet ist. Diese Konzeption wäre natürlich selbst in Frage zu stellen, denn es ergibt sich das Problem einer zirkelhaften wechselseitigen Begründung von Logik und Metaphy­ sik, das Hegel durch die Fundierung der Metaphysik in der Anschauung der Idee zu umgehen sucht, wodurch auch die Logik zu einer Wissenschaft von der Idee wird. Im übrigen hatte schon Fichte die formale Logik durch Abstraktion von der transzendentalen Logik (d.h. von der Kantischen Theorie der Ontologie) begründen wollen, worin dieses Hegelsche Problem schon enthalten ist. Vgl. dazu Düsing: Das Problem, 129 f, 336 ff. Die Absicht Hegels, die Anschauung der Idee an pie Stelle der Kantischen Einheit der Apperzeption zu setzen und die Inhalte der Logik (die Formen der reinen und transzendenta­ len Logik) aus ihr abzuleiten, ist aber nicht zu übersehen. Vgl. auch GW 4.100. 9 Eine frappierende Übereinstimmung besteht zwischen den Ausführungen, die Hegel über die Rolle